Autor |
Eintrag |
| Hans Bell |
 |
Story-Writer
    OWL
 Bleib du selbst, dann kannst du anderen wirklich begegnen
Beiträge: 145
Geschlecht: User ist offline
|
Mara, der Weg in die Sklaverei
|
Datum:16.02.26 21:24 IP: gespeichert
|
|
Mara
Es begann nicht mit Forderungen, sondern mit scheinbar beiläufigen Bemerkungen über ihren Stil. Er schenkte ihr ein Kleid, ein schlichtes, aber extrem eng geschnittenes Etuikleid in einem kühlen Anthrazit. „Darin wirkst du disziplinierter“, sagte er, während er den Reißverschluss im Rücken hochzog, bis sie gezwungen war, die Schultern zurückzunehmen. Bald darauf waren es keine Geschenke mehr, sondern klare Anweisungen. Er sortierte ihre Garderobe aus und ließ nur noch Stücke übrig, die ihre Bewegungsfreiheit einschränkten oder eine bestimmte Haltung erforderten. „Ich möchte, dass man dir ansieht, dass du zu mir gehörst, auch wenn ich nicht im Raum bin“, erklärte er ruhig, während er zusah, wie sie sich in die überbetonenden Kleider zwang, die er für den Alltag bestimmt hatte.
ie Kontrolle weitete sich aus, als sie am Abend gemeinsam am Esstisch saßen. Er legte das Besteck weg und sah sie schweigend an, bis sie unsicher wurde. „Deine Haltung beim Essen gefällt mir nicht“, sagte er leise. Er forderte sie auf, die Gabel abzulegen und sich kerzengerade hinzusetzen, die Hände flach auf die Oberschenkel, während er weiteratmete. „Du isst erst weiter, wenn ich es dir erlaube, und du wirst dabei den Rücken nicht einmal die Lehne berühren lassen.“ Sie spürte, wie ihre Muskeln unter der Anspannung zitterten, während er seelenruhig seinen Wein trank und sie beobachtete. Das Essen vor ihr wurde kalt, aber das Gefühl der absoluten Beobachtung und der körperlichen Disziplinierung erfüllte sie mit einer beklemmenden, fast schwindelerregenden Intensität, die sie schon bald auch als sexuelle Erregung erkannte.
Im Kopf wehrte sie sich gegen diese Art der Disziplinierung, aber ihr Gefühl sagte ihr etwas ganz anderes. Die Führung, die sie so bewusst nie erlebt hatte, die sie wohl schon in sehr frühen Jahren massiv und deshalb erfolgreich zurückgewiesen hatte, war für sie nie erfahrbar geworden. In der internen Personalbeurteilung ihres Arbeitgebers stand „unführbar“, aber auch kreativ, lösungsorientiert und „sie erarbeitet schnell und effizient ungewöhnliche und erfolgreiche Lösungsansätze.“
Mara war immer ihren Weg allein gegangen. Schon auf dem Weg zum Kindergarten lehnte sie die Hand ihrer Mutter als Führung ab. Anfassen ging gar nicht, bei niemand.
Jetzt war sie eine erwachsene Frau, die ihre körperlichen Impulse einzuordnen wusste und auch kontrolliert andere Entscheidungen treffen konnte. Als er sie zum ersten Mal an die Hand nehmen wollte, war das so ein Moment. Ihre Abwehr konnte sie zwar nicht sofort ersticken, aber nach Bruchteilen einer Sekunde, die andere wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen hätten, gelang es ihr seine Berührung zuzulassen. Hätte sie von sich aus seine Hand genommen, wäre es überhaupt kein Problem gewesen. Sie wäre eben nur nie auf die Idee gekommen.
Das Ende vom Anfang
|
|
|
Erfahrener


Beiträge: 21
User ist offline
|
RE: Mara, der Weg in die Sklaverei
|
Datum:17.02.26 16:13 IP: gespeichert
|
|
Ein interessanter Anfang. Bin gespannt, wie es weiter geht
|
|
|
| Hans Bell |
 |
Story-Writer
    OWL
 Bleib du selbst, dann kannst du anderen wirklich begegnen
Beiträge: 145
Geschlecht: User ist offline
|
RE: Mara, der Weg in die Sklaverei
|
Datum:17.02.26 22:29 IP: gespeichert
|
|
Mara wird Sklavin
Es begann alles mit den Kleidern. Es war eine schleichende Veränderung ihrer Garderobe. Er suchte Stücke aus, die ihre Bewegung einschränkten, die sie zwangen, anders zu gehen, anders zu sitzen. Sie spürte, wie ihr Körper sich den Stoffen anpasste, wie sie vorsichtiger wurde in ihren Gesten. Meist hochgeschlossen war da immer das Gefühl, dass der Hals, wenn nicht eingeschnürt, so doch deutlich beengt war.
Dann kamen die Korrekturen bei Tisch. Nicht schmatzen, gerade sitzen, nicht die Unterarme auf den Tisch ablegen. Die Beine durfte sie nicht mehr überkreuzen, die Füße mussten immer parallel zueinander stehen, ob bei Tisch, oder an der Bushaltestelle. Er nannte es klare Haltung und sie genoss seine Aufmerksamkeit, sein Bemühen, seine Führung. Sie ordnete sich gerne ein.
Aus ihrem Vollzeitjob wurde bald eine Halbtagsstelle. Später dann sogar in seinem Unternehmen, wo es dann bald egal war, ob sie am Arbeitsplatz erschien oder nicht.
Bald verlor er die Geduld, sie bei Tisch immer wieder korrigieren zu müssen. Als er ihr erklärte, dass es nicht gut für sie sei beim Essen, das eigentlich ein Genuss sein sollte, sie immer mit seinen Korrekturen zu belästigen, schlug er vor, dass sie in einem anderen Rahmen sich voll und ganz auf ihren Körper und ihre Haltung konzentrieren sollte. Nur zu gerne stimmte sie ihm zu, ohne zu ahnen, was das für sie bedeuten würde.
Zunächst übte sie auf dem Stuhl am Tisch gerade zu sitzen. Den Fokus auf die Fußhaltung und die Hände vor dem gedeckten Tisch, mit leerem Teller und Besteck.
Gabel zum Mund führen, ohne sich mit dem Kopf nach vorn zu beugen. Kauen, ohne die Augen zu senken. Das Glas zum Mund führen. Trockenübungen nannte er das.
Bei Tisch verlegte er sich darauf, sie zu loben, wenn sie die erwünschte Haltung zeigte. Es gab keine Kritik mehr.
Er lobte sie und schlug ihr vor, dass sie, wenn sie es wollte, intensiver üben könnte, ihren Bewegungen, ihrer Haltung eine gute Form zu geben. Sie konnte gar nicht ablehnen, denn zum einen war sie neugierig was er sich für sie überlegt hätte, zum anderen wollte sie ihm unbedingt gefallen, ihn an sich binden.
Im Wohnzimmer wurde eine übergroße Gymnastikmatte ausgerollt.
ann folgten die Haltungen. Haltungen, die sie einzunehmen hatte, die sie zu einem Teil als sehr anstrengen, zum anderen auch als demütigend empfand, was ihr aber nichts ausmachte, solange niemand anderes ihr zuschauen würde. Dass er von ihr heimlich Videoaufnahmen machte, ahnte sie nicht.
Minutenlanges Knien auf der Matte wurde bald zu viertel, dann zu halben und zuletzt zu vollen Stunden. Die „Haltung der Erwartung“, in der sie lernte, ihren Körper vollkommen stillzuhalten, während ihr Geist gegen die aufkommende Ungeduld kämpfte, forderte sie.
ie „Haltung der Erwartung“ – kniend, die Fersen unter dem Gesäß, den Rücken hohl, die Hände, mit den Handflächen nach oben, auf den Oberschenkeln. Mara fand sie zuerst demütigend. Aber weitere Haltungen, die sie erlernte, relativierten das Gefühl sehr schnell.
„Warum tue ich das?“, fragte sie sich, während ihre Knie zitterten. „Ich könnte aufstehen. Die Tür ist nicht verschlossen.“ Dann kam er, korrigierte mit einem sanften, aber unnachgiebigen Druck seiner Hand ihren Nacken. „Such den Frieden in der Haltung, Mara“, flüsterte er. In diesem Moment kämpfte ihr Wunsch nach Selbstbestimmung gegen die seltsame Geborgenheit, die in der absoluten Vorgabe lag. Sie begann zu begreifen: Ihr Körper wurde zu einer Sprache, die sie ihm zu lesen gab.
Bald waren es zehn Haltungen, die ihr in Fleisch und Blut übergegangen waren. In den ersten sechs Monaten erlernte sie die Basis – das Erlernen einer neuen körperlichen Sprache. Sie lernte, die Stille zu ertragen und die Kontrolle über ihre Muskeln abzugeben. Sie spürte, wie die Übung der Haltungen ihr Körperbewusstsein erhöhte, wie wohltuend es war ihre verlangsamte Atmung während der Übungen zu spüren und wie sich ihre innere Wahrnehmung verstärkte. Ruhe breitete sich in ihr aus. Eine Ruhe, die sie fast den ganzen Tag erfüllte.
|
|
|
| Hans Bell |
 |
Story-Writer
    OWL
 Bleib du selbst, dann kannst du anderen wirklich begegnen
Beiträge: 145
Geschlecht: User ist offline
|
RE: Mara, der Weg in die Sklaverei
|
Datum:24.02.26 01:22 IP: gespeichert
|
|
Die Kleider, die er ihr kaufte, trug sie nun nicht mehr wie ein Kostüm, sondern wie eine zweite Haut. Die innere Haltung war, kein Kampf mehr, sondern ihr natürlicher Zustand. In seiner Gegenwart, ihr Zeichen, ihm Respekt und Anerkennung zu zollen.
Es war für sie selbstverständlich geworden, sich in den, bis vor kurzem ungewohnten Kleidern in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Restaurant, Theater, Oper, Ballett, mindestens einmal in der Woche gab es einen Anlass sich öffentlich in der Gesellschaft zu zeigen. Bei Aldi fühlte sie sich immer deplatziert in ihrem Outfit, war es aber ihr Leben lang gewohnt dort einzukaufen und sah auch keinen Anlass das zu ändern. Der Bioladen war optional und eine gute Ergänzung, sonst nichts.
ann kam der Abend der ersten Sex-Party. Er hatte Mara langsam und vorsichtig auf diesen außergewöhnlichen Event in einem sehr privaten Rahmen vorbereitet. Mara hatte auch in einem Buch aus seinem Bücherregal, das gleich neben dem Klassiker, 50 Shades of Grey stand, was ihre Aufmerksamkeit erweckt hatte, da es doch in aller Munde war, die Grundbegriffe des BDSM lernen können. Eine Welt, die für sie neu, erschreckend und doch faszinierend war.
Noch hatten sie nicht darüber gesprochen, dass es eine etablierte und vertiefende Form der Beziehung geben würde, so wie sie sie jetzt lebten. Mara genoss die Führung, die Abwesenheit von Verantwortung und vor allem auch, dass sie sich keine Sorgen machen musste, wie sie ihre Miete bezahlen sollte. Als sie bei ihm einzog, reduzierte sie auf seinen Wunsch ihre Stelle auf halbe Tage, obwohl es sich ihr nicht wirklich erschloss, wofür das gut sein würde. Schließlich hatte er weder die Putzfrau gekündigt, noch musste sie täglich für ihn Kochen. Sogar die Wäsche wurde außer Haus gereinigt und kam schrankfertig zurück ins Haus.
Sie nutzte die Zeit für ihre körperliche Fitness und auf seinen Wunsch übte sie intensiver ihre Haltungen. Bald verbrachte sie täglich drei Stunden damit, ihre 10 Haltungen durchzuwechseln, ohne wirklich wahrzunehmen, wie die Zeit verrann. Er hatte ihr einen Zufallsgenerator geschenkt, der ganz willkürlich durch einen Glockenklang anzeigte, wann sie in eine andere Haltung zu wechseln hatte. Mit jedem Tag, wuchs der Zeitraum für ihre Übungen um eine Minute, bis sie zuletzt 3 Stunden auf der Matte verbrachte.
Als sie einmal erwähnte, dass sie einen Wunsch hätte, hatte er sie schroff zurückgewiesen. Er war nicht in der Stimmung zu reden, dachte sie sich und schluckte ihre Enttäuschung, ihre Wut herunter. Nach der Abfuhr hatte sie sich in das Studierzimmer zurückgezogen, wo auch das Bücherregal stand, in dem sie den SM-Leitfaden gefunden hatte. Dann fand sie unweit von diesen Büchern das Buch über die sexuellen Fantasien der Frau von Nancy Friday. Sie hatte sich gerade eingelesen und ihre Hand war nicht nur einmal zwischen ihre Beine gefahren, als es leise an der Tür klopfte. Sie fühlte es, dass es nicht ihre Rolle war „herein“ zusagen, tat es dann aber nach einem kurzen Zögern trotzdem.
Er stand vor ihr, schaute etwas betroffen. Sie hoffte schon, dass er sich jetzt bei ihr entschuldigen würde, aber sie und er wussten, denn sie hatten erst kürzlich darüber gesprochen, man kann sich nicht entschuldigen. Man kann nur um Entschuldigung bitten. Das wäre so ziemlich das Letzte, was sie von ihm erwarten konnte, oder er tun würde.
Er überreichte ihr ein Buch, mit einem wertvollen Ledereinband mit goldenen Verzierungen und einem geschwungenen Schriftzug: „Mein Wunschbuch“, stand da zu lesen. „Ich wollte es dir eigentlich erst zu unserem einjährigen Jubiläum geben, aber ich denke, es ist an der Zeit, das Buch einzuführen.
Du schreibst vorne in das Buch deine Wünsche, deine Hoffnungen auf. Wir legen es hier auf den Schreibtisch und so kann ich es jederzeit einsehen. Dann weiß ich, was dich bewegt, wonach du dich sehnst.
Auf der letzten Seite stehen meine Wünsche an dich, meine Gedanken, meine Hoffnungen für uns. Du beschreibst das Buch von vorn, ich schreibe es von hinten. Mit diesen Worten überreichte er ihr noch einen Füller in einem schönen Schmuckkästchen. Wenn du deine Wünsche mit diesem Füller schreibst, dann können sie wahr werden.
Mit diesen Worten verließ er das Zimmer genauso leise wie er gekommen war.
Sie war ganz gerührt, wusste sie doch, dass er sie sehen wollte, mit allen ihren Bedürfnissen und Wünschen. Sie nahm den Füller, übte auf einem Blatt Papier ein paar Sätze zu schreiben und die Feder kennenzulernen, die zunächst kratzend über das Papier strich. Sie wusste, dass er ein großer Liebhaber der Kalligrafie ist und es zu schätzen wüsste, wenn sie ihre Wünsche, eigentlich war es nur einer, in entsprechender Schönheit eintragen würde.
Sie übte bestimmt 20 Mal, „Ich möchte dreimal in der Woche, morgens, vor der Arbeit ins Schwimmbad gehen.“ Dann traute sie sich, den Satz in das Buch zu schreiben. Dann legte sie das Buch auf den Schreibtisch. Sie verlor sich noch eine längere Zeit in die Fantasien, die Nancy Friday zu Papier gebracht hatte, bevor sie das Buch zurück in das Regal stellte.
Dabei fiel ihr auf, dass gleich daneben von der gleichen Autorin auch ein Buch über die sexuellen Fantasien der Männer stand. Gespannt, neugierig nahm sie das Buch aus dem Regal damit sie wenigstens das Inhaltsverzeichnis nur kurz überfliegen könnte, denn die Zeit für einen abendlichen Imbiss war herangerückt und sie wollte ihn nicht warten lassen.
Sie hatte die Türklinke schon in der Hand, als sie noch einmal zurück zum Schreibtisch ging und das Wunschbuch auf der letzten Seite aufschlug.
Dort stand: „Ich wünsche, dass du mich nur noch ansprichst, wenn ich dich dazu aufgefordert habe.“ Es war eine wunderbare geschwungene und gleichförmige Schrift, in der dieser Wunsch geschrieben war. Trotzdem empfand sie das, was sie da sah als absolut übergriffig und anmaßend, ja sogar als abwertend, beleidigend.
Wütend ging sie ins Esszimmer, wo er bereits am Tisch saß. Er musste wohl die Tafel selbst gedeckt haben. Die Speisen auf den Tabletts erkannte sie als die aus dem Chinarestaurant an der Ecke, die oft ihren Lieferdienst zu ihnen schickten.
Wortlos nahm sie Platz. Er hatte sie mit einer Geste aufgefordert, obwohl sie sich schon immer wie selbstverständlich auf den Platz ihm gegenüber gesetzt hatte. Die Wut kochte in ihr und machte sie sprachlos. Der Appetit war vergangen. Die Tränen, die aufsteigen wollten, konnte sie so gerade noch unterdrücken. Er reichte ihr den Teller mit den Riesengarnelen im Teigmantel und schaute sie auffordernd an. Im Grunde wollte sie trotzig sein, ihn in seinem Bemühen einfach ignorieren, besann sich dann aber doch im letzten Moment anders und nahm zwei Garnelen vom Plat de Ménage auf ihren Teller. Dann reichte er ihr den Korb mit dem frisch gerösteten Toast, dessen Duft sie schon an der Tür zum Speisezimmer in Empfang genommen hatte. Er reichte ihr ein Kännchen mit frisch gepresstem Zitronensaft und als sie es entgegennahm, spürte sie, wie ihre Wut sich langsam verflüchtigte. Als sie ihm das Kännchen zurückreichte, schaute er ihr tief in die Augen, bis sie den Blick abwandte.
Er gab vor, den Salat in der Küche vergessen zu haben und verließ das Speisezimmer. Als er zurückkam, legte er ihr, rechts von ihr stehend, ungefragt und ohne um Erlaubnis zu bitten, eine ordentliche Portion Salat auf den Teller. Als er mit dem Vorlegebesteck zum zweiten Mal in die Schüssel fuhr, sagte er, dass es ihm wichtig sei, dass sie sich gesund ernähren würde und auch ausreichend Bewegung haben sollte.
Es schien Mara schier zu zerreißen. Zuwendung und Restriktion, das unglaubliche Wechselspiel spiegelte sich in ihren Gefühlen wieder, die sie vollkommen aus der Fassung brachten. Zuerst hielt sie sich an der Tischkante fest, um wenigstens ein bisschen Halt zu haben. Aber dann konnte sie sich nicht mehr zurückhalten. Ein Zittern durchfuhr ihren Körper. Der Gedanke, der in ihr wie eine Plakatwand stand, jetzt aufzustehen und einfach zu gehen, zerfiel in tausende Teile. Stattdessen ergoss sich eine riesige Flut von Tränen vor ihrem geistigen Auge, riss die Trümmer der Plakatwand und dann sie selbst mit sich fort.
Mit der Flut wurde nicht nur sie fortgerissen, ohne jegliche Kontrolle, sondern mit ihr schwammen die Scham, die sie ihr Leben lang mit sich herumtrug, die Angst vor Ablehnung, die viel zu oft erfahrene Ungerechtigkeit davon. Kurz bevor sie sich rettungslos verloren glaubte, spürte sie die Hand von ihm zwischen ihren Schulterblättern. Sanft, stärkend und halt gebend, sah sie ihre Hilflosigkeit, ihre Frustration und Überforderung auf der Flutwelle der Wut davonschwimmen. Was blieb, als sie nicht mehr das Gefühl hatte fortgerissen zu werden, war das Bewusstsein von dem großen Schmerz, den sie in sich trug, aber nie in der Lage war, mit Worten zu benennen. Da war eine Narbe aufgerissen, eine Narbe, von der sie nicht wusste, woher sie stammte. Eine Verletzung, die der, die sie heute erlebt hatte, sehr ähnlich sein musste, aber tief im Nebel verborgen lag. Er stand jetzt ganz nah neben ihr. Die Hand immer noch zwischen ihren Schulterblättern, waren es nur Millimeter, die sie zur Seite hätte kippen müssen, um sich an ihn anzulehnen.
Sie blieb aufrecht, fasste sich, nahm das Besteck und begann den Salat zu essen. Als er sich auf seinen Platz zurückzog, nahm sie die Stoffserviette und trocknete sich ihre Tränen.
|
|
|
|
|
|
|
|