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  DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten de
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Ihr_joe Volljährigkeit geprüft
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Die Welt ist eine Bühne. Nur... das Stück ist schlecht besetzt. Oscar Wilde

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:18.07.21 11:01 IP: gespeichert Moderator melden


@ folssom

Es sollte doch nur der Hinweis sein, wenn M A G N U S nur seine Ansicht sieht, kann er er nicht wissen wie es bei anderen Aussehen kann.

Allein durch die Formatierung der Nummer aber auch bei seinen anderen Posts , erkenne ich, dass M A G N U S auf so etwas wert legt.

Es bedeutet doch einen großen Mehraufwand an Zeit, die Geschichte so zu formatieren? Mit einem solchen (für mich unbefriedigenden) Ergebnis:

- „Und wie sieht es mit Quarantänemaßnahmen aus?“, wollte
Schneehof-
fer wissen.

Sollte ich mich falsch ausgedrückt haben, und aus irgend einem Grund es genau so gewünscht sein, tut es mir außerordentlich leid!

Vielleicht kam zu wenig zum Ausdruck, dass ich die Geschichte auch gerne lese.

Ihr_joe


Toleranz beginnt dort, wo das eigene Weltbild aufhört. (Amandra Kamandara)

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M A G N U S
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:18.07.21 19:28 IP: gespeichert Moderator melden


Liebe Lese-Freunde, ich freue mich um jede Rückmeldung, tatsächlich ist Joes Einwand vollkommen berechtigt: An die "Smartphone-Leser" hatte ich überhaupt nicht gedacht, ich übernahm vielmehr den Zeilenumbruch aus dem "Word"-Manuskript. Auf meinem breiten Bildschirm ziehen sich andernfalls die Zeilen sehr lange hin und meine alten Augen haben Mühe, den Anfang der nächsten Zeile zu finden.
Ich würde mich freuen, wenn weitere Leser hierzu ihre Meinung schreiben. Gerne lasse ich den Zeilenumbruch aus Word sodann weg, wenn das mehrheitlich gewünscht wird.
Darüber hinaus ehrt es mich, wenn meine in ehrlicher Selbsteinschätzung doch recht träge und tröge dahindümpelnde Geschichte gern gelesen wird; als ich vor über einem Jahr erstmals schriftstellerisch tätig wurde, viel es mir schwer, richtig "in Fahrt" zu kommen, in den späteren Kapiteln wird viel mehr Handlung geschehen.
"Das erste Treffen mit Martina", liebe Sarah, immerhin kam es endlich zu einem wenn auch einseitigen zufälligen Zusammentreffen, und dann ist da noch die seltsame Bekannte mit ihrem geheimnisvollen Problem...
Nächsten Freitag abend oder Samstag früh kommt die Fortsetzung!
Magnus.
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:18.07.21 19:34 IP: gespeichert Moderator melden


... und jetzt hab' ich mich glatt verschrieben: "Es fiel mir natürlich schwer", und es fällt mir immer noch, wie peinlich. Und die automatische Rechtschreibkorrektur erkennt so einen Fehler "natürlich" nicht!
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:23.07.21 19:25 IP: gespeichert Moderator melden


Das folgende Kapitel wird versuchsweise ohne Formatierung dargestellt mit der Bitte um Nachsicht, sollten vereinzelt Trennungsstriche nicht entfernt worden sein:


11

♪ Dinng-Donng – ding,ding,ding,Dülülülü – Dülülülü – Dülülülü – Dülülülü ♪

Schnöd wurde die Tagesschau-Fanfare durch den nervtötenden Klingelton des Festnetz-Telephons unterbrochen, verärgert griff Gangolf nach dem Hörer und drückte die Stumm-Taste. In seiner Kindheit wurde ihm gelehrt, daß man nur aus sehr wichtigen Gründen nach acht Uhr Abends anriefe und auch darnach nicht mehr, da sich die Menschen zum wohlverdienten Feierabend vor dem Fernseher versammelten und nach den Nachrichten noch einen Film ansahen, bevor sie gegen zehn sich zum Schlafen bereiteten.

Für Gangolf galt die Tagesschau nach wie vor zu der verläßlichsten Informationsquelle, denn was alles im Internet, aber zunehmend auch in den seriös erscheinenden Tageszeitungen zu lesen war, basierte seiner Meinung nach vielfach auf Mutmaßungen. Das war ihm auch verständlich, denn seriöse Nachrichten-Recherche brauchte Zeit, und die hatte niemand mehr.

- ‚Der Anruf kann warten’, dachte sich Gangolf und lenkte seine Aufmerksamkeit dem Nachrichtensprecher zu:
- „In Venedig ist heute am Nachmittag gegen 16 Uhr der Palast Ca’ d’Oro eingestürzt, die prachtvolle Fassade ist größtenteils in den Canal Grande gestürzt. In dem Palazzo war eine bedeutsame Galerie untergebracht, die jedoch schon seit Jahren geschlossen war. Über Personenopfer kann derzeit keine genaue Angabe gemacht werden; ein Mann, der offenbar das Zusammenbrechen erahnte, versuchte sich aus dem zweiten Stockwerk aus der Loggia durch einen gewagten Sprung in den Kanal zu retten, er wurde jedoch im Wasser durch die herabfallenden Trümmer erschlagen und konnte nur noch tot geborgen werden. Eine weitere Leiche wurde mittlerweile aus dem Wasser gezogen, es ist zu befürchten, daß weitere Opfer sich unter den auf dem Ufer zu liegen gekommenen Trümmern verbergen.

In einer ersten Stellungnahme gehen Fachleute davon aus, daß die Durchfeuchtung der Ziegelmauern an den vom Canal Grande abgewandten Seiten des fast 700 Jahre alten Palastes für den Einsturz verantwortlich ist, aber auch die ständige Umspülung der kanalseitigen Säulen könnten als Grund für das große Unglück in Frage kommen. Der seitlich von dem Gebäude sich befindliche Schiffsanleger wurde nicht im Mitleidenschaft gezogen, allerdings der dorthin führende Steg entlang des Palastes.
Auf dem Canal Grande kam durch den starken Wellengang während des Eintrags der gewaltigen Steinmassen eine Gondel in’s Schlingern und kenterte, die Passagiere und der Gondoliere konnten sich an das Ufer retten. Auch der benachbarte Palazzo Miani Coletti Giusti wurde schwer beschädigt.

Nach den Worten des kommunistischen Bürgermeisters von Venedig, Morto, sei das Unglück auf die systematische Vernachlässigung der uralten Bauwerke in der Stadt zurückzuführen, weder von der italienischen Zentralregierung in Rom, noch von den Provinzbehörden, noch von der Europäischen Union kämen die seit Jahrzehnten zugesagten finanziellen Beteiligungen an dem Weltkulturerbe; die Wirtschaft der Stadtkommune Venedig liege vollkommen am Boden, auch die Einnahmen aus dem Tourismus sinken kontinuierlich, Venedig sei mit dem Problem der uralten Bauwerke und deren Gefährdung durch das ständig steigende Hochwasser allein gelassen.

Durch die Aufgabe des Hochwasserschutzsystems Mo.S.E. sei die Stadt den Fluten schutzlos ausgeliefert, der Einsturz des Ca’ d’Oro stünde erst am Anfang einer ganzen Reihe von Unglücken, die sich in den nächsten Jahren ereignen werden. Staatspräsident Maffisi eilte noch am Abend mit dem Hubschrauber an den Unglücksort, er versprach unbürokratische Wiederaufbauhilfen aus Rom. Morto kommentierte diese Zusage mit dem Hinweis, daß es da nichts mehr zum Aufbauen gäbe.
Hier im Ersten gibt es nach der Tagesschau eine Sondersendung zu dem Thema Venedig. Die sich anschließenden Sendungen werden sich um etwa fünfzehn Minuten verschieben.

Entsetzt sprang Gangolf auf, um aus der Nähe die eingeblendeten Filmszenen genauer verfolgen zu können: Venedig, seine Lieblingsstadt in Italien, einer der schönsten Paläste am Canal Grande ist eingestürzt, er traute seinen Sinnen nicht, das durfte doch nicht wahr sein. Beinahe hätte er vor Schreck sein Bierglas umgeschüttet, gerade noch konnte er es im Flug auffangen, so daß nur ein paar Tropfen sich über das Wohnzimmertischlein versprühten.
In der Sondersendung zum Einsturz des Palastes wurden zunächst Bilder des uralten riesigen Bauwerks gezeigt; nicht nur die darin aufbewahrten Kunstgegenstände sind nunmehr unwiderruflich verloren gegangen, das Gebäude selbst mit seinen reichverzierten Loggien, die Kassettendecken, Mosaikfußböden, die Säulenhalle zum Kanal hin.

Während man auf alten Photographien deutlich die Stufen zum Kanal hinunter erkennen konnte, wurden diesen neuere Aufnahmen gegenüber gestellt, wo die Stufen längst dauerhaft unter Wasser standen. Auf den derzeitigen Bildern sind die Stufen überhaupt nicht mehr zu erkennen gewesen, vielmehr stand das Wasser in den letzten Jahren ständig in der säulengestützten Eingangshalle. Die Dünung durch den starken Schiffsverkehr schlug auf diese Weise ständig auf die Innenmauern der Eingangshalle. Während die Außenmauern mit großen Steinquadern fugenlos errichtet worden waren, wurde bei der Errichtung der Innenmauern nicht damit gerechnet, daß diese ständig mit dem Wasserdruck beaufschlagt würden.

In der Sondersendung wurden noch weitere Mutmaßungen genannt, die zu dem Einsturz geführt haben könnten, bis hin zu dem undichten Dach, daß nicht auszuschließen ist, das eingedrungene Regenwasser sei für den Einsturz ursächlich gewesen. Doch waren sich die Kommentatoren einig, daß das immer häufiger eintretende Hochwasser in Venedig, >Aqua alta< genannt, schon zu unermeßlichen Bauschäden geführt hat.

Vor zehn Jahren wurde das seit vielen Jahrzehnten geplante Sturmflutsperrwerk, genannt >MO.S.E.< für >Modulo Sperimentale Elettromeccanico< vollendet. Mit diesem Sperrwerk konnten die drei Verbindungsstellen der Lagune mit dem offenen Meer verriegelt werden. Die Baukosten von einigen Milliarden Euro waren immens, Korruptionsskandale verzögerten über viele Jahre die Fertigstellung. Der erste Probebetrieb im Juli 2020 unter Beisein von Premierminister Conte verlief erfolgreich, die gewaltigen 78 Stahltore konnten problemlos nacheinander aufgefahren werden, so daß die Lagune tatsächlich vom Meer abgeriegelt worden ist.

Das Mose-Projekt ist schließlich zwei Jahre nach Inbetriebnahme schon wieder stillgelegt worden: Die jährlichen Betriebskosten beliefen sich auf viele Millionen Euro, der wirtschaftlich schwer angeschlagene italienische Staat wollte sich das Projekt nicht mehr leisten. Die internationalen Kulturstiftungen sahen sich zwar in der Pflicht, anteilig die vielen Baudenkmäler Venedigs zu erhalten, aber der Hochwasserschutz sei eine nationale Angelegenheit.
Das war schließlich das Ende des >Projekts<, die italienischen Konstrukteure waren sich anscheinend schon bei der Namensgebung im Klaren, daß das Vorhaben scheitern könnte, wörtlich übersetzt lautet der Text für >MO.S.E<: Elektromechanisches Versuchs-Modul, doch es scheiterte nicht an der Technik, sondern an den laufenden Kosten!

Es gab auch einen betrieblichen Grund: Die Lagune sollte erst bei wirklich hohem Hochwasser abgeschlossen werden, um die Gezeitenströmungen in der Lagune aufrecht zu erhalten und damit den ökologischen Anschluß an das Meer zu gewährleisten. Auch wollte man die Schiffahrt nicht unnötig einschränken. So sollten die Tore erst ab 110 Zentimeter über normalem Wasserstand geschlossen werden, dieser Wasserstand reichte aber bereits aus, daß der Markusplatz komplett unter Wasser stand.

Ab dem Jahr 2022 blieben die gigantischen Stahltore auf dem Meeresboden unter den drei Einlaufstellen in die Lagune nach nur zwei Betriebsjahren. Als 2027 sich eine neue dramatische Hochwasserflut anbahnte, versuchte man nochmals, das Sperrwerk zu reaktivieren. Während der Scirocco gnadenlos den Technikern um die Ohren blies und die Gischt sich immer höher auftürmte, um die Flut durch die drei Einlässe in die Lagune hineinzupeitschen, bemühten sie sich verzweifelt, die Kompressoren in Gang zu setzen, um die riesige Preßluftmenge zu erhalten, welche das Wasser aus den Stahlkammern der Tore drückt und auf diese Weise deren Auftrieb bewirkt.

Das war natürlich wieder eine Schnellschuß-Entscheidung, wie sie nur von Nichtfachleuten gefordert werden konnte: Der notwendige Überdruck konnte nicht innerhalb weniger Minuten aufgebaut werden, auch nicht in Stunden, selbst wenn die Kompressoren nach den Jahren des Stillstands sofort mit voller Leistung arbeiteten. Als schließlich das Hochwasser bereits seinen Scheitelpunkt erreicht hatte, hoben sich endlich die ersten Absperrtore in den Durchfahren von Malamocco und Chioggia, die Tore bei Punta Sabbioni waren indes nicht zu bewegen. Es war ein trauriger Anblick, daß man nach nur wenige Minuten die Ventile öffnen mußte, damit die Luft aus den Stahlkammern wieder entweichen konnte und an ihrer Stelle das Wasser eindrang, welches die Teile, nun wohl für alle Zeiten, auf den Grund des Meeres zurückdrückte.

Das Hochwasser schlug in diesem Jahr mit einer Rekordhöhe von 2,16 Meter über Normal auf die Lagunenstadt, sie stand komplett unter Wasser, selbst die Hilfsstege wurden unpassierbar überflutet, der damals entstandene Schaden bis heute längst nicht behoben. Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage in Italien und Europa insgesamt werden die Bauschäden auch nicht mehr vollständig zu beheben sein, die Kosten sind immens, schon allein deshalb, weil man nicht mit Baufahrzeugen anfahren kann, sondern alles per Barken und Pontons durchgeführt werden muß.

Es gab sogar schon Überlegungen, die weltberühmte Rialto-Brücke von 1591 abzutragen, zum einen, um ihrem Einsturz zuvorzukommen, aber auch, daß die Schiffe ungehindert den Kanal entlang tuckern konnten. Durch den ständig steigenden Wasserspiegel müssen sich die >Vaporetti< nämlich in der Mitte des Kanals durch die Brücke drängeln, um an der höchsten Stelle des Bogens gerade noch hindurchzupassen.
Venedigs Ruf als düstere Stadt mit den höchsten Selbstmordraten weltweit wird durch den Einsturz dieses außergewöhnlich schönen 700 Jahre alten Palastes neue Nahrung erhalten, wie es der Bürgermeister Morto auf den Punkt gebracht hat: Wir stehen erst am Anfang, viele weitere Einstürze werden folgen, das Ende der gesamten Stadt ist im Grunde genommen besiegelt.
Ein Trost bleibt den Venezianern: Die Sturmfluthöhen von bis zu zehn Metern an der deutschen Nordseeküste bleibt ihnen wohl erspart, dort führen die Bewohner einen Kampf gegen das Wasser mit ganz anderen Dimensionen.

Schockiert griff Gangolf zur Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. Eigentlich wollte er sich den anschließenden Krimi ansehen, ein alter Tatort mit Maria Furtwängler als Kommissarin Lindholm. Heute werden solche Filme fast nie mehr gedreht, die modernen Streifen handeln nur noch von bodenloser Gewalt und völlig überzogenen Action-Szenen. Er konnte sich nicht vorstellen, wie man sich an dieser Art von Filmkunst erfreuen konnte, schon allein der rasante Szenenwechsel, gepaart mit schriller Musik, ließen ihn zurückschrecken.
Gangolf schloß für kurze Augenblicke die Augen, genoß die Stille, war im Gedanken bei seinem letzten Venedig-Besuch, dieser war schon einige Jahre her. Er wollte unbedingt noch einmal dort hin, bevor die Stadt endgültig zusammenbricht und aufgegeben wird. Tief in Gedanken versunken wird Gangolf durch das Trällern des Telephons aufgeschreckt, jäh wurde er daran erinnert, daß bereits vor einer halben Stunde jemand ihn sprechen wollte.

Nachdem er sich gemeldet hatte, vernahm er eine junge Frauenstimme: „Martina Weiß“.
- ‚Das ging ja schnell’, dachte sich Gangolf, nachdem er sich erst am Tag zuvor mit der Pfarrerin getroffen hatte, 'da gibt es anscheinend eine wirklich dringende Sache zu besprechen’.
- „Hallo Herr Stumpf! Also Pfarrerin Litte hat mir gesagt, Sie haben miteinander gesprochen und daß ich bei Ihnen anrufen darf, weil Sie so ein Fachmann für elektronische Geräte sind“.
- „So pauschal würde ich das jetzt nicht von mir behaupten, Elektronik ist ein weites Gebiet“.
- „Schon klar, aber bisher fanden wir noch keinen, der unser Problem hätte lösen können; es ist aber auch so, daß wir noch niemanden in unser Vertrauen zogen, denn es ist eine heikle Sache.“
- ‚Schon wieder diese Geheimniskrämerei’, dachte sich Gangolf und war dabei, sich einen Satz zu formulieren, mit welchem er das Thema abwiegeln konnte und das Gespräch damit beenden. Doch seine Gesprächspartnerin kam ihm zuvor:
- „Also ich möchte Ihnen vorschlagen, daß wir uns einmal wo treffen könnten, um uns Kennenzulernen und dann könnten wir weitersehen. Selbstverständlich würde ich mich ganz nach ihren Vorschlägen richten, wann und wo, sagen Sie einfach, wenn Sie ein bißchen Zeit haben, es wäre wirklich sehr wichtig.“
- ‚Vor der Arroganz keine Spur mehr’, dachte sich Gangolf, als er diese zuckersüßen Worte aus dem Telephonhörer vernahm. Als er ihr damals wegen der Motorradfahrerei eine E-Mail schrieb, kam nur eine ganz knappe, herrische Antwort: Zehn Uhr, und sei pünktlich, in diesem Sinn, wie anders klang das jetzt!

- „Laß’ mich kurz überlegen“, bat Gangolf und gab nach einer Weile zur Antwort:
- „Wie wär’s mit Sonntag Vormittag, so um elf Uhr, kennen Sie die Eisdiele an der Hauptstraße von Grausneg?“
Es war eine gehässige Provokation, freilich war sich Gangolf im Klaren darüber, daß Martina den Ort kannte und auch den Zeitpunkt, damals als angehende Motorrad-Sozia.
- „Ja klar“, schoß es ihm sofort aus dem Hörer, „kenn’ ich, da sitzt man schön, prima, also Sonntag gegen elf Uhr, ich werde auf jeden Fall da sein, Danke für Ihr Angebot, dann können wir alles in Ruhe besprechen, Ciao“.

Sie blieb hartnäckig bei’m >Sie<, offensichtlich wußte sie immer noch nicht, mit wem sie es zu tun hatte, und heimlich fand Gangolf Freude daran, den Unbekannten zu spielen.
Sinnend blieb Gangolf noch eine Weile auf dem Sofa liegen, dachte an die kesse Pfarrerin, an ihre Bekannte Martina und an deren Bekannte mit dem geheimnisvollen technischen Problem.
- ‚Wie hieß sie gleich wieder?’ versuchte er sich zu erinnern, Bettina hat ihren Namen erwähnt. Schließlich ergriff er doch wieder die Fernbedienung, um den Furtwängler-Tatort anzusehen, auch wenn er nun schon gut eine Viertel Stunde begonnen hatte. Er verspürte heute keine Lust mehr, an seinem Handschellen-Projekt weiter zu machen.


Liebe Leser,
wie findet ihr die Darstellung mit den unbegrenzt-langen Zeilen? Schreibt euere Meinung dazu, ich hoffe, ihr findet weiterhin Gefallen an der Geschichte,
Magnus.


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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:30.07.21 18:55 IP: gespeichert Moderator melden


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Gelangweilt schlenderte Hauptwachtmeister Olaf Brause durch den kurzen Flur im ersten Stock der Polizeidienststelle in Lüggen; das große Gebäude wurde sehr schön mit roten und okerfarbenen Backsteinen und kunstvollen Fensterbögen vor über 100 Jahren gemauert. Am Ende des Flurs traf er auf den Dienststellenleiter, dieser bat ihn gleich in sein Büro herein, zu einem Gedankenaustausch, wie er es zu nennen pflegte. Im Grunde genommen war ihm genauso langweilig wie seinem Kollegen. Freilich durften sie das nicht zugeben, im Gegenteil, bei der übergeordneten Polizeidienststelle in Kaiserswuselhausen forderten sie, wie alle Polizeiwachen der Region, alljährlich wieder Budgeterhöhungen und zusätzliches Personal.
In früheren Jahren war mehr zu tun: Immer wieder verursachten betrunkene Autofahrer Unfälle, überladene landwirtschaftliche Anhänger kippten in engen Kurven um, Mopedfahrer kamen in's Schlingern und landeten im Straßengraben. Aber auch Wohnungsbrände kamen vor, doch in den letzten Jahren ist es still geworden. Die Wirtshausschlägereien verschwanden, weil die Bauern nur noch selten die Nächte in den Wirtshäusern durchzechten, die Verkehrsunfälle ließen nach, denn die drakonischen Strafen auf alkoholisiertes Fahren und Geschwindigkeitsübertretungen zeigten Wirkung.
- "Na, was gibt's Neues, Olaf," fragte Dienststellenleiter Nisselpriem und wies dem Hauptwachtmeister mit einer einladenden Geste, Platz zu nehmen, "was macht eigentlich Marlies Armdran, hast du sie wieder einmal besucht?"
- "Nee, die lief mir vorgestern auf dem Markt über den Weg, hat mich gleich gegrüßt, ich hätte sie wahrscheinlich gar nicht bemerkt; nee, die ist in Ordnung, die läuft uns nicht weg!"
- "Ruf doch mal in der Gülle an, ob die irgend welche Auffälligkeiten erkannt haben."
- "Ja klar, werde ich machen."
- "Sag mal, Olaf, was war damals eigentlich los mit dieser Marlies Armdran, ich war damals ja noch nicht da, was ist deine Meinung, was da damals abging?"
- "Eine seltsame Sache", antwortete Brause und setzte eine nachdenkliche Miene auf. "Ich glaube nicht, daß sie es war, aber wir werden ja nicht groß nach unserer Ansicht gefragt, alles Kriminelle geht ja gleich an die Kriminaler in Kaiserswuselhausen. Die hat so schnell gestanden, wahrscheinlich setzte der Staatsanwalt sie gehörig unter Druck, wenn sie nicht gestehe, käme es zur Mordanklage."
- "Du meinst also, sie hat gar nicht den mutmaßlichen Vergewaltiger erschlagen?"
- "Ja das weiß ich natürlich auch nicht, sicher ist nur, daß sie den Typ mit einer Blumenvase niederschlug, bevor dieser sich an ihr vergriffen hätte. Deshalb wollte der Staatsanwalt ihr daraus einen Mord anhängen. Erst durch das schnelle umfassende Geständnis und durch die Aussage ihrer besten Freundin wurde die Tat zum Totschlag heruntergestuft."
- "Und was sagte diese Freundin?"
- "Die wurde tatsächlich kurz vorher vergewaltigt und hat das auch angezeigt, das wurde auch bestätigt. Sie identifizierte den Getöteten sofort als den Mann, der sie wenige Wochen zuvor vergewaltigt hatte. Es war also naheliegend, daß dieser Scheißkerl auch die arme Armdran packen wollte."
- "Dann ist ja wohl doch alles geklärt worden", meinte der Dienststellenleiter.
- "Ja, vermutlich lief das so ab", entgegnete Brause, "doch gab es keinerlei Spurenaufnahme in der Wohnung der Armdran, ob es wirklich die Blumenvase war, ob das Teil ausreichte, ihn zu Fall zu bringen, immerhin war er ja nicht einfach benommen dagelegen, sondern war tot. Und dann ist die Marlies so ein zierliches, geradezu zerbrechliches Mädchen gewesen, mit ihren gerade mal 22 Jahren."
- "Du meinst, es könnte jemand anders zumindest nachgeholfen haben, den Kerl zu töten und diese Marlies hat die alleinige Schuld einfach auf sich genommen."
- "Ja, das könnte so gewesen sein, ist halt schon einige Jahre her, so genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß da kaum in eine andere Richtung noch ermittelt wurde, ob da doch noch ein anderer Täter in Frage gekommen wäre."

Die beiden Polizisten pflegten noch eine Weile ihren >Gedankenaustausch<, schließlich kamen sie auf einen Raubüberfall auf die Sparkasse in Lüggen zu sprechen, der vor zwei Jahren für große Aufmerksamkeit sorgte. Auch dieser Kriminalfall wurde nicht restlos aufgeklärt; gesichert galt, daß vor dem Eingang ein Motorrad mit zwei Männern vorfuhr, der Sozius schwang sich vom Sattel und lief in die Sparkasse, ohne seinen Helm abzunehmen. Mit vorgehaltener Pistole erzwang er die Herausgabe von 45.000 Euro, offenbar wußten die Räuber, daß sich an diesem Tag ein dermaßen hoher Betrag in der Filiale befand. Ein Kunde meldete einige Tage zuvor die Barauszahlung an. Der Räuber stopfte das Geld und die Pistole in eine Umhängetasche, lief nach draußen und während der Alarm ertönte, brausten die beiden davon.
- "Das Merkwürdige war der zweite Motorradfahrer gegenüber", erläuterte Brause redselig, "vielleicht stand der rein zufällig mit seiner Maschine gegenüber vor der Bäckerei. Vielleicht war er aber ein Kumpan. Zeugen berichteten jedenfalls übereinstimmend, daß dieser Zweite seinen Helm aufsetzte und den beiden anderen nachjagte."
- "Waren die Banditen tatsächlich tot, als sie aus der Kurve flogen?", wollte der Dienststellenleiter wissen.
- "Ja genau, zwischen Schlepptsich und Grausneg flogen sie im hohen Bogen in den Wald, haben wohl die Rechtskurve nicht gekratzt. Der eine war vermutlich gleich tot, der andere lebte schwerverletzt, starb aber später im Krankenhaus. Interessant ist, daß der bei einer ersten Befragung noch im Wald sagte, daß der unbekannte zweite Motorradfahrer sie verfolgte und daß dieser nach ihrem Abflug in die Büsche anhielt und zu ihm kam, ihm die Umhängetasche entriß und damit davonlief. Kurz darauf hörte er den aufbrausenden Klang eines davonjagenden Motorrads."
- "Dieser hatte demnach nichts mit den eigentlichen Räubern zu tun?"
- "Das behauptete zumindest dieser Schwerverletzte, als die Polizei ihn und den toten Ganoven fanden. Der hat einfach den Geldsack mitgenommen und ist damit abgehauen".
- "Und man fand nicht heraus, wer das war?"
- "Nein, die Zeugen konnten sich nur an ein blaues Motorrad erinnern, zwar wurden alle Besitzer von blauen Motorrädern in der ganzen Umgebung besucht, alle ließen bereitwillig ihre Wohnungen durchsuchen, aber so blöd war natürlich keiner, die Geldscheinbündel unter das Kopfkissen zu legen, die liegen sicher irgendwo gut versteckt."
- "Aber ganz auszuschließen war es auch nicht, daß dieser Zweite doch ein Komplize war."
- "So ist es, das wurde nie weiter untersucht, denn dieser Zweite wurde ja nie identifiziert, die Suche nach ihm wurde irgendwann eingestellt."

Während die beiden Kreisstadt-Polizisten ihrem Gedankenaustausch frönten, wurde im Bundesgesundheitsministerium lautstark und kontrovers diskutiert. Es kam zu einem regelrechten Schlagabtausch, Minister Scham ließ die Wortverfechter gewähren, er selbst war kein guter Redner, so lehnte er sich lieber still zurück und hörte sich an, was seine Staatssekretäre und Referatsleiter alles zum Besten gaben. Neben den Regierungsbeamten waren auch namhafte Mediziner eingeladen, ihre Meinung kundzutun, Staatssekretär Doktor Unwohl bemühte sich redlich, leider nicht ganz erfolgreich, die Debatte auf einer sachlichen Auseinandersetzung zu halten.
Ein Beteiligter sagte: "Aus England hört man, daß der Krankheitsverlauf gar nicht so schlimm sein soll."
Ein anderer entgegnete prompt: "Nicht so schlimm? Nennen Sie das >nicht so schlimm<, wenn sich jemand vor lauter Juckreiz die Eier aufkratzt?"
Ersterer blökte zurück: "Er wird nicht daran sterben!"
- "Muß man erst sterben, um eine Krankheit als schlimm zu bezeichnen?" geiferte der andere zurück.
Jetzt donnerte Unwohl dazwischen: "Meine Herren, ich darf doch bitten, schlimm oder nicht so schlimm, es geht darum, die Ausbreitung dieses unheimlichen Virus' mit allen Mitteln zu verhindern".
Wieder ein Anderer aus der Runde schnappte prompt, kaum daß Unwohl den Satz vollendet hatte:
- "Mit allen Mitteln? Soll man die Erkrankten erschießen? Dann wär' das Problem gleich erledigt."
Eine Woge der Empörung schlug dem Redner mit seiner völlig unqualifizierten Bemerkung entgegen, und es dauerte mehrere Minuten, bis in dem kleinen Saal wieder einigermaßen Ruhe eingetreten war.
Doch der Wortführer gab nicht auf und fuhr fort: "Entschuldigen Sie bitte, das war sarkastisch, das habe ich natürlich nicht im Ernst gemeint, aber es ist doch wirklich was dran, wenn da so ein Ärmster auf völlig unbestimmte Zeit in die Quarantäne gesteckt wird, weil die Infektion durch körpereigene Abwehrkräfte nicht besiegt werden kann und medizinische Gegenmittel fehlen."
Minister Scham klatschte in die Hände, nach kurzer Zeit endete das Gemurmel und jeder in der Runde wandte sich ihm zu. Doch statt einer erwarteten kurzen Rede, was der oberste Chef zu der Sache zu sagen hätte, formulierte er mit viel Mühen einen kurzen Satz:
- "Es wird wohl sein, daß wir die Infizierten herauslassen müssen in den normalen Alltag".
Da nun nichts weiter kam, ergriff Unwohl das Wort zu einer Frage: "Meinen Sie damit, daß man die Menschen, nachdem man sie eindeutig als mit dem Virus infiziert getestet hat, einfach wieder hinaus in das Alltagsleben gehen läßt, wo sie dann beliebig viele weitere anstecken werden?"
Scham räusperte sich und setzte verlegen an: "Äh, ja, wir können sie ja nicht ewig einsperren, also wir brauchen Schutzmaßnahmen, daß sie dann keine anderen Leute anstecken."
- "An welche Schutzmaßnahmen denken Sie", warf jemand ein, "übertragen wird das Virus über Tröpfcheninfektion, wie damals beim Corona."
Ein anderer entgegnete: "Dann müssen halt die gleichen Gegenmaßnahmen wie damals her!"
- "Die billigen Stoffetzen, die sich die Leute vor den Mund geschnallt haben?"
Der Redner, der für Empörung gesorgt hatte, ergriff erneut das Wort: "Das mit den Stoffmasken war doch eher eine symbolische Maßnahme, Sie können das als psychologische Gegenwehr bezeichnen, wobei wir beim Placebo-Effekt wären. Meiner Meinung nach war das mit den einfachen Stoffmasken ein solidarischer Akt, die meisten haben mitgemacht, um ein Zeichen zu setzen, in der Gemeinschaft einzustehen, in dem Gefühl, das Virus damit aktiv zu bekämpfen."

Nun trat erstmals während der hitzigen Debatte eine Stille ein. Schließlich unterbrach sie Unwohl:
- "Mir ist jetzt Folgendes klar geworden, bitte unterbrechen Sie mich jetzt nicht, damit ich mich auf das zu Sagende konzentrieren kann! Also zum ersten muß ich Herrn Minister Scham Recht gegen, wir können die Infizierten nicht beliebig lang in Quarantäne halten, ganz gleich, wie diese auch aussehen möge. Wir benötigen folglich geeignete Schutzmaßnahmen, um die Verbreitung der Infektion wirksam zu verhindern. Wenn die einfachen Stoffmasken nicht ausreichen, müssen eben die wirklich gasdichten Gasmasken her, wie das bereits neulich in der Kanzlerrunde besprochen wurde und sogar als unabkehrbarer Beschluß gefaßt wurde."
- "Und wie soll das gewährleistet werden, daß die Betroffenen die Maske dann wirklich tragen?", fragte jemand nach.
"Das ist eine berechtigte Frage", entgegnete Unwohl, "mir ist bei dem Gedanken tatsächlich unwohl, daß die Betroffenen zu ihrer Plage auch noch die schwere Gasmaske tragen sollen, zum Spott der Gesunden, die sich gar einen Spaß daran machen, die Armen mit ihrer Maske, schwer schnaufend, belustigt anzugaffen."
- "Wurde denn diese Tragepflicht-Problematik im Kanzleramt nicht angesprochen?", wollte jemand wissen.
- "Die Details sollen in den Arbeitskreisen der einzelnen Ministerien ausgearbeitet werden, somit müßten wir uns hier eigentlich nicht damit befassen, wie wir das Tragen der Masken für die Infizierten verpflichtend durchsetzen können", meinte Unwohl. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort:
- "Da soll eine eigene polizeiähnliche Schutzmannschaft aufgestellt werden, die speziell das Maskentragen beaufsichtigt. Wie das gehen soll, kann ich mir nicht vorstellen, aber das ist jetzt nicht unsere Sorge. Wir sollten uns um die medizinischen Gesichtspunkte der Maßnahmen sorgen."
Wieder ergriff der Redner das Wort, der zwar anfangs für Empörung sorgte, indes zunehmend als ernstzunehmender Gesprächspartner anerkannt worden war, auf dessen kritische Einwände hin zum Kern der Sache vorgedrungen wurde:
- "Was halten Sie davon, allen eine Maske zu verpassen, also den einen, um die anderen nicht anzustecken, den anderen, um nicht von ersteren angesteckt zu werden?"
Ein Gemurmel erhob sich in dem Raum, bis sich Scham nicht dafür schämte, stotternd das Wort zu ergreifen, nicht ohne seinem vorausgehenden typischen Händeklatschen, um sich Gehör zu verschaffen:
- "Sie meinen also, die Infizierten kriegen ein Filter wo sie beim Ausatmen den Virus im Filter zurückhalten, und die Nichtinfizierten müssen beim Einatmen durch ein Filter einatmen, damit sie beim Einatmen also nicht die vielleicht mit den Viren voller Luft, also die Luft voller Viren, einatmen."
~ 'Wie konnte der nur Bundesminister werden', dachte sich Unwohl und mit ihm wohl so mancher unter den Anwesenden, 'der ist ja nicht einmal Mediziner, reiner Politiker, und schafft es nicht, einen einfachen Satz zu formulieren.'
Nachdem niemand Schams Ausführungen kommentiert hatte, wandte dieser sich nochmals in die Runde:
- "Also was halten Sie von dem Vorschlag mit den zwei Masken, für alle eine".
Nun meldete sich der Sprecher des Ministeriums zu Wort: "In der Tat halte ich das für einen gangbaren Weg, eine Art Gleichberechtigung zwischen Gesunden und Erkrankten herzustellen. Auch die Frage der Überwachung wäre damit einfach, wenn jeder eine Maske tragen muß."
Nun platze wieder der Provokant in die Runde: "Können Sie sich vorstellen, daß jeder von uns hier sitzt mit der Gummifotz` vor dem Maul und wir uns durch das Gummi anblöken? Wie skurril ist denn so was, beim Barras haben wir als Rekruten solche Späßchen gemacht, es war richtig affengeil gewesen!"
- "Mäßigen Sie sich in der Wortwahl", entrüstete sich Unwohl, "wir sind hier nicht im Wirtshaus".
Jetzt entgegnete Scham in Person, indem er kurz die Hand hob als Zeichen, daß eine Chefansage käme:
- "Mir gefällt Ihre Wortwahl auch nicht, aber Sie haben Recht, manchmal braucht es derbe Worte, die aufrütteln und uns den ganzen Wahnsinn vor Augen führen, wie einen Spiegel, wie das dann alles sein könnte, mit Gasmasken dasitzen und diskutieren, oder draußen die Leute, wenn sie arbeiten müssen, das geht doch eigentlich gar nicht. Aber was anders fallt mir auch nicht ein."
Nach einem Moment der Stille meldete sich ein Redner zu Wort, der bislang noch nichts gesagt hat:
"Man müßte zweifarbige Filter einführen, die einen grün für gesund, die anderen rot für krank, als Zeichen für Gefahr, die von dem Träger ausgeht. Freilich wäre das eine Art Stigmatisierung, wie es schon in der Bibel steht von den Aussätzigen, Moses verfügte: >Solange das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.<"
Ein anderer ergänzte: "Da gab es doch sogar so Warnglocken oder Warnklappern, mit denen der Aussätzige die Gesunden waren mußte, damit diese Abstand hielten, oder sie mußten >unrein, unrein!< rufen.“
Dann meldete sich ein Virologe zu Wort: "Was bisher noch nicht angesprochen wurde und was auch damals bei dem Corona-Virus meiner Erinnerung nicht erkannt wurde ist die Tatsache, daß sich das Virus außerhalb der menschlichen Atemwege nur sehr kurz, sowohl räumlich, als auch zeitlich, aufhält. Somit besteht in geschlossenen Räumen, also überhaupt in Räumen, in denen es trocken ist, so gut wie gar kein Infektionsrisiko. Ganz anders ist die Situation draußen im Freien: Wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist und überhaupt draußen im Wald zum Beispiel ständig, bei Regen, an Gewässern, da hält sich das Virus lange Zeit und bleibt ansteckend. In Räumen aber nicht und auch nicht bei Trockenheit, also beispielsweise tagsüber an heißen Tagen auf den Straßen unserer Städte."
"Das ist ein ganz neuer Aspekt", gab Unwohl zur Antwort, doch wollte er diese Aussage durch weitere Meinungen untermauert sehen: "Weiß dazu sonst noch jemand was zu sagen?"
Ein anderer Mediziner bekräftigte die Aussage des Vorredners und ergänzte: "Wie schon gesagt wurde, war das gesamte Maskentragen bei dem Corona-Virus meiner Meinung nach nur ein politisches Machtspiel, ein Test, wie weit sie die Bevölkerung steuern können, etwas zu tun, um damit vermeintlich etwas gegen den Virus zu unternehmen. Im Feuchten ja, da wären die Gasmasken wohl hilfreich, in beiden Richtungen, aber im Trockenen braucht man keine Angst haben."
Ein Raunen ging durch den Saal, als ob es sich um ein Aufatmen handelte, nachdem die beiden gleichlautenden Meinungen zur Übertragbarkeit eine gewissen Hoffnung gaben, daß das maskenlose Miteinander in Räumen weiter möglich sei, auch an warmen Tagen draußen. Somit könnte man weiterhin zusammen plaudern, essen, spazierengehen.
- "Da werden sich die Wirtsleute freuen", warf ein Schlaumeier ein, "aber wie sieht es bei den Frisören aus, dürfen die dann nur Trockenschnitt durchführen? Und in den Kirchen, wenn das Weihwasser verspritzt wird?"
- "Lassen Sie den Zynismus", tadelte Minister Scham den provozieren-den Schlaumeier, "seien wir froh, daß wir jetzt doch einen kleinen Schritt weiter sind."
Unwohl meldete sich zu Wort und führte aus: "Darf ich zusammenfassen: Wir werden aus medizinischer Sicht empfehlen, Masken mit Ansaug- und Ausblasfilter verpflichtend für alle einzuführen, die in feuchten Gebieten getragen werden müssen. Ich denke, für heute machen wir hier vorerst einmal einen Schlußpunkt, immerhin sind wir zu einem Ergebnis gekommen, als zukünftige Themenschwerpunkte müssen wir uns unterhalten, wie wir die Reihenuntersuchungen durchführen, erstmalig und dann wiederkehrend, und wie wir vermeiden können, daß Menschen absichtlich oder unabsichtlich die falsche Maske nehmen, um sich zum Beispiel in einer Gruppe nicht ausgegrenzt zu fühlen."
- "Ich dachte, daß alle durch die Maske keuchen müssen, wenn es feucht wird", entgegnete der Schlaumeier, der sich bereits eine Rüge eingehandelt hatte.
- "Ja aber der Aussätzige hat einen roten Schnorchel vor der Gosche, der Reine einen grünen", belehrte der mit seinen provozierenden Bemerkungen bekannt gewordene Wortführer höhnend. Scham klatschte daraufhin in die Hände und verkündete:
- "Also bevor wir jetzt handgreiflich noch werden, beenden wir die Sache, ich danke Ihnen für ihr Kommen, und dann treffen wir uns bald wieder, wie wir das mit der Kontrolle machen, vielleicht könnten wir damit auch gleich das HIV-Virus mit den Pflichtuntersuchungen in den Griff kriegen, denn das Virus breitet sich ja in letzter Zeit wieder stärker aus!"

Hauptkommissar Brause wählte in seinem kleinen Dienstzimmer die Nummer der GÜL in Näherdorf, die >Gülle<, wie die Zentralstelle polizeiintern genannt wurde, sie meldeten keine Vorkommnisse für den Bereich Lüggen.




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Ihr_joe Volljährigkeit geprüft
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:30.07.21 21:51 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat

Liebe Leser, wie findet ihr die Darstellung mit den unbegrenzt-langen Zeilen? Schreibt euere Meinung dazu, ich hoffe, ihr findet weiterhin Gefallen an der Geschichte, Magnus.


Na dann schreib ich mal Dankeschön,
Jetzt hörten die unbegrenzt langen Zeilen, dort auf, wo sie sollen, an deren Ende.

Noch einmal Danke für die Geschichte.

Ihr_joe



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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:01.08.21 23:48 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo M A G N U S,

ich lese auch weiterhin deine kurzweilige Geschichte sehr gern.

Die anfängliche Formatierung würde ich jedoch bevorzugen.

mfG
Sarah
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  RE: Formatierung... Datum:04.08.21 13:03 IP: gespeichert Moderator melden


"lese auch weiterhin deine kurzweilige Geschichte sehr gern."

Das freut mich sehr, obschon ich selber im Rückblick dazu neige, die ganze Geschichte als recht schwerfällig zu betrachten, wie bei einem alten Roman.

Mein Schwiegersohn zeigte mir, daß man durch "Klicken" auf die beiden übereinander liegenden Rechtecke den Bildschirmausschnitt verkleinern und anschließend den Rand des "Fensters" mit der Maus nach links oder rechts bewegen kann, was zur Folge hat, daß die Zeilen kürzer und die Texte dadurch leichter lesbar werden. Die Verschmälerung der Fensteransicht hat indes seine Grenzen, treibt man die Einschnürung zu eng, werden die Zeilen nicht mehr automatisch umgebrochen, sondern abgeschnitten.

Somit möchte ich Dich, Sarah, bitten, diese Betrachtungsweise auf deinem Bildschirm auszuprobieren.

Es ist schon wieder Mittwoch, die Zeit rast dahin, übermorgen kommt die nächste Fortsetzung, bis dahin alles Gute!

- M a g n u s. -

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:06.08.21 19:10 IP: gespeichert Moderator melden


13

Die Vögel zwitscherten an diesem Sonntag in aller Frühe dermaßen laut, daß Gangolf sich überwand aufzustehen, um das gekippte Fenster des Schlafzimmers zu schließen. Schläfrig warf er kurz einen Blick auf den Sternenhimmel, bevor er den Vorhang wieder schloß, den er einen spaltbreit zurückgeschoben hatte, um an den Fenstergriff zu gelangen.
Eigentlich hätte Gangolf sich beliebig lang ausschlafen können, denn an diesem Sonntag hatte er keinen Orgeldienst. Er legte sich wieder nieder, doch wollte sich kein richtiger Schlaf mehr einstellen. So döste er in einer wohligen Müdigkeit vor sich hin, bis er dann doch einen Blick auf sein Smartphone warf, um die Uhrzeit festzustellen.
Es war kurz vor sechs Uhr, um diese Uhrzeit herum pflegte er üblicherweise stets ohne Wecker aufzuwachen. Trotz seiner Schläfrigkeit verspürte Gangolf eine unerklärliche Unruhe, als ob etwas ganz Besonderes ihn an diesem Tag erwarten würde. Wie sich zeigen sollte, lag er mit diesem Gefühl richtig, und so gab er sich einen Ruck und erhob sich nochmals aus den Federn, diesmal, um endgültig aufzustehen und sich dem Kommenden zu stellen.
Immerhin hatte Gangolf heute Vormittag um elf Uhr wieder einmal einen Termin an der Eisdiele, wieder einmal mit dieser ominösen Dame, vor Wochen war sie die unnahbare Lady M., jetzt die zuckersüße Madam Weiß.

'Wenn ich mich beeile, könnte ich wieder einmal einen Sonnenaufgang über dem See erleben’, kam es Gangolf durch den Sinn. Da es an diesem fünften April nach der sternenklaren Nacht recht frisch sein dürfte, nahm Gangolf diesmal nicht sein Neopren-Shorty aus dem Schrank, sondern den >Long John<-Neoprenanzug, vertauschte diesen mit seinem Schlafgewand und streifte sich darüber eine warme Kapuzenwollweste. Sollte es ihm beim Rudern zu warm werden, konnte er den Reißverschluß dieser Weste leicht öffnen, um so die kühle Luft von vorne zu seinem Oberkörper streichen lassen.
Gangolf nahm schnell einen Schluck Wasser, bevor er in den Schuppen hinübereilte, um sein geliebtes schnelles Kajak herauszuholen. Nachdem er es in’s Wasser gesetzt hatte, klemmte er sich vorsichtig in die enge Luke und setzte sich mit seinem Pfeil in Bewegung. Als er nach wenigen Metern aus dem den Kanal säumenden Bruchwald auf die weite Seefläche hinauskam, wurde es im Osten bereits dämmerig. Während er mit schnellen Ruderschlägen nördlich der Insel nach Westen paddelte, wurde es immer heller. Nach etwa einem Kilometer blickte er auf die Uhr, es war dreiviertel Sieben. Er beschloß, jetzt zu wenden, um beim Zurückpaddeln den bald zu erwartenden Sonnenaufgang beobachten zu können.

Tatsächlich schimmerte wenige Minuten später das Licht gespenstisch durch die Baumstämme am Ufersaum, bis der rotglühende Feuerball sich majestätisch über den Wipfeln erhob, begleitet von schmalen Wolkenschlieren. Gangolf hörte mit dem Rudern auf, ließ das Paddel quer vor sich auf der Luke ruhen und betrachtete schier andachtsvoll das Naturschauspiel. Schnell verfärbte sich das Rot in ein gleißendes Gelb, die Intensität nahm stark zu, so daß er selbst mit zu einem Schlitz geschlossenen Augenlidern nicht mehr in das Sonnenlicht blicken konnte.

Gangolf wendete sein Kajak Richtung Süden und umrundete seine Insel. Im Süden war die Insel nur wenige Meter weit von dem Land getrennt, an dieser Stelle lag das Dörflein Röthen. Nachdem er die Insel umrundet hatte und wieder nordwärts in den Kanal einbog, freute er sich auf ein gutes Frühstück. Noch im Neoprenanzug steckend betätigte er Kaffeemaschine, Eierkocher und Toaster, auf diese Weise konnte er, nachdem er sich umgezogen hatte, unverzüglich mit dem Frühstücken beginnen.

An diesem Sonntag wollte Gangolf wieder einmal einen katholischen Gottesdienst besuchen. Er informierte sich im Internet, daß in Lüggen ausnahmsweise nach längerer Zeit ein richtiger Priester die Messe lesen würde. Das kam in den letzten Jahren nur noch selten vor, denn der Beruf des Priesters war in Nord- und Ostdeutschland so gut wie ausgestorben.
Den Priestern war es immer noch untersagt zu heiraten. Kaum vertraute sich ein Priester seinem Bischof an, daß er eine Frau liebe, war es mit seinem Priesteramt vorbei, mehr noch, meist wurden ihm sämtliche Ämter genommen, so auch den Schulunterricht, und der Mann stand dann buchstäblich auf der Straße, des Pfarrhauses verwiesen, ohne finanzielle Unterstützung von Seite der Kirche. Gangolf kannte einen Organisten-Kollegen, der auf diese Weise zu einem ehemaligen Priester wurde, immerhin erlaubte ihm die Ortsgemeinde, die Orgel zu spielen, nach dem Kirchenrecht dürfte er selbst das nicht mehr tun.
Umgekehrt munkelte man hinter vorgehaltener Hand, daß fast ein jeder Priester im Laufe seines Lebens einmal bei einer Frau war, solange darüber nichts bekannt wurde, blieb das ohne Folgen; ein drastischer Widerspruch zur Wahrhaftigkeit, jenem Gebot, das seit Moses in einem Atemzug mit der Keuschheit genannt wurde.
Die Kirchenleitung geht pragmatisch vor: Anstelle der von Priestern gelesenen Heiligen Messen gab es fast nur noch sogenannte >Wort Gottes-Feiern<, die von Laien gehalten wurden, von >Ungeweihten<, im Grunde genommen begab man sich auf die Ebene eines evangelischen Gottesdienstes, nur mit dem qualitativen Unterschied, daß die katholischen Laien zwar manchmal, doch eher selten Theologie studiert hatten.
Mit diesen Gedanken betrat Gangolf die Trinitatis-Kirche in Lüggen, ihn interessierte neben dem eigentlichen Gottesdienst, wie seine Organistenkollegen spielten, wie sie mit den Vorspielen auf die Choräle einstimmten, welche Orgelstücke nach dem Ende des Gottesdienstes erklangen.

Der Gottesdienst begann mit einem Paukenschlag: Ein alter Mann hinkte aus der Sakristei in die Kirche, mit dem rechten Arm auf einen Stecken gestützt, die linke Hand an dem Arm des Meßdieners geklammert. Plötzlich gab es einen markerschütternden Schlag, es hallte im gesamten Kirchenraum, erschrocken wandten sich die Gottesdienstbesucher um, die Orgel verstummte.

Der gebrechliche Priester stieß an das an einer schmalen Stange befestigte Mikrophon und riß es nieder; als es mitsamt der Stange umfiel und auf den Boden aufschlug, übertrug sich dieser Aufprall über die Lautsprecheranlage in Form eines ohrenbetäubenden Knalls. Immerhin erfaßte der Meßdiener rasch die Situation, und um zu verhindern, daß Hochwürden über das am Boden liegende Gestänge stolperte, kickte er es elegant auf die Seite, während sich der alte Priester vor Schreck gleich noch fester mit der linken Hand an ihn klammerte.

Durch das Wegstoßen des Mikrophons kam es zu einem Art Trommelwirbel, angstvoll rief der alte Mann, ob denn die Kirche einstürzte. Doch der Ministrant beruhigte ihn mit der Nachricht, daß nur das Mikrophon umgefallen sei. Der Organist setzte sein Vorspiel fort, der Priester ließ sich zu dem breiten Sessel führen, der seitlich des Altars aufgestellt war, und ließ sich mit einem Seufzer darauf niederplumpsen.

‚Was haben die denn da für einen Opa ausgegraben’, dachte sich Gangolf, dann bemerkte er, daß der gute Mann anscheinend schwer sehbehindert war, denn er ließ der Lektorin nicht nur die Epistel lesen, sondern sogar das Evangelium, ein Privileg, das bei Anwesenheit eines Priesters nur dieser inne hatte. Zuvor hatte die Lektorin auch das Tagesgebet gesprochen, das sonst ebenso nur der Priester sprechen durfte.
Dann wurde es interessant: Was würde uns dieser Seh- und Gehbehinderte predigen? Der alte Mann unternahm keine Anstalten, sich zu erheben, sondern gab dem Meßdiener ein Zeichen, den Mikrophongalgen, den er beim Einzug umgeworfen hatte, vor ihm aufzustellen. Der Priester drückte den >Schwanenhals< so weit es möglich war nach unten und begann im Sitzen mit der Predigt.
Er verwendete dabei keine Aufzeichnungen, sondern sprach vollkommen frei. Gangolf war von seiner klaren hellen Stimme überrascht, er sprach langsam, dadurch war seine Ansprache gut verständlich.

- „Liebe Christen, wahrscheinlich sind Sie enttäuscht, heute anstelle eines jugendlichen Predigers einen alten Mann zu hören. Immerhin birgt das Alter auch Vorteile: Man kann zurückschauen auf gute Zeiten, auf schlechte Zeiten, und schlechte Zeiten hatte ich vor allem in meiner Kindheit, als ich fünfjährig das Kriegsende in Berlin erlebte. Als ich neulich im Fernsehen die Bilder sah, wie in Venedig ein Palast eingestürzt ist, wurde ich unwillkürlich an die Szenen in Berlin erinnert, 1945, als reihenweise die Häuser durch die Bomben zum Einsturz gebracht wurden, und wo wir als Kinder dann über die Schuttberge gestiegen sind, um aus ihnen etwas Brauchbares herauszuzerren. Dabei waren uns die Größeren natürlich immer überlegen und ich war schon mächtig stolz, meiner Mutter ein paar Holztrümmer zum Heizen gebracht zu haben.
Aber darauf will ich gar nicht näher eingehen, viel interessanter, ja viel wichtiger erscheint mir die Verinnerlichung des Textes, den wir soeben in der Lesung im Korinther-Brief gehört haben, das Hohe Lied der Liebe. Erinnern Sie sich noch, wie das begann:

>Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen reden würde und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz.<

Nun ja, mit Engelszungen würde ich wohl nie reden, ich krächze höchstens mit meiner menschlichen angegriffenen Kehle herum, aber, und jetzt kommt das Entscheidende: Wenn ich dabei die Liebe nicht hätte, dann wäre das Reden vergebens, >wie tönendes Erz<, also vielleicht wie eine Glocke, aber die Glocke kann nur ihren einen Ton erzeugen, nicht im Klingen die Liebe übertragen, welche die Herzen der Zuhörer bewegt. Paulus bringt in weiteren Versen, wie wichtig bei allem menschlichen Tun und Handeln es ist, daß die Liebe dabei mitwirkt, ohne ihr Mitwirken bleibt alles nichtig, ich würde einmal sagen, es bleibt alles oberflächlich.“

In diesem Sinne sprach der alte Mann noch eine Weile weiter, bis er sich entschieden an die Gemeinde wandte:
„Und nun möchte ich mit Ihnen ein Experiment wagen, eine Bitte an Sie aussprechen für etwas, worum ich bislang noch nie gebeten habe, aber vielleicht ist es wirklich so, daß man für gewisse Dinge des Lebens alt werden muß, um weise zu werden, und deshalb fordere ich Sie nun auf, so wie Sie hier sind, sich gegenseitig diese Liebe zu zeigen. Stehen Sie auf, begegnen Sie ihren Banknachbarn, umarmen Sie ihn, vielleicht wagen ganz Mutige gar, sich zu küssen.
Ich kann das ja aus der Ferne nicht mehr erkennen, mein Augenlicht hat zu stark nachgelassen, als daß ich ihre Liebesbezeugungen sehen könnte, aber ich möchte Sie doch ganz herzlich bitten, erfüllen Sie mir diesen einen Wunsch!“

Die Gottesdienstbesucher sahen sich verwundert an: ‚Was will der Alte da, daß wir aufeinander zugehen und uns umarmen, gar küssen?’
Nach einer Weile überwanden sich die ersten Besucher, die als Paar gekommen sind und ohnehin nebeneinander saßen, sich einander zuzuwenden, sich zu umarmen und auch zu küssen. Angeregt durch dieses Tun standen darnach auch Einzelne auf, gingen zu ihrem Banknachbarn, zu ihrer Nachbarin, oder sie drehten sich um zu den hinter ihnen Sitzenden, umarmten sie als Zeichen der Liebeserweisung.

‚Warum eigentlich nicht,’ setzte sich die Meinung mehr und mehr durch, ‚warum immer nur zum Friedensgruß sich die Hand reichen; der alte Priester wandte sich nach links um und umarmte den neben ihn sitzenden Ministranten, dann kam die Lektorin die zwei Stufen zum Altarraum hinauf, setzte sich auf den leeren Stuhl neben den Priester, umarmte ihn gleichfalls – und gab ihm einen ganz tiefen, langanhaltenden Kuß.

Tief bewegt kamen dem alten Mann die Tränen, die Gottesdienstbesucher sahen dabei gerührt zu. Nach einer Weile erhob der Priester wieder seine Stimme:
- „Ich danke Ihnen allen, mir diesen Herzenswunsch erfüllt zu haben, ich konnte Sie nicht sehen, wie Sie im Einzelnen diese Liebesbezeugung durchgeführt haben, aber ich habe es gespürt, hier ist die Liebe des Heiligen Geistes unter uns wirksam. Mir ist schon klar, daß es im Urtext der Heiligen Schriften vielerlei differenziertere Ausdrucksweisen dafür gibt, was wir im Deutschen einfach mit Liebe bezeichnen, natürlich spricht Paulus in diesem Zusammenhang nicht von der erotischen Liebe, davon könnte ich ja auch gar nichts sagen, denn die sexuelle Liebe ist uns Priestern ja versagt. Und da brauchen sich die Kirchenoberen nicht wundern, daß es kaum mehr junge Priester gibt. Wissen Sie, zu meiner Zeit war das vermutlich noch eine andere Sache, mit heute nicht mehr vergleichbar:

Wir waren als Schüler froh, in das bischöfliche Internat zu kommen, denn die Eltern hätten ja nie die Kosten für ein weltliches Internat aufbringen können, damals, nach dem Krieg, mein Gott, und dann war der Weg im Grunde fast automatisch geebnet, viele andere aus der Klasse kamen anschließend mit mir in das Priesterseminar. Auf diese Weise war uns der Militärdienst erspart geblieben, denn wir wären damals als junge Männer gleich mit die ersten Jahrgänge gewesen, die wieder hätten den Krieg üben müssen.

Mein Gott, kaum die totale Niederlage verschmerzt, ging das schon wieder los mit dem Militarismus. Ja, ach so, ich muß aufpassen, mich nicht zu verzetteln, was ich sagen wollte, da im Priesterseminar, da waren wir junge Männer im Grunde vollkommen abgeschirmt vom Leben draußen in der Stadt. Freilich durften wir die Eltern besuchen, aber die üblichen Lustbarkeiten, da war wenig los, wir hatten ja schon praktisch gar kein Geld dafür.
Und auf diese Weise blieb uns als angehende Priester die Sache mit der Liebe fremd, mit der Liebe zu den jungen Frauen, das haben wir damals wohl irgendwie gepackt, ohne deshalb schwul geworden zu sein, es war halt einfach so, ohne das groß zu hinterfragen und zu thematisieren. Doch bleiben wir bei Paulus: Die Liebe, die er der Gemeinde in Korinth anempfiehlt, ist die Liebe des Herzens, daß man alles menschliche Tun und Reden im Geiste des Wohlwollens verrichtet, nicht des Müssens, weil man zum Beispiel Arzt ist und deshalb einem Menschen hilft, weil man das aus beruflichen Gründen tun muß, sondern entscheidend ist, daß man es gern tut, weil man den Patienten liebt.

Das ist freilich ein schwere Anforderung, und man kann nicht immer alle Menschen lieben. Auch ich habe und hatte in meinem langen Leben meine Probleme damit. Und wenn ich mich dann besonnen habe, kam mir der letzte Vers in den Sinn:
>Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen<.

Die Worte dieses alten Mannes machten Gangolf betroffen, er überlegte, daß dieser, wenn er fünfjährig das Kriegsende erlebt hatte, jetzt 90 Jahre alt sein muß, und dabei war er so wach im Geist, so klar in seiner Ausdrucksweise, wenn auch die Worte langsam über seine Lippen kamen. Vielleicht war es aber gerade diese Langsamheit, überlegte Gangolf weiter, welche die Worte so eindringlich in das Bewußtsein des Zuhörers eindringen ließ.
Wie oft hatte Gangolf das gegenteilige Gefühl empfangen, daß der Prediger, so gut auch der Inhalt war, mit monotoner und hastiger Redeweise das Gehör und damit die Aufnahmefähigkeit bereits nach kurzer Zeit überforderte.

Und dann war Gangolf natürlich noch ganz gerührt, daß sich die junge Frau mit den langen blonden Haaren, die sie über die Banklehne nach hinten fallen ließ, zu ihm umdrehte und ihn küßte.

Es sollte an diesem Tag nicht die einzige Frau sein, die ihm einen Kuß gab...



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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:13.08.21 22:18 IP: gespeichert Moderator melden


Und schon wieder ist es Freitag-Abend, Zeit für die nächste Episode!

14

Als Gangolf an diesem Sonntag von der Kirche mit seinem Golf nach Hause fuhr, verursachte er, im Gedanken versunken, beinahe einen Verkehrsunfall. Nachdem er in den letzten Tagen nur noch mit dem Motorrad unterwegs gewesen war, kamen ihm die Fahrstreifen beim Autofahren sehr eng vor, so daß er in einer Rechtskurve etwas über die Mittellinie hinaus geriet. Glücklicherweise reagierte der entgegenkommende Fahrer mit einer Notbremsung und einem langanhaltendem Dauerhupton.
Gangolf riß ruckartig am Lenkrad nach rechts, prompt kam das Auto in’s Schlingern, und er hatte alle Mühe, einen Zusammenstoß zu verhindern; der Entgegenkommende quittierte das Ende des Strafhupens mit dem Vogel-Zeichen auf die Stirn, anschließend gab er kopfschüttelnd Gas und brauste davon, während Gangolf mit leicht pochendem Herzen und Schweißperlen mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit seinen Weg fortsetzte.
Zuhause angekommen nahm sich Gangolf erst einmal etwas zu trinken und setzte sich, immer noch leicht benommen unter dem Eindruck des gerade noch entgangenem Unfalls. Nicht im geringsten hätte er sich gedacht, daß er nur eine Stunde später erneut knapp einem Unfall entkommen würde, der noch wesentlich verheerendere Folgen für ihn und für eine andere gehabt hätte.
Eigentlich ist Gangolf die Lust an dem Treffen mit der mysteriösen Martina Weiß ziemlich vergangen, doch es war sein Grundsatz, einen einmal zugesagten Termin nicht ohne wirklich sehr triftigen Gründen abzusagen. Schon während der Messe überlegte er sich, ob er nicht nach dem Ende des Gottesdienstes der jungen Frau mit den langen blonden Haaren folgen sollte, die ihm so überraschenderweise einen Kuß verpaßte, als der alte Priester während seiner komischen Liebes-Predigt aufgefordert hatte, den Banknachbarn eine Liebesbezeugung zu erweisen.

Gedankenverloren blickte Gangolf auf die Uhr und stellte erschrocken fest, daß er sich jetzt aber beeilen müsse, um rechtzeitig um elf Uhr in der Eisdiele von Grausneg zu sein. Er holte seine Lederkombi aus dem Schrank, zog sich die Hose über die Beine und zwängte sich in die Jacke. Diese war zwar längst nicht so eng wie das Neopren-Oberteil, das er meistens zum Kajakfahren anzog, doch ihr speziell für das Sitzen auf dem Motorrad ausgelegte Schnitt nötigte den Träger, die Arme leicht nach vorne gedreht zu halten.
Mit dem Taillen-Reißverschluß verband Gangolf die Jacke mit der Hose und betrachtete sich vor dem Spiegel im Flur. Die Kniehöhlen waren stark ausgebeult, im Stehen rutschten sie mitsamt den eingearbeiteten Protektoren über die Knie hinunter auf das Schienbein, erst beim Sitzen saßen die Protektoren dann einigermaßen richtig auf den Knien. Überhaupt hatte Gangolf das Gefühl, daß das Leder an vielen Stellen ausgedehnt an seinem schlanken Körper herumhang, beim Sitzen auf dem Motorrad fiel das nicht so auf.
Sehr ärgerlich empfand Gangolf auch die besonders an der Vorderseite der Jacke ausgeblichene Farbe. Ursprünglich waren hier dunkelblaue Streifen im gleichen Farbton des Motorrads, Fahrer und Maschine bildeten eine Einheit: Neben der farblich abgestimmten Lederkombi ergänzten die schwarz-weiß-blau gefärbten Handschuhe, die schwarz-blauen Stiefel und der blau-weiße Helm die Zughörigkeit des Fahrers zu der blau-weiß lackierten Yamaha R1.
Gangolf besah sich nochmals im Spiegel und schüttelte den Kopf: Nein, so wollte er sich nicht der Dame präsentieren, mit dieser verwaschenen, abgelederten Kluft. Zudem waren sie heute nicht verabredet, um eine Motorradtour zu starten, sondern um die Lösung eines seltsamen technischen Problems zu besprechen. Er schälte sich wieder aus dem Leder, warf es in eine Ecke und zog sich eine neue Jeans an, dazu ein Kapuzen-Shirt.
Als Gangolf sich mit seiner Yamaha auf der Bundesstraße befand und entsprechend schneller fahren konnte, bemerkte er, daß es recht frisch war an diesem Vormittag des fünften April. Die Klimaerwärmung ist noch nicht so weit fortgeschritten, daß bereits sommerliche Temperaturen herrschten, und er überlegte nochmals umzukehren, um statt des einfachen Kapuzen-Shirts die Lederjacke anzuziehen. Andererseits war er schon spät daran, es war fünf vor elf und es lagen noch fast zehn Kilometer zu fahren vor ihm.

Gangolf drosselte die Geschwindigkeit, damit es ihm nicht zu kühl wurde, ihn freute das Gefühl der wiedererlangten Freiheit, besonders bezüglich des großen Freiraums, den er im Gegensatz zum Autofahren rechts bis zum Fahrbandrand und links bis zum Mittelstreifen ausnutzen konnte. Als er auf die Hauptstraße von Grausneg kam, sah er schon von Weitem den Lada auf der anderen Straßenseite stehen. Vor der Eisdiele legte er in Angeber-Manier ein scharfes Bremsmanöver hin, er genoß die Vorstellung, wie die Gäste ihre Blicke auf ihn richteten. Er hätte nicht gedacht, daß dieses Bremsmanöver eine gute Vorübung werden sollte für den Ernstfall...

Entgegen seiner Gewohnheit, den Helm an dem Motorrad festzumachen, nahm Gangolf ihn diesmal mit. Lässigen Schrittes betrat er den Platz mit den Tischchen vor der Eisdiele, an denen sich bereits etliche Gäste niedergelassen hatten. Sofort erkannte er Martina, wie sie allein an einem der Tischchen saß, sie winkte ihm heftig zu, denn sie war sich nicht sicher, ob Gangolf sie wiedererkannt hat, nachdem sie neulich, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, schnellen Schrittes an ihm im Vorgarten des Lüggener Pfarrhauses vorbeiwetzte.

- „Martina Weiß“, stellte sie sich vor und wollte bereits aufstehen, um Gangolf zu begrüßen. Doch der entgegnete schnell:
- „Gangolf Stumpf, bleiben Sie sitzen!“
Sitzend gaben sie sich die Hände und setzten dazu ein Lächeln auf. Keiner von beiden wußte, wie sie die Konversation beginnen sollten, doch Giuseppe, der stets aufmerksame Eiskellner, rettete die Situation, indem er zu ihnen kam:
- „Ah, da habt ihr euch heute also doch gefunden, letztes Mal warst du einfach zu spät, also was wollt ihr haben?“
Martina blickte ihn etwas irritiert an, bestellte einen Früchteeisbecher mit einem Espresso, während Gangolf einen Schokoeisbecher mit Cappuccino orderte. Als Giuseppe gegangen war, um die Bestellung auf den Weg zu bringen, blickte Martina Gangolf mit großen Augen an und fragte:
- „Sag’ mal, bist du der M a g n u s ?“
Das Eis schien gebrochen zu sein, Gangolf gab zu, diesen Namen zu bevorzugen und sich mit ihm auszugeben, da er seinen richtigen nicht so mochte. Das Heimlichtun-Spiel war damit beendet, ehe es richtig begann. Gangolf vermeinte, ein leichtes Schuldgefühl in Martinas Stimme zu verspüren, als diese anhub:
- „Also neulich war ich etwas im Streß, ich konnte nicht länger hier warten, eigentlich hat mir der Termin gar nicht gepaßt, entschuldige bitte, ich hätte dir das sagen sollen.“

‚Ja, das hättest du’, dachte sich Gangolf, ‚doch ich glaube nicht, daß du wirklich fort mußtest, es war eher deine Arroganz und Dominanz, du wolltest absolut deine Terminvorstellung durchsetzen; wie hieß es in der knappen E-Mail-Nachricht: Sonntag 10 Uhr und sei pünktlich, sonst kommst du von Liste.’
Offenbar wurde er tatsächlich von der Liste gestrichen, dachte sich Gangolf weiter, anscheinend führte sie eine Liste, auf der sie gnädig alle in Frage kommenden Motorradfahrer notierte und bei Nichtgefallen wieder strich. Doch er sagte nichts, er ließ sich nichts anmerken, daß er ihr diesen plumpen Entschuldigungsgrund nicht abnahm. Vielmehr wiegelte er ab:
- „Egal jetzt, schön, daß wir uns heute getroffen haben!“
- „Kommst du wieder von der Kirche?“ fragte Martina.

‚Woher wußte sie, daß er damals von der Kirche kam’, überlegte er sich, ‚aha, da hat die Frau Pfarrer ihr das gesteckt, daß ich an dem besagten Sonntag dort die Orgel gespielt hatte.’
- „Ähm, ja, ich war wieder in der Kirche, ich geh’ eigentlich fast jeden Sonntag irgendwo in die Kirche“, gab Gangolf zur Antwort.
- „Aber du kamst aus der anderen Richtung.“
- „Richtig, ich war heut’ nicht hier in Grausneg, sondern in Lüggen.“
- „Ah, wieder bei der Pfarrerin Litte.“
- „Nein, diesmal in der katholischen Kirche.“
- „In der katholischen, spielst du dort auch?“
- „Nein, das nicht, würd’ ich aber auch gern einmal machen.“

Giuseppe kam mit einem kleinen Tablett heran und kredenzte die bestellten Eisbecher und die Kaffee auf das Tischchen.
- „Prego, buon appetito. Möchtet ihr noch Extra-Sahne dazu oder sonst was?”
Gangolf fühlte sich jedesmal leicht gekränkt, daß die italienischen Kellner zwar die Grußfloskeln auf italienisch zum Besten gaben und auch das >prego< und >grazie< den deutschen Gästen zu verstehen abverlangten, ansonsten wieder auf deutsch weiterredeten. Entsprechend gab er höhnisch zurück:
- „Krazie“.
Eigentlich mochte er Giuseppe gern und sie sprachen auch hie und da ein paar Worte auf italienisch, aber so ganz konnte sich Giuseppe nicht vorstellen, daß ein biederer Elektriker aus Brandenburg einigermaßen fließend italienisch sprach. Das Thema Orgelspielen war jedenfalls erst einmal beendet. Beide stachen jetzt ihre Eisberge an und schlürften den Kaffee.
Wieder trat diese peinliche Stille ein, bis Martina das Wort ergriff:
- „Was hat dir denn die Pfarrerin alles über mich erzählt?“
- „Das gleiche wollte ich gerade dich fragen“, entgegnete Gangolf, und beide schenkten sich wieder ein verlegenes Lächeln. Gangolf fuhr fort:
- „Sie erzählte was von einem Problem, das deine Freundin, wie hieß sie gleich noch, Martha, glaub’ ich, hat sie gesagt, hat, irgendwas furchtbar Geheinmisvolles, es geht um etwas Vertrauliches und ich soll erst mir dir reden.“
- „Ja, so ist es, sie heißt Magda, also wir nennen sie so, und ich meine, es ist das beste, wenn du sie mit ihrem Problem kennenlernen wirst, ich versprech’ dir, das ist ein ganz liebes Mädel, sehr schüchtern erst einmal, aber wirklich lieb!“

‚Das hilft mir jetzt auch nicht weiter’, dachte sich Gangolf, und ohne das Thema weiter zu behandeln, kamen sie auf das Motorradfahren zu sprechen. Jetzt erst entwickelte sich ein lockeres, aber gleichzeitig doch interessiertes Zuhören und Erzählen. Martina berichtete von einem früheren Freund, den sie zwar in die Wüste geschickt hatte, nun aber doch das Motorradfahren mit ihm vermisse, und daß sie seine rasante Fahrweise genoß, sich ihm dabei voll auslieferte, während sie sonst in der Beziehung durchaus die Oberhand hatte.
So etwas ähnliches hatte sich Gangolf damals gedacht, als er die Anzeige in der >Zweirad<-Zeitschrift gelesen hatte, >wilder Feger<. Daß sie dazu die >Oberhand< in der Beziehung ausübte, auch das konnte sich Gangolf gut vorstellen.

Die Eisberge schmolzen dahin, der Kaffee war ausgetrunken, als Martina anregte:
- „Jetzt lass’ uns doch noch eine Runde fahren, ich möchte endlich wieder einmal auf einer Maschine sitzen, und du hast auch so eine richtige Rennmaschine!
- „Ja – jetzt hab’ ich aber keinen zweiten Helm dabei,“ entgegnete Gangolf, und überhaupt war das eigentlich für heute gar nicht das Thema, sondern doch nur diese seltsame Magda mit ihrem noch seltsameren Problem.
- „Ich hab’ meinen im Auto liegen,“ antwortete Martina, und nachdem Gangolf die Rechnung bezahlte, >tutto insieme<, was Martina offensichtlich geradezu selbstverständlich betrachtete, machte sich diese auf dem Weg zum Lada, um ihren Helm zu holen.

Irgendwie war es Gangolf nicht wohl bei dem Gedanken, ohne die Sicherheit suggerierende Lederkombi durch die Gegend zu brettern, doch Martina, die wilde Fegerin, hat ihn dazu eigens nochmals angestachelt, sie bräuchte das Gefühl der totalen Hingabe, der Schwerelosigkeit hoffnungslos ausgeliefert zu sein, wie sie es nannte. Sie war im motorradmäßigen Sinn auch nicht besser gekleidet: Jeans, dünnes kurzes Lederjäckchen mit allerhand Nieten gespickt, immerhin einigermaßen taugliche feste Stiefel, ebenfalls mit den neckischen Nieten, und in gleicher Weise dünne Lederhandschuhe.

Wenn Gangolf eine neue Braut hintenauf geladen hatte, bemerkte er gewöhnlich nach wenigen Metern, wie es mit der Sozia bestellt war, ob sie sich ängstlich an ihn klammerte, ob sie einigermaßen locker blieb, oder ob sie, wie in diesem Fall heute wie selbstverständlich sich dem Fahrtrythmus unterwarf und damit dem Fahrer vergessen ließ, daß überhaupt jemand hinter ihm sitzend mitfuhr.

Die Sonne hat die Luft angenehm erwärmt, es war weder schwül noch windig, der Verkehr hielt sich in Grenzen; zwar waren die Sonntagsausflügler aus Berlin deutlich zu erkennen, doch kamen die Hauptstädtler entgegen, die Fahrspur Richtung Westen und Norden war dagegen ziemlich frei. Martinas Lust übertrug sich in unerklärlicherweise auf Gangolfs Glücksempfindung, so daß er hemmungslos Gas gab, auf die Kurven zuraste, im letzten Augenblick abbremste und in schwindelerregender Schräglage abwinkelte.
Martina ging dabei spielerisch mit, sie griff mit ihren Händen durch Gangolfs Arme und stützte sich beim Bremsen auf dem Tank ab, gleich darauf mußte sie geistesgegenwärtig die Hände nach innen abwinkeln, um sich bei dem folgenden Beschleunigungsvorgang an Gangolfs Bauch festzuhalten, sonst hätte sie gnadenlos ihren Sitzplatz nach hinten verlassen und Gangolf wäre allein weitergefahren.

In einem Dorf ist es dann eingetreten, was eintreten mußte. Ein großer Lieferwagen stand am Straßenrand abgestellt, Gangolf bog auf die linke Fahrbahnhälfte, um an ihm vorbeizufahren. In diesem Moment kam ein Bauer mit seinem Traktor aus der Hofeinfahrt heraus, er blickte wohl nach rechts und überzeugte sich, daß von dort keiner kam. Links konnte er wegen des Lieferwagens nicht in die Straße einsehen, zudem kam er nicht auf die Idee, daß von links jemand kommen könnte, da ja das Lieferauto da im Weg stand.
Gangolf packte den Bremshebel und drückte ihn, daß dieser gefühlt fast an dem Lenkergriff anschlug, das Hinterrad hob ab, Martina knallte mit ihrem Helm an Gangolfs Helm, so schnell konnte sie gar nicht reagieren, daß sie sich hätte abstützen können, mit voller Wucht landete ihre Brust an Gangolfs Oberkörper, und nicht nur ihre Brust! Gangolf durchfuhr ein jäher Schmerz im Lendenbereich, als Martinas Vorderpartie einen tiefen Abdruck in seinem Rücken hinterließ.
Gleichzeitig durchströmte beiden ein gewaltiger Adrenalinschub, so daß Gangolf diesen seltsamen Schmerz zunächst gar nicht richtig wahrgenommen hatte. Erst als sie wenige Zentimeter vor dem riesigen Hinterrad des Traktors zu stehen kamen, tat es ihm wirklich weh und er mußte unbewußt gleich mit rechten Hand nach hinten an die Stelle der Lendenwirbel greifen, als ob er damit hätte fühlen können, ob ihm dort jemand ein Messer in den Rücken gerammt hätte.

Gangolf legte schon viele Notbremsungen hin, doch so heftig noch keine; meistens war er ja alleine unterwegs, und dadurch war der zu vernichtende Bewegungsimpuls wesentlich niedriger, auch die Schwerpunktsverhältnisse waren beim Alleinefahren günstiger, denn der Soziusplatz war um einige Zentimeter erhöht, damit der oder, wie es meistens der Fall war, die Mitfahrende über die Schulter des Fahrers schauen konnte.

Vollgepumpt vom Adrenalin setzten die beiden ihren Weg fort, am Ortsausgang befand sich neben der Straße eine kleine befahrbare Fläche, die Gangolf ansteuerte, um dort anzuhalten. Martina stütze sich gekonnt auf Gangolfs Schultern ab, hob den linken Fuß von der hoch angebrachten Fußraste und streckte das Bein durch, streckte gleichzeitig das rechte Bein durch, so daß sie auf der linken Seite von ihrem Sitz hinunterrutschte; als sie mit dem linken Fuß auf den Boden aufkam, spreizte sie die Beine und zog mit einer eleganten Drehung das rechte Bein nach hinten über das Heck.

Während Gangolf anschließend mit immer noch stark pochendem Herzen gleichfalls abstieg, entledigte sich Martina ihres Helms, ließ ihn zu Boden sinken und schmiegte sich an Gangolfs Vorderfront, umarmte ihn, und ehe er begriff, wie ihm geschah, stellte sie sich auf die Zehenspitzen, umgriff jetzt seinen Helm, drückte diesen etwas zu sich hinab und plazierte auf dem geschlossenen Visier einen dicken Kuß!

Gangolf starrte durch das zwischen den beiden befindliche Plastikteil auf große Augen in Martinas Gesicht, ganz nahe, ihre Lippen bildeten ein wunderschönes rotes Oval. Es war eine skurrile Situation, vollkommen unwirklich, er konnte ihren Kuß nicht erwidern, die Scheibe begann anzulaufen, ihr Antlitz verschwamm.

Endlich ließ Martina von Gangolf ab, so daß er sich gleichfalls von dem Helm befreien konnte; kurz darauf fanden sich beide im Gras liegend wieder, jetzt bekam auch er die Gelegenheit, seine neue Bekanntschaft ausgiebig zu umarmen und zu küssen. Kurz schweiften seine Gedanken an die liebe Blonde von heute Morgen in der Kirche, er wollte ihren Kuß als ehrenvolle Anerkennung bezeichnen, Martinas Kuß hingegen war die reinste Hingabe, die hemmungslose Leidenschaft schon lange nicht mehr ausgelebter Triebe.
Dabei kam ihm Tersteegen in den Sinn, wie Paul Gerhard war Gerhard Tersteegen ein Kirchenlieddichter, er schrieb den Text zu der bekannten Hymne:
>Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart, ich geb’ mich hin dem freien Triebe, wodurch auch ich geliebet ward...<
‚Eigentlich schon großartig und weitherzig’, dachte sich Gangolf, ‚wie die Alten von der Liebe sprachen und sangen, und wie prüde war die kirchliche Praxis noch bis weit in seine Jugendzeit hinein, zum Teil sogar noch heute. Der alte Priester heute Morgen stellte da eine wohltuende Ausnahme dar’.

Tersteegen dichtete diesen Text bereits vor 280 Jahren; wie doch die Wortwahl des >freien Triebes< heute einen negativen Touch erhalten hatte! Als der größte Liebessturm vorbei war, raffte sich Gangolf in die Sitzposition auf. Mühsam gelang es ihm, ein paar Worte zu formulieren:
- „So knapp war es noch nie, entschuldige bitte, so eine Vollbremsung hab’ ich noch nie hingelegt, daß gleich das Hinterrad abgehoben ist.“
Martina saß und kniete gleichzeitig im Gras, die Knie zwischen Gangolfs leicht gespreizten Oberschenkeln, die Zehen leicht nach vorne gedrückt auf den Fersen sitzend. Sie wollte seine Entschuldigung nicht hören, im Gegenteil, sie empfand die Notbremsung mit Aufprall auf Gangolfs Rücken als den ultimativen Kick, den Höhepunkt der Lustgefühle, den sie in dieser Weise noch nie erlebte; sie hatte sich schon an unvorstellbar bizarren Handlungen berauscht, doch mit der unmittelbar bevorstehenden Lebensgefahr wurde sie bislang in ihrem jungen Leben noch nie konfrontiert.

Als Martinas Helm an jenen von Gangolf aufschlagen und ihr Oberkörper gleich darauf eine Handbreit nach oben gedrückt worden war, erfüllte sie der Anblick des riesig-hohen Traktorreifens mit seinen tiefen furchteinflößenden Profilrillen mit einer unbeschreiblichen Lust, es schüttelte sie geradezu im Unterleib, während sich Gangolf, als sie zu Stehen kamen, den Kopf zerbrach, was sich da in seinem Lendenbereich leicht schmerzhaft hineingebohrt hatte.
Martina hielt Gangolf den Mund zu, er genoß den Duft des Lederhandschuhs unter seiner Nase. Sie hauchte:
- „Das war das Geilste, was ich je erlebt habe.“

‚Die ist schon irr’, dachte sich Gangolf, ‚knapp dem Tod entronnen oder zumindest einer schweren Verletzung, und da spricht sie vom geilsten Erlebnis, das sie je erlebt hatte; ist die denn komplett wahnsinnig?’
Als Martina ihre Hand von Gangolfs Mund wegzog, neigte sich sein Blick nach unten, und er erblickte eine seltsame Wölbung in ihrem Unterleib, die er bislang nicht wahrgenommen hatte. Diese Wölbung kam anscheinend nur in dieser besonderen halb sitzenden, halb knienden Körperhaltung zum Vorschein, es sah sehr merkwürdig aus, als ob sie einen erigierten Penis hätte, den sie nur mit Mühe unter der engen Jeans verbergen konnte.
Gangolf wollte sie nicht danach fragen, doch er beschloß, vor der Abfahrt, wenn sie wieder aufgesessen war, mit einer Hand nach hinten zu greifen und zu fühlen, was sich da gar so Hartes in Martinas Taillenbereich versteckte. Martina unterbrach seine diesbezüglichen Gedankengänge mit einer ganz und gar unerotischen Frage:

- „Ich hab’ jetzt Hunger, du auch?“
Bevor Gangolf zu einer Antwort ansetzen konnte, nahm Martina diese schon vorweg:
- „Wir fahren jetzt zur Magda, die soll uns ein gutes Mittagessen kochen!“
Und bevor Gangolf irgend etwas entgegnen konnte, zog Martina ihr iPad heraus und rief Magda an:
„Hey, ich bin’s, mach’ eine Portion mehr, ich bring noch jemand mit!“
Gangolf konnte nicht verstehen, was Magda geantwortet hatte, Martina fuhr indes fort:
- „Und zieh’ deine kurzen Pantis an!“
Anscheinend zeigte sich Magda von diesem Vorschlag, oder sagen wir besser, von diesem Befehl, nicht begeistert; Martina rief jetzt gereizt in das flache Telephongerät:
- „Das soll er ja sehen, der Typ ist in Ordnung, der kann dich davon erlösen!“

Gangolf wurde die Sache immer rätselhafter, was sollte er da sehen und wovon sollte er sie erlösen, was hatte das mit einer kurzen Hose zu tun? Hatte sie eine Beinverletzung, die er auf diese Weise leicht betrachten könnte, doch da wäre ein Sanitäter, ein Arzt der richtige Fachmann. Kurz war Gangolf geneigt, auf kürzestem Weg nach Grausneg zurückzufahren, um Martina an ihrem Lada abzusetzen und die Sache als einmaligen Tagesausflug zu betrachten, doch sie durchkreuzte erneut seine Überlegungen und sprach zu ihm in ihrem Befehlston weiter:
- „Also wir fahren jetzt zu ihr nach Lüggen, auf dem kürzesten Weg, ich sag’ dir dann, wohin wir dort müssen!“

Als beide auf dem Motorrad wieder ihre Sitzpositionen eingenommen hatten, und Martina als Sozia ihre Stiefelchen artig auf den sehr hoch angebrachten Fußrasten oberhalb des Auspufftopfs plaziert hatte, wodurch sie genötigt war, ihre Knie stark anzuwinkeln, griff Gangolf, noch bevor er seine Handschuhe sich überstülpte, mit der linken Hand hinter seinen Rücken, um Martinas Unterleib zu ertasten.
Martina wollte schon empört aufschreien, doch besann sie sich im letzten Moment und ließ ihn gewähren; er würde es ohnehin früher oder später erfahren. Gangolf ertastete durch den Jeansstoff genau in der Mitte über ihrem Schritt ein erstaunlich hartes Teil, das ihm den Schmerz bei dem durch die Notbremsung ausgelösten Aufprall bereitete; ratlos zog er seine Hand wieder ab, fragte nicht danach, sondern legte sich seine Handschuhe an und startete den Motor.

In der Nordost-Ecke der Lüggener Altstadt wurden in den letzten Jahren leerstehende Lagerhäuser zu einfachen Wohnungen umgebaut. Martina lotste Gangolf in den tristen Hof mit sich in die Länge hinziehenden grauen Fassaden. Es war nicht ausgesprochen schön, hier zu leben, aber die neu eingerichteten Wohnungen waren zweckmäßig ausgestattet und einigermaßen preiswert. An der Haustür befand sich ein einfaches Messingschild mit zwei Klingelknöpfen. Martina drückte auf den oberen, Gangolf konnte daneben einen mit A beginnenden Namen entziffern, als zu seinem Verwundern Martina einen Schlüsselbund aus einer Innentasche ihrer Lederjacke hervorholte und die Haustür damit öffnete.

‚Es sind also jedenfalls recht eng befreundete Mädels’, dachte sich Gangolf, als er ihr die Stiege in das Obergeschoß hinauf folgte. Sie machte keine Anstalten, ihm den Vortritt zu lassen; die Alte Schule des Benehmens ist diesbezüglich längst vergessen und selbst im gehobenen Bürgertum nicht mehr bekannt. Als sie oben angekommen waren, ging die Wohnungstür auf und eine zarte Frau mit Schürze stand lächelnd im Türrahmen. Martina umarmte sie, Gangolf konnte hinter ihnen stehend nicht erkennen, ob sie sich auch ein Küßchen gaben.
Anschließend trat die mädchenhafte Person, Gangolf nahm an, daß es sich wohl um die geheimnisvolle Magda handeln müsse, zur Seite, um die beiden Neuankömmlinge hereinzulassen. Martina ging stracks zum Tisch, auf welchem bereits aufgedeckt worden war, und winkte Gangolf herein:

- „Komm’, setz’ dich, Magda hat ihr Wort gehalten und gekocht!“
Der Essensduft strömte Gangolf entgegen, jetzt verspürte auch er ein gewisses Hungergefühl, und er freute sich darauf, ein frisch gekochtes Mittagessen zu bekommen. Überrascht gewahrte er, daß bereits eine Frau mit dem Rücken zur Tür an dem Tisch saß, als sich Martina näherte, stand sie auf und die beiden umarmten sich. Erst jetzt erkannte er die Frau wieder, überrascht stellte er fest, daß es die Pfarrerin Bettina war.

- „Ihr kennt euch ja schon“, rief Martina frivol in den Raum, und Bettina wandte sich an Gangolf, um ihm die Hand zu reichen. Ihm fiel auf, daß die Gastgeberin, diese Magda, bei der Begrüßung ganz außen vor blieb, niemand hielt es für nötig, ihr ihn vorzustellen. Sie schickte sich bereits an, wieder in die Küche zu entschwinden, als Gangolf sie gerade noch mit einem kurzen >Hallo< -Ruf erreichen konnte, ihr die Hand anbot, die sie dann mit einem verlegenen Lächeln nahm.
Auch hier war die Alte Schule längst dahin, daß die Frau dem Mann die Hand reiche, erst recht die Gastgeberin dem Gast.
- „Gangolf Stumpf“, stellte er sich vor, manche sagen auch Magnus zu mir.
- „Magda“, lächelte sie ihn schüchtern an und verschwand in die Küche. Martina hat während dessen sich neben Bettina niedergelassen, sie fanden anscheinend sofort einen Gesprächsstoff. Gangolf folgte Magda in die Küche und fragte sie, ob er ihr in irgend einer Weise behilflich sein konnte. Magda verneinte, nicht anders hatte es er erwartet, es hat den Anschein, daß Magda hier, wie ihr Name es suggeriert, die Magd da war.
Magda meinte lediglich, daß sich Gangolf ein Getränk aus dem Kühlschrank aussuchen solle, oder ob er lieber etwas Warmes hätte, Tee oder Kaffee.

‚Mein Gott, wie ist die rührend-besorgt, viel zu lieb für die Welt’, dachte sich Gangolf, als er sich ein Bier nahm. Schon sprang Magda zu ihm mit einem Flaschenöffner und einem Bierglas. Während er sich das Bier eingoß, blickte er verstohlen in das Zimmer mit dem Eßtisch. Die beiden Damen waren in eine angeregte Plauderei vertieft, so daß Gangolf es vorzog, in der Küche stehen zu bleiben und der Magda zusah, wie sie geschickt mit den Küchenutensilien hantierte.
Für Gangolf ergab sich jetzt die beste Gelegenheit, Magda eingehend zu betrachten. Mit ihrem schmalen Gesicht glich sie in gewisser Weise der Bettina, ihre Wangenknochen waren aber nicht so hervorstechend wie bei dieser, ihre Haare wiesen eine undefinierbare Farbgebung zwischen blond und braun auf, sie hingen etwas ungleichmäßig geschnitten bis auf der Höhe des Kinns herab.
Unter Magdas Schürze gab sich ein T-Shirt zu erkennen, tatsächlich trug sie, wie ihr von Martina aufgetragen wurde, eine kurze Hose aus Jeansstoff mit ungleichmäßig ausgefransten Säumen. An den Füßen hatte Magda dicke Wollstrümpfe übergezogen, die fast bis zur halben Höhe der Schienbeine reichten. Gangolf betrachtete eingehend ihren schlanken Körper, er konnte keine Ungewöhnlichkeiten feststellen, einzig, daß ihm ihre Haut sehr hell vorkam.
Als Magda sich anschickte, einen der schweren Töpfe mit zwei Tüchern an den Henkeln anzufassen, um ihn auf den Tisch hinauszutragen, ließ sie diese Tätigkeit Gangolf ausführen, denn er kam sich schäbig vor, nur dazustehen und zuzusehen, wie die Magda die ganze Arbeit alleine vollbrachte. Gangolf bereitete das Kochen keine Freude, er kochte sich zwar ab und an selber etwas, aber über Nudeln oder Kartoffeln, zu welchem er eine Konservenbüchse entleerte, deren Inhalt er einfach im Mikrowellenherd erhitzte, kam er nie hinaus. Somit ehrte es ihn, wenigstens beim Servieren behilflich zu sein.


Hauptkommissar Brause hatte an diesem Sonntag Nachmittag Dienst. Nachdem er sämtliche auf der Dienststelle auffindbare Zeitungen und Zeitschriften durchgeblättert hatte, faßte er den Entschluß, der Marlies Armdran einen kurzen Überraschungsbesuch abzustatten. Er überlegte sich, daß Sonntag Nachmittag ein günstiger Zeitpunkt sei, die Frau zuhause anzutreffen, denn weder Einkäufe, noch Konzert- oder Kirchenbesuch war um diese Zeit angesagt. Freilich bestand immer die Möglichkeit, daß sie am Fluß entlang spazieren ging oder am Markt in einem der Cafés saß.

Brause gab einem Kollegen Bescheid über sein Vorhaben, ging in den Hof hinunter und nahm sich ein Polizeiauto. Auf seinem Weg in die Innenstadt führte ihn die Straße am Fluß entlang, er hielt nach Armdran Ausschau, bog dann über die alte Brücke in die Altstadt ein. Dort umrundete er den Marktplatz, doch auch dort konnte er sie nicht erblicken. Es wäre auch ein Zufall gewesen, indes war das ungeplante Zusammentreffen zweier Personen in einer Kleinstadt gar nicht so unwahrscheinlich wie in einer größeren Stadt.

Guter Dinge bog Brause in nördlicher Richtung in die Kirchgasse ab und erreichte nach wenigen Metern den nordöstlichen Teil der Altstadt. Auf dem langgestreckten Areal der vormaligen Lagerhallen fand er problemlos einen Parkplatz. Er blieb neben einem Lada-Niva stehen und wunderte sich, daß diese >Russenkarren< immer noch herumfuhren.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er Schritte auf der Stiege vernahm, nachdem er geläutet hatte. Er wollte bereits ein zweites Mal den Klingelknopf drücken, doch fiel ihm noch rechtzeitig ein, daß es hier keinen elektrischen Türöffnermagneten gab, so daß Frau Armdran herunterkommen mußte, um einem Besucher zu öffnen.

Brause konnte seine Überraschung nicht verbergen, als er anstelle von Frau Armdran Martina erblickte, die ihm die Haustür öffnete.
- "Brause mein Name", begrüßte er sie, "wir haben uns auch schon gesehen, aber jetzt fällt mir ihr Name nicht mehr ein!"
- "Martina Weiß", erwiderte sie und trat zu Seite, damit er eintreten konnte, "Marlies ist oben in ihrer Wohnung!"
Brause war etwas enttäuscht darüber, daß er nicht allein mit Frau Armdran sein würde, seine Enttäuschung steigerte sich, als er weitere zwei Personen in dem kleinen Raum an dem Tisch sitzend versammelt sah.

- "Ah, Frau Pfarrer Litte, Sie sind auch da, freut mich", log er und setze sein charakterisierendes Grinsen auf, "und Sie kenn' ich auch irgendwo her, wir sind uns auch schon mal wo begegnet!"

'Begegnet ist gut gesagt', dachte sich Gangolf, 'der schnüffelte den ganzen Tag in meinem Hof herum in der Hoffnung, das bei dem Raubüberfall auf die Sparkasse erbeutete Geld zu finden.
- "Gangolf Stumpf", half er Brause auf die Sprünge.
- "Ja richtig, Sie haben doch den großen Hof da in Wesserbarg, ganz am Ende, fast schon am Röthener See gelegen."
Gangolf bestätigte das Gehörte mit einem leichten Nicken, sagte aber nichts dazu, denn er wollte ein Gespräch mit Brause vermeiden. In dem Moment kam Magda aus der Küche, sie errötete, als ihr Blick den Wachtmeister traf.
- "Wie geht's Ihnen, Frau Armdran?", begann Brause seine Konversation, den Blick auf Magda gerichtet, "ich sehe, Sie haben Besuch, da will ich gar nicht lange stören."
- "Gut", antwortete Magda artig, obwohl ihr anzusehen war, daß es ihr in diesem Augenblick alles andere als gut ging, "bitte setzen Sie sich, ich wollte gerade den Nachtisch bringen, es gibt Schokoladenpudding, wollen Sie auch einen?"
- "Nein, nein, ich bin im Dienst, wissen Sie, aber trotzdem herzlichen Dank für Ihr Angebot!"
- "Aber wenigstens einen Kaffee?", fragte Magda.
- "Ja gern, das wird mir schon erlaubt sein", grinste Brause.
Magda ging in die Küche, füllte die Kaffeemaschine mit Wasser, falzte das Filterpapier, steckte es in den Trichter, löffelte das Kaffeepulver mit Hilfe des Meßbechers hinein und drückte auf den kleinen Kippschalter, worauf ein rotes Lämpchen erglühte und die Maschine mit fauchend-gurgelnden Geräuschen ihre Arbeit aufnahm.
Anschließend brachte Magda die große Schüssel mit dem Nachtisch herein, die Schüsselchen standen bereits auf dem Tisch, die Teller waren abgeräumt. Nun verdrehte Brause seine Äuglein, nahm seine Dienstmütze ab und meinte schmeichelhaft:
- "Das riecht ja köstlich".
Jetzt war es Martina, die ihn aufforderte:
- "Nun probieren Sie doch auch was davon, dann müssen Sie den Kaffee nicht so trocken hinunterschütten!"
Brauses Grinsen weitete sich zu einem ehrlichen Lachen und er freute sich sichtlich, nun doch eine gehörige Portion des frischgekochten Puddings zu erhalten, Dienstvorschriften hin oder her. Magda verschwand wieder in die Küche, um die Kaffeetassen zu holen. Brause stand unvermittelt auf und folgte ihr. In der Küche angelangt, schloß er die Tür hinter sich zu und fragte Magda:
- "Was macht ihr Dings da, gibt's irgendwelche Probleme, darf ich es einmal sehen?"
Magda bückte sich hurtig und schob den Saum ihrer linken Wollsocke weit auf den Fuß hinunter, so daß die gesamte Wade sichtbar wurde - und nicht nur diese.
- "Danke", entgegnete Brause knapp und half ihr, die Zuckerdose und das Milchkännchen in den Raum hinauszutragen, während Magda die Tassen mitsamt den Untertassen und Löffelchen jonglierte.
Bettina gelang es, eine oberflächliche Plauderei in Gang zu setzen und am Leben zu erhalten; als ein jeder seinen Pudding aufgegessen hatte, verabschiedete sich Brause und bedankte sich für die Gastfreundschaft.

'Was war denn das für ein Blitzbesuch eines Gendarmen', überlegte sich Gangolf, ihm war nicht klar, warum der Polizist unvermittelt auftauchte und warum er selbst zu diesem Kränzchen geladen worden war.
Doch die Lösung folgte auf den Fuß, im wahrsten Sinne des Wortes. Martina wandte sich Magda zu und forderte sie auf:
- "Nun zeig' doch endlich auch Gangolf deinen Fuß!"
Magda errötete wiederum und wiederholte die Zeremonie, die sie bereits kurz zuvor in der Küche in Gegenwart des Polizisten vollzog. Interessiert erhob sich Gangolf und blickte über den Tisch. Erstaunt gewahrte er es - ein unscheinbares hautfarbenes Ding an der Außenseite von Magdas linkem Knöchel.



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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:15.08.21 00:31 IP: gespeichert Moderator melden


Dann schau'n wir doch mal, ob M a g n u s in der Lage und Willens ist, Magda von der Fußfessel zu befreien.

mfg

Sarah
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:20.08.21 22:02 IP: gespeichert Moderator melden


"Willens" wird er wohl schon sein, Magda von der elektronischen Fußfessel zu befreien, doch ob er auch in der Lage sein wird?
Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Magnus.



15

Wie an jedem ersten Freitag des Monats fand auch an diesem lauen Abend des dritten Mai der Vereinsabend der Schleewald-Amateurfunker statt. Gangolf besuchte diese Abende nur unregelmäßig, da er das Amateurfunk-Hobby zwar nicht ganz aufgegeben, aber doch ziemlich zurückgestellt hatte. Die per SMS ferngesteuerten Handschellen haben nur am Rande etwas mit der eigentlichen Funktechnik zu tun, doch heute wollte er an dem Clubabend teilnehmen, um zwei Funker-Freunde zu treffen.
Leider stellte sich heraus, daß weder der langjährige Gerätewart Hans da war, noch der Computer-Freak Joe. Gangolf hörte mit halben Ohr den Ausführungen eines Fachmanns zu, der über neuartige Antennen für einen Höchstfrequenzbereich dozierte. Immer wieder ertappte er sich, wie seine Gedanken von dem Vortrag abschweiften zu jener Aufgabe, der er sich seit des Besuchs bei der Magda verpflichtet fühlte. Er verwendete lieber den Begriff >Aufgabe< anstelle von >Problem<.
Als der Vortrag zu Ende war, pirschte Gangolf sich zu dem Vereinsvorsitzenden vor und schilderte ihm seinen Wunsch, spezielle sich im Eigentum des Ortsvereins befindliche Frequenzmeßgeräte auszuleihen. Der Vorsitzende gab ihm die Telephonnummer des Gerätewarts und er meinte, daß der Hans üblicherweise am Samstag Vormittag in den Räumen des Vereinsheims anzutreffen wäre. Mit der Telephonnummer des Joe war es etwas schwieriger, nach längerem Suchen fand der Vorsitzende jedoch auch diese. Gangolf plauderte noch mit einigen Clubkollegen und verabschiedete sich relativ bald.

Tatsächlich erreichte Gangolf am nächsten Morgen den Gerätewart Hans, ein älterer Herr mit einem reichen Erfahrungsschatz, was die alte Funktechnik anbetraf, mit der Höchstfrequenz- und Computertechnik wollte er sich nicht mehr beschäftigen. Der Hans war sehr erfreut über Gangolfs Besuch, doch als dieser darum bat, ihm die speziellen Frequenzmeßgeräte leihweise auszuhändigen, wurde er sehr zurückhaltend.
- „Bring’ doch deine Schaltungen her, dann können wir sie gemeinsam durchmessen,“ begeisterte sich Hans.

‚Wenn du wüßtest’, dachte sich Gangolf, mit ihm konnte er über seine >Aufgabe< nicht sprechen, mit Joe schon eher, als äußerst aktives Mitglied des Berliner Caos Computer Clubs war dieser gewohnt, Nachforschungen in der geheimen Computerwelt und des Netzwerks anzustellen, welche, vorsichtig formuliert, am Rande des Legalen standen. Gangolf hörte davon, daß es in dem Berliner CCC sogar eine eigene Abteilung Funktechnik gäbe, doch er hatte mit diesem Club bislang keine Berührungspunkte.
Endlich gelang es Gangolf, den Hans zu überreden, ihm doch einige seiner Heiligtümer leihweise auszuhändigen. Als Vereinseigentum standen die Geräte allen Mitgliedern zur Verfügung, doch gab es die Anweisung, möglichst keine dieser kostbaren Dinger zu entleihen. Gangolf schaukelte ihm vor, daß es um umfangreiche Schaltungen eines Probeaufbaus handelt, die er nur mühsam hierher bringen konnte, und als schließlich der Vereinsvorsitzende telephonisch sein Einverständnis gab, händigte Hans die Geräte aus. Er half Gangolf, diese hinunterzubringen und in den Golf zu verstauen, nicht ohne mahnende Worte, umsichtig damit umzugehen, und auf jeden Fall statische Aufladungen zu vermeiden.

Gangolf fühlte sich ein bißchen in seinem Ehrgefühl verletzt, war er doch längst kein unachtsamer Jugendlicher mehr, der im Eifer des Gefechts möglicherweise einen Schaden hätte herbeiführen können. Andererseits weiß man ja nie, dachte er sich, es kann immer einmal was passieren, und dann hat der Gerätewart wenigstens warnende Worte gesprochen. Im Grunde war er ihm dankbar, daß er über seinen Schatten sprang und die Geräte doch noch herausgerückt hatte. Zum Glück bestand der Hans nicht darauf, mit ihm zu seiner Bastelbude zu kommen, um die >umfangreichen Schaltungen< zu begutachten.
Gangolf holte tief Luft, startete seinen Golf und fuhr vorsichtig zu sich nach Hause. Das letzte Wegstück auf einer Länge von fast einem Kilometer bestand aus einem Feldweg, dort mußte er besonders vorsichtig fahren, je nach Schlaglochtiefe häufig kaum mit Schrittgeschwindigkeit. Die asphaltierte Straße führte von der Bundesstraße nur bis zu den verstreut stehenden Häusern von Wesserbarg. Es wäre ihm sehr peinlich gewesen, wenn die sensiblen Geräte allein durch die Erschütterungen des Transports in Mitleidenschaft geraten wären.

Als Gangolf gegen Mittag endlich zu seinem Hof kam, fuhr er das Auto in die Garage, welche er gegen seiner sonstigen Gewohnheit verschloß, und holte sich sein Kajak aus dem Schuppen, um in’s nächste Dorf zu rudern, wo er Mittag essen wollte. Das Paddeln versöhnte ihn wieder mit der Welt, kräftig schlug er die Blätter in’s Wasser, die Gischt spritzte ihm entgegen, er konnte sich dabei hervorragend abreagieren.

---

Sie waren bereits ziemlich weit fortgeschritten, doch kamen sie ohne Worte überein, das Finale noch etwas hinauszuzögern. Die silikonummantelten Teile lagen griffbereit auf den Nachtkästchen des Doppelbetts, auch die dazu gehörenden Fernbedienungen.
- „Meinst du, er wird es schaffen?“ vernahm man den leisen Flüsterton in dem von Jasmin-Duft geschwängerten Raum.
- „Ja klar, der ist der totale Technik-Freak“.
- „Und daß er doch einmal Bedenken kriegt, was er da macht?“
- „Nöö, glaub’ ich nicht; hast du ihn angesehen, als ihn der Brause begrüßte und mit ihm ein Gespräch anfangen wollte?“
- „Ne, hab’ ich nicht mitgekriegt, was war da?“
- „Irgendwie kannten sie sich, doch Gangolf wollte da nichts davon wissen, nickte nur kurz und sagte nichts weiter. Wird wohl nicht bloß ein Strafzettel wegen Parkverbot gewesen sein.“
- „Du meinst, Gangi hätte von sich aus schon gar kein Interesse zur Nähe zur Polizei?“
- „Ja genau, das Gefühl hatte ich, wahrscheinlich war da `mal was, denn der Brause wußte plötzlich wieder Bescheid, daß er da bei ihm war in Wesserbarg.“
- „Ah, aus Wesserbarg kommt er, das wußte ich gar nicht.“
- „Hm, wir wissen vielleicht vieles noch nicht über ihn, irgendwie ist er schon auch ein geheimnisvoller Typ. Ich werd’ ihn morgen fragen, wie er die Chancen einschätzt, daß er was machen kann.“
- „Siehst du ihn morgen?“
- „Ja, wieder in Grausneg, und er spielt immer so schön, komm’ halt auch, dann hörst’ ihn auch einmal und dann kannst’ ihn gleich fragen, ob er die Meßgeräte hat, von denen er was gesagt hat.“
- „Hm, weiß noch nicht, ja, wenn ich nicht verschlafe!“
- „Du Dumpfbacke!“
- „Aua“, riefen plötzlich beide gleichzeitig auf, denn sie waren miteinander in lustvoll-schmerzhafter Weise verbunden: Das Piercing-Stäbchen der linken Brustwarze der Einen war über ein dünnes Messing-Kettchen mit dem Piercing-Ring der rechten Schamlippe der anderen verbunden und umgekehrt: Die rechte Warze Letzterer mit der linken Lippe Ersterer. Manchmal hängten sie in der Mitte, wo sich die beiden Kettchen überkreuzten, ein Häkchen ein mit einem kleinen Gewicht, damit auf ihnen immer etwas Zug herrschte.

Im Geiste malte sich Martina bereits die bizarrsten Vorstellungen aus, was sie mit ihrer Magda alles anstellen würde, sobald diese endlich wieder den Stadtbereich von Lüggen verlassen konnte, um zu ihr hier hinauszukommen. Die Frau Pfarrerin war durchaus lieb, aber nicht ausgesprochen masochistisch veranlagt, doch als Sadistin begehrte Martina nach unterwürfigen Personen, nach >Objekten<, wie sich auszudrücken pflegte, was sie freilich im Bettinas Beisein vermied.

Martina war froh, Bettina in langsamen Schritten vorsichtig etwas in die bizarre Welt des Sadomasochismus eingeführt zu haben, doch sie erkannte, daß sie bei Bettina schnell an Grenzen stieß. Um sie nicht zu verschrecken, dämpfte Martina ihre sadistischen Neigungen und gab sich mit den andeutungsweisen Spielchen zufrieden. Im Geheimen sehnte sie sich nach Magda, da würde es dann richtig zur Sache gehen. Sie würde Gangolf befehlen, spezielle Einrichtungsgegenstände zu montieren, um ihr Reich zu vervollständigen. Bettina würde sie dann wohl nicht mehr brauchen...

Schließlich sahen sich beide an, blinzelten sich einvernehmlich zu, rückten auf den Kopfkissen noch etwas höher, was beiden ein leichtes Aufstöhnen entlockte, und griffen zu den Lustspendern.










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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:27.08.21 21:58 IP: gespeichert Moderator melden



Die namhaften Schriftsteller waren fleißig in den letzten Tagen und versorgten uns mit reichlichem Lesestoff; wie jeden Freitag möchte ich nun meinerseits der verehrten Leserschaft die nächste Fortsetzung meiner kleinen Geschichte bieten, ich wünsche viel Freude beim Lesen,
M a g n u s .



16


Von seiner kleinen Kajak-Tour zurückgekehrt wollte Gangolf den späten Nachmittag nutzen, die kostbaren Frequenzmeßgeräte, die er heute Morgen ergattert hatte, in Magdas Wohnung zur Anwendung bringen. Da er ihre Telephonnummer nicht hatte, versuchte er, Martina zu erreichen, sie zu bitten, ihm ihre Nummer zu sagen. Es war das erste Mal, daß er Martinas Nummer aus dem Kontakte-Verzeichnis seines Smartphones heraussuchte; es traf ihn fast der Schlag, als er Martinas Spruch auf der Mail-Box vernahm:

- „Hallo, sag’ jetzt, was du zu sagen hast, fasse dich kurz, ich entscheide dann, ob ich zurückrufe!“

Das war Gangolf dann doch zu blöd, er drückte die rote Beenden-Taste und beschloß, ohne Vorankündigung bei der Magda aufzutauchen. Wachtmeister Brause nahm sich das neulich auch heraus, warum sollte er das nicht dürfen, wo er ja eine höhere Mission hatte.

‚Wie kann die Martina nur so arrogant sein’, ärgerte sich Gangolf, >ich entscheide, ob ich zurückrufe<, so ein arroganter Mist, das will ich gar nicht darauf ankommen lassen, ob ich dann in der Gnade stünde, zurückgerufen zu werden.’
Als er in Lüggen die Kirchstraße entlang fuhr, entdeckte er auf der anderen Straßenseite einen Lada-Niva.
‚Daß es diese Karren immer noch gibt, die Martina hat auch so eine Gurke, was sie nur an so einem Vehikel empfindet’, überlegte er im Vorbeifahren, beachtete das Fahrzeug nicht weiter, sondern konzentrierte sich darauf, die Einfahrt in den Hof zu finden, wo sich Magdas Wohnung befand. Während bei dem ersten Besuch Martina vorausgegangen war und als Vorwarnung ihres Nahens den Klingelknopf gedrückt hatte, obwohl sie gleich darauf mit ihrem Schlüssel die Haustür aufgesperrt hatte, war Gangolf heute auf sich gestellt, den richtigen der beiden Knöpfe zu wählen. Da sich Magdas winzige Behausung im Dachgeschoß befand, würde es wohl der obere der beiden Klingelknöpfe sein, schlußfolgerte Gangolf und erspähte daneben ihren Namen: Armdran.

‚Was es nur für seltsame Namen gibt’, durchfuhr es Gangolf, und gerade als er das Knöpfchen drückten wollte, ging die Tür auf. Der Mann, der im Begriff war, auszutreten, wich leicht erschrocken etwas zurück, als er Gangolf vor der Tür stehen sah, ging zur Seite, um ihn einzulassen, und als Gangolf die Stiege betrat, ging der Fremde hinaus, und die Haustür fiel hörbar in’s Schloß.

Gangolf traute seinen Ohren nicht, als er gedämpfte Schreie aus Magdas Wohnung vernahm. Rasch nahm er die Stufen hinauf und hielt vor der Wohnungstür inne. Es war kein lautes ununterbrochenes verzweifeltes Schreien oder Rufen um Hilfe, sondern kurze Aufschreie, dazwischen unterschiedlich lange Pausen von einigen Sekunden. Gebannt lauschte er an der Tür, manchmal vermeinte er, ein Zischen oder Knallen zu vernehmen, das den Schreierufen vorausging.

Von einem ihm unerklärlichen Instinkt geleitet wandte sich Gangolf um und stieg, so leise es ihm möglich war, die Stufen wieder hinunter. Die Haustür ließ er nicht einfach von dem Verschließmechanismus selbsttätig in’s Schloß fallen, sondern führte sie vorsichtig, daß es zum einen nicht das typische In’s-Schloß-fallen-Geräusch gab, zum anderen hoffte er, dadurch die Zunge einige Millimeter vor dem Einrasten in die Falle anhalten zu können, was bei schlecht geölter Mechanik manchmal möglich war. Tatsächlich gelang es ihm auf diese Weise, daß er die Tür notfalls wieder hätte öffnen können.
Unschlüssig, was er tun sollte, schlenderte er zu seinem Auto, das er in der Nähe in dem großen Hof abgestellt hatte. Dann kehrte er jedoch wieder um und ging an dem Haus entlang, ob er auch hier draußen die seltsamen Schreie hören würde. Entweder waren die Fenster entsprechend schalldicht, oder sie haben aufgehört, er vernahm sie jedenfalls von hier unten nicht.
In seinem Auto sitzend kam ihm die Idee, Bettina anzurufen, was sie von der merkwürdigen Begebenheit hielte:
- „Soll ich nochmal hinaufrennen und läuten?“ fragte er mit erregter Stimme.
- „Hm, warte mal, laß’ mich kurz überlegen“, bat Bettina. „Ich glaube nicht, daß Magda wirklich in Gefahr ist, das ist `was anderes“, versuchte sie ihn zu beruhigen. Gangolf spürte indes in ihrer Stimme eine gewisse Unsicherheit, als ob sie die Wahrheit wüßte, diese aber ihm nicht mitteilen wollte. Statt den von ihr vermuteten Sachverhalt zu erläutern, stellte sie rasch eine Gegenfrage:
- „Wo bist du denn?“
- „Ja vor ihrem Haus!“
- „Können wir uns wo treffen, ich bin hier gerade in Holzbuch fertig, dann könnten wir über alles sprechen.“

‚Schon wieder diese Geheimnistuerei’, ärgerte sich Gangolf, am liebsten wäre er mit Vollgas davongebraust, um dem Hans die Meßgeräte wieder zu bringen; ‚blöde Weiber’, knurrte er im Gedanken, doch dann lenkte er ein:
- „Ja dann komm’ doch einfach bei mir vorbei, wenn du jetzt in Holzbuch bist!“
- „O ja gern, sag’ mit noch schnell, wie ich zu dir komme!“
- „Bieg’ von der Bundesstraße ab nach Wesserbarg, dann die Ortsstraße immer weiter, bis der Asphalt aufhört und dann noch fast einen Kilometer weiter den Feldweg fahren, der macht dann einmal eine Biegung, und ganz am Ende findest du dann meinen Hof. Aber fahr’ vorsichtig, daß dir mit deinem Wägelchen keine Achse bricht!“

Als Gangolf von Lüggen zurück kam, sah er Bettinas rotes Elektroauto in seinem Hof stehen; sie war natürlich schon vor ihm da, denn von Holzbuch her war es nicht so weit wie für ihn von Lüggen her. Bettina hatte die Wartezeit genutzt, um auf dem Hof herumzutigern; sie hatte bei dieser Gelegenheit Gangolfs Fuhrpark inspiziert, sowohl das Motorrad, als auch die drei Boote: Das Schnell-Kajak, dann ein breiteres, kürzeres und schließlich einen normalen Ruderkahn.

Als sie Gangolf auf den Hof einfahren sah, wandte sich Bettina zu seinem Auto um; nach einer herzlichen Umarmung meinte sie lapidar:
- „Das ist also deine Residenz“.
- „Residenz ist gut gesagt, ich würde dir auch gern gleich eine Schloßführung geben, vor allem die ausgedehnten Parklandschaften laden zwar nicht zum Lustwandeln ein, eher zum Autoparken, aber jetzt möcht’ ich doch gleich wissen, was du davon hältst, von diesen kurzen Aufschreien aus Magdas Wohnung. Kannst du dir vorstellen, was da war?“
- „Ach Gangolf, ja, schon aus Berufsgründen darf ich nicht lügen und dir will ich auch nichts vormachen, doch laß’ uns bitte erst mal in’s Haus reingehen, also wenn du erlaubst.“
- „Aber bitte,“ entgegnete Gangolf in einer Mischung von Verwunderung und Erleichterung, denn offenbar konnte es nichts sehr Schlimmes sein, das sich hinter den Schreien verbarg. Er öffnete die Haustür und ließ ihr den Vortritt.
- „Einfach immer geradeaus durch den Flur und dann rechts!“
Bevor Gangolf Martina etwas zu Trinken anbot ließ er sich in einen Sessel plumpsen und wies Bettina an, ein Gleiches zu tun.
- „Jetzt aber sag’ endlich, wird da oben bei ihr jemand stoßweise zu Tode geprügelt oder gehört das zu einer besonderen Atemtechnik?“

- „Gangolf“, erhob Bettina mit einem leichten Seufzer die Stimme, blickte ihn mit großen Augen an, „ich weiß’ nicht richtig, wie ich dir das erklären soll. Dürfte ich um etwas zu Trinken bitten?“
„Dürfte ich um etwas zu Trinken bitten, das klingt ja sehr geschwollen, gehört das zu deinen Stilmitteln, die du für deine Predigten anwendest, um die Spannung zu steigern, bis du endlich zum Kern der Sache kommst? Ja, du darfst, und dürfte ich fragen, mit welchem Getränk ich mir deine huldvolle Zuwendung erheischen könnte?“
Nun brach Bettina in ein herzhaftes Lachen aus, das Gangolf erwiderte.
- „Ich mach’ jedenfalls jetzt einen Kaffee. Magst du auch einen?“

In der Zwischenzeit, während Gangolf den Kaffee bereitete, überlegte sich Bettina, wie sie ihm ihre Vermutung erläutern sollte. Es fiel ihr schwer, auf die Schnelle kluge Formulierungen zu finden. Als er mit dem Kaffeeservice in das Wohnzimmer zurückkam, warf sie alle ihre Überlegungen über Bord und sprach frei heraus:
- „Ich glaub’, die spielen miteinander da oben; also Martina und Magda.“
Nach einer kurzen Pause, die sie nutzte, um Gangolf in’s Gesicht zu sehen, um abzuschätzen, wie er das Gehörte aufnahm, fuhr sie fort, dabei schoß ihr das Blut in die Wangen, denn ihr war bewußt, daß sie jetzt nicht die ganze Wahrheit sagen würde:
- „Also du hast ja wohl sicherlich schon `mal von so SM-Spielchen gehört, von der Sado-Maso-Szene, für mich wär’ das ja nichts, ich liebe gern und werde gern geliebt, aber ohne Schmerzen und ich kann mir nicht so vorstellen, daß man dann da erst recht Lust verspürt dabei.“

‚Aha, so ist das also’, machte sich Gangolf derweil Gedanken, ‚aber warum wirst du jetzt so rot, könnte es nicht sein, daß du da doch ein bißchen Gefallen find’st, zumindest so im Geiste, vielleicht beim Zusehen.’
Er mußte sich selber eingestehen, daß er gleichfalls gewisse Neigungen in diese Richtung empfand: Genüßlich geilte er sich vor dem Fernseher auf, wenn in einem Film in einem tiefen Keller Menschen gefesselt werden und hilflos alleine in der Dunkelheit angekettet blieben, besonders wenn es sich dabei um junge Frauen handelte, die auf diese Weise schmachten mußten.
Bettina blickte ihn wieder mit einem fragenden Gesicht an, als ob sie auf seine wohlwollende Antwort wartete. Noch in seinen Gedankengängen verstrickt entgegnete Gangolf leicht stammelnd:
- „Äh, ja, freilich, so was hab’ ich schon gehört, also meinst du wirklich, aha, ja, das könnte ich dann schon verstehen, daß da immer so kurze Aufschreie waren.“
Von dem Zischen in der Luft erwähnte er erst einmal nichts, auch behielt er für sich, daß er etwas weiter entfernt, auf der Straße draußen einen Lada gewahrte.

Als sich der Duft des frisch gebrühten Kaffees bis in das Wohnzimmer gezogen hatte, sprang Gangolf auf, um ihn zu holen. Bettina nutze die kurze Weile des Alleinseins, um tief durchzuatmen und um auf diese Weise ihre Röte aus dem Gesicht zu verlieren, derer sie sich nur zu gut bewußt war.
Mit der Glaskanne in der Hand kam Gangolf nach wenigen Sekunden wieder herein, goß die Brühe in die Tassen, stellte die Kanne auf einer kerzenbefeuerten Warmhalteplatte ab und sagte mehr zu sich selbst:
- „Ach, jetzt hab’ ich wieder den Zucker vergessen, und die Milch muß ich auch noch holen.“

Als diese Utensilien herangebracht worden waren, wandte sich Gangolf noch zu einer Kommode, auf welcher er Naschereien abzustellen pflegte. In Daumen und Zeigefinger beider Hände geklemmt ging es einer Erdnuß-Flips-Tüte an den Kragen, welche sein Platzen mit einem charakteristischem Ploppen kundtat. Anschließend ratschte die Plastikumhüllung einer After-eight-Packung mit einem nestelnden Geräusch entzwei und verhalf den pfefferminzummantelten Schoko-Täfelchen zum Aufatmen nach wochenlangem luftdichten Einschluß.
- „Laß’ doch“, wehrte Bettina mit einer Hand ab, Gangolf kam sofort Wachtmeister Brause in den Sinn, der auch erst einmal Magdas Nachtisch verschmähen wollte, indes gefangen in seiner Eß-Begierde schwach geworden war.
- „Dann eß’ ich sie eben allein auf“, antwortete Gangolf mit einem Lächeln und setzte nach:
- „Ich glaub’, die Martina hätte sich da nicht so geziert, die ist da gradan, wie man bei uns in Bayern sagt, und die hätt’ wahrscheinlich sogar im Befehlston gefordert: >Hey, hast du Nichts zum Kaffee dazu?<“
Wieder lachte Bettina auf und stimmte ihm zu: „Ja, da kennst du Martina schon ganz genau, sie hat oft so was Forderndes in ihrer Stimme. Aber sie kann auch so lieb sein.“
Nun kam Gangolf die Sache mit der Ansage auf dem Anrufbeantworter in den Sinn:
- „Sag’ einmal, hast du schon einmal die Ansage auf der Mailbox gehört von der Martina, die ist ja total kraß!“
- „Da hast du recht, ich mag’ oft gar nicht anrufen bei ihr, weil immer erst diese Ansage kommt, richtig blöd meiner Meinung nach, aber wenn ich dann bloß kurz was sage, antwortet sie sofort und gibt sich erkennen, wahrscheinlich, weil sie auch gleich meine Nummer auf dem Display sieht.“
- „Also ich ruf’ da so schnell nicht mehr an, eigentlich wollte ich nur Magdas Nummer, ich wollte ihr sagen, daß ich kommen wollte mit den Frequenzmeßgeräten, aber so bin ich dann einfach so hin in den Hof, zufällig kam ein Mann unten heraus, so daß ich ohne Läuten hinaufsteigen konnte und vor ihrer Wohnungstür hab ich das dann gehört.“
- „Ja, so ist es, und wer da wen behandelt, wird dir vermutlich auch klar sein.“
- „Ja klar, ich hab’ noch nie so einen dominanten Mensch kennengelernt wie die, macht mir ein bißchen Angst.“
- „Auf der andern Seite fährt sie so gern auf dem Motorrad mit, sie hat mir von eurem Ausritt erzählt und wie du so stark die Nerven behieltst bei der Vollbremsung. Da ist sie dann ganz ausgeliefert, dem Können des Fahrers unterworfen, und natürlich auf ihren Schutzengel angewiesen.“

Eigentlich hatte sich Gangolf vorgenommen, nicht danach zu fragen; er hatte eine Aufgabe, und die sollte er lösen, ohne lang zu fragen, warum und wieso. Doch nun kam es ihm geradezu beiläufig über die Lippen:
- „Sag’ einmal, was ist da eigentlich passiert, daß die Magda so ein Ding an ihrem Bein hat?“
- „Eine schlimme Geschichte, sie wurde beinahe vergewaltigt, und nicht nur sie, und seitdem schnallen sich die beiden immer einen Chasti um, bevor sie sich mit fremden Männern einlassen.“
- „Waaas schnallen sie sich um?“, wollte Gangolf erstaunt wissen.
- „Ihren Chastity belt, ihren Keuschheitsgürtel.“

Gangolf starrte Bettina sprachlos an, ihm fiel die Kinnlade hinunter. Er wußte natürlich, daß es im Mittelalter so etwas gegeben hatte und im Internet surfend stolperte er auch auf Beiträge, in welchen etwas von Keuschheitsgürteln im Zusammenhang mit SM-Praktiken und erotischen Liebesspielen stand, doch er beachtete das nicht weiter.
Da Gangolf weiterhin wie vom Blitz getroffen dasaß, fragte Bettina ihn:
- „Hast du davon noch nichts gehört?“

Gangolf war nach ein paar Sekunden wieder aus den Tiefen seiner Verwunderung aufgetaucht und sagte:
- „Jetzt ist mir klar, was das war, das sich in meinen Rücken bohrte!“
Nun war es Bettina, die ihn fragend ansah. Gangolf klärte auf:
- „Als ich neulich so scharf abbremsen mußte mit dem Motorrad und die Martina hintenauf, die ist durch das scharfe Bremsen mit voller Wucht auf mich drauf geflogen und da hab’ ich dann plötzlich so einen unerklärlichen Stich gespürt. Und dann, als wir wieder weitergefahren sind, hab’ ich an der Hose von der Martina vorn ein bißchen herumgefummelt und hab’ dabei bemerkt, daß die da wirklich irgend was Hartes drin hat, aber ich hab’ dann nichts weiter gesagt.“
Ein Schmunzeln huschte über Bettinas Gesicht, sie malte sich aus, wie dieser Vorgang abgelaufen war; sie überlegte sich, ob es die Rache des Schicksals gewesen sei, die Passive gab dem Aktiven einen Stich.
- „Ja, ja, du edler Ritter, ich hoffe, du hattest deinen dominanten Part genossen!“

Gangolf hätte sich nicht in seinen kühnsten Träumen ausmalen mögen, daß er in gar nicht mehr allzu weiter Ferne nur noch den devoten Part innehaben würde, und das wider Willen...





























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Lieber durch Wahrheit unbeliebt, als durch Schleimerei beliebt

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:01.09.21 22:22 IP: gespeichert Moderator melden


"Es ist schon wieder Mittwoch, die Zeit rast dahin, übermorgen kommt die nächste Fortsetzung, bis dahin alles Gute!"

und ich freue schon jetzt darauf.

mfg
Sarah
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Erlangen


Warum nur wollen immer alle frei sein!

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:03.09.21 19:23 IP: gespeichert Moderator melden



"und ich freue schon jetzt darauf"
Rückmeldungen freuen mich immer, auch kritische Anmerkungen; ich bin dabei, einen weiteren Roman zu verfassen, und in diesen könnte ich entsprechende Anregungen einfließen lassen!
Viel Vergnügen beim Lesen,
M a g n u s .


17


Es ist spät am Abend geworden, als sich Bettina von Gangolf verabschiedet hatte, die beiden hätten sich noch endloslang miteinander unterhalten können; Gangolf führte liebend gern Gespräche mit der Pfarrerin, sie wußte über so vieles Bescheid, sie waren in vielen Dingen gleicher Ansicht, er fühlte sich zu ihr hingezogen. Sie war keine ausgesprochene Schönheit, ganz im Gegensatz zu Martina, doch Bettina war schön, wie jede junge Frau von Natur aus schön ist.

Das traf auch für Magda zu, überhaupt ähnelten sich die beiden Frauen von Statur und Aussehen her, allerdings nicht, wie sie sich gaben: Während Bettina wert auf schöne Kleidung legte, die durchaus modern sein durfte, erinnerte sich Gangolf an die abgewetzten Shorts, welche Magda an dem Sonntag getragen hatte, als er mit den anderen beiden Frauen bei ihr zum Mittagessen war. Ihr T-Shirt war ausgebleicht gewesen, auf dem Sofa, das ihr des Nachts als Bett diente, war eine schäbige Jeans und eine ausgefranste Jacke gelegen. Daneben standen vollkommen ausgelatschte Chucks, an den Fersen aufgerissen, die Schnürsenkel mehrfach verknotet.

All diese Gedanken schwirrten Gangolf durch den Kopf, bis er durch das Läuten der Glocken von diesen befreit wurde, und der Klang ihn zur Besinnung brachte, sich endlich auf den in Kürze beginnenden Gottesdienst zu konzentrieren. Doch während der Predigt ertappte sich Gangolf erneut, mit seinen Sinnen nicht bei der Sache zu sein. Er war im Gedanken bei dem Gespräch mit Bettina, das sie am Vorabend geführt hatten.

Die Bekanntschaft mit den drei jungen Frauen ist über Gangolf einfach so hereingebrochen, sie hat sich irgendwie unheimlich rasch entwickelt, eine Eigendynamik angenommen. Konnte er noch zurück, noch nein sagen? Schwerlich, denn zu sehr war er bereits gefangen in Begeisterung, Liebe, Neugier, Nervenkitzel, Vorhaben am Rande der Illegalität. Seine bohrende Frage, warum Magda unter Überwachung stand, blieb ihm immer noch unbeantwortet.

Gangolfs Sinne wurden jäh wieder auf Bettinas Predigt gelenkt, als jene etwas vom Sturm auf dem See Genezareth erzählte und wie wir uns das hier in unserer Gegend kaum vorstellen könnten, da unsere Seen doch viel kleiner seien und hier kein ernsthaft gefährlich werdender Sturm einsetzten würde:

- "Ich bin selber kein Wassersportler, doch sehe ich manchmal begeistert und mit Bewunderung den vielen Touristen zu, wie sie in ihren Booten die Fließe im Schleewald durchkreuzen, doch auf den Seen sehe ich eigentlich nur selten jemanden. Einsam auf einer weiten Seefläche in einem schmalen schaukelndem Bötlein zu sitzen, hunderte Meter vom Ufer entfernt, vielleicht kann uns das eine Vorstellung der Nöte der Jünger vermitteln, als diese mit ihrem Segelboot in einen Sturm gerieten."

'Höre ich da aus dem Mund der Frau Pfarrerin einen geheimen Wunsch heraus?', machte sich Gangolf gleich wieder seine Gedanken, 'trifft das Bibelwort zu: >Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund. Gangolf würde es bald erfahren.

Nachdem Gangolf sein Orgelnachspiel beendet hatte, traf er am Kirchenausgang auf Bettina, wie sie im Gespräch mit anderen Gottesdienstbesuchern war; sie gab ihm beiläufig einen Wink, auf sie zu warten. Gangolf trat aus der Kirche und blinzelte geblendet vom grellen Sonnenlicht auf die Niederung des Dorfes und der umgebenden Flur hinab.
Nachdem Bettina die letzten Kirchenbesucher verabschiedet hatte und anschließend in der Sakristei den Talar abgelegt und ihre waffenscheinpflichtigen Plateau-Stiefeletten gegen die flachen Chucks gewechselt hatte, verließ auch sie die Kirche und schlug Gangolf vor, irgendwo noch einen Kaffee zu trinken. Sie einigten sich rasch auf die Eisdiele; Bettina war erfreut, auf diese Weise dort auch einmal hinzukommen, denn bislang war sie immer nur daran vorbeigefahren.

Gangolf war immer wieder davon überrascht, mit welcher ballettänzerhaften Geschmeidigkeit es jungen Frauen gelang, vor einem Stuhl stehend das linke Bein anzuwinkeln, es im angewinkelten Zustand auf die Sitzfläche zu plazieren, um sich darauf niederzusetzen, so daß der obere Bereich des rechten Oberschenkels zur Hüfte hin auf der linken Wade zu liegen kam. Mit der rechten Hand begann Bettina sodann, den seitlich abstehenden Schuh an der gummierten Zehenkappe zu umgreifen und mit den Fingern massierende Bewegungen daran vorzunehmen.
Das Faszinierende an dieser besonderen Art von Körperverrenkung war die Eleganz, mit welcher Bettina diesen Vorgang absolvierte; sie lächelte dabei unentwegt abwechselnd Gangolf und die Gäste an, welche an den benachbarten Tischchen saßen. Giuseppe kam hinzu und begrüßte die beiden:

- „Buon giorno, Signorina , ciao amico!”
Bettina erwiderte mit einem einfachen: „Ciao“, dagegen setzte Gangolf an:
- „Niente di signorina, diciamo è pastorella!”
- “Pastorella? Ah, pastore evangelica, e vero?”
- “Si, certo.”
- “Ah, mi piace, bella, bella.”

‘Alter Charmeur’, kam es Gangolf in den Sinn, dann bestellten sie Eis und Kaffee.

Als Giuseppe wieder gegangen war, wollte Bettina wissen: „Woher kannst du so gut italienisch?“
- „Soo gut kann ich das gar nicht,“ erwiderte Gangolf, „im Gegenteil, ich hab’ das nie richtig gelernt, aber ich war halt oft dort, beruflich, in Mailand und auch anderswo in der Poebene, da half mir mein Schul-Französisch ganz gut weiter, die Sprachen sind ähnlich, und so entwickelte sich das im Lauf der Zeit.“
- „Find’ ich toll“, meinte daraufhin Martina, doch Gangolf wiegelte ab:
- „Ihr Theologen müßt ja gerade reden: Latein, Griechisch, Hebräisch, und dann noch die halbe Bibel auswendig hersagen!“
- „Jetzt übertreib’ mal nicht,“ dämpfte sie ihn nun ihrerseits, „Latein, ja so einigermaßen, aber Griechisch, also genauer Altgriechisch und Hebräisch, das haben wir im Seminar nur ganz ganz oberflächlich gehabt.“
- „Trotzdem sehr bemerkenswert, und schaust du da manchmal nach, wie etwas im Urtext geschrieben steht?“
- „Ehrlich gesagt, fast nie, es gibt ja mittlerweile für jeden Vers vielfache Kommentare auf deutsch, interessant finde ich dann die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bibelstellen, vor allem die Voraussagen im Alten Testament, die sich dann im Neuen erfüllten.“

In diesem Augenblick kam Giuseppe mit dem Tablettchen zurück, auf dem er das bestellte Eis und den Kaffee jonglierte:
- „Prego Signora, prego Gianni!”
An den Vornamen Gangolf wollte sich Giuseppe nicht gewöhnen, er sprach Gangolf immer mit Gianni an. Als Gangolf hörte, daß Giuseppe nun Signora anstelle Signorina sagte, kamen ihm Skrupel, ob am Ende doch Signorina richtiger gewesen wäre. Als Giuseppe wieder gegangen war, fragte er sie:
- „Entschuldige bitte, wenn ich das so direkt frage, was trifft für dich jetzt zu, Signora oder Signorina?“
- „Ja, hm, nicht so einfach zu beantworten“, meinte Bettina und rührte dabei etwas verlegen ihren Kaffee um, und sie spürte, wie das Blut in ihren Kopf stieg.

‚Daß ich auch immer so schnell Verlegenheit verspüre’, schalt sie sich selber, ‚das möchte ich doch gar nicht, daß ich immer so rot anlaufe.’ Andererseits war ihr bewußt, daß man diesen Vorgang nicht willentlich steuern kann.
Nachdem ihre Verlegenheit etwas gewichen war, fuhr sie fort:
- „Es ist so, sagen wir `mal so, daß ich in gewisser Weise liiert bin.“
- „Ah ja, freut mich für dich“, log daraufhin Gangolf, ebenfalls leicht errötend.

Als nun beide sich über ihre Eiskugeln hermachten, trat dadurch zwangsläufig eine Gesprächspause ein. Beide ergingen sich in Grübeleien, Gangolf dachte sich:
‚Was will sie damit sagen, >in gewisser Weise liiert
Gangolf beschloß, ein bißchen vorzufühlen, wie weit er gehen konnte, wie weit sie ihn gewähren ließ. Sie saßen sich nicht gegenüber an dem Tischchen, sondern über Eck. Als das Eis gebracht worden war, zog sie ihr linkes Bein aus der Sitzfläche heraus, schwang sich rechts herum, Gangolf zugewandt, und schlug nun das linke Bein über das rechte. Auf diese Weise wippte ihr linker Fuß in Gangolfs Richtung. Er schlug daraufhin gleichfalls die Beine übereinander, das rechte über das linke, und berührte mit seiner Fußspitze die ihrige.

Entgegen seiner Gewohnheit, zum Orgelspielen die flachen schwarzen Puma-Schuhe mit seitlicher Schnürung anzuziehen, holte Gangolf am Morgen seine Chucks heraus, die er üblicherweise anhatte, wenn es darum geht, auf den Hausdächern zu den Photovoltaik-Platten zu gelangen. Während dort die griffigen Gummisohlen von Vorteil waren, erwiesen sie sich beim Orgelspielen nachteilig; das Vor- und Zurückgleiten auf den Pedaltasten war deutlich erschwert, auch das Druckgefühl durch die dickeren Sohlen war beeinträchtigt. Doch Gangolf nahm das in Kauf und es freute ihn sehr, daß er nun mit seinen gleichartigen Schuhen an die von Bettina anstoßen konnte.

Bettina bemerkte natürlich sofort sein Anstupsen an ihre Zehenkappe, sie lächelte Gangolf an, sagte aber nichts dazu. Nach einer Weile wurde Gangolf die Sitzhaltung, welche einen leicht gedrehten Oberkörper erforderte, zu unbequem, und er stellte seine Füße wieder nebeneinander unter den Tisch. Ohne von seinem Eis aufzusehen, griff er mit der linken Hand unter den Tisch, löste die Schnürsenkel von seinem linken Schuh, schlüpfte aus diesem heraus, zog mit einem Ruck den Socken vom Fuß und tappte vorsichtig mit den Zehen auf Bettinas rechten Schuh.

Vorsichtig arbeiteten sich Gangolfs Zehen weiter vor Richtung Fußrücken, als seine Fußsohle die Gummikappe von Bettinas Schuh erreichte, durchströmte ihn ein leichtes Lustgefühl; er hätte nicht gedacht, daß seine Fußsohle auf diese Berührung so sensibel reagieren würde. Bettina honorierte diese neue Form der Zuwendung mit einem weiteren vielsagenden Lächeln. Sie nahm ihr linkes Bein herunter, zog das Knie herauf, so daß ihr linker Fuß mit der Ferse auf der Sitzfläche auflag, löste nun gleichfalls das Schuhbändel, warf Schuh und Socken unter den Tisch und legte den seiner Bekleidung beraubten Fuß auf Gangolfs Fuß, der weiterhin auf Bettinas rechtem beschuhten Fuß ruhte.

Dieser Vorgang verlief dermaßen geschmeidig-schnell, daß Gangolf zunächst gar nichts von Bettinas Aktion mitbekam; als ihre weiche Fußsohle auf seinem Fußrücken zu ruhen kam, fühlte er sich wie elektrisiert, er lehnte sich, so weit es möglich war, auf seinem Stuhl zurück und genoß die wohlige lustversprühende Wärme ihres Fußes auf dem seinen. Sie saßen unbewegt da und blickten sich regungslos an, das Leuchten in ihren Augen ging in ein strahlendes Glänzen über, wie das nur bei Verliebten geschehen konnte.

Nach einer halben Ewigkeit hob Bettina ihren Fuß an, um ihn von Gangolfs Fuß zu nehmen. Blitzschnell griff Gangolf unter den Tisch, faßte Bettinas Fuß, zog ihn unter dem Tisch zu sich hinauf und plazierte ihn auf die Sitzfläche zwischen seinen Oberschenkeln. Auch diese Vergewaltigung ließ Bettina wortlos über sich ergehen, sie genoß es sichtlich, als nun Gangolf damit begann, ihre Zehen einzeln sanft mit seinen Händen zu massieren. Bettina rückte dazu mit ihrem Stuhl noch ein wenig nach rechts, damit ihr linkes Bein in eine bequeme Lage kam, doch sie vermied es, den Fuß durchzudrücken, unter allen Umständen wollte sie es verhindern, Tuchfühlung mit seinem empfindlichsten Körperteil aufzunehmen.

Beide hatten das Eisessen eingestellt; während der letzte Rest ihres Kaffees kalt wurde, schmolz das Eis in der warmen Luft dahin, so daß sich unten in der Schale bald nur noch eine undefinierbare Soße befand. Bettinas Atem wurde schneller, hörbar stieß sie die Luft durch ihren lächelnden Mund, die Augäpfel vergrößerten sich zu einem Kreis. Als Giuseppe auftauchte, entwand sie ihre Zehen aus Gangolfs massierenden Händen und setzte den Fuß artig unter dem Tisch ab.

An dem kleinen Parkplatz neben der Kirche angekommen öffnete Bettina die Fahrertür ihres schnuckeligen roten Elektrowägelchens, lehnte sich, bevor sie einstieg, an den Türholm; Gangolf kam hinzu, blieb einen halben Meter vor ihr stehen, bückte sich leicht, öffnete hoffnungsvoll seinen Mund, doch Bettina preßte ihre Lippen zusammen und schüttelte leicht den Kopf. Jetzt war Gangolf klar, wo die Grenzlinie für ihn bei Bettina lag.

























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18


Als am frühen Nachmittag Magda die Haustür öffnete, blickte Gangolf entsetzt in ein verheultes Gesicht mit blutunterlaufenen Augen. Während Magda hinter der Tür zur Seite trat, um ihn hereinzulassen, griff sie zu dem Reißverschluß ihres abgewetzten Trainingsanzugs und zog den Reißverschluß bis ganz nach oben, so daß ihr Hals bis zum Kinn hinauf mit dem Stoff bedeckt worden war. Gangolf war dieses Tun vollkommen unverständlich, da in dem Stiegenhaus eine stickig-warme Luft waberte; erst beim Eintreten erfaßte ihn das Entsetzen über Magdas Aussehen.

- "Hallo", flüsterte Magda als Begrüßung, Gangolf grüßte sie mit einem:
- "Hallo Magda, wie siehst du denn aus?".
Sie entgegnete nichts, schweigend stiegen sie die Stiege hinauf. Er wollte sie oben in ihrer Wohnung zur Rede stellen, ihm kamen immer stärkere Zweifel, ob das Sadomaso-Spiel am Vortag einvernehmlich verlief. Als er Magdas Stube betrat, sah er zu seiner Verwunderung Martina auf dem Sofa liegen: Den Kopf auf der zusammengerollten Bettdecke gestützt hielt sie auf dem Schoß ihren Laptop; sie hatte es nicht für nötig gehalten, ihre 10-Loch-Dr. Martens-Stiefel auszuziehen, sondern stemmte diese mit angezogenen Knien auf das saubere Bettuch, das über dem Sofa gebreitet lag.

- "Hallo Martina", begrüßte Gangolf sie, doch sie hob nur ganz kurz den Blick von dem Bildschirm weg zu ihm, knallte ihm ein "Hi" entgegen und beschäftigte sich sofort wieder mit ihrem Computer.
'Wie ist denn die heute drauf', wunderte sich Gangolf, sagte aber nichts weiter. Er stellte seine Geräte, die er übereinander gestapelt heraufgeschleppt hatte, auf dem Tisch ab. Nun flötete Magda:
- "Möchtest du noch was essen, wir haben noch was, soll ich es dir aufwärmen?"

Schon allein deswegen, weil sie die Frage mit einem geradezu flehenden Ton gestellt hatte, aber auch, weil er tatsächlich Hunger verspürte, da das Eisessen mit Bettina bereits über eine Stunde zurücklag, nahm er dankbar an. Während sich Magda in die Küche zurückzog und bis in die Stube hinaus gut vernehmbar den Reißverschluß ihrer schäbigen Sportjacke öffnete, arrangierte Gangolf die Meßgeräte auf dem Tisch, holte kleine Antennen aus einer mitgebrachten Tasche heraus und schloß sie mit speziellen Kabeln an die Verstärker an.

Als Gangolf an der Rückseite der Gehäuse die dort in kleinen Schlingen aufgewickelten Netzanschlußkabel löste, fiel im ein, daß er keine Mehrfach-Steckdosenleiste mitgebracht hatte. Er ging in die Küche, um Magda nach einer solchen zu fragen. Als er eintrat, erschrank Magda dermaßen, daß sie sich auf einen Küchenhocker fallen ließ, die Hände vor das Gesicht nahm und in Tränen ausbrach.
Nun seinerseits erschrocken über Magdas heftige Reaktion ging Gangolf in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein.
- "Magda", rief er entsetzt, "bitte entschuldige, ich wollte dich wirklich nicht erschrecken, es tut mir furchtbar leid, ich hätte anklopfen müssen."
Magda schüttelte den Kopf, nahm die Hände herunter und flüsterte:
- "Nein, nein, du kannst nichts dafür."
Nun hob sie ihren Kopf und richtete den Blick auf Gangolf. In diesem Moment erkannte er Striemen, die quer über ihren Hals verliefen wie nach einer Strangulation.

'Um Gottes willen', schauderte es Gangolf, 'wollte sie sich das Leben neben? Doch warum sitzt dann die Martina einfach wortlos da, völlig desinteressiert?'
Gangolf wurde der Martina immer unsympathischer, ihr Macho-Gehabe widerte ihn an. Er überlegte, daß es jetzt wohl die letzte Gelegenheit wäre, die Notbremse zu ziehen, die Funkmeßgeräte wieder einzupacken und Martinas Dunstkreis für immer zu verlassen. Doch dann dauerte ihn Magda, die Ärmste, mit dem zutreffenden Zunamen Armdran. Er konnte sie gerade jetzt nicht verlassen, ganz unabhängig von der blöden Fußfessel, von welcher er sie befreien sollte.

- "Kann ich dir was helfen?", stotterte Gangolf verlegen.
- "Nein, nein, es ist gleich fertig, setz' dich schon mal", entgegnete sie und erhob sich.
Auch Gangolf erhob sich daraufhin und setzte sich draußen an den Tisch. Martina würdigte ihn weiterhin keines Blickes. Wenige Augenblicke später kam Magda herein mit dem Teller in der Hand, sie wünschte ihm Guten Appetit und schickte sich an, wieder in die Küche zurückzukehren.
- "Ach bleib' doch bitte da", rief Gangolf ihr nach, "Die Martina scheint heut' ja nicht gerade sehr gesprächig zu sein!"
Immerhin hob daraufhin Martina ihren Kopf und richtete den Blick auf ihn. Magda hatte sich zu ihm an den Tisch gesetzt, Gangolf stellte nun seine Frage nach einem Verlängerungskabel, jene Frage, mit der er wenige Minuten zuvor in die Küche gekommen war und dabei Magda so unheimlich tief erschreckt hatte. Magda blickte etwas hilflos umher und starrte dann Martina an. Diese knurrte:
- "Ist das deine einzige Verlängerung?"
Magda flötete schüchtern: "Ja, ich glaub' schon."
Martina beugte sich seitlich und war im Begriff, den Stecker des Ladegeräts für ihren Laptop auszustecken. Gangolf intervenierte:
- "Laß' ihn noch stecken, bis ich gegessen hab'."

Gangolf genoß das hervorragend schmeckende Nudelgericht, blickte dabei abwechselnd die beiden jungen Frauen an, doch es kam kein Gespräch zustande: Martina verkroch sich hinter ihrem Bildschirm, und Magda fiel es schwer, überhaupt einigermaßen gerade auf dem Stuhl zu sitzen. Gangolf erkannte die Peinlichkeit und wandte sich zu ihr:
- "Also ich will dich nicht aufhalten, wenn du was zu tun hast, das Essen ist hervorragend, woher kannst du so gut kochen?"
Magda stammelte ein schüchternes "Danke", erhob sich dann und ging in die Küche. Als Gangolf fertig gegessen hatte, wandte er sich an Martina und bat nun um das Kabel mit der Dreifach-Steckdose. Martina zog den Stecker des Ladekabels heraus und überwand sich zu den zwei Worten:
- "Da, nimm'!"

Gangolf mußte schwer an sich halten, um nicht zu explodieren, er dachte sich:
'Da opfere ich meinen Sonntag-Nachmittag, um deine beste Freundin von ihrer Fußfessel zu befreien, da riskiere ich eine Straftat, schon wieder eine, und du schnauzt mich blöd an, bloß weil dein verdammter Computer jetzt nicht mehr aufgeladen wird. Geh' doch damit in eine andere Ecke, wo eine freie Steckdose ist'.

Irgendwie schaffte es Gangolf, seine Empörung herunterzuschlucken und nichts zu sagen. Er verband die Meßgeräte mit dem Stromnetz und schaltete sie ein. Sowohl mit dem Spektrumanalysator, als auch mit dem Oszillograph erkannte er schnell einige Signale im Frequenzbereich 700 Megahertz und 1,7 Gigahertz. Nun mußte er die beiden Mädels auffordern, ihre Smartphones abzuschalten, damit er bei den Messungen nur die Signale der Fessel-Elektronik erfaßte, sein eigenes hatte er bereits abgeschaltet.

- "Wieso denn das?", knurrte Martina und Magda sagte, sie habe gar keines, zumindest kein funktionsfähiges. Eigentlich war sie verpflichtet, bei der Polizei die Rufnummer zu hinterlassen, unter welcher sie ständig erreichbar war, doch konnte Martina den Beamten verdeutlichen, daß Magda noch einen Festnetz-Anschluß habe, und da sie sich ohnehin fast immer nur zuhause aufhielte, von den kurzen Besorgungen in der Stadt abgesehen, sollte damit die Erreichbarkeit gewährleistet sein.
Seit drei Jahren wurden keine neuen Festnetz-Anschlüsse mehr hergestellt, Altanschlüsse wurden von der Telekom als Netzbetreiber in der untersten Ebene aber weiterhin gepflegt.
- "Ich kann sonst nicht die Signale von der Fußfessel-Elektronik auswerten", erläuterte Gangolf, "denn die sendet auf ähnlichen Frequenzen wie der Mobilfunk".


Mißmutig zog Martina ihr iPad heraus und maunzte:
- "Ja gleich, aber ich muß erst noch einen Anruf machen!"
Gangolf lehnte sich zurück, als Martina zu telephonieren begann:
- "Hi Süße, bist du jetzt endlich zuhause?" ... "Ja super, ich komm' dann gleich!" ... "Ja, der ist da, der braucht noch länger, der fängt gerade erst an." ... "Nee, seh' ich kein Problem, die steckt in ihrem Chasti!"

Gangolfs Aufmerksamkeit wurde wachgerufen, dann stimmte es also, was Bettina ihm gesagt hatte, daß die beiden Keuschheitsgürtel aus Schutz vor männlichen Angreifern trugen. Während Gangolfs Gedanken kreisten, klappte Martina ihren Laptop zu, steckte ihn in eine schmale Umhängetasche, die sie vom Fußboden aufhob und drehte sich mit einem leichten Schwung seitlich aus dem Bett. Dabei stieß sie sich mit dem Kopf an die Dachschräge, sie fluchte:
- "Verdammte Krachbude hier".
Ihre Docs verursachten auf dem weißen Bettuch den typischen Abdruck der Profilsohle, doch Martina kümmerte sich nicht im Geringsten darum, schulterte die Umhängetasche mit dem Laptop und stürmte grußlos aus dem Zimmer. Auf den hölzernen Stufen der Stiege hörte man das Trampeln der Stiefel, die Haustür quittierte das Zuschlagen mit einem donnernden Knall, der zu den Zurückgebliebenen hinaufhallte.
Gangolf blickte Magda verdutzt an, diese sagte:
- "Ja, so ist sie oft."
Nun hielt es Gangolf für geraten, seine bohrende Frage loszuwerden:
- "Also Magda, es geht mich ja eigentlich nichts an, aber es ist so, daß ich bereits gestern einmal da gewesen bin und da hörte ich furchtbare Schreie aus deiner Wohnung. Ich bin dann wieder gegangen. Was war da los, war sie da beteiligt irgendwie?"

Magdas Gesichtszüge erstarrten, ihre Wangen wechselten die Farben, von rot bis weiß, die Sommersprossen traten einmal mehr, einmal weniger stark hervor. Anstelle eine Antwort abzuwarten fuhr Gangolf fort:
- "Ich hab' mit der Bettina darüber gesprochen, sie meinte, also sie leugnete es zumindest nicht, daß ihr solche Sadomaso-Spiele betreibt, aber jetzt sag' ehrlich, geht die Martina nicht zu weit dabei, so wie du geschrien hast, und dann die Spuren auf deinem Hals, red' jetzt offen zu mir, ich bin da jetzt in eueren Kreis hereingezogen worden, um dich von der Fußfessel zu befreien, wobei ich noch längst nicht weiß, ob mir das gelingen wird, aber davon unabhängig, also ich möchte dir überhaupt helfen, bitte sag' mir jetzt, ob du diese brutale Härte wirklich magst."

Magda brach in Tränen aus, sie legte ihre Handrücken nebeneinander auf den Rand der Tischplatte und drückte ihr Gesicht in sie hinein. Als sie sich etwas beruhigt hatte, stammelte sie:
- "Manchmal ist die Herrin zu streng zu mir, dabei hab' ich doch alles für sie getan."

Gangolf griff über den Tisch und wuschelte in ihren Haaren, derweil sie ihren Kopf weiterhin in ihren Händen auf der Tischplatte geneigt hielt. Nach einer Weile hob sie ihren Kopf, er zog seine Hand zurück. Sie sprach jetzt mit klarer Stimme:
- "Bitte mach' mir das Ding ab, damit ich wieder frei bin und zu ihr kommen kann, dann wird sie nicht mehr so böse auf mich sein."

Gangolf wußte nicht mehr, was er denken sollte, ihm lagen so viele Fragen auf der Zunge, doch er hatte das Gefühl, daß mit jeder mühsam errungenen Antwort gleich eine Vielzahl weiterer Fragen sich aufdrängten. Er wurde von einer vagen Ahnung ergriffen, was zwischen den beiden Frauen ablief, daß es eine starke Abhängigkeit gab; unklar blieb ihm der Grund für Magdas Verurteilung, eine elektronische Fußfessel tragen zu müssen. Er beschloß, das Gehörte erst einmal setzen zu lassen und antwortete:
- "Magda, ich kann dir nicht versprechen, ob es gelingen wird, aber ich werde das auf alle Fälle nur für dich machen, damit du ein freies Leben führen kannst, ich will gar nicht wissen, warum du dieses blöde Ding tragen mußt, ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, daß du irgend ein Verbrechen begangen hättest."

- "Bitte, Gangolf, reden wir jetzt nicht darüber", bat Magda und ihre Gesichtsfarbe wechselte in ein Knallrot. Gangolf wollte es dabei bewenden lassen, doch irritierte ihn ihre abwehrende Haltung. Er überlegte sich, ob sie vielleicht doch aus einem Impuls heraus etwas getan hat, daß sie sich einmal nicht beherrschen konnte im Erleiden ewiger Knechtschaft. Und das nutzt Martina aus, dachte er sich weiter, Magda ist ihr hörig, Martina, die Sadistin, hat ihr Opfer gefunden, wahrscheinlich erpreßt sie Magda, nötigt sie zu ihren sadistischen Spielen, da sie vielleicht noch mehr weiß und Magda dann am Ende wieder einfahren müßte.

- "Also dann fangen wir einfach an," wollte Gangolf ihr Geheimnis vorerst auf sich beruhen lassen, "oder machst du mir bitte noch einen Kaffee, bevor wir loslegen".
Magda taute allmählich auf aus ihrer Verhärmung, die Röte wich aus ihrem Gesicht, sie wischte sich die Tränen weg und lächelte ihn an:
- "Sie sagt nie >bitte<, sie fordert und befiehlt immer nur."

Magda kam mit den Kaffeetassen aus der Küche und fragte: "Darf ich mich neben dich setzen?"
- "Ja freilich, was für eine Frage, das ist hier doch deine Wohnung, du bist hier die Hausherrin, niemand sonst, ich, wir sind nur die Gäste."
Unwillkürlich schnitt Gangolf damit wieder das Thema an, doch entfaltete es sich nicht weiter. Mit großen Augen verfolgte Magda die beeindruckenden Signalkurven auf den Geräten.
"Nachdem wir nun hier keine Handys mehr an haben, müßten diese Signale von deinem Ding da kommen. Geh' doch bitte einmal ein paar Schritte weg, dann müßte die Amplitude schwächer werden."

Magda verstand nur Bahnhof, erhob sich aber und ging zur Küchentür. Tatsächlich bildete sich Gangolf ein, daß sich die Signalstärke verringert habe, doch war es aufgrund der Vielzahl von Impulsen gar nicht so einfach, das eindeutig festzustellen.
"Und nun komm' wieder her, ganz nah, stell' am besten den Fuß auf den Stuhl".
Magda kam herzu und stellte ihren rechten Fuß auf die Sitzfläche. Gangolf nahm die Antenne vom Tisch und führte sie zu ihrem Fuß. Doch dann stellte er fest, daß es der falsche war und beide lachten über das Mißgeschick. Als nun Magdas linker Fuß neben dem Meßaufbau stand und Gangolf die Antenne ganz nahe an das Kästchen mit der Fußfessel-Elektronik hielt, sahen sie auf den Diagrammen deutlich den Anstieg der Signalkurven.
- "Das sind also jetzt eindeutig die Signale von der Elektronik da drin", kommentierte Gangolf und bat:
- "Kannst du noch eine Weile so verharren, bis ich alles aufgenommen habe?"
- "Aber klar doch", bekräftigte Magda, "wenn du wüßtest, in welchen Verrenkungen ich oft sein muß!"
'Schon wieder dieses Thema', dachte sich Gangolf, 'was muß das Mädel alles erleiden'. Doch er schwieg, er wollte seine Meßreihen zu Ende bringen.

- "Prima, dann werde ich die Signale da alle speichern, damit der Joe sich das ansehen kann. Ich bin schon neugierig darauf, was er dazu sagt und was wir dann machen können!"
'Was für ein Joe', durchzuckte es Magda. Gangolf bemerkte ihre plötzliche Nervosität, er war besorgt wegen ihrer Reaktion.
- "Hat dir die Martina nichts davon erzählt, daß ich das allein nicht alles machen kann, ich brauch' dabei auf jeden Fall den Joe, das ist so ein Computer-Experte, der das alles analysiert und auswertet, und wenn wir dann wissen, wie diese Funkelektronik da drinnen funktioniert, brauchen wir nochmals jemanden, der uns diese Elektronikschaltung nachbaut, die dann die Fesselelektonik simuliert."

Magda verstand gar nichts mehr, sie dachte, Gangolf würde hier und heute sie von dem verhaßten Teil befreien. Sie stand davor, wieder in Tränen auszubrechen:
- "Das kann dann noch lange dauern, sag'!"
- "Ja, sicher, das ist alles nicht so einfach, was hast du gedacht. Aber jetzt sei nicht gleich so enttäuscht, heute haben wir einen Anfang gemacht und wenn du willst, werden wir auch weiter machen. Aber wir brauchen Zeit. Ich muß erst mit dem Joe Kontakt aufnehmen und wenn der soweit ist, dann muß noch ein guter Funkelektroniker heran, den wir in das Vertrauen einbeziehen können. Immerhin machen wir da ja eine strafbare Handlung, wir versuchen, eine Vollzugsmaßnahme zu brechen, so was wie eine Flucht aus dem Gefängnis planen."

Magda sank vor ihm auf die Knie, umarmte Gangolf und drückte ihre Tränen an seine Brust.

















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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:13.09.21 21:54 IP: gespeichert Moderator melden


Wieder eine tolle Fortsetzung. Z. Zt. ist es für mich kaum vorstellbar, wie Gangolf in die Fänge von Martina gerät, aber so wird die Spannung noch längere Zeit aufrecht erhalten, muss er doch erst einmal Magda von der Fußfessel befreien.

mfg
Sarah
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:18.09.21 00:10 IP: gespeichert Moderator melden


"Wieder eine tolle Fortsetzung"

Danke für das Kompliment, Sarah, das spornt mich an, meinen nächsten Roman zu schreiben!
Viel Spaß beim Lesen, und viel Geduld!
M a g n u s .



19

Graumaus provozierte. Sie provozierte immer. Mit ihren 37 Jahren die Jüngste unter den Kabinettsmitgliedern kleidete sie sich stets aufsäßig. Während ihre Kolleginnen im Kostüm, im Hosenanzug, im langen Rock in den ehrwürdigen Hallen des Reichstagsgebäudes wandelten, begleitet von dem Klacken ihrer mehr oder weniger hohen Absatzschuhe, schlich Graumaus in sackartigen Hüllen aus derben Stoff auf leisen Sneakers-Sohlen durch die Gänge, ihre blonden Haare aufgesteckt.
Doch heute rief die Frau Bundesumweltministerin eine wirklich atemberaubende Provokation hervor: Sie watschelte in gummierten Wathosen in die Plenarsitzung, in das grüne Gummi gekleidet von den Fußsohlen durchgängig bis über die Brust, fast bist zum Halsansatz, der buschige Pferdeschopf rundete die skurrile Gesamterscheinung ab.

Kanzlerin Prank-Barrenkauer warf ihr einen verächtlichen Blick zu, wandte sich aber gleich wieder ihrem Manuskript zu. Die Tagesordnung für die heutige Sitzung war lang. Es blieb selbstverständlich nicht aus, daß sich das übliche Getuschel vor Beginn der Sitzung zu einem deutlich wahrnehmbaren Gemurmel steigerte, beispielsweise unkte Wirtschaftsminister Fettmeier, ob das eine neue Art der Empfängnisverhütung sei. Er rief damit bei vielen ein lautes Gelächter hervor, einige der Anwesenden grinsten nur, wenige ignorierten seine Anmerkungen. Alle bewunderten indes im Geheimen den Mut der jungen Ministerin, wie sie durch ihre Provokationen wachrüttelte und die wahren Probleme in der Gesellschaft ansprach.

Kanzlerin Prank eröffnete wie immer die Sitzung, hieß alle willkommen und bat, die Tagesordnungspunkte diszipliniert abzuarbeiten; die Liste sei lang, unnötige Kommentare sollten vermieden werden, und das heute ganz besonders wegen der Vielzahl der Themen. Sie ließ sich nicht durch Graumaus' Erscheinung irritieren, zwar knisterte die Wathose ab und zu durchaus hörbar, aber außer einem Grinsen bei den in der Nähe Sitzenden führte das nicht weiter zu einer Störung des Sitzungsablaufs.

Die Berichte aus den verschiedenen Ressorts waren deprimierend, es gab, wie so oft, nur Negatives zu berichten; besorgniserregend waren vor allem die militärischen Eskalationen in fast allen Ecken der Erde: Selbst der längst vergessene Tschetschenenkonflikt brach wieder auf, der Dauerkonflikt Palästina, die Einverleibung Weißrußlands nach Rußland, die Spaltung der Ukraine in einen rußlandhörigen Teil und in den sich nach der Europäischen Union strebenden Teil, der Grenzzaun der USA zu Mexiko mit den Tausenden, die von Mexiko aus den Zaun zu überwinden suchen, die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea, die Kämpfe in Zentralafrika, die militärischen Provokationen Chinas mit seinen Nachbarn in Form von Truppen- und Seemanövern.

Dagegen wirkte Graumaus' Verkleidungs-Provokation geradezu friedlich; als Prank sie aufforderte, ihren Bericht zur Umweltsituation zu liefern, erhob sie sich, um nicht nur die akustische Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, sondern auch die optische. Alle Augen waren auf sie gerichtet, als sie das vor ihrem Platz montierte Schwanenhalsmikrophon empor bog, so daß es auf der Höhe ihrer olivgrün eingepackten Brüste zu ruhen kam. Üblicherweise verlasen die Minister und ihre Staatssekretäre ihre Berichte im Sitzen, doch sie wollte auf diese Weise auffallen, provozieren um jeden Preis. Sie kam auch gleich auf den Punkt:

- "Meine Damen und Herren, mag die militärische Bedrohung in der Welt noch so furchtbar sein, die Klimakatastrophe wird alles andere auf unserem Planeten in den Hintergrund treten lassen, es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist fünf nach zwölf. In einem internen Papier kamen die Experten aller Nordseeanrainerstaaten überein, daß der Anstieg des Meeresspiegels in den nächsten Jahren weit dramatischer ausfallen wird als bisher selbst in >worst case< -Szenarien errechnet wurde. Die Fachleute raten, die deutschen und niederländischen Nordseeinseln aufzugeben. Vor allem sind die nordfriesischen Halligen nicht mehr zu halten, das sie umgebende Wattenmeer durch die ständigen Sturmfluten schwer geschädigt, die mühsame Stabilisierung der Küstenlinien durch natürliche Buhnen-Deichbaumaßnahmen vollkommen zunichte gemacht.
Seit Jahren sind die Weideflächen der Halligen aufgrund der häufigen Überschwemmungen versalzen, Weidetiere finden kaum mehr ausreichend genießbare Gräser, so daß die Beweidung sowohl mit Rindern, als auch mit Schafen, aufgegeben wurde. Die Touristen bleiben aus, da sowohl die Wattwanderungen ausfallen, als auch die Sparziergänge rings um die Warften durch die ständigen Hochwasserschübe, die noch dazu oft ganz plötzlich eintreten, zu gefährlich werden. Einzig die Sensationstouristen kommen in ihren Wathosen herangestiefelt, um sich daran zu ergötzen, wie die Halligbewohner auf ihren Warften vom Wasser eingeschlossen sind. Der Damm für die Lorenbahn, der vom Festland über die Hallig Oland zur Hallig Langeneß führt, der vor 20 Jahren mit immensem Aufwand errichtet wurde und die alte hölzerne Schienenbefestigung ablöste, dieser Damm droht an vielen Stellen unterspült zu werden, da die seitlichen Strömungen stärker ausfallen als vermutet wurde. Sonach waren die in den Wattboden gerammten Holzpfähle stabiler, da das Wasser durch die Lücken zwischen den Pfählen problemlos quer hindurchströmen konnte."

Graumaus unterbrach für kurze Augenblicke ihren Redeschwall, holte kurz Luft, und ereiferte sich weiter:
- "Die über Jahrzehnte verfehlte Klimapolitik überall in der Welt, auch unsere in Deutschland, führt zu diesen wahnsinnigen Auswirkungen, die die Verantwortlichen nicht wahrhaben wollten, jetzt sind sie da und wir müssen hilflos zusehen, wie die Halligen aufgegeben werden müssen, wie die Deiche überall ständig erhöht werden müssen, die Sperrwerke an der Eider immer öfter geschlossen werden müssen, auch die in der Themse vor London, von Venedig gar nicht zu sprechen, die Malediven sind bereits verschwunden,"
An diesem Punkt der Ausführungen wurde Graumaus von der Kanzlerin unterbrochen:
- "Bleiben wir bei der Situation in Deutschland, kommen Sie auf den Punkt, welche Empfehlungen haben die Ausschüsse in ihrem Ressort erarbeitet?"
Ohne nur einen kurzen Augenblick sich besinnen zu müssen, gab sie trocken zur Antwort:
- "Für die Bewohner Norddeutschlands Watstiefel ausgeben!"
Nur mit Mühe konnten die Anwesenden ein Lachen unterdrücken, zu ernst war das Thema, von Graumaus mit beißendem Sarkasmus in dem knappen Satz zusammengefaßt.

Nach einer kurzen Pause drängte Prank auf die Fortsetzung der Besprechungen. Nachdem endlich alle Redner ihre Berichte vorgetragen hatten, an welche sich Diskussionen unterschiedlicher Qualität und Quantität anschlossen, stellte Staatssekretär Gscheid in seiner typischen schnoddrigen Art eine Frage:
- "Hat man eigentlich `mal wieder was vom Condoma gehört?"
- "Wie bitte, von was?" fuhr Prank ihn an.
- "Na, von dem Virus, der doch da auf der formosen Insel ausgebrochen sein soll und zur anderen Insel verschleppt wurde, wie hieß sie noch mal, England glaub' ich, ja England."
Prank bedachte ihn mit einem grimmigen Blick und schaute fragend in die Runde, doch niemand hob die Hand für eine Wortmeldung.
- "Das fällt doch in ihr Ressort", ergriff schließlich Prank das Wort, "Sie sind doch vom Äußeren!"
- "Seit wann hat das Äußere mit dem Virus zu tun, dafür haben wir doch die vom Gesundheit", echauffierte sich Gscheid. Doch auch die Vertreter des Gesundheitsministeriums wußten dazu nichts zu berichten, und so einigte man sich darauf, daß die Epidemie anscheinend nicht das europäische Festland erreicht hat und hoffentlich als lokale Erscheinung in Großbritannien eingedämmt würde. Doch als sich einige Minister bereits erhoben, um den Sitzungssaal nach den Stunden der Beratungen endlich zu verlassen, meldete sich Verteidigungsminister Schießmann zu Wort:
- "Wenn es darum geht, ausreichend Masken zu liefern, die Bundeswehr hat Wort gehalten und ihre Bestände katalogisiert und für die Austeilung an die Bevölkerung bereitgestellt."
- "Danke, Herr Schießmann", wandte sich Prank an ihn, dankte allen Beteiligten für die sachliche Abhandlung der Themen und wünschte einen guten Nach-Hause-Weg. Als sich bereits alle Mitglieder der hehren Versammlung erhoben hatten, ging sie zu Ministerin Graumaus und lächelte sie mit den Worten an:
- "Also, allen Respekt, Sie bringen es immer wieder auf den Punkt, aber jetzt schauen Sie bloß, daß sie aus dem Zeug herauskommen, Sie müssen ja tierisch schwitzen in dem Gummi."
- "Ach, geht schon, die Eisbären schwitzen sicher viel mehr, wenn ihnen das Eis unter ihrem Fell davonschmilzt!"
'Eine tolle Antwort', dachte sich Kramp und bewunderte sie wegen ihrer Schlagfertigkeit, 'wenn sie nur nicht bei der falschen Partei wäre'.

Graumaus schlappte in ihrem Aufzug hinaus, den Flur entlang zum Stiegenhaus, um bis in den dritten Stock hinaufzusteigen. Sie haßte das Aufzugfahren, aus Prinzip-Gründen, der Umwelt verpflichtet betrachtete sie das Aufzugfahren als Energieverschwendung, denn, wie sie zu sagen pflegte: "Bei den kleinen Dingen im Leben muß man anfangen".
Als Graumaus schließlich in ihre Abteilung gekommen war, hatte sich der Schweiß in ihren Stiefeln zu einer Lache gefüllt, ihre Söckchen waren hoffnungslos durchnäßt, die Feuchtigkeit an ihren Füßen suggerierte ihr das Gefühl, sich mit einem lauten Quietsch-Geräusch zu bewegen, obwohl nur das leise Knistern des gummierten Stoffs im Knie- und Hüft-bereich zu vernehmen war. Sie betrat hurtig ihr Dienstzimmer und sperrte die Tür entgegen ihrer Gewohnheit ab. In ihrem privaten Hinterzimmer entledigte sie sich ihrer olivgrünen Umhüllung und warf Söckchen, Slip und Bluse in die Ecke.
Als sie nun völlig entblößt dastand, öffnete sie die unterste Schublade ihres kleinen Privat-Schreibtisches und kramte aus einem Holzkistchen ihren silikonummantelten Liebling hervor, lümmelte sich auf den Schreibtischsessel, zog die Füße unter die Sitzfläche zurück, verschloß die Augen und suchte mit langsamen kreisenden Bewegungen den Eingang in ihr Allerheiligstes.

Der Gedanke an Schießmanns Gasmasken brachte sie zum Höhepunkt.






















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