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eröffnet von Flipi am 30.07.06 18:41
letzter Beitrag von Flipi am 30.07.06 18:42

1. Das tapfere Schneiderlein

geschrieben von Flipi am 30.07.06 18:41

Es kann sein, dass ich den ersten Teil hier schonmal veröffentlich habe. Ich finde ihn leider nicht.

Flipi

Das tapfere Schneiderlein,

die Geschichte von dem der 7 erschlug, das Wildschwein sowie das Einhorn fing und die Riesen verjagte ist legendär. Ein Held besteht alle möglichen Abenteuer und wird am Ende König.
Usus. Alles tausende Male gesehen und gehört. Märchen eben.
Neulich dachte ich mal, das kann ich auch.
Ich gehe also in einen Supermarkt und kauf mir dieses Pflaumenmus. Normalerweise mache ich sowas nicht, aber was muss man nicht alles aufbringen, um ein Held zu werden. Nunja.
Dann setzte ich mich an den Küchentisch und schmier mir diese Stulle. Als nächstes stelle ich fest, keine Fliegen im Haus. Was nun? Könnt Ihr euch das tapfere Schneiderlein ohne Fliegen vorstellen? Ich bin darüber so erbost, dass mir die Hand ausrutscht. Der ganze Plan vernichtet. Ohne nachzudenken schmeiße ich also den Teller in den Schrank zurück. Man sagt so schön „Scherben bringen Glück“. Und tatsächlich. Als ich mich etwas beruhig habe, und der Tisch einige Tritte empfangen hat, stehe ich vom Stuhl auf und besehe mir den Schrank.
Die erste Tasse fällt mir schon fast entgegen. Ups, zerschellt. Glassplitter, Scherben überall. Und ich fange an zu zählen. 1 Teller, 2 Tassen, 3 Gläser und, ja eine Untertasse. Das sind 7. Leider stelle ich fest, dass mir das Salz umgekippt ist. Es gibt einen Aberglauben, nach dem man kein Salz verkippen soll, wenn man die Nacht gut überstehen will. Wer Tom Sawyer gelesen hat, weiß, wie das endet, wenn man nicht sofort drei Mal über die linke Schulter spuckt. Das endet auf dem Friedhof mit dem Tod des guten Doktor Robinson. Ich kenne keinen Doktor, der Robinson heißt. Außerdem, warum sollte ich den Doc retten sollen? Bin ich bescheuert? Dieser Sadist hat mir neulich richtig weh getan mit seiner scheiß Spritze. Ich spucke also nicht über die linke Schulter.
Glaubt deshalb aber nicht, dass ich Angst vor meiner Tante Avi habe, wie dieses Weichei Sawyer vor seiner Tante Polli.
Die Küche ist mir auf einmal total egal.
Ich gehe ins Wohnzimmer. Die Tür vom Schrank fliegt auf. Ich suche meinen Gürtel. Wo habe ich den nur wieder hin gemölt. Ah, da isser ja.
Stolz wie Oskar male ich mir die berühmte Formel auf ein Blatt Papier und hänge sie an meinen Gürtel.
Ich marschiere in den Flur, der an die Küche angrenzt.
Von dort fällt mein Blick in die Küche.
Mir fallen zwei Kochlöffel auf, und ich schnappe sie mir. Kaputt ist kaputt denke ich, und warum soll ich nicht noch ein bisschen Spaß haben. Kling, Kling. Das Klingt gut. Bumm bumm, ist das schön, wie das zerbricht. Und wie sich das anhört. Absolut genial. STUMP lässt grüßen. Ich bin ein Popstar.
Nur es hört mich noch keiner. Also mache ich das Fenster auf. Wir sind im ersten Stock. Nun kann mein Konzert erst recht beginnen. Die ersten Teller sind schnell zerbröselt und so stelle ich neue hinzu.
Das geht eine ganze Weile so.
Plötzlich höre ich etwas im Flur. „Flipi, was ist da los?“ Mir jagt es durch die Knochen. „Scheiße, Tante Avi.“ Die Tür fliegt auf und Tante Avi steht in der Küche. „Hilfe“ Es gibt nur einen mögliche Ausweg. Das Fenster. Das hat der Schneider auch genommen. Ich lande glücklich, und bin sofort wieder hoch zur Tür. Hoffentlich steckt der Schlüssel noch. Ich habe Glück. Während Tante Avi versucht, sich am Fenster nach mir zu erkundigen, knallt hinter ihr die Türe zu. Den Schlüssel drehe ich um und lasse ihn stecken.
Ich will in keiner Weise behaupten, dass Tante Avi jene im Märchen beschriebene Wildsau ist, aber gefangen ist gefangen. Und solange der Schüssel steckt kann sie nicht raus. Das haben die beiden gemein.
Apropro gemein, nein, lassen wir das.
So, ich zähle nach. Sieben erschlagen, das, ich meine die Tante Avi gefangen, was fehlt noch? Ach, ja, die Riesen und das Einhorn.

Ob mir das auch noch gelingt?
Werde ich zum Helden und darf die Prinzessin heiraten?

Sollte es mir gelingen, werde ich berichten.
2. RE: Das tapfere Schneiderlein

geschrieben von Flipi am 30.07.06 18:42

Teil 2:

So, nachdem die Tür geschlossen ist, mache ich mich erst Mal auf und davon.
Wie im Märchen beschrieben, gehe auch ich in den Wald. Besser gesagt, in den Dschungel. In den Großstadtdschungel.
Welcher Junge läuft heute schon noch im Wald herum. Ich bin ein Held, und das soll ja auch jeder wissen. Allerdings stoße ich auf ein Problem. Liegt nicht das Heldenhafte in der Überwindung der Angst? Ein Held, dem alles mühelos gelingt, ist das wirklich ein Held oder nur ein Glückskind?
Ich bin kein Kind. Nein. Ich bin ein Mann. Ein stolzer Mann, wenn auch erst im Alter von sieben Jahren. Aber kann ich ein Held sein, wenn ich noch niemals Angst hatte? Macht nicht erst Furcht und die Überwindung dieser das Kind zum Manne?
Ich laufe also in der Stadt umher. Sie ist sehr beschäftigt. Überall stehen und unterhalten sich Leute? Dort vorne steht so ein düsterer Typ. Er trägt einen langen Bart. Seinen Körper hat er in eine Lederjacke und eine Lederhose geschnürt, die ihm viel zu eng scheint. Ich grinse ihn breit an.
„He. Gibt’s was zu schauen?“, blökt er mich an. „Tante Avi hat mir neulich eine Geschichte erzählt. Weißt Du wie sie da einen beschieben hat?“ Er schaut mich herausfordernd an, dass ich nicht anders kann als fortzufahren: „Sein Bart war so zerzaust und struppig war er wie der Bart des Riesen Polypen. Jetzt weiß ich, was sie meint!“ Der Typ zog ein Klappmesser aus dem Stiefel und schaute mich mit einem seltsamen Blick an: „Wenn Du kleiner Hosenscheißer nicht gleich Dein Maul hältst, muss ich Dir glaube ich mal etwas Angst einjagen.“ Meine Augen weiten sich: „Angst, ohja. Du weißt, was Angst ist? Geil. Ich habe neulich den neuen Asterix bei den Wikingern gesehen. Kennst Du den? Der einzige vor dem die Angst haben, soll der Barde Trubardix sein. Bei Odin. Dabei wird der jedesmal von Automatix gebunden, so dass er nicht singen kann. Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben. Und Du weißt was Angst ist. Erzähl.“
Der Typ guckt mich halb irritiert an. „Hosenscheißer.“
„Um den Hasen aus ‚Hase und Igel‘ zu zitieren: ‚Du nimmst das Maul wahrhaftig voll‘, mich einen Hosenscheißer zu nennen.“ Der Typ steht von seinem Stuhl auf. Ich reiche ihm ungefähr bis zum Bauchnabel. Ich boxe ihm verspielt gegen die Wampe. „He Dickerchen, wenn Du mir beibringst, was Angst ist, gebe ich ne Runde Kaugummis aus.“
Stellt Euch diese Situation in einer belebten Einkaufsstraße vor. Der Typ knurre ein „Nagut.“ hervor. Ob es bedeuten sollte, dass er mir das Gruseln beibringen wollte, oder ob er seinen Drang, mich ungespitzt in den Boden zu rammen, wusste ich in diesem Moment noch nicht.
Wie bereits erwähnt. Ich hatte heute schon sieben erschlagen und etwas gefangen. War dieser 2 Meter-Mann der jetzt vor mir stand der besagte Riese?
Tante Avi verbietet mir sonst immer, mit fremden mit zu gehen. Aber die war ja weit. Ich hatte ja jetzt zwei Ziele vor Augen. Erstens wollte er mir ja zeigen, was Angst ist. Der musste ich ihm ja vertrauen, und zweitens war es die Möglichkeit. Es mit einem Riesen aufzunehmen. Ich gebe zu, es ist etwas unfair, diesem braven Kerl die Freundschaft zu heucheln, um von ihm zu erfahren, was Angst ist, und ihn danach aus dem Revier zu jagen.
Aber war jemand fair zu mir?
Ich wollte gerade fragen, ob er nicht noch einen Freund hätte, da das tapfere Schneiderlein ja zwei Riesen in die Wüste geschickt hatte, als sich eine langhaarige Frau in zerrissenen Jeans und allerhand Schmuck an den Hand und Fußgelenken auf uns zu bewegte. Sie war nicht ganz so groß, aber wirkte auch riesig auf mich.
„Na Kleiner!“, sagte sie. Zwischen ihren Zähnen guckte ein Kaugummi hervor. „Na Du“, antwortete ich: „Weißt Du ne Möglichkeit zum Pennen?“ Die Frau guckte mich an und grinste.
So fand ich mich in einem alten Haus wieder. Nachdem wir Abendbrot gegessen hatten, gab mir Mike, so hieß der Kerl, den Auftrag, oben auf die Weinreserven aufzupassen. Da würde ich verhindern, dass da irgendwelche Kerle die stibitzen wollten.
Gesagt getan. Ich besah mir den Raum und entdeckte eine kleine Falltür nach unten, der in einen Raum führte. Vom Raum war eine Tür nach außen, die man von oben öffnen konnte. Dahinter stellte ich den Wein. Die Falltür preparierte ich mit einem Seil, so dass ich sie von der Tür aus bedienen konnte. Dann füllte ich mehrere Eimer mit Wasser und stellte sie in die Nähe des Lochs.

Tatsächlich hörte ich gegen Mitternacht ein Geräusch, dass mich aufschrecken lies. Zwei Männer kam leise herein geschlichen. Sie sondierten die Lage und entdeckten die Weinflaschen. Schon standen sie über dem Loch. Ich stellte mich hinter sie und sagte mit tiefer Stimme das, was „der auszog, das fürchten zu lernen gesagt hatte.“ Tatsächlich vollzog sich unser Gespräch in dieser Weise. Nur dass es eben kein Küster war. Ich erlaube mir es im Plural zu zitieren:
„Wer da?“ Aber es bewegte sich plötzlich nichts mehr. „Gebt Antwort oder macht, dass Ihr fortkommt. Ihr habt hier in der Nacht nichts zu schaffen.“ Es geschah nichts. „Was wollt Ihr hier? Sprecht, wenn Ihr feine Kerle seit, oder es geht ganz fix abwärts mit Euch.“ Es war ein Lachen zu hören. „Verschwindet. Letztes Wort.“ So kam, was kommen musste. Ich zog den Strick und beide purzelten nach unten.
Nun kam das Wasser an die Reihe. Etwa 10 große Eimer eisiges Wasser ergossen sich auf die beiden Strolche. Wer nimmt schon Steine, wenn er Wasser hat. Dann füllte ich die Eimer erneut, und das Spiel ging von neuem los. Er Rocker kennt, weiß, dass diese nicht immer die Schuld bei sich suchen. Und Mike hatte sie in diese Situation gebracht. Nunja. Das Wasser hatte die selbe Wirkung wie die Steine. Sie schlugen sich windelweich.
Ab und an half ich mit Wasser nach, damit das Feuer nicht ausging.
Schließlich zeigte ich mich gnädig und öffnete das Tor. Die beiden liefen heraus.
Man mag ihrem Urteilsvermögen anrechnen, dass sie nicht versuchten, es mit mir aufzunehmen. Sie kamen nicht wieder hoch und auch Lydia, was ja die erste Frau Adams war, bekam sie vermutlich erst am nächsten Tag zu Gesicht. Als ich ihr nämlich von meinem Sieg erzählte, warf sie mich raus.
Mike habe ich nie wieder gesehen. Wo der sich wohl rumgetrieben hat.

Ende Teil 2
Flipi


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