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  Das Reich der Megara (Neuauflage)
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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:23.02.20 19:25 IP: gespeichert Moderator melden



Abas lief kopflos die Gasse entlang – die zwei Soldatinnen verfolgten ihn überraschend schnell, ohne ins Trudeln zu geraten. Dann kam es, wie es kommen musste: Abas geriet in eine Sackgasse. Eine neun Fuß hohe Mauer versperrte den Weg und an den Seiten war Haus an Haus gebaut. Einige alte Dachschindeln lagen vertreut an einer Wand. Sonst entdeckte er nichts und niemanden dort. Er war auf sich alleine gestellt und saß in der Falle. Endlich fiel Abas sein Breitschwert ein, dass er dem Kampfsklaven abgenommen hatte. Venus hatte es zwar an sich genommen, als sie mit ihren zwei „Gefangenen“ in die Stadt geritten war, doch dann hatte sie es ihm wieder gegeben.

Abas zog es aus dem Gürtel, um den Frauen zu trotzen. Er sollte sich nun sicherer fühlen, doch die schwere lange Waffe war so unhandlich, dass er gegen zwei flinke Degen keine Chance hatte. Mit dem Schwert hätte er eher Holz hacken können, als gegen zwei Soldatinnen kämpfen. Doch es war besser als nichts. Die Frauen blieben auch in respektvoller Entfernung mit gezückten Degen stehen. Abas posierte mit der gewaltigen Klinge. Sollte es zu einem Schlagabtausch kommen, war er hoffnungslos verloren. Aber vielleicht klappte ja sein Bluff...

Doch die beiden Damen trennten sich, eine kam von links, die andere schritt weiter nach rechts. Ihre Bewegungen waren geschmeidig und wirkten an sich schon gefährlich wie die von Raubkatzen. Zwei Gegner aus unterschiedlichen Richtungen! Das ist unfair, protestierte Abas innerlich. Aber was war im Krieg schon fair? Als die eine Soldatin einen blitzartigen Ausfall machte, schreckte Abas zurück, drehte sich dann wild um sich selbst und schwang das Breitschwert in einer Kreisbewegung um sich herum, als wollte er eine junge Birke fällen. Diesen Moment nutzten die Frauen, um sich zu ducken und hinter Abas zu sprinten. Dabei versetzte die eine dem Königsgemahl einen harten Schlag mit der Seite der Degenklinge auf sein Gesäß. Abas schrie erschrocken auf und ließ das Schwert fallen. Es schepperte auf dem Kopfsteinpflaster.

Als die andere Soldatin ihre Chance sah, streckte sie ihren Arm gekonnt mit dem Degen nach ihrem Gegner aus und rutschte in einen Ausfallschritt. Abas hüpfte im gleichen Moment nach vorne, so dass ihn nur die Spitze des Degens leicht am Hintern pikste. So folgte sofort nach seinem ersten Schrei ein weiterer noch lauterer und hellerer Laut. Abas sah sein Schwert hinter sich und zwischen den Gegnerinnen im Staub liegen und raste davon, so schnell ihn seine Beine tragen konnten.

Doch noch gaben sich seine Gegenspieler nicht geschlagen. Ein Weib griff an seinen Gürtel und löste dort blitzschnell eine Art Schleuderwaffe: drei Kugeln an miteinander verbundenen Seilen. Sie holte weit aus und ließ ihre Wunderwaffe über dem Kopf kreisen, bevor sie sie mit Schwung losließ. Abas war bereits viele Schritt entfernt, doch verfingen sich die Kugeln geschickt in seinen Beinen und brachten ihn zu Fall. Die Flucht war hier abrupt zu ende. Bevor sich Abas von dem verhedderten Seil befreien konnte, stieß eine der Frauen ihm ihr Knie harsch auf die Brust und hielt ihm ihre Degenspitze an die Kehle.

Gut verschnürt marschierte er kurz darauf resignierend hinter den Beiden her, die nun gut gelaunt dem Palast zusteuerten. Für den Sklaven würde es ein paar Münzen geben, die sie in weiteren Wein investieren wollten. Als Abas hörte, dass er zur Residenz gebracht werden sollte, war ihm sein Schicksal gar nicht mehr so unangenehm. Vielleicht war das sogar der einfachste Weg, um in die königliche Festung zu kommen und mehr über Leda zu erfahren. Und außerdem trennten ihn dann bald nur noch wenige Mauern von dem Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel.

In der Tat erhielten die Frauen für ihren Fang eine Hand voll klimpernder Münzen und liefen scherzend davon. Abas wurde von zwei nicht weniger gefährlich aussehenden Soldatinnen in den Kerker gebracht. Er kam in eine Gewölbekammer, in der ein wenig altes Stroh lag. Es war düster, kalt, feucht und roch unangenehm muffig. Eine Ratte fiepte irgendwo. Abas hob die Augenbrauen. Es erinnerte ihn an die alte Zeit, in der er als naiver Jüngling in die Stadt gezogen war, um Megara zu ehelichen. Er schüttelte den Kopf über so viel Dummheit. Dann blies er die Wangen auf und drehte sich langsam im Kreis: Es war kein Platz, der einem Königsgemahl würdig war, aber vielleicht würde er hier mehr über Ledas Verbleib erfahren. Er wollte einfach nicht glauben, dass sie tot war.

Plötzlich erschrak er so sehr, dass ihm fast das Herz stehen blieb. In einer dunklen Ecke hörte er ein keuchendes Husten. Abas näherte sich und sah den Mitgefangenen: einen nackten Mann in seinem Alter. Er sah ausgemergelt und schmutzig aus. Um Hand- und Fußgelenke trug er alte rostige Eisenschellen. Abas kannte ihn nicht, dafür stotterte der andere aber: „Da… da… das ist… Seid Ihr… etwa… der Gemahl der Königin?“ Abas hielt schnell seinen Zeigefinger an den Mund. „Leise! Es darf niemand erfahren. Woher weißt du von mir?“ Im nächsten Moment hätte er sich für die eselige Frage ohrfeigen können. Natürlich kannten ihn viele Personen im Vereinten Reich. Und das war leider auch sein großer Nachteil. Wenn erst Pluta und ihre Häscherinnen davon erfuhren…

Aber dann fiel ihm ein schwerer Stein vom Herzen, als ihm sein Mithäftling Vidar erzählte, dass Leda flüchten konnte: „Ein kleiner Tross Loyalisten ist mit ihr nach Westen gezogen. Mehr weiß ich nicht. Es ist alles streng geheim abgelaufen. Nur wenige haben der hochwürdigen Majestät die Treue gehalten. Es tut mir leid.“ Abas aber atmete tief durch. Leda war am Leben! Und frei! Er fühlte sich wie neu geboren. Doch was war nun mit seinem Schlüssel? In diesem Augenblick fiel ihm auf, dass er fast nackt vor seinem Untertan stand. Aber dann wurde ihm klar, dass Vidar ebenfalls kein Gewand besaß. Trotzdem war Abas die Sache mit dem Keuschheitsgürtel peinlich, und so überlegte er eine Ausrede, zeigte lässig auf seine stählerne Hüfte und meinte: „Das ist ein symbolisches Zeichen für meine Treue, aber ich habe meinen Schlüssel verloren. Weißt du vielleicht, ob Leda… ob die Königin ihren Schlüssel irgendwo hinterlegt hat?“ Aber natürlich hatte Vidar davon keine Kenntnis.

Eine ganze Woche lang blieb Abas in Ungewissheit. In den Nächten hörte er raschelnde Ratten – so dachte er zumindest anfangs, doch dann bemerkte er Vidar, wie er auf seinem Strohbett mit seiner Männlichkeit spielte – dem einzigen Vergnügen, dass dieser in der Kerkerhaft hatte. Und selbst das bleibt mir genommen, sinnierte der Königsgemahl verdrossen. Aber nicht mehr lange, so hoffte er. Und doch ließ ihn der Gedanke, wie tief er gefallen war, nicht mehr los: Jetzt verlustierten sich schon die Untertanen schamlos vor seinen Augen! Erst Lykos, jetzt dieser Vidar.

Das karge Essen – wenn man den ekelhaften Brei und das brackige Wasser so nennen konnte – steigerte das Wohlbefinden auch nicht gerade. Das Wachpersonal wechselte täglich und bestand ausschließlich aus Frauen. Abas spürte, wie sein eingeschlossenes Gemächt zog und drückte, ziepte und pulsierte, wenn eine der Wächterinnen das Essen brachte. Der Fraß war ihm egal, aber diese Schönheiten… Dann schnaubte er, ärgerlich über sich selbst, denn nur dieser verflixte Keuschheitsgürtel machte aus ihm einen so „liebestrunkenen“ Esel. Eigentlich sollte er diese Scherginnen der Tyrannin hassen, doch seine Männlichkeit gierte geradezu danach, die Frauen anzustarren, sie anzufassen und zu lieben… Die Wächterinnen schienen sein unerfülltes Verlangen zu spüren und grinsten ihn schelmisch zu, wenn sie den Brei in die Zelle schoben.

Abas musste sich eingestehen, dass Leda nicht so unrecht hatte: Ein Mann, der lange genug von seiner Liebsten getrennt war, musste sich irgendwie einen Ersatz suchen. Da war der Keuschheitsgürtel ein wirksames Gegenmittel. Doch zu welchem Preis!? Abas litt Qualen! Und je mehr er darüber nachdachte, desto schöner und begehrenswerter kamen ihm die Wächterinnen vor – egal, wie grausam, spöttisch oder arrogant sie ihn behandelten. Was war nur los mit ihm? Und dann kam ihm noch die Geschichte in den Sinn, die Vidar vor ein paar Tagen erzählt hatte: Ein anderer Gefangener war mit Vidar für mehrere Monde in der Zelle gewesen. Dann wurde der eines Tages von zwei Wächterinnen zur Befragung herausgeholt. Als er abends zurückkehrte, war er stumm und sprach kein Wort. Außerdem hielt er sich seine Männlichkeit mit beiden Händen zu. Er starrte nur ins Leere der dunklen Kammer und quetschte sich in eine Ecke der Zelle. Einen Tag später schrie er wie ein Gepfählter, als sie ihn erneut holten. Er sollte nie zurückkehren...

Lykos erledigte inzwischen routiniert alle anfallenden Arbeiten im Haushalt von Venus und ihrer Mutter. Als er mit ihnen am Mittagstisch saß und einen würzigen Gemüseeintopf löffelte, kam die Sprache auf Keuschheitsgürtel für Sklaven. Lykos wurde hellhörig. Wollte die alte Vettel ihn jetzt etwa auch noch seiner Männlichkeit berauben? Der ehemalige Hauptmann befürchtete das Schlimmste, denn die Mutter von Venus hatte das Familienoberhaupt, einen reichen Kaufmann, skrupellos in die Sklaverei verkauft und somit sein gesamtes Vermögen „geerbt“. Zu Lykos Schreck kam ausgerechnet Venus auf den Punkt: „Wie wäre es, wenn Lykos auch ein Zeichen seiner Unterwerfung tragen würde?“ Dione lächelte ihre Tochter an. „Das ist eine ausgezeichnete Idee, Venus. Lauf schnell zur Schmiedin. Und ein Brandmal wäre bei der Gelegenheit auch nicht schlecht.“

Lykos wurde jetzt schon heiß. Heiß vor Angst. Er sagte: „Das muss doch nicht sein…“ Dione versetzte dem Haussklaven eine schallende Ohrfeige. „Du redest nur, wenn du gefragt wirst! Und in dieser Sache wirst du garantiert nicht gefragt.“ Sie kicherte. Lykos sah entrüstet zu Venus hinüber, doch die dachte gar nicht daran, ihn zu verteidigen. Im Gegenteil: Sie zog eine Augenbraue hoch, grinste verschmitzt und rieb sich die Hände in Vorfreude auf den vorgebeugten Lykos mit entblößtem Gesäß…

Pluta war auf dem Weg nach Westen, um in ihren neuen Palast einzuziehen. Sie hatte zwar in der Ostmetropole dafür gesorgt, dass ihre Bastion dort Ledas Residenz in nichts nachstand, aber Pluta wollte wieder in der alten Stadt regieren. Ein symbolischer Akt des Sieges. Und danach würde sie sich triumphierend eine neue Krone aufs Haupt setzen und als Megara zu erkennen geben. Das würde sozusagen die Krönung ihres Lebens werden.

Mit einer gewaltigen Kutsche, die von 300 Sklaven gezogen wurde - und eher einem Mausoleum ähnelte - war sie auf dem Weg nach Westen, um sich eitel als „Befreierin“ feiern und verehren zu lassen. In der Hauptstadt waren mittlerweile auch alle Denkmäler, die an Ledas Herrschaft erinnert hatten, entfernt worden. Dafür bauten Sklaven eilig an gigantischen Statuen, die mit Blattgold überzogen wurden: Pluta als riesige überdimensionale Göttin und Herrin des gesamten Kontinents. Eines nicht mehr allzu fernen Tages würde das große Reich als „Megaria“ in die Annalen eingehen, schwärmte Pluta bescheiden schon jetzt von der Zukunft – einer gewaltigen Gesellschaft von Frauen, die Männer nur als Sklaven billigten.

Somit war Megara quasi Herrscherin über die gesamte bekannte Welt; denn im Osten lebten nur Wilde, und im Westen war nur Wasser und dahinter der endlose Abgrund, wie die Priester stets betonten. Manche Sage erzählte von einem geheimnisvollen Westkontinent voller Steinriesen und Wolfsmenschen, doch die Usurpatorin glaubte nicht daran. Und sollte es doch wahr sein, so würden auch diese fernen Gestade eines Tages Teil ihres Reiches sein. Pluta war hochzufrieden. Bald war sie nicht nur Megara, die Weltherrscherin; sie würde auch alle Götter neben ihr abschaffen. Es sollten Tempel erbaut werden, um SIE voll Inbrunst anzubeten und IHR Opfer zu bringen. Ja, so stellte sich Pluta die glänzende Zukunft vor.

Leda und ihr Tross hatten die Steilküste am Westozean erreicht. Die gestürzte Königin schaute auf das weite Meer hinaus. Einzelne Möwen flogen in der windigen Luft und schrien. Wo sollen wir hier ein Boot hernehmen oder gar bauen und zu Wasser lassen? Leda seufzte. Ihre Berater waren alle weltfremd! Was für eine Bürde hatten die Schicksalswesen doch für sie gesponnen! Doch bevor die ehemalige Regentin eine Schimpfkanonade ablassen konnte, zeigte ihr Honos, ihr Majordomus, auf einer alten gerollten Karte aus Pergament eine eingezeichnete Stelle: „Seht, Majestät! Hier ist eine kleine geschützte Bucht, die kaum jemand kennt. Und dort haben sich einige Fischer angesiedelt. Sie werden ein Schiff für uns haben.“

Leda sah ihn skeptisch an: „Mit einem Fischerboot wollt Ihr über das große Meer? Hat Euch der Wind den Verstand weggeweht?“ Honos verneigte sich untertänig: „Hochwürdige Majestät, es gibt ein großes Schiff der Pluta, dass dort in dieser Bucht liegt.“ Der Majordomus sah seine Königin an, wie er da in seinem langen Mantel stand, vermochte ein Grinsen kaum zu verkneifen und verbeugte sich so tief, dass Leda seine Mimik nicht sehen konnte. Leda schreckte auf: „Was? Jetzt bin ich sicher: Ihr habt Euren Verstand verloren! Ich habe einen Verrückten als Majordomus! Entweder hat der Morgentau euer Gehirn aufgeweicht oder die Sonne hat es verschmort. Ein Schiff der Pluta! Was sollte es uns nützen, wenn der Feind uns eingeschlossen hat? Und außerdem: Warum sollte ein Schiff bis ans Westland gekommen sein?“

Honos berichtete stolz von den Neuigkeiten, die er durch Briefraben erfahren hatte: „Während der Invasion ist Pluta ein Kriegsschiff auf sehr peinliche Art abhanden gekommen.“ Wieder grinste er. Nun schamlos und offen. „Als die feindliche Flotte am Nordufer ankerte, waren auch Fischer aus dem Westen in der Nähe. Eine mutige Gruppe hat ein fast leeres Schiff überfallen und gekapert. Die Seeleute sind dann mit ihrer Beute bis in ihre Heimat gesegelt.“ Leda staunte nicht schlecht. „Und hier gibt es wirklich dieses Schiff? Oder ist alles nur eine… Legende, die Ihr irgendwo aufgeschnappt habt? Oder gar Seemannsgarn, das irgendwer gesponnen hat?“ Honos tat beleidigt: „Ich bitte Euch, Majestät! Würde ich etwa falsche Hoffnung sähen?“ Leda atmete tief durch und entschied, ihrem Majordomus zu glauben.

Die Sonne war ein ganzes Stück den Himmel weitergewandert, als ein Reitertrupp, bestehend aus Leda, Honos, sechs Gardisten und weiteren Soldaten das Fischerdorf erreichte. Der typische Geruch der Meerestiere hing in der Luft. Leda glaubte kaum, ihren Augen trauen zu dürfen, aber da lag zweifellos ein beeindruckendes Schiff vor Anker. Riesige Armbrüste waren links und rechts vom Bug angebracht wie unbesiegbare Geschosse, die Bolzen in der Größe von Rammen laden konnten. Zusätzlich gab es ein gigantisches Katapult auf dem Heck, das in der Lage war, tonnenschwere Felsen zu schleudern und jedes Ziel zu zermalmen. Für ihre 65 Begleiter war mehr als genug Platz. Und wenn ein Dutzend Fischer dieses Ungetüm bis hierher gesegelt hatte, dann würde sie damit auch fahren können – zur Not bis ans Ende der Welt.

Die Sonne stand schon tief, als alle 66 Flüchtenden an Bord der „Victory Quest“ waren. Leda hatte Tränen des Glücks in den Augen, als sie hörte, dass es für die Fischer eine große Ehre sei, der Königin auf ihrem Weg ins Exil zu helfen. Die Regentin hatte ihnen Gold und Geschmeide angeboten, doch die Männer des Dorfes lehnten strikt jedwede Bezahlung ab. Im Gegenteil: Die Anwohner lieferten noch mehrere Ladungen Fässer mit Pökelfleisch, frischem Brunnenwasser, Zwieback und anderen Wegzehrung. Mit Ersatzteilen und Werkzeugen hatten sie das Schiff bereits ausgerüstet. Die meisten Waffen, die sie gefunden hatten, waren ebenfalls an Bord geblieben.

Nach einer Einweisung in die Segeleigenschaften ihres neuen Zuhauses lief der Trupp mit dem Schiff aus der Bucht. Bald schon fielen die großen Segel und blähten sich majestätisch und knatternd im Wind. Glücklicherweise hatten sowohl Leda und zwei ihrer Berater sowie einige der Soldaten ein wenig Segelerfahrung. „Warum haben wir diese freundlichen Menschen nicht mitgenommen?“, wollte Honos wissen. Seine Hoheit antwortete: „Nein, sie sind zu stolz und verlassen ihre Heimat nur auf eine Weise.“ Honos sah sie forschend an. Leda sah aufs Meer hinaus, dem Horizont entgegen, und hauchte: „Tot auf dem Schlachtfeld.“

Es dauerte nur wenige Tage, da war die Nachricht über Ledas Flucht aufs Westmeer bei den Senatorinnen in der Hauptstadt angekommen. Kerbera und Alekto rasten vor Wut und mussten sich einige Zeitlang geifernd vor Zorn an ihren Prügelsklaven vergehen, bevor sie eines klaren Gedankens fähig wurden. „Und dann auch noch mit der guten Victory Quest!“, betonte Alekto und ließ ihr Kristallglas an einer Wand klirrend zerschellen. Der Rotwein floss hinab wie Blut einer geschlachteten Ziege. Die Beute war eines der fünf besten Schiffe der Flotte. Von den Fischern hätten sie es leicht zurückerobern können, aber wenn die Flüchtige damit auf den großen Ozean fuhr... Sollte sie ruhig am Weltenrand in die Tiefen der ewigen Dunkelheit fallen.

Kerberas Augen schossen förmlich Blitze ab, so dass sie ein Dienstsklave, der der Dame mit einem Palmwedel Luft zufächerte, zusammenzuckte. „Wir werden sie nicht verfolgen können. Es dauert Wochen, bis wir ein Schiff um das Nordkap gesegelt haben. In dieser Jahreszeit vielleicht noch länger.“ Alekto sank auf ihren Sitz und meinte nachdenklich: „Wenn die Nachricht Pluta erreicht, werden Köpfe rollen.“ Kerbera sagte nichts. Sie dachte insgeheim: „Ja, aber nicht meiner. Eher mache ich dich dafür verantwortlich.“

Alekto wechselte das Thema: „Ist die große Statue auf dem Markt fertig, wenn Pluta eintrifft?“ Kerbera antwortete: „Zweifelsfrei. Der letzte Schliff ist getan. Ich habe mit der Architektin ein Abkommen geschlossen. Ich habe ihr zwei Versprechen gegeben.“ Alekto sah die Senatorin abwartend an. Kerbera erklärte: „Wenn sie rechtzeitig fertig wird, erhält sie den doppelten Lohn. Dass wiegt fürwahr die vielen Sklaven auf, die wir bei der Akkordarbeit verschleißen.“ Alekto bohrte weiter: „Und das zweite Versprechen?“ Kerbera hob ihr Kinn. „Wenn sie nicht fertig ist, dann wird sie vor die Wahl gestellt.“ Alekto sah fragend hinüber. Kerberas Lächeln war kalt wie das Eis des fernen Nordlandes. „Vor die Wahl zwischen ihren Armen oder Beinen…“ Alekto lachte: „Das spielt dann auch keine Rolle mehr.“ Sie beugte sich verschwörerisch zu Kerbera vor. „Wenn Pluta sieht, dass ihr Monument nicht fertig ist, wird sie sich um die Frau persönlich kümmern. Und glaubt mir, dann wird sie noch ganz andere Sorgen haben…“

Kerbera rief nach einer Soldatin: „Tausch Unseren Prügelsklaven gegen einen Frischen aus. Der Jämmerling ist verbockt und… ach, Wir sehen ja vor lauter Striemen kaum die neuen Streifen. Schaff das sinnlose Gewürm weg und bringe Uns was Ordentliches.“ Die Uniformierte marschierte strammen Schrittes davon, den malträtierten Mann im Schlepptau mit einer Lederschlaufe um dessen Hals. Sie brachte ihn zum Medikus, der sich seines Arsches mit brennender Heilpaste annehmen sollte. Dann lief sie mit klirrendem Waffenrock zum Harem der Senatorin und zeigte auf einen der Jünglinge. „Du da! Mit den haselnussbraunen Kulleraugen und den Locken! Komm her! Deine Herrin hat einen Nutzen für dich.“ Die Soldatin riss ihn an seinem Halsband grob zu sich und blickte geschwind über seine Schulter zu einem Blondkopf mit blauen Augen. Sollte Kerbera den Lockenschopf haben; der süße Jüngling mit dem goldenen Haar war ihr irgendwie ans Herz gewachsen. Sie konnte sich seines Dankes gewiss sein.
Viele Grüße von prallbeutel
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:01.03.20 17:58 IP: gespeichert Moderator melden


Tief unter den Senatorinnen vegetierten Abas und Vidar in ihrer Zelle dahin. Täglich erhielten sie ihr karges Mahl und ein wenig brackiges Wasser. Endlich öffnete eine Wärterin die Gittertür und zeigte auf Vidar. Der Mann erhob sich und kam zögernd auf die Frau zu. „Los! Beeile dich! Oder ich mache dir Beine, du elendes Dreckstück!“ Mit einem saftigen Tritt in den Hintern jagte sie ihn an sich vorbei in den steinernen Zellenflur. Abas kam hinzu, doch die Wärterin schloss direkt vor ihm die Tür quietschend und krachend wieder zu. Er umklammerte die rostigen Gitter: „Was habt ihr vor mit ihm? Wo bringt ihr ihn hin? Wann kommen wir hier raus?“ Die Frau lachte nur und sah ihn abfällig an. Mit einer kurzen dicken Leder-Gerte schlug sie Abas auf die Finger, die dieser vor Schmerz zischend blitzartig zurückriss und schüttelte. Die Wärterin frotzelte und trieb Vidar vor sich her. „Na los, du Nacktarsch! Du wirst schon sehnlichst erwartet. Und vorher bekommst du sogar ein Bad.“ Abas sah ihnen hilflos hinterher. Was hatte diese Furie mit Vidar vor?

Vier Stunden voller Ungewissheit später kam Vidar zurück. Abas erwartete bei ihm zahlreiche Striemen oder Brandmale zu entdecken, doch da hatte er sich getäuscht. Der Mann war zwar erschöpft, doch offenbar unbekümmert und unversehrt. Er erzählte, wie er nach einem herrlichen Bad in die oberen mit Licht durchfluteten Räume des Palastes gebracht worden war. Dort hatten Dienerinnen ihn angekleidet und zu einem Festbankett mit hohen Militärs gebracht. Er durfte essen und trinken, soviel er wollte. „Die feiern da oben rauschende Feste“, sagte er begeistert und leckte sich unwillkürlich über die Lippen. „Und dann kam eine Duxa zu mir und hat mit mir angebändelt…“ Abas staunte mit offenem Mund.

Vidar berichtete weiter: „Tja, sie sah verdammt gut aus, und sie wollte mich wohl mit Haut und Haaren fressen. Auf jeden Fall konnte sie es gar nicht abwarten, mir in den Schritt zu fassen. Und dann hat sie mich in eine dunkle Ecke gezogen. Und dann haben wir…. Nun, den Rest könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen, Majestät.“ Abas wurde erst jetzt klar, dass Vidar nun einen Lendenschurz aus Seide trug. Sein Gefährte meinte stolz: „Ich bin jetzt so eine Art Lieblingsgespiele dieser Duxa. Morgen will sie mich erneut aus dem Kerker holen lassen, damit sie mich wieder bei sich hat.“ Abas rutschte an der rauen Wand in die Hocke. „Warum hat man mich nicht auch geholt?“, murmelte er. Vidar zeigte mit seinem Kinn auf Abas Hüfte: „Eure Lenden sind versperrt, Majestät. So wird sie kein Vergnügen an Euch finden.“

Abas biss die Zähne aufeinander. „Der Schlüssel muss hier irgendwo in der Festung sein. Leda wird ihn nicht bei sich haben. Warum sollte sie ihn mit sich ins Exil nehmen?“ Vidar zuckte mit den Schultern. „Vielleicht als Andenken?“ Abas brummte missmutig. „Ich weiß, wo sie den Schlüssel aufbewahrt hat. Wenn jemand nachschauen könnte…“ Vidar schlug vor: „Wenn ich das nächste Mal geholt werde… Ich darf mich frei im Palast bewegen. Ich könnte nachsehen.“ Abas: „Das würdet Ihr tun? Oh, das wäre… Also gut. Hört genau zu. Ich erkläre Euch den Weg zu Ledas Gemächern.“

Am nächsten Tag war es bereits wieder so weit: Vidar wurde aus dem Kerker geholt, um zu baden. Dieses Mal rieben sie ihn mit duftenden Essenzen ein. Anschließend sollte er zur Duxa geführt werden, die in einem Nebenflügel der Burg residierte. Als Vidar eine Stunde später bei der Duxa lag, bat er sie, in dieser Nacht nicht wieder in den Kerker zu müssen. Die Soldatin hatte nichts einzuwenden, ließ sich dafür jedoch von Vidar mit einer „Währung“ bezahlen, die er glücklicherweise zur Genüge besaß. Sein bittendes „Gemach, gemach!“ überhörte die abenteuerlustige Dame und verlangte Standhaftigkeit, wieder und wieder. Seine Manneskraft rang in einem stillen Tanz der Verzweiflung mit seiner Erschöpfung.

Am Abend schlief die Duxa endlich zufrieden ein, eine Hand auf Vidars wundes Gemächt. Vidar schnaufte durch. Sein Soldat war gefordert worden wie nie. Er war selbst müde und entkräftet, doch er hatte dem Königsgemahl ein Versprechen gegeben. Und das wollte er auch halten; selbst wenn es ihn in Lebensgefahr brachte. Vorsichtig schob er die Hand zur Seite, stand auf, schlich sich aus dem Gemach der Duxa und lief über die Flure des Palastes. Sein Herz pochte wild. Niemand durfte ihn sehen.

Kaum war er im Hauptflügel des Prachtbaus, so stieß er auf Wächterinnen mit Fackeln, die ihm den Weg versperrten. So würde er nicht einmal in die Nähe der königlichen Räume kommen. Da kam ihm eine Idee. Er nahm von einer Fensterbank eine kleine Kiste, in der sich einige Kerzen befanden und lief schnurstracks und ohne Scheu auf die Wachen zu. „Halt!“, rief die Soldatin und richtete die Spitze ihrer Lanze auf Vidar. „Wer bist du denn? Was ist dein Begehr, Kerl?“ „Aus dem Weg! Geschwind!“, verlangte Vidar selbstbewusst. „Ich soll den Stadthalterinnen diese Kiste überbringen.“ Die Soldatin sah ihn misstrauisch an. „Dann gib sie her. Ich bringe sie den Senatorinnen.“

Die Frau wollte schon danach greifen, doch Vidar umklammerte sie. „Nein! Ich habe ausdrücklichen Befehl sie persönlich abzugeben.“ Die Soldatin glaubte ihm nicht. Aber sie vermutete, dass der Mann nur eine Belohnung einheimsen wollte. Sie zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Dann geh den Gang entlang. In der Halle musst du dich links halten und…“ Vidar ließ die Frau nicht aussprechen, sondern stürmte grüßend an ihr vorbei. Es kam dieser Tage öfter vor, dass Boten mit irgendwelchen Nachrichten zu den Senatorinnen kamen. Aber eine Kiste? Was da wohl drin war, fragte sich die Soldatin. Hätte sie das kontrollieren sollen? „Hey!“, rief sie dem Mann hinterher. Aber der war schon verschwunden.

Vidar eilte zu der hohen Halle und sah eine Tür, die von zwei Wächterinnen eingerahmt war. Der Eingang bestand aus mit Eisen verstärktem Holz. Dicke Spitznieten verzierten das Türblatt. Da hinter befanden sich wohl die Senatorinnen. Aber er musste sich rechts halten. Abas hatte ihm genau erklärt, wie er über die Dienstbotengänge ungesehen bis in Ledas Gemächer gelangte. Hoffentlich waren dort keine unerwünschten Personen, die ihn aufhielten. Und er kam tatsächlich ungesehen durch die Flure. Vidar schaffte es mit etwas Glück und Geschick bis in die Räume der Königin: Sie waren leer, aber sahen aus, als habe man sie geplündert. Regale und Schränke waren leer. An den Wänden fehlten Teppiche. Einige Folianten lagen auf dem Boden. Vidar ging durch eine weitere Tür und stand im Schlafgemach der Regentin. Hier musste der Schlüssel sein, wenn sie ihn nicht mit sich genommen hatte.

Der Mann suchte alle Möbel ab: Schränke, Truhen, Kisten, schaute unter das Bett, in den Kissen und der Matratze. Nichts! Pech für den Königsgemahl! Vidar wollte gerade gehen, als ihm ein unscheinbarer Tonkrug auffiel, der so gar nicht zu dem anderen feinen Geschirr passen wollte. Er schien dort in Eile abgestellt worden zu sein. Vidar hob ihn an und schüttelte: nichts. Er setzte ihn schnell wieder ab. Er musste sich beeilen, bevor er noch entdeckt würde. Dabei stellte er den Tonkrug so ungeschickt auf das Regalbrett, dass er in Schräglage kam und scheppernd zu Boden krachte.

Vidars ächzte, als das Behältnis laut auf dem Marmor aufschlug und in zig Scherben zerbarst. Mit klopfendem Herzen lauschte er, ob vielleicht nahende Schritte das Unglück verkündeten, man ihn gehört hatte und morgen vielleicht martern würde, weil er im Palast umher geschlichen war. Aber es blieb still. Nur sein Herz hörte er klopfen. Vidar atmete auf und sah sich die Bescherung an. Überall lagen die Splitter. Ein Teil des Krugbodens war heil geblieben und…

Vidars starrte ungläubig auf das Stück Ton und den metallenen Bart eines Schlüssels, der darin eingebrannt worden war. Er nahm die Scherbe und brach den Schlüssel heraus und steckte ihn ein. Sollte er die Spuren entfernen? Nein, dazu war keine Zeit mehr. Er verließ kurzerhand Ledas Gemach, huschte über die engen Dienstbotengänge zurück in den Nebenflügel des Palastes und legte sich still und heimlich neben die Duxa ins Bett, den Schlüssel fest hinter seinen Gürtel geklemmt. Erst als er sich versichert hatte, dass die Soldatin schlief, schloss auch er seine Augen. Er hatte es geschafft!

Am nächsten Tag konnte er es kaum erwarten, zurück in den Kerker gebracht zu werden. Er musste Abas von seinem Fund berichten. Als dann der große Moment gekommen war, und er dem Kameraden den Schlüssel präsentierte, war er stolz wie ein Ritter in goldener Rüstung. Abas konnte sein Glück kaum fassen und nahm zitternd das Geschenk mit einer Freudenträne im Augenwinkel entgegen. „Ich stehe tief in deiner Schuld“, sagte Abas feierlich und steckte den Schlüssel in seinen Keuschheitsgürtel. Er schloss die Augen. Lass es der richtige sein! Und…

…er drehte sich! Das Schloss sprang auf. Nach so langer Zeit. Abas stöhnte wohlig auf. Er spürte die Freiheit seiner so lange grausam unterdrückten Manneskraft. Was für ein Gefühl! Diese erzwungene Keuschheit, die sich über sein Gemüt wie ein schweres Tuch gelegt hatte, war einer fast heiteren Befreiung gewichen. Ihm war es nicht einmal peinlich, dass sein Liebesstab sofort hervorsprang, als wolle er damit einen Strauß ausfechten. „Oh, lala! Bei allen Kobolden und Waldgeistern! Was haben wir denn da?“, hörte er plötzlich eine laute Stimme. Die Wächterin!

Schnell hielt Abas die Hände vor den Schritt. Die Frau öffnete das Gitter und ging auf den Gefangenen zu. „Nimm deine Flossen da weg!“, befahl sie. Aber Abas schüttelte den Kopf wie ein trotziger Bube. Die Wächterin zog ihre Peitsche hervor und holte aus, so dass sich der Riemen mit einem Knall um Abas Hinterbacken wickelten. „AU!“, rief er, den sengenden Schmerz spürend. „Hände da weg!“, befahl sie erneut, dieses Mal mit schneidender Stimme, die keine Widerworte erlaubte. Abas gehorchte gezwungenermaßen und zeigte seinen „scharfen Dolch“. Die Soldatin lachte lauthals. „Der kleine Mann hat wohl Sehnsucht nach einem Weibe, was? Aber wo hast du deine Eisenhose?“ Sie sah den Keuschheitsgürtel hinter Abas im Stroh liegen. „Sieh an! Du hast uns alle zum Narren gehalten und die ganze Zeit den Schlüssel gehabt! Du hast wohl gedacht, dass erspart dir die Liebesdienste? Das wirst du jetzt fein nachholen, du Schwindler!“ Abas schluckte schwer und trocken.

Die Uniformierte kam noch näher und befahl: „Los! Sperr ihn wieder ein!“ Abas sah sie ungläubig an. Was sollte er tun? Aber alles Zögern half nicht. Er musste gehorchen. Es war gar nicht so einfach, den strammen Burschen wieder in seinen Kerker zu zwingen, aber mit etwas Mühe gelang es ihm. Jetzt nahm die Frau ihm den Schlüssel aus der Hand: „DEN behalte ich!“ Schallend lachend verließ sie die Zelle. Abas spürte, wie sich sein Gemächt zusammenzog vor Angst. Jetzt war er in der Hand dieser Furie. Und er hatte kein einziges Mal die Möglichkeit gehabt, seiner aufgestauten Lust nachzugehen! Oh, was schreckliches Schicksal hatten ihm die Götter auserwählt! Wie konnten sie so grausam sein!

Während Abas mit seinem Unglück haderte, wurde Leda auf der „Victory Quest“ Zeuge, wie ein Soldat und eine Gardistin miteinander ihren Trieben nachgingen… Empört und entsetzt riss sie die Beiden auseinander und drohte ihnen eine Züchtigung an, sollte sie so etwas noch Mal an Bord erleben! Die vertriebene Regentin hatte in einsamen Nächten bereits an Liebe, Abas und die Lust gedacht. Auch sie hatte Verlangen, dem sie auch nachgab – still und heimlich in der Kapitänskajüte. Aber wenn die Besatzung schon anfing übereinander herzufallen wie Tiere… Das musste sie unterbinden. Disziplin war im Kriege wichtiger als in Friedenszeiten.

Gestern hatte ihr eine Beraterin von einem ähnlichen Vorfall zwischen einer Magd und einem Soldaten berichtet. Bei den Beiden war sie zu spät gekommen, um das Äußerste zu verhindern. Sie lagen bereits befriedigt und mit Sünde befleckt beieinander, als die Exilkönigin zu ihnen stieß. Leda grübelte darüber nach, wie sie Zucht und Ordnung während der langen Fahrt über den Westozean sicherstellen konnte. Ihr fiel keine Möglichkeit ein, bis sie am nächsten Morgen im Lagerraum tief im Bug des Schiffes eine interessante Entdeckung machte: Hinter der ersten Schicht Waffen waren Fußfesseln und Halsgeigen gestaut worden. Und dazwischen sah sie etwas, das einem Keuschheitsgürtel sehr ähnlich sah. Ja, natürlich, dachte Leda. Die Kampfsklaven der Pluta! Waren die nicht großteils keusch gehalten? Benötigte die Despotin dazu nicht endlos viele Keuschheitsgürtel? Und bei dieser Menge waren wohl auch Ersatzexemplare an Bord.

Leda zog und zerrte an den Ketten und gab bald entmutigt auf, denn die eisernen Gegenstände waren einfach zu schwer und miteinander verheddert. Sie holte sich zwei starke Männer zur Hilfe. Und nach einer knappen Stunde lagen vor Leda auf den dicken Planken 53 Keuschheitsgürtel mit den dazugehörigen Schlüsseln fein säuberlich aufgereiht. Leda grinste. Das war der Ausweg aus der Misere. Eine Stunde später verkündete die Königin ihr Vorhaben laut an Deck: Alle Recken würden Keuschheitsgürtel tragen. So wurde Unzucht unterbunden. Zum Allgemeinwohl, wie Leda betonte. „Aber warum nur die Männer?“, wollte Thrym gekränkt wissen, ein Berater der Regentin. „Wir gehören doch nicht zu dieser Diktatur, die alle Kämpen unterdrückt!“

Einige Stimmen unterstützen lautstark seine Meinung, und Leda musste sich Verhör verschaffen, bevor sie argumentierte: „Es sind nun mal nur Keuschheitsgürtel für Kerle da. Dafür kann ich auch nichts. Meine Entscheidung ist gefallen!“ Murren war zu hören, aber niemand wagte offen, der Königin zu widersprechen. Honos meldete sich mit erhobener Hand. „Majestät, ich hörte, es seien 53 Gürtel da. Wir sind aber 56 Männer.“ Die Besatzung wurde hellhörig. Schon riefen die Stimmen wieder durcheinander. Jeder hatte gute Gründe vorzubringen, dass er keinen KG tragen konnte.

Endlich wurde Leda der Wirrwarr zu bunt, und sie verschwand in ihrer Kajüte, um sich mit ihren Beratern zurückzuziehen. Aber selbst unter den Ratgebern wurde man sich nicht einig, denn bei fünf Männern wollte natürlich jeder zu den drei auserwählten „Freien“ gehören. Doch Leda hatte genug von der Streiterei. „Mein Majordomus Honos bleibt frei.“ Ein Raunen ging durch die Runde. Jetzt waren nur noch zwei „Freie“ übrig. „Und mein Schmied Tartaros ebenfalls.“ Noch ein Raunen. Die Anspannung wuchs ins Unermessliche.

Also würde nur ein einziges Mitglied dieses Kreises keinen KG erhalten? Oder? Leda meinte: „Der Dritte wird einer von euch sein.“ Jetzt begann wieder wildes eifriges Durcheinander. Wen würde Leda erwählen? Die Gesichter der Gewandeten hingen an den Lippen ihrer Regentin. Und dann kamen die Worte aus ihrem Mund: „Ich entscheide mich für Sigurd.“ Eifersüchtige Blicke trafen den hübschen Mann, der Ledas Hand mit einer Verbeugung küsste und sich für ihr Vertrauen bedankte. „Und jetzt organisiert die Ausgabe und kontrolliert die Schlösser. Tartaros soll die Schlüssel persönlich in Empfang nehmen und mir übergeben.“ Die vier Ratgeber waren darüber pikiert, dass die Regentin sie in Keuschheitsgürtel stecken lassen wollte. Sigurd dagegen strahlte über das ganze Gesicht und schmeichelte ihr: „Ihr habt weise entschieden, meine Königin.“ Dieser ekelhafte Schleimer, dachte Thrym und wünschte Sigurd die Pest an den Hals.

Dione und Venus entwickelten sich immer mehr zu Tyranninnen. Lykos wurde wie ein gewöhnlicher Sklave behandelt. Der ehemalige Hauptmann fragte sich, ob es nicht besser wäre, wegzulaufen. Aber wohin? Das Matriarchat der Pluta war überall. Er musste sich damit abfinden. Er war Teil des Ganzen und hatte leider das falsche Geschlecht. Und bisher hatte Venus ihn regelmäßig aufgeschlossen, um mit ihm das Bett zu teilen. Doch würde sie es zukünftig auch noch tun, wenn erst mehrere Sklaven im Haus wären? Vielleicht kaufte Venus sich einen Liebesdiener. Dann wäre Lykos überflüssig…

Doch über ungelegte Eier sollte er sich keine Gedanken machen, machte er sich Mut. „Das nennst du sauber machen?“, hörte er Diones Stimme die Stille zerreißen. Lykos sah um die Ecke und erkannte Dione, wie sie über ein Regalbrett strich und Staub von ihren Fingern pustete. „Das setzt eine Tracht Prügel!“, drohte sie. Lykos hob abwehrend die Hände. „Verzeiht mir, Herrin. Das muss ich übersehen haben…“ Dione schnaubte ungehalten und stolzierte aus dem Raum. Sie würde sein Fehlverhalten ihrer Tochter erzählen, die dann das Strafmaß zu bestimmen hatte. Vielleicht würde sich Venus ja umstimmen lassen. Wahrscheinlicher war allerdings, dass Venus ihrer Mutter gefallen wollte.

Am Spätnachmittag, als Venus von einem Ritt nach Hause kam, berichtete Dione ihr von Lykos Schlamperei. „Ich werde jetzt zum Markt fahren und nach einem zusätzlichen Sklaven fragen. Lykos alleine scheint ja überfordert zu sein.“ Lykos sah Venus bittend an. „Es tut mir leid, doch das Haus ist einfach zu groß für eine Person. Wie soll ich alles putzen?“ Venus streichelte ihm über das Haupt. „Ich verstehe das. Mutter bringt eine Hilfe mit. Aber du musst auch begreifen, dass ich deine Faulheit nicht durchgehen lassen kann.“ Lykos ächzte. „Faulheit? Ich schufte bei euch zwölf und mehr Stunden am Tag.“

Venus hob eine Augenbraue. „Du beugst dich jetzt vor und erhältst zehn Hiebe auf dein nacktes Gesäß.“ Lykos sah sie entrüstet an. „Aber…. Könnt Ihr nicht Eurer Mutter einfach sagen, dass ich die Schläge erhalten habe?“ Venus lächelte milde über seine Naivität. „Sie wird die Striemen sehen wollen.“ Lykos seufzte. „Also gibt es keine andere Möglichkeit?“ Venus bedauerte: „Leider nicht. Es tut mit im Herzen weh, dich leiden zu sehen, aber leider, leider…“ Lykos drehte sich weg, beugte sich vor und hob seinen Lendenschurz. Er biss auf die Zähne.

Jammern würde sie ihn nicht hören! Nein, auf keinen Fall würde er ihr diese Genugtuung geben! Venus schmunzelte vergnügt, als sie mit einem dünnen Holzstock zuschlug, dass es nur so klatschte. „Eins“, zählte sie. Lykos hüpfte ein wenig in die Luft, als der kräftige Treffer seine Backen zum Glühen brachte. „Zwei“, rief Venus und holte schon erneut aus. „Drei“, sagte sie. Lykos schnaubte und presste seine Lippen fest zusammen. Hoffentlich hielt er alle zehn stumm aus! „Vier“, rief Venus und schien mit aller Kraft geschlagen zu haben. Dieses gemeine Früchtchen, ärgerte sich Lykos. So kräftig muss sie doch nicht schlagen! „Fünf“, sagte Venus an und machte eine kleine Pause, in der sie über die gestriemten Backen strich. „Hui! Dieser Stock hat es in sich. Er beißt sich in dein Sitzfleisch, als hätte er Reißzähne!“ Lykos sagte mit zittriger Stimme: „Dann schlag doch einfach nicht so feste!“ Venus lachte zu seiner Empörung. „Na hör mal. Es soll eine Strafe sein! Keine Belohnung!“ „Sechs“, lachte Venus und hieb zu.

Lykos biss die Zähne zusammen und grunzte. Seine Kehrseite brannte wie Feuer. „Sieben“, sagte Venus vergnügt. Dem Hauptmann verschwamm der Blick. Hatte er Tränen in den Augen? Nein, sagte er sich, ein Mann weint nicht! „Acht“, hörte er dumpf wie durch Watte. „Neun“, vernahm er, als stehe Venus weit weg und rief es zu ihm herüber. „Zehn“, sagte sie und legte den Züchtigungsstock zur Seite. Lykos blieb in seiner Position, als sei er zur Salzsäule erstarrt. „Komm schon, leg dich hin, ich massiere dir Heilsalbe auf deinen Hintern“, sagte sie zu ihm und führte ihn auf ihr Bett. Venus versorgte die Wunden liebevoll und öffnete auch Lykos Keuschheitsgürtel.

Der Hauptmann wunderte sich über sich selbst, dass er nun Lust verspürte. Aber neben dem Brennen auf seiner Rückseite, bemerkte er zugleich ein feuriges Verlangen auf seiner Vorderseite. „Leg dich auf den Rücken“, forderte Venus und stieg auf ihren „Hengst“. Lykos verzog sein Gesicht. Die frischen Striemen brannten, als sitze er mit seinem Arsch in einem Becken mit glühenden Kohlen. Aber seine Männlichkeit forderte auch ihr intensives Bedürfnis ein. Die junge Dame hob ihr Kleid und mehrere Unterschichten Stoff, um den Liebesstab eintauchen zu lassen.

Venus ritt vorsichtig und langsam, um seine Backen zu schonen. Ihre weibliche Hüfte bewegte sich in einer harmonischen Drehung nach vorn und hinten. Diese heißen Lenden ließen sie und Lykos gleichzeitig stöhnen. Je feuchter die junge Frau wurde, desto wilder wurde ihr Ritt allerdings. Lykos schwebte zwischen Schmerz und Lust. Seine Hände griffen unter das bauschige Spitzenkleid, öffnete Knöpfe und streichelten die zarten Oberschenkel der Lady. Bald keuchte Venus wohlig auf und griff Lykos an die Brust wie eine Raubkatze, hinterließ dort vier dünne rote Striche. Und auch Lykos erreichte den Gipfel des Verlangens und ergoss sich in die hübsche Herrin. Das junge Paar lag sich in den Armen und küsste sich. Im Augenblick bestand die ganze Welt nur aus ihnen und ihrer Liebe.

Dann hörten sie die Tür des Hauses knarren. „Mutter ist zurück!“, flüsterte Venus aufgeregt und sprang von Lykos hinab. „Schnell, schließ dir den Keuschheitsgürtel um!“ Die junge Frau beeilte sich, ihr Kleid zuzuknöpfen und ihr Haar in Ordnung zu bringen. Kein Weilchen zu spät war Lykos in die Küche gelaufen, um das Abendessen vorzubereiten, während Venus sich ihrer Mutter unschuldig an den Hals warf: „Da bist du ja wieder.“ Dann bemerkte sie die zweite Person. Sie sah irritiert zu dem jungen Mann neben Dione, der ein eisernes Halsband und einen Lendenschurz trug. „Und wer ist das?“ Dione präsentierte ihn stolz: „Darf ich dir unseren Sklaven vorstellen? Er war ein Sonderangebot. Er ist nämlich stumm. Vermutlich ist er mal bestraft worden… Da machen die hier ja nicht viel Federlesens. Außerdem trägt der Sklave ein Brandzeichen. Aber das lässt sich überbrennen, hat die Verkäuferin gesagt.“

Venus betrachtete den Neuerwerb: jung, knackig, sogar hübsch. Schlank und doch trainierte Muskeln – wie schön, freute sich Venus. Er kann Lykos ein wenig entlasten. Dann kann ich ihn öfter mal zu einem romantischen Ausritt entführen, wo wir den strengen Augen von Mutter entkommen können. Lykos sah die Ankunft des Sklaven jedoch mit gemischten Gefühlen. Würde Venus wirklich mit ihm die Decke teilen, während der Neue im Haus arbeitete? Oder würde ihr sein schöner Körper besser gefallen?
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:26.03.20 18:46 IP: gespeichert Moderator melden



Abas wurde langsam wahnsinnig. So kurz davor war er gewesen, endlich seine Freiheit zu haben, und dann nahm ihm diese blöde Wächterin den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel weg! Während sein Mitgefangener jeden Abend im Stroh seinem Vergnügen nachging, musste Abas darben. Längst hatte Vidar alle Scheu verloren, vor dem Königsgemahl seiner Lust zu frönen.

Schier endlose Tage vergingen, da erschien des Nachts die Wächterin und holte Abas aus der Zelle. Würde sie ihn aufschließen? Ihm war es mittlerweile egal, unter welchen Umständen er mit einem Weib das Bett teilte. Auch, wenn es bedeutete, Leda zu betrügen, doch der Druck seines Gemächts war einfach zu groß geworden. Die Soldatin brachte ihn in eine leere Kammer und legte den Riegel vor. Abas erinnerte sich daran, wie er Leda vor so vielen Jahren kennen gelernt hatte – unter ganz ähnlichen Umständen. Auch damals war er von ihr in eine Kammer geführt worden. Würde es auch heute Nacht so ablaufen? Würde er sich vielleicht sogar neu verlieben? Allerdings sah die Wachfrau sehr streng aus. Sie wollte wohl nur ihr Vergnügen. Abas spann seine Gedanken weiter: Ich werde meinen Samen in sie ergießen, auch wenn sie mich lieblos nimmt, denn es ist so dringlich, dass mir jedes Weibstück recht ist.

Ganz andere Sorgen hatte Leda, weit entfernt auf hoher See. Ein Sturm kam auf. Der Westozean war für seine unberechenbaren Wetterumschwünge bekannt und berüchtigt. Einige der Segel wurden gerefft. Alle Ladung auf dem Deck musste gesichert werden. Und wenige Augenblicke später schüttete der Himmel nur so, die Wellen wurden höher und Windböen ließen die Victory Quest erzittern und ächzen.

Leda flüchtete unter Deck. Dabei stieß sie mit Honos zusammen. „Entschuldigt, Eure Majestät“, sagte er und fing die Regentin auf. „Ihr seit ja ganz nass!“ Dem Majordomus durchzuckte ein wohliges Gefühl: Wie lange hatte er keine Dame mehr im Arm gehalten? Und dann gleich die Königin! Er merkte, wie seine Hose im Schritt spannte. Hatte ihn die Berührung bereits so erregt? Leda antwortete: „Ja, ich werde mich umziehen müssen. Sagt einer meiner Zofen Bescheid, sie möge den Zuber mit heißem Wasser füllen und neue Kleider herauslegen.“ „Sehr wohl, Eure Majestät“, verbeugte sich Honos. Leda verschwand in ihrer Kajüte und zog ihren nassen Umhang aus, den sie auswrang. Dann stellte sie ihre Stiefel in die Ecke. Mittlerweile huschte ihre Zofe umher, um den großen Badezuber zu füllen.

Als es endlich so weit war, stieg die Königin in ihr Bad und versenkte ihren nackten Leib in dem heißen Nass. Was für eine Wohltat! Nur hin und wieder sorgte die Schräglage des Schiffes dafür, dass das Badewasser überschwappte und die Bodenplanken wässerte. Leda verwöhnte ihren Körper mit Seife und einem weichen Schwamm. Wie schön es nun wäre, wenn auch Abas hier wäre, sinnierte sie. Plötzlich klopfte es an der Tür und die Zofe schaute hinein: „Wünscht Euer Majestät noch etwas?“ Leda verneinte und rief dann doch: „Ruft mit Sigurd. Ich möchte den neusten Stand über das Unwetter wissen.“ Irgendwie hatte sie ein schlechtes Gewissen. Sie lag hier im Zuber, während draußen der Sturm peitschte und die Männer durchnässte und frösteln ließ.

Sigurd klopfte kurze Zeit später zaghaft und suchte sich einen imaginären Punkt an der Wand, um ihn anzustarren. Seine Königin nackt im Bad – in was für eine Situation hatte die Regentin ihn da nur gebracht!? „Sprecht, können wir unseren Westkurs halten?“, fragte Leda. „Noch fahren wir den bestimmten Kurs, aber lange schaffen wir es nicht mehr. Die Segel sind fast alle eingeholt. Der Sturm und der Seegang werden immer kräftiger.“ Leda grübelte. „So fallt für die Zeit des Unwetters vom Kurs ab, damit das Schiff nicht so bockt.“ Sigurd verbeugte sich. „Sehr wohl, Eure Majestät.“
Er verließ die Kajüte, um dem Steuermann die Anweisung zu überbringen. Leda starrte auf die Oberfläche ihres Bades. Sigurd… Was für ein hübscher Mann. Sie schüttelte den Kopf. Was denke ich da!? Verbotene Früchte schmecken am besten, wusste Leda, aber hatte sie wirklich Appetit bekommen? Aber Abas… War Abas überhaupt noch am Leben? Sie bezweifelte es. Das Leben musste weitergehen. Sie ließ den Berater erneut rufen und näher an den Badekübel treten. „Wisst Ihr, dass Ihr einer Frau den Kopf verdrehen könnt?“, fragte sie ihn mit einem kecken Blick von unten. Der Berater schluckte. „Majestät. Ich… Es ist nicht meine Absicht…“ Leda unterbrach ihn: „So würdet ihr das Angebot einer Lady abschlagen?“ Sigurd antwortete: „Nun, sollte eine wahre Lady mir eine Freundschaft offerieren…“ „Eine wahre Lady“, betonte Leda. Sigurd wagte einen kurzen Blick auf seine Königin. „Dann würde ich mich sehr geehrt fühlen.“ Leda lächelte und streckte ihre Hand aus dem Badewasser. „Wollt ihr mir nicht Eure Folgsamkeit beweisen?“ Sigurd küsste Ledas Hand. „Ich würde dafür sterben.“ Leda sagte: „Haltet Ihr mich für eine wahre Lady?“ Sigurd und Leda trafen sich mit den Augen. „Legt den Riegel vor und steigt zu mir. Ich sehne mich so sehr nach ein wenig Liebe…“

Sigurd verschloss hastig die Kajüte und knöpfte Wams und Hose auf. „Ihr…“ Er zögerte. „Ihr seit sicher, dass…“ Leda beschwichtigte ihn. „Keine Sorge, Sigurd. Es wird unter uns bleiben. Und ich werde es nicht bereuen. Und Ihr, so hoffe ich, auch nicht.“ „Niemals, Majestät“, sagte Sigurd voller Inbrunst und stieg in das königliche Bad. Er tauchte unter, dann fand er sich mit rotem Kopf seiner Königin gegenüber. Ihre Leiber trafen sich, liebkosten sich. Seine Fingerspitzen erkundeten die hochwürdige samtige Haut, die nach den Kräutern des Badewassers duftete. Sigurd spürte die hoheitlichen Haare auf seinem Antlitz, wie Leda den kratzigen Bart des Beraters fühlte. Der Mann genoss den Duft der Königin und wagte es, sie auf ihre Lippen zu küssen. Sein Liebesstab war hart und pochte wild.

Nun erlebte er die feuchten Lippen auf seinem Gesicht, überall, spürte den Druck ihrer weichen und doch festen Brüste an seinem Leib. Ein Schenkel hob sich über seinen. Und dann vereinten sich die beiden Liebenden und versanken in einem Strudel der Leidenschaft. Ledas obsessive Weiblichkeit hatte ihn wie in Ketten geschlagen mit ihr vereint. Wellen der Lust schwappten hoch und überspülten die Badenden.

Plutas Einzug in die Stadt war ein pompöses Fest. Sie saß in ihrer überdimensionierten Sänfte, die mit Blattgold und Edelsteinen übersät war, und schaute hinab auf ihre Untertanen wie eine Göttin. Mehrere große Statuen spiegelten ihr Antlitz. Auf dem Markt stand eine gewaltige Skulptur, die ihrem Körper schmeichelte. Zufrieden nickte die Tyrannin ihrem Ebenbild zu. Mehrere Behausungen hatten den Statuen weichen müssen. Die Menge jubelte ihr zu, ob aus Überzeugung oder um den Schergen der Despotin zu entgehen, konnte niemand gewiss sagen. Geschickt hatten die Senatorinnen treue Soldatinnen in Zivil unter die Menge gestreut, so dass überall die gewünschte Freudenstimmung aufkam.

Die Senatorinnen Kerbera und Alekto empfingen ihre Herrscherin und führten sie in den vorbereiteten Thronsaal, von dem aus sie zukünftig den gesamten Kontinent regieren wollte. Nichts erinnerte mehr an Leda. Dafür hatte die Armee gesorgt. Die auserwählten Untertanen, die als Zeugen die Majestät in den Thronsaal begleiten durften, waren eher sprachlos vor so viel Pomp. Diese gewaltige Sänfte, die von mehreren hundert Sklaven gezogen wurde – so etwas hatten sie nicht einmal zu Megaras Zeiten gesehen. Und der Thron war bombastisch gestaltet und aus den wertvollsten Metallen gefertigt.

Die Centurias Phoibe und Ceres hatten die Ehre, die Ankunft ihrer Monarchin von einer Balustrade des Palastes aus zu beobachten. Ihr Einsatz würde noch kommen, wenn die ehrwürdige Pluta auf ihrem Thron Platz genommen hatte, denn dann sollte die Ehrenwache eine kunstvolle militärische Übung abhalten.

Streng geheim war dagegen das Schicksal der Sklaven, die die Sänfte gezogen und völlig entkräftet endlich die Hauptstadt erreicht hatten. Sie sollten einem Ritual zum Opfer fallen, das sich Pluta ausgedacht hatte. Davon sollten ihre Untertanen eingeschüchtert werden. Denn am Ende des Tages würde Pluta die ausgezehrten Männer in die große Arena jagen lassen. Alekto und Kerbera, einige der wenigen Eingeweihten, hatten die Vorbereitungen für das Spektakel in die Wege geleitet. So war dort eine Plattform aufgestellt worden, die über mehrere Strickleitern in neun Fuß Höhe erreichbar war und eine Kantenlänge von zwei Doppelschritt aufwies.

Die Aufgabe der Männer war nun, diese rettende Ebene zu erklimmen, bevor Pluta ihre Soldatinnen in die Arena schickte. Bei 300 Sklaven würde die rettende Fläche recht eng werden… Wer unten von den Soldatinnen erwischt wurde, sollte sein Leben in den Minen des Reiches aushauchen; wer jedoch die Bühne erreichte – und oben blieb – sollte die Freiheit geschenkt bekommen.

Doch zunächst genoss Pluta ihren Einzug in ihr neues/altes Reich. Nur schade, dass Leda ihnen durch die Lappen gegangen war. Vermutlich würde sie ihren verdienten Tod in den tosenden Wellen des Westozeans finden… Pluta hatte ihren großen Auftritt: Unter Jubel und Geschrei der Menge schritt sie die Stufen zum Thron hinauf. Ihr goldener Umhang wurde von sechs ausgewählten Sklaven getragen.

Die Senatorinnen und kommissarischen Stadthalterinnen Alekto und Kerbera begrüßten die Herrscherin mit einem tiefen Knicks und übergaben ihr offiziell die Führung der Amtsgeschäfte. Ein Priester in weißer Kutte hielt die neue Krone bereit und sprach einige salbungsvolle Worte an die Götter. Pluta demonstrierte Desinteresse. Bald würde nur sie persönlich angebetet werden. Und sollten einige Priester ihren Göttern nicht abschwören… nun, so gab es genügend potentielle Nachfolger, die sich ihre Finger danach lecken würden, diese Aufgaben zu übernehmen.

Nach dem königlichen Treueid auf das Land kniete Pluta vor dem Priester nieder. Grimmig duldete sie dieses traditionelle Protokoll, das es seit Jahrhunderten gab. Aber mit gekröntem Haupt stand sie auf und schwor sich, nie wieder vor irgendeinem Menschen oder Gott zu knien. Die Krone war schwerer als ihre alte. Aber dafür war sie mit Edelsteinen gespickt. Pluta würde bald die Steuern drastisch erhöhen müssen. Und wer nicht zahlte, den erwarteten drakonische Strafen. Sicherlich würden einige Damen von nicht adeligem Blute so manche Abstriche von ihrem Luxusleben machen müssen. Aber dafür sollten es die Edelfräuleins aus dem Kreise des Königshauses umso besser haben.

Pluta sah sich im großen Thronsaal um. Alles war nach ihren Anweisungen hergerichtet worden: Der Thron war erhöht worden, Gobelins hingen an den Wänden, eine große kunstfertig verzierte Feuerschale mit heißer Glut bildete den Mittelpunkt eines runden Marmormosaiks. Ein langer roter Teppich führte von ihrem Sitz bis zur Tür. Zwischen den Gobelins hingen gusseiserne Halterungen, in denen die blakende Flammen der Fackeln leuchteten. Eine Schüssel mit Trauben stand links von ihr, doch die süßen Früchte fanden bei der Tyrannin keine Beachtung. Vielmehr hingen ihre Gedanken in der Zukunft.

Schon bald wollte sie verkünden, dass Megara zurückgekehrt war! Jahre, nachdem man sie gestürzt hatte! Sollte sie noch Verantwortliche von damals in die Finger bekommen… Sie malte sich die „schönsten“ und fantasievollsten Folterarten aus. So hatte sie einmal einem ungehorsamen Sklaven sein Gemächt abgeschnürt und ihm dann Wasser eingeflößt. Ein Lächeln huschte über ihr Antlitz, als sie sich an die Schreie und das Wimmern erinnerte. Die Kerkergewölbe würden opulent ausgestattet werden: Kreuze, Käfige, Stangen, Haken, Ringe, Kohlebecken, Liegen, Wasserbecken, Zangen, Flaschenzüge, Würgeschrauben, Hölzernes Pony und so vieles mehr. Es würde das Paradies werden, schwärmte sie, zumindest für sadistische Wärterinnen.

Da störte sie eine Duxa, die mit ihrer prachtvollen Uniform klappernd in den Thronsaal stürmte. Mit einer eleganten Verbeugung sagte sie: „Majestät! Es gibt Neuigkeiten aus dem Westen.“ „Sprich, Helena“, forderte Pluta. Die Soldatin berichtete, dass ihre Truppen ein Fischerdorf niedergebrannt haben, „dass die Flucht der Leda und ihrer Loyalisten erst möglich gemacht hat. Außerdem hatten diese Männer die Victory Quest gestohlen.“ Plutas Finger krampften sich um die mit Samt beschlagene Armlehne des Throns. „Kerkert die Frauen ein, bis sie mir den Treueid schwören.“ Helena nickte und fragte mit lauerndem Blick: „Und die Männer, Majestät?“ In Plutas Antlitz erblühte ein grausames Lächeln. „Schafft sie zu den 300 Sänftensklaven in die Arena. Ich will doch mal sehen, ob diese Fischer heute Abend auch noch so tapfer und mutig sind.“ Sie würde gerne zukünftig auf das Pfahlgeld der Seeleute verzichten, wenn sie dafür ihre verdiente Strafe erhielten.

In einem Nebenflügel der Residenz zogen sich Ceres und Phoibe um. Für heute Abend durften sie ohne Uniform in zivil zu dem angekündigten Spektakel gehen. Sie genossen die hübschen Kleider und berieten sich gegenseitig vor dem Spiegel. „Hast du diesen netten Diener mit den braunen Locken und den blauen Augen beobachtet, der uns zu unseren Gemächern geführt hat? Er hatte nur Augen für dich“, sagte Ceres. Phoibe hob zweifelnd die Augenbrauen. „Und woher willst du das wissen?“ Ceres lachte. „Wetten, du brauchst ihm nur eine dezente Andeutung zu machen, und schon läuft er dir hinterher wie ein Hündchen? Du sehnst dich doch gewiss mittlerweile nach einem Recken in deinem Bette?“ Phoibe raunte ihr zu: „Ceres! So etwas darf eine wohlerzogene Dame nicht einmal denken! Allerdings… jetzt, wo du es sagst…“

Ceres seufzte: „Ich könnte heute Nacht gut meinen Liebessklaven Aphron gebrauchen. Warum haben wir unsere Sklaven nur zu Hause gelassen?“ Phoibe: „Tja, als Soldatin geziemt sich so etwas eben nicht. Und jemand muss ja auf unsere Besitzungen aufpassen.“ Ceres sinnierte laut: „Ob Aphron sich auch so nach mir sehnt, wie ich mich nach ihm?“ Phoibe lächelte scheinheilig. „Gewisslich. Aber nicht so, wie sich Nereus nach mir sehnt!“ Ceres gab einen abschätzigen Laut von sich. „Pfff, das glaubst auch nur du!“ Phoibe sagte mit selbstbewusst vorgeschobener Brust: „Nein, ich weiß es.“ Ceres betrachtete sie fragend. „Ach ja? Und Woher kommt deine Weisheit?“ Phoibe grinste. „Weil mein Nereus einen Keuschheitsgürtel trägt.“ Sie kicherte. Ceres schmunzelte und boxte ihrer Freundin an die Schulter. „Ach, deshalb. Vielleicht hätte ich Aphron auch einsperren sollen…“ Phoibe neckte ihre Freundin. „Zu spät! Vielleicht vergnügt er sich gerade in diesem Moment mit der Magd.“ Ceres meinte verschnupft: „Hör auf! Nein, das glaube ich nicht. Ein Sklave hat sich den Anweisungen einer Frau unterzuordnen. Auch, wenn es nur eine Magd ist. Und die wird genügend Anstand haben, um...“ Phoibe unterbrach: „Ich wollte dich ja auch nur aufziehen. Hey, wie wäre es, wenn du dir diesen schnuckeligen Diener schnappst, und ich werde mich auch nach Frischfleisch umsehen. In der Hauptstadt von Plutas Reich sollte es keinen Mangel an Jünglingen geben, oder?“ Die Damen kicherten wie kleine Mädchen und waren sich sicher: Nach dem Spektakel in der Arena würden sie sich ein süßes Betthupferl gönnen.

Hunderte Meilen weiter ostwärts litt Nereus an seiner erzwungenen Keuschheit. Seit seine Herrin in den Krieg gezogen war, blieb sein Keuschheitsgürtel geschlossen. Und wer wusste schon, ob Phoibe jemals wiederkehrte? Aphron war als ausgebildeter Liebessklave zwar seiner Ceres treu ergeben, aber seine Finger sorgten des Nachts doch in regelmäßigen Abständen dafür, dass seine Männlichkeit ihn nicht zu sehr drückte und zwickte. Vor zwei Wochen war es zu einer Ausnahme gekommen: Eine Sklavenausbilderin von Flagella war gekommen, um sich nach Ceres und Phoibe zu erkundigen. Die Magd hatte leider keine Nachrichten von der Front, doch lud sie die Frau zu einer Tasse Mokka ein. Als die Damen so da saßen, war dem Gast der Liebessklave Aphron aufgefallen. „Sieh mal an! Aphron! Du stammst doch aus unserer Zucht!“

Sie fragte die Magd, ob die Besitzerin wohl etwas dagegen hätte, wenn sie seine Fertigkeiten überprüfe, und die Magd zuckte gleichgültig mit den Schultern. So geschah es, dass sich die Ausbilderin mit Aphron in eine stille Kammer zurückzog und ausgiebig seine Künste genoss…

Die Magd war zuvor ein wenig unsicher geworden, als Aphron sie mit flehenden Augen angesehen hatte, aber hatte sich nichts weiter dabei gedacht. Aphron hatte gleich aus zwei Gründen Angst gehabt vor dem Beischlaf. Zum einen war er erzogen worden, Ceres die Treue zu halten, und ein Bruch dieses Eides führte bei ihm zu schwersten Vorwürfen und intensiven Gewissensbissen. Zum anderen wusste er, dass Ausbilderinnen aus dem Stall der Flagella nicht zimperlich waren, wenn sie einen Liebessklaven benutzten – und ausbildeten.

Am folgenden Tag hatte Nereus noch Salz in Aphrons Wunden gestreut: „Jetzt bist du Ceres wahrlich untreu geworden! Wie willst du ihr diese Schande jemals erklären? Deine Scham muss unbändig groß sein! Willst du deinem Leben nun ein Ende setzen? Ich möchte nicht in deiner Haut stecken.“ Nereus, dessen unbefriedigte Männlichkeit sich irgendein Ventil suchen musste, wurde so zu einem piesackenden und gemeinen Bösling, der seinen Gefährten hänselte und Vergnügen daran fand.

Doch bald drehte sich das Blatt, als Aphron klar wurde, dass er keine Wahl gehabt hatte. Und außerdem konnte er seine Lust jede Nacht ins Stroh ergießen, während Nereus schmachtete und auf die Rückkehr von Phoibe warten musste. Seit diesem Tag revanchierte sich Aphron bei Nereus und hatte eine spitzbübische Freude daran, dem Eingeschlossenen seine Zwangslage zu verdeutlichen. Manchmal grunzte und stöhnte er besonders laut, wenn er seinen Luststab leerte, um den Kameraden zu ärgern und zu quälen.
Viele Grüße von prallbeutel
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AlfvM
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:28.03.20 20:27 IP: gespeichert Moderator melden


Tolle Geschichte mach bitte weiter und gesund bleiben
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:29.03.20 21:25 IP: gespeichert Moderator melden


Ich schliesse mich dem Lob und den Gesundheitswünschen an !!!!!
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:30.03.20 18:03 IP: gespeichert Moderator melden


@ AlfvM und sheeeep:

Vielen Dank. Ich wünsche auch allen Leserinnen und Lesern alles Gute.
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:04.04.20 18:18 IP: gespeichert Moderator melden


Das große Spektakel in der Arena war ein voller Erfolg. Die eingeladenen Gäste vergnügten sich köstlich und naschten während der Aufführung von einem opulenten Büfett aus Braten, Gemüse, Datteln, Küchlein und vielem mehr. Auch Wetten schlossen die Edelfräuleins untereinander ab. Immer wieder hörte man eine verzweifelte piepsige Stimme: „Jetzt ist er runtergeschubst worden! Was mache ich denn jetzt? Wenn er gefangen wird, muss ich Roidus einen Kuss geben! Stellt euch das vor! Worauf habe ich mich nur eingelassen?“ Und schon leerte sie in einem Zug einen Kristallbecher voll Wein, um sich Mut anzutrinken. Kichernd warf sie den Becher in die Arena. „Du dummer Sklave! Deinetwegen habe ich meine Wette verloren!“

Eine andere Lady kreischte auf vor Begeisterung, als der von ihr favorisierte Sklave auf die Plattform krabbelte und gleich zwei Männer mit Hieben und Tritten in die Tiefe beförderte, wo er in die Menge von Dutzenden anderer Sklaven fiel und irgendwo unter ihnen versank. Jeder versuchte hinaufzugelangen und schlug und biss um sich, um sich der Konkurrenz zu erwehren.

Pluta saß eingerahmt von Alekto und Kerbera in der königlichen Loge und verfolgte das Spiel mit kühler Grazie. Auf ihren lässigen Wink hin traten mehr und mehr Soldatinnen in die Arena und fingen Sklaven mit Netzen und Schlingen aus der Menge der verzweifelt kämpfenden und splitternackten Männer heraus. „Woaah“, rief eine junge Lady und sprang enthusiastisch auf. Sie zeigte in die Menge der Sklaven: „Hast du das gesehen? Der hat den an den Eiern wieder runter gezogen!“ Während fünf ihrer Freundinnen kicherten, saß eine ältere Dame indigniert über die Wortwahl kerzengerade in ihrem Sitz. Natürlich hatte sie die Szene auch gesehen und sich darüber amüsiert, doch sagte man so etwas öffentlich? Eier? Sie kämpfte darum, ihre Contenance nicht zu wahren.

Drei andere Frauen riefen im Chor: „Komm schon! Komm schon! Komm schon!“ Sie feuerten ihren Günstling an, der verbissen darum kämpfte, die letzte Elle bis zur Plattform zu klettern, während an seinen Beinen zwei Konkurrenten hingen. Von oben wollte ihm ein anderer Mann den Aufstieg ebenfalls blockieren und drückte ihm gegen Kopf und rechter Schulter, aber in diesem Moment erhielt dieser von hinten einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten, so dass er kopfüber von der Bühne flog und einen jaulenden Laut von sich gab. Die Frauen jubelten. „Hat der den zwischen den Beinen erwischt?“, fragte die eine amüsiert. Die Lady neben ihr kicherte: „Meinst du? Das wäre ja prima!“

Eine Dritte stand auf und beschattete ihre Augen mit der flachen Hand: „Ich glaube, der liegt da unten. Also, der ist weich auf die anderen Kerle gefallen, aber windet sich immer noch auf dem Boden. Den hatte der Recke wohl voll mitten in die Glocken erwischt!“ „Am liebsten würde ich meinen Schützling selbst behalten“, schwärmte ein Edelfräulein. „Der ist so süß!“ Die blonde Freundin stieß ihr in die Rippen. „Du meinst wohl seinen Knackarsch. Den würde ich gern mal rot striemen.“ „Und gut bestückt ist er auch“, rief eine frivole brünette Dame hinter ihnen, die dem Wein bereits reichlich zugesagt hatte.

Immer wieder wechselten die Sklaven auf der Bühne. Nur wenige von ihnen konnten sich verbissen die gesamte Zeit über oben halten. Nach und nach kassierten die Soldatinnen mehr und mehr Teilnehmer aus der Arena. Die Reaktionen der Männer waren dabei ganz unterschiedlich. Manche wüteten noch in den Händen der Soldatinnen, manche heulten und weinten über ihr Schicksal, manche flehten und bettelten. Doch letztlich blieben nur vier der anfangs großen Schar übrig. Keiner von ihnen wagte mehr einen Angriff auf einen Konkurrenten, um nicht selbst noch herabgestoßen zu werden.

Schließlich kürte Pluta diese vier Übriggebliebenen zu Siegern. Sie fielen vor Dankbarkeit und Erschöpfung auf die Knie. Einer der Sklaven weinte hemmungslos, ein anderer dankte immer wieder den Göttern und blickte hoch in den Himmel, der dritte konnte sein Glück kaum fassen und schüttelte nur ungläubig den Kopf und hielt sich die Hände vors Gesicht. Der Vierte sonnte sich im Jubel der Sitzreihen und grüßte selbstbewusst die Menge wie ein Volksheld. Es war der knackige Jüngling, den die jungen Ladys favorisiert hatten.

Nach dem großen Wettkampf traten diverse Gaukler auf: ein Fakir, eine kleine Akrobatengruppe, ein Taschenspieler und ein Feuer- und Schwertschlucker. Pluta hatte die Arena bereits verlassen und sich in ihre Gemächer zurückgezogen. Das bunte Spektakel interessierte sie nicht. Lieber ergötzte sie sich an einem nackten Jüngling, der nach Lavendel duftete und ihr zwischen ihren Laken süße Wonne schenkte.

Zu einem dunklen Flur öffnete sich mit einem Knall eine zweiflügelige Tür: Eingerahmt von der Palastwache marschierten die vier Sieger des Abends in Ketten zum Ende des Korridors. Dort standen zwei weitere Soldatinnen an einer hohen Tür, neben der auf jeder Seite eine große Fackel brannte. Eine der beiden Frauen meldete den kleinen Trupp an, dann marschierte die Wache mit dem Quartett hinein. Senatorin Kerbera stand in ihrem geschmückten Gewand vor ihnen und ließ ihre Blicke über die Männer gleiten.

Sie zeigte auf einen von ihnen, worauf die Wache mit den drei anderen Sklaven den Raum wieder verließ. Dem Sklaven waren mit Ketten die Handgelenke auf den Rücken gefesselt und durch eine kurze weitere Kette an seinem eisernen Halsband befestigt, so dass seine Hände zwischen die Schulterblätter gezogen wurden. Seine Kurzatmigkeit zeugte von der drückenden Haltung. Zusätzlich trug er Fußschellen mit einer so kurzen Kette, dass er nur zu Trippelschritten fähig war. Kerbera sah ihn grinsend an. „Herzlichen Glückwunsch zu deiner Auswahl! Du wirst mein Liebesdiener werden. Dir wird an nichts mangeln.“

Der Mann öffnete den Mund. Sollte er ungefragt sprechen? Er wagte es nicht. Wieso sollte er Liebesdiener dieser hohen Frau werden? Ihm war die Freiheit versprochen worden! „Wie heißt du, Bursche?“ wollte sie mit strenger Stimme wissen. „Mein Name ist Cain. Aber…“ Kerbera kam näher und griff schamlos nach seinem Geschlecht. „Du bist… saftig und schön.“ Cain stotterte: „Was wird mit den anderen…“ Kerbera schmunzelte, leckte über ihre Finger und rieb sie über Cains Männlichkeit, die langsam wuchs. „Meinst du die Verlierer oder die Gewinner?“ Cain stotterte: „B…beide.“ Kerbera hob eine Augenbraue. „Die Versager werden ihre Schuld in den Minen der Herrscherin abarbeiten. Und deine drei Kameraden erhalten die Freiheit.“ Cain wagte alles: „Und warum ich nicht? Was unterscheidet mich von ihnen?“ Kerbera kam noch näher und strich dem nackten Sklaven über die kräftige Brust und den flachen Bauch. Er spürte ihren warmen Atem, der nach Minze roch. „Du gefällst mir eben. Und was ich haben will, das nehme ich mir.“

Sie ließ ihn stehen. „Man wird dich baden. Dann bringt man dich zurück zu mir.“ Mit einem Wink erschien aus der Dunkelheit eine uniformierte Soldatin und griff Cain grob an der Kette am Rücken und führte ihn hinaus. Die Frau in dem Lederwams flüsterte ihm zu: „Ich gebe dir einen guten Rat. Sei ein wenig fröhlicher, wenn du zurückkommst. Oder Kerbera wird dir Manieren beibringen.“ Der Sklave wurde durch verschiedene Gänge und eine Treppe hinab geführt. Dann fand er sich plötzlich in einem Raum wieder, in dem ein großes steinernes Becken mit Wasser eingelassen war. Boden und Wände waren mit Mosaiken bedeckt. Drei Frauen in einfachen Gewändern schienen schon auf ihn zu warten. Sie waren mit Bürsten, Schwämmen und Lappen „bewaffnet“. Die Soldatin befahl Cain, in das Becken zu steigen. Dort verband sie seine Rückenkette mit einer anderen Fessel, die am Boden des Beckens verbunden war. Nun fixierte die Frau den Sklaven so, dass er gerade noch Luft bekam. Dazu musste er seinen Kopf etwas anheben, um kein Wasser zu schlucken. Sein Körper war waagerecht untergetaucht und an den Fußfesseln ebenfalls am Beckenrand befestigt.

Die Frauen kamen auf ihn zu und begannen, ihn zu waschen und zu schrubben. Als sie sich auch an seine Männlichkeit wagten, wollte Cain protestieren, aber sofort schluckte er Wasser und musste husten. Das Frauentrio kicherte und setzte ihre wilde Säuberungsaktion fort. Besonders sein Gemächt hatte es ihnen angetan. Als alles sauber war, spielten sie daran herum, bis Cain fast das Gefühl hatte, sein Samen würde verströmen.

Aber im letzten Moment hörten sie auf und riefen nach der Wache, die ihn aus dem Becken erlöste. Mit mehreren Handtüchern trockneten die Frauen den Sklaven ab und sorgten mit geschickten Händen dafür, dass er ja nichts an Größe vor seinen Lenden einbüßte. Die Soldatin, die ihn nun den Weg zurück zu Kerbera brachte, grinste vor sich hin. Cain starrte auf seinen großen steifen Luststab. Würde das die Senatorin eher erfreuen oder erzürnen? Es war so demütigend, in dieser Situation durch die Flure gezerrt zu werden, und zugleich spürte er die Hitze in seinen Lenden wie selten zuvor.

Leda hielt sich unter Deck an einem Balken fest, denn die „Victory Quest“ rollte und stampfte wie verrückt. Die Schräglage nach Backbord war manchmal so heftig, dass alles, was nicht festgezurrt war, durch die Decks raste, polterte und schepperte. Draußen wüteten Orkanböen. Turmhohe Gischt jagte über Bord. Schäumende Wirbel entstanden, als Seewasser durch die Speigatten floss und das Deck überflutete. Eine rauchende Öllampe, die an einem Hanfseil an der Decke aufgehängt war, baumelte hin und her. Hoffentlich war der Sturm bald vorüber, betete Leda zu den Göttern der Meere. Doch bisher hatte sie niemand erhört.

Am liebsten wäre sie jetzt in den starken Armen von Sigurd. Und gleichzeitig machte sich ein schlechtes Gewissen bemerkbar. Wie konnte sie an Bord ihres Schiffes so frevelhaftes tun? Erstens hatte sie keinen Beweis für Abas Tod. Und zweitens sollte doch gerade tändelnde Unzucht vermieden werden. Aber es war so schön gewesen, und der Wille war zwar da, aber das Fleisch war schwach. Hoffentlich hatte niemand etwas bemerkt. Und hoffentlich hatte Sigurd mit seiner Eroberung nicht an Deck geprahlt.

Nein, das würde er nicht tun, war sich die Königin sicher, obwohl ihr ein wenig blümerant bei dem Gedanken war. Sie legte sich in ihre Koje und versuchte zu schlafen, aber der Sturm ließ sie von einer Seite auf die andere rollen. Und ihre Gedanken kreisten um die schönen süßen Momente mit Sigurd. In ihren Träumen schließlich wurde es noch leidenschaftlicher und ließ sie alle Bedenken wegen Abas über Bord werfen.

Am nächsten Morgen wachte Leda gemach aus einem tiefen Schlaf auf. Irgendwann war sie wohl trotz des Knarrens und Rauschens, Rollens und Erzitterns des Rumpfs eingeschlafen. Das Schiff lag nun völlig ruhig. Sie wusch sich und zog sich frische Kleidung an, dann stieg sie an Deck. Das Unwetter hatte zahlreiche Segel, Spieren und einen Teil der Takelage zerstört, aber einige Männer waren bereits unter Anleitung des Zimmermanns dabei, alles zu reparieren.

Leda sah auf die spiegelglatte See. Hoffentlich folgte nun nach dem Gewitter keine Flaute. Ewig würde das Trinkwasser nicht reichen. Honos kam mit einer Sorgenmiene zu ihr aufs Achterdeck und berichtete: „Majestät, ich habe leider zwei Vermisste zu vermelden.“ Leda erschrak. Sie wusste, was „vermisst“ hieße. Honos setzte seine Ausführungen fort: „Fünf Soldaten haben leichte Verletzungen abbekommen, aber der Medikus kümmert sich bereits um sie. Doch zwei Männer werden vermisst.“ Leda sah ihn fragend an. „Wer?“ Honos: „Nun, einer der Knechte und einer Eurer Berater.“ Leda starrte ihren Majordomus an. „Sagt schon, wer es ist!“ Honos schluckte schwer. „Es ist Sigurd, Majestät. Es tut mir leid.“

Leda spürte, wie diese Nachricht glühend heiß wie ein frisch geschmiedetes Schwert durch ihren Körper fuhr. Sigurd… tot… Dann wurde es schwarz um sie. Dumpf hörte sie noch Honos Stimme: „Schnell, holt den Medikus!“ Er hatte die Königin aufgefangen, bevor sie auf die Planken geknallt wäre. Später in ihrer Kajüte liefen Leda Tränen über ihr hübsches Gesicht. Der Strom wollte kein Ende nehmen. Warum Sigurd? Warum ausgerechnet er? Wie konnte er nur in den Fluten versinken? Wie konnten die Schicksalsweber so grausam sein?

Als der erste Schock überwunden war, runzelte sie ihre Stirn: „Sigurd? Aber die Berater waren doch während des Sturms nicht an Deck. Wieso ist er über Bord gefallen? Was hat er da oben gemacht?“ Sie murmelte noch eine Weile weiter und grübelte darüber nach, aber ihr fiel keine Erklärung ein.

An Deck sprachen der Schmied Tartaros und Honos miteinander. „Wenn Leda nun auf die Idee kommt, uns auch noch in Keuschheitsgürtel zu sperren, werde ich meutern“, meinte der Schmied grinsend und in scherzendem Tonfall. Doch Honos war sich nicht sicher, ob nicht ein Funke Ernsthaftigkeit darin lag. Aber vorläufig waren alle Keuschheitsgürtel in Gebrauch. Der vermisste Knecht hatte seinen „Lendenkerker“ ja mitgenommen zu den Fischen.

Weit entfernt auf dem Land in einem dunklen Kerker schepperte die Gittertür: Vidar wurde des Nachts aus der Zelle geholt und sah mit einem seltsamen Blick zurück zu seinem Gefährten. Die Wächterin gab ihm ein Bündel mit neuer Kleidung. Dann verschwanden sie. Einige Minuten später kam die Frau zurück und stellte sich breitbeinig vor das Gitter. Sie grinste Abas schmierig an: „Dein Freund hat seine Freiheit zurück. Du wirst ihn nicht wieder sehen.“ Abas sah die Wachfrau an. Was hatte das zu bedeuten? Wieso war Vidar frei? Der Königsgemahl erinnerte sich noch an die Nacht, die er in der kleinen Kammer mit dieser Wächterin erlebt hatte. Diese Hexe hatte es geschafft, ihm seine letzte Würde zu nehmen.

Sein Keuschheitsgürtel war geschlossen geblieben. Stattdessen hatte die Frau ihn aufgefordert… Nein! Er konnte nicht daran denken! Er musste vor ihr knien und ihre verschwitzte Weiblichkeit mit der Zunge verwöhnen. Welche Schmach für den Gatten einer Königin! Lachend hatte sie ihn zurück in den Kerker gebracht. Sollte er irgendwie an ihren Dolch kommen, so würde er ihr nächstes Mal die Kehle durchschneiden, egal, was er dafür bezahlen musste! Doch die Frau schien ihr Interesse an ihm verloren zu haben. Sie grinste nur im Schein der flackernden Fackel, in dem ihre Blatternarben auf der Wange zu sehen waren. „Gute Nacht, mein Kleiner. Du wirst mir viele Goldmünzen einbringen.“ Dann ging sie. Wäre sie nicht so männerverachtend, sie wäre trotz ihrer Narben eine hübsche Frau. Abas rätselte noch eine Weile über ihre orakelhaften Worte, doch dann nickte er auf seinem stinkenden Strohbett in der Dunkelheit des nassen Gewölbes wieder ein. In seinen Träumen hielt er seine Leda in den Armen. Sie liebten sich in einem goldbeschlagenen Bett, während draußen die Sonne durch den weißen Seiden-Vorhang schien und ein frischer Luftzug wehte.

Die Wachfrau eilte derweil die Treppen der Festung hinauf und verlangte zu einer Senatorin vorgelassen zu werden. Eine Centuria verschränkte die Arme vor der Brust und antwortete barsch: „Was glaubst du, wer du bist!?“ Die Frau grinste sie frech an. „Ich bin eine einfache Wächterin des herrschaftlichen Kerkers. Aber ich habe eine wichtige Neuigkeit für Pluta. Wenn du mich nicht vorlässt, wird dich das deinen Kopf kosten.“

Die Centuria wurde unsicher. „Ach ja? Und was ist das gar so Wichtiges? Sprich!“ Die Wächterin schüttelte den Kopf. „Diese Nachricht ist nur für die Ohren der Senatorinnen oder der Herrscherin bestimmt.“ Die Centuria schnaubte wütend. „Sollte deine treffliche Nachricht nicht unabdingbar genug sein… glaube mir, dann rollt DEIN Kopf!“

Sie marschierte in einen Raum und meldete die Wächterin einer Duxa namens Helena. Hier wiederholte sich der Vorgang. Auch die Duxa wollte wissen, was für ein Begehr es sei, das die Wächterin so sicher machte, doch selbst vor der hohen Militärangehörigen blieb die Wächterin verschwiegen und selbstsicher. Sie wusste, was für ein Risiko sie einging. Sollten die Senatorinnen die Nachricht für nicht kostbar genug halten, würde sie die Störung sie auf direktem Wege an den Galgen oder Richtblock bringen. Ihr unverschämtes Auftreten brachte sie wahrlich in Lebensgefahr.

Als sie endlich in eine Halle gebracht wurde, die ansonsten nur exklusiven Gästen des Palastes und ausgewählten Adelsangehörigen vorenthalten war, hatte sie das Gefühl, gewonnen zu haben. Und in der Tat: Bald schon standen sogar beide Senatorinnen vor ihr und sahen sie erwartungsvoll an. Die Wächterin verbeugte sich lächelnd und sagte: „Euer Hochwürden, ich habe die große Ehre, den Königsgemahl der Leda zu präsentieren. Er befindet sich im herrschaftlichen Palast. Und zwar... in meiner Zelle.“

Kerbera und Alekto sahen sich zweifelnd an. Hatte diese Frau in den dunklen Gemäuern des Kerkers ihren Verstand verloren? Kerbera fragte, fast belustigt: „Wie kommst du darauf?“ Die Wächterin zog einen Gegenstand aus ihrem Gambeson und reichte ihr mit einer weiteren höflichen Verneigung den kleinen Schlüssel. „Was ist das?“, wollte Alekto wissen, obwohl sie es ahnte. „Ist es etwa ein…“ Sie hatte noch böse Erinnerungen an ihre Zeit, in der sie selbst in einen Keuschheitsgürtel gesperrt worden war. „Ja, Euer Hochwürden! Es ist der Schlüssel zu einem Keuschheitsgürtel. Aber nicht zu irgendeinem. Es ist der Schlüssel zum Gemächt des Abas, dem Königsgemahl der Leda!“
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:15.04.20 19:29 IP: gespeichert Moderator melden


Kerbera besah sich den kleinen metallenen Gegenstand von allen Seiten und schnaubte abfällig. „Na, und? Ein Schlüssel für einen Keuschheitsgürtel! Was ist daran besonderes? Wie kommst du darauf, dass ausgerechnet Ledas Gatte ihn trägt?“ Die Wächterin deutete auf ein kleines eingraviertes Symbol: das königliche Wappen der Leda. Die Senatorinnen sahen sich an. Alekto fragte lauernd: „Und der Träger dieses Gürtels ist hier im Kerker?“ Die Wächterin verneigte sich erneut servil: „Sehr wohl, Euer Hochwürden. Ich führe Euch hin.“

Die Senatorinnen bekamen vor Aufregung Gänsehaut. Ihr Puls beschleunigte sich. Sollte das wahr sein… Pluta würde sie reich belohnen. Auch die Wachfrau konnte ihre Freude kaum verbergen. Ich bin reich, dachte sie und sah in Gedanken bereits die vielen Golddublonen, die ihr gehören würden. Dann würde sie sich eine Hazienda im Osten kaufen und einige Arbeitssklaven dazu. Sie hatte ausgedient. Sie war eine gemachte Dame. Aus einfachen Verhältnissen hatte sie sich hochgearbeitet, würde als Edelfräulein ihr zukünftiges Leben bestreiten und den Luxus genießen.

Für Lykos wurde ein Albtraum wahr: Der neue Sklave namens Bran trug zwar einen Keuschheitsgürtel, doch Venus hielt sich auffällig oft in seiner Nähe auf und schickte dafür Lykos aus dem Haus, um Wasser vom Brunnen zu holen oder den Kräutergarten zu pflegen, Holz für den Ofen zu hacken und vieles mehr. Lykos und sein Nebenbuhler schliefen getrennt, so dass der Ex-Soldat nicht bemerkte, wenn der Jüngling zu Venus ins Schlafgemach gewunken wurde. In den vergangenen Nächten hatte Lykos gehorcht und Liebesgeräusche gehört, die aus Venus Kammer kamen. Feurige Eifersucht hatte in seinem Herzen gebrannt.

Und am nächsten Morgen wurde alles noch schlimmer: Dione verkündete die Verlobung zwischen Bran und ihrer Tochter. Feierlich nahm sie dem Auserwählten den Keuschheitsgürtel ab. Lykos konnte es nicht fassen. Er stand wie zur Salzsäure erstarrt da und schüttelte langsam den Kopf. Nach so kurzer Zeit verlobte sich Venus einfach mit einem Fremden! Und Sklaven dazu! „Und wenn man glaubt, es geht nicht mehr…
…kommt von irgendwo ein Tritt daher“: Dione verkündete, dass ab sofort Lykos den Keuschheitsgürtel tragen müsse. Außerdem „ist er immer noch nicht gekennzeichnet. Worauf willst du noch warten, Venus? Auf das Jüngste Gericht?“, fragte sie vorwurfsvoll.
Venus entschuldigte sich bei ihrer Mutter und versprach das Brandmal noch heute Abend anzubringen.

Lykos hockte zusammengesunken auf seiner kargen Schlafstelle und harrte der Dinge. Nun trug er einen Keuschheitsgürtel und würde als Sklave gebrandmarkt werden! In was für eine Hölle hatte er sich da von Abas nur bringen lassen. Alles, um den Schlüssel zu seinem Schloss zu finden. Und jetzt war er selbst dafür in so einer eisernen Hose. Ängstlich horchte Lykos auf jedes Geräusch. Bald würden sie mit dem glühenden Stab kommen… Noch hörte er lustige Stimmen: Dione, Venus und Bran begossen offenbar ihre Verlobung. Auch fremde Stimmen nahm Lykos wahr. Vielleicht würden sie ihn ja vergessen…

Doch zwei Stunden später wurde die bange Sorge zur Wirklichkeit. Die Tür sprang lautstark auf, und Venus und ihr Verlobter polterten in den Raum. Sie konnten kaum noch gerade gehen, alberten herum und… Venus trug einen Stempelstab vor sich. Es bildete am glühenden Ende ein verschlungenes „V“. „Komm her, Lykos! Deine Zeit ist gekommen!“, lallte sie mit vom Wein schwerer Zunge und kicherte. Dabei schwang das Brandeisen durch die Luft. „Vorsicht, du verletzt dich noch, Liebes“, warnte Bran und stützte sie. „Auf alle Viere, Sklave“, forderte Venus und grinste ihn frech an.

Der Exsoldat gehorchte. Was blieb ihm übrig? Weglaufen kam hier mitten in einem Reich von Männer unterdrückenden Frauen nicht in Frage. Er ließ sich also mit entblößtem Gesäß auf alle Viere hinab und wartete mit zusammengebissenen Zähnen auf das beißende Eisen. Vor Angst zitterten seine nackten Hinterbacken.

Lange musste er nicht warten, doch kam ihm jeder Wimperschlag vor wie eine Ewigkeit. Und dann zischte es laut und roch nach Verbranntem. Lykos hatte sich fest vorgenommen, keinen Laut über seine Lippen zu lassen, aber er schrie los. Und auch noch sehr hell und hoch wie ein Weib. Er bockte wie ein Stier nach vorne. Venus lachte lauthals. „Du Held!“, verspottete sie ihn. „War das richtig, oder soll ich noch mal?“, fragte sie ihren Verlobten schmunzelnd und kicherte. Bran meinte: „Ich glaube, für heute hat dein Sklave genug.“

Lykos lag auf dem Bauch und robbte sich zu einem kleinen Zuber mit Wasser. Schnell setzte er sich hinein, so dass ein Teil des Wassers überschwappte. Wieder zischte es, jedoch nicht so stark wie beim ersten Mal. Und wieder lachten sie ihn aus. „Komm, Bran“, meinte Venus und sah über ihre Schulter zurück auf Lykos. „Jetzt bist du dran. Ich möchte dich in mir spüren…“

Lykos saß noch lange da in seinem Kübel. Venus hatte ihn benutzt und dann weggeworfen. Als die Schmerzen auf seinem Hintern langsam nachließen, merkte er, wie stark sein Luststab nach der verlorenen Freiheit gierte. War er etwa immer noch voller Verlangen nach dieser Hexe? Er grübelte und grübelte. Oh, ihr Götter! Welche Sünden habe ich begangen, dass ihr mich so straft: auf dem Arsch ein brennendes Mal, im Schritt eine eingeschlossene Männlichkeit!

Abas war an ein Kreuz gebunden worden und stand dort splitternackt bis auf seinen Keuschheitsgürtel schon seit über einer Stunde. Dann erschienen die Senatorinnen und Pluta, die Herrscherin aus dem Osten. Die Tyrannin trug eine edle Robe aus rubinroter Seide mit einem Rosenmuster aus dunklem Samt und einer umständlichen Stickerei aus Goldfaden. Ihr Haupt schmückte ein Diadem aus Rubinen, Saphiren und Diamanten. Alle Finger ihrer Hände trugen dicke Ringe mit Edelsteinen. Um ihren Hals hatte sie ein weiteres kostbares Geschmeide gelegt. „Abas, der Königsgemahl“, sagte Pluta. „So schnell sieht man sich wieder.“

Abas starrte die Tyrannin an. Sie kam ihm bekannt vor. Wo hatte er diese Megäre schon gesehen? Und dann fiel es ihm schlagartig ein: Megara! Das war Megara! Er spürte, wie sich ein dicker Kloß in seinem Hals bildete. Mit heiserer Stimme sprach er es aus: „Megara!“ Die Tyrannin lachte lauthals, dass es in dem Gewölbe widerhallte. Kerbera und Alekto sahen erstaunt zu ihrer Herrin. Pluta grinste und rief: „Ja, ihr habt richtig vernommen. ICH bin MEGARA! Ich bin verjagt worden und komme nun, um mir mein Reich zurückzuholen.“ Megara schaute triumphierend in die Runde. „So war es immer für mich vorbestimmt. - Kerbera, geh und verkünde die Neuigkeit. Megara ist zurück!“

Die Senatorin verneigte sich untertänig und verließ das Gewölbe. Megara schnippte mit den Fingern. Dabei rasselten ihre zahlreichen goldenen Armreifen an ihrem Handgelenk. Eine Palastwache erschien aus der Dunkelheit und schnallte Abas eine Schlinge eines Ledergurtes um sein Gemächt und zog das andere Ende senkrecht nach unten, dass der entmachtete Königsgemahl aufstöhnte. Am Boden zog die Wache den Gurt durch einen Eisenring und zurrte ihn noch ein wenig fester. Abas grunzte vor Schmerz auf. Megaras grausamen Gesichtszüge verzerrten sich zu einem fratzenhaften Grinsen. „Da ich Leda nicht habhaft werden kann, wirst du für sie leiden und büßen müssen.“ Abas sah schockiert an dem Gurt hinab. Dann hob er den Kopf wieder, um die Tyrannin anzublicken. Der Triumph war ihr ins Antlitz geschrieben.

Auch Alekto schien Genugtuung zu empfinden. Mehrere Jahre hatte sie dank Leda in einem Keuschheitsgürtel verbracht. Das wollte sie an Abas zurückzahlen. Megara kam nun ganz nah an Abas heran und wisperte: „Solange Leda dich nicht auslöst, wirst du ihre Schandtaten tilgen – Stück für Stück für Stück!“ Schallend lachte sie und stolzierte aus dem Gewölbe. Alekto griff nahm einem Kandelaber und hielt die Kerzenflamme dicht vor Abas Gesicht. „Wie ich sehe, ist dein kleiner König eingesperrt. Soll ich ihm ein wenig einheizen, damit ihm warm ums Herz wird?“ Abas sah die Senatorin irritiert an. Dann senkte Alekto langsam den Kandelaber und drehte ihr Handgelenk. Das heiße flüssige Wachs ergoss sich über den Keuschheitsgürtel und fand in das Innere seinen Weg. Abas grunzte auf, als sein „kleiner König“ mit dem heißen Mantel bedeckt wurde. Alekto lachte hämisch. „Das ist erst der Anfang!“ Dann stellte sie den Kerzenständer weg und verließ den Raum.

Leda machte sich langsam Sorgen. Die spiegelglatte See ließ die Segel schlapp an ihren Rahen hängen wie nasse Säcke. Kein Windhauch war zu verspüren. Nach dem Sturm bot ihnen das Wetter auf dem Westozean nun das genaue Gegenteil. Das Trinkwasser musste rationiert werden. Leda spazierte auf dem Achterdeck hin und her. Plötzlich hörte sie Honos Stimme direkt neben sich: „Majestät, die Männer werden unruhig. Kaum jemand glaubt noch an den sagenhaften Westkontinent jenseits des Ozeans. Vielleicht stürzen wir einfach in den Höllenschlund…“ Leda unterbrach ihren Majordomus barsch: „Still! Ich will das nicht hören. Wir werden Land finden. Da bin ich mir ganz sicher.“

Im Laufe der nächsten Tage hatte der Wind wieder etwas aufgefrischt. Allerdings ging das Trinkwasser langsam zu neige. Leda bestand darauf, dass alle Personen die gleiche Ration erhielten – sie eingeschlossen. Ihre Berater Thrym, Regin, Hagbard und Gunnar hatten protestiert, jedoch ohne Erfolg. - Als Regin dann des nachts von drei wachhabenden Soldaten dabei erwischt wurde, wie er aus dem Wasserfass trank, ließ Leda ihn unter Deck in ein Eisen schließen. Regins Handgelenke waren in der Nähe seiner Fußgelenke mit Schellen an eine schwere Eisenstange fixiert. So gekrümmt musste er im dunklen Bug des Schiffes für sein Vergehen büßen.

War das der erste Versuch einer Meuterei, fragte sich Leda grübelnd. Mit der Zeit wurde die Stimmung unter der Besatzung immer trüber und angespannter. Vor allem die erzwungene Keuschheit machte den Männern zu schaffen. Schon zigmal hatten Thrym und Hagbard entsprechende Andeutungen gemacht, aber Leda war hart geblieben.
Allerdings hatte sie auch Grund dazu, die Frauen an Bord zu maßregeln, denn diese schienen den Ernst der Lage nicht zu verstehen und spielten mit ihren weiblichen Reizen, um die Männer zu necken.

Als die Sonne erneut über dem Wasser aufging ließ sich Leda von dem Medikus überreden, ihn aus dem Keuschheitsgürtel zu befreien. „Aus rein medizinischen Gründen“, garantierte der Knochenflicker. Nun war ein Keuschheitsgürtel übrig, und Leda überlegte, ob sie Tartaros oder Honos das Exemplar anlegen sollte. Die Beiden hatten sich noch keiner Unzucht schuldig gemacht… Oder hatte sie es nur nicht bemerkt?
Honos war dem weiblichen Geschlecht durchaus zugetan, wie sie bei vielen Gelegenheiten beobachten konnte. Und vor allem schien er den Reizen der Königin – ihr selbst – verfallen zu sein. Aber vielleicht bildete sie es sich auch nur ein. Auch ihre Berater Gunnar, Hagbard und Thrym hatten ihr an Bord bereits Avancen gemacht – selbstverständlich äußerst diskret und der gehörigen Distanz, denn schließlich war sie immer noch ihre Königin! Oder? Leda seufzte. Pluta hatte ihr Leben zerstört. Sie hatte ihr Abas genommen und schließlich auch ihr Reich.

Sie grübelte an Deck vor sich hin. Worauf würde sie im Westen stoßen? Gab es überhaupt ein Land dort? Gab es dort Wilde? Oder lebten dort Menschen in einem Königreich? Waren sie den Besuchern wohl gesonnen oder eher feindlich eingestellt? Was sie dort auch erwarten würde, sie musste die Reise fortsetzen und dem Schicksal vertrauen.
Am Abend bestellte Leda ihren Majordomus in die Kabine und zeigte ihm den überzähligen Keuschheitsgürtel. „Den wirst du nun anlegen. Bitte habe Verständnis, aber die anderen reden schon. Wir können uns an Bord der Victory Quest keine hitzigen Neidereien leisten.“ Grimmig ließ sich Honos einschließen und übergab Leda den Schlüssel. Mit blasierter Miene zog er von dannen. Leda zuckte mit den Achseln. Jetzt waren alle Männer bis auf den Medikus und Tartaros verschlossen. Und der Schmied hatte noch nie einem Weibe auch nur nachgeschaut. Er schien immun zu sein gegen feminine Reize.

Aber Leda selbst spürte immer öfter, wie sie der Lust verfiel. Insgeheim in ihrer Kapitänskajüte zog sie sich mittlerweile fast jeden Nachmittag zurück und schwebte in Liebesfantasien, befriedigte sich und zuckte begehrend auf. Mehrmals schon hatte sie sich dabei erwischt, wie sie an Deck den Männern mit freien glänzenden Oberkörpern bei der Arbeit zusah, sei es beim Deckschrubben, Segel setzen oder sonstigen Aufgaben. Ja, und sie wünschte sich sogar, des Nachts einen der strammen Soldaten mit in ihre Kabine zu nehmen. Besonders die neun Gardisten waren durchtrainierte Augenweiden. Sie entkleidete ihn in ihrer Fantasie und warf ihn aufs Bett, und schließlich erkundete der forsche Recke ihren königlichen Leib...

Aber einen einfachen Mann aus dem Volk… Nein, sie war immer noch Königin! Vielleicht einen der Berater? Thrym? Sie musste kichern, denn ihn konnte sie sich beim besten Willen nicht unter ihrer Decke vorstellen. Eventuell Hagbard oder Gunnar… Doch sie hatte schon einen Fehler begangen: Sigurd. Ach, der arme Sigurd. Wie war nur dieses Unglück geschehen? Eine mächtige Welle musste ihn von Bord gespült haben. Und bei dem peitschenden Wind und den knallenden Brechern waren seine Hilfeschreie nicht gehört worden…

Leda schüttelte kräftig ihren Kopf, um die düsteren Gedanken zu verscheuchen. Und nun ergab sie sich ihrem unbändigen Verlangen. Der Geist war willig, doch das Fleisch war schwach... Heute Nacht würde sie sich einen Liebhaber in ihre Koje holen! Schließlich war sie der Kapitän! Ja, sogar die Königin! Sie hatte auf jeden Mann ein Recht! Und sie würde wohl Gunnar wählen. Er ist noch jung und schlank und hat ein hübsches aber männliches Antlitz, überlegte Leda. Und für einen Berater ist er recht kräftig und geschickt im Umgang mit seinem Schwert. Leda musste erneut kichern. „Schwert“, gackerte sie albern. „Und ob er mit diesem Schwert geschickt und sinnlich fechten kann, wird sich zeigen…“

In der Hauptstadt erließ Megara mehrere folgenschwere Verdikte: So hieß der gesamte Kontinent unter ihrer Herrschaft ab heute Megaria. Sie selbst bestand auf den Namen Megara. Pluta war Vergangenheit. Des Weiteren bestimmte sie mehrere Hofdamen und hohe Soldatinnen zu Ministerinnen, Stadthalterinnen und berief weitere hohe Posten wie zum Beispiel Richterinnen.

Ein wichtiges Verdikt für Männer war: Ab sofort war es ihnen verboten, eine Dame ungefragt anzuschauen. Dies galt nicht nur für Sklaven. Auch die wenigen „freien“ Männer hatten ihren Blick zu senken. Megara erweiterte das Gesetzbuch mit zahlreichen Vergehen und Verbrechen - die meisten davon konnten nur Männer begehen. Auf viele Gesetzesübertretungen standen Prügelstrafen, auf einige Kerkerhaft, auf andere der Tod. Es gab auch viele Varianten der „Kennzeichnung“, die Sklaven über sich ergehen lassen mussten. Besitzerinnen nutzten meist ein Brandzeichen mit ihren Initialen oder dem Familienwappen. Sklaven, die sich strafbar gemacht hatten (Befehlsverweigerung, Faulheit, Diebstahl, Respektlosigkeit, Sturheit, Flucht und vieles mehr) wurden auch deutlich sichtbar gezeichnet.

So gab es die „Narrenkappe“, die der Delinquent über längere Zeit tragen musste: ein stählerner Käfig, in dem der Kopf steckte. Zur Seite waren ein Dutzend Glöckchen angebracht. Diese Strafhelme gab es in vielen Varianten. Einige waren fast komplett verschlossen, so dass der Sklave darin schmorte und schwitzte. Nahrung und Wasser konnte dann nur über eine Öffnung über dem Kopf eingeführt werden. Andere Helme hatten spitze Stacheln oder eine permanente Beißstange.

Verheirateten Damen war es offiziell untersagt, mit einem fremden Sklaven intim zu werden, doch wurde dieses Gesetz oft übertreten. Kam so eine Verfehlung ausnahmsweise ans Licht, so erhielt der Prügelsklave der Frau bei Sonnenaufgang zwei Dutzend Hiebe mit dem Rohrstock im Pranger und musste anschließend bis Sonnenuntergang in dem Block stehen – den Schmähungen und körperlichen Übergriffen der Bevölkerung ausgesetzt.

Der Sklave, der angeklagt war, mit einer fremden Dame das Bett geteilt zu haben, wurde bloßgestellt, indem er verpflichtet war, für drei Monate sein Geschlecht unbedeckt zu lassen. Doch meist bestrafte auch die Besitzerin des Sklaven ihren ungehörigen Leibeigenen mit der Peitsche oder legte ihm einen permanenten Keuschheitsgürtel an.

Hatte die eigene Herrin mit ihrem Eigentum angebändelt, so blieb dem Sklaven eine zusätzliche Prügelstrafe zwar erspart. Doch es kam für ihn dann noch viel schlimmer, denn als offizielles Zeichen, zukünftig nur ihrem Ehemann zugetan zu sein, entschieden sich viele Frauen für eine „Behandlung“ des Sklaven, die weitere Intimitäten unmöglich machten. Wenige Damen waren hier so gütig und wählten stattdessen den lebenslangen Keuschheitsgürtel für ihren Sklaven. Der Leidtragende wurde eingesperrt, und der Schlüssel wurde unter Aufsicht einer Stadtwächterin eingeschmolzen. Die Mehrheit dagegen bevorzugte die Zange. Welche Methode die humanere war – darüber stritten sich die Ladys in den feinen Cafés bei Kaffee und süßem Kuchen.

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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:25.04.20 16:54 IP: gespeichert Moderator melden


Megara genoss die Rückkehr in „ihren“ Palast. Leider hatte Leda vieles geändert. Nicht nur die prunkvolle Einrichtung, auch Folterzellen und den Haremstrakt vermisste sie. Aber das ließe sich ja alles wieder erneuern. Nach einem opulenten Mahl schlenderte die Despotin die Treppen hinab in den Kerker. An jeder Tür, durch die sie schritt, hatten zwei Wächterinnen in Uniform die Holzflügel zackig geöffnet und salutierten militärisch korrekt vor ihrer Herrscherin. Schließlich kam die Königin in den Zellenblock, in dem Abas untergebracht war. Für ihn hatte sie sich etwas ganz besonderes einfallen lassen. Er war breitbeinig auf einer Liege mit schrägem Rückenteil fixiert. Splitternackt. Sogar der Keuschheitsgürtel war von einer Schmiedin entfernt worden. Außerdem hatte die Frau den königlichen Gefangenen rasiert – komplett von oben bis unten.

Die Zwangsrasur war für Abas größere Pein, als wäre die Foltermeisterin gekommen und hätte ihn mit glühenden Zangen gezwickt. Die Qual bestand in erster Linie aus der tiefen Scham. Der Haarverlust war für Abas eine grausame Erniedrigung – und das sollte es wohl auch sein. Und nun stand er der Tyrannin gegenüber.

„Megara, so sehen wir uns wieder. Das wird dir gefallen…“, sprach Abas mit angewidertem Tonfall. Die Despotin stellte sich neben die Liege und lachte höhnisch. „Ja, das gefällt mir. Und weißt du, was mir auch gefallen wird?“ Sie griff Abas in den Schritt und nahm sein Geschlecht in die Hände. Sie sorgte dafür, dass der Königsgemahl gegen seinen Willen groß und hart wurde. „Hört auf! Sofort!“, forderte Abas entsetzt und schnappte empört nach Luft. Aber Megara verstärkte nur ihre Mühe, den Gefangenen zu erregen und lachte ihn für seine Geilheit und Hilflosigkeit aus.

Abas presste die Lippen zusammen und verkrampfte den ganzen Leib, zerrte mit aller Kraft an den Fesseln, aber sie hielten ihn sicher an Ort und Stelle auf der harten Unterlage. Es machte ihn rasend vor Wut, dass Megara über ihn die absolute Kontrolle hatte. Abas spürte, wie seine Männlichkeit kurz davor war, ihren Samen von sich zu geben. „NEIN!“, schrie er, aber sein Widerwille nützte ihm nichts. Der Geist war willig, doch sein Fleisch war schwach: In hohem Bogen schoss es aus ihm heraus.

Megara lachte triumphierend und wischte ihre Hand in seinem Gesicht ab. „Heute hast du noch verbieten wollen, dass ich dich anfasse. Aber warte nur, bis ich in ein paar Tagen erneut zu dir komme und dir die Gnade erweise, dich zu erleichtern…“ Abas spuckte aus. „Niemals!“ Schallend lachend verließ die Tyrannin den Königsgemahl und ließ ihn beschmutzt mit seinem Samen zurück.

Lykos polierte gerade das Silberbesteck der reichen Kaufmannsfamilie, bei der er als Sklave arbeitete, da sah er Venus und ihren Verlobten Bran mit der Kutsche vorfahren. Neidvoll blickte er dem jungen Paar entgegen. Er steckte mittlerweile seit über einer Woche in seinem Keuschheitsgürtel, und Venus oder Dione machten keinerlei Anstalten, ihn zu erlösen. Warum waren diese Weibsbilder nur so grausam? Warum quälten sie ihn? Er war doch ein gehorsamer Sklave geworden. Lykos musste sich allerdings zugestehen, dass er jede Chance zu einer Flucht aus dieser Unterjochung nutzen würde. Aber mitten in Megaria? Da gab es keine Gelegenheit, die Erfolg versprach. Wohin sollte er auch flüchten? Der gesamte Kontinent war besetzt von dieser furchtbaren Gewaltherrscherin Megara.

„Lykos! Putz Brans Stiefel! Und anschließend bringst du uns heißen Kakao. Beeile dich. Wir sind in der Schlafkammer“, wies ihn Venus an. Er sah die Beiden vergnügt in der Kammer verschwinden. Oh, wie er diesen Nebenbuhler hasste! „Lykos! Hast du endlich genug Wasser für meinen Badezuber gebracht?“, rief Dione von irgendwo. Der Haussklave seufzte. Diese Furien brachten ihn noch um den Verstand! Er rief zurück: „Aber Herrin, ich sollte doch das Silber polieren…“ Dione erschien plötzlich im Wohnraum: „Was sagst du da, du Frechdachs? Du kümmerst dich jetzt als Erstes um mein Bad. Wage es nicht, mich noch länger warten zu lassen, du faules Etwas. Wenn du weiterhin so träge tust, werde ich dir wohl einen salzigen Einlauf verpassen müssen. Vielleicht sorgt die innere Reinigung für mehr Beweglichkeit.“

Lykos eilte zum Brunnen. Schnell genug Wasser in den großen Kessel schütten, das Feuer anzünden und für ein heißes Bad sorgen! Anschließend konnte er den Kakao servieren. Die Stiefel hatten noch Zeit. Zu gern hätte er auch einmal diesen exotischen Trunk zu sich genommen, der aus dem Ostkontinent stammte, doch das war ihm als niederer Sklave natürlich streng verboten.

Er erinnerte sich sehr gut an den Vorfall vor drei Tagen, als er ein altes Eckchen Brot stibitzt hatte. Bran hatte es beobachtet und ihn prompt verpfiffen. Vermutlich aus reiner Boshaftigkeit. Dione hatte ihn daraufhin gefragt, ob er Hunger habe. Lykos hatte es naiv bejaht. So „durfte“ er anschließend mehrere scharfe Schoten essen, die ein Höllenfeuer in seinem Schlund erweckten, das noch Stunden lang anhielt. Dione hatte streng aber unerbittlich zugesehen, wie Lykos die Tränen in die Augen schossen, wie er schwitzte und hechelte… Venus und Bran hatten sich köstlich amüsiert. Oder gestern, als Bran ihn in den Brennnesselbusch gestoßen hatte, weil er angeblich im Weg stand. Auch das hatte Venus sehr lustig gefunden, und dieser Parvenü von Exsklave hatte sich in Venus Anerkennung gesonnt.

Was wohl aus Abas geworden war? Hatte er einen Weg in die Festung gefunden? Und hatte er den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel ebenfalls entdeckt? Lykos bezweifelte so viel Glück. Hatte das Schicksalsbuch für ihn gar ein besseres Kapitel als für den Königsgemahl geschrieben? Lykos stöhnte sehnend auf, als er seine eingesperrte Männlichkeit spürte, wie sie aufbegehrte, wie sie sich gegen die eiserne Hose stemmte. Dann lief er schnell mit einem Kübel zum Brunnen. Er musste sich sputen. Die Ladyschaft wartete ungern.

Ein Soldat – mittlerweile zum Steuermann ernannt – kam zu Leda und verbeugte sich respektvoll vor seiner Königin. „Hoheit! Wir müssen abdrehen. Im Westen scheint mir ein Mahlstrom zu sein, der alles in seinen Höllenschlund zieht. Die Strömung nimmt immer mehr zu und wirbelt seltsam in einer großen Kreisbewegung. Wir dürfen nicht noch näher kommen, sonst sind wir verloren.“ Leda ließ sich von seinen Berechnungen überzeugen. Sie zog sich mit ihren Beratern Thrym, Gunnar und Hagbard in der Kapitänskajüte zurück. Angestrengt versuchte sie sich auf das Problem zu konzentrieren und Augenkontakt mit Gunnar zu vermeiden. Oh, wäre ich gestern nur bloß nicht schwach geworden, dachte sie bei sich. Gunnar war ein wunderbarer Liebhaber gewesen, gewiss, aber es war Sünde…

Thrym brachte den Entschluss der Runde dem Steuermann. Er sollte sofort nach Süden ausweichen. Die Segel wurden entsprechend gesetzt. Leider mussten sie für den neuen Kurs kreuzen. Aber der Norden hatte ihnen Angst gemacht. Lieber in den heißen Süden, als zu den legendären gigantischen schwimmenden Eisbergen, die schon so manches Schiff auf den Grund des Ozeans gezwungen hatten. Und ganz zu schweigen von den geheimnisvollen weißen Pelzmonstern, die dort ihr Unwesen treiben sollten. So erzählte man sich zumindest.

Der Soldat am großen Steuerrad machte sich Sorgen. Vielleicht war es schon zu spät – besonders bei der ungünstigen Windrichtung. Die Victory Quest kam immer weiter in die tödlichen Fänge des gewaltigen Strudels! Einige Stunden später war klar: Die Ruder mussten zusätzlich bemannt werden, um dem Untergang zu entkommen.

Die Männer schufteten bis tief in die Nacht. Als Leda sich mit ihren Beratern für das Vorgehen am nächsten Tage besprechen wollte, wurde Gunnar vermisst. Leda ließ das gesamte Schiff absuchen, aber niemand hatte ihn gesehen. Sogar im Ausguckskorb und im tiefsten Schiffsinneren und hinter der Ladung sahen die Sucher nach – ohne Erfolg. Später, in ihrer Kabine, grübelte Leda darüber nach. Die zweite Person, die einfach so verschwand! Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Waren sie verflucht? Sie fiel in einen unruhigen Schlaf, in dem das Schiff sank und die gesamte Mannschaft in der Unterwelt von Dämonen gequält wurde.

Abas glaubte schon verdursten zu müssen, als endlich eine Wächterin kam und ihm aus einem Trinkbeutel Wasser gab. Es war einfach wundervoll! Das kühle Nass floss seine aufgedunsene trockene Kehle hinab. Doch was danach geschah, war wie aus einem Albtraum: Die Frau nestelte an Abas Geschlecht und machte seinen Liebesstab groß. „Lasst Eure Finger gefälligst bei Euch!“, sagte der Königsgemahl empört. „Was fällt Euch ein?“ Die Frau grinste ihn nur hochnäsig an und spielte weiter mit dem königlichen „Schwert“.

Bald schon vergaß Abas seine Gegenwehr und fühlte, wie seine Männlichkeit nach mehr gierte. Er verdrängte seine demütigende Situation und wollte nur noch eine Erlösung seines Triebes erleben. Als er gerade dachte, dass die Lust aus ihm hinausströmte, hörte das Weib auf und sah mit schräg gestelltem Kopf zu ihm hinab, wie eine Katze, die mit einer Maus spielte. „Was…“ Abas war verwirrt. Warum hatte sie aufgehört?

Nach einigen Augenblicken, in denen Abas der Kopf schwirrte, begann die Wächterin erneut mit ihrem Liebesspiel. Abas stöhnte leise auf. Und wieder war es bald soweit, dass er den Höhepunkt seiner Begierde erreichte…
…doch wieder stoppte die Frau in ihrer Bewegung. Sie tätschelte seinen Oberschenkel. „Das reicht wohl für heute.“ Ihre Stimme triefte vor Häme. Abas starrte die Frau entsetzt an. Was sollte das? Wollte sie ihn zum Narren halten? „Weib“, sagte er, „warum beendet ihr es nicht richtig?“ Die Wächterin grinste ihn frech an und näherte sich mit ihrem Gesicht dem seinen. „Weil Megara mich töten würde, sollte ich Euch…“ Weiter sprach sie nicht, aber Abas wusste, was sie meinte. Frustriert sah er auf sein hartes und großes Liebesschwert, das voller Hunger auf mehr zappelte und pochte. Er zerrte verzweifelt an seinen Fesseln. Die Wächterin ging wortlos aus der Zelle und ließ ihn und seine unerfüllte Lust zurück.

Abas rief ihr hinterher: „Aber Ihr könnt mich doch nicht einfach so liegen lassen…“ Doch er erhielt keine Antwort. Seine Stimme hatte sich inbrünstig und dringlich angehört. Langsam dämmerte ihm der Sinn von Megaras Worten. Er würde bald die verhasste Herrscherin anflehen, von ihr angefasst zu werden. Oh, welche Schmach! Nein! Das würde er nicht zulassen! Und wenn er innerlich ertrank in seinem Verlangen! Niemals würde Megara ihn berühren, weil er es so wollte! Niemals!

Während sich Megara in einem heißen Bad räkelte, das nach Limonengras und Vanille duftete, war auf dem weiten Westozean die Victory Quest immer noch in Gefahr, von dem monströsen Mahlstrom eingesaugt zu werden. Ein Teil der Mannschaft ruderte kräftig gegen die hinterhältige Strömung an. Im Schichtdienst mussten fast alle Männer täglich an die Riemen. Dicke Schwielen an den Händen und brennende Muskeln gehörten zur ständigen Begleitung der Seeleute.

Leda stand derweil auf dem Achterdeck und wurde von ihrem Majordomus Honos aufgesucht. „Majestät“, sagte er, „Ihr seht so verspannt aus. Darf ich Euch das Angebot machen, Eure Schultern ein wenig zu lockern?“ Leda sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Wie reizend von Euch, aber gestern Abend hat Gunnar mich bereits massiert.“ In Honos Augen blitzte es kurz auf. „Gunnar ist…. war… ein Lustmolch, Majestät. Wusstet Ihr das nicht?“ Leda sah Honos in die Augen. „So? Woher nehmt Ihr diese Kenntnis?“ Honos antwortete: „Ich habe selbst erlebt, wie er den Weibern an Bord nachgestellt hat. Gut, dass er verschlossen war! Sonst hätte es fürwahr Übergriffe gegeben.“ Leda brummte nur nichts sagend. Honos legte vorsichtig seine Hand an Ledas Arm. „Majestät, Ihr sollt wissen, dass ich immer für Euch da war und sein werde!“ Leda schob die Hand langsam von ihrem Arm. „Loyal bis in den Tod. Ich danke Euch, Honos. Aber nun geht und überprüft den Schichtwechsel der Männer.“

Am Abend fasste Leda einen Entschluss. Sie würde keinen Mann mehr heimlich öffnen und mit ihm die Nacht verbringen. Das war nicht nur sündig, es war auch hochgradig ungerecht den anderen Recken gegenüber. Doch mitten in der Nacht wachte Leda schweißgebadet auf. Sie hatte wieder – wenn auch nur im Traum – mit einem Mann geschlafen. Dieses Mal war es einer der Knechte gewesen, doch als sie kurz vor dem Höhepunkt gestanden hatte, hatte sie ihre Augen aufgeschlagen und in Honos Gesicht geschaut, das vor Geilheit zu einer Fratze verzerrt war. Schreiend und nass war sie aufgewacht. Ihr Herz klopfte wild in ihrer Brust. Nach einer Weile war die Königin erschöpft wieder in ihre Kissen gesunken.

In der Hauptstadt schwärte Megaras Matriarchat wie ein Pestgeschwür. Mehr und mehr Gesetze erließ die Tyrannin, die alle Männer noch stärker unterjochten. Auch die „Freien“ waren immer weniger sicher vor ihren Klauen. Fast war es besser, ein Sklave zu sein, denn der war wenigstens als Eigentum einer Dame geschützt vor Übergriffen; Freie dagegen waren mehr oder weniger vogelfrei. Aber wohin sollten die Männer flüchten? Auf dem Lande wurden sie genauso gejagt. In den Wäldern hielten sich einige wenige Burschen versteckt. Doch sie mussten ständig auf der Hut sein, keine Beute von Jägerinnen zu werden.

Die Mode aus dem Osten, Männer auszusetzen, um sie zu jagen, war nun auch hier in der südlichen Region bei der Hauptstadt wohlgelitten. Dabei fanden einige Glückliche ihre Freiheit bei den Vogelfreien und lebten in den Wäldern, doch andere wurden aufgespürt und konnten ihrem Schicksal nicht entkommen.

Für Ceres und Phoibe war der Tag ihrer Entlassung aus der Armee gekommen. Der Kriegszug war offiziell zu ende, und so wechselten zahlreiche Soldatinnen ihre Uniform gegen zivile Kleidung. Sie würden als Reservistinnen weiterhin zur Verfügung stehen, doch in naher Zukunft ihrem Privatleben frönen. Die beiden Damen wollten nach Osten zurückkehren, denn dort wartete ein großes Anwesen mit vielen Sklaven auf sie. Besonders freute sich Ceres auf Aphron, ihren ausgebildeten Liebesdiener. Auch Phoibe war auf ihren Sklaven Nereus gespannt. Schließlich war der Leibeigene seit Monaten in einem Keuschheitsgürtel verschlossen.

Bei dem Gedanken an seine ungezügelte Begierde bekam sie selbst so viel Lust, dass sie schnurstracks in eines der neuen Freudenhäuser eilte, die männliche Liebessklaven beherbergten. Dort wählte sie ein muskulöses, dunkelhäutiges Exemplar und wurde in eine kleine Kammer mit einem großen runden Bett geführt. Phoibe lebte ihre Lust ausgiebig mit dem jungen Mann aus und ließ sich anschließend von seinen Händen sanft massieren, bis sie genug hatte.

Der Sklave hatte auf ihren Wunsch keinen Samen vergossen, was ihm offensichtlich Schmerzen bereitete; aber Phoibe hatte der Gedanke an seine unerfüllte Lust angefeuert. Noch bevor der Schwarze sich selbst erleichtern konnte, kam eine Frau mit strengem Gesichtsausdruck in die Kammer und schloss dem Mann einen massiven Keuschheitsgürtel um die Lenden. Stöhnend sah er frustriert zu Phoibe, als wolle er sie anklagen. Doch seine Jammermiene amüsierte Phoibe nur. Sie zahlte ihre Münzen und bedankte sich bei der Betreiberin des Etablissements. Dann ging sie vergnügt ihrer Wege.

Leda erlebte sorgenvolle Tage auf See, denn noch immer konnte das Schiff nicht nach Westen abdrehen. Der gefährliche Mahlstrom schien unendlich groß zu sein. Also führte sie der erzwungene Kurs weiter nach Süden. Nach drei Tagen war der Strudel dann nur noch sehr schwach, und der Wind frischte aus nördlicher Richtung auf, so dass die Victory Quest nun auch ohne Ruder nach Süden segeln konnte.

Leider war der Westen immer noch versperrt, denn sobald sie einige Seemeilen in die ursprünglich erwünschte Richtung segelten, wurde die Saugströmung wieder stärker. „Also lasst uns weiter nach Süden vordringen. Vielleicht finden wir jenseits der großen Wüste ein sicheres und fruchtbares Land“, beschloss sie gemeinsam mit ihren Beratern Thrym und Hagbard. Die „Große Wüste“ war ein natürliches Bollwerk, das noch niemand durchdrungen hatte. Selbst die großen Expeditionen, die unter König Talos III. durchgeführt worden waren, mussten stets unter großen Verlusten zurückkehren und aufgeben oder blieben in den endlosen Sanddünen sogar verschollen.

Auch später, unter Megara, wurden „Freiwillige“ in die Wüste geschickt, doch auch diese hatten nicht mehr Erfolg gehabt. Doch die Victory Quest versuchte als erstes Schiff, die Südküste einfach entlang zu reisen, und so die Wüste zu umschiffen. Würde es ihnen gelingen? Leda bangte und hoffte. Die Tage vergingen einer nach dem anderen und wurden immer heißer und unerträglicher. Wenn nicht bald eine Süßwasserquelle gefunden wurde, würde es auch mit der Victory Quest ein schlimmes Ende nehmen. Doch dann kam ein Tag später die überraschende Auskunft vom Ausguck: „Wasser an Land in Sicht!“ Leda und ihre Berater glaubten zunächst an eine Halluzination, doch alle sahen die Flussmündung. Die Götter hatten ihre Gebete erhört!
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:23.05.20 20:08 IP: gespeichert Moderator melden


Die Victory Quest wurde näher an die Küste gesteuert, und dann fiel der Anker rauschend durch die Wasseroberfläche. In etwa 100 Fuß Tiefe verhakte er sich im Sand und Fels. Einige Boote wurden abgefiert. Große leere Fässer brachten die Männer an Land. Leda persönlich war an Bord, um sich dieses Naturwunder näher anzusehen: Mitten zwischen trockenen Sanddünen strömte ein kleiner Fluss mit klarem sauberem Wasser und mündete im Westozean.

Mehrmals mussten die Boote zwischen Schiff und Küste hin und her pendeln, um genügend Süßwasser an Bord nehmen zu können. Leda war eine große Sorge genommen. Sie würden vorläufig über genügend Trinkwasser verfügen. Gepökeltes Fleisch und Trockenbrot war auch noch genug da. Außerdem ernährten sie sich seit einigen Tagen hauptsächlich von frischem Fisch, der sich hier zu riesigen Schwärmen tummelte und leicht zu fangen war. Der war um ein Vielfaches leckerer und bekömmlicher als das eingelegte Tonnenfleisch und das steinharte Brot.

Die Sonne versank bereits im Meer, da verspürte Leda ein Gefühl, von dem sie wusste, dass sie es nicht wahrhaben wollte. Aber je mehr sie versuchte, es zu verdrängen, desto stärker wurde es. Sie sehnte sich nach Sigurd. Oder sehnte sie sich mehr nach Gunnar? Sie wusste es nicht. Aber sie wollte einen Mann in ihrem Bett. Oh, ja, das Verlangen wurde von Minute zu Minute stärker und unbezwingbarer. Ein starker Recke, der ihr die Bettstatt wärmte und... Oh, ihre Fantasie ging mit ihr durch, als sie sich vorstellte, was der Mann zwischen den Laken so alles tat.

Doch wollte sie nicht einen Schlussstrich ziehen? Hatte sie es sich nicht geschworen? Der Gerechtigkeit wegen. Leda grübelte: „Und wenn ich jeden Mann mal befreie… Dann ist es ja nicht mehr ungerecht…“ Leda argwöhnte, dass sie sich da etwas vormachte… Ach, es ist doch nur ein wenig Liebe zwischen Mann und Frau, sagte sie sich. Sie ertappte sich in Gedanken dabei, wie sie schon dabei war, einen Liebhaber für heute Nacht auszuwählen.
Da gab es so viele knackige Burschen unter den Soldaten. Die Gardisten waren natürlich auch nicht zu verachten. Und die beiden Knechte waren mit ihren Locken so hübsch anzuschauen!
Sie würde sich einen Knecht ins Bett holen! Leda war plötzlich gewiss. Sie ging in die Kombüse, wo sich die Köchin, eine Magd und ein Knecht aufhielten. Der Knecht nahm gerade einige Fische aus. Leda rief ihn zu sich. Die Köchin sollte nicht mithören, was sie zu sagen hatte. „Komme heute gegen Mitternacht in meine Kabine. Du sollst es nicht bereuen. Aber das ist streng geheim!“ Der junge Bursche sah sie überrascht an. Was die Königin wohl von ihm wollte? Er verbeugte sich tief und antwortete: „Selbstverständlich, hohe Majestät. Es ist mir eine Ehre.“ Leda lächelte ihn großzügig an, klopfte ihm leutselig gegen die Schulter und drehte sich auf dem Absatz um.

Als der Mond hell am schwarzen Himmel leuchtete, schwankte das Schiff ruhig auf dem Wasser. Es klopfte leise und vorsichtig an der Kapitänskajüte. Leda öffnete in freudiger Erwartung und… sah einen Gardisten, der den Knecht am Schlafittchen hielt. „Majestät, dieser Lügenbold von Knecht schleicht hier herum und behauptet frech, Ihr habet ihn zu Euch befohlen!“ Leda hob ihr Kinn. „Er spricht die Wahrheit. Lasst ihn zu mir. Aber schwört mir strengste Geheimhaltung über diesen Besuch!“ Der Gardist ließ sich seine Überraschung nicht anmerken, ruckte in eine Habachtstellung und antwortete klar und deutlich: „Sehr wohl, zu Befehl, Majestät.“

Leda zog den Knecht in die Kabine und schloss die Tür vor der Nase des Gardisten. Sie bot dem jungen Manne einen Stuhl an. Der Bursche setzte sich und saß stocksteif am vorderen Rand des Stuhls. „Wie heißt du?“, fragte Leda jovial. Der Knecht antwortete: „Anselm, Majestät. Ich bin…. Nur ein Knecht.“ Es hörte sich an, als erwarte er eine Verwechslung und würde wieder vor die Tür gesetzt. Aber Leda meinte freundlich: „Nehmt nur einen guten Schluck von dem Rotwein!“ Sie zeigte auf die Karaffe und einen Kelch. Die Hände des Burschen zitterten. Das musste er träumen! Er saß in der Kammer der Königin und trank mit ihr feinen Rebsaft!

In der nächsten Stunde wurde er gelöster und entspannter. Mittlerweile hatte er drei Kelche Wein getrunken. Mehr wollte Leda ihm nicht zugestehen; schließlich sollte er noch seinen Mann stehen. Als die Königin dann die Hose des Burschen öffnete und den Keuschheitsgürtel entfernte, starrte der Knecht ungläubig auf die vor ihm kniende Majestät. Und auf seine prächtige Erregung! Sein Kopf wurde vor Scham rot wie eine reife Tomate. Doch bald schon schmiegte sich Leda an den Burschen und zog ihn mit sich aufs Bett. „Auch eine Königin hat Gefühle und Bedürfnisse…“, begann sie, als wolle sie ihr Verhalten entschuldigen, und versuchte dazu die richtigen Worte zu finden. Das war gar nicht so einfach, und auch nicht mehr nötig. Anselm berührte und streichelte seine Hoheit. Und bald vereinten sich die Beiden, als sei es das Normalste von der Welt.

Während Leda ihren Gefühlen freien Lauf ließ, wurde ihr gefangener Gemahl von seinem Trieb aufs Grausamste gequält. Tag für Tag waren zwei Frauen im Wechsel gekommen, um seine Männlichkeit zu reiben, zu streicheln und zu massieren. Wenn Abas zu sehr quengelte, steckten sie ihm einen Lappen in den Rachen und verschlossen diesen mit einem Ledergurt. Und das Abschiedsritual war immer die Frage: „Na? Soll dich die ehrenwerte Megara von deiner Pein befreien? Willst du das? Bettle darum!“ Dann schnaubte Abas stets in seinen Knebel und schüttelte verbissen den Kopf, obwohl alles in seinem Hirn danach schrie, seine Männlichkeit von dem unsäglichen Druck zu erlösen.

Doch heute war es anders. Sie hatten ihn geknackt, gebrochen, besiegt. Seinen Stolz und seine Würde zerborsten. Als die Frau ihm den Knebel entfernte, flehte er augenblicklich: „Bitte, Weib! Bring mir Megara her. Schnell! Ich halte es nicht mehr aus!“ Die Wächterin fragte schmunzelnd: „Und du willst wahrlich das Bett mit der göttlichen Megara teilen?“ Abas antwortete drängelnd: „Jaaa! Ja, doch! Bringt sie her!“ Die Frau lachte gehässig und ging ohne ein anderes Wort.

Abas wartete Stunde um Stunde auf das Erscheinen der Despotin, aber niemand kam. Verzweifelt wandte sich Abas auf seiner Liege. Vom langen Liegen hatte er schon Druckstellen, obwohl die Wächterinnen ihn jeden Morgen für wenige Minuten aus dieser Lage befreiten. Leider waren seine Hände und Füße dann immer gefesselt, und die Spitze einer Lanze war auf ihn gerichtet. Eine falsche Bewegung, und es kostete ihn das Leben.

So langsam hatte er darüber nachgedacht, ob es nicht sogar besser wäre, wenn er sich in die Klinge stürzen würde… Ehrenvoller, als um eine Erlösung seiner Männlichkeit zu betteln, wäre es auf jeden Fall! Doch er wagte es nicht. Und heute sollte sein Leid zu Ende sein - wenn auch für einen hohen Preis! Megara würde über ihn triumphieren! Fast schmerzte diese Demütigung gemeiner als sein Gemächt. Aber auch nur fast.

Wo blieb sie nur, diese Megäre? Dieser Drachen! Komm schon, und holte dir deine Genugtuung! Du Furie, du alte Schabracke! Komm schon! Du Hexe! Aus den Gedanken wurden gemurmelte Worte, dann Gebrüll: „Komm schon! Komm her! Worauf wartest du noch? Du hast dein Ziel erreicht! Deine Rache! Komm zu mir! Ich warte hier auf dich!“ Heiser verstummte Abas. Eine Träne floss seine Wange hinab. Doch dann lenkte ihn sein Liebesstab ab, der ungeduldig auf weitere Berührungen wartete und wild pulsierend seine Aufmerksamkeit einforderte. Abas schluchzte. „Megara! Wo bleibst du denn? Bitte komm! Komm und erlöse mich! Bitte! Was willst du denn noch?“ Aber in dieser Nacht blieb es still. Nicht mal das Fiepen einer Ratte war zu hören.

Auch Lykos litt Höllenqualen in seinem Keuschheitsgürtel. Er wurde zwar nicht angefasst, aber alleine die Anwesenheit der schönen Venus ließ ihn ständig an seine eingesperrte Männlichkeit denken. Bran, dieser Emporkömmling, trug nur noch ein spöttelndes Lächeln vor sich her, wenn er Lykos ansah. Und trotz seines Fleißes schikanierte die alte Vettel den Ex-Hauptmann auf diverse Art und Weise. Mal musste er wieder und wieder einen Boden schrubben, weil er angeblich nicht sauber genug war, mal ließ sie ihn mit einem kleinen Spaten einen Teil eines Feldes umgraben, mal zeigte sie ihm einen Tonkrug, den er angeblich zerbrochen hatte (was eine glatte Lüge war) und prügelte seinen nackten Hintern mit einem Weidenstock für seine Ungeschicklichkeit. Ach, es gab noch viele Beispiele, an die er sich lieber nicht erinnerte. Er schwor sich: Sobald er wusste, wo der Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel aufbewahrt wurde, würde er ihn ergreifen und flüchten. Egal wohin! Er würde sich in die Wälder durchschlagen und sich den „Vogelfreien“ anschließen.

Und dann kam der für ihn bedeutsame Tag, an dem er durch einen Türschlitz beobachtete, wie Dione, die Mutter von Venus, einige Münzen in einen Lederbeutel gleiten ließ, den sie hinter einem Brett in der Wand versteckte. Mit den Talern könnte er eventuell die eine oder andere Person bestechen und einen Zossen für seine Flucht kaufen. Oder eine Klinge. Und vielleicht würde in dem Beutel auch sein Schlüssel verwahrt…

Des Nachts schlich er sich von seiner Schlafstatt in die Kammer, in der er Dione am Nachmittag beobachtet hatte. Leider stand dort Diones Bett. Aber Lykos hatte gelernt, leise zu sein. Als Soldat war er auch als Späher ausgebildet worden. Auf Zehen stahl er sich also in die Kammer und behielt die Schlafende scharf im Auge. Langsam trat er an die Wand und betastete das lose Brett. Ob es ohne Geräusch zu lösen war? Lykos griff nach dem Rand und zog ein wenig. Nichts tat sich. Er atmete leise einmal durch und versuchte es mit etwas mehr Kraft. Der Ex-Soldat verzog sein Gesicht und presste die Zähne aufeinander. Jetzt keinen Lärm machen!

Mit einem vernehmbaren Knack löste sich das Brett an einer Seite und schwang nach unten. Angstvoll sah Lykos zu der Schlafenden, die sich herumwälzte und genüsslich schmatzte. Im Schlaf murmelte sie: „Dir werde ich morgen deine Hammelbeine lang ziehen, Lykos. Und was anderes auch, Hi, hi…“ Der Mann erstarrte einen Moment. Dann wagte er zu flüstern: „Davon träumst du also, du alte Hexe!“ Er griff in den kleinen Hohlraum und holte den Lederbeutel hervor. So leise wie möglich ließ er das Brett wieder korrekt einrasten und verließ schleichend die Kammer, ohne auch nur eine Bodendiele zum Knarren zu bringen. Erst in der Küche wagte er einen Blick in den Beutel: 18 Münzen kamen zum Vorschein. Lykos betete zu den Göttern. Bitte, lasst mich auch den Schlüssel darin finden!

Aber der Beutel war leer. Lykos stöhnte auf. Seine Gedanken machten Purzelbäume. Er war nicht zum Sklaven geboren! Niemals! Er würde fliehen, und zwar heute Nacht! Er schlich in die Stube von Venus und Bran. Lykos entzündete dort einen Kandelaber. Die Beiden ruhten friedlich nebeneinander. Als Lykos das Wams von Bran über einem Stuhl hängen sah, packte er den Gürtel und zog aus der Lederscheide den scharfen Dolch. Endlich wurden die Zwei wach und sahen erstaunt und überrumpelt ihren Sklaven vor sich stehen, die blanke Waffe vor sich. „Lykos! Was wagst du…“

Weiter kam Venus nicht, denn Lykos hatte sie gegriffen und hielt sie vor sich als Geisel. „Wo ist der Schlüssel zu meinem Keuschheitsgürtel?“, fragte er streng. Venus deutete zu einer kleinen Zinnschale. „Da drunter“, sagte sie mit zittriger Stimme. Lykos stolperte mit Venus vor sich zu dem Regal, auf das sie gezeigt hatte und fand in der Tat das so sehnlich Erwünschte. Doch jetzt wurde es schwierig. Er musste Venus im Auge behalten, aber auch Bran, der so aussah, als wolle er sich am liebsten sofort auf ihn stürzen. Gleichzeitig versuchte er mit einer Hand seinen Keuschheitsgürtel zu öffnen.

Nach langer Fummelei gelang es ihm. Lykos atmete erleichtert auf und spürte, wie sein „Lendendolch“ gegen Venus Po drückte. Bran stand dabei und sah der Szenerie fassungslos zu. Der Mann bebte vor Wut. Lykos schob die eiserne Hose über den Boden und befahl ihm: „Los! Zieh sie an! Du bist gewisslich neugierig, wie sich so etwas anfühlt.“ Bran war wie vor den Kopf gestoßen. Aber er gehorchte; fast in eine Art Trance verfallen, wie sie ein Fluch eines Schwarzmagiers über ihn bringen mochte. „Abschließen, das gute Teil“, forderte Lykos. Bran gehorchte stumm. „Und jetzt den Schlüssel zu mir!“, forderte Lykos.

Bran warf ihn ihm zu. Lykos stolperte nun langsam mit Venus im Arm aus der Kammer. „Bleib schön hier. Wenn du uns folgst, wird Venus sterben!“ Bran war wie erstarrt. Lykos und seine Geisel verschwanden in der Dunkelheit. Der Exsoldat flüchtete mit ihr zum Stall und holte das beste Ross hervor. Dann warf er Venus von sich und galoppierte mit dem Schimmel rasend davon.

Kurz darauf kamen Bran und Dione, die inzwischen erwacht war, zu Venus und riefen wild durcheinander. Dione zeterte, Bran schüttelte zornig die Faust. Diesen Lykos sollten die Götter verdammen! Als sie sich beruhigt hatten, sagte Dione knirschend: „Wir warten bis Sonnenaufgang. Dann werde ich den Raub bei den Behörden melden. Ich wette, Lykos ist bald wieder bei uns! Und dann gnaden ihm die Götter! Oder auch nicht!“ Auch Venus war wütend und ballte ihre kleinen Fäuste. „Dieser Dreckswurm! Das wird er büßen! Ich werde ihn peitschen bis die Gerte zerbricht!“ Bran wetterte über Lykos: „Da hat dieser Abschaum das Weite gesucht, bevor ich ihn zu Hackbraten verarbeiten konnte!“

Aber viel mehr überfiel ihn die Sorge, nun in einem Keuschheitsgürtel gesperrt zu sein. Hatte Lykos den Schlüssel nicht zufällig irgendwo in der Nähe des Hauses verloren, so würde er sein Leben lang in Keuschheit verbringen müssen! Er zitterte am gesamten Leib wie Espenlaub und mühte sich, es vor Mutter und Tochter zu verbergen. Diese Horrorvorstellung war unglaublich und unerträglich. So grausam konnte das Schicksal nicht sein! Bei Sonnenaufgang würde er die Umgebung gründlich absuchen. Und wenn es sein musste, würde er jeden Kiesel und jedes Blatt umdrehen…

Lykos ritt bis zum nächsten Morgen und erreichte endlich die tiefen Wälder. Eine Zeitlang bewegte er sich mit seinem Pferd in einem Bach fort, um seine Spuren zu verwischen und trat erst wieder nach einer Meile auf festen Boden. Er änderte seine Richtung und trieb sein Ross durch ein dichtes Feld voll großer Farne, die bis zu neun Fuß in den Himmel wuchsen, dann durchquerte er einen lichtdurchfluteten Birkenhain und ritt weiter durch einen dichten Waldabschnitt aus Nadelhölzern, unter deren Wuchs die Sonne kaum durchschien.

Als er eine Stunde später eine Eichen- und Buchenansammlung erreichte, bemerkte er eine Bewegung im Unterholz. Vorsichtig setzte er seinen Weg fort, doch urplötzlich erschienen fünf Männer mit Bögen vor ihm. Dann enttarnten sich auch links und rechts jeweils drei bewaffnete Recken, die auf ihn zielten. Lykos hob langsam die Hände. „Absteigen!“, befahl eine dunkle Stimme. Lykos gehorchte. „Wer seit ihr?“, fragte er den bärtigen Mann. „Ich stelle hier die Fragen. Wer bist du und was willst du hier?“, wollte der hünenhafte Kämpe wissen. „Ich heiße Lykos und bin auf der Flucht aus der Hauptstadt. Seid ihr die Vogelfreien?“

Leda war verunsichert. Hatte sie das Richtige gemacht? Sie hatte mit dem Knecht Anselm geschlafen, und sie war nun voller Wonne. Aber wenn die anderen Männer an Bord davon erfuhren, so würde es vielleicht zu einer Meuterei kommen. Leda strich über die Metallkiste, in der alle Schlüssel der Keuschheitsgürtel gesichert waren. Im Notfall würde sie damit drohen, die Kiste im tiefen Ozean zu versenken. Doch schon am Abend des folgenden Tages war sie wieder kurz davor, einen Mann für die Nacht zu erwählen. Wollte sie den zweiten Knecht oder lieber einen Gardisten? Oder Hagbard, ihren Berater?

In ihre Überlegungen platzte ihr Majordomus Honos: „Majestät, ich hätte da eine Frage.“ Leda sah ihn abwartend an. Honos räusperte sich umständlich und kam der Königin sehr nah. Eigentlich unschicklich nah. Er sagte: „Le…, Majestät. Ihr wisst, dass ich nun schon lange Zeit einen Keuschheitsgürtel trage. Aber Tartaros und Medikus sind frei. Ich habe beobachtet, wie der Schmied eine der Gardistinnen unsittlich berührt hat. Und das nicht nur ein Mal! Ich würde dazu raten, ihn in einen Gürtel zu sperren. Ich würde meinen hergeben. Ihr wisst, Ihr könnt Euch auf mich verlassen, Majestät.“

Leda sah ihn fragend an. „Honos. Vielleicht wisst Ihr es nicht, aber Tartaros hat nur Interesse an seinen Schmiedeeisen.“ Honos verneigte sich. „Sehr wohl, Majestät. Aber ich werde weiterhin aufpassen. Und wenn ich ihn mit einem Weib erwische…“ Leda unterbrach ihn gelangweilt: „Dann werdet Ihr mir sofort davon berichten. Habt Dank.“ Honos lächelte gequält. „Hoheit, verzeiht, aber ich mache mir Sorgen um Euch. Ihr seit so alleine. Euer Gemahl ist verloren und… Wenn Ihr Sehnsucht verspüren solltet, Euch bei einem Vertrauten auszusprechen, so bin ich jederzeit für Euch da.“ Leda wirkte genervt. „Was wollt Ihr wirklich von mir? Sprecht ohne Umschweife!“ Honos druckste herum. „Ich leide sehr unter dem Verschluss. Der Medikus hat auch gesagt, dass manche Männer hin und wieder geöffnet werden müssen…“ Leda winkte ab: „Hin und wieder. Richtig! Und Eure Zeit ist noch nicht um. Geht nun an Deck und kümmert Euch darum, dass die Soldaten ihren Arbeiten nachgehen.“ Honos gehorchte und verließ mit hängendem Kopf die Kapitänskajüte.

Leda folgte einige Minuten später und suchte die Kojen der Gardisten auf: Drei Frauen und neun Männer gehörten zu den Elitesoldaten. Leda befahl einem der jungen Männer mit ihr zu kommen. „Wie heißt du, Bursche?“, fragte sie unterwegs zu ihrer Kabine. Der Gardist sagte: „Mein Name ist Vickar, Majestät.“ Leda brachte ihn in ihr „Reich“ und sah den Uniformierten von oben bis unten an. Eine makellose Bekleidung, staunte Leda. Dann fügte sie in verschwörerischen Tonfall hinzu: „Was in diesem Raum gesprochen wird und geschieht, darf niemals bekannt werden! Es ist unter strengster Geheimhaltung!“ Der Gardist behielt seine angespannte Stellung bei und antwortete: „Jawohl, Majestät!“ Leda lächelte ihn freundlich an. „Steh bequem“, sagte sie. „Nein, nicht so. Noch bequemer…“

Sie zog ihren Umhang aus und war darunter nur leicht bekleidet. Der Gardist mühte sich, seine Augen auf einen Punkt hinter seiner Königin an der Wand zu fixieren. Es kostete ihn alle Willenskraft. Aber Leda bewegte sich stets so, dass er sie ansehen musste. „Majestät, verzeiht mir, ich… Es soll keine Respektlosigkeit sein, aber…“ Leda meinte liebenswürdig: „Schon gut. Ich wünsche mir nur einen Gesprächspartner für heute Nacht.“ Vickar war irritiert: „Ich verstehe nicht, Majestät.“ Er trippelte nervös von einem Fuß auf den anderen. Leda griff lasziv an die Uniformjacke und knöpfte sie auf. „Immer noch nicht…?“
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:31.05.20 16:27 IP: gespeichert Moderator melden


Es dauerte in der Tat noch eine ganze Weile, bis der disziplinierte Gardist aufgetaut war und es wagte, Hand an seine Königin zu legen. Ohne seinen Keuschheitsgürtel war es ihm nicht mehr möglich, seine Gefühle zu verbergen. Heiße Flammen der Leidenschaft zuckten durch seine Männlichkeit, die er der Regentin feilbot. Oh, diese verbotenen Früchte sind die süßesten!

Leda gab sich ganz dem durchtrainierten Leib des Mannes hin und genoss die Freuden der Lust und gleichwohl auch die Ekstase des Gardisten. Nach einer Pause, in der Vickar seine Königin streichelte und liebkoste und mit Küssen von Kopf bis Fuß bedeckte, entlud er seine Leidenschaft ein zweites Mal, und auch in Leda regte sich erneut eine unaufhaltbare Begierde.

„Du musst wissen, dass diese… diese… Liaison nicht von Dauer sein kann… sein darf!“, betonte Leda, als sie sich wieder bedeckt hatte. Vickar kniete vor seiner Königin nieder: „Selbstverständlich, Majestät. Ich werde diese Nacht für immer in meinem Herzen tragen, doch soll niemand jemals davon erfahren. Das schwöre ich Euch bei meinem Leben.“ Seine Stimme war voller Inbrunst.

Als Vickar die Kabine eine halbe Stunde später verließ, war er adrett und korrekt gekleidet wie immer. Steifbeinig und mit vorgestreckter Brust stiefelte er wieder in das Mannschaftsdeck, wo seine Kameraden lagen und schnarchten. Doch eine Person hatte ihn beobachtet, wie er aus Ledas Domizil gekommen war. „Vickar“, brummte der Späher. „Du also auch!“

Am nächsten Morgen kam ein guter Wind auf, so dass alle an Deck mit anpacken mussten. - Alle, bis auf Thrym, Hagbard und der Medikus, die sich für etwas Besseres hielten und die Nase in die Sonne hielten. Sogar Tartaros half dabei, die Leinen festzuzurren. Einmal rutschte er ab und fiel einem jungen Soldaten in die Arme. „Tut mir Leid“, sagte der Schmied und tätschelte den flachsblonden Burschen an der Schulter und putzte den Dreck von dessen Hose. „Alles in Ordnung?“ Der Soldat nickte schüchtern.

Als Leda gerade mit dem Steuermann sprach, kam der Medikus zu ihr. Er sah sehr bedrückt aus. „Was ist denn los?“, fragte sie den Mediziner. Der Mann räusperte sich umständlich. „Majestät, es tut mir Leid, aber ich muss einen Toten vermelden.“ Leda starrte ihn mit großen Augen an. „Wer… und was ist überhaupt geschehen?“ Der Medikus runzelte die Stirn. „Ein Knecht hat sich zweifellos eine Vergiftung zugezogen. Ich konnte leider trotz Aderlass nichts mehr für ihn tun.“ Leda erstarrte. „Ein Knecht… Wie ist… Wie war sein Name?“ Medikus nickte. „Ich glaube, er hieß Anselm. Wisst ihr, wer das ist?“ Leda seufzte. „Ja“, sagte sie traurig. „Nur zu gut.“ Eigentlich hatte der Arzt noch hinzufügen wollen, dass Anselm offenbar Nahrung gestohlen hatte, und es um den Langfinger nicht schade sei, aber er schluckte den Gedanken lieber herunter.

Der Wind nahm noch weiter zu, und die Wellen türmten sich haushoch vor und hinter der Victory Quest, als wollten sie eine Ode über die Gewalten des Meeres dichten. Der Rumpf rollte und stampfte wie ein wildgewordener Stier. Die Gardisten übernahmen die gefährlichen Aufgaben hoch oben auf den Rahen. Als Leda die Männer beobachtete seufzte sie: „Ach, da oben klettert nun auch Vickar herum. Wäre es doch nur schon wieder Abend.“ Dann glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen. Sie stieß den Steuermann an und zeigte zur Backbord-Takelage: „Was macht denn Honos da? Will der oben helfen?“ Der Steuermann kratzte sich den Bart und zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, Majestät. Bekanntlich scheut er solche anstrengenden Arbeiten.“

Leda verfolgte mit ihren Augen den langen Aufstieg des Majordomus. Bald war er oben an der Rah des Großsegels angelangt und reihte sich in luftiger Höhe in die Gruppe arbeitender Gardisten ein, obwohl er durch seine fahrigen Bewegungen deutlich zu erkennen unter Höhenangst litt. Mit der Zeit fand er sich neben Vickar wieder, der breitbeinig auf der dicken Rah saß und an diversen Seilen zog. Über ihnen flatterte nur noch Ledas Banner. Honos sah sich immer wieder zu den anderen Gardisten um. In einem unbeobachteten Moment sprang er vor und schoss sein rechtes Bein kräftig nach vorne und rammte sein Knie in Vickars Seite. „Hey!“, rief der Getroffene und ruderte mit den Armen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

„Oh, tut mir Leid“, rief Honos. „Warte, ich halte dich!“ Doch das genaue Gegenteil geschah: Er drückte Vickar weiter in die Schräge, so dass der Gardist von der Rah geschoben wurde. Im letzten Augenblick fasste er Honos Hand, die dieser dem Gefährdeten reichte. Inzwischen waren die anderen Gardisten auf die Gefahrensituation aufmerksam geworden. Honos rief laut: „Halte dich fest!“ Vickar glotzte Honos verwirrt an und strampelte mit den Beinen in der Luft, hoch über dem Deck. In Honos Augen erschien ein seltsamer Glanz. Und dann ließ er Vickars Handgelenk langsam los. „NEEEIIIIIIIN!“, brüllte der Gardist und stürzte in die Tiefe und den sicheren Tod.

Als die anderen Gardisten bei ihm waren, machte Honos ein entsetztes Gesicht. „Ich habe ihn fallen lassen! Oh, welches Unglück!“ Die Anderen beruhigten ihn: „Es war nicht deine Schuld.“ Leda hatte nur den dumpfen Aufprall gehört und noch gar nicht begriffen, was geschehen war. Später saß sie mit dem sich grämenden Honos in ihrer Kabine. Beide schauten trübsinnig. „Unfälle geschehen…“, meinte Honos niedergeschlagen, „aber ich hätte ihn festhalten müssen!“ Leda griff ohne Groll nach Honos Arm. „Ihr habt Euer Bestes getan.“ Der Majordomus nickte betroffen. „Vielleicht habt Ihr Recht, Majestät. Ich muss diese Bürde tragen. Wir müssen nach vorne schauen. Die Götter wollten es nicht anders.“

Leda befahl einem Soldaten, den Leichnam in die Kabine zu bringen. Als das geschehen war, entfernte sie den Keuschheitsgürtel. „Vielleicht sollte ich der Gerechtigkeit wegen Tartaros einschließen…“, sinnierte sie. Honos nickte. „Jawohl, Majestät.“ Als der Majordomus gegangen war, gab Leda ihrem Vickar einen letzten Kuss und befahl die Vorbereitung der Seebestattung. Sie musste nun stark sein vor ihren Untertanen. Doch in ihrer Kabine weinte sie um den Verlorenen.

Am Ende des Tages war der Schmied eingeschlossen. Warum hatte seine Königin ihre Meinung so abrupt geändert, fragte er sich. Hatte sie etwa etwas davon mitbekommen, wie er die jungen Burschen… Aber woher sollte sie das wissen? Von den Soldaten hat es mit Sicherheit niemand erwähnt! Da war sich Tartaros sicher. Die Schmach! Die Scham! Nein, die Jungs würden es niemals erzählen! Aber wie stand er nun da, wenn sich herumsprach, dass auch er einen Keuschheitsgürtel tragen musste? Die Burschen würden tiefe Genugtuung empfinden und ein Freudenfest feiern.

Tartaros fühlte sich erniedrigt. Vielleicht sogar so stark gedemütigt, wie sich die Jünglinge hatten vorkommen müssen, als er sie unter Deck zur Seite genommen hatte…? Wie sollte er die nächsten Tage und Wochen nur aushalten? Mit eingesperrter Männlichkeit, die tags und nachts um Erlösung wütete wie ein tosender Sturm… Das würde die Hölle werden! Er fasste sich mit gespreizten Fingern an den Kopf und haderte mit seinem Schicksal, während seine Geilheit bereits brannte wie die Glut in einer Esse.

Leda stand in dieser sternenklaren Nacht nicht der Sinn nach einem Recken. Sie war traurig. Sie trauerte um Vickar geflissentlich wie ein Klageweib. Aber auch um Anselm und Sigurd. Warum waren all ihre Liebhaber gestorben? Da musste es eine Verbindung geben! Sie lauschte in die Stille der Dunkelheit, doch die Stimmen der allwissenden Götter blieben stumm.

Megara lümmelte sich auf einem mit feinster Seide bezogenen Ottomanen herum und hielt lässig einen Weinkelch in der Hand. Gelangweilt hörte sie einem Musikquartett zu, das mit Harfe, Flöte, Gitarre und einem ihr unbekannten Zupfinstrument eine Volksweise spielte. Mit einer genervten Handbewegung und einem Pfiff unterbrach sie die Musiker: „Spielt etwas Fröhlicheres, ihr Bauerntölpel!“ Sofort erklang eine lebhafte, heitere Melodie. Die Herrscherin stand auf und ging zu einem großen Fenster. Durch die Bleiverglasung sah sie über die Dächer der Häuser hinweg bis zum Marktplatz der Hauptstadt. Irgendwo ertönten Fanfaren. Megara hatte das Mittagsgebet eingeführt: Männer mussten bei dem Signal der Trompetenstöße niederknien und der Göttin Megara Demut erweisen.

Die Prachtstraße, die vom Palast in die Innenstadt führte, blitzte trotz der starken Frequentierung durch Händlerinnen und Sklaven vor Sauberkeit. Auf Reinlichkeit legte die neue Regierung großen Wert. Zahlreiche Putzsklaven waren ständig damit beschäftigt auch die kleinsten Verunreinigungen zu entfernen. Nur nach dem Fanfarensignal verharrte die Menschenmenge, weil alle Leibeigenen niederknieten. Auch ein Sklave, der unter einer schweren Kiste fast einknickte, musste schleunigst auf die Knie und verlor dabei seine Ladung, die schräg von seiner Schulter rutschte und auf dem Bürgersteig landete. Ängstlich sah er sich zu der jungen Lady um, die ihn begleitete. Dafür gab es sicherlich eine Tracht Prügel. Ein anderer Sklave kniete breitbeinig und betete laut Megara an:

„Hohe und einzige Göttin der Welt!
Erlauchte Megara, sei deinen niedrigen Untertanen gnädig.
Verschone ihr Leben und habe Erbarmen mit den Wertlosen.
Oh, edle Megara, wir danken Euch, dass wir Euch dienen dürfen.
Unser Leben gehört nur Euch. Wir verneigen uns vor Eurer Größe.
In Eurer unendlichen Güte straft Ihr uns, wenn wir Falsches tun,
um uns wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen.
Oh, höchste Megara!
Wir danken Euch und küssen den Staub, den Euer Stiefel berührt hat.
So soll es zu unserem Glücke ewiglich sein.“

Als der Sklave wieder aufstand, behielt er zu jeder Zeit seinen breiten Stand bei. Der Grund waren die Stachelbänder um seine Oberschenkel. Diese „Haltungshilfe“ war in der Hauptstadt recht verbreitet. Durch den erzwungenen breiten Gang war das Gemächt des Sklaven besser zugänglich und auch hübscher anzusehen. Wenn man eine Dame mit einer Klatsche im Gürtel sah, hatte diese mit großer Wahrscheinlichkeit einen Leibeigenen mit Haltungshilfen. Diese mittlerweile bewährte Methode war von Senatorin Alekto entwickelt worden und sehr effektiv und daher beliebt.

Eine Hofdame schlenderte die Prachtstraße entlang und besuchte verschiedene Läden mit edlen Stoffen, Kleidern und Hüten, um ihre Garderobe zu erweitern. Sie lugte gerade in ihren Münzbeutel, als ihr der Sklave mit der Haltungshilfe entgegenkam. Sofort führte die abgefeimte Besitzerin den Mann mit schnellen leichten Schlägen durch die Klatsche auf das Gemächt zu Seite. Die Hofdame sah mit einem Schmunzeln zu und bedankte sich beim Vorbeigehen bei der höflichen Frau.

Auch der Sklave mit der schweren Kiste war wieder unterwegs. Er trug zwar keine Dornenbänder, dafür hatte sich seine Eigentümerin für eine Schlinge an einer Stange entschieden, die ihr Besitz um den Hals trug. Durch einen Mechanismus konnte die Lady am Ende der Stange die Größe der Schlinge verstellen. Als Strafmaßnahme wurde dem Sklaven der Brodem teilweise abgeschnürt. Dafür, dass er vorhin das Gleichgewicht mit der Kiste verloren hatte, würgte ihn die Dame und piekste sein Gesäß antreibend mit einem Degen. „Los jetzt! Wir haben schon genug Zeit verloren. Das ist erst die vierte Kiste. Sechs warten noch!“

Dünkelhaft und mahnend meinte eine andere Dame, die die Worte gehört hatte: „Also bei mir gäbe es so ein Fehlverhalten nur einmal, junge Frau.“ Geziert schritt sie von dannen. Die Angesprochene ärgerte sich über die kritischen Worte, die ihren Verdruss geschürt hatten, und ließ ihren Groll nun an dem Träger aus und hörte gar nicht mehr damit auf, ihn mit dem Degen anzutreiben. „Du glaubst wohl, du kannst mich hier öffentlich blamieren!? Das werden wir ja sehen!“ Sollte der Sklave doch froh sein, Auslauf zu haben. Es gab Leibeigene, die tagelang in kleinen Käfigen ausharren mussten, wenn sie nutzlos waren. Und auf seinen nächsten Kanten Brot konnte er lange warten!

Megara ließ inzwischen ihre Schatzmeisterin rufen. „Wie steht es mit unseren Steuereinnahmen?“ In Vorfreude auf einen Berg aus Münzen stahl sich ein Grinsen in ihr Antlitz. Die Frau schluckte. Die Summe, die sich die Herrscherin vorgestellt hatte, war nicht einmal zur Hälfte erreicht worden, obwohl die Bevölkerung mit Eintreibern drangsaliert worden war. Viele Damen hatten die Arbeitsleistung ihrer Sklaven auf ein unerträgliches Maß steigern müssen, um die erhöhten Abgaben leisten zu können, ohne ihren Lebensstandard zu verringern. Aber auch das hatte nicht ausgereicht.

„Was?“, schrie die Tyrannin und warf ihren Weinkelch nach der Schatzmeisterin, die sich schnell bückte, um nicht getroffen zu werden. Stattdessen knallte das Gefäß gegen eine Marmorsäule, wo der Wein herunterlief, als blute die Stütze. „Wollt Ihr mich ruinieren? Wollt ihr Schabernack mit mir treiben? Schatzmeisterin nennt Ihr Euch? Ta! Eine Schwatzmeisterin seid ihr! Sagt sofort, wie das sein kann? Wieso bekommt Ihr meinen Zoll nicht zusammen?“ Die Schatzmeisterin stammelte vor sich hin und druckte herum. Was sollte sie auch sagen? Sie hatte das Volk ausquetschen lassen. „Ich…. äh…. Also…. Nun ja…. Das….äh… es…hm, nun…“ Megara schnaubte laut. „Erzählt nicht alles auf einmal. Ich kann Euch ja gar nicht schnell genug folgen!“ rief sie ironisch; dann machte sie eine wegwerfende Handbewegung. „Ach! Schweigt still! Geht mir aus den Augen, unnützes Weib!“ Sie wedelte sie weg wie eine lästige Schmeißfliege.

Mit blasiertem Blick verließ die Frau das Gemach. Sie hob ihre Schleppe hoch, um sich schneller entfernen zu können. Megara rief nach einer Wächterin. „Sorgt dafür, dass die Schatzmeisterin ihr Amt niederlegt und schafft sie in die entferntest gelegene Siedlung des Ostlandes. Soll sie dort einer Beschäftigung nachgehen, die sie nicht überfordert. - Und bringt mir Anwärterinnen, die sich zutrauen, diese Versagerin zu ersetzen!“

Schon am nächsten Tag musste sich das entlassene Weib bei Sonnenaufgang auf den langen beschwerlichen Weg nach Osten machen. Zwei königliche Soldatinnen begleiteten sie auf der Reise, in Schadenfreude badend, denn die ehemalige Schatzmeisterin war als arrogant und eingebildet bekannt und gefürchtet gewesen. Nur langsam konnten die Gäule vorwärts gelangen, denn zum Tross gehörte noch ein schwerer Karren, der von zwölf Sklaven gezogen wurde. In ihm stapelten sich mehrere verschlossene Truhen. Niemand wusste, was Megara darin transportieren ließ, aber die Soldatinnen hatten Befehl, die Kisten der Vorsteherin der Siedlung zu überbringen.

Die ehemalige Schatzmeisterin vermutete, dass die Tyrannin damit aus reiner Bosheit nur die Reise beschwerlicher und langsamer machen wollte. Es wollte sie nicht wundern, wenn nur Felsbrocken oder Kieselsteine enthalten waren. Das ziehende Dutzend nackter Leibeigener ächzte schon nach wenigen Meilen. Die Peitsche der Kutscherin geißelte eifrig die Rücken und Gesäße der Männer, aber über Schrittgeschwindigkeit kam der Tross nicht hinaus. Nach einiger Zeit ließ sie die Zügel fallen und stöhnte genervt. Der Bach linker Hand würde die Kreaturen ein wenig erfrischen. Die Soldatinnen drängten. Es gab nicht viel Zeit, um alle reichlich saufen zu lassen. Nur ein kurzer Augenblick wurde gewährt, dann mussten die Sklaven wieder in ihre Geschirre zurück.

Viele Meilen weiter ostwärts in der alten Metropole kam die Senatorin und mittlerweile Stadthalterin Fama nach einem anstrengenden Tag des Regierens nach Hause und hörte ihre Töchter Vesta und Aurora kichernd durch den Palast laufen. Was hatten die Rotznasen jetzt schon wieder für einen Streich angestellt? Die Gören mussten doch langsam ihrem Alter entsprechend erwachsen sein!

Einige Minuten später sah sie die Bescherung: Der Sklave, auf den es die beiden Töchter schon oftmals abgesehen hatten, war auch heute nicht schadlos davongekommen. Grün und blau geprügelt schien er zu sein und verbeugte sich tief vor der Hausherrin. „Was war hier los? Warum siehst du so…. so bunt aus?“ Der Sklave schüttelte den Kopf: „Ich darf nichts sagen“, meinte er jammernd. „Sonst machen sie es morgen noch mal!“ Fama schnaubte wütend. „Was du darfst oder nicht, das entscheide ICH! Ist das klar?“ Der Sklave machte eine Jammermiene. Fama befahl streng: „Sprich! Oder ich lasse dich peitschen bis du sprichst!“
Der Sklave antwortete in weinerlichem Tonfall: „Die Ladyschaft hat mit mir Schwertkampf geübt.“ Fama sah ihn irritiert an. Sie rief ihre Töchter zu sich und verlangte eine ausführliche Erklärung. Bald gaben Aurora und Vesta zu, dass sie mit Holzschwertern und Holzstreitkolben mit dem Sklaven Kämpfe geübt hatten. Natürlich durfte der Sklave, der mit Schild und Schwert bewaffnet gewesen war, sich nur verteidigen, aber auf keinen Fall zuschlagen. Eine Zeitlang hatte er sich ganz gut gehalten, doch dann waren Vesta und Aurora gleichzeitig von verschiedenen Seiten auf ihn eingedrungen und hatten lachend zig Treffer gelandet.

Fama runzelte streng ihre Stirn. „Ihr solltet lieber bei euren Stickereien bleiben. Und jetzt: ab ins Bett! Und du, Sklave, wirst morgen den gesamten Tag auf dem Feld arbeiten, damit du meinen beiden jungen Damen nicht wieder unter die Finger kommst und sie zu solch einem Unfug reizt!“ Aurora und Vesta zogen sich in ihr Gemach zurück und schlüpften aus ihren mit Spitzenborte verzierten Kleidern. „Weißt du was?“, fragte Vesta ihre Schwester. Aurora sah sie an. Vesta schlug vor: „Stickerei ist doch stinklangweilig! Morgen fragen wir die Majordoma, ob wir ein Portrait malen dürfen.“ Aurora knabberte an einem Finger und überlegte: „Dann gibt sie uns einen Sklaven dafür. Keine schlechte Idee. Wir haben unsere Ruhe und malen…“ Vesta grinste begeistert: „Ein Aktbild!“ Aurora kicherte: „Oh ja! Mit ausgefahrener Rute…“
Vesta lachte und hielt sich den Bauch. „Vielleicht müssen wir dann ab und zu dafür sorgen, dass die Rute auch ausgefahren bleibt…“ Aurora: „Das wird ein Spaß!“ Vesta: „Ich hörte, dass manche Burschen geil werden, wenn man ihnen einen Stock in den Hintern schiebt.“ Aurora: „Das sollten wir ausprobieren. Ich kenne nur den abgerundeten Pfahl für unartige Sklaven! Wenn sie mit eingeöltem Anus auf ihm Platz nehmen. Aber diese Kreaturen werden nicht geil sondern brüllen herum wie Tiere bis man sie streng knebelt. Es scheint ihnen nicht zu gefallen. Seltsam. Ich mag den Anblick sehr.“ Vor ihrem inneren Auge erschienen die zitternden Geschöpfe, wie sie sich auf dem Pfahl wanden und mit ihren Blicken bettelten. Die junge Dame gab einen Lustseufzer von sich. So eine Darbietung war wie eine erquickende und anregende Labsal.

In der Ferne hörten sie das Trompetensignal für die Megara-Anbetung. In der Metropole ertönte es nicht mittags sondern abends. Vesta meinte: „Hach, so ein Klamauk! So was kann sich auch nur Megara einfallen lassen!“ Aurora stellte sich vor: „Wenn ich älter bin, werde ich auch Herrscherin. Und dann gilt das Signal mir!“ Vesta: „Träum weiter!“ Aurora hob eine Augenbraue. „Das ist mein Ernst! Ich werde in die Politik gehen, wie Mutter. Erst in den Senat und dann werde ich Stadthalterin der Metropole. Und schließlich werde ich…“ Vesta unterbrach ihre Schwester: „gestürzt und lande im Kerker.“ Aurora kniff böse die Augen zusammen. „Von wegen! Du wirst noch an meine Worte denken! Ich werde die nächste Herrscherin von Megaria!“ Vesta sagte belustigt: „Ach ja? Nennst du das Reich dann nicht Auroria?“ Aurora strahlte. „Stimmt! Willst du dann meine Stellvertreterin werden?“ Vesta antwortete nicht. Als Aurora zu ihr sah, stellte sie fest, dass ihre Schwester bereits selig schlief.




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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:01.06.20 13:14 IP: gespeichert Moderator melden


Tolle Fortsetzung mit allem was mir gefällt!!! Herzlichen Dank!Man wird richtig süchtig nach dieser Geschichte,die du in unvergleichlicher Manier schreibst!
Grüße Christian

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AlfvM
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:02.06.20 19:05 IP: gespeichert Moderator melden


Nach wie vor begeistert mich die Geschichte. Ich finde sie sogar noch besser wie die Unsprüngliche. Ich freue mich auf die weiteren Teile .Vielen Dank.
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:07.06.20 17:14 IP: gespeichert Moderator melden


Danke an sheeeep und AlfvM für die netten Kommentare. Der nächste Teil folgt.
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:07.06.20 17:15 IP: gespeichert Moderator melden


Ein Gardist mit auffallendem Backenbart kam zu Leda aufs Achterdeck geeilt. „Majestät! Es gibt eine gute Nachricht. Wir können wieder westwärts segeln. Die gefährliche Strömung hat sich aufgelöst.“ Leda nickte: „Also gut. Sagt dem Steuermann Bescheid.“ Die „Victory Quest“ drehte auf Kurs und näherte sich dem gelobten Land – wenn es denn existierte!

Die Tage vergingen, aber keine Küste kam in Sicht. Der Westozean schien wirklich unbegrenzt. Eine schier unendliche Weite aus Wasser. Und vielleicht kam tatsächlich nur noch das Ende der Welt… Ledas Stimmung sank auf ihren Tiefpunkt. Sie hatte seit zwei Wochen allein unter der Decke geschlafen. Es schien ein Fluch auf ihr zu liegen: Alle Männer, die zu ihr kamen, starben kurz danach. Doch der Drang nach einer starken Schulter und den anderen maskulinen Merkmalen ihrer Kämpen war sehr stark und brodelte in der Königin.

So entschied sie sich auf ein Neues, einen Recken zu sich zu holen. Dieses Mal wählte sie einen einfachen Soldaten. Gladius, ein stolzer Krieger mit langem Haar war zunächst stocksteif und wagte keine Bewegung. Selbst, als Leda ihm ihre Vorstellung des Abends durch die Blume und schließlich mit eindeutigen Gesten begreiflich gemacht hatte, reagierte er wie eine Puppe aus Porzellan. Da wurde es Leda zu bunt, und der Mann erhielt eine Backpfeife. Endlich loderte auch in ihm das Feuer. Und als Leda ihren Umhang zu Boden gleiten ließ, da war die letzte Zurückhaltung dahin. Die beiden liebten sich mit einer Begierde, die den Raum schier zum Kochen zu bringen schien.

Der Soldat war durch die lange Keuschhaltung natürlich ausgehungert, aber auch Leda war ihm zugetan, als ginge es um den letzten Beischlaf ihres Lebens. In ihrem Kopf schien ein Feuerball aufzublitzen. Sie musste wohl auch zugeben, dass Gladius prächtig bestückt war, was sie bei Sigurd und Vickar ein wenig vermisst hatte – nicht, dass sie ungeschickt gewesen seien, oh, nein! Aber ein richtiges „Schwert“ war schon vorteilhaft, schmunzelte die Königin in sich hinein. „Woher Gladius wohl seinen Namen hat?“, dachte sie und knabberte genüsslich an seinem Ohrläppchen.

Erst am frühen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, kehrte Gladius ins Mannschaftsdeck zurück. Er hatte die Nacht seines Lebens erlebt und war noch wie in Trance. Doch gemischte Gefühle drängten sich in den Vordergrund: Leda wollte anordnen, dass er heute nicht zu arbeiten hatte, was er sehr edel von ihr fand. Aber sie hatte noch etwas gesagt, bevor er gegangen war: „Du bist in großer Gefahr! Pass auf dich auf!“ Was hatten diese Worte zu sagen? Wollte die Königin ihn loswerden? Weil er der geheime Bettgefährte war? Aber warum warnte sie ihn dann? Er griff sich in den Schritt und bedauerte, wieder verschlossen zu sein. Und dann fielen ihm Ledas Worte ein, als sie sich später an seine breite Brust gekuschelt hatte: „Vielleicht wiederholen wir das mal…“ Gefahr, dachte Gladius und schnaubte verächtlich. Mir? Warum? Außerdem habe ich eine Waffe und bin ein kraftvoller Ringer. Was soll mir schon geschehen?

Abas sabberte trotz Knebel und zitterte am ganzen Leib. Sein Keuschheitsgürtel war wieder entfernt worden, unter seine Hüfte hatten zwei Wächterinnen eine Rolle aus Bambusmatten gelegt, damit seine Männlichkeit emporragte. Als die grausam grinsende Frau in seine Zelle kam, wusste er, dass die nächsten ein bis zwei Stunden die Hölle werden würden. Tag für Tag hatten sie ihn gefoltert. Die Frauen hatten ihn kunstvoll kurz vor den Höhepunkt seiner Lust gebracht, um ihn dann hilflos und quengelnd einige Augenblicke zu ignorieren. Im Anschluss marterten sie ihn erneut, wieder und wieder und wieder. Schon lange hatte der Königsgemahl seine restliche Würde fahren lassen.

Sein dumpfes Gebrüll in den Knebel nutzte ihm gar nichts. Seine sabbernden Proteste, sein hilfloses Gewinsel, all das brachte die Frauen nur dazu, ihn zu verspotten oder auszulachen. Mittlerweile hatte er sechs Frauen kennen gelernt, die sich in ihrer Grausamkeit in nichts unterschieden. Abas konnte es nicht glauben, wie gemein, erbarmungslos und kreativ solch hübsche Wesen sein konnten. Längst nahm er an, dass sie ihn sowieso niemals von seinem männlichen Druck erlösen würden; doch wimmerte er darum, diese grausige Folter wenigstens zu beenden.

Er hatte das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Lieber wollte er von glühenden Zangen gezwickt, der Wasserfolter ausgesetzt, oder in die Eiserne Jungfrau gesperrt werden. Sollten sie ihm doch Daumenschrauben anlegen, ihn aufs Rad spannen, ihm einen Jauchetrunk verpassen oder was auch immer! Ja, mittlerweile wünschte er sich sogar, sein Gemächt einzubüßen, damit diese schreckliche Pein endlich aufhörte! Aber alles war nur Wunschdenken! Er hatte ja keine Wahl. Täglich kamen ein, zwei oder sogar drei Mal die Wärterinnen, ihn zu quälen. Auf sein Betteln, Megara sprechen zu dürfen, reagierten sie nicht. Warum nicht? Sie hatten es ihm doch angeboten? Was wollten sie denn von ihm? Er würde alles tun! ALLES!

Megara feilte sich gerade einige Stockwerke über dem leidenden Königsgemahl im Erker des Nordturmes ihre Fingernägel und ließ sich von zwei Zofen in einer gigantischen Wanne ihren göttlichen Körper einseifen, der alabasterfarben glänzte. Die Tyrannin rief nach ihrer Majordoma und fragte: „Unser kleiner König ist nun schon so lange im Kerker. Macht er Fortschritte?“ Die Majordoma antwortete: „Oh, mich deucht, er ist kurz davor, seinen Verstand zu verlieren. Sobald ein Weib nur in seine Sicht kommt, sabbert er mehr als ein Hofhund vor einem Streifen Speck.“ Megara lachte meckernd. „Das ist gut! Meint ihr, er ist soweit?“ Die Majordoma nickte: „Ihr solltet ihn langsam zu Euch nehmen und ihm ein wenig Entspannung gönnen.“ Die Despotin grinste: „Noch ein paar Tage! Er soll ruhig ein wenig leiden.“ Sie verspürte ein wohliges Kribbeln in ihren Lenden. Die Majordoma nickte und machte einen höflichen Knicks, bevor sie das Bad rückwärts in devoter Haltung verließ.

Am nächsten Tag fand Megara sich beim Hohen Rat ein, dem Senatorin Fama vorsaß. Inzwischen waren die genauen Verlustzahlen an Kampfsklaven bekannt. Der Senat hatte beschlossen, neun von zehn Kämpfern in zivile Dienste zu entlassen. Der Rest würde eine Schutzarmee bilden. Eigentlich gab es keine Feinde mehr, jetzt, da der gesamte Kontinent zu Megaras Reich gehörte, aber Fama betonte: „Wir wissen nicht, was im fernen Osten außer den primitiven Einwohnern in der Nähe der Küste noch für Völker leben. Auch südlich der Großen Wüste ist unbekanntes Land. Ganz zu schweigen vom sagenhaften Westkontinent.“ Ein Raunen ging durch die Reihen. An den Westkontinent glaubte kaum jemand. Auch Megara winkte ab. „Unsinn! Aber ich gebe Euch recht, wenn Ihr sagt, dass wir eine Armee behalten sollten.“

Als nächstes fragte sie nach den gefallenen Kriegssklaven. Fama räusperte sich und informierte die Runde: „Wir haben hohe Verluste bei den Kampfmännern erlitten. Die Eroberung der Hauptstadt hat große Kosten verursacht. Aber es sind noch so viele vorhanden, dass wir einen Großteil der Sklaven zu Arbeitern machen können. Mich dünkt, die Schwemme auf dem Sklavenmarkt wird den Preis für einen Mann deutlich reduzieren.“ Megara überlegte, ob das gut oder schlecht für sie war. Sie räusperte sich. „Nun, ein anderes Thema: Ich werde von Herolden ausrufen lassen, dass ich auf der Suche nach einem Gatten bin.“

Wieder Raunen. Die Senatorinnen schauten sich verdutzt an. Viele der Damen hatten das Prozedere bereits vor vielen Jahren mitgemacht, als Megara noch das Südland beherrschte und Jünglinge herbeilockte, um sie insgeheim zum Manne zu machen – doch nicht zum König. Sie verschwanden allesamt in Kerkern, Minen und als Feldarbeiter. Einige blieben ihre keuschen Sexsklaven. Mehr als ein überraschtes Stöhnen war von den Damen allerdings nicht zu vernehmen. Niemand wollte es sich mit der Tyrannin verscherzen. Und außerdem hatten die Ladys sich bereits an ihre Vormachtstellung in der Gesellschaft gewöhnt. Alle hatten sie zu Hause Sklaven für allerlei Aufgaben – einschließlich der, das Bett warm zu halten…

Was Megara noch geheim hielt, war die Sehnsucht nach einem Thronerben. Nachdem sie vor Jahren dafür gesorgt hatte, dass Talos, ihr Bastardsohn, das Zeitige segnete, hatte sie doch Schuldgefühle und wollte es an einem anderen jungen Mann wieder gutmachen.
Doch war das überhaupt machbar in einer Frauenwelt? Oder lieber eine Prinzessin? Ja, das wäre die Lösung! „Nein“, grübelte sie vor sich hin, eine zweite Frau an meiner Seite? Eine junge schöne Lady? NEIN!

Als Fama von den neuesten Steuereinnahmen berichtete, war Megara schon nicht mehr bei der Sache. Ihre Gedanken schweiften ab. Sei trank ihren Weinkelch in einem Zuge aus und stand auf. „Genug. Ich danke Euch, Senatorin Fama. Ich ziehe mich nun zurück. Der Schreiber soll mir einen Bericht zu dieser Sitzung bringen.“ Damit stand sie auf und verließ die Halle, während die Schleppe ihres Kleides über den Marmorboden wischte.

Leda schaute weit aufs Meer hinaus. Die immer gleich bleibenden Geräusche der Wellen am Rumpf waren einschläfernd. Plötzlich rief der Ausguck: „Land in Sicht!“ Die Mannschaft lief zum Bug und sah angestrengt in die Richtung, in die der Mann gezeigt hatte. Wahrhaftig: Die Victory Quest steuerte genau auf eine Küste zu, die sich am Horizont abzeichnete. Die Männer und Frauen fielen sich jubelnd in die Arme. Land! Den Westkontinent gab es also wirklich! Leda grinste bis über beide Ohren: „Von wegen Ende der Welt! Wir haben es geschafft!“

Sie befahl dem Steuermann den Kurs anzupassen, um schnellstens die Küste zu erreichen. „Aye, Aye, Frau Kapitän!“, bestätigte er die Order und salutierte. Leda sah ihn im ersten Moment streng an. Wie hatte er seine Königin genannt? Aber im nächsten Augenblick lächelte sie wieder und schlug dem Steuermann freundschaftlich auf die Schulter. „Weitermachen!“ Das Schiff näherte sich schnell dem Landstrich. Schon waren Felsen und ein feiner Sandstrand zu erkennen. Dann sah die Besatzung auch eine Art Festung aus Stein auf einem Hügel. „Da wohnen Menschen!“, sagte Leda. „Die werden aber Augen machen! Wahrscheinlich haben sie noch nie ein anderes Volk gesehen. Ob sie überhaupt zivilisiert sind?“ Honos kniff die Augen zusammen, um klarer sehen zu können und meinte: „Ich denke schon. Die Festung sieht sehr akkurat gebaut aus.“

Die Victory Quest kam immer näher. Das Meer war glücklicherweise tief genug. Leda, Thrym, Hagbard und Honos standen auf dem Achterdeck und sahen ihrem Ziel entgegen. Das Gebäude war schon gut zu erkennen. Auch Details konnten sie sehen: kleine Fenster, aus denen dicke schwarze Stangen blickten. Plötzlich knallte es lautstark, als würden mehrere Blitze einschlagen. Es rauchte aus den Stangen. „Was ist das denn?“, fragte Thrym. „Kleine Ahnung“, meinte Leda, „vielleicht sollten wir…“ Weiter kam sie nicht. Eine kräftige Wasserfontäne schoss direkt vor ihrem Bug in die Höhe. Und noch eine zweite. „Was ist das denn?“, fragte Honos.

Und wieder schoss eine Fontäne hoch in die Luft. Das Wasser spritzte teils bis aufs Deck.
Nun vibrierte das Schiff. Mit einem mächtigen Donnerschlag splitterte ein Teil des Rumpfes auf und schoss messerscharfe Holzteile über das Deck. Ein Soldat wurde tödlich von einem großen Splitter getroffen. „Was war das? Die greifen mit Katapulten an!“ schrie Thrym. Leda befahl: „Sofort Segel setzen und Kurs auf See! Hurtig!“ Jetzt gab es ein völliges Durcheinander an Bord: Die Mannschaft lief panisch umher, schrie, und erst, als einige Gardistinnen und Offiziere die Organisation übernahmen und klare Befehle gaben, kam das Schiff langsam in Fahrt.

Erneut schlugen Geschosse an einer Seite des Rumpfes ein. Hagbard befehligte eine Truppe, die versuchten die Lecks zu stopfen. Andere Soldaten bildeten eine Reihe und gaben Eimer mit Seewasser nach oben weiter. Alle kämpften um das nackte Überleben gegen einen übermächtigen Feind. Der Schrecken saß allen in den Knochen. Mit so einem starken und plötzlichen Angriff hatten sie nicht gerechnet.

Als die Victory Quest wieder weit auf See war, setzten sich Leda und ihre Berater zu einer Runde zusammen. „Das waren keine Katapulte“, meinte Thrym. „Ich habe es gesehen: Die Geschosse kamen direkt aus den Fenstern der Zitadelle. Aus den Stangen.“ Honos machte ein skeptisches Gesicht. Hatte Thrym da ein wenig zu viel Fantasie? Leda starrte auf die nun weit entfernte Küste. Die Sonne versank bereits. „Nicht besonders friedliebend, die Westmänner.“ Sie hatte zu sich selbst gesprochen. Erschrocken hörte sie hinter sich eine Stimme antworten: „Nein. Freundlich sind die wahrlich nicht. Wir sollten es weiter südlich oder nördlich versuchen.“ Leda drehte sich schwungvoll um. „Gladius!“, sagte sie in einer Mischung aus Überraschung, Tadel und Freude. Der Soldat kam näher und nahm seine Königin ungeniert in den Arm. „Nicht hier, Gladius. Komm in meine Kammer. Aber folge mir erst in einigen Minuten.“ Der Kämpe lächelte und sah Leda hinterher.

Abas schrie: „Nein! Bitte nicht mehr! Gnade!“ Aber das Weib lächelte ihn nur höhnisch an. Seit heute Morgen hatten sie ihm den Keuschheitsgürtel nicht mehr anlegen können, denn sein Luststab war selbst mit kaltem Wasser nicht mehr klein zu bekommen. Die Frau bearbeitete ihn wieder und wieder. Abas war nass geschwitzt und winselte, als der Wächterin sein Gebettel auf die Nerven ging und sie ihn knebelte. Sein Greinen sickerte nun nur noch dumpf zwischen dem dicken Stoff durch.

Nach einer Stunde strich die Folterin nur noch sanft mit ihrem Zeigefinger über die Spitze von Abas Männlichkeit. Er durfte seinen Samen nicht verströmen, hatte die oberste Wachoffizierin streng befohlen. Die Anweisung war von „ganz oben“ gekommen. In wenigen Tagen würde er aus der Haft entlassen. Zumindest kam er aus seiner Zelle. Doch seine Zukunft sah nicht besser aus. Im Gegenteil: Er sollte Megaras Schoßhündchen werden.

Die Tyrannin erinnerte sich noch an den Hünen Kreios, den sie wie ein Spielzeug abgerichtet hatte. Nun wollte sie niemand geringeren als den Gatten der Königin Leda an ihrer Seite haben – als Lustobjekt, als sabbernden Idioten mit Halsband, der auf Befehl „Männchen“ machte oder auf ein Fingerschnippen auf allen Vieren herbei gekrochen kam. Dazu hatte Megara bereits einen speziellen Riemen anfertigen lassen, der verhinderte, dass der Träger jemals aufrecht stehen konnte. Ein doppeltes Holz zwang seine Hoden nach hinten zwischen die Beine, und je mehr er versuchte, aufzustehen, desto größer und unerträglicher würde der Schmerz in seinen Glocken sein. Kurz darauf empfing die Autokratin in großer Vorfreude die Mitteilung, dass Abas offenbar seinen Verstand verloren hatte, und er bereit war, seinen zukünftigen Platz einzunehmen.

Auf der Victory Quest dauerten die Reparaturen am Schiffsrumpf bis tief in die Nacht an. Die ominösen Geschosse hatten ganze Arbeit geleistet. „Das muss das Werk von einem Schwarzmagier sein“, war sich Hagbard sicher. Thrym räusperte sich. „Nein, das glaube ich nicht. Die haben nur irgendeine uns unbekannte Technik, Geschosse extrem zu beschleunigen. Vielleicht so eine Art gigantische Schleudern oder Armbrüste. Wir haben ja ähnliche Waffen an Bord.“ Hagbard schüttelte den Kopf: „Die Geschosse machten einen Heidenlärm. Außerdem kamen sie ganz gewiss aus den kleinen Fenstern. Das muss was mit diesen seltsamen Stangen zu tun haben.“ Aber sie konnten nur spekulieren, denn kein Geschoss wurde an Bord gefunden. Alle Steine waren durch das Schiff hindurch ins Meer gerauscht. Waren es überhaupt Steine gewesen?

Während die Berater noch eine Weile darüber diskutierten, was eigentlich geschehen war, schlich Honos unter Deck herum. Er lauschte an der Kapitänskajüte. Grimmig dachte er: „Leda hat schon wieder Besuch! Wer ist es diesmal?“ Er horchte und vernahm die ungenierten Liebesgeräusche zwischen Mann und Frau. Er spürte, wie sein eigener Luststab Gestalt annahm, gegen den Keuschheitsgürtel drückte und nach Freiheit und Befriedigung verlangte. Aber dies blieb ihm solange verwehrt, bis er von Leda den Schlüssel dafür bekam. Und wann sollte das sein? Er fühlte, wie der Hass, wie der Neid gegenüber dem Liebhaber anstieg und sein Herz vergiftete.

Voller Wut und Groll schritt er weiter, bis er fast mit dem Medikus zusammenstieß. Der Bordarzt nestelte aufgeregt an seiner Hose und zog das Wams darüber. „Habt Ihr mich erschreckt!“ sagte er vorwurfsvoll. „Was treibt Ihr denn mitten in der Nacht hier unten?“ Honos überlegte. Hatte er das gerade richtig gesehen? Ihm war, als habe der Medikus in der dunklen Nische dem Trieb eines Mannes nachgegeben… „Und was tut Ihr hier?“, fragte Honos mit scharfer Stimme. Der Medikus reckte sein Kinn vor. „Was geht Euch das an!? Aus dem Weg!“ Er drückte den Majordomus zur Seite und stiefelte an Deck. Honos brodelte innerlich. Jetzt auch noch der Medikus! Das Schiff ist verseucht von Unzucht!

Er musste die Geschwüre wegschneiden, bevor sie die gesamte Mannschaft vergifteten!
Plötzlich sah er eine dunkle Gestalt hinter sich verschwinden. Honos kniff die Augen zusammen. „War das der Unbekannte aus der Kapitänskajüte? Er eilte hinterher. Er musste erfahren, wer das war! So eine Unverschämtheit! Leda schloss willkürlich irgendwelche Kerle auf, um sich mit ihnen zu vergnügen, wie eine Hafenhure! So eine Ungerechtigkeit! Honos war außer sich. Noch zorniger wurde er, als der Namenlose verschwunden war. Er ballte die Fäuste. Morgen würde er seine Freilassung einfordern!

Doch am Morgen gab es noch vor dem Frühstück eine Schreckensmeldung, die ihn sein Vorhaben vorerst vergessen ließ: Ein fremdes Schiff näherte sich der Victory Quest, die beigedreht in den sanften Wellen ruhte. Kurz darauf versammelten sich die Berater Thrym und Hagbard bei Leda auf dem Achterdeck, und auch der Medikus und Honos standen dabei. „Vielleicht wollen sie verhandeln“, meinte Thrym und kratzte sich das Kinn. Doch schon im nächsten Moment knallte es wieder wie bei Blitzeinschlägen, und rauchende schwarze Stangen oder Rohre erschienen am fremden Schiffsrumpf.

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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:14.06.20 14:11 IP: gespeichert Moderator melden


„Die geheimnisvollen Waffen!“, brüllte der Steuermann. Leda befahl: „Segel setzen! Weg hier!“ Der unfachmännische Befehl wurde trotzdem verstanden, und die Offiziere jagten die Männer und Frauen brüllend auf ihre Posten. Die nächsten Augenblicke waren die Hölle: Mehrere Einschläge in der Takelage und dem Rumpf sorgten für schwere Schäden an Bord. Glücklicherweise gab es nur leichtere Verletzungen bei einigen Männern, meist durch Splitter oder herabfallende Spiere. Der Victory Quest, ein ausgesprochen schnelles Schiff, das hoch am Wind fahren konnte, gelang es, die Verfolger abzuschütteln. Doch nun stand fest: Egal, mit welchen magischen Waffen dieses Westvolk angriff, es war feindselig. Ein Anlanden war hier unmöglich.

Mehrere Tage kreuzte die Victory Quest im Großen Ozean. Dann ging sie auf Südkurs, um es in einer anderen Region noch mal an dem Westkontinent zu versuchen. Schließlich nahmen sie wieder die Richtung zur Küste auf. Während dieser Tage befreite Leda ihren Gladius ein bis zwei Mal die Woche aus seiner Männlichkeitsschelle. Zwischendurch gönnte sie auch Hagbard eine Erlösung. Aber sie kehrte immer wieder zu Gladius zurück, der ihr ein perfekter Bettgefährte schien. So wäre es wohl noch Tage und Wochen weitergegangen, doch dann erfuhr irgendwie die Mannschaft von den geheimen Aufschlüssen, und jeder forderte für sich eine Befreiung ein. Vermutlich war Honos die Quelle des Verrats.

Aber Leda blieb hart: Sie sei die Königin und habe darüber zu entscheiden. Niemand habe das verbriefte Recht dazu, aufgeschlossen zu werden. Nur die Gnade der Königin könne eine Befreiung aus dem Keuschheitsgürtel erlauben. Nach langem Murren akzeptierte die Mannschaft Ledas Ansage. Auch, wenn es im Inneren noch wütete, und einige Männer über Meuterei nachdachten.

Die drei Gardistinnen waren allerdings härtere „Verhandlungspartner“. Um die Männer besser unter Kontrolle zu halten, so argumentierten sie, sei es besser, wenn mehrere Frauen für entspannte Mannsbilder sorgten. Das hieß im Klartext: Auch die Offizierinnen wollten leihweise Schlüssel zu Keuschheitsgürteln haben, um Soldaten oder andere Männer aufzuschließen. Leda lehnte zunächst ab, aber schließlich gab sie nach. „Unter der Bedingung, dass nur ich Zugriff auf die Kiste mit den Schlüsseln habe. Bei Bedarf muss er angefordert und am gleichen Tage auch zurückgebracht werden.“ Damit wollte Leda die Liebestollerei an Bord einschränken und unter Kontrolle behalten. Sonst würde all die Keuschhaltung gar nichts bringen. „Und es bleibt bei euch dreien! Die Mägde und Zofen sind aus unserer Vereinbarung ausgenommen!“

So einigte man sich. In der kommenden Zeit schienen die Männer in der Tat ausgeglichener zu sein, denn fast jeder der Recken kam nach einer gewissen Zeit mal zum Zuge. Voll Groll waren nur die, die noch immer nicht aufgesperrt worden waren. Auch der ehemalige Berater Regin, der durch einen Soldaten von der Abmachung erfahren hatte, war erzürnt. So lange er hier an Bord war, würde er nicht nur unter Deck eingekerkert sein; auch seine Männlichkeit war verschlossen. Und alle anderen trieben es auf dem Schiff wie die Karnickel! Das wurmte Regin so sehr, dass er allen den Tod wünschte. Besonders natürlich Leda. „Und das alles für ein paar Schluck Wasser!“

Genauso erbost war Honos, der noch von keiner Frau auserwählt worden war. Er hasste alle Weiber an Bord dafür, dass er, der Majordomus persönlich, noch immer verschlossen war. In diesen Tagen hockte er oft unter Deck bei dem Gefangenen Regin. Was die beiden Männer sich erzählten, erfuhr niemand. Nach und nach gesellten sich noch einige weitere Kerle dazu. Den anderen Mannschaftsmitgliedern schien es, als brütete die Runde eine Verschwörung gegen die Schiffsführung aus. Aber dazu gingen nur wage Gerüchte durchs Schiff.

Abas saß in der Hocke. Seine Oberschenkel brannten wie das Feuer in der Unterwelt. Aber diese verfluchten Riemen ließen ihn nicht aufstehen, ohne dass er sich sein Gemächt in die Länge zog. Um den Hals trug er einen breiten goldenen Halsreif mit Megaras Namen. Sein Luststab war in eine metallene Röhre eingelassen und dort gefangen. Fast ständig war sein „Schwert“ hart und groß und füllte die Röhre aus. Doch eine Erlösung war unendlich weit entfernt. Stattdessen musste er sich wie ein Schoßhündchen vorführen lassen und wurde von den jungen Hofdamen ausgelacht wie ein Narrenkönig. Megara forderte endlose demütigende Spielchen. Sie ließ ihn wie ein dressiertes Tier hüpfen oder durch einen Reifen springen, bellen, quieken, miauen, gackern, quaken oder muhen. Ihre sadistische Kreativität schien keine Grenzen zu kennen.

Heute Abend waren die Edelfrauen bei einem großen Festbankett im Palast und schlemmten und tranken nach Lust und Laune. Aufgetakelt und behängt mit allerlei blitzendem Tand präsentierten sie ihren Reichtum. Die Kleider und Geschmeide der Ladys mussten ein Vermögen wert sein. Eine Zeitlang war bei den Damen in Mode, den Wert ihrer Besitzungen in Sklavenleben anzugeben: Dieses Kleid war 30 Sklavenleben wert, jenes Geschmeide gar 50; und das neue Diadem der Senatorin schätzte die Gesellschaft auf 150 Sklavenleben. Doch seit der Wert der Leibeigenen wegen der Schwemme der Kampfsklaven stark gefallen war, wollte sich keine Lady mehr mit diesem Vergleich brüsten. Außerdem gab es Sklaven unterschiedlicher Preiskategorien, wie Flagella, die bekannteste Sklavenhändlerin der Metropole, einmal bei Stadthalterin Fama erläutert hatte.

Die Damen in Megaras Prachtanwesen war dies jedoch egal. Sie vergnügten sich heute bei dem opulenten Mahl und dem in enormen Mengen fließenden, teuren Wein. Und natürlich hatte Megara die Lacher auf ihrer Seite, wenn sie ihr „Schoßhündchen“ Abas vorführte. Zum Höhepunkt des Festes gab es eine ganz besondere Darbietung: Megara erlaubte ihrem Lustnarren sich an einem Tischbein zu befriedigen, klatschte dazu in die Hände, damit eine Wächterin dem Königsgemahl das Rohr um dessen bestes Stück abnahm, und wies ihn an: „Los, geh zum Tisch. Melke dich, wir wollen deinen Samen sehen!“ Die Gesellschaft lachte ausgelassen und staunte trotzdem, als Abas tatsächlich zum Tisch kroch und ohne seine Hände zu benutzen, seine Lenden an dem Holzbalken rieb.

Was war das für ein Vergnügen. Durch seine „Glockenfessel“ war es schwierig, und Abas zog sich immer wieder sein Gemächt in die Länge. Die Edeldamen prosteten sich stürmisch zu, dass der Rotwein nur so überschwappte. Sie wischten sich ganz und gar undamenhaft mit dem Ärmel das Kinn sauber und grölten vor Begeisterung wie niedere Mägde. Eine Gruppe Damen trieb Abas begeistert mit Anfeuerungsrufen an. Abas schwirrte der Kopf. Er verzerrte sein Gesicht, als er besonders stark an seinen „Juwelen“ riss. Er konnte nicht klar denken, aber das schon seit Tagen nicht. Oder waren es Wochen? Alles kreiste in seinem Kopf um das Eine: um den unbändigen Wunsch nach Erlösung. Sein Umfeld nahm er kaum wahr. Irgendwo in seinem Kopf drängte ihn etwas, aufzuhören, sich zu verweigern, aber der Gedanke verschwamm wie in dichtem Nebel.

Ehre, Würde, Stolz… Er war… wer war er? Was war er? Was tat er da gerade? Viele Fragen wirbelten ihm durch den Schädel und zerschlugen sich gegenseitig. Er war eines klaren Gedankens einfach nicht fähig. Er wusste nur eines: Er hatte jetzt die Möglichkeit seinen Samen zu ergießen. Und er durfte seine Hände nicht benutzen. Eine mächtige Stimme hatte es verboten! Und er musste sich daran halten! Es war wie ein eisernes Gesetz! Er…. Oh, wie spürte er seine Lust, sie wurde so groß, so mächtig, so überwältigend…. Jaaaa, er rubbelte schneller und schneller …Stimmen… viele Stimmen, Rufe, Geschrei und Gebrüll…. Was wollten sie? Egal, Abas war kurz vor der Entladung….

Und dann strömte es pulsierend wie Wasser aus einem Geysir. In seinem Schädel schien ein Feuerball zu platzen. Sein gesamter Leib zitterte und wurde heiß und wohlig. Abas hörte im Hintergrund dumpfe Stimmen, wieder diese Stimmen… Gelächter? Oh, es war so schön gewesen… Schön, wie mit… wie hieß… war da früher jemand? Abas Gedanken wurden von dem lauter werdenden Gebrüll und Gekicher niedergewalzt. Doch dann fiel er in einen tiefen schwarzen Abgrund…

Für ihn war die Feier beendet, aber einige Fräuleins hatten sich noch lange nicht genug verlustiert. Sie riefen einen Diener herbei und zogen ihn aus. Dem jungen Mann war die Angst ins Gesicht geschrieben, als mindestens sechs Hände nach ihm griffen und an ihm herumzupften. Zwei Fräuleins fesselten ihn an einen Pfosten und gaben ihm einen Krug mit Wein zu trinken. Nach einer kleinen Pause folgte der zweite Krug, während eine der kecken Damen die Männlichkeit des Opfers mit einer Seidenschnur kunstvoll zuschnürte. Kichernd verspotteten sie den Jüngling. Schon kam ein Fräulein mit einem weiteren Krug Wein herbei. Die nächsten Stunden waren äußerst amüsant. Sie genossen das Betteln und Flehen und ergötzten sich an den Verrenkungen des Gefesselten.

Nach einer Weile schritt eine Dame ein. „Das ist ja nicht zum Aushalten! Ich werde den Knaben nun knebeln.“ Mit aufgerissenen Augen und heftigem Kopfschütteln reagierte das Opfer, was nur zu weiterer Häme führte. Seine um Gnade und Erlösung flehenden Laute versanken nun im Stoff, den die Damen ihm in den Mund gestopft hatten. Seine zitternden Bewegungen wurden immer wilder und sein Kopf ruckte von einer Seite auf die andere. Hilflos und verzweifelt versuchte er sich zu erleichtern, doch die Seidenschnur erlaubte es nicht. Kichernd und Witze reißend über die erbärmlichen Befreiungsversuche des Dieners standen die empathielosen jungen Ladys um ihn herum und amüsierten sich köstlich.

Lykos war mit anfänglichem Misstrauen von den „Vogelfreien“ aufgenommen worden. Zunächst hatten die Männer ihn für einen Spion gehalten, doch was sollte einen Sklaven noch loyal halten, wenn er praktisch frei in den Wäldern war? Die Angst vor Entdeckung und Gefangennahme… Aber Lykos überzeugte die unfreiwilligen Waldbewohner. Als er mit verbundenen Augen zu ihrem streng geheimen Hauptquartier geführt wurde, staunte er nicht schlecht: Sehr gut getarnte Unterkünfte waren teilweise unter der Erde, an Abhängen oder sogar versteckt in Baumkronen errichtet worden. Der ehemalige Hauptmann konnte es kaum glauben, bereits mitten im „Dorf“ der Vogelfreien zu stehen, denn von alleine wäre er an den Behausungen einfach vorbeigegangen, ohne sie zu bemerken.

Er wurde schnell in die Gemeinschaft aufgenommen. Als erstes erhielt er neue Kleidung. Es waren zwar nur sehr einfache und grobe Hosen und ein alter Wams mit einigen Mottenlöchern, doch das war viel besser als nur ein Feigenblatt. Sein Tag bestand aus verschiedenen Aufgaben: Beeren sammeln, jagen (die Männer hatten sich Pfeil und Bogen gebaut und besaßen mehrere Dolche und sogar erbeutete Schwerter und Lanzen), Reparaturarbeiten an den Unterkünften, Mahlzeiten zubereiten, Späherdienste, nähen, waschen und einiges mehr. Bald hatte er das Gefühl genauso viel zu schuften wie bei Venus und Dione, aber er fühlte sich frei dabei. Das war die Hauptsache. Und vor allem: Er trug keinen Keuschheitsgürtel mehr und konnte seine Männlichkeit so oft berühren, wie er wollte.

In den ersten Tagen suchte er sich dafür mehrmals einen stillen Ort und genoss seine wieder gewonnene Freiheit. Besonders schwelgte er dabei in der Vorstellung, dass der verhasste Bran nun für immer verschlossen blieb, was Lykos eine große Genugtuung bot. Zum Zeichen seines Triumphs über den Nebenbuhler trug er dessen Schlüssel an einem Lederbändchen auf der Brust. Das einzige, was er vermisste, war ein Weib. Doch die Vogelfreien waren ausschließlich Recken. Mit Schildmaiden kamen sie nur im Kampf in Kontakt, wenn sie eine kleine Jagdgruppe in einen Hinterhalt lockten und sie beraubten.

Lykos grübelte darüber nach und da kam ihm die Vorstellung in den Sinn, ob sich schon je jemand an den Reiterinnen vergangen habe. Schließlich war die Versuchung groß. Der Anführer des Dorfes beantwortete ihm die Frage. „Nein, wir haben einen Ehrenkodex, der verbietet jegliche unnötige Gewalt. Wir nehmen ihnen nur die Wertsachen und Pferde; dann lassen wir sie laufen.“ Von solchen Überfällen rührten die Schwerter her. Und auch einige Rösser waren in ihrem Besitz.

Megara erreichte über einen Briefraben die Botschaft aus dem Osten, dass zahlreiche „Vogelfreie“ in den großen Wäldern lebten, und bereits für mehrere Überfälle verantwortlich waren. Die Herrscherin tobte vor Wut. „Das muss ein Ende haben! Das ist ja unglaublich! Die jungen Damen möchten eine fröhliche Jagd veranstalten, und statt vergnüglich Sklaven zu erbeuten, werden sie ausgeraubt! Schreibt der Statthalterin der Metropole, sie möge sofort dagegen vorgehen! Das ist ein unhaltbarer Zustand! Wo kommen wir denn da hin? Wenn Vogelfreie machen, was sie wollen?“

Ein Briefrabe flog kurze Zeit später in östlicher Richtung davon, um Fama zu unterrichten. Die Befehle der Tyrannin waren unmissverständlich: Entweder rollten die Köpfe der Gesetzlosen, oder ein anderes Haupt senkte sich über den Richtblock… Famas Laune war am Boden, als sie die herrschaftliche Botschaft gelesen hatte. Sie warf das kleine Pergament in den brennenden Kamin. Wie sollte sie diese Bande von Aufrührern schnappen? Was glaubte Megara denn? Es waren schon mehrere Expeditionen erfolglos aus den Wäldern heimgekehrt. Kleine Einheiten gerieten in geschickte Hinterhalte, große Truppenverbände fanden einfach nichts und niemanden.

Die Stadthalterin kommandierte augenblicklich die höchsten Duxas herbei und befahl ihnen, sich um das Männerproblem zu kümmern. Den Einwand, dass der Wald zu viele Versteckmöglichkeiten bot, und die Suche der nach der berühmten Nadel im Heuhaufen glich, ließ Fama nicht gelten. „Dann räuchert sie aus! Brennt von mir aus den gesamten Wald nieder! Stecht in jeden Busch und senst jedes Kraut ab, aber bringt mir diese Kreaturen! Am besten lebendig! Sie sollen dafür büßen, mir solche Umstände gemacht zu haben! Und noch etwas: Sollte ich nicht bald hören, dass die Bande ausgerottet ist, rollen hier Köpfe!“

Auf der Victory Quest sichtete der Ausguck Land: eine Insel am Horizont. Bald war das Schiff so nah, dass die Mannschaft die dichte Vegetation erkennen konnte. Es gab Früchte in großer Auswahl, einen Fluss, der ins Meer mündete – also wohl auch eine Süßwasserquelle – und endlos viel Holz. Sogar kleinere Tiere waren zu sehen. Ein Paradies! Hier ließ es sich völlig autark leben. Leda träumte von einem Ort, an dem sie heimisch werden konnte. Und diesen Traum hatten mit ihr auch viele der Männer und Frauen an Bord. Sie waren die lange Schiffsreise satt. Der Westkontinent hatte sich als feindlich herausgestellt.

„Trotzdem sollten wir eine zweite Landung an der Küste wagen, Majestät“, schlug Thrym vor. Leda überlegte: „Wir werden zunächst eine Unterkunft auf dieser Insel bauen und sie für uns urbar machen sowie uns bei dieser Gelegenheit versorgen. Dann segeln wir nach Westen.“ Die Berater Thrym und Hagbard nickten ihrer Königin zustimmend zu. „Ein Teil der Mannschaft bleibt solange auf der Insel und kultiviert das Land, sammelt Erfahrung und baut Unterkünfte. Sollten wir am Festland keinen Erfolg haben, werden wir uns auf die Insel zurückziehen.“

Das Eiland wurde „Ledas Paradies“ getauft. Es übertraf alle Erwartungen. Eine Bucht bot einen perfekten natürlichen Hafen, der Strand war leicht zugänglich, es gab exotische Früchte und Beeren, Kokosnüsse und ganze Herden kleiner Tiere, die sich leicht fangen und braten ließen. Die Mannschaft baute Hütten, einen Viehkral, reparierten das Schiff und ergänzten die Vorräte.

Dann kam der Tag, an dem Leda entschied, wer auf der Insel blieb, und wer einen zweiten Vorstoß an den Westkontinent wagte. Sie entschied sich für die kriegerisch ausgebildeten Personen: die 28 Soldaten, die drei Gardistinnen sowie die acht Gardisten, Honos und Hagbard. Thrym dagegen sollte das Kommando auf „Ledas Paradies“ übernehmen und die Arbeiten an Land koordinieren. Bei ihm waren der Zimmermann, der Schmied, der Medikus, der Schneider, der Jäger, der Stallknecht, Ledas zwei Zofen, die Köchin, die zwei Mägde, die zwei Knechte und drei Diener sowie der noch in Eisen geschlossene Regin.

Thrym war einerseits geehrt, die Inselbewohner anführen zu dürfen, doch andererseits war nun kein Weib mit Keuschheitsschlüsseln anwesend. Was war, wenn die Victory Quest havarierte? Wenn die Expedition nie wieder kehrte? Leda ließ sich allerdings auf keinen Kompromiss ein. Die Kiste mit den Schlüsseln verblieb in der Kapitänskajüte. „In wenigen Wochen sind wir zurück“, versprach Leda. Sie hoffte es nur. Doch sie sagte es so bestimmt, als sei dies eine unbestreitbare Tatsache.
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:21.06.20 16:26 IP: gespeichert Moderator melden


An Deck der Victory Quest mühten sich mehrere Matrosen an der Winde ab und hoben den schweren Anker. Die Kette wickelte sich rasselnd auf der großen Trommel auf, und andere Männer setzten die Segel, so dass sie aus der Bucht segeln konnten. Nach einigen Stunden waren sie am Horizont verschwunden. Die Inselbewohner sahen dem Schiff mit gemischten Gefühlen nach. Dann ging es an die Arbeit, die Thrym verteilte. Das Eiland musste urbar gemacht und Unterkünfte sollten gebaut werden.

Einige Tage waren auf offener See vergangen. Weit südlich von der Stelle, in der sie angegriffen worden waren, kam Land in Sicht. Leda stand auf dem Achterdeck und beschattete ihre Hand, während ihre Haare im Wind zerzausten. „Jetzt wird sich zeigen, ob die Einheimischen hier auch so unfreundlich sind…“ Nirgends war eine Festung oder eine Siedlung zu erkennen. Also ankerte die Victory Quest und fierte ein Boot ab. Der Erkundungstrupp aus vier Soldaten und einem Gardisten machte sich rudernd auf den Weg zum Strand.

Dabei war es für das kleine Boot gar nicht so einfach, über die Brandung zu kommen, ohne zu kentern. Spitze Felsen erhöhten die Gefahr noch. Im seichten Wasser der Bucht war die Wasseroberfläche dafür umso ruhiger. Doch plötzlich kam Unruhe auf im Boot. Leda und Hagbard beobachteten das Geschehen vom Achterdeck aus. Was war da los? Und dann sahen sie die Angst erregenden langen Drachentiere, die auftauchten und das Boot angriffen. Auch vom Strand kamen sie herbei. Sie krabbelten auf kurzen Beinen ins Wasser. Ihre langen Schw***nze waren gepanzert, und ihr großes Maul steckte voll gefährlicher scharfer Zähne.

Die Monsterwesen attackierten das Boot und ließen es erbeben und schaukeln. Die Männer schlugen mit ihren Rudern um sich und stachen mit einem Enterhaken ins Wasser, aber die Kreaturen schien das nicht zu beeindrucken. Beinahe fiel ein Soldat ins Wasser! Leda unterdrückte einen Aufschrei. Jetzt verbiss sich ein Untier in das Boot! Holz splitterte. Die Kapitänin fieberte an Deck des Schiffes mit ihren Kameraden. Ihre Untertanen waren längst so etwas wie Brüder und Schwestern geworden – zumindest insgeheim. Nur nach außen war sie noch die autoritäre Königin.

Leda wusste später nicht mehr genau, wie die nächsten bangen Minuten abgelaufen waren. Auf jeden Fall erreichte das Boot mit Müh das Schiff. Die Männer wurden immer noch von den grünlichen Bestien angegriffen. Weite, offene Mäuler schnappten blitzschnell nach den Seeleuten. Die Leute an Bord des Schiffes schossen mit ihren Bögen nach den Urtieren. Wie durch ein Wunder gelang es allen Personen so gut wie unverletzt an Bord zu klettern. - Schließlich ließen die schwimmenden Drachen auch von dem Boot ab und verschwanden in der Tiefe. Später tauchten sie weit entfernt am Strand wieder auf.

Leda rätselte stirnrunzelnd. „Was waren das für Untiere? Keine Fische und keine Echsen. Drachen ohne Flügel? Irgendwas aus der Hölle! Wir können hier unseren geplanten Landgang wohl vergessen.“ Hagbard nickte. „Vielleicht sollten wir den Westkontinent einfach abhaken. Die Götter wollen nicht, dass wir dort unser Heim finden. Lasst uns zurück zu Ledas Paradies fahren.“ Leda sah ihn überrascht an. „Ach so“, sie schmunzelte begreifend. Die Insel - sie war ja nach ihr benannt. „Ja, fahren wir nach Hause.“ Der Steuermann erhielt das Kommando, den Kurs zu dem Eiland zu setzen. Die Offizierinnen machten den Männern Beine, damit die Victory Quest schleunigst lossegeln konnte.

Inzwischen hatte es Thrym auf der Insel schwer. Die Männer, die mittlerweile gewöhnt gewesen waren, wenigstens ab und zu aufgeschlossen zu werden, murrten den ganzen Tag über ihre Keuschheit. Besonders Tartaros, der Schmied, zeigte seinen Groll ganz offen. Der Jäger und der Zimmermann waren so intensiv mit der Arbeit ihrer Unterkünfte und der Nahrungssuche beschäftigt, dass sie eher andere Gedanken beschäftigte. Aber Tartaros brachte bald auch den Stallknecht und einen Diener auf seine Seite. Und auch auf der Victory Quest nörgelte Honos über sein abstinentes Schicksal. Doch keine der Frauen wollte ihn haben. Und auch Leda wollte ihm da nicht helfen: „Du weißt, wie die Regeln sind. Wenn du eine Dame überzeugen kannst… Solange das nicht der Fall ist…“ Sie hob ihre Schultern.

Leda wählte fast jede Nacht ihren wohlgebauten Gladius, um ihre Koje zu wärmen; die drei Gardistinnen wechselten ihre Bettgefährten jede Nacht und wetteiferten darum, wer die meisten Kerle zwischen ihren Laken hatte. Auch Hagbard kam bereits drei Mal in den Genuss, bei einer Offizierin liegen zu dürfen. Außer Honos war auch einer der Soldaten bisher stets verschlossen geblieben. Der Mann war ein leichtes Opfer für Honos´ Ränkespiel. Er stachelte ihn an und trieb seine Wut über sein unerfülltes Verlangen in immer weitere Höhen. Die Männer redeten sich gegenseitig in Rage.

Die Königin erwartete auf Ledas Paradies eine Hiobsbotschaft: Am Tag, als die Victory Quest in die Bucht von „Ledas Paradies“ einlief, standen einige Personen am Strand. Ein kleines Boot kam zum Schiff gerudert. Darin saßen Thrym und die beiden Knechte. Thrym hatte eine unangenehme Mitteilung zu verkünden. „Majestät, es tut mir Leid, aber eine Gruppe Männer ist vom Lager aufgebrochen und verweigert alle weitere Zusammenarbeit mit uns. Die Meuterer haben sogar Waffen gestohlen. Irgendwo im Hinterland der Insel haben sie sich verschanzt.“

Jeder konnte Leda ihren Schrecken ansehen. Sie hatte gedacht, dass sie auf dem Eiland in Frieden leben könne. Nun gab es eine meuternde Gruppe, die sich abgesondert hatte. Doch Ledas Entschluss stand fest. Sie blieb auf dieser Insel. „Wir werden zur Sicherheit die Victory Quest verbrennen, bevor die Meuterer sie kapern.“ Thrym, Hagbard und Honos sahen ihre Königin an. Sie meinte es wirklich ernst. Sie wollte den Rest ihres Lebens auf der Insel verbringen. Trotzdem fragte die Majestät ihre Untertanen nach deren Meinung. Die Abstimmung ergab eine große Mehrheit dafür, das Schiff auf den Meeresboden zu schicken. Niemals sollte es in die Hände der Verräter fallen.

In den nächsten Tagen machte die Siedlung große Fortschritte. Jeder hatte sich eingerichtet. Es gab ein improvisiertes Lazarett, eine Waffen- und eine Speisekammer. Und Leda hatte ein etwas größeres und bequemeres Refugium für sich, das einer Anführerin würdig war. Es lag auf der Kuppe eines Hügels im Zentrum der neuen Siedlung. Von den drei Meuterern gab es weiterhin keine Spur. Besonders von Tartaros war Leda enttäuscht, hatte sie ihn doch stets als loyal eingeschätzt. Ebenso waren ein Diener und der Stallknecht verschwunden. Doch damit nicht genug: Einen noch größeren Schock bekam Leda, als plötzlich auch Honos und zwei Soldaten nicht mehr auftauchten. Und, als sei das nicht schlimm genug, war auch der Gefangene Regin fort – befreit von seinen Fesseln.

Leda setzte sich mit Thrym und Hagbard zusammen: „Es haben also sieben Männer Verrat begangen. Sie haben Waffen und sind hier irgendwo auf der Insel.“ Die Berater nickten nachdenklich. Die Situation war nicht ungefährlich. Sie mussten sich etwas einfallen lassen. Hagbard grübelte und tippte sich ans Kinn. „Früher oder später müssen sie Kontakt mit uns aufnehmen. Sie sind immerhin noch alle in Keuschheitsgürteln eingesperrt.“ Thrym nickte. „Ja, wir sollten die Victory Quest noch heute verbrennen. Dann gibt es kein Zurück.“ Leda war einverstanden. Sie stimmte dem Plan zu.

Allerdings knüpfte Thrym daran die Garantie, dass jeder Mann zukünftig regelmäßig für eine Zeitlang aus seinem Keuschheitsgürtel erlöst werden sollte. Nach langem Zögern stimmte Leda zu. Sie wollte nicht zur gnadenlosen Tyrannin mutieren. Dies sollte das erste Gesetz auf der Insel sein. Noch in dieser Nacht brannte die Victory Quest lichterloh und senkte sich auf den Grund der Bucht. Und Thrym, der immer noch kein Weib gefunden hatte, die Gefallen an ihm gefunden hätte, erhielt für eine Stunde den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel. „Danke, meine Majestät“, nahm er die Leihgabe entgegen und verschwand in seiner Behausung, um sich Erleichterung zu verschaffen.

In der Hauptstadt von Megaria gab es einen kleinen Tumult auf dem Marktplatz. Ein Sklave, der Einkäufe für seine Herrin machen wollte, wurde nicht bedient. Er beschwerte sich lauthals, als sich wieder und wieder Damen vordrängelten. Die Marktfrau keifte: „Sei gefälligst ruhig! Oder ich rufe die Ordnungshüterinnen! Solange hier noch Ladys stehen, hast du zu warten!“ Der Sklave sagte schon etwas kleinlauter: „Aber das sind jetzt nur noch Mägde.“ Außerdem würde er eine Strafe von seiner Herrin bekommen, wenn er zu spät heimkehrte.

Die Marktfrau griff nach einer kurzen Peitsche mit geknoteten Lederriemen und holte aus, um sie dem Sklaven über den Leib zu klatschen, doch der Mann duckte sich und rempelte dabei eine Magd an. „Das ist ja wohl die Höhe!“, rief das Weib und stemmte ihre Hände in die Hüfte. Der Sklave, der bei der Aktion das Gleichgewicht verloren hatte und auf dem Hosenboden gelandet war, beeilte sich, um vor der Magd niederzuknien: „Verzeiht vielmals, meine Dame, aber das wollte ich nicht.“ Die Marktfrau schüttelte verständnislos den Kopf. „Soll ich die Ordnungshüterinnen rufen?“ Die Magd, die die furchtbare Angst in den Augen des Sklaven sah und Mitleid empfand, schüttelte den Kopf: „Nein, das wird nicht nötig sein. Es war meine Schuld.“

Der Leibeigene sah überrascht zu ihr auf. Hätte die Magd ihn angezeigt, so wäre ihm eine scharfe Prügelstrafe von den Uniformierten sicher gewesen. Anschließend womöglich noch mehrere Stunden im Pranger… Danach wäre er wegen seiner späten Rückkehr von seiner Besitzerin erneut gezüchtigt worden. Ganz zu schweigen von der Strafe, die er wegen des Ärgers mit der Staatsmacht bekommen hätte. Und den Einkauf hätte er auch nicht erledigen können. Also wäre die nächste Strafe fällig gewesen.

Der Sklave verbeugte sich tief und dankte der Magd. Die Marktfrau raunzte ihn an: „Jetzt mach aber, dass du Land gewinnst!“ Die Magd hielt den Leibeigenen am Arm fest und fragte ihn: „Was sollst du besorgen?“ Der Mann antwortete kleinlaut. Was hatte die Magd vor? Die Frau bestellte das Gemüse und die Kartoffeln, den Sack Zucker und die Vanillestangen, die der Leibeigene kaufen sollte. Dann überreichte sie ihm die Waren. Er gab ihr die Münzen, die die Lebensmittel kosteten und bedankte sich überschwänglich. Dankbar und erleichtert machte er sich eilig auf den Heimweg. Hoffentlich wartete die Herrin nicht schon ungeduldig! Die Magd sah ihm gedankenverloren hinterher. Was für ein süßer Jüngling er doch war!

Als der Sklave bei seiner Besitzerin ankam, war er nassgeschwitzt und außer Atem. Seine Beine und seine Lunge brannten von dem anstrengenden weiten Lauf. Seine Eigentümerin fauchte ihn an. „Wo bleibst du? Du hast getrödelt! Deine Faulheit wirst du bereuen! Bring die Einkäufe in die Küche und komm zurück.“ Der Leibeigene gehorchte sofort. Er verzichtete auf eine Erklärung, denn die hätte die Herrin eh nicht hören wollen und ihm noch mehr Ärger eingebracht. Sie rief laut nach ihrer Magd. „Bring den Rohrstock mit!“ Die Bedienstete lief eilig in die Kammer, wo auch einige Züchtigungsinstrumente lagerten und holte den Stab, der immer frisch gewässert bereit stand.

Die Dienerin wusste genau, wie sehr er biss, denn die Herrin hatte ihn bereits auf dem Po der Magd tanzen lassen. Das kam zwar selten vor, aber die Erinnerung daran war bei dem jungen Weibe noch lange nicht verblasst. Heute würde sie am anderen Ende des Stockes stehen und die Hiebe austeilen. So machte es die Herrin, wenn sie nicht selbst Lust dazu hatte, die Strafe auszuführen. Perfide daran war, dass sie genau wusste, dass sie hart zuschlagen musste, denn jeder Hieb, der der Herrin nicht gefiel, würde anschließend auf ihrem eigenen Hintern nachgeholt werden. Der Sklave hatte sich bereits mit entblößtem Gesäß voller Gleichmut über ein Fass gelegt. Es stand ihm nicht zu, zu bewerten, ob er die Züchtigung verdient hatte. Bald würden dumpfe Schreie aus dem Haus dringen, obwohl die Herrin dem Leibeigenen einen alten Lappen zwischen die Kiefer gedrückt hatte. Bevor die Maßregelung begann, erschienen die herbeigerufenen übrigen vier Sklaven der Dame. So war es Sitte. Auf ein Nicken der Gebieterin stellte sich die Magd in Positur und visierte das nackte Sitzfleisch an.

Die Stadthalterin Fama hielt eine Tasse Tee in ihren gepflegten Händen und sah in den wunderschönen Garten ihres Anwesens. Im Palast der Metropole regierte sie nur. Auch der Senat tagte dort. Privat zog sie sich lieber in ihr großes Domizil zurück. Sie stutzte und ging nah an die Scheibe. Sie öffnete das Fenster aus Buntglas und starrte zu einem weit entfernten Kirschbaum. Ihr Mund öffnete sich, aber sie blieb stumm. Statt zu rufen, stellte sie die Tasse ab und eilte in die Parkanlage. Mit fliegendem Gewand hastete sie den Weg entlang und kam immer näher. Sie hatte doch richtig gesehen! Das konnten wieder nur Vesta und Aurora angestellt haben!

Die Stadthalterin sah den am Baumstamm gefesselten Sklaven, splitternackt und geknebelt und… Was war denn das!? Fama atmete scharf durch die Nase ein. Dann schloss sie die Augen. Sie öffnete sie wieder. Aber sie sah es wieder: Jemand hatte dem Sklaven Honig auf seine Männlichkeit gegossen. Schnell machte sie weitere Schritte auf den Leibeigenen zu und wollte die Fliegen verscheuchen, die sich an ihm gütlich taten. Doch sie waren fast alle tot und klebten im süßen Aufstrich fest. Dafür bahnten sich schon Käfer und Ameisen ihren Weg, die Beine des Gefesselten hoch.

Sie ging zurück ins Haus. Der Sklave murmelte verzweifelt in seinen Knebel. Das würde ein Nachspiel haben. Ihre Töchter brauchten endlich Prügelsklaven! Dann würde sie solche Streiche hart bestrafen lassen. Sie rief nach der Majordoma. Sie sollte sich mit einem Sklavendiener um das Problem im Garten kümmern und die Beleidigung für ihre Augen entfernen. Erschöpft fiel Fama auf einen großen Diwan mit aufwendiger Stickerei und schnippte mit den Fingern, damit ein Haussklave ihr ein Fußbad brachte und ihre geschundenen Füße massierte.

Die Stadthalterin rieb sich die Stirn. Jetzt brauchte sie erst mal Ruhe. Der Tag war schon anstrengend genug gewesen. Vormittags waren die Steuereintreiberinnen mit zu wenig Münzen in den Palast gekommen und hatten sich eine scharfe Strafrede von ihr anhören müssen. Fama hörte immer die gleichen Ausreden: Die Damen hatten nicht mehr genug zu essen für ihre Sklaven, und deshalb würde deren Arbeitsleistung geringer. Fama stöhnte bei dem Gedanken und murmelte: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“ Die Peitsche war noch immer der stärkste Ansporn.

Am Nachmittag war dann ein Trupp Eintreiber mit zwei Sklaven als Pfand gekommen. Die Anführerin hatte erzählt: „Wir haben gedroht einem Sklaven als Pfand sein Gemächt zu pfänden, aber die Besitzerin quengelte solange, bis wir zwei andere Sklaven von ihr mitnahmen. Sie meinte irgendwas von wegen Lieblingssklaven, der auch ihr Bettgefährte sei…“ Fama hatte die Anführerin angeschrieen: „Das ist aber der Sinn der Pfandaktion. Wenn wir Dinge mitnehmen, die nicht von Wert sind, bekommen wir nie die Abgaben zusammen. Schaut euch doch diese ausgemergelten Gestalten an!“ Eingeschüchtert und innerlich kochend hatte die Steuereintreiberin die Stadthalterin verlassen. Inwieweit sie nun nachträglich noch tätig geworden war, wusste Fama nicht. Sie hoffte nur, dass bald auch die noch fehlenden Beträge zusammenkamen. Sie hatte mit Megara schon genug Ärger wegen der Vogelfreien. Da brauchte sie nicht noch ein Defizit bei den Abgaben.

Als die Sonne bereits tief stand war dann endlich mal eine gute Nachricht gekommen: Ein Trupp, der das Gebiet der Vogelfreien auskundschaften sollte, kam mit einem Gesuchten zurück. Den Mann, ein ehemaliger Kürschner, hatten sie mit einer Schlingfalle gefangen. Die Uniformierte hatte stolz berichtet: „Wir hatten an Stellen mehrere Fallen ausgelegt, an denen wir Pfade der Männer vermuteten. Und tatsächlich: Bald schon ging uns einer der Kerle ins Netz. Er muss schon eine Weile in der Fußschlinge gehangen haben, denn sein Kopf war ganz rot. Aber er wollte uns nicht verraten, wo die geheimen Verstecke der Vogelfreien sind. Also haben wir ihm seine Kleidung vom Leib geschnitten und ihn mit scharfer Klinge am gesamten Körper rasiert. Doch auch das konnte ihn nicht zu einem Geständnis bringen. Er ist jetzt im Kerker. Was soll mit ihm geschehen? Wollt ihr ihn der peinlichen Befragung unterziehen, Hohe Stadthalterin?“ Fama hatte zum ersten Mal an diesem Tage gelächelt. „Führt mich zu ihm.“

Sie befahl, den Mann an den Armen aufzuknüpfen und ein Gewicht an sein Gemächt zu hängen. Jede Stunde sollte es erhöht werden. Recht lange wehrte der völlig haarlose Mann sich mit aller Willenskraft. Doch gegen Abend war es dann soweit. Fama wurde in den Kerker gerufen. Sie staunte nicht schlecht, welch monströse Last mittlerweile an dem Vogelfreien baumelte. Das er noch nicht entmannt war, war ein Wunder. „Ich sage alles“, sagte er heiser und stöhnte laut. Fama gab der Wächterin einen Wink, die das Gewicht entfernte. Wieder stöhnte der Mann laut auf. Zur Überraschung der Frauen war sein Luststab verhärtet. Fama presste ihre Lippen zusammen: „So was! Bringt dem Lustmolch Manieren bei!“ Sie schritt stechenden Schrittes aus dem Kerker. Hinter ihr hörte sie die klatschenden Geräusche der Peitsche und dumpfe Schreie des Gemarterten.

Als sie schließlich zurück in den Kerker kam, und dem Mann mit weiteren Befragungen drohte, gab er sich geschlagen und das Versteck der Vogelfreien preis. Nun ließen die Wächterinnen den Gefangenen hinab. Schlaff und kraftlos fiel der Mann auf den harten Boden aus dünn mit Stroh bestreutem Fels. Eigentlich ein zufriedenstellendes Ende. Doch bei Fama überragte der Ärger des Tages. Erst das ganze Theater mit den Steuern, dann der Gefangene, der es gewagt hatte, sie mit einem steifen Liebesdolch zu begrüßen… Und dann noch Aurora und Vesta, diese Früchtchen! Sie hatte für heute wirklich genug Ärger gehabt! Wenn jetzt irgendein Sklave ein falsches Wort sagte… Und außerdem würde sie dem Mann morgen wieder die Gewichte anhängen lassen! Nur zur Sicherheit. Sie musste schließlich gewiss sein, dass er auch die Wahrheit gesprochen hatte. Bei dem Gedanken kehrte ihre gute Laune zurück. Auch ihre massierten Füße trugen zu ihrem Wohlbefinden bei. Sie lehnte sich zurück und schnippte mit den Fingern: Das Dinner sollte aufgetragen werden.





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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:28.06.20 16:17 IP: gespeichert Moderator melden


Am nächsten Tag schickte die Stadthalterin einen Truppenverband in den Großen Wald, der das von dem Gefangenen angegebene Gebiet umzingelte. Dann legten die Uniformierten breitflächig Feuer im Unterholz. Bald loderten die zischenden Flammen hoch bis in die Wipfel der Bäume und fraßen sich wie Drachen der Unterwelt immer weiter in den Wald hinein. Die Feuerwand brannte und wütete brüllend auf die Siedlung der Vogelfreien zu, und es gab für die Männer kein Entkommen. Sie waren eingekreist von einer heißen und tödlichen Glutwalze und einer Armee von armierten und gerüsteten Soldatinnen, die lediglich zu warten brauchten, dass der Pöbel heraus gerannt kam.

Die Frauen freuten sich schon auf die panischen Männer, deren Kleidung vermutlich verbrannt sein würde. Die entflohenen Sklaven würden der Henkerin übergeben. Die anderen ehemals freien Männer sollten als Arbeitssklaven den Rest ihres kurzen Lebens auf einer Galeere, in einer Mine oder auf einem Feld in schweren Ketten verbringen und damit zum Wohlstand der feinen Damen beitragen. Vogelfreie Gruppierungen sollte es in der Umgebung der Hauptstadt nicht mehr geben. Dieses Gezücht wurde nun ausgerottet.

Eine Soldatin erinnerte sich noch an vergangenen Vollmond, als sie mit einer kleinen Einheit unterwegs war, um für reiche Edeldamen eine Vergnügungs-Jagd zu veranstalten. Dazu hatten sie zehn Sklaven im Wald ausgesetzt. Mit Lassos oder Schleudern wurden die „Beutesklaven“ nach und nach wieder eingefangen. Die hohen Damen hatten im Anschluss mit ihren erlegten Exemplaren posiert: Eine Dame ließ gleich ihre drei Sklaven aufeinander stapeln, um sich bequem auf den Rücken der obersten Trophäe zu setzen. Eine andere Lady stellte ihren Stiefel auf den Kopf des erschöpften Beutesklaven. Andere Beute wurde zu einem Päckchen verschnürt, damit sie mit einem langen Stock transportiert werden konnten. Natürlich waren die Träger ebenfalls Sklaven. Eine Dame schnürte die Füße ihres gefangenen Sklaven an ein Seil und schleifte ihn per Ross hinter sich her.

Nur einen Wunsch konnte die Soldatin den Damen nicht erfüllen: Als Andenken wollten zwei Ladys ihren Fang entmannen. Doch da die Leibeigenen weiterhin als Beutesklaven dienen sollten, wurde ihnen ihr Begehr nicht erfüllt. Schließlich mussten sie die Jagd jede Woche ein bis zwei Mal über sich hergehen lassen. Dabei befanden sie sich ständig auf einem schmalen Grad: Sie durften es den teilweise ungeübten Damen nicht zu schwierig machen – denn die Jagd sollte Vergnügen machen und nicht frustrieren –, aber auch nicht zu leicht.

Die Soldatin freute sich schon darauf, endlich mal selbst das Lasso schwingen zu dürfen. Die Vogelfreien würden eine leichte Beute sein. Die Männer würden in panischer Angst vor dem Feuer auf sie zulaufen. Vielleicht würde sie den einen oder anderen Kerl sogar mit einem schelmischen Hintergedanken vorbeilassen, um ihn in Ruhe jagen zu können. Hin und wieder käme dann ihre Schleuder zum Einsatz, um den Sklaven zu Fall zu bringen. Sie würde sich an den verzweifelten Versuchen weiden, die der Flüchtende unternahm, um zu entkommen. Doch all seine Hoffnung würde umsonst sein. Die Soldatin würde mit ihm spielen, wie die Katze mit der Maus. Und letztlich würde sie den Entkräfteten überwältigen, sein Gesicht in den Staub pressen und zufrieden grinsen.

Die große Fama war derweil nicht so optimistisch, was den Fang der Vogelfreien anging. Sollte der Einsatztrupp versagen, würde sie harte Konsequenzen fordern. – Sie selbst würde einfach ein oder zwei Dutzend billige Sklaven kaufen und Megara als Beweis ihres Erfolges deren Köpfe schicken, um nicht selbst in Verdacht zu geraten, erfolglos gewesen zu sein, denn für Versager hatte die Despotin keinen Platz.

Die Stadthalterin wurde von Geschrei und Gekicher, Schmerzensrufen und Gepolter gestört. Was war denn nun wieder für närrisches Treiben los? Lebte sie denn hier auf einem Jahrmarkt? Sie schritt aus ihrem Raum und folgte den Geräuschen. Der Lärm kam aus dem Südflügel des Anwesens. Fama stieß eine große zweiflügelige Tür auf, hinter der sich eine kleine Halle befand. Und was musste sie sehen? Gerade rief Vesta vergnügt: „Zehn! Der zehnte Treffer! Ich habe gewonnen!“ Vesta und Aurora ritten jeweils auf einem Haussklaven und trieben diese mit einer kurzen Gerte an. Sie beide jagten so offenbar einen dritten Sklaven, dem sie die Hände an die Fußknöchel gebunden hatten. Der nackte Mann musste nun vor den beiden Reiterinnen flüchten. Sein Gesäß, weit in die Höhe gereckt, war mit Striemen übersäht. Aber auch die „Pferde“ zeichneten sich durch ein rotes Hinterteil aus.

Fama stand mit offenem Mund und sprachlos in der Tür. Der gejagte Sklave humpelte in seiner unbequemen Fesselung tief gebeugt an ihr vorbei und flüchtete weiter den langen Gang entlang. Fama kochte vor Wut. „Jetzt reicht es mir! Ihr benehmt Euch nicht wie junge Fräuleins sondern wie kleine dumme Mädchen!“ Vesta und Aurora standen schuldbewusst von ihren Reittieren auf und sahen zu Boden. Fama schrie die verbliebenen Sklaven an: „Raus!“ Die Leibeigenen waren verwirrt und krabbelten auf allen Vieren aus dem Raum. Die Senatorin hielt sich mit ihren Fingerspitzen die Stirn. Sie musste dieses Görenpaar einfach besser unter Kontrolle bringen.

Fama rief nach der Majordoma. Eine halbe Stunde später saßen Vesta und Aurora brav nebeneinander in einem Salon des Hauses. Sie hatten sich neue Kleider angezogen, die langen Haare fein gekämmt und eine Unschuldsmiene aufgezogen. Die Majordoma hatte die drei beteiligten Sklaven über eine lange Strafbank gefesselt. Ihre nackten Hintern ragten nebeneinander in die Höhe. Fama trat hervor und sprach zu den beiden jungen Damen: „So! Jetzt ist Schluss mit diesen Ungehörigkeiten! Ab heute habt ihr beide einen Prügelsklaven! Sobald ihr euch nur die winzigste Kleinigkeit zu schulden kommen lasst, werdet ihr zur Bestrafung antreten! Ist das klar?“ Die Edelfräuleins nickten einvernehmlich.

Als Fama zur Majordoma blickte, stießen sich Vesta und Aurora gegenseitig neckisch mit dem Ellenbogen in die Seite. Auf ein Zeichen der Hausherrin griff die Majordoma nach einer dicken Weidenrute. Auf ein weiteres Signal erhielten die beiden Sklaven an den Außenseiten jeweils 20 Hiebe. Nur mit Mühe konnten die Männer anfänglich ihre Schmerzensrufe unterdrücken. Doch ab dem zehnten Schlag flehten sie um Gnade.

Nach Vollendung der Ahndung wurden sie weggeschickt. Sie rieben vorsichtig über ihr Gesäß, als sie sich trollten. Nun zeigte Fama auf den verbliebenen Mann: „Dieser Sklave war heute am Kirschbaum gefesselt.“ Besonders betont sagte sie: „Und war mit Honig eingeschmiert!“ Sie machte eine Kunstpause. Dann meinte sie: „Und schließlich habt ihr seine Hände und Füße zusammengebunden und eine Jagd veranstaltet. Für dieses Theater setzt es für ihn 30 Hiebe!“ Der Sklave stöhnte auf. Fama sah ihn streng an. „40!“ Die Majordoma nahm Stellung auf und holte aus.

Fama fragte sich, ob die Qualen des Prügelsklavens ein schlechtes Gewissen bei den Gören befeuerte, doch die jungen Damen schienen nicht sonderlich beeindruckt, obwohl die Majordoma sehr hart zuschlug und einen malträtierten Hintern schuf, der Seinesgleichen suchte. Als die Bestrafung zu ende war, mussten Vesta und Aurora ihrer Mutter versprechen, dass solche ausufernden Spiele im Anwesen nicht mehr stattfanden. Die Fräuleins gaben artig das Versprechen und durften gehen.

Fama seufzte. „So, das haben wir erledigt. Diese kleinen Biester! Aber im Grunde verstehe ich sie ja. Ich wäre in ihrem Alter auch nicht anders gewesen…“ Als die Hausherrin gegangen war, murmelte die Majordoma vor sich hin: „Wenn die wüsste, was die Beiden noch so alles ausgeheckt haben… Außerdem bezweifle ich, dass sie sich aufgrund dieser Vorführung ändern werden. Mir deucht eher, sie haben es genossen.“

Auf „Ledas Paradies“ hatte sich das Leben der Menschen weitgehend normalisiert – soweit das auf einer fremden Insel möglich ist. Aber sie hatten sich ihre neue Heimat ja selbst ausgesucht. Die Männer erhielten ihre Aufschlüsse, wenn auch nicht so oft, wie sie wollten. Die Gardistinnen und Leda spielten dabei ihre Macht aus und genossen auf eine gewisse Weise ihren besonderen Einfluss über die Recken. Von den sieben Meuterern fehlte aber weiterhin jede Spur.

Doch sieben Tage später hörte Leda im Schlaf ein verdächtiges Geräusch in ihrem Gemach. Sie öffnete die Augen und starrte in die Dunkelheit. War da hinter der Zeltwand nicht ein Schatten gewesen? Wer schlich denn mitten in der Nacht an ihrer Unterkunft vorbei? Moment! Leda wurde klar, dass die Person nicht am Zelt vorbei, sondern in den mit einem Stoff überspannten Raum hinein geschlichen war. Der Bereich, in den der Unbekannte eingedrungen war, führte zu Ledas Wohn- und Tagungsraum. Hier befanden sich wichtige Dokumente, Waffen, Arzneien, Wein und Rum sowie die Kiste mit den Schlüsseln für die Keuschheitsgürtel der Männer!

Mit einem Schlag war die Inselherrscherin hellwach. Ihr Herz raste. Sie glitt langsam von ihrer Lagerstatt und tastete nach ihrem Gürtel, in dem die Lederscheide mit dem scharf geschliffenen Dolch hing. War eine Wache hineingeschlüpft? War etwa ein Soldat der Versuchung erlegen, sich den Schlüssel zu seiner eiserner Hose zu „borgen“? Die Kiste war zwar abgeschlossen und so schwer, dass sie niemand alleine tragen konnte, doch wer wusste schon…

Wer war diese Gestalt in ihrer Unterkunft? Sie schlich durch eine kleine Öffnung an der Seite, indem sie eine Wand aus Bambusstöcken zur Seite schob, kletterte hinaus und schlich um ihr Refugium, den Dolch in die Höhe gereckt. Nun war sie dem geheimnisvollen Einbrecher im Rücken. Aber wo waren die zwei Wächter, die jede Nacht vor dem Haupteingang aufpassten? Waren sie etwa gemeuchelt worden? Dann stolperte Leda über die Männer, die bewusstlos am Boden lagen. Sie bückte sich und untersuchte die leblos scheinenden Leiber. Zum Glück waren sie nicht erstochen worden, sondern wohl nur mit einem Knüppel außer Gefecht gesetzt worden.

Leda wollte mutig hineinstürmen und den Dieb stellen, aber sie unterdrückte den Impuls im letzten Moment und lief hastig zum Quartier der Gardisten und berichtete von dem Notfall. Sofort waren die Elitesoldaten wach und schwärmten bewaffnet und leise aus, um Ledas Zelthütte zu umstellen. Die drei Weiber und acht Männer gaben sich knappe Zeichen, dann stürmten drei Männer und eine Frau mit gezogenen Klingen in die Unterkunft.

Doch sie fanden nichts – nichts außer der aufgebrochenen Kiste. Leda stöhnte auf. Der Einbrecher war bereits geflohen. Die Inselkönigin zählte die Schlüssel durch. Ihr Verdacht bestätigte sich: Sieben von ihnen fehlten. Einer der Meuterer musste sie besucht haben! In dieser Nacht ließ Leda zusätzliche Wachen aufstellen. Mehrere große Feuer wurden errichtet. Auch sollte ein neuer Wachplan entwickelt werden, um ein solches Eindringen zukünftig unmöglich zu machen.

Die Sonne war kaum aufgegangen, da berieten sich Leda, Thrym, Hagbard und der Medikus. Leda seufzte. „Jetzt haben die Meuterer keinen Grund mehr, um zu verhandeln. Sie sind aus ihren Keuschheitsgürteln befreit und stiften weiterhin Unruhe.“ Die Berater beschlossen mit Leda, Jagd auf die sieben Gesetzlosen zu machen. Doch dann wollte Leda ihren Ohren nicht trauen: Sämtliche Männer weigerten sich, ihre Kameraden zu fangen. Die Majestät stöhnte. Wenigstens die drei Gardistinnen waren gut ausgebildete Kämpferinnen. Die Köchin sowie die drei Mägde und zwei Zofen fielen da leider aus. Sie hatten noch nie eine Waffe in der Hand gehalten, wenn man von Küchenmessern absah…

Leda ließ sich nicht entmutigen und bestimmte sich selbst zur Anführerin über ein Jagdquartett. Am Mittag, die Sonne brannte heiß vom wolkenlosen Himmel, brachen die vier unerschrockenen Frauen reich bewaffnet auf und erkundeten die Insel, immer tüchtig auf Spuren der Meuterer achtend. Sie wollten die Suche fast schon aufgeben, als sie doch noch fündig wurden. Mitten im Wald ragte ein steiler Felsen auf wie ein Berg. „Keinen Schritt weiter, oder wir rollen einen Granitbrocken auf euch“, hörten die Frauen eine laute Stimme von weit oben. Sie hatten das Versteck der Verräter gefunden. Irgendwo musste es einen Aufstieg an der fast senkrechten Felswand geben. Aber die Drohung der Männer konnte den Jägerinnen zum Verhängnis werden. Und eine Belagerung mit vier Personen? Auch kein guter Plan.

Die Königin erkannte jetzt auch, wer da gesprochen hatte: Honos, ihr ehemaliger Majordomus. Dieser fahnenflüchtige Überläufer, der Regin befreit hatte. „Ergebt euch“, forderte Leda, „ihr habt auf lange Sicht keine Chance. Wenn ihr aufgebt und euch wieder verschließen lasst, verspreche ich euch Straffreiheit und einen regelmäßigen Aufschluss.“ Honos zog sich zurück. Nach einer Weile erschien er wieder oben an der Kante des Felsplateaus. „Hört zu!“, rief er runter. „Wir sind einverstanden. Unter einer Bedingung. Wir wollen noch einen Tag unsere Freiheit genießen und fordern dazu Wein und reichlich Essen. Früchte, gebratenes Fleisch und auch Rum.“ Leda rief zurück: „Wenn wir euch alles geben… Wer gibt mir die Sicherheit, dass ihr morgen dann auch euer Versprechen haltet?“ Honos versprach: „Wir werden Euch ein Pfand mitgeben, bevor Ihr mit den Waren kommt. Das könnt Ihr bis morgen in Eurem Lager festhalten.“

Leda und die Gardistinnen sahen sich an. Dann nickte Leda. „Was soll das für ein Pfand sein?“ Honos machte ein Handzeichen und verschwand wortlos wieder. Einige Minuten später erschien von der Rückseite des großen Felsens der Stallbursche. „Ich bin es.“ Die Gardistinnen fesselten dem jungen Mann die Hände auf den Rücken und nahmen ihm seinen Dolch ab. Leda winkte Honos zum Abschied: „Also gut. So soll es sein, Honos.“ Das Quartett marschierte mit ihrer Geisel zurück und erzählte den anderen, was sich in der Mitte der Insel abgespielt hatte.

Im Laufe des Tages brachte eine kleine Kolonne, bei der sich nun auch Soldaten beteiligten, die gewünschten Getränke und Mahlzeiten zum Felsen. „Stellt alles Labsal unten ab und verschwindet wieder! Keine Finte!“, warnte Honos von oben. Ledas Mannschaft kehrte zurück zum Lager. In dieser Nacht gingen ihr viele Gedanken durch den Kopf. War der Jünglig ein wahrhaft wertvoller Pfand? Sie bekam Zweifel.

Am nächsten Tag merkten alle, wie angespannt die Königin war. Eine seltsame Stimmung lag in der Luft. Bis zum späten Abend waren keine Meuterer zu sehen. Leda und ihre beiden Berater zogen sich zurück zu einer Krisensitzung. „Werden sie noch kommen?“, fragte Leda mit skeptischem Tonfall. Thrym verzog das Antlitz und kraulte seinen Bart. Hagbard sah grimmig zu Boden. „Die haben uns für dumm verkauft.“ Leda stöhnte. „Aber was ist mit dem Stallburschen?“ Hagbard spuckte verächtlich aus: „Der ist ihnen wahrscheinlich völlig egal.“

Ledas Miene verdüsterte sich. Ihr böser Verdacht hatte sich wohl bestätigt. Die Hoffnung, dass sie sich getäuscht hätte, zerstob. Thrym grollte: „Wir werden diese Barbaren ausräuchern und zur Aufgabe zwingen. Oder wir werden den Stallburschen in der Nähe des Felsens an einen Baum binden und abwarten, ob sie ihn dort verdursten lassen!“ Leda schüttelte den Kopf. „Ich dulde keine Gräueltaten!“ In der Nacht suchte sie ihren Bettgefährten Gladius auf und zog sich mit ihm zurück. Doch zwischen den Beiden sollte in dieser dunklen Stunde kein Liebesfeuer lodern. Eng an ihren Soldaten gekuschelt weinte sich Leda in den Schlaf.

Megara konnte sich beim Angebot nicht beklagen: Hunderte Jünglinge kamen in Scharen in die Hauptstadt, um bei der Herrscherin vorstellig zu werden. Nur Megaras engsten Vertrauten wussten, dass die jungen Männer in ihr Verderben liefen. Megara dachte gar nicht daran, sich zu vermählen, sondern sammelte lediglich hübsche Liebesburschen, um sie nach fleischlichem Gebrauch in ihren gefürchteten Kerkern verschwinden zu lassen.

Inzwischen hatte sie den Plan, einen Thronprinzen zu adoptieren oder zu zeugen, aufgegeben. Ein Mann in einer Machtstellung hatte in Megaria einfach keinen Platz. Sie erinnerte sich an ihren Talos voller Abscheu. „Dieser fette Tölpel und Hinterlader!“ Vielleicht würde sie eine ihrer Hofdamen zu ihrer Nachfolgerin machen. Aber sobald sie dies verkündete, wäre sie vor Anschlägen auf ihr Leben nicht mehr sicher. Sie bräuchte Schutz, einen Vorkoster, zusätzliche Wachen… Und doch würde sie eines Tages die vergiftete Nadel zu spät bemerken, das fliegende Messer nicht sehen, mit dem durchgeschnittenen Sattelgurt in den Tod reiten, plötzlich über die Zinnen gestoßen werden… Nein! Eine Erbin würde sie nur in ihrem Testament vermerken. Oder zumindest so etwas als Gerücht streuen, überlegte Megara mit einem sardonischen Grinsen. Denn sobald die Adelsdamen ahnten, dass sie auf der Suche nach einer Prinzessin war, würden sie sich überschlagen, um ihr zu gefallen.

Sie ruckte an der Leine und stand vom Thron auf. Ihr „Hündchen“ folgte ihr auf allen Vieren durch den Saal. Megara griff nach einer Traube aus einer Silberschale und legte sie dem Hündchen in die Senke zwischen Nase und Augen. Abas verharrte mit dem Kopf im Nacken und balancierte die kleine Frucht. Er wusste aus Erfahrung, was geschah, wenn die Traube versehentlich hinabrollte. Die Stunden mit der Spreizbirne in seinem Hintern würde er niemals vergessen! Auf ein Schnippen bewegte sich Abas ruckartig und schnappte so die Traube mit dem Mund auf. „Gutes Hündchen“, lobte die Herrin ihn kichernd. „So gefällt mir der Königsgemahl!“

Megara setzte ihren Weg durch den Saal und anschließend einen langen mit Marmor verkleideten Säulengang entlang fort. Abas blieb eng an ihrer Seite – nicht nur wegen des scharfen spitzen Stachelhalsbandes. Auch war er darauf „dressiert“ worden, schön „bei Fuß“ zu krabbeln. Durch das Doppelholz um seine Hoden konnte er nicht verhindern, sich ab und zu das Gehänge zu zerren, aber fast war er schon daran gewöhnt. Seine Keuschheitsröhre hing schwer nach unten. Kleine Glöckchen bimmelten bei jeder Bewegung.

Megara schritt weiter bis in einen Flügel des Palastes, der in einen Tempel mündete. Früher wurden hier die Alten Gottheiten verehrt. Aber Megara hatte die „Götzen“, wie sie sagte, längst abgeschafft, die Statuen und Bilder zerschlagen lassen. Nun erstrahlten Altar, die Wände und Säulen in goldenen Abbildern der Tyrannin. Nur Priester, die ihren Alten Göttern abgeschworen hatten, waren im Amt geblieben. Hohepriesterin war eine Dame geworden.

Megara betrat den sakralen Prachtbau und befahl Abas: „Sitz!“ Der Sklave musste sich hinhocken, obwohl seine Schenkel von der anstrengenden Gangart bereits brannten. Die Despotin schritt durch die große Halle. Ein Feuer in einer großen schmiedeeisernen Schale loderte auf. Zahlreiche Kerzen brannten an den Wänden in ihren Halterungen. Die selbsternannte Göttin sah auf dem Altar den großen mit Samt ausgeschlagenen Korb, in den die Gläubigen „freiwillige“ Gaben legten. Die letzten Münzen gaben ihre Untertanen, um gut dazustehen, denn die Spender der Kollekte wurden von den Priestern penibel genau schriftlich festgehalten. – Und damit auch, wer nichts gegeben hatte. Bei diesen Personen konnte es durchaus geschehen, dass ihre Sklaven von Ordnungshüterinnen abgeholt wurden und in den dunklen Minen von Megaria für immer verschwanden oder nach Osten verkauft wurden.

Die Alleinherrscherin sonnte sich in ihrer Göttlichkeit. Als Gebieterin erhielt sie Steuergelder, als Göttin Opfergaben. Das Leben war schön! Bei Sonnenuntergang würde sie hier eine große Messe zelebrieren lassen, bei der ein Jüngling… Nun, es würde auf jeden Fall ein pikant anregendes Erlebnis für ihre Untertanen werden – und sie selbst würde von der versteckten Loge aus alles beobachten.



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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:05.07.20 16:28 IP: gespeichert Moderator melden


Auf „Ledas Paradies“ bat der Stallbursche darum, seine Fesseln zu lösen, doch Leda blieb stur: „Nein! Deine so genannten Kameraden haben dich ins Messer laufen lassen. Jetzt musst du dafür büßen, dass sie mich auf diese schändliche Weise betrogen haben.“ Der Stallknecht saß an einen Pfahl in Ledas Unterkunft gefesselt und gelehnt auf dem Boden, seine Hände waren hinter dem Balken gebunden. Seine Kleidung hatten ihm die Gardistinnen bis auf den letzten Fetzen ausgezogen, als sie ihn nach weiteren Waffen durchsucht hatten. Leda warf einen flüchtigen Blick zu dem jungen Mann. Unzüchtige Gedanken gingen ihr durch den Kopf. „Gut gebaut ist er ja“, dachte sie mit einem Schmunzeln.

Laut sprach sie: „Ich sollte dich in einen Keuschheitsgürtel stecken. Ich habe noch Exemplare hier.“ Der Bursche keuchte. „Nein, bitte nicht! Und…. Darf ich bitte…“ Leda sah ihn streng an: „Bitte was?“ Der Stallknecht stammelte: „Darf ich bitte… eine Hose… haben, damit ich… mich… bedecken kann….?“ Leda schimpfte: „Kannst du deine Majestät einfach so respektlos ansprechen, du Wurm?“ Der Gefangene sah erschrocken nieder: „Entschuldigt, bitte, Majestät! Es tut mir leid! Hohe Majestät! Ich, Euer niedrigster Diener, erbitte nur eine Bahn Stoff, um meine Lenden bedecken zu können.“ Leda konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Was hast du denn da so geheimnisvolles zwischen den Beinen?“ Ruckartig klemmte der Bursche seine Knie zusammen.

Leda näherte sich ihrer Geisel und forderte: „Zeig es mir! Na, los! Wirst du deiner Königin gehorchen!?“ Dem Stallknecht sah man an, wie schwer es ihm fiel. Sein Kopf wurde knallrot, sein nackter Leib zitterte. Langsam öffnete er seine Schenkel und präsentierte seinen Schritt. Sein Liebesstab war sogar halb aufgerichtet. Darunter befanden sich zwei große längliche Bälle in einem engen Hautsack. Leda starrte dem Burschen auffällig zwischen die Füße, was den Knecht noch tiefer erröten ließ. „Bitte, Hohe Majestät“, bettelte er mit zittriger Stimme, die nun brach. „Bitte blickt nicht her.“ Leda sagte streng: „Du bleibst unbedeckt! Sei froh, dass wir dich nicht an eine Palme binden und dich verdursten lassen, wie es mein Berater gewünscht hat!“ Der Stallbursche ächzte auf. Sein Unterkiefer zitterte wie Espenlaub. Seine Augen wurden groß, und sein Blick war orientierungslos. In Gedanken verfluchte er seine Kumpane. „Diese gemeinen Schweine! Diese Drecksäue!“, grämte er sich. Honos hatte ihm versprochen, dass er seit gestern wieder frei sein würde. „Dieser Hund! Dieser Verräter!“

Leda entkleidete sich langsam zur Nacht. Der Stallbursche machte große Augen, denn er hatte bisher nur selten so viel nackte Haut eines Weibes gesehen. Und dann auch noch eines so schönen! Und dann auch noch einer Königin! „Hast du noch nie ein Weib gesehen?“, fragte sie den Gefesselten neckisch. Der Stallbursche, der sich ertappt fühlte, senkte schnell und verlegen den Blick. Leda störte sich nicht an den Augen des Jünglings, die krampfhaft versuchten, den Boden anzustarren, aber immer wieder für einen Augenblick übermütig wurden und aus ihren Winkeln zu der Königin schielten. Das Herz des Burschen pochte immer schneller und lauter, und auch sein Liebesstab hatte sich in voller Größe aufgerichtet.

„Was versteckst du denn da zwischen deinen Beinen? Ich habe doch sowieso schon alles gesehen“, meinte Leda grinsend. „Los! Mach die Schenkel breit, oder es setzt was mit der Gerte.“ Der Stallbursche begann vor Aufregung stark zu zittern. „Bitte, Majestät, tut mir das nicht an…“ Seine weinerliche Stimme bebte. Leda näherte sich fast unbekleidet dem jungen Mann und zog sanft seine Knie auseinander. Der Stallbursche hörte vor heißer Scham nur noch laut das Blut in seinen Ohren rauschen. Ihm wurde schwindelig. Wäre er nicht in einer so heiklen Lage, wäre er wohl ohnmächtig geworden, aber entsetzt sah er auf seine pralle Schwellung zwischen seinen Beinen, dann wagte er einen flehenden Blick zu seiner Monarchin.

„Bereust du deine Meuterei?“, fragte sie und strich zart über den Oberschenkel des Jünglings. „Ja, Hohe Majestät“, hauchte er. „Honos ist ein mieser Verräter! Und ich hätte niemals weglaufen dürfen! Verzeiht mir, bitte Majestät! Ich tue alles, um Buße ablegen zu dürfen!“ Leda strich weiter und bemerkte, wie die feste Rute übermütig hüpfte. Ihre kleinen Finger kamen seinem Lustdolch immer näher. Der Stallbursche spürte, wie es in ihm brodelte. Er würde bald die Königin bespritzen! Oh, nein! Das durfte nicht geschehen! Lieber wollte er sterben! Nicht das! Das Schicksal hatte schon gemein und übel genug zugeschlagen! Nicht noch das!

Er versuchte sich zu beruhigen, aber Ledas Finger berührten bereits die Wurzel seiner Männlichkeit. „Nicht!“, quiekte er hoch wie ein Weib und spürte das Kribbeln, dass sich in seinem Unterleib ausbreitete. Leda kicherte. „Hat dich schon jemals ein Weib so berührt?“ Der Stallbursche hechelte und keuchte. „Ich…bin…noch…unberührt…Majes….Majes…tät!“ Leda ließ ihr letztes Tuch fallen und entblößte ihre wunderbaren Brüste. Der Stallbursche krächzte etwas Unverständliches. Dann keuchte er und…

Leda ahnte es und ging in Deckung: Ein weißer Strom schoss aus des Burschen Manneskraft, haarscharf am Antlitz der Königin vorbei. Wären die Hände des jungen Mannes frei gewesen, so hätte er sie erschrocken vor den Mund und seine Augen gehalten. Er starrte auf die Pfützen und spürte noch ein angenehmes Prickeln. Und trotz der schrecklichen Situation war es sooo schön gewesen… Für einen Moment… Was war das für ein Vergnügen gewesen! Es war das schönste Gefühl, das er jemals erlebt hatte. Zwar hatte er schon herausgefunden, wie ein Mann sich selbst mit der Hand befriedigte, doch war Ledas Anwesenheit etwas ganz anderes.

Doch dann machte er sich die völlig abstruse Lage klar. Würde er nun enthauptet werden wegen Majestätsbeleidigung? Ihm wäre sogar Hochverrat lieber gewesen, als sich eingestehen zu müssen, vor der Königin… Der Stallknecht kniff die Augen zu. War alles nur ein süßer aber fürchterlicher Traum? Nein, er saß nackt vor seiner Majestät und hatte seinen Samen entladen… Der süße Höhepunkt war bereits vergangen; nun blieb eine dumpfe Übelkeit. Konnte es noch arger werden? „Mach dir keine Sorgen“, sagte Leda und lächelte ihn an. „Du kannst nichts dafür.“ Sie ging zum Bett und legte sich schlafen, als sei nichts geschehen.

Als die Sonne aufgegangen war wischte sie die inzwischen getrockneten Flecken vom Boden. Der Stallbursche kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Erst spritzte er vor der Majestät, und jetzt schrubbte sie auf Knien vor ihm den Boden… Er stöhnte. Ein verrückter Magier musste ihm diese Versionen in den Kopf gepflanzt haben, um ihm den Verstand zu nehmen. Aber nachdem die Königin aus ihrer Unterkunft getreten war, holten ihn zwei Gardistinnen und brachten ihn raus. Alles war wahr. Auch, wenn er es nicht wirklich begriff.

An einem Bach konnte er sich waschen und seine Notdurft verrichten. Endlich erhielt er auch seine Kleidung zurück. Allerdings legte ihm eine der Frauen einen Keuschheitsgürtel an. Das also sollte wohl die Buße sein. Würde er nun nicht mehr aufgeschlossen werden? Bang sah er seiner Zukunft entgegen. Er war doch noch so jung. Sollte seine Männlichkeit auf ewig versperrt sein?

Einige Meilen entfernt vergnügten sich die verbliebenen sieben Meuterer bei einem Festmahl. Auch Wein und Rum flossen in Strömen, so dass bald alle Männer lallend und wankend in ihrem Unterschlupf auf dem großen Felsen feierten. Grölend und lachend waren sie noch weit entfernt zu hören und übertönten die Gesänge der Vögel und das Meeresrauschen. Bis zum Sonnenaufgang hatten sie gesoffen und gefressen – anders konnte man es nicht formulieren. „Und der dumme Tölpel dachte wirklich, wir lassen uns wieder einsperren, um ihn auszulösen“, brüllte der Diener. Die anderen lachten lauthals. Tartaros lief der Rotwein den Bart hinunter. Ein Soldat johlte: „Der wird schön eingesperrt werden und von unserer lieben Königin zu Anstand erzogen.“ Darauf stießen der Jäger und Regin mit ihren randvoll gefüllten Bechern an.

Obwohl die derben Kerle bis zur Hutschnur abgefüllt waren, suchte sich jeder nun endlich eine Nische, in der er ungestört an seinem Gehänge spielen konnte. Honos und die beiden Soldaten hatten damit kein Problem. Bevor sie einschlummerten, verströmte ihre Lust auf dem felsigen Boden. Der Jäger und Regin versuchten es erst gar nicht, doch hatten sie erotische Träume, so dass sie ein paar Stunden später, als sie ihren Rausch ausgeschlafen hatten, ihrem Drang als erstes nachgaben.

Der Diener dagegen wollte einfach nur in den Schlaf schlummern, aber Tartaros bedrängte ihn, bei ihm zu schlafen. Körperlich war der kräftige Schmied dem schlaksigen Lakai in jeder Hinsicht überlegen. „Ho, was wird das denn?“, fragte er den Hünen, der ihn einen Kopf überragte und fast doppelt so breit und schwer war. „Sei ruhig, hab dich nicht so. Es wird dir gefallen. Lass uns ein kleines Spiel spielen.“ Der Diener, vom Rum benebelt, bekam gar nicht mehr alles mit. Leise kichernd ließ er sich entkleiden und ein Stück von den anderen entfernt, über einen Steinbrocken vorbeugen. „Was hast du vor, du Schlingel?“, lallte der Diener. Der Schmied nestelte an seiner groben Hose und holte ein Ungetüm hervor, das sich in diesem Moment noch gewaltiger aufzublasen schien. Darunter hingen dicke pralle Eier.

Der Diener versuchte sich mit den Händen irgendwo abzustützen, aber er rutschte ungeschickt immer wieder weg. Der schwere Schmied presste sich gegen die Hinterschenkel des Dieners und dessen rundes kleines Gesäß. „Was machst du da?“, lallte der entblößte Lakai. Tartaros grinste schmierig. „Ich habe doch gesagt: Wir spielen ein Spiel!“ Mit diesen Worten zog er mit seinen riesigen Pranken die Arschbacken des schlanken Mannes auseinander. Kurz darauf grunzte er wie ein Schwein. Der Diener quiekte wie ein Ferkel und zappelte unter dem kräftigen Schmied. Doch nach wenigen gewaltigen Stößen vergaß der Nackte seine Gegenwehr und streckte seinen Hintern seinem Gefährten willig entgegen und stöhnte. Sein Phallus war unter seinem Körper eingeklemmt, aber ebenfalls prall und hart.

Der Große Wald brannte lichterloh. Einige Tiere konnten sich retten, und Vogelschwärme flüchteten in Myriaden panisch durch den schwarzen Rauch. Die Truppen der Fama warteten ungeduldig. Die Anführerin grummelte: „Jetzt müssten bald die ersten Vogelfreien herauskommen. Sonst gibt es für sie keine Hoffnung mehr und ihre dreckigen Leiber werden so schwarz wie ihre Seelen.“ Doch auch in den nächsten Stunden sollte ihnen nur das eine oder andere Waldtier begegnen, das panisch Rettung suchte.

Als das Feuer nur noch im Inneren des Waldes wütete, standen die Soldatinnen vor einer pechschwarzen abgebrannten Ödnis aus Baumstümpfen und verbrannter Erde. „Vorwärts! In kleinen Einheiten! Umzingelt das Feuer und rückt vor!“, brüllte die Anführerin und winkte ihre Uniformierten über das verkohlte Gelände. Die Reiterinnen schritten mit ihren Rössern in breiten Reihen vorwärts und suchten nach Spuren. Mit der Zeit wurden die Sorgenfalten der Anführerin immer tiefer. Bald trafen sich die Soldatinnen in der Mitte des Gebietes. Wo war diese Rotte von Sklaven? Schließlich war das gesamte Grün niedergebrannt. Aber es gab keine Spur der Vogelfreien. „Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen“, fluchte die Anführerin. Sie bebte vor Wut und knirschte mit den Zähnen. „Hält man mich für einen Popanz? Wie stehen wir jetzt da?“

Auf diese Frage wussten ihre Untergebenen auch keine Antwort. Und das war auch besser so, denn die Frau hatte ihre Finger um den Griff ihres Degens gepackt und versuchte diesen zu zerquetschen. Die kleinste Provokation hätte nun ausgereicht, und ihre Klingenspitze hätte das erstbeste Opfer durchbohrt. Auf dem Rückweg wurde der Führerin übel vor Angst. Was sollte sie der Stadthalterin berichten? „Es tut mir leid, aber die Vogelfreien haben sich in Luft aufgelöst…“ – Nein, lieber nicht. Dann wurde ihr auf einmal alles klar: Der Informant hatte einen falschen Ort angegeben! Ihre Wut verdoppelte sich. Was würde sie darum geben, das Männlein jetzt vor sich zu haben!? Es würde die letzten acht Stunden seines Lebens verfluchen!

In vielen Meilen Entfernung rutschte ein Späher von einem Baum und ließ sich an einem Seil geschickt dabei hinab wie ein Matrose auf einem Segelschiff in der Takelage. Er lief zum gut getarnten Hauptquartier hinter einer Blätter- und Efeuwand und berichtete von dem Rauch. „Es muss einen gewaltigen Waldbrand gegeben haben.“ Weil es keine Flammen mehr gab, sei dies nicht sonderlich beunruhigend. Das Feuer habe sich nicht in ihre Richtung ausbreiten können, meinte einer der Männer. Doch Lykos war skeptisch. „Die suchen uns! Das ist kein Zufall!“ Wenn Megaras Schergen sie auf diese Weise finden wollten, so würden sie noch lange Zeit die Lande durchstöbern, doch unmöglich war es auch nicht. Die Vogelfreien mussten auf der Hut sein. Ihr Leben hing davon ab.

In der Metropole musste die Anführerin des Jagdtrupps der Stadthalterin mit säuerlichem Gesicht reinen Wein einschenken. Würde sie nun degradiert werden? Doch Fama war milde gestimmt: „Es war nicht Eure Schuld. Geht!“ Erleichtert verließ die Führerin den Palast. Was für ein Tag! Ein riesiger Fels fiel ihr vom Herzen. Sie hatte schon Schlimmes befürchtet. Jetzt musste sie sich erst mal in einem Freudenhaus abreagieren. Sie ritt zu dem Gebäude mit den süßen Jünglingen, die auf weibliche Kundschaft warteten. Die Uniformierte bestellte gleich zwei Liebessklaven, die sie verprügeln und anschließend lieben konnte. Aber danach musste sie dringend nach Hause, denn ihr Haussklave hockte schon den ganzen Tag in seinem engen Käfig. Er hatte nichts zu trinken. Die Frau wusste schon, was sie ihm anbieten würde…

Megara stolzierte hochmütig in ihren prächtigen Harem. Zwei Dutzend hübsche Männer warteten in Keuschheitsgürteln auf sie. Von ihnen waren fünf Jünglinge noch nicht an die eisernen Hosen gewöhnt, denn sie waren völlig unwissend in die Hauptstadt gezogen, um um die Hand der Herrscherin und Göttin anzuhalten. Leider war in letzter Zeit der Strom an „Frischfleisch“ versiegt, denn inzwischen hatte es sich auch bis in die tiefste Provinz herumgesprochen, dass Megara ein rigides Frauenregiment führte.

Sie überlegte, welchen Sklaven sie heute Nacht wohl beglücken wollte… Die Neuen kamen nicht in Frage, denn sie sollten zunächst einige Monate im Keuschheitsgürtel verbringen, damit sie „bereit“ wären. Sie mussten noch „reifen“. An ihrer Seite hockte, wie meist, ihr Schoßhündchen Abas. „Du da!“, zeigte sie auf ein Exemplar mit besonders großem Phallus, wie sie aus Erfahrung wusste. Der Mann kam devot und vorgebeugt zu ihr und kniete sofort nieder. „Zeig mir dein Gemächt!“, forderte sie scharf. Der Sklave gehorchte sofort und zog seine Männlichkeit hervor, dass unter der Keuschheitsschelle baumelte. Megara hob mit ihrer Stiefelspitze den Sack an und lachte: „Der ist aber noch gar nicht voll.“

Sie ließ ihn stehen und widmete sich lieber einem anderen Mann. Sie zückte den Generalschlüssel und entfernte seinen Keuschheitsgürtel. „Mach ihn groß! Oder willst du mich beleidigen?“ Der Sklave schrubbte ängstlich seine Rute und zeigte sie wenige Momente später prall und steif vor. Dann wiederholte Megara dies mit einem zweiten Liebessklaven. „Haltet eure Größe bei!“ Sie setzte sich auf einen prunkvollen Diwan und schaute, was geschah. Als die Männer mit ihren Händen nachhelfen wollten, rief Megara: „Finger weg, ihr Lumpenpack!“ Die Sklaven waren zwar sehr erregt, hatten aber Mühe, ihre Steifigkeit die ganze Zeit über ohne Berührung beizubehalten. Immer wieder zuckten ihre Hände in Richtung Schritt, wagten aber nicht, den Befehl zu missachten.

Megara zerrte an Abas Leine. „Los. Kriech hin und sorge dafür, dass beide schön hart sind! Und wage es ja nicht, ihren Samen zu entladen!“ Abas watschelte zum ersten Sklaven und wollte gerade den Prügel des Sklaven ergreifen, als plötzlich eine Wächterin, die er zuvor noch gar nicht bemerkt hatte, seine Hände wegriss, grob mit einer Kette umwickelte und hinter seinem Rücken fixierte. Megara lachte schallend und forderte ihr Schoßhündchen auf: „Doch nicht mit den königlichen Fingern!“ Sie lachte so sehr, dass sie kaum noch Luft bekam. Dann beruhigte sie sich und machte eine befriedigte arrogante Miene, als sie Abas dabei beobachtete, wie er den Sklaven mit dem Mund bei ihrer Steifigkeit half.

Als der Königsgemahl erschöpft zum zigsten Mal zwischen den Männern wechselte, weil der Stab des anderen gerade langsam niedersank, wagte er einen kurzen Blick zum Diwan. Megara war verschwunden. Stattdessen standen links und rechts von dem Möbel Wächterinnen mit verschränkten Armen. Sie sahen streng zu Abas hinab. In ihren Gürteln steckten ein Dolch, eine dicke Lederpeitsche und eine Lederrute. Hochnäsig sahen sie auf Abas hinab. Grausame Augen, die irgendwie fasziniert waren, starrten ihn an. Die linke Frau grinste schadenfroh und belustigt, während die andere ihn ernst beobachtete. Doch insgeheim ergötzten sich beide an Abas Leid. Der Königsgemahl war sich sicher, dass sie vor nichts zurückschrecken würden, wenn er einen der Männer schlaff werden ließe. Aber ihren Samen durften sie auch nicht verströmen. Dieses Dilemma war unbeherrschbar...


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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:12.07.20 17:08 IP: gespeichert Moderator melden


Fama stieg in den Kerker hinab. Gut, dass sie den Gefangenen noch nicht hatte töten lassen. Sie ließ sich in seine Zelle bringen, wo er bereits wieder mit Ketten an den Armen aufgehängt war. An seinem Gemächt hing mehr Gewicht als je zuvor. Der Sklave sah erschöpft zu seinem hohen Besuch auf und stöhnte laut, als durch die leichte Bewegung seines Körpers die Gewichte schwangen und weiter an seinen Eiern zerrten und ruckten. Fama nickte zur Gittertür: „Geht nach oben. Ich mache das alleine.“ Die Wärterinnen sahen sich kurz an und marschierten aus der Zelle. Ihre Uniformen und Stiefel klackten und ihre Waffen schepperten. Die Stadthalterin sah die große Anzahl Folterinstrumente auf den Tischen liegen: Zangen aller Art, Brandeisen, Haken, Klemmen, Daumenschrauben, sogar eine Knochensäge und vieles mehr. Doch sie entnahm ihrer prachtvollen Tunika nur ein kleines Metallstäbchen, das nicht viel dicker war als ein Federkiel. Sie näherte sich damit dem Hängenden und lächelte.

In der oberen Etage, wo weniger wichtige Gefangene einsaßen, hörten die Wärterinnen die gellenden Schreie nach Gnade! Anfangs grinsten sie sich zu. Nach einer Weile wurden sie ernster und nickten respektvoll; schließlich weiteten sich ihre Augen. Was, um Megaras Gnade, tat die Senatorin da unten mit dem Delinquenten? Die Wärterinnen hatten schon gar mancher peinlichen Befragung beigewohnt, und auch die eine oder andere Untersuchung hatten sie selbst durchgeführt. Zur Übung gab es genügend Sklavenmaterial. Aber solch unmenschlichen Laute hatten sie noch nicht erlebt.

Als Fama den Kerker verließ, schrie der Gefangene immer noch. Die Stadthalterin sagte kurz angebunden: „Wir wissen nun, wo sich die Vogelfreien aufhalten. Bringt mir meine Adjutantin. Es muss noch heute ein Truppenverband aufbrechen.“ Mit wehendem Umhang entschwand sie und setzte den Satz in Gedanken fort: „…bevor Megara Wind davon bekommt, dass wir uns von dem Stück Vieh da unten zum Narren gehalten haben lassen.“ Neugierig stapften die Uniformierten die Treppe nach unten und wollten einen Blick in die Zelle werfen. Was hatte Fama ihm nur angetan?

Einstweilen hatte der Mann mit seinen Schreien aufgehört und wimmerte mit hängendem Kopf vor sich hin. Als er die Wärterinnen sah, schrie er: „Nehmt es raus! Nehmt es raus! Um der Gnade aller Götter! Ich flehe Euch an! Ich habe alles gesagt!“ Die Wächterinnen sahen sich stutzig an. Der Gefangene schien unversehrt. Die Feuerkörbe waren kalt. Glühende Eisen konnten also nicht zum Einsatz gekommen sein. Seine Finger und Zehen waren auch noch an ihrem Platz. Sogar die Gewichte waren nicht mehr um sein Gemächt gebunden. Hatte Fama ihn etwa… Doch es waren nirgends Spuren zu sehen. „Holt es raus!“ schrie er wieder.

Eine der Frauen stapfte um den hängenden Gefangenen herum und riss seine Hinterbacken auseinander. Hatte Fama ihm wohlfeil eine Spreizbirne verpasst? Aber da war nichts. Eine der Wächterinnen schlug ihm mit ihrem Lederhandschuh hart ins Gesicht. „Sprich nicht in Rätseln! Was sollen wir rausnehmen?“ Der nassgeschwitzte Mann sah der Frau flehend ins Antlitz.

Majestät Leda ließ sich von Thrym und Hagbard überreden, allen Männern die Keuschheitsgürtel abzunehmen. Nur so könne sie sicher sein, nicht Opfer einer zweiten Meuterei zu werden. „Aber sie bekommen doch regelmäßigen Aufschluss“, hatte Leda argumentiert. „Wenn hier ungezügelte Unzucht blüht, dann kann dies auch in Anarchie umschlagen…“ Aber ihre Berater zerstreuten ihre Bedenken – vermutlich nicht ganz uneigensinnig.

Als die Inselkönigin die Neuigkeit verkündete, war die Freude riesengroß. Die Mägde und die Köchin jauchzten vor Begeisterung, denn nun würden auch sie die Chance auf einen Recken haben. Die Männer waren natürlich alle höchst entzückt. Leda hatte jedoch gemischte Gefühle dabei. Und würde Gladius ihr treu bleiben? Seinen Schlüssel hatte sie in letzter Zeit nicht in der Kiste, sondern um den Hals getragen, um das alleinige Recht an ihm zu behalten. Doch wie sollte sie ihn ohne Liebesstabkerker kontrollieren? Konnte sie ihm trauen? Oder würde er hinter anderen Röcken her sein?

In der kommenden Nacht zeigte es sich: Gladius bat um Einlass, und Leda gewährte ihm freudestrahlend seinen Wunsch. Die Beiden liebten sich leidenschaftlich wie nie. „Versprich mir, deinen Samen nur deiner Königin alleine zu geben!“ bat Leda. Der Soldat schwor ihr ewige Treue, und das junge Paar liebte sich ein zweites Mal. Plötzlich horchte Gladius auf: Was war das? Ein Füßescharren? Leda war es ein bisschen peinlich. Sie hatte den Stallburschen vergessen, der wieder in ihrer Unterkunft, allerdings im Nebenraum, angebunden war. „Das ist nur der Meuterer“, sagte sie lahm und winkte ab. Aber Gladius setzte sich auf. „Du meinst, er hat uns belauscht, als wir…“ Leda kicherte: „Du warst lauter als ich.“ Gladius grinste. „Und was wird aus ihm? Behält er seinen Keuschheitsgürtel?“ Leda antwortete: „Ja, er soll Buße tun.“ Die Zwei kuschelten sich an sich und schliefen Arm in Arm ein.

Der Stallbursche hatte auch das abschließende Gespräch mitbekommen. Resignierend ließ er den Kopf hängen. Das Stelldichein im Nebenraum hatte ihn heiß wie Lava gemacht. Aber die Majestät war im Recht: Er musste und wollte auch Buße tun. Er würde den Keuschheitsgürtel so lange tragen, wie es die Königin für angemessen ansah. Auch, wenn das bedeuten sollte, dass er nun und für unbestimmte Zeit von seiner hungrigen Männlichkeit gequält wurde.

In der Hauptstadt von Megaria feierten die Edelfräuleins ausgelassen und fröhlich wie jeden Abend. Megara hatte sich zurückgezogen. Nachdem sie eine Weile in Eselsmilch gebadet hatte, kehrte sie zum Harem zurück, wo Abas in einem winzigen Käfig zusammengekrümmt hockte. Das Gittergestell war aufgehängt worden. An seinem Gesäß waren Spuren des Brandeisens, dass die Wächterinnen ihm zur Strafe in das Sitzfleisch gedrückt hatten. Seine Aufgabe, die beiden Liebesdiener steif zu halten, war ihm irgendwann nicht mehr gelungen. Einer von den beiden hatte letztlich abgespritzt und war dann nicht mehr schnell genug wieder hart geworden. Dafür hatte Abas den Preis zahlen müssen.

Megara sah ihren Schoßhund kopfschüttelnd an. „Du böses, böses, böses Hündchen!“ Sie zeigte auf den Spritzer und meinte streng: „Steckt ihn wieder in seine eiserne Hose. Und versiegelt sie auf ein Jahr.“ Der Sklave riss geschockt den Mund auf. Zwölf Monde lang!? „Und den anderen bringt in mein rotes Schlafgemach. Er soll mir das Bett wärmen und sich bereithalten.“ „Höchste Gottheit Megara“, begann eine der Wächterinnen, „ich habe Euer Vergnügungshündchen bereits mit dem glühenden Strafeisen für sein unentschuldbares Versagen gezüchtigt.“ Megara sah die Frau voller Hochmut an. „Lasst ihn eine Nacht dort hängen. Morgen überlege ich mir, was ich mit ihm mache. Und erfrischt ihn jede Stunde ein wenig im kalten Wasserbecken.“

Als Megara den Harem verließ, knieten die Wächterinnen devot nieder und beugten das Haupt. An einer Deckenschiene zogen sie kurz darauf den schwankenden Käfig über das Wasserbecken, dann ließen sie ihn an einem dicken Hanfseil hinab, bis er platschend und glucksend untergetaucht war. Nach einer Weile zogen sie Abas wieder in die Höhe. Prustend, keuchend, spuckend und tropfend hockte er in seinem kleinen Zwinger und schnappte nach Luft. Die Uniformierten grinsten über das nasse Häuflein Elend.

Tartaros grinste schief, als er zu dem noch schlummernden Diener sah. Seine Männlichkeit fühlte sich prächtig an! Wie lange hatte er keinen Kerl mehr genommen? Das musste viele Monde her sein. Mit einem Fuß trat er lässig nach dem schlaksigen Burschen. „Hey! Aufwachen! Sonst verpennst du noch den ganzen Tag!“ Der Diener zuckte und wachte auf. Bei den ersten Bewegungen erinnerte ihn ein schmerzhaftes Brennen an seiner Kehrseite, was er gestern im Suff erlebt hatte. Als er Tartaros sah, wurde er ganz rot im Gesicht. „Du…was haben wir… ich…“ Der Schmied lachte dreckig. „Ja, so sieht es aus! Ich habe da wohl eine kleine Jungfrau geangelt!“ Plötzlich waren auch die anderen Meuterer um ihn herum und grölten. Regin brüllte: „Hey, es hat dir ja wohl auch Vergnügen bereitet!“

Der Diener verstand nicht, wovon die Männer sprachen, bis ein Soldat eine obszöne Geste machte und ihm zeigte, wie er ebenfalls abgespritzt hatte. Kopfschüttelnd und entsetzt weigerte sich der Diener es zu glauben. Aber eines stand fest: Er war nun das Liebchen von Tartaros. Der Diener machte eine jammervolle Miene und stotterte: „Ich wi… will mei… meinen Keusch…heits..heitsgür…tel wieder ha…ben!“ Das sorgte für erneut aufbrandendes Gelächter bei den Männern. Tartaros nahm ihn in den Arm und drückte ihn, als wolle er ihn zerquetschen wie eine große überreife Frucht und feixte vor den Zuschauern. „Kein Kerl fasst mir meinen Jungen an!“

Weit entfernt in Megaria brannten einige Wälder lichterloh. Zur Verstärkung hatten die Soldatinnen Ölfackeln geworfen sowie Brandpfeile eingesetzt. Die Truppenverbände hatten weite Regionen umzingelt und schritten mit gezogenen Waffen vorwärts, um den Kreis um die Gesuchten immer enger werden zu lassen. Denn sollten sie diesmal wieder erfolglos sein, so hatte Fama ihnen die Henkerin versprochen. Schließlich tauchten erste Vogelfreie auf, die bei der Übermacht der Soldatinnen und Kampfsklaven sofort aufgaben. Andere waren wagemutiger und versuchten einen Durchbruch, doch es dauerte nicht lange, bis auch sie eingefangen waren und hinter den Rössern hergezogen wurden wie Schlachtvieh. Zuvor hatten die Soldatinnen ihnen die Kleider vom Leib geschnitten, denn sie sollten demütig und nackt in die Stadt einziehen und ein abschreckendes Beispiel für zukünftige Flüchtige sein.

So tauchten nach und nach alle Vogelfreien auf, und auch die Siedlung und Verstecke der Abtrünnigen brannten völlig nieder. Zu den Gefangenen, die sich wehrten, gehörte Lykos. Er war zwischen zwei Reiterinnen hindurch gelaufen, die ihn beinahe aufgespießt hätten, und hatte mit weiten Sprüngen das Hasenpanier ergriffen, war auf einen kleinen Abgrund zugelaufen, dann todesmutig hinab gesprungen, ohne genau zu wissen, wie tief der Graben war oder was ihn dort überhaupt erwartete. Der Überhang aus Erde ragte nur sieben Fuß über den Boden, so konnte der Exsoldat unverletzt landen und weiter rennen. Zwei Soldatinnen zu Ross konnten die Barriere nicht überwinden und hätten einen weiten Umweg reiten müssen. Daher blieben sie zurück, und stattdessen sprangen fünf Kampfsklaven hinterher und verfolgten den Flüchtigen zu Fuß.

Als Lykos hinter einer Kurve über eine knorrige Wurzel stolperte, dachte er, dass dies sein Verderben sein würde. Doch das Gegenteil war der Fall: Er stürzte und versank in einem Berg von Blättern und Zweigen, die ihn komplett bedeckten. Die Kampfsklaven liefen stampfend und keuchend an ihm vorbei wie blinde Ochsen. Noch lange lag Lykos in seinem Versteck und wartete ruhig ab. Irgendwann getraute er sich aufzustehen und die Blätter von seiner Kleidung abzuschlagen. Dann sah er sich genauer um. Keine Kampfsklaven, keine Reiterinnen. Niemand. Lykos atmete einmal tief durch. Sie hatten ihn wohl aufgegeben und waren abgezogen.

Lykos machte sich auf den Fußmarsch… Aber wohin? Er hatte keine Ahnung. Nur weg von der Metropole. Vielleicht Richtung Südwesten. Die Luft roch furchtbar verbraucht und schwefelig. Er sah überall Rauch. Er war noch mitten in dem Waldgebiet, in dem die Soldaten Feuer gelegt hatten. Bald stellte er fest, dass die Flammen noch loderten und ihn eingekesselt hatte. Die rauschenden, fauchenden, fiependen, brüllenden Brandwände kamen immer näher auf ihn zu. Lykos dachte fieberhaft nach, wie er dieser tödlichen Hölle entkommen könnte, doch es gab keine Fluchtmöglichkeit. Lykos betete zu den Alten Göttern und schloss mit seinem Leben ab. Seine letzten Gedanken galten Leda.
Der wunderbarsten Frau in seinem Leben…

Der enge Käfig des Schoßhündchens wurde aufgeschlossen. „Raus da! Los!“, befahl eine Wächterin und knallte ihm eine kurze Peitsche auf das Gesäß. Abas ächzte und mühte sich rückwärts aus dem kleinen Zwinger. Seine Gelenke waren ganz steif geworden, seine Glieder schmerzten von der gekrümmten Haltung. Und er schlotterte am ganzen Leib, denn die regelmäßigen Wasserbäder hatten seinen Körper ausgekühlt. Trotz seiner Verfassung hatten die grausamen Frauen kein Erbarmen und traten ihn mit Füßen vorwärts. „Mach schon! Megara, die Göttin des Kontinents, hat dich zu sich befohlen. Du solltest ihr für diese unendliche Gnade ewig danken!“ Abas quälte sich in die Hocke und watschelte vor der Frau her, die langen Gänge hindurch und eine Treppe hinauf in einen Salon der Megara.

Die Herrscherin aß von einem Früchteteller und nippte an einem Kristallglas voll kühlem Honigwein. Megara blickte spöttisch und abfällig auf ihr Schoßhündchen hinab. „Was für ein elendes Bild du abgibst, Königsgemahl!“ Sie warf ihm einen Pfirsichkern an den Kopf. „Gestern hast du versagt! Und das wirst du heute bitter bereuen!“ Abas schluckte. Seine Augen starrten auf den marmornen Boden. Was konnte sie ihm noch antun? Er war doch schon am Ende! Die nächsten Stunden sollten für Abas Zukunft von großer Bedeutung sein. Er hatte mit schlimmster Folter gerechnet, doch Megara ließ ihn lediglich auf ein Brett binden und knebeln. Was das bedeutete wusste er nicht und grübelte darüber ängstlich nach.

Nach einer weiteren Stunde kam sie mit einem kleinen Mann zurück. Abas wunderte sich, denn er hatte im Palast sonst keine Männer gesehen. Selbst niedrigere Dienste erfüllten hier Mägde oder Zofen. Erst außerhalb der Mauern wachten auch Kampfsklaven, die von Soldatinnen befehligt wurden. Doch nun sah er sich diesem seltsamen Männchen gegenüber. Der Winzling würde ihm nicht mal ganz bis zur Brust gehen, wenn er nicht gelegen hätte. Der Mann trug ein Kapuzenwams. Von seinem Antlitz war nur ein langer spitzer Bart zu sehen. Die verhältnismäßig langen und dürren Finger endeten in krallenartigen langen Fingernägeln. Er stellte sich an Abas Seite und begann unverständlich zu murmeln. Abas kamen die Laute wie Zauberformeln vor. Sollte er nun verflucht oder verhext werden? Abas schwankte zwischen Furcht und Zweifel. Was wollte Megara ihm antun?

Dann sank der geheimnisvolle Besucher in die Knie, griff nach einer kleinen Ampulle und schüttete sich daraus ein weißes Pulver auf die Handfläche. Abas sah staunend zu. Dann überkam ihn plötzlich große Angst. Gift! Man wollte ihn vergiften! Der Kapuzenmann blies abrupt gegen das Pulver, so dass Abas von dem feinen Staub eingenebelt wurde und husten musste. Er hatte unwillkürlich etwas davon eingeatmet. Kurz darauf bemerkte er, wie ihm schwindelig wurde. Schweiß brach ihm aus. Schließlich schwanden ihm die Sinne.

Zwei Wärterinnen des Hauptkerkers der Metropole unterhielten sich während ihrer Wache über Liebessklaven und die optimale Länge eines Luststabes. Im Hintergrund riefen und flehten Gefangene um Gnade, um Wasser oder um Nahrung. Aus einer anderen Richtung waren Schreie zu hören. Eine „Befragerin“ führte eine peinliche Untersuchung durch. Obwohl die Frauen bezüglich Mitleid und Erbarmen abgestumpft waren, bestaunten sie den kleinen Metallstab, der vor ihnen lag. „Das habe ich wirklich noch nicht erlebt!“, sagte sie lächelnd. „Da haben wir hier ausgebildete Expertinnen, die aus dem Sklaven nur falsche Informationen quetschen, und dann kommt da die Stadthalterin persönlich und erfährt in kürzester Zeit die Wahrheit.“ Die zweite Frau meinte bewundernd: „Auf so eine Idee muss man erst mal kommen! Ich habe ja schon von vielen Möglichkeiten gehört, den männlichen Liebesstab zu behandeln, aber so…“ „Vielleicht sollten wir das mal selbst ausprobieren. Nur so, zur Übung“, schlug die Erste vor. Eifrig loderte ihr Blick auf. Die Zweite stimmte zu. „Gute Idee. Lass uns mal da vorne in Zelle 14 schauen. Den haben sie erst gestern eingeliefert. Hat wohl vor lauter Hunger was auf dem Obstmarkt geklaut. Konnte sich nicht beherrschen. Soll morgen 50 Peitschenhiebe bekommen.“ Die Erste: „Auf geht´s. Stecken wir es ihm rein!“ Die Zweite kicherte maliziös. „Ich will aber auch mal.“ Die Erste: „Einverstanden. Machen wir es zwei Mal. Jeder darf mal ran.“ Die Zweite: „Das ist fair.“ Die zwei Frauen klatschten sich ab und standen auf.

In ihren gerüsteten Uniformen gingen sie scheppernd zu Zelle 14, entriegelten die schwere Metalltür und öffneten sie schrill quietschend. Ein junger Blondschopf, mager bis auf die Knochen, saß verängstigt in einer Ecke und beschattete seine Augen, weil die Fackel der einen Wärterin ihn blendete. Er überlegte fieberhaft, wer ihn da besuchen kam. War die Befragerin schon wieder gekommen? Nein, es waren wohl Wärterinnen. Vielleicht bekam er endlich was zu essen oder zu trinken… Er hörte eine amüsierte und melodiöse Stimme. „Wir haben dir etwas Schönes mitgebracht.“






Viele Grüße von prallbeutel
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Meine Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++ Inkasso +++
Meine Kurzgeschichten:
+++ Ralfs neues Leben +++ Das Gespräch im Regen +++ Der auferstandene Engel +++ Seine Nummer Eins +++ Amour Libre +++ Die Erben +++ Aller guten Dinge sind drei +++ Das Abschiedspräsent +++ Natascha +++ Friday Talk +++ Tims Schicksal +++ Das Familientreffen +++ Der extravagante Gewinn +++ Lars +++

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