Restriktive Foren

Thema:
eröffnet von K2 am 19.04.21 22:06
letzter Beitrag von develdom am 24.11.21 22:01

1. Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 19.04.21 22:06

Hallo alle kgforum-Leser,
ich habe lange Zeit gehadert hier mein Erstlingswerk zu veröffentlichen, jetzt ist die Entscheidung gefallen, ich werde es tun.

Warum?
Feedback von bisher nur acht Lesern ist mir zu wenig und ich möchte rausfinden, ob die Geschichte Eurem kritischem Urteil standhält.

Kann mir jemand helfen, wie man eine Geschichte hochlädt?

Grüße
K2

2. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 19.04.21 22:23

Vorwort

Kennen sie das auch?
Man hat in manchen Situationen einfach zu viel Zeit nachzudenken, viel zu viel Zeit totzuschlagen ohne Ausweichmöglichkeit.
Selten aber doch immer wieder im Leben.
Die meisten kennen das vom täglichen Zähneputzen, da sind es aber nur zwei Minuten Langeweile. Die Gedanken sind frei aber es fällt einem nichts ein. Die Erwachsenen blicken in den Spiegel, der Schaum quillt aus den Mundwinkeln und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alter ist unausweichlich. Viele, so auch ich, machen das Ganze morgens lieber unter der Dusche, da ist es nicht so bitter. Die Kinder haben es besser, die schauen ungeduldig auf ihre Sanduhr. Diese zwei Mal zwei Minuten ziehen sich wie Kaugummi jeden Tag. Alle anderen Phasen des Zeittotschalgens haben wir neuerdings gut im Griff mit unserem Internet, what’s up und anderer Schnickschnack – Ablenkungsmöglichkeiten auf dem ach so smartem Smartphone.

Aber heute habe ich kein Handy, kein Internet und auch kein Spiegel, keine Sanduhr und auch unter die Dusche kann ich nicht ausweichen - leider.

Und es sind weit mehr als zwei Minuten - deutlich größere ereignisarme Zeiträume sind zu überbrücken.

Am Anfang versuche ich die Sinne zu schärfen, vielleicht hilft das als Ablenkung.

Hören ist schwierig, meine Kopfbedeckung wirkt wie ein Filter. Nur leise vernehme ich ein leises Rauschen, ist wahrscheinlich die Pumpe des Aquariums. Noch leiser, kaum wahrnehmbar das Ticken einer Uhr. Ich kann mich aber nicht genug darauf konzentrieren um die Sekunden als Zeitvertreib zu zählen. Das monotone Tick Tack ist zu leise. Meine eigene Atmung ist das vordergründige Geräusch. Echt langweilig, sich selbst zwanzig Mal pro Minute beim Luftholen zuzuhören. Nach hundertelf höre ich auf zu zählen. Ich habe mit Erschrecken ausgerechnet, es sind nur fünf Minuten bei hundert Atemzügen vergangen. Ich müsste bis tausend Mal die Atmungen zählen, für eine ganze Stunde.

Sehen geht gut. Der zweite Sinn eines Menschen klappt, aber nur in eine Richtung und die ist langweilig. Es bewegt sich nichts, es verändert sich nichts und mein Blickfeld ist stark eingeschränkt. Ich entdecke eine karierte Sofadecke und zähle die sichtbaren obenliegenden Karofelder. Diese Decke ist vier Mal gefaltet, also rechne ich mal spaßeshalber aus. Es gibt zweihundertsechzehn Karos oben, hundertacht schwarze, und hundertachte rote. Wahrscheinlich auch auf beiden Seiten. Das braucht man nicht zum Schach spielen oder Mühle. Geht aber nicht, da weit und breit kein Gegner verfügbar ist.
Was könnte ich noch zählen?
Leider gibt es kein Bücherregal, sonst könnte ich die Buchdeckel studieren. Andererseits, bei diesem Dämmerlicht würde das wahrscheinlich nicht mal klappen.

Riechen kann ich mir sparen, hier ist kein zweiter Geruch wahrnehmbar, da bin nur ich, mein Schweiß und meine Kleidung - sonst nichts. Der Raum schnuppert nach nichts, nicht einmal nach Reinigungsmittel, und er ist eindeutig zu warm für die Jahreszeit. Es ist früher Nachmittag und mein Schwitzen erzeugt mein eigenes Aroma. Für das Schwitzen ist die Haut ja gemacht, Wärmehaushalt ausgleichen und so, habe ich mal in Biologie gelernt. Der Schweiß ist intensiv und ich bezweifle, ob sich da ein frisches Steak vom Grill bis in meine Nase vorkämpfen könnte. Der Gedanken ist gut, ein frisches Steak wäre jetzt keine schlechte Idee und ein Bier. Andererseits bin ich überhaupt nicht hungrig oder durstig - eher im Gegenteil. Mein Magen signalisiert mir ein Völlegefühl, keinen Bissen würde ich jetzt runter bekommen. Ich schweife ab, erinnere mich an eine ähnliche Geruchsintensivität nur im Heu. Wenn wir es mit Opa zusammenrechten und auf dem Wagen verluden, dann duftete es so aufdringlich, dass nichts Anderes zur Nase durchdrang, nicht mal der Duft von frischen Erdbeeren oder Kaffee, den die Oma uns brachte.

Apropos Erdbeeren, der Geschmacksinn ist ebenso gleich null.
Jetzt ein Kaffee trinken, das wäre genial. Ich Idiot, wieso bin ich jetzt gedanklich in diese Richtung abgebogen. Man kann sich das Leben aber auch selbst schwermachen.

Bleibt das Fühlen, die Haut ist ja schließlich das größte Sinnesorgan. Eigentlich eine gute Idee für Jogaexperten. Vergessen wir das, ich habe keine Ahnung von Joga. Dieser Gedankengang bringt nichts und vertreibt nicht die Zeit. Wohin ich auch fühle, es ist eng und warm und schwitzig. Fast schon wie zu heiß gebadet und dadurch dann halt ein Zustand schweißgebadet. Blödes Wortspiel. Irgendwie wie früher als Kind, wenn ich Grippe hatte, in die Badewanne musste und in eine dicke Decke eingewickelt wurde. Nein, heute ist es ganz anders. Es tut nichts weh, nicht wie eine Erkältung. Nichts, was nicht auszuhalten ist oder Sorgen bereitet aber wie früher restriktiv, eng umschlungen überall, wie damals als Kind mit Fieber im Bett – heute nur eben ohne Fieber.
Wenn ich ganz unten am Körper anfange zu fühlen, dann spüre ich jeden einzelnen Zeh. Ich denke mich die Beine lang hoch. Auch da kribbelt es, ich kann diese ein wenig bewegen, zur Verbesserung der Durchblutung. Weiter oben im Schritt fühlt es sich sehr nass an, aber dennoch nicht unangenehm. Das Adjektiv unangenehm passt eher auf der anderen Seite. Am Hintern, der die Stuhlfläche berührt. Da fällt mir spontan zur Beschreibung der Situation nur der Ausdruck ein: „ich bin am Arsch“. Ich lache ein wenig vor mich hin.
Weiter oben beim Fühlen, am Bauch und um die Taille das ist heftiger, atmen fällt schwer. Ich sollte besser kleine Züge nehmen, die Lungen nur halb füllen. So wandert meine Selbstbeobachtung zielgerichtet weiter, wie beim Joga, von dem ich keine Ahnung habe, wie das geht. Bewusst mache ich mich her über meinen Körper, über die Brust, die Arme bis zu den Fingerspitzen und zurück. Das Gefühl am Hals ähnelt dem der Taille, hier ein bisschen doppelt, nicht nur beim Atmen auch beim Schlucken. Meine gedanklichen Erkundungen am Kopf ergeben ein ähnliches Gefühl, restriktiv, verschwitzt aber nicht unangenehm.
Ich ende bei den Ohren und stelle betrübt fest: ‚Es gibt nichts Neues zu hören!‘
Leises Rauschen vom Aquarium und Tick Tack von der Uhr.

Offensichtlich bin ich jetzt durch mit den Sinnesorganen, wieviel Zeit mag vergangen sein? Man überschätzt solche Selbstbeobachtungsvorgänge leicht. Vielleicht sind ja zwanzig Minuten vergangen, hoffe ich.
Der Vergleich mit dem kranken fiebrigen Kind, welches im Bett schwitzend auf Besserung hofft, passt gut zu meiner Lage. Da muss ich jetzt wohl durch.

Was könnte ich jetzt als nächstes denken, frage ich mich. Dann entscheide ich mich für das Naheliegende. Ich stelle mir Fragen und beantworte diese:
Bin ich müde oder top fit? - Ja bin ich, beides.
Bin ich glücklich? - Die Antwort ist schon schwieriger, ich fange an zu grübeln.
Was ist Glück? - Oh Gott seid Dank, ich habe was gefunden, worüber ich länger nachdenken kann. Wenn man Wikipedia am meisten braucht ist es gerade unerreichbar. So ein Mist, die Glücksdefinition des Lexikons bräuchte ich gerade. Vielleicht klappt es ja mit einem Adjektiv.
Bin ich glücklich, jetzt gerade in diesem Moment? – irgendwie ambivalent.
Ja jetzt gerade fühle ich mich pudelwohl - nein jetzt gerade ist mir langweilig.
Wann war der glücklichste Moment in meinem Leben? - Jetzt nähern wir uns des Pudels Kern, dem Glückskern. Ich fühle mich jetzt glücklich. Ich versuche mich an meiner Glückdefinition. Glück ist, wenn ich mich verändere, wenn ich Neuland betrete, wenn sich was Unerwartetes tut. Somit ist mein ganzes Leben von Glücksmomenten durchströmt, von fortlaufenden neuen Eindrücken / Erlebnissen durchzogen. So in etwa ergibt das ein tragfähiges Bild. Ich stolpere durch mein jugendliches Leben und genieße die Neuigkeiten und sauge sie ein, wie ein trockener Schwamm das Wasser. Ganz früher war ich mal glücklich beim Cowboy und Indianer spielen, das weiß ich noch ganz genau. Vor meinen Augen taucht der Moment wieder auf, als eine Freundin aus dem Dorf mit Feder im Haar und mit einem Lächeln den Apfelbaum zum Marterpfahl deklarierte. Dann kamen eine Wäscheleine und ihr Kopftuch als Augenbinde ins Spiel. Auch die Faschingsparty dieses Jahr war der Hammer, pures Glück mit Bolero.
Schönes Kopfkino aber so ganz passen die Bilder nicht. Ich bin doch kein Glücksritter oder ein Abenteurer, der immer wieder neue, bessere und stärkere Eindrücke sucht.
Oder doch?
Bin ich ein Junkie, der die Dosis immer wieder erhöht, damit der Kick bleibt. Nein, das passt nicht, auch Wiederholungen lassen meinen Körper von Glück durchströmen. Jetzt habe ich wieder den Geruch von einem Steak im Sinn und bekomme glücklichen wiederholbaren Hunger.
Ich sollte lieber an Sex denken? Da ist die Wiederholung auch kein Hindernis fürs Glück.
Schon eigenartig, wenn ich so meine Erfahrungen durch den Kopf gehen lassen, die Erste ist noch präsent, ein Luder vor dem Herrn. Sie war acht Jahre älter als ich.
Warum fällt mir der Name der dritten nicht mehr ein?
Angeber!
So viele waren es ja gar nicht.
Stimmt auch wieder.
Ich denke an die letzte Nacht mit Anna und schließe gedankenverloren die Augen.

Kurz darauf bin ich eingeschlummert.
3. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von violarubber am 20.04.21 08:10

Servus K2!

Als ich den Titel - Tante Gerdas Geheimnis- las, wechselte ich schnell zu „Jannette“,und siehe da, die gleiche Geschichte. Bei der Dame (vielleicht kennst Du meine Bilder, Violetta)warte ich schon sehnsüchtig auf die nächste Folge
Hier wird es ja etwas länger dauern, oder?
Wie auch immer, deine Geschichte gefällt mir ausgesprochen gut. Möge Dich die Muse weiterhin küssen, dann komme(n) wir –ich- zu weiteren wunderbaren Ergüssen.
LG
Vio
4. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Thömchen am 20.04.21 08:42

Interessanter Anfang. Macht neugierig auf die Folgen.
Und hat mich wieder mal erinnert, dass ich als Junge bei unseren Spielen "so blöd" war, mich schnell gefangen nehmen und fesseln zu lassen.
5. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 20.04.21 20:33

Danke für das erste Feedback, ich veröffentliche mal die Fortsetzung heute Abend.

@Viola: Deine Ergüsse sind ein wenig zweideutig aber schön, wenn es beim Lesen dazu kommt, dass literarische Ergüsse zum Verlust von Körperflüssigkeit kommt.

@ Thömchen: schön, wenn ich dich an Deine Jugend erinnert habe.
6. RE: Tante Gerdas Geheimnis - Kapitel 1

geschrieben von K2 am 25.04.21 09:48

Kapitel #1 *** Was tun? Kochen lernen?

Gerda: Der Name kommt aus dem Altisländischen und bedeutet in etwa die Beschützerin. Eigentlich meint der Name Einhegung oder auch Schutzzaun. Erstmals kam der Name im 19. Jahrhundert in Deutschland auf. Er galt damals als modern und neu, im 21. Jahrhundert wurde er eher seltener gewählt und lag auf Platz 453 der beliebtesten Frauennamen Deutschlands.

„Hallo Tante Gerda, hier ist Ralph!“
So begann das Telefonat eines neunzehneinhalb Jahre alten Mannes aus Garmischpartenkirchen mit seiner Großtante in München. Gerda ist die Cousine seiner richtigen Tante mütterlicherseits. Somit eigentlich gar keine richtige Großtante, sondern eher so eine Freundin der Familie. Der Begriff Tante war nach und nach in die Familie reingesickert. Der Großteil der Familie lebte am Rande der Alpen und sie titulierten alle Gerda despektierlich „die Tante aus der Hauptstadt“. Irgendwann war das despektierliche weg und man begann sie schlicht Tante Gerda zu nennen.
„Hallo Ralph, das ist ja eine Überraschung, wir haben uns ja bestimmt seit Ostern nicht mehr gesehen oder gesprochen. Wie geht's?“
„Alles gut bei uns, Tante. Aber ist das wirklich schon so lange her, dass du bei uns warst? War das Ostern?“
„Ja.“
„Das ist in der Tat lange her. Was macht das Leben in unserer wunderschönen Bayrischen Landeshauptstadt?“ Er lachte, als hätte er einen guten Witz gemacht.
„Na, wie soll es gehen, mein Schatz. Großstadt halt, ist halt nicht wie in Oberbayern. Mir fehlen die wunderschöne unberührte Natur, die herrlichen Bergen und die glücklichen Kühe -- und natürlich auch die vielen schlauen Bauern. Haben wir hier gar nicht, nur Stadtschnösel!“ Jetzt war sie es, die herzhaft lachte.
„Gut gekontert!“
„Was verschafft mir die Ehre?“
„Ich werde in deine wunderschöne Hauptstadt übersiedeln. Die Maximilian Uni hat mir vor einer Woche zugesagt. In drei Wochen fange ich an, Jura zu studieren!“
„Wow! Das sind in der Tat gute Nachrichten. Ich wusste gar nicht, dass dein Abi so gut war. Das freut mich!“
„Nein, das Abi war zwar gut aber nicht so gut. Musste ein Jahr Wartezeit überbrücken. Hat sich aber gelohnt. Die zwölf Monate beim Zivildienst im Krankenwagen waren auch nicht schlecht. Ich habe viel gelernt!“
„Ja, hast du Ostern ja schon erzählt. Das wäre aber immer noch nichts für mich, mit den ganzen Kranken, Notfällen und Skiunfällen. Ich darf gar nicht dran denken.“
„Ach, so schlimm war es nicht. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie wichtig es ist, gesund und munter zu sein. Und wie schlimm es kommen kann, von einer Minute zur anderen. By the way: Wie geht es dir? Alles gesund und munter?“
„Natürlich! Weißt doch, einmal die Woche Sport und kein Mann daheim sind die besten Voraussetzungen um 100 Jahre alt zu werden!“
Ralph mochte den Humor seiner Tante und ließ wieder sein herzhaftes Lachen freien Lauf.
„Du Tante Gerda?“, wechselte er unvermittelt das Thema, „kennst du jemanden, der in München was vermietet, ein Zimmer oder eine kleine Wohnung?“
„Hmm… schwierig. Lass mich nachdenken! Logisch, du brauchst eine Wohnung. Kannst ja nicht immer von Garmisch hierher pendeln!“ Sie überlegte. „Leider nein. Auf Anhieb fällt mir keiner ein. Ich kann aber mal rumtelefonieren. Ich kenn' ja ein paar Leute hier in München!“
„Das wäre Klasse!“
„Was darf's denn kosten? Und für wie lange?“
„Na, 500€ wäre schon okay. Und ich glaube, ich brauche es bestimmt für ein paar Wochen bis ich was Festes finde oder einen Platz in einer WG erobere! Ich befürchte es wird nicht leicht!“
„Pass auf. Ich bin morgen beim Kaffeekränzchen und höre mich ein wenig um. Und dann melde ich mich übermorgen bei dir!“
„Super! Ich versuche mal parallel weiter was über die Zeitungsannoncen zu bekommen und dann telefonieren wir wieder!“
Es entstand eine Pause und beide waren beim Nachdenken wie sie es anstellen könnten.
„Und sonst?“, fragte Ralph verlegen, weil er nicht wusste was er noch sagen oder fragen sollte.
„Nichts Neues!“
„Bist immer noch bei den Bavaria Studios?“
„Ja, ja. So in etwa. Du weißt ja, fest anstellen werden die mich nicht mehr. Aber sie rufen noch regelmäßig an und geben mir den einen oder anderen Auftrag!“
„War auch wer dabei, den ich kenne?“
Sie lacht wieder. „Nein! Ich glaube die Stars bekomm' ich in meinem Leben nicht mehr. Und die Komparsen die ich schminke, kennst du nicht. Aus Garmisch war auch lange kein Laiendarsteller mehr dabei. Heimatfilme im Dirndl machen die gerade nicht!“
Wieder ein Lacher: „Ich will aber nicht meckern. Es ist gut und leicht verdientes Geld und allemal besser als im Supermarkt an der Kasse sitzen.“
Dann ergänzte sie nachdenklich: „Und ich bin mein eigener Herr. Ist auch wichtig!
„Stimmt!“
„Na dann, mein Junge, machen wir mal Schluss und reden übermorgen weiter!“
„Gut. Ich wünsch' dir was. Tschüss!“
„Dir auch, Tschüss!“

*****

Ralph freute sich einerseits sehr darüber, dass er den Studienplatz ergattert hatte, andererseits schien München eigentlich eine Nummer zu teuer für ihn. Seine Eltern würden ihn nur bedingt unterstützen können. Und die 500€, die er seiner Tante eben genannt hatte, gingen vielleicht ein halbes Jahr gut. Dann bräuchte er dringend einen Nebenjob. Ob Gerda ihm helfen könnte bezweifelte er, aber ihm fiel nicht mehr viel ein, nachdem er eine Woche ununterbrochen versucht hatte was zu finden. Egal wie er es anstellte, es gab kein noch so kleines positives Signal. Alle die er kannte, hatte er schon kontaktiert und auf über 100 Anzeigen reagiert. Und dieses ohne auch nur einen Schritt voran zu kommen. Vielleicht waren die 500€/Monat einfach ein zu geringes Einstiegsniveau? Aber bei 800€ wäre er nach vier Monaten pleite. So viel Geld hatte er nun doch nicht das letzte Jahr zurücklegen können.
‚Was soll's, es sind ja noch drei Woche Zeit!', dachte er und erhöhte seine innere Hemmschwelle auf 750€.

Gerda dachte nicht anders und überlegte, wie sie es anstellen könne und telefonierte zunächst mit ihrer besten Freundin. Das war ernüchternd, sie hatte wie erwartet bereits einiges an Erfahrung mit dem Thema ‚Studentenbude mieten in München‘ und machte Gerda wenig Hoffnung. Gerda erhöhte innerlich auch auf 750€/Monat und dachte: ‚Muss ich halt dem Jungen ein bisschen was dazu geben'. Sie gab nicht auf und hoffte weiter auf ihren großen Bekanntenkreis und das Kaffeekränzchen am nächsten Tag. ‚Zum Glück habe ich damals die Wohnung gekauft und kann jetzt sorglos in die Zukunft schauen', dachte sie. Sie freute sich über ihre eigenen vier Wände schaute auf ihr Königreich mit der Eichenschrankwand und dem Aquarium. Mit einem Lächeln gab sie den Fischen ein wenig Futter und genoss das einsetzende rege Tummeln im Becken…

„Hallo Ralph, hier ist Tante Gerda!“
„Hallo! Das freut mich, dass du anrufst!“
„Ja, hatten wir ja so besprochen. Und was gibt's Neues mit der Wohnungssuche?“
„Leider nichts Gutes. Ich habe sogar auf 750€ erhöht, aber bisher noch nichts fest eingetütet. Wird wohl noch ein paar Tage dauern!“
„Du, ich habe leider auch kein Glück gehabt, obwohl ich immer dachte, dass ich Gott und die Welt kenne. Aber beim Thema Zimmervermietung war ich nicht erfolgreich! Irgendwie haben zwar manche ihre Kinder aus dem Haus, aber das frei gewordene Zimmer wollen sie dann doch nicht hergeben. Das Zusatzeinkommen brauchen die meisten dann doch irgendwie auch nicht – halt Münchner Schickeria!“
„Hmm… Habe ich mir fast gedacht. Das ist hier in Garmisch auch nicht anders. Viele wohnen zu zweit in riesen Häusern, wenn die Kinder ausgeflogen sind!“

„Es gibt ein befreundetes Paar, die Schmiedlers, die sehr wohlwollend und hellhörig waren“, sagte Tante Gerda lachend, „aber du bist leider keine Haushaltshilfe, sondern nur ein Student! Sie suchen seit Monaten nach Unterstützung, nachdem sie ihre langjährige Hilfe Melanie aus der Ukraine rausgeschmissen haben. Die Schmiedlers bedauern das immer noch sehr. Es war ja eigentlich nur eine Kleinigkeit. Das Mädel war nach vier Jahren guten Diensten einem anderen Ukrainer verfallen und hatte diesen über Nacht mitgebracht. Dann fehlten auf einmal ein Laptop und wenig später die Fotoausrüstung. Und so kam eins zum anderen!“
„Hmm…ich verstehe!“
„Jetzt suchen und suchen sie und würden am liebsten eine Hilfe aus gutem Hause nehmen, mit tadellosem Leumund und natürlich besten Referenzen, und sind bereit sogar 2200€ pro Monat zu zahlen! Aber einen Studenten konnte ich ihnen nicht aufschwatzen. Auch dass du 500€ im Monat zahlen würdest, und auch bei 750€, hörte ich nur: ‚Geld brauchen wir nicht!'. Typisch München, alle reich!“

Nachdenkliches Schweigen unterbrach das rege Gespräch.
„Also jetzt fange am Montag erstmal mit dem Studieren an und wir beide versuchen weiter die nächsten Tage unser Bestes, um was zu finden. Wenn alle Stricke reißen, rufst' halt Montag durch und bekommst mein Sofa für eine Nacht.“
„Oh Tantchen! Das ist furchtbar nett von dir!“
„Hey, hey! Nenne mich nicht Tantchen“, drohte sie. „Du weißt genau, dass ich das nicht mag!“
„Sorry, Tante Gerda. Ich meine nur, super wenn ich ein paar Mal bei dir schlafen könnte und nicht jeden Abend nach Garmisch pendeln muss!“
„Freu dich nicht zu früh“, sagte sie mit einem schelmischen Lachen. „Bei mir auf der Couch zu wohnen ist kein Zuckerschlecken!“
„Das würde ich schon aushalten. Ich melde mich auf jeden Fall, liebe Tante. Bis dann!“
„Bis dann!“

Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge, aber weder Ralph noch Gerda hatten Glück. Und so begann das neue Studienjahr ohne Dach über dem Kopf. Auch der Montag war nicht erfolgreich, und die wenigen Angebote am schwarzen Brett der Mensa hatten keine einzige Telefonnummer mehr zum Abreißen. Es war mehr oder weniger auch das Hauptgesprächsthema der Erstsemester. Ralph schätzte, dass es mehr als 20% aller Kommilitonen genau so erging wie ihm. Und viele weitere hatten nur eine Notunterkunft für ein paar Tage. Er entschied sich dagegen, abends Gerda anzurufen, und pendelte zwischen Garmisch und München.

Der Dienstag war kein guter Tag. Er war übermüdet von der Fahrerei, gefrustet von der parallelen Anstrengung auf der Suche nach einer Bleibe, und dem Stress der ersten Studientage. Er entschied sich im Auto zu schlafen. Er merkte gleich, dass auf dem Parkplatz des Unisportplatzes einige dieselbe Idee hatten. Und so wurde es an einem schönen Herbsttag zu einem ausgelassenen Grillfest. Die kleine Party dauerte bis weit nach Mitternacht. Not macht erfinderisch und schweißt zusammen.

Am Mittwoch schlug das Wetter um, und Ralph fuhr wieder den weiten Weg nach Hause hin und zurück. Donnerstagabend hatte er auf der Autobahn die Faxen dicke und entschied den Freitag zu schwänzen und in Garmisch daheim zu bleiben. Natürlich sehr zum Missfallen seiner Eltern! So müde wie an diesem Wochenende war er noch nie in seinem Leben gewesen. So sehr er sich auch bemühte, ein Erfolg stellte sich bei der Wohnungssuche nicht ein. So rief er Sonntag Tante Gerda an, die ihm leider auch keine erfreulichen Neuigkeiten unterbreiten konnte. Außer den Schmiedlers war keiner weit und breit bereit Fremde in sein Haus aufzunehmen. Und auch die Schmiedlers waren unverändert nicht interessiert an Studenten, nur an Haushaltshilfen.

„Tante Gerda, für nächste Woche ist kein gutes Wetter vorhergesagt. Kann ich auf dein Angebot mit der Couch gegebenenfalls zurückkommen?“
„Hmm… Jungchen, du kennst ja meine kleine Wohnung. Wir zwei da drin, das geht nicht lange gut!“
Ralph spürte durch die lange Pause, wie schwer es Tante Gerda fiel, bevor sie weitersprach: „Aber wenn alle Stricke reißen, und es zu kalt im Auto ist, kannst du ja mal eine Woche bei mir übernachten. Wir werden uns schon arrangieren!“
„Du bist ein Schatz, Tante Gerda!“
„Freu' dich nicht zu früh! Du weißt gar nicht, wie zickig ich sein kann!“
„Du, ich bin hart im Nehmen und kann mich auf deine Bedürfnisse einstellen. Versprochen!“
„Na, Jungchen, warte mal lieber ab. Nicht dass du nach ein paar Nächten Reißaus nimmst vor deiner schrulligen Tante!“
Sie lachten von ganzem Herzen und verblieben, dass sie Montag gegen 14:00 Uhr miteinander telefonieren wollten.

Ralph fuhr mit gutem Gewissen und voller Hoffnung Montagmorgen nach München, und startete voller Elan in die zweite Woche. Er bemerkte aber sofort den versäumten Stoff vom Freitag. So ginge das nicht auf Dauer gut. Er musste dringend Disziplin wahren und sich auf den Hosenboden setzen, sonst würde er innerhalb von wenigen Wochen den Anschluss verpassen.
„Hallo Tante Gerda. Ich bin's, Ralph!“
„Hab' ich mir fast gedacht. Es ist genau 14:00 Uhr. Ich mag pünktliche Leute!“
„Ginge es heute Abend? Und wann passt es dir am besten? Ich kann mich da ganz und gar nach dir richten. Ich kann auch jederzeit in der Unibibliothek lernen!“
„Mach' wie du denkst. Entweder gegen 6 oder nach 8. Dazwischen wäre es mir nicht so recht! Wenn du um sechs kommst, könnten wir gemeinsam Essen und ich hätte Gesellschaft.“
„Danke für dein Angebot. Dann bin ich gern deine Gesellschaft heute Abend und wir spielen dinner-for-one.“
Sie hatten eindeutig den gleichen Humor. Gerda lachte schallend und meinte: „Ich habe kein Eisbärfell. Was nun?“
„Bringe ich mit“, erwiderte Ralph frohgelaunt, und fröhlich in die Zukunft schauend.
„Bis nachher!“

*****

Die zweite Woche war rum und Ralph fuhr nach der Woche bei Gerda am Freitagabend nach Hause. Jetzt hatte er ein wenig Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Das Tempo, welches an der Uni vorgelegt wurde, hatte deutlich angezogen und es war definitiv von Nöten die Pendelei auf ein Minimum einzuschränken. Er hatte jeden Abend bis fast Mitternacht gearbeitet und den verpassten Freitag nahezu aufgeholt, aber der Koffer war immer noch randvoll mit Hausaufgaben für das Wochenende. Die Wohnungssuche war noch nicht erfolgreicher, aber die 4 Nächte bei Tante Gerda hatten besser geklappt als gedacht. Man war verblieben, am Montag wiederum um 14:00 Uhr zu telefonieren.

Auf der Heimfahrt war genügend Zeit die Woche Review passieren zu lassen und das Eine oder Andere zu durchdenken. Der Empfang bei Tante Gerda am Montag gegen sechs hätte nicht herzlicher ausfallen können. Ralph hatte den weißen Schonbezug seines Fahrersitzes abmontiert. Das war ein „Erbe“ seines Vaters, welcher der Vorbesitzer des Audi-80 war. Diesen Schonbezug präsentierte er als das Eisbärfell für dinner-for-one. Sie lachte und bat ihn und seinen „weißen Freund“ herein. Sie öffnete zunächst eine Flasche Weißwein, die er vorsorglich für das Dinner mitgebracht hatte.

Ralph war mehr als erstaunt seine Tante in ihrer häuslichen Umgebung so gut gekleidet anzutreffen. Sie trug eine weiße glänzende Satinbluse mit einem hohen Kragen, langen weit geschnittenen Ärmeln und einer Schleife um den Hals. Dazu einen schwarzen Lederrock, der bis zu den Knien reichte, schwarze Strümpfe und modische Lederpumps. Sie hatte ihre schwarzen Haare kunstvoll hochgesteckt, ein modisches Makeup angelegt und auffällige Ohrringe angesteckt. Die Gesamterscheinung war beeindruckend Lady-like, und Ralph betrachtete sie einige Sekunden verstohlen, eher er ein, „Wow! Tante Gerda, du siehst toll aus“, herausbrachte.
„Danke, mein Junge. Hat dir deine Mutter eigentlich erzählt, warum ich auf Punkt um 6 oder nach 8 Uhr bestanden habe?“
„Nein, wieso?“
„Es ist so ein Spleen von mir. Der stammt noch von unserer Großmutter. Den ich nie ablegen mochte, auch wenn ich allein lebe!“
„Erzähl! Jetzt bin ich aber gespannt!“
„Um sechs beginne ich jeden Wochentag zu kochen, und um acht bin ich fertig mit dem Essen, und will die Küche wieder aufgeräumt haben - pünktlich zur Tagesschau!“
„Und das hältst du jeden Tag ein?“
„Ja. Mehr oder weniger schon. Manchmal bin ich schon 10 vor acht fertig“, sagte sie und legte ein verschmitztes Lächeln auf.

Sie begann zu kochen. Es gab Hähnchenbrust mit Currysoße und dazu ein paar Kartoffeln und Salat. Sie sprachen die ganze Zeit über dies und das, Eisbären, dinner-for-one, das begonnene Studium, die Wohnungsnot in München und natürlich die ewige Frage: Bayern oder 1860. Tante Gerda war natürlich die traditionsbewusste 60-er Fan und hielt nicht viel von den „Geldsäcken“ und der „zusammengekauften Meisterschaft“. Ralph wehrte sich für seine Mannschaft nach bestem Wissen und Gewissen. Aber es wurde nie ärgerlich und blieb neckisch und freundlich. Als sie fertig gegessen hatten, war auch die Flasche fast geleert. Beide waren sich einig, es war ein tolles Essen und man hätte schon viel früher Mal so was machen können.

„Mitgegessen bedeutet Mitgefangen! Jetzt musst du mir beim Spülen helfen“, bestimmte sie mit klarer Ansage, die keinen Widerspruch duldete. Dann reichte sie ihm zwei orangene Gummihandschuhe. „Du spülst und ich trockne ab“, bestimmte sie.
„Hä? Wieso hast du keine Spülmaschine?“
„Was soll ich mit so einem neumodischen Zeug? Einmal pro Woche laufen lassen? Für mich als Single? So ein Quatsch kommt mir gar nicht in die Wohnung. Ich habe meinen eigenen Rhythmus und gut ist.“
Widerwillig zog er die orangenen Handschuhe an und dann erledigten sie die Arbeit. Gemeinsam waren sie in wenigen Minuten fertig und die Küche blitzte wieder wie vorher. Ralph wurde angewiesen den kleinen Schreibtisch im Schlafzimmer zum Lernen zu nutzen.

„Die Idee ist gut. Aber störe ich dich auch nicht zu sehr?“
„Naja, ist schon eine Umstellung für mich. Aber wenn du unsere Regeln halbwegs befolgst, wird es schon gehen. Ist ja nicht für länger.“
„Danke! Bist ein Schatz.“
„Jetzt lernst du zwei Stunden. Und um viertel nach zehn wechseln wir die Zimmer. Ich ins Bett und du auf die Couch.“
„Okay“, sagte er, ging mit seinem Unirucksack ins Schlafzimmer, und fand in der hintersten Ecke einen kleinen Schreibtisch, den seine Tante komplett leergeräumt hatte. Der Abend verging wie im Fluge und auch am Morgen beim Frühstück lief diese ungewöhnliche neue WG reibungslos.
„Tschüss, und viel Erfolg bei der Wohnungssuche und beim Studium“, war der Spruch, den er ab sofort jeden Morgen halb acht hörte.
Er dachte dabei: ‚Die Reihenfolge ist bestimmt beabsichtigt. Erst Wohnung finden mit Prio Eins. Sie will mich schnell wieder loswerden.'
Er konnte seine Tante verstehen und war dankbar für ihr Angebot und ihr offenes Herz.

Am Donnerstagabend verblieben nach dem Spülen noch 13 Minuten bis zur Tagesschau und Tante Gerda lenkte das Gespräch auf die Wohnungssuche bzw. den anhaltenden Misserfolg.
„Mir scheint, wir sollten das nicht aus den Augen verlieren, auch wenn es die letzten vier Tage gut geklappt hat, oder?“
„Da hast du Recht. Irgendwie ist es mir schon peinlich, wie ich dir zur Last falle!“
„So groß ist die Last nun auch wieder nicht. Aber ein paar Regeln werden uns daran erinnern, daraus keinen Dauerzustand zu machen!“
„Woran denkst du?“, fragte Ralph und ergänzte: „Oder soll ich besser fragen: Woran denken Sie, Miss Sophie?“ Es war in den letzten Tagen zu einem Running- Gag geworden immer wieder auf den Film von 1963 zu referenzieren.
Tante Gerda grinste. „Die Anrede mit ‚Miss' gefällt mir!“
Dann blickte sie schelmisch in Ralphs Richtung und erläuterte: „Immer wenn du Montags wieder auftauchst, werde ich mir eine zusätzliche Entlastung für mich überlegen. Das ist gleichbedeutend mit einer zusätzlichen Haushaltslast für dich. Und…“. fügte sie hinzu, „…ich schmücke dich jedes Mal mit einem zusätzlichen Kleidungsstück als Haushaltshilfe. Das wird deiner neuen Stellung gerecht. So wird es dir Woche für Woche unangenehmer bei mir zu bleiben und wir beide sorgen so für ein angenehmeres Miteinander ohne Übervorteilung oder Schuldgefühle.“
„Klingt wie ein lang gehegter Plan! Mal im Klartext, du diabolische Miss Sophie. Du willst mich zu deinem Haushaltshelfer machen?“
„Ich verleide dir den Aufenthalt mehr und mehr und erhöhe den Druck auf dich. Gleichzeitig entlaste ich mich mehr und mehr und empfinde es weniger störend, wenn du länger bleibst!“
„Ein wahrlich genialer und schelmischer Plan. Da lass' ich mich mal überraschen“, sagte er lachend und schlug ein. „Wenn es zu hart kommt, schlafe ich wieder im Auto!“

Beim Reflektieren auf der Heimfahrt am Freitag, konnte er sich zwar immer noch keinen genauen Reim darauf machen und fragte sich in Gedanken: ‚Was hat sie wohl vor?'
Wenn man es richtig bedachte, war es alles in allem eine vernünftig abgestufte Eskalation. In einer schwierigen, von beiden nicht gewollten Situation, vielleicht gar nicht verkehrt.

*****

Am darauffolgenden Montag sah es nicht besser aus. Er musste sich eingestehen, dass er wiederum nur die Wahl hatte zwischen der weiten Fahrt nach Hause, im Auto zu schlafen oder seine Tante anzurufen. Irgendwie mochte er sie nach der gemeinsamen Woche mehr als zuvor, auch wenn sie alles in allem deutlich älter war und auch ein wenig schrullig. Er gestand sich ein, dass er gern noch eine Woche bei ihr verbringen würde. So rief er sie an und sie sagte einer zweiten Woche zu.

Kaum war Ralph zur Tür rein, konnte sich Gerda nicht mehr halten. „Ab heute mach' ich es mir nach dem Essen gemütlich“, zwitscherte sie wie ein Teenager, „Gemütlich, gemütlich, trallala!“
„Wie, was, wo?“
„Na, nie wieder abwaschen!“
Er schaute sie fragend und verwirrt an.
„Na, die zweite Woche bedeutet die zweite unangenehme Hausarbeit, die ich an dich übertragen werde. Du bist meine helfende Fee!“
„Ok, war ja so abgemacht. Was ist es, was ich ab heute auch noch übernehmen soll? Komm', raus mit der Sprache. Ich versteh' es nicht!“
„Na, ab sofort spülst du nicht nur, sondern du machst auch die Abtrocken- Arbeit und bringst die Küche pikobello auf Vordermann. Ich dagegen sitze gemütlich in meinem Wohnzimmer und freue mich schon mal 20 Minuten früher auf die Tagesschau!“
„Na, das ist kein Big- Deal“, gab er lachend zurück. „Das hast du dir verdient, als Ausgleich dafür, dass ich dich jeden Abend störe. Mach' nur und relax!“
„Freu dich nicht zu früh. Neben der Entlastung des Abtrocknens habe ich dir noch ein kleines Zusatzhandikap hingelegt, damit der Spaß für mich lustiger wird.“
Ralph schaute seine Tante fragend an.
„Na, so wie ich es letzte Woche gesagt habe. Woche für Woche ein Job mehr, und dazu ein weiteres Kleidungsstück, damit die Hausarbeit nicht deine Sachen verschmutzt. So wird der Druck immer höher ernsthaft nach einer Bleibe zu suchen. Schau in die Küche. Da liegt eine nagelneue Schürze für dich!“
„Das ist nicht dein Ernst. Ich brauche doch zum Abwaschen keine Schürze.“
„Doch brauchst du!“ Sie grinste ihn hoch erfreut über ihren neckischen Plan breit an. „Und das ist definitiv mein letztes Wort.“
Sie duldete keinen Widerstand, das war nun klar. Nun wurde Ralph bewusst, was sie wirklich gemeint hatte, als sie davon sprach, ihn wie eine Haushaltshilfe zu kleiden. Jetzt machte sie ernst.

„Na gut“, sagte er. „Du sollst deinen Spaß haben.“ Er zwinkerte ihr nach dem Essen zu und ging in die Küche. Dort nahm er aus einer bereitgelegten durchsichtigen Tüte eine große weiße Schürze heraus. Was war das? Diese Schürze war ja aus Latex und ziemlich dick und schwer und hatte altmodische Rüschen am Saum und an den Trägern. Noch dazu war sie offensichtlich nagelneu und noch dazu sehr lang und reichte ihm bis zu den Knöcheln.
„Hast du das Gummi-Ungetüm extra gekauft?“, fragte er Richtung Wohnzimmer.
„Na klar! Ich will doch auch meinen Spaß haben.“
So zog er wohl oder übel das Band der Schürze über den Kopf. Dann schlang Ralph die beiden Seitenflügel um seinen Körper, wickelte die breiten Bänder einmal um den Bauch, und machte eine Schleife.
‚Na, soll sie halt ihren Spaß haben', dachte er und wundert sich wie stark doch so eine neue Schürze nach Gummi riechen konnte.
Tante Gerda brachte die letzten Teller und stand grinsend in der Küchentür. „Perfekt!“
„Witzbold“, knurrte er zurück. Er schaute an sich herunter. „ich sehe aus wie eine Vogelscheuche.“ Jedoch der Slapstick an der Geschichte war auch irgendwie ansteckend und er konnte ihr nicht böse sein.

Als er gerade anfangen wollte zu spülen, räusperte sich Gerda. „Hallo! So haben wir nicht gewettet. Abgemacht war Woche für Woche eine neue Last. Das heißt definitiv nicht, dass du die Vereinbarung der letzten Woche weglässt.“
Er schaute sie fragen an.
„Da liegen neue Handschuhe für dich. Die will ich auch an dir sehen.“
Ralph wunderte sich, warum sie auch diese neue angeschafft hatte. Er hatte aber keine Lust dies auszudiskutieren und versuchte den ersten anzuziehen. Dieser war schwarz und viel länger als die alten der letzten Woche in orangen. Noch ehe er fragen konnte, antwortete sie: „Die passen besser zur Schürze als die der letzten Woche. Du musst aber wahrscheinlich dein Hemd ausziehen.“
„Okay, auch das noch.“
Er legte die Schürze nochmal ab, zog sein langärmliches Karo- Hemd aus, und zog die Handschuhe an. Diese reichten ihm bis zum Bizeps, waren dennoch zu seiner Überraschung ganz leicht anzuziehen. Sie waren innen ein wenig eingeölt, damit man leicht hineinschlüpfen könnte. Er zog sie bis oben hin glatt und es fühle sich ungewöhnlich und angenehm zugleich an. „Schon sexy die Handschuhe“, rief er lachend ins Wohnzimmer, um seiner Tante zu signalisieren, dass ihr gewünschter Strafeffekt seine Wirkung verfehlt hätte.
„Nicht rumquatschen, mach deine Arbeit“, rief sie neckisch zurück und begann ihre Zeitung zu lesen. Es war ihr offensichtlich Ernst nicht mehr in der Küche beim Spülen zu helfen.

Als er fertig war, erkundigte er sich bei seiner Tante was er denn mit den Sachen machen sollte. Gerda bat ihn, diese auszuziehen und in die Badewanne zu werfen. „Ich werde die später reinigen und wegräumen. Lass das mal meine Sorge sein. Und du gehst jetzt lernen, sonst werde ich dir Beine machen!“
So schlüpfte er ins Bad und sah sich erstmals im Spiegel in dieser Aufmachung. Dabei dachte er: ‚Es ist schon eigenartig dieses Outfit. Lange schwarze Handschuhe und eine schwere Schürze wie ein Fleischermeister oder eine Reinigungskraft. Sieht aus wie in einem Fischladen oder bei einer Zofe am Hofe aus längst vergessenen Tagen. Befremdlich aber auch irgendwie unerwartet schön, diese schwarz/weiß- Kombination.'
Er grinste in den Spiegel und warf das Outfit in die Badewanne.

Er hatte diese Woche noch drei Mal die Gelegenheit dieses Outfit zu tragen. Jedes Mal lag alles akkurat vorbereitet, mit Silikonöl auf Hochglanz gebracht, auf dem Rand der Badewanne. Er gewöhnte sich schnell an den warmen Tragekomfort, den eigenartigen schweren Geruch von frischem Latex, und die Wärme die das Material auf der Haut verströmte. Er musste sich eingestehen, dass er es sogar ein wenig sexy fand.

Die dritte Studienwoche war wiederum nicht von Glück beseelt was die Wohnungssuche betraf. Und so kam es, dass er am folgenden Montag erneut bei Gerda auftauchte. Nichtsdestotrotz war Ralph sogar ein wenig gespannt darauf, was sie wohl wieder ausgeheckt hatte.
„Hallo Ralph, du bist spät dran“, begrüßte sie ihn. „Lasst uns keine Zeit verlieren beim Essenmachen. Aber erstmal husch ins Bad. Ich habe dort alles bereit gelegt.“
Er musste sich eingestehen, dass er ein wenig Vorfreude verspürte, als er den Raum betrat und die Handschuhe und die Schürze sah. Offensichtlich waren die schwarzen Gummistiefel die neue „Strafe“. Er lachte und fragte ins Wohnzimmer hinein: „Wird die dritte Hausarbeit so schwierig, dass ich dafür Stiefel brauche? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es irgendwo in deiner Wohnung ein Schlammbad gibt.“
Sie lächelte zurück und fragte: „Gefallen sie dir?“
„Gefallen ist zu viel gesagt. Sie sind hoch und das Schwarz scheint zu dem Schwarz der Handschuhe zu passen.“
Er zog wie immer sein Hemd aus, legte die Handschuhe und die Schürze an, und wollte dann in die Stiefel reinschlüpfen. Das klappte aber irgendwie nicht, da sie am oberen Rand recht eng geschnitten waren. Egal wie er es auch anstellte, die Jeanshosenbeine ließen sich nicht bändigen und wollten nicht in die Schäfte reinzurutschen.
Gerda stand amüsiert im Türrahmen und gab einen gut gemeinten Hinweis: „Ziemlich eng die Hosen von heute. Die kann man gar nicht hochkrempeln. Du wirst sie wohl ausziehen müssen.“
Auch ohne Hose war es nicht ganz einfach in diese Gummidinger reinzukommen. Sie schienen eine Nummer zu klein zu sein, und zwischen Wade und Schaft passten gerade so die Daumen dazwischen um kräftig zu ziehen. Dann machte es jedoch „Plopp“, und er stand im ersten drin. Auch der zweite ging nach einigem Hängen und Würgen, und er sagte zu seiner Tante: „Ich glaube, ich sollte morgen erst die Stiefel und dann die Handschuhe anziehen. Dann geht es vielleicht besser.“
„Sieht gut aus“, erwiderte sie. „Lauf' mal.“
Er lief drei Schritte im Bad auf und ab und stellte fest, dieses waren ganz normale gut geschnittene Stiefel, die sehr bequem waren. Sie erinnerten ihm vom Design her an Stiefel, wie sie von Reitern getragen wurden, aber eben aus Gummi. Vor allem an den Waden lagen sie recht eng an, und es war dasselbe Tragegefühl wie bei den langen Handschuhen. Etwas ungewöhnlich war die nach vorn geneigte Fußhaltung, die von 4 cm hohen Absätzen verursacht wurden. Ralph nahm an, dieses sei wahrscheinlich üblich so, damit man beim Reiten einen besseren Halt in den Steigbügeln findet.

Als sie in der Küche begann das Essen vorzubereiten, merkte er, dass Gerda auch bei der Last Nummer drei gewillt war ihren Dickkopf durchzusetzen.
„Tisch decken ist ab sofort deine Aufgabe“, sagte sie energisch.
„Und was machst du dann überhaupt noch?“
„Ich erhole mich“, gab sie lachend zurück, „und achte auf mein Äußeres.“
Ralph betrachtete sie eingehend. In der Tat sie achtet auf gute Kleidung und stilvolles Makeup. Sie hatte wie auch schon in den letzten Wochen wieder eine Seidenbluse angelegt, heute in sonnigem gelb. Dazu eine eng geschnittene schwarze Röhrenjeans und, verdutzt schaute der Junge zweimal hin, dazu High Heels.
„Wow Tante Gerda, putzt du dich für mich so raus?“
„Nein, mach ich immer. Eine Frau von Welt muss auf ihr Aussehen achten, sonst schauen ab einem gewissen Alter ihr nicht mehr hinterher.“
„Du siehst toll aus.“
„Danke“
„Darf ich fragen wie alt du bist?“
„Nein“
„Also ich würde dich in diesem Outfit und mit den wunderschönen Beinen und dem Busen, der durch den V-Ausschnitt rausblinzelt für höchstens 43 einstufen.“
„Du meinst exakt so alt wie deine Mutter? Du bist nett.“
„Und wie alt wirklich?“
„Musst zehn Jahre drauf packen und jetzt genug gequatscht, mach deine Arbeit!“

Die Tischdeck-Zusatzaufgabe für die dritte Woche war jetzt weniger schwierig als erwartet. Nur das Hin- und Her zwischen Küche und Wohnstube mit den Stiefeln war ein wenig ungewohnt, und die Blockabsätze verlagerten die Last auf die Ballen. Immer wenn er den Teppich des Wohnzimmers verließ, entstand ein quietschendes Geräusch zwischen der Gummisohle und dem Linoleum. So sehr er sich auch anstrengte, er konnte es nicht vermeiden und sich nicht mehr leise im Flur oder in der Küche bewegen.
„Gut so, meine liebe Haushaltshilfe. Der Tisch sieht schon fast perfekt aus“, lobte ihn seine Tante. Dann ergänzte sie: „Bitte noch Servietten hinlegen, und Messer und Gabel neu ausrichten. Es fehlt noch das Geschirr für den Kaffee danach und eine Blume als Dekoration.“
Nachdenklich stand sie vor dem Tisch und lächelte über die Idee, die ihr gerade in den Sinn kam. Sie sprudelte diese sogleich raus. „Vielleicht machen wir es wirklich so wie bei dinner-for-one. Was meinst Du?“
Sie sprach weiter ohne auf seine Antwort zu warten: „Miss Sophie, also ich Miss Gerda, sitze hier. Wir ziehen den Tisch auseinander und du sitzt als Buttler, oder soll ich lieber sagen als Haushälterin…? Egal, du sitzt auf der gegenüberliegenden Seite!“
„Ist das nicht ein bisschen viel Aufwand für ein kurzes Abendessen?“
„Nein, nein. So machen wir es. Du bist ja ab sofort fürs Tischdecken verantwortlich. Also den Tisch auseinanderziehen, so richtig wie eine große Tafel. Rechts die Herrschaft und links am anderen Ende das Dienstvolk!“
„Tante Gerda, jetzt übertreibst du aber!“
„Ach i wo! Ich will unser Spiel nur ein wenig perfektionieren und den Druck auf dich ein wenig erhöhen. Du wirst es überleben“, sagte sie lachend und begann ihren Plan in die Tat umzusetzen.

Das Abendessen an der langen Tafel erfolgte schon in einer leicht geänderten Atmosphäre und ein wenig „herrschaftlicher“. Aber beide amüsierten sich köstlich und blödelten ein wenig rum mit dem Versuch, die Konversation in ein neues Zeitalter auszurichten.
„Wünschen Miss Gerda noch ein wenig Kaffee?“
„Ja, das ist in der Tat eine gute Idee. Schenken sie halb voll nach!“
„Sehr gern Miss.“
Ralph tat beflissentlich und spielte das Spiel einfach mit Begeisterung mit. Schauspielerisches Talent hatte er schon immer gehabt.
„Was meinst du? Nur zusätzlich Tischdecken ist ein bisschen wenig, als dritte Strafe. Lasst uns beim Essen immer in die Konversationsform ‚Miss Gerda' und ‚Dienerschaft' verfallen.“
„Na, wenn es ihnen eine Freude macht, ist es für ihren untertänigsten Mitarbeiter eine sehr schöne Herausforderung, die ich voller Freude annehme“, gab er lachend zurück.

Alle anderen Rituale behielten sie bei, und nach acht verschwand er zum Lernen in die Arbeitsecke. Dieser Vorgang wiederholte sich täglich zwischen 6 und 8 Uhr abends.
Freitags fuhr er heim nach Garmisch. Er hatte wiederum eine Woche lang ohne Erfolg gekämpft, was die Wohnungssuche betraf. Seine Leistungen an der Uni stabilisierten sich jedoch merklich, da er täglich sein Pensum nach 8 Uhr lernte und die Fahrerei auf ein Minimum begrenzt wurde. Auch war er weit weniger abgelenkt als andere Studenten, die ihre Einkäufe selbst erledigen mussten und den einen oder anderen Abend ausgelassen in Schwabing oder bei irgendeiner Studentenparty verbrachten.

Die folgende vierte Woche begann mit einer herzlichen Umarmung und einer „Habe dich fast ein wenig vermisst“ Ansage von Gerda. Sie kam gleich zur Sache.
„Was meinst du? Müssen wir an unserem Spiel der letzten Woche was korrigieren?“
Ralph überlegte kurz: „Das mit dem Tischausziehen erscheint mir unnütz!“
Gerda lachte. Sie hatte eher erwartet, dass er mit den ungewöhnlichen Klamotten ein Problem hätte. Das mit dem Tisch war ihr eher egal, und sie entschloss sich nachzugeben und die anderen Teilerfolge sauber einzubuchen.
„Hast Recht, wir lassen den Tisch kurz. Das tut dem Spiel keinen Abbruch. Aber ich nehme mir dafür heraus, dass ich bereits gesetzte Kleidungsstücke ein wenig – sagen wir mal – nachoptimieren kann! So wie das mit den Handschuhen, die ich von orange auf schwarz verändert habe.“
„Okay, okay. Mach wie du es magst. Es ist dein Spiel, und ich hoffe sowieso, dass dieses die letzte Woche ist. Nächste Woche sind Herbstferien an der Uni und da finde ich bestimmt was.“
„Viel Glück wünsche ich dir von ganzem Herzen“, erwiderte sie. An der Stimmlage war nicht zu deuten, ob sie seiner überdrüssig war oder im Gegenteil hoffte, er würde nichts finden.
„Die Aufgabe Nummer vier für die vierte Woche ist leicht umzusetzen. Du kochst!“
„Das ist ja wohl ein Witz oder?“ Er war ein wenig entrüstet.
„Wieso?“, fragte sie schnippisch zurück. „Du erleichterst mein Leben Woche für Woche ein wenig mehr. Und wenn ich nicht mehr am Herd stehen muss, ist das schon eine tolle Erleichterung!“
„Ich kann aber gar nicht kochen!“
„Bringe ich dir bei. Diese Woche gibt es nur leichte Rezepte. Es liegt alles in der Küche bereit. Aber zunächst zieh dich bitte um, wie immer im Bad.“

Die Reihenfolge hatte er bereits optimiert und begann nicht mehr mit den Handschuhen, sondern mit den Stiefeln. Missmutig stellte er fest, er hatte wieder eine viel zu enge Jeans angezogen, derer er sich entledigen musste. Die Handschuhe dagegen erforderten nicht mehr, dass er das Hemd auszog. Er hatte nämlich aufgrund der warmen Herbsttemperaturen heute extra ein T-Shirt angezogen, welches in grauem Farbton recht gut zu den schwarzen Handschuhen und der weißen Schürze passte. Mit dem großen viereckigen transparenten Latextuch, welches an jenem Tag zusätzlich auf dem Wannenrand lag, konnte er sich keinen Reim drauf machen.
„Tante Gerda, was ist das?“
„Ein Kopftuch natürlich, du Dummerchen!“
„Na, das kann ja heiter werden. Was soll ich denn mit einem Kopftuch?“
„Das kennst du doch von den Fernsehköchen dieser Welt. Wer will schon in der Suppe ein Haar vom Koch finden!“
„So ein Quatsch. Ich kenne viele Koch-Shows, wo keiner eine Kopfbedeckung trägt und nicht eine einzige Koch-Show mit einem Kopftuch! So was gibt es doch gar nicht. Das hast du dir nur ausgedacht.“
Gerda dachte kurz nach und traf dann eine innere Entscheidung, die sich in einem Lächeln Bahn brach.
„Was lachst du?“, fragte er unwirsch.
„Irgendwie schon ulkig unser Spiel. Je ernster es wird, desto mehr bist du am Verhandeln. Du musst dich schon entscheiden. Kopfbedeckung ja, dann kannst du eine Woche bleiben, ODER“, sie hob die Stimme merklich an und es war klar was kam, „du schläfst die nächste Zeit woanders!“
Er hatte verstanden und sagte kleinlaut resignierend: „Na gut… Aber muss es unbedingt Latex sein?“
„Ja. Auf jeden Fall. Ich will die Handschuhe, die Schürze, die Stiefel und die Kopfbedeckung ohne großen Aufwand reinigen und nicht noch für den Koch eine Waschmaschine ansetzen, und eine weitere für Buntwäschekopftücher! Oder möchtest du das Wäschewaschen auch noch übernehmen?“
Er zögerte. War das eine Falle?
„Aber unter dem Tuch schwitzt man doch wahrscheinlich wie verrückt!“
„Vermutlich ein wenig“, antwortete Gerda. „Die zwei Stunden wirst du schon aushalten und vielleicht fällt mir auch noch was Besseres ein als so ein großes Tuch. Lass erstmal probieren.“

Sie faltete das ca. eineinhalb Meter große Rechtecktuch zu einer Dreiecksform und bat ihn: „Rumdrehen!“
Dann legte sie die lange Seite des Dreiecks von hinten mittig auf seine Stirn, die 90 Grad Spitze lag über seinem gesamten Kopf. Und anschließend schlang sie geschickt die beiden spitzen Ecken nach hinten halb über den Ohren und im Nacken über Kreuz. Sie drehte Ralph einmal rum und verknotete die Enden vorn vor seinem Kehlkopf.
„Aua!“
„Hab' dich nicht so! So straff ist das gar nicht!“
„Du bist gemein. Wie soll ich das aushalten?“
Er tastete mit seinen Händen seinen Kopf ab und war sichtlich überrascht wie gut und glatt die neue Kopfbedeckung passte, und wie geschickt Gerda dieses innerhalb von Sekunden hinbekommen hatte. Er schaute ungläubig in den Badspiegel und sah sein Gesicht ungewohnt, aber perfekt umrandet mit einem tadellos sitzenden Kopftuch. Es erinnerte ihn an die 50-er Jahre- Movies und an Frauen die im offenen Cabrio durch die Gegend fahren. Das Gesamtbild verwirrte ihn nach wie vor, während sich gleichzeitig ein anderes, nicht wirklich zu beschreibendes Wohlgefühl einstellte. Ein Koch mit weißer Schürze und schwarzen Händen und Füßen. Dazu eine dunkele Kopfbedeckung! So was hatte die Welt noch nicht gesehen.
Er lachte und sagte zu seiner Tante: „Tantchen, du spinnst total. Aber was soll's!“ Ralph klatschte in die Latexhände und fügte hinzu: „Lasst uns mit dem Vier- Sterne- Menü anfangen!“
Er drückte seiner Gerda einen schnellen Kuss auf die Wange und schlängelte sich an ihr vorbei in die Küche. Dort angekommen war es schwierig für ihn, als absoluter Laie der Haute Cuisine, die Geschehnisse richtig einzuordnen. Ein Rezept lag mitten auf dem Tisch und beim schnellen überfliegen der Zeilen wurde ihm klar: Es würde in den nächsten Minuten sehr heiß werden.

Flambierte Medaillon de Saint Clair de Rhone waren für ihn nach 5 Jahren Sprachunterricht übersetzbar. Eigentlich war er mehr der Miracoli-Experte.
Öl erhitzen bis sich Blasen bildeten, die Lende in kleine Scheiben schneiden, nebenbei die Kartoffeln schälen, und anschließend in kleine Scheiben schneiden, hauchdünn wie Papier stand da geschrieben. Das Gemüse im Geschirrtuch pressen, um überschüssiges Wasser auszuwringen, bevor dieses auf die große Hitze traf.
Eine Herausforderung. Er spürte die Hitze von außen durch die Wärme in der Küche, und von innen durch den inneren Ansporn gut zu sein. Gerda schaut ihm gebannt zu, wie er dort in der kleinen Küche mehr und mehr in seine Verzückung geriet und schloss lächelnd die Schiebetür zum Rest der Wohnung. Das Gefühl das Richtige zur richtigen Zeit getan zu haben, machte sich in ihr breit. Sie setzte sich an die Stirnseite des Tisches, schenkte sich einen Riesling ein, inhalierte das Bouquet und spürt die innere Entspannung. Dabei dachte sie: ‚Alles richtig, alles gut, nichts wurde gerufen oder geweckt, was nicht schlummernd darauf wartete, den Dornröschen-Schlaf zu beenden!'

„Hallo Tantchen, ich kann kochen“, trällert er sichtlich glücklich und kam aus der Küche mit einem Teller voller Köstlichkeiten gestürmt.
„Miss Sophie, es ist mir eine Ehre. Darf ich ihnen diesen Gaumenschmaus kredenzen?“
Ohne zu warten serviert er mit glänzenden Augen, schwitzend und Stolz wie selten zuvor in seinem Leben über die eigenen Kochkünste.
Er war glücklich!

*****

so jetzt habe ich bis Seite 22 veröffentlicht und freue mich auf Euer kritisches Feedback, gern auch per Mail. Einen schönen Sonntag wünscht K2
7. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Kittelschuerze am 25.04.21 14:06

Das klingt sehr interessant eine konsequente Tante die weiß was sich gehört. Auf die Fortsetzung bin ich gespannt ich bin mir fast sicher das es die Vorbereitung auf die Anstellung und Unterbringung als hausmädchen bei dem Suchenden Pärchen. Oder als perfekte Haushaltshilfe bei der Tante verbleibt von montags bis freitags.
8. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 25.04.21 19:39

Prima der erste Teil deiner Geschichte!! Bin darauf gespannt wie es weiter geht. Könnte mir gut vorstellen das er mit der Zeit auch das Wochenende bei seiner Tante verbringt ,wegen Studium und auch weil sie es will. Die Entscheidung triffst du !!
9. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 25.04.21 22:01

@ Kittelschürze
... die Neugier stirbt zuletzt. Deine Ansäzte bzgl. "Tante braucht 24/7" und "die Schmiedlers suchen eine Haushaltshilfe" sind lustig. Lass Dich überraschen, da die Geschichte schon fertig ist, kann ich soviel verraten: "... bleib neugierig.

@ Erin
du schreibst: "die Entscheidung triffst du"... und in der Tat, habe ich schon lange. Die Wochenenden auch bei der Tante Gerda zu verbringen und nicht nur die Tage ab 18:00 Uhr ist verlockend. Ich habe gerade nachgeschaut, statt 18:00 Uhr um 16:00 Uhr kommt er zur Tante ab Seite 65, aber zunächst nur Mittwochs. Bleibe Neugierig bzgl. Deiner Phantasie 24/7.

Frage an beide: Ahnt ihr, warum die Geschichte "Tante Gerdas Geheimnis" heißt?

Recht herzlichen Dank, für Euer Feedback, es macht Spass hier zu veröffentlichen.
Eure K2
10. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 26.04.21 11:37

Ich bin ebenfalls der Meinung,daß unser lieber Student auf eine Haushaltshilfstätigkeit vorbereitet wird.Denn so wird es vielleicht eher gelingen,ein Studentenzimmer in München zu finden,wenn es nicht bei Schmiedlers ist,dann eben woanders.
11. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von punk am 26.04.21 13:45

Wenn die Tante ein großes Geheimnis hat, vielleicht ist sie ja ein Onkel?
12. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 26.04.21 22:33

@ Gummimaske,
Zimmersuche in München ist ohnehin schwierig, egal ob man Putzen kann oder nicht. Die Handlung hätte ich auch nach New York legen können oder London. In Mecklendburg-Vorpommern fonktioniert die Geschichte nur bedingt. Warum ich München gewählt habe, bleibt bis zum Ende ein wenig offen aber viele Alternativen gab es nicht wirklich, vielleicht noch am ehesten Wien.
Bleib neugierig!

@ punk,
"Tante Gerdas Geheimnis", so viel sei verraten, besteht nicht darin, dass sie füher Onkel Gerd war.
Bleib neugierig!
13. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Chrisander am 28.04.21 17:35

mir gefallen solche Geschichten die langsam immer näher dem eigentlichen Zweck entsprechen. Freue mich auf weitere Episoden und bedanke mich beim Schreiber.
14. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 01.05.21 08:34

Vier Tage später war Freitag. Es war wegen der Herbstferien Abreise für nahezu alle Studenten der Münchener Uni, und alle versuchen so früh wie möglich die Stadt zu verlassen. Der Audi 80 freute sich auch auf daheim und Ralph hatte seine Heimfahrt in der Mitfahrzentrale angeschlagen. Und siehe da, eine Andrea wollte auch gern in die Nähe von Garmisch, nach Ettal! Ein Landei wie er - wie es offensichtlich viele in der bayrischen Hauptstadt gibt. Er lud sie am Treffpunkt ein und es wurde eine kurzweilige, staureiche und lustige Fahrt von dreieinhalb Stunden.
Andrea war hübsch, 18 Jahre jung, eins sechzig groß, bayrische Statur, enge Jeans, weiße Bluse, die einen kleinen Einblick gewährte, fröhlich und laut. Sie wusste jetzt schon nach vier Wochen alles über München, alles über die Uni, alles über die Landeshauptstadt und wo, wer wann mit wem. Der 19-jährige Ralph war glücklich, wie schon die ganze Woche. Er hatte ein inneres Glücksgefühl entwickelt, welches sich auf alles übertrug, was ihm zu nahekam. Andrea spürt die Energie, die Wärme, das Laissez-faire, welches von Ralph ausging und war empfänglich. Sie schaut ihn an und verliebte sich schlagartig. Was für ein Bursche aus der Nachbarschaft, aus Garmisch, was für ein Glück.

„Kannst du kochen?“
„Nein!“ Sie war irritiert. „Wieso fragst du? Will das deine Mama immer sofort wissen?“
Sie lachten albern und schauten sich in die Augen.
„Nein, nein, nicht meine Mutter. Ich konnte bis Montag auch nicht kochen, aber jetzt kann ich es!“
Sie genossen den Stau, das unfreiwillige längere Zusammensein, den warmen Herbst, die runtergelassenen Scheiben, die Zweisamkeit und das Leben.

Magst du verrückte Dinge tun? Magst du nackt baden? Magst du Nächte durchphilosophieren und magst du Wandern in den Bergen, magst du Kopfschmerzen am Morgen, magst du Xavier Naidu? Magst du auch frischen Spargel und Sex vor dem Duschen? Magst du Schwabing und magst du Bayern München oder 1860? Magst du verrückte Klamotten, magst Kochen, magst deine Verwandten, hast du auch eine schrullige gute Tante?

Sie redeten und redeten und beide wussten als sie die Autobahn verließen, das ist das Glück, und es endete in der Kiste. Sie waren unbeschwert, jung eben und ohne einander zu kennen, glücklich. Sie hörten einander nicht wirklich zu, verliebt, zu allem bereit und schwerelos. Kurz vor Ettal gab es einen kleinen Waldweg rechts. Er fuhr hinein in den Waldweg. Er parkte ohne Hast.
Er fuhr hinein in Andrea mit seiner ganzen jugendlichen Leibeskraft - sie machten es - einfach so - ohne zu zögern aus zwei mach eins und fertig.
Das Leben war schön im Hier und Jetzt.

*****

Am Tag darauf in München, eine etwas anders gelagerte Zweisamkeit…

„Hallo Paul, ich bin es, Yvi!“
„Hey! Was für eine Überraschung! Yvi! Wir haben bestimmt schon zwei Jahre nicht mehr miteinander telefoniert. Schön deine Stimme zu hören!“
„Find ich auch, meine Stimme tut Dir gut.“
Schweigen auf beiden Seiten der Telefonleitung. Man spürt, da war mal was. Ja da war mal eine Beziehung, nichts Oberflächiges, was Ernstes. Drei Minuten Schweigen am Telefon, den anderen beim Atmen zuhören. Das können nur Menschen, die sich sehr nahe sind oder waren.
„Was gibt's?“ Der Regisseur Paul, der Kümmerer, kam professionell in den Vordergrund der Konversation.
„Nur ein Gefühl, eine Idee für einen Film, nichts Konkretes!“
„Glaube ich dir nicht!“ Er lachte und ließ sie wissen, er spürte den wahren Grund wie ein Trüffelschwein. Ihm machte man nichts vor.
„Machst du noch Filme?“
„Ich bin 71. Was glaubst du?“
„Das Alter ist egal. Entweder man macht noch Filme oder man macht keine Filme mehr!“
Er lachte und ging zum Kühlschrank.
„Du weißt schon, dass ich normalerweise Samstagmorgens um 10 keinen Drink zu mir nehme?“
Er schwieg, erwartete aber keine Antwort. „Ich mache mir jetzt eine Bloody Mary, und du erzählst mir was über das Wetter in München und dann, wenn ich Tabasco und Salz und Pfeffer untergerührt habe, dann…“ Er machte eine Pause und sie hörte die Eiswürfel in das leere Glas fallen. „… dann sagst was deine Idee für einen neuen Film ist. Okay?“
„Gute Idee mit der blutigen Marie. Wir haben schönes warmes Herbstwetter hier in München.“
Sie lachten beide laut und lang.
„Weißt du, eigentlich verdiene ich genug Geld mit meinen Makeup-Engagements hier bei der Bavaria. Aber jetzt hat es mich wieder erwischt!“
„Erzähl'„, sagte er, nahm den ersten Schluck, und man spürte durch die Leitung die Neugier des Jägers nach der der Idee für den nächsten Kick, den nächsten Film, das nächste Fünkchen Hoffnung im Leben. Jenseits der 70 gibt es zu selten Momente, die dem ganzen Dasein noch einen neuen Sinn einhauchen.
Sie schwieg, er hatte eine vage Idee worauf sie vielleicht hinauswollte.
„Du in der Hauptrolle?“, Treffer, er grinste verschmitzt.
„Nein!“
„Das kam jetzt sehr spontan, warum nicht du?“, man hört im Hintergrund die Eiswürfel in seinem Glas beim Rühren gegen den Rand klirren.
„Schon leer?“, fragte sie.
„Ja.“
„Ich vielleicht in der Nebenrolle Nummer Eins, oder vielleicht macht Natalia M. wieder mit.“
„Was sagt sie dazu?“
„Keine Ahnung. Ich habe sie noch nicht angerufen.“
„Okay. Erst willst Du mich ködern, dann Maria?“
„Ja, so ist es wohl!“
Er schwieg und überlegte lange, fühlte sich geschmeichelt. Offensichtlich wollte Yvi nichts erzählen, oder sie war gekränkt, weil er Natalia ins Spiel gebracht hatte. Er wog ab.
Chance oder zu viel Nostalgie?
Nervig oder reizvoll?
Er kam aber auch bis zum Grund des zweiten Glases mit der zweiten Bloody Marry nicht auf eine passende Antwort für sich.
„Okay. Ich bin vielleicht dabei…“ Er machte eine längere Pause ohne dass sie ihn unterbrach. „…habe es mir überlegt, ich mach mit, nur für Dich und deinen Mut hier anzurufen. Ich kümmere mich drum! Wann willst du starten?“
„Ich weiß noch nicht. Der Hauptdarsteller weiß auch noch nichts davon!“
„Das solltest du aber korrigieren. Es wird schwer einen Film zu drehen, ohne dass der Hauptdarsteller was davon mitbekommt!“
Er war amüsiert. „Mach mal unauffällig ein paar Probeaufnahmen. Und dann fangen wir halt in drei, vier Monaten an.“
„Vielleicht nicht so schnell. Das Drehbuch ist noch im Entstehen.“
„Ist es von dir?“
Sie lachte laut und schwieg dann für zehn Sekunden: „Ich hab dich lieb!“
„Ich weiß!“ Und er legte nach drei Minuten gemeinsamen Schweigen auf.
Sie wusste, er wird sich melden mit einer Crew, mit einem Termin und mit einem Studio. Er war der Regisseur und er war gut in allem was er tat.

Gerda stand noch eine ganze Weile glücklich vor dem schweigenden Telefon. Ihr war wieder warm ums Herz, wie früher. Sie mochte es, dass Paul sie immer noch Yvi nannte, auch wenn die ganze Geschichte viele Jahre her ist.

*****


Montag eine Woche später um 14:00 Uhr klingelte das Telefon bei Gerda.
„Hallo!“ Sie meldete sich immer ohne ihren Namen zu nennen.
„Tante Gerda, was soll ich tun?“ Ralph klang sehr selbstbewusst. Es war keine Frage, es war ein Stimmungscheck. Gerda merkte es, irgendwas war anders, sie spürte es sofort. Sie schwieg und wusste, das war in dieser Situation die beste Wahl.
„Hallo? Bist du noch dran?“
„Ja.“
„Was soll ich tun?“ Er wiederholte die Frage, und sie wiederholte das Spiel mit dem Schweigen.
Gerda biss sich auf die Zunge. Sie brauchte die zwei Minuten, bis sie begriff, der Junge hatte wahrlich gute Ferien. Sie spürte es mit jeder Sekunde die er nichts sagte mehr und mehr. Irgendwas hatte sich geändert. Irgendwas ärgerte sie daran. Aber in der Kürze der Zeit wurde ihr nicht bewusst, was da in ihrem Inneren an Gefühlen hochkochte.
„Ja?“
„Tante, ich habe noch immer kein Zimmer!“
„Dachte ich mir. Es ist 14:00 Uhr, und warum sonst solltest du anrufen?“
„Ja und nein!“ Er schwieg einen Augenblick, war unsicher wie er weiter machen sollte.
„Ich könnte bei einer Bekannten schlafen…“
Gerda kannte diese Tonlage und wusste, jetzt galt es nichts sagen.
„… aber andererseits… ich würde auch gern…“
Sie grinste in sich hinein, da er herumdruckste, weil er hin und her gerissen war.
„… bei dir meine Kochkünste verbessern…“
Was für ein ungeschickter Schachzug von ihr! Wollte Ralph jetzt ein Bett bei der Tante oder lieber doch den Beischlaf bei der neuen sogenannten Freundin? Gerda war sich nicht sicher, ob sie sich ob dieser Dreistigkeit ärgern oder freuen sollte.
„Ein Rezept für heute Abend findet sich, und die nächste Stufe unseres Spiels kann ich mir ja bis 18:00 Uhr noch ausdenken!“ Kunstpause. „Aber andererseits… Man soll eine neue Bekannte nicht zu lange warten lassen. Vielleicht ergibt sich ja was draus“, fügte sie lächelnd hinzu.
Beinahe hätte er gesagt, „Wir hatten schon Sex, die ganze Woche“, aber er biss sich auf die Lippen und dachte angestrengt nach. Was genau hatte er von dem Telefonat erwartet? Er wusste es nicht mehr, war er hin und her gerissen zwischen Andrea und Tante Gerda. So ein Blödsinn, das konnte nicht sein, das durfte nicht sein.
„Was nun Bübchen? Soll ich mich auf Selberkochen einstellen für heute Abend, oder wie?“
„Nein!“ Das klang sehr bestimmt, auch viel offensiver als er eigentlich wollte. „Ich bin neugierig und komme heute auf jeden Fall!“
Beinahe hätte sie sich geoutet und ihre Freude zum Ausdruck gebracht. Nun war es an ihr sich auf die Lippen zu beißen.
„Gut. 18:00 Uhr wie immer. Bis nachher“, sagte sie und legte auf…

„Hallo Tante! Na? Wie war deine Woche, so ganz ohne mich?“
„Gut! Gut und schön ruhig“, erwiderte sie, „Miss Sophie so ganz allein ohne Butler, das ist ihrer nicht würdig!“ Ein schelmisches Grinsen umspielte ihren Mund. „Ehrlich? Ein klitzeklein bisschen habe ich deine Hilfe vermisst!“ Da war es wieder, dieses zweideutige Spiel seiner Tante.
„Und was liegt heute an?“
„Ein Salat mit geschmorten Shrimps. Dazu etwas mehr Kleidung und etwas mehr Hausarbeit.“
„Ich freu mich drauf“, sagte er, gab ihr einen Kuss und verschwand im Bad. Dort sah er sofort die zusätzlichen schwarzen Stümpfe, die oben auf dem Haufen lagen, und wunderte sich über gar nichts mehr.
‚Sie will mich offensichtlich nach und nach ganz in Latex kleiden. Na wenn es ihr gefällt…', dachte er und begann sich zu umzukleiden.
Auch die Strümpfe waren innen mit einer Flüssigkeit benetzt, so dass diese sich mehr oder weniger leicht anziehen ließen. Er stellte aber verwundert fest, dass diese fast bis zum Schritt hoch reichten. In die Stiefel reinzukommen war jetzt wohl nicht mehr möglich, da war er sich sicher. Aber weit gefehlt! Sie hatte es offensichtlich bedacht und die Gummistiefel gegen andere Stiefel ausgetauscht, welche einen seitlichen Reißverschluss hatten. Verwundert sah er, dass diese jeweils einen weiblichen Absatz von bestimmt sechs Zentimeter Höhe besaßen.
„Tante Gerda, mit den Stiefeln kann ich bestimmt nicht laufen. Die sind ja mit turmhohen Absätzen versehen.“
„Probieren geht über Studieren. Versuch's halt mal. Apropos Turmhoch. Da kann ich dir versichern, die paar Zentimeter sind noch gar nichts“, rief sie zurück und in ihrer Stimme lag ein Unterton, der keine Widerrede duldete.
Er zog die Stiefel mit ein wenig Neugierde an, da er sich schon öfter mal gefragt hatte, wie wohl Frauen mit solchen hochhackigen Dingern laufen können. Eine schöne Gelegenheit es mal auszuprobieren. Auf dem Wannenrand sitzend, erst den einen dann den anderen überziehend, hatte er Schwierigkeiten die Reißverschlüsse zu schließen. Die Dinger waren verdammt eng. Nach einigem hin und her gelang es schließlich, aber das unangenehme Gefühl blieb. ‚Die Stiefel sind eine Nummer zu klein', dachte er dabei. Andererseits gaben diese durch die Enge Halt, und der erste Stehversuch gelang zwar wackelig, aber er konnte auch nicht umknicken. Er lief zwei Schritte nach rechts und wieder zurück.
‚Geht ja besser als gedacht. Wenn ich kleine Schritte mache, sollte es funktionieren', dachte er.
An den Waden drückte es ein wenig und er wusste nicht, wie er diesen Druck zwei Stunden lang aushalten sollte. Aber ein Versuch war es wert.
„Tante Gerda, ich bin drin, aber das halte ich nicht zwei Stunden aus!“
„Mach' hin! Du musst noch kochen und Tischdecken! Beeil dich!“
Schnell zog er die langen Handschuhe über, legte die Schütze an und auch das Kopftuch sollte kein Problem sein. Aber was war das? Dieses war auch ausgetauscht worden und war nun irgendwie vorgeformt und schon gebunden. Er versuchte zu begreifen wie diese neue Haube nun funktioniert und fand es nach einigem Gefummel heraus. Es war gefertigt wie eine transparente Sturmhaube vom Skifahren, und das schwarze Kopftuch war gleich draufgebastelt. Er weitete die untere Öffnung mit beiden Händen und zog sich die Haube über den Kopf. Die Augen und der Mund blieben frei. Die Nase hatte Löcher zum Atmen, aber sonst legte sie sich fest wie beim Skifahren am Gesicht an und bedeckte eng den ganzen Kopf bis zum Hals herab. Es fühlte sich gut an, stellte er fest. Das Gummi umschloss seinen Kopf wie ein warmer Hauch, und eine wonnige Wärme breitete sich aus. Er schaute in den Spiegel und wurde gewahr, dass rechts und links ein kleines Ende des Kopftuches lose an seinen Ohren herabhing. Er griff die beiden Enden und spürte einen Klettverschluss, den er mit einigen Mühen und mit Zug unter dem Kinn schließen konnte. Oh, das war eng am Hals, aber nicht unangenehm. Und er fühlte eine leichte Erregung aufkeimen. ‚Sehr sexy', dachte er.

Das Bild, welches sich ihm im Spiegel bot, war überraschend verändert für ihn. War es bisher eher ein leicht lächerliches Outfit um ihn zu ärgern, wurde er heute gewahr, dass er sich in ein ansehnliches Wesen verwandelt hatte. Okay, das weiße T-Shirt und die Boxershorts passten nicht zum Rest, aber das Gesamtbild entwickelte sich hin zu einer gepflegten Küchenhilfe mit orientalisch erotischem Antlitz.
Schnell noch die Schürze umgebunden und fertig war er für das heutige Abenteuer.

Jetzt aber ab in die Küche.
Der Salat mit Shrimps gelang dank der detaillierten Anleitung sehr gut, und auch Tante Gerda war voll des Lobes ob seiner Künste. Sie stellte mit Genugtuung fest, dass Ralph sich mit der Haube und den Stiefeln sichtlich wohlfühlte. Sie sagte aber nichts. Und als er begann den Tisch abzuräumen, erlaubte sie ihm die Stiefel auszuziehen.
Verwundert nahm sie zu Kenntnis: „Miss Gerda, das geht schon. Ich versuche diese anzubehalten.“

Die nächsten Tage liefen ganz gut, sowohl an der Uni als auch abends bei ihrem kleinen Spiel. Er freute sich irgendwie auf die Verkleidung, und hatte um das Outfit ein wenig harmonischer zu gestalten, eine schwarze Boxershorts und ein schwarzes T-Shirt angezogen. So war es stimmiger, wenn auch nicht perfekt.
„Gefällt dir das Outfit?“, fragte Gerda unverbindlich am Mittwoch.
„Irgendwie schon. Das Gummi fühlt sich gut an.“ antwortete er und schob eine Frage nach: „Warum eigentlich das ganze Latex? Doch sicher nicht, damit meine Kleidung beim Kochen nicht schmutzig wird.“
„Doch, doch. Das mit dem Schutz ist der Hauptgrund. Aber ich glaube in meinem früheren Leben mochte ich das Material Gummi auch mal ganz gern.“ Sie betonte das Wort Gummi extra lang mit viel Betonung. „Ist zwar lange her und jetzt gefällt es mir irgendwie wieder. Immer mehr, jetzt wo ich dich jeden Tag damit sehe, sieht schnuckelig aus, oder?“

*****

Auch in der folgenden Woche wohnte Ralph wieder bei Gerda und war gespannt, was sie hinzufügen würde. Im Bad fand er die gewohnten Sachen, aber die Schürze fehlte.
„Tante Gerda, haben wir Bergfest hinter uns und jetzt entfernst du wieder Stück für Stück von meinem Outfit?“
„Enttäuscht?“, fragte sie mit einem zweideutigen Lächeln.
„Nein, nur verwundert.“
„So ist es recht. Natürlich machen wir weiter, sonst kommst du noch auf die Idee für immer hier zu wohnen. Zieh die üblichen Sachen erstmal an. Dann kommt die Überraschung. Aber bei der muss ich dir sowieso helfen.“
Als er fertig war, kam Ralph ins Wohnzimmer und sie bat ihn: „T-Shirt aus!“
„Warum?“
„Ich will deinen Körper sehen“, sagte sie schnippisch. Dann zwinkerte sie mit dem Auge und korrigierte: „Nein. Aber unter dem Küchenkleid brauchst du es nicht.“
„Ein Küchenkleid? Was soll das denn schon wieder?“
„Du wirst schon sehen, gedulde dich.“
Widerwillig, aber auch neugierig, entledigte er sich seinem vorletzten Baumwollkleidungsstück. Es blieben die Boxershorts aus Stoff dazu die schwarzen Armen, Beinen, Stiefel und das Hijab- Kopftuch aus Gummi. Nur der Torso war nackt.
Sie bat ihn vorsichtig mit den Beinen in einen Haufen schwarzen Latex einzusteigen, den sie kunstvoll auf dem Teppich zu einem offenen Kreis drapiert hatte. Er stieg in die Mitte und sie zog langsam die Kleidung nach oben. Ralph sah zu wie sich einen knöchellanger weiter Rock bildete, der viele Falten warf. Ein wenig altmodisch, voluminös aber nicht unschön. Gerda schloss den Reißverschluss im Rücken über dem Po bis zur Taille und half ihm anschließend in das nach vorn hängende Oberteil hinein. Er musste zunächst mit den gummierten Händen durch die Ärmel reinschlüpfen, bevor sie das Kleidmit Ziehen und Drücken über die Schultern stülpte. Sie strich die mit beiden Händen die Falten aus, zog hinten stramm und schloss den Reißverschluss bis zum Hals. Verwundert schaute er sich an und befühlte das neue Kleidungsstück: große weite Ärmel, Rüschen am Hals, ein weiter ausladender Rock. Oben im Brustbereich ein wenig zu weit geschnitten. Sie nahm seine Hand und schloss die Druckknöpfe an den Handgelenken. Erst dabei wurde ihm gewahr, dass er jetzt komplett in Latex gekleidet war und der Begriff „Küchenkleid aus dem 19. Jahrhundert“ in der Tat hervorragend passte. Sie sah seinen Blick und entdeckte eine kleine Verzückung in seinem Gesicht. Gerda streichelte bewusst nochmals über sein Kleid und die Ärmel. Ein wonniger Schauer überkam ihn und er war froh, dass das Kleid so weit abstand. Es regte sich etwas in der Hose, aber man konnte von außen zum Glück nichts erkennen.

Das Erscheinungsbild wurde nahezu perfekt abgerundet mit der weißen Rüschenschürze. Gerda und Ralph lächelten, als sie im Flurspiegel eine Küchenhilfe aus vergangenen Zeiten betrachteten. Auch das Kopftuch wirkte nicht deplatziert, sondern gab dem ganzen einen ländlichen Eindruck, quasi eine Abrundung des Gesamtoutfits, ein I-Tüpfelchen.
„Schön?“, fragte sie.
„Hmm… du hast verrückte Ideen. Hast du sonst nichts zu tun, als dir eine Gemeinheit nach der anderen auszudenken?“
„Nun sei nicht so mürrisch! Musst ja nicht hier wohnen. Dort hat der der Zimmermann eine Tür eingebaut.“, sie wies mit der Hand zum Gehen und lenkte dann ein: „Lass mir doch die kleine Freude dich ein wenig zu necken.“
„So sei es meine verrückte Miss Gerda. Was darf ich heute der gnädigen Frau kochen?“ Man konnte deutlich wahrnehmen, das Spiegelbild faszinierte ihn, er konnte sich kaum abwenden. Die Flucht in die Küche war Ralphs Hoffnung, dem weiter aufkeimendem Lustgefühl Herr zu werden.

Ach, war das eine wunderbare Woche für ihn. Er traf Andrea häufig und die tägliche Vorfreude auf den Abend bei Gerda war durch dieses Kleid nochmals deutlich erhöht. Am Dienstagabend offenbarte sie, was die neue zusätzliche Aufgabe dieser Woche sein würde: „Mittwochs hast du an der Uni schon eher Schluss. Ich möchte, dass du an diesem Tag immer schon um halb fünf kommst und vor dem Abendessen Bad und Küche durchputzt.“
„Aha! Das führst du im Schilde. Von der Küchenhilfe zur Allround-Haushaltshilfe! Das ist dein Plan.“
Er fügte sich ein und machte dennoch erstmal alles falsch, als er am Mittwoch pünktlich mit den Reinigungsarbeiten beginnen wollte. „Erst umziehen, sonst machst du deine Studienklamotten dreckig. Außerdem habe ich sonst nicht halb so viel Spaß beim Zuschauen.“
„Dann komme ich aber ganz schön ins Schwitzen“, warf er ein.
„Das ist doch der Sinn des Ganzen, Dummerchen. Wir wollen doch nicht, dass du dich beginnst hier wohl zu fühlen!“

Unter Ihrer Anleitung putzte er einmal alle Oberflächen durch, holte einen Eimer mit heißem Wasser und schrubbte auch den Boden blitzblank. Es war ganz schön anstrengend, aber auch sehr schön, denn bei dieser Arbeit begann er mehr zu schwitzen als bei der Küchenarbeit, und der Schweiß ließ ihn die Latexsachen viel intensiver spüren. Ein schönes Gefühl, und dieses erregte ihn so sehr, dass er abends im Bett nicht anders konnte, als an sich Hand an zu legen.
Wow! Was für ein Tag!

*****

So jetzt sind wir auf Seite 32 ... bin gespannt auf die Reaktionen.
15. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Kittelschuerze am 01.05.21 09:07

Hallo K2
Die Fortsetzung ist sehr interessant und anders als erwartet dafür erstmal mal ein Dankeschön.
Also ich denke er wird zum Gummihausmädchen geformt und Andrea wird es irgendwann gewahr oder er verfällt seiner Tante total,aber du die Fortsetzung und ich bin schon gespannt drauf.
16. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Stoeckelfranz am 01.05.21 12:23

Schön wie sich die Geschichte entwikelt
Ich mag es wenn der Hauptprobant zu Absatzschuhen und Sonstigen schönen Unbequemlichkeiten hingefürt wird.

Also vieo spass beim weiterschreiben
17. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 01.05.21 16:23

@ Kittelschürze
gute Idee Gummihausmädchen... aber die Geschichte ist schon fertig ... und meine Suche im original Worddokument hat ergeben: "0 Treffer bei dem Wort Gummihausmädchen"
Bleib neugierig!

@ Stoeckelfranz
du schreibst du magst es wenn die Person in einer Geschichte zu unbequemlichkeiten hingeführt wird. Ich glaube, dann bist du in dieser Geschichte richtig.
Bleib neugierig!
18. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 01.05.21 16:36

Ich hatte mir vorgenommen immer so um die 20 Seiten je Woche fertig zu korrigieren, lektorieren und hochzuladen. Das ist dieses Mal gelungen und hier der zweite Teil für das erste Maiwochenende.
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Kapitel #2 *** ein Sonntag im Herbst

Das Zimmer ist abgedunkelt, die Rollläden sind bis auf einen kleinen Schlitz runtergelassen. Dämmerlicht durchdringt den Raum obwohl mitten am Tag, und es fällt schwer irgendwie mehr zu erkennen, als schemenhafte Konturen von Möbeln. Recht ungewöhnlich für einen Sonntag im goldenen Herbst am frühen Nachmittag um kurz nach eins, außer jemand hat absichtlich die Jalousie geschlossen, um die Wärme oder vielleicht fremde Blicke nicht hinein zu lassen. Ein Laptop-Bildschirm beginnt zu erleuchten und hüllt den Raum in diffuses Gegenlicht. Zunächst schimmert alles in blau, dieses helle blau, wie bei einem PC der gerade bootet, dann erscheint ein hellerer Hintergrund von Skype und eine Stimme ertönt.
"Hallo! Hier ist Tante Gerda. Ich hoffe es ist alles gut.", sagt eine fröhliche Frauenstimme aus dem PC-Lautsprecher.
Es schein ein Chat oder ein Videomessenger zu sein.
"Unser Frühshoppen ist doch etwas länger ausgefallen als geplant." Sie lacht und freut sich, als hätte sie die letzten Stunden sehr viel unerwarteten Spaß gehabt. "Wir haben kurz entschlossen noch eine weitere Freundin daheim besucht und gekocht und gebacken. Ich bleibe noch zum Kaffee und bin so gegen vier daheim!" Sie denkt kurz nach, wendet sich ab und redet im Hintergrund mit anderen Anwesenden.
"Also, es kann auch fünf Uhr werden, würde mich nicht wundern", kichert sie und dann hantiert sie in der Ferne an der Tastatur herum. Das unaufhörliche Klickern der Tasten lässt darauf schließen, dass sie noch was erledigen muss, ehe sie sich wieder dem Kaffeekränzchen widmen kann.
Im hellen Schein des Bildschirms kann man jetzt den Raum viel besser erkennen. Es ist ein geräumiges Wohnzimmer mit Esstisch in der einen Hälfte, und einer Couchgarnitur, einer Schrankwand und einem Fernseher in der anderen Hälfte. Die Möbel sind aus den 90-er Jahren. Warme, dunkle Teppiche und Gardinen mit großem Blumenmuster lassen darauf schließen, dass hier jemand schon länger wohnt. Ein gemütlicher Ofen mit Glasfront und ein Aquarium vervollständigen den gemütlichen Eindruck. Nur die heruntergelassenen Jalousien vor den Fenstern befremden ein wenig. Erst auf dem zweiten Blick wird man gewahr, dass an der Stirnseite des Tisches jemand bewegungslos sitzt. Es scheint so, dass die Nachrichten an dieses Wesen gerichtet waren.
"Ich schalte dir einen Film an. Okay?", sagt die Stimme aus dem PC- Lautsprecher, "damit dir das Warten nicht so langweilig wird!"
Die Person im Raum macht keine Anstalten zu antworten, weder zustimmend noch ablehnend. Sie sagt gar nichts und rührt sich nicht.
"Ich hab's! Das wird dir gefallen. Drei Teile nonstop hintereinander!"
Die Person im Chat scheint sich über ihre eigene Idee wie Bienchen zu freuen. Sie tippt wieder auf der Tastatur herum und verkündet: "Und los geht's. Dir noch viel Spaß. Bis nachher und Tschüss!" Sie schaltet sich weg und der Bildschirm wird dunkel.

Anschließend wechseln sich Filmszenen mit unterschiedlicher Helligkeit ab, in denen man den Raum gespenstisch im dunklen Flackerlicht oder heller beleuchtet vorfindet. Je nach Sequenz im Film wird der Raum eins mit dem Geschehen. Verwunderlich ist nur, dass der Ton abgestellt ist. Auch nach mehreren Minuten läuft der gezeigte Film ohne einen Mucks. Merkwürdig. Die Gestalt am Tisch hat vielleicht so was wie Kopfhörer auf. Vielleicht ist das des Rätsels Lösung.
Es ist definitiv eine weibliche Person die da sitzt. Sie hat lange dunkelbraune oder vielleicht auch dunkelrote Haare. Sie verharrt regungslos vor dem Bildschirm und schaut nur geradeaus in Richtung des Bildschirms. Sie verfolgt die Filme, die ihr die Zeit vertreiben sollen, bis die Dame des Hauses - wie angekündigt in drei bis vier Stunden - zurück ist. Merkwürdig ist es schon, wie reglos sie in der dunklen Ecke hinter dem Tisch aufrecht, kerzengrade und fast teilnahmslos dem Geschehen folgt. Keine einzige Bewegung ist im Dämmerlicht wahrnehmbar und das jetzt schon seit geraumer Zeit.

Punkt 14 Uhr 30 flackern die Neonröhren im Aquarium. Es dauert ein paar Sekunden, doch dann erstrahlt es in einer wunderschönen Pracht taghell und gibt die Sicht frei auf ein 200 Liter großes Becken. In der Tat ist es eine Augenweide, tadellos gepflegt, keine Algen an den Scheiben und weißer Sand, der das Licht reflektiert. Es gibt sattgrüne Pflanzen und drei recht große Zitronenbuntbarsche gleiten gemächlich durch das Becken. Ein ansehnlicher Schwarm feuerroter Guppys und vereinzelte schwarze Welse geben dem Aquarium eine Farbenfülle. "Schwarz- rot-gold mit viel Grün und weißem Strand", wie die Besitzerin zu sagen pflegte. Es ist eine wahre Pracht.

Das ganze Zimmer erstrahlt im hellen Licht und man kann jetzt trotz heruntergelassener Rollos alle Details erkennen. Es ist in der Tat eine Art Wohn-Esszimmer aus den 90-er des letzten Jahrhunderts. Das Mobiliar besteht aus einer recht schweren und vier Meter breiten Eichenschrankwand mit einem Drei- und Zweisitzer Couchensemble plus Fernsehsessel. Dazu kommen die schweren weißen Vorhänge mit Blumenmuster, der Perserteppich und die Bilder an der Wand, alles Replikate von alten Meistern. All das bestätigt, dass hier jemand von mittlerem Alter wohnt, wenigstens 50 Jahre alt und mit Freude an dem Stil der späten Jahre des 20. Jahrhunderts.

Aber wie passt die Frau am Tisch in das Bild? Jetzt ist es klar, sie hat definitiv rote Haare, genauer gesagt karmesinrot, von einer Intensität, mit der man Fernsehwerbung für Shampoo hätte machen können. Ihr Gesicht wirkt regungslos. Sie scheint auf den Bildschirm zu starren. Sie hat lange geschwungene Wimpern, große freundliche Augen mit einem leichten Lidschatten und angedeuteten Smokey- Eyes und Lippen in einem intensiven Rot. Das alles passt perfekt zur Haarfarbe. Sie sitzt regungslos vor dem Bildschirm und schaut noch immer wie gebannt auf den dargebotenen Film. Oder hat bereits Teil 2 begonnen? Wenn man Tante Gerda glauben mag, gibt es noch viel zu sehen, zumindest gut geplant gegen Langeweile.
Im Schein der Beleuchtung des Aquariums werden noch zwei andere Details sichtbar, die vorher verborgen waren: Die Frau am Tisch trägt eine glänzende Bluse, wahrscheinlich Satin oder ein anderes Material mit Hochglanz, mit einem wunderschönen Stehkragen, der nach oben eng zugeknöpft ist. Die Bluse hat außerdem schöne Rüschen und weite Ärmel. Es wirkt sehr Ladylike und modisch - auf ganzer Linie eine Dame. Auch wirkt der Oberkörper sehr angespannt, gerade und aufrecht, die Schultern nach hinten gezogen, die Brust herausgesteckt und das Kinn keck aufreizend nach vorn gestreckt, als wäre der Stehkragen mit besonders guter Stärke gewaschen worden. Als zweites fällt auf, dass die Arme gerade nach unten fallen und die Hände nicht zu sehen sind. Vermutlich liegen diese auf dem Schoß, was aber ungewöhnlich diszipliniert erscheint. Eine bequeme Fernsehhaltung wäre bei den meisten Menschen nach hinten gelehnt, oder die Arme vor der Brust verschränkt. Aber vielleicht ist der Film so spannend und ihre Aufmerksamkeit so groß, dass sie gar nicht bemerkt, mit wieviel Aufmerksamkeit und Anspannung sie da so sitzt. Ungewöhnlich, denn der Film läuft doch schon über eine Stunde.

Oder ist das gar kein regloser Mensch – das könnte auch sein - sondern vielleicht eine Puppe, eine Dekoration aus Kunststoff, eine Ausstellung wie in einem Schaufenster eines Modeladens? Da war doch mal im letzten Jahrhundert eine Zeitlang so eine Sammelleidenschaft von Porzellankopfpuppen entstanden. Und die wurden auf den Sofas drapiert und sitzen dann den ganzen Tag reglos rum, als romantisch verklärtes Abbild von Schuljungen oder Mädchen in Sonntagskleidern. Aber was macht das wiederum für einen Sinn, wenn jemand eine menschengroße Puppe im Wohnzimmer platziert, zu ihr spricht und ihr dann auch noch Filme ankündigt und abspielt? Recht ungewöhnlich für einen Sonntag im Herbst, nachmittags um kurz vor drei Uhr. Der Abspann des ersten der drei Filme flackert über den PC- Bildschirm. Man kann lesen:

Darsteller: Natalia Mühlhausen, Diana Siefert, Yvonne Deyet .... Copyright: Viola© 1992

Der Vorspann zum zweiten Film beginnt mit einem durchlaufenden Text:

Akzente Setzen ….. Gerade im Umfeld des gehobenen bizarren Genießens entscheidet man sich ganz bewußt für Produkte bester Herkunft. ….. VIOLA erfüllt diesen Anspruch in überzeugender Weise, gefragt ist das, was Abstand zum herkömmlichen schafft und niveauvoll bizarre Akzente setzt. ….. Seine außergewöhnlichen Merkmale begründen den Ruf, eines der besten bizarren Videos unserer Zeit zu sein.

Recht viele Rechtschreibfehler für einen Vorspann oder ist das noch alte Rechtschreibung?


Kapitel #3 *** 1992

"Cut, Schluss Ende, fertig, wir haben definitiv genug Aufnahmen in der Kiste!" Der Regisseur Paul stand von seinem Chefstuhl auf und ging in die Kulisse. Er schüttelte allen Schauspielern ungelenkig die Hände und bedankte sich höflich aber auch ein wenig müde- pflichterfüllend. Er wusste irgendwie genau, es ist unwahrscheinlich, dass nach dem dritten Teil ein weiterer beauftragt wird. Die ersten zwei Teile des Films verkauften sich ganz gut. Sein Instinkt sagte ihm, zu viele Dopplungen und Wiederholungen jetzt in der neuen dritten Fassung. Das wird zu wenig zahlendes Publikum hinter dem Ofen vorlocken. "Die deutsche Filmförderung wird auch nicht einspringen", dachte er und lachte vor sich hin. Er bat den Kameramann Sekt aus dem Kühlschrank zu holen und rief die Mannschaft für ein letztes Briefing in 20 Minuten auf. Vorher sollten sich alle umziehen und dann wieder zusammenkommen.

Der Beleuchter baute seine Technik ab, verstaute diese in Kisten. Und auch die Bühnenbildner- Crew erschien wie gerufen zum Abbauen. Sie brauchten das Studio am nächsten Tag wieder für irgendwelche anderen Aufnahmen. Yvi fragte, ob sie was haben könne, von dem ganzen Spezialkram, den man extra für den Film angeschafft hatte. Der gehörte jetzt irgendwie den Viola Studios, aber die brauchten diese sicher nicht mehr, und vom Umtausch waren sie sowieso ausgeschlossen. Der Regisseur lachte und meinte, dass er auch nicht wüsste was damit passiert. Er versprach ihr kurz zu telefonieren und es herauszufinden.
Nachdenklich gab er den Handwerkern ein Signal. Sie sollten sich eine halbe Stunde gedulden und erst dann wiederkommen. Danach begann er zu telefonieren. Dabei lief er in den Kulissen herum und sammelte das mitgebrachte Equipment zusammen und legte es auf einen Tisch. Das Telefonat wurde mit viel "Ja, ja" und "Wirklich" und "So machen wir es" begleitet. Dann legte er auf. Das Gespräch und der traurige unsortierte Haufen auf dem Tisch verbesserten nicht seine Laune, auch nicht die Flasche Sekt die geöffnet wurde und irgendwer in die Pappbecher füllte.

Nach und nach traten alle Schauspieler und die vier- Mann starke Kamera- und Ton- Mannschaft zusammen. Ein wahrlich bunter Haufen, der in ziviler Kleidung aussah wie ein x-beliebiges Büro- Team in Stadtverwaltung von Hinteroberdingen.
Nicht mal er sah annähernd wie ein Chef aus, eher wie ein müder Barkeeper beim letzten Glas, der sich nur noch Ferien wünscht. Aber eigentlich wünschte er sich einen Folgeauftrag für ein wirklich großes Movie der Bavaria, irgendwas mit Loriot oder Götz George. Er ließ den Blick schweifen und lächelte vor sich hin, als er mit allen anstieß. "Wie eine kleine Familie", dachte er, und bedankte sich artig bei jedem. Bei den Männern mit einem Handschlag, und die Mädels drückte er liebevoll an seine Schulter.
"Werde Euch vermissen!", dachte er laut vor sich hin.

Man kannte sich gut, fast schon zu gut nach drei Mal 90 Minuten Filmarbeit. Yvi war gut, keine Frage, aber sie konnte den dritten Teil auch nicht allein als jüngstes Mitglied retten. Sie würde aber sicher noch mehr Rollen bekommen. Sie hatte was "auf dem Kasten". Simone, alias Natalia, lächelte zurück. Sie wusste dass es wahrscheinlich nicht ihr letzter Auftritt war. Sie hatte einen Namen in der Szene. Aber auch er wusste, dass sie in sicheren finanziellen Händen war und hat den Dreh nicht aus der Not heraus, sondern aus Liebhaberei gemacht hatte. Auch sie sah müde aus. Sechseinhalb Stunden Dreh waren schon eine harte Strapaze, auch wenn sie immer genau wusste wie es geht. Vollprofi halt. Der Beleuchter schaute noch immer leicht verlegen in die Runde. Das war sein erster Job in diesem Genre gewesen und seine rot glühenden Ohren verblassten erst beim zweiten Glas Sekt.
"Alle am Ende ihrer Karriere", dachte er. "Vor allem ich!"

Yvi fragte, was die Produktionsleitung bezüglich der Requisiten beschlossen hatte.
Er antwortete: "Die wären geizig wie immer. Wer was mitnehmen will, soll 5 Mark pro Stück zahlen."
Alle lachten und Yvi ließ Maria den Vortritt bei der Auswahl.
Maria lehnte dankend ab und sagte: "Hab' mehr als genug von dem Zeugs daheim liegen!"
Daraufhin sagte Yvi, dass sie einiges nähme, denn wann bekäme man schon mal was für einen Heia-Mann pro Stück.
Da ging das Lachen in eine ausgelassene Heiterkeit über.
"War doch ein tolles Set und ein toller Sekt!", sagte er, trank ein letztes Glas, und die Truppe verschwand in die verschiedensten Richtungen und ging ihrer Wege.

Es ist nicht bekannt, ob sie jemals wieder zusammengearbeitet haben. Es bleibt zu vermuten, dass Yvi den Dreh- Set noch in guter Erinnerung behielt. Sie wählte vierzehn Teile aus den Requisiten aus und legte mit einem breiten Grinsen 70 Mark auf den Tisch. Das war schon ein ansehnlich großes Häufchen mit einem gewissen Etwas, für das man bei Beate Uhse sicher mehr als 1000 Mark hätte hinlegen müssen.

Mehr als 25 Jahre später ist Beate Uhse verstorben, es gibt keine Mark mehr und Deutschland ist erneut Fußballweltmeister.

so geschafft, bis Seitew 38 alles veröffentlicht, Gruß an alle Leser und Leserinnen
19. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Kittelschuerze am 02.05.21 10:19

Hallo k2
Danke für dein Kommentar,das macht das ganze in Zusammenhang mit der Fortsetzung nur noch spannender ,ich freu mich auf die Fortsetzung, danke.
20. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Klett-max am 02.05.21 15:01

Jetzt ahnen wir Etwas über die Herkunft der Latexkleidung, die Ralph Stück für Stück kennen und leben lernt. Da scheint ja echt gute Qualität und noch bessere Pflege im Spiel zu sein, wenn die Sachen immer noch in bestem Zustand sind.

Bin nur gespannt, ob er Ende nächster Woche auch wieder "Wow! Was für ein Tag!" sagen wird, während er .... Tja... DAS wissen wir noch nicht.
21. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 02.05.21 19:46

Ja schön das Zwischenspiel .freue mich auch wie es weiter geht.
22. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 02.05.21 22:58

DANKE - 10.000 Lesungen geschafft in 9 Tagen!
Hat mich sehr gefreut!
Ihr alle seid eine Klasse Leserschaft und Eure Rückmeldungen nehme ich dankbar an. Eure K2


@Kittelschürze
es ist mir eine Freude, wenn die Geschichte im "Zusammenhang mit der Fortsetzung nur noch spannender" vorkommt.
Bleib neugierig!

@Klett-max
Deine Ausführungen über die Haltbarkeit von Latexkleidung über 25 Jahre haben mich amüsiert. Später wird klar, dass auch was dazugekauft wurde.
Habe auch mal nachgeschaut, ob Ralph am Ende jeder Woche "Wow! Was für ein Tag!" sagt. Dem ist nicht so, er wird manchmal euphorischer und manchmal ernüchtert.
Bleib neugierig!

@Erin
Du magst offensichtlich das Zwischenspiel, sonst hättest Du es ja nicht gelobt. Ja das ist in der Tat riskant, Zwischenspiele und nicht cronologische Abfolgen können schon mal das Publikum überfordern. Ich spiele damit, siehe das Vorwort, ob das gut ist, wird sich zeigen.
Bleib neugierig!
23. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 09.05.21 18:29

Es gibt mal wieder eine kleine Fortsetzung - hoffentlich gefällt es.

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Kapitel #4 *** Spiel mit Pause

Nach einer weiteren erfolglosen Woche bezüglich der Wohnungssuche begann der Montag mit folgender Konversation zwischen Gerda und Ralph:
„Ich habe mir was Besonderes überlegt. Wir ergänzen dein Putzoutfit um eine große Kleinigkeit und deine Aufgaben um eine kleine Mühe, etwas was ich seit längerem nicht mehr selber machen mag!“
„Große Kleinigkeit und kleine Mühe?“, Ralphs Stimmlage machte deutlich, er glaubte ihr kein Wort. „Mach es nicht so spannend, das mit dem zweimal klein glaubt dir kein Mensch. Also Vorsicht, sonst sage ich wieder Tantchen zu dir!“
Sie runzelte die Stirn, sagte aber nichts zu dem von ihr so ungeliebten Wort Tantchen und scheuchte Ralph ins Bad. Dort wartete - wie auch in den letzten Wochen - die Latexkleidung auf ihn - fein säuberlich aufgereiht und in tadellosem Zustand. Nachdem er alle Teile angezogen hatte, schloss Gerda wie immer den Rückenreißverschluss des Kleides. Wie erwartet, stellte sich auch diesen Montag bei beiden Vorfreude ein, ihr Katz- und Mausspiel fortzusetzen.

„Heute addieren wir ein Korsett gegen deinen Schwabbelbauch!“
„Ich habe doch gar keinen Schwabbelbauch! Alles Muskeln, Sehnen und Waschbrett!“
Gerda rollte mit den Augen. „Naja, ein Modellathlet sieht anders aus. Aber besonders dick bist du zum Glück nicht, nur nicht gut in Form für 90 – 60 – 90!“
„Du machst Witze, oder 90-60-90 ich glaube du spinnst.“
„Erwischt! Du weißt also schon was die drei Zahlen bedeuten. Habe ich da einen Kenner des weiblichen Idealbildes entdeckt?“ Sie zwinkerte ihm zu. „Und das mit 19 Jahren? Oh je.“
Ralph wurde ein wenig rot, aber lächelte keck zurück. Dann ließ er sich mehr oder weniger bereitwillig das schwarze, etwa 30 Zentimeter hohe Korsett um den Rücken legen und schloss es vorn mit Gerdas Hilfe. Sah etwas unbeholfen aus. Die Gummihandschuhe kamen nicht gut zurecht mit den kleinen Verschlüssen. Das Korsett sah sehr edel aus: Schwarzes, poliertes, recht dickes Latex, schwer in der Hand liegend, mit 14 perfekt eingearbeiteten Korsettstäben. An den Hüften leicht ausgestellt, unter der Brust mit zwei Halbkreissegmenten und einer kleinen Spitze in der Mitte. Die Kanten waren in einem wunderschönen weißen Latex gehalten und mit angedeuteten schwarzen Spitzenmustern abgesetzt. Die Schnürung war in weiß aus dicken Fäden, die wie Schnürsenkel von stabilen Wanderschuhen aussahen. Das Ganze passte farblich perfekt zum dunklen Kleid mit dessen weiten Rock und Besatz am Saum und am Hals.

„Was ist?“, fragte Tante Gerda. „Jetzt schon zu viel?“
„Nein, nein! Geht schon“, erwiderte Ralph. „Ich bin mir nur nicht sicher, ob du das richtig machst!“
„Was bitte schön, kann man beim Anlegen eines Korsetts falsch machen?“
„Lasst uns im Internet nachschauen!“ Ralph holte sein Smartphone und tippte die Frage: „Korsett richtig anlegen“ in die Suchmaschine ein, und wurde sofort fündig.
Sie lasen gemeinsam:

Wichtig ist, dass der Untergrund leicht rutschig ist und keine Falten entstehen können. Vermeiden Sie unebene Untergründe, Schnallen, Bündchen oder Bügel von BH- Körbchen. Legen Sie das Korsett sofort so eng wie möglich an, indem sie die Rückenschnürung vorspannen und beim Schließen der Vorderhäkchen tief Luft einziehen. Auch sollte ein enges Korsett nicht direkten auf der Haut getragen werden. Nur wenn es wenig formgebend oder sehr locker getragen wird, ist dies ratsam.

„Siehst du? Da steht, nicht fest anziehen“, sagte Ralph trotzig.
„Lese ich ein wenig anders“, wies Gerda schroff zurück. „Hier steht, Vorbereitung ist alles, dann alles gut. Ein rutschiger Untergrund muss sein und alles drunter weg, was stören könnte. So habe ich das verstanden.“
„Hmm…warum willst du mir denn das Korsett unbedingt antun, du bist ja ganz wild drauf?“
Gerda schaute ihm direkt in die Augen und machte unmissverständlich klar: „Denk doch mal nach! Ich mache das, damit du den Drang verspürst voller Elan nach einer Wohnung zu suchen und bald verschwindest. Wenn die Verschärfungen zu gering ausfallen, kommen wir nicht weiter, und unser Abkommen wird ad absurdum geführt!“
„Du gibst dich wohl nicht mit kleinen Schritten zufrieden“, erwiderte Ralph leicht zornig. „Ich wohne jetzt erst 6 Wochen mit je 4 Nächten bei dir und du verwandelst mich mehr und mehr in eine Latex-Witzfigur!“
Gerda ließ nicht locker: „Stimmt. Jetzt beginnt schon die siebte Woche, das nervt. Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich dich nach drei vier Strafstufen vertreiben kann. Jetzt verunsicherst du mich mehr und mehr und ich befürchte fast schon, dir gefallen die Kleidungsstücke.“, sie wirkte nicht unfreundlich aber bestimmt. „Nun stell dich nicht so an. Unser Spiel macht zumindest mir Spaß, entlastet mich und es weiß ja keiner was davon!“
„Tante Gerda, ich weiß beim besten Willen nicht, wohin das führen soll, wenn du mich nach und nach immer mehr für dich schuften lässt und jede Stufe ein wenig bizarrer einkleidest!“
„Ja genau, das ist der Gaudi. Wir haben einen Pakt und ich werde dafür sorgen, dass es dir Stufe für Stufe unangenehmer wird, und mir natürlich angenehmer!“ Sie lächelte verschmitzt und zwinkert ihm zu. „Das Korsett wird dir in der nächsten Woche vorkommen wie ein Witz. Ich habe schon weitere Ideen die dir nicht gefallen werden!“
„Irgendwie machst du mir Angst. Woher hast du nur diese schmutzige, teuflische Phantasie?“
Gerda zuckte die Schulter: „Bestimmt aus dem Fernseher, die Schwedenkrimis sind ein guter Ratgeber.“
Ralph zuckte erschrocken zusammen.
„Ein paar Phantasien sind sicher schon von ganz früher, aber die Einzelheiten erzähl ich dir später mal. Aber erst, wenn du volljährig bist. Lass uns jetzt endlich weitermachen!“
Sie wollte jetzt eine Entscheidung: „Wie jetzt? Die siebte Woche beginnt heute mit Korsett, oder du suchst das Weite und dir eine andere Bleibe.“
„Schon gut, Tante Gerda, machen wir weiter. Ich denke, ich werde diese Woche schon was finden, und dann bleibt das Korsett die letzte Stufe deines teuflischen Plans! Leg los.“

„Okay, ich hole etwas Silikonöl, damit das Korsett auf dem Gummikleid besser rutscht und flutscht. Ziehe es nochmal aus. Du kannst auch mal deine Boxershorts weglassen. Der obere Bund der Hose ist zu dick, der Gummizug gibt bestimmt ein Problem untendrunter und auch unangenehme Abdrücke!“
„Auch das noch?“, er sah ihr böses Stirnrunzeln, „…ok, ok mach ich.“
Er zog die Unterhose unter dem weitgeschnittenen Kleid hervor und legte sie beiseite. In der Tat, die Taille des Kleides lag jetzt besser am Körper an und es waren keine Abdrücke von den Shorts mehr sichtbar. Aber jetzt glitt das Gummikleid direkt mit seiner Oberfläche über das Geschlecht und den Hintern, das könnte Folgen haben.

Tante Gerda kam zurück und hatte eine kleine Flasche Silikonöl in der Hand. Mit viel Gequietsche zog sie sich Gummihandschuh über und wollte loslegen.
„Sag mal Tante Gerda hast du dich gerade umgezogen?“, wollte Ralph erstaunt wissen. Er hatte entdeckt, dass sie jetzt eine Latexleggins trug.
„Nö, die Hose hatte ich vorher schon unter der Jeans an. Gefällt dir wohl, gelle? Ich dachte ich kleide mich ein bisschen wie meine Haushaltshilfe.“, sie grinste breit, stemmte die Hände in die Hüfte, „Können wir jetzt endlich anfangen?“

Gerda rieb den Bereich des Kleides, der vom Korsett bedeckt sein würde, reichlich mit dem Öl ein. Danach bat sie Ralph: „Zieh' mal den Bauch ein!“
Sie vermaß den Taillenumfang mit einem Bandmaß. „Ich denke, es werden 74 Zentimeter als Vorgabe ganz gut zu passen!“
Am Korsett stellte sie die Schnürung enger ein, 2% Skonto geht immer, ohne ihm davon zu sagen. „So, das müsste in etwa passen, wenn wir deinem allwissenden Internet glauben. Jetzt kann es losgehen!“
„Mein Internet! Dir ist schon klar, dass das nicht mein Internet ist!“
„Klappe halten, rumdrehen!“
Sie legte das Korsett von hinten um seinen Körper, stellte sich dann vor ihm hin und zog mit beiden Händen die beiden Häkchen- Leisten aufeinander zu.
„So! Jetzt den Bauch tief einziehen!“, rief sie.
Ralph tat wie ihm geheißen wurde und spürte wie sein Bauch ganz flach und klein wurde, während Gerda geschickt die beiden Leisten an den sechs Punkten zusammenhakte.
„Geschafft!“
Ralph versuchte normal zu atmen.
„Das ist zu eng“, nörgelte er.
„Papperlapapp! Das wirst du schon aushalten für heute Montag. 74 Zentimeter ohne Nachziehen, das ist doch genau richtig für den Anfang, kann gar nicht zu eng sein!“
Das Korsett bewegte sich leicht auf dem glitschigen Kleid und ließ sich mühelos perfekt arrangieren. Sie fummelte hinten noch ein wenig an den Schnüren rum und korrigierte die eine oder andere Schlaufe eine wenig nach, bis alles perfekt saß. Gerda war zufrieden und legte mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldete fest: „Passt!“

Ralph sah das anders, traute sich aber nicht, erneut zu rebellieren.
„Und jetzt los. Es ist schon viertel nach sechs, sonst sind wir bis acht nicht fertig mit unserem täglichen Programm.“
Ralph schnaufte tief und folgte ihr in die Küche. Das neue Gefühl durch die Enge um die Taille, und vor allem die fehlenden Shorts und das dadurch ständig über seinen Hintern und Schritt gleitende Latex, irritierte ihn. Er war ungewöhnlich aufgewühlt und unsicher ob der neuen Eindrücke und fühlte sich wie elektrisiert.
„Hey! Was ist? Los! Los geht's! Mach' den Salat sauber und schneide ihn klein!“
Gerda hatte bemerkt, dass dieses Korsett seine Gefühlswelt verändert hatte, wollte ihn aber bewusst wieder auf den Boden der Tatsachen stellen und trieb ihn weiter an.
„Im Kühlschrank sind Tomaten, Feta und Oliven. Wir machen heute einen Griechischen Salat! Ich habe das Dressing schon fertig.“
Ralph konzentrierte sich auf das Gesagte und tat wie ihm geheißen.
„Im Kühlschrank ist Fladenbrot, das muss in den Ofen bei 160 Grad.“
„Okay.“
„Und den Tisch decken wie immer. Und bitte heute mit Wasser- und Weingläser. Eine Flasche Riesling findest du unten im Keller, im Regal gleich rechts!“

„Hmm…“, nickte er nachdenklich ohne richtig zuzuhören und spülte den Salat gründlich und bereitete alles wie gewünscht vor.
Gerda saß im Wohnzimmer und lass Zeitung, oder tat zumindest so, als ob sie es tun würde. Sie genoss die Gesellschaft des Jungen in vollen Zügen nach dem langen und einsamen Wochenende, auch wenn sie das nie zugegeben hätte. Sie beobachtete ihn über die Zeitung hinweg, wie er hin und her lief, um alles recht zu tun. Er sah bezaubernd aus in den glänzenden Sachen, den schwarzen Latexhandschuhen und der transparenz- schwarzen Hijab. Es war gut die orangen Spülhandschuhe gegen die langen schwarzen auszutauschen und vom anfänglichen einfachen transparenten Kopftuch auf die wunderschöne Hijab zu wechseln. Mit dem bezaubernden Kleid, das erst mit dem Korsett voll zur Geltung kam, war es fast schon perfekt.
Sie dachte nach und fand Unstimmigkeiten: ‚Der flache Hintern passt nicht ganz ins Bild. Oben um die Brust rum alles leer und unausgefüllt, und auch das Gesicht ist noch nicht perfekt!'
Dann seufzte sie kurz und hatte erstmals in den 7 Wochen ein wenig Angst, dass er in den nächsten Tagen eine Wohnung finden könnte. ‚Mein Meisterwerk sieht toll aus', dachte sie mit einem träumerischen Blick.

„Alles in Ordnung, Tante Gerda?“
„Ja. Warum fragst du?“
„Ich hatte den Eindruck, ich hätte ein schwermütiges Seufzen vernommen.“
„Nein, nein. Schon gut. Ich hatte nur einen traurigen Zeitungsartikel gelesen.“
„Worum ging es denn?“
Gerda fühlte sich ertappt und reagierte ein wenig unwirsch um die Situation zu retten: „Mach' hin! Beeil dich, sonst sind wir nicht rechtzeitig fertig. Plappern können wir später noch!“
„Das klappt schon. Wir haben doch heute nur Salat. Und das Brot ist in zehn Minuten fertig!“

Weng später war alles bereit und Gerda nahm am Tisch Platz.
„Wo ist der Wein?“ fragte sie bestimmt und ein wenig unhöflich spitz.
„Ähm, du meintest, der ist im Keller im Regal gleich rechts.“
„Ja. Und soll dieser vielleicht von allein hierher fliegen?“
„Wie meinst du das? Soll ich etwa…“, er zeigte auf sein Outfit. „…so in den Keller gehen?“
„Ja“, sagte sie und grinste breit von einer Wange zur anderen. „Ich habe von sechs bis acht frei!“
„Aber das geht doch nicht“, stammelte er verwirrt. „Wenn mich so einer sieht.“
„Zieh' halt meinen Wintermantel über wenn es dir peinlich ist. Aber da kommt eh niemand.“
Ralph knurrte und ging missmutig zur Garderobe und suchte den langen Mantel. Er zog diesen drüber und freute sich, dass dieser das Gröbste verdeckte. Er nahm dazu ein breites farbenfrohes Stofftuch und wickelte es geschickt um den Gummikopf und den Hals. Es sah zwar immer noch irgendwie unpassend aus mit den Gummistiefeln, fand er, aber für den kurzen Weg durch den Flur zum Keller, war das Omaoutfit viel besser als in Latex. Mit dem Kellerschlüssel und einem kurzen Seufzer „Dann geh ich mal, wird schon gutgehen“, verschwand er nach draußen. Er lauschte in den Hausflur hinein. Alles still und so beeilte Ralph sich die 4 Etagen lautlos nach unten zu huschen. Nicht ganz einfach mit den Stiefeln, die mit ihrer speziellen Sohle auf der Steintreppe ein deutlich hörbares Quietschen erzeugten.

Gerda lächelte kurz schelmisch, huschte zur Wohnungstür und siehe da, Ralph hatte die Tür nur angelehnt, um nachher gleich wieder reinzuschlüpfen. Jetzt stand sie da und wartete genüsslich auf das, was jetzt geschehen wird. Wenn im Keller das Fenster offen ist, das war es eigentlich immer, dann müsste, wenn Ralph die Tür unten öffnete, ein Luftzug durch das ganze Haus bis hier oben gehen. Dieser reichte aus, um oben die Wohnungstür zu zuschlagen. Diese überaus negative Erfahrung hatte sie selbst schon einmal gemacht. Gerda hörte wie die Kellertür geöffnet wurde und spürte wenig später den Lufthauch. Und „plopp“ war die Tür zu. Sie freute sich diebisch.
Dann verschwand sie schnell im Schlafzimmer, um dort offensichtlich ohne sein Wissen noch etwas zu erledigen.

Zwei Minuten später klingelte es wie wild an der Tür. Gerda saß gemütlich im ihrem Sessel, legte besonders langsam die Zeitung beiseite, stand gemächlich auf und schlurfte zur Wohnungstür. Jetzt läutete es zum zweiten Mal Sturm, schnell ein paar Mal hintereinander.
„Na mach mal langsam“, sagte Gerda. „Eine alte Frau ist kein D-Zug.“
„Du bist gemein“, erwiderte Ralph, als er ängstlich wie ein Blitz an ihr vorbei in die Wohnung reinhuschte.
„Mach' mal halblang. Warum bist du so sauer? Hättest halt einen Schlüssel mitnehmen müssen!“
„Du bist gemein! Ich hatte extra die Tür angelehnt und du hast sie mit Absicht zugemacht, du alte Hexe!“
Das war nun offensichtlich einen Schritt zu weit und „klatsch“ hatte Tante Gerda ihm eine Ohrfeige verpasst.
„Autsch!“
„Was soll das, mich so anzufauchen! Wenn du in den Keller gehst, zieht es durchs ganze Haus. Und dann schlägt schon mal hier oben die Tür zu. Ich bin nicht verantwortlich für deine Blödheit. Haben wir uns verstanden?“
„Ja“, schluchzte er kleinlaut und fügte nach ein paar Sekunden „Tschuldigung, war nicht so gemeint,“ hinzu. Ein Schauer von Verzweiflung schüttelte seinen Körper und ein Weinkrampf stellte sich ein. „Das ist alles so ungerecht! Keine Wohnung, der Stress und dann das hier alles!“

Tante Gerda dachte nach. Irgendwie schien ihr die Situation zu entgleiten. Hatte sie zu viel riskiert? Mit dem Korsett war sie eigentlich sehr behutsam vorgegangen. 72 Zentimeter waren keine allzu harte Restriktion, und sie hatte damit gar nicht allzu viel riskiert. War der Weg in den Keller eine Mutprobe zu viel?
„Komm“, sagte sie mitfühlend und nahm ihn in den Arm. „Das mit deiner Wohnung wird schon bald klappen. Da bin ich mir sicher!“
Er schluchzte noch einmal laut auf und genoss die Umarmung und die Nähe seiner Tante. Sie verströmte das schwere Parfümaroma von Rosenöl und Narzissen. Es war wie die Wärme eines Sommertages, gepaart mit der Wärme einer Frau. Gerda drückte ihn ganz herzlich an sich, löste ihn erst nach zwei Minuten von sich, und schaute ihm tief in die Augen.
„Alles ist gut. Manchmal braucht man mal einen privaten Moment für die Seele!“ Sie schüttelte ihn ein wenig. „Ich hab dich lieb, mein Neffe Ralph“, zwitscherte sie und küsste ihn kurz auf den Mund. „Jetzt aber schnell Abendessen, sonst werden wir es nie bis acht schaffen.“
Sanft halft sie ihm aus ihrem langen Mantel, nahm das Extrakopftuch ab, so dass er wieder im Latexkleid vor ihr stand, und schob ihn ins Wohnesszimmer zum Tisch.

„Der Salat war gut, du wirst von Mal zu Mal besser mit deinen Kochkünsten!“
„Danke für das Kompliment, du Charmeur. Einen Salat zuzubereiten, bei dem du das Dressing vorher gemacht hast, ist keine Kunst, oder?“
„Doch, ist es“, sagte sie grinsend über das Weinglas hinüber. „Prost!“
Sie stießen an und schauten sich dabei in die Augen.
„Wo soll das nur enden?“ Eine berechtigte Frage von Ralph.
„Ganz einfach, du findest eine Wohnung und dann ist alles wie vorher. Du bist der junge Mann der nicht kochen kann, und ich bin die Tante die allein in ihrer Wohnung alt wird und zwischen sechs und acht alles selber machen muss!“ Sie lächelte dabei und steckte ihn an.
„Stimmt“, erwiderte er und trank den letzten Schluck aus seinem Glas. Die Flasche war leer.
„Geht es dir wieder gut? Kann ich dir was zeigen?“
Er dachte kurz nach und erinnerte sich des unangenehmen Weges in den Keller. Sollte er über seine Tante noch sauer sein? Ein Schaudern durchlief ihn erneut. Wahrscheinlich war es nicht böse gemeint von ihr, ihn den kurzen Weg in den Keller zu schicken. Und es schien da was Wahres dran zu sein. Die Wohnungstür hatte sich wahrscheinlich von allein geschlossen. Er hatte schließlich den Luftzug selbst verspürt, als er die Kellertür geöffnet hatte. Er schaute ihr in die Augen. Ein wenig war die Wirkung des Weines schon zu sehen. Andererseits waren da auch der Schalk hinter den Ohren und gleichzeitig die Wärme einer erfahrenen Frau Ende 40 beobachtbar. Sie lächelte ihm ermutigend zu und trank auch den letzten Schluck des Glases aus.

„Okay, was möchtest du mir zeigen?“, fragte Ralph jetzt ganz entspannt.
„Komm mit!“
Sie gingen in das Schlafzimmer und er nahm wahr, dass direkt gegenüber der verspiegelten Schranktür ein kleiner Hocker stand, den er bisher nicht dort gesehen hatte. Sie schob ihn vor den Spiegel, stellte sich leicht hinter ihn, und wartete ein paar Sekunden, bis sie gewahr war, dass er sich selbst betrachtete.
„Was siehst Du?“
Er war verwirrt. Mit der Situation konnte er gar nichts anfangen, warum jetzt diese Frage? Zögerlich antwortete er: „Meine Tante und mich.“
„Und was siehst du in dir und in mir?“
Es verwirrte ihn mehr und mehr. Was wollte sie von ihm? Jedoch der Wein verströmte eine innere Gelassenheit und löste seine Zunge.
„Eine schöne Dame mit Seidenbluse und sexy Leggins und ein Gummi-…“, er zögerte und suchte nach Worten. „Gummiwesen, eine Latexhaushaltshilfe?“
Sie lachte und gab ihm einen Klapps auf den Hintern.
„Die ‚schöne Dame‘ ist sehr charmant von dir. Du bist ein Schatz.“
Wieder küsste sie ihn. Dieses Mal auf die Wange und etwas länger als vorhin.
„Dein Kleid ist bezaubernd und das Korsett ist die perfekte Ergänzung.“
Sie lächelte ihn an und strich wie beiläufig über seinen flachen Bauch und ließ die Hand über den vorderen Rock ausgleiten. Mit Freude bemerkte sie, dass dieser kleine Handstreich und die letzte Minute Selbstbetrachtung von ihm vor dem Spiegel, blieben nicht ohne Reaktion. Er wirkte verzückt.

Auch Ralph verspürte eine innere Wärme und fragte sich kurz: ‚Von zu vielen Wein? Andererseits muss ich mir eingestehen, dass der direkte Kontakt des Latexkleides auf meinen Körper und die unbeabsichtigte Berührung von Gerda auf mein bestes Stück sehr angenehm sind. Meine leichte Erregtheit ist nicht mehr zu verbergen. Im Spiegel schaut mir eine - nach meinem persönlichen Empfinden – recht schöne Gestalt entgegen. Ein schönes, weit ausgestelltes Kleid mit Stehkragen, ein passender Anschluss mit dem Hijab und dem Kopftuch. Auch das Korsett betont den Körperbau schön wie eine Sanduhr. Ich wirke etwas flachbrüstig aber nicht männlich, die Latexbeine, die Handschuhe, alles ein wenig wie ein Wesen von einem anderen Zeitalter oder von einem anderen Sern? Sie hat mich gekleidet, um zu dienen, so viel steht fest!
Wow! Es schaudert mich. Meine Tante daneben wirkte wie eine perfekte Ergänzung, wie die passende Herrschaft zu mir. Sie wirkt wie eine Dame von Welt mit einer natürlichen Ausstrahlung die Umwelt zu formen, den Ton anzugeben. Die Bluse und die Gummihose, einfach nur rattenscharf das Tantchen.‘
Er lächelte sie freundlich im Spiegel an.

„Setz Dich!“ Sie hatte so lange gewartet, bis sie spürte, jetzt ist er so weit. Er tat wie gewünscht, setzte sich auf den Hocker, ohne den Blick vom Spiegel zu wenden. Sie kniete sich hinter ihm auf das Bett und überragte ihn nun leicht und schaute von über ihn hinweg in den Spiegel. Wieder küsste sie ihn von hinten leicht und lange auf die Wange.
„Du siehst gut aus…“ wie zufällig eine Pause. „…ganz mein Typ.“
Langsam strich sie mit der Hand von der Wange, die sie gerade geküsst hatte, über den Hals, die Brust hinunter über den jetzt schlanken Bauch.
„Sehr gut“, sagte sie und freute sich wie stark die Beule im Kleid wuchs.
Er schaute in den Spiegel und konnte den Blick von sich und Gerda nicht abwenden. Er mochte seine Tante - nein, das war nicht richtig, es war mehr als man normalerweise seine Tante ‚mochte'! Er ‚achtete' sie - nein, das traf es auch nicht, sie war nicht die angebetete Heilige! Er stellte fest, dass er sie gern hatte. Das traf es gut. ‚Gern haben' passte zu der Gefühlswelt, die er seiner Tante Gerda zugedenken bereit war. Sie sah so toll aus. Sie war perfekt. Die Dame von Welt, die wusste was gut war und was nicht. Die wusste wo es lang geht, der man vertrauen konnte…

Er schloss die Augen und ließ es einfach geschehen, als sie mit der rechten Hand an seinem Rock spielte. Sie drehte behutsam mit der zweiten Hand seinen Kopf halb über die rechte Schulter und küsste ihn auf die Stirn und dann auf die Augen und dann die Nase. Sie spürte wie er sich entspannte, und auch sie begann loszulassen und sich zu entspannen. Sie griff sich, ohne dass er es merkte, kurz in den Schritt, drückte ein Knöpfchen und ein kleines Brummen bestätigte ihr, dass sie den Schalter richtig betätigt hatte. Ihre weibliche Intuition sagte ihr, das tut mir gut, alles richtig, alles wird gut, ich habe es vorhin nicht übertrieben.

Auch er spürte es aus dem tiefsten Innersten. Ihm ging es gut und er entspannte sich mehr und mehr und sehnte sich schon fast danach, als es nach und nach passierte. Fast hätte er sich den weiteren Verlauf gewünscht oder, falls es nicht geschehen würde, darum gebettelt.

Sie ergriff beherzt von außen durch den Rock sein bestes Stück und rieb es ganz zärtlich. Das kam jetzt nicht unerwartet für ihn, die Liebkosungen der letzten Minuten hatten darauf hingearbeitet. Für einige wenige Sekunde war es zu viel für ihn, aber just in diesem Moment der leichten Verwirrung und Abwehr küsste sie ihn auf den Mund. Gerda öffnete ihre Lippen und schob ihre Zunge nach vorn. Er erschauderte und erwiderte den Kuss voller Inbrunst. Mit geschickten Griffen schob sie den Rock nach oben, und ihre Gummihände schoben die Vorhaut zurück. Sie schaffte es binnen wenigen Augenblicken, dass er den Stress der letzten Stunden hinter sich ließ, in den Augenblick eintauchte. Ralph taktete sein tun, mal schloss er die Augen und genoss des Gefühl. Dann öffnete er diese wieder bewusst, blickte in den Spiegel und schaute dem munteren Treiben zu.

Auch Gerda entrückte mehr und mehr. Das Brummen und Vibrieren in ihrem Schritt vollbrachte den gewünschten Effekt. Sie war ohne sein Zutun nahe am gewünschten Ergebnis und auch seine Körpersprache war eindeutig.
Er kam mit einer jugendlichen forschen Freude, impulsiv mit voller Wucht – sie nicht minder stark mit erfahrener Reife - nahezu zur gleichen Zeit. Sie umschlang ihn mit all ihrer Kraft und beide wogen sich im Rhythmus eines synchronen Orgasmus, der länger wehrte als erwartet. Seine erotische Erlösung ergoss sich seinem Alter entsprechend in einem pulsierenden Strom, der in den ersten Stößen den Spiegel mit einem Plattschuss erreichte und vier fünf Mal nicht abebben wollte. Sie schien eher dem inneren reifen Gefühl verpflichtet, ruhte in sich selbst und steuerte ihre wolligen Schübe fast nach Belieben in die Länge ziehend. Als sie nach zwei Minuten den taumelten Höhepunkt abebben spürte, kippte sie ihn und sich nach hinten auf das Bett. Sie kannte die Kunst des Nachspiels, streichelte seinen Schritt liebevoll und liebkoste seine Hoden wie ein liebevoller Bauer das Euter seiner Lieblingskuh. Dabei küsste sie ihn mit voller Wucht auf den Mund, so dass sie eins waren für die nächsten Momente der Unendlichkeit.

Sie löste sich von ihm und half ihm aufstehen ihn auf, damit er beide im Spiegel betrachten konnte.
„Ich hab dich lieb, meine Raphaela“, sagte sie und küsste ihn nochmals für eine Minute voller Inbrunst. Dann löste sie sich von ihm und flüsterte zärtlich in sein Ohr: „Das meine ich wirklich so.“

Sie entschwand ins Bad und er blieb allein im Schlafzimmer.
Wow! Was für ein Abend! Er schaute auf sein Spiegelbild, auf seine Körperflüssigkeit, die langsam den Spiegel nach unten rann, und hörte in sich hinein. Aus seinem tiefsten Innern vernahm er nur die eine Stimme: ‚Wow! Was für eine Wow!'
Als er Minuten später aus dem Schlafzimmer in den Flur trat, vernahm er aus dem Fernseher: „... nun die Wettervorhersage für die nächsten Tage.........“, und von Tante Gerda den Zuruf: „Kommst du mal kurz?“
„Ja.“
„Wir haben die Tagesschau verpasst“, sagte sie in einem feststellenden Ton, der aber nicht missbilligend war.
„Was meinst du? Ich mache heute mal eine Ausnahme und den Abwasch selbst. Du duschst dich jetzt, ziehst dich um und setzt dich ganz schnell an den Schreibtisch. Bitte beginn unverzüglich mit dem Lernen, ich will nicht schuld sein, an schlechten Uninoten.“
Beide grinsten breit und Ralph würde sie am liebsten knuddeln dafür, wie sie die peinliche Situation „danach“ mir nichts dir nichts entspannt hat.

„Okay, Tante Gerda“, er flüchtete ins Bad, um schnell aus seinem verschwitzen Outfit auf normale Kleidung zu wechseln. Wie immer wollte er das Latex in die Badewanne werfen, überraschenderweise war die aber nicht leer. Darin lagen schon ihre Handschuhe, die Latexleggins und ein transparenter Damenslip. Den nahm er voller Neugierde in die Hand, er roch herrlich nach Frau. Oder sollte er besser sagen, nach ‚Frau mit ganz viel Liebe'? Er wurde rot, denn jetzt entdeckte er, der Slip hatte auf der Innenseite seine Geheimnise: einen schwarzer Dildo mit Eichel, fast so groß wie eine Coladose und ein… - er wurde noch eine Spur röter – kleineren Dildo, der weiter hinten angebracht war.
Ralph grübelte kurz und realisiert mit einem frivolen Lächeln: ‚Sie war in der Tat sehr gut vorbereitet. Das Schlafzimmerabenteuer ist wohl doch nicht Holter die Polter ausversehen passiert. Mit diesem Mordsding in ihrer Scheide erklärte sich das Beben in ihrem Becken fast selbstverständlich'.
Er lächelte und schaltete den Vibrator an, und schreckte ein wenig von der Heftigkeit der Mechanik zurück.
‚Da ist ja richtig „Bums“ dahinter!‘, stellte er fest und schaltete es schnell wieder aus. Dann warf er alles wieder in die Badewanne, entkleidet sich selbst Stück für Stück, duschte kurz und zog seine Jogginghose und das T-Shirt an.

Anschließend ließ er die Wanne mit warmem Wasser halb volllaufen - die Spülaktion war wie immer Tante Gerdas Job. Er ging derweil rüber ins Schlafzimmer zum Lernen. Dieses Mal fühlte es sich anders als sonst an, innerlich stimmiger, beschwingt, fast ausgelassen. Der Raum hatte trotz offenem Fenster noch das Aroma von Schweiß, Gummi und Liebe. Mit ein paar Lagen Klopapier und Glasreiniger entfernte Ralph schnell noch seine Spuren am Spiegel, bevor er sich an den Schreibtisch setzte um der beste Jurist aller Zeiten zu werden.

Erst Dienstag eröffnete Gerda ihm, was die zusätzliche Hausarbeit sein sollte. „Natürlich war es die Mutprobe zum Keller zu gehen. Das ist für mich eine sehr große Entlastung, die vielen Treppen sind ein Trauma.“, seufzte sie. „Schade, dass das Haus keinen Fahrstuhl hat.“
„Tante, du übertreibst. Du siehst aus wie 39, bist gerade mal 53, und jammerst wie eine Rentnerin. Wo soll das nur enden?“
Sie lachten beide, jedoch eher künstlich und zu laut, weil sie sich jetzt Dienstag bewusst wurden, dass sie beide nicht wirklich wussten wie weiter. Nach dem gestrigen Abend war alles anders und unklar, wo das alles hinführen würde.

*****

Irgendwie kam es Gerda nicht richtig vor und sie schämte sich ob ihres Tuns. Aber die Yvi in ihr war ganz anders drauf. Immer wieder spulte sie die Filmaufnahmen vor und zurück und betrachtete jede Szene wieder und wieder. Sie fühlte sich jung, sie fühlte sich gemein, sie fühlte sich gut und schlecht zugleich. Immer wieder diese Bilder, authentisch, echt und frei von jeglicher Schauspielkunst. Jene zwei ungeschnittenen Sequenzen zweier Kameras betrachtete sie ausgiebig und prüfte die Eignung. Eine Großaufnahme von Kopf bis Fuß von einem liebevollen Paar. Eine Gummigestalt auf einem Hocker, und eine zweite, Yvi selbst, kniend auf dem Bett dahinter. Dann noch die zweite Einstellung, diese zeigte ein Detailausschnitt des selben Paars. Der Ausschnitt war unterhalb der Gürtellinie, ein Penis und eine Hand in einem Gummihandschuh. Wie nicht anders zu erwarten endeten beide Sequenzen damit, dass ein weißer pulsierender Strahl aus der Eichel auf die Kameras schießt. Danach ist die Detailaufnahme unklar und verschwommen, offensichtlich ein unbeabsichtigter Volltreffer auf das Objektiv oder einer davorliegenden Scheibe. Ab dem Zeitpunkt sind alle Bilder wie durch einen Nebelschleier, dann kommt kurz darauf die zweite Ladung und das Bild verschwimmt in Unkenntlichkeit.

Yvi wusste intuitiv, in den Händen eines talentierten Schnittmeisters und eines guten Regisseurs ergibt das gute 2 bis 3 Minuten in einem erstklassigen Porno. Vielleicht sogar den Höhepunkt in einem guten Gesamtfilm, mit einem hochwertigen Wechsel von Großaufnahme und Detail. Je länger sie darüber nachdachte, desto klarer wurde das Zielbild. Würde man die geschnittenen Szenen mit guter Musik unterlegen und die eine oder andere Zeitlupe einfügen, dann könnte das der Bahnhofsszene von „Spiel mir das Lied vom Tod“ nahekommen. Sie schmunzelte bei diesem abwegigen Gedanken. Andererseits, in den Händen eines Dilettanten zerflösse dasselbe Rohmaterial zu nichts. Eine Pfeife könne es ohne Probleme versauen. Sie schaute die Aufnahmen noch ein letztes Male an und entschied: Das gehörte nicht gelöscht, so sehr sie auch bedauerte wie hinterhältig es entstanden war.
Die Unentschlossenheit dauerte nun schon mehr als eine Stunde, jetzt war sie klar und Yvi griff zum Telefonhörer.

„Hallo Paul, ich bin es!“
„Ich freu mich wie Bienchen.“ Das kam spontan und ehrlich.
„Es ist fast wie Weihnachten.“
„Ich weiß.“ Der Regisseur konnte es einschätzen. Diese vage Idee, von der sie im Oktober sprach war nicht mehr vage.
„Kann ich dir ein wenig Rohmaterial schicken. Ich brauche einen Profiblick, bevor ich mich in was verrenne!“
„Gerne. Kennst ja meine Adresse. Ist unverändert. Ich freue mich drauf zu sehen, was du dir ausgedacht hast.“ Er wartete noch einen Augenblick, wusste aber schon, dass dem Gespräch nichts mehr hinzuzufügen war. Er hielt das Telefon noch für ein paar Sekunden am Ohr und wartete auf das „Klick“, welches jedoch nicht kam. Daher schaltete er den Lautsprecher am Handy ein. Er ging zum Kühlschrank, nahm sich Tomatensaft und Eiswürfel, sowie 4cl Wodka. Er lauscht ihren Atem seit Minuten und war glücklich ihr beim Nichtstun zuzuhören. Glücklich wie seit langem nicht mehr.
„Ich liebe Dich!“, gab er unumwunden zu.
Dann legte Paul auf.

Sie saß noch ein paar Minuten nachdenklich im Sessel, raffte sich auf und packte die SIM-Karte in einen gepolsterten Briefumschlag. ‚Paul wird mir schon verraten, ob es richtig oder falsch ist, was Yvi da tut.', dachte sie dabei, verschloss das Couvert und brachte es zur Post.

*****

Eine Woche später am darauffolgenden Montagmorgen, gegen zehn und nicht erst 14:00 Uhr, rief Ralph an und räusperte sich. Dann plapperte er aufgeregt los: „Hallo Tante Gerda, gute Nachrichten!“
„Du hast eine Wohnung gefunden?“ Seine spontane Freude übertrug sich auf Gerda.
„Ja! Du glaubst es nicht! Ein Kommilitone gibt auf. Jura ist nicht das richtige für ihn. Er geht spontan zu seinem Vater in die USA und hat ein gutes Wort beim Vermieter eingelegt, mich zu nehmen. Ich war gerade bei ihm; Aufnahmeprüfung bestanden! Ich habe die Bude.“
„Toll.“ Nur klang sie jetzt gar nicht mehr so begeistert. „Wie teuer?“
„640 kalt für 33 Quadratmeter. Fast schon ein Schnäppchen!“ sein Glücklich- Sein spürte man. Auch ein wenig den Stolz eines Jägers, der nach langem Warten einen großen Fang gemacht hatte.
„Aber ich bin ja nicht aus der Welt und komme bald mal wieder vorbei. Versprochen. Aber eben nicht heute um 18:00 Uhr. Ralph spürte ihr Zögern und fügte hinzu: „Hätte auch nicht gedacht, dass es auf einmal so schnell geht.“
„Schon gut. Ich freu' mich. Echt. Endlich geht es voran.“ Sie schluckte hörbar. Hatte sie sich bereits auf eine weitere Woche gefreut?
„Tante Gerda, es war wirklich richtig lieb von dir mich so lange aufzunehmen und zu ertragen! Du bist ein Engel.“
„Na, dann melde dich mal wieder und viel Spaß beim Einziehen und Einrichten…,“ Sie zögerte noch einen Augenblick, denn da schwang in seiner Stimme ein Hochgefühl mit, welches nicht mit der Wohnung im Zusammenhang stand, „…und in Garmisch alles in Ordnung?“
„Ja, nichts Besonderes nur…“ Er zögerte einen Augenblick. „Eine neue Studienbekanntschaft aus Ettal fährt seit zwei Wochen mit mir hin und her, und damit werden die Fahrkosten wohl geringer.“
„Ach so…,“ Sie ahnte an seiner Stimmlage, wo der Wind her wehte. „…ist sie hübsch?“
„Glaube ja.“, antwortete er mit verträumter Stimme und doch kurz angebunden. Das ging seine Tante nun wirklich nichts an.
„Gut. Dann mach' mal alles gut, und ich geh mal schnell einkaufen.“ Sie wollte es sich nicht eingestehen, aber irgendwie war es ihr nicht recht ihren Neffen so schnell zu verlieren.
„Na, dann mal los. Sonst gibt's heute Abend zu spät Essen, musst ja deinen Zeitplan bis zur Tagesschau einhalten. Tschüss dann, und ich melde mich. Versprochen.“

Tante Gerda legten auf und sackte in ihrem Sessel missmutig zusammen. Sie saß noch zehn Minuten unbeweglich dort, horchte traurig in sich hinein. Ihr blieb keine Wahl, sie musste sich eingestehen, der Erfolg bei der Wohnungssuche ihres Neffen war ihr nicht recht.
„Schade“, seufzte sie erhob sich und machte sich betrübt auf den Weg zum Supermarkt, das Abendessen würde heute ganz anders verlaufen als erhofft.

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So das war es für heute, freu mich auf Euer Feedback.
24. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 10.05.21 15:05

Na so ein Pech das er eine Wohnung gefunden hat, ich hoffe das die Geschichte noch weiter geht . Mich interesiert vor allen seine weitere Entwicklung welche seine Tante mit ihm vorhat. Also lass uns nicht so lang warten!!!
25. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Klett-max am 10.05.21 22:12

Jetzt hat die Geschichte eine (un)vorhersehbare Wendung genommen. Zunächst müssen beide wohl für einige Zeit ihr Leben neu sortieren. Aber es gibt ja noch Wege, einander zu besuchen und...

Im gut sortierten Schreiberbedarf gibt es viele Sorten an Cliffhangern. Bin mal gespannt, welche weitere Wendung das Verhältnis von Gerda und Ralph noch nimmt.
26. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 11.05.21 22:23

@ Erin
Das mit:
"dem Pech, Ralph hat eine Wohnung gefunden"
war ein etwas heftiger Bruch. Sorry.
Aber die Geschichte heißt: "Tante Gerdas Geheimnis", daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Gerda doch wieder eine Rolle bekommt. Vielleicht schon in den nächsten 20 Seiten.
Bleib neugierig

@ Klett-max
Du hast mich herausgefordert mit dem Begriff "cliffhanger" - habe gleich mal in Wikipedia nachgeschaut:
Cliffhanger wird hauptsächlich als ein offener Ausgang einer Episode auf ihrem Höhepunkt mit Serials, Fernsehserien, Seifenopern oder seltener mit planvoll fortgesetzten Kinofilmen assoziiert. Die Handlung wird meist in der nächsten oder einer noch späteren Episode fortgesetzt.
Passt!
Bleib neugierig
27. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von maximilian24 am 11.05.21 23:00

Ich würde gerne etwas dazu beitragen so dass Ralph in seiner Wohnung nicht ganz glücklich wird. Oder sollte ich mich bemühen um ein Zusammentreffen von Tante Gerda und der neuen Studienkollegin?
28. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 12.05.21 06:42

Es wäre echt schade,wenn diese Geschichte hier endet,denn sie hat noch viel Potential.
29. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 12.05.21 23:12

@ maximilian24
die Idee mit dem Zusammentreffen Tante Gerda und der neuen Studienkollegin Andrea hast Du per Gedankenübetragung vor ca. zwei Jahren an mich übertragen. Ja das wird passieren!
Bleib neugierig

@ Gummiemaske
da brauchst keine Angst haben, die Geschichte endet nicht hier!
Wir sind auf Seite 52 und wenn ich so in meiner Worddatei nachschaue: nicht ganz 1/8 veröffentlicht.
Das Hauptproblem für mich ist der "Feinschliff", "Rechtschreibprüfung" und das "Lektorieren" aber das bekomme ich für die folgenden Seiten schon noch hin!
Bleib neugierig.
30. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von kedo am 13.05.21 13:09

ich blättere hier mit jedes mal wachsender neugier und vergnügen.
vielen dank dafür!
*abonniert*
31. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 15.05.21 16:52

@ Kedo,
Danke für Deine netten Zeilen, das baut auf.
Bleib neugierig

@ all,
die Geschichte geht weiter Seite 52 bis 60 sind fertig - später oder morgen mehr - versprochen.

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Vier Wochen später eine kurze Weihnachtskarte:
Hallo Tante Gerda!
Liebe Grüße zu Weihnachten!
Alles läuft gut.
Ich melde mich bald und komm dann vorbei.
Versprochen!
Dein Ralph


Weitere vier Wochen später eine Gegen-Geburtstagskarte zum 29. Januar:
Hallo Ralph!
Alles Gute zu Deinem 20. Geburtstag!
Jetzt bist Du kein Teeny mehr.
Macht aber nichts, weiß ich und schreibe Dir das mit viel Erfahrung!
Liebe Grüße, Deine Tante Gerda


Völlig Unerwartet für Gerda, an einem Freitagabend um sechs klingelte das Telefon in ihrer Wohnung. Schon mehr als 10 Wochen waren nach dem letzten Treffen vergangen, es war Anfang Februar.
„Störe ich?“, fragte er zaghaft.
„Nein Ralph, schön, dass du dich mal meldest. Was gibt's denn neues?“
„Tante Gerda, nicht viel. Das Studium läuft und das erste Semester ist bald rum. Warum ich anrufe ist schnell erklärt. Wir haben gestern bei Weiberfassnacht einen Deal angenommen und brauchen vielleicht deine Hilfe.“
„Okay?“ Sie zögerte, weil sie nicht wusste worauf es hinauslaufen sollte. „Wer genau ist WIR?“
„Andrea und ich.“
„Okay?“ Sie wartete auf weitere Erklärungen.
„Hatte ich dir doch erzählt oder nicht?“, Ralph wurde bewusst, wie lange sie nicht mit einander gesprochen hatten, „Andrea ist das Mädel aus Ettal, die immer mit mir hin und her fährt. Wir sind seit ein paar Wochen ein Paar.“
Gerda hörte durch das Telefon ein Hintergrundlachen und ahnte, dass diese Andrea wohl neben ihm saß.
„So, so. Und was genau ist nun euer Problem?“
„Wir gehen am Montag zu einer Faschingsparty und brauchen deine Hilfe beim Stylen!“
„Mach' mal den Lautsprecher am Telefon an.“, bestimmte Gerda.
„Okay.“
„Hallo Andrea, wie geht's? Was ist das Problem?“, Gerda bezog die Freundin von Ralph in das Gespräch mit ein.
„Hallo Frau Gerda! Also das war so: Wir waren gestern an Weiberfassnacht unterwegs und haben halt ein bisschen zu heftig gefeiert. Und jetzt haben wir Eintrittskarten für eine außergewöhnliche Party am Montag, und brauchen Hilfe beim Schminken.“
„Was ist denn so schwierig, dass du das als Mädel nicht hinbekommst?“
Andrea war jetzt in ihrem Element und plapperte fröhlich drauf los: „Ähm, das war so. Gestern trafen wir ein paar schräge Typen bei der Party, die waren lustig und haben mit Ralph geflirtet, und später sogar mit mir getanzt. Und die beiden sind wiederum befreundet mit zwei Mädels, von denen war eine in einem Anzug mit Krawatte da und die andere eine Prinzessin.“
„Verstehe ich nicht.“ Gerda hatte das Gefühl, hier redete das junge Volk voll um den heißen Brei herum.
„Also habe ich auch erst nicht kapiert, die vier waren zwei Schwulies und zwei Lesben, haben wir aber nicht gleich geschnallt. Die waren voll nett und hatten aus irgendeinem Grund gegen am frühen Morgen zwei Karten für eine Rosemontagsparty im Angebot. Weißt Gerda, zwei Karten für so eine große bunte Genderparty und das Ganze ist eine Switch-Session. Und die Karten haben die uns einfach so angeboten.“
„Switch-Session, was ist das denn?“, fragte Gerda.
„Also das ist eine besondere Faschingsshow in München, so zehn Jahre gibt’s die schon, bei der jeder im Kostüm des anderen Geschlechts kommen muss. Also irgendwie lustig, aber auch irgendwie schwul-lesbisch oder alles zusammen. Wir wollten erst ‚nein' sagen, fanden dies dann aber doch herausfordernd und lustig. Nee lustig ist jetzt das falsche Wort, hellhörig wurden wir, da die Karten für den guten Zweck „Kinder in Not“ sind und daher normalerwiese für 100€ verkauft werden. Wir fragten auch gleich mal, ob da nur so Pärchen wären, also wie die beiden, also so schwul und so. Aber man versicherte uns, der Spaß und die Hilfe stehen im Vordergrund und die meisten seien ganz normale verrückte Pärchen. Einige seien sogar von der Schickeria, und Hubert Burda ist der Schirmherr und so.“
„Okay verstanden. Und jetzt wollt ihr dahin. Und was habe ich damit zu tun?“
Ralph antwortete: „Naja, der Haken kommt erst noch.“ Die beiden jungen Leute lachten laut am anderen Ende des Telefons. „Die beiden gleichgeschlechtlichen Pärchen nutzten unsere Trunkenheit aus und schenkten uns die Karten nur unter eine Bedingung, wir müssen beim Wettbewerb teilnehmen.“
„Was für ein Wettbewerb?“
„Für das bestes Kostüm und den besten Tanz gibt es 500€ Preisgeld.“
„Könnt ihr etwa tanzen?“, fragte Gerda überrascht.
Andrea antwortete voller Begeisterung: „Ja, das war ja der Anfang der ganzen Diskussion und des ganzen Durcheinanders. Ralph und ich haben gestern Dirty Dancing „time of my life“ auf die Tanzfläche gezaubert. Und auf einmal standen alle um uns herum und haben geklatscht.“
„Oh, verstehe.“ Gerda war echt überrascht, das hatte sie Ralph nicht zugetraut. „Die Karten habt ihr euch also ertanzt?“
„So ungefähr“, erwiderte Ralph.
„Also fassen wir zusammen: Ihr habt für zweihundert Euro Eintrittskarten geschenkt bekommen, eine echte Chance auf fünfhundert Euro Gewinn und braucht eine Maskenbildnerin für ein perfektes Make-Over?“
Stille am anderen Ende, dann lautes Lachen: „Ja Gerda, gut zusammengefasst, was bedeutet das Wort Make-Over?“
„Theatersprache. So nennt man eine Maske für Mann-zu-Frau und umgedreht Frau-zu-Mann oder Schauspieler-zu-Alien oder so in der Art. So wie in…“ Sie dachte kurz nach. „… dem Film Mrs. Doubtfire.“
„Passt genau.“, sagte Ralph.
„Bin dabei!“ Gerda grinste und fühlte sich sichtlich wohl in der Samariterrolle.
„Okay! Super“, klang es als Duett auf der anderen Seite. „Montag 17:00 Uhr bei dir, dann hätten wir 90 Minuten um die ganze Sache vorzubereiten.“
„Lass uns lieber zwei Stunden einplanen, ich habe nur zwei Hände. Welche Kostüme habt ihr?“
„Spanischer Tango.“, tönte wieder als Duett durch das Handy.
„Gut überlegt und leicht machbar. Habt ihr eine Perücke?“
„Nein. Kannst du was besorgen?“
„Mach' ich.“
Alle drei grinsten in Vorfreude vor sich hin, jeder mit etwas anderen Gedanken im Kopf, und Gerda freuten sich auf die Abwechslung und die neue Herausforderung.

Andrea und Ralph betraten pünktlich 16:30 Uhr die Wohnung der Tante. Sie waren schwer beladen mit zwei Kleidersäcken, der Tanzsportverein München EV hatte ihnen diese Kostüme freundlicherweise ausgeliehen. Andrea staunte noch mehr als Ralph, als sie Tante Gerda jetzt kennenlernte. Sie hatte irgendwie eine deutlich ältere wenig agile Frau erwartet. Aber heute, so wie sich Gerda herausgeputzt hatte, ließ sie beide Stauen. Eine knallrote Bluse mit ganz vielen Rüschen und dazu eine schwarze Hose mit weitem Schlag, beides aus Seide schmückten sie sehr modisch. Das ließ sie sehr elegant wirken, wie eine Dame von Welt, weit entfernt von einer Maskenbildnerin in Kittelschürze.
„Euer Tangomotto hat mich inspiriert. Da wollte ich schon mal vorprobieren.“
Sie hatte ihre Haare hochgesteckt, zwei rote Rosenblüten in einen Dutt eingeflochten, und ein auffälliges dunkles Makeup aufgelegt.
„Du siehst sehr spanisch aus, toll!“, bestätigte Ralph.
„Frau Gerda, wow, sie haben voll was auf dem Kasten!“
„Okay. Lasst mal sehen, was ihr mitgebracht habt!“

Gemeinsam befreiten sie die Kostüme aus den Säcken und bewunderten ausgiebig ein rotes Bolero- Kleid mit typischen geschlitztem Rock und schwarzer Spitze am Saum, am Brustausschnitt und an den Puffärmeln.
„Sehr sexy“, bestätigte Gerda.
Dazu gab es einen schwarzen Männeranzug mit Weste und weißen Hemd, und genau passend zum Kleid eine rote Krawatte im exakt gleichen Farbton. Ein Paar Frauentanzschuhe mit flachem zwei Zentimeter Absatz und ein Paar Herrenhalbschuhe vervollständigten die Kostüme.
„Und ihr könnt echt Tango tanzen? Auch andersrum?“
„Ja“, sagten beide gleichzeitig. „Wir haben auch andersrum ein bisschen geübt.“
„Dann zeigt das mal. Jetzt bin ich richtig neugierig.“

Gemeinsam räumten sie den Esszimmertisch zur Seite und Gerda startete die passende Musik von ihrem Laptop auf YouTube. Andrea und Ralph ließen sich nicht lange bitten. Er schlüpfte in die Frauenschuhe, sie in die Herrenschuhe, und sie stellten sich wie ein professionelles Tanzpaar auf. Was dann geschah, überraschte Gerda doch sichtlich. Die beiden bewegten sich wie ein eingeschworenes Paar passend zum Takt, und gaben einen stimmigen Tango selbst in diesem kleinen Wohnzimmer zum Besten. Auch nach dem Tausch der Rollen, gelang es widererwarten ganz gut. Da sie beide nahezu gleich groß waren, konnte sie führte ohne dass es ungelenk wirkte. Ihre Hand ruhte sicher oberhalb des Pos von Ralph und sie schob ihn gekonnt in die jeweilige Position.

„Bravo, ich bin beeindruckt! Andreas sie beeindrucken mich. Dass Ralph tanzen kann, wusste ich, dass sie mit harter Hand führen können, habe ich gerade gelernt." Gerda klatschte kurz in die Hand, beendete nachdrücklich das Vortanzen und mahnte zur Eile:
„Ralph, Du gehst Haare nach hinten kämmen mit Gel. Dann kratzt du deinen jugendlichen Bartflaum weg und mache mal bitte Kaffee für alle!“, sagte Gerda und wechselte die Musik auf Dire Straits.
„Inspirationsmusik muss sein. Andrea sie zuerst! Erst Schminken, dann umziehen, los geht’s!“

Andrea setzte sich auf den angebotenen Sessel, extra bequem mit leicht nach hinten geklappter Lehne. Sie legte den Kopf bereitwillig in den Nacken und war gespannt auf das folgende. Gerda legte mit einem Stirnband die Haare nach hinten, benutzte einen großen Frisierumhang und schloss diesen eng am Hals. Zunächst wurde Grundierung aufgetragen, der Bereich oberhalb der Lippe und die Augenbrauen wurden aber ausgespart. Danach kurzer Platzwechsel und auch auch Ralph wurde mit einem Umhang vorbereitet und grundiert mit einem 24h-stay- Makeup. Seine Augenbrauen wurden jedoch komplett mit Klebpaste abgedeckt und mehrfach fett übermalt. Die beiden Studenten bewunderten die Leichtigkeit mit der sie ihren Job machte und die große Auswahl an Makeup-Utensilien, die Gerda besaß. Sie tranken abwechselnd Kaffee und rannten immer wieder ins Bad, um den Fortschritt im Spiegel zu bewundern.
Andrea bekam einen schmalen Oberlippenbart und markante Augenbrauen aufgeklebt. Ralph dagegen bekam lange Wimpern sowie mit einem wasserfesten Kajalstift schmale, weit geschwungene Striche oberhalb der Augen. Die Antlitze der beiden veränderte sich schnell. Richtig deutlich wurde der Make-Over nachdem Gerda für Ralph Rouge und Lippenstift passend zum Kleid aufgetragen hatte, und Andreas Gesicht männlich abgedunkelt wurde und ein paar schwarze Punkte als Bartstoppeln am Kinn getupft waren.
Sie nahm schwarze Farbe, mischte diese mit einem Öl, und kämmte damit Andreas Haare streng nach hinten. Das tat sie immer und immer wieder bis jedes Haar pechschwarz war und die Strähnen sehr gerade und sehr glatt auf dem Kopf lagen. Am Hinterkopf zog sie einen Pferdeschwanz straff und streng zusammen, rollte diesen zu einer kleinen Schnecke auf und legte ein kleines schwarzes Netz darüber.
„Wow! Du siehst jetzt aus wie ein Torero, sehr männlich, wie ein richtiger spanischer Macho“, lobte Ralph.
Andrea rannte ins Bad und kam mit einem breiten Grinsen und Daumen nach oben zurück.

„So, jetzt zu dir, setze dich!“
Gerda kämmte seine Haare auch nach hinten und legte ein Haarnetzt darüber, welches sie mit einem Klettverschluss straff befestigte.
„Aua!“
„Hab' dich nicht so. Die Perücke darf doch bei eurer wilden Tanzerei nicht verrutschen. Ich will mich doch nicht mit meiner Arbeit blamieren.“
Sie nahm eine Häkelnadel und zog an der der Stirn und an den Kotletten die überflüssigen echten Männer Haare geschickt durch das Haarnetz nach oben. Nach zehn Minuten schaute kein Haar mehr vor und das Netz saß fest wie eine Badekappe. Die Tante verschwand im Schlafzimmer und kam mit einem Styroporkopf und darauf eine fertig vorbereitete Perücke zurück. Das Kunsthaar sah Gerdas heutigem eigenen Kopfschmuck sehr ähnlich. Die schöne lockige Pracht war nach hinten und oben gekämmt, vollendet aufgesteckt und mit einem schmalen Band und drei großen Rosen verziert. Der Clou war die Größe und Farbe der Rosenblüten, eine weißen und zwei dunkelrot, im gleichen Ton wie das Kleid.
„Das ist der Hammer!“, entfuhr es Andrea, „Ich trau mich gar nicht zu fragen, wie lange du daran gearbeitet hast.“
„So ist sie halt die Tante, wenn schon denn schon.“, ergänzte Ralph wohlwollend.
Vorsichtig wurde Ralph die Perücke aufgesetzt, lang und akribisch ausgerichtet und dann mit den ersten Klettverschlüssen am Gummiband fixiert. Und als alles ihrer Meinung nach perfekt war, grinste sie und fragte Andrea: „So gut? Bevor ich es endgültig befestige brauche ich dein Okay.“
Andrea nickte und Gerda drückte mit dem Daumen die Perücke überall fest. Sie arbeitete sich gewissenhaft um den ganzen Kopf herum und erklärte: „Da ist überall ein Klettverschluss drin, der sich mit dem Haarnetz verhakt. Dann sitzt alles ganz gut fest, für einen Abend reicht das.“
Als sie fertig war, bat sie Ralph mal den Kopf zu schütteln. Er tat es zunächst vorsichtig dann beherzt. Die Frauen war begeistert, wie gut doch alles an seinem Platz blieb und auch das Blumengesteck saß unverändert an der richtigen Stelle. Ralph wollte neugierig aufspringen und ins Bad gehen, um sich persönlich zu vergewissern, aber Gerda hielt ihn zurück.
„Nur noch zwei drei Handgriffe, dann kannst du erst los. Warte mal!“
Sie trug ein wenig Rougepowder auf, zeichnete die Augen etwas dramatischer schwarz nach, färbte die neuen langen Wimpern ein wenig und trug zu guter Letzt ein wenig Glitzer auf. Dann bat sie ihn, die Augen zu schließen und sprühte ein abschließendes Fixierspray auf.

„So, das sollte genügen. Selbst wenn ihr beide ins Schwitzen kommt, das Makeup wird nicht verschmieren. Fertig! Jetzt kannst dich mal im Bad bewundern, husch, husch geh schon.“
Andrea grinste breit und streckte den Daumen nach oben. Ihr Freund würde gleich aus allen Wolken fallen.
Als Ralph in den gut beleuchteten Badzimmerspiegel schaute, konnte er es nicht glauben.



Er sah keine Spur mehr von sich selbst, sondern ein reinrassiges spanisches Vollblutgirl. Einem perfektes Setup, makellos schön.
Schon während der Verwandlung hatte er mit Verwunderung festgestellt, dass ihm das Spiel mehr und mehr Spaß bereitete. Und nun, mit dem Ergebnis vor den Augen, war er baff, wie stark ihn der Anblick erregte.
‚Warum gefällt mir das?', fragte er sich im Gedanken und konnte seinen Blick einfach nicht von dem Spiegelbild abwenden. Ein perfektes zweites ICH! Bin ich das wirklich? Ein weiblicher Ralph, das ist krass!‘

Nach vielen Minuten kam Andrea besorgt hinzu und fragte: „Alles in Ordnung?“
„Ist das nicht unglaublich? Das soll ich sein?“
„Du siehst zum Anbeißen aus. Ich muss heute Abend sicher auf dich aufpassen, damit dir nichts passiert.“
Sie umarmte ihn von hinten und im Spiegel erstrahlte ein verliebtes Paar, aber dieses Mal mit umgedrehten Vorzeichen. Er drehte den Kopf zu ihr und gab ihr einen langen Kuss. Sie kuschelte sich an und erwiderte die Zärtlichkeit.
Verdutzt flüsterte sie: „Huch! Da tut sich ja in der Unterhose meiner geliebten Tänzerin.“
Er hatte eine Erektion, leugnen war zwecklos. Dennoch drückte er Andrea stärker an sich ran, schaute ihr in das männliche Gesicht und erwiderte: „Ich hoffe, der Torero wird auch feucht im Schritt.“
Sie lachten verliebt, küssten sich erneut, und nutzten die ungestörte Gelegenheit im Bad sich lieb zu kosen.

„Sag ich doch. Alles wasserfest und kussecht.“, lachte Gerda, als sie wieder ins Wohnzimmer kamen. „Theaterschminke 24h-stay und hier noch Lipgloss für später zum Auffrischen.“
Sie mahnte: „Jetzt aber hurtig! Wir haben nur noch 20 Minuten zum Umziehen.“

Andrea zog sich schnell aus, ganz ohne Scheu oben blank und legte einen flachen sehr straffen Sport-BH an, der ihre Oberweite wirksam plattdrückte. Dann zog sie das makellos gebügelte Hemd an, steckte die schwarzen Manschettenknöpfe an und ließ sich von Ralph die rote Krawatte binden. Die Hose passte halbwegs gut und wurde mit einem Gürtel fixiert. Dazu die schwarze Weste, Socken und die schwarzen Tanzschuhe. Ein perfekter Gentleman entstand. Nur ihr schmaler Hals und die weibliche Gesichtsform ließen auf dem zweiten Blick darauf schließen, dass der Torero ein Mädchen war.

Bei Ralph klappte es nicht so schnell. Die typisch männlichen Warum-Diskussion begann schon beim T-Shirts, welches er unbedingt anbehalten wollte. Das zog sich hin. Aber schließlich sah er die Argumentationen der Damen ein, das geht nicht bei einem Kleid mit größerem Halsausschnitt. Auch wollte er keine schwarze Strumpfhose von Andrea anziehen. Erst das Argument, das es draußen im Februar kalt war, half.
Beim Einsteigen ins Bolerokleid half die Freundin, stellten aber dabei fest, dass der Rückenreißverschluss sich oberhalb der Hüfte nicht so einfach schließen ließ. Der Bauch war ein bisschen zu groß für dieses taillierte rote Meisterwerk.
Andrea fragte lösungsorientiert: „Frau Gerda, haben sie irgendwas in Ihrem Fundus dafür?“
„Nicht wirklich. Meinst du ein Korsett oder so?“
Ralph bekam einen Schreck, erinnerte er sich doch mit flauem Gefühl in Magen an die Erfahrung in der Oktoberwoche, als er noch bei seiner Tante gewohnt hatte. Seine ersten Erfahrungen mit einer Bauchwegschnürung wollte er heute definitiv nicht: Wollte Gerda etwa Andrea davon erzählen?

Gerda bemerkte intuitiv die Gefühlslage von Ralph, überspielte das geschickt, und bot an: „Ich hätte da einen Body von mir, welches den Bauch gut wegdrückt. Das könnte er drunter anziehen und gut ist. Sollen wir das mal probieren?“
Er hatte keine Ahnung was das für ein Body sein sollte, war aber froh, dass das Thema eine bessere Wendung nahm. Gerda verschwand im Schlafzimmer und kam mit einem hautfarbigen Triumpf-Body zurück. Den zogen über die Strumpfhose nach oben zogen und tatsächlich der Bauch wurde weggedrückt. Nachdem die schmalen Träger über die Schulter gezogen waren, bemerkte Andrea: „Coole Idee mit dem Ding. Da stopfen wir jetzt noch ein Paar Socken rein, dann hat Ralph sogar Oberweite.“
Auch da protestierte Ralph, die beiden Frauen wischten es beiseite, die Socken kamen in das BH-Teil rein und damit Basta. Beim zweiten Anziehversuch des Kleides klappte es problemlos. Das Stück passte Ralph ganz gut und auch die schwarze Strumpfhose erwies sich als stimmig. Typisch für ein langes Tanzkleid, war es zur freien Bewegung weit bis zum linken Oberschenkel geschlitzt. Das schwarze Bein lugten zwischen dem roten Stoff sexy hervor. Dazu die Lacktanzschuhe und fertig war Ralph.

Eine wunderschöne Spanierin und ein Torero waren fertig. Genau das Richtige für einen Ball mit Tanzdarbietung und Switch war nur zu erahnen. Gerda startete nochmals den Tango vom Laptop, und Ralph und Andrea taten ihr den Gefallen und tanzten nur für sie.
„Perfekt!“ Gerda war begeistert. „Jetzt aber los! Sonst kommt ihr noch zu spät!“
Sie half Ralph und Andrea in ihre Mäntel verabschiedete sie herzlich.
„Viel Spaß und toi, toi, toi für den Wettbewerb.“

Am nächsten Morgen um 5:23 Uhr bekam Gerda eine SMS:
Danke! Hat super geklappt! Wir sind zweiter geworden! Später mehr!

Um 12 Uhr mittags saßen Andrea und Ralph am Frühstückstisch noch immer geschminkt. Sie genossen im Bademantel das Frühstück, reflektierten die Nacht und er sortierte seine Gedankengänge mühsam.
„Was für ein Abend und was für eine ungewöhnliche Nacht.“, verträumt hing er seinen Gedanken nach. Er schaute ihr zu, wie sie Nutella aufs Brot strich.
„Irgendwie war es ein bisschen lesbisch, Oder?“, sprach sie mit vollem Mund, „Aber auch irgendwie geiler Abend. Und du, du bist halt auch eine schöne rattenscharfe spanische Frau.“ Dafür gab es ein Küsschen. Sie lachte vergnügt, ohne dem Ganzen zu viel Bedeutung zu geben.
„Ich hatte vor der letzten Nacht noch nie Sex mit einem Mannsweib,“ erwiderte er, „irgendwann ist halt immer das erste Mal. Nur der Bart war störend, der Rest wie immer sehr geil.“

32. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 16.05.21 00:21

Kapitel #5 *** Ende der Fastenzeit

Es war ein Tag nach Ostern, die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karfreitag war endlich vorbei. Gerda fütterte die Fische im Aquarium und erfreute sich ein wenig an dem Getümmel, welches das Futter auslöste. Ihr war langweilig und sie vermisste Gesellschaft. Die Feiertage waren langweilig gewesen, keine Ansprache und keine Freundinnen, der Stammtisch war ausgefallen. Alle Damen von Kaffeekränzchen waren zu Verwandten gefahren nur sie nicht. Es gab keinen Ausflug nach Garmisch und auch Paul hatte sich seit Wochen nicht gemeldet. Dazu kam, dass die BAVARIA den Winter über keine Aufträge für sie hatte.
Sie schaute sich in ihrer Wohnung um auf der Suche nach einer Unordnung irgendeiner Kleinigkeit, die sie hätte erledigen können. Aber alles war in feinster Ordnung, öde und langweilig. Auf dem Sofa lag die karierte Decke fein säuberlich, wirklich nichts zu tun. Das Ticken der Uhr klang laut und wie eine Mahnung. Tick, Tick, Tick - dieses Geräusch machte sie noch betrübter. Sie wurde sich ihrer Einsamkeit bewusst und fand keinen Weg, diese zu durchbrechen.
Unvermittelt riss sie wütend die Decke vom Sofa und schleuderte sie gegen die Uhr. Dieser Wutanfall tat seine Wirkung, die Uhr fiel von der Wand und verstummte. Gerda atmete erleichtert auf, das tat gut. Sie öffnete das Fenster und atmete die erste Frühlingsluft tief ein.

Es war genau 14:00 Uhr, als unerwartet das Telefon bei Gerda klingelte.
„Ja?“
„Hallo Tante Gerda! Hier ist Ralph.“
„Hallo Ralph! Welch tolle Überraschung! Und genau wie früher punkt um 14:00 Uhr. Hast du dein WG-Zimmer verloren?“
Schweigen am anderen Ende als würde er nach Worten ringen. „So ähnlich, aber anders. Tante Gerda, ich weiß nicht mehr…“, Schweigen in der Leitung, „…weiter.“
„Was ist passiert? Kann ich helfen?“, Gerda war sauer und besorgt zugleich.
„Ich weiß nicht…“, und wieder eine lange Pause.
„Wolltest du mir erzählen warum ihr beim Kostümfest zweiter geworden seid und nicht erster?“, Gerda versuchte das Schweigen zu brechen.
„Wie? …nein. Wovon redest du?“, Ralph schien gedanklich irgendwo anders zu sein, jedenfalls nicht beim letzten Zusammentreffen mit Gerda vor sieben Wochen und auch nicht bei dem Tanzwettbewerb vom Switch-Karneval.
„Ach stimmt! Das wollten wir dir eigentlich auch noch ausführlich berichten. Habe ich aber vergessen. Sorry Tante, tut mir leid!“
„Hm…, nicht gut seine Tante zu vergessen.“, knurrte sie beleidigt ins Telefon.
„Das ist es nicht. Ich habe dich nicht vergessen. Eher im Gegenteil.“
Er überlegte wie er das Gespräch fortsetzen sollte und atmete tief ein. Dann sprudelte es aus ihm heraus: „Kannst du dir vorstellen, dass ich heute Abend bei dir vorbeikomme?“

Tante Gerda war ein wenig perplex, da er offensichtlich einerseits schon wieder irgendwas von ihr wollte, was sie ärgerlich machte, aber andererseits irgendwie verzweifelt wirkte. Ihre innere Stimme war immer noch sauer auf den Rotzlöffel, nachdem er sich so lange nicht gemeldet hatte. Daher ließ sie dem Drang freien Lauf und herrschte ihn an: „Nach den Regeln von früher? Du erscheinst pünktlich 17:45 Uhr? Und dann gemeinsam Kochen bis acht? Oder wie hast du dir das vorgestellt?“
„Nein, nein, das ist es nicht was ich meine…“, antwortete er völlig überrumpelt. Dann stammelte er: „…egal, doch natürlich auch so… nach deinen Regeln…“, und fügte beflissentlich hinzu. „…wie auch immer… ja, ja wegen mir, wie immer du es für richtig befindest. Ach, ich weiß doch auch nicht…“, jetzt war er vollends konfus. „…ich muss dich sehen und gemeinsam mit dir eine Lösung für ein Problem finden.“ Er flehte fast: „Bitte Tante Gerda.“

Sie überlegte übertrieben lang und sagte dann ruhig, emotionslos und ein wenig herablassend: „Einverstanden aber nach meinen Regeln unserer siebten Woche. Sei heute pünktlich vor sechs hier. Nur unter diesen Bedingungen bin ich erneut bereit, mich mal wieder mit deinen Problemen zu beschäftigen.“
Er konnte gerade so noch „Danke“ sagen, dann hatte sie schnell aufgelegt.
War sie sauer, weil er sich so lange nicht gemeldet hatte?
Ja definitiv.
Sie ahnte nichts davon, was wirklich los war, parallel zehn Sekunden später bei Ralph in der Studentenbude brachen alle Dämme und er war ein schluchzendes, weinendes Häufchen Elend.

„Ding Dong“.
Der etwas altmodische Klang der Glocke erfreute Gerda an diesem Tag wie seit langem nicht mehr. Sie betätigte den Summer und ließ ihren Neffen ins Haus hinein. An der offenen Wohnungstür erwartete sie ihn bereits neugierig, bevor er die drei Etagen nach oben gestiegen war, und nahm ihn sofort herzlich in den Arm.
„Ich freu mich dich zu sehen!“
„Ich mich auch!“
Sie drückten einander, umarmten sich innig und gaben sich mit dieser einen Geste das sichere Gefühl, einander aufrichtig vermisst zu haben. Der Zorn ihrerseits und der Kummer seinerseits waren verflogen. Nachdem sie sich voneinander gelöst hatten, legte Gerda fest: „So wie früher!“
„Ja, schon gut! Ein Deal ist ein Deal“, erwiderte er und lächelte sie an.
„Husch, husch ins Bad“, kommandiere sie ihn und begab sich selbst in die Küche.
Im Bad schien die Zeit seit vier Monaten stehen geblieben. Alles wie im letzten Jahr unverändert, Ende November erscheint wie gerade eben gestern. Die glänzenden Handschuhe und Strümpfe und die Hijab, alles da.
Ralph legte alle seine Baumwollsachen ab und kleidete sich mit gewohnter Sorgfalt in die Latexsachen.
Er genoss vom ersten Augenblick das liebgewordene Material auf nackter Haut. Alles war perfekt von ihr vorbereitet und eingeölt und auf Hochglanz poliert.
Bewundernd schaut er in den Badspiegel.
Beine, Arme, Kopf glänzten wunderschön und nur der Körper von Hals bis zum freischwingenden Penis blieben unbedeckt. Ihm schauderte vor Freude. Anschließend schlüpfte er in das Kleid hinein und rief nach ihr: „Tante Gerda! Kannst du mir kurz helfen?“
Sie erschien mit einem Lächeln und schloss den Rückenreißverschluss mit einigem Mühen bis zum eng geschnittenen Hals.
„Hast wohl ein wenig zugenommen. Das werden wir gleich merken.“ Sie legte das auf 74 Zentimeter vorgeschnürte Korsett um seine Taille und kommandierte: „Luftanhalten! Bauch einziehen!“
Es kostete mehr Mühe als zuletzt, aber es gelang doch wieder die Häckchenleiste vorn zu schließen.
„Geht doch! Weiteratmen!“
Er verzog das Gesicht zu einem Lächeln, rang aber gleichzeitig nach Atem.
„Beeil dich mit dem Rest! Die Arbeit wartet!“
Schnell schlüpfte er in die Gummistiefel, legte die Schürze an und ging in die Küche.
„Hast du die Stiefel ausgetauscht?“
„Jetzt, da ich weiß, dass du auf Absätzen beim Fasching kein großes Problem hattest, selbst Tango konntest du tanzen. Da habe ich einfach die alten Stiefel gegen etwas modischere ausgetauscht. Keine Angst, es sind nur sechs Zentimeter Absätze. Das schaffst du leicht!“
Sie lächelte ihn an und war selbstsicher sehr zufrieden mit der Wahl.
„Auch die Schürze ist neu. Ich habe mich für ein schmaler geschnittenes Modell entschieden, so dass deine Hüfte mehr zur Geltung kommt. Aber Schürze muss sein! Und Rüschen auch!“
„Ja, ja, Tante Gerda. Alles okay mach doch und nicht wirklich schlimm.“
„Na dann los. Kartoffeln schälen, Hühnchen ausnehmen, das Gemüse waschen, schneiden und garen. Es soll heute einen Festschmaus geben!“
‚Puh', dachte er. ‚Es geht da weiter, wo es aufhörte! Sie genießt die Situation in vollen Zügen und nutzt mich nach Strich und Faden aus.'

„Wer geht in den Keller und holt Wein?“, fragte sie scheinbar ergebnisoffen.
„Ähm, hatten wir das nicht beim letzten…“ Der Satz blieb unvollendet als er ihren Blick und ihre Stirnfalten sah. Nach kurzem Nachdenken ergänzte er seufzend: „…mach ich!“
Sie lachte laut und schaute ihn tief in die Augen. „Hab' ich schon erledigt. Wollte dich nur testen!“
Er mühte sich in der Küche ab und kam ganz schön ins Schwitzen bei dem großen Aufwand für das heutige Abendessen. Sie saß derweil im Sessel und beobachtete ihn genüsslich und trank dabei schon mal das erste Glas Wein.
Während des Essens schwieg Gerda mit voller Absicht und wartete, dass er das Gespräch begann.

„Seit wir neulich hier waren, ist viel passiert“, brachte er zwischen zwei Bissen hervor.
„Schätzchen, das Essen ist vorzüglich. Wenn das mit der Juristerei nicht klappt, du würdest eine hervorragende Köchin abgeben.“
Er schmunzelte ob des Lobes und bemerkte gar nicht, dass sie ihn - wie auch in der letzten Woche im November - in der weiblichen Form angesprochen hatte.
„Danke. Also, nach dem Faschingsball, bei dem wir zweiter wurden…“, sagte er zu einem Gespräch ansetzend.
„Noch ein Glas Wein?“, wieder unterbrach Gerda ihn in vollster Absicht.
„Möchtest du gar nicht wissen was passiert ist?“ Man spürte, er wollte reden.
„Doch, doch…“, bemühte sie sich, Interesse zu heucheln, „…fahr fort. Aber erst Prost. Auf uns!“
Sie lächelte ihn gewinnend an und er freute sich.

„Gewonnen hat ein schwules Pärchen, welches sich als lesbisches Pärchen perfekt wie Conchita Wurst verkleidet hatte. Und beide arbeiten beim Ballett! Das ist so was von ungerecht! Sie spielten die Trumpfkarte ‚Wir sind Tunten mit Bart und das ist gut so!'. Ich bin mir immer noch sicher, wir waren das schönste Pärchen des Abends. Viel besser als die beiden Möchtegern-Würste!“
Er blickte sie an. „Vor allem dank deiner Künste. Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Nochmals, danke an dich!“
Er neigte sich zu ihr und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange.
„Gern geschehen!“

Er hing in Gedanken an dem Februarabend und Gerda ließ ihm ein wenig Zeit bevor sie fragte: „Und was geschah dann?“
„Lange Rede, kurzer Sinn: Aus den Osterferien heraus schrieb Andrea mir, dass es aus ist!“
„Einfach so?“
Er seufzte deutlich hörbar: „Leider nein! Die Art und Weise wie sie es tat, hat mir stark zugesetzt.“
Wieder war Gerda so scharmant zu einfach abzuwarten.
„Andrea hat mir in einem langen Brief dargelegt, dass sie jetzt einen wirklich echten Mann kennengelernt hat, und hat mich ausführlich niedergemacht.“
„Und hatte sie Grund dazu?“
„Natürlich nicht…“, er aß einen Happen bevor er weitersprach. „oder doch vielleicht einen Kleinen. Sie ist jetzt mit einem 27-jährigen zusammen. Gegenüber dem wirke ich wie ein Milchreis- Bubi, schreibt sie.“
„Das ist nicht nett“, bestätigte Gerda.
„Und sie hat sich vor Ostern nicht okay verhalten und auf meinem Laptop herumspioniert. Das macht mich fertig!“
„Was genau hat sie da gefunden? Andere Frauengeschichten?“ Gerda zwinkerte ihm zu. „Hätte ich dir gar nicht zugetraut!“
„Nein! Ich war ihr treu!“ Er seufzte und kam ins Stocken. Sollte er seiner Tante wirklich alles erzählen? Alles einfach raus, so wie er es sich heute Mittag vorgenommen hatte?

„Kennst du Bianca Beauchamps?“, fragte er unvermittelt nach einer größeren Pause.
Jetzt war es an Gerda einige Augenblick verlegen nach Worten zu ringen, und sie entschied sich dann doch für ein einfaches: „Ja.“
Bei seiner Tante verwunderte Ralph nichts mehr.
„Sie fand Fotos von Frauen in Latex und auch ein paar Latexfilme, die ich aus dem Netz runtergeladen hatte.“
„Und das war schlimm für Andrea?“
„Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht war es schlimm für sie. Sie ist ja vom Dorf, oder sie tat nur so, als ob es schlimm wäre, um mich abzuservieren. Oder sie fand es schlimm, dass wir nie drüber geredet haben. Ich weiß nicht. Was sie in der Mail schrieb, waren nur harte Beschimpfungen und Drohungen.“

Gerda wartete einen Augenblick: „Möchtest du darüber sprechen?“
„Ich weiß nicht. Wenn ich die Worte wiederhole, befürchte ich, dass es mich erneut stark aufwühlt.“
Er dachte nach und man sah, dass jeder Satz ihn tief getroffen hatte. Er konnte sogar jeden Satz memorieren, so oft hatte er Andreas Brief gelesen.
„Lass' es raus. Vielleicht können wir gemeinsam darüber lachen“, schlug Gerda vor.
Du perverses Schwein!
„Nicht nett“, quittierte Gerda.
Während wir ein Paar waren, hast du wohl immer an diese Bianca mit den riesen Titten gedacht und dir einen runtergeholt!
„Harter Vorwurf“, bestätigte die Tante und lächelte vor sich hin ehe sie fragte: „Und? Hast Du Dir einen…, wie schreibt sie, …runtergeholt?“
Ein breites wissendes Gerda-Grinsen schlug ihm entgegen. Es war ansteckend und es entstand eine neue zarte Bande zwischen ihnen, getragen durch gemeinsames Wissen über diesen Brief.
Willst du etwa, dass ich mir auch so Monstertitten machen lasse? Ekelig!
„Stimmt, die von Bianca Beauchamps sind eine Nummer zu groß für meinen Geschmack!“
Da lächelte er erstmals mit.
Wie viele solcher Latexperverse wie dich gibt es denn, wenn die notgeilen Fotzen so viele Fotos von sich machen, nur um Euch aufzugeilen?
„Gute, ernstgemeinte Frage. Diese Andrea nähert sich dem Thema geschickt. Schlaues Mädchen…“, Gerda dachte nach, „…da kannst du ohne Sorge antworten: Tausende, wahrscheinlich sogar Millionen Perverse lechzen nach mehr Fotos jeden Tag von Bianca.“
Das brach das Eis. Man spürte seine wachsende Erleichterung.
Wenn du auch nur noch einmal mich ansprichst oder anfickst oder anmailst, werde ich dich an der Uni bloßstellen.
„Das ist gemein. Erst stellt die Andrea eine gute Frage nach der Häufigkeit und dann erlaubt sie nicht, dass du per Mail antwortest. Das ist ja Blödsinn.“
Nun lachten beide herzhaft.
Du geiler Bock!
„Klingt wie ein nachträgliches Lob für gute Leistung.“
Verpiss Dich!
„Würde ich an deiner Stelle auch erstmal tun. Die hat deine Stärken noch nicht entdeckt!“
Sie zwinkerte ihm zu und spürte wie er sich endgültig entspannte.
Seine aufgestaute Geschichte musste definitiv raus, er hatte sich für seine Tante als Zuhörerin entschieden, das war gut und Gerda war sehr froh darüber.
Er legte vertraut seine Hand auf ihren Arm und sagte schlicht: „Danke!“
Es verging eine ruhige Minute. „Und… ich weiß gar nicht ob man das zu seiner Tante sagen darf…“, er räusperte sich kurz. „…schön, dass es dich gibt und wir jetzt hier sitzen.“
33. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 16.05.21 16:23

Da kommt ja der verlorene wieder nach Hause. Da kann das Spiel ja weiter gehen. Freue mich auf die Fortsetzung ..
34. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Latexbrummbär am 16.05.21 22:04

Ich hätte auch gerne eine Tante Gerda...
35. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 17.05.21 21:44

@ all,
Danke Euch, wir haben die 20000 Lesungen geschafft.
Freut mich! Da liegt bei vier Teilen die Vermutung nahe, dass so 200 bis 300 die Geschichte mögen.
Bleibt neugierig!

@ Erin,
so so, Du denkst der "Verlorene kommt nach Hause", so ganz freiwillig ja nicht, er hat ja Kummer und sucht Rat.
Wer weiß, was passiert wäre, wenn die Andrea nicht so gemein gewesen wäre. Wahrscheinlich hätte die Geschichte schon eine Woche früher geendet. Also danken wir mal Andrea, ohne ihren schlechten Charakter, wäre die Autorin ratlos. Aber so...
Bleib neugierig!

@ Latexbrummbär,
so so, Du hättest gern eine Tante Gerda.
Da kann ich nicht wirklich helfen.
Wenn aber Dein Vater oder Deine Mutter eine Schwester haben, oder einen verheirateten Bruder, dann sind da schon Optionen.
Frag Deine Tanten doch einfach mal bei einem Glas Sekt: "Hey Tante XY, stehst Du eigentlich auf Gummie?" Trau Dich und
Bleib neugierig!
36. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Latexbrummbär am 18.05.21 01:05

Hehe...die Optionen fallen leider alle weg. Aber vielleicht übernimmt es ja irgendwann die Partnerin. Eine wirklich tolle Geschichte. Schreib bitte bald weiter.
37. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Nordlaender am 18.05.21 16:51

Eine wirklich sehr schön geschriebene Geschichte.
Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Fortsetzung.
38. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 21.05.21 21:13

@ Latexbrummbär
So, so keine persönliche Tante vorhanden. Aber bei Ralph ist ja Gerda auch keine richtige Tante sondern eine Großtante.
Ok Ok, das mit der Partnerin ist eine gute Alternative.
Bleib neugierig.

@Nordlaender
Danke für das Lob.
Bleib neugierig.
39. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 21.05.21 22:31

und weiter geht es wie jedes Wochenende

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*****

Sie aßen vergnügt den Nachtisch, und dann war es an Tante Gerda dem Gespräch eine neue Wendung zu geben.
„Wenn ich es recht in Erinnerung habe, hatten wir einen Pakt geschlossen ‚Woche um Woche gibt’s eine Verschärfung‘...oder?“
„Ich glaube schon.“, erwiderte er lächelnd und verriet dabei ein wenig, er hatte damit gerechnet, wenn nicht gar darauf gehofft.
„Nun hat heute die achte Woche begonnen und du versprachst mir, diese Woche wieder täglich zu mir zu kommen, auch wenn du eine Bleibe hast. Beides richtig?“
„Ja, in der Tat. Beides richtig, als Dankeschön komm ich gern drei Tage zum Abendessen.“
Er wartete ab und fragte sich in Gedanken: ‚Was kommt jetzt? Was hat das verrückte Tantchen wieder ausgeheckt?'
„Okay, dann könnten wir morgen den achten Schritt hinzufügen? Oder was meinst du?“
„Wenn unsere Regeln so sind, dann soll es so sein.“, bestätigte Ralph.
„Oder hältst du es für richtiger, wenn wir morgen drei Schritte hinzufügen? Einen weiteren Schritt für die Mühe mit deinem Fasching und ein zusätzlicher für die lange Wartezeit.“
„Hm… das könnte man so arrangieren: 8+ quasi, wenn man es getrennt als Handicap betrachtet. Den Fasching und die Wartezeit macht neun und zehn, so in der Art?“
Sie lächelte und spürte, er war nach dem offenen Gespräch über Andreas Brief so erleichtert, jetzt wollte er Bäume ausreißen oder Pferde stehlen, oder beides.

„Okay, so machen wir es. Ich füge drei Dinge hinzu, aber nur eine weitere Hilfe, die du mir leisten musst. Ich bin ja kein Unmensch. Unser Spiel geht dann in den Zwischenstand 8:10. Einverstanden?“
Er wartete einen Augenblick, aber in Gerdas Augen las er eine diebische Vorfreude, die ihm nicht so recht gefiel. Er mochte sie dennoch sehr. Und so entschied er sich nach einigem Zögern: „Ich bin neugierig was du wieder ausheckst. Und wegen mir ist ein 8:10 abgemacht!“
Sie schlugen per Handschlag ein. Ralph ergänzte: „Na gut morgen viertel vor sechs werden wir unseren ‚Jungend- hilft- Tante-Pakt' neu starten.“
„Nein, nein. Nicht viertel vor sechs. Hast du vergessen? Morgen ist Mittwoch, der Tag an dem du an der Uni eher wegkannst und mir beim Wohnungsputzen zur Hand gehen musst!“
„Stimmt. Hätte ich beinahe vergessen“, sagte er. „Passt noch immer, auch im zweiten Semester zu meinem Stundenplan. Ab drei habe ich frei.“
„Also morgen gegen vier und jetzt hurtig den Tisch abgeräumt, damit ich pünktlich zur Tagesschau meine Ruhe habe.“ Sie stand auf und neigte sich über den Tisch.
„Danke, für das vorzügliche Mal!“ Und dann gab sie ihm unerwartet einen Kuss auf den Mund.
Er räumte den Tisch ab, spülte in der Küche und hinterließ alles auf Hochglanz poliert. Sie saß derweil vor dem Fernseher und machte exakt gar nichts, außer die Situation genießen. So wie früher. Auch der Rest des Abends verlief wie früher. Sie machte keine Anstalten in die Küche zu kommen. Er schaute kurz ins Wohnzimmer, worauf hin sie ihn ermahnte, das Lernen nicht zu vernachlässigen. Er entkleidete sich im Bad, warf die Sachen in die Badewanne, duschte kurz und setzte sich dann im Jogginganzug an den kleinen Schreibtisch im Schlafzimmer.
Er schaute verdutzt in den blitzblanken Schrankspiegel und erinnerte sich an das letzte Mal, als er diesen Raum betreten hatte. Mit einem Wonnegefühl erinnert er sich, wie er den Schrank damals beschossen hat. Das war vor fast einem halben Jahr gewesen, wie stark doch diese Erfahrung noch wach war. Mit einem Seufzer verscheuchte er diesen Gedanken und begann mit ‚Handelsrecht Band 2 Paragraph 5 Abschnitt 1.

*****

Halb vier am nächsten Tag ein besonderer Mittwoch klingelte Ralph erneut an der Tür und als erstes bat Gerda ihn zum Kaffeetrinken.
„Weißt du was mir aufgefallen ist?“, und ohne die Antwort abzuwarten, fuhr sie fort zu sagen: „Deine mir zugedachte Hausarbeitshilfe Nummer sieben haben wir noch gar nicht ausprobieren können, und heute müssen wir uns schon was neues, die Hilfe Nummer acht ausdenken.“
„Du meinst nicht das Badputzen heute Nachmittag, oder?“
„Nein das nicht. Das war Nummer sechs. Erinnerst du dich gar nicht?“
„War irgendwas mit Wäsche bügeln am Donnerstag oder so was ähnliches?“
„Das ist Nummer 8. Genau. Wie hast du das erraten? Können wir ja morgen Abend nachholen“, lachte sie.
„Ich hoffe, du hast nicht ein halbes Jahr lang die Wäsche aufgehäuft und damit auf mich gewartet“, gab er ebenfalls lachend zurück. „Ein bisschen trainiert habe ich in meiner WG schon und bestimmt fünf Hemden mehr oder weniger perfekt gebügelt. Also sei bitte vorsichtig mit dem was du mir gibst. Das könnte auch schief gehen.“
„Nein, so viel ist es nicht. Eine gute Fachkraft braucht sicher nur 30 Minuten dafür, und für den Anfang gebe ich dir nur Baumwolle. Da kann gar nichts schief gehen.“
„Bezüglich Nummer sieben könnten wir ja ‚Wein aus dem Keller holen' nehmen. Das habe ich ja schon einmal erduldet!“, er neckte sie und freute sich über den lustigen Einfall, wie ein kleines Kind.
„Dir wird das Lachen schon noch vergehen. Mir wird schon was in den Sinn kommen.“
Beide genossen den gemeinsamen Kaffee und schauten sich über die Tassenränder in die Augen. Das Blitzen in ihrem Blick verriet, sie heckte was aus. Und da er seine Tante Gerda jetzt besser kannte, wusste er, da kommt eine neue große Herausforderung auf ihn zu.
„Wollen wir mit der Anprobe der Nummer 8 loslegen?“, fragte sie abrupt.
Er räumte die Tassen in die Küche und war neugierig, was diese acht sowie die angekündigte neun und zehn wohl an Kleidung sein sollten.
„Wie immer habe ich alles hingelegt. Probier's aus. Und wenn du Hilfe brauchst, rufst du. Okay?“
„Ja, mach' ich.“

Ganz oben auf dem Stapel lag jetzt neu eine Unterhose, Hautfarben. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht bei dem Gedanken, dass sein frei hängendes Glockenspiel nun wohl doch ins Spiel einbezogen wird. Er nahm das Stück und stellte fest, es war sehr klein, viel kleiner als erwartet. Und es war, alles andere hätte ihn auch gewundert, aus stabilem Latex, nur eben Hautfarben und sehr gut eingeölt und flutschig. Als er diese Unterhose auseinanderfaltete, sah die Latexhose einer Boxershorts nicht unähnlich, jedoch mit ganz engem Schnitt und einer zusätzlichen Lage dicken Gummi als Verstärkung im Vorderteil. Und es gab einem hohen Bund, welcher sicher weit über den Bauchnabel reichen würde. Am Hintern waren Silikonkissen eingearbeitet, die irgendwie seinen flachen Hintern runder machen sollten.
‚Was es nicht alles gibt', dachte er. Aber wenn er die Hose und dann das Korsett anzöge, dann wäre es aus mit ‚eben mal schnell…' auf der Toilette. Dieses Teil konnte man ganz gewiss nicht mal eben runterziehen. Dann entdeckt er ein kleines Loch dort hinten, in der Mitte des Po. Ralph dachte nach: ‚Okay, eine Öffnung gibt es immerhin'. Er schmunzelte vor sich hin: ‚Let's do it'.
Das war jedoch leichter gedacht als getan.
Langsam schlüpfte er erst mit dem linken, dann mit dem rechten Fuß hinein und musste feststellen, dass schon an den Waden der Weg beschwerlich wurde. Der Bund war sehr eng, und auch die Beinabschlüsse würden sicherlich an den Oberschenkeln sehr eng anliegen.
Stück für Stück arbeitete er die Hose nach oben und hatte schwer zu kämpfen den engen Bund, der mal auf seiner Taille zu liegen kommen sollte, über den Po zu ziehen. Die vordere Verstärkung war sehr unangenehm und drückte auf seinen Penis.
‚So geht das nicht', dachte er, und probiert es im zweiten Anlauf anders herum: Das beste Stück unten quer auf halb acht.
Auch diese Lage war alles andere als angenehm. Er fasste von hinten durch den Schritt und zog seinen Penis einfach zwischen die Beine nach hinten voll durch.
Perfekt!
Und nicht zu unangenehm. Und das Beste daran war, er konnte bei Bedarf auch durch das kleine Loch pinkeln, falls er doch mal müsste.
Bei dem Versuch die Hose endgültig in die richtige Position zu ziehen, wurde er eines anderen Problems gewahr. Wohin mit den Hoden? Die dicke Gummiplatte drückte übel mit den Kanten auf die beiden Bälle. Erst als er die Hose wieder nach unten zog, registrierte er, das oberhalb des Penis zwei kleine extra dafür geformte Mulden vorhanden waren. Mit ein wenig rumprobieren gelang es ihm die beiden Dinger in die Hauttaschen rechts und links oberhalb der Schwanzwurzel zu schieben. Dann das gute Hosenstück wieder nach hinten in die Poritze und gleichzeitig den Slip nach oben hieven.
„Passt!“, sagte er laut und freute sich das Problem gelöst zu haben.
‚Der Druck ist spürbar, aber nicht unangenehm. Alles ist gut verstaut und vorn sieht es aus wie bei einem Mädchen', dachte er und drehte sich vor dem Badspiegel und bewundert nun auch den deutlich runden weiblich gewordenen Po.

„Die neue Hose sieht sexy aus, Tantchen!“, rief er Richtung Wohnzimmer.
„Gern geschehen. Aber das Tantchen kannst du weglassen“, erwiderte sie.
Er bewunderte sein neues Aussehen rund um den die Hüfte und im Schritt nochmals ausgiebig. Er realisierte wie stark es ihn einerseits erregte und andererseits wie stark es ihn dabei behinderte der Erregung freien Lauf zu lassen.
‚Schnell auf andere Gedanken kommen', forderte er sich auf und nahm als nächstes die schwarzen Strümpfe in Angriff. Wie erwartet waren diese lang genug und überdeckten die zehn Zentimeter Beinröhren der Korselett-Hose. Jetzt war er also von der Taille bis zu den Zehenspitzen mit Gummi bedeckt. Fühlte sich für ihn gut an, gedankenverloren strich er sich über den Hintern und zwischen den Schenkeln. Zufrieden registrierte er: ‚Dicker Po, flacher Bauch und beulenfreier Schritt, eine perfekte Verwandlung zum Latexgirl!‘
Jetzt wollte er es wissen, unbedingt den schönen Zustand vom November wieder erspüren. Eilig fügte er die Handschuhe und den Hijab hinzu und nahm das Kleid zur Hand.

„Was ist denn das?“, fragte er fröhlich im Selbstgespräch. Ralph hatte direkt unter dem Kleid, zwei hautfarbige Halbkugeln entdeckte: „Zwei Titten? Sind das die Kleidungsstücke 9 und 10?“, sein Selbstgespräch unterstich Ralphs heutige Fröhlichkeit, „Hallo ihr beiden Wabbelfreunde!“
Er pikste mit dem Zeigefinger die Nippel der Silikonbrüste. Die Größe gefiel ihm gut, eine gute Handvoll, denen von Andrea nicht unähnlich. Die Kissen wirkten sehr natürlich da sie schön ausgeformt waren, leicht dreieckige Form und natürliche Brustwarzen und -nippeln hatten. Er nahm eine in die Hand und legte sie sich an die Brust: „Okay, könnte klappen!“
Aber auch Zweifel machten sich gedanklich breit: ‚Geht das nicht zu weit? Tantchen, Tantchen was soll das nun wieder?'

Nach einigem Zögern - er seufzte hörbar - schnappte er sich entschlossen das Kleid, zog es schnell über, schlüpfte mit den Armen hinein. Ehe er den Rückenreißverschluss schloss, schob er die beiden Brustprothesen in die vorgesehenen Ausbuchtungen.
„Wow, passt perfekt!“, er pfiff anerkennend vor sich hin, schloss den Reißverschluss mit vielen Verrenkungen ohne Hilfe von Gerda. Dann bewunderte er sich im Spiegel. Dabei fragte er sich verdutzt: ‚Ist das Kleid heute anders?'. Es schien so, als wäre es früher weniger weiblich gewesen und nun hatte es einen schönen femininen Vorbau. Die Füllung passte perfekt ohne zu spannen: ‚Nein, das ist fast das gleiche Kleid wie damals nur jetzt ist es oben faltenfrei und stimmig.‘
Im Spiegel sah er jetzt ein richtig tolles Mädchen mit einem gewissen Etwas in der Bluse und neckischen Nippeln die sich ins Gummi bohrten. Nicht zu viel und nicht zu wenig, genau richtig für seinen Geschmack. Er strich sich zärtlich darüber und freute sich über das echte Gefühl.
‚Fühlt sich so eine Frau mit zwei echten Brüsten?', dachte er und freute sich über die Perfektion bei der Auswahl und des guten Geschmacks seiner Tante. Der Rockteil des Kleides, so erschien es ihm, stand ein wenig weiter in alle Richtungen aus. Ein eingeklebtes Unterteil war die Lösung des Rätsels. Der weiße Unterrock lugte unten ein wenig hervor und ließ somit die glänzende Pracht und die Gummifalten rundherum weiter abstehen. Die Hose darunter tat ihr Übriges dazu, mit den dicken Polstern hinten kam die Weiblichkeit mit einem richtigen Wonnepopo zur Geltung.
‚Es fühlt sich besser an als früher! Nein, das trifft es nicht…‘, dachte er nachdenklich, ‚…es fühlt sich SEHR gut an, stimmig und vollkommen natürlich.‘
Noch zwei drei bewundernde Blicke in den Spiegel und dann schnell das Korsett angelegt. Er musste tief Luft holen. Dann ging es aber auch ohne Hilfe, da die Hose den Bauch schon gut vorgespannt hatte. Zu guter Letzt die weiße Schürze, welche an diesem Tag so gut passte wie noch nie. Die neckischen Rüschen überall unterstrichen die Eleganz und die neue Oberweite kam super zur Geltung.

„Wow!“, rief er ins Wohnzimmer, nachdem er sich satt gesehen hatte.
„Lass sehen!“, rief Gerda ungeduldig.
Er schlüpfte in die Stiefel und stolzierte ziemlich sicher auf den 6 Zentimeter- Absätzen zu seiner Tante. Dann drehte er sich vor ihr nach rechts und links, lächelte und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Danke für die Neuigkeiten acht bis zehn! Passt und sieht super stimmig aus!“
Dann ging er einen Schritt zurück, deutete einen Knicks an und sagte: „Zu ihren Diensten, Miss Gerda!“
Diese lachte und freute sich irgendwie ganzen Herzens mit ihm.
Die Perfektion der neuen Verwandlungsstufen überraschte sie positiv, dennoch konnte sie sich nicht zurückhalten ihn zu foppen: „Das mit dem Knicks musst du aber noch üben!“
„Okay!“
Er versucht einen weiteren Knicks, sagte dann aber selbstbewusst: „Lasst uns mit dem Bügeln beginnen, wir haben schon nach fünf.“
„Ich habe schon alles aufgebaut. Geh' ins Schlafzimmer, ist heute für den Anfang nicht allzu viel!“

Ralph ging allein rüber ins Schlafzimmer und war erfreut. Da stand nur ein kleiner Wäschekorb, ein Bügelbrett und ein Dampfbügeleisen und das alles direkt vor dem großen Schlafzimmerspiegel. Er würde sich bei der Arbeit beobachten können. Er schaltete das Bügeleisen an und legte los. Nach kurzer Zeit bemerkte der Spaß an dieser Arbeit steigt, wenn man es in diesem Outfit vor dem Spiegelbild macht. Es sah in der Tat so aus, wie eine Zofe aus dem letzten Jahrhundert, die freudig beschwingt ihre angestammte tägliche Arbeit machte.
Er bemerkte gar nicht, dass seine Tante in der Schlafzimmertür getreten war und ihm amüsiert zuschaute wie er sich mit der Wäsche abmühte. Sie konnte ein Lachen nicht unterdrücken, als er am Boden des Korbes einen Schlüpfer entdeckte und diesen verwundert auf dem Bügelbrett platzierte.
Grinsend bemerkte er sie und sagte: „Fast wie mein eigener, nur nicht aus Latex!“
Er strich ihn glatt und legte ihn zusammen, halt so, wie er meinte einen Schlüpfer zusammenlegen zu sollen. Sie beobachtete ihn, nahm die fertig gebügelte Wäsche: „Danke gut gemacht!“

„Das reicht für heute“, Sie nahm jetzt den Schlüpfer und legte diesen in ein Schubfach des großen Wäscheschrankes hinein. Über ihre Schultern konnte er einen Blick ergattern und sah neben den Korselett-Hosen eine große Sammlung von Bodyformern und BHs. Das erklärte mehr oder weniger warum seine Tante trotz der 33 Jahre mehr auf der Lebensuhr, immer noch so eine gute Körperform hatte. Er betrachtete ihre Silhouette von hinten mit einem freudigen Schauer. Ja, sie ist immer noch eine wunderschöne Frau. Ein bisschen kräftig, aber nicht zu viel und nicht zu wenig, mit einem wunderschönen großen knackigen Po und einer schönen Taille.

„Steh' hier nicht rum, du Träumerle. Räume das Bügeleisen und das Brett hinter den Schrank und dann komm' ins Wohnzimmer!“
Er erledigte dieses jedoch nicht ohne nochmals einen bewundernden Blick auf sein Spiegelbild zu werfen. Ralph konnte auch nicht widerstehen, den Rock ein wenig zu lupfen und seinen wohlgeformten Po mit ihrem eigenen zu vergleichen. Er strich sich erneut über den Schrittbereich und fühlte ein wunderschönes Prickeln.
‚Gar nicht so unsexy, trotz eingesperrtem Pimmel', dachte er.
Dann rubbelte er noch ein wenig und fasste für sich zusammen: ‚Was für zwei Hammerbräute! Sehen echt sexy aus wir beiden.'
Er unterbrach schnell sein Treiben ehe er es in einen nicht mehr kontrollierbaren Zustand abrutscht. Er fühlte sich einfach nur gut.
Ralph schloss die Tür des Schlafzimmers und löste damit, von ihm völlig unbemerkt, einen Taster aus, der die Kameraaufnahme hinter dem Spiegel stoppte.

„Was hast du vor?“, fragt er, als er das Wohnzimmer betrat und den Sessel mitten im Raum stehen sah.
„Setz' dich!“, fordert sie ihn auf. „Überraschung Nummer 10 wartet auf dich.“
Neugierig, aber auch ein wenig unsicher ob der Dinge die da kommen, setzte er sich.
„Reicht das nicht für heute? Nummer 8 der Schlüpfer sowie 9 und 10 die Busen, Tante Gerda?“
„Nein, nein, mein Schätzchen. Abgemacht waren 10 Dinge, und abgemacht ist abgemacht. Da muss mein Mädchen jetzt durch.“
Da wurde es ihm gewahr. Sie hatte ihn wieder weiblich angesprochen.
„Nichts Großes, glaub' mir. Du wirst es mögen“, sprach sie weiter, drückte ihn auf den Sessel, öffnete das Kleid ein wenig am Hals, und nahm die Hijab ab. Dann legte sie ihm einen weißen einfachen Frisörumhang um, und schloss diesen dicht am Hals.
„Was hast du vor?“, fragte er nun noch mehr verunsichert, aber ihm schwante was kommt: ‚Sie wird doch nicht wie beim Fasching...?'

„Lass' dich überraschen“, erwiderte sie. „Erstmal muss dein Bartflaum weg. Wann hast das das letzte Mal gemacht?“
„Schon ein Weilchen her, weißt ja, da wächst nicht viel.“
Sie trug gleichmäßig Rasierschaum auf sein Gesicht und massierte diesen sorgfältig ein. Das war ein angenehmes Gefühl. Und als er gewahr wurde, dass sie keinesfalls mit einem scharfen Rasiermesser, sondern mit einem ganz normalen Nassrasierer hantierte, begann er sich zu entspannen. Sie ging sehr vorsichtig vor und wiederholte die Prozedur ein zweites Mal, bis auch das letzte kleinste Härchen weg war. Er hatte die Augen geschlossen und genoss das anschließende Eincremen des ganzen Gesichtes vom Hals bis zur Stirn, welches einen seidenzarten Eindruck auf der Haut hinterließ. Da kein Spiegel in der Nähe war, konnte er auch nicht bemerken, dass dieses kein Aftershave war. Gerda trug ein 24h-Stay- Makeup auf und seine Haut schimmerte nun ebenmäßig in einem hellen Sandton.
„Kopf hinten anlegen!“
Er tat wie ihm geheißen und genoss sichtlich die bequeme kuschelige Haltung.
„Jetzt kann es ein wenig ziepen. Hier sind zwei drei Theo Weigel Haare in den Augenbrauen. Die müssen weg. Sieht ja aus wie ein Gestrüpp!“
Beide grinsten und sie nahm eine Pinzette und riss fünf sechs Härchen raus. Irgendwie war es Ralph schon klar, dass sie drauf und dran war, der Latexdienstmagd den letzten Schliff zu geben. Wegen des Hijabs war er vorher schon kaum noch als Mann zu erkennen gewesen. Und doch war es ihm schleierhaft, warum sie sich nun so viel Mühe gab. Er ließ sie jedoch ohne Murren gewähren und war auf das Ergebnis gespannt.

Als nächstes trug sie mit einem schmalen Pinsel eine Farbe auf die Augenbrauen auf und konturierte diese in einem schönen Bogen. Man sah sofort, sie verstand ihr Handwerk. Es gelang ihr gut, aus den für eine Frau etwas zu buschigen und zu umfangreichen Brauen einen weiblichen Bogen zu zaubern, ohne dass er am nächsten Tag befürchten müsste, auf die Veränderung angesprochen zu werden.
„Keine Angst. Abgeschminkt sieht keiner, dass wir da was gemacht haben“, beruhigte sie ihn.
Sie arbeitete hochkonzentriert weiter und ordnete und färbte die Wimpern. Nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, kramte sie in ihrem großen Maskenbildner-Arbeitskoffer und fand was sie suchte. Mit geschickten Händen trug sie Wimpernkleber auf und verlieh den Augenlidern was dramatisches, vielleicht eine kleine Spur zu lang, aber nicht übermäßig unnatürlich. Als sie mit Waterproof-Wimperntusche nachhalf und eine Smokey-Eye Umrandung zauberte, waren ausdrucksstarke Augen entstanden, die mit jeder Diva mithalten konnten. Danach trug sie ein leuchtentendes Rot mit einem Pinsel auf die Lippen auf, konturierte diese leicht runder als der natürliche Verlauf es vorgab, und unterstrich die Wirkung in der Mitte mit einem helleren Farbton. Zum Schluss versiegelte sie das kräftige Rot mit einem kussechten Lipgloss, der den Glanzeffekt nochmals verstärkte.
„Augen leicht zu und nicht blinzeln“, sagte sie, bevor sie mit einem Fixierspray das ganze Gesicht benetzte.
Sie schaute sich ihr Werk wie ein Künstler nochmal von drei Seiten an, und war mit sich zufrieden. Es war ein weibliches Gesicht mit ein einem Drang zur Dramatik entstanden.

„Voila“, rief sie. Und als sie ihm die Hijab wieder darüber gezogen hatte, sagte sie: „Das passt jetzt viel besser, und eine perfekte Raphaela ist entstanden!“ Sie war vergnügt, es tat gut nicht mehr allein zu sein.
Sie hauchte ihm einen Kuss auf die perfekten feuchten Lippen: „Ich könnte dich vernaschen! Wenn du magst, kannst du dich gleich im Bad bewundern. Aber nicht stundenlang, du musst schnell in die Küche. Abendbrot ist Dein Job, weißt ja bestimmt noch und ich…“, sie lächelte wieder neckisch mit dieser Mischung aus ‚faustdick-hinter-den-Ohren' und ‚love-to-be-different'.
„…und ich sitze wie immer Wohnzimmer rum und lass' mich bedienen.“
„Schon OK.“, knurrte Ralph, „Ich schufte und du faulenzt. Eine Frage habe ich noch.“
„Ja.“
„Du hast mich eben Raphaela genannt, ist das dein Ernst?“
„Schau in den Spiegel“, gab sie keck zurück, „und entscheide selbst.“

Während Ralph sich im Bad selbst bewunderte war Gerda gar nicht faul. Sie bereitete sie einen Brief vor und ließ eine SIM- Karte des Fotoapparates darin verschwinden. Beigelegt war ein Brief.

Lieber Paul,
schau Dir diese neuerlichen Probeaufnahme einmal an.
Was meinst Du? Ergibt das langsam eine gute Vorstellung für den roten Faden unseres Films. Ein ersten Entwurf des Drehbuches ist in Arbeit.
Vermisse Dich und liebe Grüße,
Deine Yvi


Ralph werkelte derweil mit viel Spaß in der Küche. Gefiel ihm der neue Name Raphaela, oder nicht. Er war nicht sicher. Ging das Spiel jetzt nicht ein bisschen zu weit? Musste das sein mit dem Frauennamen? Andererseits was soll‘s, wenn es Gerda Freude bereitet ihn so zu necken, soll sie doch. Bei dem jetzigen Outfit traf ja wohl doch eher weiblich und Raphaela als männlich und Ralph.

Später kam die Latexgestalt grazil aus der Küche mit zwei dekorierten vegetarischen Tellern und mit geschmorten Zucchini auf einer Extraplatte.
„Oh! du bist fertig! Schön sieht das aus. Das duftet richtig gut. Setz' dich zu mir.“
„Sehr wohl Miss Gerda.“
Gemeinsam saßen sie am Tisch und genossen weitgehend schweigend das Essen, Raphaela reichte zweimal Wein nach und auch das Apfelkompott mit Vanillesoße mundete hervorragend.
„Deine Kochkünste werden immer besser.“
„Ja ich bin noch nicht ganz aus der Übung und Spaß macht es auch.“
Neugierig fragte die Tante: „Hat dir das gefallen, was du im Spiegel gesehen hast?“
Ein breites Grinsen in seinem Gesicht verriet Gerda, sie hatte richtig gelegen mit den drei neuen Zutaten bodyformende Unterhose, Silkonbrüsten und Makeup. Was sie vor sich sah war eindeutig ein happy man oder vielmehr eine glückliche Raphaela.

„Ich weiß nicht genau, was es zu bedeuten hat,“ begann Raphaela beim Abräumen zu erzählen, „aber ich glaube du hast in mir was geweckt, was schon lange in mir schlummert.“
„So?“ fragte sie höflich und wartete liebevoll auf seine Selbsterkenntnis und weiteren Erläuterungen.
„Ich fühle mich eigenartig wohl bei dir…“, sie stutze kurz, rang nach Worten, „…irgendwie stimmig, verstehst was ich meine?“
„Erzähl!“
„Also wenn ich bei Dir bin, das Bad betrete und beginne mich umzuziehen, dann ist das irgendwie wie...“, er suchte nach dem richtigen Ausdruck, „…Ferien, Urlaub oder Pause. Ich vergesse alles was Ralph wichtig ist, was an täglichen Themen ansteht und genieße irgendwie das Anderssein.“
„Verstehe.“, Gerda nickte.
„Wenn man es genau nimmt, genieße ich nicht nur das Anderssein, ich bin wer anderes, ist das nicht ulkig?“
Die Tante schwieg und lies ihm Raum nachzudenken.
„Ich frage mich, ob ich vielleicht schizophren bin. Aber im Internet habe ich einige gefunden, die so sind wie ich. Man unterscheidet zwischen unterschiedlichsten Formen und am ehesten finde ich mich wieder in einer Kategorie, die gar nicht gut klingt.“
„In Kategorien denken, haben wir das nötig?“ fragte Gerda schulterzuckend.
„Nein eigentlich haben wir das nicht nötig.“ Stimmte Raphaela zu. „Die Psychologie ist da heute auch präziser als vor ein paar Jahren. Sie schreiben nicht mehr von einer Krankheit, sondern eher von einer Abweichung der sexuellen Präferenz.“
„So, so?“ flocht sie ein, um ihn zum Weiterreden zu animieren.
„Schwul wäre ich, wenn mich Männer antörnen würden. Das tun sie aber nicht, habe ich ausprobiert. Schwulenpornos lassen mich kalt. Andererseits Transgender bin ich auch nicht, da ich als Mann nicht darunter leide ein Mann zu sein. Irgendwie sehne ich mich nicht einmal danach, als Frau durch die Welt zu stolzieren. Sie ist irgendwie nur dann da, wenn du sie zum Leben erweckst. Also ich glaube das ist so ein Fetisch. Weißt wie auf dicke Busen oder lange Beine stehen. Was meinst du?“
„Gar nichts, ich habe schon lange aufgehört darüber nachzudenken. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.“, sie grinste altersweise.
„Was noch für Fetisch spricht, ist der Bezug zu Latex und der Bezug zu sexy Frauensachen, Schminke, Strumpfhosen und so.“
„Da hast du aber schon viel in dich hineingehört“ erwiderte sie.
„Und weißt du was das Beste daran ist?“
Sie zögerte, fragte dann aber doch: „Nein, was denn?“
„Ich finde es gut so, es gibt mehr Abwechslung und mehr Möglichkeiten!“
Jetzt schmunzelten beide und sie bestätigte: „Dann lass es doch wie es ist.“

„Heute bist du Tante Gerda noch ein Schritt weitergegangen, warum?“
„Mir war so und ich hatte da so ein Gefühl, ein bisschen mehr Perfektion brauchen wir noch für unser Spiel.“
„Du nennst es immer noch Spiel?“
„Wie sonst?“
„Spiel definitiv nicht...“, Raphaela zögerte, „...und so richtig schlau werde ich aus meiner Tante sowieso nicht. Es ist gerade mal ein halbes Jahr her und ich lande bei dir damals mehr durch Zufall. Weißt noch wegen Wohnungsknappheit und du warst gar nicht happy darüber, richtig?“
„Ja so ungefähr, mach weiter!“, forderte sie ihn auf.
„Dann fängst du irgendwas mit Strafen und Verkleidung an und steigerst dich Woche für Woche mehr und mehr rein. Verstehe ich nicht und kann es mir nur bruchstückhaft erklären.“
„Jetzt bin ich aber gespannt.“, Gerda beugte sich neugierig nach vorn.
„Mein Erklärungsversuch: Erstens du stehst darauf die Kontrolle zu haben und zweitens, wenn du die Kontrolle hast, dann probierst du immer wieder was Neues aus, ohne genau zu wissen, wohin du eigentlich willst. Du veränderst Situationen und Menschen und kitzelst irgendwie irgendwas heraus. Halt so als wenn du beim Theater oder Film arbeiten würdest oder Regisseur sogar wärest. Ok, ok sag nichts, bist ja wirklich beim Film und irgendwie machst du ja mit deiner Visagisten-Tätigkeit genau das. Und…“, er machte eine Pause, weil er nicht sicher war, ob er sie eventuell verletzten würde.
„Ja? Nur raus damit keine Scheu.“
„Du stehst selbst auch auf Gummi und Latex aus irgendeinem Grund.“
„Wenn das so wäre, dann wären wir ja so was wie Seelenverwandte, der Gedanke gefällt mir.“, erwiderte sie schnippisch.
„Und habe ich Recht?“
„Lieber Ralph“, so begann sie Sätze immer, wenn es Ernst wurde. War er zu weit gegangen? Nein sie lächelte noch immer freundlich: „So was fragt man eine Frau im mittleren Alters nicht.“

Sie tranken beide an ihren Gläsern Wein und schwiegen.
„Musst du heute noch weg?“
„Nein ich kann wieder bis morgen bleiben. Aber eine Frage hätte ich noch.“
„OK?“
„Woher hast du die Sachen, die ich jetzt gerade trage?“
Gerda dachte: ‚Verdammt gute Frage, was soll ich da jetzt machen‘, aber ließ sich nichts anmerken und grübelte. Da kam Ralph ihr schon zuvor: „Ok, du willst nicht drüber reden, musst du aber.“, er grinste schelmisch und ergänzte, „Kannst dir ja eine Ausrede einfallen lassen, während du mich fotografierst.“
„Möchtest du etwa Fotos als Andenken an den heutigen Abend? Gefällst du dir selbst so ausordentlich, dass du es festhalten willst?“
„Auf jeden Fall, ob ich je wieder in meinem Leben so gut aussehe wie heute, weiß ich doch nicht. Und du hast dir so viel Mühe gegeben.“, und er reichte ihr sein Handy.

Nach mehr als 20 Fotos, knipste sie noch zwei Bilder mit ihrem eigenen Handy. Erst dann fing Gerda von allein an, die vorhin gestellte Frage zu beantworten: „Also die Handschuhe und die Strümpfe sind ähm von …“, ihr war die Situation sichtlich unangenehm, dass sie zugeben musste, solche Dinge zu besitzen, „… von mir persönlich.“
„So so, hast du solche Wäschestücke schon lange?“ fragte er verschmitzt.
„Ja ziemlich, hast ja vorhin treffend bemerkt, ich stehe ein bisschen drauf.“
„Ein bisschen?“
Sie knuffte ihn leicht und antwortete ausweichend: „Ja ein bisschen aber auf jeden Fall nicht so dolle wie du.“
„Ok, ich hab‘s kapiert und die anderen Sachen, woher?“
„Teilweise gekauft und teilweise geliehen“, sie hoffte damit endlich Ruhe zu bekommen aber weit gefehlt.
„Wer verleiht denn so was?“, bohrte er nach.
„Also die eine Schürzen ist genau genommen neuerdings auch meine, trage ich selbst sehr gern, die ist praktisch und chic. Das Kleid habe ich nur für dich gekauft und den Unterrock später selbst hinzugefügt.“
„Danke sehr lieb von dir, muss doch ein Vermögen gekostet haben“
„Hat es nicht, kommt aus China von latexcatfish.com und hat Spaß gemacht, es erst zu durchdenken und dann zu tun.“ Sie trank einen weiteren Schluck, bevor sie fortfuhr: „Die Schuhe sind von einer Freundin, sie hat hunderte davon und dieselbe Schuhgröße wie du. Die Maske mit dem Hijab habe ich auch im Internet gesehen und Sebastian Gaucho aus den Niederlanden hat sie mir gemacht. Diese war schon deutlich teurer als das Kleid aber ich dachte, wenn ich dich von Kopf bis Fuß in Latex kleiden will, dann muss ich dieses Opfer bringen.“
„Die ist in der Tat sehr schön, DANKE“, lobte er sie, „Und du hast die auch schon getragen.“
„Nein, nicht mein Ding. Die neue Hose und die Silkonbrüste sind geliehen, muss ich bald zurückgeben.“
„Interessant, kennst du noch einen Mann, der auf Verkleiden steht? Und der verleiht seine Klamotten?“
Gerda war überrascht über diese intelligente Frage und wusste nicht, ob sie die Wahrheit sagen sollte oder ausweichen. Sie entschied sich für einen Mittelweg: „Sagen wir mal so, ich kenne einen Jemand, nicht männlich nicht weiblich, der oder die hat fast alles, weil der oder die reich ist. Wenn ich diese Person um was bitte, dann überlegt es nicht lange rum, gibt es mir einfach. Zur Not kauft der oder die es und leiht es mir.“
„Ein heimlicher reicher Liebhaber?“
Langsam wurde ihr diese Raphaela unheimlich, der Junge ist verdammt intelligent und kitzelt wie ein Anwalt die Wahrheit raus.
„Lassen wir es dabei und gut ist.“
„Juhu ich habe ins Schwarze getroffen…“, triumphierte Raphaela, „Tantchen hat einen Liebhaber.“

„Sonst noch was?“, fragte Gerda schnippisch und schaute bewusst desinteressiert auf die eben geschossenen Fotos auf dem Handy.
„Ja eine Frage habe ich noch.“
„Noch eine? Ok, Raus damit, ist aber die letzte!“
„Kennst Du jemanden, der mir einen Job anbieten könnte? Die Osterferien sind noch 3 ½ Wochen lang und ich bin richtig schön pleite.“
Gerda war nicht überrascht. Sie wusste, dass die Familie in Garmisch nicht im Geld schwamm. Noch dazu war ihr Neffe nicht der Typ, der daheim sich aushalten lässt oder um Geld bettelt. Sie überlegte angestrengt, kam aber nur auf eine Idee, die sie ernsthaft angehen könnte.
„Lass mich mal telefonieren, Tagesschau haben wir mit unserem Geplauder eh verpasst. Du räumst jetzt mal den Tisch ab und machst den Abwasch, das ist schließlich dein Job.“
„Stimmt Miss Gerda.“, bestätigte Raphaela und ging in die Küche.

Als Raphaela eine Viertelstunde später wieder ins Wohnzimmer zurückkam, saß die Tante auf dem Sofa und war in den Gedanken versunken. Sie trat vor Gerda und beobachtete sie wortlos. Sie schaute ihn an und ihr Blick verriet, sie war noch immer begeistert von dem, was sie geschaffen hatte. Ein bildhübsches Mädchen von Kopf bis Fuß in Latex und noch dazu perfekt geschminkt.
„Schwitzt Du nicht?“
„Es geht, ich würde es gern noch einen Augenblick anbehalten, darf ich?“
„Musst Du nicht lernen?“
„Nein, weißt doch noch 3 ½ Wochen Ferien.“
„Stimmt, wegen des möglichen Jobs warte ich noch auf Rückruf, ich melde mich, wenn ich mehr weiß.“

Raphaela stand nach wie vor regungslos vor dem Sofa und musterte Gerda. Er hatte den gleichen Gedanken wie im Schlafzimmer: ‚Was für eine Schönheit das Tantchen doch ist.‘
Sie erwiderte seinen Blick und beide schwiegen.
„Lass mich mal die Hose mit den Polstern unter dem Rock ansehen! Die hast du im Bad angezogen, ohne dass ich je die Chance bekam, zu schauen wie gut es funktioniert.“
Sie hob den kompletten Rock bis zur Hüfte und drehte sich vor ihr im Kreis und ließ sich bewundern. Gerda wunderte sich sichtlich, wie gut die Hose weibliche Proportionen bildete und konnte nun nachvollziehen, warum solche Bodyformer bei specialtrade.de so viel Geld kosten. Dann bat sie ihn zum Sofa zu kommen, band die weiße Rüschenschürze ab.
„Setz dich mal auf die Vorderkante des Polsters!“, forderte sie und drapierte den hinteren Teil des Kleides weit nach hinten bis zur Lehne hinauf, „Jetzt Zurücklehnen!“.
Der Neffe saß bequem. Der Rücken war umrandet vom weiten Rockteil in schwarzem Latex mit weißer Spitze, der Kopf ruhte in diesem Meer aus Latex. Raphaela entspannte sich ein wenig nach dem ereignisreichen Nachmittag mit Dressing, Bügeln und Kochen. Ihre Unterschenkel wurden von Gerda auf einem Hocker hochgelegt: „Damit Deine Füße mal zur Ruhe kommen, läuft aber echt gut mit den hohen Absätzen.“.
„Darf ich die Stiefel ausziehen“, fragte Raphaela hoffnungsvoll.
„Nein!“, erwiderte Gerda bestimmend aber begann stattdessen seine verspannten Waden zu massieren.
„Das tut gut, Danke.“
Anschließend schob sie den vorderen Rockteil weiter nach oben und massierte auch die Knie liebevoll. Seine Arme verschränkte er unter der üppigen Brust und Gerda betrachtete ihn wohlwollend, wie er so entspannt und glücklich da lag. Sie zückte erneut ihr Handy und fotografierte Details, die neue Hose, der neuem Busen und das schön geschminkte Gesicht. Der Neffe, oder vielmehr jetzt die Nichte beobachtete das Treiben, ließ es geschehen und träumte vor sich hin.
„Perfekt und zum Anbeißen!“
„Ich weiß,“ konterte Raphaela, „du hast es halt drauf.“
Sie reichte ihm sein Glas Wein, sie stießen an und Gerda setzte sich rechts von ihm und trug frischen Lipgloss auf, bevor sie ein paar letzte Nahaufnahmen vom Gesicht machte. Dann flüsterte sie ihm ins Ohr: „Danke für Deinen Besuch.“ und lächelte wie ein freudiges Kind am Heiligen Abend. „Du bist wunderbar und wunderschön.“
Er wendete langsam den Kopf ihr zu und gab ihr einen freundschaftlichen Kuss auf den Mund, den sie kurz erwiderte.

„Mach mal die Augen zu.“, forderte Gerda ihn auf.
„Warum?“
„Ich will meine Hose ausziehen.“
Er dachte kurz nach und erinnerte sich ihrer Begegnung im November: „Hast du wieder eine Leggins an?“
„Augen zu!“, forderte sie, „lass dich überraschen.“
Er tat ihr den Gefallen.

Gerda knöpfte ihre hochgeschlossene Seidenbluse auf und entledigte sich auch schnell ihrer Hose. Sie trug einen roten Latexoverall mit schwarzem Korsett. Das folgende Geräusch kannte er schon, es ließ ihn freudig erschaudern. Geräuschvoll zog die Tante sich schwarze Latexhandschuhe über, immer schön bedacht, dass es laute Quietschgeräusche ergab. Sie stellte sich mit dem Rücken zu dem Mädchen, welchen erwartungsvoll und bewegungslos auf der Couch lag.

„Jetzt Augen auf.“, befahl Gerda mit gebieterischem Ton.
Raphaela blinzelte und ihre Lieder mit langen Wimpern öffneten sich langsam. Das was sie sah war unerwartet, sie riss die Augen weit auf, wie von der Tarantel gestochen. Mit dem Makeup war es ein Mädchenblick voller Erstaunen, voller Ungläubigkeit gegenüber dem, was sie sah. Große staunende Mädchenaugen blickten wie gefesselt auf einen runden dicken roten Arsch. Wie die Maus vor der Schlange konnte Raphaela den Blick nicht abwenden. Langsam drehte sich Gerda um, ganz bedacht, sie wollte eine Show bieten, das hatte sie sich fest vorgenommen. Der Blick des Mädchens wanderte unruhig hoch und runter über den glänzend roten Körper, verharrte bei der gut geschnürten Taille und gewahr die Latexhandschuhe. In der linken Hand war das Handy und hielt in einem kleinen Film ihr Erstaunen fest. Die runden Kulleraugen mit den schönen langen Wimpern kullerten noch mehr, als diese entdeckten, dass Gerda in der rechten Hand einen schwarzen Gürtel hielt. Man konnte es wahrhaftig dem Blick ansehen, wie sie angstvoll erstarrte. Der Effekt war nicht zu leugnen, hier stand leicht breitbeinig eine echte Mistress Gerda vor dem Latexgirl. Gerda genoss die Sekunden und dehnte den Moment der Erkenntnis bis zur Gewissheit. Sie wartete bis zu dem Moment, da sie Gewissheit in im Blick ihres Neffen sah, dass er wusste, das war hier kein Spiel mehr.

„Glaubst du“, donnerte Gerdas viel zu laute Stimme, „dass ich sieben Wochen ohne Anruf ungestraft verstreichen lass?“
Sie ließ den zusammengefalteten Gürtel an ihrem Bein nach unten entfalten, behielt die Schnalle fest in der Faust. Dann bewegte sie die Hand unmerklich und das Lederband peitschte leicht gegen ihren Unterschenkel.
Raphaelas Mund stand ungläubig offen. Sie konnte den Blick von der roten Gestalt und dem Riemen nicht abwenden. Dann schluckte sie hörbar den Speichel runder und röchelte: „Miss Gerda…“, dem Neffen fehlten die Worte, es dauerte viele Sekunden ehe er den Satz fortsetzte, „…es tut mir Leid.

„Schließ die Augen!“, wies Gerda an.
Dann setzte sie sich breitbeinig auf den Schoß des verängstigten Mädchens und näherte sich deren Gesicht. Bei diesem zweiten Freundschaftskuss des Abends änderte sie die Strategie, sie öffnete leicht ihre Lippen, offensichtlich nicht gewillt, die Liebkosungen so schnell zu beenden. Sie hauchte ihm ein: „hab dich lieb“ zu, ehe sie sich nahm was sie brauchte. Fest umschlungen knutschte sie Raphaela voller Inbrunst. Er ließ es zunächst einfach nur geschehen, die Bilder von Miss Gerda waren im Kopf verankert. Dann schaffte es die fordernde Zunge der Mistress, dass er aktiver wurde. Er spielte mit und versank für Sekunden im Meer der widersprüchlichen Gefühle.
„Vertrau mir“, flüstere die Tante, löste sich erst nach Minuten aus der Umarmung, „jetzt kannst du die Augen wieder öffnen.“

Sie ließ ihn noch ein bisschen glotzen. Dann nahm sie behutsam und andächtig den vorderen Rock vom Kleid aus seinem Schoß. Sie zog diesen immer weiter nach oben über die verschränkten Arme, über die Brust. Dann faltete sie das schwarze Latexkleid über den Kopf und küsste den Mund von Raphaela mit einer Latexschicht zwischen ihren Lippen. Sie spürte sofort, das war eine gute Idee. Die linke Hand fuhren zärtlich über das gummierte Mädchengesicht. Der Mund öffnete sich und Gerda drang liebevoll mit dem Zeigefinger ein. Ein kräftiges Nuckeln und Saugen von Raphaela verriet ihr, sie war richtig unterwegs.
„Vertrau mir.“ flüsterte sie erneute.
„mmmaaach iiiiich“, kam verzerrt die Antwort aus dem verhüllten Latexkopf.
Für den nächsten Schritt benutzte Gerda den Ledergürtel. Sie raffte sich alle Rockensäume, die von der Lehne, die vor dem Gesicht und die seitlichen und stopfte sie zu einem Bündel zusammen. Das Gebilde sah aus wie ein Bonbon. Das Ledergürtel wurde mehrmals Mal drumgewickelt und dann schloss Gerda die Schnalle straff beim letzten möglichen Loch. Es war ein luftdichter Kokon entstanden. Gerda küsste erneut zärtlich den Latexmund unter diesem Latexgefängnis. Sie überprüfte die Reaktionen von Raphaela, hoffte auf Wohlgefallen und wartete.
Ein leichtes Stöhnen von Raphaela quittierte es erfreulicher Weise. Jetzt war Gerda dran auch sich selbst zu bedenken. Sie angelte sich die achtlos hingeworfene weiße Küchenschürze, warf sie über und schloss die Schleife hinter ihrem Rücken. Dann öffnete sie, sicher dass ihr Neffe sie nicht mehr beobachten kann, den Schrittreißverschluss des Catsuite. Ein wenig außer Contenance, stopfte sie hastig das Unterteil der Schürze mit den schönen Rüschen vorn in ihren Schlitz. Das noch kühle Latex ließ sie kurz erschaudern und innehalten. Kurz darauf war der Temperaturunterschied vergessen, es tat ihr sichtlich gut. Was man daran erkennen konnte, dass sie heftig begann mit der einen Hand ihren Schritt zu massieren. Mit der anderen Hand liebkoste sie weiterhin Raphaelas Lippen, steckte auch mal zwei Finger in den Lutschemund. Dann wanderte die Linke nach unten. Zunächst berührte sie den Busen des Mädchens, um schließlich weiter zu wandern und im Schritt zu verweilen. Sie drückte und rubbelte vorn und zwischen den Beinen sehr heftig, dort wo Ralphs Penis und Hoden gefangen waren.

„Uuuummmmppp“ kam kaum hörbar aus dem Kokon und der Atem wurde lauter und schneller. Das spornte sie an, schneller voran zu schreiten. Sie zog geschickt Raphaelas neue Polsterhose unter dem Korsett hervor, streifte sie nach unten bis auf die Oberschenkel. Gerda griff beherzt zwischen die Beine und fummelte den nass geschwitzten eingesperrten Penis in die Freiheit. Oh wie der sich freute und sofort begann Blut hineinzupumpen. Er richtete sich dank der gewonnenen Freiräume schnell auf. Auch Gerdas Atem wurde lebhafter. Sie klettert vom Schoß, kniete sich vor ihm hin. Genüsslich roch sie an seinem Schritt und sog den Mix aus Latex, Schweiß und Männlichkeit in sich auf. Dann küsste sie den Bauch, den Schaft, die Hoden und liebkoste jede Stelle mit großer Intensität. Weiterhin verwöhnte die linke Hand seine Lippen und die Zunge durch das Latexkokon.
Aber auch sie kam nicht zu kurz. Ihre Hand war in den Catsuite gewandert und ihre weit geöffnete Grotte war bereit für mehr. Gerda stopfte wie von Sinnen die Schürze mit seinen Rüschen hinein. Mehr, mehr, mehr, war ihr Ziel und je mehr sie davon unterbringen konnte, desto wilder wurde sie.
Stopfen, Rubbeln, Spielen an seinen Lippen, mit Fingern in den Mund eindringen und – sie konnte gar nicht mehr anders – diesen wunderschönen aufrechten Penis in den Mund einsaugen. Gerda war nicht mehr zu bändigen. Eine bedingungslose Lust überkam sie, so dass kein Einhalten mehr möglich war. Sie drückte ihren Kopf mit voller Absicht immer tiefer, bis die Eichel in ihren Hals eindrang, dann noch tiefer, bis sie mit den Lippen die Schwanzwurzel erreichte. Das Gewühl so tief genommen zu werden, überrannte sie mit einem letzten Schauer. Sie drückte das letzte Stück Schürze auch noch in ihre weite heiße Grotte und rubbelte gleichzeitig auf Ihrer Klitoris als gebe es kein Morgen. Dann begann der Orgasmus. Wie ein Donnerschlag überrollte er sie, heftiger als erwartet. Sie zuckte und verkrampfte dermaßen hart und rhythmisch, dass der Penis mehrmals in Ihrem Rachen ein und aus drang. Das war dann auch zu viel Stimulation für Ralph, er entlud sich mit voller Kraft mitten in Ihrem Mund.

Auch nach einer Minute zitterte Gerda noch am ganzen Leib - war aber dann geistig gegenwärtig genug, schnell den Gürtel oberhalb seines Kopfes zu öffnen. Eine keuchende nach Luft schnappende Raphaela kam zum Vorschein.
Gerda wartete, bis beider Atem sich beruhigte. Erst dann drehte sie seinen völlig verschwitzten und verschmierten Kopf langsam zu sich: „Danke“, flüsterte sie, und gab ihm einen langen Zungenkuss.
„Den Dank gebe ich gern zurück, aber“, flüsterte Ralph immer noch im siebten Himmel und fügte verwirrt hinzu: „Du schmeckst jetzt irgendwie salzig.“
„Das kann schon sein, ist von dir.“


40. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Nordlaender am 22.05.21 14:41

Hallo K2,

wieder ein klasse Teil.

Ich konnte mich wunderbar in Ralph/Raphaela rein versetzen.
Die ganze Geschichte ist sehr stimmig.

Ich denke, erwarte, vermute, dass die Aktivitäten sich nicht mehr lange nur auf die Wohnung vom Tantchen beschränken werden, oder?

Auf jeden Fall freue ich mich jetzt schon auf deine nächste Fortsetzung.
41. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 23.05.21 15:11

Hallo K2,

Eine super geile Geschichte!

Bin echt gespant was Tantchen noch so schönes vor hat!
42. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 23.05.21 22:17

Super Teil was du hier abgeliefert hast. bin gespannt die so liebe TANTE das ganze noch heben wird und wie weit er noch in die Rolle der Raphaela Aufgehen wird. Mach weiter so !!!!
43. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von tatiana.m am 26.05.21 12:26

Hallo K2, liebe Gemeinde,

hmmm, sooo schön!

Einfach toll. Ganz vielen Dank K2.

Hab schon so lange keine Geschichte mehr kommentiert. Hier muss ich einfach. Gleichzeitig ein bissl Gesellschaftskritik üben.
Och nöö muss denn das hier auch noch sein?
Ja!
Warum?
Wegen dem Inhalt der Geschichte. (dativ) Wir lesen, dass es doch Menschen gibt, welche sich diese Situation wünschen. Wären diese Menschen schlechter, wenn sie es ausleben würden?
Nö!
Hätten sie Nachteile im familiären und beruflichen Umfeld?
Jaaaa! Und das nervt mich.
Gesetzlich ist vorgeschrieben, das eine Stellenausschreibung für m/w/d/q/+ erfolgen muss. Dann mal los. Du kommst am Pförtnerhund nicht vorbei, wenn du nicht die allgemein gültige Uniform anhast.
Benimmregeln sagen die dann.... Pfft. Engstirnig sag ich!

So lange in den Köpfen die Schranken sind, kann ich die Sprache ändern, Gesetze und was sonst noch, es wird ausgegrenzt.

Jeder einzelne von uns hat Wünsche. Gleich welche. Ihr wisst was ich meine. Wo die Knie weich werden, sich eine wohlige Wärme ausbreitet, die Nippel hart und die Lippen feucht werden.....
Warum dürfen wir alle nich so leben, wie wir gern möchten? Was spricht dagegen, wenn die Verkäuferin im Karstadt (jeder andere Unternehmensname) einem "Mann" in der Damenabteilung vernünftig berät?
Oder ich vor einem Geschäft angeleint werde?
Nix.
Und doch gibt es unheimliche Verwicklungen. Es ist schlimmer eine Pämpie in der Öffentlichkeit zu tragen, als eine Abfolge KiPo Bilder zu versenden. Stichwort Metzelder.
Wir haben sicher manch eigenwillige Phantasie. Die gibt es auch bei vermeintlich "normalen" Menschen.
Ich will mein Leben nicht damit verschwenden nach einem Schema zu leben. Ich will leben! Und alle anderen sollen das ebenso!
Wir sind keine Exoten. Wir sind Menschen. Nicht fürs Album fotografieren, sondern mit uns unterhalten. Was spricht dagegen, wenn meine Herrin in einem Cafe mit ihrer Freundin sitzt, ich eine Wasserschüssel hingestellt bekomme? Hunde bekommen das ungefragt. Ich werde weggejagt.

Der wichtigste Satz steht im Profil von K2: "Bleib neugierig!"

Akzeptiert alle so wie sie sind dann klappt es auch mit einem Miteinander. Bitte!

Euch allen eine wunderschöne Zeit.
mit devoten Grüßen
Euer Miststück
44. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Latexbrummbär am 26.05.21 22:42

Vielen dank tatiana.m für diese Worte, Du hast absolut Recht und mit Sicherheit hier vielen aus der Seele gesprochen!
45. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 27.05.21 00:32

Hallo tatiana.m,

weder deine Urenkel, noch ihre Urenkel, werden so leben können, wie sie wollen.
Das hat unter anderem mit einem sehr kleinen Staat in Italien zutuen.
Solange der Vatikanstaat alles verteufelt, was nicht in ihre Religion passt, wird das nicht akzeptiert.
Gut, andere Sachen werden stillschweigend hingenommen. Aber ein Mann ist ein Mann und darf nur eine Frau lieben, wenn sich ein Mann als Frau fühlt, oder umgedreht; SATAN WEICHE VON IHM!

Ich sage mal 99% der 'Gesellschaftlichen Normen', die unbedingt eingehalten werden müssen, wurden vor hundeten von Jahren von der Kath. Kirche verabschiedet.
Und das aus den Köpfen heraus zubekommen, dauert noch mal hundete von Jahren.

Meine Meinung,
Ring frei zur Debatte darum!

LG
Toree
46. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 30.05.21 23:04

@ Nordlaender
Deine Vermutung ist richtig, die Aktivitäten bleiben nicht auf Gerdas Wohnung beschränkt aber bis Seite 300 auf München und erst im Prolog wird Bayern verlassen.
Bleib neugierig.

@ develdom
Danke für Dein Lob.
Bleib neugierig.

@ Erin
Dein Ausdruck "die liebe Tante" mag schon jetzt nicht ganz stimmen, ein bisschen geheimnisvoll ist sie schon, ODER?
Bleib neugierig

@ tatina.m
ich stimme dir weitgehend zu, zumindest in dem Teil, den ich von Deinen philosophischen Ansätzen mit meinem Spatzenhirn folgen kann (70%). Ich fasse es mal so zusammen: "soll doch einjeder so leben, wie er mag und glücklich werden - solange er keinem anderen einen Schaden zufügt - alles gut." Toranz ist wichtig und wird leider in der Gesellschaft noch nicht so richtig gelebt. War aber auch schon schlimmer.
Blein neugierig und philosophisch, ich mag das.

@ Latexbrummbär
es scheint, du hast 100% von tatinas Anmerkungen verstanden. Ich bin beeindruckt.
Bleib neugierig und auch mir gewogen.

@ Toree
Deine Gesellschaftskritik an der etwas veralteten Kirche teile ich weitestgehend. Fasse es aber ein wenig kürzer zusammen: "Als die Menschheit noch kein Radio, Fernsehen und Internet hatte, war der Pope von der Kanzel der ERKLÄRBÄR und hatte die Deutungshoheit. Das ist jetzt glücklicherweise überwunden."
Blein fröhlich und neugierig.
47. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 30.05.21 23:34

pünktlich (oder fast pünktlich) zum sechten Wochenende der sechte Teil der Geschichte.
Ich FEUE mich immer auf Eure Anmerkungen und Kommentare. Jeder Hinweis, jede Kritik und jeder Fehlerfindung willkommen.
Hilft mir ungemein, beim Besserwerden in der Geschichte zwei, die ich gerade schreibe.
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Anmerkung: Ein wenig glücklich bin ich über die >30.000 Lesungen schon.
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Scheint so, dass mein Erstlingswerk in die dritte Liga aufgestiegen ist.
Freu, freu, freu, ....

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Kapitel #6 *** Andrea

„Ich heiße Andrea bin 19 Jahre alt und vom Sternzeichen Stier.“, sie stoppte die Laptop-Kamera und ärgerte sich über den neuerlichen Fehlversuch. Das Training für die Universität lief noch nicht rund. Das mit dem Sternzeichen geht schief, entschied sie und startete neu.

„Ich heiße Andrea bin 19 Jahre alt, noch und ich werde in einem Monat 20. Daher bin ich vom Sternbild Stier oder besser als Frau natürlich Stierin. Das charakterisiert mich ganz gut, immer mutig voran. Bevor ich mit meinem Referat beginne, möchte ich kurz ein paar Worte zu mir sagen. Ich komme aus Ettal, ein schönes Dorf in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen und ich liebe die Berge. Daher sind auch meine liebsten Freizeitbeschäftigungen alle in den Alpen. Ich bin selbst begeisterte Skifahrerin und seit drei Jahren Trainerin im Skiverein für die Altersgruppe bis 8 Jahre. Im Sommer organisiere ich im Alpenverein Ettal Wandertouren für Familien und Schulklassen. Diese Arbeit mit Kindern führte dann auch zu meinem Berufswunsch Pädagogin und so studiere ich an der LMU seit September letzten Jahres.
Ich freue mich ihnen heute mein erstes Referat präsentieren zu dürfen und bedanke mich schon mal für ihre Teilnahme und Zuhören. Dass Thema heute, was sich vorbereiten durfte, heißt:
Inklusion ist technisch leichter als die interpersonelle Umsetzung.
Beginnen möchte ich mit den umfangreichen Erfahrungen, die ich in Ettal und in der Schule in Garmisch machen konnte. Wir hatten zwei Problemfälle die gut passen zum Thema, denke ich. Da waren Yasinn und Najmah in unserem Jahrgang mit dem gleichen - ähm nein richtig heißt es mit demselben - Vater aber verschiedenen Müttern. Das war schon schwierig zu inkludieren. Das Thema wurde überall getratscht aber nie so richtig von den Lehrern angesprochen und einfach laufen gelassen. Das würde ich als Lehrer anders machen. Ich meine wir sind in Bayern ein modernes Land und können damit Leben, dass die Vielehe eines muslimischen Mitbürgers ja irgendwie auch ok ist, oder. Später werde ich erläutern, was man da alles besser machen könnte. Das zweite Thema für ständige Diskussionen an der Schule war Constantine. Sie war bis zur zehnten ganz normal und in Oberammergau in der Schule, dann wechselte sie zu uns aber die Probleme blieben. Bei ihr kommt alles zusammen, was es so geben kann, das beste Beispiel für die These Inklusion ist wichtig. Ihre Eltern sind geschieden, sie lebt mal beim Vater, mal bei der Mutter und beides ist nicht gut für sie. Die Schule hätte das auffangen müssen, war aber keine Hilfe und so rutschte sie immer weiter ab. Die Schulnoten gingen den Bach runter. Irgendwie muss es uns als Lehrer doch gelingen auch solch schwierigen Schicksale in den normalen Schulbetrieb zu inkludieren. Ihr Schicksal kommt nicht alle Tage vor aber genau wie Inklusion von einem Schüler / einer Schülerin mit Hörgerät oder einem Schüler / einer Schülerin mit Rollstuhl sollten wir so was heute doch auch hinbekommen. Constantines Papa hat sich, als sie 15 war, einfach so neu verliebt und lebt jetzt mit einem Mann zusammen. Die Mutter hat das nicht verkraftet und ist jetzt so richtig männerfeindlich und kämpft überall übertrieben feministisch. Auch im Elternbeirat der Schule, da geht es ab, da hat sie riesen Aktionen gestartet, um den alten Rektor gegen eine Schulleiterin auszutauschen. Constantine hat das ganze Theater aus der Bahn geworfen und sie protestiert jetzt mit ihren Mitteln. Montag, Mittwoch und Freitag kommt sie als Mädchen zur Schule aufgedonnert wie ein Modell oder schlimmer wie eine Prostituierte mit Minirock und so. Dienstag und Donnerstag ist sie Constantin ohne „e“ am Ende und gibt den männlichen Rocker. Die Schule war machtlos und hatte keine Lösung. Dann der idiotische Schritt mit dem Schulwechsel nach Garmisch, als ob das was ändern würde. Die Inklusion scheiterte kolossal und die MitschülerInnen waren verwirrt, das Lehrerkollegium lost. Eins muss ich noch loswerden, bevor ich auf Lösungsmöglichkeiten für diese Inklusion eingehe. Constantine mit „e“ am Ende - also an ihren Mädchentagen – war sie nicht unterrichtbar. Sie störte den Unterricht nicht aber gefiel sich in der Benotung fünf minus bis sechs und das in allen Fächern und schriftlich und mündlich. An den Tagen im Rockeroutfit war sie brillant mit Einser und Zweier und rundum vorbildlichem Verhalten.
An diesen beiden Beispielen möchte ich das Thema des Referats „Inklusion ist technisch leichter als die interpersonelle Umsetzung.“ mit Lösungen für eine moderne Schulführung bereichern.
Zur Inklusion von Kindern aus Vielehen folgende These #1:
„Monogamie ist eine veraltete christlich geprägte Lebensform, die Gesellschaften durch moderne LehrerInnen überwinden müssen.“
Zur Inklusion von Scheidungskindern mit leichten Persönlichkeitsstörungen die These #2:
„multiple Persönlichkeitsstörung ist eine ganz normale Behinderung.“
Lassen sie uns zunächst die These #1…. bla, bla, bla.“

Andrea drückte die Stopptaste und lehnte sich zufrieden zurück. Dann startete sie die Aufnahme von vorn und analysierte ihre Readyness anhand des Trainingsfilm.
Ihr Gesichtseindruck zeigte Fröhlichkeit und Zufriedenheit. Andrea war zufrieden mit ihrer Performance. Nach dem Schluss bla, bla, bla wurden alle Folien gesichtet und von ihr für gut befunden. Das war ganz offensichtlich, dass am Ende des ersten Semesters diese Studentin viel Zeit in die Arbeit gesteckt hatte. Und so wie sie jetzt lächelte, war Andrea sich ganz sicher, das wird morgen gut und mit einer herausragenden Note belohnt.
Demonstrativ klappte sie um vier Uhr nachmittags das Laptop zu und sprach: „Fertig, Feierabend liebe Andrea. Morgen um acht wuppe ich den Laden und dann sind Ferien.“ Sie holte sich einen Kaffee.

Gelangweilt saß sie im Sessel und schlürfte an ihrer Tasse. Sie verknotete die Beine zum Schneidersitz und verbummelte die Zeit lustlos am Handy. Nach ein paar belanglosen Internetartikeln schaute sie alte Fotos an. Sie blätterte schnell durch, lächelte, lachte und runzelte die Stirn, offensichtlich eine bunte Mischung, die da auf dem Handy gesammelt waren. Dann stutzte sie plötzlich bei Bildern, die vor sieben Wochen geschossen wurden. Sie verweilte überraschend lange auf den Faschingsfotos. Ihr Blick wurde starr, der Daumen lag seit Minuten bewegungslos, ein Bild hatte sie gefesselt. Zunehmend nahm ihr Gesicht einen traurigen Zug an und auch die Körperhaltung veränderte sich. Die Schultern fielen nach unten und sie sackte zusammen. Dann kullerte eine Träne aus dem Auge.
Wenig später schluchzte sie laut, von der Erinnerung an den Abend mit Ralph emotional aus dem Gleichgewicht gerissen. Ein Häufchen Elend saß da allein vor einem Bild und schaukelte sich rein in ihren Jugendkummer.
Das dauerte eine Weile und ein Gedanke setzte sich in ihrem Kopf mehr und mehr fest: ‚Ich vermisse ihn!‘

*****

Am Donnerstagnachmittag gegen fünf klingelte bei der Tante das Telefon. Das war ungewöhnlich. Sie überlegte, ob es Ralph sein könnte, dass er vielleicht anruft um zu sagen, dass er heute an ihrem letzten Abend nicht kommt. Diesen Gedanken mochte sie nicht. Dann entspannte sie sich sogleich, als sie eine weibliche Stimme vernahm.
„Hallo Frau Gerda, ich bin es Andrea.“
Sie erwiderte distanziert:
„Ich bin überrascht, was gibt’s?“
Zurückhaltend begann Andrea zu reden: „Sie wissen sicher schon, dass wir uns getrennt haben - Ralph und ich sind kein Paar mehr, oder?“
Gerda schwieg.
„Und ich habe festgestellt…“, der Redefluss stockte, „…dass ich einen Fehler gemacht habe. Irgendwie habe ich es verbockt.“
„So, so?“
„Es gibt da Dinge, die ich getan habe, die ich gerne wieder gut machen möchte.“
Man hörte am Klang der Stimme die Verzweiflung, die an ihr nagte.

„Und was genau, habe ich damit zu tun?“ fragte Gerda bewusst schroff.
Andrea schluchzte leise und sammelte sich: „Vielleicht haben sie eine Idee, wie ich das wieder geradebiegen kann.“
Ein längeres Schweigen trat ein. Das junge Mädchen ahnten bereits, dass die andere Frau mehr oder weniger alle Einzelheiten wusste.
„Ich denke mal drüber nach und melde mich dann. Jetzt habe ich ja ihre Nummer auf dem Display.“, beendete Gerda das Telefonat und legte sofort auf, noch bevor Andrea Danke sagen konnte. Sie wollte Andrea ein wenig zappeln lassen und außerdem hatte sie parallel eine wichtige Mail erreicht.

*****

Liebe Yvi,
ich habe alle Bilder, auch die von gestern und die Filmmitschnitte mal gesichtet. Nicht schlecht, vor allem die neue Hose, die ich Dir für den Jüngling geschickt habe, passt wie angegossen und rundet das Bild wunderschön ab. Jetzt ist er vorn platt wie eine Flunder. Anbei ein erster Zusammenschnitt der Schlafzimmerszene aus dem November, passt von der Qualität und müssen wir nicht nochmal drehen.
Deine Notizen für ein erstes Drehbuch sind von der Story auch halbwegs stimmig. Aber ich denke, da bist Du keine Meisterin. Darf ich eine gute Freundin von früher fragen, sich dieser Sache professionell anzunehmen?
Auch geistert mir im Kopf rum, ob wir nicht neben dem 19-jährigen Jungen und dessen Tante noch weitere Darsteller brauchen. Hast Du eine Idee?
Dein Paul
P.S. …ich denke an Dich…



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Gerda hatte sich entschlossen, noch eine Stunde zu warten und erst dann zurückzurufen: „Hallo Andrea!“
„Ja, Frau Gerda, schön, dass sie sich melden.“
„Bin mir nicht sicher, ob sie das gleich noch so sehen.“ entgegnete Gerda.
„Doch, doch! Jede Hilfe ist mir recht. Ich will das irgendwie wieder gut machen mit Ralph. Weiß nur allein nicht wie.“, plapperte sie hoffnungsvoll los.
„Ok, dir ist es ernst. Wie ernst und wie weit Du bereit bist, dafür zu gehen, werden wir gleich herausfinden.“ erwiderte sie mit dominanter Stimme und auf DU wechselnd. „Was weißt du über Ralph, nachdem du auf seinem Laptop rumgestöbert hast?“
Das war ziemlich direkt und völlig unerwartet für Andrea.
Sie schluckte. Wusste Gerda wirklich alles über die Trennung? Es war ihr unangenehm, dennoch legte sie nicht auf.
„Ich glaube“, begann sie zögerlich, „ich weiß jetzt viel darüber wie er tickt, meine ich“.
„Und, wie tickt er?“ der barsche Ton war beabsichtigt, „ich habe ja nicht auf seinem Laptop rumgeschnüffelt und daher nicht dein Wissen.
Wenn ich dir helfen kann, dann gern.
Ist ja mein Neffe, aber hellsehen kann ich nicht.“
„Ich habe ihm Unrecht getan aus zweierlei Gründen. Erstens habe ich das, was ich auf dem Laptop gefunden habe, aufgebauscht und zweites habe ich einen neuen Freund erfunden, den es gar nicht gibt.“
„Und drittens?“ fragte Gerda streng.
Andrea hatte ganz andere Gegenfragen erwartet und war zunehmend verunsichert. Sie war sehr unsicher, worauf Gerda mit drittens überhaupt hinauswollte. Zögerlich stocherte Andrea im Dunkeln und stammelte: „Ich habe einen bösen Brief - einen sehr verletzenden Brief an ihn geschrieben.“
„Der Brief war fies, das stimmt!“ Gerdas stimme war drohend, „aber das meine ich nicht mit drittens.“
Eine längere Pause entstand und man spürte die angespannte Situation mit jeder Faser. Wenn Andrea jetzt was Falsches sagen würde, wäre das Gespräch beendet. Andrea schluchzte hörbar, die Dämme brachen und sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Gerda wartete geduldig aber ohne ihr eine Hilfe zu geben.
Flüsternd antwortete Andrea endlich sehr leise:
„Ich glaub, ich stehe drauf.“
„Wie bitte?“ donnerte Gerdas Stimme. „Mädchen du musst schon lauter sprechen, wenn ich dir helfen soll.“
Beinahe wäre Andrea der Hörer aus der Hand gefallen, dann wiederholte sie etwas lauter und deutlich: „Und drittens, ich glaube ich stehe drauf.“

„Dann haben wir ja des Pudels Kern endlich erreicht!“, jetzt klang Gerdas Stimme wieder freundlicher und ohne weitere Aufforderung begann es aus Andrea herauszusprudeln.
„Ich kann das alles auch nicht so richtig deuten, aber es kommt irgendwie eins zum anderen und ich dachte mir … sie als erfahrene Frau und mit ihrem Background können sie mir … ich meine, können sie uns vielleicht helfen.“
Gerda schwieg, obwohl sie schon gern gewusst hätte, was genau Andrea über ihren persönlichen Background weiß. Hoffentlich nicht allzu viel, da gab es einiges, was nicht in die Öffentlichkeit gehört.

„Die letzten Tage habe ich viel nachgedacht. Über mich, über Ralph und über alles was wir gemeinsam erlebt haben und auch über das, was ich auf dem Laptop gesehen habe. Es ist nicht leicht darüber zu sprechen … Sind sie noch dran?“
„Ja“ erwiderte Gerda gezielt bedächtig.
„Darf ich vorbeikommen?“
„Nein, warum? Dazu weiß ich noch zu wenig. Du musst mir schon noch etwas mehr erzählen Mädchen, sonst funktioniert das nicht.“
„Ok, wo fange ich an? … Also, wir hatten gemeinsam die Erfahrung mit dem Karneval und dem Rollentausch. Das war toll und …“, sie zögerte kurz. Andrea wusste aber intuitiv, würde sie nicht alles erzählen, dann würde Gerda sehr wahrscheinlich nicht helfen: „…der Sex am Morgen danach mit vertauschten Rollen, Ralph als Frau und ich als Mann, das war der Hammer! Wir hatten gemeinsam eine Tür geöffnet und das dahinter verborgene törnte uns unheimlich an. Gemeinsam Tanzen, gemeinsam verkleiden, lange Gespräche, gemeinsame Interessen und wie soll ich es sagen … vielleicht am besten so: gemeinsame sexuelle Vorlieben.“
Jetzt war es raus. Gerda überlegte kurz und entgegnete mit etwas freundlicherer Stimme: „Kenn ich - im Bett ist wichtig für jede Beziehung.“
Andrea plapperte bestätigt weiter: „Ralph verbrachte den ganzen Faschingsdienstag in diesem roten spanischen Kleid und ich fand es überraschender Weise weder abstoßend, noch pervers, sondern bewunderte ihn für seine Selbstsicherheit und Ausstrahlung. Meine Männerrolle legte ich aber gleich nach dem Frühstück ab und spürte nach dem Duschen den Drang…“ Wieder legte sie eine kurze Pause ein. Sollte sie Gerda wirklich alles erzählen? „…mich hübsch zu machen … für meine neue Freundin.“ Sie schluckte. „Wir haben sie übrigens Raphaela getauft.“

Gerda biss sich auf die Zunge, um nicht ausversehen zu sagen, ‚Mädel das weiß ich doch schon.‘.
Nach kurzer Redepause und als wäre eine Last von Andrea abgefallen, erzählte sie munter weiter: „Ich durchwühlte meinen Schrank und war irgendwie angefixt. Ich wollte jetzt dieser Raphaela gefallen, zog unten rum nur eine schwarze Strumpfhose an, so ganz ohne Slip. Kennen sie die neuste Mode Frau Gerda? Wo weit abstehende kurze Röcke, so einen habe ich in schwarz. Oben rum ließ ich blank. Auch keinen BH, oh jetzt werde ich rot. Dann ging der Schalk vollends mit mir durch und ich flocht mir einen Zopf, das sah neckisch aus. Irgendwie war ich so wuschig, dass ich auch noch mit den Ohrklipps rumspielte. Solche Billigdinger mit langen Glasperlen dran, für die man keine Löcher in den Ohren braucht, Faschingsplunder halt. Die habe ich mutig angelegt. Aber nicht da wo sie hingehören, nee wo anders. Sie sind ja auch eine Frau, an den Nippeln sind die einfach der Hammer. Dann nahm ich ein kleines Tablett, stellte zwei Gläser Sekt drauf und ging ins Wohnzimmer. Er saß da und schaute Schwachsinn im Fernseher, irgendwas mit Sport aber immer noch als Bolerotänzerin verkleidet.“

Gerda legte die Stirn in Falten, was für ein Plappermaul diese Andrea doch ist, redet ohne Unterlass wie ein Wasserfall. Dennoch hörte sie weiter zu und war im Gedanken versunken. ‚Ist sie vielleicht ein klein wenig devot, dieses Mädchen?‘

„Und wie war seine Reaktion?“ fragte Gerda forsch und musste den interessierten Ton gar nicht mal spielen.
„Ich stellte mich vor ihn, knickste kurz und sprach: ‚Madame Raphaela hatten ein Getränk bestellt, hier ist es‘. Ihm fielen fast die Augen aus, er starrte mich an, stellte den Fernseher ab und spielte das Spiel sofort mit: ‚So, so Andrea, warum musste die Madame so lange warten?‘ Ich entschuldigte mich artig mit gesenktem Blick und wir verbrachten einen schönen Nachmittag mit neuen Rollen. Ralph als Lady Raphaela und ich als seine Andrea.“

„Und? Wie endete euer Spiel?“ fragte Gerda, jetzt überaus neugierig.
„Etwas heftiger als erwartet“, entgegnete Andrea nach kurzem Zögern. Jetzt dachte das redselige Mädchen mal kurz nach: ‚Geht das diese Frau irgendwas an? Ok, irgendwie schon. Ich habe sie ja um Hilfe gefragt.‘

„Madame tadelte mich ausführlich.“
Jetzt vergaß Andrea wieder ihre Zurückhaltung: „Ich genoss es mehr als gedacht, wie Ralph mich runter machte. Er beschwerte sich, dass ich keine Schuhe tragen würde und ich holte die unbequemsten High Heels die ich finden konnte. Madame befahl mir einen Snack zu machen und ich bediente sie wie eine Lady und wurde dabei immer wuschiger. Sie verstehen was ich meine?“

„Ich glaube schon. Bin ja noch nicht so alt, dass ich mich nicht daran erinnern könnte.“, gab Gerda schmunzelnd zurück.
Erstmals während dieses Telefonates lachten beide gemeinsam.
„Jetzt wird es ein wenig versaut, aber ich muss das mal loswerden Frau Gerda. Ralph traute sich sogar in dem Kleid in den Keller zu gehen, eine Flasche Sekt zu holen und brachte überraschender Weise eine Wäscheleine mit. Er war total anders, mit den Worten: ‚für das lange Wartenlassen muss ich sie leider bestrafen‘ schickte er mich ins Schlafzimmer und fesselte mich breitbeinig und auch die Arme auf das Bett. Das war aufregend. Dann flüsterte er mir irgendwelche Regeln ins Ohr, so was in der Art wie ‚wenn es zu viel wird, sag einfach RED‘. Wissen sie was das bedeutet?“
„Nein.“, log Gerda selbstbewusst.
„Und dann forderte er mich auf, den Mund zu öffnen. Er steckte mir erst seine Finger in den Mund und ließ mich lutschen. Er hatte aber vorher schwarze Gummihandschuhe angezogen. Woher er die hatte, weiß ich bis heute nicht. An meiner Reaktion merkte er wohl ausreichend, dass es mir gefiel. Und so stopfte er mir einen anderen Handschuh komplett in den Mund und band ein Tuch um den Kopf, so dass ich es nicht mehr ausspucken konnte.“
Andrea machte ein Pause, an die Szene zurückdenkend.
„Ich weiß nicht mehr so genau, was mit mir geschah, aber mein Gefühlszustand änderte sich von ‚ein bisschen wuschig‘ in ‚spitz und geil‘.“ Sie stutzte. „Habe ich das wirklich jetzt gerade zu ihnen gesagt?“

„Ja.“ antwortete Gerda, leicht belustigt, „aber meines Erachtens nicht schlimm, ich kann das, was da bei euch geschah, ganz gut nachvollziehen.“
„Dann zerriss er meine Strumpfhose einfach so mit Gewalt. Ich war im Schritt auf einmal völlig offen. Mit seinen gummierten Fingern fummelte er mich ins Nirvana. Diese Raphaela hatte es voll drauf und ich war gar nicht mehr in dieser Welt. Sie spielte geschickt mit meinem Busen und als ich gerade im schönsten Himmel angekommen war, kneifte sie mir kräftig in meine Brustwarze. Das tat echt weh, mir schossen die Tränen in die Augen. Aber ich verstehe es nicht, ich Schlampe wurde dadurch nur noch erregter. Dann fickte Ralph mich um den Verstand und wir hatten ein wahrlich geiles Happyend.“
Schweigen am Telefon.
Andrea wurde jetzt rot und röter und fragte sich kopfschüttelnd: ‚Habe ich das wirklich gerade alles dieses Frau Gerda erzählt? Warum habe ich Vertrauen zu einer Person, die ich erst einmal in meinem Leben getroffen habe?‘
Es entstand eine längere Pause, die Gerda beendete: „Gut, ich verstehe, danke für die Offenheit. Jetzt habe ich eine erste Idee und weiß auch, wie ich versuchen werde, dir zu helfen.“
„Wow, echt jetzt?“
„Ja, ich habe da eine Idee. Die könnte klappen, muss ich aber noch vorbereiten. Sei bitte pünktlich morgen um 16:00 Uhr bei mir und vertrau mir.“
Andrea verstand nicht annähernd, was Gerda vorhatte. Aber andererseits war sie froh eine Verbündete und Hilfe gefunden zu haben.
„O… K…“ sagte sie zögerlich und wartete.
„Bis morgen.“, sagte Gerda und legte blitz schnell auf, bevor Andrea noch irgendwas hätte fragen können.

*****

Zwei Minuten später am Telefon:
„Hallo Ralph, ich bin es Tante Gerda!“
„Was gibt’s so dringendes?“
„Bei mir ist was dazwischengekommen. Kannst du heute Donnerstag mal ausnahmsweise nicht kommen? Ich muss was Wichtiges erledigen.“
„Schade, aber gebongt.“
„Aber morgen am Freitag bitte ganz pünktlich auf die Minute um 18:00 Uhr!“
„Wieso Freitag? Da fahr ich doch immer heim.“
„Stimmt eigentlich,“ gab Gerda zu, „können wir eine Ausnahme machen, so kurz vor den Ferien?“
„Klar, aber nur weil du es bist, Tante Gerda. Außerdem habe ich noch ein bisschen schlechtes Gewissen, wegen der sieben Wochen nicht melden. Mach ich morgen wieder gut. Freu mich drauf.“

*****

Am nächsten Tag um 16:00 Uhr klingelte es bei Gerda an der Tür und Andrea trat etwas verlegen ein.
„Hallo Frau Gerda, ich danke ihnen von ganzem Herzen, dass sie mir helfen wollen unsere Beziehung zu retten. Ich habe uns eine Flasche Sekt mitgebracht.“
„Gute Idee Andrea, komm rein. Das Blubberwasser können wir beide gut gebrauchen.“
Gemeinsam gingen sie in die Küche, öffneten die Flasche und stießen an: „Möge mein Plan funktionieren. Prost!“
„Prost“ antwortete das junge Mädchen und war sehr froh über diesen herzlichen Empfang. „Was haben sie denn für einen Plan?“
„Um sechs kommt Ralph hierher und ich verschwinde dann und lasse Euch allein. Vielleicht klappt ja der Neuanfang.“
„Erst in zwei Stunden?“, fragte Andrea etwas enttäuscht.
„Ja, aber die Zeit werden wir brauchen, alles vorzubereiten. Ich habe zwar das meiste durchdacht und alles zurechtgelegt aber die Zeit wird wahrscheinlich dennoch nicht zu reichlich sein.“
„Ok, was genau soll ich tun?“
„Erstmal dein Glas austrinken und in aller Ruhe tief durchatmen. Ich bin mir relativ sicher, Ralph gut genug zu kennen, dass der Plan mit achtzig prozentiger Wahrscheinlichkeit funktioniert.“, Gerda legte die Stirn in Falten. „es könnte aber auch schiefgehen. Mein Bauch sagt mir, wenn du es anders versuchen willst, auch gut. Aber ich befürchte dann sinkt die Wahrscheinlichkeit.“
Andrea verstand rein gar nicht wohin des führen wird. Nach ein paar Minuten half aber der Sekt, die Scheu zu überwinden und die Neugierde zu steigern.

„Ok, Frau Gerda, ich bin bereit. Was soll ich die nächsten Minuten tun?“
„Du wirst dich für ihn hübsch machen und auf ganz ungewöhnliche Art und Weise um Entschuldigung bitten. Je besser dir beides gelingt, desto größer die Erfolgsaussichten. So glaube ich machen wir es.“
„Das wusste ich doch nicht!“, protestierte Andrea, „ich habe gar nichts mitgebracht. Wie soll ich mich denn so attraktiv machen, kein Makeup und keine Kleidung. Ich hatte ja keine Ahnung, dass er heute hier erscheint.“, ein wenig Panik lag in Ihrer Stimme.
Gerda grinste: „Weiß ich doch, daher habe ich ja vieles schon vorbereitet, aber über deinen Schatten springen musst du schon selbst.“
„Wie denn?“
„Also ich habe mir das so gedacht: aus deiner Erzählung gestern am Telefon entnahm ich folgende Info, Ralph hat ein paar Vorlieben, die du heute einfach bedienst. Und dann schauen wir weiter, wie er reagiert und lassen dem Schicksal seinen Lauf.“

Andrea war verwundert. Wie konnte Gerda aus dem gestrigen kurzen Gespräch einen solchen Plan schmieden, der auch noch echte Erfolgschancen hatte? Ok, Ralph hatte sieben Wochen wegen des Wohnungsmangels bei seiner Tante geschlafen. Er hatte immer wohlwollend von Gerda gesprochen und von ihrem Talent, Menschen zu schminken und ihrer ruhigen anpackenden Art. Aber war sie die Richtige, ihr Problem mit Ralph zu lösen? Sie wusste, dass sie Bockmist gebaut hatte, dennoch war sie skeptisch, ob das was Gerda vorhatte, der richtige Weg war, es wieder ins Lot zu bringen.
‚Der Sekt wirkt‘, dachte sie ‚eine gute Idee, das schwierige Thema anzugehen ist sicher, nicht nüchtern zu bleiben.‘
In diesem Punkt hatte Gerda bereits auf jeden Fall Recht: „Du trinkst in aller Ruhe dein zweites Glas aus und gehst ins Bad. Dort ist alles vorbereitet. Du duschst dich kurz ab und findest auf dem Waschtisch ein wohltuendes Öl für den Körper und einen roten Lippenstift, sowie Haargel. Bitte kämme deine nassen Haare nach hinten und fixiere sie mit Gel. Denkst du, das bekommst du hin für den Anfang?“
„Wenn Sie meinen, dass das hilft, dann mach ich das so.“
„Nimm dich dann der Kiste an, die auf dem Klo steht. Die habe ich mit viel Elan vorbereitet und du befolgst die darin liegenden Anweisungen.“
„Das verstehe ich nicht. Warum sagen sie mir nicht einfach, was ihr Plan ist?“ entgegnete Andrea verunsichert mit ungläubigen Blick.
„Wenn ich meinen Plan lang und breit erkläre, dann wäre es mein Plan und nicht der von Andrea. So mit der Kiste, kannst du jederzeit entscheiden, ob es für dich passt oder eben nicht. Und wenn nicht, dann gehst einfach anders vor. So bleibe ich nur der Ratgeber im Hintergrund. Und wenn es dir ganz und gar gegen den Strich geht, dann verschwindest du einfach. Dann probierst es anderweitig ohne mich, die Sache irgendwie zu lösen.“
„Hm, verstehe. Sie haben einen Plan. Aber erst, wenn es mein Plan ist, dann wird er funktionieren?“
„Genau so! Du sollst ja selbst zeigen, dass du ihn verstehst und wiederhaben willst.“ bestätigte Gerda Andrea.
„Gut, dann fange ich mal an.“
Andrea leerte ihr Glas und ehe sie ging, sagte sie leise: „Danke. Ohne ihre Hilfe Frau Gerda wäre ich nicht annähernd so optimistisch.“

Sie verschwand ins Bad und Gerda schnappte sich schnell den Laptop und drückte auf START. Ab diesem Zeitpunkt liefen die zwei von Paul zur Verfügung gestellten Kameras. Die eine war hinter dem großen Badspiegel versteckt, so dass jede Szene festgehalten wird, in der sich Andrea beschaute oder schminkte. Die andere mit einem Weitwinkelobjektiv war über der Tür festgemacht und erfasste den ganzen Raum. Gerda schenkte sich genüsslich ein Glas Sekt nach und schaute gespannt auf den Bildschirm. Würde ihr Plan gelingen?

Andrea trat zögerlich vor den Spiegel und sondierte die Lage. Sie war fast schon ein wenig enttäuscht, nur Gel, den Lippenstift und das Öl vorzufinden. Dann lupfte sie den großen Karton vom Klo und setzte sich erstmal zum Pinkeln. Anschließend stellte sie den Karton wieder zurück, aber wurde neugierig und öffnete den Deckel.
„Nicht mogeln!“,
,stand auf einem obenauf gelegten Papier geschrieben.
Sie lachte, schloss den Karton und sagte vor sich hin: „Na gut, dann erst Duschen.“ Sie warf ihre Sachen achtlos auf einen Haufen, stieg in die Wanne und benutzte reichlich Shampoo vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Jetzt begann sie das Abenteuer sichtlich zu genießen. Nach dem Abtrocknen kam sie zum Spiegel, prüfte ihr Aussehen und machte einen Schmollmund: „Worauf habe ich mich hier nur eingelassen?“ ,sie zog eine Grimasse.
„Was soll’s - wird schon schiefgehen!“, sagte sie fröhlich und schmierte sich reichlich Haargel über den Kopf. Mit einem Kamm verteilte sie dieses gleichmäßig und strich immer wieder darüber bis ihre Haare glatt und regelmäßig am Kopf anliegen. Dann nahm sie den Lippenstift und malte Ihre Lippen kunstvoll an, ein wenig größer und übertriebener als sonst. Das knallige Rot gefiel ihr und sie mochte es, dass sie verführerisch und ein wenig nuttig aussah. Andrea roch am Öl, ließ ein leises: „Upps, riecht sexy“, vernehmen. Das Pflegemittel wurde auf ihren Beinen, auf der Brust und schließlich am ganzen Körper verteilt und sie sparte auch nicht ihren Schritt und Hintern aus.
„Viel hilft viel“, gesagt getan. Sie ölte nochmals ein wenig nach und betrachtete ihren nun glänzenden Körper wohlwollend im Spiegel. „Nicht schlecht, Herr Specht.“

Mit gemischten Gefühlen öffnete sie den Karton und legte das Hinweisblatt „Nicht mogeln „ beiseite. Ein schwarzes Latexteil lag oben auf.
‚Gerda glaubt also, er steht auf Latex. Da könnte sie Recht haben.‘
Andrea erinnerte sich freudig an seine Reaktion auf die Latexhandschuhe nach Fasching. Sie faltete das ungewöhnliche Teil auseinander und erkannte ein Hemdchen mit vorgeformter Brust, breiten Trägern oben und Strapsen am unteren Rand. Sie stieg vom Kopfteil aus ein und wusste jetzt auch, warum sie sich vorher so stark einzuölen hatte. Das Teil war verdammt eng. Sie musste sich ganz schön anstrengen, es über die Schenkel und Hüften zu bekommen. Froh als alles endlich in Position war, rutschten ihre schönen Brüste in den dafür vorgesehenen Körbchen. Leicht irritiert war sie von den Löchern für die Brustwarzen: ‚Ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten?’, dachte sie. Dennoch fummelte sie die Nippel in die richtige Position und war sichtlich positiv überrascht, als sie in den Spiegel schaute. Die enge Taille formte einen wunderschönen Sanduhrkörper und die Brustwarzen schauten frech aus den Löchern heraus.

Gespannt schaute sie wieder in die Kiste und fand unter einem Trennblatt mit „#2“ darauf ein paar schwarze Strümpfe. Dass diese auch aus Latex waren, war ihr aber nicht so recht: „Da schwitze ich mich ja zu Tode“, murmelte sie vor sich hin. Dennoch war sie neugierig. Der erste Versuch diese anzuziehen misslang gründlich, die Hände waren zu ölig, die Beine zu trocken. Mit mehr einölen und Händewaschen flutschte der erste Strumpf über das Bein. Geschickt befestigte Andrea die drei Strapsen und machte sich an das zweite Exemplar. Auch dieses saß alsbald faltenfrei am Bein. Beide Beine waren jetzt pechschwarz umhüllt bis wenige Zentimeter vor dem Schritt aber nun eben auch luftdicht eingepackt. Sie begann zu schwitzen. Ein neugieriger Blick in den Spiegel verriet ihr: ‚Sieht gut aus und könnte klappen‚ das wird Ralph antörnen.‘.

Beschwingt und fröhlich ging sie zur Kiste und nahm die Nummer drei das nächste Kleidungsstück raus. Sie jauchzte für entzücken darüber, was sie in den Fingern hielt. Ein Cocktailkleid in hellgrauer Transparenz, raffiniert geschnittenes mit schwarzem breiten Gürtel. Sie hielt es vor ihren Körper und war begeistert: „Der Hammer, bestimmt ein Designerstück!“
Der Rock des Kleides war ungewöhnlich aufwendig gearbeitet. Vom Bauch aus waren in alle Richtungen schwarze Streifen eingearbeitet. Sie zählte 12 Stück und jeder einen Zentimeter breit und steifes schwarzes Plastik. Diese Verstärkung sorgte dafür, dass es wie ein Ballettkleid wirkte und flach wie ein Regenschirm um den Körper abstand. Sie war hin und weg, ein echtes Unikat von Meisterhand mit dem gewissen Etwas und voller Eile schlüpfte sie von oben hinein. Mit Zerren und Drücken gelang es ihr, den schwarzen Bundgürtel über den Po bis auf Bauchnabelhöhe zu bringen. Das ganze Kleid war in der Tat raffiniert und kunstvoll gearbeitet. Die schwarze handbreite Taille, die aus etwas stärkerem Latex gefertigt wurde, war perfekt mit jeder einzelnen Federstrebe im Rock verbunden. Jetzt stand das Ballettröckchen fast waagerecht in alle Richtungen nach außen und bildete einen gleichmäßigen Kreis um sie rum. Die zwischen den Streben liegenden transparenten Latexfalten waren reichlich bemessen und warfen wunderschöne Wellen um ihren Po, den Seiten und vorn im Schritt. Begeistert betrachtete sie ihren Unterkörper im Spiegel und resümierte: „Wie eine Primaballerina, bedeckte wenig und sieht wahnsinnig sexy aus!“
Sie störte es ganz offensichtlich ganz und gar nicht, dass ihr Hintern und der Scham kaum bedeckt wurden und bei jeder kleinsten Bewegung ihr süßes Dreieck zu sehen war: „Irgendwie schon schamlos, so ganz ohne Schlüpfer.“

Andrea steckte die Arme in die kleinen Puffärmelchen, schob diese nach oben über den Bizeps. Vorn gab es eine halbrunde Rüschenreihe, die gehörte knapp unter den Busen und wurde zurechtgezupft. Dann drückte sie ihre Schultern nach hinten durch. Mit einigen Verrenkungen der Arme gelang es ihr, den Rückenreißverschluss zu erreichen und nach oben zu schließen. Beim Stehkragen hatte sie aber größere Schwierigkeiten, da das Kleid an dieser Stelle zu eng gearbeitet war. Sie wollte fast schon Gerda rufen, da rutschte der Schieber doch noch nach oben und ein enges wohliges Gefühl umschloss liebevoll ihren Hals.
Was sie im Spiegel erblickte verschlug Ihr den Atem. Ein sexy Girl im transparenten Designerkleid lächelte ihr mit rotem Schmollmund entgegen. Der gewagte Schnitt und vor allem die graue Transparenz erlaubten jedermann einen Blick auf ihre Brustwarzen, den Po und sogar auf ihre Muschi, die jetzt leicht errötet aus dem schwarzen Scham hervorblinzelte.

‚Diese verrückte Gerda, wo hat sie dieses scharfe Teil her? Andererseits, da gebe ich ihr recht, das könnte in der Tat klappen. Welcher Mann kann bei so einer Braut schon widerstehen?‘
Schnell schaute sie in der Kiste, was wohl als nächstes kommen würde und war ein wenig erleichtert. Es kam nur eine schwarze Minischürze, nicht größer als ein Frühstückteller und ein passendes Häubchen für die Haare zum Vorschein.
Schnell zog sie beides an und stellte mit Verblüffung fest, dass diese beiden kleinen Teile aus einem sexy Ballettgirl nun irgendwie ein sexy Dienstmädchen machten. „Sieht eigentlich noch schärfer aus,“ entfuhr es ihr, als sie sich lang im Spiegel betrachtet hatte, „wie eine kleine Kellnerin im Puff.“ Sie lächelte in den Spiegel und stellte fest: „Ups, das Schürzchen verdeckt ja nicht mal meine Muschi.“

Der nächste Griff in die Kiste förderte lange schwarze Handschuhe zu Tage. Jetzt wusste sie aus Erfahrung, was zu tun war. Sie benetzte die Hände und Arme erneut mit Öl und rutschte spielend leicht hinein. Sorgfältig drückte sie alle Luftblasen raus, strich jede Falte an den Oberarmen raus und schob den oberen Rand sorgfältig unter die transparenten Puffärmel des Kleides. Mit großer Sorgfalt rückte und zupfte alles in die perfekte Position und betrachtete das Ergebnis: „Der Hammer!“ war das einzige was sie noch sagen konnte.

Sichtlich selbstverliebt betrachtete sie sich ausgiebig und unbewusst wanderte eine Hand über ihre Busen und die Nippel.
„Upps, ihr seid schon wach“, sagte sie liebevoll zu ihren aufgerichteten Spitzen, die sich deutlich unter dem durchscheinenden Kleid abzeichneten. Sie strich über den Rock, der durch die Streben nur ein klein wenig nachgab und neckisch nach oben wippte. Sie berührte fast zufällig ihre Scham: „Ui, du bist ja auch schon unruhig!“, stellte sie kindisch fest. Die Feuchtigkeit und Offenheit, die sich bereits eingestellt hatten, waren überdeutlich. Auch wurde ihr jetzt richtig bewusst, dass sie außer an Po, Schritt und am Kopf komplett mit Latex versiegelt war. Das Schwitzen hatte schon begonnen, nicht unangenehm aber ungewohnt. Der nächste Blick in die Kiste ließ sie schmunzeln: „Frau Gerda rufen und Uhr kontrollieren“ stand auf dem nächsten Blatt.

Es war bereits kurz nach halb sechs. Sie ging schnell ins Wohnzimmer und sagte ein wenig schüchtern: „Hallo Frau Gerda, habe ich alles richtig angezogen?“
„Dreh dich mal!“ forderte Gerda sie auf, „Ich glaube schon. Deine Figur passt halbwegs zum Outfit. Vielleicht etwas zu wenig Holz vor der Hütte, aber sonst Ok.“
Es war pure Absicht von Gerda, nicht zu sehr zu loben, auch wenn sie anerkennen musste, wie gut Andrea in dieser Kleidung wirkte. Die nun von Gerda sorgfältig geplanten Schritte durften auf keinen Fall auf Widerstand des Mädchens treffen. Sie ging sehr geschickt vor und wechselte wieder auf das förmliche SIE.
„Andrea, möchten sie was trinken?“
„Ja gern, dieses Latex bringt einen ganz schön ins Schwitzen.“
Gerda reicht ihr ein weiteres Glas Sekt. Auch das war geplantes Kalkül, Andrea sollte sich weiter auflockern.
„Prost, wird schon klappen.“
„Prost. Ähm, ich weiß noch nicht so recht. Ich fühle mich ein wenig wie auf dem Präsentierteller.“ seufzte Andrea, „Aber in dem Outfit, da wird er auf jeden Fall große Kulleraugen machen. Dank ihnen sehe ich toll aus.“
Sie tranken genüsslich das weitere Glas Sekt, ehe Gerda zu Eile mahnte: „Wir haben noch 15 Minuten. Genau richtig für das letzte Finish. Sind sie bereit?“
Verwundert darüber, dass sie noch nicht fertig sein sollte, fragte Andrea ein wenig eingeschüchtert: „Wie, das verstehe ich nicht. Was fehlt denn noch?“
„Die Entschuldigung und ein wenig Demut vielleicht?“, fragte Gerda, mit dem Auge blinzelnd. „Lass mich mal machen und versuche ein wenig an den Schaden zu denken, den du mit deinem Brief und deinem Getue angerichtet hast“, ergänzte Gerda streng. „Komm mit zurück ins Bad“, forderte sie in einem Ton auf, der keinen Widerspruch duldete.

Gerda entnahm das Trennblatt aus dem Karton und förderte eine handbreitgroßes Schild „ENTSCHULDIGUNG“ zu Tage. An dem Schild hingen zwei kurze Kettchen mit zwei silbernen Klammern.
„Du hast mir erzählt, ihr hättet mal mit Wäscheklammern experimentiert. Dann wird das sicher ertragbar sein.“
Gerda suchte in den Rüschen unterhalb des Busens zwei kleinen Löcher, fädelte die Ketten hindurch und klipste die Klammern an die aufrechtstehenden Nippel ihrer Brüste.
„Auuu …“
„Jetzt hab Dich nicht so. Die Klemmen sind nicht annähernd so stramm wie Wäscheklammern“, ermahnte Gerda das Mädchen. Andrea schaute in den Spiegel. Schon irgendwie gut, das Schild mit der eindeutigen Botschaft hing jetzt perfekt platziert unterhalb der Rüschen. Die Brustwarzen wurden durch die Kette und die Klammern schön in das Blickfeld gerückt.
„Geht schon, glaube ich“, gab Andrea nach ein paar Sekunden demütig zu.

„Möchtest du ihn mit einem Sekt begrüßen?“, fragte Gerda ohne eine Pause für unnötige Diskussionen zu zulassen.
„Das wäre vielleicht eine schöne Geste“, bestätigte Andrea leise und aus der Kiste wurde ein silbernes Tablett hervorgezaubert. Sie wurde von Gerda angewiesen die Arme am Oberkörper anzulegen, die Unterarme nach vorn anzuwinkeln und das Tablett vor ihren Bauch waagerecht zu halten.
Gerda stellte ein kleines Klappschild darauf: „Für Dich Ralph, in Demut Andrea“ und sagte, „Die Gläser stellen wir dann erst im Wohnzimmer drauf.“
Andrea betrachtete sich erneut im Spiegel und befand es für gut, was sie sah. Die Entschuldigung und das Tablett bildeten eine schöne Ergänzung. Sie sah irgendwie aus wie ein Zigarrenmädchen im Bordell, ein Appetithäppchen.
„Jetzt müssen wir uns aber beeilen, in sieben Minuten ist er da.“
„Fehlt denn noch immer was?“
„Nur eine Kleinigkeit und der Sekt. Dreh dich mal bitte zur Badewanne.“ forderte sie Gerda streng auf, wohl wissend, dass sie jetzt keine Zeit mehr zu verlieren hatte. Gerda war gut vorbereitet und legte Andrea blitzschnell eine schwarze Maske vor das Gesicht. Diese verschloss die Augen wie eine Schlafmaske für den Langstreckenflug.
„Ich kann nichts sehen“, protestierte Andrea erschrocken.
„Halte das Tablett gerade, ansonsten fällt das Schild runter“, konterte Gerda und verknotete die Schnüre schnell am Hinterkopf.
„Die ist eng, muss das sein?“
„Wenn du Erfolg haben willst, dann solltest du deine Demut auch zeigen. Und willst du Erfolg haben?“
Andrea zögerte und seufzte. Jedoch hatte Gerda bereits das untrügliche Zeichen entdeckt, dass sie nicht mehr rebellieren würde. Andreas Schritt war in den letzten Minuten sehr feucht geworden und ihre Schamlippen öffneten sich deutlich sichtbar.
„Ok, wenn Sie meinen, dann halt eben das Signal an ihn als blind gehorchende Dienerin“, mit einem wolligen Schauer ergab sie sich ihrem hoffentlich erfolgreichen Schicksal.
Gerda dirigierte: „Ich bringe Dich jetzt ins Wohnzimmer und dort stellen wir den Sekt noch auf das Tablett und fertig.“

Sie fasste Andrea unter den Armen, schob sie durch den Flur und drehte sie in der Mitte des Wohnzimmers um 180°, so dass das Mädchen mit dem Gesicht zur Tür gewandt war. Dann hob sie das Tablett gerade: „So musst du es halten, sonst fallen die Gläser um. Hast du es?“
„Ja, ich glaube schon, das geht für ein paar Minuten.“
„Du siehst rattenscharf aus.“, lobte Gerda, „da kann er nur schwer nein sagen und widerstehen. Das Schild mit der Entschuldigung ist eindeutig richtig und gut.“
Gerda war ziemlich professionell in ihrer Vorgehensweise. Viel reden, viel loben und immer zack, zack, dann gibt die Kleine auch keinen Widerstand.

„Kurze Frage, mochtest du Andrea eigentlich bei eurem Spiel damals am Faschingsdienstag den Handschuh im Mund oder eher nicht?“
Andrea war kurz verwirrt über diese Frage aber bereits so erregt, sie ließ einfach die Antwort heraussprudeln: „Schon irgendwie geil, wenn man hilflos ist und nicht widersprechen kann.“
„Gut.“, erwiderte Gerda kurz angebunden, „Dann passt das ja für dich zur geplanten Entschuldigung.“
Gerda befahl mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldet: „Mund auf!“ Sie drückte Andrea einen transparenten Ballknebel auf die Lippen, diese öffnete den Mund bereitwillig. Die Latexkugel verschwand hinter den Zähnen und das Band wurde hinter ihrem Kopf geschlossen.
„Sieht perfekt aus Andrea, das i-Tüpfelchen passt genau.“
Nur ein kleines „Mmmppfff“ kam von Andrea. Aber es war nicht das wehrhafte protestieren gegen das Teil, eher ein erotisches, sensibles Stöhnen einer Frau, die hochgradig erregt war. Andrea hatte auch mit den geschlossenen Augen ein ungefähres Bild davon, wie sie jetzt Ralph gegenübertreten würde. Sie war mit sich im Reinen. Genau so war es richtig und angemessen, nachdem was sie ihm angetan hatte. Jetzt hatte keimte echte Hoffnung, dass ihr Plan funktionieren könnte.
„Noch schnell die zwei Sektgläser und dann müsste er auch gleich klingeln, wenn er denn pünktlich ist. Aber meistens ist Ralph auf die Minute.“
Andrea war viel zu aufgewühlt, der Schritt juckte, der Schweiß lief und die Nippel kämpften erregt mit den Klammern. Sie war viel zu entrückt, um darauf zu achten, was genau auf Ihrem Tablett vor sich ging. Vielleicht hörte sie noch das Geräusch des Sektes als er ins Glas gefüllt wurde. Definitiv bekam sie nicht mit, dass Gerda zur gleichen Zeit einen Dildo auf das Tablett legte, ein schwarzes Teil mit Äderchen. Mit dem Füllen des zweiten Glases ergänzte Gerda eine kleine Reitgerte. Was für ein geschickter Schachzug von Gerda um das Mädchen nicht misstrauisch zu machen einfach mal beschäftigen. „Du musst das Tablett mit den Gläsern rechts ein wenig höher halten, sonst kippen die Gläser um!“
Und in diesen Satz hinein tauschte sie unbemerkt das eine Schild
„Für Dich Ralph, in Demut Andrea“
mit einem neuen
„In Demut erwarte ich die verdiente Strafe, Deine Sklavin Andrea“

Schlussendlich Ablenkung durch lautstarkes hin und her Schiebend der Sektgläser und gleichzeitig platziertes letztes Teil auf dem Tablett, ein Halsband mit dem Schriftzug „fi**k mich“.
Andrea hatte gar nichts von den drei Dingen bemerkt und konzentrierte sich so gut sie noch konnte darauf, das Tablett gerade zu halten. Es war nicht einfach, die immer stärker werdende Lust im Zaum zu halten.

„Ich glaube das klappt.“ jubelte Gerda bei dem Anblick. „Noch zwei Minuten, dann müsste er klingeln. Ist ja eigentlich immer pünktlich der Ralph. Geht es noch?“
„Mmmhhhmmm“ kam als einzige Bestätigung und es klang irgendwie wie Vorfreude pur gepaart mit Geilheit.
Gerda betrachtete Andrea ihr Meisterstück noch ein paar Sekunden, machte unauffällig noch zwei Fotos und beglückwünschte sich innerlich für dieses Werk. Andrea sah aus wie aus dem Bilderbuch der SM-Szene, reif für eine Sklavenversteigerung mit Höchstgeboten.

*****

„DingDong“
Da war sie, die von Andrea ersehnte Türglocke. Gerda schnappte sich Ihre Jacke, ging zur Wohnungstüre und begrüßte Ralph mit lauten Worten, die bis ins Wohnzimmer zu hören waren: „Schön, dass du pünktlich bist. Nicht sauer sein, ich muss weg und lass dich und Andrea allein.“
„Andrea?“, Ralph war mehr als überrascht.
„Ja, Andrea. Ich glaube, sie hat Dir was zu sagen. Bitte tue deiner Tante den Gefallen und sei nicht zu streng mit ihr, ihr tut es echt leid, glaub mir.“
In ihrer Stimme lag eine aufrichtige Bitte. Ralph war verwirrt, Andrea zu treffen damit hatte er nicht gerechnet und er betrat zögerlich die Wohnung und dann das Wohnzimmer, während Gerda sich ganz schnell aus dem Staub machte. Andrea war nervös und hochgradig erregt zugleich. Doch trotz der Geilheit nahm die völlig verwundert noch fünf Ungereimtheiten bewusst wahr:

‚Erstens, warum schweigt Ralph so lange. Steht er vor mir? Ich höre nur seinen Atem. Warum nimmt er sich nicht das Sektglas. Ok, das kann man noch halbwegs erklären, er ist bei meinem sexy Outfit perplex, es hat ihm einfach die Sprache verschlagen.
Zweitens, warum sagt Ralph nach ein paar Minuten Schweigen: „Ok Sklavin Andrea, ich werde es mir überlegen.“, ulkig diese direkte Ansprache als Sklavin. Drittens legt er mir um den eh schon engen umschlossenen Hals auch noch irgendein Band. Wo kam das enge Ding jetzt her? Ich bekomm doch schon ohne kaum noch Luft vor Geilheit. Ich habe eher erwartet, dass er den Knebel entfernt und wir beide trinken Sekt.
Viertens, warum hat er einen Dildo mitgebracht, wenn er doch überhaupt nicht wusste, dass ich bei Gerda bin. Und dann steckte er diesen ohne Vorwarnung in meine gierige heiße M*se. Ich kann nicht mehr und hatte sofort im Stehen einen Orgasmus. Nach all den Anregungen beim Ankleiden und in der Vorfreude auch kein Wunder. Dabei hätte ich fast das Tablett fallen lassen, aber ich versuchte mich noch zu beherrschen, die Gläser blieben geradeso wackelig stehen. Mein „Mmmppfff“, das durch den Knebel dringt, versteht er sowieso nicht und hat es dem langen heftigen Stöhnen meines Orgasmus zugeordnet.
Fünftens, warum hat er beide Gläser allein ausgetrunken, das Tablett wegestellt, mich aufs Sofa geworfen und dann meinen Hintern mit einer Art Lederriemen malträtiert. Und woher hatte er diese Peitsche auf einmal? Ich kann nicht anders und muss einzugestehen, die Schläge waren berechtigt und gut.

Sie verschwendete dann keine weiteren Gedanken, die pure Lust hatte das Gehirn ausgeschaltet. Es fühlte sich gut und richtig an und sie bekam ohnmächtig fast einen zweiten Orgasmus. „Schön“, stöhnte sie in ihren Knebel und freute sich darauf, dass er sie gleich genüsslich vögeln würde.
So viele Wochen ohne seinen Schwanz in Ihrer Grotte, sie hatte in der Tat vor allem sich selbst bestraft mit ihrem dummen Brief.

*****

Gerda saß derweil beim Griechen, aß zu Abend und war froh, als gegen halb neun endlich eine SMS von Ralph kam.
Daheim in Ihrer Wohnung standen Andrea und Ralph frisch geduscht, Hand in Hand im Flur und waren auf dem Sprung zu irgendeinem wichtigen Termin. Gerda registrierte aber sofort, der Plan hatte geklappt.
Es gab von beiden einen herzlichen Dank, liebevolle Küsschen, aber keine Worte oder Erklärungen.

Details was geschah, erfuhr Gerda nie persönlich von den zwei.
Aber zum Glück hatte Paul ihr nicht nur zwei Kameras für die Aufnahmen im Bad gegeben, sondern auch eine dritte für das Wohnzimmer geschickt. So konnte sie ja ihre Neugier sofort auf dem Laptop befriedigen.

*****

Rückmeldung für das 1. Referat „Sozialpädagogik“
Studentin Andrea
Matrikelnummer 37621

Benotung: 3-
Inhalt: Das Themengebiet Inklusion wurde zu weit gefasst und wies viel zu wenig Bezug zum Schulbetrieb auf. Die Sozialpädagogik „Inklusion“ in der Schule bedeutet: „Kinder mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam“ bzw. wissenschaftlich „Kinder mit und ohne Förderbedarf lernen gemeinsam.“ Das Referat war durch sehr persönliche Erfahrungen geprägt, meist außerschulisch und zeigte große Lücken im Quellenstudium auf. Die wissenschaftliche Basis muss mit mangelhaft bewertet werden. Andererseits kann bestätigt werden, dass die innere Haltung und das Zielbild der Studentin stimmig zu den Leitplanken Inklusion des Bildungsministeriums Bayern passen. Der Titel des Referates „Inklusion ist technisch leichter als die interpersonelle Umsetzung“ machte uns neugierig, konnte aber im Vortrag nicht mit ausreichend Inhalt gefüllt werden.
Ihre Thesen: „Monogamie ist eine veraltete christlich geprägte Lebensform, die Gesellschaften durch moderne LehrerInnen überwinden müssen.“ und „multiple Persönlichkeitsstörung ist eine ganz normale Behinderung.“ waren erfrischend mutig, konnten aber im weiteren Vortrag kaum untermauert werden und wurden wissenschaftlich nicht fundiert.

Vortrag: Im Sprachstil und Tempo angemessen. Ausdrucksvermögen und Selbstsicherheit vor Zuhörern ist ausbaufähig und sollte durch Training gesteigert werden. Positiv fiel auf: nachvollziehbare außergewöhnliche Beispiele und klare Positionierung zum persönlichen Zielbild als angehende Lehrerin. Negativ fiel auf: unnötige Zwischenwörter und Ausschmückungen, teilweise unausgereifter Sprachgebrauch, vermehrt Verwendung der Jugendsprache.

Hinweise: kulturelle Hintergründe (in ihrem Vortrag muslimische Vielehe) und Hintergründe ohne Bezug auf echte Behinderungen (in ihnen Ausführungen Genderindifferenz) sind nicht vordergründig Gegenstand der Inklusionsbestrebungen.
Die von ihnen gewählten Themengebiete werden im Fachgebiet Sozialisation gelehrt: „Toleranz wie auch Intoleranz wird nicht durch intentionale Erziehung, sondern durch Sozialisation erworben.“
Hätten sie diese Argumentationskette erkannt und erläutert, wäre die Note deutlich besser ausgefallen.
48. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 30.05.21 23:42

Zitat

@ Toree
Deine Gesellschaftskritik an der etwas veralteten Kirche teile ich weitestgehend. Fasse es aber ein wenig kürzer zusammen: \"Als die Menschheit noch kein Radio, Fernsehen und Internet hatte, war der Pope von der Kanzel der ERKLÄRBÄR und hatte die Deutungshoheit. Das ist jetzt glücklicherweise überwunden.\"
Blein fröhlich und neugierig.


Hallo K2,

darüber könnten wir noch Jahre lang diskutieren.

Ein Beispiel gefällig?
Öhm, war das 1972, oder 1973??
Schon ein paar Tage her.
Wir hatten in der Schule Fasching, und ich wollte unbedingt als Prinzessin gehen, männlich 7/8 Jahre alt, und wenn ich mir die alten Fotos ansehe, vom aussehen mehr ein kleines Mädchen, als ein Junge.
Meine Urgroßtante, Minna, 85 J streng kath., muste mich von der Schule abholen, meine Eltern waren mit meiner Schwester Verreist.
Oma, war zum 'Rentnerschwof'
Ihr Kommentar, als sie mich sah: "Satanas weiche, XXX bist du das wirklich? Der Herr Gott wird dich für dieses Vergehen an der Schöpfung strafen!"

Als meine Eltern zwei Tage später wieder da waren ging der Zoff wieder los, Minna erschien und schimpfte los, wie sich meine Eltern wagen konnten gegen das göttliche Gebot zu verstoßen.
Darauf meine Mutter: "Und warum hat der 'liebe Gott' nichts gegen den Diabetis meiner Tochter gemacht?" "Wem der Herr Gott, liebt, den lässt er leiden, " war ihre Antwort.

Und noch heute, kenne ich viele streng kath. Menschen, die lieber drei mal den Rosenkranz beten, als einmal in der zeugenschaftlichen Vernehmung, einen Bekannten zubelasten.

(Ich brauche eine neue Tastatur, die klemmt!)

49. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 31.05.21 19:07

Hallo K2 schreib weiter so !! Das mit der "lieben Tante " habe ich so gemeint wie es die folge gezeigt hat und denke das es so oder ähnlich weitergeht, das sie beide unter ihre Fitische nimmt und gemeinsam erzieht.
50. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Klett-max am 02.06.21 23:13

Zitat

Gerda registrierte aber sofort, der Plan hatte geklappt.

Ich ahne, woher Ralph die "wie aus dem Nichts" erschienenen Gegenstände hatte. Vermutlich hatte er sie dort "gefunden", wo sie bereit lagen. Da Tante Gerda und er die Wohnung recht gut kennen werden die Dinge ihm eher aufgefallen sein, als der recht wuschigen Andrea. Egal, vermutlich waren noch einige weitere "hilfreiche Dinge" vorhanden, die aber nicht gebraucht wurden.

Jetzt hat Gerda schon wieder einige gute Szenen "im Kasten" und das nahezu "intuitiv" von den Protagonisten gespielt. So langsam werde ich aber neugierig, wie das Werk zum Schluß mal werden wird und was die Hauptdarsteller dazu sagen, wenn sie es sehen...

Auf jeden Fall bleibt es interessant. Jetzt braucht Andrea wohl etwas "Nachhilfe" bei den Hausaufgaben, um ihre Note vom Abgrund wieder auf das sichere Ufer zu manövrieren.
51. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 04.06.21 18:22

@ Toree
die Geschichte mit der Prinzessin gefällt mir. Und was ist aus ihr geworden? Eine Königin, schön und gut so!
Ich hoffe, ihre Majestät bleibt neugierig.

@ Erin
Schöne Vermutung: "Tante Gerda nimmt beide unter ihre Fittiche!" Sorry, stimmt nicht ganz.
Bleib neugierig.

@ Klett-max
So viel sei verraten, die Hauptdarsteller sehen den Film ab Seite 360 und äußern sich dann. Über Andreas Bemühungen ihre Note wieder zu verbessern wird in der Folge des Romans nichts mehr bekannt.
Bleib neugierig.

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Weiter geht es mit Seite 89 bis 112.
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Kapitel #7 *** Vorbereitung für einen Job

In zehn Minuten hatte Gerda mit der Funktion schneller Vorlauf alles gesehen, was die beiden Jugendlichen so getrieben hatten. Dann löschte sie diese Wohnzimmer-Aufnahme und sendete nur das Filmmaterial aus dem Badezimmer an Paul.

Dann tadelte sich Gerda lautstark selbst für ihre Schusseligkeit. Hatte sie doch glatt vergessen, mit Ralph zu sprechen, wegen des Ferienjobs. So rief sie ihn schnell noch kurz an:
„Hallo Ralph, dein erstes Semester hast jetzt rum, richtig?“
„Ja Tante Gerda, das ist rum.“, die Verwunderung über den Anruf zu so später Stunde um zehn Uhr war seiner Stimme anzumerken.
„Du suchst doch noch einen Job, richtig?“
„Ja ich bräuchte dringend etwas Bargeld. Alle Ersparnisse sind jetzt aufgebraucht aber in Garmisch finde ich gerade nichts. Hast du was?“
„Ja, die Schmiedlers suchen jemanden für drei Wochen.“
Ralph schwieg zunächst nachdenklich: „Ah ja, jetzt erinnere ich mich. Waren das nicht die, die eine leere Wohnung haben? Die, die nicht an Studenten vermieten?“
Gerda bestätigte dies: „Genau die sind das! Und ja, sie haben die Wohnung auch noch immer leer. Sei nicht genervt wegen der damaligen Absage, die sind eigentlich ganz nett.“

Ralph fragte nun neugierig geworden nach: „Jetzt brauchen diese Schmiedlers nun doch irgendwie Hilfe?“
„Nee so nicht oder eigentlich nicht wirklich oder doch. So genau weiß ich das alles nicht. Ja sie suchen noch immer noch eine feste Hausangestellte. Die Hoffnung auf baldige Lösung ist verschwunden, sie suchen schon fast ein Jahr. Die haben in den Anzeigen jetzt den Monatslohn schon auf 2800€ erhöht! Finden aber trotzdem niemanden, der passt. Jetzt wollen sie überbücken mit einer Soforthilfe, so für circa drei Wochen. Würde doch für dich passen, oder?“
Ralph war ganz Ohr: „Ok verstanden. Aus der Not heraus jetzt haben diese Schmiedlers einen Ferienjob für Studenten zu bieten?“
„Ich hatte deine Jobsuche und Geldnot auf dem Anrufbeantworter hinterlassen und Simone Schmiedler hat mich heute zurückgerufen. Die Notwendigkeit scheint bei denen groß, Simone könnte sich jetzt doch eventuell vorstellen, dass du der Richtige bist für den Frühjahrsputz.“
„Für einen Frühjahrsputz? Ok, und warum ich?“
„Ich habe von deinem Ordnungssinn geschwärmt.“
„Passt schon, ich putze halbwegs gern und du weißt ja, wenn man pleite ist, darf man nicht wählerisch sein.“
Gerda wertete das mal als Zusage: „Hat aber einen Haken!“
„Welchen?“
„Sie mögen keine Machomänner in ihrem Haus.“
„OK, ich werde versuchen, der liebste männliche Erdenbürger zu sein, so ein richtiger Macho war ich ja noch nie. Außer vielleicht heute Abend.“
Beide lachten.

„Ich habe ein bisschen Werbung für dich gemacht und ein Foto geschickt.“
„Ich hoffe hast ein gutes Bild rausgesucht!“
„Das Beste, was ich hatte.“
Ralph fragte nicht weiter und Gerda war froh darüber.
„Kennst du das Kaffee Luitpold in der Nähe vom Maximiliansplatz?“
„Ja.“
„Wenn du Interesse an dem Job hast, sollst du morgen um zehn dort sein. Frau Simone Schmiedler trinkt dort immer einen Pausenkaffee. Da triffst sie. Das ist ihr üblicher Ablauf, während sie samstags auf dem Markt einkaufen geht, gönnt sie sich ein Päuschen.“
„Danke Tante Gerda, du bist ein Engel! Dann versuche ich morgen mal mein Glück. Vielleicht kann ich ja den Job ergattern.“, er wollte gerade auflegen aber noch rechtzeitig fiel ihm ein zu fragen: „Wie erkenn ich denn die Simone Schmiedler?“
Gerda lachte laut und herzhaft, ehe sie antwortete: „Ganz einfach, sie ist die Frau mit dem größten Busen.“
Gern hätte sie jetzt Ralphs Gesicht gesehen. Sie ergänzte schnell: „Große Frau bestimmt 1,75, gepflegtes Äußeres und sehr schöner Busen, ich bin mir sicher, sie ist nicht zu übersehen.“
Dann war alles besprochen und sie legten auf.

*****

Samstag im Kaffee erkannte Ralph diese Simone sofort, obwohl sie sich in eine hintere Ecke des Café Luitpold zurückgezogen hatte. Sie war durch ihre Größe nicht zu übersehen und entsprach der Beschreibung von Gerda. Vor allem der Busen war in der Tat der größte im ganzen Kaffee.
„Hallo, ich bin Ralph, sind sie Frau Schmiedler?“
„Ja“, antwortete diese mit einem gewinnenden Lächeln, musterte ihn kurz aber wertschätzend. Der Ersteindruck, das gepflegte Äußere und seine schlanke Figur schienen zu ihren Vorstellungen zu passen.
„Setzten sie sich doch zu mir! Darf ich sie auf einen Kaffee oder lieber Cappuccino einladen?“
Ralph nahm ihr gegenüber an dem kleinen Tisch Platz: „Sehr gern, Kaffee schwarz wäre mir am liebsten“.
Frau Schmiedler rief den Kellner, bestellte auch für sich noch einen Espresso und begann das Bewerbungsgespräch sehr ruhig und einfühlsam.

„Gerda erzählte mir, sie sind erst ein halbes Jahr in der Stadt und studieren Jura?“
„Ja das stimmt aber jetzt gibt es eine kleine Pause an der Uni, die nächsten drei Wochen. Andererseits für Urlaub reicht das Geld nicht wirklich.“
„Das ging mir in ihrem Alter auch so, am Ende des Geldes war immer sehr viel Monat übrig.“, beide grinsten und schlürften an ihren Kaffees.
Ralphs Ersteindruck war ebenso positiv wie der von Simone, sie fuhr fort: „Erzählen sie über sich, ich möchte sie ein wenig kennenlernen.“
Ralph begann mit Garmisch und seiner Familie, wie er mit seinen guten aber nicht sehr guten Abi-Schulnoten ein Jahr Wartezeit vor dem Jurastudium einbauen musste. Er erwähnte seinen Dienst im Krankenwagen, vom ersten Semester des Studiums und wie toll er die Stadt München findet. Da er davon ausging, dass Gerda und Frau Schmiedler einander gut kannten, erzählte er auch freimütig von den ersten sieben Wochen in der Stadt und dass er bei Gerda wohnen musste.
Er flocht geschickt in die Eigenwerbung ein, wie er Gerda als kleine Unterstützung im Haushalt half, kochte und auch beim Putzen zur Hand ging. Das damalige Spiel mit den Latex-Utensilien und den Handicaps von 1+1 bis 7+7 ließ er jedoch unerwähnt.
‚Was weglassen ist ja kein Bewerbungsbetrug.‘, dachte er freimütig.

Frau Schmiedler hörte interessiert zu, registrierte aber auch den hin und wieder irritierten Blick, den Ralph auf ihren Busen warf: ‚Typisch Mann.‘, dachte sie, sagte aber nichts.
Um ihn zum Erzählen zu ermuntern, warf sie ab und an ein „interessant“ oder „aha“ ein, unterbrach ihn aber nie und stellte keine einzige Frage.

„Was genau ist den bei ihrem Frühjahrsputz zu tun?“ fragte Ralph.
„Das übliche oder genau genommen alles! Wir haben seit fast einem Jahr keine Haushaltshilfe mehr, traurig aber wahr. Der Markt ist leergefegt. So wird durch uns selbst uns immer nur das Gröbste erledigt. Mehr geht nicht, da wir beruflich sehr eingespannt sind. Jetzt ist es eindeutig Zeit für groß Reinemachen und auch im Garten, Keller und den Garagen steht einiges an, was dringend erledigt werden muss.“
„Ok scheint mir eine größere Aktion zu sein. Ist natürlich keine Wohnung oder Reihenhaus oder so, wo sie wohnen?“
„Richtig.“ Simone nickte aber schwieg belustigt. Sie ging nicht auf die Details ihrer Villa ein.
Ralph wollte nicht unnötig fragen und lies ihr Zeit, ihm beim Kaffeetrinken zu beobachten. Sie mochten einander und schmunzelten sich an.
Frau Schmiedler gefiel der junge Kerl, vor allem seine gerade Art, sein Ausdrucksvermögen und seine aufrechte Sitzhaltung. Gestik und Mimik waren stimmig und er beeindruckten sie ob seiner Reife in so jungen Jahren. Ein Gedanke schlich sich in ihrem Kopf unwillkürlich ein: ‚Ein Rohdiamant dieser Junge.’.

Sie räusperte sich lautstark. Simone wollte seine ungeteilte Aufmerksamkeit, diese war aber erneut zu ihrem Busen abgewandert. Das störte sie, dennoch war ihr Urteil: „Ich habe genug gehört und gesehen, Danke für ihre Offenheit. Ich denke das könnte klappen mit uns.“ Sie lächelte einnehmend und ergänzte sofort: „Natürlich nur unter unseren Bedingungen – ich meine unserer wichtigsten Bedingung. Schon klar, oder?“
„Nein, nicht wirklich, was meinen sie mit damit?“, Ralph scheute neugierig aber wohlwollend, was sollte auch schon passieren.
„Hat ihnen Gerda nicht erzählt, dass wir keine Männer in unserem Haus haben wollen?“
Jetzt erinnerte sich Ralph wieder dunkel an die frühere Bemerkung seiner Tante. Als er die Wohnungssuche startete.
„Ja, Tante Gerda hatte es erwähnt. Darf ich für mich eine Lanze brechen?“
Simone nickte.
„Ich bin kein rumpolternder grober Mann, schau selten Fußball und trinke auch kein Bier aus der Flasche. Ich rülpse nicht, dusche jeden Morgen und setze mich auf Toilette immer hin. Auch habe ich ein ungewöhnlich unmännliches Hobby, ich bin einer der besten Tänzer in Garmisch. Sie werden es fast nicht bemerken, dass sie mal ausnahmsweise einem Jungen im Haus haben, versprochen!“

„Das haben sie schön formuliert.“, erwiderte Simone lächelnd, „und wenn wir ihre Männermacken doch bemerken, dann fliegen sie raus. Joe ist da unnachgiebig und hart, müssen sie wissen.“
„Das klingt in der Tat hart, haben die Schmiedlers so schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht?“
Simone zögerte mit der Antwort.
„Das geht sie genau genommen nichts an. Aber irgendwie mag ich sie und will mal nicht so sein - ich antworte einfach mal salomonisch: Wenn wir Männer im Haus hatten, gab es immer Ärger, jetzt sind wir zu Müde für Ärger.
Auch nehmen wir seit vielen Jahren bei den Handwerkern bevorzugt Frauen. Gärtnerinnen, Klempnerinnen auch Steuerberaterinnen einfach alles, bekommen von uns nur noch einen Auftrag, wenn sie weiblich sind. Die einzige Ausnahme ist der Milchmann aber der darf nur bis zur Tür.“, sie lächelte über ihren letzten gelungenen Satz.
„Ok, habe verstanden.“
„Also sind wir einig, sie bemühen sich, Männerallüren alle daheim zu lassen, dann wäre es mir einen Versuch mit ihnen wert.“
„Gut, das bekomme ich sicher hin.“

„Gut dann wäre das besprochen. Eine Frage noch, könnten sie sich auch vorstellen, die nächsten drei Wochen komplett bei uns zu wohnen und zu arbeiten? Also 24h am Tag bei uns zu sein? Oder haben sie auch andere Verpflichtungen und müssen ab und an abends nach Hause?“
Ralph antwortete gerade heraus: „Das wäre ungewöhnlich“, und fügte schnell hinzu, „aber lassen sie mich darüber nachdenken.“
Er wusste seine Freundin Andrea war die nächsten Wochen auf Praktikum und die meisten Kumpel sind irgendwo am Geld verdienen. Somit war wenig los und nichts sprach dagegen.
„Ich glaube das wäre machbar, wenn sie es denn wünschen, spar ich mir halt die Fahrerei.“
„Wir haben die Wohnung vom letzten Hausmädchen frei, das könnten sie beziehen, kostet nichts und steht eh leer.“
Er wurde hellhörig: ‚Ein kostenloses Zimmer obendrauf und Essen und Trinken sicher auch noch frei, das klingt wie brutto = netto.‘

Nach einer kleinen Pause fragte er mutig: „Was kann ich denn so verdienen?“
„Wenn sie drei Wochen komplett bei uns sind und 3 mal 6 Tage inklusive Samstag arbeiten, sagen wir so jeden Tag acht Stunden, dann bieten wir ihnen das gleich wie unserer Haushaltshilfe im Monat, 2800€ für drei Wochen, gegebenenfalls Überstunden extra.“
Ralph überlegte: „Das sind ja 19€ die Stunde, wow!“
„Sie können aber schnell rechnen. Ja sie haben recht aber dafür verlangen wir auch sehr viel: Es muss dann ein pikobello Frühjahrsputz sein und glauben sie mir, unser Haus ist nicht klein und viel Arbeit.“

„Alle Details stehen hier in dem Umschlag.“, offensichtlich war sie jetzt nicht mehr bereit sich weiter zu erklären. Sie stand schnell auf und legte den Brief und 10€ für den Kaffee auf den Tisch.
„Ich muss mich beeilen, Entschuldigung, dass ich jetzt so abrupt aufspringe. Es war schön sie kennen zu lernen und vielleicht sehen wir uns ja, vielleicht aber auch nicht. Ich hoffe sie sind kräftig und mutig genug, es mit unserem Winterschmutz aufzunehmen.“
Sie reichte ihm die Hand und war so schnell verschwunden, dass Ralph keine einzige weitere Frage stellen konnte.

Er öffnete den Brief sofort und las:

Frühjahrsputz in drei Wochen (2800€)

Falls sie sich dafür entscheiden, seien sie bitte pünktlich am Sonntag um 18:00 Uhr in der Gartenstraße 17, wir würden gern mit ihnen Abendessen und Montag sehr früh beginnen.
Sie müssen nichts mitbringen, auch keine Kleidung, wir haben alles was wir in den drei Wochen für sie und den Großputz brauchen.
Wie sie wissen, suchen wir seit langen eine Haushaltshilfe haben uns aber mehrmals bewusst gegen alle männlichen Bewerber entschieden.
So kommt auch für den Frühjahrsputz leider kein Mann in Frage.
Da wir aber von Gerda erfahren haben, dass sie zum Fasching mal sehr gut ein Makeover zur Bolerotänzerin absolviert haben, bekommen sie die Gelegenheit den Job dennoch als Mann in Frauenkleidung zu machen.
Natürlich gilt das Angebot nur unter der Bedingung, sie möchten es auch wirklich als Crossover versuchen.
Halbe Sachen machen wir nicht!
Sie müssten damit Leben, diese drei Wochen ganz als junge Frau zu verbringen, das ist nicht verhandelbar und auch Unterbrechungen sind nicht in unserem Sinne.
Ganz wichtig ist uns, sie sollten Spaß daran haben für uns zu arbeiten. Zwingen sie sich zu nichts, nur des Geldes wegen, das geht schief.

Drei Dinge sind Pflicht falls sie Sonntag beginnen möchten und ebenfalls nicht verhandelbar:
• Erscheinen sie bitte in einem weiblichen Outfit.
• Besuchen sie morgen 10:00 Uhr das Tattoo Studio blue in der Bodenseestrasse 3, dort werden ihnen Lobu, Septum und Labbro gestochen. Ohne schönen Schmuck geht ein ordentliches Makeover nicht. Keine Angst, das sieht später keiner mehr, wächst außerdem von allein wieder zu.
• Lassen sie sich die Haare machen, am besten genau wie bei Ihrer Faschingsparty im Februar.
Wir würden uns freuen, wenn sie sich für den Job entscheiden und hoffen auf ihre Ankunft am morgigen Tag um 18:00 Uhr.

Mit freundlichem Gruß
Die Schmiedlers
P.S. Vielleicht fragen sie am besten Gerda, die beste Visagistin der Welt, ob sie ihnen bei den Vorbereitungen hilft.


Ralph rief die Kellnerin: „Ich brauche dringend ein Bier.“
Er trank es auf ex, beinahe hätte er gerülpst.
Dann las er den Brief ungläubig drei weitere Male Wort für Wort.

*****

Sofort als er die Rechnung bezahlt hatte, nahm er vor der Tür des Cafés sein Handy zur Hand.
„Hallo Tante Gerda, wie gut kennst du diese Schmiedlers eigentlich?“
„Ziemlich gut…“ antwortete sie, „…nun erzähl schon! wie ist es gelaufen?“
„Sehr ungewöhnlich, diese Simone wusste von meiner Faschingsverkleidung als Frau, hatte sie das etwa von dir?“
„Ja!“
„Wieso hast du das gemacht?“, fragte er trotzig und grimmig.
„Jetzt sei doch nicht so überrascht oder sauer. Hab doch erzählt, dass sie ein Foto wollten und ich das allerbeste rausgesucht habe.“
„Aber hast nicht erwähnt, dass es die Aufnahme der Bolerotänzerin war.“
„Hey, hey, zum einen habe ich euch damals höchstpersönlich so schön rausgeputzt, damit ihr einen Preis gewinnt, noch dazu in Alleröffentlichkeit“, Gerda betonte das Wort Öffentlichkeit scharf, „war doch von dir gewollt und nicht für ein Hinterzimmerabenteuer.
Und nun dein Vorwurf, was soll das? Darf ich nicht mal ein Foto von euch an eine Freundin schicken? An dem Faschingsabend sind hunderte gemacht worden und da hast nicht gemault.“
Ralph zuckte zusammen, ob der Schärfe des Vorwurfes, er schwieg ein Weilchen und lenkte ein: „Hm…, hast ja Recht und ich kann dir dafür auch nicht wirklich böse sein, aber…,“ er zögerte kurz und setzte erneut ziemlich verlegen an, „…aber jetzt wollen die Schmiedlers…“, er zögerte, „…wirklich allen ernsten, dass ich den Job bei ihnen als Transe mache. Ist das nicht sehr abgedreht und ungewöhnlich?“

Gerda lachte ob der ungewöhnlichen Wortwahl Transe, „Hatte ich mir fast schon gedacht.“, gab sie unumwunden zu, „Die Schmiedlers haben halt mit der männlichen Welt negative Erfahrungen gemacht. Dass sie jetzt eine Transe akzeptieren, ist schon ein Fortschritt und weicht ihre harte Haltung gegen männliche Haushaltshilfe unerwartet auf. So sind sie halt die Schmiedlers.“
Sie spürte den Widerstand von Ralph und schlug eine neue Richtung ein: „Aber mach dir keine Sorgen! Die Familie Schmiedler ist sicher auch nicht sauer, wenn du den Job nicht annimmst. An Geld mangelt es nicht, die können auch eine Firma anheuern. Die beiden Frauen finden sicher eine adäquate Lösung.“

Ralph war jetzt echt verdutzt. „Zwei Frauen, hä?“,
„Ja die beiden sind ein lesbisches Paar und schon seit drei Jahren verheiratet. Ich war auf der Hochzeit, die war cool. Für Sorgen kein Grund, sie sind in Ordnung und völlig harmlos, keine Kampflesben. Die brauchen halt Hilfe und spielen dabei ihr kleines Katz und Maus Spiel ‚no-mans-land Gartenstraße 17‘. So sind sie halt die Joe und die Simone.“
„Also Joe ist ein Frauenname?“
„Ja, sie heißt eigentlich Joanna.“
„Naja ich weiß nicht was ich davon halten soll.“, erwiderte er und las wortwörtlich Tante Gerda erstmal den gesamten Brief von Simone vor.

Gerda lauschte nachdenklich ohne zu kommentieren und gab dann einen einzigen Tipp:
„Entscheide einfach morgenfrüh aus dem Bauch heraus!“, und ergänzte lediglich, „einerseits interessantes gut bezahltes Abenteuer oder…,“ sie zögerte und suchte nach dem richtigen Worten, „…oder einfach nichts für dich, zu freaky und zu riskant.
Der Bauch ist meist der beste Ratgeber! Wenn du mich morgen zum Schminken oder für die Haare brauchst, rufe einfach durch.“
„Tante Gerda du bist verrückt!“
„Weiß ich.“
„Aber danke für deinen Tipp, ich denk mal in aller Ruhe drüber nach, 2800€ ist viel Geld. Darf ich später noch anrufen.“
„Gern.“

Ralph setzte sich, kaum war er daheim in seiner Studentenbude angekommen, direkt an seinen Schreibtisch. Er las den Brief erneut:

• Erscheinen sie bitte in einem weiblichen Outfit.
• Besuchen sie morgen 10:00 Uhr das Tattoo Studio blue in der Bodenseestrasse 3, dort werden ihnen Lobu, Septum und Labbro gestochen. Ohne schönen Schmuck geht ein ordentliches Makeover nicht. Keine Angst, das sieht später keiner mehr, wächst außerdem von allein wieder zu.
• Lassen sie sich die Haare machen, am besten genau wie bei Ihrer Faschingsparty im Februar.
...

und schüttelte unentschlossen den Kopf.
Dann machte er eine Liste mit den Vor- und Nachteilen dieses Jobs, typisch für ihn bei schwierigen Themen.
Als diese umfangreiche Liste fertig war, unterstrich er die Worte „neugierig“, neue „Erfahrung“ und viel „Geld“ auf der linken der Vorteile-Hälfte des Blattes. Rechts fanden sich ebenso eine paar kritische Wortgruppe zum Markieren: „vielleicht gefährliche Spinner“, „Piercings sind Körperverletzung“, und „Übernachtung am Arbeitsplatz“. Dann verschob er die endgültige Entscheidung auf den Sonntag und ging Joggen.

Der Morgen ist klüger als der Abend, und ein erstes Mal durchdachte er die ganze Geschichte schon wieder unter der morgendlichen Dusche:
‚Gegen das Abenteuer spricht nicht viel, eigentlich genau nur ein hartes Argument. Wenn die beiden Frauen Verbrecher sind, wird’s gefährlich. Und diese Gefahr ist eigentlich nicht richtig zu untermauern. Gerda kennt sie ja seit Jahren, Simone war gestern nett. OK, bleibt die große Unbekannte Joe.
Eine Frau mit Männername oder eben irgendeine Kurzform von Joanna, wie tickt die eigentlich?‘ und dann der Schlussgedanke eher er das Wasser abstellte: ‚Wenn es mir wirklich zu blöd wird, dann hau ich einfach ab.‘
So beschloss er schließlich vor dem Spiegel stehend laut und deutlich: „Was solls, die Kohle hol ich mir!“, streckte den Daumen nach oben, rief Gerda an und fuhr um 10:00 Uhr in das Tattoo Studio blue.

*****

Auf dem Weg dorthin kam unerwartet eine kleine Vorfreude auf. Die Ohrlöcher schienen nicht bedrohlich, wollte er eigentlich schon seit längeren haben, auf der linken Seite als Zeichen der Rebellion oder Piraterie, wäre Klasse. Bezüglich der beiden anderen Piercings, die er nicht so richtig zuordnen konnte, wollte er erst vor Ort entscheiden.
Eine junge Frau namens Pia empfing ihn. Sie war trotz Sonderarbeit am Sonntag herzlich und erklärte ihm alle Details sehr lang und breit. Pia plapperte unaufhaltsam wie ein Wasserfall ohne Punkt und Komma, teilweise ohne Luft zu holen: „…und weißt, das was wir machen, das ist auch schon alles bezahlt.“
Er fasste nach und nach Vertrauen zu ihr. Die Räumlichkeiten waren sehr schön in Weiß gehalten und die ganze Atmosphäre war sauber und wirkte fast wie eine Arztpraxis. Rein gar nichts von einer verruchten Schmuddelbude.

„Und wollen wir loslegen?“ fragte Pia ohne auf Antwort zu warten, „…brauchst keine Angst haben, das sieht toll aus! Auch bei Männern! Ist lange nicht so auffällig wie die neumodischen großen Ohr-Plugs - weißt die riesen Dinger in den Ohren, so groß wie ein Euro odrr noch größer. Da kann man in ein paar Jahren nur noch nähen, schrecklich aber auch schön. Deine kleinen Löchlein sieht später kein Mensch, wenn du es irgendwann nicht mehr möchtest, wachsen die mir nichts dir nichts wieder zu, weißt alles ganz harmlos, haben tausende, wir machen das jeden Tag, gestern erst bei einem fünfzig-jährigen, glaubst nicht, wie das wieder in Mode ist, wir haben Arbeit ohne Ende, manche Frauen haben zehn auf jeder Seite, aber keine Angst machen wir heute nicht.“, Ralph hörte bald nicht mehr inhaltlich zu aber dennoch mochte er die angenehme Stimme der Plappertasche als Hintergrundmusik ganz gern.
Er legte sich brav auf eine weiße Liege - sie zog sich ein paar Gummihandschuhe an. Dann stach Pia schweigend mit hochkonzentriert zusammengekniffenen Lippen eine Kanüle in das linke Ohrläppchen - schnell wie ein Profi, der es jeden Tag macht - in weniger als drei Minuten waren beide Seiten fertig.
„Und hats weh getan?“ fragte sie und plapperte nach der Konzentrationspause weiter und weiter ohne je eine Antwort abzuwarten, „…jetzt kommen da ein paar kleine Stecker rein, in ein paar Stunden kannst du an deine Ohren dran hängen, was immer du willst, Diamanten sehen beim Mann cool aus, oder schwarz, das ist zur Zeit der Renner.“
Sie entschieden sich für zwei schwarze Steine nur drei Millimeter groß.
Dann holte sie die nächste Schmuckschatulle.
„Lass uns mit der Labbro weitermachen, das ist ein kleines Loch unterhalb der Lippe in der Mitte, da kann man dann einen neckischen Ring reinmachen. So einen wie ich trage, schau mal.“
Ein hauchdünner Silberring trennte Pias Unterlippe in rechts und links und wirkte dezent und sexy. Auch diesen Stich ließ Ralph jetzt ohne Umstände mit sich geschehen und Pia zog einen schwarzen Ring hindurch. Das sah ein bisschen so aus, als hätte jemand mit einem schwarzen Edding einen Strich auf die Unterlippe gemalt. Somit war dieses dritte Loch auch gleich geschmückt, nicht zu auffällig dennoch gut sichtbar.
„Sieht sexy aus, gelle?“

„Jetzt zur Nase, das Loch wird dort garantiert keiner sehen, solange Du keinen Ring darin trägst. Habe ich auch!“, und sie spielte ein wenig mit ihrem eigenen silbernen Ring.
„OK“, bestätigte Ralph zögerlich, auch wenn ihm dabei nicht wohl war. Sie sprühte die Nase mit Desinfektionsmittel ein, drückte die Nasenflügel nach hinten und setzte eine spezielle Lochzange am Mittelsteg der Nase an.
„Ready?“
Ralph überlegte noch kurz und dann hörte er sich zu seiner eigenen Überraschung „Ja“ sagen.
Es machte „Klick“ und „Knirsch“ - tat ein wenig mehr weh als er erwartet hatte und deutlich unangenehmer als die anderen drei Löcher aber schon war es überstanden, zurück ging es ja eh nicht mehr.
„Ich setzte den Nasenring gleich mit diesem Spreizer hier ein, dann gelingt der Heilungsprozess am besten. Ralph konnte nicht genau sehen, was sie tat aber sie ging sehr geschickt vor und zweigte ihm das Ergebnis sofort im Spiegel.
„Sehr sexy, bist ein Süßer!“ meinte Pia.
„Und wie bekommt man den blöden Ring wieder raus?“, Ralph spielte daran rum und fühlte sich wie ein Mastbulle, von denen es in seiner Heimatstadt hunderte gab. All diese hatten auch einen mächtigen Nasenring verpasst bekommen, damit man sie dort einfach führen konnte. Irgendwie war das bizarr für ihn. Ich bin doch kein wildes Tier, welches man an der Nase anketten will. Pia zerstreute seine Bedenken mit einem neuen Redeschwall: „Immer drehen und ein bisschen dran rumspielen ist gut, dann wächst der nicht ein, raus geht auch ganz einfach mit einer Spezialzange, die spreizt den Ring und dann gibt’s ne Lücke und fertig, aber jetzt muss der Ring erstmal für eine Weile drinbleiben, sonst verheilt das nicht richtig, und sonst würde was fehlen, so siehts gut aus, recht und links und Lippe und Nase, passt wackelt und hat Luft…“

Auf dem Nachhauseweg klang Pias Singsang noch für eine ganze Weile in Ralphs Ohr weiter. Daheim schaute er immer wieder in den Spiegel, schüttelte den Kopf und konnte es nicht wirklich fassen: ‚Ich habe es wirklich getan, was hat mich da nur geritten. Andererseits,‘ gab er nachdenklich zu, ‚überraschender Weise steht mir der Schmuck auch als Mann recht gut.‘
Er spielte an der Verzierung der Nase rum und war hin und her gerissen, das Bild vom Zuchtbullen war wieder in seinem Kopf. Er würde diesen Ring aus der mittigen Nasenscheidenwand gar nicht selbst entfernen können, auch wenn er es jetzt wollen würde. Es wirkte wie eine Kennzeichnung oder eine Markierung für irgendwas bestimmtes. Und er zuckte mit den Schultern: „Krass ohne die Hilfe des Studios kriege ich das gar nicht raus - ohne Spreizzange keine Chance.‘

Nachdenklich tippte er auf dem Laptop rum. Zunächst suchte er das Stichwort
Septumring
landete bei Schmuckseiten und dann in der Gothikszene.
Er las sich ein. In der Szene wird dieses Schmuckstück von Frauen bevorzug, die einen festen Meister haben. So eine Art äußerliches Zeichen an andere Meister, ich bin vergeben. Dann wühlte er sich weiter von einer interessanten Seite zur anderen, lernte was über SM und über Dom und Sub und landete schließlich in Wikipedia bei:

DEVOT -- Adjektiv -- Bedeutungsübersicht
1. (abwertend) unterwürfig, ein übertriebenes Maß an Ergebenheit zeigend
2. (veraltet) demütig
3. (Jargon) bereit, zur Steigerung des Lustgewinns sadistische Handlungen an sich vornehmen zu lassen
Synonyme zu devot
demütig, fußfällig, kniefällig; (gehoben) ehrerbietig, ergeben; (abwertend) hündisch, kriecherisch, liebedienerisch, untertänig, unterwürfig; (gehoben abwertend) knechtisch; servil, sklavisch


‚Ok, jetzt habe ich – leider - wieder viel gelernt.‘ er versuchte es auf sich zu übersetzen: ‚Nein das Wort DEVOT passt nicht zu mir – vielleicht schon eher für Andrea – am Donnerstag bei ihrem Spielchen auf jeden Fall. Aber ich selbst? Nö, mit drei Ausrufezeichen.‘
Ein Grübler war er noch nie gewesen, so klappte er nach weiteren Minuten das Laptop einfach zu. Den Reim den er sich jetzt auf die Schmiedlers machte, war einfach gestrickt: ‚Die wollen einen Frühjahrsputz und dabei ein wenig herrschaftlich sein.‘
Ihm war es zwar nicht wirklich recht, wie ein Haussklave mit Nasenring. Anderseits der Schmuck war unauffällig und die Idee drei Wochen Frau zu spielen, fand er nach und nach reizvoller. Nach fünf Minuten war ihm der Nasenring im Grunde genommen völlig egal geworden und vergessen.

Kurz noch ein letzter Blick auf den Brief von den Schmiedlers und seine Pro/Con Liste und dann trank er genüsslich Kaffee und murmelte vor sich hin: „Erstens: Ich sehe gut aus - Zweitens: lieber 2800€ und Drittens: ein neues Abenteuer als - Viertens: später zu sagen - hätte ich doch nur.“
Dann genoss er einen Faulenzer-Sonntag-Mittag und verbummelte die Zeit mit Schreibtisch leerräumen, abheften und putzen. Es waren ja schließlich Semesterferien. Voller Stolz betrachtete er den leeren Schreibtisch, drei Wochen ohne juristische Themen lagen vor ihm. Alle Blumen wurden noch reichlich mit Wasser versorgt, der Kühlschrank leergeräumt, um zu vermeiden, dass irgendwas verdarb und zu guter Letzt der Mülleimer entleert.
Nachdenklich stand er im Raum und realisierte die ungewöhnliche Situation. Dies hier würde für drei Wochen nicht sein zu Hause sein. Er verschloss die Wohnungstür sorgfältig atmete tief durch und startete seine ungewöhnlichen Ferien. Eine viertel Stunde vor drei machte er sich auf den Weg zu seiner Tante. Wie mit ihr besprochen wollte sie sich extra viel Zeit nehmen, so zwei bis drei Stunden, für ein Makeover der Extraklasse. Genau das waren Gerdas Worte: „Da brauchen wir schon ein Weilchen für dieses Kunstwerk, muss ja 20 Tage halten.“

*****
52. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 04.06.21 22:29

Na prima ,bin mal gespannt was er da alles machen muss. Bin mal interesiert ob es bei den 3 Wochen bleibt. Lass uns bitte nicht so lange auf das nächste Kapitel warten.
53. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 05.06.21 00:50

Zitat
@ Toree
die Geschichte mit der Prinzessin gefällt mir. Und was ist aus ihr geworden? Eine Königin, schön und gut so!
Ich hoffe, ihre Majestät bleibt neugierig.


Aus der Prinzessin wurde ein 'normaler' Man.
Aber was ist schon normal?

Minna konnte sich durchsetzen, da wir auf ihre Hilfe angewiesen waren.
Im Jahr darauf war ich Ritter. Dann Prinz und später, Rocker.
Als ich dann mit 17 noch mal eine Faschingsdisco gemacht hatte war auch für den DJ Köstumenzwang, war ich dann noch mal weiblich unterwegs.
Musste mich ja nicht bewegen, Roccodame.
Das war mein letzter Ausflug in die Damenwelt.
Das Kostüm hatte ich von einer Nachbarin bekommen, da mir erst zwei Tage vor der Veranstaltung mitgeteilt wurde, dass für mich auch Kostümzwang galt.
Was eigentlich sonst nicht der Fall war.
Wo wolltest du zu DDR- Zeiten in zwei Tagen ein Kostüm herbekommen.
Karin hatte das seit Jahren auf den Boden.
OK es war, mindestens eine Nummer zugroß, der 'Busen' waren zwei Pakete Watte und die Beweglichkeit war seeehr eingeschrängt.

Als dann die fünf Stunden um waren, musste ich auch noch mit diesem Sch... Teil nach hause. Da ich mich selbst nicht befreien konnte.
Meine Schwester, die mich 'eingesperrt' hatte, musste früher nach hause.
Eine Stecke von 20 min, normal, wurde zu eine Stunde, mindestens!!!


54. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Klett-max am 05.06.21 10:23

Als ich las -->Erscheinen sie bitte in einem weiblichen Outfit. <-- da ahnte ich schon, welches Outfit Tante Gerda ihm verpassen könnte. Vermutlich hatte er es kürzlich schon mal gesehen... Genau DAS Outfit würde zu seiner neuen Rolle, ääh Stelle, passen. Bin mal gespannt, was Tante Gerda für ihn herausgesucht hat.

Jetzt kommt Ralphaela vermutlich richtig ins Schwitzen. Genug Arbeit wird sicher da sein und er...sie hatte ja schon gut lernen können. Von daher wird das viele Geld vermutlich hart verdient sein, so er die Zeit durchhält. Aber bis dahin wird es für uns Leser sicher noch so manche vergnügliche Zeile geben, auf die wir uns freuen können...
55. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 05.06.21 23:20

@ Erin,
es bleibt bei den nur drei Wochen Ralph als Haushaltshilfe bei den Schmiedlers aber diese drei Wochen haben es in sich und nehmen über 100 Seiten der Geschichte ein.
Bleib neugierig.

@ Toree
Die DJ in Roccoco hätte ich gern gesehen.
Bleib mir gewogen und neugierig.

@ Klett-max
Dein Gedanken, Tante Gerda kleidet jetzt Ralph in das Zofenkostüm, welches Andrea tragen musste, ist nicht abwägig aber es kommt anders.
Bleib neugierig.

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Jetzt geht es weiter mit den Seiten bis 118.
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Kaum hatte Ralph die Wohnung betreten, war Gerda voll in ihrem Element. Sie liebte die großen Herausforderungen ihrer Visagistenzeit und schwärmte immer wieder von ihren persönlichen Highlights „das Boot“, „die unendliche Geschichte“ und „Buddenbrooks“. Damals war sie die Chefin der Makeup Crew. Wegen späterem Auftragsmangel bei der Bavaria konnte sie nach und nach ihr Talent nicht mehr allzu oft zeigen und Chef war sie schon lange nicht mehr.
Jetzt war sie glücklich und durfte wieder aus Ralph eine Kunstwerk ein Makeover Mann zu Frau zaubern. Ein echter Auftrag mit Format und sie war Feuer und Flamme.
„Du siehst gut aus mit den Piercings.“, begrüßte Gerda ihn freudig, „nicht zu auffällig aber sehr sexy.“
„Geht so…“, brummte Ralph, „…ungewöhnlich, was sich die Schmiedlers da so ausdenken.“
„Tut`s noch weh.“
„Nö geht schon.“
„Auf jeden Fall ist der Schmuck eine wunderbare Basis. Da muss ich Simone und Joe schon irgendwie Recht geben.“

Ralph war nur mit einem kleinen Rucksack erschienen und hatte sich zur Vorbereitung aus den Kleidungsstücken seiner Freundin Andrea bedient. Diese hatte sie irgendwann bei ihm liegen gelassen hatte. Tauglich für Ralph erschien eine weiße Jeans und ein T-Shirt. Er packte diese Sachen aus und bat Gerda um Ergänzungen.
„Du hattest doch bei unserem letzten gemeinsamen Abendessen - weißt schon was ich meine oder - noch so Silkonbrüste, waren die geliehen oder hast du die noch?“
„Habe ich noch“, grinste Gerda und erinnerte sich den gemeinsamen Stunden nach Ralphs Rückkehr, „aber ich würde gern auch deine gewählte Garderobe aufpeppen. Der erste Eindruck beim Arbeitgeber ist wichtig.“
„Aber bitte nicht zu auffällig, ich muss durch die halbe Stadt und das auch noch mit den Öffentlichen. Am liebsten wäre es mir, wenn keiner sieht, dass ich eigentlich ein Mann bin.“
„Ein Mann?“ Gerda kicherte, „Eher ein Junge, du bist ja gerade erst 20 geworden.“

Ralph konnte ihr ob der Bemerkung nicht böse sein und stieg wenig später einfach recht bereitwillig in einen Bodyformer, den er von Gerda gereicht bekam. Dieser war hautfarben, ein bisschen Oma-Style aber wenigstens mit ein paar kleinen Spitzen verziert am BH und im Schritt. Das Ding hielt was es versprach, der Körper wurde weiblicher, die Taille zusammengedrückt und sein bestes Stück - sein Pimmel - verschwand im Schritt fast unsichtbar nach hinten. Dieser Body war nicht nullachtfünfzehn, eher was ganz Besonderes von Triumph, dies spürte Ralph gleich nach dem Anziehen. Das Teil schmiegte sich überall eng an, ohne zu zwicken und formte sogar den Po leicht nach oben zu einem sexy Propper-Hinterteil. Gerda fummelte die Gummibrüste rein, schob diese gekonnt an die richtige Position und schnalzte mit der Zunge: „Passt, wackelt und hat Luft!“
Im Taillenbereich gab es zwei zusätzliche Reißverschlüsse rechts und links unter den Achseln, die sie mit etwas Kraftanstrengung nach oben zog. Dieser verengte den Body so wie es ein Korsett tun würde, nur hier bei diesem Luxusteil deutlich bequemer für die Trägerin oder eben in diesem Fall den Träger. Er drehte sich vor dem Spiegel. Dieses sah in der Tat oben rum, an den Hüften und im Schritt bereits weiblich aus. Alles stimmte von den Proportionen wie bei einer weiblichen Person.
Dann neckte Ralph seine Tante: „Damit mogelst du wohl auch immer ein bisschen an deiner Figur rum.“
Sie knuffte ihn in die Wange: „Das geht dich gar nichts an, lass uns lieber weitermachen.“
Das T-Shirt von Andrea wurde aussortiert, stattdessen eine einfach weiße Baumwollbluse bevorzugt. Für unter die Jeans war schnell eine hautfarbene Strumpfhose gefunden. Dazu gab es ein paar Stiefelchen mit nicht allzu hohem Absatz von vier Zentimeter. Die unpassenden weißen Turnschuhe wurden aussortiert und verschwanden wie der Rest der Sachen im Rucksack.
Ralph quittierte: „Ist OK mit den Stiefeletten, mit denen kann ich halbwegs gut laufen!“

Er schritt vorsichtig durch die Wohnung, beäugte sich im großen Spiegel und war es zufrieden. Gerda reichte ihm einen schwarzen Blazer mit leicht ausgestellten Schultern: „Probiere den mal, draußen ist es noch zu kalt ohne Jacke.“
Dann wurde noch eine passende Handtasche rausgesucht, die der Neffe probehalber über die Schulter legte. Das Outfit überzeugte beide: eine typische junge Frau im frühsommerlichen schwarz/weißen Businesslook, nicht allzu auffällig aber auch nicht graue Maus.

„Jetzt nenn ich dich nicht mehr Ralph, OK?“
„Mach ruhig, muss mich ja dran gewöhnen, wenn ich wirklich drei Wochen so rumlaufen muss.“
„Muss? Gefällt es dir nicht? Kein bisschen?“
„Doch, doch, geht schon, sieht chic aus…“ erwiderte er nachdenklich, jetzt schon viel mehr als Nichte denn als Neffe, „…das ist es ja gerade, was mich so verwundert. Fühlt sich überraschend gut an.“
„Mach dir keine Sorgen! Alles gut. Jetzt müssen wir uns um die Haare und das Gesicht kümmern. Das ist eindeutig noch Ralph und nicht das Mädchen Raphaela.“
Gerda zwinkerte ihm zu, setzte ihn im Bad auf einen Hocker und begann mit einem Haarnetz.
„Da du das jetzt wahrscheinlich drei Wochen lang tragen musst, hat es keinen Gummizug. Es würde sonst nach wenigen Stunden unangenehm am Kopf. Das ist ein Trick vom Filmset, wenn wir viele Drehtage hintereinander mit selbem Aussehen der Schauspieler hatten, haben wir die Perücken besonders sorgfältig aufgesetzt. Da konnten die Schauspieler viel Zeit sparen und haben nächtelang mit den falschen Haaren geschlafen. Ich ziehe jetzt deine eigenen Haare durch dieses spezielle Netz, das sitzt dann bombenfest am Kopf.“
Es dauerte ganz schön lange, bis sie Haarbüschel für Haarbüschel verknüpft hatte und am Ende selbst mit ihrem Werk zufrieden war.

„Was meinst, wie mich die Schmiedlers nennen werden?“, fragte Ralph.
„Lass dich doch einfach überraschen, vielleicht haben sie ja einen schönen Namen für dich. Oder du sagt ihnen einfach: ich bin Raphaela! Mach dir da einfach keinerlei Gedanken und lass es auf dich zukommen.“

Nach der Knüpfarbeit holte sie eine spezielle Theaterperücke aus dem Schrank und erklärte, wie diese aufwendig mit dem Netz verbinden würde. Sie begann am Mittelscheitelscheitel des Kopfes geschickt mit einer Häkelnadel und verband das Netzt mit der Unterseite der Perücke. Dann arbeitete sie sich Stück für Stück zu allen vier Seiten herunter. Auch dafür wurde wieder eine Viertelstunde benötigt. Anschließend wuschelte sie ihrem Neffen durchs Haar, strich die Strähnen aus dem Gesicht und stellte mit sich hoch zufrieden fest: „Passt gut zu dir, sieht stimmig aus und sitz fest wie angewachsen.“
„Fühlt sich gut an, fast wie echt.“, Ralph lächelte verlegen und verspürte ein kleines Prickeln, als die Kuntshärchen seinen nackten Hals streichelten.
„Jetzt bist meine Nichte und mein Neffe Ralph hat erstmal Sendepause. OK?“
„Mach doch, wenn es dich glücklich macht!“
Aber die Gleichgültigkeit der Worte von Ralph passte nicht zum glücklichen Gesichtsausdruck des Mädchens Raphaela.

Sie wurde angehalten die neue Haarpracht zu waschen. Auch das gelang mühelos, ohne dass die Perücke verrutschte. Anschließend wurden die Haare durch Gerda geföhnt und mit ein wenig Haarspray gestylt. Erst dann durfte sie in den Spiegel schauen. Das Lächeln des Mädchens und der nach oben gestreckte Daumen verrieten Gerda, Raphaela war happy mit dem, was sie sah. Halblange dunkle Haare bis zur Schulter, aufgelockert mit hellen Strähnchen, top frisiert wie ein junges Fräulein aus gutem Hause.

Das folgende Schminken kannte das Mädchen ja schon von der Faschingsaktion aber heute war alles anders. Ständig wurde es durch Gerda ergänzt durch viele Erklärungen was sie gerade wie macht. Gerda forderte sie gelegentlich auf, das eine oder andere selbst zu tun. Sicher sehr sinnvoll, denn Raphaela muss es ja die nächsten drei Wochen ohne die Hilfe der Tante hinbekommen. Besonders oft musste sie mit den künstlichen Wimpern üben aber auch dieses Gefummel hatte das Mädchen alsbald gelernt. Die verlängerten Härchen auf dem Oberlid vergrößerten optisch die Augen. Da die Länge der Wimpern außen größer war als innen, wirkte der Augenabstand vergrößert. Die Härchen unter dem Auge wurden nicht aufgefüllt, nur leicht gefärbt und das Unterlid mit Makeup aufgehellt.
„Wow, das sieht ja jetzt ganz anders aus.“, rief Raphaela verwundert als sie das Werk im Spiegel bewunderte.
„Ja das sind Tricks aus der Modellwelt, Augenabstand vergrößern und Blick öffnen, schon kann ein hässliches Entlein zum Schwan werden.“

Etwas unschlüssig waren sie gemeinsam, als es darum ging die Augenbrauen auf schmalen Streifen zu zupfen. Wollten sie beide das wirklich, das würde ja viel länger, auch über die drei Wochen hinaus, deutlich sichtbar und weiblich bleiben. Aber dann war es Raphaela die entschied - sie tauchte wohl gerade voll in ihre Rolle ein. Sie forderte frohgemut Gerda auf: „Mach doch einfach!“
So zauberte die Tante mit Pinzette und kleiner Bürste schmale, schwungvolle Bögen. Der Unterscheid war frappierend, buschiger Wildwuchs vorher und danach gepflegte Weiblichkeit. Die neuen Brauen betonten die Augen, sie wirkten nochmals größer und der Gesichtsausdruck wurde weicher und offener.

Es dauerte auch wieder eine kleine Ewigkeit, die Fingernägel fest aufzukleben und den Kleber mit Rotlicht auszuhärten. Als diese auch noch im gleichen Ton wie die Lippen lackiert waren, war es edel und stimmig. Der Aufwand hatte sich wahrlich gelohnt, Raphaela konnte sich im Spiegel gar nicht satt sehen.

Anschließend gab es von Gerda noch Schmuck, sowohl für die Finger Ringe als auch den für den Hals eine Kette. Dazu kleine passende Kreolen als Ohrring, eine weiße Uhr und einen langen Schal.
„Ich glaube wir sind fertig…“ sagte Gerda frohgemut. Sie war einmal zur Detailkontrolle um das Mädchen herumgetänzelt, „…geh mal raus in den Flur im großen Spiegel gucken.“

In der Tat, perfekt. Ralph sah eine junge Frau Anfang zwanzig, dezent aber nicht zu unauffällig geschminkt, schönes fülliges Haar und passend für einen Frühlingseinkauf gekleidet. Auch der Schmuck in Nase und an der Lippe vom Tattoo Studio bildete überraschenderweise keinen Stilbruch. Elegante moderne Stimmigkeit einer selbstbewussten jungen Frau war als Gesamtbild erreicht worden, an dem gab es nichts zu deuteln. Damit konnte sie sich eigentlich in die U-Bahn trauen. Obwohl, der Gedanke war ihr doch noch immer unrecht. Raphaela schüttelte ein Frösteln beiseite und beobachtet dabei wie ihr Haar umherwirbelte, unbeabsichtigt aber völlig natürlich. Sie schob sich gekonnt feminin eine Haarsträhne hinter das Ohr. Ein freundliches, erotisches Frauenlächeln trat in ihr Gesicht, von Ralph keine Spur mehr.

„Das sieht alles echt aus, da kommt keiner drauf, dass ein junger Mann drunter versteckt ist. Was meinst liebe Nichte, fühlst dich wohl?“, fragte Gerda aufmunternd.
„Ja geht schon so halbwegs.“, die Worte klangen zögerlich aber das Strahlen der Augen sprach eine andere Sprache.
„Warte mal…“ antwortete Gerda, und machte zehn Fotos mit dem Handy, „…nur so zur Erinnerung. Viel Spaß wünsche ich dir! Wird schon nicht schiefgehen.“
Dann reichte sie die Handtasche: „Ich habe dir noch alles, was du so als Frau brauchen könntest, hier reingesteckt. Was stand in dem Brief von Simone? Die haben alles. So wirst du wahrscheinlich das Makeup nicht mal brauchen. Die Schmiedlers haben Unmengen davon, wirst schon sehen.“
Gerda genoss die Situation sichtlich, sie hatten ein kleines Kunstwerk geschaffen. Und ihre neue Nichte? Die wirkte keinesfalls unglücklich und fand sich selbst toll, so wie sie rumstolzierte.

Sie umarmten einander und verabschiedeten sich herzlich.
„Das klappt bestimmt mit dir und den Schmiedlers. Rufe mal durch, bin schon irgendwie neugierig, wie`s läuft.“, waren die letzten aufmunternden Worte von Tante Gerda an Raphaela.
„Keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse, wird schon, jetzt muss ich aber los.“
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Schön, dass ich hier ein paar Freunde gefunden habe, die die Geschichte mögen. Gern Feedback hier oder per Mail
[email protected]
56. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 07.06.21 00:04

Zitat
Zitat
@ Toree
die Geschichte mit der Prinzessin gefällt mir. Und was ist aus ihr geworden? Eine Königin, schön und gut so!
Ich hoffe, ihre Majestät bleibt neugierig.


Aus der Prinzessin wurde ein 'normaler' Man.
Aber was ist schon normal?

Minna konnte sich durchsetzen, da wir auf ihre Hilfe angewiesen waren.
Im Jahr darauf war ich Ritter. Dann Prinz und später, Rocker.
Als ich dann mit 17 noch mal eine Faschingsdisco gemacht hatte war auch für den DJ Köstumenzwang, war ich dann noch mal weiblich unterwegs.
Musste mich ja nicht bewegen, Roccodame.
Das war mein letzter Ausflug in die Damenwelt.
Das Kostüm hatte ich von einer Nachbarin bekommen, da mir erst zwei Tage vor der Veranstaltung mitgeteilt wurde, dass für mich auch Kostümzwang galt.
Was eigentlich sonst nicht der Fall war.
Wo wolltest du zu DDR- Zeiten in zwei Tagen ein Kostüm herbekommen.
Karin hatte das seit Jahren auf den Boden.
OK es war, mindestens eine Nummer zugroß, der 'Busen' waren zwei Pakete Watte und die Beweglichkeit war seeehr eingeschrängt.

Als dann die fünf Stunden um waren, musste ich auch noch mit diesem Sch... Teil nach hause. Da ich mich selbst nicht befreien konnte.
Meine Schwester, die mich 'eingesperrt' hatte, musste früher nach hause.
Eine Stecke von 20 min, normal, wurde zu eine Stunde, mindestens!!!



Korrektur: es war nicht Rokoko, sonderen Biedemeier, fast komplett mit Schnürmieder, Reifrock, Schute und Handtäschchen.
Auf das Rüschchenhöschen durfte ich verzichen, die Absatzschuhe waren, Gott sei Dank zuklein!
57. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 07.06.21 23:01

Na da bin ich mal gespannt wie es ihr(ihm) so ergeht . Hoffe es wird ihm nicht so schlecht ergehen. Habe den verdacht das das eine Entscheidung für das Leben wird. Lass uns nicht so lange warten!!!!
58. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 09.06.21 14:13

Bisher ist diese Story voll nach meinem Geschmack.Sie liest sich sehr interessant.
59. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 09.06.21 15:24

Eine echt geile Geschichte, weiter so!
Bin gespannt wie es weiter geht!
60. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 13.06.21 18:46

@ Gast
Danke für Deine liebe Mail und das Feedback. Hat mich sehr gefreut, dass Du den Mut hattest, mir zu schreiben.
Bleib neugierig.

@ Toree
So, so Biedermeier. Habe gerade gegoogelt, jetzt weiß ich wie die DJ-Toree ausgesehen haben könnte.
Jetzt bin ich neugierig.

@ Erin
Eine Entscheidung für's ganze Leben von Ralph vermutest Du?
Naja dann lass Dich mal überraschen, aber es dauert ein Weilchen, bis Du schlauer wirst.
Bleib bitte mal schön neugierig.

@ Gummimaske
Schön, wenn ich Deinen Geschmack treffe.
Der Stil ändert sich aber nach und nach, bleib neugierig.

@ develdom
"geil" als Adjektiv ... da habe ich wohl bei Dir das Kopfkino angeschaltet.
Freut mich und bleib "lüstern lesend".

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Jetzt geht es weiter bis Seite 135
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Kapitel #8 *** schwer verdiente 2800€

Auf der Einfahrt des Anwesens der Schmiedlers prüfte das neu geborene Mädchen nochmals gründlich ihr Makeup im Handspiegel. Dann nahm sie die letzten 50 Meter vom Parkplatz in Angriff und erlag einem Aha-Effekt. Definitiv kein kleines Reihenmittelhaus, sowas hatte er auch nicht erwartet. Die Größe der Villa in der Gartenstraße war sehr eindrucksvoll, der erste Blick durch das Schmiedeeiserne Tor offenbarte ein Kleinod in München. Sie schätzte das Haus auf drei bis vierhundert Quadratmeter, davor ein breiter dreißig Meter langer Schotterweg durch einen großen Garten und fünfzehn Treppenstufe hinauf zum Portal. All das zeugte von einem wahrlich herrschaftlichen Haus.

„Jetzt, meine beste weibliche Seite zeigen“, sprach er einmal laut vor sich hin und wiederholte den Satz drei Mal, bis er seine männliche Stimmlage auf einen annehmbaren leisen rauchigen weiblichen Level justiert hatte.
„Dann los in die Höhle der Löwen, toi, toi, toi,“.
Er sprach sich zögerlich selbst Mut zu und wusste nicht so recht, wie dieses zweite Vorstellungsgespräch inklusive dieser unbekannten Frau Joe Schmiedler wohl ausgehen würde. Nach allem was er sah und wie er sich fühlte, war es ein lohnenswerter Versuch, den Job zu ergattern. Hatte er wohl die drei „nicht verhandelbar“ Anweisungen aus dem Anforderungsbriefes zur Zufriedenheit der Schmiedlers erfüllt? Was würde ihn in diesem noblen Hause wohl erwarten?

„Ich bin jetzt ganz Raphaela, ganz Mädchen, ganz Putzfrau!“ flüsterte sie vor sich hin und atmete tief ein. Dann ergänzte sie laut „Und los!“

Sie läutete sie die Glocke am Eingang der Villa und wartete.
„Ja?“ ertönte eine betont distanzierte Frauenstimme durch den Lautsprecher.
Der barsche Klang der Stimme verunsicherte Raphaela und daher antwortete sie mit zittriger leiser Stimme: „Hier ist die Frühjahrsputzhilfe. Ich habe einen Termin bei der Familie Schmiedler bezüglich der Vakanz!“
„Sie sind 4 Minuten zu früh…“, antwortete die Stimme: „…aber besser so als zu spät zu erscheinen! Ihnen wird geöffnet, warten sie in der Eingangshalle.“

Der Türsummer ertönte und sie trat ein.
Sichtlich beeindruckt von der Größe des Eingangsraumes und der Breite der ins Obergeschoß führenden Wendeltreppe, schaute sie sich zaghaft um. Rechts und links zwei kleine Türen zu den Räumen im Erdgeschoß, überall alle Wände voll mit modernen Gemälden, die im Kontrast zur Gebäudearchitektur des 19. Jahrhunderts standen. Das Haus im Jugendstil, die Bilder alle Nachkriegsware.
Die Marmortreppe war dominant und führte in ein helles Obergeschoß. Sie erschrak, als die automatisch schließende Tür erst jetzt mit viel Verzögerung satt ins Schloss schlug. Der Blick des Mädchens in die Eingangsrichtung löste eine Gedankenkette aus: ‚Ups, gar keine Türklinke auf der Innenseite. Was hat das zu bedeuten? Ok, ist wahrscheinlich alles elektrisch und alles ist gut, oder? Warum sollte jemand ein Haus von innen schützen? Macht doch keinen Sinn. Oder bin ich jetzt gefangen?‘

Verdattert schaute sie sich lieber schnell das eine Gemälde über der Tür näher an. Schon wieder wurde sie zum Selbstgespräch verleitet:
‚Da ist ja ein Akt von einer nackten Frau! Mitten im Empfang, was soll denn das? Ist sehr vereinfacht gemalt, wenige Pinselstriche aber eindeutig ein Akt. Empfängen die hier etwa so Gäste? Und warum hat diese Frau offensichtlich eine Hand im Schritt, verdeckt sie ihre Muschi, oder? Das kann doch nicht wahr sein, sie verdeckt mit der Hand einen Gegenstand, der in ihr steckt. Hat sie einen Dildo zwischen den Fingern und drückt ihn genüsslich zwischen die Schamlippen? Nicht schlecht wie ein Künstler mit so wenigen Strichen einen solch eindeutigen erotischen Effekt erzeugen kann.‘

Die anderen Bilder waren zum Glück weniger irritierend, sehr modern und interessant. Sie konnte die kleine Galerie für fünf Minuten studieren.
„Neugierig?“, wieder diese distanzierte Stimme, die sie von der Sprechanlage kannte. Sie fühlte sich ertappt und nickte verlegen.
„Unser kleines Hobby.“ Eine schöne Frau schritt die Treppe elegant herunter und deutete mit einer weiten Armgeste auf alle Bilder. „Wir kaufen immer wieder Kunst von neuen Künstlern und dann warten wir, was passiert. Kennen sie Gerhard Richter?“
„Nein.“, flüsterte das Mädchen ein wenig eingeschüchtert aber bemüht weiblich zu wirken.
„Gut so, dann weiß ich wenigstens, dass sie beim Abstauben das wertvollste Bild nicht erkennen und keine Dummheiten machen.“
Jetzt hellt sich das Gesicht der Hausherrin ein wenig auf. Sie stand auf der untersten Stufe und reichte dem Gast die Hand:
„Willkommen in unserem Haus, mein Name ist Joe Schmiedler.“
„Danke“, flüsterte sie zurück, „wirklich sehr schön hier.“
„Kommen Sie bitte mit nach oben, dort ist es nicht ganz so intellektuell wie hier in unserem Louvre.“
Mit einer einladenden Geste schritt sie voran.

Jetzt konnte das Mädchen Frau Joe Schmiedler unauffällig mustern. In der Tat eine eindrucksvolle Frau. Ein schwarzer Hosenanzug, der sehr edel und nach high Level Business aussah. Sie war nicht sehr groß, sie kaschierte jedoch den Größenunterschied zu ihrer Partnerin Simone mit schwarzen High Heels. Die kastanienbraunen Haare in einer halblangen modischen Frisur rundeten das Bild einer Managerin gut ab. Ralph konnte auch auf Details achten, die Fingernägel waren dezent transparent lackiert, sie trug wenig Schmuck und eine Herrenuhr, vermutlich Rolex. Wie anmutig sie die Treppe emporstieg, ihr aufrechter Gang mit herausgestreckter Brust und dabei in flotter Geschwindigkeit zeigten jedermann, diese Frau weiß was sie will. Ralph/Raphaela war sofort in einem Gefühlskarussell, einerseits begeistert von der Eleganz und Anmut die Joe Schmiedlers ausstrahlte aber auch schwer beeindruckt und eingeschüchtert von Stil und Dominanz ihrer Erscheinung.

Oben in einer großen Wohnküche wurden sie bereits von Simone Schmiedler erwartet, die Ralph begeistert begrüßte:
„Wow…“, sie war in der Tat positiv überrascht. Sie kannte ihn ja bisher nur als Junge und vom Bolero-Foto, „…da haben sie Ralph und Gerda ja ein Wunder vollbracht. Ich hätte sie als Fräulein fast nicht wiedererkannt.“
Sie musterte das Mädchen von oben bis unten und bat: „Bitte drehen sie sich mal!“
Ein wenig stolz auf ihre Außenwirkung kam sie dem Wunsch gerne nach und bewegte sich bewusst anmutig. Die beiden Gastgeberinnen lächelten ob der Eleganz der Drehbewegung. Es war eindeutig zu sehen, dass Ralph ein Tänzer war, die Drehbewegung war nicht ungelenk und trotz der halbhohen Schuhe vollendet grazil.
„Möchten sie einen Kaffee, oder so spät am Abend lieber etwas Anderes?“, fragte Simone freundlich und wand sich zum Automaten. Sie legte ihren Arm auf Joes Schulter: „Und was ist mit dir mein Schatz?“
Beide, Joe und Raphaela antworteten im Duett: „Ja, Kaffee schwarz.“

Währenddessen, nahmen Joe und das Mädchen am hohen Esstisch Platz und beobachteten wie der Kaffee durch die Maschine tröpfelte. Simone trug im Gegensatz zu Joe reine Freizeitkleidung. Eine schlichte Jeans spannte sich um ihren ausladenden Po und ein weißes einfaches T-Shirt kämpfte mit ihrem gewaltigen Busen. I Sunday in großen roten Buchstaben war auf der Brust zu lesen. Wieder verweilte der Blick von Ralph/Raphaela zu lang auf ihrer Oberweite, ein ähnlicher Reflex wie am Vortag im Kaffeehaus. Joe war dieses männliche Gehabe nicht entgangen und die Managerin fragte genervt:
„Sie sind also Ralph und wollen bei uns Geld verdienen?“
Simone kam schnell mit einem breiten Lächeln und dem Kaffee. Sie ermahnte ihre Partnerin höflich: „Sei doch nicht so grantig! Ralph kann doch nichts dafür, dass du heute Nacht noch nach London fliegen musst.“

„Ja…“, antwortete das Mädchen leise, „…ich würde gern den Frühjahrsputz-Job bei ihnen machen.“, sie war verlegen ob der Unterschiedlichkeit der beiden Frauen. Ihre neue weibliche Stimme klang noch sehr wackelig wurde nur langsam besser.
„Sie tragen für einen Mann sehr auffälligen Schmuck.“, Joe brummte schon wieder und Ralph war jetzt vollends verwirrt. Kannte Joe etwa die Anweisungen aus dem Brief nicht? Hatte Simone diesen Brief allein ausgeheckt?
„Joe!“, bat Simone nachdrücklich, „Lass doch mal bitte den Jungen in Ruhe Kaffeetrinken. Ich habe Dir doch gestern schon erzählt, der ist nett. Und schau dir doch mal an, wie toll er aussieht.“
„In der Tat, sie haben ein gutes Makeover hinbekommen, man könnte fast glauben sie machen das täglich.“, Joe blieb in ihrem Umgangston weiter spitz, „Und sagen sie, wie oft verkleiden sie sich so?“

Sie konnte es nicht lassen, Joe hatte sich nun mal in den Kopf gesetzt ein ernsthaftes Bewerbungsgespräch zu führen. So zog sie dieses Verhör nun auch durch. Auch erinnerte sich Joe nun plötzlich wieder an die Einzelheiten des Bedingungs-Schreibens. Ja stimmt, den hatte sie mit Simone kurz besprochen, aber wegen der vielen Arbeit nur überflogen. Ihnen beiden war wichtig, dass sie keinen Mann im Hause haben. So hatten sie es festgelegt! Die Sache mit dem Schmuck war als Hürde eingebaut worden, um sicher zu gehen. Jetzt ließen sie sich von der Bewerberin erstmal die Vorbereitung für den Job im Detail erklären und fragte auch nach dem „studio blue“.
Joe gab offen zu: „Das ist nicht so mein Ding Piercings und so. Simone dagegen hat auch überall Metall und bei ihr ist es wunderschön.“
Sie lächelte Ihre Partnerin an. Simone lächelte zurück und zeigte mit dem Finger auf ihren linken Busen. Hinter dem Herz von I Sunday war deutlich zu sehen, sie hatte sich einen Ring durch die Brustwarze machen lassen. Sehr sexy und schon ein bisschen sehr auffällig unter dem engen T-Shirt.

„Darf ich?“, fragte Joe pro forma. Ohne abzuwarten befühlte sie die Ohrringe, stupste kurz den Lippenring und zog mit dem Nagel des Zeigefingers leicht am Septumring.
„Autsch“, erwiderte Ralph, „das Ding ist noch neu. Bitte vorsichtig!“
„Ok, Ok ich wollte ja nur kontrollieren, ob es kein Fake ist.“
Simone beschwichtigte: „Ich mag es wie mutig sie unseren Piercing-Wunsch umgesetzt haben und die Auswahl des Schmuckes ist ihnen gut gelungen.“, und setzte ein gewinnendes Lächeln auf.

Jetzt musste die Bewerberin die Details der Kleidung erläutern und wurde auch peinlich zur Unterwäsche befragt. Joe wollte alles ganz genau wissen und kommentierte ein ums andere Mal bissig.
Immer wieder verdrehte Simone die Augen, ihr war die Ernsthaftigkeit des Gespräches peinlich. Sie sendete ihrerseits positive und ermunternde Zeichen aus. Dann wollte Joe erneut wissen, wie viel Erfahrungen mit Frauenkleidung vorhanden sind. Langsam wurde die Bewerberin Raphaela lockerer und berichtete davon, dass sie nie als Transvestit in Frauenkleidern rumläuft. Es folgte ein kleiner Bericht vom Switch-Karneval im Februar und von den Vorbereitungen mit Gerda und Andrea. Auch der damit verbundene Wettbewerb, ihr zweite Platz kam zur Sprache und sie machte sich über das Conchita-Wurst-Gewinnerpaar lustig. Langsam kam sie immer selbstsicherer in Plaudern, hielt dabei auch mehr und mehr die Stimme im weiblichen Alt. Joe konnte es sich nicht verkneifen, nachzufragen, wie sie sich dabei als Bolerotänzerin gefühlt habe.
„Ging so,“, erwiderte Raphaela kurz und nach einigem Zögern ergänzte sie, „war irgendwie eine interessante Erfahrung. Aber so der dringende Wunsch es wieder zu tun, wurde dadurch nicht ausgelöst.“
Ok, das war eindeutig gelogen aber das müssen die beiden ja nicht unbedingt wissen. Er erzählte vom Studium und lobte Gerda nochmals ausführlich für ihre Hilfe bei der Vorbereitung.

„So genug geplaudert, kommen wir jetzt zu ihren Fähigkeiten bzgl. Frühjahrsputz.“, forderte Joe ihn auf, sein Können zu beweisen.
Das Mädchen hatte diese Frage erwartet und gut vorbereitet. Auch wollte sie auf keinen Fall von den acht Wochen sprechen, in denen sie Gerda notgedrungen geholfen hatte. Das geht die Schmiedlers nichts an, hatte sie im Vorfeld entschieden. Andererseits das weibliche Erlebnis mit Gerda von Mittwoch war noch frisch in ihrem Kopf. Das frische Erlebnis als perfekt gekleideten Gummizofe war ein Highlight und auch den Donnerstagabend mit dem Abenteuer mit Andrea verheimlichte sie.
„Ich bin ein wenig pingelig, was Ordnung und Sauberkeit betrifft und möchte das an eins zwei Beispielen erläutern. Meine Fahrräder putze ich immer sofort, wenn ich von einer Mountainbike Tour komme, diese dreckig in die Garage zu stellen ist mir ein Graus. Mein Schreibtisch ist immer leer, ich mag es nicht, wenn das ganze Unizeug den ganzen Tag rumliegt. Auch sortiere ich Bücher im Regal gern nach dem Alphabet und jedes Ding hat seinen Platz. Wir haben in Garmisch einen großen Garten und da fühle ich mich wohl beim Helfen. Da ist ein Fischteich zu pflegen, Rasen natürlich und wir haben ein Gewächshaus, das war früher mein Reich.“, sie stutzte kurz, „jetzt natürlich nicht mehr, ich bin ja meist in München, da habe ich aber seit einer Woche eine Tomatenpflanze im Fenster.“
Die beiden Frauen schmunzelten. Irgendwie war sie schon richtig gut im Bewerbungsgespräch. Sie traf die Punkte gut und erläuterte flüssig.
„Wie sieht es aus mit Grundreinigung und Frühjahrsputz?“, fragte Joe.
„So weit OK, glaube ich. Meine Wohnung hat einen festen Putztag. Am Samstagmorgen stehe ich wie unter der Woche früh auf und mache das Reinemachen immer bis zum Mittag. Alles von der Eingangstür bis zur Kloschüssel. Da habe ich so ein eingeschwungenes Vorgehen. Ist mir wichtig und können sie sich gern anschauen. Gestern habe ich eine größere Anstrengung unternommen, auch die Fenster mal geputzt und den Küchenschrank leergeräumt und ausgewischt. Wollte ein bisschen üben. Das ist mein Maßstab für hier“, fügte sie lächelnd hinzu.

„So noch maximal zwei Fragen, dann kommt das Chinesische Essen“, legte Simone jetzt bestimmt fest. Man spürte sie hatte richtig Spaß an dem Jungen. Ihr Ersteindruck von gestern bestätigte sich mehr und mehr positiv.
„Können sie Geschirr polieren?“
„Ja habe ich schon mal bei Oma gemacht, sie hat noch so altes Silberbesteck.“
„Bügeln und Wäschewaschen?“
Jetzt wurde es brenzlig, sollte er doch von seinen Versuchen bei Gerda berichten. Lieber nicht.
„Ist ein Lernfeld.“
„Kochen und Servieren?“
„Geht so, mit Rezept klappt es aber schon ganz gut und für drei Personen bekomme ich das bestimmt hin.“
Joe wollte gerade ansetzen, da bekam sie einen Kuss auf die Wange und Simone bat sie: „Lass gut sein.“
„Eine letzte Frage noch. Werden sie junger Mann es wirklich durchhalten hier drei Mal sechs Tage durchzuschuften und das in Frauenkleidung.“
„Ich glaube schon, so leicht gebe ich nicht auf.“
„Abwarten“, sagte sie betont streng, „sie haben nicht die leiseste Ahnung was wir alles von ihnen fordern.“

In diesem Augenblick klingelte es an der Tür und das Mädchen wurde mit Geld nach unten geschickt, den Chinesen zu empfangen und zu zahlen. Während er unterwegs war, schauten sich die Frauen belustigt und hocherfreut in die Augen und beide drehten den Daumen nach oben.
„Der passt, da gebe ich deinem gestrigen Assessment recht, das spür ich jetzt auch“, lobte Joe „Wir lassen uns jetzt von ihm ein bisschen bedienen und dann bevor ich zum Flughafen abdüse, sagen wir ihm zu, OK?“
Sie bekam dafür einen dicken Kuss mitten auf den Mund und ein ich-liebe-Dich zu hören.

Das Mädchen kam mit dem chinesischen Essen die Treppe hoch und wurde angewiesen ihre Künste zu beweisen. Die beiden Frauen lehnten sich zurück und ließen sie in der Küche werkeln und servieren. Die Bewerberin war recht geschickt, reichte die Teller von rechts, öffnete den Wein und ließ Joe vorher sogar probieren, bevor sie die Gläser füllte. Sie bemühte sich sichtlich und legte sogar beim Weineingießen die linke Hand auf den Rücken. Sie aßen gemeinsam genüsslich aber da zeigte sich ein weiteres Lernfeld. Während die Frauen geschickt mit Stäbchen hantierten, war Ralph sichtlich überfordert und bekam das Essen nur spärlich in den Mund.
„Auch ganz gut, wenn sie das mit den Hölzchen nicht können…“, stichelte Joe,
„…nehmen sie schnell ein wenig ab und ihre Taille wird schöner.“.
Sie sprachen zwanglos über dies und das und fragten Ralph nur noch wenige Dinge. Joe schaute auf die Uhr und entschied innerlich, jetzt habe ich noch 15 Minuten, jetzt geht es an das Eingemachte.

„Irgendwelche sexuellen Vorlieben, die wir besser wüssten, bevor sie bei uns anfangen?“
Ralph verschluckte sich vor Schreck an einer langen Nudel und begann zu husten. Aber er kam aus der Frage nicht mehr raus. Er wurde beobachtet und beide warteten geduldig.
„Ähm das ist aber eine direkte Frage.“, wand er sich mit männlicher Stimme und wurde puterrot.
„Wieso, ist doch einfach: Welche Pornos törnen sie am meisten an, so einfach geht das.“
Konnte er einfach stopp sagen, das ging ihm irgendwie zu weit. Würde er dann den Job dennoch bekommen.
„Ähm... ich sag mal so… wir, ich meine ich… mag Frauen.“
„OK, nicht sehr außergewöhnlich, wir auch!“, konterte Joe und das Pärchen schaute sich lachend in die Augen.
„Also ich meine Frauen“, wieder zögerte er, „die experimentierfreudig sind. Und schlau meine ich und Fantasie haben. Frauen, die nur-schön sind, sind meist beim Frühstück danach langweilig.“
Joe war sichtlich beeindruckt von dieser reifen Kurzanalyse. Ließ aber nicht locker.
„Also gut.“, stöhnte er, jetzt hatte Joe ihn so weit getrieben. „ich habe eine ganz kleinwenige Erfahrung gesammelt mit meiner Freundin Andreas. Wir experimentieren ein bisschen mit Demut und Dominanz, wenn sie verstehen was ich meine.“
„Also bei BDSM Pornos holen Sie sich einen runter?“, Joe war wieder im Kratzbürstenmodus.
„Nein, nein das meine ich nicht. Ich meine ich habe mal ein bisschen experimentiert mit meiner Freundin“, er stotterte, „Ich meine mit zwei Freundinnen.“
„Interessant, ein Dreier? Was denn?“
„Na so Anfängersachen halt…“, der Kopf wurde hochrot, „…mal mit einem Dildo und mal mit ein bisschen Latex halt so.“
„Na langsam kommen wir ja zum Pudels Kern.“, lachte Joe, „Mögen sie den Dildo hinten drin?“
Wieder eine so unverschämte direkte Frage. Was sollte er antworten und was hatte das mit dem Job zu tun?
Joe war unbarmherzig: „Also ja, sonst würden sie nicht so rumdrucksen.“, und legte nach, „Latex so richtig von Kopf bis Fuß?“
Ralph wurde jetzt puterrot und schaute nervös auf seinen immer noch halb vollen Teller.
„Nein da habe ich keine Erfahrung.“ log er.
„Würde es sie reizen?“
„Joe!“ ermahnte Simone zunehmend genervt und gereizt, sie mochte es nicht, dass der Junge sich so quälte, „es reicht!“

Zu Ralph gewandt sagte sie gewinnend:
„Machen Sie sich da mal keine großen Sorgen, wir sind einfach ein paar Jahre älter und mit allen Wassern gewaschen und kennen uns ein bisschen aus. Joe will nur auf eines hinaus: sie will sichergehen, ob wir uns mit ihnen nicht einen Perversen einfangen. Sie verstehen, so einer der ständig onaniert, die Kleidung von uns mit Pisse beschmutzt oder uns bedrohlich werden könnte.“
‚Aha, daher weht der Wind…‘, dachte Ralph, ‚…irgendwie verständlich.‘

„Nein, nein, da brauchen sie sich keine Sorgen zu machen. Nichts von dem. Aber sie wollen doch nicht etwa…,“ er zögerte erneut, „…dass ich die drei Wochen keusch sein muss.“
„Wäre das reizvoll für Sie?“, Joe bohrte sofort nach.
„Nein!“
„Schade.“, Joe schwieg bewusst und wartete.
„Also wenn ihnen das so wichtig ist, könnten wir... könnte ich…vielleicht aber nicht Tage, Wochen...“, er ließ den Satz unvollendet.
Überraschenderweise übernahm Simone: „Ich kenne das mit so einem Keuschheitsgürtel, wir haben mal damit experimentiert. Ist sehr reizvoll, das können sie mir glauben, wenn man mehrere Tage nicht an sich rumspielen kann.“
Ralph war perplex, er schaute wie das Kaninchen von einer zur anderen Schlange und hatte den Überblick verloren. Das war zu viel für ihn: Keuschheitsgürtel, Tür ohne Griff, Pornobilder im Flur, Körperverletzung durch Piercings.

Joe fasste zusammen: „Die drei Voraussetzungen aus dem Brief haben sie erfüllt, Haken dran. Ich glaube auch sie geben nicht so schnell auf, wenn es hier etwas schwieriger wird. Und putzen und bedienen bekommen sie hin, da bin ich mir sicher. Also ich würde sie nehmen, was meinst du Simone?“
„Ich bin ganz vernarrt in den Jungen, weißt du doch, ich bin dafür.
Aber du wolltest noch unbedingt die Regel vereinbaren, weißt schon. Oder komm, lassen wir lieber weg.“
„OK?“, Joe erinnerte sich, „…du meinst meine Regel, die wir bei unserem letzten Hausmädchen auch hatten?“
„Ja.“
„Jetzt bin ich aber gespannt.“, schnaufte der total verängstigte Ralph.
„Wenn was nicht lief wie gewünscht, dann gab es Abzug beim Geld. Also zum Beispiel Unpünktlichkeit gab ein Strafpunkt gleich -100€. Und sie durfte dann fragen, was kann ich tun um diesen Strafpunkt abzuarbeiten.“
„Verstanden, und was musste das Hausmädchen dann tun?“
„Nichts Schlimmes, keine Angst, wir haben ihr das Leben nur ein klitzekleines bisschen beschwerlicher gemacht und für uns eine Augenweide gegönnt.“
„Zum Beispiel?“, Ralph war nicht wirklich interessiert, er war genervt vom Gespräch.
„Ein Korsett für einen Tag tragen, dass ist beschwerlich, wenn man zum Beispiel gerade den Kellerboden wischen soll.“
Jetzt überraschte Ralph die Frauen mit seinem spontanen Einwurf: „Korsett kenn ich vom Switch-Karneval und dann hatte ich Idiot auch noch nachts vergessen es auszuziehen.“
Simone und Joe lachten ob dieses Versehens und konnten sich die Folgen vorstellen.
„Wir haben da eine ganze Strafliste was bringt wie viele Punkte. Mit einem Tag ein Korsett tragen, kann man schon mal einen Strafpunkt aufholen. Wenn mehr auf dem Kerbholz ist, muss man tiefer in die Trickkiste greifen.“, sagte Joe salomonisch, „und muss vielleicht doch den Keuschheitsgürtel oder den Dildo ertragen.“

Jetzt schwiegen alle drei.
‚Hat es Joe jetzt übertrieben mit ihrer strengen Art?‘, fragte sich Simone erschrocken. Sie beobachte Ralph und ließ ihm Ruhezeit ehe sie mit einem Lächeln ergänzte: „Aber unser letztes Hausmädchen war anders als sie Ralph. Machen sie sich keine Sorge. Diese Frau legte es manchmal schier drauf an und wollte das eine oder andere Strafmaß selbst gern ausprobieren. Was ich bei ihnen heute gesehen habe, da mach ich mir keine Sorgen, dass bei ihnen mehr als eine kleine Korsettstrafe kommt.“
Simone legte ihm die Hand auf den Unterarm, um ihm Nähe zu zeigen aber das half auch nichts mehr, die Joe hatten den Bogen überspannt.

Er atmete tief ein und sagte mit männlicher tiefer Stimme:
„Stopp!“
Dann schwieg er nochmals, dachte angestrengt nach und fuhr jetzt - ganz und gar aus der Frauenrolle gefallen - als Ralph fort:
„Ich bekomm das nicht zusammen, was wird hier gespielt?
Brauchen sie in Wirklichkeit gar keinen Frühjahrsputz?
Wollen sie sich einen Haussklaven für 2800€ kaufen?
Nicht mit mir!“

Mit diesem Statement wurde den Schmiedlers klar, er würde gehen, wenn eine schnelle Antwort nicht die Verwirrungen auflösen würde.
Dennoch hielt Joe Simone zurück, fasst sie am Arm und gab ihr unmissverständlich zu verstehen, sie möge jetzt nicht einlenken.
Ralph schaute in die Runde, total verunsichert. Hatte er den Kern der Sache entdeckt? Waren Joe und Simone doch das, was er befürchtet hatte? Zwei Sadisten auf der Suche nach einem neuen Opfer?
Er stand schweigend auf: „Ich habe verstanden.“, und ging aus der Wohnküche in Richtung Treppe nach unten.
„Hey, nicht beleidigt sein, gar nichts hast verstanden schon gar nicht dich selbst.“, Simone wollte vermitteln.
„Lass ihn.“, zischte Joe ärgerlich.

Er war mehr als verwirrt über den Ausgang des Bewerbungsgespräches, verwirrt über die Fragerei, die Andeutungen, die Strafandrohung und einfach alles war zu viel für ihn. Im unteren Flur die nächste böse Botschaft, er konnte die Ausgangstür nicht öffnen, der runde Türknauf war nicht zu drehen. Eine elektrische Betätigung, oder irgendein Taster war auch nirgends zu finden. Er realisierte, dass er gefangen war in dieser Villa - inmitten von hunderten Porno- Gemälden - im Haus von zwei verrückten Lesben.

Er bemühte sich, nicht in Panik zu verfallen, ruhig zu bleiben. Die Frauen waren ihm nicht gefolgt, was würde als nächstes passieren? Fieberhaft dachte er nach, ohne irgendwie gedanklich weiter zu kommen. Wieder nach oben zu gehen, war keine Option. Er wollte hier warten und auf eine Chance zu fliehen hoffen. Dann setzte er sich auf die unterste Treppenstufe und lauschte in die Stille des Hauses. Er ordnete seine Gedanken und beruhigte sich nach und nach.

Zehn Minuten vergingen, ohne dass irgendetwas geschah.
Überraschend öffnete sich plötzlich die rechte Tür im Erdgeschoss und Joe trat im Mantel mit einem Rollkoffer heraus. Sie schaute ihn verwundert an: „Oh sie sind ja noch da!“
Sie trat neben die Eingangstür, wischte mit der Hand neben dem Rahmen nach unten. Die Tür schwang elektrisch auf, aha ein versteckter Bewegungsmelder.
Simone kam jetzt auch die große Treppe herunter und war ebenso verdutzt: „Noch da, warum?“

Jetzt war es Joe, die versuchte die von ihr verursachte Situation zu entspannten:
„Nein definitiv sind sie hier kein Sklave!“, sagte sie mit ruhiger Stimme und schaute auf die Armbanduhr. Ein paar Minuten waren ihr noch verblieben, gleich müsste sie aufbrechen.
„Wir brauchen erstens wirklich Hilfe beim Frühjahrsputz und zweitens brauchen wir Abwechslung, das gebe ich ja gern zu. Wir sind jetzt seit einem Jahr allein in diesem Haus und manchmal fällt uns die Decke auf den Kopf. Wir brauchen aber definitiv keine Sklavin.“
Sie schaute ihm direkt in die Augen und setzte fort.
„Sie sind der Richtige, sie sind richtig hier.
Da bin ich mir sicher.
Versprochen, wir werden nichts machen, was sie nicht auch wollen. Nachdem sie hier als perfekte Frau auftauchen, dachte ich, passt. Und ich dachte, wir werden zu dritte viel Spaß haben. Und das Haus und der Garten werden endlich wieder auf Vordermann gebracht. Sie sind eine Augenweide und werden uns als Haushaltshilfe ganz sicher erfreuen und…“, sie wartete einen Augenblick, „…ich bin mir ganz sicher sie werden sich selbst entdecken und dann selbst, viel Freude haben.“
Die Art wie sie sprach und die ausführlichen Worte beruhigten Ralph in der Tat.
„Wenn sie glauben, dass wir Sex mit ihnen wollen, dann sind sie auf dem falschen Dampfer. Sex gibt’s drei Wochen lang nicht, da müssen sie schon selbst an sich Hand anlegen. Sie tun sich schwer das alles zu verstehen, OK nachvollziehbar.
Wir sind nur mal ein bisschen anders als Mainstream,“, sie lächelte und machte eine kurze Pause. „Und sie sind es auch, nur zu jung es selbst zu kapieren.“

Er ließ ihre Worte ein wenig nachhallen, glaubte ihrer Aufrichtigkeit und lächelte nun wieder. Der Blick in ihre Augen, ließ ihn realisieren, da war nichts Hinterhältiges zu sehen, er dachte nach:
‚Zwei wunderschöne in sich verliebte Frauen, die einen ungewöhnlichen Job anbieten und ihm sicher einen neuen Horizont eröffnen. Ich habe Mittwoch mit Gerda und Donnerstag mit Andrea eine neue Tür in meinem Inneren geöffnet und würde jetzt? Soll ich die nächste Chance nutzen?‘
Sein nachdenkliches Stirnrunzeln wich langsam.
‚2800€ für Putzen und ein wenig in Frauenklamotten rumstolzieren, sehr reizvoll. Mal richtig Frau sein unter zwei Frauen. Schon wieder reizvoll.
Und die eine oder andere kleine Strafe, wenn ich sie denn überhaupt je bekomme. So what?‘
Er schluckte, da er es jetzt aus dem tiefsten Innern spürte, was zu tun war.

„Entschuldigung.“, sagte das Mädchen schlicht, jetzt wieder mit weiblicher Stimme, „Sie haben ja irgendwie recht, ich habe überreagiert. Wenn sie noch wollen, dann ja, ich mache den Job.“
„Super.“ jubelte Simone und auch Joe ließ ein „freut mich“ verlauten. Ein Handschlag und eine Umarmung besiegelten den Vertrag. Dann musste sich Joe sputen, verabschiedete sich schnell und verließ die Villa wie der Blitz, um ihren Flieger nicht zu verpassen.

*****

„Möchten sie noch einen Schluck Wein, bevor ich ihnen unser Zuhause zeige?“
Sie schenkte ein und beide genossen schweigend und fröhlich minutenlang die Ruhe und die Vorfreude der kommenden gemeinsamen Stunden.

Simone betrachtet das Mädchen lange und da war er wieder der Gedanke: ‚sie ist ein Rohdiamant, der beginnt zu glänzen.‘
Auch das zweite Bewerbungsgespräch hatte ihr ausgesprochen gut gefallen.
Auch Raphaela betrachtete Simone erneut wohlwollend und lange.
Jedoch waren ihre Gedanken eher ihrem jungen Alter geschuldet und erotisch männlich motiviert: ‚Sie ist der Hammer!‘
Ihr gefiel das Äußere so rund um und überwältigend. Simones ganze Wucht, Größe, Proportionen und Ausstrahlung passten vorn und hinten. Und wieder ruhte der Blick zu lange auf dem Schriftzug I Sunday oder wohl doch eher auf den gewaltigen Titten und auf dem Piercing? Schnell ergriff sie das Glas um aus dieser Gedankenfalle raus zu kommen und versuchte die Erregung, die in ihr als Mann aufstieg, zu unterdrücken: ‚eindeutig mein Beuteschema, der Fakt ist unumstößlich.‘
Auf der anderen Seite, so als Frau war sie von Simones Art angenehm und liebevoll angetan, vielleicht wird sie eine gute Freundin. Ganz im Gegensatz zu den Gedanken über die Partnerin Joe, die mit sehr dominanter Ausstrahlung, mehr Angst als Vertrauen einflößte.

Es machte beiden Spaß, in der Küche zu sitzen und schweigend Wein zu trinken.
„Aus Joe werde ich nicht ganz schlau.“, durchbrach das Mädchen die Stille.
„Musst du auch nicht.“, legte Simone fest.
„Apropos DU, ist mir gerade ausversehen rausgerutscht. Wollen wir uns Duzen?“
„Gern…“, freute Raphaela sich, „…aber wäre das Joe auch recht?“
„Ist mir egal, das macht ihr später unter euch aus, ich bin Simone.“
„Ich bin Ralph.“, sie gaben einander die Hand.
„OK, aber irgendwie passt der Name nicht ganz zu dem was ich sehe. Gibt’s eine Idee für einen weiblichen Namen?“
„Nicht wirklich, mach ich ja sonst nicht.“, log das Mädchen ohne Scham, „Jetzt im Augenblick liebäugele ich mit Raphaela.“
„Klingt gut aber ziemlich lang. Vier Silben Ra-pha-e-la“, Simone überlegte ein Weilchen, „andererseits kann man ja mit Rapha abkürzen.“
Sie probierte ein wenig: „Rapha hast du das Bad schon fertig geputzt? Rapha ich brauche mehr Wein! Rapha das hast du gut gemacht! Rapha komm her!“, lachte laut und entschied, „passt und gefällt mir gut.“
„Kann ich mit leben. Somit taufe ich mich für die nächsten drei Wochen auf den Namen Raphaela, Kurzform Rapha.“
Sie stießen darauf an und leerten ihre Gläser.

„Komm mit, ich zeig dir jetzt endlich das Haus“, forderte Simone auf.
Gemeinsam besichtigten zunächst die obere Wohnetage. Neben der großzügigen Wohnküche gab es ein sehr gemütliches Kaminzimmer mit Anschluss an eine Bibliothek und ein Fernsehzimmer. Dieses zeichnete sich dadurch aus, dass eine riesengroße Couch, zwei bettgroße Liegeflächen und 4 gemütliche Sessel um einen zwei Meter großen Fernseher gruppiert waren. Daneben gab es noch auf jeder Seite zwei kleinere Bildschirme. Offensichtlich waren sie multitaskingfähig und super darauf vorbereitet. Auf einem der kleinen Fernseher lief ständig der Newsticker von NTV auf einem anderen die Börsennotierungen. Sicher tickerten die auch, wenn gar keiner da war. Es gab noch einen Speiseraum mit einem großen Tisch für 20 Personen mit Beamer und Leinwand und eine weitere kleine Küche, vielleicht für den Fall, dass ein fremder Koch benötigt wurde.

„Unten zeige ich dir später, komm Rapha, jetzt gehen wir mal hoch in dein Zimmer.“
Raphaela lächelte, als sie erstmals mit ihrem neuen Namen gerufen wurde und fand das irgendwie schon gut passend. Sie hörte in sich hinein und entschied für sich im Stillen: ‚OK dann bin ich ab jetzt halt Rapha, der Ralph hat jetzt mal Urlaub.‘
Sie stiegen eine verstecke Treppe hinter der Küche hinauf und waren im Dachgeschoss gelandet. Auch hier gab es mehrere Türen und Simone verwies sogleich auf die ersten in der Mitte.
„Nicht erschrecken, versprochen?“
„Warum sollte ich?“
„Nur eine kleine Warnung, ziemlich rosa alles.“
Noch immer war die Tür geschlossen und offensichtlich wartete Simone auf ein eindeutiges Signal von Raphaela.
„Wieso diese Vorsicht? Ok rosa ist nicht gerade meine Lieblingsfarbe aber worauf warten Sie?“
„Wartest Du! Wir hatten doch das Sie ad acta gelegt.“, korrigierte Simone freundlich.
Raphaela schmunzelte erneut, sie musste sich noch an so Manches gewöhnen.
„Die letzte Phase unserer Haushälterin war rosa und wir haben das nicht mehr geändert seit sie weg ist. Hätten wir vielleicht tun sollen.“
„Also du meinst, so richtig prinzessinnenrosa?“
„Ja genau.“, und dann öffnete sie die Tür.

In der Tat rosa, rosa, rosarot war der Ersteindruck. Sie blickten von der Tür auf zwei große Fenster nach Süden, die mit einer rosa Tüllgardiene die eindringende Sonne umfärbten. Simone ging voraus durch den erstaunlich großen Raum, öffnete die Vorhänge und auch die Fenster zum Lüften. Direkt vor dem Fenster stand ein sehr femininer verschnörkelter weißer Schreibtisch mit Blick in den Garten. Er war zwar aufgeräumt aber voller Mädchen-Krimskrams und ein paar Frauenzeitschriften. Rechts davon war eine offene Tür und führte offensichtlich in ein kleines Bad. Auf der gegenüberliegenden Seite war eine große verschlossene Schiebetür, die wohl in einen anderen dazugehörigen Raum führte. In der dunkleren Ecke gleich links von der Eingangstür stand ein großes Bett. Erwartungsgemäß nicht irgendein Himmelbett, sondern ein wahrlich Prinzessinnen-Tüll-Rosa-Mädchentraum.

„Das ist in der Tat krass weiblich, hast du das so eingerichtet?“
„Nein,“ Simone schüttelte energisch den Kopf, „das waren Melanie mit der Hilfe von Joe. Ich bin kein Handwerker und habe damit nichts zu tun. Ein halbes Jahr bevor sie auszog gab es diesen Wandel hin zur Puppenstube. Die beiden haben dann unten in unserer Werkstatt tagelang gewerkelt und das hier alles so umgestaltet, halt mädchenmärchenhaft.
Joe ist echt gut im Basteln und Bauen, sogar mit richtig Spaß daran. Ich eher nicht. Ich kaufe lieber fertig ein.“
Auf der anderen Seite neben der Tür war eine kleine Sportecke eingerichtet mit Sprossenwand, Reckstange und auch ein Trapez hing an der Decke. Auf dem Boden lag eine große Ledermatratze, auch diese in rosa. Außergewöhnlich sorgfältig waren auch die Kleinigkeiten farblich abgestimmt. Die Türen waren in Weiß gehalten, hatten aber eine rosa Umrandung. Die Tapeten waren gemustert und mit Blumenblüten in unterschiedlichsten rot und rosatönen verziert. Fast zu erwarten für eine Prinzessin waren auch überall Spiegel, sogar einer über dem Bett und zwei gegenüberliegend in den Ecken neben den großen Fenstern. Dazu gab es noch einen kleinen Schminktisch mit allem was das Frauenherz höherschlagen lässt.
Alles sah irgendwie kitschig verspielt aus aber auch gar nicht billig, dafür war es zu perfekt gemacht. Es passte einfach bis ins kleinste Detail und zeigte einen ausgewählten stimmigen Geschmack. Es war eine Fortsetzung der sehr schön gestalteten Villa, stimmig wie der Flur und die Wohnetage - nur hier eben für ein Mädchen, die gern eine Prinzessin wäre.

Simone fuhr mit dem Finger über den Schreibtisch und stellte mit staubigem Finger fest: „Wir waren schon fast ein Jahr nicht mehr hier oben. Musst wohl erstmal saubermachen, bevor du hier einziehen kannst.“
„Hast recht, mach ich am besten gleich. Wo finde ich das Putzzeug?“
„Ganz unten im Keller, ich zeig es dir gleich.“
Sie schauten sich noch das Bad an und auf die Frage, was hinter der Schiebetür ist, antwortete Simone ausweichend: „Ankleidezimmer, machen wir später, die Tür ist noch abgeschlossen.“

Im Erdgeschoss verweilten sie nur kurz: „Rechts sind unsere Arbeitszimmer und links ist unser Schlafzimmer.“ lernte die neue Haushaltshilfe.
Der Keller war ebenso riesig und beinhaltete Werkstatt, eine große Garage mit zwei beeindruckenden Luxusfahrzeugen, Haustechnik, den Weinkeller und einen Vorratsraum. Raphaela war zunächst bemüht, sich alles einzuprägen, hatte aber recht bald den Überblick verloren.
Der Raum mit den Reinigungsutensilien war prall gefüllt mit allem, was eine Putzfrau erfreuen würde. Aber auch hier war Raphaela überfordert. Sie speicherte nur schnell ab: ‚Offensichtlich alles reichlich vorhanden für den Frühjahrsputz.“
Sie nahm einen Eimer, einen Lappen und den Staubsauger mit. Sie wollte gerade nach oben verschwinden, da riet ihr Simone:
„Besser nimm noch einen der Putzkittel mit. Aber Handschuhe brauchst nicht von hier unten, die hat Melanie schon oben. Findest du im Schrank unter dem Waschtisch.“
Simone suchte aus einem der vielen Spinte ein weißes Stück Stoff und warf es in den Eimer.
„Ich gehe dann mal ins Wohnzimmer Fernsehgucken, komm später einfach wieder runter und wir plaudern noch ein bisschen, das würde mich freuen.“

Die beiden trennten sich und gingen ihren unterschiedlichen Beschäftigungen nach. Simone setzte sich sogleich vor den großen Fernseher und hantierte an der Fernbedienung rum. INPUT5 wurde ausgewählt und ein Tablet zur Steuerung benutzt. Der große Fernseher wurde erstmal blau und zeigte „no signal“. Die zwei kleineren rechts und links, lieferten weiter Börse und NTV.
Für den großen schaltete sie ein paar Mal zur Kontrolle das Programm „no signal“ auf ARD und zurück und wartete geduldig bis das Programm auf dem Tablet hochgefahren war.

Raphaela betrat unterdessen beschwingt ihr neues Reich und schaute sich, nun mal ganz allein, in aller Ruhe im Zimmer um.
Sie öffnete neugierig Schubladen, blätterte in den Zeitschriften auf dem Schreibtisch und fand auch die Einweghandschuhe im Waschtisch.
Total beeindruckt war sie von den Möglichkeiten des Bades. Neben dem Waschtisch war eine große Ablagefläche mit riesigem dreiteiligem Spiegel und zusätzlichen kleineren zum perfekten Schminken mit 10-fach Zoom. Das erste Schubfach enthielt fein aufgereiht viele Werkzeuge zum Makeup: Pinsel, Tupfer, Schwämme, Stäbchen und all das Zeugs.
‚Ordentlich war sie schon die Melanie‘, dachte Raphaela, bevor sie in den weiteren Schubladen hunderte Lippenstifte, Kajal, Puder, Creme, Liedschatten, falsche Wimpern und andere Zutaten fand.
„Besser als bei Douglas!“, murmelte sie anerkennend vor sich hin. Sie setzte sich probehalber auf den Hocker davor und begutachtete sich von allen Seiten. Die Anordnung der Spiegel war sehr geschickt gemacht. Voller Begeisterung überprüfte sie ihr eigenes Makeup. Es war schon erstaunlich wie gut und haltbar Gerda das vor drei Stunden hinbekommen hatte. Da die Beine etwas schmerzten, zog sie schnell die Schuhe aus.
Dann stolzierte sie ein wenig und bewunderte sie sich selbst noch ein bisschen mehr. Sie war zufrieden mit sich, zwinkerte mit einem Auge:
„Ich bin schon irgendwie ein heißer Feger, oder?“

Jetzt lehnte sich Simone gemütlich in den Fernsehsessel zurück und es erschien endlich das Gewünschte INPUT5 auf dem zwei Meter großen Bildschirm. Ein Überblick in ein Zimmer war das erste Bild, mit irgendeinem Weitwinkelobjektiv aufgenommen. Die Bilder war sehr mädchenhaft rosa. Der Blickwinkel war auf einen großen weißen Schreibtisch und Fenster gerichtet. Links konnte man eine Tür erkennen, die zu einem Bad führte. Aus dieser Richtung kam eine gut hörbare leise gemurmelte Stimme: „Besser als bei Douglas!“
Simone bediente das Tablett, das Bild im Fernsehen wechselte auf ein weibliches Gesicht in der Frontalen. Es war Rapha und zu hören war: „Ich bin schon irgendwie ein heißer Feger, oder?“
Simone lachte herzlichst.
Das war ja mehr als offensichtlich, ihre neue Haushaltshilfe fühlte sich wohl. Das viele Rosa hatte sie nicht aus der Bahn geworfen. Simone war gespannt, ob sie das Putzen gleich anfangen würde oder sie den Reizen der neuen Umgebung erliegt.
„Ich sollte Simone nicht zu lange warten lassen“, sprach Raphaela hörbar im Selbstgespräch vor sich hin. Dann zog sie ein paar Handschuhe an und holte den Eimer ins Bad. Den Kittel hielt sie kurz abschätzend in der Hand und entschied laut:
„Nicht schön aber besser so, als sich die weißen Sachen von Gerda dreckig zu machen.“
Es war ein einfacher Kittel ohne Knopfleiste, den sie geschickt über den Kopf zog und dann das Taillenband zu einer Schleife band. Der Kontrollblick im Spiegel zeigte eindeutig eine Putzfrau, so wie es tausende auf der Welt gibt. Sie schmunzelte über das neue Erscheinungsbild, ließ Wasser in den Eimer laufen und legte los. Erst das Bad, welches erstaunlich schnell ging, da nichts wirklich dreckig war, nur eben staubig.

Simone schaute dem Treiben zunächst interessiert zu. Dann trank sie einen Schluck Wein und musste unwillkürlich an ihre frühere Haushaltshilfe Melanie denken: ‚Kein Vergleich, das waren Welten zwischen den beiden. Aber süß die Neue.‘
Dann bekam sie ein schlechtes Gewissen ob des Spionierens und schaltete mit dem Tablet die Liveübertragung aus der oberen Etage aus. Irgendwie war das nicht rechtens.

*****

Simone hing ihren Gedanken nach:
‚Sicher bei Melanie war das alles anders gelagert. Diese war ja selbst auf die Idee mit den Kameras gekommen. Es war gleich ein halbes Jahr nach ihrem Einzug, als sie breit grinsend fragte, ob Joe und ich gern mehr wollen. Wieviel mehr sie wirklich wollte, stellte sich erst in den folgenden Jahren heraus. Ich kann mich noch gut an die vielen Geschichten erinnern aber nicht immer war es positiv, diese ganzen verwirrenden Dinge. Melanie hat uns gefoppt: „Ihr steht doch irgendwie drauf, mich zu beobachten und mich immer wieder neu auszustaffieren, oder? Hättet ihr Spaß daran, mich in meinem Zimmer zu beobachten?“
Dann hat sie erklärt, dass sie der Gedanke erregt, auch dann betrachtet zu werden, wenn sie glaubt allein zu sein. Die Idee gefiel meiner Partnerin Joe von Anfang an gut, für mich nicht ganz unerwartet.
So ist sie halt meine Joe, eine resolute Frau mit Spaß an schönen Bildern. Sie überredete mich immer wieder, genau genommen sogar schon in den ersten Wochen unserer Beziehung, unterschiedlichste reizvolle Wäsche zu kaufen. Auch bat sie mich oft, ich solle mich übertrieben schminken. Auch die Idee mit den vielen Piercings kam von ihr. Immer wieder schoss Joe Fotos von mir und leider auch von jedem anderen reizvollen Weibsbild, das sie vor die Kamera bekam.
Das ist halt ihr Hobby und Entspannung vom Job zugleich. Ich genoss diese Aufmerksamkeit für mich und spielte gern mit. Die Eifersucht gegenüber anderen Frauen legte sich aber erst mit Zeit. Unsere Beziehung bekam Tiefgang und Joe scherzte des Öfteren: „Appetit holen ist erlaubt aber gegessen wird zu Hause.“
Früh hatte Joe auch die Idee mit dem riesen Fernseher im Wohn- und ein zweiter im Schlafzimmer und nicht selten schauen wir gemeinsam Bilder oder später auch Pornos an. Unserer Beziehung schadete es nicht und auch die Anwesenheit von Melanie genossen wir zunächst gemeinsam.
Joe setzte Melanies Kameraidee in die Tat um, installierte zunächst nur eine hinter dem schrägen Spiegel über der Zimmertür. Nun konnten wir beobachten was geschah und es machte am Anfang uns allen drei Spaß. Die weiteren Kameras in den anderen Ecken und im Bad kamen nach und nach dazu. Melanie bettelte regelrecht darum, eine auf das Bett ausrichten zu lassen. Diese hatte sogar einen Schwenkmechanismus und ein Zoom.
So konnten wir sehr gut beobachten, was sie so abends so trieb - wenn sie nicht schlafen konnte und Entspannung suchte. Natürlich war der pure Voyeurismus aber in diesem Fall ja ausdrücklich von ihr selbst gewünscht. Es begann eher harmlos, wir durften aus unserem Schlafzimmer zuschauen, wenn sie sich streichelte. Das war bei den ersten Malen erregend für uns, so zu beobachten, wie das Mädchen sich zärtlich zum Orgasmus brachte. Später kamen Dildospiele und vieles mehr dazu.
Manchmal war Melanie unbesorgt und man hatte den Eindruck, sie fühle sich unbeobachtet. An anderen Tagen richtete sie ihre Muschi direkt in Richtung der Kamera und spielte mit voller Absicht eine wirklich drehreife Sexszene ab. Logisch, Joe nahm auch ab und an die Sequenzen auf und schenkte ihr anschließend das einen oder anderen geschnittene Filmchen. Auch brachte Melanie einige Männer- und weniger Frauenbekanntschaft über Nacht mit auf ihr Zimmer. Aber nicht oft erlaubte sie dann den Einblick, sie hatte die Macht, da es in ihrem Zimmer einen Ausschalter für alle Kameras gab und gibt. Der ist unter dem Waschbecken versteckt.
Genau das ist in diesem Augenblick das persönliche Problem für mich. Es ist mir nicht recht, Rapha weiß schließlich nichts von den Kameras und dem Schalter. Sie fühlte sich daher jetzt wirklich völlig unbeobachtet. Das ist nicht fair.‘

Simone schaltete auf den ARD-Tatort und vertrieb sich die Zeit mit einem lustigen Krimi aus Münster.


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Gern Feedback hier oder an [email protected]
61. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 14.06.21 01:24

Zitat

@ Toree
So, so Biedermeier. Habe gerade gegoogelt, jetzt weiß ich wie die DJ-Toree ausgesehen haben könnte.
Jetzt bin ich neugierig.


Dazu gibt es nichts mehr zusagen.
Die Nachbarin ist vor zwei Jahren verstorben, mit 96 Jahren.

Mit ihrem Sohn habe ich dann ihre Wohnung leergeräumt, das Kostüm war noch da und eingeschweist.
Also noch im Topzustand.
Da er von meinem 'Ausflug' in die Biedermeier Zeit wusste, wollte er es mir aufschwatzen, was ich aber ablehnet.
Erstens würde meine Frau sicher dagegen sein, zweitens, aus einer Damengröße 44 ist bestimmt eine 52 gewurden, wenn nicht mehr. (Von damals 48 kg sind inzwischen 80 gewurden!)

Das Teil ist dann bei den vier Buchstaben, mit 'E' am Anfang für fast 2000,- € verkauft wurden, es war ja alles da.

62. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Latexbrummbär am 14.06.21 08:44

Na die beiden Damen scheinen ja ziemlich durchtrieben zu sein!
Aber es lässt auch hoffen das den Damen Latex am "Hausmädchen" gefallen wird. Danke für das weiterschreiben! Eine grandiose Geschichte!
Wird Andrea auch noch eine Rolle spielen?
63. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 14.06.21 10:11

Auch ich lese mit wachsender Begeisterung diese Geschichte.Nun warte ich natürlich gespannt auf die Fortsetzng.,denn sie ist voll nach meinem Geschmack.
64. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 14.06.21 16:17

Das ist ja ein schöner Anfang seines Dienstes bei den Ladys. Freue mich auf den Fortgang der Geschichte.
65. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von tedl am 19.06.21 16:03

Hallo K2 ...... Wann gehts denn weiter ....?
Einfach copy/ paste und gut ist .....
66. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von maximilian24 am 19.06.21 21:41

@tedl: Bitte sei nicht so ungeduldig! In diesem Forum gehört es doch dazu dass man in gewissem Ausmaß auch auf die Folter gespannt wird - oder?
Eine solche Story ist es meiner Meinung nach wert, dass man länger etwas davon hat.Mein Kompliment an K2!
P.S.: natürlich freue auch ich mich schon auf die nächste spannende Fortsetzung.
67. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 20.06.21 22:10

@ Toree,
wow dieses Biedermeierkostüm muss echt was besonderes gewesen sein, wenn man bei ebay dafür 2000€ erlösen kann.
Jetzt bin ich neugierig.

@ Latexbrummbär,
ja Andrea wird noch eine Rolle spielen.
Bleib neugierig.

@ Gummiemaske,
danke für Dein wohlwollendes Feedback, geht runter wie Öl.
Bleib neugierig.

@ Erin,
schön Dir gefällt die Episode mit den Schmiedlers, die wird uns noch hundert Seiten beschäftigen.
Bleib neugierig.

@ tedl,
schön, dass Du mir solch ein Feedback gibst. Aber einfach "copy paste" mach ich nicht, die Rohversion hat einfach zu viele Fehler.
Vor vier Tagen habe ich mich echt geärgert, weil mir ein großer Fauxpas aufgefallen ist. Folgendes stimmt vorn und hinten nicht:
Raphaela wird nach unten geschickt um das Essen des Chinesen in Empfang zu nehmen. Wie hat sie die Tür geöffnet?
Ein paar Minuten später sitzt sie verzweifelst im Foyer und weiß nicht, dass die Tür mit einem Bewegungsmelder bedient wird.
Echt ärgerlich für die Autorin Kristiane.
So musst Du leider meine Regel akzeptieren: Jede Woche 20 gut lektorierte Seiten, mehr gibt es nicht.
Bleib neugierig.

@ maximilian24,
du sprichst mir aus der Seele. Danke für Deine Geduld.
Neugierig bleiben ist cool. Scheibchenweise vielleicht auch.
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Jetzt geht es weiter von Seite 135 bis 148. Sorry mehr habe ich leider diese Woche nicht geschafft (EM2020 ist Schuld)
68. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 20.06.21 22:19

*****

Eine Stunde später klopfte es an der Wohnzimmertür.
„Komm rein!“, rief Simone, „bist fertig?“
„Ja das ging schneller als gedacht, überall nur Staub kein richtiger Dreck.“
„So, so, also fertig in 1 ½ Stunden, das nenn ich mal schnell, hoffentlich auch gründlich.
„Denke schon und du, gibt’s was Interessantes im Fernsehen?“
„Nicht wirklich“, log Simone. Natürlich war es überaus interessant gewesen die neue Haushälterin zu beobachten.
„Magst noch ein Glas Wein?“
„Gern.“
„Dann musst du wohl oder übel nochmal runter in den Weinkeller.
Rapha…“, Simone betonte den Namen belustigt auf dem a, „…bring einen Riesling, ein Roter müsste erst atmen, das dauert zu lange. Der Riesling ist rechts auf halber Höhe.“

Raphaela machte sich auf den Weg und dachte mit Schaudern an ihren damaligen Kellerausflug bei Gerda zurück. Aber hier waren sie ja nicht in einem Mehrfamilienhaus und sie war ja lange nicht so auffällig gekleidet wie damals.
Sie öffnete die Tür und schaltete das Licht an:
„Mist das ist der falsche Raum.“
Sie hatte das Licht schon wieder ausgeschaltet, stutzte kurz und drehte sich nochmals, um doch einen weiteren Blick in den Raum zu werfen. Es war eindeutig ein vollgestopfter Abstellraum mit Gartenmöbeln und alten Fahrrädern und lauter anderem Zeug. Aber das ganz hinten an der Wand war eindeutig ein schwarzes Andreaskreuz mit vielen Ösen und Ketten. Es war nicht festgeschraubt, stand leicht schräg an der Wand angelehnt und war sehr staubig.
Sie machte sich ihre Gedanken und fragte sich:
‚Ist das etwa so ein Ding wie in den Dominastudios? Haben Joe und Simone das benutzt? Oder doch eher diese Melanie? Hatten sie es irgendwann mal in ihrem Schlafzimmer? War es aussortiert worden oder haben sie jetzt ein Neues, noch schlimmeres Ding?’
Während der Hausbesichtigung hatte Simone im Erdgeschoss nur einen Blick in die Arbeitszimmer gewährt. Die ganze linke Seite mit dem privaten Bereich, den Simone „unser Schlafzimmer“ genannt hatte, hatten sie nicht betreten. So, so da gab es in der Tat einiges mehr an außergewöhnlichen Dingen in diesem Haus, als nur das eine rosa Zimmer von Melanie.

Sie fand gleich darauf den Wein und kam zurück ins Wohnzimmer.
„Hast dich zurechtgefunden?“, fragte Simone.
„War erst ausversehen in Eurer Rumpelkammer mit den Gartenmöbeln aber dann kein Problem.“, sie wollte nicht lügen und abwarten was Simone erwidern würde.
„Dann hast Du ja gesehen, wie viel Arbeit auf dich wartet. Dort ist in der Tat eine helfende Hand mehr als nötig.“
Sie tranken gemütlich ihren Wein, sprachen erstmals über einen groben Plan für die nächsten drei Wochen und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
„In eurem Brief stand was davon, ich muss nichts mitbringen auch keine Kleidung, richtig?“
„Ja.“
„So was soll ich denn dann morgen früh anziehen?“
„Das kannst du frei entscheiden, hinter den großen Schiebetüren ist ein begehbarer Kleiderschrank. Dort sind massenhaft Klamotten von Melanie und teilweise auch von Joe, die passen dir auf jeden Fall. Ihr habt sicher alle drei in etwa die gleiche Konfektionsgröße.“
„So, so…“, bemerkte Raphaela darauf hin, „…und was genau finde ich da so an Klamotten?“
„Wirst schon sehen, halt alles was man so braucht, wenn man drei Wochen hier arbeitet. Auch viel Freizeitkleidung und anderes aufreizendes Zeug, Melanie war schon ein heißer Feger und wusste wie man es macht.“
„Magst mir was über sie erzählen?“
„Nein.“, das war eine deutliche Ablehnung. Die kürze der Antwort signalisierte, irgendwas war vorgefallen. Dann schob Simone doch nach: „Vielleicht ein anderes Mal. Kannst aber auch einfach morgen deine Klamotten wieder anziehen. Die sehen toll aus.“

Simone trank ihr Glas aus und bestimmte: „Ich bin müde und du solltest auch zu Bett gehen. Morgen um viertel vor sieben kommt der Milchmann und bringt alles was wir für das Frühstück brauchen. Um sieben hätte ich gern ein Glas warme Milch, zwei Spiegeleier und ein Brötchen mit Kirschmarmelade. Kannst du das übernehmen, ich habe morgen einen anstrengenden Tag vor mir?“
„Musst du arbeiten?“
„Ja sogar sehr viel, ich muss ein Drehbuch aus dem französischen übersetzen. Die Bavaria will es am Mittwoch mit mir durchsprechen für eine Synchronisation.“
„Ah verstehe, du bist wie Gerda im Filmbusiness.“
„Ja, ich schreibe Drehbücher und übersetze ausländische Filme für die deutsche Fassung. Meist englisch aber hin und wieder auch aus dem französischen und spanischen.“
„Ich bin beeindruckt.“, Raphaela nickte anerkennend.
„Danke.“, Simone mochte das Lob für ihre Arbeit.

*****

Was Simone dem Mädchen beflissentlich verschwieg war ihre neue Zusammenarbeit mit Paul dem Regisseur. Der hatte sie angerufen und gerade raus gefragt: „Hast Lust für einen Porno ein Drehbuch zu schreiben?“
Simone war sofort Feuer und Flamme. Die Rahmenvorgaben waren so vage, dass sie sich wirklich frei austoben dürfte. Da hatte sie Lust drauf und empfand die Storyline als gute Herausforderung. Paul hatte am Telefon verraten: Es geht um einen Jüngling und dessen erste Erfahrungen mit Fetisch. Auf ihre Frage, wie heftig er denn den Plot plant, ob eher so Soft- oder Hardcore erwiderte Paul: „Eher so in die Richtung für hartgesottene Rubberisten.“
Das gefiel Simone nicht so auf Anhieb: „Darf ich ein paar Szenen reinmachen, die nicht nur Bumsen sind? Ich meine so in der Art erotisches Heranführen an das Thema mit Ankleiden und Knutschen und Kuscheln?“
„Mach ruhig, aber bitte kein Mehrteiler und nicht mehr als 90 Minuten.“
Simone dachte nach und fühlte eine Vorfreude auf das Projekt: „Hast schon was an Material?“
„Ja ein paar Probeaufnahmen und eine hingekritzelte Storyline.“
„Okay, wann kannst mir das schicken?“
„So in vier Wochen, wir drehen frühestens im Herbst.“
„Passt, es ist sowieso gerade landunter bei der BAVARIA, vor Juni habe ich keine Zeit für Schmuddelfilme.“
Beide lachten herzlich und ihre langjährige Erfahrung und Zusammenarbeit machte sie sicher, das wird ganz gewiss kein Schmuddelfilm. Sie hatten schon immer beide einen hohen Anspruch: „Wenn schon denn schon!“
Als hochgestecktes Ziel wurde verabredet: mindestens eine Nominierung für die „adult movie awards“.

*****

Auch das neue Hausmädchen war nach dem ersten Abend in der Gartenstraße müde. Sie duschte aber noch schnell, um sich morgen früh die Zeit zu sparen. Die äußerlichen Veränderungen zu gestern Abend, jetzt ganz nackt ungeschminkt vor dem Spiegel stehend, waren eindeutig zu sehen. Ein Wesen mit weiblichen Wimpern, gezupften Brauen, Schmuck und langem Wallehaar schaute keck zurück. Von oben bis zum Hals eine ungeschminkte Frau, ab der Schulter nach unten eindeutig der unveränderte Ralph. Ein verwundertes Kopfschütteln ließ die Haare eindeutig weiblich fliegen. Das reichte als kleiner Kick und sie blieb einfach gedanklich in der weiblichen Rolle.
Sie band sich das große Handtuch ganz Mädchenhaft um die Brust, als wolle sie den Busen auch verdecken. Jetzt war Ralph endgültig wieder verschwunden.
Dann stellte sie den Wecker auf fünf Uhr fünfundvierzig. Sie bedachte, eine Stunde bevor der Milchmann kommt, das sollte reichen, sich morgen mit Schminken in eine schöne Raphaela zurück zu verwandeln.
Sie wunderte sich, dass die Schiebetür zum Schrank immer noch verschlossen war. Daher blieb keine Wahl und sie entschied sich, morgen nochmals dasselbe anzuziehen wie heute.

‚Soll ich nackt schlafen?‘, nachdenklich schaute sie sich um.
Auf der Suche nach irgendeinem Bekleidungsstück für die Nacht, kam ihr die Idee, unter das Kissen des Himmelbettes zu schauen. Ein sexy Seidennachthemd lag dort, wie bestellt und nicht abgeholt. Dieses war schneeweiß, ein wenig verspielt mit Puffärmelchen, Spitzenbesatz am Hals und Saum. Noch unschlüssig, ob sie besser nackt schlafen solle oder in diesem Teil von Melanie, stellte sie sich vor den Spiegel. Das Nachthemd wurde vor den Körper gehalten, die Länge passte bis zu den Knien und jetzt war sie nicht mehr abgeneigt.
Ohne Schminke wirkte sie zwar deutlich männlicher, jedoch mit diesem neckischen Hemdchen vor der Brust wieder wie Raphaela. Der Stoff umspielte ihren Körper und schon war es um sie geschehen. Sie schlüpfte schnell hinein und bewunderte sich noch ein Weilchen vor dem Spiegel. Als Zeichen der Begeisterung sprach sie zu sich selbst: „Jetzt bleib ich halt einfach mal Mädchen für eine Nacht.“
Warum sollte sie auch nackt schlafen gehen, gab keinen vernünftigen Grund dafür.

Der Tag war ereignisreich und sie war müde. Legte sich ins Kissen und schloss die Augen. Zwar regte sich in seinem Schritt sein kleiner Freund und meldete seinen Bedarf an. Diese natürliche Regung war unter anderem ausgelöst worden durch das raschelnde weiche Seidenmaterial. Aber Raphaela war sich noch der Worte von Joe bewusst: „...wir wollen mit ihnen keinen Perversen einfangen, der ständig onaniert...“
Sie unterdrückte genau dieses aufkeimende Bedürfnis und schlief hundemüde ein.

Mitten in der Nacht wanderte schlaftrunken ihre Hand unter das zweite Kissen rechts von ihr. Dort lag auch irgendwas Interessantes, stellte die Hand verwundert fest. Im Halbschlaf fühlte es sich gut an, kühl und glatt. Die Hand vergrub sich mehr und mehr darin und zog es unter dem Kissen hervor. Unterbewusst kuschelte das schlafende Mädchen damit, es lag angenehm auf der Haut und roch nach Gummi. Die Hand führte das Wäschestück von allein unter die Nase und Raphaela begann im Traum zu seufzen. Ihre zweite Hand fand seinen Weg und wanderte unter das Nachthemd. Wenig später entlud sich ihre Lust mit drei kräftigen Spermastößen auf den Bauch. Sie drehte sich, ohne vollends aufzuwachen, glücklich zur Seite und schlief fest, bis der Wecker laut klingelte.

*****

Trotz der frühen Stunde wachte sie ohne Schwierigkeiten um viertel vor sechs auf. Verwundert sah sie den Latexhaufen neben sich. Ein transparentes gelbliches Latexpaket lag da, halb noch unter dem anderen Kissen versteckt. Sie entfaltete es und entdeckte dessen Bestimmung. Es war ein rüschiges bodenlanges Nachthemd mit Stehkragen und langen Ärmeln. Sie studierte es und war verwundert. Ihr wurde nicht recht klar, wie man in dieses Ungetüm hinein und vor allem wieder heraus gelangen sollte, der Kragen war super eng ohne Reißverschluss. Sie grübelte über die Bedeutung des Ganzen nach.
‚Wenn die Schmiedlers zwei Nachthemden unter den Kopfkissen versteckt haben‚ warum? Wollten sie prüfen, ob ich auf Latex abfahre? Oder waren das einfach nur ein Überbleibsel - von Melanie dort vergessen? Hätte ich gestern Abend beide Möglichkeiten gleichzeitig entdeckt, für was hätte ich mich entschieden?‘

Sie schlürfte ins Bad und entdeckte im Spiegel einen großen Fleck auf dem Seidenhemdchen in Bauchhöhe. Sie schmunzelte und erinnerte sich wage der nächtlichen Onanie.
„Muss wohl in die Wäsche!“, sagte sie fröhlich vor sich hin.
Sie wusch sich das Gesicht im Waschbecken und rubbelte an dem Fleck des Nachthemdes ein wenig rum. Anschließend schminkte sie sich sorgfältig, was überraschend gut gelang.

Um kurz nach sechs klingelte überraschend das Telefon auf dem Schreibtisch.
„Hallo?“, fragte sie zaghaft, Simones Stimme erwartend.
„Ich bin‘s Joe Schmiedler, hoffe hab sie nicht geweckt.“
„Nein, nein alles gut - ich bin schon eine halbe Stunde wach.“
„Schön, ich muss nur kurz stören, ich habe ein Anliegen, bei dem sie mir helfen könnten.“
„Ja?“, fragte Raphaela zurückhaltend.
„In meiner Bank liegt meine zweite Bürotasche, die ich ungern dort lassen mag. Könnten sie heute Morgen dort vorbeifahren und diese abholen?“
„Ja, warum nicht.“, antwortete sie immer noch zögerlich, „aber lassen die mich denn rein?“
„Das organisiere ich, sagen sie beim Pförtner einfach meinen Namen und als Autorisierung meinen Geburtstag und meinen ersten Arbeitstag bei der Bank.“
„Die da wären?“
„1.3.1980 und 1.9.2011.“
„Kann ich mir merken.“, bestätigte das Mädchen.
„Sobald sie die Tasche haben und wieder vor der Bank stehen, rufen sie bitte durch!“
„Mach ich.“
Joe war spürbar froh: „Danke, und sonst, wie war der erste Abend.“
„Nichts Besonderes, ich habe nur noch gestern Melanies Zimmer saubergemacht, mit Simone die nächsten Wochen durchdacht und dann ab ins Bett.“
„Ach so…“, quittierte Joe, „…und ist Simone zufrieden mit der Qualität der ersten Putzarbeit?“
„Weiß nicht, sie hat es nicht kontrolliert.“
„Dann mach ich das schnell aus London.“, sagte sie fröhlich, „mach mal die Kamera am Telefon an.“
Raphaela tat wie ihr aufgetragen und schwenkte die Kamera im Raum umher und zeigte den staubfreien Schreibtisch. Anschließend ging sie durchs Bad und zeigte dort wahllos auf ein paar Details.
„Passt ja schon ganz gut. Kannst mal bitte mit dem Zeigefinger über die Badtüroberkante fahren?“, wurde sie nun aufgefordert.
Leider musste sie jetzt einen ganz und gar staubigen Finger vor die Kamera halten und die Antwort war unerwartet scharf:
„So, so das ist aber nicht gründlich, geh mal zur Dusche, da wird auch gern beim Putzen geschlampt.“
Auch hier musste sie über die Oberkante der Glaswände fahren, leider mit demselben negativen Ergebnis.

„Ok, jetzt halt mal die Kamera vor Dich, so dass ich Dich sehe.“
Das war jetzt wirklich unglücklich und sehr ungeschickt von Raphaela. Eigentlich wollte Joe nur das Makeup kontrollieren, jedoch entdeckte sie sofort den Fleck auf dem Nachthemd.
„Was ist denn das für eine Sauerei auf deinem Bauch.“
Ups, das war jetzt in der Tat eine große Sache.
Was würde jetzt passieren? Nach der gestrigen Belehrung erwartete sie kein Pardon und eine saftige Standpauke. Ängstlich schwieg sie.
„Ist es das, was ich denke, was es ist?“, Joe war wieder in ihrem dominanten Modus.
„Ich befürchte ja, ist mir heute Nacht im Halbschlaf passiert.“, entschuldigte sich Raphaela verlegen.
„Gut das machen wir jetzt ganz einfach, ein Strafpunkt für die Türen und zwei für das versaute Nachthemd.“
Das war hart, aber sie traute sich nicht zu widersprechen.
So schnell konnte es mit den Strafpunkten gehen, dabei hatte sie sich vorgenommen aufzupassen. So ein Mist.

Joe wechselte abrupt den Ton: „Wenn das mit der Tasche abholen bei der Bank ordentlich klappt, sind zwei wieder weg. OK?“
So viel schnelle Milde kam unerwartet.
„Ja gern, ich werde alles zu ihrer Zufriedenheit erledigen.“, versprach Raphaela.
„Ok, bitte pünktlich zehn vor acht beim Empfang der Bank, bis später.“
Raphaela war von dem Telefonat ein wenig verwirrt. Wieso vergisst Joe eine Tasche im Büro und warum kontrolliert sie die Arbeit so akribisch?

Und jetzt registrierte sie auch noch verwundert, dass die Schiebetür zum Ankleidezimmer offen war. Sicher wieder so eine Tür mit Fernbedienung genau wie die Haustür, alles ein bisschen mysteriös hier bei den Damen.
Sie ging hinein und war schwer beeindruckt von der Größe des Ankleideraumes. Zehn verspiegelte Doppelschranktüren zählte sie, jedoch nur eine war offen, alle anderen verschlossen.
Dahinter fand sie fünf Schubladen mit Unterwäsche, Strumpfhosen, T-Shirts und eine Kleiderstange. Da war Kleidung von heute, modisch und chic aber auch alte Gewänder für Hausbedienstete in den unterschiedlichsten Stilen. Sie war nicht begeistert von dem ersten Teil, welches sie entnommen hatte. Ein schwarzes Zofenkleid aus dem späten 19. Jahrhundert, schwarz mit langen weiten Ärmeln und Stehkragen. Dazu eine weiße stark gestärkte Baumwollschürze mit Rüschen an den Trägern. Sie hielt es vor den Körper und spiegelte sich.
‚Passt zwar irgendwie zu meinem Job aber sehr altmodisch‘, dachte sie und legte es sofort zurück: ‚für den Bankbesuch sicher nicht das richtige!‘
Dasselbe Kleid gab es nochmals in rosa, ebenso stilecht. Auch ein drittes Teil im Französischen Stil mit kurzem weit ausgestelltem Rock war vorhanden.
„Sehr sexy, was Melanie da alles hat!“ murmelte sie vor sich hin, „ein richtiges kleines Luder.“
Sie durchsuchte den Schrank nach straßentauglicher Kleidung und wurde fündig. Ein dunkelblauer Plisseerock wadenlang mit passender Jacke legte sie raus und dazu einen dunkelroten unauffälligeren Rollkragenpullover. Das sah perfekt aus für ein junges Mädchen, welches bei einer Bank arbeitet. Dazu wählte sie eine schwarze Strumpfhose und da waren auch noch Schuhe im exakt gleichen Blauton wie der Rock. Welch Zufall.
„So ein Mist, die haben mindestens sieben Zentimeter Absatz.“
Sie zog diese mal besser sofort an, um sich an den Gang damit zu gewöhnen. Es ging erstaunlich gut, die passten wie für sie gemacht.

Wie am gestrigen Tag musste Gerdas formende Unterwäsche ihre Körperform verweiblichen. Auch ihr Penis musste wieder zwischen die Beine und die Silkonbrüste wieder rein in die Cups. Schnell folgten der rote Pullover und der blaue Rock. In der verschwenderischen Auswahl an Makeup fand sie schnell einen besser passenden Lippenstift zum weinroten Oberteil. Dazu ein wenig Eyeliner im Ton des Rockes und schon war sie zufrieden. Prüfend drehte sie sich vor dem Spiegel. Perfekt! Ich sehe aus wie eine junge Assistentin der Geschäftsleitung. Dann nahm sie der Einfachheit halber die Schürze aus dem 19. Jahrhundert, band sich eine große Schleife im Rücken und machte sich an die Frühstücksvorbereitung.

Pünktlich viertel vor sieben kam der Milchmann, ein ca. 30-jähriger Bursche eines Lieferservice, der echt erstaunt war, hier in der Villa jemanden Unbekannten anzutreffen.
Sie plauderten nur kurz. Es war aber deutlich zu erkennen, er war angetan und verwirrt. Lag es daran, dass sie so sexy aussah auch mit der blöden Schürze oder lag es daran, dass er unter der Verkleidung einen Mann vermutete.
Aufschluss ergibt vielleicht die Beobachtung, was er tat, als er wieder im Auto saß. Auf seinem persönlichen Adressblock suchte er die Zeile Gartenstraße 17. Das Wort „Geschäftsleute“ wurde ergänzte „neue Haushaltshilfe – rattenscharf“.
Offensichtlich klappt das bei Raphaela immer besser mit dem weiblichen Outfit und sogar mit der Mädchenstimme, beim Milchmann war es zumindest ein Volltreffer.

„Guten Morgen, ich sehe du hast im Schrank was gefunden, was dir gefällt. Du siehst wunderschön aus.“, waren die ersten Worte von Simone, als sie in der Küche erschien. Den sonntäglichen Freizeitlook von gestern hatte auch sie mit Business ausgetauscht. Eine schwarze Stoffhose kombinierte sie einer weißen Businessbluse ließen sie strenger erscheinen. Dieses Outfit, dazu jetzt auch noch mit einer Brille auf der Nase, ergaben ein völlig verändertes Bild. Sie wirkte wie eine Lehrerin oder eben wie eine Lektorin.
„Das Frühstück sieht Klasse aus.“
Sie setzte sich wie selbstverständlich an den gemachten Tisch und ließ sich heiße Milch einschenken.
„Das habe ich so vermisst.“, strahlte sie glücklich, „ein leckeres Frühstück und nicht mehr allein dabei.“
Die neue Haushaltshilfe war trotz der frühen Stunde ausgelassen fröhlich und liebte das Gespräch: „Es ist mir eine Freude, Joe ist ja jetzt in London aber sonst, ist sie da morgens auch schon immer weg?“
„Ja unter der Woche sehe ich sie fast nie vor dem Abendessen, Frau Bankdirektor ist hat halt immer busy.“
Raphaela erzählte von Joes Anruf und den ungewöhnlichen Instruktionen.
„Das ist lieb von ihr, mich da außen vor zu lassen. Ich habe echt viel zu tun und muss Mittag kurz zur Bavaria rein. Bekommst du das mit der Bank allein hin?“
„Ja klar, ich brauche ja nur 15 min bis dort.“

Nach dem herrlichen Frühstück legte Raphaela die Schürze ab, zog die Jacke an und komplettierte ihr Aussehen mit Handtasche und Schal. Ein prüfender Blick in den Spiegel bestätigte ihre Hoffnung: ‚Ich sehe wie eine perfekte modische Azubi aus einer Bank aus.‘
Nach dem beschwingten Fußweg wurde sie bereits im Foyer der Bank durch Herrn Walker erwartet: „Hallo, gerade vor zwei Minuten hat Frau Direktor Schmiedler sie angekündigt. Ich bringe sie sofort in ihr Büro, das mache ich doch gern.“
Büro war wahrlich untertrieben. Der Raum von Frau Direktor war ein kleiner Tanzsaal mit Besprechungstisch für zwanzig Personen, gemütlicher Couchecke und sehr großem Schreibtisch. Die ausgewählten Bilder waren alle sehr geschmackvoll und von Künstlern, die Raphaela irgendwie bekannt vorkamen. Es sah aus wie in der Halle der Villa. Ein wunderschöner großer Blumenstrauß lockerte die Atmosphäre auf und wirkten einladend auf jeden, der hier einen Termin hat.
Die vergessene Mappe war schnell gefunden und auf dem Rückweg zur Lobby bemerkte sie, dass Herr Wacker immer ein paar Schritte hinter ihr lief. Offensichtlich gefiel ihm was er sah und sein Blick verharrte viel zu oft auf ihrem Po und dem jugendlich wippenden Plisseerock. Er verabschiedete sich mit einem unerwarteten Lob:
„Na dann ihnen noch einen schönen Tag.“, er zögerte kurz, „sie sehen heute toll aus und haben den Frühling ein kleines Stück zurückgebracht.“

Kaum war sie auf der Straße, da telefonierte sie wie abgesprochen.
„Hallo Frau Schmiedler, ich habe die Tasche.“
„Super, war schon jemand von meinem Sekretariat vor ihnen da?“, man merkte ihre Unruhe.
„Nein, ich habe keinen gesehen, nur den Pförtner.“
Jetzt entspannte sie sich ein wenig: „Kannst mal reinschauen, ob drei schwarze Mappen drin sind.“
Sie öffnete die Tasche und fand deutlich mehr Inhalt als nur die drei gesuchten Mappen, was sie zunächst verwirrte und zögern ließ.
„Ja, sind alle drei drin und die Versiegelungen sind alle in Ordnung.“
„Da bin ich aber froh.“, Joe räusperte sich, „die anderen Dinge sind nicht wichtig. Aber eine Bitte habe ich, das Ganze bleibt unter uns, OK?“
„Ja klar.“, bestätigte Raphaela, schloss schnell wieder die Tasche und machte sich auf dem Heimweg.

Die Absätze ihrer High Heels klapperten über den Asphalt, das Laufen klappte trotz der Höhe der Absätze erstaunlich gut. Jeder Passant sah mit Freude auf das fröhliche Mädchen mit der Tasche, die am frühen Morgen durch den Frühling in München spazierte.
Raphaela bemerkte davon nichts, sie hing im Gedanken an der Tasche und versuchte sich einen Reim darauf zu machen:
‚Joe hat die Tasche im Büro vergessen, so viel ist klar! Die Dokumente sind wichtig, OK! Aber die Vermutung liegt doch irgendwie nahe, das hätte auch die Sekretärin in Ordnung bringen können. Andererseits waren da anderen Dinge in der Tasche, die mir die Schamesröte ins Gesicht treiben. Ein normaler Dildo hätte schon Verwunderung und Tratscherei in der Bank ausgelöst, aber dieser in der Tasche war weitaus delikater. Es war ein Doppelfreudenspender für zwei Personen, dazu noch mit einer großen Schleife verziert. Was für ein Prügel.‘
Raphaela schmunzelte über Joe, jetzt wo sie dieses Geheimnis kannte.
Des Weiteren ist noch ein Katalog in der Tasche, auf den Joe mit Edding fett draufgeschrieben hat:
Geburtstagsgeschenk für Simone bestellen.
Blöd nur, wenn die Sekretärin genauer hinschaut hätte, dann hätte sie entdeckt, dass der Katalog von Heavy Rubber ist, der berühmte Spezialanbieter von strenger Latexkleidung.‘
Die Gedanken schwirrten ihr nur so durch den Kopf auf dem Heimweg und sie vergaß ganz und gar ihre schmerzenden Füße in den ungewohnten Schuhen und auch die eventuelle Peinlichkeit als Mann in Frauenkleidern entdeckt zu werden. ‚Sind die Schmiedlers spitz auf Latex? Offensichtlich ja! Ich habe ja noch drei Wochen Zeit mehr darüber herauszufinden.‘

„Bin zurück.“, rief sie Simone zu als sie zur Haustür hereintrat.
„Schön.“, antwortete diese, „habe gerade mit Joe telefoniert. Du sollst die Tasche bei dir verwahren, da ist wohl irgendwas für meinen Geburtstag drin, was ich nicht sehen soll.“
Raphaela konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und hielt die Tasche ein wenig fester unter ihrem Arm. Dabei löste sie ausversehen den Startknopf des Dildos aus, der leise hörbar zu summen begann. Mit dem Schreck sprang sie beherzt aus Simones Büro raus und brachte das vibrierende Spielzeug wieder zum Stillschweigen.

„Sorry.“, murmelte Raphaela als sie wieder im Büro von Simone stand.
„War das das, was ich denke, was es war?“, fragte die Lektorin mit belustigtem Blick über ihre Brille und einem sehr breiten Grinsen.
„Nein, nein, ...“, Raphaela überlegte fieberhaft, „…nur mein Handy, ich habe da einen ulkigen neuen Klingelton.“
„Ach so.“
„Ok, wie soll ich heute loslegen mit Putzen?“
„Ich schlage vor, du arbeitest dich von oben nach unten durch unser Haus.“, überlegte Simone laut, „wische oben den Flur und putze alle Dachbodenfenster. Anschließend dann ist unser großer Speisesaal dran. Bitte richtig gründlich, ein richtig großer Frühjahrsputz solls sein mit allen Ecken und Kanten.“
„Verstanden.“
„Vielleicht ist es besser, wenn du statt der weißen Baumwollschürze was Robusteres anziehst, wäre doch schade, wenn du die wunderschöne Plisseerockkombination dreckig machst, oder?“
„Glaube du hast recht.“, bestätigte Raphaela.
„Ich habe dir oben in Melanies Zimmer was hingelegt.“

Raphaela wollte gerade das Zimmer verlassen, da rief ihr Simone hinterher:
„Warte mal kurz! Stimmt es, dass dir Joe schon am ersten Morgen einen Strafpunkt aufgedonnert hat?“
Das war dem Mädchen nun wirklich nicht recht: ‚So eine Petze.‘ dachte sie und stammelte:
„Ja leider.“
„Berechtigt?“
„Ich weiß nicht so recht“, flüsterte sie schüchtern.
„Erzähl, vielleicht kann ich ein gutes Wort für dich einlegen.“
Wohl oder übel berichtete Raphaela jetzt vom morgendlichen Videotelefonat mit Joe. Sie erzählte auch freiwillig aber stockend das Malheur mit dem Nachthemd und dem Spermafleck. Auch erzählte sie, wie sie mit dem Bankbesuch zwei Punkte wieder abarbeiten konnte.
„Ein verbleibender Punkt das ist eindeutig berechtig…“, urteilte Simone lachend, „…ihr Männer habt euch halt nicht im Griff.“ Sie lachte laut belustigt: „Alles willensschwache Samenspritzer!“
Jetzt lachte auch Raphaela notgedrungen mit.
„Ich lege dir nachher mal drei Optionen hin für die Tilgung des einen verbliebenen Punktes. Dann kannst du ja in aller Ruhe entscheiden, wie und wann du den Strafpunkt aus der Welt schaffst.“
„Ok, aber vielleicht kommt ja wieder ein Spezialauftrag, wie der gerade eben mit der Tasche, dann ist der Strafpunkt auch im Nu wieder weg.“
„Stimmt.“

Sie fand in ihrem Zimmer die angekündigte „robuste“ Schürze auf einem Kleiderbügel, fein säuberlich am einzig offenen Schrank platziert.
‚Außergewöhnlich!‘, war das erste was ihr dazu einfiel. ‚sowas gibt’s bestimmt nicht im Laden um die Ecke. Ganz aus Gummi und in einem milchigen weiß.‘
Sie entledigte sich der blauen Jacke und der jetzt der doch langsam unbequemen Schuhe. Vor dem Umziehen bewunderte sich nochmals ausgiebig im Spiegel. Das Spiegelbild eines Mädchens, die bei einer Bank als Assistentin arbeitet, gefiel ihr ausgesprochen gut.
„Zum Vernaschen schön…“, flüsterte sie in den Spiegel aber sie widerstand dem Impuls, sich zu erregen, „…hopp, hopp faules Ding an die Arbeit!“, ermahnte sie sich lieber.

Die Schürze hatte zwei halblange Ärmel bis über die Ellbogen und man musste von hinten einsteigen. Sie zupfte die Schultern in die richtige Position und schlug die beiden Flügel hinter sich zusammen. Dann zog sie die beiden Bänder um den Bauch und formte mit Hilfe des Spiegels eine große Schleife direkt über ihrem Po.
Die Annahme von Simone wurde bestätigt, dieses Teil verhinderte sicher gut jegliche Verschmutzungen. Nur roch es stark nach neuem Gummi und die Ärmel des Pullovers und der Plisseerocksaum schauten hervor. Auch wurde ihr schlagartig warm.
„So geht das nicht.“, legte sie fest.
Die Schürze, der Rollkragenpullover und der Rock wurden ausgezogen und dann trug sie die Verschmutzungs-Schutzschürze direkt auf der Unterwäsche bzw. auf der Haut. Das war für sie keineswegs ein unangenehmes Gefühl.
Die Ärmel waren an den Schultern etwas weiter als Puff ausgestellt, der Hals war mit einem Rüschenkranz versehen und auch die zwei großen Taschen rechts und links hatten Rüschen.
‚Sieht aus wie eine Magd aus Schneewittchen.‘, dachte sie positiv überrascht und es gefiel ihr überaus, was sie im Spiegel sah.
Der Latex-Geruch machte sie unsicher und erregte sie ein wenig. Sie schüttelte es ab und suchte brauchbare Schuhe. Oh Wunder dort standen jetzt im Schrank knöchellange Gummistiefelchen in derselben Farbe der Schürze. Sie schlüpfte hinein und stellte befriedigend fest, dass diese keine Mörderabsätze hatten. Schnell noch die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und der erste Putztag konnte beginnen.

Im Vorratsraum im Keller fand sie auf einem Tisch bereitgestellt eine Flasche Holzbodenreiniger und Öl für Naturböden. Dazu lagen bereit: eine Wurzelbürste zum Schrubben, eine Menge kleinerer Bürsten für Ritzen, Lappen, Eimer und passende rosa Haushaltshandschuhe. Die Verpackung gab Auskunft:

Vileda Haushalthandschuh ROBUST
Haushaltshandschuh aus Latex.
Extra Schutz durch Dreifach-Beschichtung und lange Stulpe.
Für alle groben Haushaltsarbeiten.
Mit spezieller, patentierter ComfortPlus Innenbeschichtung:
Hohe Feuchtigkeitsaufnahme und angenehmes Tragegefühl.
Besonders reißfestes Material: 100% Naturlatex dreifach Beschichtung für alle groben Haushaltsarbeiten und trotzdem angenehmes Tragegefühl über Stunden.
Besonders reißfest


Offensichtlich hatte Simone klare Vorstellungen, wie gründlich sie den Boden zu reinigen hatte.
Oben angekommen kontrollierte sie alle Zimmertüren, alle abgeschlossen, nur die in ihr eigenes Zimmer war zugänglich. Somit war klar, die Treppe, die Flurfenster und der Boden mussten heute gereinigt werden.
‚Erfahrung macht klug‘, dachte sie, ‚den Fehler mache ich nicht zweimal.‘
Sie wischte zunächst die Türrahmen oben gründlich ab, an dieser Stelle sollte Joe keine zweite Chance für Strafpunkte bekommen. Dann legte sie bei den Fenstern los und putze diese samt Fensterbrettern innen und außen blitzblank.

Der Boden war eine Herausforderung, das stellte sie sofort fest. Dort wo sie geschrubbt hatte, war er viel heller geworden. Die Fugen zwischen den Brettern waren dagegen weiterhin schwarz. Es half nichts, sie musste mit den kleinen Bürsten sehr akribisch arbeiten, um ein tadelloses Ergebnis zu erzielen. Sie war hochkonzentriert am Werk und begann bei der Schrubberei zu schwitzen. Aber es machte ihr dennoch Spaß, das schöne Ergebnis war deutlich zu sehen. Es ging voran und gegen elf hatte sie schon zwei Drittel geschafft.
„Brauchst Du ein Radio?“
„Du hast mich aber erschreckt.“, zuckte die fleißige Putzfrau hoch.
Sie erhob sich von den Knien und ging rüber zu Simone, die ihr ein kleines Kofferradio reichte. Dieses nahm sie gern an. Mit dem Handrücken wischte sie den Schweiß aus der Stirn.
„Stehst Du schon lange hier und schaust mir zu?“
„Glaub schon, so fünf Minuten vielleicht. Es macht einfach Spaß, dich zu beobachten. Schön wie du da so Bohle für Bohle eine hellere Farbe gibst. Und dich dann andächtig auch um die Ritzen kümmerst. Ein richtiges kleines Kunstwerk. Du bist richtig bei der Sache. Toll. Was riecht hier eigentlich so ulkig, bist du das mit deiner Latexschürze oder ist das der Reiniger?“
Simone neckte sie keck, jedoch liebevoll, nicht gemein und jederzeit mit einem freundlichen Lächeln.
„Dieses Gummiungetüm scheint neu zu sein und stinkt ein bisschen.“
„Und?“, fragte Simone spöttisch, „stehst drauf?“
„Nein, aber mir egal“, log Rapha, „Geld ist Geld und zumindest erfüllt die Schürze den Zweck, ich mach mich nicht schmutzig.“ Salomonisch fragt sie keck zurück: „Und du, stehst du etwa drauf?“
„Das fragt man eine Endvierzigerin nicht, du freche Göre…“, sie waren einfach eine Wellenlänge, „…und wenn ich drauf abfahren würde, dann würde ich es dir nicht verraten.“
Simone lächelte zweideutig und brachte hinter ihrem Rücken eine Flasche Cola zum Vorschein: „Damit du nicht verdurstest.“
„Gute Idee“, gierig trank Raphaela Schluck um Schluck und rülpste aus Versehen.
„Das war ungezogen“, tadelte Simone, „wenn ich das Joe sage, gibt’s sofort Ärger.“
„Bitte, bitte nicht,“, sie spielte das Spiel mit und bat gekünstelt um Vergebung, „…was muss ich tun, damit du nicht petzt?“
„Mir mein Geburtstagsgeschenk von Joe verraten.“
„Mach ich nicht.“, sagte sie trotzig.
„Dann bist du ab sofort in einer Zwickmühle“, breiter konnte ein Grinsen nicht sein.
„Apropos Geburtstag, wann hast du denn?“
„Am Samstag in zehn Tagen.“
„Das ist toll, da bin ich ja noch hier. Gibt‘s ne Party?“
„Natürlich, aber ob ich eine rülpsende Göre dabeihaben will, weiß ich noch nicht. Vielleicht als Bedienung, vielleicht als Gast oder ich schick dich zurück in deine Studentenbude“, sie neckte liebevoll weiter, „das kommt drauf an, wie lieb du bis dahin zu mir bist.“
„Bitte, bitte, ich will dabei sein“, sie waren schon nach einem Tag ein eingespieltes Comedypaar und hatten beide viel Spaß daran.
„Ich muss jetzt los, die Bavaria mag es nicht, wenn man zu spät ist. Mach nachher Pause, der Kühlschrank ist voll. Ich bin so gegen fünf zurück.“
„Schade dann bin ich ja ganz allein mit der Arbeit. Ok, jetzt wünsch ich dir erstmal viel Erfolg mit deiner Übersetzung.“, erwiderte Raphaela ehrlich und hockte sich wieder an die Arbeit. Mit unvermindertem Elan begann sie wieder zu schrubben, Bohle für Bohle und Fuge für Fuge.

Um halb eins war der Boden geschafft und nur die Treppe fehlte noch. Pause kann warten, entschied sie, ich will dieses schwere Geschäft fertig haben.
Kurz nach zwei hatte sie die letzte Stufe geschafft und schaute voller Stolz auf ihr Kunstwerk. Das Radio spielte passend: „when the going gets tough, the tough get going“, von Franky goes to Hollywood.
Wahrscheinlich durch den Liter Cola, den sie getrunken hatte, ran ihr der Schweiß am ganzen Körper herunter, besonders unter der Schürze. Sie ging in ihr Zimmer und entledigte sich der Stiefel und Gummischürze und hängte diese in die Badewanne.
Nachdem sie sich frisch gemacht hatte, überlegte sie, was sie jetzt wohl anziehen sollte. Hinter der Schiebetür wurde sie fündig, ein Jogginganzug in rosa. Dann schaute sie nach den anderen Schranktüren, alle nach wie vor verschlossen.
Neu entdeckte sie in der hintersten Ecke des Kleiderschrankes einen kleinen Tisch. Verwundert ging Raphaela zu diesem und las auf einem kleinen Kärtchen:

Haben sie zu viele Strafpunkte – das sind die Optionen

‚War der Tisch heute Morgen schon da gewesen?‘, dachte sie, „Vermutlich nicht!“ Raphaela war verwundert, konnte aber die Frage beim besten Willen nicht beantworten. So blieb offen, ob das Tischchen Reste aus der Zeit von Melanie waren oder dieses Angebot direkt an sie gerichtet war. Interessiert schaltete sie eine Lampe an und versuchte diese ominösen Optionen zu verstehen.
69. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 21.06.21 06:58

Wieder eine wunderbare Fortsetzung,die man regelrecht verschlingt.Nun warte ich schon wieder gespannt auf den nächsten Teil.
70. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 21.06.21 17:22

Wieder eine schöne Folge welche mir sehr gut gefällt. Schreibe weiter so !!!
71. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von lot am 21.06.21 17:30

wow, das ist eine tolle Fortsetzung.

Und immer wieder ein Querverweis zu diesem Paul.
Was das wohl noch bringen mag.

Wenn Rapha ihre Finger nicht weglassen kann, dann sollte sein Pimmel über Nacht in einen Käfig weggesperrt sein.
Denke sie wäre bereit dazu. Möchte ja die 3 Wochen Mädchen sein....
72. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 21.06.21 19:05

Wieder eine schön geile Fortsetzung der Geschichte!
Freue mich auf die nächste, mal sehen was noch passiert!
73. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 21.06.21 23:01

Zitat
@ Toree,
wow dieses Biedermeierkostüm muss echt was besonderes gewesen sein, wenn man bei ebay dafür 2000€ erlösen kann.
Jetzt bin ich neugierig.


Nee, besonderes war es nicht, nur vollständig: Von Kleid, über Korsett, Rüschenslip, Strümpfe, Schute, Schuhe bis zum Täschchen. Alles da.
Gekauft hatte es ein Museum in den USA.
74. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Latexbrummbär am 21.06.21 23:12

Eine tolle Fortsetzung und es wird immer spannender 😍
Bei dem transparenten Latex....ich verstehe ihn ♥️
75. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 27.06.21 22:24

@ Gummimaske
heute kommt wieder was zum "verschlingen"
Bleib neugierig.

@ Erin
ich werde mich bemühen genau so "weiterzuschreiben"
Bleib mir gewogen und neugierig.

@ lot
Du spekulierst: "....Querverweis zu Paul", dem Regisseur und fragst Dich "...was das wohl bringen mag..."
Ich schätze mal einen Film, oder?
Bleib neugierig.

@ develdom
"...geile Fortsetzung..." Das werte ich mal als Lob, dieses Adjektiv "geil"
Bleib neugierig und geil.

@ Toree
Das ist in der Tat eine interessante Geschichte, das Kostüm der "DJ Toree" ist zwanzig / dreißig Jahre später in einem Museum in USA. Cool.
Ich bin immer noch neugierig auf ein Foto.

@Latexbrummbär
geht mir irgendwie genauso wie Dir mit dem transparenten Latexnachthemd. Wer kann da schon widerstehen?
Bleib neugierig, vielleicht kommt da ja noch was. GRINS
76. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 27.06.21 22:34

Haben sie zu viele Strafpunkte – das sind die Optionen

‚War der Tisch heute Morgen schon da gewesen?‘, dachte sie, „Vermutlich nicht!“ Raphaela war verwundert, konnte aber die Frage beim besten Willen nicht beantworten. So blieb offen, ob das Tischchen Reste aus der Zeit von Melanie waren oder dieses Angebot direkt an sie gerichtet war. Interessiert schaltete sie eine Lampe an und versuchte diese ominösen Optionen zu verstehen.

Von links nach rechts, drei kleine Schilder:
-1 Punkt, -2 Punkte, -3 Punkte
Aber nur links lagen drei Gegenstände, offensichtlich sollten es drei Möglichkeiten sein einen Punkt abzubauen. Oder wie war das gemeint?

Ein Dildo, kannte sie nur vom Sehen und spielen mit Andrea, aber nie in der eigenen Anwendung. Eine Edelstahl-Keuschheitshose, kannte sie bisher nur von Fotos. Ein Korsett, das kannte sie schon mehr als zur Genüge in zwei Varianten von den Wochen bei Gerda im Putzeinsatz.

Raphaela begann mit ihren Forschungen bei dem Gegenstand, den sie am ehesten vertraute, wurde aber sogleich eines Besseren belehrt. Dieses Korsett hier war ganz anders, als die von Gerda. Es hatte keine Schnürung, sondern Schnallen wie an Skischuhen, so richtig massiv gearbeitet. Wie beim diesem Wintersportgerät konnte man einen Stahlbügel in eine der fünf hintereinander aufgereihten Haken einhängen und dann den großen Bügel rumklappen. „Klack“, es klang auch genauso wie bei einem Skischuh. Raphaela hatte den Trick der acht Verschlüsse, die senkrecht übereinander von Hüfte bis Rippe reichten, schnell verstanden. Alle wurden von ihr mal ohne Inhalt in der ersten lockersten Raste geschlossen. Das sah jetzt schon sehr eng aus. Auch das Material des ganzen Korsetts war eher wie eine Ritterrüstung, ganz anders als bei den Exemplaren von Gerda. Vierzehn senkrechte schwarze Kunststoffrippen, jede einzelne wie ein perfekter Bogen vorgeformt für Hüfte, Taille wurden entdeckt und alle einzelnen Rippen waren durch sehr stabile Gummibänder quer miteinander verbunden.
‚Sieht toll aus, schon richtig spacy.‘, dachte sie und dann kam die Neugierde.
Mal so zur Probe legte sie das offene Korsett von hinten um ihren Körper und schaffte es mit einiger Anstrengung die acht Verschlüsse in die erste Stufe einzuhaken. Die Passform war wie für sie gemacht oder eben für diese unbekannte Melanie, die hatte wahrscheinlich eine ähnliche Figur gehabt. Die Bügel, jetzt nur in der ersten Raste dann auch rumzuklappen, versuchte sie nur ganz kurz. Dann schob sie eine einzige der acht Foltervorrichtungen in die zweite Raste und lachte laut: „No way, das Ding ist für eine Bohnenstange aber nicht für mich.“

Sie drückte und drückte und mit viel Gezerre schaffte es ein einziger Bügel am oberen Ende das „Klack“. Autsch, das war für sie in der Tat eng, der Gesichtsausdruck verriet ihr Leid. Sie versuchte sich dran zu gewöhnen und fummelte noch unentschlossen an den anderen 7 Hebeln rum. Dann stellte sie resignierend fest: ‚Das ist wohl kaum eine Option für einen Punkteabbau!‘ Andererseits, die unterste Schnalle auf der Hüfte und auch die oberste auf den Rippen, das ging irgendwie gut, wie für sie gemacht, das ließ sich aushalten. Nur in der Mitte lag noch immer das größte Problem. Sie suchte erfolgreich im Schreibtisch ein Bandmaß und ermittelte den Taillenumfang in der ersten geschlossenen Raste.
74 Zentimeter also 2 weniger als bei Gerda. Jeder Haken war zwei Zentimeter enger, also reichte das Korsett für eine Reduktion auf Sage und Schreibe 66 Zentimeter. Dabei waren ihr die 76 bei Gerda schon verdammt eng vorgekommen.
‚Vielleicht geht es leichter ganz ohne Unterwäsche?‘, dachte sie aber das wollte sie jetzt nicht mehr ausprobieren.

Jetzt versuchte sie die Edelstahlhose zu verstehen.
Es gab ein offenes Taillenband, so fünf Zentimeter breit, innen ausgekleidet mit weichem Leder. Die beiden Enden würden offensichtlich am Bauchnabel enden und dort geschlossen. Eine Seite hatte ein Loch am Ende, die andere einen Bolzen, die gut ineinanderpassten. Der Bolzen hatte ein kleines Loch, in dem baumelte ein Vorhängeschloss ohne Schlüssel. Raphaela verstand sofort die Funktion und erahnte schaudernd, warum da kein Schlüssel war. Wer immer dieses Band mit dem Schloss schließt, muss warten, bis jemand mit dem Schlüssel vorbeikommt.
Hinten an diesem Gürtelband war das Schrittband mit Nieten fest verbunden, Dieses hatte vorn auch ein Loch, passte auch genau für den Bolzen am Bauchgurt. Dieses zweite Edelstahlband war ebenfalls mit Leder gepolstert und würde mit der vorn deutlich größeren Breite die Scheide einer Frau sicher verschließen.
In seinem Fall würde es natürlich den Penis fest im Schritt verriegeln und durch die ovale Form, müssten seine Hoden nach oben in die Bauchhöhlen ausweichen.
‚Gut durchdacht.‘, stellte sie anerkennend fest.
Nicht am Körper sondern auf dem Tisch liegend schloss sie mal zur Probe alle Bänder, fädelte das Schloss ein und drückte dieses zu: „Klack“.
Sie lachte befreit auf: „Diese Strafmaßnahme ist jetzt nicht mehr möglich, ich hab ja keinen Schlüssel.“
Nachdenklich schaute sie das Ungetüm ein Weilchen an und maß dann den Taillenumfang der Edelstahlhose. Sie stellte fest: ‚Innen so 71 bis 73 Zentimeter.‘ und erschloss sich daraus, dass hat wohl irgendwas mit dem Korsettaußenumfang zur tun. Sie stellte das Korsett hinein und bestätigte die Vermutung. Jemand müsste das Korsett in der zweiten oder dritten Raste schließen, dann ergibt das Ganze mit der Keuschheitshose ein Ensemble.
Sie ermittelte jetzt die Länge des Schrittbandes innen mit 55 Zentimeter und dasselbe Maß an ihrer jetzigen Bodyformhose mit 58.
„Das wird verdammt eng, das will ich nicht erleben.“, seufzte sie laut vor sich hin.

Der dritte Gegenstand, der Dildo war ca. 20 cm lang und 5 cm dick. Für Andrea wäre das sicher keine Herausforderung aber für sein jungfräuliches Poloch ganz sicher eine Katastrophe. Er untersuchte diesen kleinen Freudenspender genau und fand keine Batterien oder Taster. Er war geformt wie ein gerader Penis, etwas verjüngt an der untersten Stelle und wies dort als Abschluss eine kleine rechteckige Stahlplatte aus. Diese Platte konnte man leicht mit einer Schaube von Hand entfernen.
‚Wozu soll das wohl gut sein?‘, rätselte sie.
Dann entdeckte sie am Schrittband der Keuschheitshose ein kleines Loch. Das schien zu passen und so schraubte sie den Dildo an dieser Stelle fest. Sie schaute sich das Gesamtwerk eine Weile an: ‚Das scheint alles so gedacht. Diejenige die alle drei Teile trägt, hat wahrlich nichts zu lachen. Der Po wird gefüllt, der Bauch eingequetscht und die Muschi unzugänglich eingesperrt! So viel steht schon mal fest!‘
Sie seufzte laut und resümierte laut:
„Das will ich nicht erleiden, ich muss aufpassen, dass ich keine weiteren Strafpunkte bekomme!“

*****

Einen ganzen Strafpunkt hatte sie ja noch und keine Idee. Sie machte sich zum späten Mittag nur einen kleinen Salat, das könnte eventuell helfen, wenn sie das Korsett doch mal für einen Tag tragen müsste. Sie gönnte sich noch einen Kaffee und dann galt es weiter zu arbeiten. Die Gummischürze kam wieder zum Einsatz und auch die extra starken Vileda-Handschuhe wurden mit Freude übergezogen. Den Boden einölen kostete wieder Zeit und Kraft. Mit dem Ergebnis war sie sehr zufrieden, der Raum glänze wie Speckschwarte und war deutlich heller als noch heute Morgen. Anschließend begann sie mit dem großen Esszimmer, welches aber zum Glück einen pflegeleichten Steinboden hatte.

„Hallihallo, ich bin zurück. Bist du immer noch am Arbeiten?“, rief Simone.
„Ja wieso, ist es schon so spät?“
„Halb sechs, du hast eine Überstunde gemacht.“
„Sorry ich wollte nur hier im Esszimmer auch gleich fertig werden. Aber das wird nichts, ich bin schon fix und groggy und habe bestimmt noch eine Stunde zu tun.“
„Mach Feierabend! Ich habe für uns Pizza mitgebracht.“

Wenig später erschien Raphaela in der Küche. Es duftete nach Pizza Fungi und der Tisch war bereits gedeckt.
„Du kannst dich wohl gar nicht von diesem Outfit trennen?“, verwundert nahm Simone wahr, dass das Mädchen wieder den roten Rolli und den blauen Plisseerock trug.
„Nö, sieht sexy aus! Oder? Hier duftet es aber gut.“
„Siehst gut aus aber nach dem Essen solltest du duschen.“
„Mach ich, ich muffle ein bisschen nach Putzmittel und Schweiß.“
„Stimmt.“
Beide saßen gemütlich zu Tisch und plauderten ein wenig über den Tag. Joe würde erst Mittwoch zurückkommen, so waren bissige Kommentare nicht zu erwarten. Interessiert lauschten sie gegenseitig ihren Berichten, dem vom Tag bei der Bavaria und dem vom Tag auf dem Dachgeschoß. Schon gar nicht so einfach, einen französischen Film so ins Deutsche zu übersetzen, dass die Mundbewegung passt und auch nicht einfach, einen alten Holzboden wie neu aussehen zu lassen.

„Was machen wir heute Abend?“, fragte Raphaela beim Espresso danach.
„Hm…, ich habe da eine Idee, die geistert schon seit der Mittagspause in meinem Kopf rum.“
„Seit der Mittagspause, jetzt spann mich nicht auf die Folter.“
„Weißt noch, dass wir uns über Latex unterhalten haben.“
„Ja?“, sie schielte fragend über die Espressotasse, „Wohin soll deine Andeutung führen?“
Raphaela hatte einen Wissensvorsprung durch den heavy Rubber Katalog, der in Joes Tasche schlummerte. Offensichtlich wollte Simone das Thema aufgreifen, nicht ganz ohne Eigennutz?
„Also du meintest, du weißt nicht, ob du auf Latex stehst und ich habe nachgedacht.“
„Wieso denkst du über was nach, wenn du weißt, dass ich darüber nichts weiß?“, jetzt schummelte Raphaela aber dreist, natürlich wusste sie, dass Latex bei ihr einen Kick verursacht.
„Weil wir es gemeinsam herausfinden könnten.“
„Hä, das verstehe ich nicht, wieso sollte ich die Sache mit dem Latex herausfinden wollen?“
„Du bist jetzt zwanzig, richtig?“
„Ja, wieso?“
„Ich war auch so um die zwanzig, als ich das Material für mich entdeckt haben.“

Jetzt senkte das Businessmädchen schüchtern den Blick in die Espressotasse. Zum einen wegen ihrer eigenen Erfahrungen mit Tante Gerda, zum anderen, weil das Gespräch in eine Richtung driftete, die sehr privat war und das gelich am zweiten Abend.
Simone lächelte und wartete ab.
„Also nicht, dass ich neugierig bin, aber fragen darf ich doch, oder?“
„Was?“, zögerlich hob Raphaela den Blick aus der Tasse.
„Na so im Allgemeinen meine ich, du magst offensichtlich, dich als Frau zu kleiden und da dachte ich, ich kann ja mal fragen.“
„Das mit dem als Frau kleiden, ist ja nicht ganz freiwillig.“
„Nicht ganz freiwillig, sagst du, ich glaube dir kein Wort. Schau doch mal, mit welchem Spaß du diesen blauen Rock trägst. Wenn dann noch ein Spiegel deinen Weg kreuzt, kommst nicht vorbei, ohne dich selbst zu bewundern. Das nennst du, nicht ganz freiwillig?“
„Ok, ok Frau Richterin ich gebe es zu. Sehr sexy dieser Businesslook.“
„Seit wann?“
„Seit wann was? Seit wann ich das sexy finde? Gute Frage. Ich glaube seit heute Morgen.“
„Ich glaube dir immer noch kein Wort.“
„Du bohrst in meiner Intimsphäre!“
„Nein tue ich nicht, ich bin nur neugierig und vergleiche dich mit meinen Jugendsünden.“
„OK, ich habe das Crossdressing beim Fasching entdeckt, vor ein paar Monaten. War eher Zufall. Ihr habt ja von Gerda das eine Foto der Bolerodame bekommen, war eine Switch-Party mit Preisverleihung, da gibt man sich Mühe halt. Aber sonst, niente di niente.“
„Aber es gefällt dir?“, Simone ließ nicht locker.
„Schon so ein bisschen, ist wie Entdeckungsreise in eine andere Welt. Und da ich gern tanze, kann man ja auch mal leicht in die andere Rolle schlüpfen. Die Schritte sind nicht wirklich anders, nur spiegelverkehrt. Geht ganz leicht.“

Sie schlürften ihren zweiten Espresso und ließen die Gedanken schweifen. Gerade als Raphaela dachte, das Gespräch wäre überstanden und würde eine andere Richtung einschlagen, setzte Simone nach.
„Also ich war so alt wie du, als ich das Material Gummi für mich entdeckte.“
„Ungeschickt, jetzt sind wir wieder da, wo wir vor einer Viertelstunde waren, gibt es kein anderes Thema.“, maulte Raphaela.
„Wieso bist so wirsch? Ich wollte doch nur ein wenig schwärmen und von mir erzählen.“
„Schwärmen worüber? Dass Gummi die Kleidung sauber hält?“
„Nein, schwärmen darüber, warum ich es mag.“
Jetzt war es dem Mädchen nicht mehr so ganz unrecht. Offensichtlich wollte Simone ganz offen über ihren Fetisch reden. ‚Vielleicht sind wir ja seelenverwandt.‘, dachte sie und ging auf das Gespräch ein: „Schon gut, erzähl halt, warum Gummi was Besonderes für dich ist? Ich verstehe es glaube nicht so ganz.“
„Es umhüllt mich eng, es macht warm, es lässt einen Schweißfilm entstehen und es riecht gut.“
„Du schwärmst ja richtig.“
„Ja“, sie machte eine kurze Pause und gab dann zu, „ist eine Wonne, dieses Latex.“
„Mit zwanzig hast du es für dich entdeckt und jetzt?“
„Jetzt mag ich es immer noch und trage es auch ab und an!“, gab Simone unumwunden zu, „Bist Schockiert?“
„Nein. Jeder hat so seine Vorlieben.“
„Und du?“
„Und ich?“
Sie spielten Katz und Maus.
„Und du, magst es mal ausprobieren?“
Raphaela zögerte eindeutig zu lange mit ihrer Antwort.
„Also ja!“, freute sich Simone diebisch, „Du gehst jetzt hoch duschen und ich gebe dir ein paar Sachen zum Ausprobieren, OK?“
Das Mädchen versuchte sich nichts anmerken zu lassen und antwortete betont verzögert: „Wenn du meinst, ich müsste das mal probieren, dann machen wir das halt mal. Aber wie gesagt, jeder hat so seine Vorlieben, wahrscheinlich teile ich deine nicht.“

Eine Viertelstunde später kam Simone in das Dachzimmer mit einer Plastiktüte. Ralph rief aus dem Bad, das er gleich fertig sei. Er duschte sich noch eiskalt ab, damit seine Vorfreude keine verräterischen Spuren in einer Erektion findet. Nackt, nur ein Handtuch um die Hüften kam er ins Zimmer und mit noch nassem Haar frohlockte er, dass er gespannt sei.
Er wirkte wieder ein wenig wie ein Mann mit langen Haaren.
„Hier das zuerst.“
Er bekam zwei schwarze Strümpfe gereicht und von Simone erklärt, dass diese innen mit einer Anziehhilfe befeuchtet wurden, damit man besser reinschlüpfen kann. Das klappte dann auch sehr schnell und schon war er untenrum eingummiert. Auf die Frage, ob gut oder unangenehm, gab es nur die ausweichende Antwort, dass es schon irgendwie passen würde und er halt von Natur aus neugierig sei.
Die Tüte war noch prall gefüllt.
Simone fand das Handtuch unpassend und bot an, sich wegzudrehen, wenn er den Schlüpfer anzieht. Das fand Ralph nett und schlüpfte ohne groß nachzudenken in die gereicht Gummi-Radlerhose.
Simone kommentierte liebevoll, dass jetzt die untere Hälfte geschafft wäre. Ralph protestierte nicht wirklich und fragte seinerseits, was denn der Plan wäre. Die Antwort von Simone war eindeutig: „na 100% du Dummerchen.“

Jetzt waren zwei lange Latexhandschuhe dran. Es wurde genaustens erklärt, was der Unterschied zu denen von Vileda war. Nämlich wären diese auf keinen Fall atmungsaktiv und auch nicht mit Flies innen.
Dann zauberte Simone ein enges Latexoberteil mit Stehkragen aus der Tüte, fast eine Art Rollkragenpullover und fragte rücksichtsvoll nach, ob ja oder nein.
Der Junge quittierte mit der salomonischen Antwort, wenn man nun schon mal soweit wäre, wäre es doch blöd, auf halbem Wege stehen zu bleiben.
Als er auch dieses Teil angezogen hatte, war er vom Hals abwärts komplett in schwarz gekleidet und schaute in den Spiegel. Sah irgendwie gut aus auch als Mann so ganz ohne Busen. Jedoch im Schritt wurde die Beule schon wieder bedrohlich schnell größer. Um diesen Umstand nicht zum Thema zu machen, fragte er nach, was denn noch in der Tüte verblieben wäre.

Es sei eine Maske gesichtsoffen, wurde er informiert. Auf die Frage ob er mit dem Thema Latex jetzt so weit sei, das jetzt auch noch auf dem Kopf auszuprobieren, improvisierte Raphaela ausweichend. Seine Antwort, das Gefühl in den Klamotten wäre schon irgendwie außergewöhnlich, war inhaltsarm. Auf Simones Frage, ob außergewöhnlich schön oder außergewöhnlich unschön, kam ein verräterisches: „Außergewöhnlich mittel.“ Was auch immer das bedeuten sollte. Aber den Kopf jetzt auch noch zu bedecken, er wüsste nicht so recht warum. Simone meinte, das wäre kein Problem, man solle es am Anfang nicht übertreiben.
Ralph hatte sich selbst in eine Zwickmühle gebracht, sollte er um die Maske bitten, dann wäre es zu offensichtlich, dass er darauf abfährt. Sollte er aber hier an dieser Stelle aufhören, dann würde er sich selbst um ein Highlight betrügen. Die Maske würde eh nur den Kopf bedecken, das ganze Gesicht war oval offen. So zögerte er zu lange und das nutzte Simone aus, griff unauffällig in die Hosentasche zum Handy und schon klingelte wie durch ein Wunder unten das Festnetztelefon.

„Du da muss ich ran. Probiere dich aus oder einfach wieder raus aus den Klamotten. Gute Nacht.“

Simone ließ ihn einfach stehen flitzte nach unten, schnappte sich das Telefon vom Küchenbord und verschwand im Wohnzimmer mit dem großen Fernseher.
Völlig überrumpelt stand er allein da und hing seinen Gedanken nach.

Raphaela:
‚Wow, was war das denn? Erst kommt sie mit einer Tüte voller Latex hier an und dann verschwindet sie so einfach? Mir nichts dir nichts hat sie mich in eine schwarze Puppe verwandelt und dann jegliches Interesse verloren?
Gute Nacht, sagt sie, kommt die etwa nicht wieder?‘

Simone:
‚Dieser Schlingel, tut so als hätte er von Fetisch keine Ahnung. Behauptet doch tatsächlich, Frauenkleidung sei so eine Art Zufall beim Fasching gewesen.
Will ich mal so halbherzig glauben, dass dieses Faible neu ist. Aber wie bereitwillig er in das Latex gestiegen ist, das war garantiert nicht das erste Mal.
Ich beeile mich mal besser die Kamera mit dem Einblick in sein Zimmer hochzufahren.‘

Ralph:
‚Von Hals bis Fuß luftdicht verpackt, wie geil ist das denn. Schau mal einer an, mein Schwanz meldet sich auch schon zu Wort.
Jetzt steht er wie eine Eins.
Ein Glück, dass er vorhin noch ruhig war, sonst hätte sie es bemerkt.
Die Tüte mit der Maske liegt ja noch da.
Zum Glück.
Die will ich jetzt auch noch, aber sowas von.
Wie hat das die Simone so schön gesagt zum Thema Gummi:
Es umhüllt mich eng – stimmt
es macht warm – stimmt
es lässt einen Schweißfilm entstehen – stimmt
und es riecht gut – stimmt.
Ein teuflisch sexy Material.‘

Simone:
‚Habe ich es doch geahnt, er steht immer noch vor dem Spiegel und betrachtet sich ausgiebig.
Siehst, jetzt zieht er die Maske freiwillig über, wusste ich es doch.
Was er wohl denkt?
Jedenfalls nichts Unangenehmes, das steht fest.
Die Hose hat aber eine große Beule bekommen.
Recht gut bestückt dieser Ralph.
Schau mal einer an, wie er kuckt, der rollt ja mit den Augen.‘

Ralph:
‚Da steh ich hier ich junger Torr und bin so schlau wie als zuvor.
Ich hoffe sie hat es nicht gemerkt.
Ganz in Gummi, das ist eine Wonne nach so einem langen Tag.
Soll ich oder soll ich nicht.
Natürlich mach ich’s, ist doch keiner da, der was dagegen haben sollte.‘

Simone:
‚Wusste ich es doch.
Schlingel.
Jetzt streichelt er sich im Schritt.
Spitz wie Nachbars Dackel.
Jetzt reicht ihm offensichtlich das Rubbeln von außen nicht mehr.
Er schiebt das Oberteil nach oben und die Hand in die Hose.
Ups, jetzt holt er ihn raus.
Habe ich doch richtig geahnt, gut bestückt.
Schön gerade dieser Lümmel und der glänzt verschwitzt, lecker.
Die Eichel ist schön groß und rot wie eine Rose.
Jetzt zieht er die Vorhaut ganz zurück, das sieht in der Tat gut aus.
Warum rasiert er sich nicht?
Er ist noch jung, ein Rohdiamant halt.
Das geht nicht mehr lange gut, der pumpt ja wie von Sinnen.
Er ist ein Grünschnabel, genießen muss er noch lernen.
Dachte ich es mir doch!
Natürlich steckt er sich die andere Hand in den Mund und lutscht genüsslich an den Latexfingern.
Wie gierig.
Ein Schlingel, sag ich doch, von wegen, das erste Mal in Gummi.
Oh jetzt kommt er gleich.
Ups, Volltreffer mitten auf die Kamera, Blattschuss auf den Badspiegel.
Oh noch drei Ladungen im hohen Bogen.
Der Ralph ist halt jung, gerade mal 20 und hat noch Bums dahinter.
Schade jetzt sehe ich nichts mehr, alles im Nebel.‘

Ralph:
‚Das tat gut.‘

*****

Putzmäßig startete der Dienstag wie der Montag aufgehört hatte, viel Arbeit halt. Raphaela schrubbte sich durch die lange Arbeitsliste der Schmiedlers für die Wohnetage.
Der Speisesaal war erst gegen Mittag als fertig.
Zum Essen kam Simone nur kurz vorbei, sie war in der Tat beruflich im Stress.
„Toll siehst du aus! Hast Dich heute für das 19. Jahrhundert entschieden?“
„Ja, dieses Kleid erfüllt seinen Zweck und ist nicht so warm wie die Schürze von gestern. Jetzt sehe ich schon ein bisschen aus wie eure Bedienstete, Mademoiselle Schmiedler, sie wünschen?“, Raphaela machte in der schwarzen Tracht einen Knicks und hob die ausladende weiße Baumwollschürze gekonnt mit zwei Fingern.
Simone lachte.
„Passt, aber übertreibe es nicht! Gern kannst von den Sachen oben aus den Schränken nehmen, was immer Du willst, probiere Dich aus.“
„Mach ich, die Sachen sind toll aber teilweise auch sehr außergewöhnlich.“
Simone lächelte, wenn Raphaela ahnen würde, was alles noch an Fetischkleidung in den verschlossenen Schränken von Melanie drin ist, dann könnte es sein, dass sie schreiend Reißaus nimmt. Die ersten zwei Schränke waren ja doch eher harmlose Zofen- und Reinigungsoutfits, die mehr oder weniger zum Putzen passten. Gespielt unschuldig fragte Simone nach:
„So? Wie meinst du das mit außergewöhnlich? Außergewöhnlich schön oder außergewöhnlich hässlich?“
„Na zum Beispiel die Nachtwäsche, die ist außergewöhnlich ungewöhnlich.“
„Weiß nicht was du meinst.“
„Na unter dem einen Kissen lag ein Seidenhemdchen unter dem anderen ein anderes aus Latex.“
„Hmm…“, Simone spielte die Unwissende, „…ich glaube mich zu erinnern, dass Melanie unter anderem auch einen Spleen hatte für Schlafen in Latex. Das Seidenhemd hat Joe für dich besorgt, Nachwäsche will man ja nicht von anderen tagen, oder? Und Was ist mit dir? Hat dir das kleine schwarze Latexabenteuer gestern Abend gefallen?“
Simone wartete überaus geschickt auf eine Antwort.
„Na ja, so mittel.“, redete sich das Mädchen raus, „bin da nicht so wild drauf wie du.“
Simone mit ihrem Wissen aus der Videoüberwachung im Vorteil, lockte Raphaela in eine Falle:
„So, so, also so mittel. Dann sollte ich dir wohl besser einen Männerschlafanzug besorgen?“
Raphaela überlegte und war sich unsicher, was Simone jetzt eigentlich so genau wollte.
„Zieht ihr die Kosten für den Schlafanzug vom Lohn ab?“
„Nein…“, Simone lächelte verschmitzt, „…aber, wenn Du willst, kannst du den Pyjama für einen Strafpunkt haben.“
„OK, das ist aber teuer. Dann habe ich zwei Strafpunkte insgesamt, richtig?“, recht zögerlich ergänzte jetzt Ralph mit männlicher Stimme, „…den zweiten Punkt werde ich schon irgendwie wieder los, so bin ich wenigstens nachts ganz Mann.“
„Deine Entscheidung! Ich bestelle den gleich, soll ich?“
„Aber nicht rosa.“
„Natürlich nicht in rosa, keine Sorge.“

Auch Dienstagabend konnte Raphaela der Versuchung widerstehen, genau genommen war sie einfach zu Müde vom Arbeiten und hatte das erotische Latexteil unter dem zweiten Kopfkissen ganz vergessen. Sie schlief wieder in Seide. Damit aber kein weiteres Malheur wie in der letzten Nacht passiert, nutzte sie die Zeit unter der warmen Dusche und verschaffte sich vor dem zu Bettgehen eine Erleichterung mit der Hand.

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So jetzt sind wir auf Seite 158 angelangt. Ich werde mich bemühen, Euch auf den nächsten Teil nicht so lange waten zu lassen.
Diese EM2020 kostet einfach zu viel Zeit --- GRINS
Über feedback hier oder über [email protected] freue ich mich ganz dolle.
Liebe Grüße Eure K2
Bleibt neugierig
77. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 28.06.21 01:02

Zitat

@ Toree
Das ist in der Tat eine interessante Geschichte, das Kostüm der \"DJ Toree\" ist zwanzig / dreißig Jahre später in einem Museum in USA. Cool.
Ich bin immer noch neugierig auf ein Foto.


Nee,Fotos gibt es nicht mehr.
Der einzige, der villeicht noch Fotos hatte ist vor zwei Jahren verstorben.
RIP Peter, 52 Jahre ist kein Alter!
Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Meine Schwester, unbekannt.
Habe sie mehrfach darauf angesprochen, und nie eine Antwort bekommen.
Die Fotos müssten dann auch noch digitalisiert werden, war ja 1983.

78. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 28.06.21 07:06

Eine Fortsetzung ganz nach meinem Geschmack.So kann es weiter gehen.Irgendwann wird er ganz in Latex stecken,denn er muß ja Strafpunkte abbauen.Schon deshalb bin ich sehr gespannt.
79. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 28.06.21 13:38

Wieder eine schöne Folge geht ja gut voran ,schreib weiter so .
80. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 03.07.21 16:53

@ Toree, Gummimaske und Erin
Danke für Euer Feedback und Eure Aufmunterungen.
Bleibt bitte neugierig.

Und weiter geht's heute bis Seite 173
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Am darauffolgenden Mittwoch wurde sie 16:00 Uhr von Simone genötigt, Feierabend zu machen: „Überstunden brauchen wir nicht, sonst ist am Ende der drei Wochen keine Arbeit mehr da.“
Raphaela schlenderte durch ihr Reich und wusste nicht so recht was sie tun solle. Nur zwei Schränke waren offen und es gab natürlich den Tisch mit den Strafutensilien. Es grauste ihr, bei dem Gedanken an das Korsett und den Strafhöschen. Beide Teile ließen viel zu wenigen Zentimeter im Schritt und in der Taille. Verwundert stellte sie jedoch fest, dass das Schloss jetzt wieder offen war. Offensichtlich waren die beiden Frauen der Meinung, ihr weiterhin alle Optionen offen zu halten. Und die Damen hatten eine Präzisierung auf dem Schildchen vorgenommen, diese realisierte das Mädchen mit weit aufgerissenen Augen:

-1 Zusatzpunkt für alle drei Teile in Kombination für 2h Stunden

Die zwei offenen Schränke und die darin enthaltene Wäsche inspizierte sie nochmals gründlich, es waren halt typische Sachen für Putzfrauen und das schöne Bankoutfit.
Erst zum Schluss entdeckte sie einen neu hinzugefügten großen weißen Wäschesack. Dieser hatte eine Aufschrift mit einem Bild

--- Schokoladenmädchen - Jean-Étienne Liotard - 1743 ---


Raphaela kannte das Gemälde und hatte es auch schon im Original in Dresden gesehen. Sie dachte erfreut: ‚Wie interessant. War hier etwa dieses Kostüm drin? Hatten die das extra für Melanie gemacht? Wollten sie ihr Hausmädchen ins 18. Jahrhundert von Wien zurückzuversetzen?‘
Sie öffnete die Schutzhülle und wurde von einem warmen Gummiduft empfangen.
‚Die beiden haben doch tatsächlich das Kostüm aus Latex fertigen lassen! Wie abartig bizarr! Auf so eine Idee muss man erstmal kommen.‘
Andererseits, je länger sie es betrachtete, auch in Latex originalgetreu und reizvoll in jedem Detail, desto mehr gefiel es ihr. Eine richtiges Wiener Stubenmädchen, berufen zu dienen und einer edlen Dame aus gutem Hause ein Getränk zu servieren.
‚Oder vielleicht sogar,‘ Raphaela lächelte versunken vor sich hin, ‚das Schokoladenmädchen als liebste Zugehdame des Hauses und auch beim Baden und der Garderobe behilflich?‘
Der Gedanken gefiel ihr. Sie erinnerte sich, dass dieses Bild irgendwo in der Zeit von Sissi entstanden war und stellte sich jetzt vor, genau in diesem Aufzug, der Kaiserin von Österreich beim Ankleiden zu helfen. Freudig lächelte sie gedankenversunken vor sich hin.

Sie streichelte liebevoll über das Material, setzte die altertümliche Kopfbedeckung kurz auf, band die Schleife vorn am Hals. Dieses Tun ließ Lust aufkeimen, dieses Kostüm gleich sofort jetzt komplett anzuprobieren. Aber sie konnte sich doch bremsen. Ruckartig schloss sie den Reißverschluss am Sack, ermahnte sich zur Disziplin und hängte alles zurück in den Schrank. In den Schubfächern mit Wäsche fand sie einen weiteren Jogginganzug und passenden Turnschuhe, sehr modern sportlich und im weiblichen mintgrün/grau. Jetzt wurde ihr klar, was sie mit der verbleibenden Zeit machen wollte. Sie zog sich eine Miederhose an, die ihr männliches Geheimnis im Schritt sauber verdeckte. Ein Sport-BH presste ihren Silkonbusen fest und stabil an die Brust. Die grüne ¾ Hose mit den drei weißen Streifen sah sexy aus, da diese den Po engumschlungen betonte. Ziemlich körper unterstrich das ganze Sportdress ihre Weiblichkeit und Oberweite vorteilhaft. Die Turnschuhe waren weiß mit Streifen in derselbe grüne Farbe und passten perfekt. Dazu konnte sie ein weißes Haarband und eine Runnerswatch finden. Eine kleine Kapuze machte das Outfit perfekt für einen modernen Teeny.

‚Ok und Daumen hoch!‘ befand sie vor dem Spiegel beim Aufwärmtraining: ,Das sieht ja ganz stimmig aus. Auch wenn ich eigentlich kein Teeny mehr bin mit meinen 20 Jahren. So kann ich raus, da fühl ich mich wohl.‘
Sie beobachtete das sportliche Mädchen im Spiegel, tippelte bewusst kleine Schritte vor und zurück und nahm einen weiblichen Rhythmus an. Was ihr besonders gefiel war sofort zu erahnen. Die wippenden Brüste und der knackige Hintern ließen sie strahlen, eine richtige Athletin war entstanden, schlank, wohl proportioniert und durchtrainiert. Das Selbstbild erfreute sie von ganzem Herzen.

Ein Gefühl mischte sich bei, welches sie nicht einordnen konnte. So eine Mischung aus Stolz und Neugierde, dazu eine Vertrautheit, die sie stutzen ließ.
‚Wie kann es sein, dass ich die Sportlerin Raphaela mag und kein Bock habe auf den Sportler Ralph? Was passiert hier? Ist es die Kleidung oder liegt es an was Anderem? Auch wenn ich ganz dicht vor dem Spiegel stehe, sehe ich keinen verkleideten Mann. Ein echtes Girl, ein sportliches Mädchen, ein Hingucker halt, so a la Beachvolleyball. Gefalle ich mir in dieser Rolle?‘ sie dachte nach, ‚Blöde Frage! Ja natürlich. Aber heute irgendwie auch anders. Dieses erotische ist heute nicht da - ich finde bin nicht geil. Was hat das zu bedeuten? Wie finde ich mich denn? Gute Frage!‘ sie zwinkerte dem Spiegelbild zu, ‚Jetzt habe ich es: Stimmig!‘

Diese Erkenntnis machte sie sprachlos. Sie hörte auf mit dem Rumgehopse vor dem Spiegel und betrachtete sich schweigsam mehrere Minuten. Ihr Gesicht war erstarrt, sie musterte jedes Detail und sprach dann überraschend laut:
„So ein Mist, jetzt bin ich zwei Personen in einem Körper.“
Kurz darauf mit männlicher Stimme:
„Hallo Rapha, willkommen in meinem Leben.“
Dann klapperte sie aufreizend mit dem langen Wimpern der Auge und fuhr mit der weiblichen Stimme fort:
„Hallo Ralph, gefällt dir was du siehst, gelle!“
Es war deutlich zu spüren, sie hatte eine neue Grenze erreicht oder vielmehr sie hatte diese Grenze bereits überschritten.

Kurz darauf fragte sie fröhlich in Simones Büro: „Kann ich joggen gehen?“
„Als Mädchen in mintgrün?“, erwiderte diese belustigt.
„War nichts Anderes da.“
„Da werden dir die Männer auf die Pelle rücken, wirst sehen. Aber na klar kannst joggen gehen, kannst doch nach Feierabend machen was du willst.“
„Hast du Streckentipps, vielleicht eine mit weniger oder ganz ohne Männer?“
„Raus zum Tor nach rechts, gerade in die Burgunderstaße, dann bist du gleich im Luitpoltpark.“
„Aber da joggen doch viele.“
„Besser als Olympiapark allemal, aber was Besseres und Einsameres fällt mir in der Stadt auch nicht ein.“
„Ok, ich probiere es mal aus, bis später.“

Sie joggte los und achtete akribisch darauf, kleinere Schritte zu machen, als es Ralph es tun würde. Das wirkte zwar etwas unrund und war langsamer, jedoch der wippende Busen ließ sie schnell einen neuen dauerhaften weiblichen Rhythmus finden. Und es kam wie befürchtet. Schon nach einem Kilometer gesellte sich ein sportlicher Mann von ca. 30 Jahren zu ihr und begann sie voll zu quatschen.
War sie wirklich so attraktiv und auffällig? Sie entledigte sich dem Baggertypen mit der ruhig formulierten Bitte, allein laufen zu dürfen. Dennoch kam direkt schon der Nächste. Hätte sie doch an ein Headset gedacht, das wäre ein eindeutiges Signal „NICHT stören!“ gewesen.
Sie würde die Schmiedlers danach fragen müssen. Andererseits machte es ihr auch irgendwie Spaß so im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Sie scannte die Gegend ab, bemerkte mehr und mehr anerkennende Blicke und besonders stolz war sie auf die Anerkennung der Frauen. Vor einer Fensterfront machte sie gekünstelt ein paar Dehnübungen und erhaschte einen Blick auf sich selbst. Das erklärt schon irgendwie alles, nahm sie bestürzt war. Sie sah in der Scheibe eine äußerst attraktive Joggerin, leicht schwitzend mit wippendem Pferdeschwanz. Das Sportkostüm betonte mehr als es versteckte und sie sendete damit das Signal: „Bitte sprechen sie mich an, ich suche Kontakt!“

Nichtsdestotrotz lief sie voller Freude insgesamt acht Kilometer, immer mal wieder mit Jungs oder Männern im Schlepptau, fast wie ein Fliegenschwarm. Glücklich und schön ausgepowert erreichte sie nach einer Stunde wieder die Gartenstraße. Ein anschließendes ausgiebiges Duschen wirkte wie ein Jungbrunnen und sie entschied sie sich für den restlichen Abend für ein weniger aufregendes Outfit. Ganz ohne BH, flach wie von Natur geschaffen, wählte sie die unauffälligste Jeans aus dem Schrank. Auch diese war leider ein wenig betont feminin - kitschig mit Blumenstickereien. Schnell kombinierte sie diese mit einem weißen schlabbrigen T-Shirt und fertig war der Freizeitlook.

„Möchten sie heute etwa noch ausgehen?“, fragte überraschend Joe mit einem breiten Grinsen. Sie war gerade aus London zurückgekehrt.
„Nein wieso?“
„Weil sie sich so zivil gekleidet haben.“
„Nö, ich habe nur nichts anderes halbwegs Normales gefunden, die anderen Schränke sind ja noch abgeschlossen.“
„Sieht gut aus.“, lobte Simone sarkastisch, „wie eine junge Studentin, die ein bisschen auf Schlabberlook macht – ganz ohne Busen, wie schick!“
„Nach dem Jogging habe ich erstmal genug von draußen, die Jogger waren alle notgeil und haben sich an mich ran geheftet. Jetzt will ich mal ganz unauffällig und basta.“
„Und konnten sie den Aufdringlingen entfliehen?“, Joe lachte belustigt über die Wortwahl.
„Nein ich war einfach super zickig, das kann ich schon ganz gut.“

Sie aßen gemeinsam zu Abend, Raphaela wieder vorwiegend Salat und Käse. Joe plauderte gelöst von London und lobte die Fortschritte beim Frühjahrsputz, Simone sprach von ihrem Drehbuch für die Bavaria. Es ging offensichtlich gut voran. Sie saßen am Tisch wie eine kleine WG, die Stimmung war gelöst. Auch das Verhältnis von Frau Joe Schmiedler und Raphaela war weniger frostig als Sonntag. Das lag sicher an dem Vorgang bei der Bank am Montag, der von Raphaela gut erledigt worden war. Sie besprachen die nächsten Arbeiten rund um den Hausputz und verabredeten sich zum gemeinsamen Fernsehen.

Die Tagesschau war beendet und Joe zappte lustlos durch die Sender.
„Wieder auf allen Programmen nichts Gescheites, da bekommt man einen Vogel.“
„Dann lass uns Game of Thrones auf Netflix schauen“, schlug Simone vor.
„Hmm…, mir ist heute irgendwie nicht nach Schlachtgemetzel, Intrigen und Mittelalter, das hatte ich zur Genüge in London.“, Joe war offensichtlich nicht verhandlungsbereit. „Wie wär’s mit einem guten Porno?“
Simone knuffte sie mit dem Ellbogen, lachte aber herzhaft.
Raphaela war sich nicht sicher, ob sie richtig gehört hatte. Dann wurde sie rot und stammelte:
„Ich geh dann mal auf mein Zimmer und lass sie ein wenig allein.“
„Jetzt seien sie doch nicht gleich eingeschnappt, war doch nur ein Scherz…“, Joe hielt sie am Arm zurück, „…wir trinken einen Wein und plaudern über Dies und Das, OK?“
Sie schaltete den großen Fernseher aus, nur auf einem kleineren flimmerte noch Blomberg und die Börse.

Raphaela setzte sich wieder und fragte noch leicht erbost:
„Über Dies und Das oder darf ich zur Abwechslung mal ein paar Fragen stellen?“
„Kommt drauf an…“, Joe war vorsichtig geworden, „…wenn es nichts Intimes ist, OK.“
Dann überlegte sie einen Augenblick und ergänzte: „Und wenn es was Intimes ist was sie Rapha betritt, dann ist das auch akzeptabel. Also frei raus, was wollen sie uns gern mitteilen?“
Raphaela ließ sich das nicht gefallen und erwiderte bockig: „Ehe das hier wieder eine Debatte und Fragerunde wird, zum Beispiel über Männern in Frauenkleidung oder andere mich betreffende Details, dann doch lieber Pornos.“
„So schlimm?“, Simone vermittelte mal wieder in gewohnter lieber Art und Weise.
„Nein eigentlich nicht, nur…“, Raphaela zögerte noch mit ihrer Frage, „Was soll das alles hier?“
„Sie sprechen in Rätseln, was soll was alles, was gibt’s da genau genommen nicht zu verstehen?“, die Bankerin runzelte die Stirn.
„Joe, sei doch bitte mal weniger Business, die Kleine ist halt verwirrt, putzt bei uns wie Meister Propper, beim Joggen wird sie angebaggert und bei deinen Bankgeschäften muss sie James Bond spielen. Was hättest du dazu mit 20 Jahren gesagt?“
„Hast ja recht.“, sie gab ihrer Frau einen lieben Kuss und Raphaela eine höfliche Aufforderung: „Na dann mal los, was haben sie auf dem Herzen?“

„Also erstens“, begann das Mädchen jetzt zögerlich, „warum das alles mit der geheimnisvollen Klamottenauswahl, warum sind manche Schränke verschlossen und warum habe ich keine Männersachen?“
Simone antwortete: „Ich habe dir doch gestern extra einen Pyjama bestellt. War uns wirklich nicht klar, dass du darunter leidest, den ganzen Tag als Mädchen zu leben.“
„Leiden ist auch irgendwie das falsche Wort aber ich fände es fairer, wenn ich die Wahl hätte. Habe ich aber gerade nicht.“
„Haben sie tagsüber definitiv nicht!“, Joe trat bestimmt auf.
„Weil wir uns so entschieden haben und sie auch. 2800€ in drei Wochen beinhalten halt ‚immer als Frau‘ und warum, wissen sie ja. Wir wollen einfach keine Männer um uns herumschwänzeln haben. Schon gar nicht in unseren privaten vier Wänden. Wenn sie die Hürde ‚als Frau’ nehmen, nur dann sind wir uns sicher, dass alles was sie so nebenbei mitbekommen, draußen nicht rumgetratscht wird.“
Sie blickte ihr direkt in die Augen.
„Verstehst Du, ist uns sehr wichtig. Daher auch, wenn du das Grundstück verlassen willst, immer als Mädchen, sonst wundern sich die Nachbarn. Verstanden? Kannst das akzeptieren?“
„Ok, habe ich irgendwie verstanden.“, gab Raphaela zu. War ja auch irgendwie logisch, Nachbarn sehen alles.

„Warum haben sie eigentlich nicht das Business Outfit vom Bankbesuch an, das würde ihnen bestimmt besser stehen als die Blümchenjeans.“
Jetzt lächelte Raphaela verlegen, damit hatte sie in der Tat wirklich geliebäugelt.
Simone ergänzte: „Du bist hier keine Gefangene, kannst tun und lassen was du willst. Fühlst du dich etwa unwohl?“
„Unwohl ist wieder das falsche Wort, der Begriff ungewohnt trifft es besser.“
„Du machst das super nach drei Tagen. Die Joggingtour war heute echt mutig.“
„Danke.“
Joe fuhr fort: „Ich denke auch, was ich heute Abend bei ihnen sehe, ist schon eine richtige Rapha, nicht mehr so gekünstelt wie noch am Sonntag. Hut ab.“
Das war ja ein echtes Lob und das aus dem Munde von der strengen Bankerin.
„Sogar der Security-Mann von der Bank war heute noch am Schwärmen von ihnen und berichtete ausgiebig von dem schönen Mädchen am Montag. Sie waren wohl ein echtes Highlight in seinem tristen Leben.“
„Schon gut, macht ja auch ein bisschen Spaß.“, gab Raphaela zu, „aber warum sind die anderen Schränke geschlossen?“
„Ist noch zu früh dafür, haben wir für sie entschieden. Wir wollen ja nicht, dass sie schreiend davonlaufen.“
„So, so, sie haben das gemeinsam entschieden? Was erwartet mich denn noch? Noch wildere Dinge als das Schokoladenmädchen?“

Simone und Joe lächelten einander an und stimmten sich über den Blickkontakt ab, du oder ich, wer antwortet. Joe übernahm:
„Ja, da warten wildere Dinge. Aber alles nur ein Angebot, sie können sich gern ausprobieren oder einfach alle Tage immer dieselbe Jeans tragen. Ganz ihre Wahl. Melanie hat über die vier Jahre einen riesen Fundus aufgebaut. Das passt schon, wenn das nicht alles nach ihrem Geschmack ist.“
„Verstehe ich richtig, sinngemäß wollen sie mich vor Melanies wilden Modeverrücktheiten schützen?“
„Ja so ungefähr.“, Joe nickte.
„Und was ist mit dem Schokoladenmädchen-Kostüm? Warum hängt das jetzt auf einmal in meinem Schrank?“
„Gute Frage.“, sagte Joe. Sie schaute Simone belustigt und neugierig in die Augen.
„Ja ihr habt ja recht, ich war’s…“, gab sie zu, „…Ich dachte ja nur so, vielleicht bist du nach und nach ready for more. Joe du hättest die Rapha heute mal putzen sehen sollen, in diesem schwarzen Kostüm von 1860 mit weißer Schürze. Ganz freiwillig hat sie das ausgewählt.“
„Was hatte ich denn für eine Alternative.“, blaffte das Mädchen schroff zurück. „Die Gummischürze etwa?“
Joe erhob jetzt ihrerseits die Stimme: „Nicht in diesem Ton Mädchen! Haben wir uns verstanden?“
„Tschuldigung!“, sie senkte den Blick schuldbewusst.
„Raphaela du musst das verstehen…“, versuchte es Simone vermittelnd, „…wir sind halt manchmal ein bisschen egoistisch und verschönern deinen Aufenthalt für uns durch mannigfaltige Kostüme. Nimm uns das nicht für Übel - bitte Rapha…“, beschwichtigend legte Simone ihr die Hand auf die Schulter des Mädchens, „…ja ich mag Latex, ich gebe es ja zu. Wenn Joe andeutet, sie möchte mal wieder das Schokoladenmädchen sehen, dann mach ich dir Rapha halt ein Angebot im Kleiderschrank. Und es stimmt, der Wunsch trifft nicht nur auf Joe zu, sondern auch auf mich zu. Wenn du so weit bist, ziehst halt mal das Kostüm an oder eben nicht. Hör einfach auf deine innere Stimme.“

Raphaela verarbeitete das gehörte und fasste zusammen: „Also ihr steht auf Frauen daher keine Männer im Haus. Und ihr steht auf Frauen die in altertümlichen Uniformen putzen, daher die riesige Kostümauswahl. Und jetzt kommt raus, ihr beide steht auf Latex und daher probiert ihr jetzt aus, wie ich auf das Schokoladenmädchen in Latexversion reagiere?“
Die beide Frauen schauten ein wenig schuldbewusst nach unten und vermieden Augenkontakt.
„Ja so in etwa.“, gab Simone zu.
Raphaela war im Ralph-der-Jurastudent Modus und blieb weiter in der strengen Verhörrolle und rügte die Frauen:
„So, so, dann ist das hier juristisch gesehen so was wie: Erschleichung eines persönlichen Vorteils unter Ausnutzung von Person, die sich in einem abhängigen Arbeitsverhältnis befinden?“
„Ja euer Ehren, wir sind überführt“, lachte die auch juristisch bewanderte Joe, „aber der Freiwilligkeitspassus wurde in jeder Situation gewahrt. Die ausgenutzte Person hat durch eigenes Handeln eine frei bestimmte Wahl.“
„So, so…“, nachdenklich verharrte Ralph einen Augenblick, „…ist die frei bestimmte Wahl hier wirklich vollumfänglich gegeben?“

Somit war das Geheimnis der verschlossenen Schränke weitgehend geklärt, deren Inhalt nicht. Ralph wusste jetzt, dass er allein bestimmen könne, wie weit er gehen wolle. Wie, Was und Wo, er es macht oder unterlässt - war seine persönliche Sache. Also nach gut Gusto.

„Die beiden Angeklagten haben offensichtlich eine eigene Rechtsauffassung von:
- eine dritte Person zur Verkleidung zu animieren mit dem Zweck des eigennützigen Erfreuens an einer fraglichen Augenweide
- eine Frau zu bevorzugen bei Jobbesetzungen – trotz Diskriminierungsverbotes im Grundgesetz Artikel 3
- eine anzügliche fetischorientierte Kleidung zu offerieren an Personen zwischen dem 18. Und 21. Lebensjahr, also noch vor Erlangung der vollständigen Volljährigkeit.
- Übertrag der eigenen Vorliebe zu Gummiwäsche auf dritte unbeteiligte Personen unter Ausnutzung besonderer Gegebenheiten.
So viel ist jetzt klar. Geben sie diese Tatbestände zu?“

Ralph der Jurist behielt die Oberhand. Hinzu kam das nicht koscher Angebot der Strafpunkte, die Angestellte könne sich in Korsetts zwingen oder andere einschränkende Maßnahmen ausprobieren, um diese Punkte abzugelten. Aber das hatte er schlicht weg einfach vergessen. Dabei war der Freiwilligkeits-Charakter ausgehebelt und noch dazu die Androhung von Strafen juristisch eindeutig illegal. Genau wie die Thematik Strafpunkte als Gesamtkonstrukt rechtlich sehr wackelig war. Das deutsche Recht kennt hier eigentlich nur den Begriff „Abmahnung“. Er hatte halt gerade mal ein Semester hinter sich und konnte mit den beiden Damen nur begrenzt diskutieren. Die beiden schwiegen einfach belustigt, ohne Schuldeingeständnis. So weit so klar, aber so leicht kamen die beiden nicht davon.

„Abschließende Frage der Anhörung: Seid ihr beiden fetischistisch?“
„Aber auf jeden Fall.“, beide lachten und nickten übereinstimmend, „sonst wäre das Leben doch langweilig. Euer Ehren, stellen sie sich das mal vor, schön lesbisch und dann nur Blümchensex!“
Jetzt schwieg das Ralph und betrachtete die beiden ausgiebig. Eindeutig ein Paar mit faustdick Schalk hinter den Ohren. Geschickt ließ er die beiden schweigend allein und nickt andächtig vor sich hin.
Joe durchschaute den Trick zuerst: „Nein, nein, das geht zu weit, jetzt stellt er sich das mit dem Sex zwischen uns auch noch bildlich vor. So war das definitiv nicht gemeint mit dem offenen Gespräch über alles.“
Jetzt war es Ralph der schallend lachte: „Angsthasen!“

„Das glaube ich nicht!“, das war unerwartet. Ein lauter Freudenausruf von Joe bei dem Blick auf den Blombergbildschirm. Hektisch drückte Joe auf der Fernbedienung rum, das Bild des kleinen Bildschirms erschien jetzt auf dem großen Fernseher.

...Übernahmeangebot von 2,7 Mrd $ für den Spezialisten in Verschlüsselungssoftware....

Auch Simone war aufgesprungen und gesellte sich zu Joe, die völlig fassungslos im vor dem Fernseher stand. Das anschließende Geschrei war für Raphaela völlig unerwartet, und obendrein hochgradig unseriös. Wie zwei Teenies in der Zalando-Werbung kreischten die beiden Frauen um die vierzig, jubelten ausgelassen und umarmten sich.
„Ich fass es nicht.“
„Das kann nicht wahr sein.“
„Die spinnen.“
„Hast das gesehen zwei Komma sieben“
Das war ein Gekreische, Juhu und Bambule wie beim Kindergeburtstag.
Jetzt schalteten sie auf NTV, selber Ticker und schauten anschließend auch noch im Internet.
„Ralph?“
„Ja.“
„Kannst Du bitte ganz ganz schnell in der Küche Champagner holen?“
„Wieso?“
„Frag nicht, hol einfach, eine Assistentin der Geschäftsleitung darf doch auch immer mittrinken. Bekommst auch was! Husch, husch.“
Sie tippten auf dem Laptop rum und beachteten den Ralph nicht weiter.

Ralph ging in die Küche, stellte drei Gläser und den Moët & Chandon Ice auf ein Tablett und dachte kurz nach. Dann rannte er mit einer neuen Idee in Windeseile in Melanies Zimmer, zog sich aus und schmiss die Jeans und das weiße T-Shirt achtlos in die Ecke. Der dunkelblaue Plisseerock mit passender Jacke und dazu der dunkelrote Rollkragenpullover waren schnell wiedergefunden. Dazu schnell die Silikonbusen wieder in einen BH gestopft, die schwarze Strumpfhose und die Schuhe mit sieben Zentimeter Absatz angezogen und sie fühlte sich perfekt für ihren nächsten Auftritt.

„Frau Direktor Joe Schmiedler?“, sie spielte perfekt, „sie hatten die Assistentin gebeten Champagner zu holen, hier bitte sehr wie gewünscht.“
Sie reichte die Gläser mit geschäftsmäßigem Lächeln.
Den beiden Frauen fiel der Unterkiefer herunter, eben war er noch Ralph der Anwalt in Jeans, jetzt wieder ganz in der Rolle des Mädchens bei der Bank.
Dann lachten alle drei ausgelassen, prosteten sich zu, die Gläser waren im nu leer und es gab ja offensichtlich auch richtig was zu feiern.
„Kommen sie Frau Rapha…“, Joe spielte einfach mit, „…hier können sie was lernen.“

Auf dem Tablet war ein Taschenrechner zu sehen, der die Zahl 967,2% zeigte.
Voller Stolz erklärte Simone: „Frau Assistentin, sie sind soeben Zeuge geworden von einer Firmenübernahme, die die Schmiedlers mit einem persönlichen Rekordgewinn bedacht hat.“
Joe grinste von einem Ohr zum anderen und blickte in ein fragendes Mädchengesicht.
„Neunhundertsiebenundsechzig Komma zwei Prozent nach Abzug der Kapitalertragssteuer und Soli.“
„Es ist mir eine Ehre“, da sprach eine perfekte Bank-Azubi, „bei diesem wundervollen Erfolg meiner Mentorin dabei zu sein.“
Sie schenkte die Gläser nach, Joe verteilte die Gläser und warf das Tablett einfach auf die Couch. Sie stieß wieder geschäftsmäßig an und umarmte dann beide ganz herzlich recht ungeschäftsmäßig.
Als sich Raphaela endlich aus diesem Überschwang von Glück befreit hatte, fragte sie neugierig: „Ich vermute meine 2800€ sind jetzt gesichert? Können wir eventuell über eine klitzekleine…“
Joe ganz die Bankdirektorin:
„Nein!“, das war bestimmt. „Aber toll sehen sie jetzt aus, jetzt weiß ich warum die Security der Bank so geschwärmt hat.“
Sie betrachtete Raphaela lang und fügte hinzu: „Eigentlich schade, dass sie Jura studieren, sie wären perfekt als meine persönliche Assistentin.“
„Das hätten sie wohl gern? Mich jeden Tag rumscheuchen und so. Aber das hier ist kein Wunschkonzert, jetzt bin ich Frühjahrsputzbeauftragte. Wir können aber gern nach dem heutigen Geldregen über eine Vertragsänderung verhandeln.“
„Geschickt, geschickt, das Mädchen! Was meinst Simone?“
„Ich brauche sie hier im Haus, deinen Bankkram musst schon allein machen.“

„Ähm…, wollen sie mir nicht freundlicherweise verraten was der Einsatz in diese Softwarefirma war, ich meine vor den fast 1000% Gewinn.“, ganz hintenrum kam Rapha auf eine in ihr brennende Frage zurück.
„Mädchen, Mädchen, sie müssen noch viel lernen. Reden ist silber – schweigen ist Gold.“, Joe war nicht gewillt, Auskunft zu geben.
Simone war das aber egal, sollte sie ruhig ein wenig teilhaben:
„Wir haben die letzten zwei Jahre immer wieder nachgekauft, die Story war einfach glaubwürdig. Ein echt guter Tipp von einem Freund aus der Computerbranche. Verschlüsselungssoftware für Geldtransfer, wir haben beide nicht wirklich Ahnung davon.“
„Interessant, bitte geben sie mir eine Lehrstunde.“
„Ok“, Joe war nun auch stolz und weichgeklopft, „wir sind mit 100 rein und haben nach und nach zugekauft bis wir weit über die eins waren. Heute ist jede ca. 15,30 Wert und wir sind im Durchschnitt bei ca. 17% über einen Euro rein.“
Simone und Joe waren sich zu sicher, dass bei diesem Banker-Kauderwelsch von Joe das Mädchen keine Chance hatte, es aufzulösen.
Umso überraschter waren beide von der Antwort von Raphaela: „Sie haben gerade von unter 2 Mio. Invest – das meinten sie als sie sagten ,nach und nach zugekauft bis weit über eins. Somit feiern sie heute sagen wir mal 20 Mio. cash, minus 25% KES, nicht schlecht. Macht mich stolz, dabei sein zu dürfen bei den Schmiedlers, die offensichtlich Pi mal Daumen 15 Millionen reicher geworden sind.“
Volltreffer alles richtig durchdacht, das sah Raphaela eindeutig an den langen Gesichtern von den Damen.
„Ich bin beeindruckt“, sagte Joe dann doch höflich, „passt erstaunlich für eine 20-jährige Anfängerin nicht schlecht. Doch lieber Bank als Jura?“

Sie tranken diese Flasche und eine weitere komplett leer, gackerten unaufhörlich und feierten wie drei Teenies an Silvester. Sie schlüpften erst Stunden später, kurz nach Mitternacht gut abgefüllt und zufrieden in ihre Betten.

*****

Am nächsten Morgen war das Haus sehr ruhig, offensichtlich waren alle ausgeflogen an diesem Donnerstag.
Die junge Haushälterin war einsam, ein wenig sauer und hatte Kopfschmerzen. Sie ärgerte sich im Nachhinein über die plötzliche Gesprächswendung wegen der guten Börsennachricht. Nur einen kleinen Schritt war sie weitergekommen. Immer noch weit entfernt es endlich zu verstehen, was hier läuft - bzgl. Melanie, Latex, Schränke und die ganzen anderen Spielchen. Demonstrativ hatte sie die langweiligste Kleidung aus dem Schrank gewählt, die Jeans und das T-Shirt. Aber es war niemand da, den sie damit hätte ärgern können.
Am Kühlschrank wartete eine Nachricht auf sie:

Heute Termine bei der Bavaria und anschließend Geschäftsessen mit langweiligen Bankern. Warte nicht auf uns. Viel Spaß und Schlüssel für Haustür liegt an der Kaffeemaschine, falls Du joggen willst.
S & J


So, so, sie hatte also heute sturmfrei Bude und lange Hausarbeitsliste.
Neben dem Schlüssel lag eine Kopfschmerztablette, wie nett. Und ein Datenstick mit einem Klebezettel: für heute Abend, sowie 20€ mit der Aufforderung: hol bitte Frischmilch.
Die Laune besserte sich als der Hangover weg war und Raphaela machte sich pflichtbewusst an die Arbeit, heute in Jeans und einfachem weißen Kajakkittel.

*****

Simone saß vor einem großen Besprechungsraum der BAVARIA in München Grünwald und musste warten. Der Tagesordnungspunkt vor ihrem eigenen Auftritt überzog maßlos und so langweilte sie sich und spielte am Handy.
„Hallo Gerda, ich bin´s Simone.“, meldete sie sich.
„Hey das ist ja toll, dass du dich meldest.“
„Drei Tage sind um, da dachte ich, ich plaudere mal ein bisschen mit dir.“
„Und wie macht sich mein Neffe? Ähm, ich meine natürlich meine Nichte.“
Beide kicherten.
„Ganz gut.“
„Nun lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, erzähl schon!“, bettelte Gerda. Und dann plapperte Simone drauf los und ließ sie teilhaben an den ersten Tagen. Gerda unterbrach nur selten und ermunterte immer wieder, Details preiszugeben. Simone verriet auch indiskret die Aktion mit dem schwarzen Latexanzug und dem Nur-Mal-Ausprobieren und ob Raphaela eventuell auf Gummi abfährt ja oder nein.

„So, so meine Nichte hat also auch dran Spaß gefunden?“
„Scheint so.“
„Bitte übertreibt es nicht.“
„Ich glaube nicht.“, erwiderte Simone, „die schwierigen Hürden haben wir schon hinter uns und Rapha hat nicht abgebrochen.“
„Sie heißt jetzt Rapha.“
„Ja so rufen wir sie, die Kurzform von Raphaela.“
„Schöner Name.“, bestätigte Gerda freundlich überrascht, als wenn sie nicht diejenige gewesen wäre, die diesen Namen für ihren Neffen erfunden hatte.

„Und bei dir Gerda, alles in Ordnung?“
„Schon irgendwie aber auch ein bisschen langweilig, ich habe gerade zu wenige Aufträge von den Filmstudios.“
„Aber dafür hast du aber den Makeover von Ralph, sensationell hinbekommen.“
„Stimmt, ich war richtig stolz auf mich.“
„Wir sollten auf jeden Fall mal wieder was gemeinsam machen.“, schlug Simone vor, „Kaffeehaus nächste Woche?“
„Gute Idee.“
Dann war es kurz ruhig auf Gerdas Seite, als ob sie über etwas nachdachte.
„Apropos was gemeinsam mache, kann ich dich was fragen?“
„Mach ruhig, ich muss sowieso noch warten.“
„Kannst du dich noch an Paul erinnern?“
„Der Regisseur? Na klar, wie sollte ich den denn jemals vergessen. Was ist mit Paul?“
„Nichts!“, das war jetzt ein wenig zu bestimmt und zu hastig von Gerda, so dass Simone den Braten roch.

„Ihr seid wieder zusammen, echt?“
„Naja, wie soll ich´s sagen, so ein klitzekleines bisschen.“, druckste Gerda rum.
„Das freut mich“, erwiderte Simone von ganzem Herzen, „so lange ich mich erinnern kann wart ihr immer wieder mal zusammen und wieder auseinander. So ein richtiges ON / OFF Pärchen halt. Und jetzt?“
„Mein Bauch sagt mir, es wird was Ernstes.“
„Und macht er noch Filme?“
Gerda schwieg kurz und dann fasste sie sich ein Herz: „Ja und nein. Eigentlich will er nicht mehr drehen und er braucht auch das Geld nicht, andererseits habe ich ihm einen Floh ins Ohr gesetzt.“
„Jetzt machst mich aber neugierig.“
„Lange Geschichte aber die Kurzfassung ist, dass mich Ralph auf eine Idee gebracht hat.“
„Der Ralph, der jetzt gerade bei uns ist?“
„Genau der.“
„Das kann ich gar nicht glauben, dein Neffe animiert Paul und dich zu einem Filmprojekt?“
Gerda schwieg und ließ Simone Zeit, selbst ihre Schlüsse zu ziehen.
„Andererseits…“, fuhr Simone nun fort, „…jetzt wo ich den Schlingel ein wenig kennengelernt habe. Reizvolle Idee, daraus einen Film zu machen.“

Die Bilder der letzten Tage übersetzte Simone gedanklich in einen Plot, noch kein Drehbuch eher so ein roter Faden, ein erstes Kopfmanuskript. Sie machte diesen Job schon sehr lange, daher kein Problem für sie sich hinein zu versetzten. Sie hing ihren Gedanken noch ein Weilchen nach.
„Hat was in der Tat.“, bestätigte sie nach drei schweigsamen Minuten. Und Simone erinnerte sich auch wieder ihres Gedankenganges vor ein paar Tagen, als sie in Raphaela einen Rohdiamanten entdeckt hatte.

Gerda schlürfte ihren Kaffee und wartete auf die nächste Frage.
„Und was Gerda erwartest du von mir?“
„Simone was glaubst du denn von mir? Ich bin natürlich ganz frei von Hintergedanken, weißt doch. Nur so ein bisschen gemeinsames Nachdenken und beobachten.“
„Aha, dachte ich es mir doch, frei von Hintergedanken heißt, du magst mich dabeihaben als Drehbuchschreiber, richtig?“
Gerda lachte und gab es zu: „Das wäre genial, wenn du das machen würdest.“
„Gibt es einen Anfang der Ralph/Rapha Story? War es der Fasching mit der Bolerotänzerin?“
„Ja zum Beispiel, das wäre ein guter Start.“
„Latex?“
Gerda überlegte nicht lange: „Genau das schwirrt in meinem Kopf rum. Erst so per Zufall reingeschlittert und dann ganz viel Latex.“
„So kenn ich dich, du änderst dich nicht mehr in deinem Leben, oder?“
„Gegenfrage: du etwa?“
„Nein, natürlich nicht. Du könntest recht haben mit dieser Rapha, die hat schon was Besonderes. Das gebe ich gern zu, das Mädel macht Spaß.“
„Also ich meine mal, wir sollten nichts überstürzen, ein bisschen beobachten und abwarten und dann mal schauen wo das endet. Was meinst du?“
„Wenn ich es mir recht überlege“, Simone schwieg kurz, „ein paar Fotos haben wir schon, ein paar Notizen kann man machen. Jetzt nach vier Tagen kann ich schon mal deine Gedankengänge nachvollziehen und ein bisschen was aufschreiben.“
„Und, wie lautet dein Urteil?“
Im Besprechungszimmer der Bavaria bewegte sich was, die ersten erhoben sich von ihren Plätzen, gleich würde Simone rein müssen.
„Ich muss leider gleich auflegen. Aber eins kann ich schon sagen.“
„Ja?“, Gerda war gespannt.
„Ich bin dabei als Drehbuchautorin.“

*****

Derweil in der Villa war Raphaela kurz nach vier fertig mit dem, was sie sich für den Donnerstag vorgenommen hatte. Was sollte sie allein mit dem Rest des Tages anfangen? Joggen, Faulenzen oder vielleicht mal was ganz Anderes? Den Datenstick von Joe und Simone hatte sie vergessen, sonst wäre wohl der frühe Abend ganz anders verlaufen.
Raphaela entschied sich für Shoppen, mit 20€ sicher nicht das Großereignis aber immerhin mal eine Abwechslung. Sie schlüpfte in das Bankfräulein-Outfit, schminkte sich sehr sorgfältig und dezent und machte sich auf den Weg. Milch war schnell im Supermarkt um die Ecke erledigt, ein Eis dazu war sicher genehmigt. Es freute sie, wie oft sie bewundert angeschaut wurde. Nicht nur von Männern auch Frauen und Mädchen beäugten sie mit dem typischen weiblichen Vergleichs- und Modeblick: ‚Wo hat DIE wohl das Outfit her? Sicher nicht von H&M? Hätte ich auch gern.‘

Es machte ihr sichtlich Spaß, das Wetter war schön, so beschloss sie im Luitpoltpark ein erstes Sonnenbad zu nehmen. Eine abgelegene Parkbank in praller Frühlingsonne war schnell gefunden. Sie zog die High Heels aus, schlug die Beine adrett über kreuz und genoss ihr Eis. Hier kamen auch nicht die Jogger vorbei und niemand würde sie anbaggern. Das Leben war schön und unkompliziert, die Sonner strahlte mit einer glücklichen Raphaela um die Wette. Bis kurz vor fünf war alles gut, dann kam es faustdicke.

„Haste mal nen Euro?“
Raphaela schreckte hoch, kann sein, dass sie leicht eingenickt war. Das wäre nicht verwunderlich nach der kurzen Nacht und der Schufterei.
Freundlich aber bestimmt antwortete sie:
„Nein leider nicht.“
Diejenige, die gefragt hatte, war eine etwas runtergekommene junge Punkerin. Vielleicht Mitte 20, aber so genau konnte man das bei ihr nicht sagen, vielleicht war sie sogar viel jünger. Überall an den Armen, Hals und Beinen unendlich viele Tätowierungen und im Gesicht an Lippe und Augenbrauen Piercings. Die Haare hatte sie als ein halbwegs gepflegter Irokesenschnitt - dazu eine kurze Leerjacke und ein Minirock. Sie war schlank, groß gewachsen und hatte sportliche Proportionen.
„oder ne Kippe?“
„Nein, ich rauche nicht.“
Die Punkerin wollte schon gehen, drehte sich dann aber doch zurück und fragte:
„Kann ich mich dazu setzen.“
„Ist ein öffentlicher Park, tu was du nicht lassen kannst.“, Raphaela klang etwas genervt. Als Ralph hätte sie Lust gehabt mit dem Mädel zu plaudern, sie sah interessant aus - als Raphaela im Businesskostüm wollte sie das ganz gewiss nicht.
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So das war's für heute, Seite 172 ist erreicht.
Gern wieder Euer Feedback hier oder per [email protected]
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Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 55182
81. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 03.07.21 19:59

Tolle Fortsetzungen und es wird immer spannender.
Bin gespannt wie die geile Geschichte weiter geht!
82. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von folssom am 04.07.21 00:48

Hallo Kristiane2,

auch mir gefällt deine Geschichte sehr gut.

Flüssig geschrieben, unterhaltsam und garniert mit kompetenten Hintergrundinformationen; was will man als Leser mehr.

Ich freue mich auf noch viele Fortsetzungen.

Freundl. Gruß
83. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 04.07.21 01:02

FEHLER!
Hallo K2,

dir ist in der Geschichte ein Fehler unterlaufen.
Bei mir S 49, es wird vom Stundenplan im neuen Semester gesprochen (veröffentlicht, wenn ich richtig bin am 21.05.), auf Seite 58, gleicher Teil, hat er Osterferien und sucht einen Job?
Das passt nicht so richtig.
Sorry, kann jeden passieren, wollte es nur mal ansprechen.
84. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 04.07.21 10:07

Bisher eine unglaubliche Geschichte,in der ich sehr gern die Hauptperson gewesen wär.So geht es mir bestimmt nicht allein so.
85. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 05.07.21 00:39

Zitat
FEHLER!
Hallo K2,

dir ist in der Geschichte ein Fehler unterlaufen.
Bei mir S 49, es wird vom Stundenplan im neuen Semester gesprochen (veröffentlicht, wenn ich richtig bin am 21.05.), auf Seite 58, gleicher Teil, hat er Osterferien und sucht einen Job?
Das passt nicht so richtig.
Sorry, kann jeden passieren, wollte es nur mal ansprechen.


Hallo K2,
den Post kannst du ignoriren, die Ferien stehen ja erst noch an.
Sorry, kann ja nur spät lesen.
86. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 11.07.21 12:12

@ alle treuen Fans,
Danke für Eure lieben Kommentare und Anregungen.
Bleibt neugierig.

@ folssom,
Neu im Kreis der Kommentatoren - Deine Worte waren sehr nett. Ja es gibt noch viele Fortsetzungen, wir sind ja erst auf Seite 178 also noch nicht in der Mitte.
Ich hoffe, ich kann Dich weiter begeistern, bleibe mir bitte gewogen und neugierig.

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Derweil in der Villa war Raphaela kurz nach vier fertig mit dem, was sie sich für den Donnerstag vorgenommen hatte. Was sollte sie allein mit dem Rest des Tages anfangen? Joggen, Faulenzen oder vielleicht mal was ganz Anderes? Den Datenstick von Joe und Simone hatte sie vergessen, sonst wäre wohl der frühe Abend ganz anders verlaufen.
Raphaela entschied sich für Shoppen, mit 20€ sicher nicht das Großereignis aber immerhin mal eine Abwechslung. Sie schlüpfte in das Bankfräulein-Outfit, schminkte sich sehr sorgfältig und dezent und machte sich auf den Weg. Milch war schnell im Supermarkt um die Ecke erledigt, ein Eis dazu war sicher genehmigt. Es freute sie, wie oft sie bewundert angeschaut wurde. Nicht nur von Männern auch Frauen und Mädchen beäugten sie mit dem typischen weiblichen Vergleichs- und Modeblick: ‚Wo hat DIE wohl das Outfit her? Sicher nicht von H&M? Hätte ich auch gern.‘

Es machte ihr sichtlich Spaß, das Wetter war schön, so beschloss sie im Luitpoltpark ein erstes Sonnenbad zu nehmen. Eine abgelegene Parkbank in praller Frühlingsonne war schnell gefunden. Sie zog die High Heels aus, schlug die Beine adrett über kreuz und genoss ihr Eis. Hier kamen auch nicht die Jogger vorbei und niemand würde sie anbaggern. Das Leben war schön und unkompliziert, die Sonner strahlte mit einer glücklichen Raphaela um die Wette. Bis kurz vor fünf war alles gut, dann kam es faustdicke.

„Haste mal nen Euro?“
Raphaela schreckte hoch, kann sein, dass sie leicht eingenickt war. Das wäre nicht verwunderlich nach der kurzen Nacht und der Schufterei.
Freundlich aber bestimmt antwortete sie:
„Nein leider nicht.“
Diejenige, die gefragt hatte, war eine etwas runtergekommene junge Punkerin. Vielleicht Mitte 20, aber so genau konnte man das bei ihr nicht sagen, vielleicht war sie sogar viel jünger. Überall an den Armen, Hals und Beinen unendlich viele Tätowierungen und im Gesicht an Lippe und Augenbrauen Piercings. Die Haare hatte sie als ein halbwegs gepflegter Irokesenschnitt - dazu eine kurze Leerjacke und ein Minirock. Sie war schlank, groß gewachsen und hatte sportliche Proportionen.
„oder ne Kippe?“
„Nein, ich rauche nicht.“
Die Punkerin wollte schon gehen, drehte sich dann aber doch zurück und fragte:
„Kann ich mich dazu setzen.“
„Ist ein öffentlicher Park, tu was du nicht lassen kannst.“, Raphaela klang etwas genervt. Als Ralph hätte sie Lust gehabt mit dem Mädel zu plaudern, sie sah interessant aus - als Raphaela im Businesskostüm wollte sie das Gespräch ganz gewiss nicht.

„Wetter ist schon ganz Ok, oder?“, setzte sie nun schon wieder an.
„Ja.“
„Endlich Frühling, der Winter war hart.“
Eigentlich wollte der Ralph jetzt fragen, ob die arme Punkerin die winterliche Kälte auf der Straße hatte überstehen müssen, sie besann sich aber lieber zu schweigen.
„Hast nen coolen Nasenring.“, das Ignorieren schien nicht zu klappen.
„Danke.“, das war Raphaela nicht recht, dass die Punkerin das entdeckt hatte.
„Passt gar nicht zu so einem Girlytyp wie du! Ich mein ja nur von den Klamotten und so, eher ne Tussi.“
„Geht dich genau genommen nichts an.“, Raphaela war erschrocken, wie schnell das Gespräch in die falsche Richtung führte.
„Weißt überhaupt was das bedeutet?“
„Pssst…, ich will mich sonnen und keine Zutexterei!“

Offensichtlich hatte sie den Ton richtig getroffen, es trat Ruhe ein und Raphaela schloss die Augen und genoss die Strahlen auf ihrer Haut. Die Punkerin drehte sich umständlich eine Zigarette, rauchte und betrachtete das Business-Mädchen interessiert von oben bis unten. Dann lächelte sie kopfschüttelnd, kontrollierte ihren Gedankengang erneut und lies sich Zeit mit dem nächsten gut geplanten Frontalangriff.
„Tun dir die Füße weh?“, fragte sie unvermittelt laut. „Trägst die Highheel- Dinger selten stimmt‘s?“
„Können wir schweigen?“, antworte Raphaela zunehmend genervt.

Dennoch war nur für eine Minute Ruhe und wiegten das Mädchen in falscher Sicherheit.
„Du bist mir ne Type, hätt’s fast nicht gemerkt, aber jetzt klaro…, jetzt wird’s klar“, die Stimme klang triumphierend.
Raphaela wurde nervös und war schlagartig hellwach. Sie öffnete die Augen und starrte die Punkerin fragend an. Diese grinste breit und siegessicher.
„Deine Flüsterstimme, die ungewohnten Heels und dein Adamsapfel – klar, keine Zweifel, da kenn ich mich aus, du bist echt ne coole Type, beinahe wäre ich drauf reingefallen. Sprich mal lauter.“
„Spinnst Du?“, flüsterte Raphaela zurück.
„Lauter, trau dich!“, forderte die Banknachbarin.
Raphaela schlüpfte nervös in ihre Pumps und wollte schon aufstehen, da bat die Punkerin mit milderem Ton.
„Hey kein Grund sauer zu sein. Ich kannte mal ne Zeit lang ne Transe, ist schon OK. Brauchst nicht flüchten.“
Jetzt nahm die Panik bei Raphaela ihren Lauf. Jedoch das Anziehen der Heels klappte nicht auf Anhieb, kein Wunder so hastig wie sie es jetzt versuchte. Ganz schnell weg, das war ihr Wunsch aber jetzt wurde sie auch noch am Arm festgehalten.
„Hey Babe, entspann dich, ich bin kein Arschloch.“
Raphaela gab auf, in ihrem jetzigen Gemütszustand war es unmöglich den zweiten Schuh anzuziehen und einbeinig über die Wiese zu hüpfen, war keine Lösung. Sie setzte sich wieder auf die Bank und wartete mit bösem Blick ab, was als nächstes kommen würde.

„Ich habe eine Idee.“, die Punkerin fummelte ein rot-schwarzes Hermestuch aus der Tasche der Lederjacke, „das passt gut zu deinen Klamotten und verdeckt den Adamsapfel.“
Ralph schaute sie lange an und entschied sich für die männliche Stimmlage.
„So, so…“, sprach Ralph, „…du bist also eine Expertin für Transen?“
Diese grinste voller Stolz ob ihres Detektiverfolges:
„Ja, so in etwa. Du siehst echt toll aus, Hut ab.“
„Danke“, brummte er zurück. Die Angst war einer Neugierde auf die Lebensgeschichte gewichen und irgendwie fand er in ihr eine unterschwellige Sympathie - eine Art Seelenverwandtschaft. Er als halb freiwillige Transe, sie als Punk verloren in einer der reichsten Städte der Welt, zwei bunte Vögel auf einer Parkbank.

„Glaub mir, fast alle lassen dich als Mädel durchgehen, ich bin nicht wichtig, mein Spürsinn ist nicht der Standard, mach dir keine Sorgen!“
„Mach ich sowieso nicht.“, gab er jetzt wieder Herr der Lage zurück, „erzähl mal deine Story.“
Das war in der Tat interessant. Sie war ein Landei, genau wie Ralph, rebellisch gegenüber dem Elternhaus nach München geflohen. Dann neuer Freundeskreis mit neuen Einflüssen aber immer soweit alles im Griff, dass das Studium an der pädagogischen Hochschule noch lief.
„Du wirst Mathelehrerin?“, fragte er verwundert.
„Klar!“
„Bei dir wäre ich irgendwie gern wieder Schüler, wird bestimmt nicht so öde wie früher daheim in Garmisch.“
Die Punkerin sprach über ihre Clique und die üblichen Jugendprobleme, die unabhängig davon sind, ob man seine Heimat bei den Punks, im Roten Kreuz oder im Sinfonieorchester gefunden hat. Die Liaison mit einer Transe erzählte sie liebevoll und so erfrischend beiläufig. Es war eine aufrichtige Offenheit für alle Lebensmodelle spürbar. Je länger sie erzählte, desto besser klappte die natürliche Wellenlänge zwischen den beiden.

„Und willste das Tuch mal als Abdeckung für deinen Adamsapfel probieren?“
„Wo hast das her?“
„Fiel aus einer sauteuren Handtasche, weißt? Und ich war natürlich nicht nett genug, es der Zicke wieder zu geben.“
„So, so und das soll ich dir glauben?“
„Ja oder nein? Was nu, anprobieren oder nicht?“
Die Punkerin stand auf, stellte sich breitbeinig vor ihm hin und wartete auf sein Zeichen.
„Ok, ein schönes Geschenk sollte man nicht ausschlagen.“
Sie band das Tuch geschickt um Ralphs Hals, knotete eine schöne Schleife und schaute ihm dabei in die Augen.
„Sieht gut aus.“, bestätigte sie, als sie fertig war, „was bekomm ich dafür?“
„Zigarette und Euro habe ich nicht.“, er überlegte.
„Ein Kuss reicht mir.“
Und noch eher er sich wehren konnte, nahm sie sich was sie wollte. Ralph fand es OK, schließlich passte sie jetzt - nach dem langen Gespräch - eindeutig in sein bevorzugtes Beuteschema.

Sie küsste gut und er erwiderte gern. Der nächste Schritt und all die folgenden kamen jedoch für ihn schnell und vollkommen unerwartet. Sie spreizte die Beine und setzte sich breitbeinig auf seine Oberschenkel. Ihre Arme legten sich um seine Schultern und der Kuss wurde ein stürmisches Rumgeknutsche. Und noch ehe sich Ralph richtig besinnen konnte was hier abging, schob die Punkerin fordernd seine Hand unter ihren Minirock.
Schlüpfer Fehlanzeige!
Stattdessen ein Feuchtbiotop mit kleinen Piercings.
Die fremdgeführte Hand versuchte sich zurückziehen, keine Chance, die Punkerin drückte diese die mit Gewalt in ihren Schritt. Seine Finger fanden ihren Weg und er begann zaghaft zu streicheln und rubbeln. Er war nicht Herr der Lage, sie bestimmte eindeutig die Richtung.

Hastig zerrte die Punkerin den Plisseerock nach oben und riss ein Loch in die Strumpfhose. Anschließend holte sie seinen halb aufgerichteten Schwanz aus dem Schlüpfer. Das alles mit viel Geschick - hier war eindeutig eine Serientäterin unterwegs.
Unablässig knutschte sie ihn ab, befriedigte sich an seiner Hand und fummelte wie selbstverständlich einhändig ein herbeigezaubertes Kondom über seinen Penis. Dann zog sie seine Hand aus ihrem Schritt und schob sich den jetzt prall stehenden Schwanz von Ralph in ihre Grotte hinein. Sie ritt ihn schnell und heftig ohne auch nur eine Sekunde zu verschwenden. Kurz darauf hatte sie ihren gewünschten Höhepunkt. Sie lächelte versonnen kostete aber diesen Orgasmus überraschend kurz aus.
Statt zu genießen, sprang sie schnell auf, zog ihren Minirock nach unten, gab ihm einen Kuss auf die Wange:
„Guter Tausch, Tuch gegen Quicky – ich muss jetzt los.“
Und weg war sie.

Ralph war perplex, unfähig ein Wort herauszubringen. Hastig zog er seinen ramponierten Plisseerock nach unten und schaute ihr verwirrt nach.
Er begriff nicht, was das eben war. Eine unendliche Leere überkam ihn. Er fröstelte, zog paralysiert die Schuhe an, stand auf und wanderte langsam wie im Trance über die Wiese.
„Alles in Ordnung bei ihnen?“, eine besorgte ältere Spaziergängerin sprach das torkelnde Mädchen an.
Raphaela erschreckte sich sichtlich, stammelte irgendwas Unverständliches.
Die Oma war sich sicher, dieses hübsche Mädchen ist schon nachmittags total besoffen. Schnell zog Raphaela die Schuhe wieder aus und rannte apathisch in schnellst möglicher Geschwindigkeit zurück zur Villa.

Simone bekam eine SMS von Joe.

schau mal bitte daheim vorbei, sie liegt auf dem Bett und weint
AW: hast wieder spioniert?
AW AW: ja - nerv nicht - scheint echt ernst zu sein
AW AW AW: Ich eile, bekomm ich hin, bis später in der Bank


Schon eine Viertelstunde später klopfte Simone an die Tür des rosa Zimmers.
„Darf ich reinkommen?“
Sie trat ein und in der Tat, da lag mit tränenverschmiertem Gesicht Raphaela auf dem Bett.
„Alles in Ordnung?“
„Nein.“
Simone setzte sich auf die Bettkante streichelte dem Mädchen über den Kopf und wartete ab.
„Magst drüber reden?“
Statt einer Antwort ein Schulterzucken und wieder kullerten ein paar Tränen.
Simone ließ ihr Zeit, sich zu beruhigen.
„Es ist alles so kompliziert…“, schluchzte sie, „…ich glaube ich pack das nicht.“
„Was ist passiert?“
Zögerlich zuerst, dann aber mehr und mehr froh jemanden zu haben, der zuhört, begann sie sich zu öffnen.
„Ich hatte heute Abend ein typischen Ralph-Erlebnis und jetzt bin ich vollends durcheinander. Ich weiß gar nicht mehr wo vorn und hinten ist.“
Sie berichtete stockend vom Milch holen, vom Frühling im Park und die ganze Geschichte mit der Punkerin. Dann schwieg sie.

„Und war der Sex gut?“, Simone versuchte die Situation aufzulockern.
„Das ist es ja, was mich so fertig macht.“, Raphaela schnäuzte erst einmal befreiend in ein Taschentuch, „Es war verwirrend und irgendwie auch gut. Ich war Ralph und habe eine Punkerin gefickt aber es war irgendwie auch andersrum, eigentlich hat sie mich gefickt.“
Noch ein kräftiger Schnäuzer und sie hatte irgendwie den Frust draußen.
„Aber es war schon gut und sexy.“
Simone wartete einfach nur schweigend ab und strahlte Nähe und Verständnis aus.
„Vielleicht ist das alles einfach nur zu viel von allem für mich.
Zu viele neue Eindrücke jeden Tag - zu viel Arbeit - zu viel Frau und dann wieder Mann. Alles so kompliziert. Und dann auch noch aus heiterem Himmel 20 Millionen € an der Börse und einen Kater von zu viel Champagner.“
Simone nickte und lächelte.
„Und eure Geheimniskrämerei geht mir auf den Sack. Ich werde nicht schlau aus euch.“

Simone räusperte sich, strich ihr nochmals tröstlich über den Kopf und sagte schlicht: „Na gut, dann bereinige ich mal das Unbehagen kurz und schmerzlos.
Ja, wir sind ein lesbisches Paar und in gewisser Weise reich und extravagant.
Ja, wir stehen auf Latex, sogar ganz schön dolle. Sowie BDSM dazu aber keine Sorge, die ganz harte Tour ist nicht so unser Ding. Wir sind halt alt und mit vielen Wassern gewaschen, haben uns ausprobiert und unseren Lebensstil gefunden. Verstehst Du?“
„Glaub schon.“
„Ja, wir haben auch einen riesigen Schrank mit Fetischsachen, nicht nur du oben in deiner Bude. Und auch ja, wir hatten, als Melanie hier lebte, eine Dreiecksbeziehung. Ziemlich sexy aber auch kompliziert mit Krisen und so weiter.“
Sie machte eine Pause und strich dem Mädchen über den Kopf: „Du bist ganz anders als sie, du bist Ralph und Raphaela, du bist du, erfrischend anders. Keine Angst wir interpretieren in dich keinen Melanie-Ersatz.“
Sie pausierte kurz:
„Du bist für mich, wie sag ich es jetzt, so dass du es nicht in den falschen Hals bekommst? Du bist so was wie eine Nichte für mich. Eine Nichte die zu Besuch ist. Und du musst wissen, ich habe keine Geschwister und auch keine richtigen Nichten und Neffen. Du tust mir gut. Ich mag dich. Schön, dass du da bist.“
Simone schwieg und Raphaela kam einfach näher, umarmte sie sehr liebevoll. Sie genossen diese Nähe, die Wärme und das lange fällige klärende Gespräch.
„Ich mag dich auch.“

Bevor Simone ging bat sie noch:
„Schau dir auf jeden Fall die Bilder auf dem Datenstick an, die erklären die meisten Fragen. Joe und ich konnten ja nicht ahnen, dass du nicht neugierig genug bist auf die Fakten-Bilder. Stattdessen treibst dich im Park rum, Stromer! Dazu im blauen Rock als aufreizende Beute und einer Punkerin vögelt dich. Du machst vielleicht Sachen. Das hat dich kurz aus der Bahn geworfen aber ich bin zuversichtlich, wir werden noch tolle zwei Wochen haben.“
Raphaela nickte jetzt zaghaft, sie war wieder im Lot.
„Mach ich, versprochen. Viel Spaß mit den langweiligen Bankern, mach dir keine Sorgen mehr, bitte!“
„Schau mal, hier habe ich ein Notfallhandy für dich. Joe und ich sind einprogrammiert.“
Das war in der Tat ein Telefon nur für besondere Zwecke. Dieses hatte keine Smartphone Funktionen, nur ein Tastenfeld und eine Nummernanzeige, geschweige denn Internetzugang oder andere Gimmicks. Im Adressspeicher waren genau zwei Einträge. Der Kontrollversuch ließ Simones Handy erklingen.
„Danke.“, erwiderte Raphaela auch wenn sie ein wenig enttäuscht war über dieses Kinderdingens.

„Weißt, was ich noch schnell gern machen würde?“
„Nein, was denn?“
„Den Nasenring raus, das war eine echt blöde Idee von uns, passt nicht zu dir.“
„Gute Idee.“

*****

Auf dem Datenstick entdeckte Raphaela nur vier Fotos, jedoch erklärte diese kleine Auswahl fast alles, was Simone zuvor erklärt hatte.
Das Foto eins mochte so ca. zehn Jahre als sein und zeigte ein frisch verliebtes Paar Simone und Joe in der Karibik im Urlaub. Beide sahen aus wie Hippies und lagen sich in den Armen.
Auf dem zweiten Foto, waren wieder sie beide, aber verkleidet für eine Faschingsparty oder so was Ähnliches. Sie trugen beide schwarzweiße Sträflingskleidung und eine Eisenkugel am Bein. Die Kleidung war nicht billig, das sah man sofort und glänze wie poliert. War ganz sicher aus Latex. Dazu trugen sie gesichtsoffene Kopfhauben und schwarze Handschuhe. Eindeutig der Bezug zum Fetisch und das mit sehr viel Stil.
Auf dem nächsten waren sie als Hochzeitspaar zu sehen, ganz traditionell aber beide in Weiß. Simone wie eine Braut mit ganz viel Tüll und Tütü – Joe im weißen Hosenanzug mit Blume im Revers.
Das letzte Foto zeigte Melanie als Schokoladenmädchen, wie sie Joe und Simone bediente. Raphaela war mehr als begeistert und konnte den Blick nicht von diesem Kostüm aus dem 18. Jahrhundert reißen. Sie zoomte jedes Detail und war hin und weg. Erst später entdeckte sie, dass beide Frauen gar nicht wirklich bedient wurden, sondern bewegungsunfähig auf ihren Stühlen saßen. Sie waren mit Hanfseilen an Lehne und Stuhlbeine gefesselt. Offensichtlich eine Bondage-Session. Und bei näherer Betrachtung erkannte sie einen Knebel im Mund von Simone. Ein Schlauch von dort endete in einer Tasse. Jetzt erkannte sie auch das Detail auf dem Tablett der Dienerin, ein Krug mit gelblicher Flüssigkeit und der Aufschrift „Saft“.

Wieder und wieder zappte sie die Bilder durch und gewahr das eine oder andere Detail. Die Auswahl der Bilder war in der Tat gelungen und erklärte alles, was Simone bereits gut und ehrlich zusammengefasst hatte: lesbisch, reich, latexbesessen, bondageverliebt, ménage à trois, verliebt-verlobt-verheiratet, ein bisschen pervers und alles mit spielerischer Leichtigkeit.

*****

Der letzte Tag der ersten Woche verging im Fluge, vollgepackt mit all den Reinigungstätigkeiten und Raphaela kam gut voran. Den Abend verbrachte Raphaela wie immer gern mit den Frauen und wieder mit Joggen. Aber die einsame Parkbank als Tatort des Quicky mied sie erst einmal für ein Weilchen. Morgens holte sie Brötchen beim Bäcker und lernte Bäcker-Benny kennen, mit dem sie jedes Mal ein paar Worte wechselte. Der hatte sich in sie verguckt und genoss jeden Morgen ihr Erscheinen. Im Kleiderschrank probierte sie nicht allzu viel rum, sie hatte ja ohnehin noch mehr als zwei Wochen Zeit dafür.

Samstagmorgen erfuhr sie, dass sie von den beiden Damen Unterstützung bekommen würde. Zu dritt war großer Gartentag angesagt. Sie behoben all die Winterschäden und pflanzten hunderte Blumen, die ein Gärtner am Morgen gebracht hatte. Das Gewächshaus wurde geschrubbt und auch bestückt. Mittag saßen sie erstmals draußen auf der Terrasse und bewunderten ihr kleines Kunstwerk.
„So gegen drei sind wir bestimmt fertig, mit der Fläche hier im direkten Blickfeld, der Rest kann bis nächste Woche warten.“, freute sich Simone.
„Das wäre gut, gegen vier müssen wir los.“, ermahnte Joe, „nicht traurig sein Rapha, wir sind Sonntagabend wieder zurück aber dieses Wochenende können wir dich nicht mitnehmen.“
„OK?“, das Mädchen war verwundert und enttäuscht über die plötzliche Wendung, das Wochenende allein verbringen zu müssen.
„Joes Mama hat Geburtstag, da müssen wir pünktlich zum Abendessen erscheinen und morgen ein paar Familienpflichten erfüllen. Das verstehst doch Rapha, oder?“
Ja das verstand sie: „Passt, ihr könnt ja nicht plötzlich dort zu dritt auftauchen mit mir. Was solltet ihr denen auch erzählen.“
„Nee geht nicht, die verdauen noch alle schwer daran, dass wir geheiratet haben. Da sollten wir nicht noch einen drauflegen und mit unserem Frühjahrsputzengel einfliegen.“
Joe stupste Raphaela tröstlich auf die Nase: „Nicht traurig sein, die anderen beiden Wochenenden bist du nicht allein, versprochen, eher im Gegenteil.“
„Stimmt!“, ergänzte Simone, „da habe ich nämlich Geburtstag und du bist bei meinem rauschenden Fest auf jeden Fall dabei, versprochen.“

*****

So werkelte Raphaela ab vier ganz allein im Garten und räumte anschließend feinsäuberlich alles auf. Nach dem Abendbrot duschte sie kurz und gönnte sich, nur mit dem Handtuch um die Hüfte geschlungen, die Bundesliga mit einer Flasche Bier. Jetzt musste einfach mal ein bisschen Ralph-Zeit sein.
Vor der Tagesschau holte er sich ein zweites Bier und registrierte neben dem Kühlschrank den bekannten Datenstick. Ein Klebezettel lag daneben mit Joes Handschrift:

sind neue Bilder drauf
arbeite nicht so viel
genieße den Sonntag
wir sind morgen um 6 zum Abendbrot zurück
mach Salat für uns drei
viel Spaß
J+S


Er schnappte sich den Stick, entschied schnell, dass die Tageschau sowieso meist langweilig ist und ließ die Bilder auf dem großen Fernseher starten. Er war gespannt was wohl jetzt drauf ist, lümmelte sich auf das Sofa und verfolgte zunächst die vier Fotos, die er schon kannte. Genüsslich trank er Bier und verfolgte freudig die langsame Diashow: Karibik, Sträflinge, Hochzeit, Fesselsession mit Schokoladenmädchen Melanie.
Dann poppte das fünfte Foto auf und er drückte sofort begeistert die Pausetaste der Fernbedienung. Es zeigte eine Schaufensterpuppe, eindeutig weiblich und fast nackt nur bekleidet mit zwei halterlosen Strümpfen. Diese Strümpfe waren aus milchig gelbem Latex und durchsichtig. Das nächste Bild fast unverändert, nur trug die Puppe jetzt gleichfarbige Handschuhe. Dann kam ein Hüftgürtel mit Strapsen dazu und im Bild vier der Serie eine zusätzliche Kopfmaske, die nur Augen und Mund offenließ. Alles im gleichen Farbton und perfekt aufeinander abgestimmt. Bild fünf ergänzte einen BH und Bild sechs war unerwartet, jetzt hatte die Puppe eine Nachtmütze auf dem Kopf. Diese sah recht witzig aus, wie eine Frauenbadekappe, die viel Haare darunter verbergen würde und einen Spitzenrand rund um den Kopf wie ein Stirnband, der spielerische Falten warf. Neugierig schaltete er auf das nächste Bild und da war es wieder, das Nachthemd, das er vor ein paar Tagen unter dem zweiten Kopfkissen in Melanies Bett gefunden hatte. Ein Rüschennachthemd bodenlang mit ausladender Materialverschwendung in allen Teilen, riesige Puffärmel, engem Kragen und breite Bündchen mit Rüschen. Dazu hatte sich der Schneider ein lockeres Oberteil ausgedacht, wie eine Barock-Bluse. Dazu ein Rockteil weit und ausladend, aus so viel Gummi, mit dem ganzen Material hätte man gut und gern zwei Kleider machen können.
Die gesamte Puppe sah jetzt in der Tat sehr nach Schlafenszeit aus. Das gelbliche Gesamtkostüm umspielte jeden Millimeter Haut sehr reizvoll.
Das letzte Bild war eine Collage mit der Überschrift „Schlaf gut, egal wie“.
Drei Schaufensterpuppen nebeneinander, die erste mit dem gelblich schimmernden Ganzkörper-Latexoutfit, die zweite Puppe im Seidennachthemd, welches Ralph seit einer Woche jede Nacht trug und das dritte mit einem Herrenbaumwoll-Pyjama in dunkel blau.

Ralph startete die Diashow ein zweites Mal. Jetzt achtete er auf jedes Detail und dachte dabei nach. Offensichtlich hatten die Damen des Hauses sich einen schönen Joke erlaubt und mit einigem Aufwand die Puppenshow vorbereitet. Und ebenso offensichtlich war, dass er die Wahl hatte und nun auch Besitzer von einem Männerschlafanzug war.
An diesen Ralph-Pyjama gekoppelt hatte sich sein Strafpunktekonto nun leider auch auf zwei erhöht.
‚Das habe ich mir selbst eingebrockt.‘, seine Überlegungen waren ein wenig unkonzentriert und kamen zunächst nicht auf den Punkt.
Das Badetuch um seine Hüften erklärte ihm warum. Es hatte sich mittig ein wenig in ein Zirkuszelt verwandelt, der Penis hatte reichlich Blut bekommen.

Ralph leerte sein Bier und entschied: „Jetzt schau ich mir die Optionen mal in live und Farbe genau an.“
Maßlos enttäuscht fand er in seinem Zimmer nur zwei der Outfits: unter dem Kopfkissen das weiße Nachthemd und daneben den neuen blauen Männerschlafanzug, sonst nichts.
„Wollen die mich verarschen?“
Ratlos saß er auf dem Bett und entschied sich lustlos für den Ralph-Style, schlüpfte in die Baumwolle und ging wieder nach unten zum Fernseher. Er hatte irgendwie den Elan verloren und zappte lustlos durch alle Programme, trank ein weiteres Bier und wusste nichts so richtig mit sich anzufangen.

„Ping“ eine SMS von Simone:

und ist der Pyjama ok?
AW: passt
AW AW: gut zu wissen – schlaf gut
AW AW AW: bin noch nicht müde
AW AW AW AW: fernsehen?
AW AW AW AW AW: langweilig
AW AW AW AW AW AW: hier auch langweilig – lol


Ralph schrieb nicht zurück lol, ihm war nicht zumute nach „laughing out loud“. Deutschland sucht den Superstar war auch nicht geeignet seine Laune zu verbessern. Gerade als er auf dem Weg war, ein viertes Frustbier einzuschütten, kam eine weitere SMS, dieses Mal von Jo:

Wenn Dir langweilig ist, dann schau doch Rue Paul auf Netflix!
Passwort: uqoe7z
oder probiere mal ein paar neue Sachen von M. aus.
Wir haben oben einen Schrank mit „Spielsachen“ geöffnet.
Sei nicht traurig, wir sind morgen pünktlich 18:00 Uhr wieder daheim.
AW: DANKE


Kaum hatte er die Nachricht abgesendet, ärgerte er sich über das große DANKE und das Herz. War schon peinlich, dass er ihnen gleich zu verstehen gab, dass er sowohl „Rue Paul“ als auch „Spielsachen“ herbeisehnte.
Es kam keine Antwort.

An einem anderen Ort gerade in demselben Augenblick stupste Joe ihre Simone an und sagte: „Wusste ich es doch, die neuen Bilder haben ihr gefallen. Schau mal, fett Danke und sogar Herzchen.“

Ralph stellte, jetzt sehr neugierig geworden, das volle Bier zurück in den Kühlschrank und beeilte sich hoch in sein Zimmer zu kommen. Das Ankleidezimmer war fast unverändert, nur Stand neben dem Tischchen mit den Strafutensilien jetzt eine Kamera auf einem Stativ. Das fand er sofort gut, zum Ausprobieren gehört ja auch irgendwie das Festhalten der Momente in Fotos.
Er probierte die bisher verschlossenen Schranktüren durch und wurde nur bei einer fündig, die jetzt zusätzlich unverschlossen war.
Ein betörender Latexduft schlug ihm entgegen als er die Türen öffnete. Sein erster Blick gewahr rechts drei Nachthemden, die denen, die die Schaufensterpuppe getragen hatte, sehr ähnelten.
Ein Nachtkleid war für eine größere fülligere Person gedacht und zwei andere für etwas kleinere Menschen. Es erschloss sich ihm fast zwangsläufig, dass es wohl Zeiten gab, in denen Melanie, Joe und Simone alle drei dieses Outfit getragen hatten.

Noch ehe er sich den Schubfächern zuwenden konnte, fiel sein Blick auf die Innenseite der Schranktür. Dort hingen Mappen mit der Aufschrift „Bedienungsanleitung / Gefahrenhinweise“ und „sorgfältig lesen“. Auf der anderen Tür hing ein großer Hochglanzausdruck eines Fotos. Darauf zu sehen war die Schaufensterpuppe mit der Latexnachtkleidung flach auf dem Boden liegend. Hier auf dem Foto war die Puppe aber deutlich verändert gegenüber dem USB-Stick. Die Puppe lag grade gestreckt halb auf dem Rücken, trug einen Knebel im Mund und war wie ein Paket mit weißen Lederbändern verschnürt. Ihre Arme waren an den Körper gepresst und damit sie sich auf keinen Fall befreien kann, waren die Hände mit Handschellen auf dem Rücken verbunden. Die Digitalanzeige eines Zeitschlosses zeigte 9:59.
Ihm wurde jetzt klar, die Bedienungsanleitung an der Tür war von diesem Fesselzeugs.
‚Nicht unbedingt mein Ding!‘, dachte er.
Ein weiterer Blick auf die gefesselte Puppe ließ ihn stutzen. Er betrachtete das Foto genauer und entdeckte Speicheltropften am Knebel vorbei auf den Boden.
‚Das ist gar keine Puppe, das ist ein Mensch.‘, er schüttelte ratlos den Kopf und dachte, ‚wieso lässt man sowas mit sich machen?‘

Lieber wand er sich den Nachtkleidern zu, fuhr liebevoll mit der Hand drüber und konnte nicht widerstehen. Er versenkte seinen Kopf hinein und atmete tief ein. Jetzt fasste er einen Entschluss für die Kleidung des weiteren Abends. Eins war jetzt klar, es war weder der Männerpyjama für Ralph und auch nicht das Seidennachthemd für Raphaela.
„Jetzt ist Schluss mit Ralph-Zeit, jetzt mach ich mich fertig für die Nacht.“
Ein klares lautes Selbstgespräch und schon huschte sie ins Bad, entledigte sich des Baumwollschlafanzuges und holte ihren Silikonbusen.

Jetzt wieder ganz und gar das neugierige Mädchen, wurden die Schubladen des neuen Schrankes mit Elan durchsucht. Alle waren feinsäuberlich gefüllt mit Dingen, die die drei Frauen damals wohl zum Spielen brauchten. Sie fand die transparenten Latexstrümpfe und zog einen sofort über.
Dann stutzte sie kurz und zog ihn sofort wieder aus. Sie hatte sich der Kamera erinnert und wollte ähnlich der Puppe eine Ankleidefotoserie von sich selbst festhalten. Sie wählte eine Kameraposition mit neutralem Hintergrund in ihrem Zimmer und schoss mit Zeitauslöser nur mal so zum Warmwerden ein paar Fotos ganz nackt. Als sie diese Fotos betrachtete war sie zufrieden mit der Ausleuchtung und Qualität und freute sich. Was ihr aber missfiel, war dieses Zwitterwesen mit Pimmel und weiblichem Gesicht.
„So kann das nicht bleiben!“, legte sie laut fest und dachte nach.

Sie ging erneut ins Bad und klebte den Busen sorgfältig auf ihre Haut, dann formte sie aus ihrem Wuschelkopf einen Zopf. Jetzt war sie beim Blick in den Spiegel fast zufrieden, nur unterhalb des Bauchnabels, da passte es nicht. Die Puppe hatte gar keine Hose getragen, war offensichtlich weiblich. Auch die drei Damen Melanie, Joe und Simone hatten nicht ihr Penisproblem damals beim Spielen. Daher durchsuchte Raphaela fieberhaft die anderen Schubladen nach einer Lösung für ihr persönliches Problem: das geschickte Verbergen ihrer männlichen Genitalien.

Das tägliche Korselett war völlig ungeeignet für die Fotosession. Die Kombination der Strafpunkte, kamen ihr in den Sinn. Ihre jetzige wuschige Gefühlslage trieb sie in die Perfektion. Aber vor dem Keuscheitsgürtel zuckte sie zurück und schloss schnell die Schlösser: „Klick“, damit in ihrer jetzigen Stimmung keine unbedachten Dummheiten passieren.
Dennoch das große Abenteuer musste jetzt sein, so viel war ihr klar: ‚Die Fotoserie soll mindestens so perfekt werden, wie die der Puppe.‘
Alles Mögliche kramte sie aus den Schränken heraus und schüttelte irritiert den Kopf bei den vielen Fesselutensilien, die die Damen alles hineingepackt hatten. Erst in der unteren Schublade fand sie was Brauchbares aber es widerstrebte ihr sofort, das zu benutzen. Verwundert hielt sie kopfschüttelnd eine Windelhose in der Hand. Diese war neutral weiß und sah irgendwie aus, wie für einen inkontinenten Erwachsenen gemacht. Dazu gab es noch mehrere transparente Gummihosen mit Rüschen am Bund, die wahrscheinlich dafür benutzt wurden, über die Windel drüber zu ziehen. Diese Höschen sahen irgendwie brauchbar aus, passten auch farblich zu den Nachtkleidern aber waren so, ganz direkt auf der Haut getragen, doch irgendwie viel zu groß.

Unentschlossen was nun zu tun sei, schweifte ihr Blick wieder auf die Schranktür auf das Bild der gefesselten Puppe. Sie entdeckte ein weiteres Detail was sie schaudern ließ. Durch die Kopfbedeckung schimmerten Haare!
‚Das ist ganz sicher nicht die Schaufensterpuppe, sondern ein Mensch!
Simone sicherlich nicht, da passte die Statur nicht, also doch Joe oder Melanie? Passt aber nicht zur dominanten Joe.
War die Melanie eine so wilde Persönlichkeit, dass sie sich zehn Stunden einsperren ließ?
Wie soll man das so lange aushalten?
Verrückt!
Gruselig!
Und dann auch noch diese Windelhosen.
Haben die Mädels sich stundenlang darin vergnügt?
In ihrem eigenen Urin?
Igitt!‘
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So jetzt sind wir bei Seite 184, Feedback wie immer willkommen, gern auch von den Gästen unter [email protected]
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Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 61586
+6400 gegenüber Vorwoche zunehmende Tendenz, liegt wohl am regnerischen Wetter.
87. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 11.07.21 14:08

Ich bin beim Lesen voll auf meine Kosten gekommen.Froh war ich,als ich zu Beginn las,daß es noch allerhand Seiten von dieser Story gibt.Bitte weiter so.
88. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 11.07.21 16:00

Hallo K2,

schön zu wissen das es noch viele und spannende Zeilen zu lesen gibt!
Freue mich darauf!
89. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 11.07.21 20:52

Ich bin mal gespannt wie das so weitergeht ,zumal da nun noch die junge Frau mit im Spiel ist .
90. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von hausmädchen am 12.07.21 15:59

Klasse Geschichte! Bin auf die Fortsetzung gespannt .
91. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von fanthomas am 12.07.21 16:09

Klasse geschrieben. Bin auf die Fortsetzung gespannt. Bitte schreibe weiter so.
92. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von tatiana.m am 13.07.21 12:28

Liebe Kristiane, werte Gemeinde,

nachdem ich für meinen ersten Kommentar zu dieser Geschichte bös Mecker bekam, lasse ich die philosophischen Betrachtungen aussen vor.


Das ist ein wunderbares Werk, liebe Kristiane. Schön gezeichnete Figuren. Der innere Kampf unserer Paphaela.
Ich wünsche ihr ja so sehr...
Ja was eigentlich? Ihr Glück zu finden. Aber da war sie sich ja bei der Definition des Glücks auch unsicher.

Die Story ist sooo toll, dass ich den Freitag immer schnell herbei sehne. Aber dann fliegt die Lebenszeit noch schneller vorbei. Ein Teufelskreis.

Egal

Unruhig zappelnd und Nägel kauend verbleibe ich mit devoten Grüssen

Ihr/Euer Miststück
93. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 18.07.21 00:11

@ Gummimaske, develdom, Erin, Hausmädchen und fantomas
Ganz lieben Dank für Eure Lobe.
Bleibt neugierig

@ tatiana.m
vor "bös Mecker" solltest Du keine Angst haben. Mach ich nicht, jeder Kommentar willkommen, gern auch philosophischer Art.
Das mit den Nägelkauen solltest Du Dir gut überlegen, die sehen einfach lang und rot lackiert deutlich besser aus.
Damit Du nicht länger Kauen musst, kommt diese Woche der nächste Teil schon am Samstag.

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Der Gesichtsausdruck war eindeutig, den Gedanken in einer vollgepissten Windel liegen zu müssen, löste bei ihr keine positiven Assoziationen aus. Eher leichten Ekel und inneren Widerstand. Ungeordnete Gedanken rasten ihr durch den Kopf und vielfältige Emotionen - teils positive / teils negative. Dazu kam echte Neugierde und weiter aufkeimende sexuelle Lust.
Sie öffnete erneut die Schublade mit den Lederbändern und vergewisserte sich, dass diese genau mit dem Bild an der Spindtür übereinstimmten. Neben den vielen Riemen lag dort auch noch ein Massagestab mit großem rundem Kopf, so einer den die Frauenwelt für ihren Venushügel benutzt.
Auch die Hightech-Handschellen sprangen ihr wieder ins Auge und sie konnte der Versuchung nun nicht mehr widerstehen. Sie drückte die Taste Power, sofort blinkte die Anzeige bei 9:59. Das war ihr jetzt doch eindeutig zu hart, ist das die einzig mögliche Zeitspanne, die dieses Spielzeug kann. Sie spielte an den Tasten rum und hatte im Nu den Dreh raus, wie man die Zeit verstellen kann. Weniger als 1:00 ging aber irgendwie nicht und mal so zur Probe startete sie die Uhr und wartete die eine Minute bis diese auf 0:59 sprang. Diese sechzig Sekunden schier endlose Wartezeit reichte ihr nun Vollendens, Schwups warf sie alles zurück und schloss vehement die Schublade: „Nicht mein Ding!“

Nun war sie auch mit dem Nachtkleid unentschlossen, schaute gedankenverloren auf den Baumwollpyjama. Der hatte jedoch keine echte Chance mehr. Sie tauchte wieder den Kopf in die Nachtkleider, schnüffelte den herrlichen Gummigeruch und erst nach einigen Minute riss sie sich wieder los.
Jetzt war es um sie geschehen und sie ganz gewiss, sie würde es jetzt, heute, sofort ausprobieren. Die Puppenbilder auf dem USB-Stick sollten jetzt gleich - mit ihr als Modell - wahr werden.

Zielsicher öffnete sie die Schublade mit der gelblichen Latexbettwäsche, nahm den Stapel raus und bezog ihr Bett neu. Das Ergebnis begeisterte sie, ein weißes Himmelbett mit transparenter Gummiauflage, Kopfkissen und Zudecke. Sie schoss gleich mal ein paar Fotos. Nachdenklich untersuchte sie die Kamera, grinste als sie gefunden hatte, wonach sie suchte und stellte auf Zeitraffer um. Ab jetzt würde die Kamera alle 10 Sekunden ein Foto schießen. Raphaelas Ziel war klar wie nie, es sollte eine Fotogeschichte werden, wie die der Puppe.

Das Mädchen begann aber mit einer anderen selbst ausgedachten Dramaturgie: Ein schönes Mädchen im Bett, sollte erwachten, sich räkelte und verschlafen aber fröhlich die Decke zurückschlagen und aufstehen. Eine Kontrolle der Aufnahmen dieser ersten Sequenz war nur bedingt zufriedenstellend. Die Bilder waren zwar perfekt, aber der steil aufragende Penis wirkte deplatziert.
„So geht das nicht.“, sprach Raphaela vor sich hin, „ich fang besser nochmal von vorn an.“

Unentschlossen ob sie eine Miederhose zum Verstecken nutzen soll oder nicht, entschied sie kopfschüttelnd über ihren eigenen Mut, jetzt Melanies Erfahrung mal hundertprozentig zu folgen. So bekam die Gummiwindelhose doch eine Chance. Das Ergebnis war aber ihrer Ansicht auch nicht viel besser, da diese Hose ebenso transparent war, wie all die anderen Sachen. Der erigierte Pimmelmann war immer noch hindurch zu sehen. Also die Hose wieder runter und nun doch das Gesamtpaket von Melanie komplett mit der weißen Pampers? Erschrocken stellte sie fest: „Ist halt perfekt zum Verdecken meines geilen Pimmelmanns, leider muss wohl dieses Ding sein. Ohne Windel nicht perfekt. Und nicht perfekt geht gar nicht.“
Noch zögerte sie, wollte sie solche Fotos von sich wirklich haben?
„Dann aber das volle Programm, was tut man nicht alles für einen sexy Arsch und flachen Schritt!“, rief sie aus.
Sie platzierte die Kamera in Nahaufnahme vor dem Bett und ließ die folgenden Zeitrafferaufnahmen zu:


Jetzt war auch sie beim Betrachten im Spiegel zufrieden. Das dicke Paket versteckte ihr männliches Teil wirksam und der Hintern war jetzt riesengroß, weiblich und wahrlich sexy. Sie begutachtete die Bilder und schüttelte sich ein wenig: „Ziemlich pervers!“

Dann startete sie die Bilderserie erneut von vorn: ein erwachendes Mädchen, jetzt halt mit dickem gelben Windelpaket, räkelt und streckt sich und lächelt verträumt in die Kamera.
Der Kontrollblick auf die Aufnahmen ließ Raphaela strahlen, die Serie hatte jetzt einen perfekten Start und alles männliche war verschwunden.

Die Kamera wurde neu vor einer neutralen weißen Wand ausgerichtet und es begann das Ankleiden - wie bei der Puppenfotogeschichte - zunächst mit den Strümpfen. Die langen Handschuhe und der Strapsgürtel folgten und die Kamera hielt die Veränderungen regelmäßig alle zehn Sekunden fest. Vor der Kamera hatte sie echt Talent und schaffte es gut, jeweils zum Richtigen Augenblick in guter Pose ordentlich und adrett auszusehen.
Die Kopfmaske war perfekt gearbeitet und sehr hochwertig geformt, mit Löchern für die Nase, Mund und Augen. Über den Kopf gezogen umschmeichelte diese die Haut und alle Öffnungen waren an der richtigen Position. Ein honigfarbener Kopf lächelte Raphaela entgegen und ihre Augen mit den langen Wimpern strahlten. Sie suchte sich einen knallroten 24h-stay Lippenstift und malte den Mund sehr sorgfältig an. Es folgte ein Augenmakeup mit schwarzen Wimpern und dunklen Eyliner. Raphaela war sehr zufrieden mit dem Gesamtbild und das Tragegefühl der Maske war einfach himmlisch.



Jetzt war es an der Zeit, das wallende Nachtkleid zu wählen. Das größte hatte gegenüber den beiden anderen den Vorteil, am Hals nicht so super eng zu sein. Andererseits so viel Oberweite wie Simone hatte sie sicherlich nicht und es würde schlabbrig wirken. Daher wählte sie doch eins der beiden kleineren Kleider, auch wenn es schwierig wird, Kopf und Hände durch die Öffnungen zu zwängen. Geschickt ölte sie ihren Latexkopf und die Handschuhe reichlich ein und begann das erste Mal „ein Experiment Anziehen vor der Kamera“, die weiterhin alle zehn Sekunden ein Bild knipste.

Sie hielt die große Masse an Latex vor ihren Körper und startete entschlossen den Einstiegsversuch von unten durch den Rockteil. Ein atemraubender Gummigeruch vernebelte ihre Sinne und ihre Hände suchten blind den Weg in die Ärmel. Die rechte Hand fand den Weg als erstes aber nur bis zum engen Bündchen, dann ging es nicht weiter. Sie musste mit der anderen Hand helfen und zerren, ehe es endlich laut flutschend und quietschend gelang, die Bündchen zu überwinden. Die zweite Hand war einfacher, da die andere besser helfen konnte. Das sah jetzt irgendwie aus wie eine Burka einer kopflosen Gestalt. Der enge breite Hals mit Rüschen thronte auf dem Kopf wie eine Krone. Mit beiden Händen dehnte sie den engen Halsschlauch und es gelang ihr, die ersten Zentimeter über die Stirn zu ziehen. Jetzt bekam sie Angst, was tun, wenn der Gummihals genau über Nase und Mund feststecken würde? Ein schrecklicher Gedanke machte sich breit und sie sah die Bildzeitungsschlagzeile schon vor Augen: ‚Tote in der Gartenstraße - erstickt beim Sexspiel.‘
Da kam ihr die rettende Idee, ein kleiner Schlauch könnte helfen. In der Küche gab es einen Trichter mit einem brauchbaren halben Meter langen Schlauch. Halb blind stieg sie mit ihrem Nachthemd die Treppe herunter und wurde fündig in der zweiten Schublade der Küche fündig.

‚Das könnte klappen.‘, dachte sie.
Sie löste den Schlauch vom Trichter und steckte diesen in den Mund. Sie probierte ein wenig rum, ob dieser nach unten verlaufend nicht abknicken würde und dann keine Luft mehr durchließ. Als sie sich sicher war, alles funktioniert tadellos und sie würde nicht in Gefahr geraten, wagte sie den zweiten Versuch mit dem Kleid. Der Kragen war zwar unverändert eng, ließ sich jedoch mit der sicheren Atmung viel entspannter über den Kopf zerren. Nach zwei Minuten war es geschafft und auch der obere Rand des Rüschenkragens hatte das Kinn passiert.
Das Tragefühl gefiel ihr, das war sofort an ihrem breiten Lächeln zu sehe. Der Hals wirkte unendlich lang mit der engen Latexröhre, irgendwie gestreckt und edel. Das obere Ende mit den gelblichen Rüschen umspielte das Kinn und rahmte das transparent glänzende Gesicht wunderschön ein. Der Rest des Kleides war jetzt auch endlich an Ort und Stelle, Gummi im Überfluss und ein wahres Meer von Falte umwallte sie, ausladende Gummipracht in allen Dimensionen. Dann kam die Nachtkappe mit Rüschen auf den Kopf und fertig für die Nachtruhe war das perfekte Gummipüppchen.

Vor dem großen Spiegel konnte sie sich gar nicht satt sehen, so überragend gefiel sie sich in ihrem neuem Nachtoutfit. Schnell richtete sie ein paar Lampen neu aus und ölte das Kleid sorgfältig mit Glanzspray ein. Das Licht spiegelte sich nun in den Rüschen und Falten in alle Richtungen und erzeugte eine sternefunkelnde Fee im Spiegel. Eine goldgelbglänzende Fee die offensichtlich auf dem Weg war, zu Bett zu gehen in ihr goldgelbes Himmelbett. Ein Bild, da gäbe es wenige Männer, die widerstehen könnten: „Engelsgleiches Fabelwesen fertig verpackt für die Nachtruhe!“, trifft es auf den Punkt.
Wie immer in solche einer Situation mussten auch jetzt ganz dringend viele Fotos geschossen werden. Raphaela war da ganz wie Joe, fotogeil als Adjektiv traf auf beide hundertprozentig zu. Aus Melanies Schublade mit Krimskrams, nahm sie sich eine große weiße Kerze, zündete diese an und löschte das Deckenlicht. Diese Bilder im Halbdunkeln und ein Kurzfilm wurden wahre Meisterwerke. Das Kerzenlicht harmonierte wunderbar mit dem faltigen Gummi und die Hochglanzoberfläche warf es flackernd zurück. Wenn sie diese im Netz veröffentlichen würde, das gäbe auf jeden Fall hunderte LIKEs. Einen Titel für die Bilderserie hatte sie sich auch schon überlegt: „Angel ready for sleeping“.

Sie ließ sich auf das weiße Latexbett fallen und schaute verträumt in den Deckenspiegel:
‚Wow bin ich bizarr schön. Joe und Simone würden staunen, wenn sie mich jetzt sehen könnten.‘
Sie strich sich mit den Gummihänden über die Wange und ein wonniger Schauer durchzog ihren Körper. Tastend erkundete sie ihre Gefühle und ihre ungewöhnliche Selbstmassage wanderte den Hals herab, über den Busen und landete schließlich in ihrem Schritt. Dort massierte sie kräftiger, gleich mal mit beiden Händen.
‚Das klappt ja ganz gut, trotz der dicken Windelhose.‘, freute sie sich und träumelte gedankenverloren vor sich hin. Minutenlang war sie im siebten Himmel. Sie reflektierte ihr Glück, dieser Job bei den Schmiedlers war schon nach einer Woche wunderbar, noch dazu mit Melanies Kleiderschrank ein echter Abenteuerurlaub. Sie ließ die Gedanken schweifen.

Plötzlich und unerwartet sprang Raphaela auf, flitzte in das Ankleidezimmer und begutachtete das andere etwas größere Nachtkleid. Ganz offensichtlich war dieses für Simone gemacht worden.
Was hatte sie sich den nun schon wieder ausgedacht?
Wollte sie etwa…?
Ja genau das wollte sie!
‚Das klappt bestimmt. Ich will mehr, mehr, mehr!‘, waren ihre Gedanken und schon legte sie los.
Zuerst die zweite Kopfmaske direkt über die erste drüber. Dann ein zweites Paar Strümpfe und ein zweites Paar kurze transparente Handschuhe. Dies alles erhöhte den wundervollen Gummidruck auf ihre Körperteile merklich. Und obwohl sie schon mehr als fünf Kilo honigfarbene Kleidung trug, war sie nicht mehr aufzuhalten. Wieder kam der Schlauch in den Mund und sie kletterte durch den Rock in das zweite Nachtkostüm hinein. Das Kleid war deutlich größer als das erste und so gelang es mit weniger Mühe, auch dieses über die Arme und den Kopf zu ziehen. Sie zupfte alles zurecht, so dass jedes Bündchen, jeder Rüschenkranz der beiden Kleider perfekt übereinander lagen. Dann vollendete sie das Kunstwerk mit zwei Nachhauben, auch diese formschön und voluminös übereinander drapiert.

Vorher war es schon ein riesiger golden schimmernder Haufen Gummi auf einer zierlichen Person verteilt, jetzt war das Fass am überlaufen. Raphaela seufzte vor Glück und spürte die Enge und das horrende Gewicht nicht als Last, sondern als überschwängliche Lust und drehte sich wie ein berauschter Junkie vor dem Spiegel und vor der Kamera.

Nach dem Sichten der Fotos konnte sie nicht genug bekommen. Sie war noch immer nicht durch mit ihrem Programm, dass sie jetzt ausgeheckt hatte. Sie schnappte sich das Paket der weißen Lederbänder, die Handschellen und den Vibrator und baute den nächsten Schritt auf dem weißen Bett auf.
Wieder hielt die Kamera alles im zehn Sekundentakt fest.
Sie breitete das Lederfesselgeschirr wie eine Fischgräte längs auf dem Bett aus. Die Mittelgräte zwei Meter lang von den Füßen bis zum Kopf. Alle zehn Zentimeter gab es ein fest vernietetes Querband, rechts die Gürtelschnallen, links die Riemen mit den Löchern wie ein ganz normaler Gürtel. Die Riemen für die Unterschenkel kurz, dann zunehmende Länge für die Hüfte und den Oberkörper und wieder kurz für Hals und Stirn. Das sah in der Tat aus wie eine weiße Fischgräte auf gelblichem Latexbett. Bevor sie sich in die Konstruktion hineinlegte, steckte sie den Massagestab in die Steckdose und legte auch die Handschellen in Reichweite des Bettes. Raphaela richtete ihren Körper perfekte längs auf dem Fesselguten aus und raffte die ausladenden Röcke eng um die Beine.
War gar nicht so einfach, den Wäschebergen Herr zu werden.
Dann begann sie bei den Fußknöcheln und legte den ersten Querriemen darum. Die Gürtelschnalle rastete mit ihrer Zunge im dritten Loch des Reimens ein. Erst unentschlossen dann wild entschlossen zurrte sie weiter, ob das vierte Loch auch gelingen würde.
‚Wenn ich darin eine Stunde aushalten will, dann sollte ich es nicht übertreiben, sonst schlafen die Beine ein. Lieber low risk.‘, entschied sie, ‚fühlt sich ja auch so schon richtig schön restriktiv an.‘
Sie dachte nach: ‚Ach was solls eine mehr geht immer!‘

Schon der nächste Querstreifen auf Wadenhöhe war nicht mehr so einfach. Das Lederensemble war offensichtlich für eine fast nackte Person gedacht und nicht für einen „Angel ready for sleeping“ im Doppelkleid. Sie raffte den unteren Rocksaum so gut es ging, drückte, zerrte und schaffte es gerade so, die Schnalle im ersten Loch zu schließen. Langsam kämpfte sie sich Streifen für Streifen nach oben und erst bei der Taille gelang es ihr wieder das dritte Loch zu erreichen.
‚Das fühlt sich noch ein wenig locker an, hier geht Loch vier bestimmt auch.‘, hier mochte sie wahrlich nicht zaudern und wünschte dieselbe Enge wie ein Korsett.
Auch das Band unterhalb und oberhalb des Busens schloss sie absichtlich eng und erschwerte ihre Atmung damit deutlich. Das Halsband bildete einen wunderschönen Kontrast auf dem langen gelblichen Latexhals.
Es blieb dann nur noch das Stirnband und dazwischen ein schmales Band mit Knebel.

‚Soll ich oder besser nicht? Der Ball ist für meinen Mund zu groß.‘, dachte sie nachdem sie diesen probehalber wie die auf dem Bild an der Schranktür hinter die Zähne gedrückt hatte. Ihr war sofort klar: ‚Das geht nicht gut, schon gar nicht eine Stunde. Was mache ich jetzt?‘
In Probleme lösen war sie schon immer gut. Sie zog das Lederband aus dem Schlitz der Gummikugel und beschloss, den Mund nur mit dem Band zu fesseln. Dann zögerte sie kurz. Sie hatte eine verführerische Idee und setzte diese sogleich in die Tat um. Sie streifte das zweite Paar kurze Handschuhe von den Händen ab und steckte beide Gummistücken in den Mund. Dieser war dadurch gut mit Gummi gefüllt. Drüber kam das Lederband und verhinderte wirksam, dass sie die Handschuhe hätte wieder ausspucken könnte. Jetzt konnte sie zwar nur noch durch die Nase atmen aber das ging so gut, dass sie alle Befürchtungen von der Hand wischte. Das glitschige Latexgefühl im Rachen und auf der Zunge erregte sie unglaublich und dazu begann sie sofort zu sabbern.
‚Lecker und geil! Wahrscheinlich sieht man auf den Fotos wie der Speichel tropft.‘

Als letztes schloss sie das Stirnband und war dann fertig verpackt wie ein gut geschnürter Strohballen, goldgelb mit zehn weißen Lederbändern. Der Deckenspiegel zeigte ihr das Ergebnis und vergegenwärtigte ihr die wirksame Bondage vom Kopf bis Fuß. Das Bild nahm sie in den Bann und ließ sie genüsslich erschaudern. Dieses Fesselgeschirr war wirklich genial und mit der Enge kamen Unmengen von Schweiß hinzu. Nach ein paar kleinen Befreiungsversuchen und Rummgezappel war sie sich sicher:
‚Entfliehen kann ich nicht. Aber auch nicht zu eng, da schnürt nichts ab, das kann ich aushalten.‘

Zwei Dinge noch, dann war sie am Ziel.
Der Vibrationsstab wurde vorn unter das Band um den Po geschoben und lag jetzt ideal mit dem Brummkopf auf ihrer Eichel. Es vibrierte in Stufe 2 liebevoll vor sich hin. Dann kontrollierte Raphaela letztmalig die Schaltuhr der Handschellen und startete diese. Die Anzeige zeigte erst 1:00 und das Gummimädchen wartete geduldig bis die 0:59 erschien.
Ihr war mulmig.
Und doch war die eine Minute Penismassage schon sehr wirksam und ihr Entschluss durchzuziehen wurde unumstößlich: ‚Das mach ich jetzt‘
- Klick #1, der Vibrator hatte jetzt die Stufe 3
Sie drehte sich leicht auf die Seite.
- Klick #2, die Handschelle umschloss das rechte Handgelenk. Dann zählte sie gedanklich runter: ‚drei – zwei – eins‘
- Klick #3, die zweite Hand war hinter dem Rücken gefangen
Die nächste Stunde war besiegelt - sie war ohne jegliche Chance auf Flucht gefangen.

Sie drehte sich zurück auf den Rücken und schaute sich selbst beim Liebespiel im Deckenspiegel über dem Himmelbett zu. Die dritte Stufe des Zauberstabs war gut gewählt, heftig genug durch die Windelhose hindurch zu zaubern aber nicht zu stark, so dass das Spiel schön lang dauern würde.
Sie genoss in vollen Zügen, schweiß gebadet. Ab und an unternahm sie den Versuch, die Fesselung zu überwinden, nur so aus Spaß. Der Mund vollgefüllt mit vollgesabbertem Gummi und dazu das herrliche Gefühl von strammem Latex auf jedem Quadratzentimeter der Haut. Eine halbe Stunde voller Verzückung verging, dann kam der erlösende Orgasmus. Sie schoss mehre Ladungen Sperma in die Windelhose und ließ die Wonnewellen durch den Körper rollen. Langanhaltend Genießen das konnte sie richtig gut.

„Klick.“
Das erlösende Geräusch der Zeitschaltuhr.
‚Endlich!‘, jubelte Raphaela müde von der Fesselung, nach dem Erguss gelangweilt auf Befreiung hoffend. Sie versuchte die Hände zu drehen und voneinander weg zu bewegen.
‚Was ist denn nun los?‘
Ihr Gedanken überschlugen sich. Sie hatte doch deutlich das Geräusch gehört. Vom Zeitgefühl waren es irgendwie eine Stunde gewesen, die sie da unbeweglich gelegen hatte.
Je mehr sie an der Handfessel zerrte, desto mehr geriet sie in Panik.
‚Das darf doch nicht wahr sein!‘
Sie strampelte mit aller Gewalt und drehte sich im Latexbett nach rechts und links. Bei diesen hektischen Befreiungsversuchen hatte sie sich unvorsichtigerweise auf den Bauch gerollt. Sie lag jetzt mit dem Gesicht mitten im Latexkopfkissen und bekam keine Luft. Die Panik schlug um in blanke Sterbensangst. Sie konnte nicht atmen, alles gelb vor Augen und dickes Latex presste sich auf die Nase. Pansich raste ihr Puls und jeder Atemversuch saugte nur noch mehr lockeres Latex an ihren Kopf wie eine Versiegelung. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Mit aller Kraftanstrengung die ihre Halsmuskulatur hergab drehte sie den Kopf mit Gewalt nach links. Zum Glück hatte sie den Kopfgurt nicht zu straff festgezogen und Zentimeterweise gelang es ihr die Stirn aus dem Gurt und den Kopf aus dem luftdichten Kissen herauszudrehen.
„Pffff…“, ein tiefer erster Atemzug, sie hatte es geschafft, endlich konnte sie wieder Luftholen.
Jetzt lag sie aber völlig verdreht, den Kopf nach links, die Arme auf dem Rücken. Das war wahnsinnig unbequem auf dem Bauch mit fest fixiertem Schulterblick nach links. Vor Augen eine gelbe Wand, die eine Ecke des Kissens und ihr eigener Atem schlug ihr stoßweise heiß entgegen.
‚Scheiße, scheiße, scheiße.‘

Weitere Befreiungsversuche waren erfolglos, die Kräfte ließen nach. Aus dieser Position kam sie nicht mehr raus. Zumindest konnte sie halbwegs frei atmen, zum Glück. Aber durch die Anstrengungen der letzten Minuten war sie klitschnass geschwitzt, ihr Puls raste noch immer wie verrückt und die Panik verebbte nicht.
‚Das hast du dir selber eingebrockt.‘, stellte sie resignierend fest.
Dann kalkulierte ihr Gehirn die Optionen.
Das war keine gute Idee – die Panik kam wie ein Hammer zurück.

Sie dachte stoßweise:
‚Scheiße, scheiße, scheiße.
Die Bedienungsanleitung hat recht!
Nie allein benutzen.
Ich bin ein Idiot.
Ich sehe nichts.
Der Vibrator nervt.
Jetzt ist Mitternacht.
Joe und Simone kommen erst Sonntag zurück.
Scheiße, erst abends um sechs.
Das sind noch achtzehn Stunden.
Scheiße.‘

Mit dieser Erkenntnis brach sie zusammen, lag laut schluchzend in ihrem Latexbett. Nur ihr eigner Atem und das Greinen, waren ihr Trost:
„pffff…-- pffff…, pffff…, pfff…“

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So jetzt sind wir bei Seite 194, Feedback wie immer willkommen, gern auch von den Gästen unter kri[email protected]
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Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 66135 +4500 gegenüber Vorwoche
94. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von KK 2 am 18.07.21 07:39

Wow,einfach wo!
Es ist etwas Sadistisch,gegenüber dem Leser,jetzt eine Pause zu machen!Fragen über Fragen!
Was wird wohl mit Rapha?
So viele Stunden,als untrainierte in dieser Fesselung...
Was wurde aus Melanie?
Hat diese noch einen Schlüssel/Zugang zum Haus?
Wann bemerken ihre Arbeitgeberinnen das Problem ihrer Angestellten und schicken sie Hilfe?
...
95. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 18.07.21 18:19

Na da hat si sich ja ganz schön in eine heikle Lage gebracht. Ich hoffe doch das ihr geholfen wird.
96. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 21.07.21 17:50

Wieder eine schöne Fortsetzung, da bin ich gespannt wie das noch Enden wird.
Die beiden Ladys werden mit Sicherheit ihre Raphaela nicht mehr gehen lassen
97. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 22.07.21 08:01

Die Situation ist wunderbar beschrieben,so daß man sich echt in die Lage von Raphaela hinein versetzen kann.Man ist so gebannt,daß man einfach nur weiter lesen möchte,einfach herrlich.
98. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 24.07.21 18:34

@KK2, das ist nett, dass Du dich bei den Kommentierungen beteiligst und so wertschätzende Worte findest. Du machst Dir ja richtig Sorgen um Raphaela und ihre Situation.
Bleib neugierig

@Erin, Du hoffst, dass ihr geholfen wird!
Das hat mich kurz auf den Gedanken gebracht, heute einfach nur das Wort "ENDE" zu schreiben. Aber so fies bin ich dann doch nicht.
Bleib mir als treuer Leser gewogen und bitte neugierig

@Develdom, so so Du hoffst, dass Raphaela nach drei Wochen für immer bleibt. Wie hast Du Dir das vorgestellt, was wird dann aus dem Film, den Gerda, Paul und Simone gerade vorbereiten? Wäre das nicht ein wenig zu kurz gesprungen?
Bleib doch einfach neugierig

@Gummimaske, so ist das mit den in Serien eingeflochtenen "Spoilern", der Abbruch an einer spanneden Stelle sollen animieren, nächste Woche wieder einzuschalten. Ein bisschen so wie bei Lindenstrasse.
Deine Neugierde konnte ich schon mal wecken. Danke für das Lob.

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Jetzt geht es weiter mit dem 18. Teil der Veröffentlichung.
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Sie dachte stoßweise:
‚Scheiße, scheiße, scheiße.
Die Bedienungsanleitung hat recht!
Nie allein benutzen.
Ich bin ein Idiot.
Ich sehe nichts.
Der Vibrator nervt.
Jetzt ist Mitternacht.
Joe und Simone kommen erst Sonntag zurück.
Scheiße, erst abends um sechs.
Das sind noch achtzehn Stunden.
Scheiße.‘

Mit dieser Erkenntnis brach sie zusammen, lag laut schluchzend in ihrem Latexbett. Nur ihr eigner Atem und das Greinen, waren ihr Trost:
„pffff…-- pffff…, pffff…, pfff…“

*****

„Wir sind wieder da“, riefen Simone und Joe durch den hallenden Flur, es war Sonntag viertel vor sechs.
Keine Antwort.
„Nanu, wo ist Rapha denn?“, wunderte sich Simone, „Räum du bitte das Auto aus, ich schau wo sie steckt!“
Sie lief die Treppe hoch, die Wohnküche war verwaist. Auch im Wohnzimmer war niemand und auch gleichfalls kein Lebenszeichen alles pikobello aufgeräumt. Fern schaute sie offensichtlich auch nicht. Sie trat auf die Terrasse raus und freute sich ein paar Sekunden über den neuen Garten, überall die neuen Blumen aber keine Raphaela. Als nächstes schaute sie in den Strandkorb und im Gartenhäuschen. Ersterer war leer, letzteres war auch perfekt aufgeräumt worden und die Gerätschaften von gestern lagen ordentlich und sauber an ihrem Platz. Ein freundlicher Anblick im Vergleich zu gestern Morgen. Das Mädchen war wie so oft auch ohne Aufsicht gewissenhaft im beim Aufräumen.
Zurück in der Küche fragte sie Joe: „Hast du sie gesehen? Draußen im Garten ist sie trotz dem schönen Wetter jedenfalls nicht.“
„Nein, vielleicht schläft sie oben?“
„Sollen wir sie stören?“
„Lieber nicht, wer weiß, was sie gerade ausprobiert. Wäre mir peinlich da jetzt so reinzuplatzen.“, Simone war gewohnt zurückhaltend.
„Warte ich schau mal kurz per Video.“, Joe war da wie immer nicht so zimperlich, „Der onaniert bestimmt gerade wieder.“
„Du bist garstig.“, Simone mochte diesen Ton ihrer Partnerin heute gar nicht und war besorgt.
Joe ließ sich nicht abhalten und ging zur Wohnstube. Die Überwachungskamera durch den Badspiegel zeigte nichts Besonderes und dann schaltete Joe auf die andere Einstellung, die auf das Bett gerichtet war und erschrak:
„Oh Gott.“, rief sie laut nach draußen.
„Was ist?“
Simone spurtete erschrocken rüber und gemeinsam schauten sie stocksteif auf den gelblich matten Bildschirm. Was sie sahen oder vielmehr nicht sahen, darauf konnten sie sich irgendwie keinen Reim machen. Simone befürchtete sofort, dass das Mädchen die Kamera entdeckt hatte oder, was noch schlimmer wäre, sie hat die Kamera entdeckt und Reißaus genommen.
Das Bild zeigte verschwommenes gelbliches Gummimaterial und war sehr unscharf, daher war unklar, was es genau war. Sah so aus, als ob Raphaela direkt vor der Linse irgendwas Lichtdurchlässiges platziert hatte.
„Und was machen wir nun?“
„Vielleicht Zufall, vielleicht aber auch Absicht.“, Joe zuckte mit den Schultern,
„wir sind ja auch ein bisschen zu früh zurückgekommen.
Wir machen erstmal gar nichts und warten bis sechs, sie wird schon wieder auftauchen. Die ist bestimmt Joggen.“.
Jetzt schaute auch Joe hoch durchs Fenster in den Garten sehr erfreut bestimmte sie: „Ich für meinen Teil hau mich erstmal in den Strandkorb.“
„Ich komm mit.“

Eine halbe Stunde später als die Frauen wieder ins Haus reinkamen war alles unverändert. Absolute Stille und kein Zeichen, dass Raphaela zurückgekehrt wäre.
„Wo ist sie nur? Ich mache mir langsam Sorgen.“, sinnierte Simone, „sie war doch sonst immer zuverlässig und pünktlich.“
„Ja irgendwie ungewöhnlich.“
Auch Joe zuckte fragend mit den Schultern, „Wollen wir was essen?“
„Ohne sie?“
„Ein bisschen Hunger habe ich schon.“
Simone öffnete den Kühlschrank und begann schallend zu lachen.

Werte Damen,
willkommen daheim.
Im großen Speisesaal ist das Abendmahl angerichtet.
Ergebenst Ihre Haushälterin Raphaela


Der große Zettel an der Butterglocke verriet jetzt endlich, was hier los war.
Joe und Simone stürmten sofort in das große Esszimmer und waren sprachlos und begeistert. Sie standen einfach nur staunend in der Tür rum.

Ein lächelndes Schokoladenmädchen aus dem 18. Jahrhundert erwartete sie vor einer reichlich gedeckten Tafel.
„Madame e Madame, ich hoffe sie hatten eine gute Reise. Das Essen ist wie aufgetragen bereitet, würden sie bitte die Ehre haben, Platz zu nehmen.“
Formvollendet schob sie jeweils den Stuhl zurecht, half beim Hinsetzen und begann schweigend die Teller mit Salat zu füllen.
„Du siehst toll aus.“, Simone war die erste, die ihre Sprache wiedergefunden hatte.
„Stimmt und das Essen auch.“, bestätigte Joe.
Der Salat war ein Gedicht und danach servierte Raphaela gleich dem Gemälde von 1746 eine heiße Schokolade.
„Warte bitte, das muss ich auf dem Foto festhalten.“, frohlockte Joe, die Hobbyfotografin, „Ist die Kamera noch oben.“
„Ja.“
„Bleib hier, ich hole sie.“
Geschwind war die Bankerin nach oben geeilt, sicher nicht uneigennützig, sie wollte auch endlich das Geheimnis der verdeckten Videokamera lösen.
Und richtig, auf dem Schreibtisch, in dem die Kamera gut versteckt unter der Tischplatte eingebaut worden war, lagen einige transparente Latexsachen zum Trocknen. Dieses Rätzel war nun gelöst.

Mit der Kamera in der Hand kam Joe zurück und grinste Simone breit an: „Du Schatz, ich habe die Wette gewonnen, die Rapha konnte dem dritten Schrank nicht widerstehen.“
„Ihr habt gewettet? Wie gemein.“, nörgelte das Schokoladenmädchen beleidigt.
„Erzähl, was hast du ausprobiert.“, fragte Simone sofort neugierig.
„Nö.“, das Gummi-Schokoladenmädchen steckte die Zunge raus.

Sie schossen noch viele Fotos vom Abendessen der drei Damen und natürlich ganz viele von der stolzen Hofbediensteten. Diese erzählte allzu bereitwillig von dem wundervollen Kostüm.
„Am Anfang dachte ich, ihr spinnt total. Aber dann, als ich alles ausgepackt hatte konnte ich nicht widerstehen. Ihr müsst hunderte von Euro dafür ausgegeben haben, wenn nicht gar tausend.
Verwirrend diese alten Klamotten und doch irgendwie reizvoll.
Habt ihr es selbst mal anprobiert?“
Das Pärchen lächelte vielsagend aber schwieg beharrlich und schlürfte weiter an der heißen Schokolade.
„Damals hatten sie offensichtlich noch keine Strumpfhosen, nur Strümpfe, die mit einem Band oberhalb des Knies gegen wegrutschen befestigt wurden. Und die Schlüpfer waren noch richtige Liebestöter. Ganz viel Stoff und halb lang und mit Gummizug an den Beinen.“
Sie hob den Rock mit beiden Händen hoch und zeigte die weißen Latexstrümpfe, die adrett mit einem roten Band mit formvollendeten Schleifchen vor dem Runterrutschen gesichert waren. Dann hob sie den Rock höher und voluminöse Bloomers Unterhosen kamen zum Vorschein. Das sah schon recht altertümlich aus.
„Dass alles aus Latex ist, hat dich nicht gestört?“, fragte Joe keck.
„Nö.“, betont kurze Antwort des Schokoladenmädchen mit breitem Schmollmund. Dann ließ sie den Rock wieder fallen.
„Der Rest ist auch recht interessant. Das Korsett wurde wohl früher immer vorn genschnürt, jedenfalls habe ich es so gemacht.“
„Richtig.“, bestätigte Simone.
„Und dann diese Wurst, die aussieht wie ein großen Nackenhörnchen für die Autofahrt zum Schlafen. Auf dem Bild habe ich entdeckt, dass die wohl damals dazu da waren, den Hintern so richtig weit auszustellen. Man bindet das Ding einfach eng um den Bauch, die dicke Wurst nach hinten und knotet die Bänder zusammen. So leicht ging das und fertig. Schaut mal was ich jetzt hier für einen dicken Hintern habe. Die wussten schon damals was man anstellen muss, um die Männerwelt verrückt zu machen.“
Sie wackelte als hätte sie einen Hula-Hopp-Ring mit dem ausladenden Hinterteil.
„Der Unterrock war genau dafür gemacht und weit geschnitten, genug Stoff…“, sie kicherte, „…ähm Latex für die Ausbuchtung. Und schaut mal der Oberrock, nicht einfach nur schimmerndes blau, sondern auch so weiße Schlieren ins Latex eingefärbt. So was habe ich noch nie gesehen.“
„In der Tat, der schimmert wie ein Abendhimmel mit Schäfchenwolken. Das sieht toll aus.“, bestätigte Simone.
„Blöd war das Oberteil. Das ist vorn zu wenig Material und man muss viele Schnüre sorgfältig einfädeln. Trotzdem bleiben vorn zwanzig Zentimeter offen. Das deckt man dann erst mit dem weißen Halstuch ab. Das Ding ist zwei Meter lang. Und ich Dussel dachte erst, das rutscht bestimmt weg. Tut es aber nicht, da sind Klettverschlüsse dran. Die weiße Schürze funktioniert fast normal, nur dieses kleine Brettchen vor dem Bauch wirkt albern. Scheint aber damals so Mode gewesen zu sein.“
Sie klopfte mit der flachen Hand gegen den Bauch: „Vielleicht ganz praktisch damals, wenn man Wäschekörbe vor dem Körper trägt oder ein riesengroßes Tablett. Wer weiß!“
Dann wanderten ihre Hände zur Kopfbedeckung.
„War bestimmt sackekalt damals in den Häusern. Sonst hätten die doch drin keine Mütze tragen müssen. Ich habe hinten einfach ein bisschen Zewa-Wisch-und-Weg reingestopft, damit das Ding weit nach hinten absteht. Ich habe ja nicht so viele Haare und so sieht es schöner aus. Schaut mal! Diese Mütze ist aus demselben rot wie das Oberteil gemacht und der Saum in Weiß, passt genau zur Schürze. Das macht es perfekt.“
Keck schüttelte sie den Kopf und ließ die Bedeckung hin und her wippen.
„Einfach der Hammer!
Bitte, bitte Madame é Madame schießen sie noch ein paar Fotos von mir!“



Raphaela räumte gerade den Speisesaal auf und brachte das Geschirr in die Spülmaschine, da zuckte sie bei einer Bemerkung von Joe zusammen.
„Simone? Ich will den Apfelsaft von Papa aus dem Kanister in Flaschen füllen. Hast du den Trichter mit Schlauch irgendwo gesehen?“
„Nein wieso, der ist im zweiten Schubfach wie immer.“
Raphaela wurde rot, hatte sie doch tatsächlich vergessen, den Trichter zurück zu legen.
„Ähm…, sorry ich glaube ich war‘s.“, gab sie stockend zu.
Zwei fragende Gesichter starrten sie an.
„Ich hole ihn und…“, sie zögerte unentschlossen, „…nachher zeige ich euch warum ich den gebraucht habe.“
Sie rannte nach oben und schnappte sich den Trichter. Sie war schon wieder an der Tür da drehte sie nochmal um und schnappte sich den USB-Stick mit all den Fotos vom gestrigen Abend und nahm auch diesen mit nach unten. Im Wohnzimmer saßen die beiden Frauen gemütlich auf der Couch und genossen, jetzt dort auf der Couch rumlümmelnd, die Bedienung und den Anblick der mittelalterlichen Latexhaushälterin. Sie tranken gemütlich Wein und ließen das erste gemeinsame Wochenende bis 8 geruhsam an.
„Kann ich mich kurz umziehen? Nichts dagegen oder?“, bat das Mädchen gähnend und entschwand nach oben.
Sie schlüpfte aus dem wundervollen Kostüm, nahm die verschwitze Haube ab und verstaute all diese Dinge wieder im Kleidersack. Auch die jetzt trockenen transparenten Nachtklamotten verschwanden wieder im Schrank. Sie schminkte sich ab und duschte kurz.

Die ersten kühlen Tropfen der Dusche ließen sie erschaudern und dabei dachte sie nochmals erschaudern an die letzte Nacht. Das Wasser wurde wärmer aber vertrieb nicht die Erinnerung an den verzweifelten Kampf. Alle Bilder tauchten wieder in ihrem Kopf auf, die Enge der Fesselung, der Orgasmus, die langweilige Zeit danach und dann dar erlösende Klick. Was danach geschah war ins Gehirn gebrannt und ließ sie voller Wehmut tief einatmen und ein Ohnmachtsgefühl überkam sie erneut. Der verzweifelte Kampf mit verdrehtem Hals im Latexkissen, die Atemnot, die Panik all das kam jetzt zurück. Es war ein wahrliches Nightmare und ihr gruselte es noch jetzt bei den Gedanken daran. Der Albtraum war noch voll gegenwärtig.
Erst fünf Minuten später gefüllt von Atemnot, Angst und Panik kam für sie, tief im Kissen vergraben kaum hörbar, ein zweites Klickgeräusch. Der Mechanismus der Handschellen war auf 0:00 gesprungen, nicht sichtbar für sie, da hinter ihrem Rücken. Ein zweites „Klick“, welches den Magneten jetzt richtig öffnete.

‚Manchmal wäre es doch besser, von Anfang an die Bedienungsanleitung genau zu studieren.‘, dachte sie verärgert über sich selbst, ‚Da steht doch schwarz auf weiß drin: Der Arretierungsmechanismus arbeitet in zwei Stufen, 0:05 wird eine Raste freigegeben genau fünf Minuten später erst die zweite, die zur Öffnung der Handschelle führt.‘

Keiner kann sich vorstellen, wie froh sie in dem Augenblick war, als sie unerwartet auf einmal wieder ihre Hände frei hatte. Sie riss die Arme nach vorn und drehte ihren Oberkörper in Windeseile wieder auf den Rücken. Dann löste sie den Mundgurte, spuckte die Handschuhe aus und atmetet wie von Sinnen teif durch. Das tat gut. Sie öffnete die Fischgräte, dehnte und streckte sich und jauchzend vollführte sie einen Freudentanz. Wie neu geboren sprang sie in ihrem rosa Zimmer umher eine gelbliche verschwitzte Gestalt im Nachtkleid. Anschließen schlüpfte sie wie von Sinnen aus allen Gummiklamotten, es war nicht mehr auszuhalten. Darunter war sie pitschnass und ein bisschen muffelig roch es nach Sperma. Der Schweiß lief ihr in Strömen vom Leib und sie war körperlich fix und fertig. Zu müde zum Aufräumen, fiel sie nach der Nachtdusche ins Bett und schlief dann bis Sonntagmittag durch.

Gedankenverloren stand sie jetzt im Bad vor dem Spiegel, seit diesem Abenteuer war keine 24h vergangen. „Das mache ich nie wieder!“, versprach sie ihrem Spiegelbild. Stutzte kurz, wiegte den Kopf nachdenklich nach rechts und links und ergänzte: „Das mache ich nie wieder, wenn ich allein bin.“
Dann huschte ihr Blick zu dem Kostüm der holländischen Magd. Raphaela grinste breit und rief ihrem Spiegelbild zu: „Was für ein geiles Wochenende.“

Nun war auch das Schokoladenmädchen vorbildlich verstaut und sie überlegte nackt vor dem Spiegel, ob sie nochmals runter gehen solle. Dann kam ihr eine saublöde Idee. Sie grinste breit und zog sich den Herrenschlafanzug an. Sie wollte jetzt gern die beiden ärgern und necken, deren langen Gesichter sehen. Ralph rannte runter ins Wohnzimmer und fläzte sich - ganz bewusst als Mann sehr breitbeinig und unflätig aufs Sofa.
„Also ich wäre dann so weit, die Sache mit dem Trichter zu erklären.“
„Jetzt sind wir aber mal gespannt.“, lachte Simone.
„Muss das sein, hier demonstrativ als Mann aufzutauchen?“, knurrte Joe.
Ralph runzelte verärgert die Stirn: „Ihr beide habt eine bitterböse Wette auf meine Kosten gemacht und da ist ja wohl eine Strafe angebracht, oder?“
„Schon gut.“, murmelte Joe, „Den zweiten Strafpunkt für diesen hässlichen Pyjama hast ja auch schon einkassiert, kannst den halt auch tragen. Mach doch was du willst. Aber gefallen hast mir vor ner halben Stunde besser. Rapha ist ganz Ok - Ralph finde ich doof, soviel steht fest.“, Joe wurde milder.

„Nun zeig schon!“, nun quengelte Simone ungeduldig, ihr ging die Männerphobie ihrer Frau Joe ein wenig auf die Nerven ging.
Ralph trampelte betont männlich mit dem Datenstick zum Fernseher und starte eine Diashow. Heute Nachmittag hatte er extra alle Fotos gesichtet und die unbrauchbaren gelöscht bzw. verschoben und dann eine kleine Diashow zusammengestellt.
Es starte mit den zwei alten bekannten Bildern der Schaufensterpuppe Melanie - so als Einleitung nicht schlecht gewählt.
Es folgte ihre Szene mit dem aus dem Bett aufstehenden Mädchen,
Simone jauchzte vergnügt: „Schau mal Rapha hat die Windelhose an.“
„Musste sein, so mit Pimmel, das war nix.“, scherzte Ralph.
Alle lachten.

Bild für Bild wurde die Verkleidung komplettiert, die Fotos waren in der Tat sehr gut gelungen. Bei den Bildern mit dem zweiten Nachtkleid über dem ersten entfuhr Joe ein lautes: „Donnerlüttchen!“
Ein letztes Foto zeigte ein von Kopf bis Fuß in zwei Kleider gewandeten Gummi-Mädchen mit flackernder Kerze in der Hand auf dem Weg zum Bett. Darauf stand in großen Buchstaben ENDE.
„Nicht schlecht, sieht so aus, als hättest du auch ohne uns Spaß gehabt und uns kein bisschen vermisst.“
„Doch schon ein bisschen.“, Ralph macht eine Pause, „So fünf Minuten vielleicht, habe ich euch dolle vermisst, mehr aber nicht.“, grinste Ralph stolz auf ihre Fotoshow und das Lob der beiden Damen.

Alle anderen nachfolgenden Fesselfotos sahen Joe und Simone nie. Es waren immerhin fast vierhundert, da ja die Kamera in der folgenden Stunde auch alle 10 Sekunden ausgelöst hatte. Diese wahrlich pornografische SM-Serie und auch die vorgelagert dokumentierte Windelanlegeaktion waren sicher verwahrt auf dem USB-Stick. Ralph hatte dafür einen separaten passwortgeschützen Ordner angelegt. Dort blieb alles was sie gleich Melanie getan hatte, sicher verwahrt als Raphaelas und Ralphs Geheimnis.





Kapitel #9 *** Arbeitsbeziehungen

Die zweite Woche verging im Fluge und war prall gefüllt mit Putzen für die eine Gastbewohnerin der Gartenstraße 17. Für die zweite dort ständig wohnenden galt es, fleißig zu Lektorieren und es gab für die dritte Frau im Haus wieder einmal eine große Dienstreise.
Raphaela wuselte durchs Haus und erledigte die Wohnetage und das Erdgeschoss in einem Rutsch. Dabei war mal wieder Gründlichkeit verlangt, jeder Küchenschrank wurde komplett leergeräumt, jegliches Geschirr einzeln inspiziert und auch die hinterletzte Ecke pikobello vom Schmutz befreit. Zwei Dinge machten ihr dabei besonderen Spaß. Sie durfte alles, was an Haushaltsdingen beschädigt, alt oder schäbig war, ersetzten. Sie schrieb sich jeden Tag Listen und ging dann nach genauer Anweisung einkaufen. Durch die Fachgeschäfte tingeln und die Verkäuferinnen herauszufordern war Raphaela eine Freude. Villeroy und Boch bekam einen Batzen Geld für ein neues 24-teiliges Service, Solingen wurde ein Messerset los und Unmengen an Kochwerkzeug wurde auch ersetzt.

Ein bisschen Peinlich war der Trichter mit dem Schlauch. Joe und Simone mochte diesen nicht mehr in der Küche verwenden und wiesen an, diesen wegzuwerfen. Raphaela wurde rot bei diesem Thema, mochte aber das Thema nicht vertiefen. Sie hoffte inständig, dass dieses Wegwerfen nichts damit zu tun hat, dass sie den Schlauch als Anziehhilfe verwendet hatte. Ein paar kleine Bissspuren waren aber in der Tat als Überbleibsel sichtbar.
Viel Spaß hatte sie an der Tassensammlung von Starbucks. Da waren Unmengen vorhanden von vielen Reisen als Mitbringsel. Immer wenn sie herausfand, dass eine dieser Tassen beschädigt war, musste sie im Internet nach Ersatz für genau diese suchen, koste es was es wolle. Sie steigerte fleißig bei ebay und musste für eine Südkoreatasse sogar 120€ ausgeben.
Der Geldregen des Börsendeals schlug sich auch nochmals im Garten nieder. Raphaela fuhr adrett gekleidet zu einer Großgärtnerei und wählte zehn Zitronen- und Mandarinenbäumchen und aus, die dann die Terrasse mediterran veränderten. In dieser gelb grünen Südfruchtwelt saß Simone fleißig am Laptop und arbeitete an ihrem Drehbuch. Ab und an musste sie aber auch zur Bavaria.
Joe war drei Tage weg in der Karibik, nahm Raphaela aber leider nicht als Assistentin mit.
Ihr lapidares: „Da brauche ich Dich nicht“ erwiderte Simone mit einem sarkastischen Augenzwinkern und bemerkte bissig: „Die dreißig Briefkastenfirmen die deine Bank dort hat, haben doch sicher ein schönes 5 Sterne Hotel, oder?“
Simone war generell nicht sonderlich gut auf die Finanzwirtschaft zu sprechen und wollte nicht so genau wissen, was ihre Frau da so an dubiosen Geschäften treibt. Ihr Lieblingsspruch war: „Ich übersetze lieber Weltliteratur, vom Geldwaschen bekommt man Spülhände.“
So verging die Woche für alle drei im Fluge.

Das Wochenende wurde bereits Freitagabend eingeleitet, obwohl Joe Jetlag hatte kam von ihr die Festlegung: „Komm Simone wir feiern in Deinen Geburtstag rein. Ich habe ein Tisch reserviert im Rossini, habt ihr Lust?“
Natürlich hatten sie alle Lust darauf und der Abend war ein voller Erfolg.
Um Mitternacht überreichte Joe einen Schuhkarton, sehr aufwendig eingepackt: „Für Dich mein Schatz, aber nicht auspacken!“
„Echt jetzt, nicht aufmachen?“
Raphaela lachte, weil sie ja vermutete - von der Aktion letzten Montag mit der ominösen Tasche, die aus der Bank abzuholen war - was da im Karton drin ist.
„Halte es einfach mal ans Ohr!“, forderte Joe.
Simone tat es wie aufgefordert und in ihrem Gesicht entstanden lauter Fragezeichen. Sie reichte den Karton rüber zum neugierigen Mädchen Raphaela und fragte: „Keine Ahnung, Du?“
Ein leises Brummen war zu hören und Raphaela spielte mit Unschuldsmine mit: „Keine Ahnung!“ aber ihr breites Grinsen zeigte, sie hatte es bereits eingeordnet, das Geräusch und leichte Vibrieren waren ein untrügliches Zeichen, für einen Dildo, der extra in Stufe eins verpackt worden war.

Daheim tranken sie noch einen Sekt und Simone erhielt jetzt auch von Raphaela ein kleines Geschenk. Ein Stein in der Form eines Herzens künstlerisch verziert. Das sah wertig aus nicht kitschig, mit einer neongrünen Aufschrift „DANKE“. Aufwertung bekam der Felsbrocken dadurch, dass dieser reichlich mit rotem Stacheldraht umwickelt war, nur der Bereich des Schriftzuges DANKE war oval freigelassen. Wirkte wie ein Hoffnungsschimmer für ein gefangenes Herz. Auf der Rückseite war in kleineren Buchstaben eingemeißelt:
„…für Simone von Ralph-aela“.
Simone gefiel es: „Das kommt in den Garten zwischen die Rosenstöcke, da passt es gut rein. Hat der Stacheldraht was zu bedeuten?“
Raphaela wollte kein tiefgreifendes Gespräch: „Nö ist nur Kunst und die Bedeutung liegt im Ermessen des Betrachters.“
Auch Joes Geschenk wurde endlich sichtbar. Der Vibrator war das harmloseste Geschenk im Karton. Dieser brummte immer noch fleißig vor sich hin, wie vermutet in der Stufe eins. Simone probierte die anderen Funktionen und dann machte er einen Mordslärm und die ungewöhnlichsten Drehungen und Vibrationen. Raphaela wurde rot aber das Pärchen juckte das überhaupt nicht. Dann kamen zwei Gasmasken zum Vorschein, die stark nach Gummi muffelten, beide mit einem breiten Halsband und abschließbar mit kleinen Vorhängeschlössen. Als letztes packte sie einen Schlauch aus, der in einen Gummiblasebalg endet.
Neugierig folgte Raphaela dem Treiben und konnte sich die Frage nicht verkneifen: „Muss ich das verstehen?“
Die beiden Frauen lachten fröhlich und Simone packte schnell alles zurück in den Karton: „Nein, ist nichts für den Kinderkanal und Mädchen mit Eierschalen hinter den Ohren. Das alles fällt unter die Geheimhaltungsvereinbarung unseres Arbeitsvertrages.“ Simone bedankte sich noch lieb bei beiden, trank ihr Glas leer, und erhob sich:
„So ihr beiden ich gehe jetzt zu Bett, damit ich fit bin für die Party morgen.“

*****
Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 71000 +4900 gegenüber Vorwoche
99. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Klett-max am 24.07.21 20:48

„pffff…-- pffff…, pffff…, pfff…“

Zum Glück ist das Abenteuer nicht aufgeflogen. Auch die Überraschung ist Ralphaela sauber gelungen.

Bin mal auf die Party gespannt, was die Beiden (oder gar zu Dritt ??) da so anstellen. Jetzt schon mal sämtliche Eier in Sicherheit bringen, daß nur keine Schalen hinter den Ohren hängen bleiben...

Manchmal gilt ja der Spruch "Stille Wasser ...
100. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 25.07.21 10:31

Ich liebe diese Story einfach. Jedesmal warte ich gespannt auf die Fortsetzung und werde nie enttäuscht. Die Geschichte kann ruhig noch eine ganze Weile fortgeführt werden.
101. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 25.07.21 14:04

Lächel, da ist Raphaela ja mit einem blauen Auge au der Nummer mit der Selfbondage rausgekommen!
Es war ja nur eine Vermutung von mir, das Raphaela bei den Ladys bleibt, sie blüht dort ja richtig auf, wo man wohnt und lebt ist ja Egal das stört ja den Film nicht!
Ich bin und bleib weiter gespannt auf den verlauf der Geschichte und freue mich schon auf den nächsten Teil.
102. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von samoht24-7 am 25.07.21 14:06

hallo K2,
ab kapitel 9 ist die geschichte nun neuland für mich; bis kapitel 8 hattest du die geschichte ja schon vor einem halben jahr auf der seite der LATEXDAME veröffentlicht.
warum hast du "damals" damit aufgehört?
und ist dir vielleicht näheres darüber bekannt, warum die jannette seitdem nichts mehr an ihrer seite gemacht hat?
lg & ld
103. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 03.08.21 20:13

@ samoth24-7, develdom, gummimaske und Klett-max,
es ist immerwieder erfrischend Eure Kommentare zu lesen, ihr fiebert ja richtig mit. Habt Ihr wirklich geglaubt, ich lass die Raphaela 18h in ihrer misslichen Lage schmoren? So bös kann ich doch gar nicht denken.
DANKE für Eure vielen Lobe, das ist immerwieder ein Ansporn!
Bleibt neugierig.
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und jetzt geht es weiter mit dem Teil 19 der Veröffentlichung ... etwas ruhiger aber ... lest selbst...
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........Simone bedankte sich noch lieb bei beiden, trank ihr Glas leer, und erhob sich:
„So ihr beiden ich gehe jetzt zu Bett, damit ich fit bin für die Party morgen.“

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„DingDong“

‚Das ist sicher der Catering-Service‘, dachte Raphaela und stöckelte mit ihren neuen Schuhen die große Treppe herunter. Ziemlich erstaunt über ihre Künste und hocherfreut darüber, stellte sie zufrieden fest:
‚Das Laufen geht ganz gut und mein Gang ist durch die ultrahohen Absätze zwar tippelig aber doch ganz grazil. Wenn ich die Treppe schon ohne Problem hinbekomme, dann sollte wohl das Tanzen bei der Party heute auch funktionieren. Noch habe ich ja anderthalb Stunden Zeit, mich warmzulaufen!‘

Am großen Spiegel bei der Haustür stoppte sie kurz, ein prüfender Blick entlockte ihr einen kleinen Pfiff und eine Selbstbewunderung. Das Outfit für den Abend war in der Tat sehr auffällig geworden: Eine French Maid, wie sie im Buche steht. Das Kleidchen, war schon verdammt knapp bemessen, wippte weit abstehend keck um die Hüfte. Dadurch und durch die High Heels wurden die Beine betont und wirkten unendlich lang, fast wie bei einem Modell. Die glänzende beige Strumpfhose mit zwei schwarzen Nähten hinten an jedem Bein tat ihr Übriges dazu. Bewundernd folgte ihr Blick über die Schulter von den spitzen Absätzen der Schuhe, den geraden Stickereien der Beine entlang bis zum Spitzenbesatz des Höschens, das ein klitzekleines Bisschen hervorlugte. Sie bewunderte die gerade gestreckte Form der Beine und war froh, nie Fußballer-O-Beine bekommen zu haben. Ihr Busen quoll heute oben aus dem Dekolletee heraus, dass diese angeklebt waren sah man aber nicht. Sorgfältig hatte Raphaela ihr Eigenfett im Brustbereich nach oben geschoben und jeglichen Übergang von Kunstbrust zu Eigenhaut mit 24-hour-Makeup retuschiert. Ein letzter kritischer Blick in den Spiegel, bestätigte ihr die Perfektion. Die jetzt blondgefärbte Wuschelmähne und das etwas übertriebene Party-Makeup passten auch ganz gut. Raphaela sah im Spiegel den vermeidlichen Traum alle Männer, zumindest derer, die sich daheim eine Augenweide beim Servieren, Bedienen und im Haushalt wünschen. Soll es geben auf dieser Welt, Männer mit diesem French-Maid Beuteschema und dem Drang diese ins Schlafzimmer zu ziehen.

Jetzt übte sie nochmals kurz ihre Stimme: „Bonjour, ich bin Raphaelá, wie kann ich behilflich sein ihnen?“, gekonnt mit sehr starkem französischem Akzent. Sie betonte das á von Raphaelá zusätzlich, das war ihre Idee und ihr geänderter Name für heute. Sie plapperte sich französisch warm und war gespannt, wie die Männer vom Partyservice gleich reagieren würden. Genau genommen freute sie sich auf die offenen sabbernden Münder und Stilaugen. Heute wollte sie Köpfe verdrehen.

Sie öffnete die Tür und alles war anders. Sie brachte schlagartig kein Wort mehr heraus, es war die sprichwörtliche Sprachlosigkeit durch Schock ausgelöst durch die alles veränderte Situation. Ihr Mund war nach unten geklappt. Vor der Tür parkte ein ganz normaler Lieferwagen und ein ganz normaler kräftiger Mann hatte bereits mehrere Warmhalteboxen vor der Haustür aufgestapelt. Dieser drehte ihr gerade den Rücken zu, um weitere Dinge aus dem Auto zu holen. Aber direkt vor Raphaelá, keine zwei Meter entfernt stand ein junges hübsches Mädchen. Genau diese hatte die kecke French-Maid jetzt völlig aus der Bahn geworfen hatte.
Es war Anna, die Wohnungsnachbarin von Ralph, kein Zweifel möglich.

Anna war keine Sekunde verunsichert von dem aufreizenden französischen Dienstmädchen. Sie realisierte nicht einmal die Schockstarre des Mädchens durch die noch immer halb geschlossene Tür und fragte lieber keck:
„Sind wir zu früh? Dürfen wir noch nicht reinkommen?“
„Doch, doch!“, stotterte Raphaelá betont leise, ganz ohne Akzent und öffnete die Tür vollständig.
Das war in der Tat eine schwierige Situation: ‚Was wenn Anna mich erkennen wird?‘
Sie atmete tief ein schob schnell ein: „Bonjour!“ hinterher. Anna lächelte: „Servus!“ Sie musterte das Hausmädchen genüsslich und ausdauernd und lächelte einladend: „Aha verstehe, dann sind wir beide heute wohl ein Team. Freut mich, ich bin Anna.“
Zögerlich ergriff Raphaelà die gebotene Hand und erwiderte höflich: „Das freut müch.“ mit einem lang gezogenen französischem „ü“ im Wort mich.
„Toll, dann kann ich ja heute mein Französisch aufbessern.“, freute sich Anna ihrerseits und plappert los, „Enchanté, nous avons le team aujourd'hui!“
Noch immer nervös flüsterte Raphaelá: „C'est vrai“, mais entrez donc!“ und zeigte mit der Hand die Treppe nach oben.
Raphaelas Gehirn arbeitete auf Hochtouren: ‚Soll ich Anna sofort einweihen? Ist mein Französisch dicht genug dran an Muttersprache? Hat sie mich bereits erkannt? Was soll ich bloß tun – geht das gut oder Angriff ist die beste Verteidigung?‘
„Tu as bonne mine. En effet Très seyant, pour un serveuse.“, Anna zwinkerte ihr zu, „Je dois m'habiller pour ce dîner.“

Raphaelá fiel ein Stein vom Herzen - zwei Grammatikfehler in einem Satz und gräulicher Akzent - so wie Anna plapperte war klar, Ralph war nicht erkannt worden. Annas Französisch war ganz sicher nur Schulwissen. Es war unwahrscheinlich, dass sie länger durchhalten würde mit der Fremdsprache, Raphaela müsste nur einfach abwarten. Sie wand sich dem Mann der Catering Firma zu, jetzt hatte sie sich sichtlich beruhigt und sprach mit wieder fester lauterer Stimme. Auch ergänzte sie ihre Stimme wieder mit dem süßesten Akzent der Französinnen und in absichtlich gebrochenem Deutsch: „Bitte die Treppe laufen nach oben – gerade-aous - da sein die Küche. Wir haben Platz für euch gemacht, extra.“
Die Reaktion war wie erwartet, dem Packer der Cateringfirma fielen die Augen raus. Er war überdeutlich lange sprachlos mit nach unten geklapptem Unterkiefer. Raphaelà lächelte ihn an und bot ihm dann die einmalige Chance sie von hinten anzuglotzen. Sie ging direkt vor ihm die Treppe hinauf. Beinahe wäre der arme Mann gleich bei der zweiten Stufe gestürzt, irgendwie war sein Kopf gerade nicht bei der Sache, eher bei ihren langen Beinen.

In der Küche hatte Anna bereits ihr Reich für heute in Beschlag genommen, man sah ihr die Begeisterung an. Raphaelà wusste eigentlich schon irgendwie, dass die Nachbarin Anna ab und an für einen Caterer arbeitete. Dennoch war sie mehr als überrascht, dass sie in ihrer Kochkunst so gut war, dass sie ganz allein für den heutigen Abend eingeteilt worden war.
„Je peux?“, fragte sie bevor sie den Backofen öffnete.
„Ja, gern…“, antwortete Raphaela jetzt wieder ganz selbstsicher in ihrer Rolle, „…und bitte lassen sie uns Deutsch reden. Ich will lernen besser eure Sprache. Und ich denken, es wird zu kompliziert nachher - bald. Alle Gäste werden auch versuchen Französisch und so das geht nicht gut, du verstehen?“
„Hast Recht, die nerven uns nachher sonst alle mit ihrem schlechten Schulfranzösisch, das wird sicher ätzend. Die meisten haben bestimmt nur Grundkenntnisse, viel weniger als ich, das nervt bestimmt.“, sie grinste schon wieder breit und betrachtete Raphaelà erneut ungeniert und eingehend: „la bonne, richtig?“
„Oui, das ist richtig la bonne heißt das Mädchen im Haus für Bedienung und Saubermachen und so, so..., du verstehen?“
Anna zeigte mit dem Finger auf sich: „chef étoilée = die Köchin.“
„Du bist eine Michelin-Sterne-Koch? Wau, so jung sein und schon Star?“
„Nein, nein nur eine ganz einfache Köchin“ korrigierte sie schnell, „ist wohl doch besser, wenn wir deutsch sprechen. Die Schmiedlers wollten unbedingt eine Köchin, keinen Koch. Sie haben mir am Telefon lang und breit erzählt, was heute so alles passieren soll. Männer sind wohl nur unter den Gästen, das scheint denen irgendwie besonders wichtig.“
„So, so?“, Raphaela war gespannt, was Anna schon wusste und was nicht.
Sie plapperte weiter: „Na, dass das eine Geburtstagsparty ist und dass alle sich verkleiden müssen und so. Und ich soll mich schönmachen und es wird später ein Programm geben. War mir ganz recht, mal was anderes als das übliche langweilige Firmen-Catering. Und vor allem toll ist, dass es später ein Mitternachts-Snack geben soll. Da kommen wenigstens viele Stunden für mich zusammen, richtig Geld verdienen macht Spaß.“

Sie öffnete eine Kiste nach der anderen, plauderte ohne zu Ermüden und richtete nebenbei ihr Küchenreich geschickt ein. Es machte Spaß ihr zuzuschauen und man sah sofort, sie verstand was von ihrem Gewerk. Zunächst besprachen sie den Zeitplan für den Abend und die Räumlichkeiten. Es war klar, bei sechsundzwanzig Gästen mussten sie gut abgestimmt handeln, besonders beim Servieren des Hauptgerichtes war Timing sehr wichtig. Der männliche Mitarbeiter der Cateringfirma war noch immer sprachlos und schleppte gerade die letzten Einzelteile für einen Warmhaltewagen nach oben, baute diesen auf und schloss ihn an. Da passten zumindest mal 20 Teller rein. So gut ausgestattet, war es für Raphaela eine machbare Aufgabe, allen halbwegs gleichzeitig zu servieren. Es würde dennoch Stress geben, aber den fürchteten sie beide offensichtlich nicht. Noch immer mit dem Mann gemeinsam stellten sie zu dritt die Getränke auf den Essenstisch, platzierten Gläser, Besteck und Geschirr und dekorierten alles mit weißen Rosen, die auf dem roten Tischtuch einfach himmlisch und sehr feierlich wirkten.

Nach einer Stunde war alles fertig und es war noch genügend Zeit für einen Kaffee zu dritt und für die Köchin Anna zum Umziehen. Hinterher sah sie in ihrem Dress nicht minder sexy aus als das französische Hausmädchen. Ein weißes viel zu kurzes Kleid mit zwei roten Knopfleisten, schön tailliert mit großzügigem Dekolletee. Dazu ebenso eine hautfarbene Strumpfhose und weiße Sandalen mit hohen Absätzen, die auch ihre Beine deutlich verlängerten. Die französische Kochmütze rundete das Ganze vollendet ab und sorgte dafür, dass sie nicht als sexy Krankenschwester eingestuft wurde, sondern eindeutig als sexy Koch. Nur Nuancen lagen dazwischen.

Sie plauderten nach und nach immer mehr wie zwei Freundinnen, die sich seit längeren kennen, nicht wie gerade kennengelernt. Natürlich über dies und das, vor allem Belangloses aber auch über die bevorstehende Party.
Raphaelà achtete immerfort auf ihre Stimmlage und den passenden französischen Akzent auch baute sie genügend Fehler ein in ihre deutsche Grammatik. Sie war froh, sich noch ein wenig warm zu reden, bevor die vielen Gäste kommen würden.
Nachdem alles vorbereitet war, fuhr der stumme völlig eingeschüchterte männliche Caterer von dannen. Die beiden Mädchen kicherten albern:
„Hat es Kollegen alle Worte verschlagen oder ist er immer stumm?“
„Sonst redet er mehr, French Maid war schon zu viel für ihn.“, Anna drehte sich einmal auf der Hochachse, „Und dann durfte der arme Kerl auch noch mich so bewundern, das war dann der Stimmbandriss. Jetzt ist er halt sprachlos, typisch Mann. So wie der mit seinem Handy rumgespielt hat, hätte er uns am liebsten vernascht oder wenigstens fotografiert.“

„DingDong.“
Er war wieder da: „Haben sie was vergessen?“
Er stotterte ein wenig: „Nur eine Kleinigkeit“, packte umständlich zwei Kisten zusammen und fragte mit hochrotem Kopf: „Darf ich fragen, ob ich ein Foto von euch machen darf?“
Anna und Raphaelá prusteten los und konnten nicht mehr an sich halten vor Lachen.
„Ja mach ruhig.“, lächelte Anna dem nun endgültig verwirrten Mann freundlich zu, „aber auf keinen Fall im Internet posten!“

„Was weißt Du eigentlich über die Party heute?“, fragte die French Maid neugierig, als er nun endgültig weg war, um Anna zu checken.
„Alles“, Anna war in der Tat selbstbewusst, „Frau Schmiedler hat mir alles erklärt!“
„Simone?“
„Simone wer, Simone was, ich weiß den Vornamen der Gastgeber nicht. Aber wenn du es sagst, wird sie wohl Simone heißen. Es war die mit dem großen Vorbau.“
Offensichtlich wusste Anna so manches nicht.
„Es gibt ein Menü und ein Mitternachtssnack von mir persönlich. Dazu eine Kellnerin ganz allein für mich und meine Belange, das bist offensichtlich du. Und es ist eine Geburtstagsparty mit 26 Gästen alle im Kostüm, quasi Fasching…“, in dem Glauben Raphaelà zu überraschen, ergänzte sie voller Stolz, „…und es gibt ein Überraschungsprogramm und keine Geschenke.“
Die ein wenig abwertend genannte Kellnerin Raphaelá schwieg und lächelte abwartend.
„Irgendwie sollen alle Gäste Geld schenken, so für einen wohltätigen Zweck oder sich irgendwas ausdenken, was die anderen zum Spenden animiert. Ich habe kein Geld, werde mich aber beteiligen und nachher ein kleines Programm auf die Bühne zaubern. Das wird hoffentlich den reichen Gästen das Portemanier öffnen. Was genau - ist aber geheim!“, sie legte den Zeigefinger auf die Lippen.
„So, so…“, Raphaelà war belustigt und akzeptierte, dass Anna nicht erzählen wollte, was sie vor hatte, vorzuführen. Sie betrachtete sie wohlwollend und stelle sich insgeheim vor, wie sich eine Köchin auf der Bühne bewegt, wenn sie zum Beispiel einen Striptease macht. „…da bin ich aber gespannt mal, ce la vie.“
Jetzt galt es noch die Sektgläser vorzubereiten und die Flaschen zu öffnen, es war nicht mehr viel Zeit bis die Ersten erscheinen würden.

„Hallo Ihr beiden!“
Anna und Raphaelá zuckten hoch, sie hatten beim Erzählen gar nicht bemerkt, dass die Schmiedlers gekommen waren. Das fröhliche Hallo löste jetzt bei der Köchin zunächst eine Schockstarre aus, ebenso wie bei der French Maid vor einer Stunde, mit weit offenem Mund und Sprachlosigkeit. Raphaelá dagegen erwiderte den Gruß fröhlich unbekümmert: „Hallo ihr beiden!“
Die beiden ungleichen Pärchen starten sich gegenseitig an und eine Jede brauchten ein Weilchen die Verwandlung des anderen zu verdauen. Die beiden Gasgeberinnen des heutigen Abends waren enorm aufgebrezelt und glänzten durch wunderschöne altertümliche Kostüme, die sogar Raphaelá mit Bewunderung und Staunen quittierte.
Simone war eine Königin im Stil des 15. Jahrhunderts einer Elisabeth I nicht unähnlich. Da hatten sie in der Tat viel Zeit und sicher auch viel Geld investiert. Alles war nostalgisch perfekt, das rotgoldfarbene Kleid, die schlanke geschnürte Taille im Kontrast zum ausladenden Rock und dazu der hochgeschlossene Kragen. Es war der typische weite weiße Rüschenkragen aus dieser Zeit, wie man ihn von unzähligen Gemälden kennt, groß wie ein Wagenrad. Die rote Perücke, die Simone trug, war reichlich mit Perlenkettchen verziert. Ergänzend dazu gab es einen gleichfarbigen Fächer, den Simone majestätisch wedelte. Das ergänzte die imposante Erscheinung und gab ihr sofort den Überlegenheitsbonus. Jene Geste strahlte eindeutig aus: Ihr seid das Volk und ich bin Eure Königin.
Anna ließ den Blick schweifen: ‚Noch auffälliger geht’s nicht. Der Kontrast ihrer engen Taille in der Mitte, mit Gewalt auf ein Minimum reduziert, was die flache Atmung erklärt, der darüber thronende Riesenbusen der Größe D und darunter der raumgreifende starre Reifrock. Was für ein Superweib.‘

Neben ihr stand Joe in einem schlichten weißen Kleid einer höfischen Zugehdame. Die Schultern frei, luftiges Oberteil mit vielen Falten, kurze Puffärmel und einen einfachen weißen Rock. In der Tat war die Rollenverteilung sofort klar. Die beiden zusätzlichen Details, die dieses Joe-Simone-Dienstverhältnis verdeutlichen, waren eigentlich unnötig. Joes Bluse war aus transparenter Seide und man konnte, wenn man lang genau hinsah, zwischen den Stofffalten den Busen durchblitzen sehen. Zusätzlich trug Joe um den Hals ein weißes Lederhalsband. Eindeutig und nicht fehlzuinterpretieren vorn am Kehlkopf eine kleiner Metallring mit einem Karabinerhaken sowie einer silbernen Kette, die ihr bis zum Bauchnabel reichte.

Anna hatte sich satt gesehen und wieder gefangen. Sie trat zur Königin verbeugte sich formvollendet zu einem Knicks und senkte den Kopf: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag ihre Majestät.“ Simone lachte und bedankte sich lächelnd: „Schön, dass die Köchin schon da ist, das Kostüm sieht toll aus. Wenn Du magst, kannst Simone zu mir sagen oder eben Majestät, je nach Situation. Ich bin mir sicher, das bekommen wir problemlos heute Nacht hin.“
„Dürfen ich vorstellen, freundlichst? Simone Schmiedler die Königin der Nacht, Joe Schmiedler ihre première dame d'honneur und Anna, die Köchin.“, Raphaelá war in ihrem Element und hatte ihren französischen Akzent jetzt perfektioniert.
Sie reichten alle vier einander die Hand. Joe knickste sogar vor der Königin, sie war sichtlich ein nervös, musste sie sich doch erst in ihre ungewohnte Rolle als Zofe einfinden: „Und habt ihr alles im Griff, was müssen wir noch gemeinsam vorbereiten?“

Anna hatte intuitiv begriffen, wer hier das Sagen hat, war eindeutig Joe. Und die Köchin lächelte als ihr das klar wurde, was da so rausgeschmückt vor ihr stand, das war unmissverständlich ein rein weibliches Paar. Die Rollen in der Beziehung waren augenscheinlich nur für diesen Abend vertauscht. Annas Selbstbewusstsein war durch nichts zu erschüttern: „Alles fertig, nichts mehr zu tun, sogar der Sekt steht schon bereit.“
Joe schaute anerkennend in die Runde: „Gut, es duftet auch schon angenehm. Frage: Schafft ihr das auch wirklich zu zweit oder soll ich beim Bedienen nachher helfen?“
„Nein, nein, das klappt schon, wir haben die letzte Stunde alles besprochen. Sie kümmern sich bitte heute zu 100% um die Grande Dame. Wir machen den Rest.“, Anna stutze, durfte sie eine dringende Frage ergänzen: „Darf ich wissen, was ich bei den Gästen beachten muss?“
Simone erklärte kurz, welche Gäste erwartet werden. Das war in der Tat beeindruckend. Sie sollen einfach so tun, als ob diese kleinen Münchner Berühmtheiten ganz normale Menschen wären und auf keinen Fall irgendwelche Fotos machen. Auch bekamen sie erklärt, dass die anderen Gäste alle gebeten worden waren, in Abendgarderobe zu erscheinen. Somit waren sie vier die einzigen, die herausstechen würden mit ihren auffallenden Kostümen.
Joe wurde jetzt ein wenig ungehalten:
„Ok, genug geplaudert. Gutes Gelingen toi, toi, toi. Dann bauen wir Mal schnell den Empfang unten auf und wenn der erste Gast klingelt, kommen sie Raphaelá bitte mit einem Tablett mit Sekt nach unten. OK?“
„Natürlich, wie sie wünschen Joe.“
Als sie wieder alleine waren, konnte Anna nicht mehr an sich halten und musste die Neuigkeiten erstmal raussprudeln lassen: „Raphaelá warum hast Du mir nichts erzählt. Das gibt’s doch nicht, ich stehe da, mit offenem Mund und bekomm das schier nicht gebacken. Schmiedlers sind Frau und Frau Schmiedler. Die große mit den riesen Titten ist eine Königin aber in der Beziehung ist es eher die Kleine, die das Sagen hat, gelle?
Sie sagt DU zu dir und ihre Frau sagt SIE. Heute kommen lauter Leute die ich aus der Zeitung kenne und wir beiden mussten uns aufbrezeln als Eyecatcher. Es gibt lauter Spenden und du sollst mit Mörder High Heels und Sektgläsern die Treppe runterschreiten, VERRÜCKT.“
Sie sprudelte wie ein Wasserfall und unterbrach nur zum Luftholen.
„Gut wie du zusammengefasst,“ lachte Raphaelá und legte ihr tröstend den Arm auf die Schulter, „das werden ein lustiger Abend. Glauben mir. Und wir schaffen das.“
Dann nahm sie das Sekttablett mit den leeren Gläsern in die Hand, drehte sich wie eine Ballerina um ihre eigene Achse und lächelte sie an: „Die Treppe ist keine Probleme, ich tanze seit Jahren.“

„DingDong“
Als erstes kam der angekündigte ehemalige Fußballprofi mit seiner liebenswerten Frau. Selbst Raphaelá war sofort begeistert. Ralphs Vorurteile wurden heute sauber ausgeräumt, bisher hatte er Fußballer immer in die Schublade „mittel interessant mit beschränkten Möglichkeiten“ eingeordnet. Aber nicht dieser und seine Frau, sie waren beide vom ersten Augenblick an liebenswürdig, plauderten fröhlich und lobten auch sofort ihr Maid-Outfit mit schönen Worten. Nach und nach erschienen die weiteren Gäste aus Politik, von der Bavaria, aus der Kunstszene und andere nette Freunde. Eine illustre Gesellschaft und alle in sehr schöner Garderobe. Die Herren meist im Anzug oder Smoking, die Damen in Cocktailkleidern oder sie führten ihre Operngarderobe aus. Eine in der Tat optisch schön herausgeputzte Abendgesellschaft mit den vier auffallenden I-Tüpfelchen: Raphaelá la donne, Anna die Köchin sowie Joe die Zugehdame mit ihrer Königin Simone als Star des Abends.
Raphaelá spielte die französische Zofe zunehmend sicherer und servierte mit höfflichem Knicks und fröhlicher Ausstrahlung, ein jeder Gast fühlte sich gut versorgt, ohne dass Simone oder Joe einen Finger krumm machten. Ihr Akzent begeisterte die Gäste. Vor allem die Männer reagierten wie erwartet mit in die Länge gezogenen Bestellungen, langverweilenden Blicken auf dem Busen und Hinterherschauen auf ihre langen bestrumpften Beine.

Nach einer Stunde setzten sich alle an der geschmückten Tafel nieder, bekamen weitere Getränke ihrer Wahl geliefert und nun gab Joe das Signal mit dem Essen zu beginnen. Jetzt drehte Anna richtig auf, erklärte den Gästen liebevoll die Menüreihenfolge und die dargebotenen Speisen. Sie schenkten zu zweit behänd die Vorsuppe aus, immer schön von rechts und ließen keinen Zweifel, sie verstanden ihr Fach von der Pieke auf. Dann wurden Vorspeisenplatten gereicht, dazu frisches Brot und Salate. Die Gesellschaft kam in Fahrt, die vielen Unterhaltungen bildeten ein Rauschen, es wurde über den Tisch geprostet und viel gelobt und beglückwünscht. Die Garderobe der vier Gastgeber stand wie gewünscht im Mittelpunkt und bildete ein schönes I-Tüpfelchen zu den nobel gekleideten Feiergästen. Ein allein angereister Gast namens Jean-Paul war etwas anstrengend und flirtete abwechselnd mit der Köchin und der Zofe. Er war aber ein bisschen plump, ein wenig zu aufdringlich - ok nachvollziehbar angetan von den beiden Mädchen und er versuchte halt sein Eroberungsglück durch Redsamkeit.

Das servieren des Hauptganges war eine Meisterleistung, so zumindest die spätere Rückmeldung von Joe. Und wenn Joe so was sagt, dann hatte das einen Wert an sich. Loben war definitiv bei ihr ein seltenes Ereignis. Anna hatte alle Teller perfekt vorbereitet und wunderschön dekoriert. Der Vorwärmwagen war gepackt und sie fuhren unter Applaus in den Speisesaal ein, voller Fokus auf sie wie bei einem Staatsbankett. Die Köchin reichte der French Maid die einzelnen Teller und Raphaelà stellte diese perfekt ausgerichtet vor den jeweiligen Gast ab. Das Ganze nahm weniger als zwei Minuten in Beschlag, der flinken dennoch eleganten Bewegungen folgte ein jeder unter allgemeiner Bewunderung. Simone sprach anschließend einen kleinen Tost, bedankte sich für das Erscheinen und wünschte guten Appetit.

Die erste Pause seit Stunden nutzten Anna und Raphaelá zum Verschnaufen, plumpsten in die Küchenstühle und tranken Cappuccini.
„Geht’s noch mit den Schuhen?“
„Pas de problème.“
„Ich glaube wir haben das Gröbste geschafft“, stellte Anna zufrieden fest.
„Du bist einfach gut.“, lobte Raphalá.
„Wir!“
Sie schauten einander lange an, schlürften schweigend ihren Kaffee und eine Bande war entstanden, die keiner Worte bedarf. Ralph betrachtete sie wohlwollend und erwischte sich selbst bei dem Gedanken: ‚Die wäre eine für mich!‘
Er konnte es noch nicht sauber einordnen. Es war nicht das aufreizende Kochkostüm sondern die Person Anna, die ihn fesselte. Diese schaute sehr intensiv zurück. Diese dunklen Augen, hatten fast was italienisches. Dazu die kleinen Lachfalten in den Augenwinkeln, sicher nicht durch Griesgram entstanden. Zwei Grübchen recht und links der Lippen und ein kleiner Milchschaumkleks in der Mitte auf der Oberlippe. Sie war für ihn wundervoll und leicht und nahbar und so nahe, wie sie so schweigend zusammensaßen.
Ein ängstlicher Gedanke stellte sich kurz darauf bei ihm ein: ‚Was wäre wenn sie jetzt entdecken würde, dass er eigentlich ein Mann ist?‘
Raphaelá schüttelte den Gedanken weg, wenn sie entdeckt worden wäre, dann wäre es in Annas Gesicht lesbar. Diese bemerkte den veränderten Blick und fragte keck: „Was ist?“
„Nichts, ich denken nur gerade…“, Raphaelá war sich nicht sicher, ob sie es sagen wollte, tat es aber dann doch, „…ist mir noch nicht passiert.“
„Was?“
„Diese Arbeit macht mit dir…“, sie suchte nach Worten, „macht plaisir.“
„Na so was…“, lächelte Anna zurück, „…mir auch.“
„Gut so!“, antwortete Raphaelá um die Situation zu entspannen, „ich dachte schon du denken was Ernstes. Schön du hier und nicht irgendeinen l‘idot ou cruche.“

Das Menü war eine Stunde später mit einem kleinen Nachtisch beendet und Musik spielte auf. Ermattet vom Essen tanzte natürlich erstmal keiner. Jedoch der Wohltätigkeitszweck wurde jetzt in den Vordergrund geschubst.
Der ehemalige Fußballprofi machte den Anfang mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: „Ich schau mal wie oft ich den Ball noch jonglieren kann und ihr zählt reihum mit!“ Er holte einen Ball und die Gäste schauten zu und zählten eifrig. Bei 117 fiel ihm der Ball auf den Boden, was er mit einem: „Sorry…“, quittierte, „…ich hoffte, ich könne es noch besser, ich wird halt alt. So sind es halt jetzt 117 € als Spende.“
Derjenige der beim Mitzählen die 116 gezählt hatte, legte freudig nach: „Ok ich kann zwar nur fünf bin aber auch dabei, auch mit 117€“.
Der Abend nahm seinen Lauf. Ein Herr im Frack und Zylinder zauberte einen Hasen aus dem Hut und versteigerte diesen meistbietend. Eine südländische Frau eines Politikers zog sich um und erschien als Sarazene und führte einen Bauchtanz vor. Beeindruckend was sie so konnte, trotzt oder gerade wegen ihrer neunzig Kilogramm Lebendgewicht. Wer sagt eigentlich, dass Bauchtänzerinnen dürr sein müssen?

Zwischendurch begaben sie die Ersten auf die Tanzfläche, die Stimmung wurde zunehmend ausgelassener. Jean-Paul forderte zunächst Anna und dann auch Raphaelá zum Tanzen auf, was beide dankend mit dem Verweis auf die viele Arbeit ablehnten.
Der Höhepunkt des Abends war sicher der „kings speach“ von Simone. Sie erhob sich majestätisch und begann mit den Worten:
„Liebe Untertanen, ich bin heute extra ins 21. Jahrhundert gereist, um mit Ihnen meine Gedanken zu teilen.“ Kurze Pause bis sie sich sicher war, ein jeder hängt an ihren Lippen, „Es ist mit Ausnahme dieses Hauses hier in der Mitte einer Großstadt, die zu meiner Zeit noch ein Dorf war, ein trauriges Jahrhundert. Die Menschen haben jeden Stil verloren. Gruselig, peinlich, hässlich, sie tragen mehrheitlich Jeans und bunte Turnschuhe.“
Das wohlgekleidete Publikum tobte bereits jetzt vor Vergnügen. Mit königlicher Geste mahnte sie zur Ruhe und fuhr 12 Minuten fort mit einer wunderbaren Rede zum Zeitgeist, dem Verlust an Stil und dem Wert einer persönlichen Zusammenkunft ohne WahtsUp. Jeder im Raum kannte ihr Talent und ihre Qualität als Drehbuchautorin. Jedoch als Königin war sie über das bekannte Niveau herausgewachsen. Ein Bavaria Manager verbeugte sich im Namen aller Gäste tief, huldigte ihre Worte und endete mit:
„Game of Thornes braucht in der nächsten Staffel dringend eine Königin ihres Formates.“

Kurz vor dem Mitternachtssnack bot jetzt die Köchin Anna ihren Einsatz für eine Spende. Ein besonderes Privileg wurde versteigert: „Wer möchte die Torte anschneiden, der Königin das erste Stück reichen und ist mutig genug für eine Überraschung?“
Jean-Paul bot 100€, das Licht wurde ausgeschaltet und die Köstlichkeit auf einem Wagen hereingefahren. Er schnitt mit einem großen Messer selbstbewusst drauf los. Das löste einen Mechanismus im Innern aus und die Kerzen verwandelten sich in ein kleines aber eindrucksvollen Tischfeuerwerk.
„Und Du?“, fragte Joe direkt danach Raphaelá, „Was hast Du Dir ausgedacht?“
„Wer ist der beste Tänzer?“, fragte sie flüsternd zurück.
„Der Herr dort hinten, neben der fülligen Opernsängerin, der ist unschlagbar in allen klassischen Tänzen“
„OK, dann bitte ein Tango.“
Raphaelá bat den Herrn höflich um den Tanz und sprach laut, natürlich mit Akzent: „Liebe Königin, liebe Gäste, ich möchte sie erfreuen durch Tanzdarbietung. Der Herr hier ist so freundlich, den Anfang zu machen. Nachfolgende Interessenten bitte ich pro Tanz 20€ zu spenden.“
In der Tat er konnte wahrlich gut tanzen und sie waren von der ersten Sekunde ein Traumpaar. Das Paar war optisch nicht ganz zur Tangomusik passend – der Herr im Frack mit dem französischen Dienstmädchen - aber das machten sie mit Eleganz und Hingabe wieder weg. Es lag so viel Anmut und Kraft im Tanz der Liebe, die zwei waren beide überrascht, blindes Vertrauen als hätten sie schon hundert Mal getanzt. Beim letzten Takt verbeugten sie sich tief und er machte eine klare Ansage:
„Wir beide bieten unsere Tanzkünste meistbietend genau vier Mal an, jeweils zur Viertelstunde. Frau Königin entscheidet wer den Vorzug bekommt. Jetzt gehört erstmal die Tanzfläche wieder allen.“
Natürlich war Jean-Paul einer derjenigen, der unbedingt mit Raphaelá tanzen wollten und überzeugte die Königin mit einer großzügigen Spende, gleich der erste sein zu dürfen. Ängstlich bat diese daraufhin Joe: „Hätten sie kurz Zeit, können wir kurz sprechen?“
„Ja was gibt’s?“
„Jean-Paul, kennen sie den gut, er schüchtert mich ein wenig ein und will mir vielleicht an die Wäsche.“
„Mach Dir keine Sorgen, das will er ganz bestimmt.“, Joe war halt Joe und in diesem Fall sichtlich amüsiert.
„Er ist nicht mein Typ und wenn er beim Tanzen rausfindet, dass ich gar kein Mädchen bin?“
„Mädchen mach dir doch nicht so viele Sorgen, du bist doch erst 20. Wenn du heute nicht auf Männer stehst vielleicht dann morgen. Ich hab es mit den Jungs auch mal ausprobiert, war gar nicht so schlimm, wie ich immer dachte.“
Raphaelá war enttäuscht, das war definitiv nicht das, was sie als Unterstützung gehofft hatte zu hören.
„Wegen Jean-Paul keine Sorge. Der ist auf Jagt, fast immer und überall. Und wenn er erfolgreich war, wendet er sich sofort dem nächsten Ziel zu. Und, das mag ich ganz besonders an ihm, er prahlt nie und hat noch nie irgendwelche Details ausgeplaudert. Also selbst wenn er rausfinden würde, dass du ein Junge bist, er schweigt wie ein Grab, ganz sicher. Und, da bin ich mir ganz sicher, er nimmt auch einen Jungen mit nach Hause, das stört ihn nicht, vor allem, wenn er so lecker aussieht wie du.“
„Haben sie keine Idee, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme?“
„Definitiv NEIN, euer Angebot war eindeutig, Jean-Paul hat geboten und die Königin hat entschieden. Jetzt kneifen, gibt’s nicht…“, lautete die überaus klar formulierte Joe-Ansage, „…basta.“
Bedröppelt senkte Rapha den Kopf: „Na gut, da muss ich wohl durch.“
„Keine Sorge, ich bin ja in der Nähe“, diese kleine Aufmunterung von Joe zu hören, war wenigstens ein versöhnlicher Abschluss eines schwierigen Gespräches.

Jean-Paul war wie erwartet, das Wort Jäger traf es auf den Punkt. Freundlich und zuvorkommend aber das Ziel klar vor Augen. Er tanzte gut, das half zumindest, aber der Griff in ihren Rücken war fest und bestimmend. Sie wirbelten über die Tanzfläche und er genoss sichtlich ihre Nähe. Je länger der Tanz dauerte, desto dichter zog er die French Maid an sich heran. Zu allem Überfluss spürte sie nach kurzer Zeit seinen erigierten Schwanz in Ihrem Schritt. Er schaute ihr fortwährend in die Augen und darin war deutlich zu lesen, ich will dich! Jetzt sofort!
Raphaelá war mehr als froh, als die Musik verklungen war. Er jedoch hielt sie weiterhin fest umklammert, nicht gewillt, sie zu entlassen: „Erst ein Kuss!“, forderte er leise. Sie schaute ihn ängstlich an und entschied spontan, es so zu versuchen. Sie küsste ihn betont zärtlich auf den Mund und nutzte blitzschnell die falsche Hoffnung und Unaufmerksamkeit von Jean-Paul, um sich aus seinem Arm zu winden. Geschafft, das war knapp!

Jetzt kam Joe gerade rechtzeitig und passte Jean-Paul auf der Tanzfläche ab. Mit den ihr eigenen bestimmenden Worten legte sie unwidersprechbar fest: „Jetzt tanzen wir beide!“
So konnte Jean-Paul seiner flüchtenden Beute Raphaelá nicht mehr hinterhereilen und musste sich geschlagen geben.
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104. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 04.08.21 19:21

Wieder schöne Folgen, welche ich heute hier lesen durfte. Die ganze Geschichte gefällt mir immer besser, also weiter so!!! Ich freue mich darauf was es noch für Wendungen so geben wird!!!
105. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 14.08.21 19:45

Hallo K2,
wann geht es weiter?
Bekomme schon langsam Entzugserscheinungen.

LG

Toree
106. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Olle am 14.08.21 21:56

Ich schaue auch immer sonntags.... Weil doch einer der besten Geschichten ist
107. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 19.08.21 21:52

Hallo K2 ich hoffe dir geht es gut und hoffe das deine Geschichte hier bald weiter geht.
108. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von folssom am 20.08.21 00:29

Ich freu mich auch auf eine Fortsetzung.

Ist halt Urlaubszeit, da wartet man halt etwas länger.
109. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 22.08.21 11:27

@ all,
Danke für Eure Geduld, das Lektorieren des nächsten Teils hat urlaubsbedingt etwa länger gedauert. 3.8 bis 22.08. das sind wohl zwei Sonntage ausgefallen. Sorry liebe Fangemeinde. Ich gelobe Besserung.

@ Erin, Toree, Olle, folssom,
Danke für Eure aufmunternden Worte.
Bleibt neugierig

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und jetzt geht es weiter mit dem 20. Teil der Veröffentlichung:
1.) etwas länger als sonst üblich
2.) ... dieses Mal mit dem Versuch etwas strenger mit Raphaela zu sein, GRINS ...
aber lest selbst ...


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.......Jetzt kam Joe gerade rechtzeitig und passte Jean-Paul auf der Tanzfläche ab. Mit den ihr eigenen bestimmenden Worten legte sie unwidersprechbar fest: „Jetzt tanzen wir beide!“
So konnte Jean-Paul seiner flüchtenden Beute Raphaelá nicht mehr hinterhereilen und musste sich geschlagen geben.

In der Küche schnaufte Raphaela erstmal tief durch: „So ein Depp!“
Dann ließ sie sich auf den Stuhl plumpsen und beschwerte sich lautstark bei Anna ihrer neuen Vertrauten und Freundin.
Diese grinste belustigt, zuckte mit den Schultern und meinte schadenfroh: „Was hast du denn? Der Jean-Paul tanzt doch ganz brauchbar. Hat mir mit ihm auf jeden Fall Spaß gemacht. Und sein gutes Stück…“, Anna leckte sich gekünstelt über die Lippe, „…ist kuschelig und spürbar groß. Damit kann man sogar schon beim Tanzen was anfangen und schön ein bisschen rumrubbeln. Hab dich doch nicht so, du bist doch schon lange keine Jungfrau mehr.“ Sie zwinkerte mit dem Auge und lächelte wohlwissend. Das Herunterspielen der Situation und die Leichtigkeit beruhigten Raphaela und dann bekam sie ihr erstes Glas Sekt des Abends gereicht: „Wenn Du ihn nicht willst, vielleicht nehm ich ihn mir dann. Mal schauen wie müde ich nachher bin und ob mich sein Tanzen weiter anmacht. Aber du hast das Vorkaufsrecht, so närrisch wie der an dir dran ist.“
Raphaela entspannte sich nach dem ersten Glas merklich, schenkte beiden ein zweites nach und prostete der Köchin zu.
Jetzt mehr als junger Mann und irgendwie wieder Ralph schaute er ihr beim Trinken zu und stellte mit innerer Freude fest: ‚Ich mag sie…‘, und kurz darauf ‚…es wäre mit nicht recht, wenn sie heute mit irgendeinem X-beliebigen Jean-Paul rumvögelt…‘ und ‚…ich glaube ich habe mich verliebt.‘
Sagen tat sie aber was anderes: „Also ich fasse mal zusammen, Jean-Paul ist nicht mein Typ…“ ups sie hatte fast den Akzent vergessen. „…non l‘amore. Tu kannst ihn haben. Aber ich glauben, wir sind beide zu gut für diesen Jean-Paul. PROST.“
Zum Glück hatte Anna nichts vom plötzlichen Akzentverlust bemerkt, sie war irgendwo im Gedanken zwischen aufkommender Müdigkeit, Sekt, Freundinnenplauderei und Jean-Paul.

Da kam der Typ auch schon wieder angewackelt und war sichtlich erfreut, sie beide in der Küche anzutreffen. Raphaela hatte jetzt die beste Ausrede der Welt, sie hatte ja Verpflichtungen bei den Gästen mit Getränkeausschenken.
Aber auch Anna war jetzt nicht mehr ganz so scharf auf ein Abenteuer mit Jean-Paul erpicht, der Sekt hatte seine Wirkung die letzten Minuten entfaltet, sie wurde müde. Auch sie entschuldigte sich mit der Küchenarbeit und begann den Backofen zu schrubben. So leicht gab Jean-Paul leider nicht auf und belagerte standhaft die Küche. Joe kam kurz darauf und bat ihn zu gehen, sie müsse die Rechnung mit dem Service-Personal durchsprechen. Was sie natürlich dann nicht tat, der Trick war wohlüberlegt. Sondern sie bedankte sich bei Anna und lobte ihr Essen. Auf Joe war halt verlass, Hilfe in der Not.

Die Party endete weit nach Mitternacht. Die Gäste verließen nach und nach die Villa und die beiden Mädchen waren schwer beschäftigt mit Aufräumen, Spülen und Putzen. Die Königin Simone persönlich komplimentierte den letzten Gast - den sichtlich enttäuschten Jäger Jean-Paul – um halb vier aus der Tür.

Jetzt ganz unter sich in der Küche tranken alle vier einen letzten müden Sekt. Joe und Simone waren sich ausnahmsweise mal ungewohnt einig, bis ins letzte Detail war es ein überragendes Geburtstagsfest geworden, jeder Gast zufrieden und die Spendeneinnahme übertrafen jede Erwartung.
„Wir müssen jetzt ins Bett, was ist mit ihnen Anna, wollen sie bei uns übernachten oder noch heimfahren?“, die Frage kam unvermittelt und die French Maid wurde hellhörig, „Raphaelá hat sicher Platz genug für zwei in ihrem Gästezimmer, oder?“
Ralphs Herz hüpfte vor Freude: ‚Bitte ja‘, war sein erster Gedanken, der zweite wart nüchtern, ‚Bitte nein! Wie soll ich ihr erklären, dass ich in Wirklichkeit ein Mann und ihr Nachbar bin.‘ Mit festem Blick ins Glas sagte er beiläufig: „Qui, ihr Gästezimmer seien sicher groß für zwei.“
Anna war beschwipst und nicht mehr ganz Herr der Situation: „Danke Joe und Simone, dass seien sehr nett…“ Sie sprach jetzt auf einmal auch mit französichem Akzent, „…aber zu spät, le Taxi kommen in 3 Minuten, Chef zahlt.“

Schweigend tranken Anna und Raphaela jetzt allein in der Küche ihre Gläser leer. Sie gingen zur Haustür und verabschiedeten sich mit einer langen Umarmung. Beide spürten die Müdigkeit nach einem arbeitsreichen Tag und einer langen Nacht. Dennoch konnten sie sich kaum voneinander trennen. Der Taxifahrer hupte, Anna schaute ihrer neuen Freundin ins Gesicht und küsste sie einfach so auf den Mund. Raphaelá erwiderte den Kuss freudig, ein wenig zu lang und zu stürmisch. Es war weit mehr als ein Abschiedsküsschen.
„Wir sind das beste Team der Welt. Versprich mir, dass Du mich anrufst!“, Anna schaute Raphaelá direkt und eigenartig verliebt in die Augen, oder täuschte das und es lag nur am übermäßigen Alkoholgenuss?
„Versprochen“, flüsterte dieses Mal ganz und gar der männliche Ralph.
Erneut erklang die Hupe des Taxis
Schwupps weg war Anna, ganz ohne zu bemerken, dass da ein Mann gesprochen hatte - sie war wohl doch schon zu müde oder zu glücklich oder beides.
Ralph stand noch lange in der Tür und fühlte sich wie im siebten Himmel, der Kuss wirkte unendlich nach.

*****

Am folgenden Sonntag war erstmal für alle drei Ausschlafen angesagt. Ralph war schwer enttäuscht, als dann gegen Mittag ein Mann der Cateringfirma das Geschirr abholte, er hatte die liebgewonnene Anna sehnsüchtig erwartet. Andererseits er hatte ja die Telefonnummer von ihr, er bräuchte ja einfach nur anrufen. Er war hin- und hergerissen es jetzt sofort zu tun. Aber er tat es dann doch nicht, nicht an diesem Sonntag und auch in der folgenden Woche nicht obwohl er ständig an sie dachte. Das Ganze war seiner Meinung nach so schon kompliziert genug, er wollte diese verzwickte Situation keinesfalls weiter verschlimmern.
Ein tröstlicher Gedanken setzte sich bei ihm fest: ‚Sie ist ja meine Nachbarin und da sehe ich sie ja bald wieder und dann als Ralph. Das sind deutlich besseren Vorzeichen als jetzt ein Anruf als Raphaelá mit albernem á und Akzent, oder Raphaela die erklären muss, dass sie nicht aus Frankreich stammt oder als Ralph, der wahrscheinlich alles zerdeppert, was gestern entstanden ist. Ich lass das mit der Telefoniererei, bringt nichts.‘

Der Sonntag dümpelte so vor sich hin, alle drei Hausbewohner brauchten dringend eine Erholung. Die Schmiedlers waren in guter Stimmung und sehr nett, sie hatten während des späten Frühstücks - unbemerkt für Ralph - ein verführerisches Verkleidungsangebot im Mädchenzimmer aufgebaut. Dann begaben sie sich scheinheilig in den Garten mit der Andeutung, sie müssten jetzt den verlorenen Schlaf der letzten Nacht in den Liegestühlen nachholen. Ralph tappte in die Falle wie am ersten so auch am zweiten freier Sonntag. Eigentlich war für ihn auch mal Zeit angesagt, ausgiebig Nichts zu tun oder eben doch wieder auf Entdeckungsreise gehen. Das mit dem Nichtstun hatte sich schnell erledigt, dafür hatte Joe gesorgt, es wurde vielmehr eine große Entdeckungsreise, vergleichbar mit Christoph Columbus anno 1492 und erneut wurde es spät. Erst kurz vor Mitternacht endete dieses Makeover und sie kam zurück auf ihr Mädchenzimmer.

*****


Liebes Tagebuch!
Ich schreibe nie Tagebuch, wirklich nie in meinem ganzen Leben.
Aber das muss jetzt mal sein.
Es ist fast Mitternacht – aber - wenn ich das jetzt nicht aufschreibe, dann wird das später nichts mehr und Schlafen kann ich jetzt sowieso nicht.

Ich komme heute Mittag nach dem Frühstück auf mein Zimmer zurück und traute meinen Augen nicht.
Da hängt doch tatsächlich das Kleid vom gestrigen Abend - ja genau das eine königliche Kleid, der Traum schlechthin, das Kleid, dass Simone vor 12 Stunden bei ihrer Geburtstagsparty trug. Dazu ein kleiner Zettel:

Raphaela,
wir danken Dir für gestern
viel Spaß mit dem Kleid beim Anprobieren
steht Dir bestimmt gut
und komm unbedingt damit runter
wir wollen Dich bewundern!!!!
Nur wenn Du magst - natürlich - kein Zwang oder so - ist ja Sonntag.
MfG Simone & Joe


Daneben hatten die Frauen auch noch die rote Perücke und zwei riesige Monsterbrüste aus Silikon hingelegt.
Die Möpse sahen in der Tat denen von Simone zum Verwechseln ähnlich.
Ich wog sie in der Hand und kann versichern, mehr als ein Kilogramm schwer je Stück.
Mein Wunsch, dieser Versuchung zu widerstehen, hielt nur wenige nachdenkliche und müde Sekunden.
Ich strich liebevoll über dieses karmesinrote Kleid und meine Rezeptoren der Hand meldeten ein kuschliges Gefühl vom Materialmix von Samt und Seide, verwebt mit feinem Zwirn zu herrlichem Brokat.
Eine kleine Handbewegung über das Kleid genügte und jeder Widerstand war gebrochen die Müdigkeit verflogen.

Es gab kein Halten, ich war erlegen und sprang wie ein Blitz beschwingt unter die Dusche.
Ich wusste in diesem Augenblick ganz genau, wie ich den Rest des Sonntages verbringen will.
„Heute Nachmittag bin ich Elisabeth die erste.“
Die Vorfreude war so groß, dass ich ganz hibbelig wurde und meine Gefühle Purzelbäume schlugen, schon unter dem Wasserstrahl der Dusche steigerte ich mich hinein.
Der erste Schritt begann noch im Bademantel, das königliche Schminken gestaltete sich aber ganz anders als sonst.
Es galt für mich erstmals in meiner noch recht kurzen Maskenbildnerkarriere, eine blasse Dame aus dem 16. Jahrhundert zu zaubern.
Inspiration gab es im Internet und in den Schubladen von Melanie fand ich alles, was ich dazu brauchen würde.
Cate Blanchett von 1999 als Elisabeth I. war die schnell gefundene Vorlage und ich malte einfach mal los mit dieser wunderbaren Frau als Zielbild.
Ganz viel weiß und blasser Teint, wenig Augenmakeup, leicht rosa Mund und dazu einen Hauch Rouge auf die Wangen.
Das sah ohne Perücke, mit meinem eigenen nassen Haar, streng nach hinten gekämmt, ziemlich ungewöhnlich aus.
Liebes Tagebuch, das kannst du mir glauben ohne dass Du es siehst.
Wie eine weiße Maske bei einer blassen Puppe mit Glatze.

Meine eigene Haarpracht trocknete ich per Föhn und bändigte sie mit ganz viel Gele und zusätzlich fixiert mit einem Gumminetz.
Dann zurrte ich die tiefrote Rokkoko-Perücke fest auf meinen Kopf, schüttelte den Kopf, das saß bombenfest.
Die Robinien und der andere Schmuck in den Haaren glitzerten im Licht und unterstrichen die gehobene Stellung des Kostüms.
Die Veränderung war gravierend, das glaubst du nicht liebes Tagebuch.
Eben noch Glaskopfpuppe verwandelt in Cate Blanchett und weit entfernt vom gewohnten Bild der Hausangestellten Rapha, im Spiegel eine Königin.
Eindeutig eine junge Rokokodame, genau wie die Vorlage im Film. Ich schaute mir selbstbewusst im Spiegel entgegen, mit ernstem königlichem Blick signalisierte ich meine Machtposition.
Wow.



Das Internet sagt, für den Film „Elisabeth“ gab es nur einen einzigen Oskar, für Makeup und Frisuren.
Den hätte ich heute auch verdient.

Wie das wohl wäre, wirklich damals gelebt zu haben?
16. Jahrhundert am Hofe diese tollen Kleider, immer im Mittelpunkt, immer viele Bedienstete, die nur danach lechzen, meine Wünsche zu erfüllen.
Ich wäre unbrauchbar zum Regieren, soviel steht fest.
Den ganzen Tag würde ich mich kostümieren lassen und Feste feiern.
Wenn ich mir es recht überlege, ich würde wahrscheinlich das Land ruinieren.
Und ich hätte Mätressen, mindestens zwei oder drei?
Wahrscheinlich noch viel mehr.
Mit meiner Macht, würde ich mit dem Finger auf jedes Weib zeigen, das mir gefällt und Schwupps, wäre sie in meinem Schlafzimmer.

Oh ich schweife ab.

Ich durchsuchte die Unterwäscheschubladen nach einem passenden BH für diesen gigantischen Busen und wurde sogar fündig.
Eine sehr stabile Brustkorsage konnte die je ein Kilo schweren Silkonkissen ganz gut aufnehmen.
Diese BH-Korsage war ein Monstrum, breit und hoch und extra stabil und konnte selbst dieses Gewicht an Ort und Stelle halten.
Weißt liebes Tagebuch, die Firma Triumpf ist der Hersteller für diese Problemfälle der Frauenwelt und kennt sich bestens aus, das spürte ich sofort.
Es fühlte sich an wie beim Wandern, nur dass ich hier den Rucksack vorn hatte.
Von der Frontlast kippte ich ein wenig nach vorn und muss sofort meinen Rücken ganz schön durchdrücken.
Die Firma Triumpf und ihr schönes steifes Bustier war Lösungshilfe.
Meine Gefühlswelt war überraschend angetan, fröhlich, fast ausgelassen wippte ich mit meinem neuen gigantischen Vorbau.
So einen großen Busen hatte ich mir schon lange einmal gewünscht auch ohne genau zu wissen, wie Simone jeden Tag damit klarkommt.
Bei mir fühlte es sich sehr gut an.
Ich wackelte ein bisschen vor dem Spiegel damit rum und stellte erfreut fest, big boobs passt zu Rapha gut.

„Richtig weiblich“ beschreibt es am besten.
So tanzten meine Gedanken im siebten Himmel und konnte gar nicht aufhören mit dem Rumgewackel.
Das angenehme Gefühl betraf nicht nur den Oberkörper, sondern auch den Rest und meine Seele.
Schlagartig war ich meinem MILF-Idol Barbara Schöneberger nahe.
Eine Frau mit Wow-Effekt und ganz viel Sexappeal, so wollte ich heute gern sein, eine begehrenswerte Rubensfrau mit allem Drum und Dran.
Die Anstrengung mich gerade zu halten, ist keine wirkliche Last.
Wie soll ich es beschreiben: „Es ist eine Lust mit der Last!“, und das spürte ich sofort mit jeder Faser meines Körpers.
Auch meine Libido wurde durch diese Brüste sofort angesprochen.
Liebes Tagebuch, ist das nicht ambivalent?
Einerseits ist es eine Qual diese Kilos zu stemmen und zu ertragen, andererseits erregt es mich und bringt mich in den siebten Himmel.
Mein kleiner Penis beginnt sofort zu rebellieren und wächst.
Am liebsten hätte ich ihn gestreichelt.
Ich musste mich zur Ordnung rufen und disziplinieren, sonst hätte ich mich vor dem Spiegel mit Haut und Haaren in mich selbst verliebt.
Ganz kurz vor einer Katastrophe a la Narziss, der so stark in sein Spiegelbild verliebt war, dass er starb, riss ich mich los.
Das war echt knapp.

Eine passende weiße Strumpfhose war schnell gefunden und angezogen.
Das sah lustig aus, bis zum Bauchnabel blickdicht weiß.
Ich schnappte mir das Kleid und war total verwundert, wie schwer und steif das Kostüm ist.
Da haben die Simone und Joe für einen Geburtstag aber echt tief ins Portemanier gegriffen.
Wer hat - der kann.
Genau so habe ich mir die Mode des 16. Jahrhunderts vorgestellt, schwere Stoffe, hochwertig und voller Pracht und so ausladend schwer, weit entfernt von den heutigen Luftikus-Materialien.
Ich wog das Kleid in der Hand und verglich es mit meiner Erfahrung.
Glaub es oder nicht, das Elisabeth-Kleid wog so viel wie ein voller Wassereimer und war so steif wie ein Rohrstock.
Den großen Rockteil kann man einfach so auf den Boden stellen, der fällt nicht um, so wie eine Spielfigur bei Mensch-ärgere-dich-nicht.

Ich kletterte von hinten rein.
Der Rückenreißverschluss reichte bis zur Mitte vom Po, so ist es erstaunlich einfach beim Einstieg.
So stand ich mitten drin im Rock und schlüpfte in die Ärmel rein und oben rum passte alles perfekt zum DD-Busen.
Der anschließende Versuch den Reißverschluss zu schließen scheiterte kläglich.
Genau beim Ende der Po-Ritze war Feierabend.
Im Spiegel sah ich hinten ein großes V, deutlich zu wenig Stoff im Kleid oder zu viel Taille bei mir, je nach Betrachtungswinkel.
Sollte ich aufgeben?
Nein auf keinen Fall, kennst mich ja liebes Tagebuch.

Ich kletterte wieder raus aus dem Kleid und durchstöberte die Schränke nach einem brauchbaren Korsett für den meinigen Teil des Problems.
Auf Anhieb war aber nichts zu finden, was nach einem Korsett aussah.
Mit dem Maßband fand ich erstmal am Kleid heraus: 67cm Bauchumfang würde ich brauchen.
Frage nicht, was ich da mit dieser Erkenntnis dachte!
Der Ausdruck „Verzweifelt zwischen Tränen und Panik“ trifft es ganz gut.
Das Kleid war soooo schön – zuuu sehr tailliert – nicht für mich gemacht.
Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren und schrie: „Ich will da rein!“
Mit mulmigem Gefühl im Bauch schlich ich zu dem Tisch hinten im Ankleidezimmerzimmer, der Tisch mit der Strafliste und dem Punkteabbauplan.
Dort lag noch immer das buckelharte Strafkorsett mit den vielen Schnallen.
Würde dieses das Kleid möglich machen?

Da stand ich nun ich armer Torr und war so schlau als wie zuvor.
Sollte ich es wirklich versuchen, mich in dieses Folterinstrument rein zu quetschen.
Ein kleines Argument sprach eindeutig dafür, es zu versuchen, ich hatte ja in den letzten zwei Wochen einiges an Gewicht abgenommen.
Vielleicht klappt es ja heute besser als zu Beginn meiner Zeit hier im Hause Schmiedler.


*****

Derweil spielte sich im Wohnzimmer folgende Szene ab.
„Sie wird es tun, habe ich doch gesagt!“, rief Joe freudig ihrer Frau Simone zu.
Simone war noch im Bad und etwas ungehalten: „Warum hast du schon wieder den Fernseher an und beobachtest Ralph, du weißt doch, ich mag deine Spionagekameras nicht.“
„Aber ich mag es zuzuschauen.“, grinste Joe breit.
„Lass ihn doch in Ruhe, er hat zwei Wochen keinen einzigen weiteren Strafpunkt bekommen, das wird seinen Grund haben, er hat Angst vor den Strafen. Wenn er auf deine Spielchen stehen würde, hätte er längst zusätzliche Dummheiten angestellt. Macht er aber nicht, akzeptier das doch!“
„Abwarten! Schon klar, er ist nicht so eine devote Schlampe wie Melanie, das steht fest. Ich glaube aber, das kommt noch, wirst schon sehen. Bei dem Kleid wird er schwach, er sabbert schon.“, Joe wollte Recht behalten, soviel war klar.
„Du bist ungerecht und irgendwie auch noch ein bisschen gemein. Ich weiß nicht so recht was dich geritten hat: einmal bestellst das Königinnen-Kleid für mich mit Taille 79 und ein zweites Mal für ihn mit 67. Du bist nicht nur reich, sondern auch eine unverbesserliche Sadistin.“
„So bin ich halt.“, Joe zuckte mit den Schultern und lächelte diabolisch.
Jetzt standen beide Frauen vor dem Fernseher und beobachteten, wie sich das Mädchen mutig das Strafkorsett umlegte.
„Sag ich doch, sie macht‘s“, triumphierte Joe und gab ihrer Frau einen freudigen und hibbeligen Kuss.

*****

Du glaubst es nicht, liebes Tagebuch, was ich dann tat.
Ich legte mir dieses Strafkorsett freiwillig um und drückte die Bügel von diesem Ungeheuer, von unten beginnend Schnalle für Schnalle zu.
In die erste Raste das ging noch so lala.
Auch das strengte mich schon sichtlich an, allein diese leichte Stufe zu schließen.
Es ging besser als vor zehn Tagen – OK - aber trotz Diät weit entfernt von easy going.
Oben an den Rippen und unten an der Hüfte das ging einigermaßen leicht aber die mittleren drei Schnallen waren eine Kraftanstrengung wie im Fitnessstudio.
Geschafft, nicht ganz glücklich stand ich vor dem Spiegel, atmete unrund und befühlte meine neue Panzerung.
Erst nach weiteren fünf Minuten hatte ich mich wieder im Griff, aber nicht weil etwa der Druck nachließ!
Nein, weil ich schon wieder vor dem Spiegel stand und mein Ebenbild einfach nur geil aussah.
Dann kletterte ich ins Kleid und war hammermäßig enttäuscht.
Die Dicke des Korsetts selbst hatte ich nicht bedacht, der Außendurchmesser war noch immer fast 70 Zentimeter.
Das Kleid zeigte zwar jetzt eine kleinere V-Lücke zwischen den Zähnen des Reißverschlusses, aber mindestens zwei Zentimeter klafften noch.
Aber trotz meines Zerrens mit voller Kraft, da ging nichts voran.
Auch hatte ich Angst, das Teil ernsthaft zu beschädigen.
Mir war klar, wenn ich das Kostüm zerstören würde, dann gäbe es zu Recht Ärger und mein kleines komfortablen Strafkonto von nur zwei Punkten würde nach oben schnellen.

Was tun?
Was würdest du vorschlagen liebes Tagebuch?
Aufgeben?
Nein, niemals, jetzt packte mich der Ehrgeiz.
Ich kletterte erneut aus dem Kleid raus und schritt nachdenklich und unentschlossen im Raum rum.
Gab es denn überhaupt eine Lösung?


Derweil saßen Simone und Joe noch immer genüsslich vor dem Fernseher:
„Ich wette ein Abendessen, sie wird versuchen die zweite Stufe am Korsett zu erreichen.“, Joe aß Studentenfutter und war nervös wie bei einem Action-Thriller.
„Ich wette nicht…“, Simone war noch immer genervt, dennoch schaute auch sie auf den Bildschirm und klaute ihrer Partnerin die Rosinen raus. „…Ok ich halte doch gegen,“, dann dachte sie noch ein bisschen nach, „Er ist verdammt schlau, er merkt in den nächsten Minuten, dass du ihn mit der Taillenweite gelinkt hast. Er weiß doch, dass ich nie und nimmer 67 habe. Ralph kommt gleich runter und schreit Zeter und Mordio und dann bist du fällig. Der Junge hat ein schlaues Köpfchen und erfasst gleich die zwölf Zentimeter Unterschied zu meinem Kleid.“
„Nö merkt sie nicht, sie ist jetzt nicht Ralph. Sie ist so vernebelt von dem Gedanken an das Kleid. Komm schlag ein, Top die Wette gilt.“
„Spätestens beim Hals habe ich die Wette gewonnen. Wieviele Zentimeter hast da kleiner gemacht?“
„Nur Drei!“
„Oh Gott, du perverse Dom.“.
Das breite Grinsen von Joe war diabolisch.

*****
Und dann liebes Tagebuch hatte ich eine richtig gute Idee, fast schon genial.
Ich bin halt ein schlaues Köpfchen.
Ich ging zur Sprossenwand, hielt mich ganz oben fest und ließ meinen Körper aushängen.
Diese Streckkur wird helfen, da war ich mir sicher.
Gewusst wie und in der Tat, nach drei Minuten rumhängen, fühlte sich das Korsett weniger eng an.
Nach weiteren Minuten versuchte ich mutig mein Glück.
Schnalle für Schnalle kämpfte ich eine Stufe enger, immer wieder mit langen Pausen dazwischen und immer wieder an der Sprossenwand abhängen, Schnalle versuchen, abhängen, und so weiter.
Erst nach einer viertel Stunde hatte ich es mit der zweiten Raste komplett geschafft und war fix und fertig.
Ich war dementsprechend total aus der Puste.
Und siehe da, jetzt passte das Kleid nahezu perfekt zur Körperkontur.
Ich war endlich drin in MEINEM Kleid.

Aber leider nur bis zum Hals ging der Zipper nach oben, dann war da irgendwie Schluss.
Der weiße Rüschenkragen, so große wie ein Wagenrad schlabbert formlos rum und war doch nicht so einfach schließbar.
Kennst mich ja Tagebuch, aufgeben ist nicht.
Der Spiegel zeigte mir, der Kragen war hinten zu schließen wie ein Steckschloss.
Drei kleine Pins mussten einfach in die gegenüberliegenden Löcher rein und fertig.
Ich versuchte mein Glück mit Drücken und durch Fummeln, musst den Kopf aber weit nach oben strecken, um den Mechanismus annähernd zusammen zu führen. Jetzt glitten die Pins ins Gegenstück, aber rutschte immer wieder raus.
Ich bin ein Fuchs und überlegte gut.
Logisch, das Halsband rasten erst ein, wenn es voll geschlossen ist.
Ich drückte wie wild aber es half nichts mit bloßer Handkraft fehlte etwa ein Zentimeter.
Dann hatte ich Dussel die blöde Idee einen Ledergürtel zu nehmen.
Auf so einen Schwachsinn muss man erstmal kommen.
Ich legte das Lederband um den Hals, fädelte das Ende durch die Gürtelschnalle und zog kräftig an dem freien Ende.
So ging es deutlich besser und um einiges enger als vorher, jedoch fehlten immer noch zwei, drei Millimeter.

Bei Simone hatte es gestern doch auch geklappt, warum?
Also kann ich das auch!
Ich knüpfte das freie Ende des Gürtels an der Sprossenwand fest, blickte auf den Knoten und ließ meinen Körper langsam schräg nach hinten fallen.
Dann musste ich ein wenig warten bis ich die neue Enge ertragen konnte.
Ging so lala.
Also drückte ich mich mit den Armen ein wenig nach.
Es ging noch ein wenig enger ohne mich zu strangulieren.
Ein bisschen noch, dachte ich.
Ich strecke das Kinn weiter nach oben und gebe der Konstruktion einen kleinen Ruck mit dem ganzen Körper und es machte KLICK.
Autsch war das eng, keinen Millimeter konnte ich mehr den Kopf bewegen.
Ich rannte zum Doppelspiegel und versuchte sofort krampfhaft den Öffnungsmechanismus zu finden.
Nichts zu machen, so sehr ich auch tastete, suchte und zerrte.
Ich ermahnte mich zur Ruhe:
Nur keine Panik! Ich kann atmen! Alles halb so wild!

Dann kam die schlagartig die Erkenntnis: Ich war in eine Falle getappt.
Jetzt konnte ich mich nicht mehr aus dem Kragen befreien.
Auch der Reißverschluss war abgedeckt, das Kleid war nicht mehr ausziehbar.
Und als Konsequenz, war auch das viel zu engen Korsett nicht mehr erreichbar.
Resignierend setzte ich mich aufs Bett, kämpfte gegen mein Unwohlsein und ließ mich einfach kraftlos nach hinten fallen.

Liegen tat gut, das kannst Du mir glauben, liebes Tagebuch.
Ich war hin und her gerissen von meinen Gefühlen: ‚Ich will ganz dringend wieder aus dem Kleid raus, es ist zu eng am Hals, das Korsett ist eine Qual, ich kann nicht richtig atmen.‘
Auf der anderen Seite fühlte es sich auf wundersamer Weise gut an: ‚Ich bin eine Königin mit wahrlich königlicher Ausstaffierung und majestätischem Antlitz.‘
Gerade gestreckt, aufrecht, den Kopf in einer hochnäsigen Haltung.
Der gut gefüllte DD-Brustkorb hob und senkte sich vor meinen Augen bei jedem Atemzug.
Weitere Gedanken schwirrten in meinem Kopf rum:
‚Warum tue ich mir das an? – ‚Was für eine böse Falle von Simone und Joe!‘ – ‚Will ich das wirklich?‘ – ‚Zwei Wochen Schufterei, für so wenig Geld!‘ – ‚All die wunderbaren Klamotten für lau.‘ – ‚Bin ich devot?‘ – ‚Oder pervers‘ – ‚oder beides‘ – ‚egal, das Leben ist zu kurz, Abenteuer auszuschlagen‘ - ….
und ich dachte auch kurz an Anna.


Derweil im Wohnzimmer ein Triumpfgeschrei von Joe: „Gewonnen!“
Und Simones schmollen: „Ja, ja, jetzt bist du wohl auch noch Stolz auf deine Gemeinheiten? Da habe ich den Ralph doch überschätzt, der ist so geil auf das Kleid, der ist zu keinen klaren Gedanken fähig und entdeckt nicht einmal deine plumpen Fallen.“


Nach einer Viertelstunde erhob ich mich mühsam, der Körper hatte sich ein wenig an die Restriktionen gewöhnt.
Ich schaute in den Spiegel, und schon war der Schmerz vergessen, mehr noch, ich war schlagartig begeistert von meiner Erscheinung, von der Perfektion der Verwandlung zur Königin.
Kurzatmig betrachtete ich mich ausgiebig.
Das darfst Du mir glauben liebes Tagebuch, ich wusste jetzt wie es Narziss ergangen war, und warum er sich vor dem Spiegelbild im See verzehrte.
Ich bin die schönste Elisabeth die es je gegeben hat.
Diese Frau dort war mehr als ein Traum, mehr als ein bloßes Kostüm.
Jede Faser meines Körpers unterstrich durch wonnige Schmerzen den Preis, den ich bereit bin, dafür zu zahlen.
Oh Tagebuch was war da bloß geschehen, ich hatte mich selbst in ein Folterkorsett begeben und am Hals stranguliert, nur um die schönste Frau der Welt zu sein.
Mehr noch, ich liebte jeden Quadratzentimeter dieses neuen Ichs.
Und dann versuchte ich probehalber tiefer zu atmen: „Autsch!“, der dadurch ausgelöste Schmerz trieb mir eine Träne ins Auge.
Beschämt muss ich zugeben, ich hechelte und stierte minutenlang vor dem Spiegel mein Ebenbild an und frivoler Weise stieg die Erregung in jeder Pore meines Körpers.
Stell dir das mal vor, was für ein Miststück ich bin, ich nestelte nervös an meinem Schritt.
Mein erregtes Glied kämpfte in der Strumpfhose um Platz.
Von außen durch den steifen Rock konnte ich ihn nicht stimulieren.
Den Rock zu heben und direkt anzugreifen ging nicht, alles buckelsteif und unerreichbar.
Der Himmel auf Erden, so schön und gleichzeitig keine Chance die Selbstliebkosung zu vollenden.

Ich konnte meinen Blick eine Ewigkeit nicht abwenden und war gefangen in meiner Traumwelt.
Dann lief ich durchs Zimmer, beobachtete mich selbstverliebt beim majestätischen Schreiten.
Da entdeckte ich eine kleine Unvollkommenheit, der Rock schliff unschön über den Boden.
Um das auszugleichen, musste ich wohl die hohen Pumps von der French Maid von gestern wieder anziehen.
Das hinzubekommen war mit der gestreckten Körperhaltung und ohne meine Füße auch nur Ansatzweise zu sehen, mehr als mühevoll und dauerte eine Weile.
Der Narzissmus-Bann war durch diese Mühe mit den Schuhen gebrochen.
Schnell noch ein paar Spritzer Parfüm und dann bin ich ab nach unten.
Wow war der Applause der Hammer.
Wow, wow und nochmals wow.

Was dann noch passierte, war aber auch nicht von schlechten Eltern. Den Rest schreibe ich später auf - oder nie – es ist ein Uhr und ich bin müde.

Danke für das Zuhören, liebes Tagebuch, musste ich unbedingt loswerden.
Gute Nacht.

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Text
Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 86800 +9400 gegenüber dem 3. August - fast 10.000 in der Sommerpause, nicht schlecht. Da freut sich das Autorinnenherz.
110. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 22.08.21 16:21

Wow, was für eine Fortsetzung!

Ich hoffe du hattest einen erholsamen Urlaub, das warten hat sich gelohnt!

Bin echt gespannt ob wir den restlichen Verlauf des Sonntags miterleben dürfen?
111. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 22.08.21 18:01

Klasse Fortsetzung ,das warten hat sich gelohnt. Nun bin ich doppelt gespannt auf den nächsten Teil, mach weiter so.
112. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Schlampe_Beate am 27.08.21 10:52

Hallo,
bin erst kurz hier. Lese mich langsam durch.

Diese Geschichte fasziniert mich. Einer solchen Entwicklung beizuwohnen ist sehr auf- und erregend. Ziemlich lustig außerdem. Danke
Schlampe B
113. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 27.08.21 20:19

Ich muß sagen,daß mir dieser Teil der Geschichte wieder sehr gut gefällt.Man kann sich sehr gut in die Lage versetzen und dies macht die ganze Sache weiter recht spannend.
114. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 28.08.21 14:35

@develdom, Erin und Gummimaske,
schön dass ihr mir treu bleibt und fleißig feedback gebt. Ich mag Euch und Eure Zeilen nicht missen.
Bleibt neugierig!

@Schlampe_Beate,
freut mich, dass Du begonnen hast, die Geschichte zu lesen und zu mögen. Willkommen im Club. Ich hoffe du hast genügend aufgeholt, denn jetzt kommt schon der nächste Teil.
Bleib neugierig!

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und jetzt kommt Teil 20 der Veröffentlichung. Diese ist etwas gemeiner als allen vorhergehenden Teile aber da muss wohl die Raphaela durch ...

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Was dann noch passierte, war aber auch nicht von schlechten Eltern. Den Rest schreibe ich später auf - oder nie – es ist ein Uhr und ich bin müde.

Danke für das Zuhören, liebes Tagebuch, musste ich unbedingt loswerden.
Gute Nacht.


*****

Sonntagnachmittag saßen die beiden Schmiedlers im Wohnzimmer gemütlich auf der Couch. Es war zwar bereits frühen Nachmittag, dennoch immer noch im Morgenmantel gekleidet, lümmelten sie vor dem Fernsehen.
„Darf ich reinkommen?“, fragte Raphaela im Türrahmen stehend.
„Klar, Elisabeth komm rein, wir warten seit Stunden auf diesen Moment.“, Joe freute sich zweifach, die Wette mit ihrer Frau war gewonnen und Raphaela ging es offensichtlich trotz des wahnsinnig engen Korsetts noch halbwegs gut.
„Du siehst toll aus…“, ergänzte Simone, „…alles OK mit dir?“
„Ich glaube ich bin sauer auf euch, wessen Idee war das?“, knurrte das Mädchen und atmete betont flach.
„Warum?“, fragte Joe schnippisch zurück, „… hast doch freiwillig gemacht, keiner von uns hat nachgeholfen.“ und sie grinste breit.
„Geht’s einigermaßen oder willst schnell wieder raus aus dem Kleid?“, wie immer war Simone die Liebevolle und Besorgte von beiden.
Raphaela schwieg, blieb lange in der Tür stehen und wartete einfach nur ab.
„Komm schon, schmollen sie nicht! Der Sonntag hat letzte Nacht so schön begonnen.“, Joe versuchte nun auch eine Brücke zu bauen. „Setzen sie sich zu uns, sie werden sehen, es geht nach einer Weile besser. Und ich bin echt stolz auf sie! Glauben sie mir, mit dem Korsett sehen sie nicht nur Klasse aus, sondern wenn sie es nur zwei Stunden anbehalten, haben sie auch einen Strafpunkt weniger. Glückwunsch!“
Raphaelas Missmut war gebrochen, das Lob erreichte ihr Ohr und Narziss war befriedigt und lächelte wie im siebten Himmel. Sie verzieh den beiden fast sofort.

„Was schaut ihr im Fernsehen?“
„Nichts Besonderes.“, log Joe. Natürlich hatten sie die ganze Zeit das Treiben im rosa Zimmer beobachtet und jetzt lief mehr durch Zufall als mit Absicht ARD-Mittagsmagazin.
„Gebt’s zu, ihr schaut Pornos.“, Raphaela war auf einmal in den kämpferischen Modus gewechselt.
„Erwischt.“, lachte Joe. Mit diesem Eingeständnis wiederum verwunderte sie Simone nun schlagartig. Wollte ihre Partnerin jetzt endlich die Videoüberwachung von Melanies Zimmer aufdecken und Raphaela einweihen?
„Mit Pornos lagen sie leider ganz knapp daneben.“, löste die Bankerin auf, „Sowas ähnliches ist es aber schon, schauen sie!“
Joe schaltete den großen Bildschirm um auf USB1 und es waren anschließend die Fotos vom vorherigen Abend zu sehen. Simone startete eine Diashow. Jetzt saßen sie zu dritt - mehr oder weniger bequem - auf dem Sofa, knabberten Kekse und diskutierten den gestrigen Abend anhand der vielen Bilder. Das war in der Tat ein 1A gelungenes Fest gewesen, da waren sie sich im Nu einig.
Raphaela bewunderte sich mehrfach selbst, fragte dann aber besorgt: „Wer bekommt die Bilder?“
„Keine Sorge, jeder nur seine eigenen.“
Der Bildschirm zeigte jetzt sie mit Jean-Paul tanzend.
„Das bekommt er aber nicht!“, forderte Raphaela.
„Nein, J.-P. war ein wenig unmöglich gestern, er hat genervt und hat sich in der Küche sogar eine Ohrfeige gefangen.“
Raphaela war sofort hellhörig: „Von wem?“
„Von Anna.“
Das Herz des Mädchens hüpfte vor Freude.

Die Fotos waren fast ausnahmslos eine Augenweide und alle drei bewunderten immer wieder die vielen schönen Menschen und vor allem sich selbst. Das Mädchen im Elisabethkostüm mochte natürlich am liebsten die Fotos der Köchin, weihte aber weder Joe noch Simone ein in ihre liebevoll verträumten Gedanken an Anna.

„Ich muss mal.“, bemerkte Raphaela vorwurfsvoll, „wie soll das mit dem Kleid gehen? Ihr habt mich eingesperrt und nun sitze ich in der Falle, kann nicht mal pinkeln gehen.“
„Wollen sie das Kostüm jetzt wirklich ausziehen? Oder es noch eine Stunde anbehalten, damit der Strafpunkte aus der Welt ist?“, Joe war wie immer direkt und hart in der Ansage.
„Ok, Ok, Sie haben ja Recht, irgendwann müssen die Punkte ja weg…“, nach kurzer Pause, „…ich versuche es mal und bleibe noch drin im Kleid. Aber wie kann ich Wasser lassen?“
„Nimm das Bidet bei uns im Bad, hat bei mir als Königin gestern auch gut geklappt.“
Simone wollte aufstehen, um zu helfen aber Joe kam ihr zuvor: „Ich mach das schon.“

*****


Liebes Tagebuch,
jetzt ist es halb zwei und ich muss Dich doch nochmal zutexten.
Ich dachte ich bin hundemüde aber da lag ich wohl falsch. Habe mich die letzten Minuten hin und her gewälzt, das muss jetzt auf Papier, sonst finde ich ja doch keinen Schlaf.

Ich ging runter zu Simone und Joe und wir schauten auf dem Fernseher die Bilder von der Party an. Dann musste ich ganz dringend mal aufs Klo, aber in dem Kleid gefangen, ging allein gar nichts.
Joe bot sich an, mit mir zu helfen.
Im großen Bad – gleich hinter dem Schlafzimmer der Beiden - gibt es ein Bidet.
Die Idee war, sich einfach mit dem Königs-Kleid drüber zu stellen und laufen zu lassen.
Gute Idee aber mit einem kleinen aber feinen Unterschied zwischen mir als Königin und Simone, aber dazu später mehr Einzelheiten.
Ein paar Dialoge hallen noch immer Ohr:
„Jetzt wird es peinlich für sie Joe“, sagte ich ihr unsicher, „Die Königin braucht Hilfe, wären sie bereit wie gestern Abend nochmal die Hofdame zu spielen.“
Joe meinte nur: „Dafür bin ich ja mitgekommen, Dummerchen!“
Joe kniete sich vor mich und hob meinen steifen Rock soweit das möglich war und kroch halb drunter.
Ich konnte nicht sehen was sie da trieb, aber spürte wie sie die zwischen Kleid und Korsett eingeklemmte Strumpfhose nach unten fummelte.
Dabei bemerkte sie aber auch, dass mein bestes Stück auf Halbmast stand.
Wahrscheinlich hatte mein kleiner Freund das schon die ganze Zeit getan und kam gar nicht richtig zur Ruhe, die Aufgeilerei vor dem Spiegel wirkte immer noch nach.
„Was ist denn das?“, fragte sie belustigt unter dem Rock hervor, „Ist hier jemand spitz wie Rettich?“
Ich bekam rote Ohren wie ein Schulmädchen und schwieg beschämt.
Dann kam sie mit der nächsten blöden Idee, als ob ich nicht schon genug zu leiden hatte.
„So wird das nichts mit Pullern.
Sie spritzen ja mit ihrem erigierten Penis gleich das ganze Kleid voll. Warte sie mal ich hole was.“

Joe ging rüber in ihr Ankleidezimmer und kramte dort in einer Schublade rum und trödelte.
Ich konnte fast nicht mehr anhalten.
Dann kam sie gänzlich verändert zurück, sie hatte sich das weiße Kleid der Zugehdame von der gestrigen Party übergeworfen.
Dann säuselte sie mit zuckersüßer Stimme: „Gnädige Frau, darf ich ihnen helfen als Maid von Hofe, weiß ich wie mit solchen Problemen umzugehen wäre?“
Ich war irgendwie nicht ganz Herr der Lage, bemerkte wieder einmal reineweg gar nicht den Haken an der Sache und ließ sie gewähren.
Sie streifte die Strumpfhose komplett herunter.
Aus einem mitgebrachten Karton holte sie weiße Strümpfe als Ersatz.
Das war schon so weit OK und auf jeden Fall praktischer als die Hose.
Viel unangenehmer war das eigenartige Kondom, was sie auch noch hervorzauberte.
Das Ding war offensichtlich aus dem „Heavy Rubber“ Katalog.
„Eine Lösung für ihr Problem!“, bemerkte sie trocken und ließ das Ding vor meinen Augen baumeln.
So was hast Du noch nicht gesehen, liebes Tagebuch.
Ein schwarzes Kondom aber kein normales.
Es hatte zusätzlich Taschen für die Hoden, ein Band dran zum Festknoten und einen langen Schlauch am vorderen Ende.
Die Funktion war mir sofort klar, recht praktisch, für meine jetzige Situation und mein Bedürfnis nach Wasserlassen war da schon recht dringend.

„Soll ich?“, fragte Joe lächelnd.
Und ich Trottel ahnte nichts und bejahte auch noch.
Genüsslich zog sich Joe schwarze Gummihandschuhe an und ließ es so richtig quietschen.
Ich liebe dieses Gummigeräusch und bekam sofort eine freudige Gänsehaus.
Das sah schon irgendwie sexy aus, eine weiße Zugehfrau im Mittelalterkostüm und pechschwarzen glänzenden Hände.
Rrrr… rattenscharf.

Joe kroch unter meinen Rock und legte geschickt das Spezialkondom an.
Ich machte es ihr aber auch leicht mit meinem prall gefüllten Schwanz. Sie war sehr geschickt, streifte mit ihren Gummihänden die Vorhaut zurück, zog den Gummisack über den Schaft und verstaute die Hoden in den Taschen.
Dann verknotete sie das Band und kam wieder hervorgekrochen.
„Passt, wackelt und hat Luft.“
Solche Sprüche bringt die Joe, kennst sie ja nun zur Genüge liebes Tagebuch, typisch.
„Kannst laufen lassen!“
Joe stand vor mir, die schwarzen Hände in die Hüfte gestemmt und wartete.
Das war vielleicht peinlich.
Natürlich konnte ich jetzt kein Wasser lassen, wie auch mit so einem aufrechten stark erregten Lümmel.

Und diese Frau steht einfach nur da und macht mich an.
Verstehst?
Wie ein Traum von einer Mätresse, die ich als Kaiserin bereits erträumt hatte.
Aber dann kam es anders, dieses Luder hatte ihren eigenen Plan.
Fragst sie mich doch allen Ernstes frech: „Wollen ihre Eminenz einen Deal eingehen? Ich kümmere mich liebevoll um die Lösung des Problems. Als Gegenleistung erwarte ich nur eine kleine Bereitschaft ihrerseits Majestät.“
Und ich spitz wie Lumpi frage auch noch: „Was wünschen sie denn als Hofbedienstete dafür? Reicht es nicht, dass ich euch nicht im hohen Bogen herauswerfe, für eure Dreistigkeit und Impertinenz?“

Jetzt wird es peinlich und ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich hier niederschreiben will.
Was soll’s mach ich jetzt, ein Tagebuch hütet jedes Geheimnis und sonst kann ich eh nicht schlafen.

„Ich wünsche Ihrerseits die Bereitschaft, den zweiten Strafpunkt direkt danach abzuarbeiten.“
Mir schwante schreckliches.
Aber ich war so geil, musste verstehen, die letzten Stunden hatten mich an den Rand des Wahnsinns getrieben.
Männer mit starken Erektionen sind einfach nicht in der Lage logisch zu denken.
Und Transen im schönsten Kostüm der Welt auch nicht.
„So sei es!“, habe ich dann wenig königlich gesagt und den Deal quittiert, ich Dummerchen.
Sie holte aus dem Karton das raus, was ich erwartet hatte.
Ja wirklich, es war der Keuschheitsgürtel mit dem Analplug vom Straftisch.
Und diese Hexe ließ mir auch noch Zeit, es mir anders zu überlegen.
„Echt? Eure Majestät ist bereit? Versprochen?“

Mein Gehirn war Matsche, meine Geilheit hatte das Kommando übernommen.
Es fehlte nicht viel und ich hätte angefangen zu sabbern.
Vor mir eine schöne Joe mit glänzenden schwarzen Gummihandschuhen, bereit und willig mir einen runter zu holen.
Vor mir aber auch eine dominante willensstarke Joe, die sicher durchsetzt was sie ankündigt.
Das Kopfkino gewann die Oberhand, und meine Schwanzsteuerung leider auch.
Alles in mir schrie: ‚Bitte erlöse mich, ich will jetzt abspritzen.‘
Der innere Bedenkenträger kam mit der Warnung: ‚Lieber nicht, du bist doch jetzt schon an der Grenze der Belastbarkeit. Den Keuschheitsgürtel nicht auch noch.‘
Gegenüber vom Bidet war ein Spiegel und der war der Fehler, der den Ausschlag in die eine – völlig falsche – Richtung gab.
Das Bild im Spiegel war einfach zu göttlich: „Majestät Raphaela und Domina Joe.“
Narzissmus gewann, meine Selbstverliebtheit war größer als jede Angst vor den Folgen.
So gab ich stöhnen auf und flüsterte: „Versprochen!“

Joe lächelte und gab mir einen Kuss mitten auf den Mund.
Sie küsst gut.
„Vorher noch ein Vorschlag, ich bin Joe und du kannst mich duzen.“
Jetzt lachte ich: „Ist es mit DU leichter mich zu melken?“
Joe nickte und machte eine wohleingeübte Verbeugung: „Frau Königin du hattest nach deiner Hofdame gerufen.“, dann senkte sie den Kopf und wartete auf den endgültigen Befehl.
Ich besiegelte mein Schicksal selbst.
„Komm näher.“, forderte ich meine Zofe auf, „Du weißt, dass ich als Königin ein Geheimnis habe?“
Joe nickte.
„Kümmere sie sich sogleich darum, Frau Zugehdame aber flott.“
Simone verschwand mit dem Oberkörper zwischen meinen Schenkeln.
Das Bild im Spiegel war eindeutig und schön.
Ich Elisabeth hatte meine erste Mätresse und diese kniete unter meinem Rock.
Ihren Hintern streckte sie in Richtung Spiegel, schön rund leider verborgen unter ihrem weißen Leinenrock.
Und dann liebes Tagebuch machte sie auch noch zwei Dinge gleichzeitig. Genau das, was ich mein Kopfkino wünschte, als wenn Telepathie wirklich funktionieren könnte.
Zum einen: Zärtlich griff meine Mätresse meinen gummierten Penis und streichelte ihn schön langsam mit der Gummihand.
Zum anderen: Die zweite Hand raffte den Rock und ihr Hintern wie ein Vollmond, rund und fest, strahlte mich nun im Spiegel an.
Diese Joe wusste zu überzeugen, liebes Tagebuch.
Holla die Waldfee, nicht ganz einfach für mich, dieses in seiner ganzen Herrlichkeit hier zu Papier zu bringen.
Sie hatte ihre Beine jetzt leicht gespreizt, die Knie dreißig Zentimeter geöffnet und unterhalb des Po-Mondes waren dadurch zwei rosa Schamlippen zu sehen und eine leicht geöffnete fo***e.
Sah auch als Spiegelbild aus wie eine Einladung.
Mein Ralph in mir gewann die Überhand und wollte sich gern persönlich mit dem Mond und den Schamlippen beschäftigen.
Ich fühlte mich wie im Schlaraffenland, mehr Libido geht für mich nicht, wie du weißt, ich steh total auf solche Feuchtgebiete.
Jetzt sabberte ich wirklich und fühlte fast körperlich die Feuchtigkeit, meine Nase schnupperte nach dem Mösenaroma.
Mein Körper verkrampfte wonnig vor dem nahenden Höhepunkt.
Dieses Bild im Spiegel, ich selbst die schönste Frau der Welt und ein geiler Arsch mit fo***e ist nun in mein Gehirn eingebrannt für immer.
Und dann kam das i-Tüpfelchen, die zweite schwarze Latexhand, die die nicht mit meinem Geschlechtsteil beschäftigt war, teilte die Schamlippen und ein schwarzer Gummifinger drang mühelos ein.

Joe tat ihr Bestes und zögerte den Moment gekonnt raus aber meine Geilheit war nicht mehr zu stoppen.
Der Orgasmus kam wie ein Gewitter, erste ein Blitz, ich schloss die Augen und dann ein Donnergrollen mit großem Orchester.
Kennst Du Tagebuch bestimmt auch, ein Glücksmoment der für sich allein im Raum steht, keiner der stört und jede Faser des Körpers und des Gehirns macht nur eines: Genießen.
Joe diese Schlawinerin drückte weiter zärtlich.
Sie ließ mich Pumpen und Nachhallen, sie ist ein feines Weibsstück, die würde Elisabeth sofort in ihren Hofstaat aufnehmen.

Joe kam dann verschwitzt unter dem Rock hervor und schimpfte wie eine Lesbe halt so schimpft: „Hab‘s mir doch gedacht, ein richtiger Hengst, keine Ausdauer, gleich das Pulver verschossen.“
Nahm ich ihr aber nicht für übel.
Ich bedankte mich, noch ganz außer Atem und lobte ihr tun.
Auf meine Frage: „Oder soll ich jetzt wieder Sie sagen?“, erwiderte sie: „DU ist weiterhin Ok. Aber freu dich nicht zu früh.“

Joe ließ mich allein, damit ich in Ruhe Wasser lassen kann. Ich hatte dann das Bidet verlassen und stand mit mulmigem Bauchgefühl mitten im Raum und horchte in mich hinein.
Das Korsett und die Halskrause waren noch immer unangenehm präsent und auf noch mehr Restriktionen hatte ich keine Lust.
Joe kam zurück und hatte sich schon wieder verändert.
Statt dem weißen Zofenkleides trug sie jetzt eine einfache Jeans und einen weißen Arztkittel. Dazu hatte sie einen Baseballschläger und eine Tube Creme mitgebracht.
Mir war schon vorher mulmig genug, ihr neues Outfit und die Utensilien verstärkte das jetzt in Richtung pure Angst.
„Wollen wir anfangen?“, fragte dieses Biest, die war auch noch belustigt über meine Schockstarre.
Mein Ausweichversuch: „Können wir verhandeln?“, rief die dominante Joe hervor.
Was hatte ich auch erwartet.
„Nein, ganz bestimmt nicht, du hast es versprochen. Jetzt ist Teil zwei unserer Abmachung fällig.“
Sie hatte alles bis ins Detail teuflisch durchdacht, das wurde mir gegenwärtig gleich bei ihrem ersten Doktor-Handgriffen.

Sie schob mich an eine Position einen Meter vor den Spiegel, knotete einen Strick vorn an den Reifrock-Saum, legte diesen über die Waschtischlampe.
Dann zog sie meinen Rock wie ein Flaschenzug vorn hoch bis in die Waagerechte.
Jetzt konnte ich durch den Spiegel mir selber in den Schritt schauen und sie hatte ihr medizinisches Arbeitsgebiet freigelegt.
Das führte nicht gerade dazu mich besser zu fühlen und als ich Dummerchen auch nochmals auf den Keuschheitsgürtel schaute, war es um mich geschehen.
Verstehst Du das liebes Tagebuch, ist wie beim Zahnarzt, man sitzt rum und sollte auf keinen Fall auf den Tisch mit den Instrumenten schauen.
Schau nie auf die Spritze, denk nicht über die drei Bohrer nach, frage dich nicht, was das kleine Skalpell soll.
Schau niemals auf den Instrumententisch.
Und genau wie beim Zahnarzt zogen sich jetzt bei mir alle Poren zusammen, meine Haare stellten sich auf und ich verkrampfte total.
Joe zog über die schwarzen Latexhandschuhe auch noch transparente OP-Handschuhe.
Das machte sie nun vollends zu meiner Alptraum-Zahnärztin, abgesehen davon, dass ihr heutiges Untersuchungsgebiet einen Meter tiefer liegt als mein Mund.
Fühlt sich nicht gut an, diese Wartezeit aufs Bohren, ich denke dann immer: ‚Hätte ich doch mehr geputzt“. Hier in diesem Falle passt besser: „Hätte ich mich doch vorhin beherrscht und nicht in die Abmachung eingeschlagen.“
Jetzt war es zu spät für Reue.

Joe beherrschte ihr Spiel und fühlte sich pudelwohl in ihrer Rolle: „Dann wollen wir mal. Wird bestimmt nicht einfach das Gürtelchen in die richtige Position zu bringen, gelle? Aber gemeinsam bekommen wir das hin.“
Ich verkrampfte und drückte die Pobacken zusammen.
„Du sagst ja gar nichts.“, sichelte sie, „Keine Sorge ist wie beim Doktor, hinterher sagen alle, war doch gar nicht schlimm.“
Sorgfältig schmierte sie auf das dünne Ende des Baseballschlägers Gleitcrem und verteilte es gleichmäßig.
„So flutscht der besser rein.“, sie hielt mir das Ding auch noch genau vor die Augen.
Als wenn ich das gut fände, wenn der Arzt mir die Spritze vor dem Einstich auch noch unter die Nase reiben würde.
Dieser blöde ärztliche Ton, halb anweisend - halb vertrauenseinflößend, wie ich das hasse.
„Beine etwas breiter und schön lockerlassen.“
Sie stellte den Schläger unter meinen Po und drückte mit der Hand auf meine Schulter nach unten.
„So jetzt draufsetzen und drücken.“
Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus, also ergab ich mich den Anweisungen und drückte.
Sie hatte Spaß, drückte mit ihrer ganzen Kraft zusätzlich nach und sprach mit mütterlicher Stimme: „Gleich hast du es geschafft.“
Der Schließmuskel kämpfte noch gegen uns beide aber nach gefühlter Ewigkeit ließ er endlich den flutschigen Schaft passieren.
Joe fordert mich auf noch mehr in die Hocke zu gehen und erst als so eine Handbreit Schläger in mir verschwunden war, zog sie mich hoch.
Ihr Konzept wurde erkennbar, der Schläger baumelte frei und sie rührte mit dem Schläger in meinem Loch rum, um es zu weiten.
Das fühlte sich an wie ein Fremdkörper, der da nicht hingehört, einfach nur ungehörig und ich war beschämt und machtlos.
Ich schloss die Augen, so wie ich es beim Zahnarzt auch immer machen und hoffte, dass das Bohren bald vorbei ist.
„Jetzt haben wir es gleich geschafft, ist schon schön weit und locker.“, tröstend streichelte sie mir über die Wange ohne die Rührerei im Hintern zu vernachlässigen.
Wie diese Joe jeden Schritt kommentierte, das war nervig.
„Jetzt haben wir die 32mm Seite gut erledigt und auch schon alles schön flutschig vorbereitet, der Rest wird ein Kinderspiel.“
Sie zog den Baseballschläger raus, drehte diesen einmal komplett und forderte doch jetzt tatsächlich, dass ich mich auf die andere dicke Seite aufspieße.

Liebes Tagebuch, an diese Stelle war Schluss mit lustig und ihr Kommentar ließ mein Blut frieren: „Sind nur sechs Zentimeter, wirst merken, dann flutscht das Strafhöschen nachher von allein rein.“
Ich drückte und drückte und sie hängte sich mit vollem Gewicht an meine Schultern.
Ich schreib mal hier ins Tagebuch nur rein: Autsch, autsch, autsch, autsch, ….
Das trifft es aber nicht annähernd: AUUUUTSCH und das zehn Mal beschreibt meine Gefühlswelt besser.
Das Korsett drückt von außen, der Prügel soll aber rein, das geht eigentlich gar nicht.
Und wie ich so denke, das geht eigentlich gar nicht und mir fieberhaft eine Ausrede ausdenke, macht es flupp und drin ist das Ding.
„Gut! Geschafft! Ging leichter als gedacht.“
Wie satt ich diese blöden Arztkommentare habe.
Wie als Kind, wenn meine Mutter nach einer Brennnessel-Attacke immer meinte: „Kind kein Problem, das geht gleich vorbei.“
Liebes Tagebuch, hier muss ich festhalten, nix geht vorbei, dieses Ding im Arsch ist einfach nur gemein, gemein, gemein.
Mir kamen die Tränen und ich schluchzte meinen Frust heraus.
„Ruhig atmen und an was Schönes denken.“
Minuten später erlöste sie mich, wies mich an, mich senkrecht hinzustellen.
Ich drückte kurz und der Schläger fiel polternd zu Boden.

Frau Dr. Frankenstein, den Spitznamen hat sie jetzt weg, hatte in der Zwischenzeit den Keuschheitsgürtel geholt und den Analplug weiß eingecremt.
Süffisant säuselte sie: „Komm wir beeilen uns, jetzt ist alles schön weich.“
Sie legte den oberen Ring um meine Hüfte und verschloss diesen, indem sie das Loch im rechten Band über den Pin im linken Band fädelte.
Das Strafkorsett und dieses Teil waren wie füreinander gemacht, das hatte ich ja bereits zehn Tage früher herausgefunden.
Passte vom Durchmesser und war mühelos.
Sie klappte das stählerne Schrittband von hinten durch die Beine nach vorn und drückte den Phallus in das Poloch.
Das muss ich Frau Doktor Frankenstein lassen, mit der Vorbereitung durch Baseballschläger flutschte nun der Dildo mit seine fünf cm Durchmesser leicht und fast schmerzfrei rein.
OK die Länge war ein anderes Thema.
Der musste ganz schön weit rein und da wo der hinsollte, war kein Platz. Das Korsett drückte von außen, der Lümmel von innen.
Da musste sich alles andere erstmal neu sortieren.
Mit Ihren Gummihänden zog sie von vorn das Schrittband nach oben und kam dann mit der wahnwitzigen Idee: „Du musst schon ein bisschen mithelfen.“
Ich dachte ich bin im falschen Film, soll ich jetzt auch noch freiwillig mitmachen beim Spießbraten auf den Spieß stecken, wenn ich doch hier eindeutig das Fleisch bin.
Die spinnt die Joe und glaube mir, liebes Tagebuch, die ist in der SM-Szene aber so was von zu Hause.
Die hat Freude dran und nicht nur ein bisschen.
„So jetzt wird’s klappen.“, mit solch einem Kommentar arbeitet dieses Luder und stellt den Baseballschläger unter das Schrittband.
Dann drückt sie wieder auf meine Schultern und ich muss mich mit ganzer Kraft auf den Schläger setzten.
Mir wurde schwarz vor Augen aber nur Kurz.
Kennst das Geräusch von einer Sprayflasche: „Pfffffff“
Das lies mich hellwach werden.
Hat die doch tatsächlich meinen eingepackten schwarzen Pimmel mit Eisspray eingenebelt.
Der war doch vorher schon ganz klein und machte keinen Mucks mehr.
Jetzt schrumpfte er auf Regenwurmgröße und mit ihren Latexhänden schob sie ihn nach hinten zwischen die Beine.
Dann zerrte diese Henkerin mit voller Kraft am vorderen Ende des Schrittbandes.
Mich wies sie zuckersüß an: „So jetzt gib dir mal Mühe, mit voller Kraft nach unten auf den Schläger drücken!“
Macht kein Spaß – niemals nachmachen!

Mir traten die Schweißperlen auf die Stirn, ich drückte wie ein Ochse und seufzte: „Das Schrittband ist zu klein - wir sollten aufgeben.“
Denkst Pustekuchen.
Joe schwitzte auch aber dachte gar nicht daran aufzugeben und mit einem Ruck hatte sie das Schrittband vorn auf dem Pin platziert.
Und dann hat dieser Teufel in Person seelenruhig ein Schloss eingefädelt und „Klick“ geschlossen und hinterher gejubelt: „Geschafft!“
Sie klatschte in die Hände und freute sich überschwänglich wie Bienchen.
Und ich Idiot war das gefangene Opfer.
Weißt du liebes Tagebuch wie sich das anfühlt?
Hier eine Zusammenfassung: hinten aufgespießt von 20x5 Gummidildo, korsettiert auf 69cm, enger langgestreckter Hals, der Pimmel eingeklemmt zwischen den Beinen und die Pobacken auseinandergerissen durch den Schrittgurt.
Weißt du wie sich das anfühlt?
Aua überall - unfähig zu einem klaren Gedanken - meine Atmung flach wie ein Asthmatiker, alles in mir Schreit: „Ich will hier raus“

„Du siehst toll aus.“
Das kam noch oben drauf, fiese Kommentare von Joe.
Sie löste das Seil, ließ den Rock wieder nach unten und bat mich ein wenig rumzulaufen.
Blöde Kuh, keinen Schritt konnte ich gehen, ich stand breitbeinig da und hatte Angst, was eine klitzekleine Bewegung auslösen würde.
„Na dann nicht, stehst halt noch ein bisschen rum ich geh schon mal runter.“

Ich tippelte zwei kleine Schritte nach vorn zum Spiegel.
Das ging besser als gedacht.
Das Eisengestell im Schritt war durch die Lederauspolsterung nicht allzu arg am Scheuern an den Oberschenkeln.
Ich füllte die Hand mit Wasser und trank erstmal einen kräftigen Schluck und dann noch ein paar mehr.
Meine Idee, direkt mit dem Kopf unter den Wasserhahn, das war unmöglich, dafür hätte ich eine Brechstange gebraucht.
Mit dem frischen Wasser kam die Zuversicht.
Weißt Du, diese ganzen Restriktionen hatten mich in eine Lage gebracht, wie als wenn man Dich Tagebuch in einen Schraubstock gespannt hätte.
So kannst Du es Dir am besten vorstellen: Deine Buchdeckel in einem Schraubstock und dann feste zudrehen.
Vielleicht sollten wir, damit du es so richtig verstehst, vorher noch einen Bleistift zwischen die Seiten legen und erst dann zudrücken.
So kriegst du auch ein Gefühl für den Dildo, der in meinem Hintern steckte.
Ja so in der Art, dann kannst Du mitfühlen.
So und jetzt wo Du dich dran gewöhnt hast, drehen wir den Schraubstock noch eine Umdrehung fester.
Ich glaube jetzt hast Du es verstanden.

Andererseits, jetzt wo ich wieder so dicht vor dem Spiegel stehe, kommt doch tatsächlich dieses geile Gefühl wieder hoch.
Ich sehe schon irgendwie rattenscharf aus, die schönste Elisabeth aller Zeiten.
Wenn ich mir es recht überlege, schöner als Simone im selben Kleid, vor allem um die Taille, da wirke ich schlanker.

So jetzt habe ich es mir von der Seele geschrieben, diese ganze Strafpunkte Aktion von der Hexe Joe.
Jetzt geh ich schlafen,
Gute Nacht liebes Tagebuch


*****

Eine Viertelstunde nach der Strafpunkteaktion im Bad war im Wohnzimmer der Empfang für Raphaela unerwartet frostig.
„Sorry!“, Raphaela hatte sofort geschnallt, dass sie in ein Liebesspiel reingeplatzt war. Die beiden Frauen lagen unter einer großen Decke auf dem Sofa ein wenig in einander verknuddelt.
„Nun bleib schon hier.“, Simone lachte außer Atem mit rotem Kopf.
Joe war ein wenig verschwitzt aber offensichtlich schon hinter ihrem Höhepunkt, sie sagte leicht keuchend: „Hi, wir sind gerade fertig geworden.“, hob die Hand zum Winken.
‚Ups…‘, dachte das königliche Mädchen, ‚…sie trägt noch den schwarzen Latex-Handschuh, dieser glänzt jetzt sehr feucht.‘

Simone stand langsam auf, rückte ihren Morgenmantel zurecht und erkundigte sich nach Raphaelas Wohlbefinden.
„Geht schon.“, knurrte sie, „Deine Frau ist des Teufels.“
„Und willst raus aus dem Dilemma, oder durchhalten bis die Punkte weg sind.“, erwiderte Joe belustigt.
Schweigen im Raum für eine Minute.
„Durchhalten.“, stöhnte das Mädchen leise.
Dann verschwand Simone, kam mit drei Sekt und einem Barhocker zurück.
Da hatte sie die richtige Idee, der Sekt wirkte sofort zur Entspannung, das Sitzmöbel war ideal gepolstert und ideal für den steifen Rock und den Plug im Hintern.
„Prost auf das mutigste Mädchen der Welt.“

Dann verbrachten sie den Rest des Sonntagnachmittags damit, Fotos der letzten zwei Wochen zu sichten und neue Fotos von Königin Raphaela zu schießen und hinzuzufügen.
Mit Sekt lungerten die beiden Frauen vor dem Fernseher rum und das Mädchen litt auf ihrem Hochsitz ihre Strafe - mit der Zeit nach und nach weniger schmerzvoll als zu Beginn.
Simone war nicht sauer auf Joe, sie hatten offensichtlich guten Nachmittagssex gehabt. Die Szene im Bad zwischen der Zugehdame und der Königin, die Joe gleich im Anschluss ihrer Frau gebeichtet hatte, hakte Simone gedanklich ab mit: ‚So ist sie halt die Joe.‘ Sie machte sich nicht wirklich Sorgen über eine Liebschaft von Joe mit Raphaela. Die Geschichte damals mit Melanie war ein ganz anderes viel schlimmeres Kaliber. Nicht vergleichbar mit der kurzen Rapha-einen-runter-holen-Szene vom Nachmittag. Schließlich war Raphaela ja „nur“ ein Mann und Simone zum Glück eine waschechte Frau - eindeutiges bevorzugtes Beuteschema für Joe.

Spät abends nachdem die Tragezeit die geforderten zwei Stunden eingehalten worden war, gingen Joe und Raphaela gemeinsam ins rosa Zimmer, um das Kleid zu öffnen.
„Und wie war dein Tag, bereust du es, die Strafpunkte heute abgearbeitet zu haben.“
„Ja ich bereue es! Du bist pervers und ich bin dein unschuldiges Opfer!“
„Ich dachte du stehst ein klein bisschen drauf!“
„Alles tut weh, ich will jetzt schnell raus aus der Folter.“
„So, so! Kein klein bisschen maso?“
„Nicht wirklich, das Spiel hat Grenzen, die habe ich heute schon weit überschritten.“
„Echt wirklich?“
Joe fasste ihr in den Nacken, zog sie dicht heran, flüsterte ein: „Danke für das schöne Wochenende.“ und gab ihr einen unerwarteten Kuss mitten auf den Mund.
Es machte KLICK und ein kleiner Magnet in Joes Hand hatte den Sperrmechanismus im Nacken gelöst: „Funktioniert wie die kleinen Sicherheitspilze in den Modeläden, kann man leicht mit einem Magneten öffnen.“
Dann öffnete sie höflicherweise auch den Rückenreißverschluss und das Kleid fiel nach unten.
„Wow, auch so ohne Kleid siehst Klasse aus. Zum Anbeißen.“
„Du bist unverbesserlich. Ergötzt du dich jetzt an meiner Strafe?“
„Klar!“, Joe grinste glücklich, „Aber, wenn es dir nicht gefällt, brauchen wir ja auch keine Fotos schießen.“
Raphaela betrachtete sich im Spiegel und Joe wartete einfach nur ab, bis das Mädchen antwortete: „Ach sei’s drum, die paar Minuten halte ich jetzt auch noch aus. Komm schieß ein paar Erinnerungen.“
Joe zwinkerte mit dem Auge: „Wer sagt’s denn, so ein bisschen maso bist ja doch.“
Wenig später bekam das Mädchen den Schlüssel überreicht und befreite sich aus dem Keuschheitsgürtel, dem Korsett und von dem Kondom.
Endlich wieder frei, atmete, reckte und streckte sie sich und maulte: „Schau mal hier, überall Spuren auf der Haut, das dauert Wochen, bis die wieder weg sind.“
„Klick“, Joe hatte auch davon Fotos geschossen, „nö damit kenn ich mich aus, in drei Tagen ist das alles wieder weg.“
Sie hatte gerade die Rückseite abgelichtet und zeigte ihr das Bild: „Und schau mal, dein Arschloch ist auch nicht mehr ganz offen. Es schließt sich wieder von ganz allein.“
Der Bildschirm zeigte aber eher das Gegenteil von dieser Behauptung, einen drei Zentimeter großen kreisrunden Innenanblick.
„Du bist pervers.“, wiederholte Raphaela müde.
„Ich weiß!“, und zur Versöhnung gab es von Joe noch einen Gutenachtkuss.

*****

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Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 90400 + 3600 in einer Woche. Wir nähern uns der magischen Zahl 100.000
115. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 28.08.21 19:02

Arme Raphaela aber selbst schuld. bin mal gespannt was ihr noch so alles hier geschieht. Freue mich auf die nächste Folge.
116. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 29.08.21 11:04

An dieser Stelle muß ich mal sagen,daß ich Raphaela diese Qual gern abgenommen hätte.Zu gut konnte ich mich in ihre Lage versetzen.Nun hoffe ich,daß es so spannend weiter geht.Vielen Dank.
117. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 19.09.21 14:53

Ein interessanter Tagebucheintrag, lächel, eine GEILE Geschichte!!
Bin gespant wie es weitergeht!!!
118. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 29.09.21 13:08

Hallo K2 hoffe das du die Geschichte hier weiterführst.
119. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Olle am 29.09.21 23:15

Auch ich würde mich über eine Fortsetzung freuen...
120. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Stoeckelfranz am 30.09.21 16:32

ich möchte auch das es Weiter geht.
121. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 20.10.21 19:16

Hallo K2 wann erfahren wir wie es mit Raphaela weiter geht. Bitte schreibe weiter.
122. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 04.11.21 20:59

@ Erin, Giummimaske, develdom, Olle, Steockelfranz,
ganz lieben Dank für Eure Kommentare und dass ihr mir die Treue gehalten habt.

Jetzt geht es weiter mit Raphaelas Abenteuer und zu meiner Entschuldigung ein Hinweis:
1.) Tante Gerdas Geheimnis braucht Lektorat, das habe ich aber in den Sommermonaten vernachlässigt, weil...
2.) Ich mit dem zweiten Buch angefangen habe... auch dort sind schon 215 Seiten fertig und es sieht so aus, als werden es auch wieder mehr als 400... (Es spielt ca. 5 Jahre nach dem ersten Buch und natürlich ist Ralph/Raphaela wieder die Hauptdarstellerin)
3.) Ich mit dem Skript des dritten Buches angefangen habe (wieder zehn Jahre später). Ein Krimi oder so was ähnliches (23 Seiten bisher).

Ihr sehr also, ich bin nicht faul, sondern lediglich "lektorierungsunwillig".
Bleibt neugierig!


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„Du bist pervers.“, wiederholte Raphaela müde.
„Ich weiß!“, und zur Versöhnung gab es von Joe noch einen Gutenachtkuss.

*****

Der Montag der dritten Putzwoche war im Gegensatz zum fröhlichen Wochenende nicht mehr so entspannend.
Raphaela machte einfach da weiter, wo sie beim Putzen aufgehört hatte. Simone arbeitete in ihrem Büro am Drehbuch und Joe war mal wieder auf irgendeiner Dienstreise auf den Kanalinseln.
Für die Gartenstraße 17 begann die Putzaktion dieses Mal erneut außerhalb des Hauses. Das Wetter war frühlingshaft schön und der Garten brauchte dringend weiterhin eine ordnende Hand. Das Gewächshaus war trotz der Frühlingszeit noch nicht in Betrieb und abgestorbene Pflanzen des Vorjahres ergaben ein erbärmliches Bild. Da war Raphaela in ihrem Element. Wie in Garmisch als Ralph liebte er/sie die Gartenarbeit von ganzem Herzen und werkelte voller Hingabe an jeder Herausforderung. Rasen abrechen, Gemüsebeete anlegen, Gewächshaus putzen, Gartenhaus aus- und wieder einräumen und vieles mehr, sie hatte zwei Tage lang richtig Spaß.

Vom Outfit her war sie weniger wählerisch und weniger auffällig im Vergleich zu den ersten beiden Wochen. Sie hatte eine stark taillierte Latzhose gefunden und diese in die Gummistiefel gestopft. Die Stiefel waren dunkel grün, eindeutig weibliche und verspielt mit einer kleinen gelben Gießkanne verziert. Auch die grüne Hose war mit wasserabweisendem Latex überzogen, so konnte sie sich, immer wenn es nötig war, einfach hinknien oder durch feuchte Erde nach Lust und Laune stampfen. Es reichte zum Feierabend einfach mit dem Schlauch einmal unten rum den Dreck abzuspritzen und schon war sie wieder sauber. Zur Latzhose gab es farblich passende Arbeitshandschuhe und ein nicht ganz zur Gießkanne passender sonnengelber Pullover.
Der Hingucker schlecht hin war das Kopftuch, dieses war gelb/grün gestreift und glänzte in der Sonne unaufhörlich. Sie hatte es wie eine Trümmerfrau der 50-er Jahre mit einem großen Dreieck nach hinten umgelegt, ein Stirnband geformt und mit einer großen Schleife am Kehlkopf geschlossen. Das sah einerseits schick und modisch aus, andererseits war es praktisch und unpraktisch zugleich. Die Haare konnten ihr nicht ins Gesicht fallen und nicht verschmutzen, der kalte Wind wurde abgehalten, jedoch schwitzte sie leichter unter diesem Gummituch.
„Du siehst aus wie ein giftiger Laubfrosch gekreuzt mit Germanys next Top-Garten-Modell“, bemerkte Simone belustigt aber nicht verletzend.

Mittwochabend saßen sie beim Abendbrot zusammen und waren alle drei etwas ratlos. Der Fortschritt war enorm und man fragte sich, was sollte man der Arbeitsliste noch hinzufügen. Drinnen und draußen war alles fertig, selbst das gusseiserne Einfahrttor war schon poliert. Diesen zweistündigen Job fand Raphaela echt nervend. Fast jeder Passant der Gartenstraße lobte ihren Fleiß und gleichzeitig konnten die Menschen es nicht lassen, ihr grüngelbes Outfit zu kommentieren. Die gut begonnenen Schwätzchen am Zaun endeten dann leider fast immer mit solch Sätzen wie: „So was würde ich nie anziehen.“ oder „Das ist aber nicht von Engelbert Strauß, oder doch?“. Manche auch noch etwas derber, vor allem von den Jugendlichen wie zum Beispiel: „Hey Schätzchen dieses Latexoutfit sieht cool aus - willste mich antörnen, hey gib doch zu, anders kann ich mir das nicht erklären, das den Fummel zum Malochen anziehst.“
Raphaela war es nicht egal, aber was Anderes hatte sie nicht im Schrank und es war praktisch. Ihr eigenes Spiegelbild sprach für sich eine andere wohlwollende Sprache. Ihrer Meinung nach waren wohlwollende Adjektive hier eher angebracht, wie „ungewöhnlich“, „rattenscharf“, „sexy“ oder eben „bildschön“.
So brachte sie voller Enthusiasmus das Tor auf Hochglanz und war danach voller Stolz nach drei mal acht Stundentag und fleißiger Arbeit fix und fertig mit der gesamten Außenanlage.

„Was fehlt noch? Wollen wir den Weinkeller noch angehen?“, schlug Joe vor.
„Was ist da zu tun?“, fragten Simone und Raphaela fast synchron.
„Da soll man doch am besten nie was machen, sonst verdirbt der Wein.“, wand Simone ein.
„Wenn man edle Weine sammelt, habt ihr Recht. Aber wir haben ein Sammelsurium von altem Zeugs, gepaart mit Obst und anderem Gerümpel und höchsten 20 Flaschen Wein da drin, das könnten wir endlich mal ausmisten.“, Joe hatte offensichtlich eine eigene Vorstellung.
„Ich schlage vor, wir machen den mal ganz leer, der Boden hat einen riesen Fleck von der einen Kiste Rotwein, die letztes Jahr zersprungen ist. Um das Fenster rum sind lauter Schimmelflecken, die sicher nicht dahin gehören. Auch treiben sich da Kellerasseln rum, am besten mal richtig Ausräuchern.“


„Klingt wie viel Arbeit für die letzten zwei Tage“, maulte Raphaela, „ich habe aber keine Ahnung davon, vielleicht sollten wir das einen Experten machen lassen.“
„Nix da, faulenzen gibt’s nicht…“, Joe tippte auf dem Laptop rum, „…also das Internet hier empfiehlt in einem solchen Fall gründlich und tunlichst vorsichtig zu sein. Klingt aber machbar und nicht zwingend nach erforderlichem Chemiestudium. Rausreden gibt’s nicht.“
Joe zauberte einen Ausdruck aus dem Rechner, „Schimmel wegmachen, mit einem biologischen Spritzmittel auf Natronbasis. Klingt gut. Vorsicht kann ätzen. Trocknen am besten mit Heißluftgebläse. Ich schlage vor, wir schrubben auch mal alle Regale mit Lauge ab und zum Schluss räuchern wir aus. Das sollte für ein paar Jahre reichen.“
„Klingt gefährlich.“, Simone legte die Stirn in Falten.
„Wir haben doch noch den grauen Schutzanzug, oder?“, schlug Joe vor.
„Ich erinnere mich, Melanies Lieblingsspielzeug – Alienmonster - für genau einen Tag hat sie damit rumgespielt, seitdem liegt der irgendwo im Schrank.“
Jetzt wurde Raphaela hellhörig: „Den habe ich bisher noch nicht entdeckt.“
Joe erkannte am Klang der Stimme des Mädchens eine kleine Vorfreude auf Alien-Outfit. Daher entschied sie selbstbewusst: „Den Anzug kann ich rauslegen, kein Problem, hat sogar eine Gasmaske für das sichere Ausräuchern ohne Lungenschaden. Wir müssen ja alles bedenken, damit du keinen Dummheiten anrichtest.“

Joe überlegte mit wiegendem Kopf und kam dann mit einem Angebot:
„Also Raphaela ja oder nein zu diesem schweißtreibenden Projekt? Ich lege nochmal 200€ drauf, dann sind wir bei 3000€.“
Auch Raphaela dachte nach, sie hatte zurzeit keine Strafpunkte, die Arbeit für 2800€ waren offensichtlich erledigt. Wollte sie jetzt aufhören und fragen, ob sie eher nach Hause gehen könne? Oder doch lieber doch noch bleiben und mehr verdienen? Sie schwieg ein wenig zu lange, so dass Joe ihren Gedankengang erahnte.
„Mein Angebot mit mehr Geld gilt aber Faulenzen kannst vergessen. Gibt es Alternativen?“
Simone mochte ihre Raphaela nicht schon jetzt verlieren und bzgl. Samstagnacht hatte sie auch schon einen Plan. Daher war sie es jetzt, die kreativ wurde: „Der Gehweg vor dem Tor ist zwar ziemlich sauber aber wie wäre es, wenn Rapha das Problem mit den Fugen angeht?“
„Den ganzen Gehweg?“ Joe runzelte die Stirn, „Alle Fugen auskratzen? Dann mit neuem Sand füllen und die Natursteine schrubben? So circa 40 Quadratmeter, vielleicht wirklich machbar in zwanzig Stunden.“

„Nee lieber nicht, da muss ich mir tausend Kommentare der Leute anhören.“ Simone war auch dagegen und baute eine Brücke. „Schade eigentlich, Fugenkratzen oder Kellerschrubben, so ein bisschen Arbeiten muss noch sein und macht Dir doch Spaß, oder? Und außerdem kannst jetzt nicht einfach abhauen und dir entgeht das kommende Wochenende.“
„Was habt ihr vor?“, fragte Raphaela misstrauisch.
Simone zerstreute die Vorbehalte ausweichend: „Keine Sorge, nicht wieder was so Dramatisches wie der Punkteabbauplan mit Rokoko, nur ein kleines Abenteuer am Samstag, da nehmen wir dich vielleicht mit, so eine Art Abschlussparty.“
„Eine Party, klingt cool, so wie letztes Wochenende dein Geburtstag?“, die Augen vom Mädchen glänzten vor Vorfreude.
Joe grinste zufrieden: „Nein mein Mädel was ganz Anderes und mehr wird jetzt nicht verraten. Ich mach es jetzt mal klarer und unmissverständlich: Zwei Tage Faulenzen bedeutet keine Party – zwei Tage Weinkeller oder Straße bedeutet Chance auf eine Party + 200€.“
Raphaela lachte belustigt: „Da habe ich ja eine echte freie Wahl.“
Sie reichte Joe die Hand, „abgemacht ich nehme den Weinkeller, 200€ und die Party.“

Der nächste Morgen begann für die Putzfrau noch ungewöhnlicher als die letzten zwanzig Tage. In Ihrem Ankleidezimmer lagen ein großer Karton sowie eine detaillierte Anleitung für die Weinkelleraktion. Daneben klebte ein Post-it mit dem Gruß:

Wir sind beide unterwegs, bitte sei vorsichtig.
Erst gut Frühstücken, gibt lecker vom Benny-Bäcker, dann an die Arbeit!


Noch im Nachthemd aus Seide ging sie in die Küche. Sie hatte am Abend keine Lust mehr auf Latex gehabt, mehr oder weniger fast ein richtiger Ralph-Abend mit einem spannenden Fußballspiel in der Champions League. Sie ließ sich jetzt erstmal ein perfektes Frühstück schmecken und studierte die Anweisungen zur Weinkellerreinigung. Joe hatte einige Passagen unterstrichen und handschriftlich Dinge ergänzt wie: „Bürste und Reinigungsmittel im roten Eimer!“ oder „Räucherkerze steht im ersten Weinregal!“

Gut weitergebildet, schaltete sie das Radio in ihrem Zimmer an und öffnete den Karton. Als ihr ein heftiger Latexduft entgegenschlug, war sie sofort hellwach. Sie entnahm ein paar Gummistiefel, einen grauen einteiligen Schutzanzug, ein paar dünne und ein paar dicke Handschuhe sowie eine graue Gasmaske mit Rauchfilter. Dazu ein untypischer Metall-Handwerkergürtel, der zu einem Klettergut umfunktioniert war. Ihr erster Eindruck war: ‚Oh sexy!‘ - der zweite eher: ‚Oh das wird aber anstrengend.‘
Sie schmiss die Hausschuhe in die Ecke, band ihre Haare zu einem strengen Zopf zusammen und sprach vor sich hin: „Dann mal los.“
Die Stiefel schienen bequem zu sein, eine Anprobe ergab, sie passen aber innen recht kratzig. Vorsichtig fühlte sie auch den Anzug innen ab und war zufrieden, keine kleinen Gemeinheiten eingebaut, ein ganz normaler Schutzanzug wie aus einer Chemiefabrik oder von der Bundeswehr. Etwas ungewöhnlich fand sie aber doch, dass bei dem Anzug innen keinerlei Baumwollbeschichtung zur Erhöhung des Tragekomforts aufgebracht war. Aber gerade dieser Sparumstand würde direktes Gummigefühl auf der Haut erzeugen und jetzt entstanden Bilder in ihrem Gehirn. Sie überlegte kurz: ‚Was wäre wenn?‘, dann handelte sie fast schon erwartungsgemäß. Das Nachthemd war schnell ausgezogen, sie war nackt bis auf Schlüpfer und ihren BH. Sie holte sich ein paar Latexkniestrümpfe mit einzelnen Zehen, zog diese an und schlüpfte in die Stiefel. Schon besser, so war es kein bisschen mehr kratzig und schön warm.
Dann stockte sie, lächelte schelmisch und zog den Schlüpfer auch aus. Offensichtlich wollte er seinem männlichen Geschlecht und dem Po direkten Latexkontakt zum Schutzanzug gönnen. In die Beine des Ganzanzuges war sie schnell hereingeklettert, trotz der Stiefel, kein Problem alles weit genug. Sie schloss die Klettverschlüsse an den Knöcheln, hier konnte definitiv keine ätzende Flüssigkeit eindringen.
Sie zog die Hose mit dem Taillenband über die Hüfte nach oben und spürte die erhoffte lockere Umschmeichelung für ihren Schritt und Hintern. Nichts lang eng an, alles umspielte ihren Unterkörper mit Gummi, bei jedem Schritt bei jeder kleinsten Bewegung gab es Latex-Streicheleinheiten auf nackter Haut.
‚Das ist echt sexy’, dachte sie und fuhr fort.

Die zehn Zentimeter langen Manschetten der Ärmel waren sehr eng, eher für Frauenhände gemacht und der Versuch in diese hereinzukommen, scheiterte. Die Hände waren zu trocken und nicht rutschig genug. Silikonöl war schnell gefunden, sie entschied sich jedoch erstmal als Grundlage die dünnen OP-Handschuhe anzuziehen. Diese waren erstaunlich lang, bedeckten den ganzen Ellbogen bis hoch zum Bizeps. Sie benetze die Finger mit dem Öl und dann flutschten die Hände mit nur wenig Druck durch die engen Bündchen. Jetzt waren neben den Beinen auch die Arme luftdicht abgesichert. Von der Schulter bis zum Handgelenk waren die Ärmel locker bauschig und schlackerten bei jeder Bewegung erotisch an die Haut.
Der vordere Reißverschluss ließ sich mühelos bis zum Hals schließen und wurde durch einen Klettverschluss abgedichtet. Der Spiegel zeigte ihr ein typisches Mädchen, die in einer Chemiefabrik oder im Virenlabor einen gefährlichen Job macht. Sexy und Hightech-Arbeitsbekleidung zugleich.

Sie begutachtete den Handwerkergürtel. Dieser hatte zwei praktische Taschen dran für Werkzeug oder eben das zweite Paar stabile Arbeitshandschuhe bestens geeignet. Irgendwie war sie misstrauisch und begutachtete das ganze Ding mal genauer. Vor allem das Schrittband und der Verschlussmechanismus am Bauch sollte doch wohl keine Falle sein? Die negative Erfahrung mit dem Kragen des Elisabethkleides ließ sie skeptisch werden.
„Klick!“, schließen ließ das Band sich wie ein Steckgürtel. Ein Druck auf den mittigen runden Stahlknopf und schon sprang er wieder auf. Offensichtlich keine Falle, sie war froh.
An einer Kette vom Bauchgurt nach oben hing ein zweischaliges Stahlhalsband. Auch dieses probierte Raphaela erstmal vor ihrem Körper und nicht um den Hals aus. „Klick, Klack!“ derselbe Mechanismus, alles easy - alles gut.
Jetzt probierte sie direkt am Hals. Das war zwar eng aber nicht unangenehm und mit einem Tastendruck wieder offen und gleich wieder geschlossen.
‚Das sieht ja ganz schnuckelig aus“, dachte sie, „Eine hochwichtige Chemielaborantin mit Sicherheitsgurt. Die Hüfte und Taille wird sexy betont, der Busen geteilt und auch das Halsband passt super dazu. Ein schöner Kontrast dunkelgrauer weiter Latexanzug mit silbern glänzendem engen Gurten.’
Froh gelaunt zwinkerte sie ihrem Ebenbild im Spiegel zu, legte den Gurt schnell wieder ab und sprach vor sich hin: „Den brauche ich vielleicht später, jetzt aber nicht. Auf jeden Fall nehme ich den mit runter in den Keller.“

Was sie allerdings nicht erahnte war die fehlende Bedienungsanleitung. Diese lag seit ein paar Stunden getrennt vom Karton in der Schreibtischschublade von Joe.

„Wir freuen uns, dass sie sich für ein hochwertiges Produkt aus unserem Hause entschieden haben.
Der FIX2 ist ideal konstruiert um ihnen mehr Spaß und zusätzliche Überraschungen in ihrem Fetischspiel zu ermöglichen.

GEFAHRENHINWEIS:
Verwenden sie den FIX2 erst nach eingehendem Studium der Bedienungsanleitung. Achten sie ständig auf ihren gesundheitlichen Zustand und halten sie jederzeit die Option zur Befreiung bereit.

Handhabung / Funktion:
Der Bauch-/Schrittgurt wirkt wie ein Keuschheitsgürtel mit dem modischen Zusatz eines Halsbandes. Ein/e nackter Spielpartner/-in wird mit unserem FIX2 zu einer devoten Person in Ketten, die Bewunderung hervorrufen wird. Der Tragekomfort wird durch Lederauskleidung erhöht und ermöglicht auch das längere Anbehalten oder die Übernachtung darin.
Jedes Exemplar ist in seinen Maßen eine Einzelanfertigung und exakt auf die jeweilige Person angepasst. Daher bitten wir sie zu beachten, sollten sie den FIX2 über einer Kleidung/Bodysuite verwenden wollen, muss dieser dementsprechend größer bestellt werden. Bei speziellen Wünschen, wie z.B. das Tragen des Bauch-/Schrittgurt über einer Windel oder das Anlegen des Halsreifes in Verbindung mit einer Kopfmaske, beraten wir sie gern.
Wir verwenden nur hochwertige Materialien aus Edelstahl oder Naturleder, allergische Reaktionen sind daher sehr unwahrscheinlich.
Die Schließmechanismen sind eine patentierte Weiterentwicklung aus unserem Hause und geben dem FIX2 das besondere ETWAS.
Dabei verzichten wir gänzlich auf Elektronik und erhöhen dadurch die Sicherheit und vermindern ein Ausfallrisiko.
Wenn sie das Schloss zur Probe zusammenstecken, verrastet dieser Mechanismus zunächst in Stufe 1. Diese kann innerhalb von ca. 60 Sekunden jederzeit wieder geöffnet werden, indem sie den Druckknopf betätigen. Somit können sie zu Beginn des Spiels ihrem Partner / ihre Partnerin das Gefühl vermitteln, sie könne sich jederzeit selbst befreien. Nach etwa einer Minute hören sie ein leises Klickgeräusch, dann verrastet automatisch die zweite Stufe und der Druckknopf verliert seine Öffnungsfunktion. Ab diesem Zeitpunkt hat der Schlüsselherr / die Schlüsselherrin die alleinige Macht, das Spiel zu beenden. Dafür liegt dem Set das entsprechende Tool bei.


Dieses Dokument hatte Joe schusseliger Weise nicht den Anweisungen zur Weinkellerreinigung beigelegt. Oder war es gar kein Versehen?

Raphaela stand im Schutzanzug in ihrem Zimmer, steckte die dickeren Handschuhe und Putztücher in die eine Tasche des Gurtes, die Anweisungen von Joe in die zweite. Dann nahm sie den Gurt und die Gasmaske in die Hand und machte sich auf Weg zum Keller.

Es waren so um die 200 Flaschen Wein, Most und sonstiges, dazu mehrere Kisten mit verschiedenen Apfelsorten, jedoch teilweise schon am vergammeln. Dazu ein paar Kartoffelsäcke und andere Gemüsereste. Sie zog das zweite Paar dicke stabile Handschuhe über die dünneren und begann mit der Aktion Weinkeller. Die Flaschen wusch sie einzeln ab und sortierte sie sorgfältig nach Rot, Rosé oder Weiß und Herkunftsland im Kellerflur. Die anderen Lebensmittel landeten alle ausnahmslos im Komposthaufen hinten im Garten. Das war eine ganz schöne Plackerei und Lauferei, der verdorbenen Lebensmittel rochen schon unangenehm und ihr Schutzanzug und die Handschuhe waren recht schnell nützlich. Überall haftete Dreck von den Flaschen und Kisten und die Obstreste und der Schimmel pappte an den Handschuhen. Bei jedem Schritt umspielte der lockere Schutzanzug die nackte Haut darunter und machte den Job für Raphaela trotz der Anstrengungen sehr reizvoll.

„Oh!“, erklang eine männliche Stimme „…sie sehen heute aber außergewöhnlich aus!“
Raphaela zuckte zusammen, der Postbote hatte sie offensichtlich beim Müll raustragen entdeckt, „Gestern haben sie doch den Zaun poliert, der sieht toll aus. Darf ich fragen was sie heute vorhaben?“
„Ach Hallo, die Post ist da.“, erwiderte sie gefasst fröhlich, „leider heute keine Zeit zum Plaudern, wir misten aus und streichen den Keller neu.“
„So was habe ich mir schon gedacht! Sie sehen toll aus, wie eine echte Handwerkerin bei der Drecksarbeit! Na dann wünsche ich ihnen noch viel Spaß.“

Raphaela war sich sicher, als sie den nächsten Gang zum Kompost tat, dass der Postbote weiter versteckt am Tor steht und sie beobachtete. Hat halt selbst er, als weitgereister Postmitarbeiter, nicht alle Tage. Obwohl in dem Job er sicher schon viel geboten bekommt, man munkelt ja immer, dass die Postboten von einsamen Frauen verführt werden. Jedoch ein schönes Mars-Mädchen in sexy Gummioutfit gibt’s wahrscheinlich auch in München eher selten.

Sie schrubbte dann alle Regale. Dabei kam sie natürlich noch tüchtiger ins Schwitzen. Das war für Raphaela aber kein unangenehmes Gefühl, die weite Hose und die lockeren Arme streichelten ständig über ihre feuchte Haut. Der nicht vorhandene Schlüpfer war vielleicht doch ein Fehler, ihr Freund im Schritt machte sich öfter bemerkbar. Die ständige Reizung von der weiten Gummihose führte zu einer guten Durchblutung, die Beule war aber kaum sichtbar, da auch vorn sehr viel überschüssiges Gummiematerial vorhanden war.

Nach dem Mittagsimbiss in der Küche waren die Wände, die Fenster und der Boden anzugehen. Sehr schweißtreibende Schrubberei mit einer angenehmen Nebenwirkung. Immer wenn sie auf den Knien hin und her rutschte, glitt das Latex in ihrem Schritt über ihre Hoden und Penis. Der hatte so des öfters die volle Größe erreicht, sie hatte aber nie nachgeholfen, um den Augenblick nicht zu verderben.
Erst als Raphaela eine kleine Pause machte, sich den Schweiß von der Stirn wischte, ein wenig Cola trank da wanderte die Hand unwillkürlich in ihren Schritt. Sie lehnte sich an eine Wand, rieb etwas heftiger, schloss die Augen und träumelte sich in den Siebten Himmel. Wenig später hatte sie einen Orgasmus und genoss ausgiebig die pulsierenden Nachwehen.
Zufrieden stellte sie fest: ‚Schön war es und glücklicherweise ist alles aus Gummi. Flecken sind nicht zu befürchten. Auch kann der Spermageruch ganz sicher nicht nach außen gelangen.‘
Frisch gestärkt und frohen Mutes ging es weiter. Nachdem alles blitz blank geschrubbt war, studierte sie die Spezialflasche mit Natronlauge. „Vorsicht ätzend, Hautkontakt ist unbedingt zu vermeiden!“
Sie füllte die zehn Liter Sprühflasche mit Lauge und Wasser, die sie dann wie einen Rucksack auf den Rücken schnallte. Ein erster Sprühversuch zeigte jedoch schnell, der feine Nebel verteilte sich weiträumig, das konnte für das Gesicht gefährlich werden. Wohl oder übel sollte sie jetzt den Kopf auch schützen.

Sie nahm die Gasmaske, schraubte erstmal die Rauchfilterpatrone ab und presste das Mundstück gegen das Gesicht. Das Atmen war kein Problem und nur wenig erschwert. Kurz entschlossen weitete sie die untere Öffnung und zog die gesamte Gasmaske straff über den Kopf. Hinten gab es einen Reißverschluss, den schloss sie und ein langer trompetenförmiger Hals schmiegte sich eng an. Auch die Maske hatte eine wasserdichte Zusatzabdeckung mittels Klettverschluss und war somit ebenso sicher im Verhindern von eindringender Natronlauge. Das Halsende der Maske war irgendwie gewurschtelt und stand stellenweise oberhalb des Halsbandes unschön in alle Richtungen. Daher öffnete Raphaela den Reißverschluss des Anzuges, stopfte das Gummi darunter und schloss den hohen Kragen wieder.
Mit den Fingern tastete sie den Hals ab, war aber bei dem Gedanken an die Lauge: „Vorsicht ätzend, Hautkontakt ist unbedingt zu vermeiden!“ nicht ganz zufrieden. Oben am Hals könnte die Flüssigkeit eindringen und dann reinlaufen bis runter zum Brustbereich. Im Werkzeugkeller fand sie was sie suchte, einen Spiegel und eine Rolle Panzerband.
‚Das könnte funktionieren…‘, dachte sie, „…und hat sogar die gleiche Farbe wie der Anzug.‘
Sie klebte vorsichtig den ersten Streifen von dem Band einmal um den Hals und traf nicht ganz den oberen Rand. Sie entschied einfach mehrere Lagen hinzuzufügen und umwickelte den Hals zehn Mal. Mit dem Ergebnis war sie mehr als zufrieden, hier würde auf keinen Fall Lauge eindringen.
Sie fand OK mit dem was sie im Spiegel sah und murmelte vor sich hin: ‚Ein richtiger Vollschutz, wie ein Mädchen im Kampf gegen das Böse. Armagedon kann kommen.‘
Sie streckte den Daumen nach oben und freute sich an ihrem Spiegelbild:
‚Jetzt noch den Gurt, dann bin ich perfekt.‘

Erst wurde der Bauch-/Schrittgurt angelegt und nochmals mit Klick, Klack der Mechanismus gecheckt. Jetzt galt es das Stahlband am Hals anzulegen aber aufgrund der neuen Dicke ihres Halses mit Maske, Kragen und Panzertape, war das jetzt gar nicht mehr so einfach. Sie musste ein wenig drücken und fummeln. Dann machte es Klick. Sie horchte in sich hinein, ob das zu eng ist. Bewegte den Kopf nach rechts und links.
„Ertragbar, geht schon irgendwie.“, sie atmete bewusst mehrmals stark ein und aus, wartete bis die Gläser der Gasmaske vor den Augen nicht mehr beschlagen waren und entschied im Stillen: ‚War doch mehr Aufwand als gedacht, besser ich lass die Maske drauf bis ich auch mit ausräuchern fertig bin. Atmen geht gut, jetzt noch die dicken Handschuhe, dann kein Problem mehr in Sicht‘.
Die dicken Gummihandschuhe leisteten erneut Widerstand durch den engen langen Bund, aber nach ein paar Sekunden Gewurschtel und Gekeuche waren beide Hände schwarz bedeckt. Zur Sicherheit hatte sie auch diese jetzt auch noch mit Panzerband gesichert. Das war ein Fehler, den sie aber erst viel später bemerken würde.

Was sie nicht wusste und auch nicht bemerkte: Die 60 Sekunden des FIX2 waren rum, die Öffnungsknöpfe hatten jetzt keine Funktion mehr.

Fröhlich spritzte sie ausgelassen den ganzen Keller mit Natronlauge voll, zehn Liter fein zerstäubt erreichten auch die letzte Ecke. Sie handelte frei nach dem Motto „viel hilft viel“. Dann öffnete sie die Fenster, stellte das Gebläse auf maximale Stufe und maximale Hitze. Wow, war das warm. Als erstes stellte sie sich breitbeinig vor den Heißluftfön und trocknete sie sich selbst, das war in der Tat sexy, wie die Beule in der Hose verriet - dann verließ sie den Raum schnell, um vor der Hitze zu fliehen. In der Küche nahm sie ein Wasser und trank es mit Strohhalm durch das Mundstück der Maske. Was sollte sie jetzt die nächsten 20 min tun? Ausruhen?
Mutig ging sie auf die hintere Terrasse: ‚Wird schon keiner vorbeikommen.‘ Raphaela legte sich in den Liegestuhl und entspannte sich. Ihre Gefühle waren wieder auf das Skurrile der Situation konzentriert. Schon einzigartig mal so ganz in Latex gehüllt in der Frühlingssonne zu liegen. Sie atmete leicht erregt und hatte dann eine Idee für eine kleine Freude nach getaner Arbeit, einen verdienten Kick. Sie schraubte den Rauchfilter auf das Mundstück der Gasmaske und probierte aus, wie sich ihre Atmung verändern würde.
Das war in der Tat anders, der Filter bildete einen größeren Widerstand als gedacht, gegen den die Lunge kräftig ankämpfen musste. Die Seitenflügel der Gasmaske legten sich beim Einatmen fest an, fast wie ein Saugnapf und lösten sich wieder von der Wange beim tiefen Ausatmen. Zusätzlich waren jetzt die Geräusche der sich bewegenden Luft viel deutlicher wahrnehmbar. Sie spürte die zunehmende Wärme überall am Körper und streichelte sich liebevoll über die Oberarme. Dann fuhren ihre Hände über die Schenkel und es kam wie es kommen musste. Sie genoss einfach dieses neue Gefühl, räkelte sich im Liegestuhl und presste immer wieder das lockere Gummi in ihren Schritt. Das war in der Tat ein schönes Gefühl für sie und zusammen mit der erschwerten Atmung regte sich erneut eine große Lust in ihr.

Mit einer neuen Idee im Kopf sprang sie auf und rannte schnell hoch in ihr Zimmer. Außer Atem kletterte sie in die verspiegelte Dusche und betrachtete sich lange. Wow, was für ein sexy Anblick: ein Mädel in Vollschutz wie aus einem Sciencefiction Film, kämpfend für den Weltfrieden gegen gefährliche außerirdische Vieren. Sie konnte sich gar nicht satt sehen an der Virologin.
Dann drehte sie das warme Wasser auf und ließ die Wassertropfen auf ihren gummierten Kopf und Körper plätschern. Das Geräusch war sensationell und verstärkte ihre Lust zusätzlich. Langsam drehte sie die Temperatur höher und es fühlte sich an wie in einem Dampfbad. Die mollige Wärme, der schwerer werdende Atem und der herrliche Gummigeruch waren für Raphaela wie Garten Eden. Sie verstand jetzt warum Melanie dieses Outfit bestellt hatte aber ihr bleib unklar, warum sie es nur einmal getragen hatte.
Sie schloss die Augen und träumte sich ihre Vorgängerin im selben Outfit unter die Dusche. Langsam würde Ralph die Melanie in die Arme nehmen, ihren und seinen Anzug im Schritt öffnen und in sie eindringen. In der Fantasie legte sich ein Seil um die beiden Körper und fesselte sie fest aneinander.
Dieser erotische Gedankengang setzte sich fest in seiner inneren Bilderwelt und entwickelte eine eigene Dynamik. Zwei Gummiliebhaber beim Liebespiel. Seine rechte Hand half ihm durch ständiges Rubbeln im Schritt und der folgende zweite Orgasmus war sensationell.

Erschöpft ließ er sich nach Abklingen der Erschütterungswellen in die Duschwanne fallen. Das war der Hammer. Er stellte die Wassertemperatur auf kalt und sammelte neue Kräfte.

SMS von Joe an Simone:
Raphaela ist im siebten Himmel
AW: was macht sie?
AW:AW: Duschen!
AW:AW:AW: Duschen?
AW:AW:AW:AW: ja in Vollschutz, das war klar das endet orgastisch
AW:AW:AW:AW:AW: Voyeur!!!! Du kannst es nicht lassen, oder?


Ralph kletterte nach dem kalten Wasserschwall gestärkt aus der Dusche. Sie hatte Durst. Aber besann sich eines Spruches ihrer Oma: „Erst die Arbeit dann das Vergnügen!“ Im Keller war nun endlich alles furz trocken und in der Tat heiß wie in einer Sauna. Er wollte jetzt schnell alles ausräuchern und dann endlich aus den Klamotten raus steigen. Er hatte sich gut an die erschwerte Atmung gewöhnt und mit der Rauchpatrone war er in weniger als fünf Minuten alles sauber eingenebelt.
‚Dann nichts wie raus aus dem Nebelkeller und Feierabend!‘, dachte er sich. Er suchte tastend nach der Tür, die Gläser der Gasmaske waren wieder beschlagen und der ganze Raum mit dicker grauer Luft gefüllt: ‚Gefunden!‘ frohlockte er und drückte die Klinke nach unten aber die Tür war verschlossen. Das Herz stockte ihm. ‚Wer um Himmelswillen war hier im Haus und hatte sie eingesperrt?‘
Panisch rüttelte er an der Tür, keine Chance. Dann rutschte er aus fiel der Länge nach auf dem Boden und sackte kraftlos zusammen.
Nach drei Minuten kam Raphaela wieder zu sich, in ihrem Gedanken war Ralph verschwunden. Der Nebel im Keller hatte sich nur ein wenig gelichtet, alles nach wie vor schwer zu sehen und grau in grau. Sie versuchte sich zu beruhigen und zu orientieren: ‚Wo bin ich, was ist passiert?‘ Sie sortierte ihre Gedanken, tastete ihren Körper ab, zum Glück alles unverletzt und ein gruseliger Gedanken bemächtigte sich ihrer: ‚Das unter der Dusche war kein Traum, Melanie ist hier im Haus! Diese Bitch hat mich eingeschlossen.‘
Dieses Hirngespinst war für sie so realistisch, dass keine andere Möglichkeit in Frage kam. Kraftlos rüttelte sie erneut an der Tür, erfolglos. Ein Hilfeschreiversuch wurde durch die Gasmaske erstickt – sie sackte zusammen, konzentrierte sich auf ihre Atmung und entschied: ‚Ich kann nur warten, was jetzt als nächstes passiert.‘

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Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 115.555 wir haben die magischen Zahl 100.000 überschritten.
DANKE an alle Leser
123. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Toree am 05.11.21 00:25

Juhuuuu, es geht weiter!!!
Hatte mir schon sorgen um dich gemacht K2!
124. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 05.11.21 07:26

Endlich geht diese wunderbare Geschichte weiter.Ich litt schon an Entwöhnung.Dann diese Fortsetzung.Man will gleich wider noch mehr erfahren,wie es weitergeht.In der Hoffnung,daß die lange Wartezeit vorüber ist,kann die Geschichte wieder Fahrt aufnehmen.Ich muß schon sagen,daß wir mit dieser Geschichte sehr verwöhnt wurden und hoffen nun natürlich,daß sie noch ewig weiter geht und uns großen Genuß bereitet.Vielen Dank.
125. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 05.11.21 19:29

Wow für die schöne Folge ,gefällt mir immer besser. Also lass uns bald wissen wie es mit Raphaela weiter geht. Dann bis bald.
126. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Klett-max am 05.11.21 21:25

üüüüH-Fiii üüüüH-Fiii üüüüH-Fiii üüüüH-Fiii
ICH ... BIN ... DEIN ...
Ähm, falscher Film, wir sind doch im Weinkeller und nicht im Kampfstern!


WEINkeller...? Bekommt das Wort jetzt eine andere, tränenreiche Bedeutung? Jetzt werden wir hoffentlich bald erfahren, was es mit "Das war ein Fehler, den sie aber erst viel später bemerken würde." auf sich hat. Ich ahne da Etwas...
127. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von K2 am 14.11.21 10:58

Hallo Toree, Gummimaske, Erin, Klett-max,
recht herzlichen Dank für Eure lieben Kommentare. Ihr motiviert mich dadurch, an der harten Arbeit als Lektor für "Tante Gerdas Geheimnis" kontinuierlich weiter zu arbeiten. Eigentlich habe ich mehr Spaß an meinem Roman #2 rumzudoktern (aktueller Stand 240 Seiten) als "Gerdas.." Geschichte zu veröffentlichen aber ... wer kann Eurem charmantem Betteln schon widerstehen?


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...... ein Hilfeschreiversuch wurde durch die Gasmaske erstickt – sie sackte zusammen, konzentrierte sich auf ihre Atmung und entschied: ‚Ich kann nur warten, was jetzt als nächstes passiert.‘

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Telefonkonferenz Paul, Gerda, Simone:
P: Na ihr beiden, was machen die Ladies gerade so.
S: Arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten, die Bavaria will eine französische Serie syncronisieren und ich habe den gesamten Auftrag bekommen.
G: Du Glückliche, bei mir ist gerade wenig los. Nächste Woche nur ein kleiner Auftrag. Melanie die Chefin vom Makeup-Team vier will zum zweiten Mal heiraten und ich soll sie stylen.
P (lacht): Was will sie denn, diese Zicke?
G: Natürlich was ganz besonderes. Ratet mal.
S (lacht auch): Als Hexe?
G: Nö noch schlimmer, Cleopatra.
S: Zur Hochzeit?
G: Ja.
P: Und wer ist der Glückliche?
G: Gibt’s nicht, gibt eine DIE Glückliche.
S: Eine aus der Bavaria?
G: Glaube nicht, soweit ich die Gerüchtewelt verstanden habe eine Sportlerin.
P: Interessant, weißt welche Sportart, dann können wir drauf schließen wie die Melanie so tickt. Wenn es eine Turnerin ist, hat sie die Hose an, wenn es ein Wrestlerin ist, dann eher nicht.

S: Das war gemein.
P: Ich weiß.
G: Nein, nein, die Melanie hat den Spott verdient. Sie ist eine herrschsüchtige blöde Kuh und als Teamleiterin völlig daneben. Daher will sie ja auch keiner aus ihrer Mannschaft für die Hochzeit stylen.
P: Die sollten dich nehmen als Teamleiterin.
G: Der Zug ist abgefahren, die Bavaria stellt niemanden ein, der eine 3 vorn stehen hat, schon gar nicht eine 4 oder 5. So alte Schabraken wie ich haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt.
P: Schade, Dein Makeover von Ralph für den Job bei Simone & Joe war jedenfalls richtig gut. Die Fotos die du mir geschickt hast lassen kaum noch erahnen, dass diese Raphaela ein Mann ist.
S: Er ist gut.
G: Wie meinst das?
S: Hm… lass mich nachdenken. Er geht in der Rolle auf, so sage ich mal, lässt sich seine Qualität am besten beschreiben. Er geht aufs Ganze.
G: Zum Beispiel?
S: Er kleidet sich nicht nur feminin, sondern er redet auch so und benimmt sich zunehmend sicherer wie ein Fräulein.
P: Ich fand die Fotos und Filmchen mit dem Kostüm aus dem 16. Jahrhundert einzigartig. Ralph als Elisabeth, fast so gut wie die Cate Blanchett damals in dem Film. Und tanzen kann er richtig gut. Das Filmchen als sie mit dem dicken einen Tango hingelegt hat, wow.
S: Bist zufrieden?
P: Ja viele gute Szenen dabei, halbwegs gut gemachte Aufnahmen. Kann was draus zusammenschnippeln.
G: Verstehe ich das richtig, meine vage Idee eines Filmes nimmt langsam Gestalt an?
P: Ja, so kann man sagen.

S: Ich habe zu wenig Zeit für das Drehbuch.
P: Eilt ja nicht.
G: Ich habe dein erstes Skript mit dem roten Faden gelesen.
S: Und?
G: Bis zum erzwungenen Arbeitseinsatz bei dem reichen snobistischem lesbischen Paar ganz gut.
S: Gerda, das war nicht nett.
G: Ist doch nur Eure Filmrolle. In Wirklichkeit trifft das Adjektiv „snobistisch“ nur bedingt auf euch zu.
S: Da hast aber gerade mal so die Kurve bekommen.
P: Was gefällt dir denn nicht, an dem was danach kommt?
G: Zu hart, zu versaut und zu sehr mit dem Holzhammer… da macht er eh nicht mit. Meint ihr wirklich, dass er so weit gehen wird. Der überschreitet Grenzen, die wir damals nicht mal angetastet haben.

Simone erklärte nichts von dem, was gerade so in der Gartenstraße lief, entschuldigte sich mit ihrer Arbeitsbelastung und legte auf.

*****

Der Rauch im Keller lichtete sich ein wenig und man konnte jetzt das traurige Bild verschwommen erkennen. Raphaela das Mädchen im Gasschutzanzug saß auf dem Boden, der Rücken an die verschlossene Tür gelehnt. Kraftlos apathisch und niedergeschlagen atmete sie lautstark und voller Anstrengung durch die Gasmaske. Ein wiederkehrendes grunzendes Geräusch, wie ein Gemisch aus Spülmaschine beim Abpumpen und das Gluckern eines Wasserkochers. Das klang gruselig und durch den gleichbleiben Rhythmus verstärkte sich der Eindruck, dass war Schwerstarbeit. Offensichtlich hatte sich die Maske zu einem guten Teil mit Scheiß gefüllt und ein Feuchtbiotop aus Dampf und Salzwasser war entstanden.
„Ffffff…lll“ – Ruhe – „Fffff…lll“ „Ffffff…lll“ – Ruhe – „Fffff…lll“ - …“

Jetzt lichteten sich die beschlagenen Gläser der Gasmaske ein wenig. Ein Tropfen rollte an der Scheibe des linken Auges langsam nach unten und es bildete sich ein Streifen mit etwas weniger Trübung.
Raphaela nutzte die Gunst des Augenblicks, der Kopf bewegte sich in alle Richtungen und sie erschloss sich ihre Situation neu.
Dann sprang sie auf wie von der Tarantel geschossen und schrie in die Maske: „Ich Idiot, ich sitze ja vor der falschen Tür.“
Sie hatte es begriffen, in den Nebelschwaden der Ausräucherung hatte sie sich im Keller verirrt und war unglücklicherweise vor der Tür gelandet, die Waschhaus und dann zum Gartenaufgang führte. Dass diese verschlossen war, war logisch und ganz sicher keine Falle.
Sie durchquerte den Raum und richtig, die Tür zum großen Kellerflur und zum Treppenhaus war unverschlossen.

Gleich im Kellerflur schlug er die Tür zum ausgegasten Raum lautstark zu und wollte die Gasmaske runterreißen. Jetzt bemerkte er aber schnell, dass zuerst das Edelstahlhalsband zu öffnen war, Maske und Anzug waren beide gesichert. Er drückte auf den entsprechenden Knopf, kein Klick war zu hören.
‚Hallo, was soll das?‘
Er drückte wie wild auf dem Knopf rum. Nichts rührte sich. Zweiter Versuch beim Taillenband. Oh Gott, auch dort tat sich nichts. Er atmete immer schneller und versuchte nicht in Panik zu geraten.
‚Was ist jetzt zu tun?‘, sein Gehirn gab Vollgas. Der Versuch die Handschuhe abzustreifen scheiterte gleich zweifach, wegen des Panzertapes und an der glitschigen Oberfläche. Unbemerkt hatten die Natronlauge und der Rauch einen schmierigen Film auf der Gummioberfläche hinterlassen. Das Klebeband war durchtränkt und auch mit viel Rubbeln ließ es sich nicht lösen, saß bombenfest, die Handschuhe wurde er nicht los. Noch dazu begann er jetzt wieder wie wild zu Schwitzten und die Gläser der Gasmaske waren wieder vollständig beschlagen und klärten sich nicht.

‚Ruhig bleiben – ruhig bleiben‘, ermahnte sich Ralph und dachte nach.
‚Wie komme ich nur aus dem blöden Anzug wieder raus?‘, er musste dringend konzentriert nachdenken. Alles Zerren und Drücken halfen offensichtlich nichts, somit klang die Panik nach und nach ab.
Jetzt erinnerte er sich des Notfallhandys. Dafür musste er aber erstmal im Vollschutz all die Treppen hoch in Melanies Zimmer und dann? Mit den klobigen Handschuhen vertippte er sich zwei Mal beim PIN-Code. ‚Scheiße, Scheiße, Scheiße.‘ Er ermahnte sich zur Ruhe, der dritte Versuch darf nicht schief gehen.
Geschafft!

„Hhhhaaaawww Sssssimmmmohhhhhnnnne“, brüllte er unverständlich durch die Gasmaske ins Telefon. Zum Glück wusste Simone dank der SMS von Joe mehr oder weniger, was wohl vorgefallen sein könnte.
„Bist du das Raphaela?“
„wwwjaaaaaaaawwww“, kam es zurück.
„Bleib ruhig, das ist kein ernsthaftes Problem. Warte.“, sie wirkte abgeklärt, routiniert und hilfsbereit. Aber da war auch noch ein wenig Schadenfreude und sie war nachtragend, wegen des kleinen Zwischenspiels im Bad mit Joe. Sie legte einfach auf und ließ ihn ein zweites Mal anrufen, bevor sie ihm half: „Erinnerst du dich an das Kleid für die Königin?“
„MMMpppffff.“
„Du brauchst bei Melanies Gürtel und Halsband nur einen Magneten zum Öffnen. Das funktioniert wie im Kaufhaus mit den Sicherheitsdingern an jedem Kleidungsstück. Der Magnet liegt im ersten Küchenschubfach, gleich neben dem Flaschenöffner.“
„DDDaaaaakeeee.“

Und wirklich, mit dem Magneten ging das Halsband problemlos auf. Erstmal schnell raus aus der Gasmaske, aber das dauerte bis er das Panzertape runter hatte. Ralphs Haupt war klitschnass geschwitzt, fix und fertig. Er steckte erstmal den ganzen Kopf unter den Wasserhahn und trank mehrere Hände kalten Wassers. Die Erfrischung half und er entspannte sich sichtlich.
Dann probierte er an dem vor seinem Körper baumelnden Halsband ein wenig rum und hatte bald den Dreh raus. Klick = kein Problem, dreißig Sekunden Warten = GEFANGEN!
‚Das war es wohl, was Melanie damals bewogen hat, den Anzug nie wieder zu tragen. Ich wüsste schon gern wie lange sie eingesperrt war. Stunden? Oder gar Tage? Hatte sie kein Notfalltelefon?‘

So erfrischt kam er auf andere Gedanken und das Ausziehen des Ganzanzuges war auf einmal gar nicht mehr so eilig. Er machte erstmal eine Fotosession und holte dafür sogar die Giftspritze aus dem Keller, setzte auch die Maske wieder auf. Die Bilder waren es Wert.
Schnell was leckeres Essen und dann eine neue Idee. Ralph begann sich zu schminkten, sehr sorgfältig, er wollte wieder ganz Raphaela sein. Es folgten Bilder im Keller, im Garten und sogar unter der Dusche: sexy Marsmädchen, Weltenretterin, Virologin, Labormäuschen. Bestimmt hundert Modellfotos entstanden, sie fand kein Ende. Das war einfach nur sexy für sie und als sie fertig war, setzte sie sich in auf den Küchenhocker, trank Kaffee und schaute auf die Uhr.

Genau das war ein großer Fehler und löste eine Kette von weiteren Ereignissen aus. Die Uhr zeigte 16:05, Simone und Joe hatten aber angekündigt, erst um sechs nach Hause zu kommen, also waren noch fast zwei Stunden Zeit.
Dieses Wissen und die Freude an der Situation erweckten den Schalk in ihr. Eine Idee wurde zur Vision und dann in ein Drehbuch übersetzt. Sie hatte unter der Dusche davon geträumt mit Melanie gefesselt zu sein. Warum nicht einfach in die Tat umsetzten?

Oben im Ankleidezimmer kramte sie das weiße Lederfesselgeschirr, den Vibrator und die Handschellen heraus. Mit der schlechten Erinnerung, wie gefährlich das beim letzten Mal wurde, als sie im Kopfkissen kaum Luft bekam, räumte sie das Bett diese Mal einfach ganz leer.
Die körperliche erotische Lust hatte wieder Oberhand über die Müdigkeit gewonnen und so legte sie gleich los. Die Zeitschaltuhr bekam eine Stunde, das würde reichen, um hinterher aufzuräumen. Dann legte sie sich mit ihrem grauen Schutzanzug mitten auf Bett in die Gurte und fesselte sich sorgfältig Riemen für Riemen von den Füßen bis zur Hüfte. Ein schöner Kontrast, ein grauer Schutzanzug mit regelmäßigen weißen Lederstreifen.
Der Vibrator wurde sorgfältig in die richtige auf der Eichel Position gebracht und angeschaltet. Es folgten das Aufsetzen der Gasmaske. Wie selbstverständlich hatte sie sich für die Version mit Rauchfilter entschieden, die Atemreduktion gab dem Ganzen eine zusätzliche Stimulation. Irgendwie törnte es sie jetzt liegende und fest gefesselt noch mehr an. Bei jedem Atemzug anzukämpfen gegen den Widerstand des Filters, dazu das abwechselnde Aufblähen und Schrumpfen der Maske und nicht zuletzt das herrliche Geräusch der Luftströme, wow. Die Atemprobe stellte Raphaela zufrieden, dieses würde eine Stunde ohne Atemnot funktionieren.
Klick, dann war auch das Halsband richtig eng zu. Dann spannte sie den letzten Gurt um die Stirn, legte die Hände auf den Rücken, ein letzter Klick, der der Handschellen und die Stunde Glückseligkeit konnte beginnen.

Sie schwebte im Gummi- und Bondagehimmel, erträumte sich Szenen mit einer gleichgesinnten Frau, dieses Mal diffus, nicht unbedingt Melanie. Dann ersetzte sie diese unbekannte devote Persönlichkeit durch eine gummierte Anna und träumte sich in eine Wunschwelt mit Wunschpartnerin. Ihre Phantasie war ein allumfassendes Spiel und unbeschreiblich intensiv. Sie verstärkte das Gefühl durch leichte Befreiungsversuche und sich im Bett von rechts nach links wälzen. Sie schwitzte und das Atmen fiel bei der selbst gewählten sportlichen Anstrengung zusätzlich schwerer.
Dazu kam das Wissen, eine Stunde keine Chance zu haben, aus der Situation rauszukommen. Der dritte Orgasmus des Tages ließ nicht lange auf sich warten. Das hallte unendlich nach und neben dem Fetisch war da ein Traumbild einer Partnerin – dieses Mal definitiv nicht Melanie - Anna war so nahe und so schön.

Dann schlief sie ein.

*****

Joe und Simone kamen pünktlich um sechs gemeinsam heim. Der Flur roch nach Natronlauge und so waren sie animiert, direkt in den Keller zu schauen.
„Schön sauber geworden aber wieso hat sie nicht eingeräumt?“, fragte Simone besorgt.
Wenig später standen beide in Melanies Zimmer und grinsten breit.
„Sag ich doch!“, flüsterte Joe, „sie steht drauf.“
Simone knuffte sie und flüsterte zurück: „Lass sie doch, schau mal wie süß unsere Kleine schläft.“
„Eine Sub, wie sie im Buche steht, kaum lässt man sie allein, fesselt sie sich.“
Die Handschellen waren bereits offen, der Vibrator summte aber noch vor sich hin. Beide Damen grinsten breit und konnten sich ohne Problem ausmalen, was hier passiert war.
Simone sprach ganz leise: „Sieht sie nicht goldig aus unser Marsmädchen?“
„Weißt was ich denke.“, flüsterte Joe zurück.
„Ja, was ganz Perverses.“
„Stimmt.“, Joe lächelte und beließ es beim Flüstern, auch sie wollte Raphaela nicht wecken, „die hat garantiert da rein onaniert. Riechst Du das auch?“
„Und wenn? Hättest du doch auch gemacht.“
„Stimmt.“

Die beiden Damen waren ganz Gentleman. Sie ließen Raphaela nicht nur weiter Schlafen, sondern gingen sogar noch ins Rossini zum Abendessen. Mit einer SMS gewährten sie ihr Sicherheit, unentdeckt zu sein.

Sorry wird heute doch erst 22 Uhr, Geschäftsessen. MfG J+S

Wie versprochen kamen sie gegen zehn zurück, sehr rücksichtsvoll von den beiden. Jetzt war der Keller eingeräumt und das Mädchen saß im Nachthemd vor dem Fernseher und sah das heute-Journal.
„Und wie war dein Tag?“, fragte Joe auffällig beiläufig.
„Nix besonders, alles Ok, der Keller ist fast fertig.“, antwortete Raphaela noch eine Spur beiläufiger.
„So, so!“, knurrte Joe und wiegte Raphaela in Sicherheit bevor sie unvermittelt fragte, „Ich bräuchte mal den Fotoapparat, wo ist der?“
„Den hatte ich.“ Wie von der Tarantel gestochen, rannt das Mädchen nach oben, sie musste ja noch schnell die Fotos runterladen. Im jetzigen Zustand konnte sie die Kamera auf keinen Fall Joe aushändigen.
Simone dachte sich bei diesem Geplänkel ihren Teil: ‚Ihr spinnt ihr beiden! Ralph ist ein perverser Wichser und Joe eine fiese Dom. Aber ich habe euch trotzdem beide ganz dolle lieb!‘

Kapitel #10 *** der letzte Tag, die erste Nacht
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Statistik für Leute die daran glauben: GELESEN 120.500 immerhin wieder 5000 Lesungen in einer Woche, nicht ganz so viel wie früher (8000) aber doch eine ganz gute treue Leserschar.
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Eine Frage an alle Leser (m,w,d),
wenn ich das Buch auf eigene Kosten drucken würde, mit ISBN und allem Drum und Dran, wer würde es kaufen? Sagen wir mal als Daumenwert, 19,95€.

Danke vorab für Eure Rückmeldung, gern auch per Mail: [email protected]
128. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Erin am 14.11.21 15:57

Schöne Folge hat mir gut gefallen. Bin schon gespannt wie die nächsten Tage so werden!
129. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Olle am 14.11.21 18:48

Schön das es wieder weitergeht...
130. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von Gummimaske am 14.11.21 20:14

Ich kann mich nur immer wieder wiederholen,eine einzigartige,wunderbare Geschichte.Man bekommt einfach nicht genug vom Lesen.Sie ist wirklich voll nach meinem Geschmack.Das Buch würde ich mir sicher kaufen.
131. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von piercedcock am 15.11.21 09:53

Also ich bin einer Buchveröffentlichung dabei ... Top Geschichte.
132. RE: Tante Gerdas Geheimnis

geschrieben von develdom am 24.11.21 22:01

Es waren wieder geile Geschichten, schön das es weiter geht.
Ich Fieber mit euch weiter mit, verfolge alles mit, aber aus gesundheitlichen gründen werde ich meinen Senf etwas später oder leider nicht zeitnah dazu geben!!!!
mach weiter!!!

ist einfach eine geile Geschichte


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