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eröffnet von Fabian am 10.09.05 02:42
letzter Beitrag von Nachtigall am 18.05.04 13:24

1. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Chinolina am 29.05.03 21:09

Dann möchte ich hier auch ein Gedicht hier rein schreiben. Ich fand es in einem Gästebuch, welches leider gelöscht wurde. Der Autor erlaubte es mir dieses Gedicht auch in meiner Homepage öffentlich zu machen, denn es würde auch zu gut auf meinen Freund, meinen damaligen Meister, passen.

Ich bringe Dich dazu Dich selbst zu lieben.
Ich bringe Dich dazu die Leere zu besiegen.
Ich bringe Dich dazu Du selbst zu sein.
Ich bin die Schulter an der du weinst.
Ich lehre Dich an Dich zu glauben,
du musst aufhören vor Dir wegzulaufen.
Ich ebne Dir den Weg,
ich zeige Dir, dass alles geht.

Ich erwecke Dich zu neuem Leben.
Ich lehre Dich nie aufzugeben.
Hab keine Angst vor dem der Du bist,
ich zeige Dir die Welt wie sie wirklich ist.
Ich bleibe bei Dir ein Leben lang.
Ich geb Dir mehr als Du es fühlen kannst.

Spürst Du nicht, dass Du einzigartig bist?
Siehst Du nicht?
Die Sonne scheint auch für Dich!

Der unerlässlich letzte Schritt.
Bleibst Du hier oder kommst Du mit?

Nimm meine Hand lass vergangenes sterben,
dies ist die Zeit neu geboren zu werden!
Komm mit mir...

Dies ist der Anfang einer langen Reise,
leicht und atemlos.
Dies ist der Weg aus dem Tal der Tränen,
nimm meine Hand und lass sie nie wieder los...
©Rope2



So kann nur ein guter Herr schreiben .

2. Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 30.05.03 00:47

Hallo an alle,

möchte den Vorschlag von Reddog aus dem Thread "BDSM in Weltliteratur" bezüglich Gedichten mit erotischem Hintergrund aufgreifen. Fundstücke sollten mit Autorennamen (und, falls möglich, dem Fundort - Gedichtausgabe, Anthologie usw.) "verziert" werden. Keine Angst: Es gibt wohl keine/n lebende/n Autor/in, der/die etwas dagegen hat, dass einzelne seiner/ihrer Gedichte einer weiteren Leserschaft bekannt gemacht werden. Muss ja nicht gleich das gesamte Œuvre sein!
Wenn s eigene Gedichte sind - mit oder ohne Reime - um so besser!

Zur Einstimmung übernehme ich Gedichte von Schlegel und Ringelnatz, die ich schon in den anderen Thread gestellt hatte.


SONETTE von Friedrich Schlegel
(Philosoph, Kritiker und Dichter der Frühromantik):


Von allen Männern, die dich je bedrohten,
Bin ich der Geilste. Sieh mich zitternd an.
Ich zerre deine Brüste Spann für Spann
Und werde sie auf deinem Rücken knoten. -

Auch deine Füße knüpfe ich daran
Und binde deine weißen kleinen Pfoten,
Und wenn den Leib du röchelnd mir geboten
Bewunderst du in mir den starken Mann.

Und wenn du schreist, dann schlitz ich deinen runden
Und weichen Leib mir auf mit kaltem Streiche,
Dann saugen sich die Lippen deiner Wunden

Um meinen Schwanz, daß ich vor Lust erbleiche.
Jedoch mein Glück, es reift nicht aus zu Stunden:
Du riechst schon sehr, mein Opfertier, nach Leiche.

*

Ich flehe dich um Wunden und um Male
Von deinen Händen, die mich heilig sprechen.
Du sollst das Glied, das du gesaugt, zerbrechen,
Das steif geragt in deine Kathedrale.

Schlürf aus den Quell, der einst in weißen Bächen
In deinen Kelch gespritzt beim Bacchanale.
Gieß jetzt die letzte Kraft in deine Schale,
An meinem Blute magst du dich bezechen!

Nimm scharfe Peitschen und geglühte Zwingen,
Schlag fester und zerquäle meine Hoden!
Laß tiefsten Schmerz das höchste Glück mir bringen!

Mein Stöhnen preist dich günstiger als meine Oden,
Und wenn die letzten Schreie dich umschlingen,
Hörst du den Dank der seligen Rhapsoden.

*

Der Müllerbube schiebt hinauf zur Mühle
Auf seinem Karren einen Mühlenstein,
Und in die Öffnung schob er glatt hinein
Sein steifes Glied und schaffte so sich Kühle.

Die blonde Müll rin sieht s im Sonnenschein,
Und trotz der unerträglich dumpfen Schwüle
Läuft sie hinab, daß prüfend sie s befühle.
Sie faßt und fühlt, es ist von Fleisch und Bein.

"Na hör mein Junge", ruft sie sehr brutal,
"Was soll die Schweinerei mit deinem Schweif?
Ist das die Prüfung, die ich dir befahl,

Ob du auch würdig wärest für mein Bett?"
Doch er zeigt nur die Inschrift um den Reif,
Und ach! sie liest gerührt: "Elisabeth".

*

Ich höre fern das Plätschern deiner Wasser,
Ich fühl mein Herz in meine Hode sinken.
Es drängt mich, wieder dein Pipi zu trinken,
Weil ich ein ruchlos raffinierter Prasser.

Man lügt, daß deine gelben Quellen stinken!
Mich macht dein Duft, wenn ich sie schlürfe, blasser.
Ich möcht ein Kieselstein, ein ewig nasser,
In deinen Fluten selig schimmernd blinken.

So wirst du mir, Geliebte, ganz zu eigen,
Wie brünstig in des Marterbergs Ersteigen
Im Abendmahle Einer Gott verwandt.

In deiner Krypta ein verschwiegner Brand,
Laß züngeln mich in allen roten Winkeln
Und zischend sterben in topasnem Pinkeln

*


Zum letzten Gedicht passt das folgende von Joachim Ringelnatz:

PIPI

Es drängt mich, dein Pipi zu trinken,
und sieh, nun trinke ich bereits.
O welch Genuß bei deinem Beinespreiz,
o wie die Wasser hurtig blinken.
Ich möchte ganz darin versinken.
- Es ist nicht wahr, daß deine Wasser stinken. -
Nun hörst du auf? 0 pfui, welch Geiz!

(Diese Nachricht wurde am 30.05.03 um 00:47 von Fabian geändert.)
3. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 30.05.03 16:40

Anständiges Sonett
Ulla Hahn, geb. 1946

                                       Schreib doch mal
                               ein anständiges Sonett.
                                                        St.H.



Komm beiß dich fest ich halte nichts
vom Nippen. Dreimal am Anfang küß
mich wo s gut tut. Miß
mich von Mund zu Mund. Mal angesichts

der Augen mir Ringe um
und laß mich springen unter
der Hand in deine. Zeig mir wie s drunter
geht und drüber. Ich schreie ich bin stumm.

Bleib bei mir. Warte. Ich komm wieder
zu mir zu dir dann auch
"ganz wie ein Kehrreim schöner Lieder".

Verreib die Sonnenkringel auf dem Bauch
mir ein und allemal. Die Lider
halt mir offen. Die Lippen auch.


Fundort: Deutsche Literatur seit 1945. Frankfurt: st 2485, 1995, S. 377.

(Diese Nachricht wurde am 30.05.03 um 16:40 von Fabian geändert.)
4. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 31.05.03 17:54

Wie tun es die anderen?
Robert Gernhardt, geb. 1937

Man tuts auf den Komoren
mit angelegten Ohren
Man tuts auf den Lofoten
mit schräggestellten Pfoten
Man tuts auf den Kykladen
mit abgespreizten Waden
Man tuts auf dem Molukken
genauso, nur im Ducken
Man tuts auf den Seychellen
an höchst versteckten Stellen
Man tuts auf den Kurilen
nach stundenlangem Zielen
Man tuts auf den Antillen
in Trance, wie wieder Willen
Man tut es auf der Insel Juist
indem man durch den Schniepel niest.

Fundort: Wörtersee. Frankfurt: Zweitausendeins. 1981
5. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reddog am 01.06.03 11:49

Entgegen aller bisher unterstellten Ironie: der folgende Satz ist durchaus ernst gemeint!
Nicht zuletz um unseren Literaten Fabian zu ehren, hier etwas von seinem Namensgeber:

Präludium auf Zimmer 28

Du musst nicht gleich bei jedem Dreck erschrecken!
Dass das der Ober ist, merk ich am Schritt.
Der geht vorbei, im Speisesaal zu decken.
Da brauchst du nicht gleich alles zu verstecken!
Ich kenn den Kerl. Schmitz heißt er. Oder Schmidt. —

Die Freundin vor dir ging mir bis zum Kinn.
Da hatte ich, wenn ich den Mund aufmachte,
im Handumdrehn das ganze Mädchen drin.
Obwohl ich sonst nicht übelnehmisch bin —
das war was, was mich zur Verzweiflung brachte!

Als ich dich sah, da schickte ich sie fort.
Denn du bist groß! Du hast Figur mit Pausen!
Vom Kopf bis dahin ... Und von da bis dort
Dein Körper ist ein toller Ausflugsort!
Ich liebe dich von innen und von außen.

Wozu sind Brüste von verschiedner Größe?
Die rechte, siehst du, hält mehr auf Niveau.
Links gibt es Pudding. Sei nur nicht gleich böse!
Deswegen gibst du dir noch keine Blöße.
Das war bis jetzt bei allen Frauen so.

Die Hertha — doch du kennst die Hertha nicht,
sie ist, Adresse unbekannt, verzogen —
die Hertha zeigte sich nie ohne Hemd, bei Licht,
und machte stets ein heimliches Gesicht.
Das ist verkehrt. Da fühlt man sich betrogen.

Nein, Frauen, die man lieb hat, muss man kennen.
Was man nicht sehen darf, hat keinen Zweck!
Dass du es weißt: Ich lasse immer brennen.
Die Dunkelheit benutz ich bloß zum Pennen ...
Der Spiegel steht ganz günstig über Eck.

Nur später werden wir ihn etwas drehen.
Liegst du bequem? Warum fixierst du mich?
Nur Mut, mein Schatz! Du wirst mich gleich verstehen.
Erst will ich mit dem Mund spazieren gehen.
Und dann ... Pardon! wie heißt du eigentlich?

Anmerkung: Die Vorliebe für große Frauen ist weit verbreitet und keinesfalls unverständlich.

Erich Kästner - Werke,
Band I: Zeitgenossen, haufenweise
Hanser-Verlag 1998


(Quelle korrigiert)
(Diese Nachricht wurde am 01.06.03 um 11:49 von reddog geändert.)
6. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reddog am 05.06.03 09:58

Mal etwas aus meiner Jugendzeit! *ggg*
Thomas Murner (1475—1537)

Die Fraun der Scham entbehren tun

So groß ward jetzund schlechte Zucht,
Daß man in Blöße Zierde sucht:
Man sieht ihnen mitten auf den Rücken
Und meisterhaft sie können schicken
Die Brüst herfür, recht mit Behagen,
Die von Gestellen sind getragen;
Sie könnten sonst im Tuch ersticken.
Mehr als die Hälfte laß ich blicken,
Daß sie den Narren Lockung sein,
»Laß ab«, sag ich, »was soll das sein«,
Wenn er die Brust will greifen an:
»Was seid ihr für ein böser Mann!
Ich sag‘s bei meiner Ehr fürwahr,
So frech noch nie ein Mannsbild war!«
Dem Manne sie so zur Wehr sich stellt,
Als wenn dem Esel der Sack entfällt.
Ganz heimlich greift sie mit der Hand,
Indem sie leistet Widerstand,
Und hängt ganz still das Häkchen aus,
Damit der Milchmarkt fällt heraus.

(Quelle: weiß ich nicht mehr!)
7. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Chinolina am 05.06.03 12:08

Für dieses Gedicht habe ich die Erlaubnis bekommen es zu veröffentlichen.
Ich musste es immer wieder lesen. Kann es fast schon auswendig, denn es ist wunderschön.

Die Frau die für mich zur Sklavin werden will
Die Sklavin die sich mir in Demut hingibt
Die Demütige die sich mir unterwirft
Und die Unterworfene die Stolz auf ihr Ich ist
Die Stolz darauf ist eine Sklavin sein zu dürfen
Die mir gehört

Ich weiß, dass Du nicht anders kannst
Ich weiß, dass Du auch nicht anders willst
Ich weiß, dass Du mich zufrieden stellen willst
Und ich weiß, dass Du es schaffen kannst wenn Du Dir Mühe gibst
Ich werde Dich belohnen wenn Du gut bist
Und ich werde Die bestrafen für falsches Verhalten

Niemals werde ich Dich Kampflos hergeben
Niemals werde ich Dich fallen lassen
Niemals werde ich es zulassen das Dir jemand weh tut
Das darf nur ich
Denn Du bist mein Eigentum

Zeig mir, dass Du es kannst
Zeig mir, dass Du es auch willst
Zeig mir auch, dass Du mich verehrst
Und vor allem lass mich stolz auf Dich sein
Du bist was Du bist...wehre Dich nicht

Was ich suche bist Du
Was ich finden will ist weich
Was ich finde ist warm
Was ich will ist, dass Du biegsam bist
Was ich nicht will ist.....Deinen Stolz brechen
Du hast es nicht verdient
© aus der Info von Monsignor Lestat



8. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 14.06.03 21:30

Ein sinnliches Sonett
Pietro Aretino, ital. Dichter, 1492 - 1556

Da mir beschieden ist solch stolzer Schwanz,
Der mir den Saum umstülpt von meiner fo***e,
So möcht ich wohl, ich würde ganz zur fo***e,
Und du natürlich, würdest ganz zum Schwanz.

Wenn ich ganz fo***e wäre, du ganz Schwanz,
Dann kriegte doch genug mal meine fo***e,
Und du genössest auch von meiner fo***e,
Die höchste Seligkeit für einen Schwanz.

Doch leider werd unmöglich ich ganz fo***e,
Und leider wirst auch du nicht gänzlich Schwanz,
Drum nimm denn so vorlieb mit meiner fo***e!

- Und ihr, nehmt auch von meinem bißchen Schwanz
Den guten Willen: abwärts fickt ihr mit eurer fo***e,
Und aufwärts ficke ich mit meinem Schwanz.

Ich bitte, tob dich aus auf meinem Schwanz,
So lang es dir gefällt, mit deiner fo***e!
Ich bin dein Schwanz, und du bist meine fo***e.


Fundort: Sonetti lussoriosi, dt.: Die sinnlichen Sonette. München: Renner 1982.
9. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 15.06.03 11:13

Hallo Reddog,

im folgenden Gedicht habe ich speziell etwas gefunden, um dich wieder aufzubauen:

"Nur der Dichter packt noch die
menschliche Anatomie;
findet sich zurecht in vielen
dichterischen Doktorspielen,
sucht und sucht mit heißen Ohren,
wo er sonst gar nix verloren.
Findet auch ganz im geheimen
eine böse Lust beim Reimen;
und so fügt er eine geile
Zeile an die nächste Zeile,
"

Aus dem Schmatzkästlein des schweinischen Hausfreundes
F. W. Bernstein, geb. 1938

Es werden aus unserem Körperbau
kaum noch die Doktoren schlau.
Vielen ist als Sitz der Lust
nur die Brieftasche bewußt.
Wenn die von den Lüsten wüßten,
was sie alles wissen müßten,
alle Punkte, Stellen, Tricks -
doch Doktoren wissen nix.
Nur der Dichter packt noch die
menschliche Anatomie;
findet sich zurecht in vielen
dichterischen Doktorspielen,
sucht und sucht mit heißen Ohren,
wo er sonst gar nix verloren.
Findet auch ganz im geheimen
eine böse Lust beim Reimen;
und so fügt er eine geile
Zeile an die nächste Zeile,
und das wird - man ahnt es schon
Körperbauspekulation.

Meist macht die Suche Sinn:
sie bringt hohen Lustgewinn.
Lyrik forscht nach wundervollen
Teilen, die wir haben sollen;
ganz besonders die speziellen
libidinös besetzten Stellen
nimmt der Dichter wahr, und zwar
lustbetont mit Haut und Haar.
Prahlen wird er mit den schmalen,
dicken, haarigen und kahlen,
idealen und realen,
illegalen, cerebralen,
coolen und sentimentalen,
total tollen Regionen,
wo die Fleischeslüste wohnen.
Dieses Streben nach dem Glück
ist an sich ein starkes Stück,
ja vom Standpunkt der Moral
ist es Schweinkram und Skandal -
Ist dem Dichter ganz egal.
Siehe, er verkündet allen
Menschen noch mehr Wohlgefallen
an den Knöcheln, Knien und Kehlen,
auch der Kopf, der darf nicht fehlen,
ganz zu schweigen von Gefühlen,
die beim Wühlen in den Pfühlen...

Schluß jetzt! Aus! Kurz und knapp:
Da geht s ab:

I
Von den siebzehn Körperteilen
nenne ich zuerst die geilen:
Daumen, Gaumen, Busen, Mund,
Nabel, Schniebel, Wadel, und
da war doch noch so ein Teil,
den vergeß ich immer; weil,
es hat einen wüsten Namen,
einen häßlichen, infamen.
Es heißt ähnlich wie das Ding,
das meist gar nicht mehr abging -
gleich fällt mir der Name ein:
s wird wohl die Brustwarze sein.

II
Zwischen Knie und Sockenrand
ist erotisch ödes Land.
Schön ist zwar die Wade,
doch sie bringt s nicht. Schade.

III
Viele Freuden bringt der Fuß,
den man vorher waschen muß.
Auch der Stiefelfetischist
liebt den Fuß nicht, wie er ist;
hat ihn gern im Schuh -
und du?

IV
Dinge wie das Unterhemd
sind eigentlich körperfremd,
doch tut selbst ein alter Hut
oft erotisch noch sehr gut;
magst ihn in besonders heißen
Nächten in die Krempe beißen;
kannst ihn küssen, kannst ihn knüllen,
ihn mit Lust und Liebe füllen -
Herz mein Herz, was willst Du mehr?
Etwa noch Geschlechtsverkehr?

V
Mancher Herr hat solche Stellen,
die bei der Berührung schwellen;
Beulen, die am Kopf entstehn,
sind nur selten erogen.

Andre Teile wieder schrumpeln,
wenn zwei aufeinanderpumpeln.
Beispielsweise das Plumeau
und das Diskussionsniveau.

Was auch zusammenschrumpfen tut,
grade in der höchsten Glut:
das ist das Brikett
und die Zigarett.

VI
Erogen ganz ohne Frage
ist die Stereoanlage.
Den, der dran rummachen darf,
macht sie fickerig und scharf.

VII
Manche sagen jetzt, es fehle
auf der Liste noch die Seele.
Seele, Seele fehlt nicht, weil:
Seele ist total echt geil.

Fundort: Lockruf der Liebe. Zürich: Haffmanns 1988.
10. Re: Philosophische Orgasmen

geschrieben von Fabian am 18.06.03 12:10

Hier mal etwas wahrhaft tiefgründig Philosophisches von F.W. Bernstein:

Luscht und Geischt

Also, sprach der Philosoph
- und der Mann war ja nicht doof -:
»Wenn was ist, wird s mir bewußt
auf dem Höhepunkt der Lust.«

Und er vögelte verhalten
tief im Schoße einer alten,
liebgewordenen Bekannten,
bis ihm schier die Sinne schwanden.

Und in Klara ihrem Schoß
dachte er: >Was denk ich bloß?<
Überlege hin und her
hin und her und hin und her
hin und her und hin und her
hin und her, das war nicht schwer.

Brüste, Hüfte, Bauch und Schenkel,
das war erst mal sein Gedenkel,
bis er mittendrin erkennt,
daß im Hausflur Licht noch brennt.
Tür stand auf, und es erfreute
dieser Anblick viele Leute.

Einmal hatt er den Gedanken:
>Wer nicht wackelt, darf nicht wanken.<
Der zerging ihm - SEUFZ und STÖHN!
Nichts zu denken! Dankeschön!

Einmal hoppelt er versonnen
voller Einsicht, voller Wonnen,
als sie fragt: »Was denkst n grad?«,
sagt er ehrlich: »A Quadrat«.

Denkend hüpft er in den Kissen,
wollte es genauer wissen,
dachte logisch streng - na bitte! -
an das ausgeschloßne Dritte.
Und als Klara, ruft: »Karl-Heinz!«,
wurden A und Nicht-A eins.

Einmal aber - Sturm des Geistes -
hat er das Gefühl: >u weißt es!<
Und er wußte: >Eines weiß ich,
vier mal acht ist zweiunddreißig.<

Einmal sucht den Grundbegriff
er, als er mit Klara schlief.
Nabel, Hegel, Marx und Bein
ließ er fünfe grade sein;
Haare, Zunge, Relevanz,
Wahrheit, Wesen, voll und ganz,
Dialektik eng umschlungen,
Nase, Syllogismen, Zungen,
Subjekt, Objekt, rein und raus,
drunter, drüber, Mann und Maus,
Lippen, Raum und Zeit und Knie.
So entsteht Philosophie.
»Scht! Karl-Heinz! Wo denkst du hin,
sag, was kommt dir in den Sinn?«
Klara brachte ihn zur Ruh -
Dubidubidubiduuu...


Fundort: Lockruf der Liebe. Zürich: Haffmanns 1988.
11. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von LadyAncalime am 20.06.03 09:22

Morgen


Ich stehe am Fenster
schaue zu
wie Nebel sich senken
Feenhaar gleich
Ich spüre den Morgenwind
auf meiner Haut
kühl und feucht
Gedanken an die letzte Nacht
Spuren die meinen Körper zeichnen
Ich greife
nach dem Halsband
lege es an...
wieder IHR sklave..
gefangen in IHRER Seele
Krähen fliegen vorbei...
Ich sehe nach IHR..
SIE schläft
Göttinnen gleich...
ich möchte..
bei IHR sein
SIE umarmen
IHR danken....
Der Krieger der..
vor seiner GÖTTIN kniet..
mit gesenktem Kopf
Tränen in den Augen..
Die Welt zum Kampf fordert..
sein Kriegsschrei
ist SIE

......................Ich liebe SIE.

12. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von LadyAncalime am 20.06.03 09:26

Herbst

Blätter fallen
ein klarer kalter Morgen
Jets ziehen weisse Linien am Himmel
Die Suche
nach Nähe
IHRER Nähe..
Gedanken fallen zu Boden
wie Herbstlaub
wunderschön...
Der Wunsch
vor IHR zu knien
niederzufallen
wie....
Laub
IHREN Willen
geschehen zu lassen
IHRE Worte zu verstehen...
Mich einzuhüllen
in
IHRE Worte
Sie aus der Ewigkeit
der Entfernung
zu umarmen.
IHR zu danken...
Herbst...
Gedanken fliegen..
13. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von LadyAncalime am 20.06.03 09:30

Latex

Der unmittelbare Zwang der Kleidung
Kleidung die einengt,verhindert
Wie meine Haut, glatt,schoen,doch unnahbar...
Auch die Maske,die Kommunikation erschwert
auch verhindert...
Ich trage meine taegliche Maske
die mehr versteckt als verraet...
Ich mag diese Kleidung,die unterwirft
losgeloest schwebe ich darin...
Manchmal liebe ich sie..
Manchmal hasse ich sie...
Die Enge,das Eingeschlossen sein.
Reduziert sein auf ein Minimum
Keine Kommunikation
Nicht faehig zur aeusseren Reaktion
Ich vermische mich
Mit der Enge,der Glaette...nicht fassbar
Ich lasse meine Gedanken fliegen.
14. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von LadyAncalime am 20.06.03 09:32

Realisation des (nicht denkbar) Ungewöhnlichen

Vor vielen Jahren-das Erwachen...
Ich realisierte..ich war anders...
Anders als alles was ich bisher kannte
Abgründe taten sich auf
Ich wagte den Kampf des Verdrängens
und ich verlor.
Heute?
Ich lebe sogut ich kann
mit meiner Sexualität...
Ich verstecke mich täglich..
hinter der Maske des...des Normalen.
Privat..zuhause..
Hier kann ich sein wie ich bin.
Schizophrenie...
Zwei Persönlichkeiten..
Beide sind in mir.
Die tägliche Angst lügen zu müssen..
Wird diese Angst je enden?
Jeden Tag der feste Entschluss
zu mir zu stehen
und doch
ich tue es nicht.
15. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von LadyAncalime am 20.06.03 09:33

Hallo...hier einige Gedichte? meiner Zofe Róisin die so im laufe der Zeit zusammenkamen....

Gruß Lady Ancalime


Der Widerspruch der Extreme

Das geschundene,niedergeworfene in mir..
Die Natur mit der ich lebe..
in die ich fluechte,die mich gluecklich macht.
Andererseits,der ewig nach Freiheit suchende Geist..
Der ewig streitbare,der niemals unterliegen kann...
Extreme ?
Ja, doch erlange ich durch das eine das andere..
durch aufgeben,Unterordnung werde ich frei
Frei im Geist,frei zu sagen was und wie ich bin..
Die Freiheit des Narren..
Der Narr in jedem..
Leben mit Extremen.
Erstaunte Ratlosigkeit der Menschen um mich,
Sie sind ratlos..
-Ich, der Narr- lache und frage
“ Versteht ihr nicht?”
Die Antwort?
                                                     .........Schweigen.
(Diese Nachricht wurde am 20.06.03 um 09:33 von LadyAncalime geändert.)
16. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Chinolina am 08.07.03 12:32

Das habe ich mal irgendwo in einer Info gefunden


Sternenstaub fällt in mein Herz
Hingabe geboren aus Schmerz
Ich zeige Dir meinen Garten

Demut hast Du mir gesendet
Deine Augen vor mir gesenkt
So lasse ich Dich warten

Wolfsgeruch liegt in der Luft
An meinen Fingern klebt Dein Duft
Liebevoll tu ich Dir weh

Du wirst mich in Dir fühlen
Küsse heisse Striemen kühlen
Sternenstaub glitzert wie Schnee
©unbekannt

17. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 22.07.03 11:01


Eros

Else Lasker-Schüler, 1869 - 1945


 O, ich liebte ihn endlos!
 Lag vor seinen Knien
 Und klagte Eros
 Meine Sehnsucht.
 O, ich liebte ihn fassungslos.
 Wie eine Sommernacht
 Sank mein Kopf
 Blutschwarz auf seinen Schoß
 Und meine Arme umloderten ihn.
 Nie schürte sich so mein Blut zu Bränden,
 Gab mein Leben hin seinen Händen,
 Und er hob mich aus schwerem Dämmerweh.
 Und alle Sonnen sangen Feuerlieder
 Und meine Glieder
 Glichen
 Irrgewordenen Lilien.

(Diese Nachricht wurde am 22.07.03 um 11:01 von Fabian geändert.)
18. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von zebra am 22.07.03 11:37

Ich hab mich auch mal an einem Gedicht versucht und ich fürchte, es ist nicht wirklich literarisch wertvoll:

Das Zebra und die Tigerin

Es trabt herbei ein Streifentier
Und sinkt hernieder auf alle Vier.
Zebrum, Zebra, Zebrum, Zebra.

Die Tigerin schaut mit strengen Blick
Dann packt sie kräftig sein Genick.
Zebrum, Zebra, Zebrum, Zebra.

"In den Staub!" sie herrisch spricht,
So dass der Streifling angstvoll quickt.
Zebrum, Zebra, Zebrum, Zebra.

Und mit der Gewalt der großen Katze
prallt auf des Zebras Arsch die Tatze.
Zebrum, Zebra, Zebrum, Zebra.

Doch ist s erstaunlich, ist s verrückt?
Das Zebra lächelt ganz verzückt.
Zebrum, Zebra, Zebrum, Zebra.

Als tief empfundene Dankesnote
küßt es ihr demutsvoll die Pfote.
Zebrum, Zebra, Zebrum, Zebra.
19. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Nachtigall am 22.07.03 18:28

Folgenden Text von Herrosee (nicht BDSM, aber sehr innig, besonders mit Musik) habe ich Monika gerade beim Kuscheln vorgesungen, es gibt da eine Vertonung von Beethoven. Anschließend habe ich sie gefragt, ob der Text ihr gefiele - sie hatte sehr geschnurrt - und sie meinte, auf den habe sie nicht geachtet, sie wäre damit beschäftigt gewesen, mich zu genießen...
Männer bleiben eben auch im Röckchen Männer, tztztz!


Ich liebe dich

Ich liebe dich, so wie du mich,
am Abend und am Morgen,
noch war kein Tag, wo du und ich
nicht teilten unsre Sorgen.

Auch waren sie für dich und mich
zu zweit leicht zu ertragen,
du tröstetest im Kummer mich,
ich weint´ in deine Klagen.

Drum Gottes Segen über dir,
du meines Lebens Freude;
Gott schütze dich, erhalt dich mir,
schütz und erhalt´ uns beide!


Ist zwar sehr schlicht, aber passt so schön zu uns... und er/sie hört gar nicht auf den Inhalt! Grottenolm... Zur Strafe hab ich ihn erst mal zum Rasieren geschickt, statt weiter zu kuscheln.
20. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reddog am 22.07.03 19:44

Hallo, Anja!
Wohl wissend, dass ich jetzt nicht nur von Monika, sondern auch von anderer Seite einen auf die Mütze bekomme:
Singst du mir beim Kuscheln dieses Lied, - ich kenne und liebe es - dann werde ich AUCH auf den TEXT achten.
Aber darüber hinaus bleiben zwei Fragen:
Zum einen: Möchtest du, dass Männer in Röcken ihr Mannsein aufgeben? (Du brauchst nicht zu antworten, es ist eine eher rhetorische Frage.)
Und zweitens:
Deine Signatur hat mir schon immer Rätsel aufgegeben. Nicht, dass du glückliche Besitzerin von Monika bist. Das hat sich mir schon lange mitgeteilt.
Sondern der Passus: Dieser Beitrag ist meine persönliche Meinung. Diskussionen dazu sind erwünscht.
Wozu? Zu deinen Beiträgen? Oder zu deiner Meinung, die ja nicht immer völlig deckungsgleich sein muss.
Die gleiche Frage drängt sich mir bei einem Schlager von Ivo Robic auf: Ich hab noch Sand in den Schuhen von Hawaii!
Was ist aus Hawaii? Die Schuhe? Oder der Sand?
Du siehst mal wieder, mich treiben nur die wirklich weltbewegenden Dinge um!
Gruß
Detlef
21. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Nachtigall am 22.07.03 22:03

Hallo Detlef,

zu Frage 1: *gg* Die Antwort lass´ ich mir doch nicht nehmen!! Es amüsiert mich ja gerade, dass er auch im Röckchen noch die niedlichen männlichen Schwächen hat, deshalb hab ich es ja weiter erzählt.

zu Frage 2: Beides. Diskussionen zu Beitrag und Meinung sind ausdrücklich erwünscht, wie soll ich sonst dazu lernen? Aber weil Du´s bist, ändere ich jetzt das "erwünscht" in "willkommen".

zu Frage 2a: Ich tippe auf den Sand, aber vielleicht hat er sich auch im Urlaub neue Schuhe gekauft... dann würde da auch gelten: "Beides"...

*lach* Lieben Gruß, Du alter Quälgeist...
Anja
22. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 11.09.03 00:33

Ketten der Lust
von Katinka
23. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 27.09.03 17:24

Hier gibt es mindestens 3000 deutsche Liebesgedichte aus fünf Jahrhunderten und ... darüber hinaus weitere aus anderen Kulturkreisen.
24. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 21.10.03 15:44

Für dich,Geliebte

Ich war auf dem Vogelmarktund habe Vögel gekauft
für dich Geliebte
Ich war auf dem Blumenmarkt und habe Blumen gekauft
für dich Geliebte
Ich war auf dem Eisenmarkt und habe Ketten gekauft
schwere Ketten
für dich Geliebte
und dann war ich auf dem Sklavenmarkt und habe dich gesucht
aber ich habe dich nicht gefunden
Geliebte.

Jacques Prévert
25. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 21.10.03 20:32

Moin moin

@Anja
Was meinst Du jetzt mit "männlichen Schwächen"? Dass wir nicht gut zuhören können? Dass wir statt dessen unseren Fokus auf andere, näher liegende Dinge legen?
Keine Ahnung, von wem der Spruch ist, aber vielleicht stimmt s ja: Männer können besser gucken als denken.

Ivo Robic? Ist der nicht in der Hitparade bei Dieter-Thomas Heck aufgetreten? Meine Güte, müsst ihr alt sein, dass ihr euch daran erinnern könnt .

oxymoron
26. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 21.10.03 21:45

Aber ja, oxymoron....in diesem Forum sind Menschen....sooo alt wie ich.....die sind noch mit General Custer über die Hügel geritten am Little Big Horn......hm......besser ein toter Indianer sein als die Hitparade mit Dieter-Thomas Heck hören zu müssen...*gg

(Diese Nachricht wurde am 21.10.03 um 21:45 von ChariSMa geändert.)
27. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 30.10.03 07:45

Aaaber oxymoron
Dein Beitrag, der mir übrigens recht gut gefallen hat, gehört doch eindeutig ins Off-Topic-Geschichten-Board, oder eventuell zu den KG-Geschichten.
Doch niemals nicht ins Gedichte-Thread!


Hier ein Versuch von mir, aus jungen Jahren *ganzbreitgrins*

I bin net schee,
i bin net reich.
I hab koa Geid,
i bin koa Scheich.
und trotzdem...
mog de Petra mi!
Des is a Wunder,
....Irgendwie


Stephan G(punkt)
1964-??


28. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 30.10.03 10:33

So

Auf der rechten Seite
so liegen dass
die Knie das Kinn
fast brühren. Sich den
Rücken frei halten für einen
nicht zu weichen
schmiegsamen Bauch.
Beine auch die mit meinen
scharf in die Kurve gehn
zwanzigfach Zeh n
ganz unten. Ums Herz
in der linken Brust eine
Hand die den Schlag spürt
und bleibt im Nacken
ein schlafender Mund Speichelfäden.
Morgens aufwachen.
Immer noch da sein.
So.

Ulla Hahn
29. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 30.10.03 20:08

Moin moin,

nach dem berechtigten Einwand von l&l stehen die Zeilen jetzt hier
http://kgforum.forenet.org/board/YaBB.pl...ay&num=3389

oxymoron
(Diese Nachricht wurde am 30.10.03 um 20:08 von oxymoron geändert.)
30. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Felix am 31.10.03 17:00

Hallo allerseits!

Hier nochwas für die Romantiker:

An Dich denken, so wie jetzt:
Dich weit weg lächeln sehn im Schlaf.
Die Hand durch die Nacht in Dein Haar schicken
und einen Kuss wie eine Sternschnuppe
durch Deinen Traum.
Die Ferne aufrollen wie eine Schnur,
an deren Ende deine Wärme ist.

(Verfasser )

Schönen November wünscht

Felix
31. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 02.11.03 10:58

Freiheit

Viele meinen
frei zu sein-


frei,
weil sie sich nie
über die Kreise
hinausbewegten,
an denen ihre Ketten
anspannen.



Kristiane Allert-Wybranietz
32. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Butterfly am 06.11.03 11:22

Da lief mir neulich ein schöner Zweizeiler für den Grabstein über den Weg

Olympia schläft unter diesem Stein,
Wie sie nur selten schlief - allein!

Ok, hat nichts mit Keuschheit oder SM zu tun... vielleicht sollten wir ein Offtopicgedichteboard einführen...
Butterfly
33. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Felix am 06.11.03 18:43

Hallo allerseits!

Unter Bezug auf
Zitat
altenglische Dichter über das Küssen.....


Deutsche Schulklopoeten über das Küssen:

"Ein Kuss ist, wenn zwei Lippenlappen
in Liebe aufeinanderklappen,
wobei dann das Geräusch entsteht,
als ob ´ne Kuh durch Scheiße geht."

Tut mir leid, wenn ich jemandem die romantische Stimmung versaut habe. Ehrlich!

Fe*scnr!*lix
34. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 06.11.03 19:41

Moin moin

Wenn wir schon bei Grabsteinen sind:
Es gilt als unfein, bei einer verstorbenen alten Jungfer auf den Grabstein zu schreiben: "Ungeöffnet zurück".

oxymoron
35. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Nachtigall am 06.11.03 20:37

Hallo Felix,

Dein "Schulklopoeten-Spruch" ist bloß der letzte Absatz eines größeren Ganzen! Er kursiert mit leichten Varianten durch das Netz, leider hab ich den Verfasser nicht ermitteln können (obwohl ich Heinz Erhardt verdächtige). Ich poste mal das Gesamtkunstwerk:




Der ersten Liebe Hochgenuss
ist ohne Zweifel wohl der Kuss.
Er ist beliebt, er macht vergnügt,
ob man ihn gibt, ob man ihn kriegt.
Er kostet nichts, ist unverbindlich,
denn er vollzieht sich ja nur mündlich.

Hat man die Absicht, dass man küsst,
so muss man erst mit Macht und List
den Abstand zu verringern trachten
und dann mit Blicken zärtlich schmachten.
Die Blicke werden tief und tiefer,
es nähern sich die Unterkiefer.
Dann pflegt man mit geschloss´nen Augen
sich aneinander festzusaugen.

Jedoch nicht nur der Mund allein
braucht eines Kusses Ziel zu sein.
Man küsst die Wange und die Hände
und auch noch and re Gegenstände,
die ringsherum mit Vorbedacht
sämtlich am Körper angebracht.

Auch wie man küsst, das ist verschieden,
im Norden, Osten, Westen, Süden.
So mit Bedacht und mit Gefühl,
der eine heiß, der and re kühl.
Der eine saugt, der and re schmatzt,
als ob ein alter Reifen platzt.
Hingegen wiederum der Keusche
vermeidet jegliche Geräusche.

Daneben ist verschieden auch
der Küsse Dauer und Gebrauch:
Der eine kurz, der and re länger,
den längsten nennt man Dauerbrenner.

Kurzum: Ein Kuss ist, wenn zwei Lippenlappen
in Liebe aufeinander klappen
und dabei ein Geräusch entsteht,
als wenn die Kuh durch Matsche geht.



Gruß und Kuss
Anja
36. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 06.11.03 21:35

Wenn Einem Eine Pudelnackt,
von hinten an der Nudel packt,
wenn Einem also Gutes widerfährt,
DAS ist dann einen Asbach Uralt wert.



Zwei Nutten saßen auf einer Bank,
die eine roch, die and re stank.
Da sagt die roch zur stank,
ich setz mich auf ne andre Bank.




In diesem Klo, da haust ein Geist,
der jedem der zu lange scheißt,
von unten in die Eier beißt.
Mich hat er bisher nicht gebissen,
ich hab ihm auf den Kopf geschissen.



Rot ist die Liebe,
Schwarz ist das Loch.
Mädel sei tapfer,
rein muß er doch.


Bumsen, fi**en, Blasen,
wünsch ich mir vom Osterhasen.






SO!!!
jetzt habe ich Euch
und ehrlich gesagt auch mich
hoffentlich wieder genug gequält.

Oder in Versform:

Quäle ich die Forumsleute,
ruft dann doch die ganze Meute,
"Gib a Ruh und schleiche Dich"
Fühl so richtig wohl ich mich.
Denn ist ein Bayer, laßt Euch sagen,
zu beliebt, geht s ihm an n Magen,
schreibt dann bitterböse G schichten,
Butterfly wird s wieder richten.
ChariSma versprüht Ihr n Charme,
leicht durchsetzt mit Ihrem Harn,
Nachtigall, ich hör sie trapse ,
trägt dezent Monikas Strapse,
und die Wöfin heult ganz laut,
oxy wie hast Du jetzt g schaut,
langsam kommt jetzt echt in Mist er
alle rufen nach dem Mister!
"sieh mal das Niveau hier sinkt",
was letztendlich allen stinkt.
Darum mach jetzt schnell ich Schluß,
bevor es wird noch größ rer Stuß.


ich
37. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 07.11.03 19:54

Dreizeiler nach Art japanischer Haikus

Das Bauprinzip ist seit Jahrhunderten fest: immer drei Zeilen mit 5 - 5 - 7 Silben. Kein Reim! Zwei Zeilen „Natur“, letzte Zeile mit einer Schlussfolgerung, Gegensatz oder allgemeiner Aussage oder ...

Schnee rieselt leise
auf kalte Blumen.
Deine Liebe wärmt mich jetzt.

Kirschblüten im Mai
öffnen sich, blassrot.
Noch bin ich keusch verschlossen.



Fabian
38. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 07.11.03 23:33

....da würde ich dann wahrscheinlich Harakiri machen.
Zumindest auf Dauer.

Obwohl Deine Worte lieber Fabian mich angenehm berührten.
Meine obige Äußerung wäre dann gültig, wenn ich mich so äußern müßte.

LG
stephan

39. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 08.11.03 10:03

.....schade, daß ich kein Damenschneider bin.
Ich glaube, daß ich mich, wenn auch nicht arbeitsmäßig, da dann sehr wohl fühlen würde. *bg*

Hier ein Versuch, ganz allein für Dich, ChariSMa


Blätter rascheln munter,
Igel bauen ein Nest.
Sehne mich nach kuscheln.

Oktoberstürme, wilde See,
Fischer segeln Heim,
ich schalt den Fernseher aus.


Jetzt habe ich absolut keine Ahnung, ob ich diese 5-5-7 Maße befolgt habe, aber es hat mir trotzdem g fallen.

Liebe Grüße
stephan

40. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von fa445962 am 08.11.03 16:13

Hallo Ihr Lieben,
na, dann will ich mal versuchen, meinen Senf dazuzugeben, ohne daß es mit gelänge, etwas halbwegs Taugliches aus eignen Ganglien beizusteuern. Ohne daß ich mich erhöbe, die ganze Schönheit und den ganzen Sinn dieses oder anderer Shakespeare-Sonette zu erfassen, so ist doch gerade das untenstehende für mich Sprache gewordene Musik (obwohl, vertont, aus Nachtigalls holder Kehle gesungen, das kann doch nur noch besser werden, oder?):

Setz ich zum Sommertag dich in Vergleich?
Du bist doch schöner und bleibst, wie du bist –
Mais liebste Blüte zaust des Sturmwinds Streich,
Und Sommers Pacht hat allzu kurze Frist:

Bald sticht des Himmels Aug zu heiß herab,
Oft wird sein golden Angesicht auch fahl;
Der Glanz löst sich vom Schönen einmal ab –
Im Wechsel von Natur und Glück wird’s schal;

Dein Sommer, immerwährend, hab nicht Not,
Nie schwinde ihm die Schönheit, einmal dein,
Noch prahle, daß er dich beschatte, Tod –
In ewgen Zeilen wächst der Zeit du ein.

So lang ein Mensch noch Atmer, Auge Schauer,
Verschafft dir Leben dieses Lebens Dauer.


Dazu habe ich gleichzeitig eine Bitte:
Es gibt da ein Gedicht, noch nicht mal relativ unbekannt, wie ich fürchte, aber ich kenn’s nicht, in dem die Zeile vorkommt: „...wer jetzt nicht baut, baut nimmermehr...“ (oder so ähnlich).
Weiß jemand Titel und Dichter?
Viele liebe Grüße
Jean B
41. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von fa445962 am 08.11.03 16:37

Hallo ChariSMa,
vielen lieben Dank sowohl für Dein fast schon detektivisches Gespür, aus dem von mir verhunztem Fragment das Richtige zu erkennen, als auch für Deine prompteste Antwort.
Schönes Wochenende Dir, Deinem Lieben und dem schnöden Rest des Forums, wünscht
Jean B
42. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Muzolino am 08.11.03 20:39

Tja, wieder einmal stelle ich fest, dass ich in diesem Forum oft zu spät dran bin. Aber wenn CharSMa auch nicht mal eine viertel Stunde braucht, um Jean zu antworten, hab ich einfach keine Chance hier mein Lieblingsgedicht los zu werden.

Wenn ich´s so immer wieder vor mir hersage und dann auch noch vor mir auf dem Bildschirm sehe....

Herr es ist Zeit. Der Sommer war sehr G r o ß!
........

Auf gut wienerisch: ...is dees scheee.

Habe auch nur etwa hundert Schritte von meiner Wohnung bis zum Rilkeplatz. Gibts allerdings erst seit wenigen Jahren.

Da mir jetzt also ChariSMa, aus gegebenen Anlass, die Gelengeheit genommen hat, hier meinen 1.Platz  meiner "Best of Lyric s" widerzugeben, kann ich nicht umhin die Position 2 zu hinterlassen.

Im Nebel (Hermann Hesse)

Seltsam im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als mein Leben noch  licht war,
Jetzt, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Also selbst wenn ich überhaupt nicht in einer Stimmung bin, zu der diese Gedichte von Rilke oder eben Hesse passen, so kann ich sie einfach nur schön finden. Und trotz aller darin verborgener Traurigkeit oder fast Rührseligkeit, bereitet mir diese Schönheit fast schon eine beschwingte Stimmung.

Nun ja, vielleicht bin ich doch ein wenig verrückt.

besinnlich beschwingte und natürlich verschlossene Grüsse

Muzolino
(Diese Nachricht wurde am 08.11.03 um 20:37 von Muzolino geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 08.11.03 um 20:39 von Muzolino geändert.)
43. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 08.11.03 21:04

Hallo Muzolino

ich bin eigentlich und normalerweise kein Freund der Dichtkunst. (nicht mal von Charles Bukowski, der mich manchmal an mich erinnert *g*)

Aber bei Deinem Hesse....
...der berührt mich 100 Mal mehr als Rilke und auch dieser gefällt mir ausgesprochen gut.

Nun kenne ich (natürlich?) den Steppenwolf, wobei kennen eigentlich übertrieben ist, so lange im Dunkel der Vergangenheit, aber Dein zitiertes Gedicht bewegt mich. Trifft eine Saite, die lange verschollen oder gar verlorengeglaubt war.




Hier ein Auszug aus einem von Hesse s Gedichten, das ich aber für s Internet, den verschiedenen Foren und Chaträumen sehr passend finde.


Das Lied ist aus,
Wollen Sie also gefälligst wenden,
Entgürten Sie Ihre Lenden
Und fühlen Sie sich hier, bitte, wie zu Haus!
Legen Sie ab Ihre werte Persönlichkeit
Und wählen Sie sich Ihr Abendkleid
Eine beliebte Inkarnation,
Den Don Juan oder den verlorenen Sohn
Oder die große Hure von Babylon,
Es geschieht nur zur besseren Belügung,
Die Garderobe steht ganz zu Ihrer Verfügung.



in diesem Sinne
stephan

(schlimm, wenn man nicht mal richtig abschreiben kann)
(Diese Nachricht wurde am 08.11.03 um 21:04 von living_and_laughing geändert.)
44. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von fa445962 am 09.11.03 11:58

Hallo ChariSMa,
beeindruckend die Auswahl an Gedichten, die Du veröffentlichst. Sie sind alle von einem ihnen eigenen Reiz, wenn nicht einer Schönheit, die mich Muzolinos Beschreibung voll und ganz zustimmen läßt – nicht zuletzt auch bei seinem ím Thread hinterlegten Hesse-Poem.
Und übrigens, Muzolino: etwas verrückt, wie Du für Dich selbst vermutest, sollten meiner bescheidnen Meinung alle sein. Denn wie arm ist der Mensch, dem solche Schönheit abgeht?
Was mich weiterhin verleitet, etwas Werbung zu machen, auf die Gefahr hin, daß ich der Ursprung dessen werde, daß peu a peu alle ihre Favoriten ins Netz stellen:

In der vertonten Sparte der Poesie/Lyrik gibt es einen Liedermacher, den ich für den größten der lebenden deutschen halte, wenn er auch nie die Anerkennung und dadurch die Bekanntheit in dem Maße gefunden hat, wie sie ihm zugestanden hätte: Hannes Wader!
Seine letzte oder zumindest eine seiner letzten CD’s heißt Liebe-Schnaps-Tod und enthält Lieder des genialen schwedischen Liedermachers des Rokoko, Carl-Michael Bellman. Wader hat die Texte weitgehend selbst übersetzt; sehr frei, da er wie er einräumt, kein Schwedisch kann. Dies tut der Qualität und Schönheit der Texte aber keinen Abbruch, wie ich finde.
Neben anderen Kleinoden, zum Teil zusammen mit seinem Weggefährten und Freund Reinhard Mey sowie Klaus Hoffmann gesungen, finden sich auch Lieder wie das „Charon durchbricht die Leere“, ein Abschiedslied, weil den nahen Tod fühlend, das in seiner textlichen Wucht bei aller Schönheit auch aufwühlt. Daneben ist für mich das letzte Stück „Darfst nun getrost“ das mit Abstand wunderschönste Schlaflied, das ich je in meinem Leben gehört habe.
Genug der Lobhudelei! Wer einmal in die CD reinhören mag, wird – dessen bin ich mir sicher – nicht enttäuscht werden.
Sonntägliche Grüße bei schönstem Sonnenscheinwetter wünscht trotz dicken Schädels, wehen Rachens und ziemlicher Schlappheit
Jean B
45. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 11.11.03 15:29

auch eine Art Gedicht

Hexxen

Du lässt dich nicht vertreiben
suchst nach meiner Hand
Hör auf dich an mir zu reiben
dein Fell ist schon ganz verbrannt
nimm doch endlich das Beil
wenn dein Schlüssel nicht passt
Du hast mich nie aufgerissen
weil du mich nie gebissen hast
Weiber sind Hexen und Hexen sind schlau
Frag deine Mutter die weiß es genau

Ref:
Rette dein Herz - egal wohin
Meine Seele ist schwarz,
du verlierst es darin

Du kannst mich nicht belügen
und lässt dich nie gehn
könntest hundert andere kriegen
brauchst doch nur mal wegzusehn
Doch du pflegst dein Seelenheil
und dein Hemd wird nie nass
Ich habe nach dir kein Verlangen
weil du mich nie betrogen hast

Weiber sind Hexen und Hexen sind schlau
Frag deine Mutter die weiß es genau

Ref:...

Doch du lässt dich nicht vertreiben
bist so gut zu mir
Nachbars Kinder schreiben
Nutte an meine Tür
Du glaubst immer noch an Wunder
fängst mich immer wieder auf
bald geh ich lachend unter
und du gehst drauf

Weiber sind Hexen und Hexen sind schlau
Frag deine Mutter die weiß es genau

Ref:..



Liedtext Silly
46. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 11.11.03 15:33

und dann das noch... hier-
is ein gedicht von mir


gewitter

Blicke schneiden den Rauch
suchen sich, ...finden
peitschen einen Tunnel durch den Dunst
reißen uns hinein
die Welt umher wird blass
der Tag fällt mir vom Leib
ist Schlacke unter kaltem Guss
du schaust in mich
greifst dir, was du siehst
......
lautlos schleichen Perlen des Taus
......
du hörst mich schrein
und meine Seele singt
......
dankbar funkeln Salzkristalle
endlich seh ich echte Farben
spüre jeden Hauch
entleert...voll Kraft
setz ich einen bebenden Fuß in den jungen Morgen

© -r-e-f-l-e-x-x- 2001

(Diese Nachricht wurde am 11.11.03 um 15:33 von reflexxx geändert.)
47. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 11.11.03 15:37

wühl und sortier
und find das hier:


Sehn & Sucht

Wenn Dir die Nacht die Augen schliesst
wachsen Dir dunkle weite Schwingen.
Du unter fest verschlossnen Lidern
-dein Blick, den Abgrund -Du geniesst,
die Beute mit gelähmten Gliedern.

© -r-e-f-l-e-x-x- 2001


48. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 11.11.03 21:48

reflexxx....das ist sprachgewaltig, das beeindruckt mich zutiefst.
ChariSMa


(Diese Nachricht wurde am 11.11.03 um 21:48 von ChariSMa geändert.)
49. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Butterfly am 13.11.03 08:51

Also jetzt will ich auch mal eines meiner Lieblingsgedichte zum besten geben. Auch wenn es ein Liedtext von den Einstürzenden Neubauten ist. Eiiiiigentlich muß man das natürlich insofern Blixa Bargeld singen hören... aber dat geht natürlich schlecht hier im Forum.

Der Kuss

Alles
was ich warf
Fing ich
Fing ich auf
Fing ich auch

Dies ist ein Kuss
Dies ist die Mündung
Dahinter der Lauf

Was ich warf
Fing ich
Fing ich auf
Fing ich auch

Dies ist ein Arm
Dies eine Schlinge
Ein Fangarm vielleicht

Was ich warf
Fing ich
Fing ich auch
Fing ich auf

Dies ist ein Leib
Dies ist ein Loch
Und Eingang zugleich

Was ich warf
Fiel - schlug Funken
-und auf
Was ich warf
Fiel - schlug auf
Und Funken

Dies war ein Kuss
Ohne Fehl
-und nackt

50. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 17.11.03 12:06

                   Sehnsüchte
Liebling du bist der Mittelpunkt meiner Träume und bringst mein Blut zum Kochen.
Wie gerne hätte ich dich jetzt in meinen Armen gehalten und deinen warmen Körper gespürt.
Ich verzehre mich vor Sehnsucht und meine Gedanken gehören nur dir.
Könnte ich doch noch einmal deine weichen Lippen auf meinen heißen Lippen spüren, wie du deine Zunge an meine reibst und in meinen Mund eindringst.
Ich spüre deine Wärme und deine Erregung und wie du dich in meine Arme windest.
Du bist bereit dich mir zu unterwerfen und dich in meine Hände zu begeben und ich werde dich nicht enttäuschen.
Deine geheimsten Wünsche werde ich dir erfüllen
und es genießen, wie du hilflos deine Liebe heraus
schreist.
Meine Sklavin lasse den Tag wahr werden, wann wir uns vereinigen können.
                        ICH LIEBE DICH
DD Michael



(Diese Nachricht wurde am 17.11.03 um 12:06 von mister geändert.)
51. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 17.11.03 14:51

hab das gedicht noch als soundfile gefunden... quasi selbst vorgelesen )http://soiroom.hyperchat.com/grenzer/gewitter0.wav
52. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Muzolino am 18.11.03 00:29

Da ich eben bei Liebeserklärungen und "Es ist..." geschrieben, habe fällt mir natürlich die Erklärung der Liebe von Erich Fried ein.

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(C)Erich Fried


In diesem Sinne die besten Wünsche


mit verschlossenen Grüssen


Muzolino




PS: War verwundert diese Zeilen hier noch nicht vorzufinden und musste es dann einfach hier reinstellen.
53. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Muzolino am 18.11.03 00:33

@reflexxx

... das "Gewitter" war auf meinem Notebook auch bei voll aufgedrehter Lautstärke nur ganz leise zu hören und kaum zu verstehen.

Schade, denn die kurzen Bruchstücke über Blitze, die ich doch vernehmen konnte, erwecken die Lust das ganze zu kennen.

Vielleicht gehts doch auch für "Nur-Leser"?

Danke und verschlossene Grüsse


Muzolino
54. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 18.11.03 13:20

Hier für einen ganz ganz starken Würmerfreak.....
...Der/Die weis schon wer gemeint ist....
*bg*


Ein Wurm wollt nicht mehr länger liegen
und immer bloß am Boden kriechen,
er wollte endlich einmal fliegen
und auch mal Freiheitsdüfte riechen.

Da kam ein Vogel angeflogen,
der Wurm hatt keine Zeit zu fragen,
er wurde aus dem Gras gezogen
und landet -schwups- im Vogelmagen!

Der Wurm kroch durch das Darmsystem
blickt bald zum Hinterteil hinaus.
Oh, wie ist fliegen doch bequem,
ach so sieht das von oben aus!

Und wird der Vogel nicht zu fett
und kann sich weiterhin noch tragen,
dient er noch heut als Jumbo-Jet
mit einem Passagier im Magen.






Ein Würmlein war recht angetan
von dem Gesang der Meise,
die dort auf dem Zweige saß.
Und unter jeglichen Gefahr n
hört es ihr zu ganz leise,
bis sie ihn fraß.


Ich bin der Wurm !
Doch wer ist Sie ?


...und hier noch eine sanfte Anspielung auf ein "Uraltthread" von mir und einem Kommentator


Ein Wurm, mit Namen Kasimir,
der wollt Anhalter sein,
drum schrieb er "AN" auf ein Papier
und hielt es fest, wie fein!



Breitgrinsende und immer wieder kichernde Grüße
auch wenn ich mal wieder, wie so oft von den Meisten nicht verstanden werden werde.

stephan

P.S.:
Die "Gedichte" sind übrigens von
Dagmar Moldenhauer
geklaut und hoffentlich ohne Ahndung hier veröffentlicht.





(Diese Nachricht wurde am 18.11.03 um 13:20 von living_and_laughing geändert.)
55. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 18.11.03 14:49

Träume
Ich höre den Wind über die Felder rauschen.
Golden leuchtet der Raps in der Frühlingssonne.
Die Wellen glitzern auf dem Meer wie Diamanten und der Duft des Waldes betört meine Sinne.
Mein Liebling spürst du meine Wärme?
Du bist bei mir und doch so fern.
Ich liege auf einer Wiese voller Blumen und spüre deinen heißen Atem, als du dich langsam über mich beugst und mir einen leidenschaftlichen Kuss schenkst.
Deine Hände glühen, als sie meinen Nacken massieren und du mir über meinem vom Wind zerzaustem Haar streichelst.
In der Ferne ruft der Kuckuck und über uns kreisen die Möwen.
Ich spüre wie du Zitterst, ist es der Wind der über unsere nackten Körper streicht oder sind es meine Hände die dich zärtlich Massieren?
Liebling; es sind nur noch wenige Tage wo wir uns vereinigen.
Lasse unsere Träume wahr werden
ICH LIEBE DICH
DD Michael
56. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Aurora am 18.11.03 19:15


Das Unfassbare
nicht zu begreifende
mit keinem Wort zu beschreibende
ist geschehen

ich liebe...

Stürme überrollten mich
und ich wurde in
millionen Teile gerissen
meine Welt die ich kannte
war nicht mehr

und wie ein lautloser Schauer
setzte ich mich neu zusammen
und erst jetzt
ist alles
richtig sortiert.

so wie ich wohl
gedacht war

in Liebe

Cherie
57. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 19.11.03 10:34

Komm heim, komm heim,
ich kann s nicht erwarten.
Schon schließt der Abend die Blumen im Garten,
schon wird der Boden zu Füßen mir rot,
die letzte Flamme der Sonne verloht.
Die Bäume erschrecken, der Wind geht nach Haus.
Meine Gedanken strecken sich nach Dir aus.

Max Dauthendey
58. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 20.11.03 23:08

Mit besonderer Sorgfalt ausgesucht für unseren Witzbold Stephan!

ANIMALEROTICA

Der NASENBÄR sprach zu der Bärin:
»Ich will dich jetzt was Schönes lehren!«
Worauf er ihr ins Weiche griff
und dazu »La Paloma« pfiff.

Die DÄCHSIN sprach zum Dachsen:
»Mann, bist du gut gewachsen!«
Der Dachs, der lächelte verhalten,
Denn er hielt nichts von seiner Alten.

Der Förster, der grad Möhren dörrte
und dabei ein Röhren hörte,
sprach: »Wer den HIRSCH beim Röhren stört,
der eben in den Föhren röhrt,
dem schlag ich meine Möhren
achtkantig um die Ohren.«

Der BÄR schaut seinen Ziesemann
nie ohne stille Demut an.

Der MOPS hat seinen Zeugungstrieb
ganz schrecklich gern und furchtbar lieb.

Das Vorspiel nahm den HENGST so mit,
daß er geschwächt zu Boden glitt.

Der WAL vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.

Zu Nachtzeit faßt der KORMORAN
zu gern die Kormoranin an,
die dieses, wenn auch ungern, duldet,
da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.

Der HABICHT fraß die Wanderratte,
nachdem er sie geschändet hatte.

Der PELIKAN steht wie gelähmt,
nie hat ihn jemand so beschämt,
wie jener feiste Kolibri,
der ihn des Pubertierens zieh.

In Köln, da können sich die DOHLEN
selbst auf dem Dom ein Liebchen holen.

Zum Adler sprach die GABELWEIHE,
daß sie auf seinen Nabel speie,
nähm er nicht sofort seinen Schnabel
aus ihrer frischgekämmten Gabel.

Im Kurbordell von Königstein
ist jeden Samstag Tanz.
Dort treten sieben MÄUSCHEN
ohn Unterlaß und Päuschen
der Katze auf den Schwaha,
der Katze auf den Schwanz.


Robert Gernhardt
59. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 21.11.03 08:29

....ich find s ja ganz nett und lustig, aber Du zerstörst ja damit ganz arg ChariSMa s Gefühls- und Dusel- Welt, so im Vergleich/Gegensatz zu mir, scheinst Du ja in diesem Bereich mehr auf Ihrer Wellenlänge zu liegen.
Wenn Du DA mal nix unwiederruflich kaputtmachst *grins*
Ermahnender Zeigefinger
stephan
60. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 21.11.03 08:42

....jetzt noch mal als Gedichtversuch:

Der Fabian als Storywriter,
der wurd geschätzt und war ganz heiter.
Doch schrieb er ab, ein wüst Gedicht,
das kostete sein Augenlicht.
Denn ChariSMa, die mit viel Herz,
verteilt auch gerne ihren Schmerz,
den sie bei manch Gedicht empfindet,
daß Ihr so jeder Sinn entschwindet,
wo sonst Sie voll Humor und Lachen,
läßt Sie es richtig kräftig krachen.
Mit Donner, Blitz und Wolkenmacht,
hat Sie es jedem beigebracht,
wer Witze schreibt bei Lieb Gedichten,
den wird SIE, sonst NIEMAND Richten.
Drum Fabian sei vorgewarnt,
Ihr Zorn verfolgt Dich ungetarnt.


stephan
*zitterzitter*
61. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 21.11.03 18:40

Hier kommt Sperberhaftes, speziell für Stephan, den oberbayrischen Sperber, der gerne auf ChariSMa herumhackt: *g*


BEMERKUNGEN ÜBER DEN SPERBER

Des Sperbers Leben hängt am Faden,
entdeckt er unterm Pürzel Maden.

Hängt wo ein Schwert, so wittert es
ein Sperber namens Damokles.

Ein Sperber, der gern Fisch massiert,
wird um die Morgenstund kastriert;

es sei denn, er massierte Aal -
Aal ist dem Kastrateur egal.

Der Sperber, trägt er Damenbinden,
ist äußerst schwierig aufzufinden.

Der Sperber den Kaplan gern neckt,
indem er den Altar versteckt.

Es schwor der wüste Rummelhammel,
daß er alsbald die Hummel rammel .
Der Sperber, bei dem Hammelrummel,
bestieg derweil die Rammelhummel.

Der Sperber zwickt das arme Frettchen
bisweilen roh ins Morgenlättchen.

Ein Sperber, der gern Watte frißt,
weiß nie genau, wie satt er ist.

Der Sperber ist schon eine Last
als nekrophiler Trauergast.

Dem Sperber geht die Frau des Otters
gern an die Eier; ob des Dotters;
und war der erste Schuß mal schlecht,
läßt er sie an sein Zweitgemächt.

Er spricht, droht Ejakulation,
der Sperber matt: »Ich komm ja schon.«

Ein Sperber mit Analneurose
verscheißt oft die Pyjamahose.

Der Sperber ist beim Liebesspiel
nicht nur igal, nein auch frovil.

Ein Sperber, der sein Schamhaar scheitelt,
gilt bei den Seinen als vereitelt.

Der Sperber auf der Kirchenglocke
spürt oft Vibrieren in der Socke.

Ein Sperber; der vom Rocke singt,
oft nur mit einer Socke ringt.

Ein Sperber, der im Kreißsaal krähte
bis man ihm das Gebiß vernähte,
schiß drauf der Kreißenden aufs Vlies,
daß sie erstank, während sie kriß.

Der Sperber hat, an Kant geschult,
sich oft im Loch An Sich gesuhlt,
doch brachte Cunt ihm mehr Plaisir.
Heut suhlt er sich im Loch An Ihr.

Gisbert Haefs

(Diese Nachricht wurde am 21.11.03 um 18:40 von Fabian geändert.)
62. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 21.11.03 19:49

Oh, Oh....
ChariSMa-tische....
....bevor Du mich zur Unperson erklärst, möchte ich zumindest betonen, daß ich Dich vielleicht, eventuell, unter gewissen Voraussetzungen, usw., usf., als Gefühls"duselig", oder schöner ausgedrückt, als, in und an Gedichten schmelzend, aber NIEMALS als dusselig, dumpfbackig oder ähnliches ansehen würde und werde.
Außerdem bin ich der Ansicht bis Überzeugung, daß meine geäußerte, zarte, fast unsichtbare Anspielung nicht dazu geeignet ist, geschweige denn geeignet sein sollte, Deine "Ernsthaftigkeit" hier einzuschränken.
Ich bin hier nicht maßgebend, will es auch gar nicht sein und ich bin der Meinung, daß Du hier reichlich positive Resonanz erhalten hast, Deinen hier beschrittenen Weg weiterzugehen.
Ohne Dich an gelegentlich geäußertem Sarkasmus, oder eventuell empfundenen Zynismus zu stören.

....und Fabian
ich möchte mich bei ChariSMa,

obwohl ich sie sehr schätze, gerne habe, gar verehre,

nicht einschleimen, aber

Den Sperber
find ich einfach nur Scheiße!

wenn ich mir vorstelle, daß solches, anscheinend auch noch erfolgreich, veröffentlicht wird, dann kann ich nur verwundert den Kopf schütteln.

Der Sperber
ist für mich nicht witzig,
sondern nur peinlich.

Jetzt ist die Frage angebracht und hiermit gestellt:

Wurde dies von Dir veröffentlicht weil Du Parallelen zwischen diesem Vogelgedicht und mir siehst
Dann müßte ich mich wohl sehr tief in mich versenken und Vieles bis Alles von mir überdenken, denn eigentlich finde ich mich nicht Scheiße!

....und ich hacke auf allem und jedem herum, aber am wenigsten bis gar nicht an und auf ChariSMa, geschweige denn in Ihr!!!
...um etwaigen unwahrscheinlichen Gerüchten vorzubeugen.

Hiermit warte ich gespannt auf Antwort(en)
stephan

63. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Butterfly am 21.11.03 20:40

Leute, Leute,
kaum guckt man mal weg, schon beharken sich die Leute mit den merkwürdigsten Gedichten und Animositäten.
Immerhin muß man L&L doch lassen, daß er in der Lage ist zwischen duselig und dusselig zu unterscheiden, das (sic) ist doch eine hohe Kunsst.

Wenn ich jetzt irgendwelches Talent besäße, mir Gedichte auszudenken, würde ich jetzt irgendwas über KinderGarten, SonnenbluMen und Friede auf Erden texten.

Vielleicht ist die Sache mit dem oberbayerischen Sperber von Fabian auch einfach nur zu subtil, als daß ich die Beleidigung dabei verstehen würde.
Kann mich jemand aufklären? (Nein, nicht über Bienchen und Blümchen, das weiss ich schon...)

Butterfly
64. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 21.11.03 20:48

Hey, Nimmerländer,
Ich hatte Dich und Deine trocken-pragmatischen Bemerkungen schon vermisst ... good to have you back again ...
ChariSMa
65. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 21.11.03 20:52

Liebe Leute ....
...und auch geschätzter Fabian
wieder mal
durch ChariSMa angeregt, las ich meinen Beitrag unter dem versuchten Blickwinkel eines Aussenstehenden, sprich als würde DER lesen, was ich schrieb.
...und es stimmt, meine Worte kommen hart und feindseliger rüber, als sie gemeint oder gedacht sind und waren.
Wenn ich hier "in Live" gesprochen hätte, so hätte man meinen Grundton der Ironie gehört.
Ich fühle mich weder persönlich verletzt oder angegriffen, sondern wollte zwar spöttisch, aber weder verletzend noch angreifend "antworten"

Dies ist mir,
(Asche auf mein Haupt)
nicht gelungen.

Auch wenn mir Dein zitiertes Werk,
oh Fabian, Du (normalerweise) Meister des Wortes,
immer noch nicht besonders gefällt, hoffe ich doch so wenigstens ein bisschen die Notbremse ziehen haben zu können.

Obwohl Spottdrossel, war mein Spott hier wohl gedrosselt
-bis unsichtbar.

Um Gottes Willen
will ich mich weder hier, noch anderswo on Board
entzweien, -dreien, -zwittern, oder gar -ziehen
(höchstens lassen).

ChariSMa Du sanfte Frau der ziehenden Winde....
...die knorrige Eiche verneigt sich.

...und Fabian
ich hoffe, daß jetzt Du nicht irgendwas ins falsche Hälschen kriegst.

Freedom and Peace
in Spirit, Mind and Body(-odeur)

stephan


66. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 21.11.03 21:37

Um wieder a bisserl besser ins Thread zu passen:


Hallo Fabian ich schrieb,
ganz schön hart und gar nicht lieb.
Könnt st Dich angegriffen fühlen,
durch mei Worte, den nicht kühlen.
Hitzig scheinen s da zu stehen,
denn ich ließ mich etwas gehen.
Doch gemeint war n sie nicht bitter,
denn Du bist ChariSMa s Ritter.
Auch ICH lernte Dich zu schätzen,
also lass mich etwas schwätzen,
nimm s nicht krumm, was ich da schrieb,
denn ich habe Dich DOCH lieb.
Butterfly ruft K-inder-G-arten,
lasse das jetzt nicht ausarten,
nehme diese S-onnenblu-M-en,
gib mir Kerne und auch Krumen,
dass es Friede wird auf Erden,
und wir alle besser werden.
Puh echt mühsam wird es jetzt,
darum noch zu guter letzt,
Fabian sei großmütig
darum ich dies für Dich schrieb.


stephan
67. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 21.11.03 22:46

Hallo Stephan,

sah keine Parallelen zwischen dem Vogelgedicht und Dir, sondern dachte nur, DU hättest besonderen Spaß an dem Wortwitz in diesen Limericks. Aber so kann man sich vertun. Und: speziell den oberbayrischen Sperber nehm ich ausdrücklich zurück, denn der hat ja wohl zur Mißdeutung Anlass gegeben. Und dass Du auf ChariSMa herumhackst, war auch nur in Bezug auf Deine kleinen Wortsticheleien dann und wann gemeint.

Nette Grüße ......... Fabian

P.S.: Mal was gaaanz Positives: Du bist der einzige bislang hier, der gekonnt mehrere eigene Gedichte ins Board gestellt hat.
68. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 21.11.03 23:05

Fabian....
...hier nochmal abschließend:

Ich habe weder am Sperber noch am Oberbayerischen Anstoß genommen, denn ich bin ja selber mal deftig mit der Wortwahl und bin der Meinung wer "austeilt" muß auch "einstecken" können. (auch und gerade wenn er nicht Homo is (..wegen "einstecken" und so *g*)

Aber während mir Animalerotica noch einigermaßen gefiel, war in meinen Augen außer dem ersten Vers vom Sperber gar nix gefällig.
Nur soo krass wie s im Nachhinein dann rüberkam war s wirklich nicht gemeint.
Also beerdigen wir das Ganze als Milchsüppchen das etwas hochkochte und Dank ChariSMa s Küchenhilfe schnell wieder behoben war.

...und eeeeendlich wird mal meine Reimerei gewürdigt.
Sonst war ja bisher weder Kritik noch sonstiges zu hören und wir Bayern vertragen alles, außer übergangen zu werden.
Ich wollte schon zum Ganges reisen, deswegen.

...aber ob s gekonnt oder ge-rausam war, will ich jetzt selber mal lieber nicht beurteilen. *g*

Nette Grüße,
mit den besten Wünschen
stephan

69. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Aurora am 22.11.03 00:12

Eure Kinder sind nicht eure Besitz.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.

Ihr könnt ihren Körpern ein Zuhause geben,
aber nicht ihren Seelen,
denn ihre Seelen wohnen in dem Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.

Wenn ihr wollt könnt ihr euch bemühen,
zu werden wie sie,
aber ihr dürft sie nicht dahin bringen wollen, zu werden wie ihr.

Denn das Leben geht nicht rückwärts und
hält sich nicht auf beim Gestern.

Kahlil Gibran
70. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Gast träumerin am 23.11.03 14:46

für dich...

deine liebe,
sie wärmt mich, wie die sonnenstrahlen.
deine liebe,
sie schützt mich, wie ein haus mit dicken mauern.
deine liebe,
sie streichelt mich, wie ein lauer sommerwind.
deine liebe,
sie stärkt mich, als hätte ich eine hundertschaft ritter hinter mir.
deine liebe,
sie erfrischt mich, wie ein sanfter frühlingsregen.
deine liebe,
sie fesselt mich, wie es die schönste bondage nicht könnte.
meine liebe,
das bist du.

deine träumerin

71. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 24.11.03 22:48

Moin moin

Liebhaber der Dichtkunst mögen für die nächsten Zeilen ihre Kenntnisse über Versmaß und andere Zutaten vergessen.

oxymoron


Freitag Abend

Freitag Abend, kurz vor zehn,
höchste Zeit, nun aufzustehn.
Sie zwängt sich ins schwarze Leder
denn dann sieht auch später jeder
in dem kleinen, feinen Club,
wer ist Domme und wer ist Sub.

Schnell jetzt in die große Tasche,
doch nicht etwa eine Cola-Flasche,
sondern Peitschen, Gerten, Seile
werden dann in aller Eile
eingepackt und zugedeckt,
vor and’ren Augen gut versteckt.

Ab geht’s schnell und munter
Türe zu und Treppe runter
zu dem blauen Auto hin
ist nicht Diesel, nein, Benzin.
Durch die Stadt geht es dann
und am Steuer sitzt der Mann.

Neben ihm die schwarze Frau,
haut ihn grün und blau,
aber nicht im Auto drin,
denn enorme Disziplin
gilt nicht nur beim Chauffieren
auch dort weiss er zu parieren.

Auf dem Parkplatz vor dem Club
öffnet dann galant der Sub
untertänigst alle Türen
sonst wird er es bald spüren
was es heisst zu schludern
Buckeln dann statt Armerudern.

Drinnen in der kleinen Kammer
entkleidet ohne jeden Jammer
er sich schnell und leise,
denn sonst wird auf ihre Weise
nachgeholfen mit der Hand
die ihm ja so wohlbekannt.

Er bereits mit schwarzer Fessel
sie noch im bequemen Sessel
kommt er dann, den Kopf gebeugt,
kriechend auf sie zu und zeigt
die Hände auf dem Rücken,
ihr Blick beweist Entzücken.

Auf dem Strafbock, quälend
langsam vorwärts zählend
gibt’s die ersten Hiebe
die sie ihm mit Liebe,
aber auch mit Härte
verabreicht mit der Gerte.

Und die Peitsche mit den Riemen
zaubert lauter schöne Striemen.
Nicht gemalt, nein, das sind echte.
Erst die Linke, dann die Rechte
beide Backen müssen leiden
sind nicht zu beneiden.

Von dem Bock dann losgeschnallt,
wird ihm wieder heiß und kalt,
als sie sagt „Nun strecke
die Arme hin zur Decke“.
Und die Hände überm Kopf
hängt er da, der arme Tropf.

An den Warzen kleine Klammern
fängt er doch noch an zu jammern.
Mit Gewichten in der Mitte
sagt er leise „bitte, bitte“
sie aber bleibt ganz einfach stur
ja, sie lächelt lieblos nur.

Trotz der Schmerzen hält er still
denn das ist es, was sie ja will.
Auf den Spitzen seiner Zehen
kann er kaum noch stehen,
doch sie kennt kein Erbarmen
höher noch die Stange mit den Armen.

Die Beine gespreizt mit einer Stange
doch nicht die kurze, nein, die lange.
In der Luft sind nun alle Teile
und dort bleiben sie ´ne Weile.
Dann geht’s nicht mehr so munter
langsam auf den Boden runter.

Mit dem Rücken auf die Bank,
endlich ausruhen, Gott sei Dank.
Doch dann wird es ihm bewusst,
als Sie dreht mit aller Lust,
die Bank wird lang und länger
sein Betteln bang und bänger.

Sie löst Fesseln und auch Seile,
schön langsam, ohne Eile
denn die Session ist vorbei
und nun fahren diese zwei
ganz allein zu sich nach Haus
und toben sich noch einmal aus.
72. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 25.11.03 05:53

DA...hast Dir richtig Arbeit g macht,
und herzlich habe ich gelacht.
stephan

73. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Butterfly am 25.11.03 08:26

@oxy
*wild die Hand schüttel*
Was habe ich gelacht! Bist du bei W. Busch in die Schule gegangen?
Allein das "lang und länger -- bang und bänger" kenne ich bereits von genau obengenanntem *drohender Zeigefinger* (Rabe Huckebein?)
Besser aufpassen, was solche Klauereien angeht . Aber das tut dem keinen wirklichen Abbruch.

Grinsend
Butterfly
74. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 25.11.03 11:29

das ist ja süß ... hat irgendwie Bütten-Qualität...

Nur ganz selten sieht man rare
feminine Exemplare
so wie unserere Witwe Bolte,
die jetzt Domina werden wollte ....
Tärääää tärääää tärääää

Ist Euch aufgefallen, dass Butterfly neuerdings ständig Hände schüttelt? Will er Präsident werden, oder was?

ChariSMa
75. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von seamaster am 25.11.03 12:12

Naja, man könnte es auch so verstehen, dass er wild "SEINE" Hand schüttelt - was auch immer er dann darin hält...

Tribute to Billy the Clinton
76. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von living_and_laughing am 25.11.03 12:15

....und ich dachte BW sei keine Karnevalshochburg.
...hast ja echte Büttenredenschreiberqualitäten mein ChariSMa le

...und ich habe den leisen Verdacht, daß Butterfly Hände schüttelt, weils untenrum versperrt wurde und er DA jetzt nicht mehr schütteln kann. *g*

Aber er ist das Schütteln schon soo gewohnt, a la Pawlow scher Reflex, daß er sich jetzt eine anderweitige Lösung geschaffen hat.
Und wie immer...
...genial gelöst.

Liebe Grüße
Stepjan Russkowitsch

77. Schlaflosigkeit

geschrieben von seamaster am 26.11.03 08:52

Seit Stunden liege ich wach
Und mache mir Gedanken
Quälende Gedanken
Zu viele Gedanken…?

Über mich
Über dich
Über uns
Über das Sein

Der Gedanke an die Unendlichkeit bedrückt mich
Die Unendlichkeit der Zeit
Die Unendlichkeit des Raums
Wo liegt der Ursprung für die Existenz?

Nicht messbare Dinge existieren nicht!
Existieren Gefühle?
Existieren wir?
„Ich denke, also bin ich…!“ – ist das so?

Kannst du nicht schlafen?
Was ist es diesmal?
Das Universum…
Es war einfach schon immer da!

Ich höre ihren Atem
Ich höre die brüllende Stille
Vielleicht ist alles ganz einfach
Vielleicht werde ich es irgendwann verstehen…
78. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 26.11.03 23:09

Königin von Samarkand

           Mein Herz ist rot, mein Blick ist blau.
           Ich bin die Herrin unter allen Fraun.

           Mein Haar ist schwarz wie Pantherfell.
           Ein Sub ist mein liebster Gesell.

           Schneeweiß ist meine feste Hand.
           Ich bin die Fürstin von Samarkand.

           Viel Muselmanen sind die Sklaven mir,
           Auch Elefant und Gürteltier.

           Willst du mir dienen stark und treu,
           So sollst du mir willkommen sein.

           Zehn Jahre Fron - als Lohn dir winkt
           Ein Lächeln von der Königin.

frei nach Klabund (1922)

(Diese Nachricht wurde am 26.11.03 um 23:09 von Fabian geändert.)
79. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 30.11.03 21:49

Hier nun ein paar Limerick-ähnliche Verse:

oxymoron

---

Ein Sub, der kam aus Lehrte,
man schlug ihn mit der Gerte,
und lag er auf dem Bock,
dann gab’s was mit dem Stock,
bevor man ihn einsperrte.

---

Ein Dom mit Namen Klaus,
der zeigte seiner Subbiemaus,
die hing schon in den Fesseln,
das Brennen grüner Nesseln,
die dort wuchsen hinterm Haus.

---

Ein blonder Kraftprotz aus Wiehl,
der merkte dann beim Liebesspiel,
die breiten Fesseln, diese weissen,
die konnt’ man nicht zerreissen,
die blieben dran, solang’ es ihr gefiel.

---

Ein Seestern lag am kalten Ostseestrand,
bis ein Spaziergänger ihn endlich fand.
Der drehte ihn bald hin, bald her
und warf ihn dann zurück ins Meer.
Der Seestern kam wieder und wartet auf die nächste Hand.

---

Gefesselt werden mit den Ketten,
nicht nur Schmale, auch die Fetten.
Abgewickelt wird da mancher Meter,
ohne Rücksicht auf Gezeter
und das bleibt auch so, wetten?

---

Die Dame kam aus Degerloch,
hob den kleinen Finger hoch,
lag dort auf dem Tigerfell.
Dann ging alles blitzeschnell
der Sklavenhintern weiss es noch.

---

Die Sklavin Ann aus Siegen,
wollte ihren Dom rumkriegen.
Bekleidet nur mit einem String,
hing sie dort im Sling,
statt im Bette brav zu liegen.
80. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 03.12.03 19:48

Dunkle Nacht, fahles Licht,
eine Stimme leise spricht:
Es gibt kein Entrinnen,
denn tief in Dir drinnen
spürst Du das Verlangen.

Keine Fessel bräuchte ich,
allein der Wunsch, er hielte Dich,
mir zu dienen alle Zeit,
demütig stehst Du bereit,
wartest ohne Bangen.

Die Kälte spürst Du kaum,
hier im Wald an einem Baum,
mit dicken Seilen fest gebunden,
wird Dein Körper dann geschunden
mit einer langen Gerte.

Langsam erst und träge
treffen Dich die Schläge.
Später dann ein wenig schneller,
der Morgen graut, es wird schon heller
kommen sie mit ganzer Härte.

Gehalten von den Seilen
musst Du noch verweilen.
Hast geschrieen früh um sieben
nur ein Stöhnen ist geblieben,
am Ende der gemeinen Hiebe.

Von den Seilen dann befreit
schlendern wir zu zweit
in den neuen, jungen Morgen.
In meinen Armen fest geborgen
gestehst Du Deine Liebe.


oxymoron
81. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 06.12.03 16:40

Fast schon ein wenig zu spät ...

oxymoron


Auch wenn es noch nicht schneit,
ist es nun so weit.
Im Dezember, wie in jedem Jahr
spannt er an die Rentierschar.

Der Nikolaus, der Gute
fährt mit ’nem Sack aus Jute
heute eine kleine Sondertour
und besucht die SMler nur.

Domina und Sub
trifft er dort im Club,
der Sub liegt auf dem Bock
und braucht ’nen neuen Stock

Leicht gefärbte Riemen
malen bunte Striemen,
Peitschenhiebe ohne Reue,
die alte weg, jetzt kommt die neue.

Für den Dom gibt’s frische Nesseln,
and’re Leute brauchen Fesseln
extra schwarz und extra breit
für das schöne Spiel zu zweit.

Die sanfte Domina aus München
die konnt’ sich auch was wünschen
bekommt zwei neue Gerten, extralange
und zum Spreizen eine Stange.

Weiche, lange Baumwollseile
holt er langsam, ohne Eile,
aus dem Sack, im fahlen Licht
denn den Nik’laus hetzt man nicht.

Gummi, Lack und Leder,
erfreut ist heut’ fast jeder,
weinend steht dort nur die Ute
denn für sie gab’s keine Rute.
82. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 06.12.03 20:19

Sehr schön, Oxy ...
So was hält das Forum zusammen!

Zu Weihnachten wünsch ich uns ebenfalls ein passendes Gedicht aus Deiner Künstlerfeder.


Viele Grüße ........ Fabian
83. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 14.12.03 22:56

Auf dem Bauch, da liegst du nun
wartest auf mein Tun,
siehst die weissen Seile liegen,
die bald Deine Glieder biegen.

Hebst sie hoch, die eine Hand,
hast die Absicht wohl erkannt
Windung liegt bald neben Windung
schafft die erste, feste Bindung.

Hinauf den Arm ein Stück,
kommt der nächste Strick,
überm Ellenbogen, keine Frage
kommt nicht nur die eine Lage.

Fast, dass die Arme sich berühren,
denn Du sollst auch spüren,
in den Fasern steckt die Kraft,
die Dir nicht nur Freude schafft.

Dann hinunter zu den Beinen
werd’ ich Dir mit weit’ren Leinen,
die sich um die Knöchel winden,
die Füße an einander binden.

Von den Füßen zu den Knien
muss ich feste Stricke ziehn
die Dich daran hindern,
Deine Pein zu lindern.

Jetzt bieg’ ich Dir die grossen Zehen,
da hilft kein Jammern und kein Flehen,
fast hinunter bis zum Po,
denn ich, ich will es so.

Und die Haare auf dem Kopf
bind’ ich dann zum Zopf,
flechte Seile mit hinein,
zieh’ sie runter bis zum Bein.

Hoch erhoben ist der Kopf,
zeigt den langen, blonden Schopf,
ein Ball, der öffnet Dir den Mund,
dick ist er und rot und rund.

Töten könntest Du mit Blicken,
fest umgeben von den Stricken,
doch es bleibt bei dem Versuch,
denn vor die Augen kommt ein Tuch.

Minuten werden schnell zu Stunden,
noch immer bist Du fest gebunden,
und während ich die Fesseln löse,
trifft mich Dein Blick, der bitterböse.

Lange hast Du hier gelegen,
konntest Dich auch kaum bewegen,
auch wenn es viele gibt, die and’res denken,
nur Dir will ich meine Liebe schenken.


oxymoron
84. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 13.01.04 23:34

Einsam in der Dunkelheit
Stille umgibt Dich
Allein mit Deinen Gedanken
die Dich umkreisen

Vergangenheit
Gegenwart
Zukunft
verwoben durch ein unsichtbares Band

Verschlungene Wege
schwankende Brücken
steile Pfade, bergauf, bergab
unlesbare Wegweiser

Eine Reise ins Ungewisse
Unbekannte Länder
fremde Hände greifen Deine
kann man ihnen vertrauen?

Millionen Punkte am Firmament
eine Sternschnuppe stürzt herab
Zeit sich etwas zu wünschen
vielleicht geht es in Erfüllung

Die Gedanken kehren zurück
Regen prasselt an Dein Fenster
Du entzündest ein Holzscheit
und das Dunkel weicht von Dir.


oxymoron
85. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Felix am 02.03.04 20:02

Das graue Haar

Ein welkes Sommerblatt fiel mir zu Füßen
- Dein erstes graues Haar. Es sprach zu mir:
Mai ist vorbei. Der erste Schnee läßt grüßen.
Es dunkelt schon. Die Nacht steht vor der Tür.

Bald wird der Sturmwind an die Scheiben klopfen.
Im Lindenbaum, der so voll Singen war,
Hockt stumm und düster eine Krähenschar.
Hörst Du den Regen von den Dächern tropfen?

So sprach zu mir das erste graue Haar,
Da aber ward ich Deinen Blick gewahr,
Da sah ich, Liebster, lächelnd, Dich im Spiegel
Du nicktest wissend: Ja, so wird es sein!

Und Deine Augen fragten mich, im Spiegel,
Läßt mich die Nachtigall im Herbst allein?
Und meine Augen sagten Dir, im Spiegel:
Kommt, Wind und Regen, kommt. Wir sind zu zwein.

Das graue Haar, ich suchte es im Spiegel.
Der erste Kuß darauf, das war mein Siegel.

Mascha Kaleko

(nach der Statistik des PEN die nach Goethe meistverlegte deutschsprachige Lyrikerin)

Grüße von

Felix (schon länger M.-K.-Fan)

86. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 05.03.04 17:26

Verschwiegene Liebe

Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein -
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.

Errät es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht
Als die Wolken, die fliegen -
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.

Joseph von Eichendorff
87. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Felix am 12.03.04 19:56

Über die Verführung von Engeln

Engel verführt man gar nicht oder schnell.
Verzieh ihn einfach in den Hauseingang
Steck ihm die Zunge in den Mund und lang
Ihm untern Rock, bis er sich naß macht, stell
Ihn das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
Und fi**k ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen
Dann halt ihn fest und laß ihn zweimal kommen
Sonst hat er dir am Ende einen Schock.

Ermahn ihn, daß er gut den Hintern schwenkt
Heiß ihn dir ruhig an die Hoden fassen
Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen
Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt —

Doch schau ihm nicht beim fi**en ins Gesicht
Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht.


Bertolt Brecht

88. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 13.03.04 11:25

Schon seit Tagen laufe ich mit dem Bedürfnis herum, das folgende - recht hermetische - Gedicht ins Forum zu stellen. Es ist eines meiner absoluten Lieblingsgedichte und hat nichts - oder nur sehr, sehr gewollt interpretiert - mit dem Themenkreis Liebe, Erotik, Sexualität zu tun, eher mit dem, was ich in meinem Beitrag zum Thread "Fastenzeit" (Board: Erfahrungen von Männern) anklingen ließ.


Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
aber wie klein auch, noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du`s?
Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl
einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann
und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewußtseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. - Aber
ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens ....

Rainer Maria Rilke


(Diese Nachricht wurde am 13.03.04 um 11:25 von bluevelvet geändert.)
89. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 14.03.04 06:44

Es winkt zu Fühlung fast aus allen Dingen,
aus jeder Wendung weht es her: Gedenk!
Ein Tag, an dem wir fremd vorübergingen,
entschließt im künftigen sich als Geschenk.

Wer rechnet unseren Ertrag? Wer trennt
uns von den alten, den vergangnen Jahren?
Was haben wir seit Anbeginn erfahren,
als daß sich eins im anderen erkennt?

Als daß an uns Gleichgültiges erwarmt?
O Haus, o Wiesenhang, o Abendlicht,
auf einmal bringst du`s beinah zum Gesicht
und stehst an uns, umarmend und umarmt.

Durch alle Wesen reicht der e i n e Raum:
Weltinnenraum. Die Vögel fliegen still
durch uns hindurch. O, der ich wachsen will,
ich seh hinaus, und i n mir wächst der Baum.

Ich sorge mich, und in mir steht das Haus.
Ich hüte mich, und in mir ist die Hut.
Geliebter, der ich wurde: an mir ruht
der schönen Schöpfung Bild und weint sich aus.

Rainer Maria Rilke


(Diese Nachricht wurde am 08.03.04 um 16:06 von bluevelvet geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 14.03.04 um 06:44 von bluevelvet geändert.)
90. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 25.03.04 20:45


Linguistik

Du mußt mit dem Obstbaum reden.

Erfinde eine neue Sprache,
die Kirschblütensprache,
Apfelblütenworte,
rosa und weiße Worte,
die der Wind
lautlos
davonträgt.

Vertraue dich dem Obstbaum an
wenn dir ein Unrecht geschieht.

Lerne zu schweigen
in der rosa
und weißen Sprache

(Hilde Domin)
91. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 25.03.04 22:07

Vom Hinstarren müd,
ich weiß nicht warum, voller
Sehnsucht mein Herz:
Auf zerflatterten Wolken
am Himmel Abenddämmrung.

Minamoto Michimitsu
(1187 - 124


(Diese Nachricht wurde am 25.03.04 um 22:05 von bluevelvet geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 25.03.04 um 22:07 von bluevelvet geändert.)
92. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 25.03.04 22:49

@bluevelvet,

wow ... wie schön ......

ChariSMa
93. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 26.03.04 08:09

Antwort am Morgen

Erst der
Leuchtkäfer Glühen, dann des
Mondes Schein, schließlich
der Sonne ungeborgtes Licht
selbst ...

Bluevelvet
94. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 26.03.04 16:09

@ ChariSMa
Nach deines Tages innerer Müh und Stille ...

Am Wegesrande
die Leuchtkäfer allein
sind Wegweiser mir,
einsam schreite ich hinaus
in den nachtdunklen Himmel.

Der Mönch Jakunen


"Erstausgabe": 26.03.04 um 08:06

(Diese Nachricht wurde am 26.03.04 um 08:22 von bluevelvet geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 26.03.04 um 16:09 von bluevelvet geändert.)
95. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 30.03.04 18:02

Leuchtende Leere
in der Hand.
Werde nach Punkt und Kreis jetzt Kugel!
- Wurde ich je weniger? -
Tritt hinein ...

Bluevelvet
96. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 31.03.04 18:40

Mein Liebling
Meine Gedanken sind trübe
wie der Saft in meinem Glas.
Mein Herz schreit nach Liebe.
Ist voller Unruhe und Hast.
Ist es das gleiche Loch in dem
ich gefallen bin.
Was macht das Leben ohne dich
für einen Sinn.
Lasse die Sonne wieder in unseren
Herzen scheinen.
Dann höre ich auf
Tränen des Schmerzes zu weinen.
Michael








97. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von fa445962 am 01.04.04 22:19

Liebe TeilnehmerInnen an diesem Thread:
Laßt bloß nicht nach, diese fast durchweg wunderschönen Gedichte ins Board einzustellen.
Wenn ich nahezu auch nur konsumiere, anstatt selbst auch Stücke einzubringen, seit aber dennoch versichert, daß das Lesen solcher Texte geeignet ist, einen Tag sozusagen „rund“ zu machen, einen schönen noch zu vervollkommnen, einem nicht so ganz gelungenen doch noch einen Abglanz von Schönheit zu entlocken.
Ich danke Euch für die Arbeit, die es bedeutet, die Texte einzustellen und wünsche mir noch viel mehr davon.
Jean
98. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 02.04.04 21:07

@ fa

Danke für dein motivierendes Lob. Ich empfinde auch in diese Richtung. Wenn man sich den ganzen Tag mit dem Notwendigen, Nützlichen und vielleicht noch Angenehmen beschäftigt hat, hat man ein Bedürfnis nach dem Wahren, Guten und Schönen, also dem Menschlichen!

@ ChariSMa

Wo nimmst du bloß immer diese wundervollen Liebesgedichte her? - Gefällt dir folgendes vom Weisen aus Weimar?


Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

Johann Wolfgang von Goethe
99. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 02.04.04 22:09

Frühling
Siehst Du die Blumen die am Waldesrand blühen.
Die Kraniche wie sie nach Norden ziehen.

Die Lämmer, wie sie Blöcken am Deich.
Es ist Frühling, was für eine herrliche Zeit.

Wie das Meer glitzert im Sonnenschein
und die Frühlingsblumen so herrlich gedeihen.

Alles strotzt voller Lebenskraft.
Die Natur bäumt sich auf, mit voller Macht.

Komm heraus aus dem Loch, in dem Du gefallen bist.
Ich bin bei Dir und umarme Dich
Michael




100. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 03.04.04 01:13

@ach bluevelvet, Du mit Deinem feinen Wissen um Lyrik und Sprache hast es gerade nötig *lächelt.

Und der Herr Geheimrat? Von meinem, neben dem Studium mühselig verdienten Geld als Bedienung in einem Weinlokal vor mehr als 20 Jahren, habe ich mir zuallererst die grüne TB-Gesamt-Ausgabe für damals 198.- DM gekauft ... sie ist völlig zerfleddert mittlerweile ... dennoch lässt sich in ihr auch die Quintessenz von BDSM finden:

"Alles gaben die Götter, die unendlichen, ihren Lieblingen ganz.
Alle Freuden, die unendlichen
Alle Leiden, die unendlichen, ganz."

Hier ist ein Gedicht speziell für Dich: kein Haiku und dennoch mit der sprachlich verdichteteten Knappheit eines Haikus:

In meiner Achseln Tal
Wächst die rote Vanille
Im Osten meiner Hüfte der süsse Anis
O destilliere
Aus meiner Haut die Namen des Frühlings


Ivan Goll: Malaiische Lieder

(Diese Nachricht wurde am 03.04.04 um 01:13 von ChariSMa geändert.)
101. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 04.04.04 17:46

Sie... war

Die Erste... sie hatte alle Macht
Bei ihr gab es kein Zögern.

Sie war es.

Immer alles auf eine Karte
und irgendwann alles weg.

So war es.

Ihr Dorn, noch immer in mir.. seit Jahren,
die Narbe gut verborgen.

Sie war s.

Immer mal wieder ruf ich sie an,
ihre Stimme, die Saiten in mir klingen jedesmal leiser.

Heute mal wieder... kein Anschluss...

Das war s.


© -r-e-f-l-e-x-x- 2004


102. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 04.04.04 17:49

Flut

Endlich, kein Lächeln...
Die Woge, nicht fliehen,
es bäumt sich in mir.

Es durstig umarmen
nichts hat eine Chance,
nur wir.

© -r-e-f-l-e-x-x- 2004
103. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 05.04.04 11:29

Auch wenn wir getrennt sind,
werden wir gemeinsam wachsen.
Und wir werden uns wiederfinden,
wenn der Tau des neuen Tages
unsere Seelen benetzt
und wir erneut Gestalt annehmen,
um eins zu sein im Großen Kreis.

Aus: Chao-Hsiu Chen: Der Meister. Die Suche nach dem Schatz des Lebens

104. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Felix am 05.04.04 21:14

Hallo allerseits! Hallo ChariSMa!

*tränchenabwisch*

Danke für die Grüße! *zurückwink*

Die M. K. ist doch Klasse, oder!?

"Man braucht nur eine Insel
allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen,
den aber braucht man sehr."

Grüße von

Felix

105. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 10.04.04 22:09


Der Gefangene

Hilflos wälz ich mich im Bette
Und entring mir dies Gedicht,
Rasselnd mit der Sklavenkette,
Die kein Denker je zerbricht.

Um die Hände feste Seile,
Auf dem Hintern brennt der Stock.
Nacht dehnt sich ganz ohne Eile
Und ich soll noch auf den Bock!

Dicke Ketten an den Füßen
Und mein Penis steckt im Joch.
Meine Herrin lässt mich grüßen:
„Ja, mein Sklave bleibst du doch!“


106. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 12.04.04 17:16

Lebenslauf

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger,
Doch es kehret umsonst nicht
Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heilger Nacht,
Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
Herrschet im schiefesten Orkus
Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich,
Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
Daß ich wüßte, mit Vorsicht
Mich ebenen Pfades geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern,
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will.

Friedrich Hölderlin
107. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 13.04.04 02:06

So vergänglich wie die Kirschblüte
So gering ist der Mensch
Im Gefüge der Zeit
was bleibt ist die Sehnsucht nach Liebe
für alle Ewigkeit.
Michael
108. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 13.04.04 15:54

Weine nur weine
Lass deinen Tränen freien lauf.
Denn wenn du keine Tränen mehr hast,
macht sich bei dir ein Abgrund auf.
Michael
109. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 13.04.04 22:34

Hyperions Schicksalslied

Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten.

Schicksallos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
In bescheidener Knospe,
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit.

Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Friedrich Hölderlin


(Diese Nachricht wurde am 13.04.04 um 22:34 von bluevelvet geändert.)
110. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 14.04.04 21:48

An die Geliebte

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
Dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf - da lächeln alle Sterne;
Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.

Eduard Mörike
111. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 14.04.04 22:03

Hallo Blue
Ich bin erstaund wie du und Gina immer wieder schöne Gedichte findet. Macht weiter so
Liebe Grüße
Michael
112. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 14.04.04 22:47

Hö, Hö,

Hölderlin, so hieß mein letzter Deutschlehrer bei uns Schülern. Komisch, wieso mir das jetzt nach langer Zeit wieder einfällt ... War seinerzeit unter uns kulturbanausigen Schülern eher Spott, aber wenn ich ehrlich bin, war’s auch das ehrfürchtige Eingeständnis, so einen weltabgewandten Eremiten nie und nimmer verstehen zu können.

Bevor es hier mit so schwerer Kost weitergeht, ein Griff in die frühromantische Lyrik für Liebhaber deftiger Kost und für Fans von SF-Dichtung:

Friedrich Schlegel (1772 - 1829)

Ich wurd erlöst zum Weltweib umgeschaffen,
Des irren Wandrers letzte höchste Feier.
Ich rag‘ ins Dämmerlicht verhüllt vom Schleier
Der Sterne mit den beiden Mondagraffen.

Zur Erde send in meinen Himmelsgeier,
Der ruft die letzten geilen Menschenaffen.
Ich werde meine Röcke höher raffen
Und alle grüßen als willkommene Freier.

Ich höre schon ihr heisres Brunstgeschrei,
Die Schweife zucken und die Zungen lallen,
Begattend dünken sie sich schicksalsfrei.

Doch werden sie in meine Scheide fallen,
Dann will ich sie Kometen gleich mit kurzen
Und hellen Knallen in den Weltraum furzen.
113. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 15.04.04 05:36

Man sieht, in der Goethe-Zeit war`n die Jungs und Mädels - *gg. - gar nicht so schlecht drauf ...
114. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 15.04.04 21:33

@Charisma:
hatte bei den Zeilen so eine Ahnung... und hab es im Netz gefunden...
altes Neudeutschland-Liedgut =)


Text: Puhdys
Melodie: Puhdys

1. Strophe

Fahren zwei durch alle Meere, fahren zwei in einem Boot.
Der eine kennt die Sterne, der andre misst das Lot.
Sind nicht zu trennen, bleiben vereint, ob Nacht heranzieht,
Morgen erscheint.
Sie finden zueinander - auf LEBENSZEIT.

2. Strophe

Steigen zwei auf hohe Berge,
Steigen zwei zum Himmel dicht.
Der eine blickt die Welt an, der andre sieht das Licht.
Noch liegt die Erde flach auf der Hand,
Sind sie den Wolken nah und verwandt.
Und halten zueinander - auf LEBENSZEIT.

3. Strophe

Gehen zwei durch laute Strassen,
Gehen zwei durch Stein und Rauch.
Den einen ruft die Arbeit, den andren Muehe auf.
Schon kommen Tage, die man nicht zaehlt.
Schon ist entschieden, schon ist gewaehlt.
Doch haben sie einander - auf LEBENSZEIT.

4. Strophe

Sitzen zwei schon im Schatten, sitzen da auf einer Bank.
Der eine fuehlt sich muede, der andre fuehlt sich krank.
Schon ist im Leben alles gesagt
Schon ist im Leben alles gewagt.
Sie hielten zueinander - auf LEBENSZEIT.
115. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 15.04.04 21:36

weiteres altes Neudeutschland-Liedgut

Text: Werner Karma
Musik: Silly

Über ihr taute das Eis
Zwei Finger dick war noch Eis auf dem See
Sie stand am Ufer und frohr schon nicht mehr
Redete leis mit den schlafenden Fischen
Und zauberte sich eine Brücke her

Und ging über ihre Brücke so leicht
Und flüsterte tu mir bitte nicht weh
Und sank in unendlich weiche Arme
Zwei Finger dick brach das Eis auf dem See

Erfrohren zwischen den Menschen
Wurde ihr wieder so heiß
Als sie hinab zu den Fischen sank
Und über ihr taute das Eis

Sie suchten nach ihr mit Stange und Netz
Sie schleiften Anker über den Grund
Und zogen ein totes Stück Mensch aus dem See
Bestaunten noch ihren lächelnden Mund

Und hakten sie ab und gruben sie ein
Die Ordnung war wieder hergestellt
Wo kommen wir hin wenn die Leute lächeln
Hinter den Grenzen unserer Welt

Über ihr taute das Eis
Über ihr taute das Eis

Zwei Finger dick ist noch Eis auf dem See
Ich steh am Ufer und frier schon nicht mehr
wozu red ich leis mit schlafenden Fischen
Und wünsche mir eine Brücke her

Über ihr taute das Eis
Über ihr taute das Eis

Erfrohren zwischen den Menschen
Wurde ihr wieder so heiß
Als sie hinab zu den Fischen sank
Und über ihr taute das Eis

Über ihr taute das Eis
Über ihr taute das Eis
Erfrohren zwischen den Menschen
Über ihr taute das Eis
Wurde ihr wieder so heiß
Über ihr taute das Eis


.
116. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 15.04.04 21:39

weiteres...

landekreuz auf meiner seele

Auf dem gefleckten Spiegel seh ich
Nur noch n Satz von deiner Hand
Im Schrank nur n leerer Bügel ich
Stecke das verdammte Haus in Brand

Am Hafen kichern schon die Huren
Sie wissen ich hab dich verlorn
Ich werfe mich in deine Spuren
Und folge dir dazu bin ich geborn

Das Landekreuz auf meiner Seele
Ist noch immer frei für dich
Und wenn dein Tank wieder leer ist
Dreh ab und rufe mich

Ich tröste Frauen die du verlassen
Füttre Kinder die du gemacht hast
Zahl deine Raten an die Kassen
Ich schlafe mit dem Killer der dich jagt

Das Landekreuz...

Im letzten Haus auf Erden steh ich
Todmüde zuckt mein Herz in meiner Hand
Auf dem gefleckten Spiegel seh ich
Dann doch noch diesen Satz von deiner Hand

Das Landekreuz...

117. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 15.04.04 22:48

reflexxx, jetzt reicht der Platz über dem Schreibtisch bald nicht mehr aus, um Deine Texte alle hinzuhängen ... *gg
ChariSMa
118. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 15.04.04 23:44

Erich Fried


               Fester Vorsatz

  Denn wir wollen uns
  nicht nur herzen
  sondern auch munden
  und hauten und haaren
  und armen und brüsten und bauchen
  und geschlechten
  und wieder handen und fußen

(Diese Nachricht wurde am 15.04.04 um 23:44 von Fabian geändert.)
119. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 16.04.04 00:02

Aber hallo

Zitat
reflexxx, jetzt reicht der Platz über dem Schreibtisch bald nicht mehr aus, um Deine Texte alle hinzuhängen ... *gg
ChariSMa

wohlgemerkt, nur einige Texte sind von mir... Karma beneide ich um sein Talent und trete den Platz gern an ihn ab

So ne kleine Frau
So ne kleine Frau
Und so ne große Lust
Und hat schon Kinder dreie
Und immer noch kein Frust
Und hat schon so gelitten
Und immer noch so n Mut
Und hat so schlaffe Titten
Und hat so n heißes Blut

So ne kleine Frau
Und so ne Gier nach Glück
Vom Zigarettenholen
Kam kaum n Kerl zurück
Und all die langen Nächte
Wo s Eis der Augen taut
Und immer wieder so ne
Einfühlsame Braut

So ne kleine Frau
Und so ne große Stadt
Und so ne gute Bluse
Die kaum noch Farbe hat
Doch so ne fahle Sehnsucht
Schmerzt in ihrer Brust
Und wenn die Kinder schlafen
Schon wieder so ne Lust




120. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 16.04.04 18:05

Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange

Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange,
In dunkler Nacht, die um dich her erglühte.
Ich diente dir mit Liebesüberschwange
Und trank das Feuer, das dein Atem sprühte.
Du flohst, ich suchte lang in Finsternissen.
Da kannten mich die Götter und Dämonen
An jenem Glanze, den ich dir entrissen,
Und führten mich ins Licht, mit dir zu thronen.

Ricarda Huch



(Diese Nachricht wurde am 16.04.04 um 18:04 von bluevelvet geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 16.04.04 um 18:05 von bluevelvet geändert.)
121. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 16.04.04 18:11

An A
Mein Mäuschen ich Liebe dich
Ich mag dein Lachen
und dein hübsches Gesicht.
Manchmal werden Träume wahr,
dann nehme ich dich in meine Arme
und bin immer für dich da.
DD Michael
122. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 16.04.04 18:47

SchweIgen frißt sich in deine Seele.
Rede und du wirst von deinen trüben Gedanken befreit.
123. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Chinolina am 18.04.04 18:30

Hallo Surfi,

deine Textstelle ist @Fachruddin Iraqi.
Wenn du kannst dann schreibe doch bitte dahinter von men es ist.

Angi
124. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Gast surfi am 18.04.04 19:35

Liebe ist ein Feuer, das,
wenn es ins Herz fällt, alles,
was es im Herzen findet, verbrennt,
so weit, dass es sogar die Gestalt des Geliebten aus dem Herzen auswischt.

Madschnun war wohl in diesem Feuer.
Man sagte zu ihm: „Laila ist gekommen!"
Er sagte: „Ich selbst bin Laila."
Er steckte den Kopf in das Hemd der Losgelöstheit.
Laila sagte: „Hebe den Kopf hoch,
denn ich bin deine Geliebte
und das, was Du ersehnst! Blick endlich doch –
warum bleibst Du zurück?"
Madschnun sagte:
„Hebe dich fort von mir, denn die Liebe zu Dir hat
mich von Dir abgelenkt.
Einst war ich froh, wenn ich Dich nur erblickte –
jetzt kann vor Liebe ich Dich nicht ertragen!"

Quelle: http://www.ti-amo.at/islamische-mystik/46-feuer-liebe.htm
(Diese Nachricht wurde am 18.04.04 um 19:35 von surfi geändert.)
125. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 19.04.04 21:20

Ich und du

Wir träumen von einander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.

Friedrich Hebbel
126. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 19.04.04 21:39

Glückes genug

Wenn sanft du mir im Arme schliefst,
Ich deinem Atem hören konnte,
im Traum du meinen Namen riefst,
Um deinen Mund ein Lächeln sonnte -
Glückes genug.

Und wenn nach heißem, ernstem Tag
Du mir verscheuchtest schwere Sorgen,
Wenn ich an deinem Herzen lag
Und nicht mehr dachte an ein Morgen -
Glückes genug.

Detlev von Liliencron
127. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von lady-sm am 20.04.04 19:18

Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Dass er mich braucht
Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Dass er mich erschlagen könnte

von BERTOLT BRECHT

Es grüsst Lady SM
128. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von oxymoron am 20.04.04 21:43

Es lohnt sich doch

Es lohnt sich doch, ein wenig lieb zu sein
Und alles auf das Einfachste zu schrauben
Und es ist gar nicht Großmut zu verzeihn
Daß andere ganz anders als wir glauben.

Und stimmte es, daß Leidenschaft Natur
Bedeutete im guten und im bösen,
Ist doch ein Knoten in dem Schuhband nur
Mit Ruhe und mit Liebe aufzulösen

Joachim Ringelnatz
129. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 21.04.04 22:07

Rüstung

Du willst, dass ich
Dein Unglück vertreibe.

Doch sag mir, wie.

Unter deinem Mantel
Schimmert die Rüstung.

Ich aber will dich nackt.


Gabriella Wollenhaupt
130. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 22.04.04 15:27


Zitat
Von Charisma
Rüstung

Du willst, dass ich
Dein Unglück vertreibe.

Doch sag mir, wie.

Unter deinem Mantel
Schimmert die Rüstung.

Ich aber will dich nackt.


Gabriella Wollenhaupt


Ja Rüstungen sind wie Mauern,wo es manchmal schwer fällt,sie abzulegen und einzureißen,doch für alle Rüstungen
gibt es einen Schlüssel und für alle Mauern einen Bagger
man muß sich nur trauen und "Nacktheit" nicht als
Schwäche verstehen.Und die Nacktheit darf nie verletzt
werden!!

Mit vielen Grüssen

Thomas
131. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 22.04.04 15:29

Zitat


VonChariSMa



Manchmal
leuchtet ein Buch
als Stern
auf meinem Himmel

Manchmal
ein Mensch
den ich nicht kenne
der meine Worte
erkennt

Rose Ausländer






Manchmal ist ein Buch Erfolg-undGeistreich,aber mir ist
der Stern,mit seinen unzähligen Erfahrungen und seiner
Stille mehr Wert,als fremde Gedanken.
Der mensch existiert aus sich heraus!!

Viele Grüße
Thomas
(Diese Nachricht wurde am 22.04.04 um 15:28 von Aktivundoderpassiv geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 22.04.04 um 15:29 von Aktivundoderpassiv geändert.)
132. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 22.04.04 17:40

Ach AUOP, was haben wir denn wirklich von uns selbst? Unser Leben ist doch ein "Entstehen in Abhängigkeit", und was wir geben, haben wir doch erst genommen!

Bluevelet
133. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 22.04.04 17:48

CHORUS MYSTICUS:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird`s Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist`s getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Johann Wolfgang von Goethe
Faust II (Schlussverse)

134. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 23.04.04 07:17


Zitat
Ach AUOP, was haben wir denn wirklich von uns selbst? Unser Leben ist doch ein \"Entstehen in Abhängigkeit\", und was wir geben, haben wir doch erst genommen!

Bluevelet


Hallo Bluevelvet!
Dem habe ich nichts zuzufügen,genau meine Meinung,
aber man kann mit großer Kraft,sich von dem Weg entfernenas was wir bekommen,geben wir auch weiter.
Denn nicht alles was wir bekommen,ist weitergebungs-
würdig!!
Viele Grüsse

Thomas
135. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 23.04.04 09:21

@Aktivundoderpassiv,
ich bin gar nicht dafür, Gedichte hier ausführlich zu interpretieren oder zu diskutieren. Jeder kann sie doch als Software für seine Seele benutzen, wie er möchte, oder?
Gruß
ChariSMa


Gedichte

Gedichte, das sind Worte,
die sich zuflüstern,
die sich verstehen
wie Liebende
ich schreib sie Dir
auf dem Weg zu mir.

Jan Riesner
136. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 23.04.04 13:23

@ChariSMa

Halloschen!
Nein Gedichte müssen nicht interpretiert werden
können,dies aber in nützlicher Art und Weise tun.
Jeder hat zu Gedichten etc.seine eigenen Gedanken
Gefühle und Bilder.
Was ist schlimmes daran wenn ich bei dir dies tat.
Habe ich Wunden geöffnet,so tut es mir Leid.
Habe ich dich erkannt,was ist schlimmes daran??
Deutsch hat mir eigentlich nie Spaß gemacht,aber bei Gedichten,Epos etc.und die Interpretation
solcher,hat mir sehr viel Spass gemacht und wurde
auch immer mit 1 belohnt.

Alles Gute und viele Grüße

Thomas
137. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 23.04.04 16:57

Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verhöhnet:
Das Lebendge will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesnächte Kühlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt dich fremde Fühlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der finsternis Beschattung,
Und dich reißet neu Verlangen
Auf zu höherer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt des Lichts begierig,
Bist du, Schmetterling, verbrannt.

Johann Wolfgang von Goethe

138. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Gast surfi am 23.04.04 18:34

Hallo AUOP


Zitat

Deutsch hat mir eigentlich nie Spaß gemacht,aber bei Gedichten,Epos etc.und die Interpretation
solcher,hat mir sehr viel Spass gemacht und wurde
auch immer mit 1 belohnt.



Immer mit 1? Inhaltlich vielleicht, aber stilistisch? Deine Schreibe kommt mir manchmal so vor, als wärest Du Josef Filser auf Hochdeutsch.

surfi
139. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 24.04.04 07:12


Zitat
Hallo AUOP



Deutsch hat mir eigentlich nie Spaß gemacht,aber bei Gedichten,Epos etc.und die Interpretation
solcher,hat mir sehr viel Spass gemacht und wurde
auch immer mit 1 belohnt.



Immer mit 1? Inhaltlich vielleicht, aber stilistisch? Deine Schreibe kommt mir manchmal so vor, als wärest Du Josef Filser auf Hochdeutsch.

surfi


Hallo Surfi!
Vielen Dank für deine doch sehr ansprechende und Inhaltlich sehr viel aussagende Antwort.
Ich lasse dieses mit Absicht im Zusammenhang.
Auch ich verfolge,deine Ausführungen im Forum
und ein Glück,Denke,Fühle,Handle ich anders als Du.
Ich habe mich damals mit Absicht zwischen dir und Gerry
geworfen,weil ich merkte da ist etwas anderes Ursache
für dein doch manchmal,ausfallendes Wesen.
Du hast zumindestens nach einer Halben Flasche Wein
es geschafft einen Teil von dir zu Outen,was ich sehr löblich finde und mich dir ein wenig näher gebracht hat.
Zerstöre dies nicht wieder ,ich kann auch anders und
meine Nächstenliebe hat manchmal (leider)auch seine
Grenzen.

Viele Grüße
Thomas
140. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Gast surfi am 24.04.04 12:51

Hallo AUOP,

entschuldige bitte, dass ich mich mal wieder im Ton vergriffen habe.

Darf ich zwei relativ harmlose "Fehler" erwähnen, die Deine Postings etwas merkwürdig aussehen lassen?
- Warum gibt es schon nach einer halben Zeile den Zeilenumbruch? Schreibst Du mit Word? Wenn ja, dürfte es die einfachste Sache sein, auf "Shift+Enter" bzw. "Enter" zu verzichten. Nur bei einem gewollten Zeilenumbruch bzw. als Absatzmarke werden diese beiden Tasten benötigt.
- Nach dem Komma lässt man eine Leerstelle. Wenn Du dir das einfach so angewöhnt hast (ich weiß, die "lieben" Angewohnheiten), dann geh doch (in Word) nach Suchen und Ersetzen und lass automatisch alle "," durch ", " ersetzen.


Viele Grüße

surfi
141. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 24.04.04 13:29

Zitat
Hallo AUOP,

entschuldige bitte, dass ich mich mal wieder im Ton vergriffen habe.



surfi


Hallo Surfi!!
Klar deine Entschuldigung geht in Ordnung,habe schon wieder alles vergessen.
Vielen Dank für den Tip mit dem schreiben,aber ich sitze hier im Internetcafe und habe beim anklicken
von den verschiedensten Möglichkeiten,immer ein
fenster in dem ich nur begrenzt schreiben kann!
Würde auch lieber längere Zeilen schreiben,Aber

Viele Grüße alter Kumpel
Thomas

P.S.Jetzt ging es relativ mit der Zeilenbreite,darf mich wohl nicht vom Fenster beeindrucken lassen.
(Diese Nachricht wurde am 24.04.04 um 13:29 von Aktivundoderpassiv geändert.)
142. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 24.04.04 13:42


Zitat
@surfi und AUOP,
könntet Ihr bitte Euch bitte für Eure Debatte um Schulnoten und korrekte Rechtschreibung, Outing, Rotwein und Nächstenliebe einen eigenen Thread eröffnen? Dort könnt Ihr Euch in Ruhe aussprechen und nicht alle müssen das mitverfolgen.
Merci
ChariSMa

Vielleicht ist es besser du eröffnest dir ein eigenes board.Dann gibst du eine Pin für alle die du sehen und schreiben möchtest und du kannst dort versuchen dich auszutoben.Mit Leuten die es gut mit dir meinen kannst du ja nichts anfangen,mit deiner gespaltenen Seele.
Verschone Surfi den ich sehr schätze weil er sich geoutet hat und eigentlich unser aller Verständnis Bedarf und mich von deiner Ungewissheit was du eigentlich willst und lasse deinen Unmut nicht an andere aus.
Thomas
143. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 24.04.04 14:27

Nach obigem widerlichen und völlig inakzeptablen Ausfall gegen ChariSMa möchte ich nun versuchen, den prosaischen Teil des Gedichte-Threads zu beenden und dem Thread mit einem kleinen Liebesgedicht seinen ursprünglichen Charakter wiederzugeben! - Um einen Punkt zu setzen, eröffne ich einen neuen Beitrag!
144. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 24.04.04 14:30

Schließe mir die Augen beide

Schließe mir die Augen beide
Mit den lieben Händen zu!
Geht doch Alles, was ich leide,
Unter deiner Hand zur Ruh`.
Und wie leise sich der Schmerz
Well` um Welle schlafen leget,
Wie der letzte Schlag sich reget,
Füllest du mein ganzes Herz.

Theodor Storm

145. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene - an Johni

geschrieben von Stephen am 24.04.04 16:47


Hallo all, hallo Johni,

könntest du bitte die "Nichtgedichte" in einen neuen Thread "Diskussionen rund um Gedichte" verschieben und anschliessend meinen Beitrag entfernen? Wär lieb von dir.

Herzliche Grüße

Stephen
146. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 25.04.04 09:56

Im Schein der Sonne
Glitzert das Moos im Tau
Und verkündet das
Innere Leuchten
Aller Dinge.

Bluevelvet
147. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 25.04.04 09:58

Sonntagmorgen

Sarah singt
"The World On Fire".
Aber meine Liebe -
Wo ist sie hin?
Ich weine ...

Bluevelvet
148. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 25.04.04 11:44

Eine Blüte
Fällt mir in den Weg.
"Siehe, wie klein dort" -
Achtsam
Gehe ich weiter ...

Bluevelvet

(Sarahs Musik, die Sonne,
die Gedichte - bin heute Morgen
nur am Heulen ...)

149. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 27.04.04 16:19

Wanderers Nachtlied

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

Johann Wolfgang von Goethe

150. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von reflexxx am 27.04.04 17:22

Regenballade



Ich kam von meinem Wege ab, weil es so nebeldunstig war.
Der Wald war feuchtkalt wie ein Grab und Finger griffen in mein Haar.
Ein Vogel rief so hoch und hohl, wie wenn ein Kind im Schlummer klagt
und mir war kalt, ich wußte wohl, was man von diesem Walde sagt!

Dann setzt ich wieder Bein vor Bein und komme so gemach vom Fleck
und quutsch im letzen Abendschein schwer vorwärts durch Morast und Dreck.
Es nebelte, es nieselte, es roch nach Schlamm, verfault und naß,
es raschelte und rieselte und kroch und sprang im hohen Gras.

Auf einmal, eh ich s mich versehn, bin ich am Strom, im Wasser schier.
Am Rand bleib ich erschrocken stehn, fast netzt die Flut die Sohle mir.
Das Röhricht zieht sich bis zum Tann und wiegt und wogt soweit man blickt
und flüstert böse ab und an, wenn es im feuchten Windhauch nickt.

Das saß ein Kerl! Weiß Gott, mein Herz stand still, als ich ihn sitzen sah!
Ich sah ihn nur von hinterwärts, und er saß klein und ruhig da.
Saß in der Abenddämmerung, die Angelrute ausgestreckt,
als ob ein toter Weidenstrunk den dürren Ast gespenstisch reckt.

"He, Alter!" ruf ich, "beißt es gut?" Und sieh, der Baumstamm dreht sich um
und wackelt mit dem runden Hut und grinst mit spitzen Zähnen stumm.
Und spricht, doch nicht nach Landesart, wie Entenschnattern, schnell und breit,
kommt s aus dem algengrünen Bart: "Wenn s regnet, hab ich gute Zeit"!

"So scheint es", sag ich und ich schau in seinen Bottich neben ihn.
Da wimmelts blank und silbergrau und müht sich mit zerfetzem Kiem´,
Aale, die Flossen zart wie Flaum, glotzäugig Karpfen. Mittendrin,
ich traue meinen Augen kaum, wälzt eine Natter sich darin!

"Ein selt nes Fischlein, Alter, traun!" Da springt er froschbehend empor.
"Die Knorpel sind so gut zu kaun" schnattert listig er hervor.
"Gewiß seid ihr zur Nacht mein Gast! Wo wollt ihr heute auch noch hin?
Nur zu, den Bottich angefaßt! Genug ist für uns beide drin!"

Und richtig watschelt er voraus, patsch, patsch am Uferrand entlang.
Und wie im Traume heb ich auf und schleppe hinterdrein den Fang.
Und krieche durch den Weidenhag, der eng den Rasenhang umschmiegt,
wo, tief verborgen selbst am Tag, die schilfgebaute Hütte liegt.

Da drinnen ist nicht Stuhl, nicht Tisch, der Alte sitzt am Boden platt,
es riecht nach Aas und totem Fisch, mir wird vom bloßem Atmen satt.
Er aber greift frisch in den Topf und frißt die Fische kalt und roh,
packt sie beim Schwanz, beißt ab den Kopf und knirscht und schmatzt im Dunkeln froh.

"Ihr eßt ja nicht! Das ist nicht recht!" Die Schwimmhand klatscht mich fett aufs Knie.
"Ihr seid vom trockenen Geschlecht, ich weiß, die Kerle essen nie!
Ihr seid bekümmert? Sprecht doch aus, womit ich Euch erfreuen kann!"
"Ja", klappre ich: "Ich will nach Haus, aus dem verfluchten Schnatermann."

Da hebt der Kerl ein Lachen an, es klang nicht gut, mir wurde kalt.
"Was wißt denn Ihr vom Schnatermann?" "Ja", sag ich stur," so heißt der Wald."
"So heißt der Wald?" Nun geht es los, er grinst mich grün und phosphorn an:
"Du dürrer Narr, was weißt du bloß vom Schnater-Schnater-Schnatermann?!"

Und schnater-schnater, klitsch und klatsch, der Regen peitscht mir ins Gesicht.
Quatsch´ durch den Sumpf, hoch spritzt der Matsch, ein Stiefel fehlt - ich acht es nicht.
Und schnater-schnater um mich her, und Enten- ,Unken-, Froschgetöhn.
Möwengelächter irr und leer und tief ein hohles Windgestöhn...

Des andern Tags saß ich allein, nicht weit vom prasslenden Kamin
und ließ mein schwer gekränkt´ Gebein wohlig von heißem Grog durchziehn.
Wie golden war der Trank, wie klar, wie edel war sein starker Duft!
Ich blickte nach dem Wald - es war noch sehr viel Regen in der Luft...

Ina Seidel (1885-1974)
151. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 28.04.04 10:55

Siehst du das Meer wie es glitzert im Sonnenschein?
Die gelben Rapsfelder, die Kirschblüten, wie sie blühen?
Die Kraniche, wie sie nach Norden ziehen?
Es ist das Leben, der Ursprung des Seins.
Michael


(Diese Nachricht wurde am 28.04.04 um 10:55 von mister geändert.)
152. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 30.04.04 07:37

Hallöschen alle!!
Ein Fundstück bei Kristiane Allert-Wybranietz


Als du
-inWut-
mir Dinge unter der
berühmt-berüchtigten
Gürtellinie verpasstest,
hat meine Liebe zu
dir nicht abgenommen,
doch fast hätte ich
dich verlassen müssen.

Denn da ist etwas,
was mir mehr bedeutet
als du.
Meine Würde,
ohne die du mich
weder achten und folglich
auch nicht lieben könntest.


Viele Grüße
AUOP
153. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 30.04.04 13:31

Halloschen mal wieder etwas von K.A.-W.

Danke der Nachfrage

Wenn man nicht
nachfragt
oder im Gespräch
aufmerksam zuhört,
würde man dir
dein standardisiertes
"Es geht mir gut"
beinah glauben.
So standardisiert
wie du deine Persönlichkeit
nur auszugsweise,
leben darfst.

Viele Grüße
AUOP
154. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 30.04.04 17:18

Eins!
O Mensch! Gib acht!
Zwei!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
Drei!
"Ich schlief, ich schlief -
Vier!
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Fünf!
Die Welt ist tief,
Sechs!
Und tiefer als der Tag gedacht.
Sieben!
Tief ist ihr Weh -
Acht!
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Neun!
Weh spricht: Vergeh!
Zehn!
Doch alle Lust will Ewigkeit -
Elf!
- will tiefe, tiefe Ewigkeit!"
Zwölf!

Friedrich Nietzsche,
Also sprach Zarathustra
(Dritter Teil, Das andere Tanzlied, 3)

155. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 01.05.04 09:31

Halloschen nun mal wieder was von K.A.-W.

Zivilisationskrankheit!!

Bei vielen Zeitgenossen
-zu vielen-
sieht man deutlich die
Symtome des Angst-Feigheits-
und Konsumvirus,
der sie erstarrenläßt
bei lebendigen Leibe.

Gegen dieses Virus hilft
angeblich,augenscheinlich
Bestrahlung
mit TV



Viele Grüße
AUOP
156. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 01.05.04 09:34

Halloschen!!

Ich kann und will
ohne die
Liebe
von Menschen
leben,
aber nicht ohne die
Liebe und Güte
von Gott!!


Frei nach AUOP
157. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 01.05.04 13:24

Halloschen,mal wieder etwas von K.A.-W.

Wie oft
stehst du da
und redest und denkst dir
die Steine,
die dein Vorwärtskommen,
die Verwirklichung deiner selbst
blockieren
in den Weg.

ANGST vor dem Weg?


MfG
Thomas


158. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 02.05.04 10:19

Pflaumenblütenduft,
da forscht man nach Vergangenem;
des Frühlingsmondes
verschwiegnes Licht, tränenfeucht
glänzt es auf meinem Ärmel.

Fujiwara Ietaka

159. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 02.05.04 14:07

Halloschen mal wieder etwas von K.A.-W.

Neue Formen-neues Format


Am Ende schauen sie
zurück und sagen:
-nicht gerade selten-
Alles Scheiße!
Warum?
Weil sie stets in den
vorgegebenen Formen verharrten,


nie den Mut hatten,
neues Format
zu probieren.


Viele Grüße
Thomas
160. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von szepan am 02.05.04 20:43

Hier eine kleine Erinnerung an das Jahr 1977:

Weißt du, weißt du, was du für mich bist?
Weißt du, weißt du wie schwer zu beschreiben das immer wieder ist?
Du drehst dich im Kreis, und mit der Zeit entdeckst du irgendwann,
dort zwischen Zeilen, zuweilen, was dir kein Wort sagen kann.

Du bist die Welt für mich,
nein, das klingt jämmerlich,
du bist mir wie ein Sohn,
das trifft nicht den richtigen Ton.
Alle Zeit soll dir mein Herz gehör’n,
oder ich hab dich zum Fressen gern,
alles das trifft nicht des Pudels Kern,
das sagt so viel wie gar nichts.

Weißt du, weißt du, was du für mich bist?
Weißt du, weißt du wie schwer zu beschreiben das immer wieder ist?
Du drehst dich im Kreis, und mit der Zeit entdeckst du irgendwann,
dort zwischen Zeilen, zuweilen, was dir kein Wort sagen kann.

Du bist ein Los, das stets gewinnt,
bist wie ein Leben, das neu beginnt,
wär’ ich ein Vogel, wärst du der Wind,
du bist woraus meine Träume sind.
Sag mir was wär’ ich ohne dich,
du bist der Tag und die Nacht für mich,
wenn eine liebt, dann lieb ich dich,
ich glaube, du verstehst.

Weißt du, weißt du, was du für mich bist?
Weißt du, weißt du wie schwer zu beschreiben das immer wieder ist?
Du drehst dich im Kreis, und mit der Zeit entdeckst du irgendwann,
dort zwischen Zeilen, zuweilen, was dir kein Wort sagen kann.

...so sang damals Daliah Lavi

(Diese Nachricht wurde am 02.05.04 um 20:43 von szepan geändert.)
161. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 03.05.04 07:28

Halloschen,mal wieder etwas von K.A.-W.



Ich will nicht
Gast sein
in deinem Schattentheater,
wenngleich du darin
Meister bist.


Ich will nicht
deine projizierte
Zwei-oder Mehrdimensionalität,
wenn es doch nur
Projektion bleibt,
nicht greifbar,
unberührbar,
unwirklich,
Illusion.Täuschung,
die zu einer
flachen Figur
führt!!!
162. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von mister am 03.05.04 10:03

Heute ist mir ein Gedichtband  meine lieblings Dichters was ich verschollen glaubte wieder in die Hände gefallen. Nach und nach werde ich das eine oder andere Gedicht hier veröffentlichen.
Michael

Es ist besser so

Es ist besser so
Reich mir die Hand. Wir wollen froh
Und lachend voneinander gehen.

Wir würden uns vielleicht nach Jahren
Nicht mehr so gut wie heute verstehen.
So laß uns bis auf Wiedersehn
Ein reines treues Bild bewahren.
Du wirst in meiner Seele lesen.
Wie mich greift dies harte Wort.
Doch unsre Freundschaft dauert fort
Und ist kein leerer Traum gewesen,
Aus dem wir einst enttäuscht erwachen
Nun weine nicht, wir wollen froh
Noch einmal miteinander lachen.-
Es ist besser so

Joachim Ringelnatz


(Diese Nachricht wurde am 03.05.04 um 10:03 von mister geändert.)
163. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 05.05.04 15:28

Das Rosenband

Im Frühlingsschatten fand ich sie;
Da band ich sie mit Rosenbändern:
Sie fühlt` es nicht, und schlummerte.

Ich sah sie an; mein Leben hing
Mit diesem Blick an ihrem Leben:
Ich fühlt` es wohl, und wußt` es nicht.

Doch lispelt` ich ihr sprachlos zu,
Und rauschte mit den Rosenbändern:
Da wachte sie vom Schlummer auf.

Sie sah mich an; ihr Leben hing
Mit diesem Blick an meinem Leben,
Und um uns ward`s Elysium.

Friedrich Gottlieb Klopstock

164. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 07.05.04 08:10

Halloschen mal wieder etwas von K.A.-W.

Die meisten

In der Gesellschaft
mit eingeschlossen
also nicht
ausgeschlossen.
Aber eingeschlossen
in Regeln und Normen,
oft vom eigenen Leben
ausgeschlossen.


Viele Grüße
Thomas
165. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Gast surfi am 07.05.04 11:00

"Zum Thema Sex will ich mich persönlich nicht äußern, sondern einen Dichter zu Wort kommen lassen, der es aufgrund der zahlreichen formalen und logischen Mängel seines Werkes vorzieht, anonym zu bleiben.

Sie lecken sich und streicheln
den After und die Eicheln.
Mußt du mal urinieren
folgen sie und stieren.
Dann balzen sie und heucheln Charme
doch wolln sie nur in deinen Darm.
Dann wird geschlabbert und gerieben
(Man nennt das gleichgeschlechtlich lieben)
Und ist dein Schorschi dann versteift
wird er mit Flutschkram eingeseift.
Dann sind sie froh und recken geil
ihr weitgereistes Hinterteil."

Quelle: Max Goldt, Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau. Zürich 1993.
(Diese Nachricht wurde am 07.05.04 um 11:00 von surfi geändert.)
166. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von bluevelvet am 07.05.04 21:33

Der Kuß

Ich war bey Chloen ganz allein,
Und küssen wollt` ich sie:
Jedoch sie sprach, sie würde schreyn,
Es sey vergebne Müh.

Ich wagt` es doch, und küßte sie,
Trotz ihrer Gegenwehr.
Und schrie sie nicht? Ja wohl, sie schrie; -
doch lange hinter her.

Christian Felix Weiße
(1726 - 1804)
167. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von am 11.05.04 07:54


Halloschen an alle,wieder mal etwas von K.A.-W.

Vorsicht Platzangst!!

Gewichtest du
zu sehr
Vergangenheit und Zukunft,

gerätst du schnell
in eine Lebens-Klaustrophobie,
die deine Gegenwart
vergiftet.


Viele Grüße
Thomas
168. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Fabian am 12.05.04 20:27

[b]Hier bitte nicht mehr posten!

Fortsetzung II benutzen.[b]
169. Re: Gedichte - Fundstücke und eigene

geschrieben von Nachtigall am 18.05.04 13:24

Hier noch was Tragisches...


Der Zwerg

Im trüben Licht verschwinden schon die Berge,
Es schwebt das Schiff auf glatten Meereswogen,
Worauf die Königin mit ihrem Zwerge.
   
Sie schaut empor zum hochgewölbten Bogen,
Hinauf zur lichtdurchwirkten blauen Ferne;
Die mit der Milch des Himmels blau durchzogen.
   
"Nie, nie habt ihr mir gelogen noch, ihr Sterne,"
So ruft sie aus, "bald werd ich nun entschwinden,
Ihr sagt es mir, doch sterb ich wahrlich gerne."
   
Da tritt der Zwerg zur Königin, mag binden
Um ihren Hals die Schnur von roter Seide,
Und weint, als wollt er schnell vor Gram erblinden.
   
Er spricht: "Du selbst bist schuld an diesem Leide
Weil um den König du mich hast verlassen,
Jetzt weckt dein Sterben einzig mir noch Freude.
   
"Zwar werd ich ewiglich mich selber hassen,
Der dir mit dieser Hand den Tod gegeben,
Doch musst zum frühen Grab du nun erblassen."
   
Sie legt die Hand aufs Herz voll jungem Leben,
Und aus dem Aug die schweren Tränen rinnen,
Das sie zum Himmel betend will erheben.
   
"Mögst du nicht Schmerz durch meinen Tod gewinnen!"
Sie sagt s; da küsst der Zwerg die bleichen Wangen,
Drauf alsobald vergehen ihr die Sinnen.
   
Der Zwerg schaut an die Frau, von Tod befangen,
Er senkt sie tief ins Meer mit eig nen Händen,
Ihm brennt nach ihr das Herz so voll Verlangen,
An keiner Küste wird er je mehr landen.

Matthäus von Collin (1779-1824)



(Diese Nachricht wurde am 18.05.04 um 13:24 von Nachtigall geändert.)


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