Manchmal frage ich mich, ob Eltern eigentlich klar ist was sie ihren Kindern mit der Wahl der Vornamen fürs Leben antun. Ich bin dafür ein gutes Beispiel.
Birte. Die Autokorrekur mag es auch nicht glauben und macht sofort Bitte daraus. Birte! Wer nennt sein Kind Birte? Meine Mutter fand den Namen schön. Furchtbar.
Und als sei das nicht genug versorgten mich meine Eltern mit zwei weiteren Vornamen. Kann sich das Kind später aussuchen, mögen sie sich gedacht haben. Dorothea. Brrrr! Nach meiner Grosstante. Musste das sein?
Papa musste auch noch einen Namen beifügen. Subaya. Der ist doch mal schön, oder?
Birte Dorothea Subaya Munderbach. Ihr merkt, worauf das hinausläuft?
3 Jahre Kindergarten. Es war die Hölle. Birte hier, Birte da, was um alles in der Welt hatte ich in einem früheren Leben falsch gemacht, dass ich nun so bestraft wurde?
Dann wurde ich eingeschult. Früh eingeschult, ich konnte schon schreiben, lesen und Rechnen. Ich entschied, dass das nun eine gute Gelegenheit sei für einen Break: nie wieder Birte. Ich teilte allen mit, dass ich zur Feier des Tages beschlossen hätte, meinen Namen zu wechseln. Die einen grinsten, die anderen verstanden mich. Fortan war ich Subaya.
Mit 14 schickten mich meine Eltern für ein Jahr in ein schickes Internat. Nach Fort Walsingham. Mega teuer, alles sehr vornehm. Lauter Kinder aus der sog. Upperclass. Alles sehr einschüchternd. Ich war eh nie die Mutigste. Und vor allem nicht gerade gross. Jeder hatte da so seinen Spitznamen. Toll. Sub. Ausgesprochen Sab. Wie naheliegend. Sup-er!
Kaum wieder zuhause beschloss ich, mich auch von Subaya zu trennen. Meine Subaya-Phase war beendet. Sab. Bleiben wir doch bei Sab. Sabine. Schön unauffällig, damals ein Trendname. Sabine Munderbach. Klingt doch gut, oder? Auch schöne Initialen. Meine englischen Freunde brauchten sich nicht umgewöhnen. sub oder Sab, egal.
Dann fand mich Alex. Alex war ein schräger Vogel. Von ihm lernte ich eine Menge über mich. Für ihn war ich Nummer 14. Er muss eine Menge Freundinnen vor mir gehabt haben. Vermutlich hat er im Sandkasten damit angefangen.
Alex war es auch der mich zum ersten Mal verkaufte. Eine gute Wahl. Meine Nachfolgerinnen heißen 16a und 16b. Sie wurden 2016 Seine. Manchmal frage ich mich wie seine aktuellen Freundinnen wohl heißen.
14, ein schöner Name, nicht wahr? Seit dem wandere ich als 14 durch die Szene. 14 ist auf meinem Oberarm tätowiert, mein letzter Name. Für den Rest. 14 passt zu mir. 14 ist Name und Programm zugleich. Nenn mich vierzehn und ich weiss in welcher Welt ich gerade unterwegs bin.
Es war Alex der mir einen Keuschheitsgürtel verpasste. Es geht nicht darum dass du keusch lebst, erklärte er mir. Es geht darum, dass ich den Schlüssel habe, dass ich über etwas verfügen kann was für Dich völlig normal, ja alltäglich ist. Und du eben nicht mehr. Meinen Schlüssel hänge ich nun an dich, sagte ER und hängte mir eine massive Kette um meinen Hals, an der der Schlüssel hängt. Ich hätte aufschliessen können wenn ich gewollt hätte. Aber wollte ich??
Alex schüttelte den Kopf als ich ihn im Freibad bat, das Handtuch so zu halten dass niemand den Gürtel sehen würde. Er gehört zu dir, sagte er, gewöhn dich dran. Kein Grund, ihn zu verstecken. Und so zog ich mich eben ohne Sichtschutz um. Wer sehen wollte konnte sehen. Und stieg so ins Schwimmerbecken. Mit Schenkelbändern und Brustschalen, nur halb verdeckt vom Bikini. Dich kennt hier niemand, sagte Alex, also stell dich nicht so an. Leichter gesagt als getan. Aber man gewöhnt sich an alles.
Ist es das was ich glaube was es ist, fragte mich die junge Frau als der Metalldetektor aufheulte als er meinem Schritt nahe kam. Ja, gab ich zu. Sie nickte, guten Flug, sagte sie und entließ mich in den Zollfrei-Bereich. So einfach ging das, und wie hatte ich mich vor dieser Situation gefürchtet.
Ich werde dich verkaufen, eröffnete er mir eines schönen Tages. Ich erschrak. Ich wusste dass das irgendwann passieren würde, aber jetzt? Zieh dich an, ich will möglichst viel für dich haben, mach dich zurecht.
Und so zog ich aus was ich zuviel an hatte.
Ich bin Lukas, sagte er, und ich freute mich eine Runde. Der Typ sah nice aus dem ich nun gehörte. Ich habe viel Geld für dich bezahlt, sagte er, ich hoffe du bist es wert. Ich erschrak wieder: Wert? Ich soll etwas Wert sein? War ich etwas Wert? Und wenn ja: wieviel? Dass Alex mich verkaufen würde stand seit langem fest, er hatte ein, zwei Neue, die ihm nun gehörten. Aber dass mich jemand nach meinem Wert kaufen wollte, war mir nicht bewusst. Wie bemisst sich mein Wert? Wie gut ich im Bett bin? Wieviel ich verdiene? Wieviel ich aushalte? So sehr ich den Typen mochte, ich hatte ein blödes Gefühl im Bauch.
Wie heisst du? Wie hat Alex dich genannt? Vierzehn, sagte ich. Ah ja, vierzehn. Das können wir so lassen. Vierzehn, ein passender Name, sagte er, drückte mich auf die Knie und legte mir sein Halsband um. Meins, sagte er, mehr musste er nicht sagen. Ich gehörte Lukas, so einfach war das.
Und Alex? Er erwiderte nicht mal meinen Blick. Auch eine Art der Trennungsbewältigung. Oder war ich ihm wirklich egal?
Aber Lukas wollte mich nicht. Nicht für sich. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, sagte er zu ihr, ich habe ein besonderes Geschenk für dich. Seitdem gehöre ich Isabelle. Ausgerechnet. Das arroganteste Miststück weit und breit. Eine Sadistin, eine Egozentrikerin, eine Narzistin wie sie im Buche steht. Sie nannte mich Sklavin. Und irgendwie passte das zu mir. Sklavin 14. Irgendwie schien das zu stimmen. Ich lernte von ihr. Vielleicht mehr als ihr selbst bewusst war. Von ihr hab ich gelernt was ich machen muss um zu erreichen was ich will. subs sind die besseren Regisseure. Wir wissen wann wir was sagen, was möglich ist und wie wir verpacken was wir nicht wollen. An welchem Faden wir ziehen müssen damit sie richtig reagiert. Und wo wir Trouble säen können ohne dass es auf uns zurück fällt. Wer sagt denn dass wir sagen müssen wonach wir nicht gefragt wurden?
Isabelle, tja, als sie sie holten war es zu spät. Sie hatte einfach zuviel Stoff zuhause, und mich hatte sie eingeschlossen. Dumm gelaufen. Seitdem passe ich auf ihre Wohnung auf. Eine chice Wohnung über den Dächern von Paris übrigens. Wusste ich wo sie noch Stoff versteckt hatte? Nein, natürlich nicht. Wenn sie rauskommt wird nicht mehr viel davon übrig sein. Hat bestimmt jemand entdeckt und geplündert. Der Glückliche. Oder besser: die Glückliche...
Ach, danke der Nachfrage, mir geht's gut. Sehr gut...
(.)(.) sab
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