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eröffnet von Muwatalis am [unklar]
letzter Beitrag von Herrin_nadine am 26.12.05 14:12

1. Die Behelfsbrücke

geschrieben von Muwatalis am 25.12.05 20:57

Die Behelfsbrücke

Tatsachenbericht von Muwatalis


Ein Bahnhof, in einer Kleinstadt in Deutschlands größter, nicht unter Wasser befindlicher Bucht
( siehe Atlas ), wird gerade umgebaut. Nur eine Behelfsbrücke verbindet die Gleise mit dem Bahnhofsgebäude.
Die Treppenstufen der Stahlkonstruktion bestehen aus grobmaschigen Gitterrosten. Die nur einen Millimeter breiten Stege bilden Quadrate von 1,5cm Kantenlänge, dass heißt, sehr viel Luft und sehr wenig Stahl.

Ich komme von der Arbeit nach Hause. Mein Zug fährt in den Bahnhof ein. Beim Aussteigen sehe ich eine Frau in Sandaletten mit 12 Zentimeter hohen Pfennigabsätzen ( oder sagt man jetzt
Cent ? ). Sie kommt aus der Waggontür direkt neben der Brücke. Ich beeile mich um direkt hinter ihr die Treppe zu erreichen. Nun kann das Schauspiel beginnen.
Die Treppe hinauf geht sie, wie üblich, nur den Fußballen aufsetzend, relativ problemlos. Ich folge ihr in ´Augenhöhe´.
Wir überqueren in 6 Metern Höhe die Gleise.
Auf der anderen Seite der Brücke beginnt jetzt der spannende Teil.
Plötzlich scheint sie den Mut zu verlieren. Sie bleibt vor der obersten Stufe stehen und dreht sich verunsichert um. Sie bemerkt, dass ich nicht die geringsten Anstalten mache, um sie zu Überholen.
Erwartungsfroh lächelnd, nicke ich ihr, sanft ermutigend, zu. Ein verkrampftes Lachen ist ihre Antwort. Die Erkenntnis, dass sie nicht um diesen Drahtseilakt herumkommt, mischt sich wohl mit dem Gedanken, von einem Unbekannten, Schritt für Schritt, genüsslich dabei beobachtet zu werden.

Langsam löst sich ihre Verkrampfung. Ganz langsam beginnt sie den Abstieg. Mit beiden Händen am rechten Geländer festhaltend, setzte sie den linken Fuß auf die tiefere Stufe. Äußerst geschickt landete der dünne Absatz genau auf einem der noch schmaleren Stege. Nun zog sie den rechten Fuß auf die gleiche Stufe nach. Hierbei setzte sie aber nur den Vorderfuß auf und verlagerte ihr Gewicht auf den rechten Ballen. Seitwärts gehend, setzte sie nun wieder den linken Fuß auf die nächste, niedrigere Stufe und platzierte wieder den Absatz genau auf einen Steg.
So ging es im Schneckentempo die ganzen 6 Meter Höhenunterschied hinunter.
Eine artistische Meisterleistung!

Unten an der Treppe wartete ein Mann auf sie. Die Freude, den Abstieg unfallfrei geschaft zu
haben und ihn begrüßen zu können, war wohl extrem groß.
Sie fing sofort an, ihm euphorisch von dem eben überstandenen Abenteuer zu erzählen.
Der Gedanke, dass er ebenfalls ihre Odyssee genauestens beobachtet haben könnte, schien ihr wohl in diesem Augenblick noch nicht gekommen zu sein.
2. RE: Die Behelfsbrücke

geschrieben von Herrin_nadine am 26.12.05 14:12

dem kann ich nur beipflichten.



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