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Thema:
eröffnet von Rainer123 am 20.05.26 07:53
letzter Beitrag von isambart am 20.05.26 13:23

1. Nachbarin Tina

geschrieben von Rainer123 am 20.05.26 07:53

Ich bin neu in diesem Forum und dies ist meine erste Geschichte. Über Feedback würde ich mich freuen. Auch über Kritik und Anregungen freue ich mich. Zu den Anregungen möchte ich aber gleich anmerken, dass ich bereits einen Entwurf für einige Kapitel der Geschichte geschrieben habe und daher nicht komplett davon abweichen werde. Ich hoffe, die Geschichte gefällt. Ob es weitergeht, hängt auch von den Rückmeldungen ab.
2. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von Rainer123 am 20.05.26 07:53

Als ich an diesem Nachmittag von der Schule nach Hause kam, roch das Treppenhaus nach Staub und frischer Farbe. Jemand hatte die Haustür unten offen stehen lassen und durch das gekippte Fenster am Ende des Flurs zog ein kühler Wind. Noch bevor ich meinen Schlüssel aus der Tasche holen konnte, bemerkte ich die Frau vor der Wohnung gegenüber.

Sie war gerade dabei, einen Karton über die Türschwelle zu schieben. Mitte fünfzig vielleicht. Sie hatte schulterlanges, blondes Haar mit einzelnen silbernen Strähnen, trug einen dunklen Wollmantel und hatte einen leicht erschöpften Ausdruck, als hätte sie den ganzen Tag Kisten getragen. Trotzdem wirkte sie elegant.

„Hallo“, sagte ich und verlagerte den Rucksack auf die andere Schulter. „Ich bin Tom. Sind Sie die neue Nachbarin?“

Sie blickte auf und lächelte müde, aber warm. Ihre Augen musterten mich einen Moment länger, als ich erwartet hatte.

„Ja, Tina Müller. Ich ziehe heute ein.“

Ich zögerte kaum. Da meine Eltern erst spät von der Arbeit kommen würden – meine Mutter hatte Spätschicht im Krankenhaus und mein Vater war vermutlich noch in der Werkstatt.

Also stellte ich meinen Rucksack neben die Wand.

„Dann helfe ich Ihnen.“

Ihr Lächeln wurde breiter. „Was für ein Gentleman! Und bitte, nenn mich Tina.“

Ihre Stimme klang ruhig und rau. Nicht unangenehm. Eher … angenehm tief.

Die Wohnung war wie unsere geschnitten. Der gleiche enge Flur, die gleiche kleine Küche, die gleichen hellen Holzlaminatböden. Nur standen überall Kartons herum. Einige waren ordentlich beschriftet: „Küche“, „Bücher“, „Bad“. Auf einem stand in schwarzem Filzstift einfach nur das Wort „Kink“.

Ich versuchte krampfhaft, nicht hinzustarren.

Nach dem dritten Gang vom Transporter hoch in den zweiten Stock war mein Shirt leicht verschwitzt. Inzwischen hatte Tina einen Wasserkocher ausgepackt und saß entspannt auf einem der Kartons, eine Tasse Tee in der Hand. Während ich die nächste Kiste abstellte, bemerkte sie: „Du bist ziemlich stark.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich trainiere ein bisschen.“

„Ach ja?“ Ihre Stimme klang plötzlich leicht amüsiert.

Irgendetwas in ihrem Ton ließ meine Ohren heiß werden. Sie sah mich auf eine Weise an, die mich gleichzeitig nervös und seltsam stolz machte.

Als wir später zusammen in der Küche saßen – sie hatte darauf bestanden, dass ich wenigstens einen Tee mittrank –, erzählte sie mir, dass sie Witwe sei. Ihr Mann sei vor drei Jahren gestorben und das Haus außerhalb der Stadt sei ihr danach einfach zu groß geworden.

„Das Leben ist zu kurz, um stehen zu bleiben“, sagte sie leise und rührte gedankenverloren in ihrer Tasse. „Man verschwendet zu viel Zeit damit, sich zurückzuhalten.“

Ich nickte nur. Mir fiel nichts Schlaues ein.

Dann sah sie mich plötzlich direkt an. „Wie alt bist du eigentlich?“

„Neunzehn.“

Sie schmunzelte. „Ah, Noch jung.“

Die Art, wie sie das sagte, klang nicht herablassend. Eher … wissend.

„Du hast wahrscheinlich noch eine Menge Dinge, die du entdecken wirst.“

„Vermutlich.“

„Und, hast du eine Freundin?“

Ich verschluckte mich fast am Tee. „Äh … nein.“

„Freund?“

„Auch nicht.“

Sie hob eine Augenbraue. „Und trotzdem wirst du sofort rot.“

Ich spürte förmlich, wie mein Gesicht brannte. „Ich … äh …“

Sie lachte leise. „Interessant.“

Ich wusste absolut nicht, wie ich mit ihr umgehen sollte. Einerseits war sie freundlich und entspannt. Andererseits hatte ich ständig das Gefühl, dass sie mich provozierte, nur um meine Reaktion zu sehen.

Nach einer kurzen Stille deutete sie plötzlich auf den Karton mit der Aufschrift.

„Hilfst du mir auch bei dem hier?“

Als mein Blick auf das Wort „Kink“ fiel, erstarrte ich vermutlich für eine ganze Sekunde.

Sie brach sofort in schallendes Gelächter aus.

„Entspann dich, Tom. Ich mache nur Spaß.“

Dann wurde ihre Stimme weicher.

„Außer, du möchtest wirklich.“

Ich verschluckte mich diesmal tatsächlich am Tee und musste husten, während sie sich vor Lachen kaum noch halten konnte.

„Oh Gott“, sagte sie grinsend. „Du bist wirklich niedlich.“

„Frau Müller …“

„Tina“, korrigierte sie mich sofort.

„Tina“, verbesserte ich mich widerwillig.

„Sehr gut.“ Sie lächelte zufrieden. „Also? Erst die Küche auspacken oder doch lieber die interessante Kiste?“

Eigentlich hätte ich sofort ablehnen sollen. Jeder normale Mensch hätte das getan. Aber mein Blick blieb wieder an dem Wort hängen. Je länger ich darüber nachdachte, desto stärker wurde diese Mischung aus Nervosität und Neugier in meinem Bauch.

„Ich bin neugierig“, hörte ich mich sagen.

Sie hob überrascht die Augenbrauen. „Oh?“

„Zeig’s mir.“

Einen Moment lang sah sie mich einfach nur an. Dann erschien dieses langsame, selbstsichere Grinsen auf ihrem Gesicht.

„Mutig.“

„Du hast doch gesagt, das Leben ist zu kurz.“

Jetzt lachte sie wieder. Diesmal leiser.

„Stimmt allerdings.“

Wir knieten uns beide vor den Karton. Unsere Hände berührten sich, als wir gleichzeitig nach dem Klebeband griffen. Ihre Finger waren warm. Sie zog ihre Hand nicht zurück.

Ich auch nicht.

Plötzlich fühlte es sich nicht mehr so an, als würde ich nur einer Nachbarin beim Umzug helfen.

Das Erste, was ich im Karton sah, war ein zusammengerolltes Seil.

„Oh.“

Mehr bekam ich nicht heraus.

Tina lehnte sich leicht gegen die Bettkante und beobachtete mich mit sichtlicher Unterhaltung.

„Magst du Bondage?“

Mein Herz schlug sofort schneller. „Ich … keine Ahnung.“

„Du bist süß, wenn du nervös wirst“, murmelte sie.

Sie zog den nächsten Gegenstand aus dem Karton – einen Dildo aus dunklem Silikon – und legte ihn ganz selbstverständlich in die Schublade ihres Nachttischs.

Mein Gehirn setzte kurz aus.

„Jesus“, murmelte ich.

Sie grinste. „Nein, Nur Tina.“

Ich musste trotz allem lachen, denn die Spannung war sonst unerträglich geworden.

„Also?“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Willst du immer noch helfen?“

Ich zögerte. Nicht, weil ich gehen wollte. Sondern weil ich plötzlich ganz genau wusste, dass ich bleiben wollte.

„Ja.“

„Gut.“ Ihr Blick glitt kurz über mich hinweg. „Falls dich etwas davon interessiert, kannst du mich jederzeit fragen, wie es funktioniert.“

Mein Puls hämmerte inzwischen so laut, dass ich überzeugt war, sie müsse ihn hören.

Ich griff blind in den Karton und zog einen Klistierball heraus.

Natürlich.

„Schon mal einen Einlauf bekommen?“, fragte sie völlig gelassen.

„Nein.“

„Kann ziemlich … befreiend sein.“

Die Art, wie sie das sagte, jagte mir einen Schauer über den Rücken.

„Vielleicht irgendwann“, brachte ich hervor.

Sie nickte nur, als hätte sie genau diese Antwort erwartet. „Du kannst ihn schon mal ins Bad legen.“

Ich war dankbar für die kurze Fluchtmöglichkeit und ging ins Badezimmer. Mein Spiegelbild sah aus, als hätte ich Fieber. Ich hatte gerötete Wangen, leicht geweitete Pupillen und einen hektischen Atem.

Was zur Hölle passierte hier eigentlich gerade?

Als ich zurückkam, hielt Tina eine schwarze Augenbinde hoch.

„Und das?“

„Die ist nicht besonders hilfreich beim Auspacken“, sagte ich und war froh, überhaupt einen halbwegs normalen Satz herauszubekommen.

Sie lachte leise und legte die Augenbinde beiseite.

Dann zog ich etwas Kaltes, Metallisches aus dem Karton.

Es dauerte einen Moment, bis ich verstand, was ich da in der Hand hielt.

„Oh“, sagte sie ruhig. „Das ist ein Peniskäfig.“

Ich starrte sie an. „Man sperrt da den Penis von jemandem wirklich ein?“

„Ja.“

„Hat dein Mann so etwas getragen?“

Kaum hatte ich die Frage ausgesprochen, bereute ich sie auch schon. Doch Tina wirkte nicht verärgert. Stattdessen wurde ihr Blick kurz weich und traurig.

„Manchmal“, sagte sie leise.

Ich legte den Käfig vorsichtig in den Karton zurück. Für einen Augenblick hing plötzlich eine ganz andere Stimmung im Raum.

„Er fehlt mir“, sagte sie nach einer Weile. „Auch nach drei Jahren noch.“

„Das tut mir leid.“

Sie winkte leicht ab, doch ich sah, dass der Schmerz noch da war.

„Das Leben geht weiter.“ Dann lächelte sie plötzlich wieder. „Du kannst ihn haben.“

„Was?“

„Den Käfig. Nimm ihn.“

Ich blinzelte verwirrt. „Ich glaube nicht, dass ich …“

„Kein Druck.“ Sie grinste schief. „Nur ein Geschenk.“

Langsam nahm ich das Metallteil wieder in die Hand. Es fühlte sich schwerer an, als es aussah.

„Danke … glaube ich.“

„Sehr gern.“

Danach packten wir den Rest der Kiste aus. Meistens schweigend. Aber immer wieder bemerkte ich ihre amüsierten Blicke, wenn ich bei bestimmten Gegenständen etwas zu lange innehielt.

Als der Karton schließlich leer war, lehnte sie sich zufrieden zurück.

„Also“, sagte sie, „das war überraschend unterhaltsam.“

Ich lachte nervös und sagte: „Ich sollte wahrscheinlich langsam rübergehen.“

„Natürlich.“ Sie begleitete mich zur Tür. „Danke für deine Hilfe, Tom.“

„Kein Problem.“

Als ich gehen wollte, trat sie noch einmal näher. Ich roch ihr Parfüm – warm, leicht süßlich, mit einer würzigen Note – bevor sie mir einen sanften Kuss auf die Wange gab.

„Du bist ein wirklich süßer Junge.“

Mein Gesicht wurde sofort wieder heiß.

Sie schmunzelte zufrieden darüber.

„Bis bald, Tom.“

„Bis dann … Tina.“
3. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von Casterisk am 20.05.26 08:21

Schöner Anfang, vielen Dank. Da kann einiges draus werden, ich bin gespannt wie lange es dauert bis die Neugier siegt und Tom sich einschliesst!
4. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von muensterpony am 20.05.26 08:52

Spannender Anfang, gefällt mir gut!
5. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von Hasenzwerg am 20.05.26 10:40

Hallo Rainer123

Ein sehr gut gelungener Start einer neuen Geschichte, die Lust auf mehr macht.

Vielen Dank für deinen Einstand hier im Forum, gleich mit dem veröffentlichten einer eigenen Story.

Freue mich schon sehr darauf wie es weitergeht.


Liebe Grüße verschlossener Hasenzwerg
6. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von samoht24-7 am 20.05.26 11:08

hallo rainer,
danke für dieses erste spannende kapitel! Du hast mich gleich angefixt und darfst auf mich als treuen und neugierigen leser zählen...
7. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von Rainer123 am 20.05.26 12:04

Vielen Dank für die vielen freundlichen Worte <3
8. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von Rainer123 am 20.05.26 12:05

Kaum war die Wohnungstür hinter mir ins Schloss gefallen, rief ich: „Mama, Papa, ich bin wieder da!“

Aus der Küche drang der Geruch von gebratenen Zwiebeln und Tomatensoße. Irgendwo lief leise das Radio und aus dem Wohnzimmer hörte ich das dumpfe Murmeln des Fernsehers.

„Wie war dein Tag?“ Meine Mutter steckte den Kopf aus der Küche. „Du bist spät dran. Warst du mit Freunden unterwegs?“

„Nein“, antwortete ich und zog meine Schuhe aus. „Ich habe der neuen Nachbarin beim Umzug geholfen.“

„Ach ja?“ Jetzt wurde auch mein Vater aufmerksam. „Wer zieht denn ein?“

„Tina Müller. Sie ist Witwe.“

„Das war nett von dir“, meinte meine Mutter ehrlich.

„Ja“, murmelte ich nur.

Ich schnappte mir meinen Rucksack und verschwand so schnell wie möglich in meinem Zimmer.

Kaum war die Tür hinter mir zugefallen, atmete ich tief aus. Erst jetzt merkte ich, wie angespannt ich die ganze Zeit gewesen war.

Ich setzte mich aufs Bett und griff in die Jackentasche.

Der Metallkäfig lag schwer und kühl in meiner Hand.

Eine Weile drehte ich ihn einfach nur zwischen den Fingern hin und her. Das matte Metall glänzte schwach im Licht der Schreibtischlampe.

„Was zur Hölle …“, murmelte ich.

Warum würde jemand freiwillig so etwas tragen?

Und warum konnte ich plötzlich an kaum etwas anderes denken?

Immer wieder tauchte Tinas Gesicht vor meinem inneren Auge auf. Ihr selbstsicheres Grinsen. Ihre ruhige Stimme. Die Art, wie sie mich angesehen hatte, als wüsste sie längst, was in meinem Kopf vorging.

Ich schluckte.

Vielleicht sollte ich die Sache einfach wieder vergessen.

Andererseits …

Warum eigentlich nicht?

Mein Herz begann schneller zu schlagen, noch bevor ich überhaupt eine Entscheidung getroffen hatte. Nervös stand ich auf, zog die Vorhänge halb zu und lauschte kurz in Richtung Flur. Meine Eltern waren beschäftigt.

Langsam öffnete ich den Knopf meiner Hose.

Schon allein das fühlte sich verboten an, obwohl ich allein in meinem Zimmer war.

Ich zog den Käfig näher heran und hielt ihn probehalber an meinen Körper. Selbst in meinem halb nervösen, halb neugierigen Zustand schien er tatsächlich zu passen.

Würde das wehtun?

Würde es unangenehm sein?

Es gab wohl nur einen Weg, das herauszufinden.

Ich atmete tief durch und legte ihn vorsichtig an.

Das Metall fühlte sich zuerst kalt an. Fremd. Eng. Es war nicht schmerzhaft, aber ungewohnt genug, dass mein ganzer Körper sofort darauf reagierte. Jeder kleine Kontakt erinnerte mich daran, dass da jetzt etwas war.

Dann klickte das Schloss zu.

Das Geräusch jagte mir einen seltsamen Schauer über den Rücken.

Es war nur ein leises Klick.

Und trotzdem fühlte es sich plötzlich erschreckend endgültig an.

„Tom, Essen!“, rief meine Mutter genau in diesem Moment.

„Ich komme!“

Ich zuckte zusammen.

Verdammt. Der Schlüssel.

Sofort griff ich hektisch nach der Bettdecke, der Jacke und in die Hosentasche. Nichts.

„Mist …“

Hatte Tina ihn mir überhaupt gegeben? Ich konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern. Mein Kopf war viel zu durcheinander gewesen.

Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, einfach im Zimmer zu bleiben und weiterzusuchen. Aber meine Eltern würden sofort misstrauisch werden.

Also zog ich die Hose wieder vorsichtig hoch. Allein das Reiben des Stoffs fühlte sich jetzt plötzlich intensiver an. Fremd. Jeder Schritt erinnerte mich an das Metall unter meiner Kleidung.

Als ich mich an den Küchentisch setzte, musste ich mich zwingen, normal zu wirken.

Mein Vater warf mir einen Blick zu. „Alles okay bei dir?“, fragte er.

„Ja“, antwortete ich zu schnell.

Meine Mutter runzelte leicht die Stirn. „Du sitzt da wie auf heißen Kohlen.“

„Ich bin nur müde.“

Technisch gesehen war das nicht einmal gelogen. Mein Kopf fühlte sich völlig überladen an.

Sie beobachtete mich noch einen Moment, sagte dann aber nichts mehr.

Ich stocherte lustlos in meinem Essen herum. Während meine Eltern über Arbeit und Alltagsdinge redeten, bekam ich kaum etwas mit.

Ich dachte nur an den Käfig.

An das Schloss.

Und an Tina.

Vor allem an Tina.

Ich fragte mich, wie sie reagieren würde, wenn sie wüsste, dass ich ihn tatsächlich angelegt hatte.

Vielleicht wusste sie es ja sogar schon.

Allein dieser Gedanke ließ meinen Magen kribbeln.

Nach dem Essen verschwand ich sofort wieder in meinem Zimmer und begann erneut zu suchen. Jackentaschen. Bett. Rucksack. Boden. Nichts.

Langsam breitete sich echte Nervosität in mir aus.

Vielleicht hatte Tina den Schlüssel absichtlich behalten.

Ich sah auf die Uhr. 20 Uhr.

Mein Herz schlug schneller.

Eigentlich wusste ich schon, dass ich rübergehen würde, noch bevor ich überhaupt darüber nachdachte.

Als ich wieder in den Flur trat, sah mein Vater kurz vom Fernseher auf.

„Gehst du nochmal weg?“, fragte er.

„Nur kurz zu Frau Müller“, sagte ich möglichst beiläufig. „Ich glaube, ich habe etwas vergessen.“

„Nicht zu lange“, rief meine Mutter aus der Küche. „Du hast morgen Schule.“

„Bin vor zehn zurück.“

Ich griff nach der Wohnungstür und spürte dabei wieder dieses enge Gefühl zwischen meinen Beinen. Es war nicht schmerzhaft. Aber es war präsent genug, dass ich kaum an etwas anderes denken konnte.

Im Treppenhaus war es still.

Nur mein eigener Puls war laut zu hören.

Ich klingelte.

Ein paar Sekunden später öffnete Tina die Tür.

Sie trug inzwischen einen weichen, dunkelroten Pullover und hatte die Haare locker hochgesteckt. Die Wohnung wirkte bereits viel wohnlicher als am Nachmittag. Warmes Licht. Der Geruch von Vanille und Tee lag in der Luft. Leise Musik erklang irgendwo im Hintergrund.

Und dieses Grinsen auf ihrem Gesicht, sobald sie mich sah.

„So schnell vermisst?“

„Ich … äh …“ Verdammt. „Du hast mir den Schlüssel nicht gegeben.“

Ihr Lächeln wurde sofort breiter.

„Ah.“ Sie lehnte sich leicht gegen den Türrahmen. „Dann hast du ihn also ausprobiert.“

Ich spürte sofort wieder die Hitze in meinem Gesicht.

„Tom“, sagte sie ruhig. „Du wärst nicht so schnell wieder hier, wenn du ihn nicht tragen würdest.“

Ich gab schließlich auf und nickte kleinlaut. „Ja.“

Sie musterte mich einen langen Moment. Nicht spöttisch. Eher zufrieden.

„Komm rein.“

Ich folgte ihr in die Wohnung.

Der Unterschied zu ein paar Stunden zuvor war erstaunlich. Einige Lampen standen bereits, die Bücher waren eingeräumt und eine Decke lag ordentlich über dem Sofa. Die Räume wirkten plötzlich persönlich. Bewohnt.

Tina ging direkt ins Schlafzimmer und bedeutete mir mit einer kleinen Handbewegung, ihr zu folgen.

Sofort begann mein Herz wieder schneller zu schlagen.

Sie setzte sich auf die Bettkante und klopfte neben sich auf die Matratze.

„Setz dich“, sagte sie.

Ich tat es etwas steif.

Für einen Moment sagte sie nichts. Sie betrachtete mich einfach nur mit diesem ruhigen, wissenden Blick.

Dann sprach sie leise:

„Zeig es mir.“

Mein Mund wurde trocken.

Langsam öffnete ich meine Hose ein Stück und zog den Stoff gerade weit genug herunter, sodass das Metall sichtbar wurde.

Tina lächelte sofort.

„Passt erstaunlich gut.“

„Es ist ziemlich eng“, gab ich zu.

„Das soll es auch sein.“

Sie streckte die Hand aus und berührte den Käfig ganz leicht mit den Fingerspitzen.

Ich schnappte unwillkürlich nach Luft.

Nicht einmal wegen der Berührung selbst. Sondern weil mein ganzer Körper plötzlich überempfindlich wirkte.

„Zu viel?“, fragte sie ruhig.

„Nein“, sagte ich sofort, obwohl meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern war.

Ihre Finger glitten langsam über das kalte Metall, während sie meine Reaktion aufmerksam beobachtete.

„Du reagierst sehr sensibel.“

„Vielleicht.“

„Vielleicht?“ Sie lächelte amüsiert.

Ich wusste nicht, wohin ich schauen sollte.

Dann beugte sie sich etwas näher zu mir.

„Willst du den Schlüssel?“

„Ja“, antwortete ich sofort.

Zumindest dachte ich das.

Tina legte den Kopf leicht schief. „Bist du sicher?“

Ich blinzelte verwirrt.

„Ich könnte ihn auch behalten“, sagte sie ruhig. „Nur vorübergehend. Und dir helfen, deine Impulse etwas besser zu kontrollieren.“

Mein Gehirn setzte kurz aus.

„Was?“

Sie lächelte sanft. „Du bist unglaublich niedlich, wenn du durcheinander bist.“

Mein Herz schlug so laut, dass ich kaum denken konnte.

„Ich … weiß nicht.“

„Du musst dich jetzt nicht entscheiden.“ Sie zog ihre Hand langsam zurück. „Aber das Angebot bleibt.“

Ich schluckte schwer. „Und der Schlüssel?“

„Den behalte ich erstmal.“ Ihre Stimme klang ruhig und selbstverständlich. „Keine Sorge. Wenn du ihn wirklich willst, bekommst du ihn zurück.“

„Aber …“

„Vertrau mir.“

Diese zwei Worte trafen mich härter, als sie sollten.

Eigentlich hätte ich widersprechen müssen. Das wäre vernünftig gewesen.

Stattdessen hörte ich mich leise sagen: „Okay.“

Tina lächelte zufrieden.

„Braver Junge.“

Mir wurde sofort wieder heiß.

„Geh lieber nach Hause, bevor sich deine Eltern Sorgen machen.“

Ich stand langsam auf und zog meine Hose zurecht.

Mein Kopf fühlte sich völlig durcheinander an.

„Gute Nacht, Tina.“

„Gute Nacht, Tom.“

Als ich in meine Wohnung zurückging, raste mein Herz immer noch.

Was zur Hölle hatte ich da gerade zugelassen?

Warum hatte ich nicht einfach auf den Schlüssel bestanden?

Und warum fühlte sich genau dieser Gedanke gleichzeitig so aufregend an?

Später lag ich lange wach im Bett und starrte an die Decke.

Das Metall erinnerte mich bei jeder kleinen Bewegung daran, dass es noch da war.

Und jedes Mal musste ich wieder an Tina denken.

Erst weit nach Mitternacht überkam mich schließlich die Müdigkeit.
9. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von christoph am 20.05.26 12:56

Hallo Rainer 123
Schreib bitte über die Teile 1 .2.3. usw. Das man weiß welcher Teil es ist.
Schreib schnell weiter.
Gruß Christoph
10. RE: Nachbarin Tina

geschrieben von isambart am 20.05.26 13:23

Die Geschichte macht echt Spass zu lesen - freue mich schon auf den nächsten Teil


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