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  Das Schlossgespenst
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Muwatalis Volljährigkeit geprüft
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  Das Schlossgespenst Datum:14.08.21 08:27 IP: gespeichert Moderator melden


Hier zur Abwechslung mal eine meiner längeren Geschichten:



Das Schlossgespenst
__________________



Mhaired war an ihrem ersten Arbeitstag gleich mit einem harten Auftrag betraut worden.
Gewundert hatte sie sich schon, als man ihr zusätzlich noch Sandpapier, Poliertücher und 5 Tuben Stahlpolitur in verschiedenen Körnungsgraden auf den Putzwagen gelegt hatte, denn in dem ihr zugewiesenen tiefsten Stockwerk des Schlosskellers standen keine Rüstungen.
Doch schnell dämmerte ihr die Erinnerung an einen Raum, der ihr bei der kurzen Einführung nur von außen mit Blick auf die geschlossene Tür als Folterkammer angekündigt worden war.
Also musste auch alles Eisen in diesem Raum auf Hochglanz poliert werden
Mhaired war sich nicht sicher, ob es gut oder schlecht war, dass sie nach ihrem Plan genau diesen Raum als letzten säubern musste.
Doch, wenn man den ersten Tag hat, dann meckert man nicht, sondern zeigt Arbeitsfreude, Geschwindigkeit und Gründlichkeit!
So ihr fester Wille zu diesem Zeitpunkt.

Die Arbeit ging Mhaired gut von der Hand.
Sie war schnell und doch gründlich, sie wischte die Steinböden auch in den Ecken und rundete nicht ab.
Alles blitze blank wie neu.
Das erste Zimmer war fertig, ein großer Duschraum mit 6 offenen Duschen und 6 offenen Toiletten.
Sie war so vertieft in ihre Arbeit, dass ihr das noch nicht mal merkwürdig vorkam.
Die nächsten Zimmer waren Zellen, die jeweils nur mit einer Holzpritsche ausgestattet waren.
Auch die waren bald sauber.
Das waren 12 Zellen an der Zahl, 8 auf der Seite des Duschraums und 4 auf der Seite der Folterkammer.
Dann kam ein Raum, der an allen Seiten mit verschlossenen Schränken voll gestopft war und eine Bestuhlung wie eine Umkleidekabine einer Turnhalle hatte.
Auch hier putzte und polierte Mhaired alles mit Schnelligkeit und Akribie.
Das nächste Zimmer sah aus wie ein Untersuchungszimmer und roch wie eine Krankenstation.
Auch wenn Mhaired die Zeit inzwischen wie Sand durch die Finger ran und sie mächtig Gas geben musste, war ihr ganzes Denken abgelenkt von der Frage, wofür man so einen Raum in einem Museumsschloss überhaupt brauchte.
Eine normale Krankenliege war da links an der Wand, daneben ein Frauenarztstuhl, oder eher ein Stuhl, auf dem die Frauen platz nehmen, wenn der Frauenarzt da unten hingucken will, allerdings beide mit einem Haufen Riemen an allen möglichen stellen.
Eindeutig waren das Riemen zum Fesseln!
Ein Operationstisch mit einem schwenkbaren Lichtbaum darüber dominierte die Raummitte, während rechts an der Wand ein Haufen Schubladen und Regalhälften die Schränke zierten.
Mhaired putzte, schrubbte, wischte und polierte wie eine Wilde.
Ihre Gedanken wollten sie so schnell wie möglich aus diesem Raum bringen.
Doch mit jedem Instrument, dessen sterile Verpackung sie von Staub befreite, mit jeder Schublade, die sie auswischte, wurde ihre Zeit immer knapper.
Dann war sie endlich mit diesem Angst einflößenden Raum fertig.
Doch nur um mit ihrem letzten Raum anzufangen, dem Raum, vor dem sie schon den ganzen Arbeitstag eine Heidenangst hatte.
Nur noch eine Stunde und 10 Minuten blieben ihr für den größten Brocken Arbeit.
Doch eher der Inhalt des Raumes machte ihr Angst.
Denn jetzt lag die Folterkammer vor ihr.
Den ganzen Tag hatte sie sich schon die schlimmsten Vorstellungen über diesen Raum gemacht.
Sie dachte an jede Menge verrosteten Stahls, den sie polieren würde müssen, an die Schreie derer, die diesen Stahl gekostet hatten, damals, als das Foltern noch Mode war, an das geronnene Blut der Jahrhunderte, dass sie aus dem Holz der Folterbänke und von den Steinen würde schrubben müssen.
Die Zeit würde niemals dafür reichen.
Die Tür war verschlossen, einen Schlüssel gab es nicht.
Mhaired musste ihre Mitarbeiterkarte mit dem Chip in ein elektronisches Lesegerät stecken und oben entschied jemand, ob sie den Raum betreten durfte.
Etwas dauerte es, dann hörte sie drei Schließriegel laut aufklacken.
Jetzt konnte Mhaired in die Folterkammer.
Die Tür ging automatisch auf.
Sie wollte ihren Putzwagen schnell in die Folterkammer schieben, doch es war noch dunkel in dem Raum.
Ganz langsam nur wurde in dem Raum das Licht aufgedimmt.
Sie bremste sofort den Schwung des Putzwagens, den ihr ungestümer Stoß ausgelöst hatte, den ihre Hände der Schubstange am Wagen gegeben hatten, ab und schob nun ganz langsam den Wagen durch die Tür, um im Dunkeln bloß nichts anzufahren und zu zerkratzen.
Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit, die ebenso langsam, wie bei einem Sonnenaufgang in Zeitlupe, heller wurde.
Langsam erkannte sie die ersten Teile, die sie mit ihrer Erinnerung an Ritter-, Inquisitionsfilme und Hexenverfolgungsdokumentationen verglich.
Da die Lampen aussahen wie Fackeln und das Licht wie künstliche Flammen die Fackelköpfe umspielte, aber noch sehr schwach war, konnte sie erst ein mal nur das sehen, was in direkter Nähe der Fackellampen war.
Sie erkannte Handschellen an Ketten, Ringe an der Wand und die paar Meter, die das Licht vom Flur durch die Tür warf.
Noch sah sie kein Hindernis vor ihrem Putzwagen, so schob sie ihn langsam weiter, bis die Tür hinter ihr plötzlich zuschlug und die Riegel sich lautvoll wieder verschlossen.
Mhaired fuhr zu Tode erschrocken blitzschnell in dem Dunkel, in dem sie jetzt stand herum.
Sie war eingeschlossen, hämmerte es ihr durch Kopf, Magen und alle Glieder.
Sie rannte panisch zur Tür zurück und versuchte sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften und Fingernägeln auf irgendeine Weise sich zum Öffnen zu bewegen.
Doch die Tür blieb stur.
Selbst Schimpfwörter, Flüche und Schreie überredeten die Tür nicht, ihren Entschluss sich zu verschließen zu überdenken.
....

Fortsetzung folgt.

Herzlichst!

Muwatalis


Meine anderen Geschichten unter:

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Gummimaske
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:14.08.21 09:54 IP: gespeichert Moderator melden


Ein sehr interessanter Beginn.Ich muß sagen,daß ich schon jetzt die Fortsetzung sehr herbeisehne,um zu erfahren,was in dieser Folterkammer alles geschieht.
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Muwatalis Volljährigkeit geprüft
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:28.08.21 08:50 IP: gespeichert Moderator melden














Hallo Gummimaske!

Herzlichen Dank für deinen Kommentar.
Fortsetzung kommt dann auch gleich:



Das Schlossgespenst ( 2 )
______________________


Mhaireds Herz rannte, stolperte und polterte in ihrer Brust vor Angst und Panik.
Ein Weinkrampf schüttelte sie zusätzlich, als sie verzweifelt an der Tür nach unten rutschte und auf den kalten Steinboden sackte.
Trotzdem die Fackellampen schon einen Umkreis von 45cm um ihre Elektroflammen schwach erhellten, fühlte sie sich von Dunkelheit umstellt und eingekreist.
Angst macht einen Raum viel dunkler, als er in Wirklichkeit ist, doch das ausgesperrte Flurlicht fehlte der Eingesperrten wie ein Hoffnungsschimmer der Hexe auf dem Scheiterhaufen.
Schüttelfrost durchflutete die zu Tode verängstigte Mhaired.
Unbemerkt fiel Mhaired in diesem Augenblick ihre Mitarbeiterkarte aus der Kitteltasche.
Eine graue Plastikkarte mit einem silbergrauen Chip landete, von ihrem Schluchzen übertönt, auf dem dunkelgrauen Steinboden, umgeben vom Schwarz der Dunkelheit, die ihre Herrschaft über die Folterkammer mit allen Mitteln gegen die schwachen Fackellampen verteidigte.
Wenn man ein mal in Panik ist, ist es verdammt schwer da herauszukommen, wenn man alleine im Dunkeln sitzt und das Gehirn sich einer vernünftigen Zusammenarbeit verweigert.
Der schwache kalte Hauch von Druck auf ihrer linken Schulter und das kaum vernehmlich geflüsterte “Ist ja gut! Dir passiert schon nichts, Schwester!“ musste ein Hirngespinnst sein, denn sie war ja alleine, oder etwa nicht?
Doch statt sich zu beruhigen schlug die Mathematik auf Mhaired ein:
Panik mal Panik gleich Panik zum Quadrat!
Mhaireds Herz warf eine Münze: Zahl würde Infarkt bedeuten.
Es war Kopf!
Mhaired sprang vor Schreck auf und klemmte sich rechts an die Wand neben der Tür, weg von der kalten Hand auf ihrer Schulter und der flüsternden Stimme.
Ein halbes Dutzend kleiner Deckenspots erleuchtete Augenblicklich den Raum gerade so stark, dass nun alle Foltergerätschaften in dem Raum sichtbar wurden.
Mhaired musste mit ihrem Rücken an einen Lichtschalter gekommen sein.
Augenblicklich erfassten ihre Augen, die in Richtung der Stimme und der Hand gestarrt hatten, dass da nichts war, rein gar nichts und niemand.
Hektisch schwang ihr Kopf mehrfach im Raum herum, die Person suchend, die zu der Hand und der Stimme gehört haben musste, doch niemand war da.
Hand und Stimme waren also definitiv Einbildung, ein Hirngespinnst, mussten eine Schöpfung ihres, von der Panik, durchgedrehten Gehirnes gewesen sein.
Das sie jetzt zumindest den ganzen Raum im schwachen Licht sehen konnte, war in gewisser Hinsicht doch Blutdruck und Panik senkend.
Das schwache Licht nahm den schrecklichen Foltergeräten ihren Schrecken in Mhaireds Augen, denn sie war ja keine Delinquentin, sondern nur die Putzfrau und niemand war da, der das eventuell anders sehen konnte.
Endlich fiel Mhaired auch wieder ein, dass sie ja die verschlossene Tür mit ihrer Mitarbeiterkarte ganz einfach würde wieder öffnen können.
Die Panik fiel von ihr ab, die Spannung in ihren Muskeln, von dem Schreck des Hirngespinnstes, löste sich und sie rutschte langsam an der Wand herunter wieder zu Boden.
Ihr war Schwindelig vom hohen Blutdruck der in ihrem Kopf gekribbelt hat wie Ameisen.
Ihr rasender Herzschlag beruhigte sich langsam wieder und die Panik fiel von ihr ab.
Eine viertel Stunde saß sie zusammengesunken da an der Wand, bevor das Schwindelgefühl und das Kribbeln aus ihrem Kopf verschwunden war und sie die Kraft fand wieder aufzustehen.
Um sich zu vergewissern steckte sie die Hände in die Kitteltaschen.
Kaum hatte sie die Panik fast komplett runter gefahren, sprang diese jetzt wieder an, denn natürlich fand sie die Karte nicht mit ihren wühlenden Fingern.
Mit erneutem Herzrasen, rasten ihre Augen über den schwach erleuchteten Steinfußboden vor, hinter und neben ihr, der Wand und der Tür.
Doch in dem schwachen Licht konnten ihre Augen grau nicht von grau unterscheiden und die Karte nicht entdecken.
Angsterfüllt sank sie auf die Knie und ließ ihre Hände und Finger das Sehen übernehmen.
Erst wild und verzweifelt wirbelte sie mit ihren Händen und Fingern in alle Richtungen ohne Ergebnis über die Steine des Fußbodens.
Dann wurde ihre Suche systematischer und vorsichtiger, denn die Steine hatten ihre Knie aufgeschürft und es war ja eh vernünftiger Vernunft und Ordnung in die Suche zu bringen.
Endlose Haufen von Minuten brauchte sie, um sorgsam Zentimeter für Zentimeter des Steinfußbodens abzuklappern oder besser gesagt abzutasten.
12 Minuten vor Ende ihrer Schicht fand sie Gott sei Dank ihren Mitarbeiterausweis wieder.
Unendlich erleichtert setzte sie sich erst mal wieder zum Ausruhen mit ihrem Hintern auf den kalten Steinfußboden.
Nachdem sie sich gute 10 Minuten gesammelt hatte, stand sie auf und suchte im schwachen Licht den Kartenschacht zum Öffnen der Tür.
Als sie ihn fand, stopfte sie die Karte ganz tief in den Schacht.
Es kam ihr wie Stunden vor, bis die Riegel des Schlosses aufklackten.
Eigentlich wollte sie rausstürmen und aus dem Schloss so schnell wie möglich türmen, doch ein kalter Hauch flüsterte ihr ins Ohr: “Geh nicht! Willst Du wirklich abhauen? Die Arbeit ist doch gar nicht schlimm und hier gibt es nichts wovor du Angst haben müsstest.”.
Das musste schon wieder ihr Unterbewusstsein gewesen sein, denn neben ihrem Ohr war wieder keiner.
Mhaired blieb mitten in der Tür stehen.
Wenn sie jetzt ginge, würde sie den Job verlieren.
Sofort war sie sich sicher, dass ihr “Berater” bei der “Arbeitsagentur” die Begründung “Ich hatte einen Panikanfall in der Folterkammer und ich glaub es spukt da!” als Grund für 12 Wochen Sperrzeit sehen würde.
Mhaired entschied sich gegen einen Besuch bei “ihrem” “Arbeitsberater”, doch auf keinen Fall wollte sie, dass die Tür wieder zufiel, während sie sich an ihre erste Überstunde begeben würde.
Also zog sie schnell, mit ihrem rechten Fuß sich in die Schubstange einhackend, während ihre Arme die Tür am Zufallen hinderten, den Körper dabei waagerecht über dem linken Bein als Standbein balancierend, den Putzwagen heran und versperrte damit die Tür.
Jetzt war ihr Fluchtweg gesichert und sie konnte sich endlich dazu durchringen, sich ans Putzen der Foltergeräte und des Bodens der Folterkammer zu begeben.
Ob ihr die Überstunden auch bezahlt würden war ihr erst mal egal, die Hauptsache war erst mal, dass sie ihre Angst besiegte.
Da man bekanntlich immer oben anfängt zu putzen und die Wand ihr im Notfall als Rückendeckung dienen konnte, fing sie, unterbewusst immer noch nach Sicherheit suchend, mit dem Saubermachen der rechts neben ihr hängenden Fackellampe an und wischte sie sauber.
Dann ging sie zu den an Ketten hängenden Handschellen und die Ringe an der Wand, die sie zuerst gesehen hatte.
Obwohl das Licht immer noch schwach war, war eines deutlich zu sehen: kein Rost!
Erleichtert schnappte sie sich die Stahlpolitur mit der geringsten Körnung und tat ihr bestes in dem Schummerlicht.
Durch das Klappern der Fesselwerkzeuge und das Klirren der Ketten, die sie polierte, hörte sie nicht, wie von Zauberhand sich eine Glastür der Vitrine an der Wand gegenüber öffnete und sich ein Keuschheitsgürtel ihren Maßen anpasste, in der Hüfte 2cm enger wurde und im Schritt einen Zentimeter kürzer.
Das Ausstellungsschildchen daneben änderte sich auch.
Erst stand da “Sandras Keuschheitsgürtel”, jetzt stand da “Mhaireds Keuschheitsgürtel“.
Auch die Schriftfarbe auf dem weißen Schildchen änderte sich von Schwarz in hell leuchtendes Rot.


Herzlichst!

Muwatalis


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Gummimaske
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:28.08.21 11:17 IP: gespeichert Moderator melden


Mit dieser Entwicklung habe ich wirklich nicht gerechnet.Was Spuk im Kopf doch so alles anrichten kann.Geht die Geschichte noch weiter? Potential hätte sie auf alle Fälle.
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:30.08.21 13:47 IP: gespeichert Moderator melden



Hallo Gummimaske!

Ups, hab ich doch das "Fortsetzung folgt" vergessen.
Da kommt noch eine ganze Menge Fortsetzungen mit einer Menge "Spuk".

Herzlichst!

Muwatalis

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Erin
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:30.08.21 19:04 IP: gespeichert Moderator melden


Na dann lass es mal schön weiterspuken. Warte auf weitere Folgen.
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:11.09.21 19:32 IP: gespeichert Moderator melden



Hallo Erin!

Die nächste Fortsetzung kommt dann jetzt, mit Spuk natürlich wieder.

Herzlichst!

Muwatalis




Das Schlossgespenst ( 3 )
______________________


Mhaired klapperte, klirrte, putzte und polierte wie eine wilde eine Stahlschelle, Kette, Ring und Haken an der Wand nach dem anderen auf Hochglanz, wienerte die nächste Fackellampe, das lackierte Holz des Andreaskreuzes zwischen der 2ten und der dritten Fackelelektrolumineszenslichtquelle, inklusive der Lederfesseln, die sie mit Lederfett ( Endlich wusste sie nun, warum das auf dem Putzwagen gewesen war! ) einrieb und kam langsam wieder zu einem halbwegs normalen Puls und Blutdruck.
Von dem, was sich in der Vitrine an Zauberei getan hatte, war ihr weder Laut noch Bewegung an Ohr und Auge gedrungen.
Als Mhaired die Stahlspitzen in der eisernen Jungfrau vor der Wand zwischen Fackel 3 und 4 mit Stahlpolitur einzeln auf Spitz rieb und es dabei vor Eifer auf die Spitze trieb, war sie inzwischen dabei sich eine Närrin zu schimpfen, vorhin so eine Panik bekommen zu haben.
Sie hatte sich so kindisch benommen, wie damals als Kind, als sie für ihre Oma aus dem Kohlenkeller Briketts für den Kohleofen hatte raufholen müssen und das Licht plötzlich ausgegangen war, weil ein Blitz in den Stromkasten vom Viertel eingeschlagen hatte.
Man, war sie damals ausgeflippt, hatte geschrieen wie eine blöde und überall Gespenster gesehen, wenn ein Blitz durch das Kellerfenster das Dunkel kurz erhellt hatte.
Damals war natürlich ihre Mutter innerhalb von wenigen Sekunden mit einem Kerzenleuchter in der Hand zu ihr die Kellertreppe herunter gerannt, um sie zu trösten, doch seit dem war Dunkelheit für sie eine Bedrohung erster Kajüte.
Doch jetzt war alles wieder in Ordnung und die Panik löste sich zwar nicht in Wohlgefallen, aber in Nichts auf.
So putzte sie nun gelassener, aber trotzdem gründlich an dem Stahl der vielen Dutzend Hand-, Hals-, Bauch- und Fußschellen herum, alles blitzblank polierend.
Lederfesseln und Peitschen in Regalen oder an Haken wurden gewienert und mit Lederfett äußerst ausgiebig gepflegt.
Der Geruch von Stahlpolitur und Lederfett erfüllte in seiner Gemengelage inzwischen die ganze Folterkammer.
Die Zahl ihrer Überstunden war ihr jetzt egal, ihr kam es jetzt nur noch darauf an, sich für ihre Panik durch gründliche Arbeit und langes Aushalten im Raum zu rächen, unterbewusst.
Unaufhaltsam näherte sie sich dadurch der Vitrine.
Doch noch rieb sie das Holzpflegemittel in die Sprossenwand, polierte die Stahlhaken und Ketten für die Fessellederriemen, die sich aufatmend dem Lederfett öffneten.
Nach dem Putzen der Fackellampe Nummer 11 war es dann endlich so weit.
Nun begann sie die Vitrine und deren Inhalt zu säubern, von oben nach innen, nach außen, nach unten, so war ihre geplante, einstudierte Vorgehensweise.
Die Stahlhalsbänder in der obersten Lade der Vitrine waren natürlich das Erste, was sie nach dem Putzen und Pflegen der Holzdeckplatte der Vitrine, herausnahm und polierte.
Sie war überrascht, dass diese Halsbänder zum Teil zwar sofort als Sklavenhalsbänder zu erkennen waren, mit Fesselringen außen, wo man Ketten anschließen konnte, aber die meisten eigentlich wie Schmuckstücke aussahen.
Diese sah sie sich beim Polieren genauer an.
Bei einem entdeckte sie im inneren kleine, gegeneinander isolierte Stahlpinne aus dem gummiähnlichen Innenfutter des Halsbandes herausgucken.
Beim Anlegen des Stahlhalsbandes mussten diese Pinne direkt auf der Haut aufliegen und leicht in diese eindrücken.
Das Halsband hatte im Gegensatz zu den Sklavenhalsbändern ein eingebautes, kein Vorhängeschloss.
Sofort nach 2 Minuten des Polierens dieses komischen Halsbandes wurde sie an die Hundehalsbänder für den unsichtbaren Hundeelektrozaun erinnert.
Fast wäre ihr vor Schreck das Stahlhalsband aus der Hand gefallen.
Augenblicklich war die Innenseite des Halsbandes für ihre Finger tabu, was das Fertigstellen des Polierens dieses Stahlbandes erschwerte.
Andere Stahlbänder sahen aus, wie Halskorsetts, die man Halswirbelsäulenverletzten umlegte, damit sie nicht im Rollstuhl landen Würden, während die Halswirbel wieder heilten.
Ein anderes sah aus, wie der Halsschmuck der Frauen dieses einen afrikanischen oder war es eines asiatischen Stammes, jedenfalls die mit den langen Hälsen.
Dann gab es da Stahlreifen, die gar kein Schloss zu haben schienen, aber auch nicht irgendwo eine Öffnung im Ring hatten, Stahlreifen, die mit Diamanten besetzt waren oder mit Runen beschriftet, Goldreifen, Silberreifen, Reifen mit Namen, Reifen mit “Sklavin” drauf oder mit “Eigentum von …” mit dem Namen eines vermutlichen Besitzers und ein Paar Stahlreifen mit Königskartuschen in altägyptischer Zeichenschrift, die sie besonders vorsichtig putzte, um auf keinen Fall die Kartuschenbilder zu beschädigen, denn diese Halsbänder dürften ein unendliches Vermögen Wert sein, wenn sie echt waren.
Hatte Mhaired eine Vitrinenlade leer geräumt und deren Inhalt poliert, wurde natürlich die Lade selbst und die Seitenwände Innen gesäubert und der Inhalt wieder feinsäuberlich in die Lade sortiert.
So kam sie nun zur nächsten Lade.
Dies war die Lade mit dem verzauberten Keuschheitsgürtel und ihrem Namen auf dem Schildchen daneben.
Doch wie man sich anhand der Vielzahl der Stahlhalsbänder auf der obersten Lade denken kann, sind die Laden der Vitrine ganz schön lang, wenn auch nicht tiefer als Armlänge.
So war da auch viel Stahl zu putzen, links begann sie und rechts stand der Keuschheitsgürtel.
Lederbüstenhalter mit nach innen gerichteten Stahlspitzen lechzten nach Lederfett und Stahlpolitur.
Merkwürdige Stahlbögen in U-Form mit großen Stachelkugeln an den Enden waren zu polieren.
“Das Höllen-U” stand auf dem Schild.
“Foltergerät zum Einsatz in Vagina und Anus aus der Zeit der spanischen Inquisition”, sprach das Schild weiter.
Mhaired schüttelte sich gewaltig bei dieser Auskunft, was für Sadisten waren damals für die Kirche tätig.
Oder war es anders, dass sich Sadisten da ein öffentlich hochgestelltes Betätigungsfeld eröffnet hatte?
Wer war zuerst da, der Sadist oder sein Arbeitgeber, kein “Huhn oder Ei” Problem, sondern eher eine Win-Win-Situation für beide, die dem Großinquisitor und seiner Organisation fast mehr Macht als dem damaligen Kirchenvater in Rom oder wo er sich damals versteckte eingebracht hatte?
Soweit ihre Gedanken, ihrem Wissensstand entsprechend, der nicht unbedingt dem der Witwen und Waisen der Forscher oder dem dieser selbst entsprechen muss.
Doch weiter ging’s mit dem Putzen.
Daumenschrauben, Brustwarzenklemmen, Bretter, die mit zwei Stellschrauben, einer an jeder Seite zum gleichzeitigen Einklemmen beider Brüste im ganzen benutzt wurden, waren ihre nächsten Reinigungsobjekte.
Sie musste sich arg zusammen nehmen, denn sie meinte, die Schmerzen der Opfer schon körperlich mitzuleiden.
Dann kam der verzauberte Keuschheitsgürtel und als sie die feuerrote Schrift sah, die ihr ihren Namen entgegen schrie, wurde sie starr vor Überraschung, Unglaube, dem Gedanken, dass sich da einer einen Scherz erlaubt und ihrer Angst vor Gespenstern und Zauberei.
Sie war eine aufgeklärte Frau, doch irgendetwas furchtbar unnatürliches ging hier vor.
Genau in diesem Augenblick umfing sie von hinten ein eiskalter Hauch, fast wie ein Körper, eine eiskalte Hand legte sich auf ihren kittelbedeckten Busen und eine andere eiskalte Hand auf den Kittel über ihren Schritt.
Eine eiskalte Stimme flüsterte ihr ins Ohr: “Der ist zu deinem Schutz! Zieh ihn an! Der Fürst ist ein schlimmer Mann! Der Gürtel wird dich vor ihm schützen!”
Dann brach Mhaired zusammen.


Fortsetzung folgt.



Herzlichst!

Muwatalis


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  RE: Das Schlossgespenst Datum:12.09.21 18:55 IP: gespeichert Moderator melden


Wieder eine Fortsetzung voll nach meinem Geschmack.Gern hätte ich ihr Gesellschaft geleistet in dieser düsteren Folterkammer,damit sie sich nicht zu sehr fürchten muß.Außerdem hätte man einmal verschiedene Dinge ausprobieren können?
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Erin
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  RE: Das Schlossgespenst Datum:12.09.21 21:35 IP: gespeichert Moderator melden


Ja die lieben Geister könnte mal eine/r bei mir vorbeikommen zum Gedankenaustausch. Also mach weiter so.
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