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  ein bisschen länger vielleicht?
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Zwiesel


Sonne macht albern

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  ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 13:24 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 1 – Der lange Tag in Dublin




Der Flieger war pünktlich gelandet, der Himmel über Dublin grau und nass wie aus dem Bilderbuch. Fünf Freundinnen, Mitte/Ende zwanzig, kicherten schon im Terminal, während sie die Koffer vom Band zerrten. Die Braut hieß Lena, die anderen waren Sophie, Mara, Julia und Anna.

Lena trug schon seit dem Check-in ein weißes T-Shirt mit pinker Aufschrift „Bride to be – handle with care (or don’t)“. Um 14:30 Uhr, kaum dass sie die AirBnB-Wohnung in Temple Bar bezogen hatten, schloss Sophie mit einem kleinen metallischen Klicken die Handschellen um Lenas Handgelenke – auf dem Rücken, nicht vorne. Das war der offizielle Startschuss.

„So, Prinzessin“, sagte Mara und fädelte eine vielleicht 40 cm lange Edelstahlkette durch die Handschellen und dann durch einen breiten schwarzen Lederriemen, den sie Lena um die Taille schnallte. „Jetzt bist du offiziell hübsch eingepackt.“

Eine zweite, deutlich kürzere Kette führte vorne vom Taillengurt nach oben und endete in einer Schlaufe, die Julia sich um die Hand wickelte wie eine Hundeleine.

„Prost, Mädels“, rief Anna und hielt schon das erste Pint Guinness hoch, das sie im nächstbesten Pub geholt hatte. „Auf Lena – die letzte freie Frau… na ja, fast.“

Lena lachte, versuchte sich zu drehen, merkte aber sofort, wie wenig Spielraum sie hatte. Die Kette am Rücken war kurz genug, dass sie die Ellbogen nicht mal ansatzweise nach vorne bringen konnte.




Die erste Kneipe war noch harmlos. Die Kellner grinsten breit, stellten Lena das Glas direkt an die Lippen und kippten es vorsichtig, während die Mädels „Prost Lenaaaa!“ riefen. Ein älterer Typ mit grauem Bart am Nebentisch hob sein Glas und rief herüber:

„Jaysus, how long are ye keepin’ her like that?“

Julia übersetzte mit breitem Grinsen: „Er fragt, wie lange wir dich so lassen.“

„Sooo lange wie möglich!“ rief Sophie zurück.

Der Typ lachte dröhnend. „Ah sure, leave her in ’em! She looks class.“

In der zweiten Kneipe wurde es schon etwas deftiger. Ein junger Kerl mit irischem Nationaltrikot lehnte sich über den Tisch und musterte die Fesseln ganz unverhohlen.

„Jesus, love, are those real cuffs? Ye can’t even wipe your own arse now, can ye?“

Die Mädels brachen in Gelächter aus. Lena wurde knallrot, konnte sich aber nur mit einem schiefen Lächeln verteidigen.

„Sie sagt, das macht ja gerade den Spaß“, dolmetschte Mara frech.

„Fair play“, meinte der Typ und prostete ihr zu. „Mind if I get a photo? For the memories.“

„Nur wenn du uns auch eines schickst“, konterte Anna.




Gegen 18:30 Uhr, nach dem vierten Pub und gefühlt acht Pints pro Nase (Lena natürlich mit Strohhalm und viel Unterstützung), wurde Lena dann doch zu viel. Die Innenseiten ihrer Handgelenke brannten höllisch, die Haut war bereits gerötet und an zwei Stellen leicht aufgeschürft.

„Mädels… echt jetzt“, sagte sie leise, fast flehend. „Die Dinger müssen ab.“

Julia schaute sofort betreten. „Scheiße, sorry. Ich dachte, das Leder schützt mehr…“

Sophie schloss auf, die Handschellen fielen klirrend zu Boden. Lena rieb sich die Handgelenke, stöhnte leise vor Erleichterung.

„Okay, Runde Mitleidspint für die Braut“, entschied Mara und bestellte gleich fünf.




Der Abend flaute danach etwas ab. Die Gruppe verteilte sich ein bisschen in der letzten Kneipe – dem „The Temple Bar Pub“ natürlich, weil man ja in Dublin ist. Manche tanzten, manche quatschten mit anderen Junggesellenabschieds-Gruppen, manche lehnten einfach nur an der Wand und versuchten, den Alkoholpegel irgendwie im Zaum zu halten.

Anna (die Ruhigste und Vernünftigste der Truppe – zumindest meistens) stand irgendwann mit einem frischen Cider an der Bar und kam ins Gespräch mit einem Paar Ende dreißig. Er hieß Declan, sie Siobhan. Beide trugen diesen typischen entspannten Dublin-Look: dunkle Jeans, schwere Stiefel, Pullover, der schon bessere Tage gesehen hatte. Sie wirkten sympathisch, nicht aufdringlich.

Irgendwann – vielleicht weil der Alkohol die Zunge schon sehr gelockert hatte – rutschte Anna das heraus, was sie eigentlich nur denken wollte:

„Ich find’s ja eigentlich… irgendwie geil. Also das Gefesseltsein. Nicht nur so zwei Stunden zum Spaß, sondern… länger. Richtig lange. Nur halt nicht so, dass man sich die Haut wundscheuert.“

Siobhan hob eine Augenbraue, aber nicht spöttisch – eher interessiert.

Declan grinste in sein Pint. „Aye, das kennen wir.“

Anna biss sich kurz auf die Lippe, plötzlich unsicher, ob sie zu viel gesagt hatte.

Siobhan legte ihr sanft die Hand auf den Unterarm. „Hey. Kein Ding. Wir sind nicht zum ersten Mal auf so ’nem Gespräch. Und ja – es gibt einen Unterschied zwischen Spielzeug-Handschellen aus dem Billigladen und… Sachen, die man wirklich länger tragen kann.“

„Ehrlich?“ Anna klang gleichzeitig erleichtert und neugierig.

„Mhm. Wir haben zu Hause ein paar Dinge, die dafür gemacht sind. Medizinische Manschetten, gepolstert, atmungsaktiv, mit richtigen Schnellverschlüssen. Und… na ja… auch ein bisschen mehr Platz und Equipment, wenn jemand Lust hat, das mal richtig auszuprobieren.“

Declan nickte langsam. „Kein Druck, klar. Aber wenn du magst… wir wohnen nur ’ne Viertelstunde von hier mit dem Taxi. Saubere Sache, safe word gilt, Tür ist nie abgesperrt von innen. Du kannst jederzeit gehen.“

Anna schaute kurz zu ihren Freundinnen hinüber. Die waren gerade lautstark dabei, irgendein irisches Trinklied zu mitsingen und hatten sie offenbar gar nicht mehr auf dem Schirm.

Sie drehte sich wieder zu Siobhan. „Und… das wäre jetzt echt? Also… heute Nacht?“

Siobhan lächelte schief. „Wenn du willst. Oder nur quatschen und noch ’n Drink. Deine Entscheidung. Aber ich sag dir eins: Die richtigen Manschetten hinterlassen morgen früh keine roten Striemen. Versprochen.“

Anna atmete tief ein. Der Alkohol summte warm in ihren Adern. Die Vorstellung, die sie den ganzen Tag schon im Hinterkopf gehabt hatte, wurde plötzlich sehr konkret.

„Okay“, sagte sie leise. „Aber… ich sag kurz den Mädels Bescheid. Dass ich… na ja… später nachkomm.“

Siobhan nickte anerkennend. „Braves Mädchen.“

Declan hob sein Glas. „Sláinte, Anna. Auf mutige Entscheidungen.“

Anna lachte nervös und stieß an.

Und während drüben am anderen Ende der Bar Lena gerade mit einem riesigen Bierhut fotografiert wurde und Sophie versuchte, ihr ein weiteres Glas mit dem Strohhalm einzuflößen, tippte Anna schon eine kurze Nachricht in die Gruppen-WhatsApp:

„Bin noch was trinken gegangen mit netten Leuten. Komm später nach. Macht euch keinen Kopf ❤️“

Sie drückte auf Senden.

Und folgte Declan und Siobhan dann doch tatsächlich Richtung Ausgang.




Ende Kapitel 1

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Zwiesel


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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 13:28 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 2 – Der Kater und der Bierdeckel




Der nächste Morgen im billigen „Budget Inn“ am Rand von Temple Bar fühlte sich an wie eine Strafe. Das Zimmer roch nach abgestandenem Bier, billigem Parfüm und dem Hauch von Reue. Lena lag quer über zwei Betten, ein Arm über den Augen, und murmelte etwas von „nie wieder Guinness“. Sophie hing halb aus dem Bett und schnarchte leise. Mara hatte sich mit dem Kopfkissen über dem Gesicht eingegraben. Julia saß auf dem Boden, Rücken ans Bett gelehnt, und starrte apathisch an die Decke. Nur Anna war schon wach – oder zumindest wach genug.

Das Frühstück im Hotelrestaurant war genau so, wie man es für 12,50 Euro erwarten durfte: labbriger Toast, wässrige Rühreier, Speck wie aus Plastik und Kaffee, der nach verbranntem Gummi schmeckte. Nach zwei Schlucken schob Anna die Tasse weg.

„Leute… wir wollten doch um elf los zum Trinity College und dann Phoenix Park…“, versuchte Julia halbherzig.

Lena stöhnte nur. „Wenn ich mich heute noch mal bewege, kotz ich dir auf die Schuhe.“

„Abgesagt“, entschied Mara mit Grabesstimme. „Kopfschmerz-Level: irische Mythologie. Wir bleiben hier, bis der Flieger um Mitternacht geht.“




Gegen 12:40 Uhr hatte Anna genug vom Herumliegen. Sie duschte heiß, lange, bis der Dampf den Spiegel komplett beschlug. Als sie danach ihre Jeans vom Boden aufhob, fiel ein zerknitterter Bierdeckel heraus. Auf der Rückseite stand in schwarzem Kuli:

„Siobhan & Declan
Ranelagh – 14B Charleston Road
Falls du magst. Kein Stress.
☎ +353 87 555 …“

Anna starrte den Deckel an. Der gestrige Abend fühlte sich plötzlich sehr real an. Sie hatte den Mädels nur gesagt, sie sei „spät nachgekommen“ – was stimmte, denn sie war erst um halb vier wieder im Hotel gewesen. Die anderen hatten nicht mal richtig nachgefragt, zu betrunken und zu müde.

Sie setzte sich auf die Bettkante, Handy in der Hand. Die anderen dösten weiter oder scrollten apathisch auf ihren Phones.

*Mal kurz vorbeischauen? Nur gucken. Nichts verpflichtend. Flug ist erst um 00:15, also… vier, fünf Stunden Zeit. Maximal.*

Sie tippte eine Nachricht an die Gruppe:

„Leute, ich geh mal kurz frische Luft schnappen und vielleicht ’nen anständigen Kaffee suchen. Bin gegen 18 Uhr wieder da. Alles gut bei euch?“

„Viel Spaß beim Kaffeekoma“, kam von Sophie zurück, gefolgt von drei schlafenden Emojis.

Anna zog sich an – Jeans, Sneaker, Hoodie – und verließ das Hotel.




Um 14:20 Uhr stand sie vor einem schmalen Reihenhaus in Ranelagh. Hübsche rote Ziegel, kleiner Vorgarten, Fahrräder an der Wand. Sie klingelte.

Siobhan öffnete nach wenigen Sekunden. Sie trug eine weite Jogginghose und ein altes Band-Shirt, die Haare locker hochgesteckt. Kein Make-up, aber ein warmes Lächeln.

„Anna! Jaysus, du bist wirklich gekommen. Komm rein, Declan kocht grad was halbwegs Essbares.“

Declan stand in der offenen Küchentür, Schürze umgebunden, und winkte mit einem Holzlöffel. „Hallo, mutige Deutsche. Kaffee? Richtigen, meine ich.“

„Oh Gott, ja. Bitte.“

Sie setzten sich an den Küchentisch. Der Kaffee war stark, schwarz und göttlich. Die Unterhaltung floss sofort – erst Smalltalk, dann schnell tiefer. Anna erzählte, dass sie in der Logistikbranche arbeitete (Spedition, internationale Transporte), Declan grinste breit: „Same here. Ich mach Container-Tracking für ’ne große Linie. Siobhan war früher beim Zoll, jetzt freiberuflich als Übersetzerin und… na ja, Projektmanagerin für chaotische Typen wie mich.“

Sie lachten. Dann kam das Thema Drohnen: Anna hatte seit zwei Jahren eine kleine DJI Mini, machte Landschaftsaufnahmen in der Pfalz. Declan holte sofort sein iPad und zeigte ihr Aufnahmen von der irischen Küste bei Sonnenuntergang. Siobhan verdrehte die Augen, aber liebevoll.

„Ihr zwei seid ja richtig gefährlich zusammen“, sagte sie und goss noch Kaffee nach.

Irgendwann, als die Stimmung richtig locker war, sagte Siobhan: „Komm mal mit, ich zeig dir schnell, worüber wir gestern geredet haben. Nur gucken, kein Druck.“

Sie führte Anna ins Wohnzimmer. Auf dem Couchtisch lagen zwei Paar breite, gepolsterte Manschetten – schwarz, mit Klett und stabilen Metallringen. Daneben Fußmanschetten, ebenfalls medizinisch hochwertig, mit weichem Innenfutter und Schnellverschlüssen.

„Die hier“, erklärte Siobhan, „kannst du problemlos sechs, acht Stunden tragen, ohne dass was scheuert. Atmungsaktiv, waschbar, alles safe. Declan hat sie extra für längere Sessions besorgt.“

Anna nahm eine in die Hand. Schwerer als die billigen Handschellen gestern, aber irgendwie… vertrauenerweckender.

„Und die hier…“ Siobhan zog die Jogginghose ein Stück hoch.

Um ihre Fußgelenke saßen zwei breite, glänzende Edelstahlschellen. Kein Schloss, kein sichtbarer Verschluss – sie waren sauber verschweißt. An jeder Schelle hing eine ca. 20 cm lange, dünne Edelstahlkette mit einem soliden Ring am Ende.

Anna blinzelte. „Die… sind fest dran?“

„Mhm. Seit knapp zwei Jahren.“ Siobhan setzte sich aufs Sofa und streckte die Beine aus. „Declan wollte was Dauerhaftes. Jeden Abend die normalen Fesseln anlegen und abmachen war ihm irgendwann zu viel Aufwand. Also hat ein Bekannter von ihm – ein Schmied mit… speziellen Kontakten – die hier verschweißt. Sitzen wie angegossen, kein Druck, kein Scheuern.“

Sie hob ein Bein an. Die Kette klirrte leise.

„Zu Hause oder wenn wir… unter uns sind, hängen wir einfach ein kleines Vorhängeschloss durch die beiden Ringe. Dann kann ich nur noch ganz kleine Schritte machen. Jeans gehen nicht mehr – nur Röcke oder Leggings mit weitem Bein. Ist… praktisch und… na ja… ziemlich geil.“

Anna spürte, wie ihr Gesicht warm wurde. Nicht peinlich berührt – eher fasziniert.

„Und das stört dich nicht? Also… permanent?“

„Am Anfang schon. Aber jetzt? Gehört einfach dazu. Wie ein Ring, nur… intensiver.“ Siobhan lächelte schief. „Ich zeig’s dir nur, weil du gestern so ehrlich warst. Die meisten kriegen das nie zu sehen.“

Declan kam mit frischem Kaffee rein und setzte sich dazu. Kein blöder Spruch, kein Druck. Er spürte genau, dass das hier ein Vertrauensmoment war.

Sie redeten noch fast zwei Stunden – über Drohnen, Logistik-Chaos auf Seewegen, irische Pub-Kultur, die beste Stelle für Sonnenuntergangs-Fotos in Dublin. Die Manschetten blieben liegen, niemand fasste sie nochmal an. Es musste nicht mehr sein.




Um 17:40 Uhr schaute Anna auf die Uhr.

„Scheiße… ich muss langsam los. Flug um Mitternacht.“

Siobhan nickte. „War schön, dich hier zu haben. Wirklich.“

Declan reichte ihr die Hand. „Komm jederzeit wieder. Oder schreib. Kein Ding.“

Anna umarmte beide kurz – erst Siobhan, dann Declan.

An der Tür drehte sie sich nochmal um.

„Danke. Für… alles. Und fürs Vertrauen.“

Siobhan zwinkerte. „Gern geschehen. Und pass auf dich auf, ja?“

Anna trat hinaus in den kühlen Februar-Nachmittag. Der Bierdeckel steckte wieder in ihrer Hosentasche. Sie hatte nichts ausprobiert, nichts unterschrieben, nichts versprochen.

Und doch fühlte sich der Tag plötzlich viel größer an als der gestrige.




Ende Kapitel 2

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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 13:30 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 3 – Herbst an der irischen Küste




Die Monate vergingen schneller, als Anna erwartet hatte. Der Bierdeckel aus Dublin lag immer noch in ihrer Nachttischschublade, mittlerweile abgegriffen von zu vielen Malen, in denen sie ihn herausgeholt und wieder weggelegt hatte.

Die Chats mit Siobhan und Declan waren nie abgerissen. Erst sporadisch – ein Foto vom Sonnenuntergang über der Nordsee, das Anna mit der Drohne geschossen hatte, Declan antwortete mit einem ähnlichen Shot von den Cliffs of Moher. Dann wurden die Nachrichten länger: Frachtstaus im Roten Meer, neue EU-Zollregelungen, welche Drohnen-Software gerade am besten für Panorama-Stitching taugte, ob man bei Windstärke 7 noch sicher fliegen konnte. Siobhan schickte zwischendurch immer wieder unaufdringliche, aber sehr präzise Fotos: ihre verschweißten Schellen im Gegenlicht auf dem Küchentisch, eine Tasse Tee daneben, einfach so, ohne Kommentar. Declan kommentierte meist trocken: „Morgen wieder 14 Stunden Schicht. Siobhan sagt, ich soll nicht jammern. 😏“

Im August kam die Nachricht.

Siobhan: „Herbstferien bei uns? Kein Hotelkram, einfach bei uns pennen. Wir wollen ein paar Tage an die Küste runter – Slieve League, Malin Head, versteckte Spots. Drohnen mitnehmen, wandern, filmen. Nix Touristenkram. Nur wir drei. Sag einfach ja.“

Anna starrte die Nachricht an. Dann tippte sie, ohne lange nachzudenken:

„Bin dabei.“




Ende September landete sie in Dublin. Declan holte sie ab, Siobhan wartete zu Hause mit frischem Soda Bread und einem riesigen Topf irischem Stew. Das Gästezimmer war klein, aber gemütlich: Holzboden, dicke Wolldecke, ein Fenster mit Blick auf den winzigen Hinterhof. Auf dem Nachttisch lag – ganz beiläufig – ein frisches Handtuch und eine kleine Tube Wundsalbe. Anna musste grinsen.

Die ersten zwei Tage waren atemberaubend und mörderisch zugleich.

Tag 1: Slieve League. Die höchsten Meeresklippen Europas. Wind, der einem die Tränen in die Augen peitschte. Declan trug die schwere Kameradrohne, Siobhan den Rucksack mit Proviant und Ersatzakkus. Anna hielt mit – gerade so. Sie filmten stundenlang, lachten über Declans irische Flüche, wenn die Drohne mal wieder vom Wind weggetragen wurde. Abends fiel Anna ins Bett wie tot.

Tag 2: Ein versteckter Strandabschnitt nördlich von Malin Head. Declan kannte einen Pfad, den Google Maps nicht mal andeutete. Steil, rutschig, matschig. Siobhan kletterte voraus wie eine Gämse, Anna keuchte hinterher, Declan machte Fotos von beiden. Die Aussicht oben war es wert: türkisfarbenes Wasser, das gegen schwarze Felsen schlug, Möwen, die wie weiße Punkte im Wind tanzten. Aber als sie abends zurückkamen, zitterten Annas Oberschenkel vor Erschöpfung.




Am Morgen des dritten Tages saß Anna am Küchentisch, den Kopf in beide Hände gestützt, und starrte in ihren Kaffee.

„Ich bin ko. Ernsthaft. Ich brauch heute Pause. Meine Beine fühlen sich an wie Pudding.“

Siobhan, die gerade Brot schnitt, nickte verständnisvoll.

„Hab ich gestern schon gemerkt. Macht gar nichts. Ruh dich aus. Es gibt später noch genug zu sehen.“

Anna atmete erleichtert aus. „Kann ich einfach hierbleiben? Alleine? Couch, Netflix, vielleicht ein Nickerchen…“

Siobhan und Declan wechselten einen kurzen Blick.

„Klar kannst du hierbleiben“, sagte Declan langsam. „Du kennst dich ja aus.“

Dann fügte Siobhan hinzu: „Aber besser, wir passen auf dich auf. Nur damit dir nichts passieren kann, solange wir unterwegs sind.“

Anna runzelte die Stirn. „Äh… was genau heißt das jetzt?“

Siobhan lächelte – dieses kleine, wissende Lächeln, das Anna schon aus den Chats kannte.

„Lass dich überraschen. Erst mal fertig frühstücken. Du erfährst es noch rechtzeitig, bevor wir aufbrechen.“

Declan goss ihr Kaffee nach, als wäre nichts gewesen.

Anna spürte, wie ihr Puls ein kleines bisschen schneller ging. Nicht panisch. Nur… geringfügig nervös. Die Art von Nervosität, die man hat, wenn man genau weiß, dass etwas kommen wird, das man sich halb gewünscht und halb gefürchtet hat.

Sie nahm einen großen Schluck Kaffee.

Der Tag hatte gerade erst angefangen.




Ende Kapitel 3

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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 13:35 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 4 – Der dritte Tag




Declan hatte schon die kleine Reisetasche ins Auto geworfen – nichts Großes: Wasserflaschen, Drohnen-Akkus, ein paar Müsliriegel, Regenjacken für alle Fälle. Er saß bereits auf dem Fahrersitz, Motor im Leerlauf, und tippte auf seinem Handy herum.

Siobhan kam zurück in die Küche, wo Anna gerade den letzten Schluck Kaffee nahm. Ohne ein Wort nahm sie Annas Hand – fest, aber nicht grob – und zog sie sanft hoch.

„Komm mit“, sagte sie deutlich und ruhig. „Mal was ausprobieren.“

Anna blinzelte. „Aber… ich dachte, ich bleib hier?“

„Genau deswegen“, antwortete Siobhan nur und führte sie durch die Küche Richtung Garage.

Anna folgte widerstandslos, aber mit einem kleinen Knoten im Magen. Die Garage sah von außen unspektakulär aus – zwei Autos passten rein, Werkzeug an der Wand, ein paar Fahrräder. Doch Siobhan ging zielstrebig nach hinten, öffnete eine unscheinbare graue Stahltür, die Anna bisher gar nicht aufgefallen war.

Hinter der Tür lag ein separater Raum, vielleicht vier mal fünf Meter. Betonboden, sauber gefegt. Keine Fenster, nur eine Deckenleuchte mit kaltweißem Licht. An den Wänden standen deckenhohe Metallschränke, verschlossen, ohne Griffe – nur kleine Zahlenschlösser. Anna warf einen Blick darauf, fragte aber nichts. Noch nicht.

Mitten im Raum stand ein kleiner Campingtisch. Darauf lagen, ordentlich nebeneinander:

Zwei Paar breite, schwarze medizinische Manschetten für Hände und Füße. Gepolstert, dickes Neopren-ähnliches Material, jeweils mit einem flachen, silbernen Magnetverschluss.
Daneben ein Paar steife, schwarze Fäustlinge – keine normalen Handschuhe. Sie reichten bis über die Handgelenke, das Material war fest, fast wie verstärkter Kunststoff, mit breitem Klett am oberen Rand.

Siobhan schloss die Tür hinter ihnen leise. Das Geräusch hallte ein bisschen nach.

„Zieh mal deine Jogginghose und dein T-Shirt aus“, sagte sie. „Die Unterwäsche kannst du anlassen.“

Anna schluckte. „Einfach so?“

„Einfach so.“ Siobhans Stimme blieb ruhig, fast geschäftsmäßig. „Kein Druck. Aber wenn du’s ausprobieren willst – jetzt ist der Moment.“

Anna zögerte drei, vier Sekunden. Dann zog sie das Shirt über den Kopf, stieg aus der Hose. Stand da in Slip und Sport-BH, plötzlich sehr bewusst, wie kühl der Beton unter den nackten Füßen war.

Siobhan nahm zuerst die Fäustlinge. Sie waren überraschend schwer. Sie streifte sie Anna über die Hände – langsam, sorgfältig. Die Finger wurden sofort in eine starre, leicht gekrümmte Position gezwungen. Sobald die Fäustlinge ganz drüber waren, schloss Siobhan den breiten Klett über den Handgelenken.

Dann kamen die Handmanschetten. Sie legte sie um die bereits gefäustelten Handgelenke, zog die Riemen fest, bis alles sicher saß. Ein leises Klicken – der Magnetverschluss rastete ein. Anna versuchte instinktiv, die Finger zu bewegen. Kaum möglich. Die Fäustlinge hielten alles steif, die Manschetten fixierten zusätzlich.

„So“, murmelte Siobhan. „Jetzt kannst du die Dinger nicht mehr abnehmen. Und den Magnet wirst du mit den Fäusten auch nicht bedienen können. Genau so soll’s sein.“

Anna starrte auf ihre Hände. Sie sahen aus wie in dicke schwarze Boxhandschuhe gesteckt – nur viel steifer, viel sicherer. Sie versuchte, die Finger zu spreizen. Nichts. Nur ein leises Knirschen des Materials.

Siobhan kniete sich hin und legte die Fußmanschetten an. Auch hier: fest, gepolstert, Magnetverschluss. Kein Spielraum, aber kein Druckpunkt, keine Scheuerstelle.

Als sie fertig war, stand sie auf und trat einen Schritt zurück.

Anna machte einen kleinen Schritt – die Fußmanschetten ließen normale Bewegungen zu, aber sie spürte sofort die leichte Behinderung. Die Hände waren das Schlimmste: nutzlos, schwer, fremd.

Sie lachte leise, nervös.

„Okay… so kann mir ja wirklich nichts passieren.“




Anna dachte bei sich:

*Was zur Hölle machst du hier eigentlich gerade?*

Die Worte hallten in ihrem Kopf wider, während sie auf ihre eigenen Hände starrte – zwei schwarze, unförmige Klumpen, die einmal ihre Finger gewesen waren.

*Das war kein Spaß mehr. Kein Spiel mit Handschellen im Pub, bei dem man nach zwei Stunden wieder rauskommt. Das hier ist… echt. Die Dinger sitzen. Fest. Und ich kann nichts dagegen tun.*

Ihr Herz klopfte schneller, aber nicht nur aus Angst. Da war noch etwas anderes – ein warmes, kribbelndes Gefühl tief im Bauch, das sie schon den ganzen Morgen ignoriert hatte.

*Du hast ja gesagt. Du hast nicht Nein gesagt. Du wolltest das ausprobieren. Richtig ausprobieren, hast du dir selbst versprochen. Kein Halbherum. Kein „ach, nur mal kurz gucken“. Und jetzt stehst du hier, fast nackt in einem fensterlosen Raum, und kannst nicht mal dein Handy nehmen, um deinen Mädels zu schreiben, dass du vielleicht… ein bisschen später kommst.*

Sie versuchte, die Finger zu spreizen. Nichts. Nur dieses leise, plastische Knirschen.

*Siobhan und Declan gehen jetzt einfach weg. Stundenlang. Und du bleibst hier. Allein. Gefesselt. Hilflos. Und… verdammt, ein Teil von dir findet das aufregend. Nicht nur ein bisschen. Richtig aufregend.*

Sie schluckte.

*Was, wenn du’s bereust? Was, wenn du in zehn Minuten schon panisch wirst? Dann klopfst du mit dem Fuß an die Tür, haben sie gesagt. Und sie kommen zurück. Sie haben gesagt, sie passen auf. Sie haben Kameras. Sie lassen dich nicht einfach… verrotten.*

Trotzdem pochte der Gedanke in ihrem Hinterkopf: *Du hast dich freiwillig ausgeliefert. Komplett. Und niemand zwingt dich dazu. Das ist das Geile daran. Und das macht dir ein bisschen Angst.*

Sie atmete tief ein, spürte, wie sich ihre Brust hob und senkte.

*Okay. Atmen. Das ist nur ein Test. Zwei Stunden. Vielleicht drei. Du schaffst das. Und wenn nicht… dann nicht. Aber du wolltest wissen, wie sich das anfühlt. Richtig lange. Richtig hilflos. Und jetzt weißt du’s.*

Ein kleines, fast hysterisches Lachen stieg in ihrer Kehle auf.

*Herzlichen Glückwunsch, Anna. Du hast es geschafft. Du bist jetzt offiziell… bewegungsunfähig. Und irgendwie… fühlt sich das verdammt richtig an.*




Ende Kapitel 4

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Kapitel 5 – Der Raum dahinter




Anna stand da, die Arme leicht vom Körper abgespreizt, und bewegte probeweise die Schultern, die Ellbogen, die Hüften. Die Fußmanschetten behinderten kaum – sie konnte normale Schritte machen, nur etwas bewusster. Die Hände waren das eigentliche Hindernis: zwei schwere, steife schwarze Klötze, die sie nicht mal richtig zur Faust ballen konnte.

*Das ist… eigentlich gar nicht so schlimm*, dachte sie. *Man fühlt sich behindert, klar, aber es tut nichts weh. Und irgendwie… sicher.*

Sie hob die „Fäuste“ ein bisschen höher, drehte sich einmal um die eigene Achse, testete, wie weit sie die Arme nach hinten bringen konnte. Dann, ganz spontan, führte sie beide Hände hinter den Rücken, kreuzte sie dort übereinander, als wären sie schon verbunden.

*So würde das aussehen*, ging es ihr durch den Kopf. *Wenn da eine kurze Kette wäre. Oder ein Karabiner. Oder einfach nur… feste Manschetten mit einem Ring dazwischen.*

Ein kleines, fast schüchternes Grinsen zog über ihr Gesicht.

„Das fühlt sich… ziemlich cool an“, sagte sie leise.

Siobhan, die gerade den Magnet-Schlüssel in die Tasche ihrer Jogginghose steckte, lächelte breit – ehrlich erfreut.

„Siehst du? Genau das hab ich gemeint. Es ist nicht nur das Gefesseltsein. Es ist dieses Gefühl, dass alles… richtig sitzt. Und du trotzdem noch du bist.“

Anna nickte. „Ja. Genau. Ich dachte, du zeigst mir das nur kurz vor, damit ich’s mal spüre. Und dann machst du wieder auf, oder?“

Siobhan antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm sie Anna sanft am Oberarm – nicht an den gefesselten Händen, sondern oberhalb des Ellbogens – und führte sie ein paar Schritte weiter nach hinten.

„Komm erst mal mit.“

Hinter den hohen Schränken gab es noch eine zweite, schmalere Tür – fast unsichtbar, weil sie in der gleichen grauen Wandfarbe gehalten war. Siobhan öffnete sie. Sofort flammten entlang der Fußleisten warme, farbige LED-Streifen auf: ein sanftes Violett, das langsam zu einem tiefen Indigo überging. Anna blinzelte überrascht.

„Unnötig eigentlich“, murmelte Siobhan mit einem kleinen Lachen. „Aber Declan meinte, es macht den Raum… einladender.“

Der Raum war kleiner als der erste – vielleicht drei mal vier Meter –, aber hell. In der gegenüberliegenden Wand saß ein großes, rechteckiges Fenster, fast bodentief. Morgensonne fiel schräg herein, zeichnete helle Rechtecke auf den Boden. Durch das Fenster sah man den kleinen, verwilderten Garten hinter dem Haus: hohes Gras, ein paar Apfelbäume, die Nachbarhäuser mit ihren Wäscheleinen und Satellitenschüsseln. Alles ganz normal, alltäglich. Und doch fühlte sich der Kontrast plötzlich surreal an.

Anna blieb stehen. Unsicher. Etwas ratlos.

In der Mitte des Raums stand eine Kiste.

Metallisch glänzend, exakt 1000 × 1000 × 1000 mm – ein perfekter Würfel. Die Außenwände sahen auf den ersten Blick wie ein Käfig aus: silberfarben, mit regelmäßigen quadratischen Öffnungen, 15 × 15 mm groß, in gleichmäßigen Abständen. Doch bei näherem Hinsehen erkannte Anna, dass es kein Metall war. Das Material war dicker, massiver – ein stabiles Kunststoff-Sandwich, außen hochglänzend in Chrom-Optik, innen weich gepolstert.

*Wer baut so was?*, dachte Anna. *Das sieht aus wie… wie ein Möbelstück aus einem Science-Fiction-Film. Oder wie etwas, das man in einem sehr speziellen Club findet. Nicht wie etwas, das man einfach so in einer normalen Garage hat.*

Siobhan trat neben sie, legte eine Hand leicht auf Annas Rücken – eine beruhigende, aber bestimmte Berührung.

Dann griff sie an die Seite der Kiste. Mit einem leisen Klicken schwenkte eine ganze Wand nach außen – eine Tür, nahtlos in die Käfigstruktur integriert.

Anna konnte jetzt ins Innere sehen.

Der Boden war mit einer dicken, glatten Schaumstoffmatte ausgelegt, anthrazitfarben, weich genug, um stundenlang darauf zu liegen oder zu knien. Die Innenwände waren komplett mit weichem, schwarzem Kunstleder bezogen – glatt, kühl, aber nicht kalt. Keine scharfen Kanten, keine harten Stellen. Alles darauf ausgelegt, dass man sich nicht verletzen konnte, egal wie lange man darin blieb.

Siobhan sagte nichts. Sie wartete einfach.

Die farbigen LEDs am Boden pulsierten weiter – langsam, fast hypnotisch.




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Kapitel 6 – Die Kiste




Siobhan ließ die schwenkbare Wandseite ganz offen stehen. Das Morgenlicht fiel schräg durch das große Fenster herein und ließ die silberne Kunststoff-Oberfläche der Kiste glänzen. Der Würfel maß jetzt exakt 1000 × 1000 × 1000 mm – groß genug, um nicht klaustrophobisch zu wirken, aber klein genug, dass man sofort spürte: Stehen war keine Option mehr.

Siobhan legte eine Hand leicht auf Annas Rücken – genau zwischen die Schulterblätter.

„Setz dich mal rein.“

Anna zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde. Dann machte sie einen Schritt vorwärts, beugte die Knie und ließ sich vorsichtig auf die dicke Schaumstoffmatte sinken. Die Kanten der Öffnung waren weich abgerundet; sie musste sich nicht ducken, nur ein bisschen nach vorne lehnen. Sobald sie drin saß, fühlte sich der Raum sofort enger und gleichzeitig… geschützter an.

Siobhan griff hinter sich, zog eine weiche, graue Kuscheldecke vom Regal und reichte sie hinein.

„Hier. Nackt ist auf Dauer unbequem. Leg sie dir um, oder unter dich, wie’s dir passt.“

Anna nahm die Decke mit den gefäustelten Händen – ungeschickt, aber es ging – und breitete sie zuerst unter sich aus, dann zog sie einen Zipfel über die Schultern. Die Matte fühlte sich tatsächlich angenehm an: glatt, federnd, warm von der Sonne, die durchs Fenster schien.

Sie probierte es aus.

Zuerst setzte sie sich aufrecht hin, Beine angewinkelt, Rücken an die gepolsterte Rückwand gelehnt. Passte. Dann drehte sie sich zur Seite, legte sich halb auf die Matte, rollte sich auf den Rücken – die Decke unter dem Kopf als Kissen. Die Decke reichte locker aus, um sie vollständig einzuhüllen. Sie konnte die Beine strecken, anziehen, zur Seite kippen. Hocken ging, knien ging, sogar ein kleines Stück auf allen Vieren kriechen – die Kiste war gerade groß genug dafür.

Aufstehen? Nein. Die Decke war zu niedrig. Aber sitzen, liegen, sich drehen, sich zusammenrollen – alles möglich, und alles fühlte sich überraschend bequem an.

Siobhan lehnte sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen und beobachtete sie ruhig.

„Und?“

Anna richtete sich wieder halb auf, die Decke rutschte ein bisschen von den Schultern.

„Erinnert mich ein bisschen an einen Laufstall… oder ein sehr großes Kinderbett.“ Sie lachte leise, fast verlegen. „Aber die Matte am Boden ist echt ok. Bequem. Weich. Man kann sich richtig gut hinlegen.“

„Prima“, sagte Siobhan zufrieden. „Genau das hab ich mir gedacht. Du kannst ja auch gut liegen und dich bewegen, oder?“

„Ja, klar kann ich.“ Anna nickte langsam. „Ist… bequem so.“

Sie zog die Decke enger um sich. Die farbigen LEDs am Boden pulsierten weiter – jetzt ein sanftes, beruhigendes Türkis. Durch das Fenster sah man die Apfelbäume im Garten leicht im Wind schaukeln, hörte fern das leise Rauschen eines Autos auf der Straße. Alles normal. Und doch saß sie hier drin, nackt bis auf Slip und BH, in einer glänzenden, käfigartigen Kiste, die Hände in steifen Fäustlingen und Manschetten gefangen, die Füße ebenfalls fixiert.

Ein Gedanke kroch langsam in ihren Kopf hoch.

*Das ist kein kurzer Test mehr.*

*Die lassen mich hier nicht einfach fünf Minuten sitzen und dann wieder raus.*

*Die wollen, dass ich eine gewisse Zeit hier verbringe.*

*Eine richtige Zeit.*

Sie spürte, wie ihr Puls wieder etwas schneller ging – nicht panisch, aber spürbar. Sie traute sich nicht, die Frage laut zu stellen. Noch nicht.

Stattdessen schaute sie Siobhan nur an, die Decke bis unters Kinn gezogen.

Siobhan lächelte – dieses kleine, wissende Lächeln.

Und schloss dann, ganz langsam, die Schwenkwand.

Das Klicken des Schlosses war leise, aber endgültig.




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Kapitel 7 – Die Ketten




Siobhan beugte sich über den oberen Rand der Kiste. Dort lagen vier etwa einen Meter lange Edelstahlketten – dünn, aber stabil, mit kleinen, silbernen Vorhängeschlössern an jedem Ende. Sie nahm die erste, fädelte das offene Schloss durch den Ring an Annas rechter Handmanschette und klickte es zu. Dann die zweite an der linken Hand. Dasselbe mit den Fußmanschetten – rechts und links unten.

Anna beobachtete jede Bewegung. Als das vierte Schloss zuschnappte, ging ihr ein kurzer, nüchterner Gedanke durch den Kopf:

*Mit den Fäustlingen krieg ich die Dinger nie im Leben auf. Keine Chance. Selbst wenn ich den Schlüssel irgendwo finden würde – ich könnte ihn nicht mal greifen.*

Siobhan nahm die freien Enden der Ketten und fädelte sie geschickt durch die quadratischen Löcher in den Wänden: die Fußketten durch die unteren Löcher rechts und links, die Handketten durch die oberen. Sie zog sie nicht straff – sie ließ einfach genug Spiel, dass die Ketten lose durchhingen. Genug, um Anna in der Kiste zu halten, aber nicht genug, um ihre Bewegungen wirklich einzuschränken. Die Ketten dienten nur als sanfte Barriere – ein Reminder, dass Rausklettern keine Option war.

Anna verstand sofort. Sie konnte sich immer noch drehen, hinlegen, aufsetzen, die Beine strecken. Die Ketten klirrten nur leise, wenn sie sich zu weit nach vorne oder zur Seite lehnte – ein leises, metallisches Flüstern, mehr nicht.

Siobhan schloss die Schwenkwand ohne ein weiteres Wort. Das Schloss klickte leise. Durch die vielen kleinen Löcher drang immer noch genug Licht herein – ein feines, gepunktetes Muster auf der Matte –, aber der Raum wurde merklich dunkler, intimer, abgeschotteter.

Siobhan stand draußen, Hände in den Hosentaschen, und schaute durch eines der oberen Löcher herein.

„Na? Wie lange soll ich dich drin lassen?“

Anna biss sich auf die Unterlippe. *Jetzt keinen Fehler machen. Lieber erst mal nichts Falsches sagen.*

Schweigen.

Siobhan hob eine Augenbraue. „??“

Anna räusperte sich leise. „Weiß nicht… wie lang denkst du? Ich will euch nicht aufhalten.“

„Prima.“ Siobhan nickte zufrieden. „Gestern und vorgestern waren wir so fünf Stunden unterwegs.“

Anna blinzelte. *Die meint das ernst? Fünf Stunden? Oder zieht sie mich nur auf? Wenn ich jetzt protestiere, lacht sie mich aus. Und wenn ich mich nicht traue… lacht sie wahrscheinlich auch.*

„Ok gut“, murmelte sie vorsichtig.

Siobhan grinste schief. „Ok. Dann bleibst du drin, bis wir wieder daheim sind. Heute wollen wir weiter weg – Klettern gehen. Wir kommen sicher nicht vor dem Abend zurück. Vielleicht schlafen wir auch am Strand.“

Eine kleine Pause. Dann, fast beiläufig:

„Lass es dir nicht langweilig werden.“

Siobhan richtete sich auf, drehte sich um und verließ den Raum. Die Außentür fiel leise ins Schloss.

Stille.

Anna lag auf der Matte, die Kuscheldecke bis zur Nase hochgezogen, und starrte an die perforierte Decke der Kiste.

*Das meint sie nicht ernst.*

*Oder doch?*

*Sechs, sieben, acht Stunden? Vielleicht die ganze Nacht?*

Die Ketten klirrten leise, als sie sich auf die Seite drehte. Sie testete noch einmal: hinlegen ging, aufsetzen ging, sich zusammenrollen ging. Die Ketten hielten sie nur sanft zurück – kein echter Widerstand, nur ein ständiges, leises „Nein, weiter kommst du nicht“.

*Und sie ist einfach gegangen. Ohne ein weiteres Wort. Ohne zu fragen, ob das okay ist. Ohne mir eine Uhrzeit zu nennen. Ohne… irgendwas.*

Anna zog die Decke enger um sich. Durch die Löcher fiel weiterhin das gepunktete Sonnenlicht herein – kleine goldene Punkte, die langsam über die Matte wanderten.

Sie war ratlos. Verunsichert. Ein Teil von ihr wollte schreien, klopfen, mit dem Fuß gegen die Wand treten – wie sie es versprochen hatten. Der andere Teil… der andere Teil lag einfach da und spürte dieses seltsame, warme Kribbeln im Bauch.

*Sie ist weg.*

*Und ich bin hier.*

*Und ich hab keine Ahnung, wann sie wiederkommt.*




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Kapitel 8 – Der echte Test




Die Stille hielt nur wenige Minuten an.

Dann hörte Anna Schritte zurückkommen – leise, aber eindeutig. Die Außentür öffnete sich wieder. Erleichterung durchflutete sie wie eine warme Welle.

*Gott sei Dank. Nur ein Test. Ein kurzer, fieser Test. Ich hab nichts Dummes gesagt, nichts gebettelt. Gut so.*

Sie atmete tief aus, die Schultern sanken ein Stück. *Ein paar Stunden so eingesperrt zu sein, beim ersten Mal… das wäre schon echt krass gewesen. Obwohl… die Vorstellung kribbelt trotzdem irgendwo tief drin. Aber gut, dass es jetzt vorbei ist.*

Siobhan trat wieder vor die Kiste. Sie hatte die Arme verschränkt, ein kleines, fast spielerisches Lächeln im Gesicht.

Ohne ein Wort ging sie zum großen Fenster, zog die schweren Rollläden herunter. Einer nach dem anderen fiel mit leisem Rattern zu. Der letzte Sonnenstrahl verschwand. Schlagartig wurde es dunkel im Raum – nur noch das sanfte, pulsierende Farblicht der LED-Leisten an den Fußleisten blieb: ein tiefes Violett, das langsam in ein kaltes Blau überging.

Anna blinzelte mehrmals, ihre Augen brauchten einen Moment, um sich anzupassen. Die kleinen quadratischen Löcher in den Wänden ließen gerade genug diffuses Licht durch, dass sie Siobhans Silhouette wieder erkennen konnte – dunkel vor dem schwachen Schimmer.

„Wir sind dann soweit“, sagte Siobhan ruhig. „Kannst du dich bewegen und hinlegen? Gut sitzen, alles bequem?“

Anna nickte instinktiv, obwohl sie wusste, dass die Bewegung kaum sichtbar war.

„Ja… alles prima. Sehr bequem so.“

„Dachte ich mir.“ Siobhan klang fast zufrieden. „Das soll natürlich nicht so bleiben.“

Bevor Anna die Worte richtig verarbeiten konnte, griff Siobhan durch eines der Löcher und zog an den Kettenenden – erst rechts, dann links, oben und unten. Sie zog sie straff, bis innen nur noch knapp zehn Zentimeter Spiel blieben. Dann, ohne Zögern, ließ sie vier weitere kleine Vorhängeschlösser zuschnappen – klick, klick, klick, klick.

Anna reagierte sofort.

Sie riss an den Ketten – energisch, fast panisch. Zog mit den gefäustelten Händen nach oben, nach vorne, nach den Seiten. Nichts. Die Ketten gaben keinen Millimeter nach. Ihre Füße waren jetzt unten rechts und links fest an der Kistenwand fixiert – nur noch ein winziges Schaukeln möglich, vielleicht zehn Zentimeter hin und her. Die Hände oben an den Seitenwänden ebenfalls: jede nur noch zehn Zentimeter Bewegungsfreiheit, Arme und Beine auf gut neunzig Zentimeter Distanz gespreizt.

Hinlegen? Unmöglich.
Umdrehen? Unmöglich.
Anlehnen? Nirgends mehr.

Sie saß jetzt mittig in der Kiste, Knie angezogen, Rücken gerade, ohne Möglichkeit, die Haltung zu verändern. Die Decke war halb heruntergerutscht, lag nutzlos zwischen ihren Beinen. Jede kleine Bewegung – ein Versuch, den Po zu verschieben, die Schultern zu rollen – endete sofort an der straffen Spannung der Ketten.

Siobhan beobachtete das alles durch die Löcher hindurch. Ihr Gesichtsausdruck war amüsiert, fast zärtlich.

„Sieh mal einer an“, murmelte sie. „So viel Kraft. Und nichts passiert.“

Anna zog noch einmal – härter. Die Manschetten drückten sanft, aber unnachgiebig gegen die Haut. Die Fäustlinge machten jedes Greifen, jedes Zerren wirkungslos. Sie konnte spüren, wie sich ihre Muskeln anspannten, wie der Puls in den Handgelenken pochte. Aber die Kiste bewegte sich nicht. Die Ketten nicht. Sie nicht.

Siobhan trat einen Schritt zurück, verschränkte die Arme wieder.

„Sehr zufrieden“, sagte sie leise, mehr zu sich selbst.

Sie musterte Anna noch einmal – die angespannte Haltung, die leicht zitternden Schultern, das hektische Atmen.

*Was jetzt?*, dachte sie nach. *Einfach gehen und sie so lassen?

Ein paar Stunden?

Länger?

Oder… ihr noch eine kleine Aufgabe geben, damit sie beschäftigt ist?*

Sie tippte sich nachdenklich ans Kinn.

Dann lächelte sie wieder – dieses kleine, wissende Lächeln.




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Kapitel 9 – Die Aufgabe




Siobhan stand noch immer vor der Kiste, die Arme locker verschränkt, und musterte Annas angespannte Haltung durch die Löcher hindurch. Ein kleines, teuflisches Lächeln spielte um ihre Mundwinkel.

„Das ist auf Dauer sicher sehr unbequem so“, begann sie fast fürsorglich. „Ich befürchte schon nach einer halben Stunde werden deine Schenkel und dein Po anfangen, etwas wehzutun. Zuerst nicht besonders, aber das steigert sich dann jede Minute. Du möchtest sicher, dass ich dich losmache?“

Anna presste die Lippen zusammen, dann hob sie trotzig das Kinn.

„Nein. Auf keinen Fall. Lass das genau so – bis morgen früh!“

Siobhan lachte leise, anerkennend.

„Kluge Entscheidung von dir. Ich hatte nichts anderes erwartet.“

Sie trat einen halben Schritt näher.

„Aber in der Zeit sollst du ja was zu tun haben. Einfach nur herumsitzen ist bestimmt auf Dauer langweilig. Soll ich dir eine Aufgabe geben?“

Anna zog die Brauen zusammen.

„Trotzig: Nein. Was soll das für eine Aufgabe sein, im Sitzen und angekettet? Die Löcher zählen?“

„Nein“, sagte Siobhan ruhig. „Also kein Interesse an einer Aufgabe?“

„Nein danke.“

Siobhan zuckte mit den Schultern.

„Egal. Du bekommst trotzdem eine. Und du wirst dich sicher anstrengen, um sie zu erfüllen.“ Sie machte eine winzige Pause. „Soll ich dir erklären, was du zu tun hast?“

„Nein.“

„Das war eine sehr dumme Entscheidung“, erwiderte Siobhan sofort, mit einem Hauch von Belustigung in der Stimme. „Deshalb habe ich deine Aufgabe gerade etwas schwieriger gemacht. Immer noch kein Interesse?“

Anna schluckte trocken. „Meinetwegen.“

„Sehr klug.“ Siobhan beugte sich leicht vor. „Also pass auf, ich erkläre es dir nur einmal.“

Sie deutete durch eines der Löcher nach draußen, in Richtung der gegenüberliegenden Wand.

„Wenn du nach vorne durch die richtigen Löcher schaust, kannst du an der Wand ein kleines grünes Display sehen. Sobald ich die Tür abschließe, geht das Licht aus – dann kannst du das deutlicher sehen. Gleichzeitig startet ein Timer mit einer zufälligen Zeit. Ich könnte die auch eingeben, aber ich finde zufällig interessanter. Ich will die auch gar nicht wissen.“

„Bis jetzt verstanden?“

„Ja“, murmelte Anna trotzig. „Was noch?“

„In den Löchern, durch die die Ketten laufen, sind kleine Schalter. Jedes Mal, wenn du an einer Kette ziehst, bekommst du 10 Minuten Bonuszeit auf den Timer. So wie du jetzt herumgezappelt hast, sind das sicher schon ein paar Stunden. Du solltest also jetzt still sitzen bleiben. Sonst steigt die Zeit schneller, als sie abläuft. Sobald die Zeit abgelaufen ist, bekommen wir eine SMS.“

Anna starrte sie an. Entsetzt. *Das kann sie nicht ernst meinen. Sicher lässt sie die Ketten wieder los, sobald sie mit dem Vortrag fertig ist.*

Laut sagte sie: „Ja, klar. Verstanden. Sonst noch was?“

Siobhan grinste breiter.

„Natürlich. Ich habe dir doch gesagt, dass ich deine Aufgabe ein bisschen schwieriger gemacht habe – hast du dir ja gewünscht. Wenn wir die SMS noch am Abend bekommen, werden wir überlegen, ob wir noch heimfahren und dich befreien oder lieber die Nachbarn anrufen, damit sie die Ketten losmachen. Deine Kistentür können sie aber nicht öffnen.“

Sie ließ das kurz wirken.

„Die Extra-Aufgabe für dich ist jetzt: Das Display zeigt leider – oder zum Glück – die Gesamtzeit nicht an, sondern nur deine Bonuszeiten, die du bekommst, wenn du nicht brav still sitzt. Also, auch wenn das Display auf 00:00 steht, heißt das noch lange nicht, dass eine SMS geschickt wurde. Weiterhin anstrengen und brav stillsitzen.“

Sie machte eine längere Kunstpause.

„Ach ja, noch eine kleine Zusatzinfo, die ich fast vergessen hätte. Eigentlich gar nicht wichtig, nur zu deiner Motivation:
Der Raum war vom Vorbesitzer mal als Schutzraum gebaut worden. Die Läden vor den Fenstern und die Eingangstür haben massive elektrische Riegel eingebaut, die von der Automatik gesteuert werden. Deine Box auch. Sobald ich die Tür schließe, startet die zufällige Zeit – natürlich plus die kleinen Extras, die du dir schon erworben hast. Ich habe das so eingestellt, dass ich die Zeit auch nicht sehen kann. Der Raum bleibt dann sicher verriegelt, bis deine Zeit abgelaufen ist. Wir haben auch keine Möglichkeit mehr, die Tür zu öffnen. Nur, damit du nicht denkst, dass wir dich vielleicht verständlich zu früh freilassen könnten. No way.“

Siobhan machte eine weitere Kunstpause und beobachtete Annas Gesicht ganz genau.

Anna wusste nicht, was sie antworten sollte. Alles klang plötzlich total plausibel. Zu plausibel. *Ist das alles nur Fake? Oder meint sie das ernst?* Sie war völlig durcheinander. Also presste sie die Lippen zusammen und schwieg. Abwarten.

Siobhan war sichtlich zufrieden mit dem stummen, verunsicherten Gesichtsausdruck.

Noch ein kleiner Piks zum Schluss:

„Was hältst du eigentlich von meiner Idee, eine Zufallszeit zu verwenden und die auch für uns unsichtbar zu machen? Ich finde die Idee reizvoll. Ich bin schon sehr gespannt, wie lang du so angekettet bleibst. Was denkst du? Aber ehrlich. Würdest du lieber wissen, wann du frei kommst, oder lässt du dich lieber überraschen?“

Pause.

„Also?“

Anna dachte fieberhaft. *So ein Mist. Worauf will sie raus? Wenn ich jetzt sage „lieber feste Zeit“, fragt sie „wie lang?“ – und was soll ich dann antworten?
Eine Stunde?
Dann lachen sie mich aus.
Zwölf Stunden?
Dann nehmen sie das wörtlich.*

Sie atmete tief ein.

„Ja… ich gebe dir recht. Besser, ich weiß es nicht. Und für dich ist es bestimmt auch interessanter, es nicht zu wissen. Dann störe ich euch nicht, wenn ihr beim Klettern seid. Ich will euch doch nicht unnötig zur Last fallen.

Aber besser finde ich die Idee mit den Strafzeiten.
Aber mal ehrlich – meinst du, dass 10 Minuten bei jedem Mal Ziehen ausreichend sind? Vielleicht würde es mich mehr motivieren, wenn du die Zeit ein bisschen änderst?“

Anna lachte innerlich. *Damit hat sie sicher nicht gerechnet. Jetzt soll sie mal grübeln, wie sie weitermachen will.*

Siobhan war sichtlich verblüfft – nur für den Bruchteil einer Sekunde. Dann blitzte wieder dieses teuflische Funkeln in ihren Augen auf.

„Ok, ich verstehe. Also statt 10 lieber 12 Minuten z. B.? Oder lieber eine zufällige Zeit? So etwa zwischen 10 und 15 Minuten? So etwa?“

„Vielleicht“, sagte Anna vorsichtig. „Wenn du meinst, dass 12 oder 15 Minuten ausreichend sind? Das musst du entscheiden.“

Kaum hatte sie den Satz zu Ende gesprochen, bereute sie ihn schon. *Hoffentlich hab ich das jetzt nicht überreizt.* Aber ihr Contra zu geben war einfach zu verführerisch gewesen.

„Aber bitte dann bei null anfangen, ok?“

Siobhan lachte leise – anerkennend und gleichzeitig gefährlich. Sie ünerlegte:

*Ach, darauf wolltest du hinaus. Sehr klug. Und trickreich. Du hast Angst, dass dein Bonus-Timer schon auf ein paar Stunden extra steht. Deshalb das Angebot mit größeren Zeitschritten. Ok. Du sollst bekommen, was du haben möchtest. Und dich wundern.*

„Ok, gute Idee. Einverstanden. Bevor ich die Tür schließe, setze ich den Timer wieder auf 00:00 und stelle deine Strafzeiten anders ein.“

„Auf welchen Wert? Bitte.“

„Lass dich einfach überraschen.“

„Bitte… wie viel?“

„Lass dich überraschen. Sobald ich die Tür geschlossen habe, kannst du ja sehen, dass der Timer auf 00:00 steht und ich nicht gemogelt habe. Wenn du brav stillsitzt, wirst du es nie erfahren.“

„Also das ist jetzt richtig gemein!“

„Wieso? Wirkt sich doch dann gar nicht auf dich aus?“

„Trotzdem… bitte sagen. Bitte bitte.“

Siobhan beugte sich ganz nah ans Gitter.

„Lustig, wie du bettelst. Nein. Ruhe jetzt. Noch einen Ton und ich verdopple den Wert!“

Anna erstarrte.

*Uff. Noch mal nachsetzen? Dann rastet sie aus. Lieber nicht.*

Sie hielt den Mund.

Siobhan richtete sich auf, warf einen letzten, zufriedenen Blick durch die Löcher und zog die Tür endgültig zu.

Das Schloss klickte.




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Kapitel 10 – Dunkelheit und Zeit




Die Tür fiel ins Schloss.

Sekunden später begann es.

Zuerst ein leises, fernes Summen von der Eingangstür – ein Motor, der hochfuhr, ein metallisches Klicken, dann ein tieferes Brummen, das sich steigerte und abrupt abbrach. Ähnlich bei den Rollläden vor dem Fenster: ein leises Rattern, dann das gleiche hochfahrende Geräusch, das in einem scharfen Klick endete. Und schließlich, ganz nah, direkt an der Kiste selbst: ein kurzes, präzises Brummen, das sich anhörte wie ein Servomotor, der etwas einspannt – genau wie die Spannfutter in der Logistikhalle, wenn ein großes Werkstück fixiert wurde.

Anna hielt den Atem an.

*Also doch kein Bluff.*

Die Geschichte mit dem ehemaligen Schutzraum, den elektrischen Riegeln, der Automatik – alles stimmte. Und wenn das stimmte… dann stimmte vermutlich auch der Rest.

*So ein Mist.*

Jetzt saß sie wirklich fest.

Nach ihrer letzten kleinen Provokation – dem frechen Vorschlag mit den höheren Strafzeiten – würde Siobhan ganz sicher nicht zurückkommen und sie vorzeitig erlösen. Selbst wenn es technisch möglich wäre. Das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Und doch… ein winziger, verrückter Teil von ihr fand es immer noch irgendwie… spannend. Bis vorhin jedenfalls.

Dann gingen nacheinander die LEDs aus.

Erst die Fußleisten – ein sanftes Verlöschen von Violett zu Dunkelblau zu Schwarz. Dann die letzten kleinen Streifen an der Decke. Als die allerletzte Lamelle erlosch, war es vorbei.

Stockdunkel.

Absolut. Kein Fitzelchen Licht mehr. Kein Umriss des Displays, kein Schimmer durch die Löcher, kein gar nichts. Nur Schwärze, die sich wie Samt auf die Augen legte.

Anna blinzelte mehrmals, hoffte auf Nachbilder, auf irgendwas. Nichts.

*Kein Timer. Kein grünes Leuchten. Fake?*

Leider nein.

Siobhan hatte vergessen – oder absichtlich weggelassen – zu erwähnen, dass der Timer im Dunkeln nur dann sichtbar blieb, wenn eine Strafzeit aktiv war. Weil sie ihn auf 00:00 zurückgesetzt hatte, blieb er dunkel. Wort gehalten. Gemein, aber korrekt.

Anna saß im absoluten Nichts.

Gefangen, angekettet, ohne jede Orientierung. Keine Ahnung, ob fünf Minuten vergangen waren oder fünfzig. Keine Uhr, kein Handy, kein Tageslicht, kein Geräusch außer ihrem eigenen Atem und dem leisen Klirren der Ketten, wenn sie sich nur einen Millimeter bewegte.

Sie versuchte, still zu sitzen.

Wirklich still.

Die Oberschenkel angewinkelt, Knie hochgezogen, Rücken gerade – genau so, wie die Ketten es erlaubten. Sie presste die Zähne zusammen, konzentrierte sich auf langsames Atmen. *Nicht ziehen. Nicht zappeln. Keine Strafminuten.*

Aber der Körper gehorchte nicht lange.

Zuerst kam das leichte Ziehen in den Oberschenkeln – ein dumpfes Brennen, das man noch ignorieren konnte. Dann wanderte es tiefer, in die Gesäßmuskeln. Die Matte, die anfangs so weich und einladend gewirkt hatte, fühlte sich plötzlich hart an wie Beton. Jede noch so kleine Druckstelle wurde zur Folter, weil sie nicht wegkonnte. Nicht mal den Po ein paar Zentimeter verschieben.

Die Arme wurden schwer. Die Fäustlinge machten jede Entlastung unmöglich – sie konnte die Ellbogen nicht abstützen, nicht die Schultern rollen, nicht mal die Hände ballen, um die Durchblutung anzuregen. Nur dieses tote, starre Gewicht an den Handgelenken, das mit jeder Minute mehr zog.

Sie versuchte, den Kopf nach hinten zu lehnen – aber da war kein Halt. Die Ketten hielten die Arme zu weit gespreizt. Nach vorne kippen? Sofort spannten die Fußketten. Zur Seite? Dasselbe. Jede winzige Korrektur endete in einem leisen Klirren und einem scharfen Ziehen in den Muskeln.

Die Schmerzen steigerten sich.

Erst ein nerviges Pochen, dann ein tiefes, bohrendes Brennen in den Quadrizeps. Der Po fühlte sich an, als säße sie auf glühendem Metall – jede Sekunde auf derselben Stelle wurde zur Qual. Die Schultern begannen zu zittern, die Nackenmuskeln verkrampften sich, weil sie den Kopf nirgends ablegen konnte. Der untere Rücken meldete sich mit einem stechenden Stechen, das sich bei jedem Atemzug verstärkte.

Anna biss die Zähne zusammen, bis es knirschte.

*Verdammt, Siobhan.*

*Verdammt, deine blöde Idee.*

*Verdammt, ich selbst. Wie dumm kann man sein?*

Sie hatte sich freiwillig hier reingesetzt. Hatte getrotzt. Hatte provoziert. Hatte gedacht, sie könnte das Spiel mitspielen.

Jetzt zahlte sie.

Und sie hatte keine Ahnung, wie lange schon.

Zehn Minuten? Eine Stunde? Drei?

Jede Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Jede winzige Bewegung – ein unwillkürliches Zucken des Oberschenkels, ein Versuch, das Gewicht zu verlagern – brachte das leise Klirren der Ketten und die panische Angst: *Habe ich gerade zehn Minuten extra geholt? Oder fünfzehn? Oder mehr?*

Sie versuchte, sich abzulenken. Zählte im Kopf ihre Atemzüge. Eins… zwei… drei… Bei hundert fing sie wieder von vorne an. Dann versuchte sie, sich an den gestrigen Strandspaziergang zu erinnern – die Wellen, den Wind, Declans Lachen. Aber die Bilder zerbrachen sofort unter dem nächsten Schmerzanfall.

Der Po brannte jetzt richtig. Die Oberschenkel zitterten unkontrolliert. Die Arme fühlten sich an wie Blei, die Schultern wie in Schraubstöcken. Tränen stiegen hoch – nicht aus Verzweiflung, sondern aus purer, körperlicher Überforderung.

*Ich halte das nicht mehr lange aus.*

*Aber ich muss.*

*Weil jede Bewegung… mehr Zeit bedeutet.*

*Und ich weiß nicht, wie viel Zeit ich schon habe.*

*Und ich weiß nicht, wie viel noch kommt.*

Im Dunkeln, in der Stille, gefangen in ihrem eigenen Körper, der sich gegen sie wandte, saß Anna da.

Und litt.

Und wartete.




Ende Kapitel 10

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Kapitel 11 – Der Timer lügt nicht




Annas Arme hingen an den kurzen Ketten wie Bleigewichte. Die Schultern brannten bereits, die Ellenbogen waren steif, und jede Sekunde, in der sie die Position hielt, fühlte sich an, als würde jemand langsam mehr Gewicht auf ihre Handgelenke legen. Irgendwann – sie hatte keine Ahnung, wie lange – hielt sie es nicht mehr aus.

Vorsichtig bewegte sie zuerst den linken Arm, nur ein paar Millimeter nach innen, dann wieder zurück. Kaum spürbar. Dann der rechte. Winzige Korrekturen, fast wie Atmen. Und… nichts passierte. Kein Klirren, kein Summen, kein grünes Leuchten, das sie in der Dunkelheit gesehen hätte.

*Vielleicht doch nicht so streng eingestellt?*
Der Gedanke brachte eine winzige Welle von Hoffnung. *Vielleicht reagiert der Schalter nur bei richtigem Reißen, nicht bei so kleinen Bewegungen. Vielleicht kann ich mich doch ein bisschen entlasten, ohne dass der Timer hochgeht.*

Oder – noch verlockender – vielleicht war die ganze Strafzeit-Geschichte nur ein fieser Bluff. Siobhan traute sie das jederzeit zu. Ein psychologisches Spiel, um sie ruhig zu halten, während die Zeit einfach normal ablief. Die Vorstellung war verlockend genug, dass sie sich fast entspannte.

Aber es gab nur einen Weg, das sicher herauszufinden.

*Einmal richtig ziehen. Kurz. Energisch. Wenn dann nichts passiert… Fake. Wenn doch… na ja.*

Sie überlegte endlos.
Die Oberschenkel pochten inzwischen wie offene Wunden. Der Po fühlte sich an, als säße sie auf heißen Kohlen. Die Arme zitterten schon leicht. Je länger sie zögerte, desto mehr schmerzte alles.
*Wenn ich ziehe und es ist Fake – Erleichterung. Wenn es echt ist – dann hab ich gerade bewiesen, dass es echt ist. Und dann muss ich damit leben.*

Sie biss die Zähne zusammen.
*Ausprobieren. Jetzt.*

Mit beiden Händen zog sie energisch an den Ketten – nicht wild, aber entschlossen. Ein kurzer, harter Ruck.

Nichts.

Kein Geräusch. Kein Licht. Kein Summen.
Erleichterung flutete durch sie hindurch wie kaltes Wasser. *Fake. Gott sei Dank. Sie hat mich nur verarscht. Die ganze Timer-Nummer war nur, um mich kirre zu machen.*

Sie ließ die Arme wieder sinken, atmete aus.
*Ich kann mich also bewegen. Ein bisschen jedenfalls. Das reicht schon.*

Doch als sie den Kopf leicht drehte und durch ein bestimmtes Loch in der Kistenwand spähte – genau das eine, durch das man die gegenüberliegende Wand am besten sah –, bemerkte sie es.

Ein winziges grünes Display. Kaum größer als eine Streichholzschachtel, kaum heller als eine Glühwürmchenlampe. Nur sichtbar, wenn man genau hinsah.

00:03

Drei Minuten. Rückwärts zählend.

Anna blinzelte verwirrt. *Warum drei Minuten?*
Siobhan hatte erst von 10 Minuten gesprochen. Dann hatte Anna 12 angeboten. Dann war von zufällig 5 bis 15 die Rede gewesen.
Aber drei?
Und sie hatte an zwei Ketten gleichzeitig gezogen – hätte das nicht 20 oder 30 Minuten ergeben müssen?

Sie hielt still. Strengte sich an.
Die drei Minuten liefen ab. Das Display erlosch wieder.

*Okay. Sie hat nicht geflunkert. Die Strafzeit wird wirklich abgearbeitet.*

Der Schock saß tief.
*Also weiter stillsitzen. Mist.*

Der Po schmerzte jetzt richtig. Jede Sekunde auf derselben Stelle fühlte sich an wie Folter. Sie musste sich bewegen. Wenigstens ein bisschen entlasten.

Anna nahm alle Kraft zusammen.
Sie zog sich mit beiden Händen an den Ketten hoch – die Arme zitterten sofort vor Anstrengung –, stemmte die Füße so gut es ging in den Boden und rutschte mit dem Po ein winziges Stück nach hinten. Gerade so weit, wie die Fußketten es zuließen – vielleicht fünf, sechs Zentimeter.

Erleichterung. Sofort. Der Druckpunkt wanderte. Der brennende Schmerz ließ für einen Moment nach.
*Gott, das tut gut.*

Dann der Schock.

Das Display leuchtete wieder auf.

18:00

Achtzehn Minuten.

*Was zur Hölle…?*

Das ergab keinen Sinn. Sie hatte sich doch nur minimal bewegt. Kein harter Ruck. Nur ein Hochziehen und Verschieben.

Der Timer zählte in aller Ruhe rückwärts.

Anna saß da, Schweiß auf der Stirn, und versuchte zu verstehen.
Als der Timer auf 02:00 stand, passierte es versehentlich: Ihr rechter Fuß zuckte minimal – nur ein Reflex, weil der Oberschenkel krampfte. Sofort sprang das Display auf 09:00.

Jetzt verstand sie.

Die Schalter reagierten nicht nur auf Ziehen, sondern auf jede Zustandsänderung.
Wenn sie zog und die Kette unter Spannung hielt → einmalige Strafe beim Anziehen.
Wenn sie losließ → der Schalter wurde wieder „scharf“. Beim nächsten Ziehen wieder Strafe.
Also entweder ewig stillhalten (unmöglich) oder die Ketten permanent unter Spannung halten (ebenfalls unmöglich, weil die Arme dann noch schneller ermüdeten).

Beides war gleichermaßen grausam.

Und die addierte Zeit war wesentlich heimtückischer eingestellt, als sie es sich je hätte vorstellen können.
Bei jedem Mal wurde die Strafe um eine Minute erhöht.
Nach ihrer ersten kleinen Bewegung 3 Minuten.
Nach dem Hochziehen und Verschieben plötzlich 18.
Nach dem Fußzucken 9.
Bei der nächsten würde es wahrscheinlich 20 oder mehr sein.
Oberes Limit? Unbekannt. Vielleicht gar keins.

*Warum war ich so vorlaut?*
Der Gedanke traf sie wie ein Schlag.
*Warum hab ich nicht einfach den Mund gehalten? Warum hab ich provoziert? Warum hab ich gesagt „mehr Strafe würde mich motivieren“?*

Jetzt saß sie da, in der Dunkelheit, Arme und Beine gespreizt, Po wieder auf derselben harten Stelle, Muskeln zitternd vor Erschöpfung, und wusste:
Jede Bewegung kostete mehr Zeit.
Jede Erleichterung kostete mehr Zeit.
Und sie hatte keine Ahnung, wie viel Grundzeit schon lief, wie viel sie sich schon „verdient“ hatte, und wie lange das alles noch dauern würde.

Der Timer stand gerade wieder bei 07:42 und zählte weiter runter.

Anna biss sich auf die Unterlippe, bis sie Blut schmeckte.

Und hielt still.

So gut sie konnte.




Ende Kapitel 11

Weiter im Epilog (nächster Post)
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Alexa.61
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Zwiesel


Sonne macht albern

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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 15:54 IP: gespeichert Moderator melden


Epilog – Der lange Tag




Declan lenkte den kleinen SUV die schmale Bergstraße hinauf, die Sonne stand noch tief, warf lange Schatten über die grünen Hänge. Siobhan saß auf dem Beifahrersitz, die Drohnen-Akkus und Speicherkarten bereits sortiert und in der Tasche verstaut. Sie summte leise eine alte irische Melodie.

Declan warf ihr einen Seitenblick zu.

„Du hast mir gar nicht gesagt, was unser Gast heute macht. Sorry, ich hatte vorhin keine rechte Zeit – musste die Akkus und Speicherkarten richten.“

Siobhan lächelte schief.

„Sie wollte heute zu Hause bleiben und relaxen. Unsere Touren waren ihr doch ein bisschen zu anspruchsvoll.“

Declan nickte langsam.

„Ich hatte auch den Eindruck. Hoffentlich wird ihr nicht langweilig. Kann ja sein, dass wir erst morgen wiederkommen.“

„Sicher nicht.“

Declan hob eine Augenbraue.

? Meinst du, sie vertödelt den schönen Tag im Bett?“

Siobhan lachte leise.

„Ich habe ihr eine kleine Aufgabe gegeben. Es wird ihr sicher nicht langweilig werden.“

??“

„Ich denke, schlafen wird sie heute erst einmal nicht. Und morgen werden ihr die Touren von gestern vorkommen wie harmlose Spaziergänge.“

Declan grinste breit.

„Was hast du mit ihr gemacht?“

„Nur ein paar Stunden Stillhaltetraining verordnet. Sie war so interessiert daran, mal ‚etwas länger‘ fixiert zu werden. Ich dachte, die Gelegenheit ist günstig.“

Declan schüttelte den Kopf, aber es lag Anerkennung darin.

„Warum wundert mich das jetzt nicht? Wie lang willst du sie angekettet lassen? An sich wollten wir doch erst morgen zurück?“

„Keine Ahnung. Ich habe den Timer auf Zufall gestellt und versteckt. Ich fand es schöner, wenn wir das nicht wissen. Dann können wir in Ruhe klettern – weil wir ja eh nichts beeinflussen können.“

Declan pfiff leise durch die Zähne.

„Du hast den Raum also auch verriegelt? Ganz schön streng, so gleich beim ersten Mal?“

„Das hält sie schon aus. Sie war ganz schön vorlaut. Hat das alles nicht richtig ernst genommen – ich glaube nicht mal, als ich zum Schluss die Tür zugemacht habe. Sie hat praktisch um eine möglichst strenge Fixierung und lange Zeit gebettelt. Ok, habe ich mir gedacht. Soll sie bekommen.“

„Und wie genau bist du ihrem Wunsch nachgekommen?“

„Eher simpel. Hand- und Fußfesseln, Fäustlinge, damit ihr nichts passieren kann. Dann in die Isolationsbox postiert, Hände und Füße mit Ketten darin fixiert und abgeschlossen.“

Declan nickte anerkennend.

„Ok, das klingt aushaltbar. Nicht einmal ‚so‘ streng. Passend fürs erste Mal. Dann kann sie es sich in der Box den Tag lang gemütlich machen.“

Siobhan grinste.

„Das hat sie auch gedacht.“

„Aber?“

„Ich habe die Ketten natürlich noch verkürzt, bevor ich gegangen bin. Damit sie sitzen muss und nicht so viel zappeln kann. Sie sollte ja ‚stillgelegt‘ werden.“

Declan lachte leise.

„So was Ähnliches dachte ich mir schon. Noch was?“

„Nur eine kleine Zusatzaufgabe: Damit der Timer nicht zu früh ablaufen kann, habe ich die Straffunktion eingeschaltet. Bonuszeit jedes Mal, wenn sie an den Fesseln zieht.“

„Na, dann wird sie sich anstrengen müssen, wenn sie heute Abend rauskommen will. Wie viel Bonuszeit hast du eingestellt? 5 Minuten?“

„Dynamisch. Beginnt mit 1 Minute und erhöht sich jedes Mal um 1 Minute.“

Declan pfiff wieder.

„Limit?“

„Ich dachte, ohne hat sie viel mehr Spaß.“

Declan grinste breit und schaltete einen Gang runter, als die Straße steiler wurde.

„Gute Idee. Dann haben wir Ruhe. Bei der Einstellung hat sie sich inzwischen sicher schon ein paar Stunden Bonuszeit verdient. Vor morgen Abend brauchen wir sicher nicht nach ihr zu sehen.“

Er drehte das Radio lauter. Ein altes U2-Lied füllte den Wagen.

Siobhan lehnte den Kopf ans Fenster und schaute hinaus auf die vorbeiziehenden Hügel.




Daheim in Ranelagh

Anna heulte jämmerlich.

Der Bonustimer stand auf 11:00 Stunden.

Die Strafe für jeden Zug an einer Kette war inzwischen auf 36 Minuten angestiegen.

Jedes Mal, wenn sie losließ und dann wieder zog – oder wenn ein Muskelkrampf sie zwang, die Spannung kurz zu unterbrechen – sprang der Timer um weitere 36 Minuten höher. Und das nächste Mal würde es 37 sein. Dann 38. Und so weiter.

Sie hatte längst aufgehört zu zählen.

Der Po war taub vor Schmerz, die Oberschenkel zitterten unkontrolliert, die Schultern fühlten sich an wie glühende Kohlen. Die Arme hingen wie abgestorbene Gewichte an den Ketten. Jeder Atemzug kostete Kraft. Jede Sekunde, in der sie stillhielt, fühlte sich wie eine Ewigkeit an – und doch war es nie genug.

*Wieso war ich nur so doof gewesen?*

Der Gedanke kam in Wellen, zwischen Schluchzern und stummem Fluchen.

*Wieso hab ich nicht einfach den Mund gehalten? Wieso hab ich provoziert? Wieso hab ich gesagt „mehr Strafe würde mich motivieren“?*

Sie hatte es sich selbst eingebrockt.
Jedes Wort.
Jedes freche Grinsen.
Jedes „Nein danke“.
Jedes „vielleicht mehr“.

Und jetzt saß sie hier, im stockdunklen Nichts, angekettet an ihre eigene Dummheit, und wartete auf eine SMS, die vielleicht nie kam.

Oder vielleicht doch.

Aber wann?

Sie wusste es nicht.

Und genau das war das Schlimmste.




Ende

Vielen Dank fürs Lesen – Feedback, Kritik oder Fortsetzungswünsche gerne im Thread!
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MrSteel69
Story-Writer

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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 18:54 IP: gespeichert Moderator melden


Was mir überhaupt nicht gefällt ist diese eine Wort ganz unten. "Ende".
Alles was vor diesem Wort steht ist wundervoll ge- und beschrieben. Vielen Dank für diese tolle Geschichte.

MrSteel
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KK 2
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ANNABERG


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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 21:16 IP: gespeichert Moderator melden


Hurra, Alexa 61 schreibt wieder!
Ist sie jetzt an dir Kette gelegt im Hausarrest oder war´s das sch... Wetter der letzten Tage?
Was muss man tun, um mehr Lesen zu dürfen?
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mithras
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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 21:57 IP: gespeichert Moderator melden


Was für eine geile Geschichten-Idee! Kann es kaum erwarten, wie es weitergeht.
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mithras
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  RE: ein bisschen länger vielleicht? Datum:24.02.26 21:57 IP: gespeichert Moderator melden


Was für eine geile Geschichten-Idee! Kann es kaum erwarten, wie es weitergeht.
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