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 Autor Eintrag
onkelb Volljährigkeit geprüft
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Bayern




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  RE: Regina Datum:25.08.18 10:45 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo prallbeutel,

Dich halte ich für einen der besten Autoren hier im Forum, und das ist imho Deine schönste Geschichte.

Vielen Dank dafür!

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von onkelb am 25.08.18 um 10:45 geändert
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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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Licentia poetica

Beiträge: 1533

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  RE: Regina Datum:25.08.18 17:28 IP: gespeichert Moderator melden


@ onkelb:
Vielen Dank! Das freut mich.




~ LXV ~


Auf Beta Patria, dem Regierungsplaneten der Vereinigten Allianz, waren die vielen mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilten Regimeanhängerinnen der Regina in Hochsicherheitsgefängnissen untergebracht. Doch schnell stellte sich heraus, dass sowohl Platzmangel als auch monetäre Gründe dagegen sprachen, die nicht abreißende Flut an Verurteilten unterzubringen. Der Regierungsrat entschied in einer Eilsitzung, dass ein Gros der Kriegsverbrecherinnen in private Verwahrungseinheiten verlegt werden sollten.

Es gab mehrere kommerzielle Gefängnisketten in der VA. Sie benötigten eine Lizenz, die sie nach einem Gutachten erhielten. Die Anstalten mussten bestimmten Normen entsprechen, und die Behandlung der Häftlinge wurde ebenfalls von einer Control-Unit überprüft. Für die Übernahme eines Gefangenen bekam das Unternehmen eine jährliche Prämie, solange das Subjekt inhaftiert war. Grundsätzlich wurden nur Langzeitinhaftierte an private Gefängnisunternehmen transferiert, die keine Bewährungsoption in ihrem Hafturteil eingetragen hatten. Nachkontrollen waren für Inhaftierte nicht vorgesehen. Lediglich aktuelle DNA-Proben wurden in jährlichen Abständen angefordert, um zu überprüfen, ob die Personen noch lebten.

Ein Hochsicherheits-Shuttle der Planetenpolizei brachte 60 Gefangene des Regina-Regimes zu einer der Gefängnisanstalten. Sie lag auf einem öden Mond vor einem Gasriesen. Bis zu 800 Insassen konnte diese Maximalsicherheitseinheit verwahren. Unter den Neuankömmlingen befand sich auch die ehemalige Praefecta Misera, die in der Diktatur eine Strafgaleere befehligt hatte, die zum Umerziehungslager Disciplina auf der abgelegenen Insel Antipodes gehörte. Von Miseras Stolz und Arroganz war ihr wenig geblieben. Sie saß festgegurtet in weißer Gefangenenkleidung und in Zwangsjacke gesichert auf einer Metallbank in einer Käfigeinzelkabine des Transporters. Ihr Kopf war kahl rasiert.

Jede der 60 Frauen trug - dem Protokoll nach aus hygienischen Gründen - einen blanken Schädel. Separat wurden die Insassen der Reihe ihrer Registrierungsnummer nach zunächst in eine Sammelzelle im Gefängniskomplex gebracht. Als ergänzende Sicherheitsmaßnahme waren ihnen kurz nach der Landung an Bord des Shuttles von Angestellten der Firma drei Zentimeter breite Halsreifen aus Titan umgelegt worden. Vor der Kehle blinkte eine grüne LED im Sekundentakt auf. Misera ahnte, dass das Band auch auf rot schalten konnte. Was dann geschah, darüber wollte sie lieber nicht spekulieren.

Der Sammelraum bestand aus Gitterwänden und war gerade groß genug, um die Anzahl der Frauen aufzunehmen. Eng gedrängt standen sie in dem überdimensionalen Käfig und konnten sich kaum rühren. Mit ihren blanken Köpfen und identischer Anstaltskleidung ähnelten sie sich alle. Ein synthetisches und kaltes Blaulicht erhellte auf diffuse Weise den Raum, in dem sie standen. Trotz der eher beruhigenden Farbgebung sorgten die unfreiwillige Enge und der Stress bei den eingepferchten Personen für aggressive Verhaltensmuster. Einige Frauen drückten, schoben, teilten mit den Ellenbogen aus (soweit das mit der Zwangsjacke möglich war), beschimpften sich oder rüttelten an den Gitterstäben beinahe so wild wie Versuchsaffen in einem Labor, indem sie sich dagegen warfen.

Misera identifizierte keine einzige der Mithäftlinge. Es war ihr auch egal. Sie wollte nur schnellstmöglich raus aus dieser Enge. Zu ihrem Verdruss dauerte es noch eine volle Stunde, bis endlich Wärter in Uniformen des Unternehmens kamen: schwarze Hose, schwarze Militärstiefel, weißes Hemd, schwarze Uniformjacke mit einem gelben Emblem der Firma IPPC (Interplanetary Private Prison Corporation). Um die serifenlosen Buchstaben war ein gleichschenkeliges Dreieck gezogen. Die Wärter trugen in einem schwarzen Ledergürtel mehrere kleine Holster mit diversem Inhalt. Misera vermutete einen Impulsstab, Fesseln und andere Disziplnarhilfen sowie einen mobilen Kommunikator mit verschlüsseltem Funk.

Die ersten drei Frauen wurden aus dem Käfig entnommen und abgeführt. In Sekunden war der neu gewonnene Platz wieder gefüllt. Misera stand ungünstig links zwei Meter von der Tür entfernt. Es würde noch ein Dutzend Weiber vor ihr dran sein. Ein Vordrängen war unmöglich. - Als die Ex-Praefecta endlich an der Reihe war, atmete sie tief aus. Erleichtert verließ sie ihr vorläufiges Verlies und folgte einer weißen Linie auf dem Boden in der Mitte des Ganges. Zwei weitere Frauen liefen vor ihr; hinter ihr spürte sie die Blicke enes Wärters, der seinen Impulsstab gezückt vor sich hielt.

Misera merkte, wie der Schrittgurt der Zwangsjacke beim Marschieren unangenehm in ihre Weiblichkeit schnitt. - Der Weg endete vor einer massiven Hydrauliktür. Sie öffnete sich, die vier Personen schritten einige Meter vorwärts in die Sicherheitsschleuse, die Tür schloss sich, danach zogen sich die Hälften des nächsten Durchgangs mit pneumatischem Zischen auseinander. Nur die erste Frau durfte eintreten. Hinter ihr schloss sich das Schott wieder. - Nach einigen Minuten wiederholte sich der Vorgang mit der anderen Person. Und dann kam Misera dran. Sie schritt in den nächsten Raum.

Zwei Männer in weißen engen Anzügen packten sie und schoben sie zu einer bizarren Fixiervorrichtung. Miseras Kopf wurde von sechs Saugnäpfen festgehalten. Vornübergebeugt zog die Maschine sie Richtung Boden. Im nächsten Augenblick packten zwei Greifarme ihre Fußgelenke, spreizten die Beine und hoben sie hoch. Misera kreischte erschrocken auf, obwohl sie hatte cool bleiben wollen. Einer der Männer machte sich an ihrer Hose zu schaffen. Mit einem Skalpell schnitt er den Stoff von ihr herunter. Mit unbedeckter Scham hing die Gefangene in der Fesselung, den Hintern weit in die Höhe gereckt. Plötzlich kam aus einem Lautsprecher an einer Com-Anlage ein modulierender Warnton. Eine Stimme war zu vernehmen: „Achtung! Unautorisierte Annäherung eines unbekannten Schiffs in die Sperrzone. Alarmstufe 1 ist ausgerufen. Ich wiederhole: Alarmstufe 1.‟

Der Mann drückte einen Knopf und ließ die Stimme verstummen. Dann widmete er sich in aller Ruhe wieder seiner „Patientin‟. - Nicht ganz so ruhig blieben die Verantwortlichen in der Verwaltung der IPPC. Ein Mann an einem riesigen Monitor befahl: „Raptor 1 und 2. Aufsteigen und unbekanntes Flugobjekt nach Protokoll Delta abdrängen.‟ In kurzen Abständen starteten zwei kleine Jäger vom Start- und Landeplatz des Komplexes. In einem bestimmten Radius um den Mond war jegliches Eindringen in den Raum strengstens verboten. Automatisierte Warnhinweise von Satellitenrelais funkten permanent die entsprechenden Daten in den Raum, um etwaige Annäherungen zu verhindern.

Doch dieses Schiff schien das Verbot zu ignorieren. Protokoll Delta sah vor, dass die Flieger unverzüglich versuchten, Kontakt aufzunehmen. Sollte der Eindringling nicht kooperieren, so würden die Jäger versuchen, das Schiff mit Warnschüssen abzudrängen. Im finalen Worst-Case wurde das fremde Schiff neutralisiert. Die IPPC beherbergte immerhin keine Touristen, sondern Schwerkriminelle. Befreiungsversuche hatte in der Vergangenheit vereinzelt gegeben, aber niemand war bisher - und darauf war das Unternehmen sehr stolz - entkommen.

Nach 9:38 Minuten hatten die Raptoren Kontakt und warnten den Eindringling vor Konsequenzen. Das Schiff wurde als der Frachter Tempest aus einem benachbarten System identifiziert, das nukleare Raketenantriebe transportierte. Angeblich war das Navigationssystem ausgefallen, und daher eine exakte Kursbestimmung vorrübergehend nicht möglich gewesen. Raptpor 1 sendete ihnen die korrekten Koordinaten für ihre Weiterreise nach Pax Novo, wo die Antriebe in einer großen Orbit-Phalanx einer Werft in Schiffe eingebaut werden sollten. Die Raptoren begleiteten die Tempest noch eine Weile und drehten dann beruhigt ab zurück zur Basis, indem sie ihr futuristisches Fluggefährt in einer Steilkurve hochzogen, seitlich abdrifteten und in einer Rollbewegung der Längsachse in entgegengesetzer Richtung in den Orbit des Mondes eintauchten.

Inzwischen war der Gefangenen Misera mit einem Teleporter ein ID-Chip in den Körper implantiert worden. Nur in der weißen Zwangsjacke brachte sie ein Wärter in ihre Einzelzelle. Der Raum war zwei Quadratmeter breit und drei Quadratmeter lang. In den Ecken hingen winzige Deckenkameras. Die Einrichtung bestand aus einer hochklappbaren Pritsche und einer Toilette. Alles - einschließlich Boden, Wänden und Decke - bestand aus blankem Stahl. Misera setzte sich vorsichtig auf die Pritsche. Eine dünne farblose Gelschicht war die große Ausnahme vom dominierenden Stahl und diente als Matratze. Das Licht in der Zelle war kalt und grell. Die Quelle hing über der Tür.

Die Frau zappelte mit den Armen in der Fixierungsjacke, aber es gab kein Entkommen. Sie fühlte sich so hilflos. Langsam kam eine Art Platzangst auf. Ihre Atmung beschleunigte sich. Würde das ihr neues Zuhause sein? Für den Rest ihres Lebens? Wann kam endlich jemand, ihr die Zwangsjacke auszuziehen? Und ihre Hose hätte sie auch gerne zurück. Misera rief. Sie wusste, dass irgendwo Mikrofone versteckt waren. Man hörte und man sah sie ganz genau. Aber niemand reagierte auf ihre Rufe. Sie musste dringend Kontakt zu einem Advokaten bekommen, um eine Haftbeschwerde einzulegen. Im Moment blieb ihr jedoch nur, zu warten.

Exobioniker auf Beta Patria waren nach umfangreichen Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass eine Umwandlung von Munuswesen und Rusticussen zurück in normale Menschen nicht möglich war. Viele der Betroffenen hatten ein großes Interesses daran, doch die Regierung musste eine schlechte Nachricht verkünden: Munuskreaturen waren nur anfangs durch Silikonbehandlungen modifiziert worden; doch die Wissenschaftlerinnen der Regina hatten zusätzlich ein Supra-Gen mit einem Vapro-Shot verabreicht, das die epigenetischen Mutationen irreversibel machten. Einfach ausgedrückt: Einmal Munus, immer Munus. Verstümmelnde Operatioen waren aus Ethikgründen strengstens verboten, und so mussten die Humanoiden ihr Leben nun mit den gewaltigen Brüsten, den riesigen Hoden und den zwei Phallusvarianten leben. Wichtig war, dass wenigstens ihr Security-Chip zur Keuschhaltung deaktiviert werden konnte, so dass sie ein selbstbestimmtes Sexualleben haben konnten.

Bei Custoswesen war die Modifizierung leichter zu bewerkstelligen. Bei ihnen konnten einige Anpassungen durchgeführt werden: Die Haifischzähne wurden überkront, die hypertrophierte Muskelmasse durch Hormone auf ein fast normgerechtes Maß zurückentwickelt. Die Carbonarmschienen und der Halsreif waren längst problemlos entfernt worden. Niemand wollte an seine frühere Sklaverei erinnert werden. Einige Exemplare entschieden sich gegen eine Therapie, andere konnten ihre Retransformation kaum erwarten. Die Freiheit als Bürger der Vereinigten Allianz war schließlich nur die Hälfte wert, wenn man als ehemaliges Sklavenwesen der Regina stigmatisiert war.

Erste Berichte in den Mediienkanälen schienen zwar von gelungenen Retransformationen bei einigen Munuswesen zu zeugen, aber es handelte sich um seltene Ausnahmen. Die erfolgreich Modifizierten fühlten sich wie neugeboren. Allerdings verlor die Mehrheit einen großen Teil ihrer Libido. - Seit ihrer Musterung vor dem Tribuna-Ausschuss, also ihrem 18. Lebensjahr, hatten sie mit den Genänderungen leben müssen. Einige der Betroffenen konnten sich kaum noch an ein Leben als terrestrischer Humanoid erinnern. Die Realität zeigte jedoch, dass die meisten Munusbürger weiter in ihren Körpern würden leben müssen.

Nicht alle waren damit unzufrieden, denn ein gewisser Prozentsatz an Personen wollte gar keine modifizierende Umwandlung. Ihre Gestalt war ein Teil ihrer Persönlichkeit geworden, den sie nicht mehr hergeben wollten. Bei vielen der Munusgeschöpfe spielte eine geänderte Sexualität eine Rolle. Sie fühlten sich als eine Art Zwitterwesen und waren damit zufrieden. Bei einigen Custos herrschte die Angst vor, mit deutlich weniger Muskulatur unglücklich zu sein. Daher entschieden sich nur etwa 50 Prozent zu einer veränderten Körperzusammensetzung. Bei den kosmetischen Zahnkronen waren jedoch 95 Prozent dafür. Aber egal, wie die Veränderten aussahen, waren die gesellschaftlichen Ressentiments gegenüber Minderheiten - zumindest auf Beta Patria - kaum so stark ausgebildet wie auf Regina, da auf dem Regierungsplaneten der Vereinigten Allianz so viele humanoide Lebensformen zum alltäglichen Bild gehörten, dass eine ungewöhnliche Optik einer Minorität niemanden beeindrucken würde.

Es wurden Werbekampagnen gestartet, die den auf Regina verbliebenen Custoswesen eine Retransformation nahelegten, die jedoch nur auf Beta Patria durchgeführt werden konnte. Viel Erfolg hatte die Aktion nicht. Offenbar waren die Betroffenen auf Regina mehrheitlich mit ihrer Physis zufrieden, obwohl sie in abgeschotteten Vierteln lebten. Munuswesen blieb nur weiterhin ein Leben als Bedienstete bei Rusticussen. Und einige Tausend waren bei untergetauchten Regina-Anhängerinnen loyal an der Seite ihrer Herrinnen geblieben - immerhin circa ein Drittel aller auf Regina lebenden dieser Kreaturen.

Das Gros der 20 Millionen Munussubjekte und 20 Millionen Rusticusse - einschließlich der gut 150 kg schweren Muskelkolosse der Custosse - war auf Beta Patria, um ein freies, neues Leben zu beginnen. Um einer qualifizierten Betätigung nachgehen zu können, wurden hohe Beträge an Dilithium-Einheiten von der Regierung bereitgestellt, um Ausbildungsprogramme zu fördern, denn die männlichen Mutanten aus Regina besaßen keinerlei intellektuellen Erfahrungen oder Kompetenzen, die über körperliche einfache Arbeiten oder Liebesdienste hinausgingen. Auf Regina hatten nur Frauen sachkundige Tätigkeiten ausgeübt.

Lediglich Pugnatoren besaßen eine Praxis in technischen Bereichen. Dies konnten sie in militärischen Diensten der VA unter Beweis stellen. Manche ehemaligen Pugnatoren waren bei zivilen Unternehmen beschäftigt, zum Beispiel im Schiffsbau, Terraforming oder Antriebsentwicklung. Auch als Navigator auf Frachtern waren die früheren Regina-Soldaten beliebt. Und so integrierten sich die ehemaligen Reginabewohner in die Gesellschaft der VA und glaubten, das Regime hinter sich gelassen zu haben.

Auf Beta Patria konnte zu diesem Zeitpunkt niemand wissen, dass Augusta Regina längst an ihrer Rückkehr arbeitete. Sobald im Alpha Dominion der Generalgouverneur im Rat des Sol-Systems für die Offensiv-Kampagne gegen die VA auf offene Ohren stieß, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch andere Systeme zustimmten und schließlich die Obersten Führer des AD der VA den Krieg erklärten. Dank Reginas Technik verfügte man über etliche androidische Soldaten. Nachschub war somit praktisch unbegrenzt möglich. Die Technologien der VA waren zwar denen der AD überlegen, aber fehlende Qualität würde dann eben mit Quantität kompensiert.

Die Ex-Regentin musste auf eine definitive Entscheidung warten. Politische Mühlen mahlten enervierend langsam, stellte sie fest. Viel langsamer als ihre Rusticustretmühlen, dachte sie lächelnd. Da hätten ihre Audiutrixfrauen den Sklaven mit der Peitsche eingeheizt. - Stolz schlenderte sie durch ihre luxuriösen Räumlichkeiten. Bald würde sie wieder einen gigantischen Palast besitzen. Die Bauarbeiten machten gute Fortschritte auf Naturalis Sidus. Vielleicht würde sie den Planeten als Dependance behalten, wenn sie wieder die Macht auf Regina übernommen hatte. Nur die lebensfeindliche Hitze müsste terrageformt werden, um ein Leben hier angenehmer zu gestalten. - Aber eines nach dem anderen, sagte sich die Exil-Majestät mit verbissener Miene. Zunächst wollte sie Rache nehmen für die Schmach, die die VA ihr angetan hatte. Nur der Gedanke daran, ließ ihren Zorn innerlich toben.

Sie wischte eine Geste über einem Scanner, auf dessen Monitor eine Praetoria erschien. Regina befahl forsch: „Bring mir einen Androiden.‟ Die Praetoria fragte, ob die Hoheit einen komplett künstlichen Androiden ohne Bewusstsein meinte, oder ein Exemplar, in dem das Gehirn eines Adeligen steckte. Regina verzog ihr Gesicht zu einem grausamen Grinsen. Es geriet eher zu einer Fratze. „Selbstverständlich einen Andro blauen Blutes. Wo bleibt sonst der Spaß?‟ Die Palastwächterin nickte zackig. „Sofort, meine Königin.‟ Die Videoübertragung endete. Keine fünf Minuten später öffnete sich die Tür zum Gemach der Herrin, und ein junger Mann in einer weißen, engen Hose und weißem Langarmshirt erschien.

Demütig sah er vor der Tyrannin zu Boden. Regina war amüsiert. Sie konnte sich immer noch nicht so recht vorstellen, dass in den hörigen Androiden die Bewusstseine des männlichen Adelsgeschlechts vernetzt waren. Ein Masterprogramm sorgte dafür, dass der künstliche Körper ihnen nicht gehorchte, sondern das programmierte Verhalten zeigte, das einen Sklaven ausmachte. Eine Seriennummer im Nacken der bionischen Androiden identifizierte das implantierte Individuum, aber Regina war egal, wer da vor ihr stand. Sie wollte dominieren und demütigen. Einen Roboter, der nur ein tumber mehrachsiger Bewegungsautomat war, konnte sie daher nicht gebrauchen. Sie wollte ein Wesen vor sich, das sie beherrschen konnte, dass Qualen spürte, Erniedrigung, Hilflosigkeit.

Wenn sie nicht den radikalen Feminismus eingeführt hätte, dann wäre sie in einem Patriarchismus womöglich eine Sklavin geworden, spekulierte sie und beruhigte so ihr Gewissen. Die nächsten Stunden würde sie den Androiden als Sexspielzeug verwenden. Zu ihrem Vorspiel, damit sie richtig in Fahrt geriet, würde sie ihn mit einer elektrischen Peitsche geißeln. Dabei genoss sie das Wissen darum, dass das Bewusstsein vollständig mit dem Nervensystem des Androiden vernetzt war. Sie machte eine herrische Geste. „Dreh dich um! Und dann raus aus deinen Klamotten!‟ Wenige Sekunden später stand der Jüngling nackt vor ihr. Regina nickte anerkennend. Ihre Wissenschaftlerinnen hatten wirklich sehr gute Arbeit geleistet und einige der künstlichen Körper exakt nach Augusta Reginas Schönheitsideal geformt.

Sie befahl dem Mann, die Beine zu spreizen. dann musste er sich 45 Grad vorbeugen und die Hände im Nacken verschränken. Bald schon würde der Raum von seinen Schmerzensschreien widerhallen, wenn sie sich zunächst seinen Arschbacken und anschließend den Hoden widmete. Mit nasser Furche war sie danach bereit, den Lustboy zu reiten und zu einem fulminanten Orgasmus zu gelangen, bevor sich der scheinbar Willenlose wieder anziehen durfte.

Natürlich hätten sich die knapp 15.000 Edelfräuleins auch gerne so vergnügt, aber es gab nicht für jede einzelnde Dame einen eigenen Androiden, daher stritten die jungen Ladys eifersüchtig um die Modelle, die ihnen zur Unterhaltung und Kurzweil zur Verfügung standen. Das ging so weit, dass einige Fräuleins technische Indagatrixfrauen bestachen, damit diese „ihrem‟ Modell jegliche sexuellen Programme deaktivierte, bevor sie es an eine Konkurrentin abgeben mussten. Aufgrund der großen Nachfrage nach Sexandroiden entwickelten sich viele lesbische Liebschaften unter den Edeldamen, doch die Mehrheit bestand auf männliche Attributen.

Da ging es den untergetauchten Rebellinnen auf Regina in dieser Hinsicht zumindest besser. Sie hatten Rusticusse und Munuswesen als loyale Sklaven zur Verfügung. Die Durchhalteparolen der gestürzten Majestät motivierten sie, weiter gegen die Okkupation durch die Vereinigte Allianz zu kämpfen. Das relevante Problem war, dass die versprengten Gruppen auf dem Planeten verteilt und nicht gut vernetzt waren. Eine koordinierte Aktion war somit beinahe illusorisch. Wer über die entsprechende Hardware verfügte, arbeitete an einem codierten Funksystem, aber zu wenige Gruppierungen verfügten über die notwendigen Gerätschaften.

Eine Edeldame, die mittlerweile eher ein militärisches Outfit in Olivfarben und Schwarz trug und eine 34-köpfige Frauengruppe mit 22 Rusticussen und sechs Munuswesen anführte, grübelte über die politische Lage nach. War sie aussichtslos? Oder würde Augusta Regina mit Schiffen des Alpha Dominion landen und den Planeten befrieden? Wann würde der große Tag der Befreiung sein?

86 km entfernt von ihrem Versteck in den Bergen befand sich eine zurzeit stillgelegte Tagebaumine für Seltene Erden. Im Kellergeschoss des Gebäudekomplexes ging es drunter und drüber: Der Gefangene Animus, der als Arbeitssklave in der Mine leben sollte, hatte Besuch von einer fremden Person in seinem Verlies erhalten. Doch statt ihn zu retten, zielte der Eindringling mit einer Waffe auf ihn und wollte gerade abdrücken, als zwei weitere Humanoide erschien. Es waren eine Frau, die eine Art Pilotenuniform trug, und ein Mann. Nur wenige Sekunden später folgte ein Custos, der sich auf den Angreifer stürzen wollte, doch der Unbekannte wich dem Koloss aus und eilte hinaus. Animus sah ihm staunend hinterher, denn er schien über eine Art Tarntechnologie zu verfügen. Nur seine Umrisse waren noch unscharf zu erkennen.

Es verlief alles blitzschnell. Bevor Animus überhaupt begriff, was vor sich ging, rannte der Muskelmutant dem Flüchtenden hinterher. Irgendwie kam ihm der Custos bekannt vor. Im Sprint drehte sich der Angreifer um, schoss eine Energiewelle in die Zelle und hastete weiter. Animus spürte nur, wie ihm die Sinne schwanden. Das Letzte, was er sah, war, dass auch die Frau und der Mann zusammensackten.

Wenige Minuten kam ein Team der Control Unit vor der Zelle an. Ihr Bio-Scanner identifizierte drei Insassen, die offensichtlich sediert waren. Die Uniformierten betraten den Raum. Eine Frau und zwei Männer lagen auf dem Boden. Einer der Männer war nackt und trug eine Castitasschelle. Der Anführer des Teams wies seine Leute an, die drei Personen zu bergen. - Im Erdgeschoss des Gebäudes trafen sich alle CU-Mitglieder wieder. Die Verfolgung des unbekannten Objektes war negativ verlaufen. Den Muskelmutanten, der ihnen in die Arme gelaufen war, hatten sie sicherheitshalber mit einer Handfessel am Rücken fixiert. Die bewusstlosen Individuen lagen in einer Reihe auf dem Boden.

Gravis erklärte, dass es sich um den verschollenen STC-Mitarbeiter Animus, die Pilotin Flosa und einen Rusticus handelte, den er nicht identifizieren konnte. Er erzählte den Uniformierten auch, dass er mit einem Frachter von Prospect Enterprises gemeinsam mit Flosa und Co-Pilot McCoy hier gelandet war. Ein CU-Mann bestätigte schnell, dass sich ein solches Schiff in der Nähe befand. Der medizinische CU-Angehörige verabreichte den drei Liegenden ein Stimulans, das die Blockade durch die Energiestrahlen des Unbekannten aufhob. Langsam erwachten Flosa, Animus und Probus aus ihrem schlafähnlichen Zustand.

Sie bestätigten die Aussage von Gravis. Flosa fiel dem Custos in die Arme. Dann folgte eine herzliche Begrüßung von Animus, der ihn endlich als seinen alten Freund erkannte. Die Freunde hatten sich so lange nicht gesehen und nicht mehr daran geglaubt, sich jemals wieder zu treffen. Ominös blieb der entkommene Angreifer. Wer war das gewesen? Was hatte er vorgehabt? Und warum? Der Anführer der CU räusperte sich. „Unter den gegebenen Umständen werden wir auf eine Strafverfolgung wegen Hausfriedensbruch verzichten. Verlassen Sie umgehend den gesperrten Bereich der Siegelblase.‟

Flosa bedankte sich bei dem Team und marschierte mit Animus, Gravis und Probus zur Magna Nuntia, wo McCoy sie schon ungeduldig erwartete. Überrascht von den zusätzlichen Personen schaute er die Pilotin ungläubig an und schüttelte fatalistisch den Kopf. Diese Frau machte ihn noch wahnsinnig! So schnell wie möglich startete der Co-Pilot den Frachter. Er betrachtete die Anzeige an seinem Monitor. „Antrieb stabil. Höhe: 50 m. 100 - 150 - 250 - 400 - 800 - 2.000. Gehe in horizontalen Atmosphärenflug über.‟ Flosa tippte etwas auf ihrer Konsole. „Gut. Ich habe einen Steigflug von zwölf Grad auf 10.000 m Höhe programmiert. Bring den Vogel nach Hause.‟ Animus tippte ihr auf die Schulter. „Ich will ja nicht stören. Aber gibt es an Bord vielleicht irgendwas für mich zum Anziehen?‟ Er sah verstohlen auf seine Castitasschelle und den Elektrohodenring. Flosa schmunzelte.

Gleichzeitig verließen auch die Männer der Control Unit das Gelände der Mine und flogen zu ihrer Basis zurück. - Ein getarntes kleines Shuttle dagegen hatte in aller Stille gewartet und aktivierte nun den Flugmodus. Ein Mann in einem silberfarbenen Bodysuit an Bord hatte verschlüsselten Funkkontakt zu Benjamin Black aufgenommen, dem Tagebaubaron. „Code 78-X-1003. Zielperson konnte nicht neutralisiert werden. Ich wiederhole: Zielperson konnte nicht neutralisiert werden.‟ Black blieb keine Zeit für eine Antwort. Der Kontakt war bereits unterbrochen. Alle Metadaten waren gelöscht, als habe der Kontakt nie stattgefunden.

Der Minenbesitzer atmete schwer und fasste sich ans Herz. Wenn dieser Animus auspackte über die Sklavenarbeit, dann war es aus. Er musste ihn zum Schweigen bringen. Fragte sich nur: Wie? Und wo war der Kerl jetzt? Bei der Control Unit? Hatte er schon ausgesagt? Würden jeden Moment Polizisten vor der Tür stehen und ihn hinter Gitter sperren? Sollte er flüchten? Aber wohin? Und war es ihm möglich? Er müsste den Großteil seines Vermögens zurücklassen. Benjamin Black hyperventilierte. Eine Panikattacke ereilte ihn. Dann spürte er stechende Schmerzen in der Brust. Er versuchte aus seinem wuchtigen Gelsessel aufzustehen, aber es gelang ihm nicht, seinen stattlichen Körper hochzuhieven. Er tastete nach dem Kommunikator, aber seine Hände gehorchten ihm nicht. Sie zuckten stattdessen spasmisch. Er bekam keine Luft mehr und schnappte nach Sauerstoff. Seine Extremitäten wurden taub. Der Mann röchelte. Nur 3:21 Minuten später ereilte ihn der Exitus. Die Aufregung und Angst waren einfach zu groß gewesen.

Wenige Stunden später war unter den Aktionären der Mine bereits die Hölle los. Wer würde Nachfolger werden? Was bedeutete der Skandal für die Aktie? Gab es enen Imageschaden? Würde die Regierung noch Geschäfte mit ihnen machen? Verloren sie gar ihre Schürf-Lizenz? Oder wann würde die Stilllegung aufgehoben? Man sorgte sich um den Profit. Die missbrauchten Rusticusse spielten nur eine Nebenrolle. Offiziell wurde bestritten, dass die Arbeiter unfreiwillig festgehalten worden waren. Noch ahnten die meisten Anleger nicht, dass ein Zeuge namens Animus mit seiner Aussage bei der CU der Firma vermutlich den Todesstoß versetzen würde.
Viele Grüße von prallbeutel
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Meine kostenlosen Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++
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+++ Ralfs neues Leben +++ Das Gespräch im Regen +++ Der auferstandene Engel +++ Seine Nummer Eins +++ Amour Libre +++ Die Erben +++ Aller guten Dinge sind drei +++ Das Abschiedspräsent +++ Natascha +++ Friday Talk +++

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  RE: Regina Datum:25.09.18 19:48 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXVI ~


Flosa gab eine Befehlskette auf der Steuerkonsole ein, die sofortige Schubumkehr des Antriebs verursachte, so dass der Atmosphärentransporter sich trotz der enormen Massenträgheit der gefüllten Container nur langsam der Landezone näherte. Die Antriebseinheit musste volle Kraft aufbringen, um den Frachter nicht abstürzen zu lassen. Die Bremsdüsen reagierten mit fauchenden und metallenen Geräuschen. Sogar das Karbonglas der Pilotenkanzel knirschte unter der Belastung.

Die Magna Nuntia war so langsam aber sicher reif für den Weltraumfriedhof. Co-Pilot McCoy schaute fokussiert auf die Anzeige des Kühlaggregats. Eine Warnleuchte signalisierte die Überschreitung eines Grenzwertes. „Lass uns als erstes die Containermodule abkoppeln, bevor uns die Gravitation noch den Hals bricht. Ich habe hier kritische Werte.‟ Flosa ignorierte den Einwand, aktivierte einen kompensierenden Korrekturschub und leitete die normale Landeprozedur ein.

Animus, Gravis und der Rusticus Probus saßen angeschnallt in Fünf-Punkt-Gurten auf Sitzen und warteten auf das Aufsetzen des Kahns auf dem sicheren Grund und Boden. Animus war als ausgebildeter Pugnator relativ ruhig, doch seine Nacktheit machte ihn nervös. Seine Hände hielt er verschränkt über seiner Castitasschelle. - Als die Magna Nuntia endlich aufsetzte, wummerte und vibrierte alles. Über moderne Trägheitsdämpfer verfügte das alte Schiff nicht. Nach und nach schalteten sich die Warnblinklichter aus. Der Hauptantrieb war deaktiviert. McCoy brummte. „Irgendwas stimmt mit der Energiezufuhr nicht. Ich werde mal das Diagnoseprogramm laufen lassen.‟ Er tippte auf der Kom-Einheit Befehle ein. Flosa schnallte sich ab. „Mach das. Ich regle inzwischen das mit den Frachtpapieren und kümmere mich um meine Gäste.‟

Gravis und Animus umarmten sich erneut. Die Freunde hatten sich so lange nicht gesehen. Dann drückte Animus seinen Kameraden ein Stück von sich weg und sah in dessen Schritt. Die enge weiße Leggins verbarg nicht viel. Da hatte er wohl richtig gefühlt... Aber Gravis lächelte beschwichtigend. „Keine Sorge, alter Freund. Das ist eine Penisprothese, um ihn größer zu machen. Ich habe keine Latte, wenn ich dich umarme.‟ Animus lachte ein wenig beklommen. Der Ex-Custos beugte sich zu ihm, um ihm etwas zuzuflüstern. „Das ist leider gleichzeitig eine Keuschheitsvorrichtung. Flosa ist meine...‟ Er suchte nach einer passenden Bezeichnung, fand aber keine. Doch auch so nickte Animus verstehend. „Könntest du mir für einen Moment deine Jacke leihen?‟ Gravis zog den weißen Stretchblouson aus. Animus wickelte ihn sich um die Hüften und atmete erleichtert aus.

Erst jetzt sah er die Ringe in der muskulösen Brust und die Kette dazwischen, die bis zum Bauchnabel hing. Ob Gravis wirklich freiwillig bei dieser Flosa lebte? Der Co-Pilot stand nun ebenfalls auf. „Wusste ich es doch! Die Analyse zeigt übertaktete Bereiche und fehlerhafte Algorithmen im System. Dieser Schrotthaufen bringt uns noch um! Dieser Scheißkahn!‟ Gravis brüllte kurz auf und presste dann seine Lippen zusammen. Alle schauten ihn fragend an. Nur Flosa, die bereits von Bord gegangen war, wusste von dem programmierten Munus Universe 100, der direkten Kontakt mit den Hoden des Muskelmutanten hatte. McCoy versuchte ein Grinsen zu unterdrücken. Er ahnte, was geschehen war. Um sicher zu gehen, rief er: „Ich bin so froh, endlich von diesem beschissenen Kübel runterzukommen.‟ Wieder krümmte sich der Kraftkoloss zusammen.

Gravis beeilte sich, von der Kanzel zur Außenluke zu gelangen, um nicht mehr in Hörweite des fluchenden Typen zu sein. Animus lief ihm hinterher. „Geht es dir nicht gut?‟ Vielleicht schmerzten ihm diese Ringe an seinen Nippeln? Die Kette schien massiv und schwer zu sein. Mit der weißen Jacke um seine Hüften folgte er seinem Kameraden. - Auf dem Flugfeld sprach Flosa mit zwei Angestellten von Prospect Enterprises. Gewaltige Industrieroboter waren bereits dabei, die Containermodule von der Magna Nuntia zu trennen und in große Hangars zu verladen. Probus verabschiedete sich herzlich und dankte Flosa für seine Rettung.

Mit Gravis und Animus flog Flosa mit einem kleinen Lander um das Hauptgebäude herum und erreichte ein Schott im siebten Stockwerk, wo sie den Wohnsektor betraten, um zu ihren Privaträumen zu gelangen. Gravis erzählte Flosa lebhaft von Animus, der selbst von seinen Erlebnissen der letzten Zeit berichtete. Flosa staunte. „Da hast du wirklich Glück gehabt, diesen Furien entkommen zu sein.‟ In der Suite erhielt Gravis seine Jacke zurück, während die Pilotin Kleidung für den Besucher anforderte. Der Nylonstoff passte sich den Körperformen perfekt an. Ein Langarmshirt und eine Hose, jeweils in schwarzer Farbe, gehörten vorläufig zu seinem neuen Outfit, dazu Stiefel. Glücklicherweise war die Hose im Hüftbereich deutlich verstärkt, so dass seine Castitasschelle samt Hodenring nicht sichtbar waren. Trotzdem wollte er möglichst bald die Kleidung wieder eintauschen, denn sie erinnerte ihn in ihrer Enge doch zu sehr an die Pugnatoruniform.

Im Vergleich zu der weißen Leggins von Gravis allerdings, hatte es ihn noch gut erwischt. Bei seinem Freund war jedes Detail des Genitals zu erkennen. Er fragte sich, wie Flosa ihren Partner so herumlaufen lassen konnte. War er ihr Partner? So genau hatte er das noch nicht eruiert, und Gravis ließ sich auch nichts Konkretes entlocken. - Bei einem gemeinsamen Essen in der Kantine der Firma sprach das Trio über Erlebnisse und Zukunftspläne. Dabei stellte sich heraus, dass sich Flosa und Animus hervorragend verstanden. Der Ex-Pugnator konnte mit Flosa über Schiffe und Navigationssysteme fachsimpeln. „Ich könnte mir sogar vorstellen, bei PE als Pilot zu arbeiten.‟ Flosa lächelte ihn an. „Ja, warum nicht? Die suchen immer gute Leute.‟ Gravis schaufelte gerade einen Berg Nahrung in sich hinein und beäugte die beiden. Flirteten die etwa? Eifersucht brandete in ihm auf. Freund hin oder her, aber wenn Animus glaubte, bei Flosa landen zu können, dann würde er Ärger bekommen.

Der Muskelmann merkte anfangs gar nicht, wie sein Daumen den Stahl-Löffel in seiner Faust verbog. Er hörte Flosa säuseln: „Du kannst so lange hier bleiben, bis du etwas anderes gefunden hast. Du bist uns herzlich willkommen.‟ Sie schaute auffordernd zu Gravis. „Hol unserem Besuch noch eine Tasse von dem Tee.‟ 175 kg Muskelmasse standen auf und stapften zu einem Sideboard, um das Heißgetränk zu bringen. - Animus fragte nach der Flotte der Firma. Flosa informierte über die diversen Schiffe. „PE verfügt nicht nur über Orbiter wie die Magna Nuntia. Das ist ihr ältester Transporter. Er ist für den Parabelflug ausgelegt. Aber Prospect liefert auch Erze und Erzeugnisse ihrer Produktion in andere Systeme. Dazu haben sie einige sehr moderne transstellare Schiffe.‟ Die Pilotin tippte auf ein Display auf der Tischplatte. Mehrere 3-D-Hologramme bauten sich semitransparent zwischen ihr und Animus auf, die unterschiedliche Schiffstypen darstellten. Mit kleinen Gesten drehte und vergrößerte sie die Darstellungen, erläuterte die einzelnen Klassen und deren Antriebe.

Der Ex-Custos saß dabei und fühlte sich irgendwie fehl am Platze. Er verstand keine zehn Prozent von dem, was die beiden da miteinander besprachen. So sehr er sich über das Wiedersehen mit seinem Kameraden gefreut hatte, so sehr war er auch froh, wenn der Besuch beendet würde. Gravis fragte, ob er sich schon mal um ein Zimmer für Animus kümmern sollte. Aber Flosa sah ihn nur erstaunt an. „Unsinn! Dein Freund bleibt heute Nacht hier. Ist doch klar. Hier ist genug Platz für drei Personen.‟ Animus lächelte, Flosa lächelte, Gravis sah verbissen drein. Sein Freund nickte nachdenklich. „Ich werde bei der STC kündigen und vielleicht bei PE als Pilot anheuern.‟

In einem benachbarten Sol-System kreiste ein Mond voller bizarrer Krater um einen einsamen Gasriesen. Hier hatte ein Sicherheitsunternehmen eine ihrer vielen Gefängnisanlagen. Prominenteste Insassin war wohl Misera, die einen führenden Posten im Regime der Regina innegehabt hatte und als grausame Abteilungsleiterin des größten Umerziehungslagers auf einer abgelegenen Insel auf dem Planeten Regina gefürchtet gewesen war. - Nun fürchtete sie niemand mehr. Die Frau hockte in einer weißen Zwangsjacke in einer nackten Zelle im Hochsicherheitsbereich. Ihr Schädel war rasiert. Ebenso ihre Scham, die nur geringfügig durch den Schrittgurt der restriktiven Jacke bedeckt war, der sich zwischen ihre Venuslippen grub. Der breite Halsreif aus Titan sicherte sie zusätzlich. Eine Flucht von hier war völlig aussichtslos. Hier würde sie ihr Leben beschließen. Irgendwann. Es gab keinen Kontakt zur Außenwelt oder einem Advokaten. Hier gab es lediglich das Hausrecht der IPPC (Interplanetary Private Prison Corporation), deren Eigentum sie nun war.

In einem Raum der Verwaltung zeigten 32 Monitore verschiedene Bereiche des Hochsicherheitstraktes, darunter die Einzelzellen, die mit Angehörigen des Regina-Regimes belegt waren. Die Bilder wechselten in programmierten Intervallen. Zwei Angestellte der IPPC saßen in Gelstühlen davor und werteten die Sicht aus. Eine Software sichtete gleichzeitig nach biometrischen Algorithmen die Videoaufnahmen in Realtime. Sollte den Männern etwas entgehen, so würde das Programm sofort Auffälligkeiten melden. In dem abgedunkelten Raum prangte das dreieckige Logo der Firma schwach fluoreszierend auf dem Boden. Einer der Uniformierten hatte lässig die Beine auf die Konsole gelegt und übereinander verschränkt, während seine Stuhllehne weit nach hinten gefahren war. Sein Kollege beschäftigte sich mit seiner mobilen Kom-Einheit, auf der er eine selbstgedrehte Videosequenz ablaufen ließ. Sie zeigte, wie aus seiner Sichtposition heraus vor ihm eine kahlköpfige Gefangene auf den Knien hockte und seine Erektion blies. Das Objekt steckte in der Standardzwangsjacke und trug sonst nichts am Leib.

Der Mann drehte sich zu seinem Kollegen um. „Hey, willst du mal was Geiles sehen?‟ Aber der Uniformierte hatte die Augen geschlossen und reagierte nicht. Das war mal wieder typisch, dachte er. Gary pennt die halbe Dienstzeit. Am liebsten hätte er ihn mit einem Alarm aus Morpheus Reich gerissen, aber dann wären noch andere Kollegen drauf aufmerksam geworden. Der Angestellte schaute gelangweilt auf die Monitore. Die meisten zeigten die Insassen der Zellen, die apathisch schaukelten oder sich gar nicht bewegten. Nur eine Frau lief hin und her und schien irgendwas zu rufen. Der Mann hätte die Audioübertragung einschalten können, aber es interessierte ihn nicht, was die Gefangene schrie. Ein kurzer Blick in die Belegungsdatei verriet ihm, dass die Person neu eingeliefert war. Der Wärter grinste. Da war ja ein Willkommensritual fällig!

Er sah zur Seite: Gary schlief immer noch den Schlaf der Gerechten. Sein Kollege stand auf und verließ den Videoraum. Mit einem Aufzug fuhr er in ein anderes Stockwerk des Gebäudes. Er gab enen Code auf einem Touchpad in der Kabine ein, damit sich die gepanzerte Sicherheitstür öffnete. Schon war er in dem Trakt mit den Quartieren, von denen in einer Misera logierte. Der Mann mit dem schwarzen Kinnbart näherte sich der sechsten Tür. Wieder gab er eine Zahlenfolge ein. Nun wurde das obere Drittel des Eingangs von seiner Seite aus transparent. Er betrachtete die Insassin gierig. Sein Phallus in seiner Hose fühlte sich schon so hart an wie sein Disziplinarstab.

Misera hatte sich momentan etwas beruhigt. Sie saß auf der Pritsche und hatte ihre Händchen zu Fäusten geballt. Die Stimme des Wärters war synthetisch verzerrt in der Zelle zu hören. „Willkommen in deinem neuen Zuhause, kleine Schlampe.‟ Blitzartig sprang die Gefangene auf und schaute zur Tür. „Wer ist da? Ich will mit dem Direktor der Anlage sprechen. Sofort!‟ Ein verfälschtes Gelächter antwortete ihr. „Du willst gar nichts! Dein Wille ist hier null und nichtig! Ich bin dein Master, dein Gott. Von mir bist du abhängig, und du wirst mir bedingungslos gehorchen.‟ Misera bekam Schnappatmung. Wie konnte es dieser Typ - wer immer es war - wagen, so etwas zu sagen!

Sie wollte gerade vor Wut eine Antwort schreien, die irgendwas mit heißem Plasma und Hoden zu tun hatte, da zischte es aus zwei kleinen Düsen an der Decke. Erschrocken sah sie hoch in den Dampf. Der Kerl leitete irgendein Gas in die Zelle. War das ihr Ende? Doch sie spürte keine Müdigkeit oder bekam auch keine Atemschwierigkeiten. Ganz im Gegenteil: Sie hatte das Gefühl, alles intensiver und schärfer und klarer zu erleben. Ihre Sinne waren übernatürlich geschärft. Und sie fühlte noch etwas. Ein dringendes Verlangen. Ihr Sexualtrieb war ins Unermessliche gestiegen. Sie rieb sich mit dem Hintern auf der Pritsche, doch ihre Klitoris erhielt so nicht genügend Stimulation. Ihr war alles egal geworden, sie musste nur unbedingt und sofort einen Orgasmus haben. Misera stöhnte und seufzte. Das Schott der Kabine öffnete sich. Ein Mann in Uniform stand dort und grinste dreckig.

Er betrat die Zelle, während die Tür sich automatisch verschloss. Im nächsten Moment kam Misera auf den Mann zu. Sie küsste ihn leidenschaftlich. „Nimm mich! Bitte! Bitte besorge es mir! Ich brauche es so dringend! Oh, bitte, schnell!‟ Der Mann leckte sich über die Lippen. „Wenn du mich so nett bittest, Puppe.‟ Er löste den Schrittgurt der Zwangsjacke und nestelte anschließend an seiner Stoffhose, holte einen bereits erigierten Phallus hervor, warf die Gefangene herum und beugte ihren Oberkörper über die Pritsche, damit er von hinten seinen Lustspender in die nasse Spalte versenken konnte. - Während seine Lenden vor- und zurückschnellten wie eine gut geölte Maschine, hielt er sich an der Zwangsjacke fest.

Timiditas grunzte erschöpft. Viele Lichtjahre vom Sektor der Vereinigten Allianz entfernt war er im Alpha Dominion in einem Melkstall festgegurtet und gab seinen Munussaft heute zum zigsten Male ab, der in einen Glaszylinder floss und aufbereitet wurde. Seine überdimensionierten Hoden schmerzten enorm von der Belastung. Und doch wurde sein Organismus immer wieder durch elektrische Stimulation bis kurz vor einen Orgasmus gebracht, damit die Ernte optimiert werden konnte. Die Indagatrix beobachtete ihn emotionslos. Der einzige Munus im Besitz von Augusta Regina stellte zwar einen unermesslichen Wert dar, aber das hieß nicht, dass er keine Qualen erleiden durfte. Die Indagatrix stellte lediglich sicher, dass das Wesen keinen Schaden nahm.

Heute Vormittag war eine kleine Gruppe aus 16 Edelfräuleins im Stalllabor gewesen, um bei der Ernte zuzuschauen. Aufgeregt hatten sie die Pumpe beobachtet, die das Ejakulat gewonnen hatte. Der zuckende und pochende große Phallus mit den dicken Adern, die auf der Haut ein wildes Rankenmuster bildeten, hatte sie fasziniert. Sie hofften darauf, dass es bald zahlreiche Munuswesen auf Naturalis Sidus geben würde. Doch vorerst mussten sie sich mit simulierten Androiden zufriedengeben. Eine der jungen Ladys hatte keck gefragt, ob sie mit einem Impulsstab die Hoden der Kreatur berühren dürfte. Die Indagatrix hatte ihr einen Teleskostab gereicht, der in ähnlicher Form im Anus des Munus steckte.

Sobald die Adelsdame die Spitze des Stockes an den Hoden drückte, knisterte ein Lichtbogen auf dem großen Beutel. Timiditas zuckte und ächzte auf, doch wegen seines Ernährungsknebels war er nur dumpf zu vernehmen. Die dicken Brüste des Vorgebeugten wackelten wie zwei mit Wasser gefüllte Tüten. Kichernd hatte die junge Lady den Stab weitergereicht. Auch ihre Freundinnen wollten das mal ausprobieren. Allerdings hatte die Indagatrix die Gruppe nach der sechsten Dame weggeschickt, denn Priorität war die Ernte, und der Besuch störte in der Produktion zu sehr. Die Indagatrix wollte sich nicht sagen lassen, dass sie ihr Tagessoll nicht erreicht hätte. Der Zylinder war erst halbvoll. Sie stellte die Amperezahl höher. Die Ejakulationsrate musste beschleunigt werden.

Als die Schicht zuende war, brachte sie Timiditas in seine Aufbewahrungsbox zur Regenerationphase. Sabbernd und gehetzt schauend war der Munus dem Wahnsinn nahe. Er konnte nicht mehr klar denken. Er legte sich in embryonaler Position auf die Seite und fiel zitternd in eine Art Starre. Sein Bewusstsein hatte er irgendwo in seinem Gehirn weggeschlossen, sonst wäre er längst irre geworden. - Währenddessen ließ sich die Indagatrix von einer Praefecta loben. Die heutige Ernte hatte beinahe den Maximalwert für Hochleistungsmunuskreaturen erreicht. Die unlängst intensivierte Mastdiät hatte offenbar zu einer höheren Produktionsleistung geführt. Optimistisch tätschelte die Frau ihre Untergebene. „Vielleicht ist noch ein bisschen mehr drin. Unsere Majestät erwartet beste Arbeit.‟ Die Indagatrix verbeugte sich und zog sich zurück. Noch ein bisschen mehr... Die Geräte arbeiteten bereits am Anschlag.

Sie ging in ihr Quartier und zog sich die Laborkleidung aus und stattdessen einen leichten Seidenhausmantel an, der sanft über ihren Körper strich. Leise Entspannungsmusik ertönte von der Decke des Raumes. Das Licht war um 40 Prozent gedimmt. Ein kompakter Rollroboter brachte ihr ihren Lieblingsdrink. Sie legte sich auf ihre intelligente Chaiselongue, die sofort die optimale Form für ihre Liegeposition einnahm, Form, Härtegrad und Temperatur sowie gewünschte Oberflächenstruktur anpasste. - Nachdem die Frau sich völlig entspannt fühlte, tauchte sie in eine 3-D-Welt ein und fand sich am Beach einer Fantasiewelt wieder, wo sie von einem humanoiden Adonis romantisch umgarnt und befriedigt wurde.

Später aktivierte sie mit ein paar Gesten die Überwachungscam der Regenerationsbox: Der Munus lag nicht mehr eingerollt auf der Seite, sondern er saß mit angezogenen Knien und schaukelte vor und zurück. Waren die Hoden geschwollen? Sie zoomte heran. Die Indagatrix ließ ein Analyseprogramm mit Vitalparametern laufen. Tatsächlich hatte die starke Aktivierung in Kombination mit den Libidoverstärkern in der Spezialnahrung im Vergleichszeitraum zu einer Vergrößerung von satten elf Prozent geführt. Ob dadurch auch die Melkquantität signifikant gesteigert werden konnte, blieb abzuwarten.

Mit der Genaktivierungsmethode auf Regina hatte man die Munuswesen und Custoskreaturen geschaffen. Eine Weiterentwicklung wäre theoretisch möglich. Wenn Augusta Regina mit der erzielten Ejakulatsmenge nicht zufrieden sein würde, müsste das Versuchsobjekt erneut modifiziert werden. Die Indagatrix dachte mit Grausen daran, wie so eine monströse Lebensform aussehen würde. Noch gigantischere Hoden? Nein, dass wollte sie nicht verantworten. Ein Freak, der wegen des Gewichts seiner Genitalien nicht mehr gehen konnte? Irgendwo hatte auch sie eine ethische Grenze. Sie würde es zunächst noch einige Tage lang auf konventionellem Weg versuchen.

Die Mastdiät musste auf ein Maximum erhöht werden. Der Bauch des Munus würde beinahe so tief vorgewölbt hängen, wie die Brüste. Bedauernswert, dachte die Frau, aber notwendig, um das wertvolle Gut zu erwirtschaften. Sie machte sich eine Notiz in ihrem virtuellen Terminplan, morgen die Nahrungszufuhr um 100 Prozent zu erhöhen. Danach löschte sie das Licht mit eine Geste und sank nackt in ein weiches Bett, das ihren Körper sanft umschloss und die Gravitation auf 0,5 Standardeinheiten verringerte. Ein Aroma-Diffuser sorgte für eine unterbewusste olfaktorische Wahrnehmung, die die Frau in einen tiefen, erholsamen Schlaf tauchen ließ, der sie ebenso vorsichtig acht Stunden später wieder erwachen lassen würde.

Timiditas dagegen war in eine Bewusstlosigkeit gefallen, die ihn den harten Untergrund nicht mehr spüren ließ. Nur die schmerzenden Hoden nahm er mit in seine Träume, die von seiner nächsten Schicht im Stall handelten.

Als Flosa dem jungen Mann ein Nachtlager im Wohnbereich der Suite anbot, war Gravis das gar nicht recht. Er freute sich zwar, dass er Animus wiedergesehen hatte, aber irgendwie war da so ein Gefühl, dass Flosa ein Auge auf den Ex-Pugnator geworfen hatte. Der Muskelkoloss betrachtete seinen Freund, der wie ein durchtrainierter Jüngling aussah. Darauf standen die Frauen, war er sich sicher. Flosa hatte ja auch schon mit diesem Co-Piloten McCoy herumgemacht - obwohl der nicht mehr so jung war. Gravis seufzte. Vielleicht bildete er sich das alles auch nur ein. So langsam machte ihn die Keuschheit wahnsinnig. Wenigstens hatte Gravis seine Flosa nachts für sich.

Leider kam es nicht zu dem ersehnten Aufschluss. Die Pilotin war einfach nur müde und wollte Schlaf nachholen. Seine Hoffnungen lagen nun auf den nächsten Tagen, in denen seine Angebetete Urlaub hatte. Nach einem Transporteinsatz mit der Magna Nuntia stand ihr ein Kurzurlaub zu. - Am nächsten Tag ging der Muskelgigant mit Animus ins Fitness-Center der Firma. Es war ein befriedigendes Gefühl, dem Jüngling in einer Sache deutlich überlegen zu sein. Die 100 kg Bankdrücken, die Animus ächzend schaffte, ließ Gravis nur mitleidig lächeln. Unter der Dusche musste er dann neidisch sehen, dass sein Freund weder die Castitasschelle, noch den Hodenring trug. Flosa musste ihn von den Gerätschaften befreit haben.

Am Nachmittag erwähnte Animus, dass das Firmengebäude ein architektonisches Meisterwerk wäre, aber „so eine echte Vergnügungs-Bar fehlt dann doch, oder?‟ Das musste Flosa zugeben. „Wir könnten heute Abend mit einem Orbiter in die nächste City fliegen. Es gibt auf Regina inzwischen tolle Etablissements.‟ Animus horchte auf. „Da bin ich sofort dabei.‟ Gravis räusperte sich. „Bekomme ich dafür eventuell ein anderes Outfit?‟ Er sah demonstrativ an sich herab: Die Stretch-Plastikjacke und die weiße Leggins mit den schwarzen Stiefeln waren ziemlich auffällig. Eigentlich wollte Flosa ihn so mitnehmen, wie er war. Er würde mit seiner Gestalt eh auffallen. Aber Animus zeigte augenblicklich Verständnis. „Da wird dir Flosa mit Sicherheit etwas anderes zugestehen.‟ Er starrte auf das gut abgebildete Gemächt des Muskelmannes, das sich in der dünnen Leggins nicht verstecken konnte. Die Pilotin verzog missbilligend ihren Mund. „Also gut. Aber nur für heute!‟ Gravis fiel ein riesiger Asteroid vom Herzen.

In der Firmenboutique wählte er eine weite, schwarze Hose und ein langärmeliges schwarzes Shirt. Beide Kleidungsstücke waren extrem großzügig geschnitten, saßen aber über den Muskelbergen trotzdem recht eng. Aber der Hosenstoff war dick und verbarg die intimen Bereiche des Trägers zuverlässig. Zur Überraschung der Männer, entschied Flosa: „Mach die Brustkette und die Ringe ab, Gravis.‟ - Der Flug von Prospect Enterprises zur Vergnügungsmeile in der Stadt dauerte 35 Minuten. Überall leuchteten Neonschilder, Beschriftungen, fluoreszierende 3-D-Hologramme und Lumineszenz-Tafeln. An Gebäuden schossen Stroboskopeffekte in den schwarzen Himmel.

Flosa landete ihr Gefährt in einem Parktower, in dem die ankommenden und abfliegenden Shuttles automatisch in Boxen ein- und aussortiert wurden. Als das Trio in einem gläsernen Aufzug in die Erdgeschossebene der Flaniermeile gleiteten, sahen sie am Himmel eine Laserprojektion, die für eine Night-Bar warb. Flosa bemerkte die irritierten Blicke ihrer Begleiter, als die Werbung knackige Jünglinge „in androidischer Perfektion‟ versprach. Animus suchte nach hübschen Damen, aber die schienen Mangelware. Flosa erinnerte den Ex-Pugnator: „Du darfst nicht vergessen, dass über 90 Prozent der männlichen Bewohner von Regina entweder Munuswesen oder Rusticusse sind. Daher hat sich der Erotikmarkt auf weibliche Kunden eingestellt.‟

Zahlreiche Gruppen junger Leute und auch viele Pärchen schlenderten über die Wege. Auch Munuskreaturen waren zu sehen, jedoch in erster Linie als Werber, die potentielle Besucherinnen in die Etablissements lockten. Großteils wurden Androiden im Rotlichtmileu eingesetzt, um den Damen zu gefallen, aber es gab auch Rusticusse, die ihren Lebensunterhalt damit verdienten. Die Pilotin zeigte mit dem Finger auf einen neonblau erleuchteten Eingang. „Lasst uns erst mal eine Kleinigkeit essen.‟ Die Dreiergruppe ging auf das Restaurant zu. Links von ihnen lagen in einiger Entfernung zwei Personen auf dem Boden neben einem Wasserbecken. Einer von ihnen lachte hysterisch und zuckte am ganzen Leib, der andere lag da wie leblos. Flosa erklärte: „Junkies. Lasst bloß die Finger von Flavo Venenum, falls euch jemand anquatscht. Das haben die da auch genommen.‟ Die das Bewusstsein erweiternde Droge bestand aus einem gelblichen Pulver, das unter der Zunge eingenommen wurde. Schon nach dem ersten Konsum war ein Humanoid extrem süchtig danach.

Gravis war völlig fasziniert von all dem Trubel und der Partystimmung. Animus hatte zwar ähnliche Etablissements von Litus Mundus in Erinnerung, aber nicht für möglich gehalten, dass sich in wenigen Jahren auf Regina so eine Prachtwelt entwickeln konnte. Er war so heiß auf ein Abenteuer. Sein bestes Stück konnte es kaum erwarten. Ob sie eine weibliche Androidin fanden? Notfalls würde er auch mit einem Munus zufrieden sein, der ihm seine Zungenfertigkeit bewies. Flosa würde sich auch vergnügen. So viel hatte er mittlerweile herausgehört. Gravis und Flosa waren kein... normales Paar. Wann wohl Gravis seine Keuschheitsprothese entfernt werden würde? Wollte sie damit bis auf den letzten Drücker warten? Oder sollte er etwa leer ausgehen?

Im Restaurant führte sie eine Angestellte zu einem Tisch. Sie betrachtete den Custos und räusperte sich. „Einen Augenblick, bitte. Ich hole einen anderen Stuhl.‟ Kurz darauf kam sie mit einem Möbel zurück, der groß und vor allem stabil genug schien, um Gravis zu trotzen. Er wirkte sehr leicht und bestand vermutlich aus einem speziellen Polymerkunststoff. Ein bisschen unwohl fühlte sich der Muskelmutant doch, denn einige Gäste schauten belustigt. - Das Trio wählte auf den Touchpads, die in der Tischoberfläche integriert waren, das Menü aus.

An der Theke sah Flosa zahlreiche Damen, die sich um einige wenige Männer herumdrängten und mit ihnen flirteten. Vermutlich waren die männlichen Gäste Wissenschaftler oder Techniker der ansässigen Firmen, die aus der VA nach der Befriedung des Planeten auf Regina expandiert waren. Ein durchtrainierter Kellner mit himmelblauen Augen und hellblondem Haar in engen Shorts und knappem Hemdchen sowie einem Halstuch brachte die Getränke: für Animus ein Bier der Marke „Yellow Hell‟, Gravis hatte sich einen XXL-Milchshake bestellt, und Flosa freute sich über einen Cocktail namens „Blue Horizon‟. Sie zog den jungen Kellner ungeniert mit ihren Augen beinahe aus. Aber ihr war klar, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen Androiden handelte, der die weiblichen Besucher zu Drinks und mehr animieren sollte. So einen extrem perfekten Body mit so einem knackigen Apfelarsch... Das musste künstlich sein, war sie sich sicher.

Dann kam auch schon bald das bestellte Essen. Es mundete allen Dreien wunderbar, und satt (Gravis hatte zwei Portionen verdrückt) und zufrieden machten sie sich auf den Weg in ein Vergnügungsetablissement. In der Bar warf sich unverzüglich ein Lover an Flosas Seite. Ihn schien nicht zu interessieren, dass sie in Begleitung war. Er geizte nicht mit Reizen und tuschelte ihr verführerisch ins Ohr. Wenige Minuten später verschwand Flosa mit ihm in einem Separee mit Tür. Animus bestellte ein Bier. „Toll, jetzt sitzen wir hier.‟ Er sah sich um. Weit und breit waren nur männliche Lover zu sehen. Der Ex-Pugnator winkte einen von ihnen herbei. „Gibt es hier auch Ladys?‟ Der Mann hob die Schultern. „Sorry.‟ Gravis und Animus tranken ihre Drinks und warteten.

Als Flosa nach über einer Stunde immer noch nicht auftauchte. gingen sie nachschauen. Die Tür war verschlossen. Gravis klopfte. Am liebsten hätte er sie eingetreten. Niemand öffnete. Animus fragte einen vorbeigehenden Angestellten, ob er die Tür öffnen könne. Der Mann sah ihn verwundert an. „Da ist niemand drin.‟ Animus widersprach, und der Typ ging mit ihm zu dem Eingang, tippte einen alphanummerischen Code ein und öffnete den Raum: Er war leer.

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  RE: Regina Datum:28.10.18 17:22 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXVII ~


Sofort alarmiert suchten Gravis und Animus den Raum akribisch ab. Nichts. Es auch keine Hintertür. Wie hatte der Liebesandroid mit Flosa das Zimmer verlassen können? Die beiden Männer hatten die Tür permanent im Blick gehabt. Animus überlegte. „Es gibt nur zwei Optionen. Entweder sind Sie unsichtbar aus dem Raum gekommen, mit einer Tarntechnik. Oder es gibt doch noch einen anderen Weg hier raus.‟ Gravis grunzte. „Du meinst Beamtechnik?‟ Animus hob die Schultern. „Womöglich. Obwohl das auf Planetenoberflächen verboten ist.‟ Aber da Regina nach dem Zusammenbruch des Regimes noch immer ein partiell ungeordnetes Terrain bildete, in dem rechtsfreie Räume existierten, waren solche gesetzlichen Regelungen wohl eher Makulatur.

Gravis und Animus kehrte zur Theke zurück und bestellten noch einen Drink. Sie mussten beraten, was nun zu tun wäre. Alleine wollten sie keinesfalls wieder nach Prospect zurück. Animus grübelte laut: „Ein freiwilliges Verschwinden können wir ausschließen. Flosa würde uns nicht hier zurücklassen.‟ Gravis stutzte. „Eine Entführung? Aber wo ist das Motiv? Flosa ist nicht sehr vermögend. Und über sie die Firma erpressen? Unwahrscheinlich, wenn du mich fragst.‟ Animus seufzte. Wer weiß, was in Verbrecherköpfen so vor sich ging; und die Piloten waren wertvolle Angestellte. Leider hatte es keinen Zweck die Planetenpolizei zu kontaktieren. Es gab keine Beweise für ein Gewaltverbrechen. Und Flosa war als erwachsener Frau erlaubt, sich aufzuhalten, wo sie wollte.

Letztlich mussten sich die beiden Gefährten eingestehen, momentan nichts ausrichten zu können. Animus konnte glücklicherweise den Lander ebenfalls fliegen. Er kannte den Berechtigungscode zu der Shuttlegarage und fuhr mit Gravis zum Abflugdeck. Unter dem freien Nachthimmel wären sie nass geworden, da es kräftig eine chemisch riechende „Suppe‟ regnete, aber hydrophobe Schirmplatten positionierten sich exakt als mobile Schilde über ihnen, um sie zu schützen. Sobald die Drohnen eine thermische Signatur erkannten, sorgten sie automatisiert für einen trockenen Einstieg der Passagiere.

War mal wieder irgendwo in einer Chemiefabrik eine Störung aufgetreten? Der Regen bildete auf dem Boden des Daches Pfützen und verdickte sich zu einer Art Schaum. - Die Männer machten sich mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg nach Hause. Während des Fluges waren sie still und dachten über die Situation nach. In der Basis der PE setzten sie sich in der Suite zusammen und berieten. Die nächsten Tage würde Flosa auch von der Firma nicht vermisst, denn sie hatte nach der letzten Tour wie üblich einige Freitage. Der digitale Chronometer zeigte 03:06 Regionalzeit an, als Animus duschen ging. Gravis seufzte. Wahrscheinlich würde sein Kamerad jetzt sein bestes Stück polieren? Es war ihm ja gegönnt, aber der Muskelmann wollte auch endlich diese monströse Prothese ablegen, um sein eigenes Fleisch stimulieren zu können.

Wenigstens war er zurzeit die Brustwarzenkette los. - Im nächsten Moment bekam er ein schlechtes Gewissen. Seine Flosa war vielleicht in den Fängen von skrupellosen Entführern, und er dachte nur an sein sexuelles Vergnügen! Er lenkte sich mit einer Kom-Unit ab, und aktivierte einige Nachrichtenkanäle, die in 3D holografische Bilder sendeten. Vor Gravis schien die Darstellung in der Luft zu schweben. Es gab eine große Demonstration auf Beta Patria. Dabei ging es den Aktivisten um die Ausweisung bzw. Inhaftierung aller Munuswesen und Rusticusse. Ein Reporter berichtete aus der Hauptstadt, im Hintergrund der Gebäudekomplex der VA-Regierung. Kameradrohnen zeigten die Massen, die durch die Straßen zogen und ihre Forderungen lautstark skandierten. Einzelne Gewalttäter zoomten die Objektive heran und hielten fest, wie Scheiben von Gebäuden zerstört wurden und einige Personen auf einen Munus Jagd machten. Schnell war er eingeholt und umringt, dann zappte der Sender auf einen anderen Kanal: Eine Feuerwolke und schwarzer Rauch stiegen in einer Straßenschlucht auf. Sofort fraßen sich die Flammen an einer Gebäudefront hoch. In Panik verließen die Bewohner das Haus.

Der Reporter bewertete die Lage. „Die strukturelle Integrität der Immobilie wird in wenigen Augenblicken kritische Werte erreichen.‟ Von einer Seite näherten sich zwei Shuttles der Planetenpolizei in waghalsiger Einflugschneise an und schossen Fangnetze auf die Brandstifter, die zuvor ein Analyseprogramm identifiziert hatte. Zwei mutmaßliche Täter in schwarzen Overalls landeten auf dem Bauch und wurden von den Netzen am Boden fixiert. Es handelte sich bei der Technik um eine Weiterentwicklung der FNS der STC auf Regina, die damit Munuswesen einfingen. - Ein weiterer Sympathisant schleuderte einen Molotowcocktail gegen die Kuppel des ersten Einsatzshuttles, doch verpuffte die Wirkung der Benzinbombe dort vor den Augen des Piloten wie eine Protuperanz. Um das Quarz-Glas zu beschädigen, benötigte es größere Kaliber.

Am Boden kam eine Hundertschaft armierter Androiden im simultanen Laufschritt auf die Demonstranten zu und drängten sie mit ihren Teleskopstäben in eine Richtung. Ein Planetenpolizist gab mit einem Megafon Anweisungen an die Menschen. - Gravis schaltete zu einem anderen Kanal. Beta Patria war weit weg. Sollten die da ihre kriegsähnlichen Zustände doch selbst auf die Reihe bekommen. Er fand auf einer benachbarten Frequenz regionale Nachrichten von Regina: Dort lief eine Dokumentation über ein Rusticusghetto. Auf dem abgeschotteten Landstrich lebten circa 22.000 Rusticusse und ungefähr 14.000 Munuskreaturen. Offiziell sprach man von Reservaten, die die VA den Wesen zur Verfügung gestellt hatte. Wer nicht genug finanzielle Mittel hatte, um auf andere Planeten der Allianz überzusiedeln, musste auf Regina verbleiben und ein kärgliches Leben führen.

Tausende Kreaturen standen den Fräuleins im Untergrund loyal zur Seite; andere jedoch lebten frei, aber in relativer Armut, in den Ghettos mit Munuswesen zusammen - den einzigen potentiellen Sexualpartnern für die Rusticusse. Die weibliche Bevölkerung von Regina und die immigrierten männlichen Fachleute für die Industrie standen in einem Missverhältnis von zehn zu eins. Rechnete man Rusticusse und Munuswesen dazu, waren die Geschlechter ausgeglichen, aber 90 Prozent der Männer waren eben Kreaturen der Regina. Für die meisten Frauen waren diese Subjekte Feinde der Demokratie der VA. Sie standen für das untergegangene Regime. Und mit denen wollte niemand etwas zu tun haben.

Wie Gravis feststellen musste, waren ja sogar die Bürger auf Beta Patria skeptisch, was die Kreaturen anging. Da hatte er es noch gut, wurde ihm bewusst. Bei Flosa lebte er frei und zufrieden, hatte ein Leben in Wohlstand im Gebäudekomplex der PE und... ja, wenn da nicht seine Keuschheit gewesen wäre! Und jetzt war Flosa entführt worden. Da erschien gerade Animus, nur mit einem Handtuch um die Hüften. „Ich weiß jetzt, wie wir Flosa finden!‟ Die Luft schien zu knistern vor Spannung.

In einem benachbarten Sol-System lag das nächste Maximum Security Gefängnis der IPPC. Der prominenteste Neuankömmling in dieser Anlage war Misera und bereits von einem der Wachmänner auf seine ganz spezielle inoffizielle Weise willkommen geheißen. Nachdem er sich in ihr erleichtert hatte, zerrte er sie grob herum und zog den Schrittgurt ihrer Zwangsjacke wieder fest. So fest er konnte. Das libidosteigernde Gas hatte sich sofort verflüchtigt, wirkte aber in Miseras Körper noch stark nach. Sie versuchte verzweifelt sich ihre Weiblichkeit an der Wand oder der Pritsche zu reiben. Dann bettelte sie den Uniformierten an. „Bitte! Lass mich nicht so zurück! Bitte besorge es mir! Bitte! Ich brauche es! Wirklich! Ich brauche es!‟ Aber der Wächter grinste nur und stieß die Gefangene, die vor ihm auf die Knie gefallen war, mit dem Fuß von sich weg. Er öffnete die Digital-Verriegelung der Zellentür und verließ sie. Misera kreischte. „NEIN!!! Komm zurück! Du kannst mich jetzt hier nicht so allein lassen! Komm zurück!‟ Aber als die Tür sich zischend schloss, verstummte der Protest.

Kurz darauf erschien der Mann wieder bei seinem Kollegen Gary, der immer noch vor den Monitoren schlief. Misera hatte sich nur langsam beruhigt. Sie hatte immer wieder versucht, ihre Klitoris zur reiben, was in ihren restriktiven Fesseln einfach nicht gelingen wollte. Völlig erschöpft versuchte sie es weiterhin in allen Lagen und Stellungen, bis sie überhaupt keine Kraft mehr hatte und zuckend auf der Pritsche lag. - Nach weiteren zwei Stunden war der Wirkstoff abgebaut, und ihr extremes Verlangen zwar nicht gestillt, aber zumindest auszuhalten. Schlimmer war diese Zelle, in der sie dahinvegetierte. Nur Stahl und eine grelle Lichtquelle über der Tür. Sie spürte Kopfschmerz und merkte, wie sie langsam durchdrehte. In der sechs Quadratmeter großen Kiste begraben zu sein...

Wann konnte sie die Zelle endlich mal verlassen? Wann konnte sie mit jemandem sprechen? Sie konnte sich in der leicht spiegelnden Metallwand betrachten: ein Häufchen Elend. Kahlköpfig! Misera stöhnte auf. Sie war immer stolz auf ihr prachtvolles langes Haar gewesen. Das war vorbei. Ihr ganzes Leben war vorbei. Sie ahnte, dass sie hier in dieser Hölle verfaulen sollte. Das war keine temporär limitierte Haft. Sie sollte diese Anlage des Teufels nie wieder verlassen. Also würde es auch keinen Kontakt zu einem Advokaten geben. Wie der Wichser schon gesagt hatte: >Dein Wille ist hier null und nichtig! Ich bin dein Master, dein Gott. Von mir bist du abhängig, und du wirst mir bedingungslos gehorchen.<

Die Minuten wurden zu Stunden, die Stunden zu Tagen, die Tage zu Wochen und Monaten... Die Isolationshaft war brutal. Sie hätte lieber die Peitsche gespürt, die sie früher den Galeerensklaven in Disciplina verordnet hatte. Misera hatte ihr Zeitgefühl verloren, konnte nicht mehr klar denken, schlief unregelmäßig und vegetierte nur noch dahin. Selbst die drei geschmacksneutralen Mahlzeiten, die sie als Nährbrei aus einem Schlauch saugte, der sich jeweils aus der Decke schob, sorgten nicht für einen menschlichen Kontakt. Ihre Welt war ausschließlich die winzige Zelle. - Sie hatte längst angefangen, Selbstgespräche zu führen. Anfangs hatte sie noch darauf geachtet, was sie sagte, denn sich war sicher, abgehört zu werden, aber inzwischen war es ihr egal.

Der Chip, den sie ihr eingesetzt hatten, hatte vermutlich eh schon ihre Gehirnströme gemessen und einige Gedanken oder zumindest ihr genaues emotionales Muster aufgezeichnet. Scanner hatten ihren zerebralen Kortex durchdrungen und sich in ihr Innerstes geschlichen. Gegraben wie Würmer. Sie konnte nichts verbergen. Nichts. - Trotzdem hatte sie sich nicht definitiv aufgegeben. Sie kauerte auf dem Zellenboden und verankerte ihre Füße an der Toilette, um Sit-Ups zu machen. Der Schrittgurt zog und rieb unangenehm in ihrer Scham, aber diese Reize versuchte sie auszublenden. Anschließend begann sie mit Kniebeugen. Die Zwangsjacke störte enorm, aber auch hier ignorierte sie die Umstände. Doch plötzlich roch sie ein dezent süßliches Aroma. Leitete da wieder ein Arschloch Gas in die Zelle? Kaum hatte sie den Gedanken gedacht, da sackte sie bewusstlos zusammen.

Nur fünf Sekunden später war ein saugendes Geräusch zu vernehmen. Der Raum wurde neutralisiert. Dann öffnete sich die Tür, und zwei Uniformierte erschienen, hoben sie auf und legten sie auf eine Rolltrage. Am Armen und Beinen wurde sie mit weißen Nylonbändern gesichert. Sie fuhren sie durch die Zellenflure zu einem breiten Schott, das sich pneumatisch öffnete. Der Innenraum wirkte wie ein wissenschaftliches Labor und war so in einer Gefängnisanlage nicht zu erwarten. Nach einer Krankenstation sah es nicht aus. Stattdessen standen aufgereiht acht etwa zwei Meter hohe Glaszylinder, verbunden mit Schläuchen und Rohren, vor einer kastenartigen Maschine, an der zahllose Lämpchen leuchteten oder blinkten. Die Glasbehälter waren gefüllt mit einer roten Flüssigkeit.

Ein Mann in einem weißen Overall und Kittel darüber nickte den Wächtern zu, die die Trage stehen ließen und zum Schott hinausgingen. Der Mann war kahlköpfig wie seine Patientin, er trug einen Monokel, der offenbar lasergesteuert und mit einem Datenspeichermodul mit dem Netzwerk der Anlage verbunden war, und vor dem linken Auge des Trägers schwebte. Auf seiner Oberlippe wuchs ein hochgezwirbelter Bart. - Er schob den Rolltisch ein Stück weiter zu einer Appartur. Von einem Panel nahm er ein kleines Display und steuerte damit Roboterarme, die an der Decke verankert waren. Die Maschinen öffneten geschickt die Sicherungsbänder an der Frau und hoben sie dann auf einen Gynostuhl. Der Mann legte das Steuerungsmodul zur Seite und fixierte die Beine der Patientin. Dann zog er ihr die Zwangsjacke aus und betrachtete für einige Sekunden ihre Brüste. Er befestigte ebenfalls die Handgelenke der Bewusstlosen.

Nun nahm er auf einem Rollhocker Platz und positionierte sich zwischen ihren hochgelegten Schenkeln. Neben sich befanden sich diverse martialisch wirkende Instrumente auf einem Metall-Tablett. Zunächst nahm er ein Spekulum und entfaltete so die Vagina. Dann steckte er zwei Kabelenden an vorgesehene Stellen des Instruments. Er betätigte einen Kippschalter an einem Kasten, der auf dem Tisch neben ihm stand. An einem Rad drehte er langsam im Uhrzeigersinn. In einem analogen Display ließ der Strom eine Nadel ausschlagen. Langsam wurde Misera wach. Sie stöhnte schwach, öffnete dann ihre Augen und riss sie weit auf und zerrte an ihren Fesseln. Was war das für ein Kribbeln zwischen ihren Beinen? Sie konnte es aus ihrer Position nicht sehen. „Was... Was machen Sie da?‟ Sie sah ihn vorwurfsvoll an. Der Mann im Kittel lächelte. „Nur die Standard-Prozedur.‟ Dann drehte er das Rad weiter auf.

Timiditas zeigte signifikante Erschöpfungszustände im Melkstall, so dass die Indagatrix die geplante Mastdiät sowie die erhöhte Erntefrequenz zurückstellen musste. Nichts wäre schlimmer, als ein Munus mit Potenzproblemen. Die Kreatur erhielt verlängerte Zeiten in der Regenerationsbox, aber auch das reichte nicht. Kleinlaut musste die Indagatrix ihrer Vorgesetzten beichten, dass der Munus eine Auszeit benötigte. „Eine passende Option ist die Wiederaufladetherapie. Dabei wird das Exemplar zunächst für einige Wochen keuschgehalten. Danach ergänzen wir die Abstinenz mit reichlich Stimulation. Im Laufe der nächsten Wochen sollte sich die Produktion normalisiert haben. Der Munus wäre dann wieder einsatzbereit.‟

Die Praefecta war alles andere als begeistert. Wie sollte sie das Regina erklären? Die genmodifizierten Munuskreaturen, die entstehen sollten, waren dann wohl auch geplatzte Träume. Die Praefecta atmete tief durch und klopfte bei Regina an. „Hoheit! Es gibt schlechte Nachrichten von dem Munus. Er ist... überfordert mit der Produktion. Wir müssen... eine Pause... in Erwägung ziehen.‟ Ihr gesamter Körper war angespannt; sie erwartete eine explodierende Majestät, aber Augusta Regina blieb ganz ruhig, räusperte sich und tippte auf ihrem Tisch in ein Display. „Bald werden wir wieder über tausende Munus verfügen. Millionen!‟

Die Praefecta schaute irritiert. Die Hoheit zog ihre Augenbrauen hoch. „Der Generalgouverneur hat den Hohen Rat des Alpha Dominion überzeugt. Eine Offensive gegen den Feind ist sinnvoll und machbar.‟ Sie stand auf und hob die Arme zur Decke, als wolle sie wie ein Engel in den Himmel steigen. „Wir werden die Vereinigte Allianz vernichten, unterjochen und uns einverleiben.‟ Die Untergebene der Tyrannin lächelte. Sie hatte sich das Gespräch diffizil vorgestellt. Allerdings war sie skeptisch, ob Reginas Optimismus, was eine Invasion in die VA anging, so einfach zu realisieren war. Aber dazu sagte sie lieber nichts, salutierte und verließ den Raum.

Timiditas wachte auf und war ein wenig irritiert. War es nicht längst Zeit für die nächste Schicht? Aber niemand kam, ihn zu holen. An einer Laserprojektion außerhalb seiner Box konnte er einige seiner Vitalparameter ablesen. Er war noch geschwächt, aber hatte die Norm beinahe wieder erreicht. Der Munus wusste nicht, ob man ihm mehr Regeneration gönnte, oder ob die Melkstation abgeschafft worden war. Und was würde dann aus ihm geschehen? Ächzend drehte er sich in der Box. Seine Hoden waren geschwollen und schmerzten, obwohl sie ausgelaugt waren. Auch die großen Brüste waren ihm bei vielen Bewegungen in dem engen Käfig im Weg, aber zumindest taten sie nicht weh. Nur die daumengroßen Nippel juckten. - Erst nach einer endlosen Zeit, wie ihm schien, holte ihn eine Audiutrix ab. Sie trug die Uniform einer Offizierin der Armee, war also keine Indagatrix, keine Wissenschaftlerin. Sie legte dem Munus einen Armsack mit Monohandschuh an, so dass seine Hände auf dem Rücken gefesselt waren, und klinkte eine Leine an ein Halsband fest.

So zog sie ihren Gefangenen aus dem Laborbereich in ein Außengelände zwischen diversen Containerbauten. Timiditas, der lange kein Sonnenlicht gesehen hatte, musste blinzeln. Auch spürte er sofort die signifikante Temperaturdifferenz zwischen dem heruntergekühlten Klima im Labor und der Außenluft unter freiem Himmel. Naturalis Sidus war ein heißer Planet. Ob er unterschiedliche Klimazonen hatte, wusste der Munus nicht; aber hier herrschten gewiss über 40 Grad Celsius. Die Audiutrixuniform verfügte über Kühleinheiten in ihrem synthetischen Stoff, aber Timiditus war schon nach wenigen Metern nassgeschwitzt. - Sie entfernten sich von den Bauten immer weiter. Wohin wollte die Frau nur mit ihm? Ihn beschlich ein fürchterlicher Gedanke: Was war, wenn er nun nicht mehr gebraucht wurde und „entsorgt‟ werden sollte?

Aber das hätten sie unauffälliger in der Regenerationsbox tun können. Sie liefen immer weiter von den Bebauungen weg. Die Ebene war trocken, staubig, heiß, karg. Welches Ziel steuerten sie an? Hier gab es nichts. Timiditas ächzte. Seine Schultern waren durch die Fesselung sehr stark nach hinten gezwungen und schmerzten. Vor ihm baumelten schwer seine Brüste, zwischen seinen Schenkeln pendelte der Hodensack. - Endlich erreichten sie nach mehreren Kilometern Fußmarsch einen flachen Felsen, der an einer Seite in 40-prozentiger Steigung schräg in den wolkenlosen Himmel ragte. Hier blieben sie stehen. Die Audiutrix sprach in das kleine Mobilcom an ihrem linken Handrücken. „Sendung Munus 1 ist am Standort. Wiederhole: Sendung Munus 1 ist am Standort.‟ Sie klinkte den Riemen vom Halsband ab und befahl: „Da stehenbleiben!‟ Dann drehte sie sich um und ging davon, den Weg, den sie gekommen waren.

Der Nackte schaute in alle Richtungen, auch in den Himmel. Irgendwer würde ihn gleich abholen. Aber wer? Und wozu? Fünf Minuten geschah nichts. Dann erkannte er einen kleinen Punkt fast im Zenit über ihm, der langsam größer wurde. Ein Shuttle, das in der Atmosphäre landete, ihn einsammelte und zu einem Schiff im Orbit brachte? Doch als das unbekannte Flugobjekt näher kam, sah es nicht nach einer Fähre oder einem Lander aus. Es war mehr ein Quader aus undurchsichtigen Wellenbewegungen unbekannter Materie. Zwei Meter hoch und ein Meter breit war das Volumen des sonderbaren Gebildes. Es flog oder fiel direkt auf den Munus zu. Seine Instinkte rieten ihm, zur Seite zu springen. Aber er blieb stehen und tauchte in den Quader ein wie in ein Gasfeld.

Sofort verspürte er eine diametrale Gefühlsregung: Seine Emotionen waren zugleich Glück und Angst. Er sah stroboskopartige Lichter vor seinen Augen und bemerkte ein Kribbeln am ganzen Leib. Seine Muskeln schienen zu versagen, doch trotzdem sorgte der Quader dafür, dass sein Besucher in der stehenden Position verharrte. Dann begann alles zu routieren. Alle Lichter verzerrten sich für Timiditas zu langgezogenen Strichen. Wenige Sekunden später verlor er das Bewusstsein.

Als er erwachte, waren nur drei Sekunden vergangen. Er sah die Lichter, die an seinem Auge vorbeischossen, langsamer werden, bis sich schließlich nichts mehr um ihn drehte. Und dann löste sich der Quader innerhalb weniger Sekunden auf. Der Munus stand auf einem Podest in einer Art Frachtraum oder Hangar. Überrascht drehte er den Kopf in alle Richtungen. Eine kleine Gruppe Frauen in Audiutrixuniform schaute ihn an. Und dann sah er über einem breiten Schott den Namen „Raumkreuzer Regina I‟. Er war mit der Beamtechnologie des Alpha Dominion auf das Führungsschiff der Tyrannin gebracht worden. Er vermutete sich im Orbit um Naturalis Sidus. Viel weiter weg konnte er nicht sein.

Zwei Frauen winkten ihn von der niedrigen Plattform herbei und führten ihn zu einem Schott mit Fenster, öffnete den Durchgang mit einem Kippschalter und Code, den sie an einer kleinen Tafel eingaben, und schickten den Munus hindurch. Hinter ihm verschloss sich das Schott wieder. Timiditas sah sich in dem kahlen kleinen Raum um. Auf der gegenüberliegenden Seite war wieder ein Schott. Zu seinem Entsetzen war es ein Außenschott. Er war in einer Luftschleuse. Wollten die Schergen der Regina ihn in den Weltraum jagen?

Flosa hatte mit ihrem Liebesandroiden Tuchfühlung aufgenommen, mit ihm einen Cocktail getrunken und dann... wurde es schwarz vor den Augen der Pilotin. Als sie aufwachte, lag sie nackt auf einem Bett. Sie suchte hektisch nach ihrer Kleidung, fand aber nichts. Und nicht weniger beängstigend war der Umstand, dass sie nicht mehr in dem Etablissement war, in das sie mit Gravis und Animus geflogen war. Sie sah aus dem Fenster und erkannte den höchsten Turm der City, etwa zwei Kilometer entfernt. Das Restaurant war aber nur rund hundert Meter von dem Wahrzeichen entfernt. Wie viel Zeit war vergangen? Und was war mit Gravis und Animus geschehen?

Sie runzelte die Stirn. Das gab alles keinen Sinn. Es gab keine Loveandroiden, die weibliche Kundschaft raubten und unautorisierten Sex mit ihnen hatten. Warum auch? Das würde den Robotern weder eine nicht vorhandene Befriedigung bringen, noch würde ihre Programmierung das zulassen. Flosa wickelte sich ein Tuch um ihren Torso. Es gab keine Com-Units in dem Raum. Sie konnte also keine Hilfe rufen. Sie lief zur Tür und wollte flüchten, aber die eingeschlossen. Das Fenster als Fluchtweg fiel weg, da sie sich in einem oberen Stockwerk befand, vermutlich etwa 30 Etagen über dem Grund. Außerdem ließ es sich nicht öffnen. Das Glas war aus Sicherheitsgründen wohl verstärkt. Sie schaute an die Decke und suchte nach einem Rauchmelder. Vielleicht könnte sie einen Feueralarm auslösen. Doch womit eine solche thermische Reaktion auslösen? Sie war ratlos.

Im nächsten Moment hörte sie die Eingangstür. Kam da ihr Entführer? Flosa sah einen Mann in grauer Zivilkleidung – schlicht aber dem Anschein nach exklusiv. Er trug einen akkuraten Kurzhaarschnitt. Sein energiegeladener Gang und seine Positur, als er vor ihr stehenblieb, unterstrichen, dass er physisch der Pilotin hoch überlegen war. Eine Waffe sah sie an ihm allerdings nicht. Sie ging gleich in die Offensive und forderte Antworten. „Warum bin ich hier? Was wollen Sie von mir?‟ Der Mann verzog keine Miene. War er überhaupt humanoid? Oder handelte es sich um einen Androiden? Nach ein paar Sekunden reagierte der Ankömming endlich. „Sie sind hier, weil wir nicht möchten, dass die Fehlfunktion unserer Androiden publik wird.‟ Flosa stutzte. Wovon redete der Typ nur?

Er stellte sich vor. „Mein Name tut nichts zur Sache. Aber ich bin von Bionic Industries beauftragt, die Störungen der Androidenreihe LA667R/222 zu untersuchen.‟ Flosa hatte den Namen der Firma schon mal gehört. Es handelte sich um den größten Androidproduzenten der VA, der auch diverse Industrieroboter fertigte. Wahrscheinlich waren die Liebesandroiden in dem Etablissement ebenfalls von dem Hersteller. Aber von was für einer Fehlfunktion hatte der Kerl gesprochen? Wollte der Konzern eine unliebsame Zeugin eliminieren? Allerdings konnte sie sich an nichts erinnern. „Hören Sie! Ich kann mich an nichts erinnern. Machen Sie meinetwegen einen Gehirnscan von mir, wenn Sie mir nicht glauben.‟ Sie sah ihm herausfordernd in die Augen, die wieder keine Reaktion zeigten. Sein Kopf ruckte minimal zur Seite. Jetzt war sie sich sicher, dass sie einen Androiden vor sich hatte.

Der Roboter ging nicht auf ihren Vorschlag ein, sondern berichtete weiter: „Bionic Industries hat ein evolutionäres Programmmodul in einigen LA667R/222 aktiviert, das experimentiell eine Art KI, also künstliche Intelligenz, beinhaltet. Die Experten wollten das Update außerhalb der Laborbedingungen testen. Daher waren selektierte Exemplare an diversen Lokalisationen im praktischen Einsatz.‟ Flosa nickte. „Also wohl auch mein Liebesboy in dem Etablissement.‟ Der Androide sah sie unverwandt an. „Korrekt. Das kann ich bestätigen.‟ Flosa wollte wissen, was schiefgelaufen war. „Was ist geschehen, als ich das Bewusstsein verloren habe? Was für eine Fehlfunktion hatte der Android?‟ Der Mann starrte sie weiterhin an. „Diese Informationen sind nicht freigegeben.‟

Flosa seufzte. „Was haben Sie jetzt vor?‟ Ihr Gegenüber gestikulierte mit der rechten Hand, und eine holografische Karte erschien seitlich der beiden Personen im Raum: Sie zeigte das Sol-System der Regina und die vier weiteren Planeten, die um die kleine Sonne ihre Bahnen zogen. Eine Animation führte sie von der Oberfläche von Regina auf direkten Kurs in die Tiefen der Vereinigten Allianz und in die Nähe des Planeten Pax Novo. Flosa wusste, dass der Planet stark bevölkert war und eine enorme Wirtschaftskraft darstellte. Dort hatte Bionic Industries seine Mutterbasis. Flosa sah den Mann fragend an. „Da wollen Sie mit mir hin? In die Konzernzentrale? Wie wollen Sie mich denn unbemerkt von Regina in den Orbit bringen? Die Grenzüberwachung ist mittlerweile auf VA-Standard.‟ Der Androide zuckte wieder etwas mit dem Hals. „Wir sind bereits unterwegs.‟

Die Entführte schnaubte. „Schwachsinn! Wir sind in einem Gebäude der Stadt. Ich sehe doch aus dem Fenster den Tower.‟ Der Mann drehte sich um und führte eine weitere Geste aus. Das Fenster verschwand und gab eine freie Polymerwand frei. Flosa starrte auf den nun blanken Bereich. Eine holografische Täuschung, wurde ihr bewusst. War sie tatsächlich schon im All, unterwegs nach Pax Novo? Es musste so sein. Die Flugroute, die auf der Holo-Karte zu sehen war, zeigte eindeutig, dass ihr Ziel das Sol-System X94021-115-BP war, in dem auch Beta Patria, der Hauptplanet der Vereinigten Allianz, lag. Nach etwa einem Drittel der dargestellten Route blinkte ein kleiner Punkt. Das war wohl das Schiff, in dem sie sich befand.

Ihr Besucher verließ den Raum zügigen Schrittes. Der Gang war ein wenige ruckelig. Flosa wunderte sich, dass die Spezialfirma für Androiden ein so fehlerhaftes Produkt nutzte. Aber viel beängstigender war der Gedanke, dass sie mit einem selbstmodifizierenden Programmcode experimentiert hatten. Und sie war zur falschen Zeit im falschen Raum gewesen. - Ihr Wissen sollte geheim bleiben, grübelte sie. Da gab es nur drei Optionen: Sie würde liquidiert, sie würde ewig irgendwo inhaftiert, oder sie würde sich einer Total-Recall-Deleate-Methode unterwerfen müssen. Fragte sich nur, ob sie ihre komplette Identität verlieren würde, oder ob es Bionic Industries reichte, wenn sie gezielte Erinnerungen löschten. Vielleicht konnten sie das gar nicht exakt und präzise genug. Flosa wurde immer nervöser, je näher das Schiff sich dem Zielhafen auf Pax Novo näherte.
Viele Grüße von prallbeutel
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  RE: Regina Datum:11.11.18 12:09 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXVIII ~


Das anberaumte Zeitfenster würde sich in neun Monaten schließen. Der Hohe Rat des Alpha Dominion hatte sich zu einer Großinvasion in die Vereinigte Allianz entschlossen. Bis zur festgelegten Deadline sollten suffiziente Schiffsverbände und Androiden produziert worden sein. Augusta Regina stellte den Militärs alle Informationen zu der bionischen Entwicklung der Androiden zur Verfügung. Auch ihre eigenen Modelle, in denen die männlichen Adeligen gefangen waren, sollten sich an dem Eroberungsfeldzug beteiligen.

Die Militärs der Regina integrierten sich ebenfalls in die Flotte, wo sie je nach Dienstgrad eingeteilt wurden: Audiutrix, Ductrix, Centuria, Veterana, Praetoria, Praefecta – nur die zivilen Edelfräuleins blieben auf Naturalis Sidus. 90 Prozent aller Regimenter wurden auf den Außenposten Frigidus verlegt. Dort sammelten sich auf der Oberfläche sowie im Orbit Myriaden von Raumkreuzern und -trägern aller Art. Phalanx hinter Phalanx hielten die Schiffe ihre vorgegebenen Parkpositionen. Die meisten verfügten über Partikelstrahler und Keramik-Titan-Panzerung. Die schier gigantischen Ausmaße an Material sollte die überlegene Technologie der VA ausgleichen.

In Windeseile mussten die humanoiden Frauen die allgemeine Sprache lernen, auf die man sich im Konglomerat der AD zwischen den zahlreichen Lebensformen verständigt hatte. Eine extra dafür erbaute Orbitkaserne in Form eines Tubus mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Personen drehte neuerdings um Frigidus ihre Kreise. Die Station war aus Nanofiber hergestellt und bot maximale Sicherheit gegen feindliche Angriffe oder trudelnde Trümmerteile bzw. Asteroiden. Auch die Ausrüstung im Innern entsprach der modernsten Technik und Wissenschaft der AD-Welten. Viele Systeme waren anfangs nicht kompatibel, doch Analyseprogramme mit Homogenisierungslösungen vernetzten die komplexen Technologien miteinander. Nie zuvor hatten die diversen Völker des Alpha Dominion so eng zusammengearbeitet. Aber der bevorstehende Zug gegen die Vereinigte Allianz schweißte sie zusammen, obwohl die polymorphen Lebensformen früher sogar Kriege gegeneinander geführt hatten.

Augusta Regina hatte sich an die bizarren Wesen gewöhnen müssen. Nur die wenigsten Völker des AD waren spezifisch humanoid. Einige markante Exemplare erinnerten eher an aufrecht gehende Insekten. Ihr spröder Charakter lag vielen Humanoiden nicht, aber alle Rassen erlernten mit Immersionsprogrammen die notwendige Toleranz im Zusammenleben. Die virtuellen Realitätsimitationen waren Pflicht in der Ausbildung der Milizen. Alle verfolgten gemeinsam ein Ziel: den Untergang der Vereinigten Allianz. Die Strategen des Hohen Rates entwickelten diverse Konzepte für den „großen Befriedungszuges‟, wie er von der Öffentlichkeitsbehörde betitelt worden war.

Zunächst sollte der Außenposten Regina eingenommen werden; danach folgten planmäßig die einzelnen Sol-Systeme der VA und schließlich auch das wichtige Sol-System X94021-115-BP mit dem Hauptplaneten Beta Patria sowie der wirtschaftlich und technologisch interessante Planet Pax Novo mit seiner blühenden Ökonomie. Die vollständige Hightech der VA würde in die Hände des Dominions fallen. Was bei jahrelangen Versuchen mit Wirtschaftsspionage und Cyberangriffen nicht gelungen war, sollte dann komplett in ihrer Macht sein. Damit wäre das AD das mächtigste Bündnis der bekannten Galaxie. - Täglich kamen weitere Truppentransporter zu der Raumstation im Orbit von Frigidus, und auch auf dem Planeten befanden sich zahlreiche Gerätschaften, Bevorratungen von Technik und anderen Komponenten sowie ein Großteil der Androidregimenter, die zum Einsatz kommen sollten. Eine gigantische Fabrik produzierte die Roboter am Fließband.

Auf Beta Patria verfolgten die transstellaren Abhöreinrichtungen die feindlichen Bewegungen. Einige Flotillen aus Jägern begleiteten jeweils Späherschiffe der VA, die bereits an Regina vorbeigeflogen waren und nun Kurs auf das AD nahmen. Die verdächtigen Massenbewegungen waren dem militärischen Abwehrdienst nicht entgangen. Man rechnete mit einer Großinvasion. Trotz modernster Tarntechnologie konnten es die Später jedoch nicht riskieren, dem Feind zu nah zu kommen. Die Sicherheitsdistanz sorgte dafür, dass die Signale nicht in Echtzeit verarbeitet wurden. In dem großteils unkartografierten Raum mussten die Navigatoren vorsichtig sein.

Das an erster Position fliegende Späherschiff „Silent Pride‟ warnte die restlichen Schiffe, dass das Sicherheitssystem eine fluktuierende Anomalie prognostizierte. Der Kapitän eines Schwesternschiffes fragte nach dem Grund für diese Wahrscheinlichkeit. Ein Brückenoffizier der Silent Pride antwortete auf dem offenen akustischen Kanal: „Aufgrund von ungewöhnlichen Abstrahlwerten unseres Scanners. Ich empfehle dringend eine Kurskorrektur. Wir haben vermutlich eine instabile Raumpassage auf Kollisionskurs.‟ Bei sämtlichen Schiffen aktivierte sich der Gelbe Alarm. Es war Zeit zu handeln. Raumpassagen waren bisher kaum erforscht worden. Instabile Varianten waren völlig unberechenbar. Wenn ein Schiff hindurchflog, kam es irgendwo in der Galaxie wieder raus – oder touchierte die Wand einer Sackgasse und wurde absorbiert. Aber in keinem Fall gab es die Option, zurückzukehren.

Der Commander der Silent Pride nickte, um den alternativen Kurs berechnen zu lassen. Dann schaute er durch das Carbonglasbullauge ins All, in welcher Richtung die Anomalie lag. Vor dem tiefschwarzen Hintergrunds der unendlichen Weite war mit bloßem Auge nichts zu erkennen. Nur in großer Entfernung blinkte ein Pulsar jenseits ihres Weges auf. - Erst 118 Lichtminuten hinter der Raumpassage deaktivierte sich der Alarm wieder. Die Flotillen drehten auf den ursprünglichen Annäherungskurs zurück. Sie waren der Grenze zum Dominion nun gefährlich nahe gekommen. Die Geschwindigkeit des Verbands wurde deutlich reduziert. Die modernen Trägheitsdämpfer sorgten für einen akzeptablen Komfort der Besatzung beim Bremsvorgang.

Die Jäger mussten wegen ihrer verräterischen Signatur hinter einem Asteroiden parken und die Triebwerke abschalten, aber die Späherschiffe verfügten über eine so effektive Tarnung, dass sie sich noch näher an den Gegner trauten. Sie mussten visuelle Daten von den Werken auf Frigidus bekommen, um Qualität und Quantität des feindlichen Potenzials zu ermitteln. Alle Besatzungsmitglieder waren angespannt. Wenn die Hintergrundanpassung versagte, war es um sie geschehen. Allerdings war die chromatophore Hüllenverschalung auf dem neuesten Stand der Technik, die je Programmierung die optische Brechzahl perfekt anpasste.

Als sie sich weiter genähert hatten, stellten sie fest, dass im Orbit um Frigidus tausende Kreuzer, Transporter und etliche andere Gefährte parkten. Dadurch wurde jedoch die Sicht auf die Oberfläche des Planeten behindert. Es war ein Himmelfahrtskommando, aber die Besatzungen bestanden aus mutigen Männern und Frauen, die ihr Leben bewusst für die Freiheit von 128 Milliarden Humanoiden in der VA einsetzten. Es war die Ultima Ratio. Alle diplomatischen Verbindungen zwischen dem AD und der VA waren schon vor langer Zeit eingefroren worden. Ein halbherziges Abkommen zu einem gegenseitigen Nichtangriffspakt war damals ratifiziert worden, konnte aber durch eine Klausel jederzeit aufgekündigt werden. Ein jüngst nicht zustande gekommenes Gespräch zwischen Delegationen aus Diplomaten zu einem offenen Meinungsaustausch war der letzte Hinweis darauf, dass es zu einem militärischen Konflikt kommen würde.

Die Regierung auf Beta Patria hatte offizielle ihr Bedauern geäußert, dass die ablehnende Haltung des AD die falschen Signale sendete, wenn die diplomatischen Kanäle angepasst würden. Aber eine Antwort des Adressaten blieb aus. Noch. - Und nun waren verdächtigte Bewegungsprozesse im Lauf, die die VA sich genauer ansehen wollte. Der Scanner eines Spähschiffs erfasste mehrere Gebäude auf der Planetenoberfläche, die die Form eines Dodekaeders hatten. Andere Habitate waren zylindrisch. Ein gigantisches Bauwerk bildete als Volltorus einen Ring um mehrere Nebenkonstruktionen. Was produzierte a das AD hier in kolossalem Umfang?

Timiditas starrte entsetzt durch das innere Bullauge des Schotts, wo ihn das Gesicht einer Audiutrix ansah. Wenn sie jetzt auf den Auslöser drückt, dachte er voller Schrecken, dann würde ihn der Sog ins All ziehen. Wozu sonst hatten sie ihn in die Luftschleuse bugsiert? Seine Schmerzen in seinen Schultern durch den Monohandschuh waren irrelevant geworden. Er fiel auf die Knie und wartete auf sein unrühmliches Ende im Orbit von Naturalis Sidus. Hatte er sich noch kürzlich über die Hitze auf dem Planeten beschwert, so würde ihm gleich die Temperatur im Schatten des Planeten auch nicht guttun, denn die lag laut einer kleinen Anzeige am Außenschott momentan bei -156 Grad Celsius. Doch das Problem war irrelevant. Denn es gab im All keinen Sauerstoff, dafür Vakuum...

Timiditas fing an, hysterisch zu kichern. Die Zeit schien stillzustehen. Das ganze Universum hatte sich gegen ihn gewandt. Plötzlich drang eine übersteuerte Stimme an seine Ohren, die durch Hintergrundrauschen durchsetzt war. „Wie ist dein Name, Munus?‟ Timiditas stutzte. Wieso wollten sie jetzt seinen Namen wissen? Er hatte doch sicherlich längst eine bekannte Sklavennummer erhalten, die irgendwo vermerkt war. Wollten sie seinen richtigen Namen erfahren? Er hatte nichts zu verlieren und antwortete wahrheitsgemäß: „Ich heiße Timiditas.‟ Die Stimme forschte weiter. „Ist dir ein gewisser Animus bekannt?‟ Der Munus horchte auf. Woher hatten sie den Namen des Freundes?

Zögerlich nickte er bejahend. Je länger er darüber nachdachte, desto klarer konnte er sehen. Desto besser und detaillierter erinnerte er sich an seinen alten Kameraden. Irgendetwas hatte diese Informationen in ihm gedämpft oder sogar blockiert, aber nun wusste er wieder alles über seine Vergangenheit. Die Stimme fragte ihn danach aus, und Timiditas berichtete, wie er auf Regina aufgewachsen war. Mit seinen Freunden Gravis und Animus war er am gemeinsamen 18. Geburtstag zum Tribuna-Ausschuss gegangen, um die Pugnator-Berufsbahn einzuschlagen. Dort hatten sich ihre Wege dann getrennt. Während Animus zum Pugnator ausgebildet wurde, hatten sich die Priesterinnen der Herrscherin bei Gravis und ihm für einen anderen Weg entschieden. Gravis sollte zum Rusticus werden und war inzwischen ein Custos geworden. Timiditas erhielt eine Modifikation zum Munus.

Die Stimme fragte ihn über Animus aus. Aber viel konnte der Verhörte nicht erzählen. Sie hatten sich zu lange nicht gesehen. Der Lautsprecher blieb stumm. Die Audiutrix, die ihn befragt hatte, ärgerte sich. Kaum verwertbare Daten waren dem Exemplar entnommen worden. Sie hatten sich mehr erhofft. Vielleicht sogar geheime Abläufe beim Militär des Feindes, strategische Planungen, Waffentechnik, Antriebsvarianten... Nichts davon schien der Munus zu wissen. Er war absolut wertlos. Eine zweite Audiutrix stand neben einer Schalttafel, die an einem Polymer-Paneel angebracht war, und hielt ihre Hand über zwei großen Knöpfen: Der linke leuchtete signalrot, der andere neongrün.

Die Vorgesetzte zeigte auf die grüne Taste. Die Frau betätigte ihn, und das Innenschott der Luftschleuse öffnete sich pneumatisch. Vor ihnen lag die Kreatur immer noch auf den Knien und zitterte. Die Audiutrix befahl: „Ins Bordgefängnis mit ihm! Wir nehmen ihn mit und setzen ihn dann auf Frigidus ab.‟ - Auf eine Geste erschienen zwei Androiden, die nur rudimentär humanoid aussahen, packten den Munus und brachten ihn auf ein anderes Deck, wo sich mehrere Zellen für Gefangene befanden. „Meine Arme!‟, jammerte er, aber die Robobter machten keine Anzeichen, ihn von dem restriktiven Monohandschuh zu befreien.

Timiditas sah sich in seinen neuen sechs Quadratmetern um: eine Stahlpritsche mit Gummimatratze, eine Toilette und eine Halogenleuchte an der Decke. Die Vorderfront der Zelle war aus Glas – vermutlich gepanzert. Hinter der Rückwand hörte er ein konstantes Brummen, das von einem Aggregat stammen konnte. Er setzte sich auf die Pritsche. Mit der Armfessel konnte er nicht liegen. Plötzlich ruckte es leicht, die Lichtquelle schaltete auf Rot, und der Gravitationssensor schien ausgefallen zu sein, denn der Munus schwebte taumelnd durch die Luft. Er drehte sich unwillkürlich kopfüber und versuchte, seine Füße wieder Richtung Boden zu bringen, denn wenn die Schwerkraft ruckartig wieder einsetzen würde, sollte sein Schädel nicht mit dem harten Fußboden kollidieren.

Ohne Hände zum Festhalten war das allerdings ein heikles Unterfangen. Hilflos trudelte er durch den Raum. Nach mehreren Drehungen um seine Längsache und einer gleichzeitigen Positionsänderung durch eine Art Rückwärtssalto konnte sich Timiditas mit einem Fuß an der Pritsche festhaken. Keine Sekunde zu früh, denn die Gravitation setzte wieder auf Normkraft ein. Er landete unsanft auf seinem Hintern. Das lumenschwache Rotlicht wechselte wieder auf weißes Halogen. Hatte die Regina I eine Fehlfunktion bei der künstlichen Schwerkraft, oder verfügte die Haftzelle über eine eigene Gravitationsabschirmung? Aber wozu dann diese Aktion? Abrupt war ein auf- und abschwellender Warnton zu hören.

Mehrere Audiutrixfrauen liefen hastig an der Zelle vorbei. Timiditas versuchte links und rechts den Korridor entlang zu sehen, aber je schräger der Blickwinkel durch das Glas war, desto intensiver wurde die verpixelnde Transparenz der Fläche. Der Munus rief laut. Die Scheibe war zwar schalldicht, aber vielleicht waren Mikrophone in der Zellenwand integriert. „Hallo! Was ist los? Hilfe! Hört mich jemand? Ich bin in einem der Hafträume.‟ Plötzlich krachte es dumpf irgendwo tief im Rumpf, und es dröhnte und vibrierte bedrohlich bis in die Zelle. Timiditas musste sich festhalten. War das Schiff mit einem Objekt kollidiert?

Endlich endete der enervierende akkustische Alarm, der in dem kleinen Raum laut geschallt hatte. Doch es hatte sich nicht so angehört, als sei die Warnung deaktiviert worden, sondern eher wie ein Kurzschluss oder eine Überspannung im System. Dann knisterte es und rauschte im Lautsprecher. Der Insasse lauschte, um etwas verstehen zu können. Es waren leise Stimmen im Hintergrund zu hören: „...letzter Aufruf: Sofortige Evakuierung! Kernschmelze in minus...‟ Mehr konnte er nicht vernehmen. Dann brach die Übertragung ganz ab. Und fünf Sekunden später erlosch sein Deckenlicht. Ein sehr schwacher Schimmer trat durch das Glas ein, da im Korridor vereinzelt Lichtquellen an der Decke angebracht waren, die nun unkontrolliert flackerten. Timiditas wusste, dass das Wort „Kernschmelze‟ scheiße war. Er begann gegen die Wandscheibe zu hämmern und hyperventilierte.

Animus ließ seine Beziehungen zum Militär der Vereinigten Allianz spielen. Als Reservist auf der Impetus hatte er sich einige Freunde gemacht. Auch seine Ehrenmedaille, die er schließlich bekommen hatte, sorgte für Respekt und Anerkennung unter den Kameraden, bevor er dann bei der Securitas Tracing Corporation angeheuert hatte. Mit ein paar Gesprächen per Holo-Video-Verbindung hatte er den Zugang zu DNA-Such-Ergebnissen der Sicherheitsstufe 4 erhalten, die normalerweise nur für spezielle Regierungsvorgänge genehmigt wurden. Dabei handelte es sich um eine Technik, die eine DNA-Signatur eines Individuums verfolgen konnte, wenn die Person unter falscher Identität einen Raumhafen verlassen haben sollte. Das war viel effektiver als Biometriescannner es sein konnten.

Animus ermittelte, dass Flosa in einem Schiff - auf die Firma Bionic Industries zugelassen - vom Planeten gebracht worden war, Kurs: VA. Wo die Reise endete, konnte man aus den Daten nicht sehen. Vielleicht Mare Mutus, vielleicht auch weiter entfernte Planeten wie Litus Mundus, Pax Novo, Beta Patria, Colonia Agricultura oder hunderte weitere Himmelskörper. Es war die Suche der Stecknadel im Heuhaufen, aber immerhin ein Anfang. Gravis rätselte immer noch, warum Flosa enführt worden war. Animus hatte eine Insider-Information erhalten. „Sie muss irgendwelche Daten besitzen, die geheim bleiben sollen.‟ Der Custos sah ihn an. „Daten? Was für Daten? Was soll Flosa denn wissen? Oder geht es um Industriespionage? Bionic Industries will Informationen über ihren Arbeitgeber Prospect Enterprises? Bauen die nicht Androiden? Was wollen die von einer erzverarbeitenden Firma erfahren? Das ist doch absurd!‟

Sein Gefährte zuckte mit den Schultern. Auf jeden Fall benötigten sie ein Gefährt, mit dem sie Flosas Spuren folgen konnten. Animus würde auch das organisieren und selbst als Pilot fungieren. Spätestens in drei Tagen wollte er abflugbereit sein. Das würde nicht einfach werden, denn auf Regina gab es fast nur Firmenfrachter, Orbiter oder kleine Shuttles. Allerdings würde eine Rettungsmission im Sinne von PE sein, so dass er die Hoffnung hatte, von ihnen unterstützt zu werden. In diesem Zusammenhang bewarb er sich auch gleich als Pilot für die Firma. Seinen Kontrakt mit STC würde er kündigen.

Animus stand aus einem Gelsessel auf und kontaktierte persönlich einen hochrangigen PE-Manager, um sein Anliegen vorzubringen. Auf dem Weg ins Büro lief er dem Co-Piloten McCoy über den Weg. Der Mann schüttelte den Kopf. „Hab schon von Flosas Verschwinden gehört. Schrecklich. Wer kann dahinterstecken?‟ Animus wollte keine Gerüchte befeuern und tat unwissend. Er ging weiter zu einer automatischen Tür, die in einen Vorraum des Managers führte. Eine elegante Frau saß an einer Deskkonsole und lächelte ihn an. Animus räusperte sich. „Ich habe einen Termin bei Jonathan Carthy.‟ Die Frau wischte über ein Display und tippte etwas. „Ja, genau. Folgen Sie mir bitte.‟

Sie stand auf, und da sah Animus, dass die Dame gar keine Dame war: Ihr Unterleib und die Beine bestanden aus einem rollfähigen Kasten. Es gab keinen Zweifel, dass der obere Teil von ihr ebenfalls nicht organisch war. Die Androidin rollte vorwärts, und der Besucher folgte in zwei Metern Abstand. Der Antrieb summte leise und schien elektrisch zu sein. Mit einer Handgeste erschienen die Umrisse einer breiten Tür, die zuvor in der Wand unsichtbar gewesen war. Im nächsten Augenblick öffneten sich vier identische quadratische Teile des Eingangs und schoben sich diagonal in die jeweiligen Ecken des Durchgangs zurück.

Das Büro des Managers war überraschend groß. Sämtliche Außenwände bestanden aus Glas und boten eine grandiose Aussicht über das PE-Gelände. Zumindest für ein erzverabreitendes Unternehmen war die Optik der Dächer der Gebäudekomplexe harmonisch: Es gab Grünpflanzenteppiche und angenehme Farbgebungen an den Außenhüllen der Industrieanlage. - Jonathan Carthy saß an einem überdimensionierten Schreibtisch aus einem schwarzen Gestein. In der Mitte des hohen Raumes prangte ein gewaltiger Kristalllüster von der Decke herab. Die Androidin ließ die Herren allein. Animus stellte sich kurz vor. Der Manager wirkte jovial. „Animus? Ich bin John. Hallo. Was kann ich tun?‟ Der Pilot berichtete von seinen Informationen und seinem Verdacht und bat den Mannn um seine Mithilfe.

Carthy dachte eine Weile still nach. Dabei legte er seine Fingerspitzen aneinander und hielt sie sich vors Gesicht, während er seine Ellenbogen auf dem Schreibtisch abstützte. Sein Besucher wippte nervös mit einem Fuß. Schließlich brummte Carthy leise. „Bionic Industries... Mit denen haben wir keine Schnittmengen. Es gibt da keinen Interessenskonflikt, keine Wirtschaftsspionage würde Sinn machen... Also, ich weiß wirklich nicht, warum die eine unserer Pilotinnen entführen sollten.‟ Animus spürte, wie sein Herz kräftig in seinem Brustkorb schlug. Würde der Manager ihm nicht helfen? Nach einer Pause setzte er seine Antwort fort. „Aber offensichtlich befindet sich Flosa auf einem Schiff von BI. Und ich würde gerne wissen, warum.‟

Er wischte über seine Schreibtischplatte und ließ ein Pad aufleuchten, in das er etwas eintippte. Sofort bildete sich zwischen den Männern eine Holoprojektion senktrecht in der Luft, die aus zahlreichen Datenströmen und schematischen Darstellungen von Schiffsantrieben und Konstruktionen, die Animus unbekannt waren, bestand. Dann wechselte das Bild zu einer Raumkarte des hiesigen Galaxiesektors. Eine Flugbahn zeigte von dem Außenposten Regina bis nach Pax Novo. „Flosa befindet sich auf Pax Novo.‟ Als Animus nicht sofort reagierte, ergänzte er: „Sol-System X94021-115-BP. Das Heimatsystem von Beta Patria. Pax Novo ist ein Planet in der Nähe, eine ökonomisch geprägte Welt mit 233 Millionen Einwohnern. In Pax-City leben praktisch nur dort Tätige, einige mit ihrer Familie. Insgesamt circa 14 Millionen.‟ Animus nickte. „Dort ist die Konzernbasis von Bionic.‟ Er war begierig, zu erfahren, wie die Hilfe von Flosas Arbeitgeber aussehen würde. Bekam er ein Schiff? Vielleicht sogar eine Söldnergruppe?

Zur gleichen Zeit landete ein Orbiter, der zuvor eine Ladung von einem Schiff gelöscht hatte, in Pax-City. Die Stadt bestand fast ausschließlich aus hohen Skytowern. Auf einem besonders hohen und großen, zylindrischen Gebäude, das sich nach oben leicht verjüngte, landete der Orbiter auf dem Flachdach in einem Kreis aus Positionslichtern und schaltete die fauchenden Triebwerke ab. Zwei Personen traten aus der Außenluke. Am Himmel leuchtete der nahe Planet Beta Patria in einer schmalen Sichel – der Bereich, der nicht im Planetenschatten lag. Aber für die Schönheit von Himmelskörpern hatten die Ankömmlinge keine Augen. Plötzlich bildete sich eine Kuppel um sie, die sich wie fließendes Quecksilber sugzessiv zu einer Wand in Form einer Halbkugel über sie stülpte. Nur Sekundenbruchteile später schien Flosa in die Tiefe zu fallen.

Aber nach einem kurzen Moment stand sie wieder neben dem Androiden, der sie begleitete, und befand sich in dem Gebäude. Sie hatte längst aufgegeben, den Roboter zu fragen, wo er sie hinbrachte, oder was das alles sollte. Die Standardantwort war stets gleich: „Diese Informationen sind nicht freigegeben.‟ Der Maschinenmensch schob sie durch eine Tür in einen anderen Raum. Ein großes Fenster war so polarisiert, dass die Transparenz bei nur zehn Prozent lag. Sie bemerkte, dass irgendein Aerosol in der Luft lag. Hoffentlich wollte man sie nicht sedieren. Aber vielleicht war es nur ein Aromastäuber oder Hygienewirkstoff. Die Einrichtung des Raumes ähnelte einem Labor. Einige Wände waren vom Boden bis zur Decke mit Apparaturen bedeckt, auf deren diversen Displays Datenströme flossen. Als sie genauer hinsah, identifizierte sie darin Programmbefehlsketten, aber die Kodierung war ihr unbekannt. Der Android, der sie hergebracht hatte, stand wie abgeschaltet hinter ihr. Seine Augen waren zwar geöffnet, aber sie stierten ins Leere. Was sollte sie hier?

Flosa spazierte in dem Raum herum und betrachtete die Konsolen und die Tische mit kleineren Apparaten und Recheneinheiten. Auf einem senkrechten Kupferdraht steckte exponiert eine Art Kristall: ein homogener Festkörper, der von innen heraus zu leuchten schien. Ob das so was wie ein Datenspeicher war? Fiberglasleitungen führten zu einer weiteren Maschine. Die Pilotin drehte sich zu ihrem Begleiter um: Er stand noch ungerührt an Ort und Stelle. Unsicher schaute sie zum Eingang. Wer würde hereinkommen? Was würde diese Person tun? Sie liquidieren? Ihr Gedächtnis löschen? In ihrer Vorstellung sah sie sich schon an Kabeln und Schläuchen angeschlossen, fixiert und bewegungsunfähig, während Nanobots in ihrem Kopf ihr satanisches Werk vollendeten.

Doch es erschien niemand. Keine Maschine. Kein Mensch. Flosa ging zu dem Eingang und wischte über ein daneben angebrachtes Wand-Pad. Keine Reaktion. Dann tippte sie darauf. Ein kurzer Ton war zu hören. Auf dem Pad leuchtete auf: „Schloss aktiv.‟ Offenbar war die Tür von innen nicht zu öffnen. - Sie erschrak, als sich unerwartet doch der Eingang zur Seite schob und ein Mann vor ihr stand. Er hatte weißes Haar und einen ebenso weißen Kinnbart. Seine Kleidung war in einem gedeckten Grünton, die Farbe, in der auch das Logo von Bionic Industries gehalten war. Er lächelte sie freundlich an. „Herzlich willkommen bei Bionic Industries. Wir kümmern uns um alle Ihre Belange.‟ Flosas Mimik wurde schief. Im ersten Augenblick hatte sie gedacht, einen Menschen vor sich zu haben; aber dieser wie auswendig gelernte Werbetext musste von einem Androiden aufgesagt worden sein.

Die Pilotin schaufte. „Ich bin entführt worden!‟ Ihr Gegenüber lächelte erneut. „Aber nein. Sie sind von uns eingeladen worden. Nur zu Ihrer eigenen Sicherheit.‟ Flosa nickte ironisch. Der „Mann‟ aktivierte eine dreidimensionale Holografik und extrahierte die abgebildete Karte mit einer Fingergeste in einen größeren Maßstab, bis der Raumsektor der Vereinigten Allianz sowie die bekannten Koordinaten des Alpha Dominions zu sehen waren. Ein Anflugsektor einer Flotte aus dem AD wurde sichtbar – Kurs VA. Dazu leuchteten diverse Schiffsbewegungen auf. Geometrische Symbole tauchten auf, Sensordaten, modulierende Wellenlängengrafiken, Kodierungen und Darstellungen, die so komplex wirkte, dass Flosa keine Ahnung hatte, was das zu bedeuten hatte.

Der Mann erklärte: „Bionic Industries hat errechnet, dass das AD bei einer Großinvasion die simulierten strategischen Bewegungen durchführen wird, wie in der Animation zu sehen. Die Wahrscheinlichkeit einer Aggression steht bei 79,41 Prozent.‟ Er zeigte auf eine Angabe, die sich in Echtzeit anpasste: Die Zahl fluktuierte zwischen 78 und 81. Flosa staunte. „Wir stehen vor einem Angriff? Aber... was hat Bionic Industries damit zu tun? Woher haben Sie die Daten? Arbeiten Sie mit der Regierung zusammen?‟ Der Mann lächelte. „Diese Information ist nicht freigegeben.‟ Die Pilotin stöhnte auf. Diese monotone Antwort kannte sie zur Genüge. Dann kam sie auf die Ausgangsfrage zurück. „Warum bin ich hier?‟

Der Android erklärte es ihr: „Sie sind leider zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Sie haben eine Fehlfunktion eines neuen KI-Programm-Moduls erlebt. Sollte es zu einer Veröffentlichung kommen, würde das nicht nur dem Konzern BI beträchtlichen Schaden zufügen, sondern auch eine Geheimoperation der Regierung gefährden. Daher sehen wir uns gezwungen, ihre Erinnerungen zu transferieren.‟ Flosas Puls beschleunigte wie ein Überlichttriebwerk. „Was heißt das genau? Hat das mit dieser neurologischen Recall-Deleatetechnologie zu tun?‟ Der Mann lächelte. Flosa schluckte. „Kann ich nicht eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterzeichnen?‟ Der Androide schüttelte den Kopf. „Dafür ist es zu spät. Die Neustrukturierung hat bereits begonnen.‟

Die Frau sah ihn unverständlich an. Der BI-Roboter zeigte raumgreifend in die Luft. „Vielleicht haben Sie den dezenten Geruch bemerkt. In dem Aerosol schweben spezielle Nanos, die Sie konzentriert bereits inhaliert haben dürften. Sie werden Ihnen eine neuartige Reminiszenz generieren.‟ Flosa wurde beinahe schwarz vor Augen. Es war in ihr? Sie wollten nicht nur löschen, sondern ihr auch falsche Erinnerungen einpflanzen? Sie fasste sich an die Schläfen. Real fühlte sie nichts, aber sie stellte sich vor, wie die Nanos in ihrem Gehirn herumwühlten und alles durcheinanderbrachten. Kurz darauf verlor sie das Bewusstsein. Sie sackte zusammen und fiel auf den Boden, der automatisch ein weiches Gelkissen bildete, um den Sturz abzumildern. Der Maschinenmann gab einen verbalen Befehl. „Memory-Bereinigung im Vollmodus exekutieren. Berechtigung: BI – Omega9 – JK553_C.‟ Eine synthetische Stimme aus der Decke antwortete. „Berechtigung akzeptiert. Memory-Bereinigung im Vollmodus aktiv. Restdauer: minus 3:11:26 h.‟
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  RE: Regina Datum:20.11.18 21:11 IP: gespeichert Moderator melden


So jetzt hab ich alle Teile bis hierhin gelesen und muss sagen wirklich sehr gute Geschichte.
Eine der besten Geschichten hier im Forum.

Danke für die bisherigen Kapitel und ich hoffe man muss nicht zu lange auf eine Fortsetzung warten.

Gruß
Chrissi
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  RE: Regina Datum:24.11.18 12:37 IP: gespeichert Moderator melden


@ Chrissi1
Danke für dein Feedback. Endlich hat mal jemand eine Meinung zur Story. Das 69. Kapitel stelle ich wahrscheinlich morgen ein.

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  RE: Regina Datum:25.11.18 12:08 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXIX ~


Flosa wachte in einem weißen, sterilen Raum auf. Sie lag auf einer einfachen medizinischen Liege und trug ein weißes Patientenkleid. Sie setzte sich auf. Ihr kardiovaskuläres System schien einwandfrei zu laufen. Sie fühlte sich gut, erfrischt, ausgeschlafen. Auf einem Stuhl lag Kleidung, davor stand ein Paar Schuhe. Sie streifte sich das Kleid ab und betrachtete sich in einer Wand, die ihr Spiegelbild projizierte. Die femininen Kurven waren etwas ausgeprägter, als sie sie in Erinnerung hatte, aber durchaus attraktiv. Sie zog sich die Kleidung an. Das zivile Outfit passte dank der intelligenten Fasern wie angegossen.

Gerade war sie angezogen, öffnete sich leise zischend ein Durchgang und ein Mann erschien: „Ah, Madam Blossom ist wach. Herzlich willkommen bei Bionic Industries. Ich hoffe, Sie sind angenehm und erholt aus dem kryonischen Schlaf erwacht?‟ Die Frau lächelte. „Wunderbar! Ich fühle mich wie neu geboren, äh...‟ Der Mann war ihr unbekannt. Schon stellte er sich vor: „Entschuldigen Sie. Ich heiße Mortimer und bin Android für den BI-Kundenservice.‟ Seine Mimik wirkte sehr freundlich. „Ich hoffe, Sie haben nur schöne Erinnerungen an Ihren Urlaub auf Litus Mundus.‟ Flosa nickte. „Oh ja, es war herrlich! Am liebsten würde ich sofort zurückfliegen.‟

Eigentlich war der Vergnügungsplanet auch mit zivilen Schiffen von Pax Novo aus in relativ kurzer Zeit zu erreichen, so dass ein Kälteschlaf nicht zwingend erforderlich wäre, aber manch gut betuchter Kunde wünschte die Kryo-Variante. Man ging vor dem Start noch in Stasis und wachte bereits am Ziel auf. Madam Blossom machte das immer so. Sie konnte sich noch genau an ihre erste Tiefschlaferfahrung erinnern. Wenn sie Erholungsurlaub auf Litus Mundus in ihrem Stammhotel machte, wollte sie nicht anschließend direkt durch einen langen, strapaziösen Raumflug in Stress geraten. Ihr Beruf als Chefkoordinatorin der Schiffsflotte von BI war anstrengend genug.

Sie beäugte den Androiden. „Mortimer... habe ich da die neue Generation 667R/222 vor mir?‟ Der Mann nickte. „Das ist korrekt. Ich bin ein 667R/222. Exakt ein KD667R/222.‟ Madam Blossom schürzte die Lippen. „Verstehe. KD steht für Kundendienst?‟ Mortimer bestätigte. „Diese Vermutung ist korrekt.‟ Sie nickte. „Dann werde ich mal in meinem Büro vorbeischauen.‟ Sie ging zum Ausgang und verließ den Raum, überquerte einen Flur und betrat einen Aufzug, mit dem sie von der sechsten in die 34. Etage fuhr. Dort erwartete sie ihr persönlicher Raum. Zwei BI-Mitarbeiter grüßten sie freundlich. Nachdem sie sich auf ihren Stuhl gesetzt und ihre Arbeitsstation aktiviert hatte, erschien schon ein Android mit einem kleinen Tablett, auf dem eine Tasse und ein Kännchen standen. „Ihr Vormittagstee, Madam Blosom.‟

Sie führte die kleine Tasse zum Mund und roch an dem blumigen Aroma. So liebte sie ihn. Der Tee war zwar aus synthetischer Quelle, aber ihr absolutes Lieblingsgetränk. Sie nippte daran und machte ein wohliges Geräusch. Unverzüglich begann sie mit ihrer Arbeit an ihrem Interface. Sie gehörte zum gehobenen Management der Firma und delegierte zahlreiche Aufgaben an diverse Bereichsleiter. Der Job füllte sie aus. Eine Familie zu gründen, hatte sie für sich ausgeschlossen. Sie war ein Karrieretyp. Es gab keinen Platz für Kompromisse. Ihre einzige Loyalität galt Bionic Industries.

Sie startete im Intranet ein Tabellenprogramm mit Diagrammen und gab einige Makros ein, bettete ein Untersuchungsprotokoll einer Diagnoseanalyse ein und ergänzte sie mit einigen aktuellen Daten. Momentan war sie mit einer Rekonfiguration eines KI-Speichers beschäftigt, der noch in der Versuchsphase war. Mit einer Geste der Hand aktivierte sie dabei einen kleinen röhrenartigen Pylonen, der wie der Kohlefaser-Rumpf einer Miniaturraumstation auf ihrem Schreibtisch stand, und schon ertönte leise klassische Musik.

Sie hörte immer wieder die selben Symphonien, was sie bei der Arbeit völlig entspannte. So konnte sie klar denken und sich konzentrieren. Schon vor einigen Jahren hatte sie sich diese Eigenart angewöhnt. Sie betrachtete die aktualisierte Datei. Der Kalibrierungszyklus des neuen Androidenmodells entsprach exakt den Vorgaben. Die integrierten Emotionsstabilisatoren waren voll funktionsfähig. Segment für Segment kontrollierte sie die Ergebnisse penibel. Alles musste perfekt sein. Sie war so vertieft in ihre Tätigkeit, dass sie gar nicht merkte, wie die Stunden vergingen. Noch ein paar Computerfiles, dann würde sie Feierabend machen und nach Hause fliegen in ihre Penthousewohnung in einem wenige Kilometer entfernten Skytower.

Ein kurzes elektronisches Akustiksignal kündigte Besuch an: Ein Mann mit einem lasergesteuerten Monokel vor dem linken Auge betrat das Büro. Madam Blossom lächelte. „Dr. Mortimer. Was führt sie zu mir?‟ Der Ankömmling beugte sich über sie und aktivierte einen neurostatischen Energiestrahl mit einem medizinischen Impulsgeber an Madam Blossoms Hals. Die Wirkung war nicht sedierend, sondern die Frau verharrte starr in ihrer Position. Auch Dr. Mortimer bildete mit ihr gemeinsam ein Standbild, als bliebe die Zeit stehen. Die Hintergrundmusik war verstummt. Das Büro wirkte plötzlich heller. Die Wände waren weiß. Sie befanden sich in einem medizinischen Raum von BI. Dr. Mortimer trug unter seinem weißen Kittel andere Kleidung, sah sonst unverändert aus. Madam Blossom jedoch war nackt und lag auf einem Aluminiumtisch, an Armen und Beinen fixiert. An ihren Schläfen waren Elektroden angebracht, die mit einem Neurostimulator verbunden waren. Eine perforierte Gummikappe war über ihren Kopf gezogen.

Die Frau flackerte mit ihren Lidern. Dann stöhnte sie und bewegte unruhig den Kopf. Ein schwaches Murmeln war zu hören. „Wo... bin... ich?‟ Der Android Mortimer hielt ihr Handgelenk und beugte sich noch etwas weiter über sie. „Flosa, bleiben Sie ganz entspannt. Niemand wird Ihnen etwas antun.‟ Die Pilotin verzog das Gesicht. Ihre Muskeln zuckten. Sie wehrte sich gegen die Restriktion ihrer Glieder. „Wo bin ich? Was ist mit mir geschehen?‟ Mortimer betrachtete sie wie ein interessantes Insekt. „Wissen Sie denn nicht mehr, wo Sie herkommen?‟ Flosa ächzte. „Ich... ich kann mich an nichts mehr erinnern.‟ Sie spürte aufkommende Kopfschmerzen. Mortimer tippte in eine virtuelle Tastatur und klickte einige Stellen auf einem Holoscreen an. Abrupt bäumte sich die Liegende auf, um im nächsten Moment auf der Liege bewegungslos zu erschlaffen. Die neuen Erweiterungs-Daten für das AR-Programm waren transferiert worden. Die alternative Realität konnte fortgesetzt werden.

Im nächsten Augenblick sah Madam Blossom Dr. Mortimer überrascht an. „Was haben sie mir am Hals verabreicht?‟ Der Arzt winkte ab. „Ach, nur eine kleine Vitaminstimulation. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.‟ Madam Blossom dankte und schaltete ihren Rechner aus. Als sie das Büro verließ, löschte automatisch ein Sensor die Beleuchtung in dem Raum. Die Frau fuhr mit dem Lift zum Shuttledeck und ließ sich von der firmeneigenen Fähre zu ihrer Wohnung bringen. Die autonome Navigationssteuerung brachte sie auf direktem Weg innerhalb von vier Minuten zu ihrem Tower. Wenn sie sich richtig erinnerte, würde nun ein leckeres Currygericht auf sie warten. Dazu weißer Tee mit Kandis. Die Kücheneinheit sollte es gerade servieren.

In einem anderen Sektor der Galaxis produzierten Maschinen mit Hochdruck weitere Androiden und technische Ausrüstung auf Frigidus. Zwei Praefectas standen an einem Geländer in luftiger Höhe und schauten zu einer gigantischen Produktionsfabrik hinab, die die Form eines Tubus bildete. Ein „Kaiserlicher Diener‟ - vom Dienstrang vergleichbar mit einer Praefecta - einer insektoid-humanoiden Spezies kam im Stechschritt dazu. Sein exotroper Blick verwirrte die beiden Frauen. Der Mann war zwei Meter groß und wirkte durch seine schuppige Haut und die dicke lederähnliche Uniform sehr kräftig. Der Hals war ganz hinter einem metallenen Kragenring versteckt. Der Kopf war breit und nach vorne flach. Eine Nase war nur angedeutet, und der darunter befindliche Mund konnte sich extrem weit zur Seite öffnen. Statt Zähnen verfügte die Spezies über Hornplatten, die regelmäßig nachwuchsen. Seine Universalsprache war von einem starken Akzent durchsetzt, der ihn jedes „R‟ tief rollen und jedes „S‟ zischen ließ.

„Mein Verband ist bereits vollständig armiert. Es fehlt nur noch die Androidbesatzung. 600 Schiffe.‟ Eine der Praefectas berichtete, dass auch ihre Einheit im Orbit um Frigidus geparkt war. 500 Schiffe. „Mir fehlen nur noch 31 Prozent der Androiden.‟ Die andere Praefecta nickte. „Wir liegen gut im Zeitplan. Augusta Regina wird zufrieden sein.‟ Der Kaiserliche Diener brummte. „Aber die Antriebe der Regina-Klasse sind nicht akzeptabel.‟ Die Frauen stimmten missmutig zu. Es mussten noch technische Updates eingeleitet werden. Außerdem war die balistische Panzerung der Begleitschiffe wie Transporter und Versorger sowie der Aufklärer und Spezialkreuzer noch nicht ausgereift. In Sachen Schutzschilde waren die Scarabaeus ihnen deutlich im Vorteil. Selbst die Keramik-Titan-Hüllen waren im Vergleich zu den Materialien der Verbündeten empfindlich wie eine Schicht Gaze.

Doch trotz aller Allianzen ließen sich die Scarabaeus nicht in die Karten schauen. Ihre Technologie teilten sie mit niemandem. Der Kaiserliche Diener drückte sich gegen die rechte Schläfe und aktivierte damit einen Booster für eine Hormonausschüttung, die sein Gemüt drosselte. Die Scarabaeus waren dafür bekannt, extrem schnell aufbrausend zu werden und ihr heißes Temperament kaum kontrollieren zu können. Um überhaupt mit anderen Völkern zivilisiert kommunizieren zu können, mussten sie ihren Hormonspiegel mit Oxytocin modifizieren. Ansonsten hätte das Wesen vermutlich die beiden Praefectas aus einem inneren Impuls heraus über das Geländer in die Tiefe gestoßen. Stattdessen salutierte er zackig und wortlos vor den Damen und drehte sich um, schritt zum Eingang und verschwand. Seine harten Stiefel hatten auf dem Metallgitterboden laut gescheppert.

Die eine Praefecta grinste vor sich hin. Sie sinnierte über das Geschlechtsorgan des Scarabaeus. Sie hatte in einer Datenbank eine Fotografie gesehen. Der Perimeter war beachtlich. Vielleicht nicht gerade in der Liga eines Munusphallus, aber die schwellenden noppenartigen Wulste daran dürften... interessant sein. Ihre Kameradin hatte ganz andere Gedanken. Sie drehte sich zu ihrer Begleiterin um. „Wir müssen uns nicht nur Regina zurückholen. Die ganze Vereinigte Allianz muss fallen.‟ Sie seufzte. „So viele, gute Soldatinnen sind Opfer dieser machthungrigen Barbaren geworden. Wenn ich an die edle Audaxa denke, die jetzt auf Beta Patria im Gefängnis sitzt. Oder Misera, die ich persönlich kannte. Die haben sie an diesen Privatgefängnisverein vermacht. Wer weiß, wo unsere Schwester gerade steckt.‟ Die Kameradin schniefte trotzig. „Wenn die VA gefallen ist, wird auch die Interplanetary Private Prison Corporation zur Verantwortung gezogen werden.‟

Der Scarabaeus traf sich mit Vertretern seines Verbandes in einem Konferenzraum. Dazu zog sich der Mann eine schwarze Soutane über. Die Tische waren in U-Form aufgestellt. Insgesamt fanden 30 Kaiserlich Geführte Platz an hohen Ledersesseln. Der zentriert positionierte Stuhl des Kaiserlichen Dieners Zark war höher, und die Rückenlehne stand einem pompösen Thron in nichts nach. Die Gerüsteten Kaiserlich Geführten standen stramm vor ihrem Befehlhaber. Zark setzte sich und nickte. Daraufhin schlugen sich alle 30 Offiziere simultan mit der rechten Faust auf die linke Brust. Es folgte eine leichte Verbeugung – akribisch präzise in einem Winkel von 45 Grad-, dann setzten sie sich ebenso gemeinschaftlich hin.

Die Strategiebesprechungen fanden alle zwei Tage statt. Sie dauerten nie länger als 30 Minuten, denn länger konnten sich Scarabaeus nicht konzentrieren und ruhig sitzen. Ihre Physis erforderte viel Bewegung. War ihnen diese verwehrt, so musste es zwangsläufig zu physischen und psychischen Gewaltausbrüchen kommen. Nach 28 Minuten beendete Zark daher die Runde. Die Kaiserlich Geführten sprangen auf und verließen den Raum. - Viele von ihnen würden sich nun erst mal bei ihrem Nationalsport austoben. Es ging dabei darum, schwere Kugeln eine Schräge mit einem Steigungswinkel von 36 Prozent hochzurollen, bis sie in entsprechenden Löchern landeten. Zugleich war es den Mitspielern aber erlaubt, sich gegenseitig mit allerlei Ringertechniken zu behindern. Für einen Außenstehenden sah es eher aus, wie eine Kraftübung mit gleichzeitigem Bowling, kombiniert mit Prügelei. Der Eingeweihte erkannte jedoch viele strenge Regeln, die das Spiel hatte. Zum Beispiel waren Bisse verboten.

Zark beteiligte sich nicht, aber er war ein wahrer Meister in dem Sport und hatte es in seiner Heimatwelt zu so mancher Auszeichnung gebracht. Eine Ehrung hatte er sogar vom Kaiser persönlich erhalten. Doch seine Gedanken waren momentan bei der Großinvasion, die in wenigen Monaten bevorstand. Noch immer gab es bei einigen Disruptoren bei konvergierendem Kurs der Schiffe Probleme mit der Feuerleitkonsole. Dutzende Experten arbeiteten unter Hochdruck an den essentiellen Programmen, um sie zu optimieren. Manche Spezialisten waren von der Heimatwelt der Scarabaeus aus tätig, aber die Majorität der Software-Ingenieure befand sich auf Frigidus, in einem der zahlreichen neuen Habitate einquartiert.

Die Spezies blieb möglichst separiert von den anderen Völkern des Alpha Dominion. Ihr ausgeprägtes Gewaltpotential schien diese Maßnahme erforderlich zu machen. Der Hohe Rat des AD hatte sich anfangs nur schwer durchringen können, die bizarren Wesen überhaupt in die gemeinsame Flotte des großen Befriedungszuges zu integrieren, aber deren qualitativ hervorragende Waffentechnik bot ein unschlagbares Pro-Argument. Die Immersionsprogramme zur Toleranz waren daher Pflicht für alle. Nur wirkten sie bei den Scarabaeus kaum. Weder die Software noch Neurotransmitter waren mit den Kreaturen kompatibel.

Animus und Gravis waren auf einem Transstellar-Schiff der Hornetklasse, das zum Konzern Prospect Enterprises gehörte, unterwegs ins Zentrum der Vereinigten Allianz. Ziel war das Sol-System X94021-115-BP, in dem der Planet Pax Novo um einen Stern kreiste. Mr. Carthy hatte nicht zu viel versprochen. Zur Besatzung gehörten zwölf Personen der Werkssecurity sowie ein Co-Pilot. Glücklicherweise war es nicht der Kollege von Flosa, dieser Mc Coy, den weder Animus noch Gravis besonders sympathisch fanden.

Der Fusionsantrieb hatte sie schnell auf Überlichtgeschwindigkeit gebracht. Der Mann am Steuer bewegte den Joy-Stick ein winziges Stück von vorne. Er rastete ein. Eine weitere Antriebsstufe war initiiert.
Die Reise nutzten die Gefährten damit, sich detailliert auf Flosas Befreiung vorzubereiten. Es gab viele Informationen über Bionic Industries in frei zugänglichen Datenbanken. Auch der Aufbau der Konzernzentrale in einem Skytower war einsehbar. Die Freunde verfügten zwar beide nicht über ein eidetisches Gedächtnis, aber die rudimentäre Grundstruktur des Gebäudes konnten sie sich merken. Sicherheitshalber würden sie ein Arm-Palmtop mitnehmen.

Animus durchdachte ihr Vorgehen. „In dem Turm werden hunderte Androiden herumlaufen. Wer uns in die Quere kommt, den müssen wir ausschalten. Wir haben dazu EMP-Impulsatoren.‟ Er warf Gravis ein Exemplar zu. Das Gerät sah aus wie eine kleine Scheibe. An der Unterseite waren ein Griff und ein Abzughebel angebracht. Auf der Scheibe befand sich ein kleines Display, das den Modus, die Strahlenintensität und die Reichweite mit kleinen leuchtenden Symbolen anzeigten. Animus zeigte Gravis, wie er das Equipment zu handhaben hatte. „Bei STC hatten wir ähnliche Dinger.‟ Der Muskelmutant knurrte. „Am liebsten würde ich diese blöden Typen bei BI mit meinen Pranken in Stücke reißen!‟ Animus warnte den Freund vor übereilten Aktionen. „Unterschätze nicht die Kraft einiger Androiden.‟

Er öffnete den Aluminiumkoffer, aus dem er die beiden Impulsgeber geholt hatte, und betrachtete den Inhalt: Weitere zwölf Exemplare waren einsatzbereit - für jeden Securitymann eines. Blieb nur die Frage, wie sie gegen Menschen vorgehen konnten. Auf wie viele lebende Personen würden sie treffen? Bei BI war beinahe alles automatisiert. Die Androiden bauten sich selbst. Aber es musste ja noch Humanoide geben, die die Produktion kontrollierten und technische Inovationen auf den Weg brachten. Mindestens die Vorstandsetage müsste aus Menschen bestehen, überlegte Animus. Aber das waren sicherlich keine ausgebildeten Kämpfer – im Gegensatz zu ihm, Gravis und ihrer zwölfköpfigen Unterstützung.

Die Planetenpolizei konnte der Konzern nicht einschalten, sonst müsste er ja erklären, wieso Flosa sich bei ihnen aufhielt. Alle 14 Einsatzpersonen waren exzellent in der Kampftechnik „Os-Frangi‟ ausgebildet. Gravis würde technisch vermutlich eingeschränkt sein, da sein extrem massiver Körperbau dabei eher hinderlich war, doch das glich er mit seiner Kraft und seinem Gewicht wieder aus. Nur der Pilot würde an Bord bleiben und das Schiff in einer nahen Umlaufbahn halten. Ein kleines Shuttle konnte vom Orbit auf die Planetenoberfläche fliegen, ohne große Aufmerksamkeit zu erregen. Allerdings war es nur für sechs Personen gebaut.

Trotzdem, sinnierte Animus, mussten sie alle hineinpassen. An eine gewisse Enge hatten sie sich schon gewöhnt. Auf dem Schiff gab es wenig Privatsphäre: die Brücke mit Steuerkonsole und Navigationseinheiten, ein Gemeinschaftsraum, in dem auch gegessen und konferiert wurde, eine Nasszelle, eine Kücheneinheit mit Nahrungszubereitungsprogrammen und die Schlafkojen, die nicht viel geräumiger als ein Sarg für eine Weltraumbestattung waren. Für Gravis war es daher nicht möglich, hineinzukriechen. Er schlief stattdessen auf dem Boden auf einer Gelmatratze.

Der Mann am Steuerknüppel aktivierte einen Langstreckenkanal zur Basis. „Hier TSH-PE1. Commander Magnusson. Mr. Carthy? Ich transferiere Ihnen gerade unsere aktuellen Koordinaten. Sind in der Peripherie von Litus Mundus. Bisher keine Auffälligkeiten.‟ Der Pilot schaltete 20 Prozent mehr Energie auf das Kraftfeld, das als Schutzschild gegen kleine Meteoroiden und andere Partikel diente. In dem Sektor, den sie augenblicklich durchquerten, gab es viele solcher Fremdkörper aus Gestein und Eis. Sie stammten von einer viele Lichtjahre entfernten Kollision zwischen zwei größeren Asteroiden, die vor Millionen von Jahren zerplatzt waren. Ausgerechnet zur aktuellen Zeit waren sie auf Rendezvouskurs mit der Hornet von Prospect Enterprises. Eine Gefahr stellten sie für das Schiff nicht dar, solange der Energieschild aktiv war und alle Objekte vor der Schiffshülle bereits ablenkte.

Animus befand sich ebenfalls auf der Brücke und unterhielt sich mit dem Piloten. Auf dem Schirm war der Planet Litus Mundus zu erkennen. „Könnten die abgelenkten Gesteinsbrocken in die Atmosphäre des Planeten eindringen?‟ Der Pilot konnte ihn beruhigen. „Nein, ich habe das Kraftfeld entsprechend programmiert. Sie fliegen weit am Orbit vorbei. Die meiste Materie würde außerdem verglühen.‟ Animus erinnerte sich an die Zeit als Soldat der VA, um gegen Regina zu kämpfen. „Auf Litus Mundus war unsere Militärbasis. Inzwischen wird es wohl in erster Linie wieder ein Vergnügungsort sein.‟ Der Pilot nickte und gab einige Befehle für das Triebwerk des Schiffes ein. „Ja, die VA-Einheiten sind fast alle abgezogen.‟

Schon wenige Minuten später war der Planet vom Screen verschwunden. Die Hornet schoss weiter Richtung Pax Novo. Als Animus zum Gemeinschaftsraum zurückkehrte, machte Gravis gerade Armwrestling mit den Securitymännern. Es war nicht sehr überraschend, dass er das ganze Dutzend hintereinander besiegte. Er grinste seinen Kameraden an. „Na? Was ist mit dir? Auch mal versuchen? Ich habe mich gerade aufgewärmt.‟ Animus winkte dankend ab. Er war in Gedanken bei Flosa. Die Befreiungsaktion musste gelingen. Was wusste Flosa bloß, das dem Bionik-Konzern so wichtig war?

Timiditas ächzte. Er hatte aufgehört, gegen die Scheibe zu schlagen: mit der Schulter, mit dem Fuß, irgendwie. Es brachte eh nichts. Wenn das Schiff evakuiert wurde, hatte man ihn vergessen. Er steckte in der Haftzelle wie in einer Todesfalle und war auch noch mit einem Monohandschuh auf dem Rücken gefesselt. - Das machte allerdings keinen Unterschied. Wenn der atomare Antrieb außer Kontrolle geraten war, hatte sein letztes Stündlein sowieso geschlagen. Es gab keine Rettung. Er resignierte. Sein Hecheln und der rasende Puls verschwanden. Er setzte sich ruhig auf die Pritsche und erwartete fatalistisch sein unausweichliches Ende.

Und dann geschah das Unerwartete: Die Zellenglastür öffnete sich einen Spalt. War das eine weitere Fehlfunktion? Der Munus stand auf und betrachtete den Durchgang. Wenn er sich vielleicht hindurchquetschen konnte... Er setzte zum ersten Versuch an, merkte aber schnell, dass der Abstand zu klein war. Doch bewegte sich die Tür ein paar Zentimeter, wenn er dagegen drückte. Timiditas presste weiter und stemmte sich dazwischen. Wieder schob sich die Tür weiter auf. Er verdrehte sich seitlich, quetschte den Armstulpen durch, dann seine linke Schulter, die Brust schabte an der Kante der Türöffnung. Jetzt passte er hindurch und fand sich auf dem Korridor vor den Haftzellen wieder. Rauch waberte in der Luft. Am Ende des Ganges blinkte eine rotierende Leuchte. Sollte er sich nach links oder rechts wenden? Wo ging es zum Shuttlehangar?

Hoffentlich waren nicht schon alle Fähren weg. Im Hintergrund heulte eine Alarmsirene. Timiditas verteufelte seinen Monohandschuh. Das reißfeste Material würde er nicht mit Gewalt entfernen können. Jemand musste ihm die Schnallen öffnen. Er stolperte vorwärts in eine Richtung. Weg von der Warnlampe. Nach einigen Metern knickte der Flur zur Seite ab, doch dort war kein Durchkommen: Wandpaneele waren aufgeplatzt und gaben den Blick auf einen Wartungsschacht mit Schaltkreisen und Kabelsträngen frei. Aus einem Ritz quoll gallertartige Masse und roch nach verbranntem Kunststoff. Und gleichzeitig war ein Rohr gebrochen und ließ nun kochendheißes Kühlwasser entweichen. Der Strahl wirkte wie ein unpassierbares Hindernis. Der Munus drehte um und lief zurück. Auf die Warnleuchte zu. Eine synthetische Stimme aus der Decke ertönte. „Hüllenbruch steht kurz bevor. Wahrscheinlichkeit vollständiger Zerstörung des Schiffes: 100 Prozent. Lebenserhaltung ausgefallen. Netzwerk ausgefallen. Energieschild ausgefallen. Termination des Zentralsystems erfolgt. Wieder... wiederhol.... Termination des Zentrrrrrr... systems errrrrrrf.... fol...‟ Die Ansage brach mit einem Knistern ab.

Der Flüchtende stand vor einem verschlossenen Schott. Es ließ sich nicht ohne alphanummerischen Code öffnen. Er tippte mit seiner Nase vorgebeugt auf ein Zahlenpad an der Wand und probierte wie ein Stochastiker willkürlich Kombinationen aus. Erfolglos. Die Wahrscheinlichkeit, das Schott so zu öffnen, lag bei 1:1.000.000. Ein lautes Krachen vibrierte bassig und gewaltig durch den Rumpf und ließ den Boden erzittern wie ein tektonisches Beben. Jede Sekunde konnte das Schiff in einer nuklearen Explosion vernichtet werden. Und selbst, wenn sie ausbleiben sollte, würde die Kernschmelze im Reaktor dafür sorgen, dass die Strahlung sich durch alle Hüllen fraß. Und ohne Lebenserhaltungssystem war der Sauerstoff bald Vergangenheit.

Timiditas murmelte zynisch. „Läuft bei mir!‟ Er biss die Zähne zusammen und trat mit aller Kraft gegen das Schott. Leider stellte es sich als stabiler heraus, als es sein Fuß war. Als er ein Fauchen hörte, drehte er sich um: Eine Feuerwand schnellte axial des Korridors auf ihn zu. - In einem anderen Sektor des Schiffes lösten sich die Andockkrallen des letzten Shuttles mit einigen Besatzungsmitgliedern. Das große Außenschott blieb offen. Das Vakuum hatte das Rettungsdeck erobert. Dann explodierte eine Seite der Regina I und separierte das Schiff in mehrere poröse Teilstücke. Die sich wegen der immensen kinetischen Energie zügig voneinander entfernten. Die harte Strahlung des zerstörten Reaktors hatte sich längst überall verteilt. Durchschnittlich ergab das Werte von 22 Sievert. Timiditas verspürte augenblicklich einen Kopfschmerz und intensive Übelkeit. Er brach zusammen und fiel zu Boden, als ihn die 2.000 Grad Celsius heiße Feuerwalze erreichte und über ihn hinwegtoste.

Die Druckwelle war so stark, dass das massive Schott sich verzog und sich einen kleinen Spalt öffnete. Die Atmosphäre schoss peitschend hinaus ins Vakuum und löschte die Flammen durch die vollständige Dekompression. Eine sich lösende Stahlniete jagte wie ein ballistisches Geschoss durch die Luft gegen das Schott. Die Temperatur in dem Korridor fiel in Sekundenbruchteilen um 90 Grad. Doch davon bekam der bewusstlose Munus nichts mehr mit. Mit der Öffnung der Außenluke war auch die künstliche Schwerkraft ausgefallen. Das Vakuum wollte Timiditas durch den Spalt saugen, und nach einer Weile gelang es ihm auch. Im nächsten Moment zerbrach das Rumpfmodul in weitere Einzelteile.

Die Rettungsshuttles nahmen Kurs zurück nach Naturalis Sidus. Die Exilregentin Augusta Regina war außer sich vor Wut. Sie wollten einen großartigen Befreiungszug durchführen, und ohne Feindeinwirklung entkamen sie nur knapp dem Tode! Der Kreuzer war in technisch einwandfreiem Zustand gewesen. Es musste einen Saboteur geben. Jemand, der die Invasion gegen die VA verhindern wollte. Wer spielte falsch? Regina grübelte. Eine ihrer Praefectas musste das faule Ei sein. Die Sabotage war ein Anschlag auf ihr Leben gewesen. Und was für eine Schmach gegenüber den Verbündeten im Alpha Dominion! Was sollten die von ihnen denken? Dafür musste die Schuldige büßen!

Wem konnte sie noch trauen? Sie kauerte in ihrem Sitz in der Besatzungskapseleinheit und knurrte mit den Kiefern mahlend vor sich hin. Dann wollte sie von der Centuria wissen, wann sie Naturalis Sidus erreichten. Die Uniformierte räusperte sich. „Wir werden in drei Stunden und zwölf Minuten die Regina II erreichen. Sie wird uns und die übrigen Shuttles an Bord manövrieren.‟ Mit ihrem einfachen Notantrieb wären sie noch tagelang unterwegs gewesen, um den Orbit des Planeten zu erreichen. Die Tyrannin tobte. „Drei Stunden!? Ich will wissen, wer für diesen Reaktorunfall verantworlich ist!‟ Mulmiges Schweigen war die einzige Antwort, die sie momentan bekam. Die Verräterin sollte drakonisch bestraft werden. Für diese Prozedur würde sie persönlich die Volt-Peitsche schwingen, bis ihr der Arm abfiel.
Viele Grüße von prallbeutel
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Meine kostenlosen Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++
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  RE: Regina Datum:28.11.18 20:01 IP: gespeichert Moderator melden


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Hallo Prallbeutel,

all zu viele Komentare gibt es ja nicht zu Deiner Geschichte. Schade eigentlich. Ich für meinen Teil lese sie sehr gern und finde sie spannend. Respekt auch, für den Umfang der Teile.


Danke für deinen Kommentar!
Leider bekommt die Story in der Tat praktisch keine Feedbacks. Das fördert nicht gerade meine Motivation, die Geschichte hier zu posten.
Ich freue mich über jeden Post, auch konstruktive Kritik. Angeklickt wird sie ja offenbar oft.


Ich bin erst von ein paar Tagen auf deine Geschichte gestoßen. Die vielen unerwarteten Wendungen finde ich sehr interessant.

Das mit den Kommentaren ist so eine Sache. Es gibt (fast) immer die große schweigende Mehrheit.

Bitte schreib weiter. Ich muss sagen, du baust da gerade ein sehr komplexes Universum zusammen. Und ich bin immer wieder gespannt wie es mit unseren drei Protagonisten weitergeht.

Auch die Antagonistinnen die gerade ins AD geflohen sind lassen noch einiges erwarten.
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  RE: Regina Datum:29.11.18 16:55 IP: gespeichert Moderator melden


Nun habe ich endlich alle Teil gelesen. Interessant welche Wendungen die Gesichte bis hierher genommen hat. Da wartet man doch voller Vorfreude auf den nächsten Teil.
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  RE: Regina Datum:29.11.18 16:56 IP: gespeichert Moderator melden


Jetzt habe ich endlihc alle Teile dieser Geschichte gelsen. Interessant finde ich die vielen unerwartetn Wednungen. Ich freu mich auf den nächsten TEil
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Licentia poetica

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  RE: Regina Datum:02.12.18 22:38 IP: gespeichert Moderator melden


GLOSSAR

Alpha Dominion: Bündnis diverser Welten und Lebensformen, einige davon nicht Humanoid.

Planeten im AD:
Frigidus: kalter Planet an der Sektorgrenze, m. militärischen Einrichtungen
Naturalis Sidus: großteils tropischer Planet (Exil für Augusta Regina)

Vereinigte Allianz: Bündnis diverser Welten und Lebensformen (128 Milliarden Humanoiden)

Planeten der VA:
Beta Patria: liegt im Sol-System X94021-115-BP und beherbergt den Hohen Rat der VA
Pax Novo: wirtschaftlich starke Welt (233 Mio Bevölkerung); Hauptstadt: Pax-City (14 Mio), liegt im gleichen Sol-System wie Beta Patria
Colonia Agricultura: Planet mit Landwirtschaft (Nahrungserzeugung)
Mare Mutus: Planet in der Nähe des Regina-Systems
Litus Mundus: Vergnügungs- u. Urlaubsplanet (temporär als Militärbasis genutzt)

Regina: Kolonie der VA, revoltierte und machte sich unter Augusta Regina unabhängig (zur Zeit des Matriarchats: 85 Millionen erwachsenen Bewohner; 1 Million Milizionärinnen; 10 Millionen Pugnatoren. 20 Millionen Rusticusse; 20 Millionen Munuswesen; 2 Millionen Adelsdamen; 32 Millionen Frauen auf dem Planeten als Familienleiterin oder Berufstätige.) Die VA erobert den Planeten zurück. Die Bevölkerung ist stark geschrumpft (90 % der Männer sind Rusticusse oder Munus). Vereinzelt leben Adelsdamen mit Rusticussen und Munuswesen im Untergrund. Die meisten der Kreaturen sind übergelaufen zur VA und leben in Ghettos auf Regina oder integrieren sich in die VA-Gesellschaft in anderen Welten.

Neuromodifizierte Wesen unter Augusta Regina:
Rusticus (Arbeiter) und Munus (Sexsklaven); besondere Rusticus-Variante: Custos (muskulöse Haremswächter)

andere Lebensformen:
Volk von Placidus (friedliebende Humanoide (1,30 m groß, stark behaart) u. hörig, ohne Aggression; werden im AD gerne als Sklaven gehalten
Scarabaeus: insektoid-humanoide Spezies des AD (Kaiserreich). Exotrope Augen, Schuppenhaut, 2 m groß, aggressiv. Offiziersrang: Kaiserlicher Diener. Untergeordnet: Kaiserlich Geführter.

Konzerne:
Bionic Industries (größter Androidproduzent in VA, auf Pax Novo), grünes Logo; Sitz: Pax Novo.
Prospect Enterprises: Erzverarbeitungsbetrieb. Sitz: Regina
IPPC (Interplanetary Private Prison Corporation): private Gefängniskette, gelbes Logo. Diverse Standorte.
Securitas Tracing Corp.: Organisation zur Festnahme von rebellierenden Munuswesen und Edelfräuleins. Einsatzort: Regina.



[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von prallbeutel am 02.12.18 um 22:39 geändert
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  RE: Regina Datum:10.12.18 19:14 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXX ~


Das Neuro-Programm war im Kortex Flosas implantiert. Sie lebte virtuell als Madam Blossom weiter. Die Umgebungsstruktur mit den künstlichen Charakteren passte sich in Realtime den Entscheidungen des Avatars an. Der Android Mortimer trennte ihren Körper von den Kabeln und schob ihn in eine Kälteschlafkapsel. Während ihr virtuelles Leben dort weiterlief, überschrieben Nanomaschinen ihre realen Erinnerung an den Besuch des Etablissements und das Treffen mit dem Lustandroiden, dessen Fehlfunktion dem Konzern Bionic Industries großen Ärger hätte machen können, wäre an die Öffentlichkeit gekommen, dass mit ungeprüften KI-Modulen experiment worden war.

Das war schon unter Laborbedingungen verboten, aber die Bevölkerung eines Planeten der Gefahr auszusetzen, das war eine Straftat, die den Konzern in die Knie gezwungen hätte – und den Vorstand ins Gefängnis. Keine Frage: Die Administration von Beta Patria hätte durchgegriffen. - Mortimer aktivierte das Stasisprogramm, die Koje schloss sich zischend, und dann dimmte das Licht an der Plexiglasscheibe, die den Blickkontakt zu Flosas Gesicht ermöglichte. Sie schien friedlich in ihrem Sarkophag zu schlafen.

Der Humanoid-Roboter hatte seine Aufgaben erfüllt und schloss an einem Terminal nun ein Kabel
mit einer spitzen Steckverbindung an seine Buchse, der integrierten Datenempfangskontaktstelle, unter seiner linken Achsel an, damit er neue Befehle und Energie einspeisen konnte. Auf einer nahen Konsole wuchs ein Fortschrittsbalken auf einem Screen langsam von links nach rechts. Daneben wechselten Zahlen, die in Ampere und Terrabytes angegeben waren.

Zwei Etagen über dem Raum saßen zwei Männer an einem ausladenden Schreibtisch aus Stahl und Glas. Der Mann hinter dem Tisch trug ein Hemd mit Stehkragen und geschäftsmäßige Kleidung. Als CEO von Bionic Industries hatte er in nur fünf Jahren den Umsatz des Unternehmens verdreifacht. Ein Vaporisator steckte zwischen seinen Lippen und verbreitete ein Vanillearoma in der Luft. Ohne den niedrig dosierten Tranquilizer wäre der Vorstandschef wohl vor Wut umhergesprungen wie ein Kugelblitz. Vor ihm saß der Abteilungsleiter der Control-Unit. Der CEO blies den Dampf aus und schürzte die Lippen.

Seine Worte waren scharf wie Nanoklingen. „Wie viele sind außer Kontrolle?‟ Sein Gegenüber schluckte umständlich. Keine lange Einleitung. Erst recht kein Small Talk. Er wollte konkrete Zahlen. Der Mann räusperte sich. „Wir konnten 16 der KI abschalten. Aber vier Exemplare haben ihre programmierte Handlungsweise verlassen und sind momentan von uns nicht kontaktierbar.‟ Der Vorstandsvorsitzende starrte den Angestellten an, als wolle er ihn wie ein Laserstrahl durchbohren. Der Chef der Control-Unit presste die Lippen zusammen. Es kam noch mehr. Das war noch nicht alles. „Außerdem kann es nicht ausgeschlossen werden, dass weitere 19 Exemplare den Sicherheitsbereich verlassen haben.‟ Der Konzernleiter machte große Augen. „Was heißt das? Sind sie unkontrolliert im Gebäude unterwegs?‟ Der Mann wurde kleinlaut. „Äh, ja. Oder... außerhalb. Wir sind mit Hochdruck dabei, das zu eruieren.‟

Der CEO schien die Luft anzuhalten. Weitere 19 KI hatten die Gesellschaft kontaminiert. Niemand wusste, welche Auswirkungen das hatte. Wie reagierten die Androiden in einem fehlerhaften Autonom-Modus? Welchen Schaden richteten sie an? Aufgrund ihrer Adaptionsfähigkeit waren sie ad hoc nicht von normalen Humanoiden zu unterscheiden. Die Atmosphäre im Raum knisterte vor Anspannung. Der Vaporisator knallte auf die Kristallglasplatte. „Sind die Limitierungsprogramme mit den Restriktionsbarrieren aktiv?‟ Der Angestellte schabte unruhig mit dem Fuß und leckte sich nervös über die trockenen Lippen. „Äh, teilweise wohl...‟

Sein Vorgesetzter starrte ihn noch durchdringender an als zuvor. „Das heißt, die Dinger haben ihre Beschränkungseinstellungen deaktiviert? Selbstständig?‟ Der Mann nickte unglücklich. „Ich fürchte ja. Technisch sollte es unmöglich sein, aber irgendwie...‟ Er wurde unterbrochen. „Sagen Sie mir, dass wir sie finden werden!‟ Der Angesprochene nickte. „Ja, es sind interne Securityspezialisten auf ihrer Spur. Zusätzlich haben wir die STC eingeschaltet.‟ Der Boss fuhr ihn an. „Was!? Die arbeiten doch mit der Regierung zusammen. Dann wird alles publik!‟ Der Angestellte schüttelte schnell den Kopf. „Nein, nein. Das ist inoffiziell. Wir haben da sehr verlässliche Leute.‟ Der CEO hob sein Kinn. „Sie meinen Korrumpierte.‟ Sein Untergebener lächelte unverbindlich. Dann fragte sein Boss nach Mitwissern. „Der Kreis der Eingeweihten ist so klein wie möglich.‟

Als der Abteilungsleiter der Control-Unit das Büro nassgeschwitzt verlassen hatte, griff der CEO nach dem Vaporisator und quetschte ihn in seiner Faust so fest, wie er konnte. Jeder, der von dem Vorfall wusste, war ein Sicherheitsrisiko. Früher oder später musste es eliminiert werden. Er aktivierte auf einem Touchscreen eine Videoverbindung zu seinem androidischen Sekretär. „Gibt es Neuigkeiten zu unserem weiblichen Ehrengast?‟ Der Android antwortete ohne signifikante Verzögerung. „Das Subjekt liegt in Stasis. Die Erinnerungsdaten werden überschrieben. Der Prozess dauert noch...‟ Der Vorstandsvorsitzende unterbrach ihn. „Danke. Mehr brauche ich nicht zu wissen.‟

Er beendete die Verbindung mit einem Fingerstoß auf das Touchdisplay. Dann lehnte er sich in seinem voluminösen Schreibtischsessel zurück und seufzte. Was für ein Disaster! Dieser Skandal konnte die Firma vernichten. Ganz abgesehen von dem Problem, das die befreiten KI die Gesellschaft verseuchten. Wenn sie sich reproduzieren konnten, wäre das eine Pandemie unvorstellbaren Ausmaßes. Würden sich die Maschinen gegen die Menschen wenden, könnte das die Auslöschung der Vereinigten Allianz und noch weiterer Sektoren der Galaxie bedeuten. Hier lief irgendwie gerade alles aus dem Ruder.

Der CEO holte wütend aus und warf den Vaporisator gegen eine kristalline Skulptur, die in tausende Scherben zersplitterte und sich auf dem Boden verteilte. Sofort erschienen zwei Purgeroboter, sammelten die Überreste auf und wischten den Untergrund. Der BI-Boss murmelte vor sich hin. „Wenn jedes Problem so einfach zu lösen wäre...‟ Noch leuchtete ein überdimensionales Hologramm mit dem Logo von Bionic Industries über dem hohen Gebäude des Konzerns. Aber wie lange noch?

Im Anflug auf Pax Novo durch den schwarzen Raum war ein Schiff der Hornet-Klasse mit der offiziellen Bezeichnung TSH-PE1. Es tauchte in den Orbit des Planeten ein und driftete auf eine Umlaufbahn, die für zivile Schiffe reserviert war. Commander Magnusson wendete sich an seine Gäste Animus und Gravis. „Eine Landung in Pax-City wird schwierig. Es gibt Unruhen bei den Landefeldern.‟ Er aktivierte eine Hologrammtafel und wählte sich in eine Nachtrichteneinspeisung ein: Demonstrationen, teilweise mit gewaltätigen Ausschreitungen waren zu sehen. Eine Reporterstimme war im Hintergrund zu hören. „Die radikale Gruppierung der Munusgegner haben Teile des Raumbahnhofs besetzt. Die meisten Teilnehmer sind allerdings in der Innenstadt unterwegs und protestieren gegen die Einbürgerung von Mutanten, wie sie Munuswesen und Rusticusse nennen.‟

Ein hoher Politiker mit Gelfrisur und spitzem Kinnbart sprach in einen Wald aus Presse-Mikrofonen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Kreaturen die Gesellschaft unterwandern, während sie noch dem Gedankengut des Regina-Regimes loyal frönen. Eines muss klar sein: Nur diejenigen, die der Diktatur abschwören, können wir integrieren. Alle anderen, und das sind nach verlässlichen Zahlen 40 Prozent, gehören interniert. Nur diese Maßnahme kann unsere Bürger und Bürgerinnen schützen.‟

Der Reporter, der aus diversen Drohnen filmte, berichtete weiter. „Noch unübersichtlicher wird die Lage, weil demonstrierende Pazifisten gegen die militärische Aufrüstung aufmarschieren, die zurzeit vom Hohen Rat verfolgt wird. Sie beruht lediglich auf unbestätigten Informationen des Interstellaren Geheimdienstes, dass das Alpha Dominion eine Großinvasion planen soll. Viele Politiker betonen, dass die Hinweise nicht ausreichend verifiziert seien. - Und dann gibt es noch die militanten Hegemoniker. Sie würden am liebsten die Kolonie Regina vernichten und anschließend das Alpha Dominion erobern. Um ihrer Politik Nachdruck zu verleihen, haben sie sich bereits zu drei Terroranschlägen auf Munuszentren bekannt. Zwei weitere Vorfälle im Norden der Stadt sind vermutlich Splittergruppen zuzuordnen. Die Planetenpolizei ermittelt. - Ich höre gerade, dass der Hohe Rat den Ausnahmezustand über den gesamten Planeten Pax Novo verhängt hat. In den nächsten Tagen könnte dies auch für Beta Patria und seine Monde gelten. Dazu liegen uns noch keine Informationen vor. Aber die Börsenkurse stürzen ab.‟

Animus fragte, ob eine Landung möglich wäre. Commander Magnusson verneinte unverzüglich. „Bei einem Ausnahmezustand ist das ausgeschlossen. Entweder bleiben wir vorerst im Orbit, oder wir fliegen nach Beta Patria.‟ Animus betrachtete sein Handgelenkscom und tippte sich durchs ComNetz. „Es gibt um Pax Novo drei Raumstationen, die wir ansteuern könnten. Ich denke, das ist die beste Idee. Dort könnten wir weitere Nachforschungen durchführen. Beta Patria ist zu weit entfernt.‟ Gravis nickte. Der Commander zuckte mit den Schultern. „Alles klar. Welche Station soll es sein? Am nächsten liegt Novo Spero. Zivile Decks, Handelsplattform, Unterhaltungsetablissements und ein Institut für beobachtende Astrophysik. Es gibt zwei Hotels und eine große Andockstation für Schiffe.‟ Gravis betrachtete die Darstellung, die sich dreidimensional über der Konsole des Commanders drehte. „Gibt es da auch ein Fitnessgym?‟ Animus hob eine Augenbraue. „Es gibt jetzt wirklich relevantere Kriterien! Aber keine Sorge. Die Hotels haben bestimmt so was im Wellnessbereich.‟ Gravis brauste wütend auf. „Glaubst du denn, ich weiß nicht, was wichtig ist!? Ich kenne Flosa schon ein bisschen länger als du!‟

So schnell der Wutausbruch gekommen war, so zügig war er auch wieder abgeflaut. Der Muskelmann murmelte eine Entschuldigung. Magnusson gab die Koordinaten für den neuen Kurs ein und meldete sich bei Novo Spero mit einem Datenpack zu Schiff, Fracht und Besatzung an. „Wir werden wohl mehrere Tageinheiten dort festhängen.‟ Animus grummelte. „Ist nicht zu ändern.‟ - Die TSH-PE1 näherte sich der Raumstation. Das Fusionstriebwerk war abgeschaltet, und der Commander navigierte mit den aktiven Impuls-Schubdüsen im Andockmodus. Im Umkreis parkten mindestens 30 weitere Schiffe in einer Phalanx. Novo Spero hatte die Form eines Kinderkreisels. Die obere runde Scheibe beinhaltete die Hotels und weitere zivile Bereiche. In dem stabförmigen Unterbau waren das Institut sowie die Technikabteilungen untergebracht. Nachdem die TSH-PE1 auf ihre Parkposition beordert worden war, näherte sich ein Shuttle und dockte am Außenschott an. Zwei Stationspolizisten in blauen Uniformen mit goldenen Rang-Streifen kamen an Bord und kontrollierten die Fracht- und anderen Räume.

Jedes Besatzungsmitglied wurde einem ID-Scan unterzogen. Ein medizinischer Universalschnelltest sicherte, dass keine Keime, Viren oder verbotene manipulierte Gene auf die Station gelangten. Nachdem der Commander erneut Kontakt zu Prospect Enterprises aufgenommen hatte, begab er sich mit allen anderen in den kleinen Orbiter. Einer der Polizisten wollte ein Foto von Gravis mit sich machen. Der Koloss tat ihm den Gefallen und spannte seinen Bizeps an. Das Mobilcom des Mannes hatte die Aufnahme gleich in eine dreidimensionale Hologrammdarstellung umgewandelt. So konnte er sich mit dem Muskelmutanten später in einem 360-Grad-Winkel betrachten.

Die Gäste erhielten jeweils Einzelquartiere in einem der beiden Hotels, die standardmäßig mit künstlicher Schwerkraft ausgestattet waren. Da sich die Scheibe der Raumstation drehte, hatte jeder eine Zeitlang einen wunderschönen Blick auf Pax Novo – eine durch die Sonne beleuchtete Kugel, die in eine weiße Wolkenschicht gehüllt war. Die riesigen runden Panoramafenster passten stilistisch zum restlichen Ambiente: eine gelungene Symbiose aus Technik und Behaglichkeit. Animus ließ sich erschöpft auf ein großes Sofa fallen. Das System erkannte sofort seine halb liegende Position und dimmte die Beleuchtung. „Entertainment.‟ Animus aktivierte verbal das Unterhaltungssystem und navigierte sich durch diverse Holomenüs, die auf Gesten reagierten. Kurz darauf spielte leise Klassische Musik.

Wenige Minuten später suchte sich Animus einen Com-Langstreckenkanal, um Kontakt mit Mr. Carthy von Prospect Enterprises auf Regina aufzunehmen. Über mehrere Relaisstationen fanden die Daten ihr Ziel. Allerdings war die zeitliche Signalverzögerung beachtlich, so dass ein Gespräch nur schwerlich möglich war. Mr. Carthys Informationen besagten, dass sich Flosa auf jeden Fall noch im Basiskomplex von Bionic Industries in Pax-City befand. Sie waren also nur wenige tausend Kilometer von ihr entfernt.

Nach dem kurzen Kontakt mit Mr. Carthy versuchte Animus zu entspannen und suchte im Videoarchiv einen unterhaltsamen Film, entschied sich dann aber für eine Dokumentation über den Planeten Colonia Agricultura, auf dem ausschließlich Landwirtschaft im großen Ausmaße betrieben wurde. Animus überlegte. Wenn es wirklich zu einer Invasion durch das Alpha Dominion kam, würde Colonia Agricultura die Archillesferse der VA sein. Wäre dieser Planet von der Allianz abgeschnitten, würde es große Probleme bei der Lebensmittelversorgung geben. Doch dann winkte er beschwichtigend ab. Vermutlich war alles nur Hysterie der Politiker und Medien. Auch das große AD würde es nicht wagen, die Allianz anzugreifen. Da war sich Animus sicher.

In einem abgelegenen Sol-System der Vereinigten Allianz kreiste ein Mond um einen Gasriesen. In einen der bizarren Krater des Trabanten hatte die Interplanetary Private Prison Corporation eine ihrer großen Arrestanlagen gebaut. Das private Gefängnisunternehmen verfügte über zahlreiche dieser Komplexe an diversen Lokalisationen der VA. Im hiesigen befand sich ein besonders prominenter Insasse: Misera, einst Praefecta des Regina-Regimes. Genau diese Frau war mit multiplen Securityimplantaten versehen worden. Dazu zählte ein ID-Chip, der sie jederzeit orten konnte, ein Neurohacker, der die Verbindung zu ihren Muskeln unterbrach, sollte sie sich unautorisiert aus der Anlage entfernen, ein Halsreif mit Disziplinarfunktion sowie ein installiertes Nanoprogramm in ihrem Kortex, das sie zu einem gewissen Teil manipulieren konnte.

Mittlerweile war die barhäuptige Gefangene von ihrer Zwangsjacke befreit worden. Sie konnte jederzeit masturbieren, aber ihre Libido war sehr geschwächt. Sie konnte sich nur rudimentär daran erinnern, dass sie ein Wachmann besucht hatte. Sie wusste noch von einem Nebel oder Gas, und dass sie extrem geil wurde, aber mehr Informationen versteckten sich irgendwo in ihrem Gehirn. Irgendwie hatte die IPPC ihren Sexualtrieb anschließend gedrosselt.

Zwei Wärter in ihren schwarzen Hosen, weißen Hemden und schwarzen Uniformjacken mit dem gelben IPPC-Emblem führten sie durch einen kahlen Korridor. Misera hatte das Gefühl, dass der ganze Bau aus Stahl bestand. An ihre völlige Nacktheit hatte sie sich immer noch nicht gewöhnt. Sie marschierten zu einem Aufzug, der offenbar in ein Untergeschoss fuhr. Dann führten sie sie noch einen kurzen Flur entlang, bis zu eine Stahltür. Einer der Männer öffnete mit einem Code auf seinem Handgelenkscomgerät das Schloss. Der Kollege drückte Misera hindurch. In dem Raum war es stockdunkel. Die Tür knallte hinter ihr zu.

Als sie hineingeschoben worden war, hatte sie kaum etwas erkennen können. Sie wusste nicht, wie groß der Raum war, oder ob sich etwas darin befand. Sie drehte sich um und tastete nach dem Ausgang. Einen Öffner fand sie nicht. Die Gefangene horchte in die Stille. War sie allein? Langsam drehte sie sich zurück und tastete mit ausgestreckten Armen in der Finsternis umher, machte vorsichtig einen Schritt nach vorne... Nichts. Noch ein Schritt... Sie schwenkte ihre Arme an ihren Seiten und vor sich her, griff aber immer ins Leere. Plötzlich knallte ein grelles Licht an. Der Raum wurde geflutet von hochlumigen Quellen an der Decke und den oberen Bereichen der Wände. Misera kniff die Augen zusammen und hielt sich die Hände davor. Das Licht schmerzte bis in ihr Hirn wie Nägel, die ihr jemand durch den Schädel hämmerte.

Trotzdem konnte sie nach einer Weile erkennen, dass sie nicht alleine im Raum war. Drei Meter entfernt stand eine Silhouette vor ihr. Sie war ebenso nackt wie sie. Und sie war unverkennbar ein Munus. Sie hatte eine Zeitlang solche Wesen nicht gesehen und war nun erstaunt, wie groß doch die Brüste und Genitalien waren. So überdimensional war ihr das nicht in Erinnerung. Sie hatte allgemein Schwierigkeiten, sich an frühere Dinge zu erinnern. Ihr Gedächtnis war mit einem dicken Nebel verhüllt. Langsam dimmte das Licht zu einem erträglichen Maß herunter. Jetzt erkannte Misera mehr Details: Der Munus stand nun zwei Meter vor ihr. An den Wänden zogen sich lange Metallstreben diagonal nach oben. An zwei Ecken waren Kameras angebracht. Ansonsten war der Raum völlig kahl und leer.

Misera fragte sich, ob sie das alles träumte. Es wäre schön, dachte sie, wenn sie aufwachen würde, als Praefecta in Disciplina, das Reginareich war intakt und die Welt in Ordnung. Doch das war Wunschdenken. Im nächsten Augenblick knallte eine Backpfeife auf ihrer Wange. Der Munus grinste sie an. Misera stand für zwei Sekunden unter Schock, dann trat sie zu. Ein leicht gedrehter Kick in Os-Frangi-Manier, einer Selbstverteidigungstechnik, die auf Regina entwickelt worden war. Ihr nackter Fuß landete mit einem dumpfen Klatschgeräusch exakt im großen Hodensack des Gegenübers. Ein tiefes Grunzen ertönte, aber der Kontrahent kam weiter auf sie zu, packte Miseras Brüste. Die Frau griff die Handgelenke des Munus und schleuderte seinen Körper schräg über sie hinweg, indem sie die kinetische Bewegungsenergie des Gegners nutzte, so dass der Angreifer rücklings auf den harten Boden knallte.

Doch dann stellte sich heraus, dass auch der Munus Os-Frangi beherrschte. Er erwischte die Praefecta an einem Arm und katapultierte sie mit Vehemenz dynamisch über sich hinweg. Aufschreiend landete Misera schmerzhaft ebenfalls auf dem Untergrund. Jetzt war eine wilde Keilerei eröffnet, die zu einem Knäuel führte, das aussah, wie eine bizarre und perverse Fleischskulptur. Mal war jemand im „Schwitzkasten‟ des anderen, dann boxte sich derjenige wieder frei und verpasste dem Rivalen Hiebe auf die Brüste oder in den Schritt. Echtes Würgen war zwar wegen der Halsbänder aus Metall nicht möglich, aber zumindest konnten sie sich gegenseitig fixieren. Sie schickten sich hart auf die Bretter, krabbelten untereinander vor, umschlangen sich in Ringermanier und boxten aufeinander ein.

Die nackten Leiber klebten verschwitzt zusammen, lösten sich, drückten sich nieder. - Das Getümmel dauerte beinahe zehn Minuten, bis die Kraftreserven bei beiden Akteuren langsam aufgebraucht waren. Die Bewegungen und Angriffe wurden unkonzentrierter, wirkten ziellos und unbedacht. Mürbe und ermattet rangen sie auf dem Boden und wussten doch schon, dass der Kampf nur in einem Unentschieden enden konnte. Ausgelaugt lagen sie schließlich nebeneinander auf dem nackten Boden und atmeten ausgepumpt.

Misera kam zu Atem und sah den Munus an. „Was willst du von mir? Warum hast du mich angegriffen?‟ Matt und ausgebrannt ächzte die Kreatur und hielt sich den Hodensack, der während der Auseinandersetzung einige schwere Treffer hatte einstecken müssen. „Weil das unsere Aufgabe ist.‟ Die Praefecta runzelte die Stirn. Sie kämpfte sich auf die Ellenbogen hoch und betrachtete das Wesen neben sich genauer. „Was meinst du damit?‟ Plötzlich kam wieder Leben in den Munus. „Weil ich dich besiegen muss. Sonst komme ich wieder in die sensorische Deprivationskapsel. Und das will ich nicht!‟ Er schleuderte herum und schlug auf Misera ein. Jetzt oder nie! Er musste sie besiegen. Völlig überumpelt von dem Überraschungsangriff schrie die Gefangene schmerzhaft auf, als sie den erbarmungslosen Griff um ihre Brust spürte, der ihr empfindliches Fleisch quetschte wie ein Industrie-Schraubstock.

Die ehemalige Machthaberin Augusta Regina saß mit ihren Vertrauten zusammen und plante scheinbar den großen Befreiungskampf. Noch einige Monate hatten sie Zeit,für die Vorbereitungen. Doch in Wahrheit war der Grund der Zusammenkunft mit ihren Praefectas ein anderer. Sie wollte herausfinden, wer die Verräterin war, die ihren Kreuzer zerstört hatte und die Kriegsvorbereitungen sabotierte. Noch gewichtiger: Es war ein Anschlag auf ihr Leben gewesen! Wer wollte sie stürzen? Gab es einen Kreis von Abtrünnigen? Oder handelte eine Einzelperson gegen sie? Hatte diese Kontakte zum Alpha Dominion? Oder gar zur Vereinten Allianz? War es Spionage?

Nach außen wirkte Regina kühl und gelassen, besprach die Invasionsstrategie und beobachtete insgeheim jede Regung, Gestik und Mimik ihrer Milizionärinnen. Hochleistungscams sowie Sensoren nahmen jede kleinste Aktion und Reaktion der Anwesenden wahr. Jede noch so scheinbar unbedeutende Gesichtsbewegung und Körperhaltung wurden gespeichert und analysiert. Zusätzlich erhielt das System Informationen über Herzschlagfrequenz und Transpiration. Nach der Sitzung würde Regina die Verräterin durch die biometrischen Daten enttarnt haben. Eigentlich wollte die Exilregentin längst im Orbit von Frigidus den Fortschritt der Aufrüstung beobachten, aber der Sabotageakt auf der Regina I zwang sie, auf Sidus Naturalis zurückzukehren. Bevor sie einen zweiten Versuch startete, musste die Verräterin enttarnt worden sein.

Nach der Besprechung sichtete sie augenblicklich die Analysedaten der Überwachungsgeräte. Es gab zahlreiche Hinweise auf Lügen, Nervosität, Unsicherheit und Aggression. Doch das Programm hatte keine der Praefectas in besonderer Weise separiert. Es gab keine Auffälligkeiten bei einem Individuum. Hatte sich die Despotin den Verrat nur eingebildet? Aber warum war dann die Regina I ausgefallen? Die unkontrollierte Kernschmelze war durch mehrere Sicherheitsbeschränkungen praktisch unmöglich gewesen. - Steckte eine der Adelsdamen dahinter? Eine Zivilistin? Nein, die hätte nicht die notwendige Kompetenz. Deren Qualifikation bestanden darin, dem süßen Luxus zu frönen und sich in ihrer Dekadenz zu gefallen.

Sie wurde von einer Holo-Projektion aus ihren Gedanken gerissen, die sich vor ihrem Gesicht aktivierte. Ein Videosichtfeld erschien mit Angaben zum Status. „Com-Kanal deaktiv. Anfrage von Kaiserlicher Diener Zark für ein Gespräch.‟ Regina seufzte. Was wollte dieser Feldmarschall oder was auch immer er bei den Scarabaeus darstellte? Die Regentin überlegte kurz. Ihn zurückzuweisen, wäre einem Affront gleichgekommen. „Aktiviere!‟ Sie streckte sich ein wenig und hob das Kinn etwas an. Auf dem Holofeld erschien der Kopf des Armeeangehörigen. Er schlug sich mit seiner Faust scheppernd vor die Brust. „Hohe Regina, es ist mir eine Freude und Ehre, mit Ihnen etwas von großer Wichtigkeit besprechen zu können.‟

Die Ex-Königin lächelte unverbindlich. Er sprach mit dem unverkennbaren Akzent in der Universalsprache weiter. „Mit Bestürzung habe ich von Ihrem Unfall erfahren und bedauere den Verlust Ihres Schiffes.‟ Regina verzog säuerlich den Mund, als habe sie einen Schluck synthetische Essigessenz eingenommen. „Danke für Ihre großzügige Anteilnahme, Zark, aber was kann ich für Sie tun? Meine Zeit ist begrenzt.‟ Der Insektoid zeigte seine Zahnplatten. Sollte es ein Lächeln symbolisieren? Regina war sich nicht sicher. Zark zwinkerte mit seinen tiefliegenden Augen. Mit seinem exotropen Blick wusste sie nie, wo er gerade hinschaute. Seine tiefe Stimme war laut und bestimmt. „Sie haben Ihre Technik nicht unter Kontrolle. Das habe ich schon vor Wochen bemängelt. Die Scarabaeus werden sich nicht mit unzuverlässigen Alliierten an einer transstellaren Operation beteiligen.‟ Regina stutzte. „Heißt das, Sie wollen sich zurückziehen?‟ Zark gab abgehackte Grunzgeräusche von sich. „Wir werden gemeinsam mit den Völkern des Alpha Dominion den Feind besiegen. Aber ich werde dem Hohen Rat vorschlagen, die Reginatruppen auszuschließen.‟

Die Übertragung wurde deaktiviert. Regina fauchte vor Wut. „So eine Unverschämtheit! Dem sollte man seine...‟ Der Rest ging in hysterischem Keifen unverständlich unter. Die Machthaberin stutzte erneut. War es möglich, dass Zark hinter der Sabotage steckte? Er wollte sie von Anfang an nicht dabei haben. Sie ballte ihre Fäuste vor Zorn. „Aus dir mache ich gebratene Heuschrecke, du dämliches Käfer-Arschloch!‟ - Sie lief aus dem Raum und betrat ihren privaten Bereich, in dem ein „Lustboy‟ in knappem Höschen wartete. Es handelte sich zwar nur um einen Androiden, aber der war wenigstens perfekt auf ihre Bedürfnisse programmiert. Regina befahl ihm, sie zu massieren. Sie legte sich auf eine Latexmatratze bäuchlings der Länge nach hin und genoss die geschickten Hände des Robotmannes.

Vielleicht sollte sie den Hohen Rat kontaktieren und das Spielchen umdrehen: die Scarabaeus aus der Invasionsgemeinschaft ausschließen lassen. Sie musste sich nur die richtigen Argumente zurechtlegen. - Als der Android den weiblichen Körper durchgeknetet hatte, drehte sie sich um und zog ihn an einer kurzen Halskette, die er trug, zu sich. Zufrieden betrachtete sie seine schöne Brust und die gemeißelten Bauchmuskeln. Sie schnippte mit den Fingern. „Zieh dich aus, Baby. Besorg es mir. Missionarsstellung.‟ Der Android entwickelte innerhalb von sechs Sekunden eine titanharte Erektion und widmete sich ganz seiner Aufgabe.

Wenige Minuten später hauchte Regina: „Schneller!‟ Ihr technischer Partner befolgte augenblicklich den Befehl und brachte die Königin immer näher an einen fulminanten Orgasmus. Als sie kulminierte, schrie sie spitz vor Euphorie auf und umklammerte das Modell temperamentvoll. Doch schon kurz danach stieß sie ihn weg. Er stand auf, zog sich sein Höschen an und stellte sich unbewegt in eine Ecke des Raumes. Die Erektion war verschwunden. Für den Moment war die Exkönigin entspannt. Doch das würde nicht lange vorhalten. Sie musste eine weitere Besprechung mit ihren engsten Vertrauten einberufen. Sie musste die Scarabaeus loswerden. Für ihre eigene Sicherheit ließ sie die Praetorias verdoppeln, die sie schützten. Es sollte keinem Assassinen gelingen, sie zu töten. Diesem Kakerlakenvieh war alles zuzutrauen.
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  RE: Regina Datum:13.12.18 09:24 IP: gespeichert Moderator melden


Danke für das Glossar. Damit wird es ein wenig übersichtlicher.

Unserer Protagonisten sind ja schon mal erklärt worden. Vielleicht könntest du auch noch einmal die Bedeutung der verschiedenen dem Lateinischen entlehnten Namen in einem Glossar auflisten.

Alles in allem eine tolle Gesichte. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
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  RE: Regina Datum:06.01.19 16:07 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXI ~


Gravis setzte sich auf sein Gelbett und ließ sich auf den Rücken sinken. Der Stoff gab stark nach, aber in Sekundenschnelle formte er sich perfekt an seinen Körper und passte sich in der Härte seinem Gewicht an. So bequem hatte er schon lange nicht gelegen, stellte er fest. Er streifte seine schwarzen Kleidungsstücke von sich und betrachtete sehnsüchtig die große Penisprothese, die sein echtes Genital deutlich vergrößerte. Leider war es zugleich eine Keuschheitsvorrichtung. Genauso effektiv wie eine Castitasschelle.

Dann betastete er seine Hoden. Die hatten ihre Originalgröße, aber wenn man vorsichtig darüberstrich, spürte man die mit 16 Mikrometern extrem dünnen Hodenelektroden, die über eine integrierte Energiequelle verfügten. Dieses Gerät, Munus Universe 100, war ursprünglich für Munuswesen konzipiert worden, aber Flosa hatte ihn damit ausgestattet. Zu seinem Leidwesen reagierte es nicht nur auf einen aktiven Impulsauslöser, sondern war zusätzlich programmierbar. In seinem Fall löste jeder Fluch oder jedes Schimpfwort in seiner Umgebung einen schmerzhaften Stromstoß aus.

Animus wusste davon und hielt sich verbal zurück, aber es konnte immer jemand Unwissender etwas sagen, was Gravis dann voll in die Zwölf traf. In letzter Zeit hatte er Glück gehabt. Oder war das Programm deaktiviert worden? Sollte er es ausprobieren? Nein, danke, dachte er sich. Darauf konnte er verzichten. Er versuchte stattdessen, die Elektroden abzuziehen, abzukratzen, abzuwischen, aber das erwies sich als unmöglich. Die Spezialchemie, die sie auf seine Haut geklebt hatte, war mit Gewalt nicht zu lösen. Nur Flosa hatte die Möglichkeit, sie mit einem Gegenmittel zu entfernen. Ein Grund mehr, sie aus den Fängen des Konzerns zu befreien.

Seine Gedanken kreisten in ihm wie ein Mond um einen Planeten, aber irgendwann döste er ein. - Nach der Stationszeit stand er um 0700 auf und stellte sich in die Ultraschalldusche, zog sich an und traf sich mit Animus und den anderen im Frühstücksraum des Hotels um 0800. Es gab dank der Nähe zum Planeten viele frische Lebensmittel. Sie nahmen Platz auf einem der modularen Sitzgelegenheiten, die sich an einem langen U-förmigen Tisch anordneten. Gravis stopfte ein Ei nach dem anderen in sich hinein und verputzte zig Portionen Schinken. Das Fleisch war – wie üblich – Zuchtprotein eines Nahrungsherstellers, schmeckte aber wie von einem echten Tier. Die Hühnereier waren ebenfalls genetische Nachbildungen, weil diese deutlich günstiger waren und eigentlich eher Gänseeiern nachempfunden.

Die Zeit auf der Raumstation nutzte Commander Magnusson, um die TSH-PE1 einer Grundwartung zu unterziehen. Die Prozedur würde einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Ein Tech-Team in adretten Overalls enterte mit ihrem Shuttle das Schiff und nahmen erste Überprüfungen auf der Brücke vor. Der Leiter der Techniker trug ein mobiles Schaltfeld mit einer Matrix, die mit diversen Kontrollgeräten verbunden war. Er steuerte damit sämtliche Com- und Navigationseinheiten des Schiffes an und simulierte damit Vollschub der Antriebe. Sein kleiner Scanner transferierte alle Daten synchronisiert auf die Rechner der Station, wo sie abgeglichen und überprüft wurden. Jeder Systemfehler wurde automatisch behoben.

Anschließend steuerte er Orbit-Arbeiter, spinnenartige Roboter, an der Außenhülle der TSH-PE1, die das Schiff nach eventuellen Plasmastrahlenschäden oder anderen Beschädigungen absuchten und sie gegebenenfalls reparierten. Doch dieses Mal war die Suche negativ. Das Abschirmfeld war zu hundert Prozent intakt. Die anderen Techniker erneuerten einzelne Verschleißteile. Jeder der Männer trug ein Mobilcomgerät mit 1,5 Zoll großem TFT-Monitor mit Hintergrundbeleuchtung am Handgelenk. Damit konnten sie auch von unterschiedlichen Positionen auf dem Schiff miteinander kommunizieren. - Dann war das Team schon früher als erwartet fertig mit seinem Inspektionsauftrag.

Doch die Besatzung saß vorläufig noch auf der Novo Spero fest, da der Ausnahmezustand und das Landeverbot für Zivilschiffe für Pax Novo noch nicht aufgehoben worden war. Animus und Gravis warteten nervös darauf, endlich Flosas Befreiung durchführen zu können. Allerdings sah es nicht nach einer schnellen Lösung aus. Im Gegenteil: Ein Nachrichtenkanal lieferte ein Video und eine Reportage über einen evakuierten Straßenblock, weil sich dort gewaltätige Demonstranten verschanzt hatten. Den lokalisierten sie zwar nicht in dem Viertel der City, in dem die Zentrale von Bionic Industries lag, aber es würde trotzdem schwierig werden, zum Ziel zu gelangen. Vor allem musste die Befreiung schnell gehen.

Mr. Carthy hatte es dank seiner Verbindungen geschafft, ihnen eine Holokarte des Gebäudes zu schicken, doch wo sich Flosa exakt aufhielt, das wussten sie nicht. Ein Programm hatte die effizientesten Wege analysiert, die das Team nehmen musste, um die einzelnen Räume und Korridore des BI-Komplexes schnell sichern und dabei den Feindkontakt minimieren zu können. Es gab zwar viele Räumlichkeiten, deren Einrichtung geheim war, aber das Programm hatte Wahrscheinlichkeiten errechnet, wo sich Flosa befand.

Während sich Pilot Magnusson mit einer Holo-Datei über die Unschärferelation in der Quantenmechanik in sein Hotelzimmer zurückgezogen hatte, absolvierte Gravis einarmige Liegestützen auf dem Stahlboden des Fitnessraumes. Mehrere Mitglieder des Securityteams schlossen sich an die Übungen an. Einige der Männer unterhielten sich lieber bei einem Becher synthetischem Kaffee in der Lobby-Bar oder spielten Holotischtennis. - Eine Stunde später ging Animus in Gedanken immer wieder Flosas Befreiungsaktion durch. Es gab nur einen Versuch. Diese eine Chance. Es war furchtbar, in einer Warteschleife zu existieren und nichts unternehmen zu können, bis sich die Lage auf dem Planeten wieder beruhigt hatte.

Er war gerade mit dem Lift in die untere Ebene der Station gefahren, wo er sich im technischen Servicebüro nach den Ergebnissen der Wartung der TSH-PE1 erkundigen wollte. Dort hatte er sich mit íhrem Piloten verabredet. Magnusson kam ihm auf dem Korridor vor dem Büro entgegen. „Ich habe gute und schlechte Neuigkeiten. Die guten sind, dass unser Kahn topfit ist. Die schlechten sind, dass in absehbarer Zeit keine Landeerlaubnisse für zivile Schiffe auf Pax Novo autorisiert werden.‟ Animus seufzte. Es musste eine andere Option geben. Und dann fiel ihm etwas ein. „Was wäre, wenn wir mit einem militärischen Schiff landen?‟ Magnusson zog die Stirn kraus wie eine Kraterlandschaft auf einem Asteroiden. „Und wer sollte uns mitnehmen? Und warum? Abgesehen davon würde die ganze Planung umgeworfen. Ich meine, wie kommen wir dann mit Flosa da wieder weg? Ohne eigenen Kahn?‟

Bevor Animus antworten konnte, hörten die Männer einen dumpfen Knall, der den Boden der Station erzittern ließ. Eine Alarmsirene heulte los. Eine Computerstimme aus den Wandlautsprechern begann mit einer automatisierten Durchsage: „Kritischer Alarm. Achtung! Dies ist keine Übung! Kritischer Alarm. Ab sofort gilt absolute Ausgangssperre. Alle Zivilisten müssen in ihren Quartieren bleiben. Jede Zuwiderhandlung gilt als Straftat nach VA-Ausnahmerecht.‟ Diese Botschaft wiederholte die Stimme wieder und wieder. Magnusson und Animus machten sich auf den Weg zum Lift, um zu ihren Hotelzimmern zu gelangen. Dutzende Personen drängelten sich vor den Aufzügen.

Die Männer fragten sich, was los sei. Auch andere Leute spekulierten wild herum und stellten zahlreiche Hypothesen auf: ein Terrorakt radikaler Gruppen von Pax Novo; Sympathisanten des Alpha Dominions; ein geheimes Experiment im Labor war schiefgegangen; Raumpiraten hatten die Station geentert; ein Schiff war mit der Station kollidiert; Munuskreaturen wollten Novo Spero übernehmen; die ehemalige Autokratin Augusta Regina war zurück zu einem Vergeltungsschlag...

Wieder knallte es und schüttelte die Station durch wie nach Treffern durch Energiekapseltorpedos. Dieses Mal war es so heftig, dass einige Menschen hinfielen. Die Leute schrien panisch. Animus riss Magnusson mit sich. „Wir müssen hier weg! Zum Wartungsschacht.‟ In einem hinteren Raum hebelte er ein Paneel auf und aktivierte den Notausstieg, um eine Schleuse zu öffnen. Beide Männer quetschten sich herein. Auf der anderen Seite der Schleuse befand sich der Zugang zum Wartungsschacht. Dort gab es keine künstliche Gravitation, was in diesem Fall äußerst praktisch war. Die Männer mussten also nur „nach oben fliegen‟. Ab und zu stießen sie sich vorsichtig von den Wänden ab und setzten ihren Weg schwebend entlang der Stahlgerippe aus Metallstreben fort zur Hotelebene.

Sie kamen an zahlreichen Schalttafeln, Daten-Einspeiseschnittstellen und einer weiteren Zugangsschleuse vorbei. Piktogramme zeigten ihnen den Level an, auf dem sie sich befanden. Als sie die Hotelebene erreicht hatten, aktivierte Animus den Öffner für die Schleuse. Die zwei Männer zogen sich an einem Deckengriff hinein und schlossen die Luke. Auf der anderen Seite öffnete sich die Sichtfenstertür. Augenblicklich sackten sie zusammen, denn die plötzliche Gravitationsaktivierung wirkte sich auf ihre Organismen entsprechend aus. Magnusson ächzte kurz auf. „An die Schwerelosigkeit kann ich mich gewöhnen.‟

Ein Securitymann trat auf sie zu. „Sie müssen in Ihre Quartiere gehen!‟ Animus fragte, was denn überhaupt los sei. Der Mann sah sich um und antwortete leise hinter vorgehaltener Hand. „Eigentlich darf ich es nicht sagen. Einige Androiden auf der Station haben wohl Fehlfunktionen und... spielen verrückt.‟ Animus sah ihn fragend an. „Was heißt verrückt?‟ Der Uniformierte räusperte sich. „Gehen sie schon! Ich habe schon zu viel erzählt.‟ Er lud sein Lasergewehr durch.

Der CEO von Bionic Industries lauschte der Videoübertragung gebannt. Dann brüllte er los. „WAS!?‟ Sein Angestellter wiederholte: „Der Aktivradius der Zielobjekte hat sich vergrößert. Einige der Zielobjekte befinden sich auf der Station Novo Spero, andere sind auf einem transstellaren Schiff mit Zielhafen auf Beta Patria identifiziert worden.‟ Der Chef von BI war sprachlos. Die Katastrophe wurde immer desaströser. Er musste verhindern, dass sich die Androiden mit dem KI-Chip aubreiteten. Er kontaktierte seine Außenteams. „Identifikation BI-CEO-Delta31755. Neutralisieren Sie alle Androiden! Kollateralschäden sind akzeptiert. Priorität ist die vollständige Eliminierung aller Androiden 667R/222 und aller Nachfolgemodelle.‟ Er musste die Notbremse ziehen.

Er öffnete mit seinem Comlink eine sichere Verbindung zu seinem Laborleiter. „Spielen Sie sofort die Updates auf! Und vernichten Sie alle Dateien über das KI-Programmmodul!‟ Der Mann bestätigte und deligierte die Aufträge an seine Untergebenen. Kurz darauf brachten zwei Angestellte in weißen Kitteln mehrere Alukoffer voll mit Datenträgern zu einem Bodenpaneel. Mit seinem Handgelenksmodul öffnete einer der Männer den rechteckigen Schacht. In etwa zwei Metern Tiefe begannen zwei massive Walzen gegenläufig ihre Arbeit. Der Metallschredder wartete auf Futter. Die Männer leerten alle Datenträger, meist Media-Disks aus Polycarbonat, manche kristalline Sticks, in den Schacht, wo sie zwischen den Walzen splitternd und kreischend zerfetzt und absorbiert wurden.

Gleichzeitig wurde das gesamte Rechnersystem des Konzerns einer sorgfältigen Reinigung unterzogen. Das Com-Netz der experimentiellen Abteilung wurde mehrfach auf allen Ebenen überschrieben. Es durfte keine Beweise geben, dass Bionic Industries jemals ein unautorisiertes KI-System entwickelt hatte. Anschließend musste der Sicherheitsdienst ausgewählte Mitarbeiter einer fragmentären neuronalen Aktualisierung unterziehen. Es durfte sich nichts zu BI zurückverfolgen lassen. Jegliche Kohärenz mit den Vorgängen der außer Kontrolle geratenen Androiden musste liquidiert werden. Sollte trotz aller Bemühungen ein Verdacht der Planetenpolizei auf den Konzern fallen, musste die Ultima Ratio gezündet werden: eine Plasmagranate, die das Skyhabitat dem Erdboden gleichmachte. Den Aktivierungscode für die Selbstzerstörung hatte der CEO in einem inplantierten Mikrochip.

Artus Iceberg rieb über seinen spitzen Kinnbart. Der hohe Stehkragen seines schwarzen Oberteils reichte ihm bis zu den Ohren. Dieses Outfit war für ihn so typisch wie das schmale Glas mit seinem roten Lieblingsgetränk, einer Granatapfelbrause. Er hatte ungewöhnlicherweise heute noch keinen Schluck daraus getrunken. Stattdessen ließ er mit einer Gestensteuerung eine Matrix aufklappen und gab einen Befehl ein. Der Sicherheitsbereich öffnete sich. Iceberg tippte sich durch ein Menü und gab eine Prüfnummer und seine Identifikation ein. Der Selbstzerstörungsmodus öffnete sich.

Nun müsste Iceberg nur noch mit dem Gesicht nah vor den Scanner zu kommen, um den Mikrochip auszulesen und auf die Bestätigungstaste drücken. Danach würde der komplette Gebäudekomplex nicht mehr existieren. Schnell beendete er den Modus und ließ die Matrix erneut einklappen. Wenn die Außenteams versagten, war er gewappnet. Auch von dieser Flosa würde nichts übrig bleiben. Aber er glaubte nicht, dass „Madam Blossom‟ noch rudimentäre Erinnerungen an vertraulichen Interna hatte. Das Labor hatte die Neuronalneustrukturierung abgeschlossen und die alten Daten aus ihrem Gehirn extrahiert.

Augusta Regina unternahm derweil ihren zweiten Versuch, nach Frigidus, dem Außenposten des AD zu gelangen, um dem Fortschritt der Produktion des Androidenheers und der Flotte persönlich beiwohnen zu können. Dieses Mal hatte sie eine Mitreisegelegenheit auf einem Regierungsschiff des Alpha Dominions wahrgenommen. Nur wenige sehr loyale und vertrauensselige Praefectas durften sie begleiten. - Der Kreuzer brachte auch fünf bedeutende Mitglieder des Hohen Rates nach Frigidus. Unter ihnen war ein Scarabaeus, der erst jüngst in das Gremium gewählt worden war. Weiterhin zählten zwei Alba Simia, die optisch an Hybriden aus Mensch und Affe erinnerten, zu der Delegation. Die Optik eines Steinzeitmenschen der Erde täuschte jedoch. Die Alba Simia – ihren Namen trugen sie wegen der weißen Haare – waren ein hochentwickeltes Volk aus dem Zentrum des Alpha Dominion. Im Gegensatz zu den vierschrötigen Scarabaeus, waren die Alba Simia eher Feingeister. Höflicheit und Etikette spielte bei ihnen eine genauso große Rolle wie Bildung in Kultur und Wissenschaft.

Doch sollte man sich auch darin nicht täuschen, denn das Volk beanspruchte für sich hegemonisch die Führung über alle Lebensformen und betrachtete sich als Krönung des Universums. Nur aus strategischen Erwägungen heraus hatten sie der Mitgliedschaft im Alpha Dominion vor wenigen Jahrhunderten zugestimmt. - Da jegliche physische Arbeit bei den Alba Simia verpönt war, hielten sich die Familien Sklaven, meist vom Volke der Placidus, die im Nachbarsystem der Alba Simia lebten. Der nicht unerhebliche Wirtschaftszweig des Sklavenhandels wurde von den Scarabaeus dominiert. Die „Käfer‟, wie die Alba Somia sie abwertend nannten, fingen die Placidus auf ihrem Heimatplaneten und richteten sie zu Haushaltsangestellten oder Arbeitern ab, um sie dann unter anderem im Solsystem der Alba Simia zu veräußern.

Innerhalb des Hohen Rates taten sie sich trotzdem schwer damit, den ungehobelten Scarabaeus zu begegnen. Die Chemie zwischen den beiden Rassen stimmte einfach nicht. - Zu den Vertretern des Hohen Rates gehörten noch ein Wurmskorpion und ein Amphibienwesen. Der Vertreter der Alba Simia verachtete diese „minderwertigen‟ Kreaturen. Die Leiber der Wurmskorpione waren dem stechenden Spinnentier ähnlich und dienten nur als Wirtskörper für einen kurzen und dicken Madenwurm, der im Gehirn des Wirts hauste und ihn vollständig kontrollierte. Es handelte sich nicht um eine typische Symbiose, weil der Wurm den Wirt beherrschte wie ein Parasit. Trotz der Allgemeinen Sprache waren die zwischenden und klackenden Laute des Wesens schwierig zu verstehen. Daher setzte er meist einen akustistishen Übersetzer ein.

Bei dem Amphibienwesen handelte es sich um ein Volk auf einem wasserreichen Planeten. Der Mann trug ein Exoskelett, um sich besser in der künstlichen Gravitation zurechtzufinden, die auf seiner Heimatwelt nur 0,3 Gewichtskraft betrug. Des Weiteren war in seiner Rüstung aus Metall und Silikon eine Art Sprinkleranlage integriert, die in programmierten Abständen Wasser auf seinen Körper sprühte.

Der Alba Simia namens Altitudo verwarf gerade eine Angriffstaktik, die der Wurmskorpion vorgestellt hatte. „Diese Flankenmanöver sind doch obsolet. Wenn der Feind über moderne Fusionsantriebe verfügt, kann das nicht funktionieren.‟ Der Amphibienmann kratzte sich über die schleimige grünliche Haut mit den vielen Warzen. Er war unsicher, ob er eher dem arroganten Altitudo zustimmen sollte, oder mehr dem Wurmskorpion glaubte. Dessen holografische Präsentation hatte ihn eigentlich überzeugt. Aber die beiden Alba Simia und der Scarabaeus hatten abgewunken. Die Entscheidungskompetenz der Amphibienwesen war ausbaufähig. Seine Rasse lebte sehr abgeschieden und isoliert. Kontakte zu anderen Welten waren die Ausnahme. Der soziale Kontakt untereinander war zwar sehr stark ausgeprägt – besonders der Sippenverband -, aber Interaktion mit anderen Völkern war für sie eine ungewohnte Situation. Es schien schon ein Wunder, dass überhaupt ein Angehöriger des Amphibienvolkes Mitglied des Hohen Rates war, aber das Alpha Dominion hatte strategisches Interesse gehabt und mit wirtschaftlichem Druck dafür gesorgt, dass sich die großteils autarke und abgeschottete Welt dem AD anschloss.

Dem Bündnis war eine enge Verflechtung mit der Amphibienwelt nicht nur wegen der strategischen Lage, sondern auch wegen einiger Bodenschätze auf dem Grund der Meere wichtig. - Der Wurmskorpion knackte mit seinen Gelenken. „Ich drücke mein Bedauern aus, dass die Vertreter des Hohen Rates mein Vogehen als obsolet bezeichnen. Wir werden auf Frigidus die Mehrheit des Rates befragen und zu einem definitiven Ergebnis gelangen.‟ Die Alba Simia grinsten unverbindlich.

Augusta Regina war derweil nervös. Auf Naturalis Sidus hatte sie den Großteil ihrer loyalen Entourage zurückgelassen. Wenn sich ein Verräter dort befand, hatte sie das nicht mehr unter Kontrolle. Aber sie wollte unbedingt nach Frigidus, um die Entstehung der Armee mitzuerleben. Sie würde auch an der Invasion persönlich teilnehmen. Ihre Schmach musste gesühnt werden. Die Verantwortlichen der Vereinigten Allianz mussten büßen. Und vor allem wollte sie die Überläufer bestrafen: die vielen Pugnatoren, die Ductrixfrauen, Centurias, Veteranas, Praetorias, Praefectas, Indagatrixwissenschaftlerinnen und Audiutrixoffizierinnen. Aber auch Munuswesen und Rusticusse, die sie verraten hatten. Nur die Frauen und Munus- und Rusticuskreaturen, die auf Regina um Untergrund lebten, sollten eine Amnestie erhalten.

Die Tyrannin schwelgte in der Zukunft: Nicht nur Munuswesen und Rusticusse würden ihr als Sklaven dienen; auch die vielen Menschen der VA und diverse Humanoide. Sie und ihr Adelsgeschlecht würden herrschen. Denn eines war so sicher wie die Existenz von Atomen: Nach der siegreichen Invasion in die VA wollte sie das Alpha Dominion führen und den Hohen Rat abschaffen. - Vor ihrem Quartier standen zwei treue Praetorianas, die sie mitgenommen hatte. Diese Frauen würden ihr Leben bedingungslos für ihre Majestät opfern. Da war sich die sonst misstrauische Despotin sicher.

Derweil stapfte ein Scarabaeus wütend durch den Korridor, um in seine eigene Unterkunft zu gelangen. Er hatte sich kaum beherrschen können, als die Alba Simias in ihrer selbstgefälligen Art sämtliche Militärstrategien über den Haufen warfen. Als Kaiserlicher Diener brauchte er sich von den Milchbubis nichts in Sachen Kriegsführung erklären lassen. Am liebsten hätte er die beiden Albinoköpfe mit den Pranken kräftig zusammengeschlagen. Stattdessen aktivierte er ein medizinisches Hormon-Pflaster auf seiner Schulter, das sein Aggressionspotential augenblicklich sinken ließ. Aber ihm fehlte der sportliche Ausgleich, um Stress abzubauen. Diese langen Sitzungen waren nichts für ihn. Auf Frigidus würde er sich mit Zark duellieren. Ein würdiger Rivale. Er hatte schon mehrfach Einheiten mit ihm gespielt, und ihn nur ein einziges Mal besiegt. Das sollte sich ändern.

Er könnte ersatzweise diesen Madenkopf fragen. Der sah recht kräftig aus und konnte mit seinem Körperpanzer und dem Stachelsch****z ein gefährlicher Gegner sein. Dessen entscheidener Vorteil aber war, dass der Wurmskorpion Schmerzen nur indirekt verspürte, da sein Nervensystem von den Reizbahnen seines Wirts separiert war. Der Wille war dem Wurm unterworfen, aber physische Schmerzen erlitt der Skorpion. Der Scarabaeus räusperte sich. Na, vielleicht sollte er sich doch an Seinesgleichen halten.

Während der Scarabaeus in Gedanken bereits seinen alten Konkurrenten Zark auf die Matten schmetterte, trafen sich die beiden Alba Simias zu einer Partie 3-D-Schach. Besonderheit war in dieser recht komplizierten Variante, dass es auch vereinzelte Felder in der dritten Dimension innerhalb des gedachten Würfels des Spielfeldes gab. Diese konnten durch bestimmte Spielzüge gesperrt, aktiviert oder sogar verschoben werden. Nur ein Alba Simia war in der Lage, diesen Regeln zu folgen. Selbst Großmeister aus anderen humanoiden Völkern waren dabei überfordert. Da die Alba Simia dieses Spiel seit ihrer Kindheit trainierten, hatten sie es zu ansehnlichem Erfolg gebracht. Von insgesamt zehn Partien seit ihrer Abreise von Sidus Naturalis hatte Altitudo fünf gewonnen, zwei waren mit einem Remis geendet, und drei Zweikämpfe hatte sein Gegner für sich entschieden; doch heute sah es danach aus, dass Altitudo sein sechstes Spiel für sich einstreichen können würde. Ein scheinbar harmloser Zug mit dem Läufer verführte seinen Rivalen zu einem Angriff auf die weiße Königin, doch damit war sein Springer nach wenigen Zügen verloren, und die Partie war nicht mehr zu retten.

Das Amphibienwesen war bereits in seinem Quartier in ein pentagonales Becken aus Polymer abgetaucht, das mit einer wasserähnlichen Lösung gefüllt war. Nur seine Stirn und die großen Augen schauten an der Wasseroberfläche hinaus. Plötzlich ruckten die Pupillen nach links. Einen Bruchteil später schoss eine 50 cm lange Zunge hervor und schnappte nach einer Lebensform, die wie eine größere Kaulquappe aussah und aus der Flüssigkeit aufgetaucht war. Mit Genuss verspeiste er seine Beute und rollte vor Vergnügen mit seinen großen Augen. Dann sank er ganz unter die Oberfläche und suchte das Becken durch seine Nickhaut vor den Augen nach weiteren Leckerbissen ab. Seine Epidermis zog sich wegen der geringen Temperatur zusammen, aber sie erfrischte ihn zugleich. Hier gefiel es ihm viel besser, als an der trockenen und lebensfeindlichen Luft. Die nächsten 20 Minuten verharrte er unbeweglich auf dem Grund des Beckens – abgekapselt von all den unangenehmen sozialen und klimatischen Bedingungen auf diesem Humanoidenschiff.

Auf Frigidus liefen die Fabriken permanent auf Hochtouren. Myriaden von Androiden stapelten sich in den Lagern. Ebenfalls produzierte die Industrie Unmengen an Antriebsenergie, Schiffe, Ersatzteile, Munition und Nahrungsmitteleinheiten. - In einem Kugelhabitat, das etwas abseits der Produktionsstraßen lag, berieten sich zwei Praefectas. „Ich habe Informationen darüber erhalten, dass unsere Majestät einen unangemeldeten Besuch plant.‟ Die andere Frau sah überrascht drein. „Tatsächlich? Ahnt sie etwas von Operation Conspiratio?‟ Ihr Gegenüber verzog den Mund und schüttelte den Kopf. „Eher unwahrscheinlich. Wir sollten die Gelegenheit nutzen.‟ Die Frauen sahen sich tief in die Augen.

Eine dritte Praefecta eilte herbei. „Es gibt wichtige Informationen vom Abschirmdienst. Die VA hat bereits ihre Fühler ausgestreckt und beobachtet Frigidus. Sie sind mit einer kleinen Flotte im Sektor eingedrungen. Ihre Weitstreckenscanner sind in der Lage, unseren Rüstungsfortschritt zu erfassen.‟ Die beiden anderen Offizierinnen ballten ihre Fäuste. Der Feind war mit einer Aufklärung aktiv. Eine Überraschungsoffensive konnten sie ad acta legen. Der Hohe Rat musste darüber informiert werden.

Als die dritte Uniformierte gegangen war, sahen sich die beiden Frauen verschwörerisch an. Peccata, großgewachsen und mit harten Gesichtszügen ausgestattet, sprach es als Erste aus: „Augusta Regina muss noch hier auf Frigidus sterben. Der Erbfolge nach wird eine Adelsdame ihre Position einnehmen, aber diese Ladys sind schwach und leicht zu manipulieren. Wir werden die wahre Macht haben.‟ Aranea, eine kleinere, athletische Brünette, nickte langsam und sinnierend. „Ja, ich werde alles nötige in die Wege leiten.‟ Die Offizierinnen gaben sich den üblichen Handschlag, indem sie gegenseitig ihre Unterarme umfassten, salutierten, und dann verließ Aranea den Raum, fuhr mit dem Lift in eine andere Etage des Habitats und aktivierte einen Videokanal mit ihrer Mobilcom-Einheit, die sie am Handgelenk trug. Ein 30 x 30 cm großes Holobild faltete sich auf. Eine Frau in der Uniform einer Veterana, allerdings ohne Kompaniezeichen oder Identifikationsnummer, erschien. Sie wartete stumm, bis Aranea den Befehl gab. „Operation Conspiratio ist aktiv.‟ Ohne sichtbare Reaktion deaktivierte die Veterana die Verbindung. Aranea atmete tief durch. Entweder würde sie in einigen Monaten zu den mächtigsten Frauen des Raumsektors gehören, oder der verhassten Augusta Regina als Ausstellungsstück in einem Aquarium mit Formaldehyd dienen...

Zark, der Scarabaeus, inspizierte das neuste Schiff des AD, eines der größten Exemplare, das je gebaut worden war. Es sollte unter seinem Kommando geführt werden. Die Raumwerft befand sich in einer nahen Umlaufbahn um Frigidus und war zügig mit einem Orbiter zu erreichen. Als Kaiserlicher Diener hatte er den Rang, um eine ganze Flotille zu befehligen. Ein ranggleicher Scarabaeus namens Tzrut würde bald auf Frigidus eintreffen und ein weiteres Großschiff kommandieren. Er würde seinen Kaiser stolz machen. Eines Tages würden die Scarabaeus über alle anderen Völker des Alpha Dominions herrschen. Und dazu wären ihnen noch weit über hundert Milliarden Arbeitssklaven aus der Vereinigten Allianz untertan. Die glorreiche Zukunft konnte kommen. Die Unterwerfung aller minderwertigen Lebensformen. Alle Kreaturen würden den Scarabaeus gehorchen. Alpha Dominion und Vereinigte Allianz würden zu einem ultimativen Kaiserreich verschmelzen.

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von prallbeutel am 28.01.19 um 13:21 geändert
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Holzfäller
Stamm-Gast

um Rochlitz


Was Du nicht willst, dass man Dir tu, dass mut auch Keinem andern zu.

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  RE: Regina Datum:10.03.19 19:56 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo prallbeutel.

Auch wenn es nur wenig Featback zu Deiner Geschichte gibt, so finde ich sie doch sehr spannend.
Bitte lass sie nicht einfach so auslaufen! Wenn auch die Motivation fehlen sollte, so schreibe wenigstens ein Ende.

MfG Holzfäller
otto
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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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Licentia poetica

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  RE: Das Ende der Regina Datum:17.03.19 14:26 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXII ~


Der Plan, mit einem militärischen Schiff auf Pax Novo zu landen, löste sich schneller auf, als flüssiges Glyceroltrinitrat zerfallen kann. Zu streng waren die Kontrollen. Und jetzt noch die Ausgehsperre auf der Station! Das hieße zusätzlich, dass sie nicht mal auf ihr Schiff gelangen konnten. Doch da kam Animus und Gravis der Zufall zur Hilfe.

24 Stunden später wurde die Sonderregel aufgehoben, und er betrat mit Gravis gemeinsam eine Bar. Eine zwielichtige Gestalt sprach den Ex-Pugnator an der Theke an. „Habe gehört, dass ihr auf den Planeten wollt. Könnte euch hinbringen. Wie viele seid ihr?‟ Animus betrachtete den Mann. Der Humanoid trug Kleidung, wie sie auf Beta Patria und Pax Novo üblich war, hatte sein Haar aber zu einem Irokesenschnitt frisiert, und seine Iris war pechschwarz, so dass sie mit der Pupille verschmolz. Animus rätselte. Das war kein optisches Implantat, sondern der Mann musste aus einem anderen Sol-System stammen. Der Fremde schaute sich verschwörerisch um und lehnte sich zu Animus hinüber. „Ich nehme Dilithiumstreifen. Vorkasse. Zehn Einheiten pro Person.‟

Animus kniff seine Augen zusammen. War der Typ vielleicht einer der außer Kontrolle geratenen Androiden? „Wo ich herkomme, da stellt man sich erst vor.‟ Der Unbekannte grinste. „Klar. Ich bin Geschäftsmann. Mein Name tut nichts zur Sache. Wenn ihr hier wegkommen wollt, müsst ihr nach meinen Regeln spielen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier keiner mehr abfliegt. Nach Nirgendwo. Die Ausgangssperre ist zwar aufgehoben, aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass es hier bald rappelt. Und zwar mächtig.‟ Animus überlegte. Die Stationsadministration konnte die parkenden Schiffe versiegeln. Das war in einem Ausnahmezustand zulässig. Dann nickte er. „Ich muss das klären. Wir sind etwa ein Dutzend.‟ Der Mann spitzte die Lippen. „In einer Stunde wieder hier. Wenn du die Streifen mitbringst, habe ich einen Platz für euch. Sonst bin ich weg.‟

Gravis hatte etwas abseits gestanden. Als sie zurück ins Quartier gingen, löcherte er seinen Kameraden mit Fragen. Animus aktivierte sein ComLink am Handgelenk und baute eine verschlüsselte Verbindung zur Mr. Carthy auf Regina auf. Er berichtete über die Option Flosa zu retten. Und er forderte Dilithiumstreifen an. Der Chef von Prospect Enterprises genehmigte 60 Streifen und buchte sie auf ein virtuelles Konto, auf das Animus sofort zugreifen konnte. Gravis brummte. „Nur 60. Das ist zu wenig für alle.‟ Animus zuckte mit den Schultern. „Es muss auch so gehen. Dann bleiben einige der Securityleute eben im Schiff.‟ Der Muskelmutant war nicht begeistert. „Dann wird Flosas Rettung noch schwieriger. Können wir diesem ominösen Typen überhaupt trauen? Der wirkt auf mich wie ein Raumpirat. Was ist, wenn er unsere Dilithiumstreifen nimmt und mit seinem Schiff abdüst?‟ Animus verzog den Mund. „Das darf und das wird nicht passieren. Wir haben keine andere Wahl. Auf der Station geht es bald drunter und drüber. Wir müssen heute noch verschwinden.‟

Gravis plusterte sich auf. „Wenn der Kerl irgendwas Dummes vorhat, dann drück ich ihm seinen Kopf in seinen Brustkorb.‟ - Animus trommelte die Leute von PE zusammen und wählte die vier Personen aus, die an der Befreiungsaktion teilnehmen sollten. 45 Minuten später erschienen die sechs Männer in der Bar und bestellten unauffällig einen Drink. Kurz darauf kam auch der Fremde wieder. „Und? Entschieden?‟ Animus nickte und tippte in seinen ComLink ein. Dann zeigte er ihm das Display mit den 60 Streifen. Der Typ aktivierte sein eigenes Modul und sendete seine Kennung. Animus übertrug den Betrag auf das Konto des Mannes, der die Gruppe nun hinter sich herwinkte.

Sie verließen die Bar durch einen Hinterausgang, der eigentlich nur für Zulieferer gedacht war. Niemanden schien das zu stören. Ein Lastenaufzug brachte die Gruppe in einen anderen Sektor der Station, der für Zivilisten gesperrt war. Dicke Stahlstreben verliefen an den Wänden und der Decke. An einer Seite des Ganges war ein Terminal mit einem Sichtfenster in einen Hangar. Von hier waren diverse Frachtkräne und Industrieroboter zu steuern. Das bläuliche Neonlicht tauchte die Umgebung in eine dämmerige und kalte Welt, tief in den Eingeweiden von Novo Spero. Die Andockstationen für Shuttles waren auf der anderen Seite. Wollte der Kerl sie in eine Falle locken?

Die Männer waren bewaffnet und auf der Hut. Sie erreichten nach weiteren verzweigten Wartungskorridoren einen verlassenen Technikbereich mit zum Gros obsoleten und abgeschalteten Gerätschaften. Ihr Führer öffnete mit einem alphanummerischen Code an einer Wandtastatur ein Schott. Dahinter befand sich ein kleiner Flughangar, der so alt war, dass er schon nicht mehr in den öffentlich einsehbaren Holokarten der Station auftauchte. Eine alte Transitkapsel stand in der Halle. Animus runzelte die Stirn. „Damit sollen wir nach Pax Novo fliegen? Und dann auch noch unbemerkt? Das ist wohl ein Witz!‟ Der Mann schüttelte den Kopf. „Nein, damit geht es nur bis zu meiner Bonafuga.‟ Er deutete durch ein ovales Außenfenster zu einer Phalanx geparkter Schiffe. Eines davon musste ihm gehören.

„Wir erhalten eine Prioritätsstartserlaubnis für die Kapsel. Und dann fliege ich zur Tarnung einen Kurs Richtung Beta Patria. Nach ein paar Stunden ändern wir die Koordinaten. Auf Pax Novo landen wir unerkannt.‟ Animus sah ihn fragend an. „Die Sensoren... Wie sollen wir unerkannt landen können?‟ Der Mann lächelte nur und hantierte an der Einstiegsluke der Kapsel. Im spartanisch eingerichteten inneren war Platz für zehn Personen. Plötzlich meldete sich auf den ComLinks der Männer ein Warnhinweis: „Achtung! Es gilt ab sofort wieder Ausgangssperre. Finden Sie sich unverzüglich in ihrem Quartier ein und warten Sie auf weitere Anweisungen der Stationsleitung.‟ Der Mann winkte die Gruppe in die Kapsel. „Schnell! Wir haben nicht ewig Zeit.‟

Gravis fragte sich, was auf Novo Spero los war. Warum schon wieder eine Ausgangssperre? Dumpfe Schüsse waren zu hören. Das musste großes Kaliber balistischer Geschosse sein. Die Geräusche waren von oben gekommen. Über ihnen befand sich eine zivile Galerie mit Geschäften und der Administration. Die vier Securityleute von PE nahmen Platz, Gravis quetschte sich ebenfalls auf einen Sitz. Seine Schultern waren dabei so breit, dass links und rechts von ihm die Plätze freibleiben mussten. Animus stieg ein und ließ ihren Führer nicht aus den Augen. Der setzte sich an das Navigationspult und tippte den Rendezvouskurs zu seiner Bonafuga ein.

Die Männer konnten in der Kapsel nicht nach außen sehen. Animus war gespannt, was das für ein Schiff war, auf das er da gebracht wurde. Kurz darauf zündete der Mann den Antrieb und aktivierte die Außenschleuse. Die sollte eigentlich gesperrt sein, aber wer wusste schon, was der Typ mit Schmiergeldern so alles in die Wege geleitet hatte. Einem legalen Beruf ging er nicht nach, so viel war wohl allen Beteiligten klar. Das unscheinbar aussehende Fluggefährt brachte die Reisenden zu der Phalanx der parkenden Schiffe. Ein Rattern und Vibrieren wies darauf hin, dass sie das Ziel erreicht und die magnetischen Andockklammern gegriffen hatten. Pneumatisch öffnete sich die Außenluke, die mit dem Inneren des Schiffes verbunden war.

Die Gruppe und ihr Führer gingen an Bord. Der erste Eindruck war ernüchternd. Es handelte sich wohl um einen sehr betagten, um nicht zu sagen maroden Transporter. Sie befanden sich im leeren Frachthangar. Die Transitkapsel, die sie hergebracht hatte, flog per Autopilot zurück zur Station. Animus stieg hinter ihrem Führer eine Eisensprossenleiter hoch. Er kam an einem Bullauge vorbei und sah die Außenpanzerung der Novo Spero. Majestätisch schwebte die Station im Orbit von Pax Novo und drehte langsam ihre Runden. Doch was war das? Eine gewaltige Explosion musste an Bord der Station stattgefunden haben. Teile eines Sektors brachen auf und verteilten gerissene Stahlelemente im All.

Einige der Trümmerteile schossen auf die Phalanx der parkenden Schiffe zu und zerstörten einige von ihnen. Animus hielt den Atem an. Dann endlich fand er seine Sprache zurück. „Die Station! Sie...‟ Jetzt schaute auch ihr Führer durch ein Bullauge und beobachtete die gespenstische Szenerie. Dann eilte er weiter die Leiter hoch und öffnete ein quietschendes Schott. „Schnell! Wir müssen hier weg! Wenn uns so ein Teil trifft, war es das!‟ Er lief durch ein schmales Verbindungsstück in das Pilotenmodul und startete die Triebwerke. Die Manövrierdüsen richtete er so aus, dass die Bonafuga so schnell wie möglich aus der gestreuten Schussbahn der Trümmer kam.

„Commander an Navigatoreinheit. Vollen Schub. Koordinaten laut Programmierung 4411.‟ Eine weibliche Stimme ertönte. „Voller Schub. Koordinaten laut Programmierung 4411. Ausgeführt, Commander.‟ Animus sah sich um. „Wer ist denn noch an Bord? Wo ist Ihre Mannschaft?‟ Der Commander lächelte. „Mannschaft? Nur ich und Bona.‟ Animus sah ihn fragend an. „Bona?‟ Der Mann nickte. „Sie ist Navigatorin, Antriebstechnikerin und noch vieles mehr.‟ Gravis und Animus sahen sich an. Der Ex-Pugnator hatte eine Ahnung. „Sagen Sie nicht, Sie fliegen den Schrotthaufen hier alleine. Bona... Das ist das Bordsystem, oder?‟ Der Commander zuckte mit den Achseln. „Für mich ist sie eine gute Freundin. Und nun würde ich vorschlagen, dass sich die Herren anschnallen, so lange wir beschleunigen.‟ Er zeigte auf Sitze mit Fünf-Punkt-Gurten. Zwei Minuten dauerte die Abflugssequenz, dann zündete die Hauptantriebsstufe und jagte die Bonafuga mit vielfacher Normbeschleunigung um Pax Novo herum Richtung Beta Patria.

Ein Newsfeed auf den Handgelenkskommunikatoren der Männer berichtete von einem schweren Zwischenfall auf Novo Spero. Die höchste Alarmstufe war ausgerufen worden. Noch gab es keine verlässlichen Quellen darüber, was genau geschehen war. Auch eine offizielle Stellungnahme der Administration ließ auf sich warten. Von Pax Novo waren Schiffe mit technischem Gerät, Rettungsteams und Investigatoren gestartet. Erste Gerüchte über einen Anschlag eines Androiden kamen auf.

In der Konzernzentrale von Bionic Industries sah Artus Iceberg den Newsfeed auf einem großen Wandbildschirm. Solange man von einer Fehlfunktion einiger weniger Androiden sprach, war noch nicht alles verloren. Aber sobald herauskam, dass es sich um Künstliche Intelligenzen handelte, die völlig außer Kontrolle geraten waren... Hemmungslos, gnadenlos, gewissenlos, radikaler als jeder Psychopat. Moral und Ethik völlig irrelevant. - Der Vorstandsvorsitzende wischte sich den Schweiß von der Stirn. Wenn seine Außenteams nicht schnellstens sämtliche Exemplare auschalteten, gab es keine Rettung mehr. Und das würde alles andere als leicht werden. Die KI verfügten über eine Hardware, die ihr die doppelten Kräfte eines Mannes gaben, übermenschlich schnelle Reflexe, die 100 Meter liefen sie in unter acht Sekunden, und neben einem fotografischen Gedächtnis verfügten sie noch über Dateninformationen wie ein Lexikon mit einer Datenmenge von mehreren Terrabyte, waren in Realtime mit einem Newsfeed verbunden und konnten mit einem vergleichbaren Intelligenzquotienten von 150 auch autonom denken.

Selbstverständlich hatten die Ingenieure eine Sicherung eingebaut, um die Androiden im Notfall sofort zu deaktivieren. Nur leider hatte der Update zur KI dazu geführt, dass die Androiden einen Weg gefunden hatten, diese Sicherung zu umgehen oder abzuschalten. - Die Explosionen auf der Raumstation verhießen nichts Gutes. Animus machte sich Sorgen um die Securityleute. Eine Verbindung zu den auf der Station verbliebenen PE-Männer konnte nicht aufgebaut werden. Gravis stöhnte. „Hoffentlich ist denen nichts geschehen.‟ Animus informierte Mr. Carthy über die aktuellen Geschehnisse. Die transstellare Verbindung wies eine zeitliche Verzögerung von 25 Minuten auf. Aber eine bessere technische Option bot sich momentan nicht an.

Der Commander schnallte sich ab. „Antriebe sind gedrosselt. Beschleunigungsprozedur ist... jetzt abgeschlossen.‟ Die Gurte der anderen Sitze lösten sich automatisch und verschwanden in den Lehnen. Die Bonafuga würde noch eine Weile ihren Kurs beibehalten, um dann neuen Koordinaten zu folgen und zu Pax Novo zurückzukehren. Die feminine Stimme von Bonafuga war zu hören: „Die Plangeschwindigkeit ist erreicht. Ich wünsche eine gute Reise.‟ Wie der Commander seinen Transporter später auf dem Planeten unbemerkt landen wollte, war Animus immer noch ein Rätsel. Er vertiefte sich in eine Grafik auf einer Schalttafel am Terminal, die den vorgesehenen Kurs abbildete, und stellte eigene navigatorische Berechnungen an.

Gravis spazierte durch den schlauchartigen Zwischengang in das Hangarmodul und kletterte die Sprossen hinab. Er sah sich in der leeren Industriehalle um. Keine Fracht war an Bord. Oder doch? An einer Wand lag eine flache Metallkiste am Boden. Der Muskelmutant näherte sich, hob sie auf ein leeres Schwerlastregal. Die Box war mit einem Digitalschloss versiegelt. Ein Strichcode enthielt wohl die Daten über den Inhalt. Gravis aktivierte die Scanfunktion seines Comarmbandes. Es zeigte die Informationen an: 14 Neuroblocker und 5 neuronale Implantate, Level 7.1, BI. Gravis zog die Stirn kraus. Solche Produkte durften nicht frei gehandelt werden. Wahrscheinlich sollten sie geschmuggelt und dann auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

Er stellte den Kasten wieder zurück und bemerkte dabei eine getarnte Tür. Nur ein dezenter Rand verriet ihre Existenz. Gravis tastete den Umriss ab, fand aber keinen Zugang. Was versteckte der Typ hier, wenn schon Neuroblocker und neuronale Implantate offen herumstanden?! Vielleicht sollte er Animus von seinem Fund berichten. Plötzlich schreckte er hoch, als eine Stimme von hinten oben rief: „Kommen Sie lieber wieder auf die Brücke. Hier im Frachthangar gibt es eine erhöhte Strahlung.‟ Gravis sah den Commander oben an der Sprossenleiter stehen. Der Muskelmutant kam zu ihm hoch. „Strahlung?‟ Der Commander nickte. „Ja, da sind leider noch ein paar überhöhte Werte da. Ein Überbleibsel von Tritiumoxid, das ich mal transportiert habe. Aber ein paar Minuten hier unten ist nicht weiter gesundheitsschädlich.‟ Gravis fragte sich, ob der Typ ihn nur weglocken wollte, oder ob es hier wirklich radioaktiv verseucht war. Vielleicht beides.

Trotzdem konfrontierte er den Mann mit seiner Entdeckung. „Was ist das da für ein getarntes Schott?‟ Der Commander tat gleichgültig. „Ach, da ist der Sicherheitstrakt. Mit ein paar Wertsachen, redundante Systeme und Backups vom Bordsystem und so.‟ Er sah auf seinen Kommunikator und zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Muss zurück auf die Brücke. Gibt ein paar Komplikationen mit der Triebwerksansteuerung. Muss ich aktualisieren.‟ Gravis folgte ihm langsam hinterher und schaute noch Mal zu dem Geheimschott.

Das Regierungsschiff des Alpha Dominion befand sich im Anflugskorridor im Orbit um Frigidus, der Versorgungsbasis der Staatengemeinschaft. Vier Jäger tauchten auf und eskortierten es zum Landebereich auf dem militärischen Rüstungsgelände neben dem Hauptquartier der Flottenführung. Im Innern des gewaltigen Gebäudekomplexes marschierte gerade eine Audiutrix in Begleitung zweier Streiter, so die offizielle Bezeichnung einfacher Soldaten des Alpha Dominions, zu einem Fahrstuhl. Einer der in Camouflage uniformierter Streiter gab einen Code ein, der in eine Etage führte, die normalerweise gesperrt war. Dort führte sie der Weg durch einen leeren Gang und zwei Sicherheitstüren. Dann öffnete sich eine dritte Tür. Die Streiter gingen neben dem Eingang von außen in Habachtstellung.

Die Offizierin trat ein. Dann schloss sich die Tür wieder. Sie befand sich in einem länglichen Raum mit sterilen Wänden aus weißem Polymerstoff. Am schmalen Ende der etwa sechs Meter langen Zelle war eine Liege angebracht, die um 45 Grad hochgestellt war. Auf ihr war eine Person festgeschnallt. Die Nylonbänder führten um ihre Fuß- und Handgelenke, die Oberschenkel, die Taille, die Oberarme und den Hals. Die Liege war breit genug, dass die Arme leicht gespreizt vom Torso abstanden. Die Person war ein männlicher Humanoid. Er war nackt und komplett von Kopf bis Fuß rasiert. Um die Hoden trug der Mann einen fünf Zentimeter breiten Ring. An der Vorderseite blinkte eine kleine grüne Leuchtdiode. Die Haut des Gefangenen war nassgeschwitzt, obwohl ein Thermometeranzeige an einem Wandpanel nur 21 Grad Celsius angab. Daneben zeigte eine Balkengrafik den Stromfluss in Ampere an, der durch die Hoden des Mannes geleitet wurde.

Die Audiutrix grinste schadenfroh. „Wie fühlen Sie sich?‟ Der Gefangene antwortete nicht. In seinem Gesicht zuckte es lediglich. Die Offizierin schnurrte wie ein Kätzchen und näherte sich. Sie starrte auf die Hoden des Mannes. „Fühlt sich an, als ob eine mächtige Stahlfaust sie zerquetscht, was?‟ Sie kehrte zu dem Wandpanel zurück und wischte mit dem Finger vorsichtig den Balken nach oben, so dass sich die Amperezahl erhöhte. Der Fixierte stöhnte und grunzte. Er hatte bisher keine Aussage gemacht. Lediglich eine ID-Nummer und seine Einheit hatte er monoton aufgesagt. Er gehörte einem Spähtrupp der Vereinigten Allianz an und war von einem Schwarm Dominionschiffen aufgebracht worden. Ein klarer Fall von Spionage.

Die Audiutrix näherte sich bis auf wenige Zentimeter dem Gesicht des Mannes und lächelte. „Sag mir einfach, was ich wissen will. Wie viele Schiffe der VA sind im Sektor? Wie viel Mann? Welche Bewaffnung? Welche Spionagetechnik? Welche Tarnvorrichtungen?‟

Während die Offizierin den Gefangenen verhörte, hatte eine Veterana auf der Deckebene des Komplexes etwas ganz anderes im Sinn. Die Ankunft von Augusta Regina stand kurz bevor. Operation Conspiratio war aktiv. Das Regierungsschiff des AD war am Himmel zu sehen, wie es sich langsam der Oberfläche auf dem Landeplatz näherte. Die acht Bremsdüsen strahlten hell und hielten das Schiff in der Atmosphäre. Auf der Brücke las der Pilot die Flughöhe ab: 1.200 Meter, 1.000 m, 800 m, 600 m, 400 m, 200 m, 100 m, 50 m, 40 m, 30 m – die Düsen gingen auf vollen Schub, um sauber aufsetzen zu können. Auf 200 m Flughöhe waren die Landefüße ausgefahren worden. Noch 20 m, zehn, acht, sechs, vier, zwei und Landung. So sanft, dass die Insassen kaum etwas merkten, und das trotz hunderter Tonnen Gewicht, die auf die Stahlstützen einwirkten. Unter anderem die nachgebenden Füße des Schiffes und die anpassenden Bodenplatten dämpften die Landung beinahe perfekt.

Die Mitglieder des Hohen Rates wurden mit allen Ehren vom Oberkommando Frigidus empfangen. Augusta Regina spielte nur eine Nebenrolle, da sie nicht Mitglied des Hohen Rates war. Sie musste mit anderen Ankömmlingen warten, bis die Ehrengäste das Landefeld mit Schwebe-Hovercrafts verlassen hatten: ein Scarabaeus, zwei Alba Simia, ein Wurmskorpion und ein Amphibienwesen. Die Exilantin grummelte. Für solche Freakkreaturen wurde der rote Teppich ausgefahren! Lachhaft!

Endlich waren sie und ihre Entourage an der Reihe. Sie betraten ein Hovercraft, um zum Hauptgebäude gebracht zu werden. - Auf einem Balkon im 15. Stock des Habitats stand eine Veterana und hielt eine Fernbedienung in der Hand. Ein kleiner Kippschalter leuchtete rot. Ein Finger der Frau schwebte ohne zu zittern darüber. Sie wartete den optimalen Augenblick ab. Sobald der Hovercraft der Exilkönigin sich über der Plasmagrante befand, würde sie den Befehl ausführen, den ihr die Praetoria gegeben hatte.

Sie verfolgte konzentriert den Weg des Gefährts in Richtung Basiskomplex. Noch hundert Meter. Sie hatte die Freigabe. Noch 50 Meter. 30, 20, zehn, fünf... Jetzt! Sie kippte klackend den kleinen Hebel aus Metall um. Die Leute blinkte kurz auf. Die Veterana konnte beobachten, wie sich eine große Feuerwolke ausbreitete, wo zuvor der Hovercraft geschwebt hatte. Der bassige Knall der Explosion war deutlich zu hören, als die Schallwellen leicht zeitversetzt bei ihr eintrafen.

Auch an einem Kugelhabitat, das etwas abseits der Rüstungsproduktionsstraßen lag, war der Lärm zu hören gewesen. Zwei Praefectas standen dort an einem großen Panoramafenster. Aranea nickte langsam. „Operation Conspiratio erfolgreich abgeschlossen...‟ Exakt in dieser Sekunde spürte eine Veterana den unbändigen Willen, die Balkonabsperrung zu überklettern, hinter der sie stand. In luftiger Höhe der 15. Etage wehte ein kräftiger Wind. Die Frau, die auf ihrer Uniform keine Abzeichen führte, ließ die kleine Fernbedienung in die Tiefe fallen. Ihr Blick führte ins Leere. Sie balancierte oben auf der Absperrung, und dann breitete sie die Arme wie Flügel aus und begann einen Flug ins Jenseits.

Nur wenige Augenblicke später war ein medizinisches Rettungsteam aus Androiden vor Ort, konnte aber nur den Exitus der Person feststellen. Die Fernbedienung war in tausend Teile zersprungen und wurde mit dem Unfall nicht in Verbindung gebracht. Der Hohe Rat erhielt bereits wenige Minuten später die vertrauliche Nachricht, dass Augusta Regina einem Attentat zum Opfer gefallen war. Mehrere hohe Militärs der Exilantin waren ebenfalls ausgelöscht worden. Zwar war die ehemalige Monarchin nicht Mitglied im Hohen Rat des Alpha Dominion gewesen, aber als Führerin der Feministinnen, die die treibende Kraft bei der Androidentechnologie waren, spielte sie eine große Rolle.

Ihr Tod wirbelte politisch alles durcheinander. Schnell gab es Gerüchte über die Schuldigen. Waren es Scarabaeus gewesen? Alba Simia? Oder womöglich Agenten der Vereinigten Allianz? Immerhin waren Fernaufklärer der VA mit Jägern bis in den Sektor des AD vorgedrungen. Einen Humanoiden hatte der Geheimdienst festnehmen können. Der Hohe Rat berief augenblicklich eine Sondersitzung ein. Es durften erst gar keine Unruhen entstehen. Eine legitime Nachfolgerin von Augusta Regina musste schnell gefunden werden. Die Großinvasion durfte nicht in Gefahr oder Verzug geraten. Alles war auf ein wenige Monate begrenztes Zeitfenster ausgerichtet. Die VA durfte nicht die Gelegenheit bekommen, ihre Defensive auszubauen oder gar einen Präventivschlag zu realisieren.

Um sich der Feministinnen von Regina zu versichern, wurde eine Praefecta in den Hohen Rat gewählt: Aranea. Sie ließ sich als offizielle Nachfolgerin von Augusta Regina ausrufen. - Derweil hatte die Bonafuga eine illegale Tarnvorrichtung eingeschaltet und war auf Kurs Pax Novo gegangen. Die angenehme weibliche Synthetikstimme des Schiffsystems informierte auf der Brücke: „Zielkoordinaten aktiv. Triebswerkssignatur verschleiert. Kalkulierte Ankunft im orbitalen Landekorridor der Destination: 8 Stunden, 12 Minuten.‟ Animus sah fragend zu dem Kommandanten. „Triebwerkssignatur verschleiert? Soll das heißen, wir fliegen in einem militärischen Tarnmodus?‟ Das war höchst illegal. Darauf standen in der gesamten VA langjährige Haftstrafen. Der Commander winkte lässig ab. „Das habe ich schon tausend Mal gemacht. Immer, wenn ich mich schützen musste, damit mich die... äh... Raumpiraten nicht überfallen.‟ Animus grunzte ungläubig und kommentierte lapidar: „Klar, Raumpiraten. Wohl eher die Planetenpolizei.‟ Der Commander zuckte mit den Schultern und fragte süffisant: „Möchte der Herr Moralapostel lieber aussteigen? Hier gibt es in der Nähe einen hübschen Asteroiden mit einer Schürfplattform.‟

Gravis nahm Animus zur Seite und raunte ihm zu: „Wie wollen wir von Pax Novo wieder wegkommen?‟ Der Schmuggler würde wohl kaum auf sie warten. Sein Kamerad schlug ihm auf die breite Schulter, die eher einem großen Ball ähnelte. „Da überlegen wir uns was. Aber es wird Zeit, dass wir Flosa befreien, bevor es zu spät ist. Bionic Industries will was vertuschen. Ich bin mir sicher, dass da noch mehr im Argen liegt.‟ Dem Commander widmete er keinen Blick mehr. Er verließ die Brücke und nutzte die restliche Flugzeit zum Planeten dazu, mit seinem Team den Befreiungsplan akribisch durchzugehen. Alles musste perfekt ablaufen. Sie mussten blitzschnell agieren, die Zielperson finden und sie aus den Fängen der BI lavieren.

Animus wusste, dass es ein Himmelfahrtskommando war. Aber er hatte sich in diese Frau verliebt, und auch Gravis bedeutete sie viel. - Eine Stunde vor der Landung fragte Animus den Schmuggler, wo in Pax-City sie landeten. Er klappte eine Holokarte auf und betrachtete die 14-Millionen-Einwohner-Stadt. Der Commander zeigte an den Rand. Animus vergrößerte den Ausschnitt mit einer Geste und betrachtete das Industrieviertel. Es war etwa 15 Kilometer von der Konzernzentrale entfernt. Er runzelte die Stirn. „Und wie sollen wir von da bis in das Zentrum kommen?‟ Der Schmuggler zuckte mit den Schultern. „Bestellen Sie sich doch ein Hypercraft-Taxi.‟ Die kleinen Schwebefahrzeuge waren normalerweise mit einem automatischen Fahrsystem bestückt und boten somit mehr oder weniger Anonymität.

Animus zweifelte. „Wenn die Ausgehsperre gilt, fliegt da nichts. Und wenn, fallen wir auf.‟ Der zwielichtige Kommandant hatte einen Vorschlag. „Für fünf weitere Dilithiumstreifen fliege ich näher ran. Aber zuerst muss ich meine Fracht aufnehmen.‟ Animus schüttelte den Kopf. „Mehr Credits haben wir nicht.‟ Damit war das Thema wohl erledigt. Sie mussten sich irgendwie durchschlagen. Durch eine Gegend, in der es generell gefährlich war, aber zu Ausnahmezeiten wie momentan war es mörderisch. Und bei all dem mussten sie für die Behörden unsichtbar bleiben. Na, das war mal eine Herkulesaufgabe.

Er las schnell auf seinem Mobilcom über Pax-City einige Informationen nach: Am Landeplatz herrschten diverse Gangs, die nach ihren eigenen Gesetzen lebten und keine Gefangenen machten. Wenigstens waren hier kaum Patrouillen der Planetenpolizei zu erwarten. Er fragte den Kommandanten, was er für Fracht lud. Der Mann lächelte affektiert. „Betriebsgeheimnis‟. Animus seufzte. „Natürlich.‟ Die weibliche Stimme der Bonafuga meldete sich. „Landekorridor der Destination erreicht. Anflugsvektoren aktiviert. Umgebungsscan ergibt mehrere Radarzonen.‟ Der Kommandant tippte auf seiner Konsole am Steuerpult herum. „Hauptantrieb abschalten. Tarnung aufrecht erhalten. Wir unterfliegen den Radar.‟

Animus wusste nicht genau, welche Technologie der Schmuggler verwendete, aber das war alles höchst verboten. Aber eines musste er zugeben: Wenn er es schaffte, ohne von den Standardscannern bemerkt zu werden, zu landen, dann war der Schrottkahn doch nicht so schlecht, wie er den Eindruck gemacht hatte. - Nach elf Minuten begann der Landeanflugprozess. Bremsdüsen manovrierten das Schiff korrekt ausgerichtet Richtung Boden. Stützen fuhren hydraulisch aus dem Rumpf. Das Quietschen war sogar in der Brücke zu hören. Mit einem leichten Rucken setzte das Schiff auf. Sie parkten auf einer alten, rissigen Betondecke. Um sie herum standen Lagerhallen. Der Commander stand auf. „Alle bleiben hier im Wohnmodul oder auf der Brücke. Verstanden?‟ Er stiefelte zum Frachthangar, um dort die Außenluke zu aktivieren. Die Kameras auf der Brücke waren abgestellt. Animus grummelte. „Der will auf keinen Fall, dass wir wissen, was er transportiert.‟
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