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M A G N U S
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:13.05.22 22:13 IP: gespeichert Moderator melden


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Als Gangolf mit seinen Badesachen das Zimmer verließ, fiel ihm ein, daß er die Gasmaske in dem Doppelzimmer liegen lassen hatte. Gerade als er um die Ecke ging, kam ihm Magda entgegen. Er erkannte sie zunächst nicht mit Sicherheit, denn sie trug brav ihre Gasmaske. Erst jetzt wurde Gangolf bewußt, wie anonym man mit dieser Vollgesichtsmaske wurde, man konnte auf Anhieb nicht einmal mehr erkennen, ob es sich bei der Person um einen Mann handelte oder um eine Frau. Hätte Magda nicht ihre verwaschene Shorts angehabt und die verschlissenen Chucks an den Füßen, wäre sie für Gangolf uner­kannt geblieben.

- "Ah, gut daß ich dich treffe", sprach Gangolf die Maskenträgerin an, "ich hab' meine Maske in euerem Zimmer liegenlassen, ist die Martina noch da?"
Magda gab durch die Maske quakend zur Antwort: "Nein, sie ist soeben im Aufzug runtergefahren."
- "Ach, und du wolltest wohl lieber auf der Stiege nach unten gehen?"
- "Sie sagte, ich soll die Treppe benutzen, weil sie lieber allein in dem Aufzug sein wollte."
- "Was, und du tust das brav, wie immer, was sie sagt? Also dann gehen wir zusammen hinunter, damit ich von der Martina den Schlüssel nochmal krieg' ."

In der Empfangshalle angekommen wurde Gangolf sofort scharf von Maria ermahnt:
- "Herr Gangolf, ich hab' Ihnen gesagt, Sie dürfen unter keinen Umständen ohne Maske hier sein, gerade waren Polizeileute da, die kontrollieren ganz streng, auch am Strand müssen Sie mindestens Distanz halten drei Meter, sonst müssen Sie gleich die Maske wieder aufsetzen. Es ist ein Wahnsinn, aber der Virus ist schon überall jetzt!"

Gangolf seufzte, er rief Magda zu, Martina nochmals nach oben zu schicken, er würde vor der Tür warten. Hurtig drehte er um und eilte die Stufen wieder hinauf, um vor dem Doppelzimmer, das jetzt Martina und Magda bezogen hatten, zu warten.
Mißmutig erschien kurze Zeit später Martina, gleichfalls ohne Maske. Sie hatte ihre absichtlich liegen lassen und wurde von Maria diesbezüglich ebenfalls scharf attackiert. Als Martina und Gangolf wieder nach unten kamen, jetzt mit aufgesetzter Maske, war dort auch Bettina erschienen, auch sie trug brav die Gasmaske. Alle vier glotzten sich nun gegenseitig durch die Maskengläser an, sie fanden die Situation urkomisch.

Nicht mehr zum Lachen zumute war den vier Urlaubern, als sie auf die Straße hinaustraten und tatsächlich einen Polizisten der Polizia Municipale sahen, wie dieser in Beglei­tung eines Zivilisten, der eine Armbinde mit der Aufschrift >Guarda Municipale< trug, auf eine Person zuging, die sich unentwegt zwischen die Beine griff und die Intimzone kräftig durchknetete. Gangolf konnte nicht verstehen, was die beiden Offiziellen der onanieren­den Person zuriefen, zum einen war sein Italienisch nicht so perfekt, daß er sofort jede Ansprache verstehen konnte, zum anderen waren die Stimmen durch das den Mund voll­ständig umfassende Gummi sehr gedämpft.

Als die angesprochene Person nicht mit ihren perversen Handlungen aufhörte, ergriffen die beiden Machthaber deren Arme, bogen diese hinter den Rücken und fesselten die Handgelenke mit Kabelbindern aneinander. Die gefesselte Person zappelte in wilden Bewegungen des Oberkörpers hin und her, es mußte eine unheimliche Qual gewesen sein. Bettina und Gangolf erinnerten sich sofort an die Italienerin, welche sie auf dem Grazer Schloßberg getroffen hatten mit den gleichen seltsamen nervösen Zuckungen.

Kaum waren die beiden Ordnungshüter weiter gegangen und um die nächste Ecke verschwunden, lief der Mann oder die Frau mit den auf den Rücken gefesselten Händen zu der nächsten Stange, auf welcher ein Verkehrszeichen angebracht war, ging an diese ganz nah heran und rieb den Intimbereich, den die Person vorher mit den Händen massierte, an dem Rohr. Fassungslos betrachteten die vier Freunde das Geschehen, wortlos kamen sie überein, die Straßenseite zu wechseln, um nicht der armen Kreatur nahe zu kommen.

Gangolf fiel eine Tagesschau-Meldung ein, die vor Monaten von einem seltsamen Virus-Ausbruch in Nationalchina berichtet hatte, daß dort Menschen von einem starken Juckreiz der Genitalien befallen worden seien. Auch in England habe es einzelne Fälle gegeben, doch dann hörte man nichts mehr von den merkwürdigen Vorkommnissen.

Als die Vierergruppe auf die Hauptstraße einbog, gewahrte sie weitere Personen, die sich absonderlich zwischen den Beinen rieben. Bettina deutete mit einer kurzen Kopfbewegung zu einer Person hinüber, die auf der anderen Straßenseite ging, welche der Grö­ße nach und dem kurzen Haarschnitt, aber auch den großen Schuhen, ein Mann sein mußte. Ihre drei Begleiter reckten gleichfalls den Gummirüssel zu dem reibenden Mann. Kurz darauf kam wieder ein städtischer Kontrolltrupp daher; dem Mann gelang es, seine Hände rechtzeitig von seinen Genitalien wegzunehmen, er verschränkte seine Arme auf dem Rücken. Prompt durchzuckten ihn quasi epileptische Anfälle, doch er konnte sich gut beherrschen, die beiden Wächter mit ihren Armbinden blickten nur kurz auf, gingen dann an ihm vorüber. Kaum waren diese vorbei, nahm sich der arme Mann die Hände vom Rü­cken und rieb wieder nach Kräften seinen Penis.

Die vier Freunde glotzten sich sprachlos an, sie glaubten, in einem irrealen Sience Fiction-Film zu sein. Sprachlos näherten sie sich dem Strand. Auf dem Zufahrtsweg waren provisorische Anschläge angebracht, die in mehreren Sprachen das Verhalten am Strand vorschrieben. Im annehmbaren Deutsch lasen die vier, daß Einzelpersonen einen Min­destabstand von drei Metern einhalten müßten, ansonsten galt die Pflicht, die Maske zu tragen. Ehepaare durften ohne Maske zusammensitzen, auch Kinder.

Tatsächlich patrouillierten am Strand weitere Wächter; als die vier ihre Badeutensilien ausbreiteten und die Masken abnahmen, kamen jene sofort daher und mahnten im gebrochenen Deutsch die Einhaltung der Abstände. Gangolf umgriff geistesgegenwärtig Magda und erklärte den beiden Kontrolleuren, daß diese seine Frau sei. Freilich hätte er lieber Bettina umarmt, doch konnte er schlecht einschätzen, ob diese immer noch oder bereits wieder herumzicken würde. Martina stand weiter weg und grummelte etwas vor sich hin, sie entfernte sich, auch Bettina verließ das vermeintliche Paar und trollte sich isoliert in die andere Richtung.

- "So ein richtiger Bockmist", ärgerte sich Martina, "das soll ein Urlaub sein? Morgen fahr' ich nach Hause!"

--

Die beiden Naturforscherinnen brachen ihr Zelt ab, sie verstauten alles in ihre riesigen Trekking-Rucksäcke, welche sie kaum schultern konnten. Durch das Unterholz wankend erreichten sie schließlich das Ufer. Das Balancieren auf dem schmalen Brett des Stegs war nicht einfach, noch höhere Konzentration erforderte das Ablegen der schweren Fracht in den schmalen Kahn. Mühsam kämpften sich die Bootsfahrerinnen durch den Schilfgürtel. Auf dem offenen See blies ihnen ein starker Wind entgegen, die Wellen schaukelten das Schifflein, Inge und Barbara waren heilfroh, als sie dem gegenüberliegenden Ufer immer näher kamen.

Während sie nach Kräften ruderte, thematisierte Barbara nochmals die Schatzkiste:
- "Also du meinst, wir sollten nichts sagen, niemanden, von unserem Fund."

Inge bekräftigte ihre Haltung und entgegnete hintergründig:
- "Ja klar, wir kriegen sonst bloß Ärger, stell' die vor, wenn sich herausstellt, wem das Geld gehört und es ist nicht mehr da, dann wird der Nachforschungen anstellen, der wird sich nicht so leicht zufrieden geben, daß es dann einfach weg ist."

Erst beim Aussprechen dieser Worte wurde es Inge bewußt, daß sie ein Problem bekäme, wenn sie tatsächlich den Schatz irgendwo anders verstecken würde, so leicht ist das nicht, einen solch enormen Geldbetrag sicher zu verstecken. Andererseits wuchs ihre Gier mit jedem Ruderschlag, die Weite der Seeoberfläche ließ ihre Fantasie freien Raum.
'Erst einmal muß ich einen Vorwand finden, nochmals allein auf die Insel zurückzukehren', grübelte sie, 'aber das wird sich schon irgendwie machen lassen.'

Der Wind brauste immer stärker auf, die Gischt spritzte in den Kahn, das Rudern wurde immer mühsamer. Obwohl Inge noch nicht so lange mit dem Rudern daran war, bat sie Barbara, nochmals zu wechseln. Barbara hatte bereits den größten Teil der Strecke gerudert, sie willigte ein, sich nochmals in's Zeug zu legen. Ging das aneinander Vorbeidrücken beim ersten Wechsel zwar mit durchaus bedrohlichem Schaukeln einher, war dieses Manoever gelungen, bei dem zweiten Manoever geschah das Maleur:

Zwar konnte man keiner der beiden eine eindeutige Schuld nachsagen und sie bezichtigten sich auch nicht gegenseitig eines Fehlverhaltens, aber beide hätten den Platzwech­sel konzentrierter angehen können; ein gewaltiger Schwall lief in's Boot, im Verein mit der ohnehin schon schweren Beladung bescherte dieser dem Kahn einen gewaltigen Tief­gang, das Wasser stand zwei handbreit im Boot, gerade daß die Sitzbretter noch trocken blieben, ihre Füße und die Waden standen im kühlen Naß.
Nun ging es noch viel langsa­mer voran als zuvor, Barbara legte sich gewaltig in die Riemen, im Gegensatz zu Inge fror sie dadurch nicht. Inge dagegen begann zu schlottern und versuchte aus ihrem Rucksack schnell irgend ein wärmendes Stoffteil herauszunesteln, das sie sich umlegen wollte. Eine kurze Weile hielt die imprägnierte Haut der Rucksackoberfläche dem Wasser stand, doch mußte sie sich beeilen, damit nicht der gesamte Inhalt durchfeuchtet wurde.

Barbara schimpfte: "Hey, paß' auf, daß wir nicht nochmals eintauchen, dann saufen wir total ab und wir können dann hinüberschwimmen!"
Es gelang Inge, einen Pullover aus dem Sack herauszuangeln, ohne das Schifflein in Schräglage zu bringen. Durch ihr Herummachen achtete sie nicht mehr auf die Navigation; Barbara ruderte nach Leibeskräften, der Wind trieb sie viel zu weit nach Osten ab. Ir­gendwann drehte sie sich um und rief:
- "Ja sind wir denn immer noch nicht da."

Jetzt beobachtete auch Inge das Ufer genauer und sie erkannten in der Ferne die Einfahrt in den Kanal.
- "Sag ´mal, war der Kanal nicht mit Bäumen umgeben?", fragte Barbara, als sich wieder zurückdrehte und weiterruderte.
- "Hm, kann schon sein", entgegnete Inge, legte sich den Pullover über die Schultern und hob ihre Füße auf den Bootsrand. Das Wasser triefte aus ihren Trekkingschuhen.

'Du hast es gut', grimmte Barbara im Stillen, 'immer muß ich die schwere Arbeit machen, das war auf der Insel schon so und das ist jetzt beim Rudern so. Und dann bist du zu blöd, um gleichzeitig mit mir zu Wechseln.'

Barbara war zehn Jahre jünger als Inge und sie war nur Praktikantin, während Inge als Referatsleiterin der Unteren Naturschutzbehörde in Amt und Würden stand. Immer wieder drehte sich Barbara um, sie vertraute den navigatorischen Fähigkeiten ihrer Kapitänin nicht mehr.
- "Also das ist doch nicht unser Kanal, von wo wir gekommen sind", empörte sie sich, als sie von der Kanaleinfahrt nur noch zwanzig Meter entfernt waren.
-"Äh, was?", gab Inge zur Antwort, ihr fiel nichts besseres ein.
- "Weißt du was, das ist der andere Kanal, da kommen wir zur Schlee, aber wir müssen doch eher nordwestwärts, zur Damisch, oder wie der Fluß heißt. Ja, da bin ich mir jetzt ganz sicher, so ein Mist, und du sitzt auch bloß da und sagst nichts, als du das kurze Stück gerudert hattest, hatte ich das Ufer nie aus den Augen gelassen und immer wieder dich korrigiert, mehr westlich zu halten. Verdammt, ich dreh' jetzt um!"

Inge schwieg. Sie fühlte sich schuldig. Ihr war gar nicht bewußt, daß sie aufpassen mußte, während Barbara ruderte. Als diese das Wendemanoever abgeschlossen hatte, setzte sie nach:
- "Ich hab' keine Augen im Hintern, aber du denkst nur daran, dir ein warmes Plätzchen zu schaffen!"

Das Wasser spritzte jetzt noch stärker auf Barbaras Rücken, sie ruderte am Ufer entlang westwärts, fast in den direkten Gegenwind. Nur im Schneckentempo kamen sie weiter, endlich erkannten sie den ersten Baumbewuchs am Ufer. Barbara holte für eine kurze Zeit die Riemen ein, zog die Beine aus dem Wasser und massierte ihre erkalteten Waden. Schuldbewußt bot sich Inge an, weiterzurudern.

- "Nein, nicht nochmal einen Wechsel", lehnte Barbara entschieden ab, "mit den gefrorenen Beinen gelingt mir kein synchroner Wechsel mehr!"
Zornig ließ sie ihre Füße wieder in's Wasser sinken und ergriff die Ruderriemen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie die richtige Kanaleinfahrt, sie erreichten den Steg, an welchem auch Gangolf seine Boote zu Wasser lassen pflegte.

- "Ja komm', beweg deinen Hintern hoch, wir sind da", grollte Barbara, als sie geschickt den Kahn trotz des gewaltigen Tiefgangs an den Steg anlegte. Inge wollte natürlich ihre bereits wieder etwas getrockneten Schuhe nicht erneut auf den Boden stellen, sie zog ihre Knie an und schob sich mit den Beinen in der Luft auf die Seite des Sitzbretts, um sich auf den Steg zu hangeln. Es gelang ihr tatsächlich, ohne Einzutauchen das Holz zu erglimmen. Als sie darauf zu sitzen kam, beugte sie sich in das Boot, während Barbara ihr die Rucksäcke hinaufstemmte. Es war ein gewaltiger Kraftakt, denn die Säcke waren jetzt ordentlich durchfeuchtet. Wieder schwankte der Kahn bedrohlich, doch Barbara war das jetzt egal, sie waren immerhin am Ziel. Sie zog sich nun gleichfalls hinauf und täute das Boot fest.

Inge öffnete ihren zum Großteil durchnäßten Rucksack und kramte in einer Seitentasche nach dem Reserveakku für ihr Smartphone. Bereits vor drei Tagen war der Akku in ihrem Gerät leer geworden; sie hatte der Versuchung widerstanden, den Reserveakku zu verwenden, den sie für Notfälle aufheben wollte. Es war zwar kein Notfall eingetreten, doch wollte sie nun einen wichtigen Anruf in das Umweltamt tätigen, daß man sie jetzt abhole. Ärgerlich stellte sie fest, daß das Innenfach ebenfalls voll Wasser gelaufen war, sie schalt sich selber, den Sack nicht aufgestellt zu haben, damit nur der untere Bereich vollgelau­fen wäre. Beim Durchwühlen kamen ihr die Geldscheine in die Hände, auch diese beka­men das Wasser ab und sie hoffte, daß jene wieder trocknen würden.

Barbara beobachtete Inges Herumwursteln und konnte deren Gedanken lesen, als diese die Geldbündel in den Fingern hielt. Endlich ertastete Inge den Reserveakku, doch ihr kam es sogleich in den Sinn, daß dieser durch das Wasser entladen worden wären.
- "Hast du noch Akkuladung?", fragte sie Barbara.
- "Moment", entgegnete diese, "wen willst du denn anrufen?"
- "Im Amt, daß sie uns abholen, das haben wir vereinbart!"
- "Ach, da ist jetzt wohl gar niemand schon da, ich dachte, daß der Zeitpunkt schon ausgemacht war."
- "Wir können ja schauen, ob jemand oben ist auf dem Weg, der uns erwartet. Aber jetzt gib schon her, hast du Empfang?"
- "Ja, aber nicht mehr viel Ladung", antwortete Barbara und übergab Inge ihr Telephon.

Inge wählte verschiedene Nummern im Amt, endlich hatte sie einen Gesprächspartner erreicht. Das Ergebnis war niederschmetternd. Ihre Kollegen im Umweltamt wurden größtenteils abgezogen zu einer äußerst kurzfristig einberufenen Notfallübung, genaueres wußte die Kollegin auch nicht. Sie hielt es für ziemlich ausweglos, jemanden aufzutreiben, der jetzt nach Wesserbarg hinausfahren könnte. Noch während Inge sprach, verab­schiedete sich das Smartphone mit einen smarten Ton.

Ratlos standen die beiden jungen Damen in ihren triefenden Schuhen da und ahnten nicht im geringsten, was es mit der Notfallübung auf sich hätte.


























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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:20.05.22 18:03 IP: gespeichert Moderator melden


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Das Abendessen auf der großen Terrasse der Pizzeria war alles andere als gemütlich gewesen: Im geforderten Abstand von drei Metern standen die Stühle an winzigen Tischchen, an welchen höchstens zwei Personen sitzen konnten. Wie bereits zuvor am Strand bleib Magda Gangolfs Partnerin, die sich mit ihm einen Tisch teilte, während Bettina und Martina jede für sich getrennt saßen. Ein Gespräch über die Tische hinweg war nahezu ausgeschlossen, unbarmherzig plärrte vom Lokal her ein Lautsprecher schauderhafte Geräusche.

Erstaunlicherweise war es Magda, die mit Gangolf, weit über den Tisch nach vorn gebeugt, ein Gespräch anzettelte:
- "Sag' `mal, wir sind doch hier in Italien am Meer, da kommen doch immer so viele Flüchtlinge aus Afrika an, mit ihren Schlauchbooten. Kommen die auch hierher?"
- "Aber nein", entgegnete Gangolf, die kommen an den Küsten von Sizilien an und nicht hier, hier sind wir am nördlichsten Ende von der Adria."
- "Aber könnten wir hier nicht mit einem Schiff einmal nach Afrika hinüberfahren?"
- "Nein, das glaub' ich nicht, vielleicht von Venedig aus, aber auch das glaub' ich eher nicht, vielleicht von Triest, dort ist ein großer Hafen, aber ob es da eine Fährlinie nach Afrika gibt, ich weiß es nicht. Was willst du denn ausgerechnet in Afrika, Afrika ist groß, es reicht von Ägypten bis Marokko, also die Länder liegen am Mittelmeer."
- "Schade, ich möchte so gern den armen Menschen dort helfen."
- "Ach ja, denen dort Brunnen graben?", erinnerte sich Gangolf an einen Wunsch, den Magda schon einmal geäußert hatte.
- "Ja genau."
- "Und du meinst, daß die das nicht selber können, daß sie dich und uns dafür brauchen?"

Magda schwieg daraufhin. Sie fühlte sich leicht gekränkt, daß ihre Absicht, Gutes zu tun, im Keim erstickt worden war. Sie sah es kommen, daß ihr Gutes Tun auf Martinas Befriedigung beschränkt bliebe, vielleicht ab und zu ein Mittagessen für Gangolf und Bettina kochen, das war es dann.
- "Ich hab' eine Idee", nahm Gangolf den Gesprächsfaden auf, "was hältst du davon, bei uns einen Brunnen zu graben, dann hätten wir gleich das Wasser für die Pflanzen, die im Hochsommer oft verdorren."

Magda blickte ihn mit großen Augen an.
- "Wo, bei dir auf dem Hof?" fragte sie erwartungsvoll.
- "Ja, das wäre doch was, hast du Lust dazu?"
- "Oh ja, gerne, und du weißt sicher, wie man das macht."
- "Ich hab` auch noch keinen gegraben, aber das kann man sicher im Internet nachlesen, dort steht ja eigentlich wirklich alles, was man im Leben wissen muß, bald wird es eine Anleitung geben, wie man Mondgestein sammelt."
- "Ach Gangi, du bist so ein wunderbarer Mensch."

Als die vier von dem Abendessen aufstanden, beschlossen Bettina und Gangolf, noch durch die Gassen der Altstadt zu schlendern und anschließend über die Uferpromenade zu dem Hotel zurückzukehren. Martina wollte indes sofort aufbrechen und den kürzesten Weg über den Binnenhafen einschlagen. Natürlich willigte Magda sofort ein, als jene sie aufforderte, mitzukommen. Martina versprach, Magda nichts anzutun, Gangolf wollte das nicht ganz so glauben, doch er behielt seine Zweifel für sich, denn er sehnte sich darnach, jetzt ohne weitere Debatten mit Bettina den Spaziergang durch die nächtlichen Gassen Caorles anzutreten. Sein Mitleid mit Magda verebbte allmählich; wie oft hatte er sie aufgefordert, Martinas Spiel nicht mehr mitzuspielen, und doch ergab sie sich immer wieder deren Allüren.

Es war ein bizarres Bild, wie die Menschen in der lauen Abendluft mit ihren Gasmasken durch die Straßen zogen. Bettina und Gangolf erreichten nach kurzer Zeit den uralten Dom, dessen Eingangstüren einen halben Meter tiefer lagen als das umgebende Pflaster. Gangolf erinnerte sich bei einem Besuch im oberfränkischen Forchheim, daß man auch dort zu dem Kircheneingang auf einigen Stufen hinuntergehen mußte. Die beiden konnten sich kaum vorstellen, wie das vor Jahrhunderten ausgesehen hatte, als es den nahegelegenen Deich noch nicht gab und damit die Straßen der Stadt nur knapp über dem Niveau des Meeresspiegels gelegen hatten.

Auf dem Deich ergab sich für Bettina und Gangolf ein eindrucksvolles Bild, links erstreckte sich die alte Stadt mit ihren engen Gassen, rechts rollten die Wogen an die Wel­lenbrecher heran, darüber breitete sich der Sternenhimmel aus. Bettina und Gangolf wandelten auf dem Deich entlang zu der Wallfahrtskirche, die am äußersten Ende des Deiches, auf drei Seiten vom Meer umschlungen lag. Durch die weit offen stehende Tür hörten sie, wie drinnen der Rosenkranz gebetet wurde. Sie warfen von außen einen Blick in das Heiligtum, ohne hineinzugehen, um nicht die Betenden in ihrer Andacht zu stören.

Bettina grummelte durch ihre Maske: "Manchmal bin ich euch Katholiken neidisch, ich möchte auch gern an Wunder glauben."
- "Dann tu' es doch", entgegnete Gangolf, "und was heißt da: >euch Katholiken<, du weißt doch, daß ich viel mehr mit euerer evangelischen Kirche mittlerweile zu tun hab' als mit der katholischen."
- "Du hast ja recht", meine Bettina daraufhin.

Auf ihrem Rückweg zum Hotel kehrten sie in eine kleine Bar ein; Bettina und Gangolf mimten ein Paar, der Kellner wies ihnen einen kleinen Tisch am Ende der schmalen Terrasse zu. Bettina bestellte sich Rotwein, Gangolf Weißwein. Beide bekundeten ihre Erleichterung, die Masken ablegen zu dürfen. Was sie voneinander indes nicht wußten, und was jeder für sich tunlichst als Geheimnis behielt, war das geheime Eingeständnis, daß der Maskengummi auf dem Gesicht zu einer nicht unerheblichen sexuellen Erregung führte; bei der Hitze des Tages kam dieses Gefühl nicht auf, im Gegenteil, die Atmung war behindert, man schwitze mit dem Ding vor dem Gesicht, während jetzt, in der kühleren Nachtluft, die Ausstrahlung des Gummis alle Unannehmlichkeiten aufwog.

- „Sind wir hier im falschen Film?“, wollte Bettina wissen, sie konnte es noch nicht richtig begreifen, daß hier tatsächlich alle Menschen mit einer Gasmaske herumliefen.
- „Es wirkt alles so irreal, so wie im Science Fiction, es fehlt jetzt nur noch der Raumanzug“, pflichtete Gangolf bei.
- „Oder ein Kampfanzug“, konterte Bettina, „vielleicht sind wir schon mitten im Krieg und die sagen das uns noch nicht, irgend so ein Giftgasanschlag.“
- „Schauen wir doch einmal im Internet nach, was darüber steht, die müssen doch auch auf Deutsch etwas bringen über Italien, notfalls lesen wir darüber nach auf Italienisch.“

Beide zogen ihre intelligenten Geräte heraus und tippten darauf herum. Übereinstimmend kamen sie zum Schluß, daß da etwas gemauschelt wird, es gab nirgends genauere Informationen, nur soviel, daß man in China den Ausgang eines Virus-Erregers vermutete, der sich über Großbritannien nun auf das nördliche Italien ausgebreitet habe. Auch auf italienischen Medienseiten konnte Gangolf zumindest nicht auf die Schnelle eine kon­krete Hintergrundinformation finden, nur immer soviel, daß alle Politiker dringend zur Einhaltung der strikten Maskenpflicht mahnten.

Die Zeiten des barrierefreien Zugangs zum Internet waren längst vorüber, die staatlichen Stellen aller Länder der Erde nahmen Einfluß darauf, setzten ausgeklügelte elektro­nische Filtertechniken ein, um nur das in’s Netz sickern zu lassen, was ihnen genehm war. Die großen und auch die kleineren Nachrichtendienste arrangierten sich prächtig mit den Aufsichtsbehörden, sie waren nicht mehr so sehr auf Werbeeinnahmen angewiesen, sondern nahmen gerne die >Entschädigungszahlungen< entgegen, um gewisse Nachrich­ten zu unterdrücken.

Als der Wein in Bettinas und Gangolfs Gläsern sich dem Ende zu neigte, lenkte Gangolf das Gespräch auf ein anderes Thema:
- „Sag `mal, Bettina, was ist das eigentlich für eine Geschichte mit der Magda, du kennst sie ja schon länger über deine Beziehung mit der Martina, ich werde aus ihr nicht mehr schlau; daß man devot veranlagt sein kann, das mag mir noch irgendwie einleuchten, aber daß ausgerechnet dieses zierliche Mädchen eine Verbrechen begangen haben soll, daß sie diese elektronische Fußfessel hat, das werde ich wohl nie mehr begreifen.“

Bettina hob ihren Blick und sah Gangolf fest in die Augen. Sie beugte sich über das Tischlein, holte tief Luft und antwortete:
- „Laß’ mich bitte, - also ich möchte jetzt eigentlich dazu nichts sagen, verstehst du, also ich möchte dir natürlich keine Antwort schuldig bleiben, aber weißt du, auch wenn ich kein katholischer Priester bin, fühle ich mich doch verpflichtet, mir anvertraute Dinge zu bewahren und nicht anderen darüber zu erzählen, auch wenn wir vier uns jetzt schon recht intensiv kennen, vielleicht gerade deshalb nicht. Aber ich versprech’ dir, ich werde heute Nacht in mich gehen, ich habe viel zu überlegen und zu überdenken, vor allem mit meinem Verhältnis zu Martina und so weiter. Aber `mal was anderes: Hättest du Lust, morgen mit mir nach Venedig zu fahren, du kannst doch so gut Italienisch und da hätte ich gern einen Reiseführer. Ich werde dir dann morgen auch erzählen, was ich mir so überlegt haben werde.“

- „Äh, ja klar“, entgegnete Gangolf auf diese ausweichende Antwort, „natürlich hab’ ich Verständnis für deine Schweigepflicht, nur bitte versteh’ mich auch, daß ich einfach neugierig werde, was da alles los ist, gerade weil ich ja auch ein Teil dieser Geschichte ge­worden bin. Aber klar, ja und morgen, das find’ ich eine ganz tolle Idee, ich wollte das auch schon vorschlagen, wagte es aber bis jetzt nicht, du weißt schon, ich glaub’, mit den beiden ist nicht so viel kulturell anzufangen, aber vielleicht täusche ich mich auch.“

- „Ja, das siehst du schon richtig, ich glaub’, es ist den beiden auch viel lieber, vor allem Martina, wenn sie sich mit Magda beschäftigen kann, oder ein bißchen Shopping hier und so weiter.“
Als Bettina und Gangolf in das Hotel kamen, lauschten sie eine Weile vor der Tür von Martinas und Magdas Doppelzimmer. Es drangen keine Geräusche heraus, so daß jene sich in der berechtigten Hoffnung wogten, es sei alles mit diesen in Ordnung.
Kaum hatte sich Bettina in das Bett ihrer Einzelzelle gekuschelt, wie Gangolf ironisch die kleinen Zimmer schmähte, hielt jene tatsächlich Zwiesprache mit ihrem Schöpfer:

- „Ist es wirklich dein Wille, daß sich nur Mann und Frau lieben sollen? Sind nicht beides Abbilder deiner göttlichen Natur? Und was war da mit Jesus, der war doch auch dauernd von seinen Jüngern umgeben; war er am Ende schwul? Freilich waren da die Geschichten mit Marta und Magdalena, und auch seine Mutter Maria liebe er wohl sehr, auch wenn er sie auch immer wieder enttäuschte, geradezu frech: >Weib, was willst du von mir, meine Stunde ist noch nicht gekommen<. Oder die Sache im Tempel, als er den Eltern entwischte und als Knabe im Tempel sprach: >Was ist’s, daß ihr nach mir sucht?<. Oder wie der eine fremde Frau am Brunnen barsch aufforderte: >Gib mir zu trinken<.

Heute würde dieselbe Frau wohl antworten: >Hol’ dir doch selber was aus dem Brunnen<.
Sollten das alles Hinweise auf Jesu gestörtes Verhältnis zu Frauen sein, Hinweise auf seine Homosexualität? Wo waren da beim Abendmahl die Jüngerinnen? Freilich trös­tete Jesus auf seinem Weg nach Golgotha die weinenden Frauen von Jerusalem. Jesus, du bist schon eine ganz besondere Figur, ein Kleinkrimineller? Schickt er doch prompt seine Jünger in das Dorf, um einen Esel zu stehlen. Und auf den Einwand, was würden die Leute sagen, dann sollen sie dreist antworten: >Der Herr braucht ihn<.“

Zwar konnte er natürlich nicht verstehen, was da Bettina murmelte, doch Gangolf vernahm in seinem Zimmer, daß diese tatsächlich irgend etwas sagte. Es war sicherlich kein Telephongespräch. Er mutmaßte ein Selbstgespräch. ‚Haderte sie tatsächlich mit sich selbst’, ging es Gangolf durch den Kopf. ‚Vielleicht. Wahrscheinlich. Abwarten.’ Mit diesen Gedanken schlief er ein.

Er hätte sich nicht träumen lassen, daß an diesem Tag seine Scheune in Wesserbarg zur Zufluchtsstätte zweier gestrandeten Frauen geworden war.











































































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Inge und Barbara schleppten sich mit ihren vollbepackten und durchnäßten Trekking-Rucksäcken auf den schmalen Weg vom Ufer weg auf die Anhöhe. Kaum hatten sie den Baumbestand und das Buschwerk entlang des Kanalufers verlassen, blies ihnen von hinten ein scharfer Wind zu. Die Wolken zogen immer schneller bedrohlich auf ihrem Weg nach Osten, sie wurden immer dunkler, es zog ein Unwetter herauf. Inge wagte einen Blick zurück und rief entsetzt:
- „Schau’ `mal, dahinten geht die Welt unter.“

Auch Barbara drehte sich jetzt um und blickte in den dunkelgrauen Himmel im Westen.
- „Gehen wir schnell dort zu dem Hof“, schlug sie vor; kaum daß sie die Worte formuliert hatte, fielen die ersten Regentropfen. Schnell zogen sie sich die Kapuzen über den Kopf und stapften zu dem Haus.
- „Zu blöd auch, daß wir nicht die Gummistiefel angezogen hatten“, ärgerte sich Inge.
- „Das sah’ heute morgen nicht unbedingt nach einem Unwetter aus“, entgegnete Barbara, „und daß wir beim Wechsel einschöpfen würden, hätten wir natürlich auch nicht ge­dacht.“
‚Nicht schon wieder dieses Thema’, dachte sich Inge, doch sie schwieg.

An dem angepeilten Haus angekommen suchten die beiden Frauen vergeblich nach einem Klingelknopf. Der Regen wurde stärker, die Tropfen prasselten jetzt richtig stark hernieder. Sie klopften und riefen, drückten schließlich auf den Türdrücker. Ihre Freude, anstelle des üblichen Türknaufs einen Drücker vorzufinden, wurde schnell zunichte gemacht, als sie diesen niederdrückten und feststellen mußten, daß abgesperrt war.

- „So ein Mist“, fluchte Inge, „laufen wir zu der Scheune!“
Es gelang den beiden, das Schiebetor aufzuschieben. Als das Tor weit genug aufgeschoben war, schlüpften sie schnell hinein. Kaum hatten sie die Zuflucht eingenommen, dröhnte ein gewaltiger Donnerschlag hernieder.
- „Puh, ein Glück, daß uns das nicht auf dem Wasser erwischt hat“, gab Inge zum Besten.
- „Viel nässer wären wir auch nicht geworden“, gab Barbara zurück.
‚Schon wieder diese Anspielung’, ärgerte sich Inge im Stillen. Sie schauten sich um und erkannten in dem dämmerigen Schein des nur wenig geöffneten Tors die zwei Kajaks, die auf Brettern an der linken Wand lagen.

- „Bist du damit schon `mal gerudert?“, fragte Inge, um auf andere Gedanken zu kommen.
- „Ja, hab’ ich, mit meinem Freund leihen wir uns immer wieder `mal welche aus für eine Paddeltour, ist schon was anderes als mit dem Kahn.“
Skeptisch betrachtete Inge die schmalen Plastikteile und meinte:
-„Viel kann man da ja nicht mitnehmen.“ Ihre Frage beinhaltete einen Hintergedanken.
- „Oh doch, man muß nur richtig verstauen, auf mehrere kleine Gepäckstücke, nicht so riesige Rucksäcke, es gibt auch extra total wasserdichte tonnenförmige Behälter, das ist schon praktisch, da bleibt dann alles trocken darin, ganz gleich, ob es regnet oder sonst was.“
‚Sonst was’, wiederholte Inge im Geiste und ärgerte sich schon wieder über Barbaras erneute Anspielung. Doch dann faßte sie einen anderen Plan. Zunächst galt es, das Unwetter abzuwarten und einen Weg zu finden, von hier weg zu kommen.

Die beiden Naturforscherinnen setzten sich nieder und zogen die feuchten Schuhe aus. Dann zogen sie sich auch die nassen Socken von den Füßen und rieben diese, um sie zu wärmen. Ihre Gummistiefel waren zu unterst verstaut, sie mußten die gesamten Inhalte der Rucksäcke ausleeren, um zu ihnen zu gelangen. Sie zogen sich neue Socken über, die glücklicherweise trocken geblieben waren. Es war ein ganz anderes Gefühl, warme und vor allem trockene Füße zu haben. Mit diesem angenehmen Gefühl lächelten sich die beiden an und umarmten sich.

- „Es ist doch ein Glück, hier diese Scheune rechtzeitig erreicht zu haben“, stellte Inge fest und Barbara pflichtete ihr bei.
So schnell das Unwetter heraufgezogen war, so schnell zog es vorüber. Ein paar Mal donnerte es noch, doch wurden die Donnerschläge immer schwächer. Durch den Spalt in dem Tor sahen sie jetzt im Norden ferne Blitze niedergehen, erst viel später folgte der Donnerschlag.

- „Wie war das mit der Entfernung zum Blitz, weißt du das noch?“ fragte Inge.
- „Ganz einfach“, antwortete Barbara mit vergnüglichem Selbstbewußtsein, „der Schall breitet sich etwa mit 300 Meter in der Sekunde aus, also wenn du bist drei zählst, bis der Donner kommt, dann ist der Blitz etwa einen Kilometer weg.“
- „Also ich glaub’, wir können dann wieder los“, meinte Inge, die Donnerschläge dauern schon viel länger und sind auch leiser geworden.“
- „Wart’ halt noch ab, bis der Regen aufgehört hat.“
- „Ja, ich guck’ `mal“, stimmte Inge zu und ging zum Tor.
- „Im Westen wird es schon wieder hell, warten wir noch eine Weile, dann ist das ganz vorüber.“

- „Weißt du eigentlich, wo wir hier genau sind?“, wollte Barbara wissen, als sie mit Inge den Hof verließ und auf der Ebene Ausschau hielte. Vor ihnen lag ein ausgewaschener Feldweg mit zahlreichen Schlaglöchern, die randvoll mit Regenwasser gefüllt waren.
- „Keine Ahnung, aber ich glaub’, hier sind wir hergekommen mit dem Jeep.“
- „Hm, kann sein, es wahr jedenfalls sehr holprig, die letzten Kilometer.“
- „Lassen wir doch die Rucksäcke zurück, ich hab’ keine Lust, das schwere Zeug kilometerweit zu schleppen.“
- „Und wo sollen wir die hier verstecken?“
- „Bringen wir sie zurück in die Scheune, wem die auch immer gehört, der Besitzer scheint ein argloser Mensch zu sein, denn sonst hätte er die abgesperrt, schon allein wegen der Boote.“
- „Na, wenn du meinst, du bist die Chefin, ich möchte nicht schuld sein, wenn `was wegkommt von unseren Sachen.“
- „Ach, wir kommen doch gleich wieder zurück, sobald wir eine Fahrgelegenheit gefunden haben.“

Insgeheim war Barbara froh, daß sich Inge dazu entschlossen hatte, das schwere Gepäck in der Scheune zurückzulassen. Mit den Gummistiefeln war das Marschieren deutlich anstrengender als mit den Trekking-Schuhen.
Die Last hinter sich gelassen stiefelten die beiden Frauen zu dem Weg hinaus und begannen erleichtert ihre Wanderschaft.
Nachdem sie eine Weile schweigend vorangeschritten waren, sagte Inge:
- „Wir müssen ohnehin nochmals her, um den Kahn auszuschöpfen, damit wir den dann auf den Anhänger ziehen können. Das wird wieder so ein Kraftakt.“

Im gleichen Atemzug bereute Inge, diese Worte ausgesprochen zu haben, ihr Plan war es, alleine zurückzukehren und erst später den Kahn aus dem Wasser zu ziehen.
- „Ach, zusammen schaffen wir das“, war sich Barbara sicher, „wenn wieder der nette Typ uns herfährt, der hat uns doch auch so toll geholfen, den Kahn in’s Wasser zu bringen.“

Wieder schwiegen sie eine Weile, dann kam es Barbara in den Sinn:
- „Sag’ `mal, ist der Akku wirklich total leer von der Feuchtigkeit im Rucksack?“
- „Weiß ich nicht“, konterte Inge, „ich nehme schon an, ja.“
- „Wir haben das gar nicht ausprobiert, verdammt, und jetzt liegt er wahrscheinlich in deinem Rucksack.“
- „Ja klar, ich schlepp’ doch nicht hier leere Akkus mit, ich hab’ auch mein Smarti dort hineingesteckt, bringt ja jetzt eh’ nichts.“
- „Zu dumm, wir hätten das ausprobieren sollen, ich hab’ auch nimmer d’ran gedacht, als mein Akku aus war.“
- „Jetzt laufen wir aber nicht mehr zurück, schau, da vorne sind Häuser zu sehen, da werden wir schon jemanden finden, der uns telephonieren läßt.“
- „Und wen sollen wir anrufen, wenn doch alle auf dieser seltsamen Notfallübung sind? Was ist das eigentlich für eine Übung?“
- „Das weiß ich auch nicht“, mußte Inge eingestehen, „hatten wir noch nie.“

---

Brause konnte nicht einschlafen. Das kam nicht so häufig vor, aber ohne ersichtlichen Grund blieb er in dieser Nacht lange wach. Tausend Gedanken durchstreiften seinen müden Geist, an einem blieb er schließlich hängen:
‚Was ist mit der Geldkassette geworden, niemand verliert eine Geldkassette, noch dazu irgendwo im Schleewald. Wieviel war darinnen? Gab es einen Hinweis auf den Eigentümer, ein Aufkleber oder was?’
Seine kriminalistische Neugier ließ ihn keine Ruhe. ‚Morgen werde ich der Sache nachgehen’, beschloß er, ‚hilft gegen die Langeweile, dann ein kurzer Bericht geschrieben, und die Sache ist erledigt.’

Mit diesem für ihn beruhigenden Gedanken schlief er ein. Daß seine Nachforschungen weite Kreise ziehen sollten, hätte er sich freilich nicht vorstellen können.














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