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eröffnet von Matze23 am 02.01.26 08:34
letzter Beitrag von Matze23 am 17.01.26 08:40

1. Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 02.01.26 08:34

„Die Schwesternschaft“ ist eine ruhige Geschichte; ohne Gewalt und (fast) ohne Sex. Und sie braucht etwas, bis sie richtig in Fahrt kommt. Also ein wenig Geduld und viel Spaß beim Lesen!

Grüße, Matze

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Sisterhood of Holy Abstinence
Die Schwesternschaft der Heiligen Abstinenz


1.
Ich war ganz unten angekommen.

Vor ein paar Monaten hatte mich meine Firma rausgeworfen. Um Personalkosten zu sparen, hieß es. Doch was wollten sie bei meinem mickrigen Gehalt schon sparen? Hätten sie einen dieser überbezahlten Vorstände entlassen, hätten sie von dem Geld zwanzig Leute wie mich beschäftigen können. Aber eine fette Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus.

Und damit nicht genug; wenig später warf mich auch noch meine Freundin aus der gemeinsamen Wohnung. Mit einem arbeits- und mittellosen Loser wie mir wollte sie nicht länger zusammen sein. Später sah ich sie mal mit einem dieser schmierigen Typen: Sportwagen, das Gehirn gleichmäßig auf die beiden Oberarme verteilt, und eine dicke Beule im Schritt. Vermutlich verdiente der sein üppiges Geld mit irgendwelchen zwielichtigen Geschäften, aber das konnte mir jetzt auch egal sein. Was jedoch viel mehr weh tat: sie schien inzwischen wieder auf ‚echte‘ Kerle zu stehen. Dabei war sie es doch gerade, die mich darin bestärkt hatte, zu mir zu stehen, mich zu outen und mit der Hormontherapie anzufangen.

Um nicht auf der Straße zu sitzen, hatte ich ein Zimmer in einem dieser billigen Monteurhotels gemietet. Für den gebotenen Standard war das total überteuert, aber wie sollte ich, ohne Job, ohne Adresse, eine bezahlbare Wohnung finden? Noch dazu in der heutigen Zeit, wo selbst winzige Wohnklos mit Gold aufgewogen wurden? Dabei war ich in dem Hotel ständig auf der Hut, da es gerade für Menschen wie mich dort nicht ganz ungefährlich war. Frauen waren in solchen Etablissements eher selten und wurden häufig bedrängt. Und Frauen, die noch nicht mal ‚richtige‘ Frauen waren, mussten auch noch Spott und Verachtung über sich ergehen lassen. Zum Glück hatte ich mich inzwischen zu einer optisch durchaus attraktiven Frau entwickelt, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich ‚entdeckt‘ würde, relativ gering war, solange mir keiner an die Wäsche ging.

Meine finanzielle Lage war nicht gerade rosig, auch wenn ich noch Arbeitslosengeld bekam, das mir einigermaßen über die Runden half. Es deckte gerade meine Zimmermiete und ein bescheidenes Mittagessen. Aus der Zeit vor dem Rauswurf hatte ich noch genügend ordentliche Kleidung, so dass ich wenigstens nicht wie eine Obdachlose herumlaufen musste, auch wenn ich mir in diesem Umfeld ein wenig zu sexy vorkam. Ich schminkte mich sicherheitshalber nicht und band meine langen Haare meist zu einem Knoten zusammen, um nicht zu attraktiv zu wirken; doch alle meine Röcke waren recht kurz und die mir in den letzten Jahren durch die Hormone gewachsene Oberweite konnte ich nur schwer verbergen. Doch für andere Klamotten fehlte mir das Geld.

Wenigstens sponsorte mir das Amt eine Monatskarte. Fast täglich schickte mich die Jobagentur zu irgendwelchen Bewerbungsgesprächen. Aber wer brauchte eine wie mich? Gut, ich hatte sogar studiert; hatte eine Bachelor, aber in Biologie. Hand aufs Herz, wer braucht eine Biologin B.Sc.? Hätte ich einen Doktor, gäbe es zumindest eine winzige Chance auf einen Job. Aber nur mit einem Bachelor? Und dann die herablassenden Blicke und bohrenden Fragen, warum in meiner Bewerbung ‚Simone‘ stand und ich im eleganten Rock und Bluse vor ihnen saß, wo doch in meinen Zeugnissen ‚Simon‘ stand? So tourte ich durch die Firmen der Region. Für die einen Jobs war ich überqualifiziert, für den Bau mit meiner schmächtigen Statur und natürlich als Frau zu schwächlich, für Bürojobs zu unerfahren, und so weiter. Es fand sich immer eine gute Ausrede, um mich wieder wegzuschicken.

Ich hatte es so satt… Ständig holte mich meine Vergangenheit ein. Für die einen war ich kein Mann mehr und für die anderen keine richtige Frau; je nach dem, aus welcher Sichtweise man für sich die größeren Vorteile schlagen konnte. Dabei war ich so glücklich, als Sandra, meine damalige Freundin, meine seelischen Nöte erkannte, meine Schmerzen und Dysphorie richtig deutete und mich ermutigte, endlich zu mir zu stehen. Ach wenn es damals hart war, mein Umfeld mit meinem neuen Äußeren vor den Kopf zu stoßen, war es dennoch eine der glücklichsten Phasen in meinem Leben.

Sandra stand an meiner Seite und beriet mich, als ich mir eine neue, durchgehend weibliche Garderobe zulegte. Ebenso, als ich die ersten Hormone nahm, meine Brüste langsam wuchsen und meine Stimmung Achterbahn fuhr. Als ich die schmerzhaften Prozeduren der dauerhaften Haarentfernung am Körper über mich ergehen ließ. Stets war sie bei mir. Bis nach meiner Kündigung, da war auf einmal alles vorbei. War alles nur Fassade und sie stand nur auf mein bisschen Geld? Oder wurde es ihr langsam peinlich mit mir und sie suchte nur einen Vorwand? Wollte sie ihren Freundinnen gegenüber nicht wie eine Lesbe dastehen? Letztendlich spielte es keine Rolle mehr. Ich stand jetzt hier. Alleine, ohne Freunde, ohne Job, ohne Partnerin, ohne vernünftiges Geld.

Das mit dem ALG wäre in ein paar Monaten auch Geschichte, und dann könnte ich noch hartzen und auf eine heruntergekommene Sozialwohnung vom Amt oder auf einem Platz im Obdachlosenheim hoffen. Was für eine Perspektive!

Das Highlight meiner traurigen Tage war immer das Mittagessen. Ein paar Straßen weiter gab es eine Suppenküche für Bedürftige. Das Essen war einfach, aber fast immer gut, und das Personal war sehr freundlich. Es schien ein Orden oder so etwas zu sein; an der Türe hatte ich ein kleines Schild mit ‚Sisterhood of Holy Abstinence‘ gesehen. Schwesternschaft der heiligen Abstinenz? War das eine Gemeinschaft von Alkoholgegnerinnen? Oder ehemaligen Trinkerinnen? Dazu würde passen, dass ich noch nie irgendwelchen Alkohol in diesen Räumlichkeiten gesehen hatte und es den meist alkoholkranken Gästen strikt verboten war, welchen mitzubringen.

Mittlerweile kannte ich einige der Frauen vom Sehen; die meisten waren etwas jünger, vielleicht in ihren mittleren Zwanzigern bis frühen Dreißigern, also etwa in meinem Alter. Sie trugen keine einheitliche Tracht, aber einfache, etwas altbackene Blusen, selbstgestrickte Pullunder oder Jacken sowie bodenlange, schlichte Faltenröcke in dunklen Farben. Vermutlich war diese Schwesternschaft Stammkunde in einem Second-Hand-Laden.

Jeden Tag warf ich fünf Euro in die Spendenbox, schließlich wollte ich nicht schmarotzen. Und noch konnte ich es mir leisten. Es war schließlich, neben dem bescheiden Frühstück im Hotel, meine einzige Mahlzeit des Tages. Und ebenfalls jeden Tag gönnte ich mir den Luxus einer Tasse Filterkaffee für 50 Cent als Nachtisch. Dazu blätterte ich in der Tageszeitung, die dort auslag, überflog die Nachrichten und studierte ausgiebig die Stellenanzeigen. Und erneut wurde keine Biologin gesucht…

* * *

Ich war so in mein Studium der Anzeigen vertieft, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass sich jemand an meinen Tisch gesetzt hatte.
„Hallo, ich bin Schwester Petra.“
Ich blickte auf. Mir gegenüber saß eine dieser jungen Schwestern, die ich vom Sehen her kannte.
„Und wer bist du?“ fragte sie mit einem freundlichen Lächeln.
„Ich… ich bin Simone.“
„Hallo Simone. Das ist ein schöner Name.“
„Äh… hallo, ja, finde ich auch.“ Ich war etwas verwirrt. Noch nie hatte ich gesehen, dass sich eine der Schwestern zu jemandem setzte. Sie waren immer freundlich und höflich, hielten aber stets eine professionelle Distanz.
„Du… ich darf doch ‚du‘ sagen?… du kommst jetzt schon seit Wochen hierher zum Essen.“
„Ja… ich habe nicht viel Geld. Und hier ist das Essen gut, es ist warm und ihr seid immer nett zu den Gästen.“

Sie lächelte mich an. „Das freut mich zu hören.“ Ihr Blick wurde wieder etwas ernster. „Du siehst nicht wie eine Obdachlose aus. Was ist dir passiert?“
Sie war der erste Mensch, der sich bislang überhaupt nach meinen Lebensumständen erkundigt hatte. Sollte ich ihr mein Herz ausschütten? Oder lieber etwas knapper bleiben? Ich entschied mich für letzteres.

„Nun, ich habe meinen Job verloren und finde keinen neuen. Und dazu hat mich meine Lebensgefährtin rausgeworfen. Jetzt lebe ich von Arbeitslosengeld und wohne in einem schäbigen Hotel.“
„Oh, da klingt nicht gut. Aber immerhin musst du nicht unter der Brücke schlafen.“
„Ja, bis jetzt. Aber in ein paar Monaten läuft die Stütze aus. Und dann muss ich sehen, wie es weitergeht.“

Schwester Petra machte Anstalten aufzustehen. „Ich muss in der Küche weitermachen. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Stellensuche. Wir sehen uns sicher noch.“
Ich bedankte mich für ihre Wünsche und las in der Zeitung weiter. Es fiel mir allerdings schwer, mich zu konzentrieren. Es war das erste Mal seit langem, dass ich ein persönliches Gespräch hatte, auch wenn es nur kurz und oberflächlich war. Schließlich trank ich den letzten Schluck des mittlerweile kalt gewordenen Kaffees aus, legte die Zeitung zurück und ging.

* * *

Am nächsten Tag freute ich mich noch mehr als sonst auf das Mittagessen. Schon beim Schlangestehen bemerkte ich, dass Schwester Petra heute nicht da war; stattdessen hatten zwei andere Schwestern Dienst. Irgendwie war ich ein wenig enttäuscht, aber was hatte ich erwartet? Nun, in meiner Situation ist man über jedes Bisschen an persönlicher Zuwendung dankbar, aber ich musste es nehmen, wie es kam. So aß ich wieder in Stille, gönnte mir den Kaffee und las dabei die Zeitung.

Erst am dritten Tag sah ich Schwester Petra wieder an der Essensausgabe. Sie begrüßte mich sogar persönlich.
„Hallo Simone, geht es dir gut?“
„Hallo, Schwester Petra. Na ja, es geht. Halt so wie immer.“
„Na, das klingt ja zumindest nicht ganz katastrophal. Ich wünsche dir einen guten Appetit. Und noch einen erfolgreichen Tag!“
„Danke!“
Damit war das Gespräch leider auch schon beendet. Aber immerhin besser als nichts.

So ging das über die Wochen. Etwa alle drei bis vier Tage war Schwester Petra da. Jedes Mal begrüßte sie mich freundlich und mit Namen, fragte mich nach meinem Befinden oder ob ich schon Erfolg bei der Stellensuche hatte. Und so auch heute wieder. Und doch war es anders.

Als ich bei meinem Kaffee saß, kam Schwester Petra mit einer Tasse Kaffee in der Hand zu mir.
„Hallo Simone.“
„Hallo Schwester Petra.“
„Sag einfach ‚Petra‘ zu mir. Das ‚Schwester‘ klingt so förmlich.“
„Gerne, wie du möchtest.“

„Sag mal, Simone, was hast du eigentlich gemacht, bevor du arbeitslos wurdest?“
„Ich habe Biologie studiert, aber in meinem Fachgebiet nichts gefunden. Und so habe ich genommen, was ich gerade fand. Mein letzter Job war so ein schlecht bezahlter Bürojob. Eigentlich eher das Mädchen für alles. Akten sortieren, Kaffee für die hohen Herren kochen, der offiziellen Sekretärin den lästigen Kleinkram abnehmen, und so.“
„Klingt nicht sehr spannend.“
„War es auch nicht. Aber ich hatte wenigstens ein festes Einkommen, wenn auch wenig. Und ich musste nicht Taxi fahren.“

Petra musste grinsen. „Ich kann deinen Frust verstehen. Weißt du was? Ich halte mal die Ohren offen, vielleicht erfahre ich ja was. Kennst du dich mit Buchhaltung aus? Oder Schreibmaschine? Das würde deine Chancen erhöhen.“
„Tippen kann ich. Und Buchhaltung… Na ja, Biologen brauchen so etwas eher nicht. Aber das kann man sicher lernen.“
„Prima! Dann wünsche ich dir noch viel Erfolg und einen schönen Tag.“
„Danke, ich dir auch, Petra.“
Beim Aufstehen legte sie noch ihre Hand auf meine Schulter, drückte sie kurz, und schon war sie wieder verschwunden.

Das Gespräch hatte mich nachdenklich gemacht. Vielleicht müsste ich mehr an mir arbeiten, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Nun, mit Zahlen jonglieren war jetzt nicht meine Leidenschaft, aber immerhin hatte ich Mathe bis zum Abi. Und mal sehen, ob es irgendwelche Selbststudien im Internet gab. Wenigstens hatte ich WLAN im Hotel und konnte somit ins Internet.

Ein paar Tage später kam Petra nach dem Essen wieder zu mir an den Tisch.
„Na, wie sieht’s aus?“, wollte Petra von mir wissen.
„Ich habe angefangen, mir selbst Buchhaltung beizubringen“, berichtete ich ihr stolz. „Danke für deinen Tipp!“
„Gerne.“ Petra strahlte. „Aber ich bin aus einem anderen Grund hier. Hast du heute Abend schon was vor?“
„Heute Abend? Willst du mit mir ausgehen?“

Petra lachte laut auf. „Nein! So etwas wie Ausgehen machen wir Schwestern nicht. Aber ich habe meinen Mitschwestern von dir erzählt. Sie würden gerne mit dir reden.“
„Mit mir?“
„Klar. Und, kannst du?“
„Natürlich!“
„Prima, dann komme heute Abend um 18 Uhr zu dieser Adresse.“ Petra schob mir eine Visitenkarte zu. „Sei pünktlich!“




2. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von MrSteel69 am 02.01.26 09:59

Moin Matze und noch ein gutes neues Jahr,

schöner Schreibstil. Liest sich gut. Bin gespannt, wie es weitergeht.

VG
MrSteel
3. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 02.01.26 12:57

Auch ich bin gespannt,wie es weiter geht.
4. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von goya am 02.01.26 18:11

Hallo Matze23,

vielen Dank.

Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen...

Liebe Grüße

goya
5. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 03.01.26 07:07

Vielen Dank für eure Kommentare!

Dann will ich euch nicht zu lange auf die Folter spannen.

Grüße, Matze


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2.
Punkt sechs Uhr stand ich vor der genannten Adresse. Eine Schwester öffnete mir, die ich vom Sehen her aus der Suppenküche kannte. Sie war mir aufgefallen, da sie deutlich älter war als die anderen mir dort bekannten Frauen.
„Ich bin Mutter Renate“, stellte sie sich vor. „Kommen sie herein.“
„Danke! Schwester Petra hat mich immer geduzt.“
Mutter Renate lächelte mich an. „Gut, wenn sie es wünschen, dann mache ich das auch. Also, Simone, bitte hier lang.“

Sie führte mich in einen Raum, in dem sich eine Tischreihe und ein Einzeltisch gegenüber standen.
An der Tischreihe saß Petra und lächelte mich an. Neben ihr saßen drei weitere Schwestern, die ich alle vom Sehen her kannte.

„Setz dich bitte“, forderte mich Mutter Renate auf und wies auf den Einzeltisch. „Das hier sind die Schwestern Michaela, Claudia und Beate. Schwester Petra kennst du ja schon.“ Sie setzte sich auf den freien Platz in der Mitte. „Ich bin die Priorin, also die Leiterin unseres kleinen Konvents, und meine Mitschwestern hier sind der Schwesternrat.“

Alle fünf schauten mich interessiert an und ich fühlte mich ein wenig unwohl.
„Du brauchst keine Angst haben, das ist kein Verhör.“ Mutter Renate lächelte mich an. „Es ist nur so: du bist uns als ungewöhnlicher Mittagsgast in unserer Suppenküche aufgefallen. Du bist gepflegt, nicht obdachlos, und bezahlst jeden Tag dein Essen. Das ist hier absolut selten. Wir würden gerne mehr über dich erfahren.“ Sie sah mich sehr direkt an. „Kannst du ein bisschen über dein Leben erzählen? Und wie es dazu kam, dass du bei uns essen musst?“

Erst fiel es mir schwer, mich zu öffnen, aber alle fünf strahlten eine unglaubliche Wärme aus, die meine innere Mauer schmelzen ließ. So begann ich zu erzählen. Von meinen Studium, das ich aus reinem Interesse, ohne berufliche Ambitionen, absolvierte, der schwierigen Jobsuche, dem Hilfsjob, um überhaupt etwas zu haben, der Kündigung und meiner treulosen Ex. Und natürlich von meinen sehr knappen finanziellen Möglichkeiten, die mich zur Suppenküche der Schwesternschaft gebracht hatten.

„Und da gibt es noch etwas, über das ich nicht gerne rede.“
Mutter Renate lächelte nur und sah mich freundlich an. „Sprich es aus, das befreit.“
„Ich sehe aus wie eine Frau, ich fühle mich und lebe auch so, aber biologisch gesehen bin ich ein Mann“, meinte ich mit leiser Stimme, und ich war mir sicher, dass ich im Gesicht puterrot war. „Ich nehme schon seit einigen Jahren Hormone, aber für die abschließenden Operationen hat bislang nie das Geld gereicht.“
„Oh.“ Diesmal verschlug es sogar Mutter Renate die Sprache.

Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefasst hatte. „Danke, dass du so offen bist. Ich denke, es erleichtert auch, wenn man darüber spricht.“ Sie machte eine längere Pause. „Wir wollten dir ursprünglich eine neue Chance in unserer kleinen Gemeinschaft anbieten. Aber wir sind eine reine Frauengemeinschaft, und viele unserer Mitschwestern sind hier, gerade weil sie traumatische Erlebnisse mit Männern hatten.“

Erneut sah sie mich nachdenklich an. Sämtlicher Mut wich aus mir. Selbst hier, in dieser Gemeinschaft freundlicher, offener Frauen holte mich meine verdammte Vergangenheit ein. Mein Leben war jetzt wirklich am Ende.

Doch Mutter Renate stand nicht auf, um das Gespräch zu beenden. Stattdessen sah sie mich nachdenklich an. „Wir möchten dir auf jeden Fall helfen, allerdings haben wir keine Erfahrung mit Frauen, die früher mal Männer waren. Deshalb müssen wir uns nochmal untereinander beraten, wie wir dir helfen können, ohne Unruhe in unsere Gemeinschaft zu tragen. Daher möchte ich das Gespräch jetzt beenden. Aber könntest du morgen Abend um die gleiche Zeit wieder zu uns kommen? Ich denke, dass wir bis dahin eine Idee haben.“

Mein Herz pochte wie wild. Gab es doch noch eine Chance für mich? „Natürlich komme ich!“, platzte es förmlich aus mir heraus. „Gerne!“
„Gut, dann sehen wir uns morgen“, lächelte mich Mutter Renate an.

* * *

Der nächste Tag war die Hölle für mich. Beim Mittagessen war ich irgendwie froh, dass weder Petra noch sonst eine Schwester aus der gestrigen Runde Dienst hatte, sonst hätte ich sie vermutlich mit Fragen überhäuft. Und das vollkommen sinnlose Gespräch bei der Arbeitsagentur am Vormittag hatte mich nur genervt. Klar, die gute Frau dort machte auch nur ihren Job, aber eigentlich tat sie schlicht nichts für mich als nur mir Konsequenzen anzudrohen, wenn ich mich nicht fleißig genug bewerben würde.

Schließlich stand ich mit zitternden Knien vor der Türe und drückte die Klingel. Eine mir unbekannte Schwester öffnete, wusste aber gleich, wer ich war, bat mich hinein und führte mich wieder in diesen mir bereits bekannten Raum.

Wie am Tage zuvor saßen Mutter Renate sowie die vier Schwestern des Schwesternrates an dem langen Tisch und lächelten mir zu, als ich mich an den einzelnen Tisch gegenüber setzte. Zittrig zupfte ich den in ihren Augen vermutlich viel zu kurzen Rock zurecht und sah sie nervös an.

„Willkommen, Simone“, fing Mutter Renate an. „Hoffentlich hattest du einen schönen Tag?“
„Nicht wirklich“, gab ich offen zu. „Ich bin ziemlich angespannt. Schließlich geht es hier um meine Zukunft.“
Mutter Renate lächelte freundlich. „Nun, wir sind hier keine Jury oder Gericht, die über dein Schicksal urteilt, sondern nur eine Schwesternschaft, die Frauen in Not und Bedrängnis eine neue Chance anbieten möchte. Und da du ebenfalls in Not bist und dich selbst als Frau siehst, möchten wir dich nicht abweisen.“

Die Worte klangen beruhigend, doch ich wartete auf das große ‚Aber‘.
„Doch zuvor möchte ich dir noch ein paar Fragen stellen.“
„Okay?“
„Hast du Erfahrung mit Pflanzen und Garten?“
„Eher akademischer Art, vom Studium her.“
„Und mit sozialen Tätigkeiten?“
„Ich war früher mal Leiter bei den Pfadfindern. Aber seither nicht mehr.“
„Könntest du dir auch Aufgaben vorstellen, die nicht deinem Spezialgebiet entsprächen?“
„Wenn es nicht gerade Akten nach Alphabet sortieren ist, warum nicht? Neue Herausforderungen halten jung.“

Mutter Renate sah zu ihren Mitschwestern und alle nickten leicht. Dann sah sie zu mir und lächelte mich an.
„Simone, wir haben lange und ausführlich zusammen diskutiert, auch mit den anderen Schwestern, die nicht im Rat sind. Und wir waren uns weitgehend einig. Daher möchten dir ein Angebot machen.“
Ich sah sie etwas verwirrt und ungläubig an. „Ein Angebot?“

„Ja. Wir möchten dich fragen, ob du für uns arbeiten möchtest. Wir suchen ständig nach Verstärkung, nach Frauen, die uns bei allen Aufgaben helfen. In der Verwaltung und Buchhaltung, in der Suppenküche und eventuell auch in unserem kleinen Wirtschaftsgarten. Wir sind einfach viel zu wenige für die zahlreichen Aufgaben, da könnten wir weitere helfende Hände wie dich gut gebrauchen. Allerdings können wir nicht viel bezahlen, aber wir würden dir freie Kost und Logis bieten. Was hältst du davon?“

„Das klingt nach einem besseren Leben als meinem bisherigen. Ganz spontan sage ich ‚ja‘.“
„Allerdings muss ich doch auch eine Einschränkung benennen. Da du keine biologische Frau bist, können wir dich nicht in unseren Konvent aufnehmen und du wirst getrennt von den anderen Frauen wohnen. Ebenso werden einige Bereiche für dich unzugänglich bleiben. Könntest du das akzeptieren?“
„Ich bin nicht davon ausgegangen, eine Schwester zu werden. Das klingt alles in Ordnung für mich.“

Mutter Renate stand auf und ging auf mich zu und schüttelte mir die Hand. „Herzlich willkommen in unserer kleinen Familie.“
„Danke, Mutter Renate.“
„Hast du schon was gegessen?“
„Nein.“ Wann hatte ich das letzte Mal überhaupt etwas zu Abend gegessen? Es musste schon Monate her sein.
„Dann komm!“

Wir verließen diesen kleinen Saal und gingen einen Gang entlang, von dem vereinzelte Flure abgingen, alle durch Holztüren mit Milchglasfenstern abgetrennt.
„Hier rechts ist der Gästeflügel, dort wirst du dein Zimmer haben. Links ist der Hauswirtschaftsbereich mit Wäscherei, Näherei und ein paar kleinen Werkstätten. Und wir befinden uns gerade im Gemeinschaftsbereich, in dem du dich auch aufhalten darfst. Hier sind die Küche, der Essbereich und unser Gemeinschaftszimmer, auch Wohnzimmer genannt.“
Vor einer Türe blieben wir stehen. „Hier ist unser Esszimmer, wo wir gleich essen werden. Und dahinten, am Ende des Flures, die Eichentüre, siehst du sie? Dort beginnt der Schlafbereich der Schwestern. Dieser Bereich ist für dich tabu, unter allen Umständen. Verstanden?“ Mutter Renate sah mich mit durchdringendem Blick an.
„Ja, verstanden. Ich werde diese Schwelle niemals überschreiten.“
„Sehr schön! Dann lass uns jetzt was essen.“

Im Esszimmer warteten bereits eine Reihe weitere Schwestern, die mir Mutter Renate kurz vorstellte. Alle waren irgendwie ähnlich angezogen, mit ihren altmodischen Blusen und den langen Röcken aus schwerem Stoff. Ich war die Einzige mit etwas modischeren Klamotten und fühlte mich in diesem Moment ein wenig wie ein Fremdkörper.

Das Essen selbst lief in Stille ab. Jeder Handgriff schien tausendfach eingeübt. Plötzlich war der Tisch gedeckt, alle saßen auf ihren wohl angestammten Plätzen und Mutter Renate wies mir mit einer Geste einen Platz zu. Ich hatte tausend Fragen, aber diese Stille ließ auch mich verstummen. So aß ich das bescheidene, aber doch schmackhafte und sättigende Mahl. Als alle Teller geleert waren, wandte sich Mutter Renate an mich.
„Hat es dir geschmeckt, Simone?“
„Danke, Mutter Renate, das war mein bestes Abendessen seit Monaten.“ Es war nicht mal gelogen, denn es war ja auch das erste überhaupt.

„Das freut mich, Simone“, meinte Mutter Renate. „Ich möchte dich jetzt zu einem Vier-Augen-Gespräch in mein Büro einladen. Ich denke, du hast eine Menge Fragen an uns.“
„Natürlich.“
„Dann komm.“

Kurz darauf saß ich auf einem Stuhl an einem übervollen Schreibtisch, dahinter Mutter Renate. Schwester Petra war ebenfalls mitgekommen und saß mit etwas Abstand neben mir. Sie blickte mich fast unentwegt an und lächelte dabei.
„Das hier ist alles neu für dich“, fing Mutter Renate an, „ebenso für uns Schwestern. Damit es nicht wie ein Verhör aussehen soll, habe ich Petra mit dazu gebeten, da du sie bereits am besten von uns allen kennst. Und jetzt möchte ich dir ermöglichen, deine Fragen loszuwerden. Trau dich.“


Ich dachte einen Moment nach, welche für mich die wichtigste Frage wäre. „Seid ihr ein katholischer Orden?“
„Nein“, antwortete Mutter Renate, „wir sind eine freie Schwesternschaft, aber sicher einem kirchlichen Orden ähnlich. Wir bieten Frauen eine neue Lebensperspektive. Unser Ziel ist es dabei, sich um andere, besonders um Bedürftige zu kümmern. Aber im Gegensatz zu kirchlichen Orden haben wir humanistische Ideale, keinen Gott im Mittelpunkt.“
„Und warum habt ihr einen englischen Namen?“
„Wir sind der Ableger einer amerikanischen Schwesternschaft.“
„Wie war das? ‚Sisterhood of Holy Abstinence‘? Schwesternschaft ist klar, ihr seid nur Frauen. Aber was hat es mit der ‚heiligen Abstinenz‘ auf sich?“

„Nun, das ist schon eine sehr direkte Frage. Ich will es mal so beantworten: unsere Lebensaufgabe ist der Dienst am Anderen. Dem ordnen wir alles andere unter und unterwerfen uns bestimmten Regeln; ähnlich den Gelübden, die man in einem Kloster ablegen muss. Und ‚Abstinence‘ würde ich eher mit ‚Enthaltsamkeit‘ übersetzen.“
„Und deshalb habt ihr keine Dates?“ Es platzte so aus mir heraus, obwohl ich es eigentlich nicht sagen wollte. Petra wurde sichtbar rot, doch Mutter Renate klärte die Situation mit einem Lächeln.
„Genau. Deshalb leben wir als schwesterliche Gemeinschaft, ohne Partnerschaften oder gar Männern.“

Ich lief selbst rot an. „Entschuldigt. Ich wollte euch nicht zu nahe treten.“
„Kein Problem.“ Mutter Renate lächelte immer noch. „Hast du noch mehr Fragen?“

„Warum sind all die Frauen hier? Sie sprachen von einer neuen Lebensperspektive.“
„Das hast du gut beobachtet. Nun, die Gründe sind verschieden. Aber allen ist gemeinsam, dass sie mit dem Leben ‚da draußen‘, nicht mehr zurecht kamen. Das konnte häusliche Gewalt, Missbrauch, Perspektivlosigkeit, Angst und so weiter sein. Häufig hat es mit sehr schlimmen Erfahrungen mit Männern zu tun. Wir bieten hier einen geschützten Rahmen, in dem sie wieder ein normales Leben in unserer kleinen Gemeinschaft führen können. Deshalb war ich auch so vorsichtig mit deiner Vergangenheit als Mann.“

„Ich möchte kein Mann mehr sein. Ich bin Simone, aber alle Welt reduziert mich auf meinen Status als ‚Transfrau‘. Ich möchte einfach nur in Frieden als Frau leben.“
„Deshalb haben wir dich nicht abgewiesen. Und ich bin überzeugt, dass du deinen Weg finden wirst. Wir begleiten dich dabei, wenn du es möchtest. Hast du noch mehr Fragen?“

„Nein, ich bin im Moment von Eindrücken überflutet.“
„Gut, das wird sich alles richten. Wenn du Fragen hast, kannst du jede Schwester fragen. Aber jetzt zeige ich dir erstmal die restlichen Räume und wenn du möchtest, kannst du gleich morgen anfangen. Kläre ab, wann du das Hotel verlassen kannst, und dann treffen wir uns morgen früh um neun in der Suppenküche zum Vorbereiten.“

* * *

Währenddessen, einige hundert Kilometer entfernt.

Sie wachte auf. Wo war sie? Der Raum war weiß, und ein ständiges Piepen irritierte sie. Sie versuchte sich zu bewegen, aber irgend etwas schien sie daran zu hindern.
„Sie ist aufgewacht“, hörte sie eine entfernte Stimme, und schon kamen zwei Frauen in weißer Kleidung zu ihr und beugten sich über sie.
„Wo… wo bin ich?“ Ihre Stimme klang schwach.

„Sie sind in Sicherheit“, antwortete eine der Frauen. „Sie sind im Kreiskrankenhaus.“
„Was ist passiert?“
„Sie wissen es nicht mehr?“
„Nein… ich…“
„Sie dürfen sich jetzt nicht aufregen. Ich gebe Ihnen ein Schlafmittel, dann können Sie sich weiter erholen.“
„Erholen? Wovon?“

Eine der Frauen in Weiß hantierte irgend etwas an einem der Schläuche, die über ihr hingen, und sie versank wieder in der Dunkelheit.





6. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von goya am 03.01.26 09:01

Gutem Morgen Matze23,

vielen Dank für die tolle Fortsetzung...

Ich bin sehr gespannt, wie es mit unserer Protagonistin weitergeht...

Du entwickelt dich noch zum Meister der Cliffhanger...

Liebe Grüße

goya
7. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 03.01.26 10:07

Nach dieser Folge bin ich noch gespannter , wie es weiter geht.
8. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von MartinII am 03.01.26 16:04

Weiter so - Danke
9. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 04.01.26 07:33

Vielen Dank für eure Kommentare!

Ohne Cliffhanger wären Geschichten doch langweilig

Grüße, Matze


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3.
Am nächsten Morgen stand ich um neun Uhr vor der Suppenküche. Ich hatte mich für ein eher zurückhaltenderes Äußeres entscheiden und trug neben einem schlichten Pulli den längsten Rock, den ich besaß, der zumindest meine Knie bedeckte. Meine wenigen restlichen Habseligkeiten hatte ich in zwei Koffern bei mir. Alles Größere, was ich noch besaß, wie Möbel und einen Fernseher, lagerten bereits in einem Mietlagerhaus. Vielleicht müsste ich die Sachen mal verkaufen, denn vermutlich würde ich sie so schnell nicht mehr brauchen.

Petra öffnete mir und umarmte mich zaghaft, aber freundlich zur Begrüßung. Eine etwas rundlichere Schwester, die auch beim Rat dabei war, stand bereits in der Küche und umarmte mich ebenfalls. „Ich bin Beate. Mit ‚Schwester‘ reden wir uns nur in Anwesenheit von Gästen an. Aber du gehörst ja jetzt zur Familie, also bitte nur ‚Beate‘. Willkommen, Simone!“
„Danke, Beate.“

Ich stellte meine Koffer in einen Flur und bekam sofort eine Schürze und ein Messer in die Hand gedrückt. „Kannst du kochen?“, fragte mich Beate.
„Ein bisschen. Aber ich bin aus der Übung.“
„Kein Problem, das schaffen wir. Kannst du das Suppengemüse hier in kleine Würfel zerlegen?“
Und schon war ich voll eingebunden. In Gemeinschaft mit den beiden Frauen machten selbst so einfache Arbeiten Spaß. Warum hatte ich mich nur so in dieser Firma mit bescheuerten Chefs gequält?

Die Beiden waren ziemlich neugierig. Insbesondere Petra wollte alles über meine Ex wissen. Was sie für ein Mensch war, warum sie mich rauswarf, wer ihr jetziger Freund war. Und natürlich, wie es dazu kam, dass ich jetzt als Frau vor ihnen stand, wobei sie doch ziemlich diskret blieben. Aber was hatte ich zu verlieren? Die beiden waren nett und so erzählte ich fast alles; nur allzu intime Details sparte ich aus.

Nebenbei bekam ich immer wieder Kniffe gezeigt, wie ich das eine oder andere einfacher und effizienter erledigen konnte. Und sogar bei der Essensausgabe durfte ich zum ersten Mal auf der anderen Seite der Theke stehen und den mir wohlbekannten Gestalten den Teller füllen, die hungrig in der Schlange standen.

Schließlich waren alle versorgt und wir drei zogen uns in die Küche zurück, um selbst zu essen. Die restlichen Schwestern stießen nach und nach zu uns dazu und so aßen wir wieder in großer Runde und in Stille.

Wieder brach Mutter Renate die Stille. „Und, Simone? Wie war der erste Arbeitsvormittag?“
„Es hat Spaß gemacht“, antwortete ich ehrlich. „Es war schöner als jeder Tag vorher in diesem komischen Büro.“
„Das freut mich. Ich habe deine Koffer gesehen. Dein Zimmer ist bereit, da kannst du heute Abend einziehen.“
„Danke!“ Ich freute mich wirklich, mein beschissenes, bisheriges Leben hinter mir zu lassen.

„Darf ich noch eine Frage stellen?“
„Natürlich. Wenn es zu persönlich wird, lasse ich es dich wissen.“
Mutter Renate lächelte mich wieder an.
„Renate, Michaela, Beate, Petra… das sind alles eher ältere Namen, die in den 60er Jahren beliebt waren. Ist das Zufall?“
„Nein“, lachte Mutter Renate, „das sind alles angenommene Namen. Wir haben unser altes Leben hinter uns gelassen und damit auch unsere Geburtsnamen. Wie wir früher hießen, ist unwichtig. Heute sind wir Renate, Beate und so weiter.“
„Alles klar.“ Ich musste lächeln. „Aber ich finde diese Namen trotzdem schön.“
„Danke, das freut uns.“
Und mir wurde in diesem Moment so richtig bewusst, dass ich ja ebenfalls einen angenommenen Namen trug, um mein früheres Leben als Mann hinter mir zu lassen...

* * *

Petra brachte mich auf mein neues Zimmer. Es war eigentlich noch karger eingerichtet als mein bisheriges Hotelzimmer. Bett, Stuhl, Tisch, Schrank, alles schmucklos. Noch nicht mal ein eigenes Bad war vorhanden, nur ein Waschbecken an der Wand. Das gemeinschaftliche Gästebad befand sich auf dem Flur schräg gegenüber. Aber es war sauber und ordentlich, es gab keine Gefahr vor Ungeziefer und die Hausherrinnen waren deutlich netter als mein bisheriger Hotelwirt.

„Dann richte dich mal häuslich ein“, meinte Petra, bevor sie sich mit einer kurzen, aber innigen Umarmung verabschiedete. „Ich schaue später noch mal nach dir.“
Ich räumte meinen Schrank ein und schaltete meinen alten Laptop ein. Das Zimmer hatte einen weiteren Nachteil: es gab kein WLAN. Also würde ich einen Teil meines kargen Lohnes (von dem ich noch nicht mal wusste, wie hoch er eigentlich sein würde), für einen Mobilfunkvertrag investieren müssen. Aber egal, es würde sich eine Lösung finden. Vielleicht würde ich auch gar kein WLAN mehr brauchen, da ich ja jetzt einen Job und ein Dach über dem Kopf hatte. So legte ich mich auf mein Bett und döste ein wenig.

Ich schreckte auf, als es an der Türe klopfte. Wo war ich eigentlich? Richtig, in dieser Schwestern-Community. Also rief ich „Ja, bitte?“
„Hier ist Petra. Darf ich reinkommen?“
„Natürlich!“
Ich stand vom Bett auf und da stand Petra auch schon vor mir.
„Na, schon gut am Einleben?“
„Ja, es ist schön. Etwas karg, aber wenigstens ein richtiges Dach über dem Kopf.“
„Unsere Zimmer sind genauso. Wir haben es uns nur mit Bildern und ein bisschen Deko wohnlicher gemacht. Vielleicht darf ich es dir ja irgendwann mal zeigen.“
„Na ja, bei euch darf ich ja nicht rein. Aber Bilder sind eine gute Idee. Aber sag mal, gibt es hier eigentlich WLAN?“
„WLAN haben und benötigen wir hier nicht. Aber im Wohnzimmer gibt es einen PC mit Internet. Wenn du welches brauchst, kannst du dorthin gehen.“
„Das ist ja schon mal was.“
„Schön, dass es dir gut geht. Ich gehe dann mal Abendessen vorbereiten. Du kannst gleich nachkommen, wenn der Gong ertönt.“
Wieder umarmte sie mich kurz und verschwand.

* * *

Das Leben war wirklich so, wie ich mir das Leben im Kloster vorstellte. Ziemlich früh ertönte ein Gong im Flur und kurz darauf gab es ein gemeinsames Frühstück in Stille. Dann hatte jeder Zeit für die Körperpflege, bis es zur Arbeit ging. Es gab einen detaillierten Plan, wer wann was zu tun hatte. Mittlerweile war ich wie die Schwestern fest eingeplant; mal in der Suppenküche, mal in der Hauswirtschaft (nur Waschen durfte ich nicht, weil Wäsche doch zu persönlich war), mal im Garten, mal im Büro, mal beim Einkaufen.

Dann gemeinsames Mittagessen in der Suppenküche, am Nachmittag wieder Arbeit. Nach dem Abendessen hatte jeder ‚Freizeit‘. Wir konnten im Wohnzimmer fernsehen, spielen, Musik machen oder auch alleine auf dem Zimmer lesen. Mir fiel dabei auf, dass keine Schwester ein Smartphone besaß. Wer ins Internet wollte, konnte dazu diesen schon etwas betagten Rechner in einer Ecke benutzen.

Was mich verblüffte, war die Harmonie. Eigentlich dachte ich, dass ein derart enges Zusammenleben von so vielen Frauen eigentlich zu Zickenkrieg führen musste. Aber jeder sich andeutende Konflikt wurden sofort kurz und offen ausgesprochen und eine Lösung vereinbart. Und mittlerweile wurde sogar ich dabei mit einbezogen und nach meiner Meinung dazu befragt, obwohl ich ja kein Mitglied ihrer Schwesternschaft war.

Jede musste auch jede Arbeit machen. Am Schönsten fand ich dabei die Arbeit in der Suppenküche. Dort waren wir immer mindestens zu zweit, häufig auch zu dritt. Neben dem Kochen und Aufräumen mussten wir die Gäste versorgen und ständig war etwas los; teilweise wurde es sogar stressig und hektisch. Aber immer herrschte eine gute Stimmung, und so gingen auch die anstrengendsten Phasen mit Spaß und guter Laune vorbei.

Am ätzendsten war dagegen der Bürodienst. Man war, bis auf die Essenszeiten, den ganzen Tag alleine in einem kleinen, staubigen Büro mit bescheidener, veralteter Technik. Darüber hinaus erinnerte mich dieser Dienst immer an meinen letzten Job. Briefe öffnen, vorsortieren, einfache Anfragen und Mails gleich selbst beantworten, manchmal auch Rechnungen prüfen und Abrechnungen am PC machen. Nicht jede konnte das, und so blieben spezielle Aufgaben auch gerne mal für den Dienst am nächsten Tag liegen.

Ebenso dazu gehörte der Telefondienst. Es kamen nicht viele Anrufe, aber fast immer waren die Anrufer irritiert, wenn ich mich mit meiner doch noch etwas tieferen Stimme mit „Schwesternschaft, Simone am Apparat“ meldete. Doch das waren nur seltene Episoden.

Ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr in meinem Leben. Alle waren freundlich und nett zu mir; bis auf Petra, die immer ein bisschen freundlicher und netter als alle anderen war. Wenn keiner hinsah, bekam ich immer ein Küsschen oder sie strich wie zufällig an mir vorbei, ohne allerdings etwas zu sagen oder Andeutungen zu machen. Mochte sie mich einfach nur? Oder wollte sie gar etwas von mir, was natürlich in dieser Gemeinschaft äußerst problematisch wäre?

Eine Antwort darauf bekam ich einige Tage später in der Suppenküche. Ich war im Vorratslager am Einräumen, und so musste ich unbeabsichtigt ein Gespräch zwischen Michaela und Beate in der eigentlichen Küche mithören.
„Ist dir das mit Petra aufgefallen?“
„Was meinst du?“
„Na, dass sie förmlich an Simone klebt.“
„Ach so! Stimmt. Ich glaube, die steht voll auf sie.“
„Das denke ich auch. Aber lass nur ja Renate nichts davon mitbekommen.“
„Besser nicht. Das gäbe Ärger.“

Ich hatte genug gehört. Wie zufällig kam ich dazu und das Gespräch verstummte.

* * *

Am Tag darauf hatte ich mit Petra und einer weiteren Schwester namens Sabine Küchendienst. Jedes mal, wenn Sabine aus der Küche ging und wir alleine waren, berührte sie mich wie zufällig. Oder sie nahm meine Hand, um mir zu zeigen, wie man ein Messer besser hielt, um blind schneiden zu können. In einem unbeobachteten Moment bedankte ich mich mit einem flüchtigen Kuss und sie ließ es geschehen. Oder wurde sie sogar ein wenig rot?

Petra war irgendwie faszinierend; ganz anders als meine Ex. Einfühlsam, interessiert, in den wenigen, flüchtigen Momenten zärtlich, und immer offen und mir zugewandt. Und obwohl sie ungeschminkt war und ihre körperlichen Vorzüge unter weiter, altmodischer Kleidung verbarg, fand ich sie äußerst attraktiv. Sie gefiel mir immer mehr, und ich musste langsam aufpassen, dass ich ihr nicht zu nahe kam. Oder war ich etwa schon in sie verliebt?


* * *


Zwei Männer betraten das Krankenzimmer und traten zu der Frau, die fast bewegungsunfähig in ihrem Bett lag.
„Guten Tag. Sind Sie Frau Wehnert?“
„Ja, warum?“
Wir sind die Kommissare Reinke und Schwadert von der Kriminalpolizei. Dürfen wir ihnen ein paar Fragen stellen?“
„Kriminalpolizei? Was soll das? Was ist mit mir passiert? Warum liege ich hier?“

„Keine Sorge, Frau Wehnert, wir tun ihnen nichts.“ Kommissar Reinke öffnete seine Mappe und nahm ein Foto heraus.

„Kennen Sie diesen Mann?“
„Klar, das ist mein Freund Felix. Was ist mit ihm?“
„Und der hier?“
„Das ist sein Bruder Phillip. Jetzt sagen Sie schon, was ist los?“
„Und der hier?“
„Ein Kumpel von Felix, Justin. Bitte sagen Sie mir endlich, was hier los ist!“

„An was können sie sich noch erinnern, bevor sie hier im Krankenhaus aufgewacht sind?“

Sie sah die Herren mit großen Augen an. „Wir… wir waren im Club und haben gechillt und was getrunken, wie fast jedes Wochenende. Mehr nicht.“
„Ist das alles?“
„Ja, warum? Was ist mit Felix?“
„Felix sitzt in Untersuchungshaft. Wir befürchten, dass das was mit Ihnen zu tun hat. Vielen Dank, Frau Wehnert, Sie haben uns sehr geholfen. Auf Wiedersehen.“
„Was? Was hat das mit mir zu tun? Warten sie doch bitte...“






10. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Gutverpackt am 04.01.26 09:48

Eine spannende Geschichte.
Bin sehr gespannt, wie diese auseinander liegenden Fäden zusammen kommen
11. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Hasenzwerg am 04.01.26 10:06

Hallo Matze23

Eine feine Geschichte die mir wieder sehr gefällt, vielen Dank dafür.

Nun beginnt sich da gerade etwas spannendes zwischen Simone und Petra anzubahnen.

Bin daher schon sehr neugierig ,wie sich das in der Schwestern-Gemeinschaft entwickeln wird .


Liebe Grüße verschlossener Hasenzwerg
12. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 05.01.26 08:19

Vielen Dank für eure Kommentare!

Ich hoffe, ich kann die Neugier etwas befriedigen. Das kommende Kapitel ist etwas kürzer, aber dafür um so wichtiger!

Grüße, Matze

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4.
Diesmal hatte ich keine Lust auf Fernsehen oder Spieleabend, und so zog ich mich nach dem Abendessen zurück. Ich hatte mir schon meinen geblümten Schlafanzug angezogen, als es an der Türe klopfte.
„Ja, bitte?“
„Ich bin‘s, Petra. Darf ich reinkommen?“
„Ja, klar.“
Petra öffnete die Türe.

„Sorry, ich bin schon im Schlafanzug.“
„Macht nichts. Du warst so schnell verschwunden, da wollte ich nachsehen, ob es dir gut geht.“
Ich sah sie nachdenklich an. „Du sorgst dich um mich. Richtig?“
„Ja, schon.“
„Mehr, als es die Regeln eurer Schwesternschaft erlauben?“

Petra wurde sichtlich rot. Sie senkte den Kopf. „Ja, schon ein wenig.“
„Darf ich dich was fragen?“
„Kommt darauf an.“
„Warum dürft ihr keinen Freund oder keine Freundin haben?“

Jetzt wurde sie erst richtig rot.
„Entschuldige, ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.“
„Nein, nein. Irgendwann musst du es eh erfahren. Dann lieber von mir, als von Renate oder so.“
„Was muss ich erfahren?“
Ihr Rot wurde immer intensiver. „Na, das mit der ‚Holy Abstinence‘. Verrätst du mich auch nicht?“
„Warum sollte ich? Ich lebe mit euch. Und fühle mich zuhause bei euch.“

„Darf… darf ich mich setzen?“
„Na, klar.“ Ich rutsche auf dem Bett zur Seite und sie setzte sich neben mich.

„Nun…“ Sie wusste wohl nicht so recht, wie sie anfangen sollte. „Also, weißt du, jede der Schwestern hier hat im früheren Leben Schlimmes erlebt oder durchgemacht. Meist hatte es etwas mit familiärer Gewalt oder Übles mit Männern zu tun. Und in der Schwesternschaft haben wir Zuflucht gefunden. Wir haben alle Verbindungen zum früheren Leben abgebrochen und neue Namen bekommen. Und wir haben ein Gelübde abgelegt. Wir haben versprochen, dass wir, solange wir in dieser Gemeinschaft leben, enthaltsam bleiben wollen. Und dass uns das ‚heilig‘ sein soll, also etwas Besonderes, Verehrungswürdiges.“

„Ich habt versprochen, enthaltsam zu leben? Also keine Liebesbeziehung? Und erst recht keinen Sex?“
„Das ist jetzt sehr grob zusammengefasst, aber ja, so ist es.“
„Aber ihr seid Frauen in der Blüte eures Lebens. Wie haltet ihr das aus? Ihr habt doch dauernd mit anderen Menschen zu tun. Ist das nicht schwierig? Dürft ihr euch wenigstens selbst…?“

„Du bist sehr direkt! Aber ja, so in etwa ist es. Einige der Schwestern sind froh darüber, nichts mehr mit Männern zu tun zu haben. Du merkst ja selbst, wer dir eher aus dem Weg geht, auch wenn du dich selbst als Frau siehst. Und was deine letzte Frage anbelangt: nein, wir dürfen uns nicht selbst...“ Sie griff nach meiner Hand und hielt sie fest.

Einen Moment saßen wir stumm und Händchen haltend nebeneinander, bis ich die Stille brach.
„Fällt es dir schwer, so zu leben?“, unterbrach ich die Stille.
„Früher nicht, aber im Moment schon.“
„‘Im Moment‘? Seit ich hier bin?“
„Nein, seit du zum Essen in die Suppenküche gekommen bist. Irgendwie hast du mich sofort in deinen Bann gezogen.“
„Und du hast also eingefädelt, dass ich hier wohnen kann?“
„Ja, ich wollte dich nicht auf der Straße landen sehen. Und… weißt du… ich mag dich, auch wenn ich es eigentlich nicht darf. Und als du erzählt hast, dass deine Ex dich rausgeworfen hat, wusste ich, dass du auf Frauen stehst. Ab da konnte ich nur noch an dich denken…“

„Auch jetzt noch, wo du doch weißt, dass ich früher ein Mann war?“
„Ein ‚früher‘ interessiert hier im Konvent meist nicht. Nur ein ‚jetzt‘ oder die Zukunft. Fast Jede hier hat ein schlimmes ‚Früher‘ hinter sich, das sie möglichst vergessen möchte. Und jetzt gerade sitzt eine, ähh, wunderschöne, interessante und geheimnisvolle Frau neben mir, die mich in ihren Bann zieht.“ Ich merkte, wie ihr die Worte schwer fielen.

„Hmmm… ich mag dich auch, Petra. Aber ich will euch weder verlassen müssen noch dich in Schwierigkeiten bringen.“ Oh Gott, wo sollte das noch hinführen? „Darfst du eigentlich hier bei mir sein?“

„Ich weiß nicht, ob ich es darf. Zumindest ist es mir nicht verboten. Aber ein bisschen gefährlich ist es schon.“
„Gefährlich, dass ich dich vergewaltigen könnte? Da bräuchtest du keine Sorgen haben. Die Hormone sorgen dafür, dass ich nicht mehr als Mann agieren kann.“
„Nein, das nicht... Aber dass mich meine Gefühle an meinem Gelübde zweifeln lassen. Das wäre mein Ende in der Schwesternschaft. Und das will ich nicht. Das hier ist meine Familie, mein Zuhause.“

„Wieso hast du keine Angst, dass wir nicht doch irgend eine Form von Sex miteinander haben? Das würde ja keiner merken.“
Petra wurde erneut rot. „Darf… darf ich dir was zeigen? Du darfst aber mit absolut niemandem darüber sprechen. Versprichst du mir das?“
„Ich schweige wie ein Grab. Versprochen.“ Mit einer Geste zog ich den Reißverschluss über meinen Lippen zu.

„Gut.“ Petra ließ meine Hand los und griff nach ihrem Rock. Sie zog ihn immer weiter hoch, bis ich ihre Unterwäsche erkennen konnte. Sie hatte einen etwas altmodischen, weißen Schlüpfer mit kurzem Bein an. Aber irgendetwas war merkwürdig. Petra griff sich an die Unterhose und zog sie leicht herunter. Darunter glänzte es metallisch.
„Was ist das?“ Ich starrte ungläubig in ihren Schritt.
„Das ist ein Keuschheitsgürtel. Ich kann ihn nicht abnehmen. Also können wir auch nicht miteinander schlafen.“

„Wer verpasst dir so ein Ding?“
„Die Schwesternschaft. Es ist eine Aufnahmebedingung, so einen Gürtel dauernd zu tragen. Zum Schutz vor anderen, bösen Menschen. Aber auch, um zu keinem Augenblick in fleischliche Versuchung zu geraten. Noch nicht mal mit den eigenen Fingern.“
„Aber… Wer hat die Schlüssel dazu?“
„Siehst du hier?“ Sie zeigte auf zwei Schlösser vor ihrem Unterbauch. „Zwei Schwestern haben je einen Schlüssel. Wir müssen also zu dritt sein, um den Gürtel zum Beispiel zum Reinigen zu öffnen. So ist ausgeschlossen, dass zwei Schwestern gemeinsame Sache machen, oder ähnliches.“

„Ist das nicht Schikane?“
„Nein, eigentlich nicht. Wir wollen es ja. Jede Schwester ist freiwillig hier und hat um den Gürtel gebeten. Wir wollen die Gewalt, den Missbrauch oder was auch immer hinter uns lassen und uns ganz dem hilfsbedürftigen Menschen hingeben. Und dieser Gürtel soll uns dabei unterstützen. Und irgendwann vergisst man diese fleischlichen Bedürfnisse und der Gürtel wird wie ein Teil des Körpers. Nur manchmal will der Geist nicht so, wie es das Gelübde vorschreibt. Wenn zum Beispiel eine attraktive Simone jeden Tag zum Essen kommt.“

Sie ließ den Rock wieder fallen und lehnte sich an mich. „Ich weiß nicht, was ich machen soll.“
„Ich weiß es auch nicht. Und ich glaube, mit Renate darüber zu reden, wäre keine gute Idee.“
„Nur ja nicht! Das darf niemand wissen.“
„Beate und Michaela wissen es aber bereits. Oder ahnen es zumindest.“
„Dann weiß es Renate sicher auch. Aber warum sagt sie nichts?“
“Ich kann es dir nicht sagen.“

Sie hatte mittlerweile den Kopf auf meine Schulter gelegt. „Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe.“
„Ich glaube auch. Auch wenn ich dich jetzt gerne in den Arm genommen hätte.“
„Vielleicht ein anderes Mal. Gute Nacht, Simone.“
Zum Abschied gab sie mir einen Kuss auf die Wange, nur war er diesmal deutlicher als bislang üblich. Dann stand sie auf und ging, ohne sich noch einmal umzudrehen, wortlos aus meinem Zimmer.

* * *


„Sie können jetzt aufstehen, Frau Wehnert. Zeit für die Gehübungen.“
Sonja Wehnert erhob sich mühsam aus dem Bett. Immerhin war sie aus der Intensiv draußen und auf der Normalstation, auch wenn ihre Beine noch in einem Gips steckten. Hier war es nicht mehr ganz so einsam, da sie wenigstens zwei andere Frauen zum Reden auf dem Zimmer hatte.
„Und wie geht es beim Wasserlassen?“
„Es tut immer noch weh.“
„Das wird wieder. Immerhin ist der Katheter jetzt draußen.“
„Was ist eigentlich passiert?“

„Das weiß ich leider nicht. Aber sie haben schwere Verletzungen im Genitalbereich sowie Brüche an den Rippen und am Bein. Vielleicht kann Ihnen die Polizei mehr dazu sagen.“



13. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 06.01.26 07:22


5.
Die nächsten Tage hielt Petra fast krampfhaft Distanz. Keine Berührungen mehr, keine Umarmungen, und selbst meinen Blicken wich sie aus. Aber ich spürte, wie sie sich damit quälte.

Was sollte ich nur tun? Es gab ja keine ‚gute‘ Lösung. Entweder machte ich unsere Liebe öffentlich, und dann würden wir beide aus der Schwesternschaft fliegen. Oder ich müsste gehen, um Petra von ihren Qualen zu erlösen. Zumindest oberflächlich, denn sie würde mir sicher noch eine Weile nachtrauern. Oder sich die generelle Frage stellen, ob die Schwesternschaft für sie noch der richtige Ort war. Das Ergebnis wäre wieder das gleiche.

Ich war nicht nur ratlos, sondern fühlte mich immer mehr hilflos. Auch für mich war diese Schwesternschaft mittlerweile so etwas wie ein Zuhause geworden, wo ich mich angenommen fühlte, wo ich eine Aufgabe hatte und anderen helfen konnte. Wo ich mich zum ersten Mal als Frau fühlen konnte und auch von fast allen als solche respektiert wurde. Wäre ich eine ‚echte‘ Frau, hätte ich vielleicht sogar um Aufnahme gebeten, selbst um den Preis ewiger Enthaltsamkeit. Aber so war ich nur Gast, noch dazu mit dem ‚falschen‘ Chromosomensatz. Selbst wenn Petra mich vergessen würde, wie lange würde es dauern, bis die nächste der Schwestern sich in mich verlieben würde?

So zog ich mich ebenfalls etwas zurück und mied vor allem das Wohnzimmer; einen Ort, wo die Frauen einen etwas ungezwungeneren Umgang miteinander hatten und es zu vielen zwar harmlosen, aber doch körperlichen Kontakten kam.

Und dann passierte, was wir beide fürchteten.
„Simone, kann ich dich mal unter vier Augen sprechen?“ Mutter Renate sprach mich direkt an, als wir nach dem Frühstück aufgestanden waren.
„Natürlich. Jetzt gleich?“
„Ja. Wir gehen in den Gruppenraum.“
Sie ging voran in diesen Raum, den ich von meinem ‚Vorstellungsgespräch‘ kannte. Die Tische standen immer noch unverändert und sie zeigte auf den freien Stuhl an dem einzeln stehenden Tisch, auf dem ich damals bereits saß. Renate schnappte sich einen anderen Stuhl und setzte sich mir genau gegenüber.

„Simone, ich muss mich mit dir unterhalten.“
Ich nickte nur.
„Ich bin sehr zufrieden mit dir“, fing sie an. „Du hast dich sehr gut in unsere Gemeinschaft integriert. Du respektierst meine Mitschwestern, hältst die notwendige Distanz, bedrängst oder belästigst niemanden und arbeitest mehr als gut. Es war kein Fehler, dich in unsere Mitte zu holen.“
Ich nickte wieder und atmete leicht auf. War das alles?

„Allerdings macht mir Petra Sorgen.“ Sie sah mich direkt an. „Ich habe den Eindruck, dass sie mehr für dich empfindet als nur schwesterliche Verbundenheit.“
Ich wollte nicht lügen; das würde alles nur noch schlimmer machen. Also nickte ich. „Ja, das stimmt. Sie hat mir ihre Zuneigung gestanden. Ich mag sie auch, aber ich möchte nicht, dass die Gemeinschaft darunter leidet oder ich Petra in Konflikt mit ihrem Gelübde bringe.“

„Du weißt von unseren Gelübden?“
„Ja. Petra hat sie mir, zumindest in groben Zügen, erläutert.“
„Und du weißt auch von den Konsequenzen, wenn diese Gelübde gebrochen werden?“
„Wissen vielleicht nicht, aber ich ahne es. Ich, oder sogar wir beide müssten die Gemeinschaft verlassen.“
„Ja, das siehst du richtig. Aber das wäre genau das, was ich auf keinen Fall möchte. Ihr seid beide wichtige Glieder unserer Gemeinschaft. Nun, es ist leider so, dass unsere Gefühle uns manchmal zu Dingen drängen, die der Verstand eigentlich nicht will. Aber wir können sie nicht vollständig ignorieren. Tun wir es trotzdem, werden wir krank.“

Mutter Renate machte eine längere Pause und ich sah sie fragend an. „Was bedeutet das jetzt für uns?“
„Ich habe lange drüber nachgedacht. Unsere Gelübde verbieten es uns nicht, glücklich zu sein. Sie verlangen nur, dass wir unsere Triebe im Zaum halten, unsere Kraft auf unsere Mitmenschen lenken und in Enthaltsamkeit und Gehorsam leben.“

„Gehorsam?“
„Hat dir Petra das nicht erzählt? Jede Schwester gelobt absolute Gehorsamkeit der Priorin gegenüber. Das bin ich. Aber meine Schwestern sind nicht dadurch nicht meine Untertanen, sondern eher meine Kinder, die ich leiten und beschützen muss. Und so suche ich nach einer Lösung, die uns allen weiter ein glückliches und harmonisches Zusammenleben ermöglicht.“

„Ich verstehe nicht.“
„Warte ab. Ich glaube, ich habe eine Lösung gefunden.“
Ich sah sie fragend an.
„Ich würde eine Möglichkeit sehen, wenn du dich freiwillig unseren Regeln unterwirfst, obwohl du biologisch ein Mann bist und daher kein vollwertiges Mitglied unserer Schwesternschaft werden kannst.“

Mein Blick wurde immer fragender.
„Nun, du gelobst mir und meinen Schwestern, dass du für die Zeit, die du mit uns zusammen lebst, mir Gehorsam leistest und in absoluter Enthaltsamkeit leben willst, also quasi die gleichen Gelübde ablegst. Dann würde ich erlauben, dass du mit Petra zusammen sein darfst. Allerdings dürft ihr die anderen Schwestern nicht von ihrem Weg abbringen. Aber ihr müsstet euch nicht mehr verstecken und verstellen.“

„Und das würde für mich bedeuten?“
„Weißt du von unseren Keuschheitsgürteln?“
„Ja, Petra hat mir davon erzählt.“
„Gut. Du würdest ebenfalls einen Gürtel tragen. Ständig, Tag und Nacht, und nur ich hätte einen Schlüssel. Dann könntest du auch mit Petra zusammen sein, ohne dass einer von euch seine Gelübde brechen müsste.“
„Dürften wir uns küssen?“
„Unsere Regeln verbieten das nicht. Auch körperliche Nähe ist nicht verboten. Im Gegenteil, Nähe macht glücklich und hilft uns bei unserer Arbeit. Nur die sexuelle Befriedigung ist tabu, da sie den Blick nur auf das Ego lenkt. Und sexueller Klimax macht selbstsüchtig, träge und hindert uns an unserem Dienst.“

In meinem Kopf tobte es. Renate zeigte mir gerade einen Weg auf, mit Petra zusammen sein zu können. Allerdings zu einem hohen Preis: nie mehr sexuelle Befriedigung, keine erotischen Berührungen. Permanent in einem stählernen Gürtel eingesperrt. Würde ich das aushalten? Immerhin gab es eine Hintertüre: das ‚Gelübde‘ galt nur, solange ich hier wohnte. Würde ich ausziehen, wäre ich wieder frei.

Andererseits wollte ich mit Petra zusammen sein, ohne mich verstecken zu müssen. Und ich wollte ebenso, dass sie wieder glücklich ist. Dafür würde ich alles tun, sogar auf meine Befriedigung verzichten. Das war mir Petra wert. So fiel meine Entscheidung überraschend schnell.

„Ja, ich werde es tun. Ich werde mich den Regeln unterwerfen und zukünftig enthaltsam leben.“
Renate stand auf und ging um den Tisch herum. Ich stand ebenfalls auf und plötzlich nahm mich Renate in den Arm. „Ich bin so glücklich, dass du dazu bereit bist. Petra leidet sehr. Und ich mit ihr.“

Sie hielt mich eine Weile fest an sich gedrückt. Schließlich löste sie sich von mir.
„Und wie geht es jetzt weiter?“, wollte ich wissen.
„Ich schicke dich zu einem Schmied, der alle unsere Gürtel gemacht hat. Er wird dich vermessen und dir einen Gürtel fertigen. Wenn der Gürtel fertig ist, wirst du vor der gesamten Schwesternschaft deine Gelübde ablegen, und dann darfst du mit Petra zusammen sein.“
„Und wie lange wird das dauern?“
„Ich weiß es noch nicht, aber ich rechne mit etwa vier Wochen. So, und jetzt setz dich bitte noch mal.“

Mutter Renate ging zur Türe. „Petra, du kannst jetzt reinkommen.“
Verängstigt betrat Petra den Raum. „Simone? Du strahlst ja! Hat dich Renate nicht rausgeworfen?“
„Nein, ich…“
Mutter Renate machte eine eindeutige Handbewegung und ich verstummte.
„Komm erst mal rein und setz dich zu uns.“

Petra nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben mich. Renate sah uns abwechselnd an. „Ihr Beide leidet“, fing sie an, „und das ist nicht gut. Weder für euch noch für unsere Gemeinschaft. Ich möchte, dass ihr beide glücklich seid, im Rahmen der Regeln, die wir uns als Schwesternschaft auferlegt haben.“

Jetzt wandte sie sich zu Petra. „Simone hat sich zu einem wichtigen Schritt und zu einem großen Opfer entschlossen. Sie hat sich bereit erklärt, unsere Gelübde abzulegen. Sie wird geloben, enthaltsam zu leben und deshalb ebenfalls zukünftig einen Keuschheitsgürtel tragen. Unter diesen Umständen bin ich bereit, eure Beziehung zu erlauben.“

Petra setzte zu einem Freudenausbruch an, doch Mutter Regina unterbrach sie sofort. „Wärt ihr beide auch bereit, dafür ein weiteres Opfer zu bringen?“
„Ja, Mutter Regina, jederzeit!“ Wir antworteten fast unisono.
„Gut. Dann werdet ihr ab Simones Gelübde die Brustschalen tragen; so lange, wie ihr zusammen seid.“

„Die Brustschalen?“ Ich blickte fragend zu Petra.
„Ja, das ist so eine Art BH, nur aus Metall“, erklärte mir Petra. „Wir mögen ihn alle nicht, weil er so unbequem ist, und…“ Sie verstummte und wurde gleichzeitig rot.
„Und weil er die letzte Möglichkeit nimmt, sich über die Brüste zu stimulieren.“ ergänzte Mutter Regina sachlich.
„Ja, genau“, bestätigte Petra, fast flüsternd, mit hochrotem Kopf.

„Petra, bist du bereit, dieses Opfer, auch gegenüber deinen Schwestern, zu bringen?“
„Ich bin bereit.“ Ihre Stimme klang dabei eher ängstlich als freudig.
„Du auch, Simone?“
Ich hatte keine Vorstellung davon, was das für mich bedeuten würde. Aber ich wollte Petra, und daher antworte ich ebenfalls mit „Ja, ich bin es.“

„Gut.“ Mutter Regina lächelte uns beide an. „Dann erlaube ich euch ab dem Gelübde, dass ihr beide zusammen seid. Ich werde euch auch erlauben, euch gegenseitig auf dem Zimmern zu besuchen und dort zu verweilen. Ihr dürft eure Liebe offen zeigen, nur müsst ihr alles unterlassen, was die Schwestern provozieren könnte. Sonst müsste ich euch die Privilegien wieder entziehen.“

So langsam begann bei Petra die Freude die Ängste zu verdrängen und sie fing an zu strahlen.
„Darf ich Simone umarmen?“
„Du darfst. Ein letztes Mal bis zum Gelübde.“

* * *


„Guten Morgen, Frau Wehnert.“
„Guten Morgen, Herr Kommissar.“
„Wie geht es ihnen heute?“
„Es wird langsam wieder. Aber ich weiß immer noch nicht, was mit mir passiert ist.“
„Ich kann es ihnen leider auch nicht so genau sagen, wir sind noch am Ermitteln.“ Kommissar Schwadert sah sie ernst an. „Aber soweit wir mittlerweile die Zusammenhänge erkennen, sieht es nicht gut aus. Sagen Sie, Frau Wehnert, ist ihnen das schon öfters passiert, dass sie Verletzungen hatten, ohne sich zu erinnern, warum?“

Sonja dachte einen Moment nach. „Ja, schon… Mein Freund meinte immer, mir wäre wohl vom Alkohol schwindlig geworden und ich wäre gestürzt.“
„Ja, so etwas vermuten wir auch. Bei ihrer ärztlichen Untersuchung sind eine Reihe von älteren, unbehandelten Verletzungen festgestellt worden.“
„Und was hat das mit meinen derzeitigen Verletzungen zu tun? Und mit meinem Freund?“
„Ich hoffe, dass ich Ihnen in Kürze Genaueres dazu sagen kann.“
„Danke, Herr Kommissar.“
„Keine Ursache. Weiterhin gute Besserung!“




14. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 07.01.26 11:24


SEhr gut geschrieben. Ich freue mich schon jetzt auf den Nächsten Abschnitt.Vielen Dank.
15. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von DarkO am 07.01.26 16:59

Vielen Dank für diese tolle Geschichte. Ich freue mich über jedes neue Kapitel und bin sehr gespannt, wie es weitergeht.
16. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 08.01.26 07:04

Vielen Dank für eure Kommentare; es freut mich sehr, wenn meine Geschichte gefällt!

Grüße, Matze


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6.
Dieser Haufen Frauen war eben doch ein Tratschverein. Wie ein Lauffeuer hatte die Nachricht die Runde gemacht, dass ich ebenfalls die Keuschheitsgelübde ablegen und einen Gürtel tragen würde und dann mit Petra zusammen sein durfte. Ich befürchtete jetzt eine Ausgrenzung aus Neid oder Eifersucht, aber genau das Gegenteil trat ein. Selbst einige bisher mir gegenüber eher zurückhaltenden Frauen wurden wesentlich offener; ich wurde von immer mehr Schwestern umarmt, so wie sie es auch untereinander machten, und die Gespräche verstummten nicht mehr, wenn ich den Raum betrat. Ich schien wirklich auf dem Weg zu sein, eine von ihnen zu werden.

Petra blieb weiterhin auf Distanz, aber es war anders als die Wochen zuvor. Sie strahlte, wenn sie mich sah und winkte mir verstohlen zu. Sie musste ihre Liebe nicht mehr verstecken, sondern nur noch die Zeit bis zu meinem Gelübde überbrücken. Ich wurde mir immer sicherer, dass meine Entscheidung, zu bleiben und mir ihr zusammen zu sein, die richtige war.

* * *

Am nächsten Morgen drückte mir Mutter Regina eine Visitenkarte und einen Geldschein in die Hand. „Das ist die Adresse von dem Schmied. Du wirst bereits erwartet. Wir sehen uns dann heute Abend wieder!“

Mir wurde erstmals bewusst, wie tief ich bereits in dieser Gemeinschaft verankert war. Seit meinem Einzug hatte ich die Gemeinschaft nicht mehr verlassen und auch kein Geld mehr in den Händen gehalten. Ich hatte einfach keines gebraucht; selbst das Einkaufen für die Gemeinschaft ging auf Rechnung. Alles spielte sich in diesem geschützten Umfeld ab; Arbeiten, Essen, Schlafen, Freizeit. Wir waren nicht eingesperrt und die Suppenküche und das Schwesternhaus lagen einige Blocks voneinander entfernt, aber abseits dieser Routen bewegten wir uns allenfalls bei gemeinsamen Spaziergängen sonntags im Park, und dann ebenfalls wieder in der Gemeinschaft. Und die einzigen Momente, in denen ich die Gemeinschaft noch alleine verließ, waren meine Besuche beim Frauenarzt, um meine Hormontabletten zu bekommen.

So fuhr ich mit der Bahn in die Nachbarstadt und je näher ich meinem Ziel kam, desto mulmiger wurde mir. So langsam sickerte es in mir durch: ich war dabei, meine Sexualität aufzugeben. Alles, was mich sexuell ausmachte, würde ich hinter mir lassen. Womöglich für immer?

* * *

Ein älterer Herr öffnete mir.
„Kommen Sie herein. Sie brauchen keine Angst oder Scheu zu haben. Sie sind nicht mein erster Kunde und Mutter Renate hat mich über ihre spezielle Situation informiert.“
Nachdem er mir einen Kaffee angeboten hatte, bat er mich auszuziehen.
„Alles?“
„Natürlich alles. Sonst komme ich ja an die entscheidenden Stellen nicht heran.“

So zog ich auch meinen Slip aus und wurde vor Scham etwas rot.
„Junge Frau, sie sind nicht die Erste, die ich nackt sehe, glauben sie mir. Es ist zwar der erste Gürtel, den ich für die Schwesternschaft fertige, der einen Penis abdecken soll. Aber sie sind nicht die erste Transfrau, für die ich einen Gürtel fertige. Die meisten meiner Gürtel wurden für Penisträger gemacht.“

Ich starrte ihn ungläubig an. „Gibt es noch mehr Männer und Transfrauen, die dauerhaft keusch leben wollen oder müssen?“
Er lächelte nur. „Mehr als man denkt. Manche wollen es nur als Spielzeug, aber ich habe auch einige Kunden, die ihren Gürtel permanent tragen. Meist verwaltet die Partnerin oder der Partner den Schlüssel. Aber immer ist es freiwillig. Sonst würde ich mich weigern, einen Gürtel zu fertigen. So, und jetzt lassen Sie mich mal messen.“

Er legte ein Band um meine Taille und ging kurz nach nebenan, um mit einem silbernen Reif zurückzukommen.
An einer Maschine bog er den Reif nach Augenmaß, bis er ihn mir reichte. „Schlüpfen Sie mal hinein.“
Ich stieg in den Reif, der vorne geöffnet war, und zog ihn über meine Hüfte. Der ältere Herr griff danach und zog ihn zu, so dass ich fast keine Luft mehr bekam.
„Das ist viel zu eng!“ rief ich.
„Nein, das muss so, sonst ist er nicht sicher. Glauben Sie mir, der Körper gewöhnt sich daran.“

Anschließend maß er in meinem Schritt und notierte sich eine lange Reihe von Zahlen.
„So, wir sind fertig. Den Taillengurt behalten Sie gleich an. Er ist vorne nur eingehakt, so dass sie ihn jederzeit abnehmen können. Tragen Sie ihn zuerst nur tagsüber, dann nur nachts, und nach zwei Wochen dann immer. Sie werden sehen, es wird immer besser gehen. Den Rest schicke ich dann der Mutter Priorin.“

Ich zog mich wieder an, wir verabschiedeten uns und ich ging Richtung Bahnhof. Dauernd hatte ich das Gefühl, in der Mitte zerteilt zu werden. Ging es den Schwestern genauso? Und das andauernd, ohne Chance auf Entkommen?

Zurück im Haus, begrüßte mich Mutter Renate. „Und, wie war‘s?“
„Der Herr war sehr nett. Aber der Gurt, den ich gleich angehalten habe, bringt mich um.“
Renate lächelte nur. „Keine Sorge. In ein paar Tagen bemerkst du ihn nicht mehr. Versprochen.“

* * *

Der Tag des Gelübdes rückte immer näher und ich wurde immer nervöser. Der stählerne Reif um meine Taille erinnerte mich ständig daran, dass das Ende meiner sexuellen Freiheit unweigerlich kommen würde.

Wie gerne hätte ich jetzt Petra an meiner Seite gehabt. Ihre Nähe hätte mir Kraft und Zuversicht gegeben und ich hätte meine Ängste und Sorgen mit ihr teilen können. Aber Petra hielt eisern Abstand. Sie lächelte mich zwar bei jeder Gelegenheit an, kam mir aber selten näher als zwei Meter.

So saß ich ziemlich deprimiert auf einem der Sofas im gemeinsamen Wohnzimmer. Ich verspürte keinen Drang, mich in irgend einer Form an dem gemeinschaftlichen Treiben zu beteiligen; so sehr war ich in meinen Gedanken gefangen.

Plötzlich und unerwartet ließen sich zwei Schwestern neben mich auf das Sofa fallen. Links die kräftige Beate, mit der ich mich recht gut verstand, und links die rothaarige Sabine mit den lustigen Sommersprossen, mit der ich bislang eher weniger zu tun hatte.

„Macht dir das Gelübde zu schaffen?“, fragte mich Beate unverblümt.
„Ja, schon“, antwortete ich eher zaghaft.
„Das ging uns allen so“, stellte Beate fest. „Bei der einen mehr, bei der anderen weniger, aber keine ließ es unbeeindruckt. Es ist schließlich ein großer und manchmal auch schwerer Schritt.“
„Ging es dir auch so?“
„Aber hallo! Ich konnte nächtelang nicht schlafen und fragte mich immer wieder, ob es das Richtige war, was ich vorhatte. Du bist dagegen fast schon die Ruhe selbst gegenüber mir damals.“
„Ich habe eher den Eindruck, dass ihr alle glücklich mit eurem Gelübde seid.“

„Das sind wir auch, sonst hätten wir es nicht getan. Aber die Wochen davor waren für mich die schlimmste Zeit hier. Ich war vorher sexuell sehr aktiv, vielleicht auch zu viel, sonst wäre diese Sache damals nicht passiert. Ich mochte den Sex, und konnte mir nicht vorstellen, meine Mumu da unten für immer wegzuschließen. Als dann die Schlösser bei der Gelübdefeier klickten, war es erst ein Schock für mich. Aber dann wurde mir klar, dass ich ab sofort frei war, so blöd es auch klingt. Ich musste keinen neuen Abenteuern nachjagen und konnte mich endlich auf mich selbst besinnen.“

Jetzt schaltete sich Sabine ein, die ich noch nie über Dinge außerhalb der Arbeit hatte reden hören.
„Ich habe mich auf mein Gelübde gefreut“, erzählte sie. „Mir konnte es nicht schnell genug gehen. Ich hasste meine Spalte da unten, da sie mir nur Leid und Schmerzen gebracht hatte. Ich war regelrecht erleichtert, als die Schlösser klickten.“
Ich schaute sie erstaunt an. So eine Antwort hatte ich nicht erwartet. „Geht es dir heute gut damit?“
„Ja, unbedingt. Der Gürtel war eine Erlösung für mich. Er hat mir so geholfen, dass ich mittlerweile sogar darüber sprechen kann.“

Beate übernahm wieder die Führung. „Du siehst, jeder Schwester hier geht es anders, aber alle sind jetzt glücklich. Und du wirst es auch sein, schließlich wartet Petra auf dich.“

„Das stimmt, aber sie fehlt mir. Ich hätte sie so gerne jetzt an meiner Seite.“
„Du fehlst ihr auch. Aber sie möchte nichts riskieren, was eure Beziehung im Vorfeld gefährden könnte. Sehe es als großen Liebesbeweis an.“

Ich konnte nicht anders als meine Arme um die beiden Frauen zu legen und sie ließen es zu. „Ich danke euch, dass ihr mir helft.“
„Das machen wir gerne.“ Aus dem Augenwinkel heraus sah ich Beate grinsen. „Du wirst ja jetzt eine von uns.“

* * *

Das Gelübde rückte immer näher und Beate hatte inzwischen die Rolle übernommen, sich um mich zu kümmern und mir den Halt zu geben, den ich so dringend brauchte. Fast jeden Abend saßen wir zusammen auf dem Sofa und sprach mir Mut zu. Oder hörte sich einfach meine Sorgen an, obwohl ich versuchte, möglichst wenig zu jammern. Und gelegentlich kamen wir auch auf die Gürtel zu sprechen. Beate ging erstaunlich offen damit um, und so traute ich mich auch, sie das eine oder andere zu fragen.

„Wart ihr eigentlich auch alle bei diesem Schmid in der Nachbarstadt?“
„Klar. Wir wurden alle genau vermessen, damit der Gürtel perfekt sitzt.“
„Und hat euch auch so ein älterer Herr ausgemessen?“
„Ein älterer Herr? Nein. Das hätte ich auch nicht zugelassen, dass mich so ein lüsterner Tattergreis anfasst. Nein, mich hat eine sehr nette Dame vermessen.“
„Dann hat der Schmied für jedes Klientel die passenden Mitarbeiter.“
Beate musste lachen. „Ja, sieht so aus!“

* * *


„Hallo Frau Wehnert. Sie sehen heute gut aus.“
„Hallo Herr Kommissar. Ja, danke! Die Ärzte meinen, dass ich noch diese Woche entlassen werde. Danach geht‘s gleich in die Reha.“
„Das freut mich zu hören, Frau Wehnert.“
Sonjas Blick wurde ernst. „Seien sie ehrlich, Herr Kommissar. War das mein Freund, der mir das angetan hat?“
„Ja, danach sieht es aus. Aber nicht nur er. Wir konnten die DNA-Spuren von fast zehn Männern sicherstellen. Darunter war nicht nur ihr Freund, sondern auch sein Bruder und dieser Kumpel namens Justin.“
„Aber wie… Ich kann mich an nichts erinnern.“

„In ihrem Blut wurden Spuren von Benzodiazepinen gefunden.“
„Benzo… was?“
„Besser bekannt als K.o.-Tropfen. Deshalb hatten sie vermutlich die ganzen Male davon nichts mitbekommen. Und beim letzten Mal muss irgendwas aus dem Ruder gelaufen sein. Wir können über ihre anderen Verletzungen bislang nur mutmaßen. Und ihr Freund schweigt dazu.“
„Mein Freund? Das ist nicht mehr mein Freund. Dieses Schwein!“
„Beruhigen sie sich, Frau Wehnert. Das hilft ihnen jetzt nicht weiter.“

„Sagen sie, Herr Kommissar, sind alle Männer so?“
„Das weiß ich nicht, ich kann nicht für alle Männer sprechen. Die meisten sind sicher anständig, aber ich muss in meinem Beruf leider auch sehen, dass sie bedauerlicherweise kein Einzelfall sind.“
„Ich will diesen Drecksack nie mehr sehen!“

„Ich befürchte, dass sie ihm doch noch mal begegnen müssen. Vermutlich wird sie das Gericht als Zeugen aufrufen, wenn es zum Prozess gegen ihren Freund, äh, Ex, kommt.“
Sonja blickte fast verzweifelt. „Muss ich dort aussagen?“
„Ich weiß es nicht. Das entscheidet die Staatsanwaltschaft und das Gericht.“



17. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von goya am 08.01.26 07:34

Hallo Matze23,

vielen Dank für die tolle Fortsetzung...

Bitte lass' uns nicht lange auf eine Fortsetzung warten...

Liebe Grüße

goya
18. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 08.01.26 08:20


Ich möchte mich für die Fortsetzung bedanken.Mache bitte weiter so.
19. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Hasenzwerg am 08.01.26 13:14

Hallo Matze23

Vielen Dank für die Fortsetzung.

Besonders interessant finde ich ,so langsam kristallisiert sich das traurige und grausame Erlebnis von Frau Wehnert heraus.

Bin schon sehr gespannt, wie sich das vielleicht alles irgendwie zusammen fügt.

Liebe Grüße verschlossener Hasenzwerg
20. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 09.01.26 07:16

Vielen Dank wieder für eure Kommentare!

Ihr müsst euch noch ein wenig gedulden, um zu erfahren, wie die beiden Handlungsstränge zusammenlaufen...

Grüße, Matze

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7.
Der ersehnte, und doch gleichzeitig so gefürchtete Moment wurde Realität. Mutter Renate eröffnete mir, dass ich Freitag Abend mein Gelübde ablegen würde. Schlagartig krampfte sich mein Magen zusammen. Jetzt war er gekommen, der Moment der Wahrheit, der Punkt, an dem ich meine sexuelle Selbstbestimmung und Freiheit verlieren würde. In diesem Augenblick wurde mir der Ring um meine Taille wieder bewusst, den ich sonst nur noch gelegentlich spürte.

Beate bemerkte sofort meine Angst und nahm mich in den Arm. „So ging es allen von uns, glaube mir. Es ist kein leichter Schritt, aber ein schöner, du wirst sehen. Und alle Schwestern stehen hinter dir und tragen dich.“

* * *

Es war soweit, und Mutter Renate führte mich in den Gemeinschaftsraum. Alle Tische waren weggeräumt, stattdessen stand in der Ecke ein großer Paravent. In der Mitte des Raumes lag ein länglicher Teppich, auf dessen Ende ein repräsentativer Sessel stand. An der Wand gegenüber standen eine Reihe Stühle, leicht im Halbkreis.
„Stell dich auf den Teppich“, wies mich Mutter Renate an. Sie selbst nahm in dem Sessel Platz, und ich hörte, wie sich die restlichen Schwestern auf die Stühle hinter mir setzten.

„Simone“, begann Mutter Regina, „Der Augenblick ist gekommen, dich in unseren Kreis aufzunehmen und die feierlichen Gelübde abzulegen. Bist du dazu bereit?“
„Ja, ich bin bereit“, antwortete ich mit leicht zitternder Stimme.

„Simone, gelobst du mir, der Priorin Regina, und allen meinen Nachfolgerinnen, Respekt zu zollen und Gehorsam zu leisten, so lange wie du unter diesem Dach und in dieser Gemeinschaft leben wirst?“
„Ja, ich gelobe es.“

„Simone, bist du bereit, dein weiteres Leben in Keuschheit und Enthaltsamkeit zu verbringen, auf sexuelle Genüsse zu verzichten und Befriedigung nur noch aus dem Dienst an deinen Mitmenschen zu erlangen?“
„Ich bin bereit.“

Möchtest du eine Bitte an mich und an deine Mitschwestern richten?“
„Ja, Mutter Renate. Ich möchte um den Gürtel bitten.“ Bei den Worten schnürte es mir die Kehle zusammen.
„Ich möchte deiner Bitte entsprechen. Bitte folge mir.“

Sie nahm meine zitternde Hand und führte mich hinter den Paravent, hinter dem zwei Stühle standen; einer leer und der andere mit einem Stapel Kleidung, davor noch ein paar altmodisch aussehender Schuhe mit flachem Absatz, wie ich sie auch bei den anderen Schwestern bereits gesehen hatte.
„Dreh dich bitte von mir weg und mache dich unten herum frei“, wies mich Mutter Renate an.

Ich zog meine Schuhe, meinen kurzen Rock und den Slip aus und legte sie auf den leeren Stuhl vor mir. Ich bemerkte, wie Mutter Regina etwas hinten an meinen Gürtel nestelte und dann spürte ich, wie sie zwischen meinen Beinen hindurch etwas Kaltes schob.
„Bitte lege den Gürtel jetzt richtig an. Ich denke, du erkennst, wie es gemacht werden muss.“

Ich erkannte eine Röhre, die wohl mein Glied aufnehmen sollte. Die Röhre war von innen glitschig, vermutlich ein Gleitgel. Ich schob mein kleines Glied hinein und musste schlucken, als ich es verschwinden sah. Vermutlich war das der letzte Blick darauf, den ich jemals habe würde. Obwohl es eigentlich mein größter Wunsch war, dieses Anhängsel loszuwerden und zu einer ‚richtigen‘ Frau zu werden, war es dennoch ein merkwürdiger Moment. Nach einer OP wäre ich als Frau aufgewacht, und mein Anhängsel hätte sich zu der lang ersehnten Vagina gewandelt. Jetzt hingegen wartete ‚nichts‘ auf mich, nur Metall, das alles verbarg und jeglichen Zugriff verhinderte. Fast wie in Trance zog ich das Band weiter hoch, schob meine inzwischen recht klein gewordenen Hoden links und rechts in die Taschen aus gelochtem Metall und zog weiter, bis das Ende dieses Bügels den Taillenreif berührte. Ich konnte jedoch keinen Verschluss erkennen.

„Mutter Renate, wie soll ich den Gürtel verschließen?“
„Ist alles am richtigen Platz?“
„Ich denke schon.“
„Dann drehe dich um.“

Regina nestelte etwas an meinem Bauch und dann hörte ich ein Schloss klicken. „Es ist vollbracht“, bemerkte sie salbungsvoll. Ich schaute an mir herunter und befühlte meinen neuen Schritt. Er war absolut glatt und gewölbt wie bei einer Frau. Keine Beule war zu erkennen, und Glied und Hoden waren vollständig verschwunden. Sah es nicht so ähnlich bei Petra aus, soweit ich mich noch an diesen kurzen Augenblick auf meinem Bett erinnern konnte?

Mutter Renate riss mich aus meinen Gedanken. „Normalerweise präsentiert die neue Schwester jetzt ihren Gürtel ihren Mitschwestern. Da du aber früher ein Mann warst und noch deine alten Geschlechtsteile trägst, möchte ich darauf verzichten. Aber wir werden dich jetzt neu einkleiden und damit auch äußerlich in die Gemeinschaft aufnehmen. Bitte lege jetzt alle deine alte Kleidung ab, so wie du dein altes Leben ablegst.“

Ich zog meinen Pulli, BH und Strümpfe aus und legte sie zu meinem Minirock auf den Stapel. Ich ahnte schon, was jetzt kommen würde und wendete mich zu dem anderen Stuhl. Obenauf lag ein weißer Omaschlüpfer, wie ich ihn kurz an Petra gesehen hatte. Ich zog ihn an und mein neuer Gürtel verschwand komplett darunter. Als nächstes ein paar Kniestrümpfe, und darunter lag ein BH, allerdings aus Metall. Das war also dieses Horrorteil, das alle Schwestern fürchteten! Nun, es war der Preis, mit Petra zusammen sein zu dürfen. So legte ich ihn mir um, und kaum war er an seinem Platz, trat Renate hinter mich und ließ ein Schloss einrasten. Jetzt waren auch meine Brüste hinter Stahl gefangen!

Ich war wie in Trance. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich das altmodische Unterhemd mit den breiten Trägern und der Spitze vorne, die graue, etwas weiter geschnittene Bluse und zuletzt den langen, dunkelblauen Faltenrock und die Schuhe angezogen hatte. Doch dann spürte ich eine Hand an meinem Arm.

„Komm jetzt, Simone. Die Schwestern möchten dich in ihrer Mitte begrüßen.“
Mutter Renate nahm mich wieder an die Hand und trat mit mir vor den Paravent. Alle Schwestern standen auf und klatschten. Renate bat noch einmal um Ruhe.
„Simone ist jetzt ein neues Mitglied unserer Gemeinschaft. Da sie als ehemaliger Mann jedoch kein vollwertiger Teil unserer Schwesternschaft werden kann, werde ich ihr auch keinen neuen Namen geben. Begrüßt also ‚Simone‘ in unserer Mitte.“

Wieder toste Applaus auf und Mutter Renate führte mich wieder auf den Teppich. Sie umarmte mich und drückte mich fest. „Willkommen, Simone, in unserer Gemeinschaft. Du darfst ab sofort nur ‚Renate‘ zu mir sagen.“
In mir tobten die Gefühle, irgendeine Mischung aus Angst, Erleichterung, Scham und Glück. Sogar ein paar Tränen rollten mir die Backen hinunter.

Kaum hatte Renate mich losgelassen, warf sich die kräftige Beate an mich. Sie drückte mich, dass mir fast die Luft wegblieb. „Du hast es überstanden! Willkommen, Schwester Simone“, flüsterte sie mir grinsend ins Ohr.
Nach und nach umarmten mich alle Schwestern und flüsterten mir etwas Nettes ins Ohr. Am Ende der Schlange kam schließlich Petra.

Sie warf sich mir um den Hals und ich bemerkte, dass Tränen an ihrer Wange herunter liefen. Schließlich suchte sie meinen Mund wir vereinten uns in einem innigen Kuss, unserem ersten richtigen! Die Schwestern um uns herum applaudierten und strichen uns über die Schulter und Rücken. Und ebenfalls zum ersten Mal spürte ich die Konsequenzen meines neuen Lebens. In meinem Schritt zog und kribbelte es. Ich konnte keine Erektion mehr bekommen, und doch verlangte mein Teil da unten nach Berührung und Erlösung. Ein unglaubliches Verlangen ergriff mich, und gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich dieses Verlangen niemals würde stillen können.

Petra drückte sich immer noch fest an mich und ich konnte ihre stählernen Brüste spüren, die sich unterhalb meiner stählernen Brüste in meine Rippen bohrten. Auch sie würde für unsere Liebe leiden müssen, da war ich mir bereits jetzt schon sicher. Aber wir waren glücklich und endlich vereint. Endorphine durchströmten meinen Körper und verdrängten alle Zweifel und Sorgen. Monate der Angst und des Versteckens hatten endlich ein Ende!

Noch während ich die ersten Momente unserer Liebe mit Petra genoss, wirbelten die Schwestern um uns herum und gestalteten den Raum um. Sie bauten eine lange Tafel, deckten ein und schon bald füllten intensive Gerüche den Raum. Ich durfte am Kopf der Tafel Platz nehmen, neben mir Petra und auf der anderen Seite Renate. Und anders als sonst herrschte während des Festmahls ein lebhaftes Stimmengewirr.

Schließlich begleitete mich Petra auf mein Zimmer, während die anderen Schwestern aufräumten.
„Renate hat mir erlaubt, bei dir zu bleiben. Möchtest du es auch?“
„Aber natürlich. Ich bin froh, jetzt nicht alleine sein zu müssen. Obwohl ich schon lange bei euch wohne, ist doch alles irgendwie neu.“ Ich nahm sie in den Arm und küsste sie erneut. „Und ich bin so froh, dass ich jetzt mit dir zusammen sein darf.“
„Ich auch, mein Schatz.“

Ich sah mich in meiner Kammer um und entdeckte eine Veränderung. Auf dem Bett lag, nicht wie sonst, mein Schlafanzug, sondern ein weißes Nachthemd. Galt auch für die Nachtwäsche eine Regel? Ich löste mich kurz von Petra und öffnete meinen Schrank. Alle meine Unterwäsche, Röcke und meine Hosen waren verschwunden, stattdessen lag dort ein Stapel dieser Schlüpfer, ein paar Hemdchen, irgendetwas Gestricktes, vermutlich Strümpfe und Strumpfhosen, und noch ein paar weitere Röcke, und auf der Stange hingen einige dieser altmodischen Blusen und gestrickte Jacken. Selbst meine eher neutralen Blusen waren komplett verschwunden.

Petra bemerkte meine Verwunderung. „Dein altes Leben ist jetzt Geschichte und nichts, auch nicht deine Kleidung soll dich noch daran erinnern. Deshalb bekommst du wirklich alle Kleidung neu. Aber damit bist du auch eine von uns. Ich bin so glücklich!“

„Ich auch! Aber an so manche neue Sachen wie den Gürtel und den BH werde ich mich erst noch gewöhnen müssen.“
„Das ging uns allen so. Aber ich bin bei dir und helfe dir. Einverstanden?“
„Einverstanden.“
„Dann lass uns ins Bett gehen. Wenn ich darf, würde ich gerne heute Nacht bei dir bleiben.“
Ich musste grinsen. „Unsere Hochzeitsnacht. Nur ohne Sex.“

* * *


„Hallo Frau Wehnert.“
„Hallo Herr Kommissar! Schön, dass sie mich in der Reha besuchen kommen. Ist ziemlich langweilig hier.“
„Das kann ich mir vorstellen.“
„Was führt sie zu mir?“

„Ich habe neue Informationen für Sie.“
„Ich bin ganz gespannt.“
„Wir haben neun Personen identifiziert, von denen wir inzwischen sieben verhaftet haben. Zwei haben sich wohl ins Ausland abgesetzt.“
„Das sind sicher Kemal und Atakan. Die haben Verwandtschaft in der Türkei.“

„Sie kennen ihre Täter ja recht genau.“
„Klar. Das waren schließlich früher mal meine Freunde. Dachte ich zumindest.“
„Das tut mir wirklich leid, Frau Wehnert.“
„Das muss es nicht, Herr Kommissar. Ich habe diese Typen längst abgehakt. Ich will mit denen nichts mehr zu tun haben.“

„Sehr vernünftig. Übrigens, sie waren nicht das einzige Opfer.“
„Oh, mein Gott.“
„Ja, leider. Der Freundin von Justin ist es wohl genauso ergangen. Mittlerweile hat sie Anzeige erstattet.“
„Jenny? Echt? Wo ist sie jetzt?“
„Ich kann ihnen leider nicht sagen, wo Jennifer jetzt ist. Es hieß, sie habe die Stadt verlassen.“
„Schade. Jenny war in Ordnung.“

„Gut, Frau Wehnert, ich muss wieder los. Wissen sie schon, wie es nach der Reha weitergehen wird?“
„Nein, keine Ahnung. Meine frühere Wohnung gehörte Felix, da kann ich nicht mehr zurück.“
„Ich lasse ihnen eine Info über eine Unterkunft für Frauen zukommen. Vielleicht kommen sie dort zumindest fürs Erste unter.“
„Danke, Herr Kommissar.“




21. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 09.01.26 08:04


Wieder eine schöne Fortsetzung. bin sehr gespannt, wie das Zusammenleben mit Petra sich entwickelt.
22. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 10.01.26 06:35

Danke, Glatzkopf, für dein Lob!

Grüße, Matze

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8.
Bereits am nächsten Morgen verfluchte ich diese stählernen Brustschalen. Sie waren hart, schwer, unbequem, behinderten die Atmung, und ich hatte deswegen schlecht geschlafen. Doch das Schlimmste war: sie verbargen meine Brüste.

Im Gegensatz zu dem Gehänge zwischen meinen Beinen liebte ich meine Brüste. Sie waren nicht groß, aber fest und schön geformt und das äußere Zeichen meiner Wandlung zur Frau. Und jetzt war beides unerreichbar hinter Stahl verborgen und ich würde meine Brüste vielleicht nie mehr sehen, geschweige denn, berühren können.

Und noch ein Gedanke ging mir durch den Kopf. Ich war ab sofort gefangen in diesem Schwebezustand zwischen Mann und Frau. Optisch und gefühlsmäßig war ich zur Frau geworden, aber immer noch biologisch ein Mann. Und dieser Zustand war womöglich für den Rest meines Lebens eingefroren, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Gemeinschaft mir eine geschlechtsangleichende Operation bezahlen würde, die mich endgültig zur ‚richtigen‘ Frau machen würde. Eine Operation, die ich mir so sehnlichst wünschte...


Die Nacht mit Petra war wunderschön und doch zugleich verstörend. Wir hatten auf Nachthemden verzichtet und lagen nur in unseren Schlüpfern (und natürlich dem Stahl um uns herum) im Bett. Es war so schön, sie zu spüren und zu riechen, ihre Wärme, ihren Schweiß, ihr warmes Metall, ihr langes, etwas wuscheliges Haar. Aber wir spürten eben auch beide, dass wir bereits am ersten Abend das Maximale erreicht hatten, was uns in Zukunft möglich sein würde. Unsere Liebe würde nie wirklich körperlich sein. Dafür würde uns hoffentlich ein anderes, tiefes und hoffentlich unzerstörbares Band der Sympathie, Zuneigung und Vertrauen vereinen.

Nach dem Frühstück hatte ich dann Suppenküchendienst mit Claudia und Birgit, mit denen ich bislang weniger zu tun hatte. Es wurde bereits etwas kühler, und so entschied ich mich zu dunkler Wollstrumpfhose unter dem Rock und einer Strickjacke; mehr gab mein Kleiderschrank eh nicht her. Als ich die beiden traf, um gemeinsam in die Küche zu gehen, wurde mir erst so richtig bewusst, dass ich jetzt eine von ihnen war. Wir trugen alle die gleiche Kleidung und waren alle den gleichen Restriktionen unterworfen. So umarmten mich beide gleich zur Begrüßung, nahmen mich in ihre Mitte, hakten sich ein und albernd und kichernd gingen wir durch die Straße. Von Ferne sahen wir wie drei Freundinnen aus, und so fühlte es sich auch für mich an. Ich war jetzt wirklich eine Schwester der Enthaltsamkeit geworden.


Nach dem Abendessen schließlich passte mich Renate ab. „Wie ging es dir an deinem ersten Tag als unsere Schwester?“
„Gut“, entgegnete ich. „meine Schwestern behandeln mich wie ihresgleichen. Ich fühle mich richtig wohl bei euch.“
„Ich bin froh, dass du diesen Schritt gewagt hast, nicht nur für Petra, sondern für die ganze Gemeinschaft. Und deshalb erlaube ich dir ab sofort, dass du auch in den Schwesterntrakt darfst. Aber nicht alleine, nur in Begleitung von Petra. Ist das in Ordnung für dich?“
„Ja, sehr. Vielen Dank für das Vertrauen.“
„Gerne geschehen. Du hast es dir redlich verdient.“

* * *

Nicht nur an meinen Gürtel mit all seinen frustrierenden Momenten und neuen Herausforderungen musste ich mich gewöhnen, nein, auch mit meiner neuen Freundin war fast alles anders. Anfangs passierte es mir häufiger, dass ich sie zärtlich von hinten umarmte, wenn sie am Arbeiten war und ich ihr einfach einen Moment lang nahe sein wollte.

Bei meiner Ex empfingen mich damals zwei weiche, warme Brüste, die ich, je nach Stimmung, auch mal zärtlich massierte, was sie immer sehr genoss. Jetzt hingegen stieß ich stets auf diesen stählernen Brustpanzer, der sich über ihren Busen wölbte und nur an seiner Form erahnen ließ, dass sich darunter zwei wohlgeformte Brüste samt empfindlicher Nippel verbargen. Der Panzer war zwar warm und Petra schien etwas darunter zu spüren, aber erotische Momente ergaben sich dadurch definitiv nicht. Ich hatte sogar den Eindruck, dass es für Petra eher unangenehm war, wenn ich ihre Brustschalen drückte, genau wie für mich, wenn sich bei diesen Umarmungen meine eigenen Schalen in meinen Brustkorb drückten.

Ebenso nervte mich jeder Toilettengang. Schon lange vorher hatte ich mir bereits angewöhnt, nur noch weiblich sitzend mein Geschäft zu verrichten, aber jetzt musste ich zusätzlich diesen metallenen Panzer mühsam trockenlegen, um nicht nach kurzer Zeit einen unangenehmen Geruch zu verbreiten. Hier, vermutete ich, teilte ich wohl das Schicksal, das sich alle Schwestern selbst erwählt hatten. Ob sie vorher gewusst hatten, was da auf sie zukommen würde?



* * *

Wie hatten wieder eine gemeinsame Nacht miteinander verbracht. Nun, nicht so, wie ich sie früher mit meiner Ex verbracht hätte, sondern in der keuschen Variante. Wir hatten geschmust, gekuschelt, uns zärtlich gestreichelt und waren dann in unseren Armen eingeschlafen, obwohl es in den schmalen Betten recht eng zuging. Leider gab es, so weit ich wusste, im gesamten Schwesternhaus kein einziges Doppelbett, noch nicht mal ein Familienzimmer im Gästebereich. Also mussten wir nehmen, was wir hatten.

Wir wachten beide noch vor dem Gong auf und Petra fuhr sanft mit dem Finger über meine Brustschalen und meinen Bauch, stoppte aber, bevor sie den Gürtel erreichte. Schade, ich hätte es gerne gehabt, wenn sie mich auch am Unterleib streicheln würde, obwohl ich ja an den entscheidenden Stellen nichts spüren würde.
„Wie geht es dir mit deinem Gürtel?“, wollte sie wissen. Es klang nicht nach Sensationsgier, sondern nach ehrlichem Interesse. Ich meinte sogar einen Hauch von Sorge herauszuhören.

„Ich gewöhne mich so langsam daran. Vieles ist anders als vorher. Beim Pinkeln muss ich mich mühsam abtrocknen, und beim Duschen ist die Reinigung um einiges schwieriger.“
„Ich denke, das bekommst du in den Griff, das ging uns allen so. Aber wie geht es dir mit deinen Gefühlen? Wir küssen uns, wir streicheln uns, aber wir können nicht miteinander intim sein.“

„Das habe ich in meinem Kopf noch nicht so richtig sortiert.“ Ich sah sie nachdenklich an. „Wenn wir so zusammen sind, begehre ich dich und wünsche mir so, mich mit dir zu vereinen. Aber gleichzeitig weiß ich, dass dieses Verlangen niemals befriedigt werden wird. Das frustriert mich. Aber gleichzeitig möchte ich dir dennoch so nahe sein wie nur irgend möglich.“
„Das ist leider das Fatale an diesen Gürteln... Mir geht es da ähnlich, obwohl ich eigentlich froh bin, dass wir im Augenblick nicht mehr als Kuscheln haben können. Aber wie kommst du mit der unterdrückten Sexualität klar?“

„Ja, manchmal könnte ich die Wände hoch gehen.“ Ich musste grinsen. „Früher hätte ich nachts im Bett an mir herumgespielt, um den Druck abzubauen. Doch das geht jetzt nicht mehr. Ich versuche jetzt, den Druck so gut es geht zu ignorieren und an was anderes zu denken. Und mich auf dich zu freuen.“

Petra kuschelte sich noch einmal verliebt an mich, und in diesem Moment ertönte der Gong zum Aufstehen.
„Raus aus den Federn! Meinst du, wir können es wagen, zusammen zu duschen?“
„Ich denke schon. Hier im Flügel sind wir ungestört.“

* * *


„Nehmen sie Platz, Frau Wehnert.“
„Danke, Herr Doktor.“
„Wie geht es ihnen?“
„Mit dem Laufen geht es wieder gut. Es ist schön, dass dieser blöde Gips endlich weg ist.“
„Das freut mich zu hören.“

„Nur da unten, im Schritt, tut es immer noch höllisch weh, wenn ich mich dort berühre. Und es fühlt sich alles so seltsam, so anders an.“
Der Arzt sah sie ernst an. „Ja, ihre Verletzungen im Vaginalbereich sind sehr schwerwiegend. Die Kollegen im Kreiskrankenhaus haben sie, im wahrsten Sinne des Wortes, zusammengeflickt.“

„Wird das wieder?“ Sonja sah den Arzt besorgt an.
„Ich befürchte, ihnen keine gute Nachrichten geben zu können. Ich will ehrlich zu ihnen sein: nach meiner Einschätzung haben sie eine dreißigprozentige Chance, dass alles wieder so wird wie früher. Aber ich befürchte eher, dass sie nie wieder ‚normalen‘ Geschlechtsverkehr haben können, so wie sie ihn bislang kannten.“

Sonjas Gesicht erstarrte und Tränen rannen ihr aus den Augen. „Aber… aber ich wollte doch Kinder! Eine Familie! Warum geht das jetzt nicht mehr?“
„Ich sage nicht, dass es nicht mehr gehen wird, aber leider sind ihre Chancen nicht allzu hoch. Kinder können sie allerdings noch bekommen, dann aber vermutlich nur durch In-Vitro-Fertilisation.“
„Inwitroh?“
„Mittels künstlicher Befruchtung, per Samenspende.“
„Oh nein…“





23. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 10.01.26 12:40


Mir tuen beide richtig leid. Sie lieben sich ,aber sie können nie zum Orgasmus kommen.
24. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 11.01.26 07:18

Danke, Glatzkopf, für deinen Kommentar!

Ja, das könnte noch zum Problem werden...

Grüße, Matze


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9.
Renate hatte mich zu einem Gespräch im Gemeinschaftsraum eingeladen, ohne zu erläutern, um was es gehen sollte. Ich ging die letzten Wochen seit dem Gelübde durch. Hatte ich mich falsch verhalten? Oder gar eine der Schwestern bedrängt? Ich konnte nichts finden, außer vielleicht ein paar Lappalien, die jeder mal unterliefen und wegen derer niemand zur Chefin zitiert wurde.

Ich betrat den Raum und war überrascht, neben Renate auch Birgit anzutreffen. Mit Birgit hatte ich sehr wenig zu tun und wir blieben uns auch weitgehend fremd. Sie gehörte eher zu der Gruppe von Schwestern, die Kontakt zu Männern jedweder Art mied, also auch zu mir, da ich zumindest früher mal ein Mann war.

Die beiden saßen an einem Tisch und Renate lud mich ein, auf dem freien Tisch gegenüber Platz zu nehmen.
„Danke, dass du gekommen bist, Simone“, begann sie. „Wir müssen heute etwas sehr Privates besprechen, deshalb habe ich Schwester Birgit dazu geladen. Als Zeugin, aber auch als Absicherung für jeden von uns. Es geht nämlich um deinen Gürtel.“
„Meinem Gürtel?“ Ich sah sie verwundert an. „Stimmt damit was nicht?“

„Nein.“ Renate lächelte entwaffnend. „Es ist nur so: du trägst den Gürtel jetzt schon einige Wochen.“
„Ja. Und? Ich hatte bislang keine Probleme, auch wenn es manchmal hart ist.“
„Hart ist es für uns alle, also geht es dir nicht besser als uns. Es ist nur so: diesen Gürtel kann man nicht einfach sein Leben lang tragen. Er braucht Pflege, und dein Körper darunter ebenfalls. Wir Schwestern werden daher von unseren Patinnen regelmäßig aufgeschlossen, gereinigt und auf gesundheitliche Probleme überprüft.“ Sie machte eine kunstvolle Pause und sah mich an. „Und das steht jetzt auch bei dir an.“

So langsam dämmerte mir das Problem.
„Aber wir haben jetzt ein Problem“, für Renate fort. „Da du keine biologische Frau bist, sollen und wollen keine der Schwestern, auch ich nicht, deinen Gürtel öffnen und dich reinigen. Das heißt, wir brauchen eine unkonventionelle Lösung.“
Ich sah sie fragend an.

„Nun, mir gehen zwei Möglichkeiten durch den Sinn. Erstens, du fährst zu unserer Brudergemeinschaft und lässt dich dort reinigen. Auf Dauer würde das ständige Reisen allerdings unser knappes Budget ziemlich strapazieren. Und da du optisch eine Frau bist, würden wir unsere Brüder womöglich in eine Situation bringen, die für alle Seiten unangenehm wäre.“ Sie machte eine längere Pause und sah mich eindringlich an. „Oder du übernimmst die Reinigung selbst. Ich würde dir im Beisein von Birgit die Schlüssel aushändigen, du würdest dir alleine in der Dusche den Gürtel abnehmen, reinigen, desinfizieren, dich selbst duschen und ihn wieder anlegen. Da wir dich dabei nicht beobachten können oder wollen, müssten wir dir vertrauen, dass du dein Gelübde penibel einhältst. Würdest du das tun?“

Ich war etwas perplex. Dass dieser Gürtel noch solche speziellen Probleme bereiten würde, hätte ich nicht gedacht.
Im ersten Moment freute ich mich, dass ich mein Ding da unten doch noch mal zu Gesicht bekommen würde, denn auch wenn ich es als mittlerweile als lästiges Anhängsel sah, konnte es mir immer noch gewisse Freuden bescheren, und das wohl zukünftig regelmäßig. Aber Renate hatte recht; ich hatte ihr gegenüber absolute Enthaltsamkeit versprochen. Würde ich an mir rumspielen, würde ich mein Wort brechen. Wenn sie es heraus bekäme, würde sie mich dann rausschmeißen? Auszuschließen wäre das nicht. Also gab es eigentlich nur eine Entscheidung.
„Natürlich werde ich mein Gelübde einhalten. Ich werde dich nicht enttäuschen.“

Renate lächelte mich an. „Etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Dann komm und lass uns gehen.“
„Jetzt gleich?“
„Genau.“

Wir gingen gemeinsam zum Gästetrakt und ich verschwand in der dortigen Dusche, während die beiden Schwestern vor der Türe ‚Wache‘ schoben. Ich entkleidete mich, trat unter das heiße Wasser und steckte den kleinen Schlüssel in das Schloss meines Gürtels.

Es war ungewohnt, wieder diese letzte, leider nicht entfernbare Erinnerung an mein früheres Leben als Mann zu sehen und zu berühren. Es lag mir fern, an mir herumzuspielen; nicht nur, weil ich ein Versprechen abgegeben hatte und diese zwei Frauen vor der Türe ungeduldig auf mich warteten, sondern auch, weil ich meine weibliche Kontur, die mir dieser Gürtel verschaffte, so schnell wie möglich wieder zurück haben wollte, trotz aller Einschränkungen, die dieser Gürtel mit sich brachte. So betrachtete ich nur kurz diese Konstruktion mit der Röhre und dem Abflussloch.

„Alles in Ordnung?“,hörte ich Renate rufen.
“Alles klar!“, rief ich zurück. Okay, das war deutlich, ich sollte mich beeilen. So reinigte ich den Gürtel mit Seife und wusch mich selbst. Es war doch erstaunlich, wie viel Dreck sich in dieser Zeit unter dem Gürtel angesammelt hatte. Aber bis auf ein paar leicht gerötete Stellen war alles in Ordnung, und so legte ich mir den Gürtel nach dem Abtrocknen wieder an. Es fühlte sich merkwürdig an, als ich das Schloss einsetzte und abschloss. Mein ungeliebtes Anhängsel war wieder verschwunden und mein Schritt ‚weiblich‘, auch wenn ich nichts Weiches wie damals bei meiner Ex ertasten konnte. War das diese ‚Befreiung‘, von der so viele Schwestern mir bereits berichtet hatten?

Als ich, wieder angezogen, das Bad verlassen wollte, stand Birgit in der Türe und schaute mich fast bedrohlich an. Instinktiv wich ich einen Schritt zurück.
„Komm her, ich muss kontrollieren.“
Als ich schließlich einen halben Meter vor ihr stand, hob sie überraschend ihr Knie und rammte es mir in den Schritt. Ich spürte den Schlag, es tat auch weh, aber nicht dieser Schmerz, der mich normalerweise zu Boden geschickt hätte. Der Gürtel wirkte wie ein Tiefschutz!

„Alles in Ordnung, Renate“, stellte Birgit sachlich fest.
Ich schaute immer noch recht verdattert, obwohl der Schmerz bereits wieder abgeklungen war.
„Es tut mir leid, Simone“, entschuldigte sich Birgit. „Aber ich kann dir nicht dort hinfassen. Also musste ich es so prüfen, ob du den Gürtel auch wirklich trägst.“
„Alles in Ordnung“, beruhigte ich sie. Innerlich musste ich lachen über die Verklemmtheit mancher Schwestern. Und bei ihr war ich mir auch nicht so ganz sicher, ob sie es nicht sogar ein Stück weit genossen hatte, mal einem ‚Mann‘ so richtig in seine Weichteile...

* * *


Das klösterliche Leben barg eine gewisse Monotonie. Doch der strenge und fast immer gleiche Ablauf von Arbeit, gemeinschaftlichem Essen und (weniger) Freizeit hatte doch einen gewissen Rhythmus, der die Zeit schneller vergehen ließ und dafür sorgte, dass diese Monotonie nicht als solche empfunden wurde.

Petra und ich versuchten, uns nicht dieser Monotonie hinzugeben. So schliefen wir nur höchstens ein Mal die Woche gemeinsam bei mir, um diesen Übernachtungen die Magie des Besonderen zu erhalten.

Es war wieder Freitag, ‚unser‘ Wochentag. Zusammen mit einigen anderen Schwestern saßen wir im Wohnzimmer, hatten aber eines der Sofas dort für uns alleine. Petra kuschelte sich an mich und ich hatte meinem Arm um sie. Das war das Maximale, was wir uns vor den Augen der Mitschwestern erlaubten, um niemanden zu provozieren. Sie drehte ihren Kopf zu mir und kam mit ihrem Mund ganz nah an mein Ohr.
„Möchtest du heute bei MIR übernachten?“

Ich war überrascht. Obwohl wir ja die Erlaubnis dazu hatten, hatte mich Petra nie darauf angesprochen, und ich wollte sie auch nicht bedrängen. Ich wusste, dass es wohl nicht viel anders als die Nächte in meiner Kammer werden würde, und dennoch spürte ich, dass mich der Gedanke daran erregte. Bevor mich der Frust über die nie erreichbare Erlösung übermannen konnte, drückte ich sie fest an mich.
„Ich freue mich darauf. Ich bin schon sooo lange neugierig!“
„Dann komm“, flüsterte sie mir ins Ohr, stand auf und nahm mich an der Hand.

Mit wehenden Röcken rannten wir auf diese schwere Türe zu, die bislang immer für mich eine unüberwindbare Grenze darstellte. In meiner Fantasie befand sich dahinter ein Märchenland in Regenbogenfarben, ganz mädchenhaft, ein Reich von Feen und Elfen, aber der Gang entpuppte sich als genauso schlicht, weiß und öde wie alle anderen Gänge im Haus auch.

Sie führte mich an den vielen, gleich aussehenden Türen vorbei. „Diese Kammern hier sind noch frei, aber ich habe gehört, dass wir Zuwachs bekommen sollen“, erzählte sie mir fast verschwörerisch. „Und hier sind Toiletten und Waschraum, aber da gehst du besser nicht rein.“
Der Hinweis war überflüssig; ich hätte nie riskiert, einer halbnackten Schwester im Bad zu begegnen. Schließlich blieben wir vor einer Türe stehen, die sich in Nichts von den anderen Türen unterschied.
„Und hier ist meine Kammer.“
Sie öffnete und ich trat hinein.

Auf den ersten Blick sah sie genauso aus wie meine. Der gleiche Grundriss, das gleiche Fenster, identische Möbel. Und doch war es komplett anders. Das Zimmer war rundherum mit Bildern, bunten Tüchern und Postern dekoriert, so dass kaum ein Stückchen Wand zu sehen war. Überall auf den Regalen und dem Schrank standen kleine Figürchen oder andere Fundstücke wir schöne Steine, die Petra wohl irgendwo gesammelt hatte und die für sie vermutlich eine Bedeutung besaßen.

Petra schien ungewöhnlich aufgeregt. Zum ersten Mal kuschelte sie sich noch in Kleidung an mich und begann, mich dabei auszuziehen. Ich genoss diese fast außergewöhnliche Zuneigung und half ihr ebenfalls dabei, sich ihres Rockes und der Bluse zu entledigen. Es dauerte nicht lange, bis wir küssend auf ihrem Bett landeten. In meinem Schritt kribbelte es; ein Gefühl, das mir mittlerweile sehr vertraut war. Ich würde jedoch nie die Erlösung finden, also genoss ich es, so weit es ging, und konzentrierte mich auf meine Freundin. Wir streichelten uns immer intensiver, und diesmal wollte ich etwas weiter gehen. Ich wusste von ihren verbliebenen erogenen Zonen, die nicht unter Stahl verborgen lagen, uns so wanderte meine Hand zwischen ihre Beine, auf die Innenseiten ihrer Schenkel.

Doch statt sich dem Spiel hinzugeben, zuckte sie regelrecht zusammen und schob meine Hand weg. „Bitte nicht, Simone“, flehte sie mich fast an.
Wollte sie nicht zu erregt werden, um sich nicht in Sehnsucht zu verzehren? Oder wollte sie jeder Versuchung bereits im Ansatz widerstehen? Oder hatte ich gar ungewollt Bilder aus ihrer dunklen, verborgenen Vergangenheit wieder zum Leben erweckt?

Wir würden eh niemals eine echte Befriedigung erfahren, also spielte dieses bisschen Mehr oder Weniger an Erregung auch keine Rolle mehr. Frustriert zog ich meine Hand zurück und kuschelte mich nur noch an sie. Sie nach dem Grund zu fragen, traute ich mich nicht, und so lagen wir nur da, bis auch der letzte Rest an Erregung abgeklungen war.

Aber einschlafen konnte ich dennoch nicht; meine Blase drückte zu sehr. „Du, Schatz, ich muss noch mal. Soll ich mich anziehen und in meinen Gästeflügel gehen?“
Den Vorfall gerade eben hatte sie wohl schon abgehakt, denn sie sah mich mit einem Grinsen an, und ich konnte den Schalk in ihren Augen erkennen. „Nein, ich habe eine bessere Idee. Komm!“
Sie gab mir eines ihrer Nachthemden und zog sich selbst eines über. Dann nahm sie meine Hand und wir schlichen leise zur Toilette auf dem Flur. Sie öffnete; darin war es dunkel, also befand sich keine Schwester dort.
„Auf, geh. Ich halte Wache, damit niemand reinkommt.“

Ich ging zum nächsten Raum durch und fand eine ganz normale Gemeinschaftstoilette vor. Trotzdem war es aufregend, sich auf verbotenem Terrain zu bewegen und eine Toilette zu benutzen, die für mich eigentlich verboten war. Im meinem Schritt kribbelte es erneut und ich musste bewusst an etwas anderes denken, um überhaupt Wasser lassen zu können.

Um meine Neugierde zu befriedigen, warf ich nach dem erledigten Gang noch einen Blick in den angrenzenden Duschraum. Diese Gelegenheit würde sich mir vielleicht nie mehr bieten! Ich weiß nicht, was ich für Wunder ich erwartet hatte, denn es sah aus wie in jeder Gemeinschaftsdusche dieser Welt. Weiß gefliest, mehrere Duschköpfe an der Decke und keine Trennwände. Die Schwestern schienen keine Scheu voreinander zu haben, schließlich waren ja alle sicher verschlossen und die intimen Stellen vor neugierigen Blicken verborgen. Und dann fiel mir doch etwas auf. An einer Wand, neben dem einzigen Duschkopf mit flexiblen Schlauch, hingen vier Metallschellen; zwei etwa auf Kopfhöhe, zwei nahe dem Boden, jeweils einen Meter voneinander entfernt. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Schließlich hatte ich genug gesehen und schlich mich mit Petra zurück in ihre Kammer. Als wir wieder im Bett lagen, konnte ich meine Neugier nicht mehr zügeln.
„In der Dusche habe ich so Schellen an der Wand gesehen. Wofür sind die da?“
Petra zwickte mich in den Bauch. „He, du Spannerin. Das geht dich gar nichts an!“
„Mag sein, aber jetzt habe ich es gesehen. Und?“
Petra dachte einen Moment nach. „Also gut. Aber du redest mit absolut niemandem darüber, verstanden?“
„Natürlich nicht. Ich werde mich doch nicht verraten, dass ich im eurem Duschraum war.“

„Da ist was dran... Nun, es ist so. Alle paar Wochen wird uns der Gürtel abgenommen. Dazu kommen die beiden Schlüsselträgerinnen und öffnen ihn im Waschraum. Wir können uns gründlich reinigen und den Gürtel desinfizieren.“
„Klar, muss sein.“
„Allerdings wollen einige Schwestern sicher gehen, dass sie sich nie mehr da unten berühren. Deshalb lassen sie sich anketten und die beiden Schlüsselschwestern übernehmen die Reinigung. Erst wenn der Gürtel wieder zu ist, werden sie wieder befreit.“

„Macht das jede Schwester?“
„Nein, nur einige, die es ausdrücklich so wollen.“
„Und du? Lässt du dich auch festketten?“
Petra sah mich mit einem süffisanten Grinsen an. „Das bleibt mein kleines Geheimnis, mein Schatz.“
Ich musste auch lächeln. Ich wertete das mal als ein eindeutiges ‚ja‘.


* * *

Die Woche darauf waren wir wieder in meiner Kammer. Wir wollten uns abwechseln, einerseits, damit jeder in den Genuss des Besuchs kam, andererseits, damit ich nicht zu oft den Schwesternflügel betreten musste. Ich fühlte mich dort immer noch als Eindringling und wollte mein Privileg nicht über Gebühr strapazieren.

Wir lagen wieder halbwegs nackt in meinem Bett und kuschelten miteinander. Ich genoss es jedes mal, ihre Wärme zu spüren und zu wissen, dass es einen Menschen gab, der mich über die hier übliche, schwesterliche Nähe hinaus liebte.

Petra schien, im Gegensatz zur Woche zuvor, sehr entspannt. So wollte ich etwas ansprechen, was mich schon länger beschäftigte. Nachdem wir eine Weile gekuschelt hatten, fragte ich sie fast beiläufig.
„Wie hast du eigentlich früher geheißen, bevor du in die Schwesternschaft eingetreten bist?“
Erneut merkte ich, wie Petra sofort wieder zu machte. „Ich heiße ‚Petra‘, sonst nichts.“
„Entschuldige, mein Schatz, ich wollte dir nicht zu nahe treten.“
„Ich verstehe deine Neugier. Aber ich möchte trotzdem nicht darüber reden.“
„Alles klar.“

Ich fühlte mich sehr unwohl. Petra wusste so gut wie alles über mich. Bis auf ein paar Bettgeschichten, die sie nichts angingen, kannte sie fast jedes Detail aus meinem Leben; von meiner Kindheit über meine Beziehungen einschließlich Geschlechterwechsel bis hin zum heutigen Tag. Ich dagegen wusste von ihr praktisch nichts. Sie war wohl vor etwa fünf Jahren in die Schwesternschaft eingetreten, aber ihr Leben davor und die Gründe, die sie zu einem so tiefgreifenden Schritt bewegten, blieben im Dunkeln. Dabei war ich doch ihre Freundin. Sollte man da nicht auch die dunklen Seiten des Lebens miteinander teilen?

Mir wurde immer klarer: für Petra schien es ein Leben vor und nach dem Gelübde zu geben. Und das davor sollte wohl im Nebel des Vergessens versinken. Ich hatte verstanden. Es war nicht meine Aufgabe, diesen Nebel zu lüften.

* * *


Ich schlug die Augen auf. Die Sonne schien mir ins Gesicht und der weiße Sand wärmte meinen Rücken. Ich war komplett nackt. Hoffentlich sah mich niemand, denn ich wollte keinen Ärger erregen. Aber ich konnte mich auch nicht bedecken. Um meine Hand- und Fußgelenke schlangen sich metallene Bänder, an denen Ketten befestigt waren. Die Ketten zogen meine Arme und Beine weit auseinander. Wie konnte das sein? Soweit man sehen konnte, war doch nichts als Sand?

Über mich beugte sich eine junge Frau. Sie hatte lange, glatte, blonde Haare und war wunderschön. Eine Figur wie aus dem Modemagazin, ein Gesicht, fast makellos. Sie lachte mich an und ihre perlweißen Zähne blitzten in der Sonne. Ja, es war Sandra, eindeutig. Sie streichelte meinen Bauch und kam immer tiefer. Dann schwang sie ein Bein über mich und setzte sich auf meinen Bauch. Aber warum trug Sandra einen bodenlangen, dunkelblauen Faltenrock? Sandra trug nie lange Röcke, höchstens knielang, meist noch kürzer. Und sie hasste Faltenröcke, weil sie ihren Hintern darin so fett empfand. Und für den Bruchteil einer Sekunde konnte ich ihren Slip sehen. Er schien aus dem gleichen Material wie meine Fesseln zu sein. Seit wann trug Sandra Slips aus Metall?

Die Frau beugte sich zu mir herunter, leckte an meiner Brust und knabberte an meinen Brustwarzen, die offen vor ihr lagen. Ich liebte es, wenn sie es tat. Meist war es das Vorspiel zu Dingen, die ich noch viel mehr liebte. Und in der Tat; sie hob den Rock, rutsche weiter herunter, hinter ihr meine Latte, die steil zum Himmel stand. Ihr Rock breitete sich wie ein Vorhang über mich aus und bedeckte meinen Körper fast komplett. Ich schien regelrecht davon aufgesogen zu werden. Der Stoff schien zu wachsen, immer weiter, bis mir auch die Sicht genommen wurde. So konnte ich umso besser spüren, wie es um mein Glied immer enger wurde. Sie musste sich über mich darüber gestülpt haben! Wie sollte das gehen, mit ihrer stählernen Unterwäsche?

Sie saß ganz still auf mir, und ich konnte ihre Vagina spüren. Ihre Muskeln massierten mein Glied und pressten es zusammen. Ich wollte ihr entgegen kommen, aber ich war wie gelähmt. Irgendwas hinderte mich; dabei war ich bis zum Zerreißen angespannt. Es war so schön und doch gleichzeitig so schmerzhaft. Ihr Griff um mein Glied wurde immer stärker; wie in einem Schraubstock zwängte sie mich ein. Plötzlich ließ sich die Frau vornüber auf mich fallen und hartes Metall schlug dumpf auf Metall. Vor meinen Augen tanzten bunte Blitze vor Schmerz. Doch diese Sinnesüberflutung ließ mich über die Klippe springen. Mein Glied kämpfte gegen die Enge in ihrer Vagina an, es pumpte, es pulsierte, eine Welle folgte auf die nächste, und es wollte kein Ende nehmen. Der Schmerz wurde immer stärker, aber die Endorphine übernahmen die Führung und gewannen schließlich die Oberhand, bis zur Erlösung. Oh, was für ein Ritt, was für ein Feuerwerk! Doch dann hörte das Pumpen auf und die Frau verschwand, ebenso der Strand, die Fesseln und die Sonne über mir. Es blieb nur der Schmerz an meinen Rippen, der langsam abklang.

„Oh, Simone! Entschuldige! Habe ich dir weh getan?“
Ich schlug die Augen auf. Über mich beugte sich eine junge Frau. Sie war dunkelhaarig und ihre Frisur war wuschelig. Es war nicht Sandra, meine Ex. Nein, es war Petra, meine in Stahl versiegelte Freundin.
„Entschuldige, ich habe mich im Schlaf umgedreht, und bin versehentlich mit meinen Brustschalen voll auf dich drauf!“
„Es ist alles gut, mein Schatz.“ Ich fühlte mich seltsam. Was war das für ein Traum? Ich griff mir in den Schritt und alles war klebrig und nass. Scheiße… ich hatte einen feuchten Traum… Wie konnte das passieren? Ich hatte seit Jahren keine Erektion mehr. Was war los mit mir? Versagten jetzt die Hormontabletten? Doch es war ein wunderschöner Traum, auch wenn Petra darin eigentlich nicht vorkam. Oder doch? Ich musste ihr erzählen, was passiert war. Nur die Haarfarbe der Frau würde ich weglassen.

* * *


Sie wollte nicht mehr. Dieser Bastard Felix hatte ihr alles genommen, was sie sich für die Zukunft vorgestellt hatte. Sie hatte Felix geliebt, mit ihm eine gemeinsame Zukunft geplant. Und was machte dieser Arsch? Er missbrauchte sie als Nutte, und bot sie großzügig und gegen eine kleinen Obolus auch seinen Freunden an, wie sie vom Staatsanwalt erfahren hatte. Und ließ sie am Schluss halb tot liegen. Weggeworfen wie ein abgenagter Knochen, ein beschmutztes Taschentuch.

Stattdessen wohnte sie jetzt in diesem Frauenhaus. Einer Unterkunft für gescheiterte Existenzen, für Frauen, die noch nicht ganz, aber fast ganz unten angekommen waren. Die, häufig mit ihren Kindern, vor ihren Partnern fliehen mussten; vor Menschen, die sie vielleicht sogar einmal geliebt hatten.

Noch in der Reha hatten sie ihr eine Psychotherapeutin besorgt, zu der sie einmal die Woche ging. Aber was sollte sie dort? Lernen, wie man als Frau leben sollte, die keinen Sex mehr haben konnte? So zog sie sich immer mehr zurück. Hass und Wut waren die Gefühle, die ihr Leben bestimmten. Sie hoffte noch auf einen Hauch von Gerechtigkeit; dass Felix und seine Spießgesellen den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen würden. Aber ihr Verstand sagte ihr, dass sie vermutlich mit einem mehr oder minder blauen Auge davon kommen würden.

Was wäre danach mit ihr? Würde er sie suchen und sein ‚Werk‘ dann zu Ende bringen? Sie wagte nicht dran zu denken. Jetzt bräuchte sie erst einmal etwas Hartes zu trinken. Halt, nein! Jedes Mal, wenn sie trank, wachte sie am nächsten Morgen mit geschundenen Knochen auf. Und fühlte sich stets so unsauber, so verletzt, ohne zu wissen, warum.




25. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von windelfohlen am 11.01.26 10:27

Oh Zuwachs, jetzt hat sich für mich mein verdacht verhärtet und vermute das Frau Wehnert in das gleiche Haus kommt, wobei ich mich frage sind Simone und Sonja Freundinnen bekannten oder doch einfach zwei Fremde.

Ich mag die Geschichte, hat einen andere Art das Thema Keuschheit anzugehen, und auch der Krimi am Schluss finde ich angenehm abwechslungsreich.

Freue mich auf Jedenfalls auf weitere Fortsetzungen.
26. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Fazer-Tom am 11.01.26 10:30

Ich habe ja den Verdacht es ist die Ex von Simone. Ein anderes Szenario wäre natürlich dass es die Vorgeschichte von Petra ist oder war. Spekulationen über Spekulationen, nur der Autor kennt die Wahrheit.

Ciao Tom
27. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von ChasHH am 11.01.26 12:37

Oh ja. Ich wüsste auch gerne die Zusammenhänge zwischen der "richtigen" und der "kursiven" Story.
28. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 12.01.26 08:19

Danke für eure Kommentare!

Ich finde es immer wieder spannend, in welche Richtungen eure Fantasien laufen. Ob davon etwas zutrifft, werde ich natürlich nicht spoilern.

@ChasHH: Hab etwas mehr Geduld! Schon im folgenden Kapitel wird sich der Schleier ein klein wenig lüften. Ist es nicht so, dass Geschichten schlicht langweilig sind, bei denen schon im 2. Kapitel klar ist, wohin die Reise gehen wird?

Grüße, Matze


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10.
So gingen die Monate ins Land. Der Winter war gekommen und wir trugen alle unter unseren langen Wintermänteln mehrere Röcke übereinander, was uns alle ein wenig pummelig aussehen ließ. Doch da wir keine potentiellen Sexualpartner mehr beeindrucken mussten, keine von uns sich schminkte und eh praktisch alle gleich gekleidet waren, spielte unser Aussehen keine Rolle mehr. Man konnte an der Anzahl der Röcke übereinander allenfalls die Jahreszeit ungefähr ablesen, aber selbst das war eigentlich ohne Belang.

Das Leben hier war wie ein gleichmäßiger Fluss. Immer in langsamer Bewegung, stetig, aber tagein, tagaus die gleiche Routine. Und bis auf eine Postulantin namens Jennifer, die vor ein paar Monaten zu uns stieß, passierte nicht viel Neues.

Jennifer war ein knackiges, junges Mädchen und die einzige, die in sehr, sehr engen Jeans herumlief. Obwohl sie eine unglaubliche Lebensfreude versprühte, sickerte doch durch, dass sie bei ihrem Freund oder im Freundeskreis durch die Hölle gegangen sein musste. Sie verhielt sich anfangs offen mir gegenüber wie bei allen Schwestern, und erst, als sie erfuhr, dass ich früher mal ein Mann war, distanzierte sie sich spürbar von mir. Sie schien wirklich ein gravierendes Männer-Trauma erlitten zu haben.

Und dann wurde die Monotonie der Tage und Wochen doch noch durch eine kleine Sensation durchbrochen.

Ich hatte wieder Küchendienst, diesmal mit Claudia und Bettina. Wir bereiteten wie jeden Tag das Essen vor, als es passierte. Zufällig liefen Claudia und ich gleichzeitig los und drehten uns um, so dass wir mit voller Wucht zusammenstießen. Sie rannte schräg seitlich in mich hinein und ein stechender Schmerz durchfuhr mich an der Brust. Ich stieß einen Schmerzschrei aus, ließ mich auf den Boden sinken und hielt mir die Rippen unterhalb meiner Brustschalen.
Claudia kümmerte sich sofort um mich und legte ihre Hand auf meine schmerzende Brust. „Oh, entschuldige, das tut mir so leid! Habe ich dir sehr weh getan?“
Ich rang noch nach Luft. „So langsam geht es wieder. Du hast einen genauso harten Vorbau wie ich.“

Claudia wurde ein wenig rot. Endlich ließ der Schmerz etwas nach; ich hatte mir wohl nur die Rippen geprellt, aber nicht gebrochen. „Sag mal, trägst du auch so einen Brustpanzer wie Petra und ich?“
Claudia wurde rot und blickte zu Boden. „J… ja“, entfuhr es ihr leise. Es schien ihr peinlich zu sein.
Ich wurde neugierig. „Hast du dir eine Strafe eingefangen?“ Der stählerne BH war ja eine gängige Strafe für kleinere Vergehen wie Verstöße gegen die Hausordnung, wie ich mich noch erinnerte. Und Petra und ich waren die einzigen, die wegen unserer Beziehung dauerhaft in diesen stählernen Panzern eingesperrt waren.
„Nein.“ Sie wurde immer röter.

Eigentlich hätte ich es dabei belassen sollen, aber die Neugier war zu stark. „Hast du einen Freund?“, flüsterte ich ihr fast ins Ohr.
„Nein.“
„Magst du es nicht verraten?“
„Nein…“ Sie zögerte. „Oder doch, du wirst es ja sowieso irgendwann erfahren.“
„Was werde ich erfahren?“ Ich flüsterte, weil ich nicht wusste, wer alles noch davon wissen durfte.

Plötzlich strahlte mich Claudia an. „Ich bin mit Silvia zusammen. Und Renate hat es erlaubt.“
Ich sah sie erst argwöhnisch an, doch dann schlang ich meine Arme um sie. „Das ist ja wundervoll! Das freut mich für euch!“
„Ja, uns auch. Und ich glaube, ohne Petra und dich hätte Renate es nie erlaubt. Danke, dass ihr die Vorreiter gespielt habt.“
„Und gleiches Recht für alle“, stellte ich sachkundig fest. „Verliebte müssen den Brustpanzer tragen.“
„Ja. Aber das macht uns nichts aus. Mit den Gürteln ist es eh schon hart. Da kommt es darauf auch nicht mehr an.“

„Danke, dass du mir das anvertraut hast.“
„Nein. Ich muss dir danken, dass du die Gelübde wegen Petra abgelegt hast. Das war sicher nicht leicht für dich.“
„Das war es. Aber ich habe es bislang nicht bereut.“
„Das merkt man euch an.“
„Und das wünsche ich euch auch. Dass ihr glücklich werdet.“ Ich gab ihr noch einen Kuss auf die Backe. „Und jetzt müssen wir wohl weiter kochen, damit das Essen rechtzeitig fertig wird.“

* * *

Der morgendliche Gong hatte mich geweckt und so stand ich auf und ging, wie jeden Morgen, über den Gang zum Bad. Es war kalt auf dem Gang und trostlos. Mich fröstelte in meinem dünnen Nachthemd; ein Grund mehr, sich zu beeilen und nicht dort zu verweilen. Und dennoch ging mir heute eine Frage durch den Kopf. Warum unterhielt der Orden einen so großen Gästeflügel, mit einem halben Dutzend Zimmern und zwei Bädern, für jedes Geschlecht ein eigenes? Ich wohnte hier schon seit vielen, vielen Monaten; nein, eigentlich waren es sogar schon fast Jahre. Aber noch nie war ich einem anderen Gast begegnet.

Alle Schwestern hatten sich von ihrem früheren Leben losgesagt und die Brücken zur Vergangenheit abgebrochen. Daher war klar, dass wohl nur in den seltensten Fällen Angehörige oder frühere Freunde den Weg in dieses Gemäuer finden würden. Und wer sonst noch sollte dieses Haus für längere Zeit besuchen?

Interessentinnen oder gar Postulantinnen wurden sofort im Frauenflügel untergebracht, wie ich aus Gesprächen entnehmen konnte, damit sie mit ihren erlittenen Traumata nicht ganz alleine bleiben mussten.

Meine Frage war zu profan, um sie mit Renate zu diskutieren, vielleicht würde ich es durch Zufall einmal erfahren. Also beeilte ich mich, um mich zu waschen und rechtzeitig zum Frühstück fertig zu sein. Und wie jeden Morgen amüsierte ich mich über das durch die offene Türe sichtbare Urinal im Herrenbad an der Wand, das unnötig und ungenutzt dort hing.

* * *

Der Winter nahm Fahrt auf und vor den Fenstern tanzten die ersten Schneeflocken. Obwohl Petra meine Kammer mit Bildern von sonnendurchfluteten Landschaften dekoriert hatte, wirkte sie immer noch trist, und das fehlende Licht ließ die Gänge noch düsterer und bedrohlicher erscheinen.

Vielleicht war es auch nur mein persönliches Stimmungstief. Die Verschlossenheit von Petra machte mir zu schaffen. Sie schien sich immer noch mit ihrer Vergangenheit zu quälen, und ich würde ihr so gerne dabei helfen, diese Qualen zu überwinden. Doch sie ließ mich nicht an sich heran.

Das Wetter schien mir wie ein Metapher unserer Beziehung zu sein. Die strahlenden Bilder an der Wand waren die Momente der Nähe, der Vertraulichkeit, des Kuschelns. Und die tristen Wände, das wenige Licht und die schlichten Möbel waren der Rest; diese unsichtbare Mauer zwischen uns, diese kühle Distanz; nicht nur wegen unserer Gürtel. Und so, wie es immer düsterer wurde, hatte ich das Gefühl, als ob unsere Entfremdung ebenfalls wachsen würde. Ich liebte sie noch immer und sehnte mich nach jedem Moment mit ihr, aber dennoch drängte sich immer häufiger ein Gedanke, ja eine Befürchtung dazwischen. Dass unsere Liebe keine immerwährende Zukunft haben würde.

Ich zog mich an, um mit Bettina in die Suppenküche zu gehen. Wie fast alle Schwestern zog ich zwei Röcke und zwei Strickjacken übereinander, um nicht zu frieren. Erneut sah ich zehn Kilogramm schwerer aus, aber das war mir vollkommen egal. Mittlerweile hatte ich auch erfahren, dass diese Strickjacken tatsächlich von strickwütigen Schwestern selbst gemacht wurden. Die Jacken waren kuschelig warm und diese Norwegermuster gefielen mir sogar.

Wir machten uns auf den Weg. Ein kalter Wind blies uns entgegen und so hakte sich Bettina bei mir unter und kuschelte sich an mich, um von meiner Wärme zu profitieren. Es war nichts Sexuelles, nein, einfach nur wie bei besten Freundinnen. Ich genoss diese Nähe und wünschte mir sogleich Petra an meine Seite.

Der Speiseraum der Suppenküche war seit Tagen weihnachtlich geschmückt. In der Ecke stand ein ziemlich kitschiger Weihnachtsbaum und auf jedem Tisch fand sich ein Gesteck mit einer Kerze, die aber nicht angezündet werden durfte.

Dagegen vermisste ich den Weihnachtsschmuck im Schwesternhaus. Es brannten zwar ein paar mehr Kerzen, aber sonst deutete nichts auf Advent oder gar Weihnachten hin.

„Feiern die Schwestern eigentlich kein Weihnachten?“, wollte ich daher von Bettina wissen, während wir uns aneinander gekuschelt durch das mittlerweile einsetzende Schneetreiben kämpften. Bettina war eine der Schwestern, die weniger Probleme damit hatte, auch über die Zeit vor dem Eintritt zu sprechen.
„Wie kommst du darauf?“
„In der Suppenküche weihnachtet es bereits seit einiger Zeit, und im Schwesternhaus ist nichts zu entdecken.“

„Hmmm… das ist ein schwieriges Thema.“
„Ich bin ganz Ohr.“

„Weihnachten ist ein Fest mit großer emotionaler Bedeutung. Weniger im christlichen Sinne, sondern im persönlichen. Jeder erinnert sich unter dem Tannenbaum an frühere Weihnachten, an schöne wie auch an weniger schöne.“

Der Wind wurde kräftiger und Bettina drückte sich noch enger an mich.
„Bei vielen Schwestern kommen gerade an Weihnachten die alten Gefühle hoch, also genau das, was sie zur Flucht in die Schwesternschaft getrieben hat. Daher feiern wir Weihnachten allenfalls privat. Wer möchte, darf sich sein Zimmer weihnachtlich dekorieren. Und wer Probleme bekommt, kann sich an eine Therapeutin wenden, die Renate uns besorgt hat.“

„Also schenkt ihr euch auch nichts?“
„Wir besitzen ja praktisch nichts und haben auch kein eigenes Geld. Wer möchte, lädt seine Lieblingsschwester zu einer Tasse Tee auf ihr Zimmer ein oder macht einen Weihnachtsspaziergang. Aber mehr auch nicht.“

Inzwischen kam die Türe der Suppenküche in Sichtweite.
„Danke, Bettina. Gut zu wissen. Ich glaube, ich wäre sonst in einige Fettnäpfchen getreten.“
Bettina löste sich von mir, schüttelte den Schnee ab und lächelte mich an.
„Gerne. Und pass mit Petra auf. Weihnachten scheint für sie ein problematisches Fest zu sein.“
„Oh, ich bin dir ewig dankbar für den Tipp.“ Ich gab ihr einen kleinen Kuss auf die Backe und sie strahlte mich an.
„Sehr gerne!“

* * *


„Wie geht es ihnen?“, wollte die Psychotherapeutin wissen.
„Na, ja, wie immer halt.“ Ihre Stimme triefte vor Zynismus.
„Wir sehen uns jetzt schon seit Monaten, Frau Wehnert.“ Die Psychotherapeutin sah sie ernst an. „Aber sie verweigern sich allen Fortschritten und Veränderungen.“
Sonja zuckte nur mit den Schultern.

„Ja, sie haben Schlimmes durchgemacht, Frau Wehnert. Aber ihr Leben ist nicht zu Ende. Sie brauchen ein Ziel, eine Aufgabe.“
„Das hatten sie mir schon mal gesagt. Aber was für Ziele soll ich jetzt noch erreichen? Karriere machen? Mein Haus, mein Auto, mein Boot, alleine als Frau?“

Die Psychotherapeutin verzog die Mundwinkel zu einem leichten Lächeln. „Nein, natürlich nicht. Aber eine Aufgabe, die sie erfüllt, wäre schon gut. Ihre Wut frisst sie sonst noch auf. Und irgendwann landen sie bei den Drogen, und dann gibt es keinen Weg mehr zurück.“

„Ja, und?“, schnauzte Sonja die Psychotherapeutin fast an.
„Ich wüsste da etwas für sie.“
Sonja blickte skeptisch.
„Es gibt da eine Gemeinschaft, eine Schwesternschaft. Dort leben alles Frauen zusammen, die Ähnliches wie sie durchgemacht haben. Und gemeinsam kümmern sie sich um Bedürftige, insbesondere in der Obdachlosenhilfe.“

Sonja blieb skeptisch.
„Ich möchte nicht verschweigen, dass diese Schwesternschaft einige merkwürdige Regeln im Zusammenleben haben soll, aber Genaues weiß ich leider nicht. Aber vielleicht wäre es ein Versuch wert, dort mal Kontakt aufzunehmen? Hier, ich habe eine Visitenkarte. Diese Mutter Renate sollten sie mal anrufen.“

Sonja nahm die Visitenkarte. Vielleicht würde sie ja wirklich mal anrufen. Schlimmer als zur Zeit konnte es dort auch nicht werden.




29. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 12.01.26 11:04


Könnte es sein, daß Sonja die jetzige Petra ist? Mich würde es jedenfalls nicht wundern.
30. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von windelfohlen am 12.01.26 11:44

Langsam glaube ich auch das Sonja die Petra ist, dann auch verständlich warum Petra nicht gerne über ihre Vergangenheit spricht.
Schön konnten Simone und Petra für die anderen Schwestern eine Vorreiterrolle übernehmen und somit anderen Paare in der Gemeinschaft die Möglichkeit bieten zusammen zu sein.
31. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 12.01.26 14:27

Hallo Glatzkopf und Windelfohlen,

es freut mich sehr, dass ihr mit der Geschichte mitfiebert und euch Gedanken über die Identität von Sonja Wehnert macht. Danke dafür!

Die "kursive" und die "normale" Geschichte laufen zeitlich parallel. Da Zeitreisen noch nicht erfunden sind, KANN Sonja nicht die frühere Petra sein.

Der Zusammenhang zwischen den beiden wird im späteren Verlauf der Geschichte noch aufgeklärt.

Grüße, Matze


32. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 13.01.26 07:47


11.
Auf dem Weg zum Frühstück begegnete ich der sommersprossigen Sabine. Sie sah anders aus als sonst: ihre gesamte untere Gesichtshälfte war von einer Ledertasche umhüllt, von der Riemen über ihren gesamten Kopf gingen. Ich grüßte sie, sie antwortete allerdings nur mit einem Kopfnicken.
„Alles in Ordnung?“, wollte ich wissen, doch sie zuckte nur mit den Schultern und ging an mir vorbei.

Kurz darauf am Frühstückstisch saß Sabine wieder vollkommen normal mit am Tisch und aß, wie alle anderen auch, in Stille ihr Brötchen. Als mein Teller leer war, blickte ich wieder auf und Sabine hatte wieder diese schwarze Lederhülle um den Kopf. Entfernt erinnerte mich das an einen Maulkorb für Hunde. Aber bevor ich sie erneut ansprechen konnte, war sie verschwunden.

Meine Neugier war geweckt. Ich schnappte mir Beate, die recht offen war und der ich vollkommen vertraute.
„Beate, was ist mir Sabine?“
„Was soll mit ihr sein?“
„Sie… sie trägt irgend so einen Maulkorb.“
Beate lachte auf. „Ja, das hast du passend beschrieben. Das soll es auch sein.“
„Aber warum?“
„Sie hat sich eine Strafe eingefangen. Aber besser, du fragst Petra. Die kann dir das genau erklären.“
Ich bedankte mich artig und ging meiner Wege, ohne dass mich das Thema losließ.

Nach dem Abendessen schnappte ich mir Petra und zog sie zur Seite. Sabine war nach dem Essen wieder schnell verschwunden und saß jetzt auch nicht bei den anderen Schwestern im Wohnzimmer.

„Was hat das mit Sabine auf sich?“, fragte ich Petra ganz direkt.
„Sabine?“
„Ja, dieser Maulkorb, oder was das ist.“
„Ah, jetzt weiß ich, was du meinst.“ Petra sah mich amüsiert an. „Sabine hat sich eine Strafe eingefangen. Wer beim Lügen erwischt wird, muss mindestens drei Tage lang schweigen. Und damit es jede weiß und auch die Bestrafte ständig an ihr Vergehen und ihre Strafe erinnert wird, muss sie eine solche Ledertasche, oder ‚Maulkorb‘, wie du es nennst, tragen. Darunter hat sie eine Beißschiene im Mund, ähnlich wie es die Boxer beim Kampf tragen. Damit kann sie nicht vernünftig sprechen, selbst, wenn sie es wollte.“

„Aber bei Essen hatte sie den Maulkorb nicht mehr auf.“
„Natürlich nicht. Sie darf zwar nicht sprechen, aber soll natürlich essen und trinken. Also darf sie ihn bei den Mahlzeiten absetzen, und ebenso nachts. Er ist ja auch nicht abgeschlossen.“
„Und wer verhängt die Strafe?“

„Hmm… ich weiß nicht, ob ich dir das erzählen darf. Okay, irgendwann bekommst du es ja eh raus. Es gibt einen Disziplinarrat, das sind zwei Schwestern plus Renate. Die drei beraten über das Vergehen und die Strafe. Und Renate verhängt sie dann.“
„Wie bei Gericht?“
„Fast. Renate könnte auch alleine entscheiden, sie ist schließlich die Priorin. Aber fast immer schließt sie sich der Mehrheitsmeinung an.“

„Ist das nicht schlimm, drei Tage nichts reden zu dürfen?“
„Natürlich, es soll ja auch eine Strafe sein.“
„Und wenn sie doch spricht?“
„Dann wird die Strafe verlängert. Außerdem darf sie in dieser Zeit keine Aufgaben übernehmen, bei denen es persönlichen Kontakt gibt. Meist muss sie die unbeliebtesten Jobs wie Putzen und Waschen übernehmen.“

„Ist diese Schiene im Mund nicht unangenehm? Das ist ja fast wie ein Knebel.“
„Du hörst dich gerade an, als wolltest du es mal ausprobieren.“
„Ich?“
„Du fragst zu viel. Ich werde mal mit Renate reden.“


Schon am nächsten Morgen nach dem Frühstück kam Petra auf mich zu. „Komm mit!“
Wir gingen in meine Kammer und Petra bat mich, auf dem Bett Platz zu nehmen.
„Ich werde dir jetzt den Mundschutz anlegen. Natürlich freiwillig, weil du Buße für zu viele Fragen tun willst.“ Sie zwinkerte mich an. „Aber es gelten die gleichen Regeln für dich. Keine Gespräche, nur Essen in Stille, und dein Einsatz morgen in der Suppenküche ist ebenfalls gestrichen.“

Ich war sprachlos. Ja, irgendwie war ich schon neugierig, aber in dieser Konsequenz hatte ich es mir nicht vorgestellt. Gerade das Kochen war der Höhepunkt der Arbeitswoche; immer lustig, immer befriedigend und immer unter Leuten.
„Stattdessen wirst du die drei Tage im Büro Dienst schieben. Briefe schreiben, Akten sortieren und weiterleiten, Abrechnungen machen. Nur der Telefondienst bleibt dir erspart, da du ja nicht reden darfst. Das Telefon ist direkt auf Renate umgestellt.“

Petra sah mich mit einem leichten Schmunzeln an. „Letzte Worte zur Entschuldigung?“
„Ich…“
„Das reicht, danke. Jetzt den Mund aufmachen!“
Verdutzt öffnete ich den Mund und Petra schob mir eine Beißschiene in den Mund. Ich biss zusammen und die Schiene saugte sich förmlich an meine Zähne. Ich war so auf das Ding in meinem Mund konzentriert, dass ich gar nicht bemerkte, wie Petra mir dieses Lederteil vor den Mund hielt und an den Riemen, die kreuz und quer um meinen Kopf herum liefen, hantierte. Plötzlich fiel es mir schwer, den Mund zu öffnen. Ein Herausdrücken dieser Beißschiene mit der Zunge war nun auch nicht mehr möglich.

„Und um deine Buße zu verschärfen: Nur ich darf die Riemen öffnen, verstanden? Ich nehme sie dir immer zum Essen und vor dem Schlafengehen ab. Anlegen darfst du sie dir dann wieder selbst.“
Ich nickte nur unterwürfig, da ich ja bis auf Weiteres nicht mehr reden durfte.

Das Mittagessen wurde zum Spießrutenlauf. Ich war natürlich die Sensation, und Petra musste jeder erklären, dass ich den Korb freiwillig zur Buße tragen würde. Zum Essen nahm sie mir den Maulkorb dann ab, doch ich erhielt sofort einen bösen Blick von Petra, als ich den Korb nach dem letzten Bissen nicht sofort wieder angelegt hatte.

Es wurden wirklich drei harte Tage. Nicht nur, dass ich diesen Bürojob hasste, nein, ich war wie stigmatisiert. Jede Schwester machte einen Bogen um mich und auch Petra näherte sich nur, um mir den Maulkorb abzunehmen.

Auch Mutter Renate schien das Spiel (sofern es überhaupt eines war) mitzuspielen. Immer wieder kam sie ins Büro, um mir Anweisungen zu erteilen. Ich konnte nicht widersprechen oder sie etwas fragen; ich war zum absoluten Gehorsam verdammt. Und den Trost und die Fürsorge, die sie ihren Mitschwestern sonst immer spendete und entgegenbrachte, schien ‚Verurteilten‘ nicht zuteil zu werden. Dabei war ich noch nicht einmal verurteilt! Sah denn keiner, dass Petra mit mir spielte und mir damit nur eine Lektion erteilen wollte?

Am dritten Tag schließlich saß ich abends frustriert auf meinem Bett, als Petra anklopfte und einfach herein kam, da ich sie ja nicht hereinbitten durfte. Ohne Worte nahm sie mir die Lederhülle ab und küsste mich innig.
„Na, wie war deine Buße?“
„Es war wirklich hart, eine richtige Strafe. Ich verspreche, dich nie wieder mit Fragen zu löchern.“ Dabei musste ich allerdings grinsen.
„Buße akzeptiert“, meinte Petra nur, bevor sie mich mit ihren Lippen erneut am Sprechen hinderte.

* * *

„Guten Abend, Schwester.“
Ich war gerade auf dem Weg in meine Kammer. „Guten Abend, die Herren“, gab ich den beiden Männern zurück, die mir auf dem Gästeflur entgegen kamen.
Einer der Männer stutzte. „Sind sie nicht die eine Schwester, die hier im Gästeflügel wohnt?“
„Genau, die bin ich.“
„Verzeihen Sie mir meine Neugier, aber warum?“
Ich sah den Mann etwas säuerlich an. „Hat es Ihnen Mutter Renate nicht gesagt, warum ich als einzige Schwester nicht im Schwesterntrakt wohne?“

„Sie hat es angedeutet, dass sie früher ein Mann waren und sich auf dem Weg zur Frau befinden, und daher nicht bei den anderen Schwestern leben dürften.“
„Genau. Dann sind sie ja informiert.“
Ich wollte gerade weitergehen, als einer der Männer nachsetzte. „Mutter Renate sagte, dass sie kein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft wären.“
„Ja, das ist richtig.“ Innerlich rollte ich schon mit den Augen.

„Stört sie das nicht?“
Ich sah ihn nur entgeistert an. „Warum sollte es?“
„Mich würde es belasten, immer nur das fünfte Rad am Wagen zu sein“, lächelte er mich an. „Aber ich würde eine Lösung sehen.“
„Ach ja?“ So langsam ging mir der Typ auf die Nerven.
„Ja! Kommen Sie zu uns. Wenn Sie ihre Umwandlung wieder zurücknehmen, würden wir sie sofort als vollwertiges Mitglied in unserer Männergemeinschaft aufnehmen.“

Diese Männer hatten nichts verstanden. Stand er etwa auf meine durch die Brustschalen stark vergrößerten Titten und wollte mich für sich? Oder waren das solche Machos, dass sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen konnten, dass es einem Mann physische Schmerzen bereiten konnte, ein Mann zu sein; sich im falschen Körper gefangen zu fühlen, damit krank zu werden, und als Ausweg die gesellschaftlich nur wenig akzeptierte Umwandlung zur Frau auf sich zu nehmen, um keiner mehr zu sein zu müssen? Ich würde sie nicht überzeugen können. Also musste ich sie endgültig abwimmeln.

„Das klingt interessant“, meinte ich mit gespielter Nachdenklichkeit. „Dürfte ich bei ihnen in der Bruderschaft auch eine Freundin haben?“
„Natürlich nicht. Wir haben ja, genau wie ihre Schwestern, absolute Enthaltsamkeit gelobt.“
„Ich glaube, dann bleibe ich lieber hier. Aber danke für das freundliche Angebot.“ Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich weiter in Richtung meines Zimmers ging.



Beim Frühstück am nächsten Morgen sah ich die Beiden wieder. Der Tisch war verlängert und Renate hatte sie in ihrer Nähe am Kopfende platziert.
„Guten Morgen, liebe Schwestern“, begann Renate. „Ich möchte heute besonders zwei Gäste begrüßen, Bruder Jürgen und Bruder Klaus.“
Alle Schwestern außer mir klatschten spontan zur Begrüßung, bis Renate wieder um Ruhe bat.
„Die beiden kommen von der ‚Fraternity of Holy Abstinence‘, dem männlichen Teil unserer Gemeinschaft, und werden für ein paar Tage unsere Gäste sein. Die Brüder werden mit mir und zwei Schwestern aus dem Rat, Petra und Beate, neue Möglichkeiten und eine eventuelle Zusammenarbeit in der Obdachlosenhilfe beraten.“

Die beiden Brüder nickten nur anerkennend und dann begann das Frühstück in üblicher Stille.

Nach dem Frühstück, beim Hinausgehen, raunte mir Mutter Renate zu, „Jetzt bist du nicht mehr der einzige Penisträger hier mit einem Keuschheitsgürtel.“ Dabei konnte sie sich ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.


* * *


„Schwesternschaft in der Heinrichstraße, Schwester Simone am Apparat, guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“
Sonja stutzte. War das eine Männerstimme am Telefon? Nein, das konnte nicht sein, schließlich hatte sie eine Schwesternschaft angerufen. Und die Meldung an der anderen Seite der Leitung war korrekt, auch der Name war weiblich.
„Hallo?“, fragte diese männlich klingende Stimme in der Stille nach.

Sonja riss sich zusammen; vermutlich war die Person dort nur eine starke Raucherin mit tiefer Stimme. „Ja, hallo. Mein Name ist Sonja Wehnert, und ich habe ihre Telefonnummer von meiner Psychotherapeutin bekommen.“
„Möchten sie sich über unsere Schwesternschaft informieren?“
„Ja. Ich soll mich dazu an eine eine Mutter wenden.“
„Alles klar, Frau Wehnert, ich weiß Bescheid. Einen Moment bitte, ich verbinde Sie mit unserer Priorin, Mutter Renate.“
„Danke.“

Es ertönte eine kurze Pausenmusik.
„Mutter Renate?“ meldete sich eine eindeutig weibliche, warme Stimme. Sie war erleichtert. Vermutlich war die männliche Stimme nur Einbildung.



33. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 13.01.26 08:51


Da bin ich ja mal gespannt, wie es mit den Männern der Bruderschaft weiter geht.
34. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 14.01.26 06:53

Danke, Glatzkopf, für deinen Kommentar!

Grüße, Matze


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12.
Schon an Vortag hatte ich auf dem Plan gesehen, dass ich mit Beate alleine in der Küche sein würde. Beate war die Schwester, mit der ich mich, abgesehen von Petra, am besten verstand. Und umgekehrt schien sie auch mich zu mögen; nicht körperlich, aber auf eine emotionale Art. Wie oft hingen wir zu dritt ab oder alberten herum…

Ich musste die Gelegenheit ergreifen.
„Beate“, fragte ich sie, als wir gerade das Mis en Place vorbereiteten. „Ich brauche deine Hilfe.“
Sie sah kurz auf, schnippelte dann aber weiter.
„Petra leidet immer noch unter ihrer Vergangenheit. Ich würde ihr so gerne helfen, aber immer, wenn ich sie darauf anspreche, macht sie sofort zu. Kannst du mir sagen, was sie vorher gemacht hat und warum sie hier ist?“

Beate sah mich an und legte das Messer beiseite. Ihr Blick war ungewohnt ernst.
„Nun, soviel ich weiß, war sie vorher Erzieherin. Und dann muss irgend etwas mit einem Vater ihrer Kinder vorgefallen sein. Mehr kann ich dir nicht sagen.“ Sie sah mich immer noch sehr ernst an. „Weißt du, wenn sie sogar dir nichts sagen möchte, wird sie ihre Gründe dafür haben. Es ist toll, dass du ihr helfen willst, aber sie muss die Hilfe auch wollen, sonst ist es Zwang. Also, rühre nicht weiter in ihren Wunden. Sie bekommt Hilfe von der Psychologin. Lass sie ihr Tempo gehen.“

Ich sah Beate etwas entgeistert an, doch dann fasste ich mich wieder. „Danke, dass du so offen warst. Du hast recht; ich werde sie in Ruhe lassen und auch nicht erzählen, dass ich dich gefragt habe.“
„Das hätte ich auch erwartet.“ Beate schien sich wieder zu entspannen. „Freu‘ dich darüber, dass sie mit dir zusammen ist und das auch genießt. Andere Schwestern hier sind so traumatisiert, dass sie nie mehr einen Mann berühren möchten; nicht mal einen, der auf dem Weg zur Frau ist. Du wirst vermutlich ahnen, wer das alles ist.“

„So habe ich das noch gar nicht gesehen.“
Beate musste grinsen. „Siehst du, wofür Freunde gut sind?“ Sie griff nach ihrem Messer und schnippelte gut gelaunt weiter.

* * *

Es war der Weihnachtsmorgen, ein Moment, den ich liebte und dennoch gleichzeitig fürchtete. Draußen war die Welt von einer dicken weißen Schicht überzogen und der Gedanke an die berühmten weißen Weihnachten ließ alte, schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit erwachen. Die Bescherung von mir und meiner kleinen Schwester unter dem Tannenbaum, das gemeinsame Singen, das leckere, üppige Essen und der Besuch bei den Großeltern, wo es noch mehr Geschenke gab. Und dann die Schneeballschlacht im Garten.

Ich hatte zwar keinen Winterdienst, dennoch half ich den beiden Schwestern beim Schneeschippen. Gerade Claudia war doch recht zierlich, und so war sie dankbar, dass sie sich auf die leichteren Tätigkeiten wie das Streuen beschränken konnte.

Gut durchgewärmt von der anstrengenden Arbeit ging es gleich zum Frühstück. Ich war etwas enttäuscht. Es war ein Frühstück wie jedes andere auch, und auch der Arbeitsplan beinhaltete keinerlei Veränderungen wegen der Festtage, außer, dass diesmal vier Schwestern in der Küche sein würden, um für die Gäste ein üppigeres Mahl als üblich zu kochen.

Immerhin konnte ich mir Petra schnappen, bevor sie mit den Schwestern zum Zähneputzen in ihren Schlaftrakt entschwand.
„Darf ich dir ‚frohe Weihnachten‘ wünschen?“, fragte ich vorsichtig.
„Natürlich darfst du!“ Petra strahlte mich an. Bettina schien mit ihrer Warnung falsch zu liegen. „Warum fragst du so vorsichtig?“
„Eine Schwester hatte mir gesteckt, dass du Probleme mit Weihnachten haben könntest.“
„Nein, keine Sorge. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Weihnachten nicht gefeiert wurde. Als Kind war das schlimm für mich, aber irgendwann gewöhnte ich mich daran und es machte ich mir nichts mehr aus. Aber jetzt mir dir freue ich mich darauf!“

Erleichtert atmete ich auf. Ich warf mich auf Petra und drückte sie so fest wie es unsere Brustpanzer zuließen. „Frohe Weihnachten, mein Schatz!“
„Frohe Weihnachten!“, antwortete sie mir und suchte meinen Mund zu einem innigen Kuss. Uns war egal, ob oder wer uns im Moment zusah. Die Welt gehörte in diesem Augenblick alleinig uns.

Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten wir uns und stellten fest, dass wir alleine in der Küche waren. Der Küchendienst hatte alles aufgeräumt, ohne uns zu stören.
„Ich habe noch ein Geschenk für dich.“
Petra sah mich neugierig an. Ich griff in die Tasche meines Rocks und zog ein kleines Päckchen heraus, das ich ihr reichte. Sie packte es aus und heraus kam ein kleiner Anhänger aus Holz. Ich hatte selbst ein kleines Herz geschnitzt und es säuberlich poliert. Die Maserung gab dem Anhänger ein edles Aussehen.

Petra öffnete sofort ihre Halskette, an der auch die Schlüssel der beiden Schwestern hingen, deren Gürtel sie verwaltete. Sie strahlte mich an, als sie das Herz auf die Kette auffädelte und sie sich wieder um den Hals legte. Ich meinte, einen feuchten Film in ihren Augen zu erkennen. Sie schien so gerührt, dass sie keinen Ton heraus brachte, sondern nur erneut meinen Mund suchte.

Als wir die Küche endlich verließen, trafen wir direkt vor der Türe auf Claudia und Silvia, die ebenfalls eng umschlungen an der Wand lehnten.
„Frohe Weihnachten, euch beiden“, grüßte ich mutig.
Beide strahlten mich an. „Frohe Weihnachten“, kam es unisono aus ihrem Mund.

Jetzt hatte ich doch noch Weihnachten. Und nach dem etwas festlicheren Mittagessen in der Suppenküche würde ich auf dem Rückweg mit Petra einen kleinen Weihnachtsspaziergang machen. Vielleicht würde sich sogar eine Schneeballschlacht ergeben. Dann wäre Weihnachten perfekt.


* * *


„Schwesternschaft in der Heinrichstraße, Guten Tag. Mein Name ist Schwester Silvia. Was kann ich für Sie tun?“
Diesmal ist eindeutig eine Frau am Telefon, dachte sie. Ich muss mich das letzte Mal getäuscht haben! „Guten Tag. Hier ist Sonja Wehnert. Ich hätte gern Mutter Renate gesprochen.“
„Gerne. Einen Moment bitte, ich verbinde.“

„Hallo Sonja!“
„Hallo Mutter Renate!“
„Schön, dass sie wieder anrufen. Wann kann ich für sie tun?“
„Ich… ich habe mich entschieden. Ich möchte zu ihnen kommen.“
„Das freut mich sehr! Ich denke, dass es für Sie eine gute Entscheidung ist. Aber haben sie auch über das nachgedacht, über was wir das letzte Mal gesprochen haben?“
„Über die Enthaltsamkeit?“

„Genau. Das ist ein zentraler Aspekt unserer Gemeinschaft. Ohne das Versprechen absoluter Enthaltsamkeit ist eine Aufnahme in unsere Schwesternschaft nicht möglich.“
„Ja, habe ich, sehr lange sogar. Ich denke, dass es für mich das Richtige ist. Mein Arzt kann mir nicht garantieren, ob ich jemals wieder normalen Sex haben kann. Und alle Männer, denen ich in meinem bisherigen Leben vertraut habe, haben mich verletzt.“

„Dann sind sie hier richtig in unserer Schwesternschaft. Hier trägt jede eine schwere Vergangenheit mit sich herum. Aber wir können ihnen helfen. Ich freue mich, dass sie zu unserer Gemeinschaft dazustoßen möchten!“
„Wann darf ich kommen?“
„Jederzeit, wann sie möchten.“
„Prima. Ich muss noch ein paar Dinge regeln, auch vor Gericht. Ich denke, in ein paar Wochen bin ich dann da. Ich melde mich vorher nochmal.“
„Schön! Dann alles Gute bis dahin.“



35. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 14.01.26 08:47


Ja es macht Appetit auf mehr.
36. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 14.01.26 18:55

13.
In der Schwesternschaft machte sich eine fast schon euphorische Stimmung breit, etwa so, wie ich es als Kind vor Weihnachten empfand und die ich an den vergangenen Festtagen innerhalb der Gemeinschaft so schmerzlich vermisste. Das nahende große Fest, dass sich durch Lichter überall und diese spezielle Musik ankündigt, die Freude auf die Geschenke und auf das nahende Christkind.

Es war aber nicht Weihnachten, sondern ein besonderes Fest innerhalb der Schwesternschaft. Jennifer hatte darum gebeten, die Gelübde ablegen zu dürfen!

Nach dem gemeinsamen Frühstück bat mich Renate in ihr kleines Büro. Ich kannte es natürlich, wenn ich ihr die Post oder aktuelle Statistiken brachte, aber außer unserem spontanen Treffen an meinem ersten Abend hatte dort noch nie ein Gespräch mit ihr. Sie bot mir einen Platz auf der anderen Seite des Schreibtischs an. Ohne große Umschweife kam sie zum Thema.
„Weißt du, wie eine Gelübdefeier abläuft?“, fragte sie mich direkt.
„Nein, eigentlich nicht. Die Schwestern sprechen nicht darüber.“

„Nun, es ist für uns etwas ‚Heiliges‘, das man in seinem Herzen bewahrt, aber nicht öffentlich diskutiert. Daher möchte ich dir den Ablauf grob erläutern.“
Warum wollte sie es mir erläutern? Ich würde es in wenigen Tagen doch selbst erleben?
„Zu Beginn legt die Postulantin die Gelübde vor mir und vor den Schwestern ab, so ähnlich, wie du es auch getan hast. Sie gelobt Gehorsam und Enthaltsamkeit, und dass sie stets zum Wohle der Gemeinschaft handeln wird. Und dann kommt der zweite Teil, die eigentliche Aufnahme in die Schwesternschaft.“

Sie machte eine Pause, als ob sie die Spannung erhöhen wollte. „Sie entkleidet sich komplett und legt damit symbolisch ihr altes Leben ab. Wenn möglich, hat sie sich vorher so angezogen, wie sie es in ihrem früheren Leben getan hat. Nun zieht sie ihre modische Jeans, ihr hippes Shirt und den sexy Slip aus, legt mir alles vor die Füße und bittet um den Gürtel. Ich lege ihr den Gürtel an und benenne zwei Patinnen, die ihren Gürtel verschließen und die Schlüssel an einer Kette um den Hals gelegt bekommen. Dann nimmt sie, wie du damals, die neue Kleidung; den Schlüpfer, einen einfachen BH, das Unterhemd, die schlichte Bluse und den Rock, und zieht sich an. Zum Abschluss gebe ich ihr einen neuen Namen, den sie ab sofort und ausschließlich verwenden wird. Damit ist die Aufnahme vollzogen.“

Ich verstand immer noch nicht, warum sie mir dies erzählte und sah sie fragend an.
„Im Gegensatz zu deinem Gelübde findet dieser Teil jedoch nicht hinter einer Sichtschutzwand, sondern vor den Augen der Schwestern statt. Daher hatte ich Jennifer gefragt, ob sie damit einverstanden ist, dass du als ehemaliger Mann der Zeremonie beiwohnst. Und sie hat abgelehnt.“

Wieder machte sie eine Pause und sah mich eindringlich an. „Simone, du wirst also nicht an der Feier teilnehmen dürfen. Ich entbinde dich daher auch von allen Pflichten, die die Vorbereitungen betreffen. Ich weiß, das mag schwer für dich sein, aber ich bitte dich um Verständnis. Jennifer wird ihre Gründe für diese Entscheidung haben. Ihr Wunsch ist daher leider für mich bindend.“

Mit hängendem Kopf verließ ich ihr Büro. In den nächsten Tagen blieb ich meist für mich und war auch froh, überwiegend Aufgaben zugeteilt zu bekommen, bei denen ich mit niemandem zusammenarbeiten musste.

* * *

Der große Augenblick für Jennifer war gekommen. Um keiner Schwester auch nur zufällig zu begegnen, hatte ich mich frühzeitig in meine Kammer verzogen und auf mein Bett gelegt. Entfernt konnte ich Geräusche vernehmen: Klatschen, Johlen; so ähnlich, wie ich es ja auch bei meiner Feier erlebt hatte. Aber ich war noch nicht mal Zuhörerin, sondern eine Ausgeschlossene. Mir wurde immer klarer, dass ich als ehemaliger Mann auf Dauer nicht in einer Frauengemeinschaft leben konnte, auch wenn ich optisch wie eine Schwester aussah, mich als Frau fühlte und dank der Hormone keinerlei männliche Regungen mehr hatte. Aber noch hatte ich diesen Zipfel da unten unter dem Stahlblech, und so würde ich immer wieder an Punkte kommen, wo ich ein Fremdkörper bleiben würde.

Auch dem anschließenden Festmahl blieb ich fern. Ich vernahm, wie die Geräusche weniger wurden und Schritte im Flur sagten mir, dass die Feier beendet war und sich alle in ihre Kammern zurückzogen. Doch dann klopfte es an meiner Türe.

Eigentlich wollte ich niemanden sehen, aber ich wollte auch niemanden vor den Kopf stoßen. So rief ich „Ja, bitte?“
Petra steckte ihren Kopf durch die Türe. „Darf ich herein kommen?“
„Natürlich, mein Schatz.“
Sie setzte sich gleich auf das Bett. „War es schlimm für dich, dass du nicht dabei sein durftest?“
„Ja, das schon. Aber es war absehbar, dass so etwas kommen würde.“
„Was meinst du damit?“
„Ich werde nie eine von euch werden. Ich habe immer noch dieses Ding da unten zwischen den Beinen und bin dadurch immer noch irgendwie ein Mann, auch wenn ich mich äußerlich in eine Frau gewandelt habe ihr mich auch wie eine aufgenommen habt. Es wird immer wieder Situationen wie heute geben, bei denen ich dann doch nicht dazu gehöre. Und deshalb habe ich für mich eine Entscheidung getroffen. Ich werde die Gemeinschaft verlassen.“

Petra sah mich mit großen Augen an. Sie tat mir richtig leid.
„Möchtest du mitkommen?“
Sie war den Tränen nahe. „Ja… nein! Ich kann nicht. Ich bin hier zuhause, das sind meine Schwestern, und die Welt da draußen ist grausam. Ich kann dort nicht mehr leben!“

Erneut wurde mir in diesem Moment bewusst, dass sie in der gesamten langen Zeit, in der wir jetzt zusammen waren, noch nicht mal angedeutet hatte, warum sie der Gemeinschaft beigetreten war. Und ich hatte sie auch nie gefragt, weil sie stets sofort ausgewichen war. Aber es musste etwas wirklich Schlimmes gewesen sein, wenn ihr Verlangen nach der Geborgenheit der Schwesternschaft größer war als die Liebe zu mir.

„Es tut mir so leid, mein Schatz.“ Mir liefen die Tränen die Wange herunter und Petra beugte sich dicht über mich.
„Ich hatte so etwas irgendwann befürchtet, Simone.“ Sie gab mir einen zaghaften Kuss auf die Wange. „Wann willst du gehen?“
„Gleich morgen früh. In aller Stille.“
„Was willst du dann machen?“
„Ich weiß es noch nicht. Es wird sich sicher ein Weg finden.“
„Ich wünsche dir alles Gute. Und vergiss mich nicht.“
„Ich werde dich nie vergessen, mein Schatz.“

Sie gab mir einen letzten Kuss und ging wortlos.

* * *

Dem gemeinsamen Frühstück blieb ich ebenfalls fern. Ich wollte danach Renate abpassen, ohne anderen Schwestern zu begegnen, um ihr meine Entscheidung zu verkünden. Doch dann klopfte es.
„Ja bitte?“
„Hier ist Renate.“
„Komm rein.“

Sie betrat meine Kammer und setzte sich auf den einzigen Stuhl, während ich auf dem Bett saß, noch im Nachthemd bekleidet.
„Was ist los, Simone?“
„Der gestrige Abend hat mir bewusst gemacht, dass ich anders bin. In letzter Konsequenz ein Mann eben, und dass ich trotz aller Hormone und Anpassungen nicht zu euch gehöre, auch wenn ihr mich mit Liebe aufgenommen und mich wie Euresgleichen behandelt habt. Aber ich kann niemals ein wirklicher, vollständiger Teil eurer Gemeinschaft werden.“ Ich sah sie an und ich erkannte eine Trauer in ihrem Blick. Sie schien zu ahnen, was ich jetzt verkünden würde.
„Ich habe mich daher entschlossen, die Schwesternschaft zu verlassen. Ich möchte dich bitten, mich von meinen Gelübden zu entbinden und mir meine alten Kleider zurückzugeben.“

Renate sah mich eine Weile stumm an.
„Damit habe ich schon gerechnet. Ich fand es beeindruckend, wie du dich hier integriert hast; das hätte ich zu Beginn nicht für möglich gehalten. Aber ich habe auch die Probleme gesehen. Ich kann deinen Wunsch verstehen und akzeptiere ihn.“ Sie dachte kurz nach. „Warte hier auf mich.“

Es dauerte eine Weile, bis sie mit einigen Dingen in der Hand wieder zurück kam. „Wir stehen jeder Schwester bei, die wieder den Weg zurück in die Welt da draußen gehen möchte. Daher habe ich hier einige Dinge, die dir helfen werden.“
Sie reichte mir einen Umschlag. „Das ist der Lohn deiner Arbeit hier. Ich habe ihn gesammelt und für dich aufbewahrt. Es ist nicht viel, aber du wirst es trotzdem für den Neustart brauchen können.“

Als nächstes reichte sie mir eine Visitenkarte. „Hierhin solltest du dich als erstes wenden. Das ist die Karte von Bruder Frank, quasi meinem Pendant auf der Männerseite unseres Ordens. Er leitet eine Einrichtung, die Obdachlosen aller Geschlechter, die von der Straße fort möchten, einen Neustart ermöglicht. Mit Job, Wohnung, Ausbildung und so weiter. Ich denke, du wirst nicht lange dort bleiben. Du bist nicht alkoholkrank, dafür intelligent, geschickt und den Menschen zugewandt. Du brauchst lediglich einen sicheren Startpunkt. Bruder Frank weiß Bescheid und erwartet dich.“

Sie griff sich um den Hals und zog eine Kette hervor. „Das ist der Schlüssel zu deinem Gürtel. Du bist jetzt frei und kannst tun, was du möchtest. Aber ich würde dir persönlich empfehlen, ihn weiter zu tragen. Er gibt dir Schutz und Halt, gerade in der harten Zeit des Neuanfangs, du wirst sehen. Oder behalte ihn zumindest als Andenken. Die Brustschalen kannst du mit diesem Schlüssel hier ablegen und auf dem Bett liegen lassen. Und deine Sachen findest du im Wäscheraum hier im Gästeflügel, im Schrank rechts. Er ist jetzt unverschlossen.“

„Danke, Renate.“
„Möchtest du dich von den Schwestern verabschieden?“
„Nein, ich möchte in Stille und ohne Tränen gehen. Von Petra habe ich mich bereits verabschiedet. Richte den anderen Schwestern einen Abschiedsgruß von mir aus. Ich liebe sie alle; sie waren wirklich Schwestern für mich.“

Renate stand auf und umarmte mich. „Alles Gute, Simone. Ich bin dankbar für die Zeit mir dir.“
„Danke, Mutter Renate. Ihr alle habt mir hier sehr geholfen. Ich werde garantiert nicht mehr auf der Straße landen.“

Renate drückte mich noch einmal und ging. Ich stand vom Bett auf, zog mir das Nachthemd aus und entledigte mich dieses stählernen BHs. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit sah ich wieder meine Brüste und berührte sie vorsichtig, als ob sie in der Zeit ihrer Gefangenschaft zerbrechlich geworden wären. Doch es fühlte sich gut an! Ich holte aus dem Schrank einen altmodischen BH, der für mich bereit lag, den ich aber noch nie getragen hatte. Und mein Blick fiel auf die anderen Kleidungsstücke, die meine gesamte Garderobe der letzten Jahre darstellten und die mir irgendwie ans Herz gewachsen waren. So zog ich mich an, wie ich es immer getan hatte. Den Gürtel behielt ich an, wie es mir Renate empfahl, darüber diesen altmodischen Schlüpfer, meine Bluse und natürlich meinen langen Rock, bevor ich in den Flur ging, um meine Koffer zu holen.

Dort fand ich alles wie beschrieben. Doch es war merkwürdig. Die Zeit hier in der Gemeinschaft hatte mich verändert. Diese alten Kleider von früher empfand ich als fremd, ja, beängstigend. Eine Erinnerung an eine Zeit, die nur aus Frust und Enttäuschung bestand. Ich ließ sie unangetastet im Koffer. Ob ich meine Gemeinschaftskleidung von hier mitnehmen durfte? Ich wusste es nicht, aber ich packte sie einfach ein. Ich würde sie auch weiterhin tragen; als Erinnerung an die Zeit in der Gemeinschaft und an meine Liebe zu Petra. Und wenn ich später wieder Geld verdienen würde, bekäme die Gemeinschaft eine größere Spende von mir, quasi als Schadensersatz.

Leise und unbemerkt schlich ich mich aus dem Haus.

* * *


Es konnte nicht mehr weit sein. Sie hielt diesen kleinen Stadtplan in der Hand, im dem der Weg vom Bahnhof zum Schwesternhaus eingezeichnet war. Aber Karten lesen war noch nie ihre Stärke gewesen. Und weit und breit niemand, den sie fragen konnte. Dieses Wohngebiet schien an diesem Vormittag wie ausgestorben.

Doch dann erblickte sie eine junge Frau in ungewöhnlichen, altmodischen Klamotten mit zwei Koffern, die ihr genau entgegenkam.
„Entschuldigen Sie bitte“, sprach sie die junge Frau an, als sie auf gleicher Höhe waren. „Können Sie mir sagen, wie ich zu dieser Schwesternschaft in der Heinrichstraße komme?“
„Zur Schwesternschaft? Der ‚Sisterhood of Holy Abstinence‘?“

Sie stutzte einen Moment. Sie hatte diese Frau noch nie in ihrem Leben gesehen, und dennoch kam sie ihr bekannt vor. Oder war es nur die Stimme? Sie war sich sicher, diese ungewöhnlich tiefe Stimme schon mal gehört zu haben
„J… Ja, genau“, stammelte sie.

Die Frau mit den zwei Koffern lächelte sie an. Sie schien sie auch zu kennen. Oder zumindest zu ahnen, was sie vorhatte. „Sie sind fast da. Die zweite Querstraße links, und dann das dritte Haus auf der rechten Seite.“
„Ah, danke.“
„Gerne geschehen.“ Doch plötzlich fing die Frau an zu grinsen, bevor sie sich zum Weitergehen abwandte. „Und grüßen Sie Schwester Petra von mir, wenn sie dort sind. Sie wird wissen, von wem.“

Woher kannte diese Frau mit den Second-Hand-Klamotten und der merkwürdigen Stimme die Schwesternschaft? Vielleicht würde sie es herausfinden, wenn sie erst einmal angekommen war.


* * *

Eine junge Frau mit Koffer, auf dem Weg zur Schwesternschaft. Eine neue Postulantin! Hoffentlich hatte ich sie nicht zu sehr verstört, aber ich konnte mir dieses Grinsen einfach nicht verkneifen. So ließ ich sie etwas verwirrt stehen und ging weiter meines Weges.

Mit jedem Schritt, den ich mich von meinem Zuhause der letzten Jahre entfernte, änderte sich meine Stimmung. Die Bedrückung wich und die Lust auf einen neuen Anfang stieg. Ich griff mir in den Schritt und spürte wie immer - nichts. Aber ich wusste: ich war frei! Und ich nahm mir fest vor, dass ich den Gürtel erst dann endgültig ablegen würde, wenn ich mich endlich dieser kümmerlichen Reste meiner einstigen Männlichkeit entledigt hätte. Und danach würde ich mir eine liebe Partnerin suchen. Eine Frau, die meine dann neue Weiblichkeit akzeptieren würde. Und die selbst nicht für den Rest ihres Lebens in einer stählernen Rüstung einsperrt wäre.


E N D E





37. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von ChasHH am 14.01.26 21:08

Rührendes Ende. Danke für diese sanfte Story.
38. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Hasenzwerg am 14.01.26 23:43

Hallo Matze23

Vielen Dank für diese feine Geschichte ,die Einblicke in diese Schwesternschaft haben mir sehr gut gefallen.

Das war ein sehr bewegendes Ende ,mit der Option das sich für Simone wieder neue Wege auftun können.

Liebe Grüße verschlossener Hasenzwerg
39. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Glatzkopf am 15.01.26 07:19


Schade, daß diese Geschichte schon zu Ende ist. Hat sich angenehm gelesen.
40. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von DarkO am 15.01.26 11:45

Vielen Dank für die schöne Geschichte.
41. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von windelfohlen am 15.01.26 12:26

Danke für die Schöne Geschichte.
Ich fand es angenehm zu lesen, auch die Zeit Sprünge sind gut intrigiert.
Schade das es mit Petra und Simone nicht geklappt hat, aber war auch ein klein wenig klar.
Es ist ein Ende was ich so gar nicht daran gedacht habe. aber so kann Simone jetzt ihr neue Herausforderung stellen und ihr Ziel erreichen.
42. RE: Die Schwesternschaft

geschrieben von Matze23 am 17.01.26 08:40

Vielen Dank für eure Rückmeldungen und euer Lob; das freut mich sehr und motiviert mich, auch zukünftig die eine oder andere Geschichte zu schreiben und zu veröffentlichen.

Grüße, Matze




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