Thema:
eröffnet von DrSimon am 02.03.26 13:35
letzter Beitrag von mpwh66 am 02.03.26 15:40
1. Die Erbschaft
geschrieben von DrSimon am 02.03.26 13:35
**Kapitel 1: Die unerwartete Nachricht**
Anna und Lukas waren das, was man ein perfektes junges Ehepaar nannte. Sie hatten sich vor sechs Jahren auf einer Uni-Party kennengelernt – sie, die quirlige Literaturstudentin mit den langen, kastanienbraunen Locken und den smaragdgrünen Augen, die immer ein wenig zu neugierig in die Welt blickten; er, der ruhige Informatik-Student mit dem kantigen Kinn und dem warmen Lachen, das selbst die stressigsten Tage erhellte. Jetzt, mit 28 und 30 Jahren, lebten sie in einer kleinen, aber gemütlichen Altbauwohnung in Berlin-Mitte. Lukas arbeitete als Software-Entwickler in einem mittelständischen Tech-Unternehmen, wo er täglich bis spätabends Codes schrieb und Systeme optimierte. Anna war Grundschullehrerin, liebte ihre kleinen Schüler mit der gleichen Leidenschaft, mit der sie Lukas liebte – wild, zärtlich und manchmal ein bisschen verrückt.
Ihre Ehe war wie ein gut geölter Motor: stabil, leidenschaftlich und voller kleiner Abenteuer. An den Wochenenden kochten sie zusammen, fuhren mit dem Fahrrad durch den Tiergarten oder kuschelten sich auf dem Sofa unter einer Decke, während draußen der Regen gegen die Scheiben prasselte. Sex war für sie kein Tabu, sondern ein Fest – spielerisch, zärtlich, manchmal ein wenig experimentierfreudig. Lukas liebte es, wenn Anna die Kontrolle übernahm, und sie genoss es, sich ihm hinzugeben. Doch tief in Annas Innerem schlummerte eine Neugier, die sie selbst kaum verstand: eine Sehnsucht nach dem Unbekannten, nach Grenzen, die man vorsichtig überschritt. Sie hatte es nie laut ausgesprochen, aber in manchen Nächten, wenn Lukas schlief, scrollte sie heimlich durch Foren und Geschichten, die von verborgenen Räumen, glänzendem Latex und süßer Unterwerfung erzählten. Es blieb ein Geheimnis. Vorläufig.
An einem grauen Freitagnachmittag im Oktober änderte sich alles.
Lukas kam früher als sonst nach Hause, die Post unter dem Arm. Er roch noch nach dem Büro – nach Kaffee und frischem Aftershave – und küsste Anna zur Begrüßung lang und innig auf den Mund, während sie in der Küche stand und Pasta sauce umrührte.
„Du glaubst nicht, was heute im Briefkasten war“, sagte er mit einem schiefen Grinsen und wedelte mit einem dicken, cremefarbenen Umschlag. Das Siegel darauf war altmodisch, fast aristokratisch: ein verschnörkeltes Wappen mit einem Raben und einem Turm.
Anna wischte sich die Hände an einem Geschirrtuch ab und nahm den Brief. „Von wem ist der denn?“
„Von einem Notar. Dr. Heinrich von Waldenfels. Und rate mal, worum es geht.“ Lukas zog sie an der Hüfte zu sich heran, seine Hände warm auf ihrer Taille. „Eine Erbschaft. Von meinem Onkel Friedrich. Den ich nicht mal kannte.“
Anna blinzelte. „Onkel Friedrich? Der Name sagt mir gar nichts.“
„Mir auch nicht wirklich. Papa hat mal erwähnt, dass er ein schwarzes Schaf der Familie war. Reiste durch Europa, sammelte Antiquitäten, lebte wie ein Einsiedler. Ist vor drei Monaten gestorben, irgendwo in den Bergen. Und jetzt… bin ich der einzige lebende Verwandte.“ Lukas lachte leise, ein bisschen ungläubig. „Der Notar schreibt, wir sollen nächste Woche zu ihm kommen. In sein Büro in der Innenstadt. ‚Persönlich und vertraulich‘, steht da. Keine Details. Nur, dass es um ein beträchtliches Erbe geht.“
Anna spürte ein Kribbeln im Bauch. Nicht nur wegen des Geldes – sie hatten immer gut gelebt, aber ein bisschen mehr Luft zum Atmen wäre schön gewesen. Nein, es war die Mystik. Ein unbekannter Onkel. Ein Testament. Ein Geheimnis. Ihre grünen Augen leuchteten auf, als sie den Brief zurückgab.
„Stell dir vor, Lukas… vielleicht ein altes Haus. Oder eine Wohnung in Paris. Oder… ach, ich weiß nicht. Wir könnten endlich mal richtig reisen. Ich nehme mir Urlaub, und wir machen eine richtige Erkundungstour.“
Lukas zog sie fester an sich, seine Lippen streiften ihr Ohr. „Oder wir bekommen genug Geld, dass ich kündigen kann und wir einfach nur… zusammen sind. Kein Wecker mehr. Nur du und ich und das, was wir wollen.“
Sie küssten sich wieder, tiefer diesmal. Die Pasta köchelte leise vor sich hin, während draußen der Herbstwind an den Fenstern rüttelte. In diesem Moment fühlten sie sich unbesiegbar. Jung, verliebt, bereit für das nächste Kapitel ihres Lebens.
„Nächste Woche Mittwoch, 14 Uhr“, murmelte Lukas zwischen zwei Küssen. „Und danach… feiern wir. Egal, was es ist.“
Anna lächelte an seinen Lippen. Sie ahnte nicht, dass dieses Erbe kein Geld bringen würde. Kein Apartment in der Stadt. Sondern etwas viel Älteres. Etwas Dunkleres. Etwas, das ihre tiefsten, verborgensten Sehnsüchte wecken und sie gleichzeitig in Ketten legen würde – Ketten aus glänzendem, unzerstörbarem Latex.
Doch das war noch fern. In diesem Augenblick gab es nur sie beide, den Duft von Tomatensauce und die prickelnde Vorfreude auf ein Abenteuer, das ihr ganzes Leben verändern sollte.
2. RE: Die Erbschaft
geschrieben von mpwh66 am 02.03.26 15:40
Eine Erbschaft klingt immer gut ..... Und spannend ich freue mich auf den nächsten Teil
Gruß mpwh66