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eröffnet von prallbeutel am 25.12.17 11:42
letzter Beitrag von prallbeutel am 20.06.21 16:12

1. Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 25.12.17 11:42

Hier entsteht die Neuauflage meiner Geschichte "Das Reich der Megara". Sie wurde von mir überarbeitet und erweitert.
2. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 26.12.17 15:11

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DAS REICH DER MEGARA



„Mir gelüstet nach einer Mahlzeit!
Diener, bring mir einen Kelch Rotwein und einen Jüngling -
den Rebsaft meine Kehle zu kühlen,
den Burschen meinen Appetit zu befriedigen.“

Megara



I.


Es war einmal...
... ein großes Reich auf einem sonnigen Kontinent, in dem gebot eine wunderschöne, aber zugleich grausame und machthungrige Königin. Nach ihrer pompösen Krönung verdoppelte sie die Steuern des nun gebeutelten Volkes und führte ein scharfes Regiment mit ihren willfährigen Schergen. Einige Jahre zuvor war ihr wackerer Gemahl, König Talos III., gestorben, doch von Gram war bei der Regentin keine Spur zu finden. Seit ihrer alleinigen Herrschaft vergnügte sich die Hoheit Megara mit diversen Jünglingen, die gerade erst das Mannesalter erreicht hatten. Seit zwölf Monden verbreitete sich durch Bänkelsänger und Herolde die frohe Kunde im Land, dass Megara offiziell nach einem Gemahl suchte, und hunderte junge Männer machten sich aus dem gesamten Reich auf den beschwerlichen Weg durch Steppen, Schluchten, Gebirge und Wüsten zum Schloss der Herrscherin, um voller Hoffnung um ihre Gunst zu buhlen.

Doch bisher war es niemandem geglückt, die hochnäsige Königin zufrieden zu stellen.
Von einigen Bewerbern hörte man anschließend nie wieder etwas. Die Monarchin ließ zwar durch einen königlichen Sprecher verkünden, dass die jungen Männer mit einem Sack voll Gold in ein fernes Gefilde gebracht würden und dort in Reichtum und Glück lebten, doch im einfachen Volke ging das Gerücht, die unholde Regentin Megara würde die Burschen im großen Kerker des Schlosses gefangen halten. Und mit dem Gerede hatte das Volk gar nicht so unrecht: Die Königin vertrat die Meinung, dass Mannsbilder, die mit ihr das Bett geteilt hatten, kein Recht mehr auf weitere Maiden hätten. So verschloss sie die armen Kreaturen in Keuschheitsgürteln und steckte sie in die unterirdischen und muffigen Verliese, die sich meilenweit in einem finsteren Labyrinth unter dem Schloss und weit darüber hinaus erstreckten und in denen die Fäulnis alles fraß.

Eines Tages hörte auch ein Bauernjunge namens Abas von dem Wunsch der Königin.
Da machte er sich, trunken vor Hoffnung, auf die lange und gefährliche Reise bis zum Schloss der Majestät. Nach vielen Wochen des Marsches kam er nach der Morgenröte an der Feste der Herrscherin an und stellte sich als Anwärter vor. Der Bauernjunge wurde bis zu Megara vorgelassen, nachdem er gemeinsam mit etwa 20 weiteren Jünglingen begutachtet und ausgewählt worden war. Anfangs hatte er mit über hundert anderen erwartungsvollen Männern stundenlang in einer schier endlosen Schlange gestanden, von denen die meisten Jünglinge zu ihrem Verdruss sofort wieder weggeschickt worden waren. Sie würden in der Gosse landen oder den mühevollen Rückweg in ihr Dorf antreten und mit der Schande leben müssen. Die Auswahlkriterien blieben dabei ein Geheimnis des Königshauses.

Nur 20 Jünglinge wurden in die Obhut der obersten Schlossverwalterin gelassen. Mit routinierten Bewegungen sah die groß gewachsene schlanke Dame in edlem Aufputz sich die Zähne und die Zungen der jungen Männer an, betrachtete ihre Muskeln und schließlich noch ihr Gemächt, was den Bewerbern rote Köpfe einbrachte. Dann sortierte sie mit kurzen herrischen Gesten ihrer langen schlanken Finger und nach Gutdünken 15 Personen als unwürdiges Gesindel aus, die von den Wachen mit Schimpf und Schande aus dem Palast gejagt wurden und in einer großen Jauchepfütze vor dem Torhaus landeten. So verdreckt mussten sie gebrandmarkt die Heimreise antreten, während die Wächter schadenfroh grölten und einigen der Erfolglosen stumpfe Pfeile in den Allerwertesten hinterher schossen, um ihre Demütigungen zu vervollkommnen.

Die fünf Auserwählten, zu denen auch der Bauernjunge Abas zählte, wurden gebadet, eingeseift, mit teuren Düften parfümiert und prächtig eingekleidet. Ihre Hoffnung darauf, letztlich der Erkorene zu sein, war zart und fein unter einem Berg aus Angst und Zweifeln vergraben. Die Verheißung auf ein neues Leben. Sie konnten es gar nicht erwarten, endlich die Regentin zu sehen. Und dann kam der große Augenblick: Sie wurden der göttlichen Herrscherin vorgestellt, die in ihrer Thronhalle saß. Hinter ihr hingen kostbare Gobelinstickereien, die die gesamte Wand einnahmen. Der Thron war großzügig mit Gold verkleidet. Auslandende Drachenschwingen bildeten die Rückenlehne. Sieben Stufen, eingefasst mit rotem Webteppich, führten zu ihren Füßen.

Die Jünglinge standen aufgeregt einige Schritt von der Throntreppe entfernt in einer Reihe aufgestellt auf dem kühlen Marmorboden, in den ein riesiger Drudenfuß mit geheimnisvollen Glyphen kunstfertig eingelassen war. Die Tyrannin schweifte nur flüchtig über die Ankömmlinge und zeigte lässig mit der mit vielen dicken Ringen geschmückten Hand auf den zweiten Interessenten von links, als suche sie sich auf dem Markt einen reifen Pfirsich aus dem Korb des Verkäufers aus. Es war ein junger Mann mit lockiger flachsblonder Haarpracht und strahlenden blauen Augen, die nun noch mehr glänzten. Nervös zupfte er mit seinen Zähnen an seiner feuchten Lippe. Sein Herz pochte ihm in der schmalen Brust, die sich vor Aufregung hob und senkte.

Die anderen Vier führte die Palastwache ab. Schwer gerüstete Männer, mit großen kräftigen Körpern und spitzen Lanzen oder scharfen Kurzschwertern bewaffnet, brachten das Quartett mit den hallenden Geräuschen ihrer klobigen Stiefel einen langen Gang entlang und dann tief hinab in die Kellergewölbe unter dem Herrscherhaus. Den Burschen dünkte bereits ein gar grässliches Menetekel: Kerker, Agonie, Richtblock oder was auch immer das grausame Schicksal für sie gesponnen hatte. Abas zitterte vor schwärender Furcht. Die dunkle Umgebung, die nur durch blakende Fackeln an der Wand schwach erleuchtet wurde, das laute schrille Klimpern und Klacken der Rüstungen der Wächter, und die hallenden Geräusche der Schritte, machten ihm Angst. Beinahe überkam ihn vor Aufregung eine Woge der Übelkeit. Doch noch mehr Sorge bereitete ihm die Entscheidung der Königin, die einen anderen Burschen bevorzugt hatte. Was würde nun mit ihm selbst geschehen?

Eine schwere mit Eisen beschlagene Tür wurde kreischend entriegelt, dann trat die Gruppe in einen weiteren Korridor, in dem links und rechts mehrere Zellen hinter dicken Metallgittern lagen. Das Gerücht war also wahr! Abas lief ein eiskalter Schauder den Rücken hinunter. Er würde als keusch gehaltener Sklave enden? Und bevor er weiter denken konnte, öffnete ein Soldat die erste Zelle und schubste Abas hinein. Der Jüngling fiel auf den mit Stroh bedeckten Steinboden und drehte sich um, als der Mann bereits die Gittertür klirrend verschloss. Gegenüber warf er den zweiten Burschen in eine Zelle, und auch die beiden Letzten endeten in weiteren Kerkerräumen. Als die Wächter wortlos den Korridor verließen, waren ihre Schritte hinter der schweren Tür nicht mehr zu vernehmen. Die dicke Pforte schluckte alle Geräusche. Es hing ein eklig süßer Gerüch von überreifem Obst in der Luft. Woher er stammte, konnte der Gefangene nicht ahnen. Abas sah sich in seiner kärglichen Zelle argwöhnisch um: Eine kleine harte Pritsche aus altem Holz bot ihm einen spartanischen Schlafplatz. Sonst enthielt der Raum nichts außer losem Stroh.

Auf der anderen Seite der Zelle war ein kleines Fenster. Vielleicht war Fenster nicht der richtige Ausdruck für die etwa zwei Ellen hohe und handbreite große Schießscharte, aus der in zwei Mann Höhe eine dünne Lanze aus Sonnenstrahl hereinstach, dem einzigen Licht für diesen traurigen Ort. Resignierend sank Abas auf die Pritsche und haderte mit seinem Los. Zu allem Überfluss quietschte eine Ratte in einer der dunklen Ecken - das einzige Geschöpf, das ihm hier noch Aufmerksamkeit zollte. Abas schleuderte seinen Stiefel in Richtung des Nagers, um ihm den Garaus zu machen, doch flitzte der pelzige Vierbeiner zu flink davon, um von dem ledernen Geschoss getroffen zu werden. Der Blick des Gefangenen wurde von einem verbeutelten Zinkkübel angezogen, den er beinahe getroffen hatte. Vermutlich war er für seine Notdurft gedacht.

Einige Etagen über dem düsteren und kargen Kerker feierte die Königin in feinerem Interieur unbeschwert ein rauschendes Fest. An ihrer Seite saß der neu eingekleidete Jüngling mit den goldenen Locken und blauen Augen, berauscht vom schweren Wein, den er zum ersten Mal in seinem jungen Leben genossen hatte. Zwei beeindruckende Buketts aus blutroten Rosen und weißen Lilien, verziert mit weißen Perlen, rahmten die Herrscherin und ihr neues Spielzeug ein. Zahlreiche Diener schleppten große Tabletts mit allerlei Köstlichkeiten heran. Gebratene Fleischsorten türmten sich zu Gemüse und Obst, trefflich Gebackenem, Kelche voller karmesinfarbenem Rotwein wurden geschwenkt und geleert, Spieße mit exotischen Leckereien reichten die Lakaien durch die Reihen. Die Tafel war überfrachtet mit Delikatessen und Labsal. Musiker flöteten und zupften auf ihren Instrumenten, und Feierlaunige tanzten die Pavane in der Mitte des großen Prunksaals und präsentierten dabei ihre kostbaren Roben aus Samt und Seide im mit kunstvollen Mosaiken besetzten Salon.

Das Bankett wurde ausgelassener, die Stimmung der angetrunkenen Edelleute und Mitglieder des Herrscherhauses unbefangener. Ein Hofnarr trat auf und gab artistische Einlagen zum Besten. Dabei ging so manches gewollt schief, und schon hatte er zahlreiche Lacher auf seiner Seite. Der Hofnarr stolperte in eine Schüssel mit einer zähflüssigen Süßspeise und fiel zappelnd mindestens ein halbes Dutzend Mal auf seinen Allerwertesten, wobei seine kleinen Glöckchen, die an seine Kleidung und seine Haube genäht waren, wild bimmelten. Ein feister Edelmann in moosgrünem Samtornat verschluckte sich würgend an einem saftigen Fleischspieß, als er über die Schmerzenslaute des Spaßmachers dröhnend lachte. Sein Nachbar hatte nun noch einen zweiten Grund, um amüsiert zu prusten, und schlug dem Hustenden freundschaftlich auf den Rücken.

Erst spät am Abend zog sich Despotin Megara mit ihrem Bettgefährten zurück, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Die Gesellschaft würde noch bis ins Morgengrauen feiern, und so mancher Geck würde mit hämmerndem Schädel in einer Lache aus was auch immer erwachen. War erst die Majestät nicht mehr da, fehlte auch bald der letzte Rest Anstand. Natürlich würde dies auch so mancher junge Adelsmann nutzen, um der einen oder anderen Maid unter das Kleid zu fassen. Bei solchen Festen hatte es schon kopulierende Leiber neben angefressenen Spanferkeln und verschüttetem Wein gegeben.

Begleitet von zwei hünenhaften und kahlgeschorenen Leibwächtern in kurzen Beinkleidern und bis auf ein Ledergeschirr freien Oberkörpern, schritten die Beiden in ein prächtiges Schlafgemach. So eine pompöse Ausstattung hatte der Jüngling in seinem Leben noch nie gesehen, obwohl seine Familie zu den reichsten in seiner (fernen) Heimat gehörte. Die Leibgarde schloss von außen die zweiflügelige Eichentür, die mit Intarsien überfrachtet war. Dort würden sie den Durchlass notfalls mit ihrem Leben verteidigen. Mit verschränkten muskulösen Armen standen sie breitbeinig wie ein Bollwerk dort, um Megaras Refugium zu beschützen.

Das schwere Bettgestell war offensichtlich aus purem Gold oder zumindest damit überzogen. Die vielen künstlerischen Verzierungen mussten eine aufwändige Arbeit gewesen sein. Über dem Bett hing wie ein künstlicher Himmel ein kostbares Seidentuch mit einem Blütenmuster. Der Boden des Gemachs bestand aus luxuriösem Marmor. Die hohe Decke war mit Stuck veredelt, und an den Wänden hingen große Gobelins, auf denen detaillierte Schlachtenszenen abgebildet waren: Berittene Soldaten der Megara kämpften in prunkvollen Rüstungen gegen ein angsteinflößendes Trollmonster mit einer gigantischen Keule. Auf einem anderen Wandteppich waren zwei Armeen zu sehen, die auf- und ineinander stürmten und zahllose Lanzen und Schwerter schwangen.

Als der Jüngling auf das königliche Geheiß hin, zu ihr ins Bett zu schlüpfen, sich zur ihr legte, überraschte ihn der weiche Schlafplatz. Er fühlte sich wie auf Wolken gebettet. Es war unbeschreiblich. Nie im Leben hatte er ähnliches erlebt. Und was er in den nächsten Minuten und Stunden erfahren würde, das war für ihn auch unbekanntes Terrain. Die mondäne Megara führte den verzückten Jüngling in die Kunst der Liebe ein. Gemach entblößte sich die Majestät von einem kostbaren Seidenkleid, das mit einer schmalen Pelzumrandung verbrämt war. Dann folgte das nächste edle Gewand. Immer mehr bloße und makellose, alabasterfarbene Haut konnte der junge stierende Mann erkennen und spürte das Feuer in seinen Lenden, wie es wuchs und loderte. Oh, wie wundervoll! Was für Gefühle konnte die Königin erzeugen! Nur durch ihren sublimen und imposanten Anblick! Ein wildes Kribbeln durchschoss seinen Leib vom Haupt bis zum Zeh. Diese edle Majestät - was für ein Antlitz! Auch so etwas hatte der Jüngling weiland noch nie erblickt.

Das Liebesspiel war überwältigend für den jungen Mann, raubte ihm alle Sinne. Zwar hatte er schon in seiner Heimat im Stroh das Bett mit einer Magd geteilt, aber die Königin verzauberte den Jüngling auf eine Weise, die er nicht für möglich gehalten hätte. Sein Feuer brannte lichterloh wie nie. Und welch frivole Spiele die kühne Regentin kannte! Es war der schönste und aufregendste Abend seines Lebens, in dem seine Lust ausbrach wie glühende Lava aus einem Vulkan. Entspannt und befriedigt, glücklich und noch voller Eindrücke schlief er auf den weichen seidenen Kissen ein und träumte von einer süßen und strahlenden Zukunft als Gemahl der Königin und vielen weiteren himmlischen Nächten wie dieser.

Am nächsten Morgen wurde Abas unsanft von lauten und durchdringenden Schlägen gegen das Gitter geweckt: Mürrische Wächter prügelten mit ihren Hellebarden gegen die Zellenwände und rissen so die vier Jünglinge grob aus dem Schlaf. Durch das kleine Fenster hörte Abas von Weitem einen Hahn krähen. Die unrasierten Wächter sprachen kein Wort mit den Gefangenen. Sie transportierten sie unduldsam zurück zu dem Kellergang, den sie gestern gekommen waren. Ein Schmied erwartete die vier Burschen. Der massige, bärtige Mann trug eine dicke schmutzige Lederschürze und hatte mehrere dicke Ketten über die breiten Schultern geworfen. Seine Haut war von Brandnarben übersät. Nacheinander wurden die Gefangenen nun mit rostigen Fußketten verbunden. Die Wächter trieben die nun klirrende Gruppe eine Steintreppe empor in einen Innenhof des Palastes. Der Schmied marschierte hinterher. Hier war nichts schön oder dekorativ. Der Hof schien zum Gesindebereich zu gehören. Als Abas einmal beinahe stolperte, erhielt er von einem der Wächter mit einer kurzen Lederpeitsche einen kräftig knallenden Hieb über den Rücken, der wie Feuer brannte.

Der Marsch endete in einem düsteren Gewölberaum, der sich als Schmiede zu erkennen gab. Mehrere knisternde Feuer brannten in schwarzen Öfen, deren kurpferne Essen aufs Dach führten. Schürhaken und diverse Eisen steckten teilweise in den Flammen und der glosenden orangefarbenen Glut, die durch einen großen ledernen Balg am Leben erhalten wurde, den ein rußgeschwärzter Jüngling in Lumpen bediente. Das Feuer malte tanzende Schatten an das Gemäuer, und die Scheite knackten laut, als wollten sie auf sich aufmerksam machen. Die Luft war stickig, heiß, schmeckte nach Ruß und Talg. Der Rauch kratzte in den Kehlen. In der Mitte des Raumes stand ein gewaltiger Amboss.

Der stattliche Mann, der den Burschen die Ketten umgelegt hatte, erschien wieder und brachte einen schweren Korb mit. Abas sah die seltsam geformten metallenen Gegenstände darin, konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Doch schon bald wurde ihm klar, was dies zu bedeuten hatte: Einer seiner Mitbewerber wurde von einem schmierigen Wächter zum Schmied gestoßen. Dann kamen zwei weitere Soldaten und rissen dem Jüngling die Kleider hinab, bis er splitternackt da stand und sich verschämt den Schritt hielt. Aber auch das ließen die Wächter in ihren schmutzigen Waffenröcken nicht zu, denn sie bogen ihm grob die dünnen Arme auf den Rücken.

Jetzt kam der bärenstarke und aufgeschossene Schmied mit seiner derben Lederschürze herbei und nahm einen Gegenstand aus dem Korb. Dann griff er nach einer langen schwarzen Zange, deren Ende zuvor in einem der Feuer gelegen hatte. Der schwarzbärtige und zugleich kahlköpfige Hüne legte eine Metallkonstruktion um die Hüften des Jünglings. Abas konnte nur staunend zu sehen, wie der klobige Mann mit dem geschorenen Schädel das Metall passend zurechtbog und zusammenschmiedete. So geschickt, wie er damit umging, blieb der Bursche unverletzt, obwohl der grobschlächtige Riese mit glühender Zange und einem schweren Hammer hantierte. Immer, wenn er auf dem Amboss auf ein Stück Metall schlug, um es anzupassen, erzitterte die Wasseroberfläche in einem Zuber, der sich an den Amboss schmiegte, und Abas konnte sein verzerrtes Spiegelbild in der schmutzigen Brühe sehen.

Bald war auch Abas an der Reihe und erhielt von dem Kraftmenschen den eisernen Schmuck, nachdem ihm die Wachen mit Gewalt die Kleider vom Leib gezerrt hatten. Das Material war sengend heiß auf seiner Haut, aber es hinterließ außer einer harmlosen Rötung keine sichtbaren Spuren, obwohl er hätte schwören können, den beißenden Geruch von versengtem Fleisch gerochen zu haben. Abas schämte sich für seinen weibischen Schrei, den er vor Schreck hervorgestoßen hatte, als sich die Hitze auf seine Männlichkeit gelegt hatte. Er starrte auf seine Lenden. War das ein Keuschheitsgürtel für Männer? Es war ein beklemmendes Gefühl, als sei sein ganzer Leib, sein Stolz, sein ganzes Wesen in einen engen Käfig gesperrt. Peinlich berührt von seiner Schmach, hielt er die Hände vor die Scham und suchte, sich zu bedecken.

Aber nicht nur Abas und seine drei Gefährten erlebten einen albtraumhaften Morgen.
Auch der Blondschopf wachte in Ketten auf. Verwirrt und erschrocken zerrte er an den Fesseln, die aber keinen Deut nachließen. Seine aufgerissenen Augen zeugten von glosender Furcht. Der Jüngling lag nackt in einem anderen Bett und war an Armen und Beinen am gusseisernen Gestell gefesselt. Und dann erschrak er gleich noch einmal: Um seine Hüften trug er eine Art Verschluss! Auch er hatte von den Gerüchten gehört, dass die Imperatorin junge Männer einkerkerte, die ihr die Aufwartung gemacht hatten, doch diesen nie Glauben geschenkt. Aber er war doch der Auserwählte gewesen! Er hatte mit Königin Megara das Bett geteilt! Und was war das nur, das seine Männlichkeit umspannte? Sollte es tatsächlich wahr sein? Hielt sich die hoheitliche Regentin keusch gehaltene Sklaven?

Während die vier neuen Gefangenen der Monarchin Haferschleim aus verkratzten Holzschüsseln von den Wachen durch die Gitter geschoben bekamen, um danach kräftig genug für die Arbeit zu sein, erschien Königin Megara bei dem Blondschopf, der sie irritiert ansah. Megara lachte lauthals, dass es nur so schallte in der großen mit Marmor ausgekleideten Halle. Dann kam sie ganz nah an den Jüngling und flüsterte ihm glucksend grausame Worte ins Ohr. „Nein!“ jaulte er. „Bitte! Habt Gnade, Euer Majestät!“
Megara lachte fast hysterisch und stolzierte in einem imposanten Seidengewand, das bis über den Boden schleifte, in einen anderen Salon, um dort zu speisen, gönnte dem Blondschopf jedoch keines Blickes mehr. Sie suhlte sich stattdessen in ihrem süßen Hass und genoss den sonnigen Tag.

Bei ihrer üppigen Mahlzeit stopfte sie sich die delikaten Leckerbissen nur so in den Mund und spie einiges davon angewidert aus. „Was hat sich der Koch dabei gedacht?“ schimpfte sie und machte grießgrämig ihrer Leibgarde ein hektisches Zeichen. Der rabenschwarze Hauptmann gab einen kurzen zackigen Befehl an einen der vierschrötigen Palastwächter, der sofort mit seinem gezückten, perlmuttfarbenen Dolch in die Küche eilte, um dem frevelhaften Koch habhaft zu werden. Wäre der Palast nicht so kolossal groß gewesen, hätte die Königin das verzweifelte Flehen und die gellenden Schreie des Kochs gehört, die durch die Küchenräume hallten.

Kurz nach dem Morgenmahl zog sich Megara in ein weiteres Gemach zurück, wo der Hauptmann der Leibgarde bald mit gebeugtem Haupt und unterwürfig erschien, eine kleine Schatulle aus Walnussholz in der Hand. Megara befahl barsch: „Stell es dort hin!“ Sie zeigte mit herrischer Geste auf einen niedrigen Tisch aus Bronze. Der Gardist senkte sein Haupt noch tiefer, stellte das Kistchen vorsichtig ab und verschwand rückwärts und mit zahlreichen Verbeugungen, wobei er sich mit seinem schlohweißen, geflochtenen Bart in den kunstfertig geschaffenen Fibeln aus Silber an seinem Umhang verhedderte. Megara hob den Deckel des Kästchens an und späte hinein. „Guuuut“, schnurrte sie und aalte sich in ihrer Zufriedenheit. „Vortrefflich! Der Koch wird seine Lektion gelernt haben.“ Sie klappte das Kästchen zu und stellte es ab. Sein kleines Opfer würde seine Kochkunst nicht schmälern.

Mit der ansteigenden Sonne nahm die Sommerhitze weiter zu, und selbst in den kühlen Räumen des Palastes verlangte Megara nach zwei Sklaven, die ihr mit großen Palmwedeln frische Luft zufächelten, während sie sich dem Müßiggang widmete. Unter dem Schloss schufteten derweil hunderte junge Männer in dem tiefen Silber-Bergwerk, das sich über viele Meilen erstreckte. In langen Schlangen aus aneinander geketteten Kreaturen marschierten die Arbeiter die endlosen Gänge entlang und schleppten schwere Körbe Gestein oder schlugen auf das Ende des Stollens ein, um ihn zu erweitern. Unter ihnen war auch Abas. Sein erster Tag im Bergwerk war die Hölle. Sein gesamter Körper war schwarz vom Dreck, seine Knochen und Muskeln schmerzten enorm, und das Atmen fiel ihm sichtlich schwer wegen der stickigen Luft und dem permanenten Staub, der sich überall ausbreitete.

Sollte das seine Zukunft sein? Halb bewusstlos vor Erschöpfung wurde er am Ende eines langen Arbeitstages in sein Quartier gebracht. An einem länglichen Trog konnte er sich mit Leidensgenossen säubern, und eine Schale Wasser löschte nur halb den Durst. Auch die karge Mahlzeit, bestehend aus undefinierbarem graubraunem Brei, reichte nicht aus, den Hunger zu stillen. Und alles, was er den ganzen Tag über von den Wachen gehört hatte, waren Beschimpfungen wie „Faulpelze! Wollt ihr hier Maulaffen feilhalten? Ich werde euch fürwahr Beine machen!“

Erst am zweiten Tag fand er Gelegenheit heimlich mit einem anderen Jüngling zu sprechen, was eigentlich bei Strafe verboten war. Der Junge hieß Skiron und war schon seit langer Zeit hier. Wie lange, das wusste er nicht mehr. Er ging stets gebückt und hustete ständig. Abas fragte auch nach den Hüftgürteln, die alle trugen. „Das sind Keuschheitsgürtel“, erklärte Skiron flüsternd. „Megara, die alte Hexe, hat allen Arbeitern solche Schlösser angelegt, damit sie nicht Hand an sich legen. Nur Mitglieder des Königshauses dürfen das.“ Abas sah Skiron mit großen Augen an. „Gibt es einen Weg, um aus diesem Martyrium zu entkommen?“ Er hing an den Lippen des Kameraden. Skiron nickte grimmig: „Ja.“ Abas war ganz Ohr. Skiron sah ihm mit leerem Blick direkt in die Augen. Abas spürte, wie sich die Worte des Leidensgenossen in sein Gehör brannten wie orangefarben lodernde Schmiedeeisen: „Als Reisender ins Totenreich!“
3. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von Gummimike am 29.12.17 00:29

So das ist also die Neuauflage. Allzuviel hast du ja nicht geändert aber de Text gestrafft und Teilweise besser beschrieben.
Gefällt mir.
4. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 01.01.18 13:11

Festbankette gab es an jedem Abend im Palast. Doch heute war fürwahr besonderer Tag: Der feiste Kronprinz Talos IV. feierte sein 18. Wiegenfest. Der fette und verwöhnte Jüngling hatte neben einem exquisiten und opulenten Festmahl sieben Jungfrauen geschenkt bekommen, an denen er sich laben sollte. Das einfache Volk munkelte, Talos sei seiner Manneskraft beraubt, aber niemand wagte diese schändliche Vermutung öffentlich auszusprechen. Das Gerücht war über dunkle Kanäle aus dem Palast gedrungen und bis in die Stadt und über das Land gespült worden. Angeblich hatten Gesinde oder Wächter im Herrscherhaus im Verborgenen Beobachtungen oder gar selbst Erfahrungen gemacht.

Talos galt als verzogener Prahlhans, feister Geck und genusssüchtiger Egomane. Nur seine Hybris war aufgeblähter als sein Wanst. Trotzdem nahm er nur selten Mätressen in sein Gemach. An diesem Wiegenfeste verließ Talos, sehr zum Unmut seiner Mutter, die Feierlichkeiten früh und zog sich zurück, obwohl sich das nicht geziemte. Seine goldgewirkte Tunika spannte über dem gewaltigen Wanst. An seinen dicken Füßen steckten goldfarbene Pantinen. Mit einem schwappenden Rotweinkelch wankte er durch die Gänge, gestützt von zwei Gardisten der königlichen Leibgarde, denen der Schweiß im Gesicht hinunterlief. „Finger weg, ihr Nichtsnutze!“ grölte Talos grantig mit schwerer Zunge und wäre beinahe auf den Boden geplumpst, hätten die Männer ihn nicht blitzschnell aufgefangen.

In seinem privaten Gemach angekommen, ließ er sich schwerfällig auf einen prunkvollen Diwan aus rotem Samt fallen, wurde einer goldenen Schüssel ansichtig und begann, Lebküchlein und kandierte Früchte daraus zu naschen, dann eine weitere Schale mit Apfel-Rosinen-Pudding zu vertilgen und schließlich noch Mandeln mit Honig in seinen Schlund zu stopfen, obwohl er sich bereits an der Festtafel für mindestens drei Personen gütlich getan hatte. Aber einem kulinarischen Genuss war sein adliger Gaumen niemals abhold. Bescheidenheit war ihm verpönt; sie war eine Zier für den einfachen Mob.

Als seine Mutter Megara ihm die sieben Jungfrauen in sein Gemach schickte, sah er gelangweilt zu, wie die knapp bekleideten Schönheiten auf dem glänzenden Marmorboden, in dem edle Intarsien aus Silber und Gold eingearbeitet waren, einen kunstvollen Bauchtanz aufführten. In hauchdünne Seide gewandet bewegten sie sich schlangenhaft und erotisch in einer lustvollen Choreografie. Ein Harfen- und ein Flötenmusikant begleiteten die Gruppe mit heiteren Melodien. Er ließ die stimulierende Darbietung gähnend über sich ergehen, ohne, dass es ihn irgendwie scherte. Statt ihr Beifall zu zollen, spie er auf den Boden und bohrte nach Essenresten zwischen seinen Zähnen und schnippte die Fundstücke durch den Raum.

Nach einer Weile schickte er sie kurzerhand wieder weg wie lästige Bittsteller. Den Hauptmann der Leibgarde winkte er heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Verlustiere dich mit deinen Kameraden mit den Weibsstücken.“ Ein schmieriges Grinsen konnte der Hauptmann kaum unterdrücken. „Wie Eure ehrenwerte Hoheit befehlen.“ Er salutierte ehrergiebig ob des großzügigen Präsentes und verschwand unter mehreren tiefen Verbeugungen, als versuchte er mit seiner Nase den Bauchnabel unter seinem genieteten Lederwams zu berühren, das bei der Bewegung knarrte wie eine alte Holzkutsche. Der Uniformierte wählte sechs glückliche Wächter aus und verteilte die sieben unbefleckten Honigtöpfe an die scharfen Schwerter, die sich bereits in Vorfreude gen Himmel hoben.

Der königliche Fettwanst klingelte mit einem kleinen Glöckchen, und beflissen erschien ein schwarz gewandeter Mann - sein persönlicher Diener -, der besonderes Vertrauen genoss. „Bring mir… du weißt schon. Ich will mich amüsieren!“ Der Leibdiener nickte ergeben. Sprechen konnte er nicht, denn er war stumm. Dafür hatte das Königshaus vor Jahren gesorgt. So konnte er kein Geheimnis ausplaudern. Der Prinz wollte keine Zeit mehr mit langweiligen Weibsstücken vertändeln. Bald schritt das Faktotum seines Herrn in Begleitung von zwei Leibgardisten durch die Kellergewölbe des Palastes und löste die Ketten des Blondschopfs, den Megara verstoßen hatte. Das jüngste Spielzeug der Monarchin sollte - wie alle anderen Jünglinge zuvor - ein Leben in den Minen erwarten. Doch Prinz Talos hatte zunächst anderes mit dem jungen Mann vor.

An einer Stelle im Palast, an der um diese späte Stunde niemand mehr verweilte, ließen die Gardisten den Leibdiener mit seiner Begleitung alleine. Die Gerüsteten hatten ihre Aufgabe erfüllt und kehrten in die Wachstube zurück, wo ein herzhafter Braten und so mancher Kelch Gerstensaft auf sie warteten. Als Nachspeise warteten einige Mägde darauf, ihnen den Abend zu versüßen, während draußen der Vollmond das Mauerwerk der Feste beschien. Der Diener zückte seinen gebogenen Dolch und deutete dem Blondschopf an voranzugehen. Die klirrenden Fußketten machten jeden Fluchtversuch sinnlos. Der güldene Bursche trippelte, so schnell er konnte, vor dem Dienstboten her, während er an seinem Gesäß die Spitze des Dolches spürte, die ihn zur Eile antrieb.

Einige Momente später erreichten die Beiden ungesehen die Gemächer des Prinzen.
Fett thronte er auf dem Diwan und leckte sich die dicken kurzen Finger ab, an denen pompöse Ringe prangten. Der Herrscherspross zeigte vor sich auf den Boden. Der Diener drückte den Blondschopf vor. „Auf die Knie, du Unwürdiger!“ ranzte Talos ihn an, und der Diener drückte ihm schmerzhaft die Dolchspitze in den Rücken. „Wie nennt man dich?“ fragte Talos den vermutlich gleichaltrigen Jüngling. „Ich heiße Euros.“ Talos lachte dreckig und verschluckte sich fast an den Resten einer karamellisierten Mandel, die er noch im Mund kaute. „Nein“, sagte er lauernd, „ab jetzt heißt du Schwanzmaul!“ Euros sah ihn schockiert und unverständig an.

Talos riss seinen Umhang theatralisch zur Seite, und Euros wäre beinahe zurückgezuckt, als er sah, dass der Prinz unter seinem Umhang vollständig nackt war. Nur dicke goldene Ketten mit Edelsteinen verliefen über seiner fetten und hängende Brust. Ein umfangreicher Wanst wölbte sich prall in alle Richtungen, und fast verdeckt von der gemästeten Schwarte und den stämmigen kurzen Beinen schaute ein Penis hervor, der steif und dick aus einer wilden Schambehaarung hervorstach wie ein gedrungener Pilz aus einem Kräuterbett.

Der Scherge des Prinzen packte den jungen Mann im Genick und drückte sein Gesicht in seines Herren Schoß. Aufstöhnend wusste der Jüngling nicht, wie ihm geschah, doch schon bald hatte er Talos erigierten Luststab tief im Schlund. Der dicke, kurze Phallus wuchs in die Luft und erinnerte an eine gedrungene Möhre. „Saug daran und leck schön“, forderte Talos mit weibischer Stimme, die ihm eigen war, wenn er erregt war. Er ergötzte sich an der Ungemach von Schwanzmaul und grunzte genießerisch. Der Diener sorgte dafür, dass der Lustsklave seine Aufgabe zu Talos Zufriedenheit ausführte.

Nach nur wenigen Momenten ächzte der fette Königssohn und stöhnte, kicherte und atmete schwer. Eine lauwarme Flüssigkeit schoss Euros zwischen die Lippen, die er überrascht schluckte. Talos lachte über den Gesichtsausdruck seines neuen Spielzeuges: eine Mischung aus völliger Bestürzung und Ekel. „Bring Schwanzmaul weg und sorge gut für ihn“, lachte Talos mit piepsiger Stimme und einem wölfischen Grinsen, wobei seine langen, gelblichen Zähne zwischen den teigigen Lippen auftauchten. Der Diener katzbuckelte vor seinem Gebieter, zog den Jüngling auf die Beine und führte ihn hinaus. Euros Fußfesseln rasselten laut, und doch hörten die beiden das Gekicher des Herrschersohnes noch auf dem langen Gang aus schwerem Marmor.

Er übergab den Jüngling einem anderen Mann, der mit einer weinroten Tunika gekleidet war. „Ich heiße Xeno und werde dich nun in dein neues Heim bringen. Wenn du dich von Wert zeigst, kannst du dir das Wohlwollen der Majestät verdienen. Doch ich warne dich: Sollte Talos mit dir unzufrieden sein, so gnade dir die Todesgöttin.“ Euros verstand kein Wort. Was sollte mit ihm geschehen? Und was hatte der Prinz mit ihm gemacht? Das war ja Liebe unter Männern gewesen! Der Jüngling war völlig verwirrt. Auf jeden Fall hatte es ihm überhaupt nicht gefallen. Besonders, weil Talos so unansehnlich war: dieses gewaltige Doppelkinn, das ihn an einen Pelikan erinnerte; der riesige Wanst, der beinahe seine Oberschenkel bedeckte; die hängenden Brüste, die ihn an den Busen einer stillenden Magd erinnerten; die fettigen Haare und der Mund mit den fleischigen Lippen, den gelben, langen Zähnen, dem ausströmenden Geruch eines Hammels...

Xeno brachte den Lustsklaven in eine luxuriös eingerichtete Kammer, in der er auch baden und sich umkleiden durfte. Es gab einen prunkvollen Diwan, mit feinster Seide bespannt und mehreren flauschigen Kissen bedeckt, einen güldenen Tisch, kunstfertig verzierte Vitrinen, bauchige Sessel und einen gepolsterten Fußhocker. Von der Decke flackerte der Schein eines Kronleuchters, der mit zwölf Bienenwachskerzen bestückt war und den Raum mit bernsteinfarbenem Licht durchzog. Auf einer Anrichte stand eine Schüssel aus braunem Steingut und eine dazugehörige Kanne mit frischem Wasser. Endlich konnte er sich das Gefühl des Unflats aus seinem Mund spülen. Euros wollte kein Sklave sein. Er erkundete das Gemach. Die schwere Tür war von außen verriegelt. Ein Fenster führte in einen Innenhof, doch es war mit schwarzem Schmiedeeisen rautenförmig vergittert. Ohne Erlaubnis kam er hier nicht raus.

Am nächsten Morgen wurde ein armer Bauer vor die Tyrannin geführt. Die Herrscherin trug einen edlen Brokatmantel und Geschmeide aus Gold und Juwelen, der Mann eiserne Ketten an Händen und Füßen, einen zerrissenen Umhang und Lumpen am Leib. Einen Schlappen hatte er von seinem linken Fuß verloren, als ihn die Wachen auf dem Weg zu Megara grob gestoßen hatten. Die zwei Soldaten, die ihn vor die Herrscherin geworfen hatten, standen in ihren Stulpenstiefeln und Lederröcken stramm. Ein auf Hochglanz polierter ziselierter Brustharnisch schmückte die Männer, die ihre Gewandung voller Stolz trugen. Megara saß auf ihrem pompösen Thron und sah einen edel gekleideten Mann fragend an, der auf auf ein Knie sank. „Euer Majestät! Dieser nichtsnutzige Lump will die Steuer nicht zahlen. Wir haben bereits seinen Hof abgebrannt und sein Vieh geschlachtet, aber die Schuld ist nicht gesühnt“, berichtete der Mann in servilem Tonfall. Seine Augen waren zum Marmorboden niedergeschlagen. „Hast du dich vergewissert, dass der Wurm keine Münzen versteckt hat?“ fragte Megara lauernd. Der königliche Beamte antwortete demütig: „Selbstverständlich, Euer Majestät! Wir haben sein Weib vor seinen Augen... verhört.“

Der Bauer schluchzte laut auf. Vor seinem inneren Auge sah er seine entehrte Gemahlin, wie sie den grobschlächtigen Soldaten ausgeliefert war… Sofort erhielt er einen groben Schlag in den Rücken, und ein Wächter fauchte ihn an: „Schweig still!“ Die Monarchin schürzte die Lippen. „Reißt dem Gezücht die stinkenden Lumpen runter. Ich will mich selbst überzeugen!“ befahl sie fordernd. „Sofort, Majestät“, antwortete der Mann speichelleckerisch, der der Geheimgarde der Königin angehörte und Tribute sowie Steuern bei der Bevölkerung eintrieb. Er wies die Wachen unwirsch an, den Befehl auszuführen, die dem Bauern augenblicklich die letzten Kleiderfetzen vom Leib rissen.

Splitternackt stand der arme Mann nun gebeugt vor der Majestät und schämte sich seiner Hüllenlosigkeit. Sein Leib wirkte jünger, sehniger und ansehnlicher, als durch die Lumpen vermutet. Ein spöttischer Zug ging über die grausamen Züge der Regentin.
Der Geheimgardist fragte: „Was soll mit dem Sünder geschehen, Eure Majestät? Sollen wir ihn zu dem anderen Abschaum werfen, auf dass sich der Henker um ihn kümmere? Oder soll er die Gnade eines Sündermals empfangen?“ Megaras Mundwinkel deuteten ein Lächeln an. Doch in ihrer Stimme war so wenig Wärme wie im Geräusch einer Stahlklinge, die über einen Wetzstein schabt. „Nein! Er hat doch vielleicht etwas, was er mir geben kann…“ Der Gardist sah seine Regentin fragend an. Was konnte der Bauer besitzen? Seine restliche Habe hatten längst die Wachen unter sich verteilt. „Bringt mir meinen Leibdiener“, befahl Megara barsch, und eine unauffällige Gestalt, die im dunklen Hintergrund gestanden hatte, eilte beflissen los.

Kurz darauf war die Majestät mit ihrem Leibdiener alleine. „Wascht und kleidet den Bauerntölpel. Dann bringt ihn in mein Schlafgemach.“ Der Leibdiener verbeugte sich huldvoll und entfernte sich rückwärts mit mehreren devoten Verneigungen. Doch vor dem Treffen mit ihrer neuen Gesellschaft hatte Megara noch eine Aufgabe zu erledigen. Sie stolzierte gemach einen Gang entlang und betrat einen Raum, vor dem zwei Wachen postiert waren, die zackig grüßten und die zweiflügelige Tür für ihre Herrscherin öffneten. Megara schlenderte an einer Wand entlang, an der Dutzende Peitschen und andere Schlaginstrumente hingen. Sanft strich sie an den Gerätschaften mit den Fingern einer Hand entlang und wählte dann eine kunstvoll geflochtene Nilpferdpeitsche. Damit stieg sie eine breite Marmortreppe in ein Untergeschoss des Palastes. Wieder salutierte eine Wache in einem kleinen Schildhaus, das in die großen Blöcke der Mauer wie ein Alkoven eingebettet war, vor ihr und begleitete sie mit einer leicht blakenden Fackel eine weitere Steintreppe hinab in die Katakomben unter dem Schloss, die breit verzweigt angelegt waren und auch eine Verbindung zu der Silbermine hatte.

Megaras Ziel war das Peingewölbe für faule Arbeitssklaven. Die Regentin betrat einen unterirdischen Raum, der einer grob geschlagenen Höhle glich, und in dem nur ein fahles Licht der Fackeln die Steinwände erleuchtete. Mehrere Soldaten in Kettenhemden oder Lederrüstung waren anwesend, die stramm standen oder sich tief verbeugten – je nachdem welche Funktion sie ausübten. Megara wurde vom Leiter des Bestrafungskommandos ehrergiebig begrüßt. Dann zeigte der Mann auf eine Reihe in weiße Baumwollbahnen eingewickelte Sklaven, die eng nebeneinander auf dem Rücken lagen. Kleine Schlitze zum Atmen waren gelassen. Ansonsten war fast der komplette Körper von Kopf bis Fuß verbunden – bis auf das nackte Geschlecht! Für jemanden, der diese Ahndung von fehlender Arbeitsleistung bisher nie gesehen hatte, mag sie sonderlich bis bizarr erscheinen. Doch für Megara war dies ein wöchentliches Ruitual und gehörte zu ihrem genehmen Zeitvertreib. Eine Wonne zur Kurzweile, die sie kurz nach dem Tod ihres Gemahls eingeführt hatte.

Die mumifizierte Reihe bestand aus zehn Delinquenten. „Es möge beginnen“, befahl Megara knapp und beobachtete, wie eine gewaltige Holzapparatur in den Raum gerollt wurde. Die Eisenräder quietschten, und die Soldaten ächzten unter dem wahrhaft gewaltigen Gewicht. Über der stabilen Holzkonstruktion brannte ein Feuer auf einer massiven Eisenplatte. Darüber wiederum hing eine bauchige kupferne Wanne.

Jetzt schwenkten Helfer mehrere kleine Rohre, die mit der Wanne verbunden waren, über die Delinquenten: zehn Stück – also für jeden Sklaven ein Rohr. Ein Soldat meldete: „Es ist soweit.“ Megara nickte zufrieden und trat noch einen Schritt näher, um alles genau überblicken zu können. Der Soldat drehte ein Rädchen an der Konstruktion, das sämtliche zehn Ventile an den Röhrchen öffnete. Die Flüssigkeit aus der Wanne strömte durch die Wege zu den Sklaven und ergoss sich heiß über deren Männlichkeit. Trotz der Baumwollbahnen über ihren Gesichtern, gellten die hellen Schreie durch das Gemäuer, und gleichzeitig war das ausgelassene Lachen der belustigten Majestät zu vernehmen. Die Mumien wackelten und zappelten in ihrer restriktiven Fesselung, als wollten sie einen einstudierten Tanz aufführen.

In Kürze waren zehn Gemächte bedeckt mit elfenbeinfarbendem Wachs. Aus den Röhren tropfte der Rest, dann war die Wanne leer. Megara befahl: „Bringt den faulsten unter ihnen zum Strafpflock.“ Dann strich sie mit einer Hand über ihre Leder-Peitsche und spürte dabei ein wohliges Gefühl. Sie betrat einen Nebenraum, der exklusiv und prunkvoll eingerichtet war und gar nicht zu dem Kerkerraum passen wollte. Hier widmete sich Megara einem ausgiebigen Bad, das nach kostbaren Aromen duftete. Völlig entkleidet stieg der königliche Leib die mit einem Mosaik verzierte Treppe in das Becken und genoss das erfrischende Wasser. Ihre prallen Brüste streckte sie nach vorne, und dann schwamm sie ein wenig im Becken und planschte herum. Die langen Haare waren auf dem Kopf zu einem beeindruckenden Turm aufgedreht, damit sie nicht von der Nässe besudelt wurden.

Im ganzen Reich herrschte massive Wasserknappheit, doch hier im Palast der Herrscherin gab es zwei große Brunnen, die nur der königlichen Familie zur Verfügung standen.
Wäre Megara nicht so verschwenderisch mit dem kühlen Element umgegangen, hätte sie damit einen ganzen Landstrich versorgen können. Doch ihr gewaltiger Lustgarten musste bei den hohen Temperaturen mehrfach am Tage begossen werden: der Zierrasen, die Beete mit bunten Blumen, die Klettergewächse... Und auch die insgesamt vier Schwimmbecken im Schloss sollten sauber sein, so dass das Wasser nach Gebrauch stets ausgetauscht wurde. Alleine dafür benötigten die Angestellten einen beachtlichen Teil des gesamten Vorkommens. Davon hätten sich Dutzende Familien versorgen können, die stattdessen mit trockenen Kehlen darbten. Aber war es nicht nur angemessen, wenn ein so kostbares Gut der edelsten Dame und Allmächtigen des Reiches zustand? Warum es für niederes Gewürm verschwenden? Wäre das nicht verantwortungslos gewesen?

Während Megara sich und ihre Gedanken im Bad treiben ließ, hätte ein stiller Beobachter bemerkt, wie die Tyrannin leise zu stöhnen begann und ihre Augen schloss, wie sie verkrampfte und schließlich laut stöhnend und dann genießerisch seufzend zum Rand des Beckens schlenderte, um aus den Fluten zu steigen, ein verklärtes Lächeln im Gesicht, noch trunken vom ekstatischen Hochgefühl. Im Anschluss zog sich Megara ihre kostbaren Gewänder über und band einen samtenen Umhang mit einer goldenen Brosche vor ihrer Brust zusammen.

Ihr nächstes Ziel war der Strafpflock: Ein dicker Holzstamm mit etwa einer Elle Durchmesser. Ein Sklave, der sein Soll nicht erfüllt hatte, war bis auf ein paar Baumwollbahnen über seine Hüfte nackt und umarmte den Stamm breitbeinig. Füße und Hände waren mit dicken Ketten auf der anderen Seite fixiert.

Megara ließ wieder die Peitsche liebevoll durch ihre Hand gleiten, wie man vielleicht einem Kind übers Haar streichelte, und schwang gekonnt den Lederriemen durch die Luft. Bald knallte der erste Hieb auf dem Rücken des Mannes, der dumpf aufgrunzte, als der höllische Schmerz auf seinem Fleisch explodierte. Dann zischte der Riemen erneut. Und wieder. Und wieder. Die Geißel hungerte nach mehr. Megara arbeitete sich den Rücken hinab und hinterließ ein furchtbares Muster, das ihre Lust nährte.

Die Schreie des Mannes wurden unter dem beißenden Leder immer lauter und erbärmlicher, dann schließlich erschöpfter und kraftloser und leiser. In der Folge peitschte sie den Lendenschurz des Mannes hinunter und zauberte zielgenau eine Verzierung auf das blanke noch jungfräuliche Gesäß, als wollte sie die Signatur eines Künstlers an ihrem Werk anbringen. Längst winselte der Sklave um Gnade, aber Megara schien dadurch nur zu kraftvolleren Schlägen motiviert zu werden. Erst als ihr Arm lahm zu werden dräute, warf sie die Peitsche einer Wache vor die Füße und sagte: „Lasst ihn noch eine Weile mein Geschenk genießen. Anschließend zurück mit der Made in die Mine.“ Die Kreatur sollte nicht länger als nötig mit ihrer Anwesenheit den Palast beschmutzen.

Megara war nun bereit für ihr neuestes Spielzeug. Sie steuerte ihr Schlafgemach an und war neugierig, was sie dort erwartete. In Vorfreude zeichneten sich ihre Brustwarzen straff und hart unter dem edlen Stoff ab, der ihren königlichen Leib umschmeichelte. Der Bauerntölpel würde ein herrlicher Spaß werden. Wenn sie ihn aus seinen neuen Kleidern blätterte, würde ihm vielleicht frösteln. Glühende Kohlen könnten ihn wärmen... Er hatte schon Hof und Weib und Hab verloren, aber er hatte doch noch so vieles zu schenken: seine Würde, seine Schreie, seine Hoffnungen, sein Flehen, sein Leben...
5. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von Gummimike am 01.01.18 18:19

Was für ein Aas diese Megara. Allerdings hat sie durchaus kreative Einfälle zur Folterung der Sklaven.
6. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 07.01.18 12:03

Am nächsten Tag ließ sich der fette Prinz Talos mit seiner goldenen Sänfte über die Felder tragen. Er wollte die neuesten Sklaven begutachten. „Erleuchte mich! Arbeiten sie fleißig, Atropos?“ fragte er seinen Begleiter, der die Oberaufsicht über die Feldarbeit hatte. „Sehr wohl, Majestät“, antwortete Atropos in seinem harten Lederharnisch, „die Sklaven erreichen ihr Soll.“ Talos wedelte gelangweilt mit seinen dicken, beringten Fingern vor seinem Gesicht herum: „Ach was! Macht dem Gewürm Beine! Ich will, dass es nicht so faul auf der Haut liegen.“ Atropos verneigte sich demütig und gab einem Wächter die entsprechenden Kommandos. Daraufhin setzten sich mehrere Soldaten sofort in Bewegung und trieben die Arbeiter ambitioniert zu größter Eile an.

Als ein Sklave dabei stolperte und mit der ganzen Länge nach in den Dreck fiel, zog ein narbengesichtiger Wächter seine Rute und hieb auf den Liegenden ein, bis der humpelnd aufsprang und wieder weiterschuftete. Talos lachte meckernd über das Ungeschick. Dann verschluckte er sich und räusperte sich hustend. „Damit der Sklave nicht wieder hinfällt, soll er ab heute nur noch kriechen. Habt Ihr das verstanden?“ Atropos befleißigte sich, dem Prinzen schnell zu antworten. Wächter fixierten daraufhin an dem Sklaven perfide Ketten, die ihn in eine kriechende Stellung zwangen.

Atropos wagte den vorsichtigen Einwand: „Bedenkt Majestät, der Sklave wird so sein Soll nicht erfüllen können.“ Talos warf seinem Untertan eine Dattel von seiner goldenen Obstschale an die Stirn und erwiderte verdrießlich: „Dummkopf! Dann wird er dafür eben bestraft.“ Wieder lachte Talos meckernd und winkte lässig aus dem Handgelenk, auf dass die Sänfte weiter getragen wurde, die greinenden Laute eines Sklaven hinter sich lassend.

Die Männer, die die Griffe hielten, ächzten leise und marschierten stampfend unter dem beachtlichen Gewicht der Sänfte und des Herrschersohnes vorwärts. Abas und sein neuer Freund wurden heute mit zahlreichen anderen Sklaven, die alle mit Eisenketten aneinander gebunden waren, auf die Felder gebracht. Da das Sprechen streng verboten war, flüsterte Abas leise Skiron zu: „Warum arbeiten wir heute nicht in der Mine?“ Skiron wartete ab, bis ein Wächter weitergegangen war, dann antwortete er leise: „Ab und zu tauschen sie die Arbeiter aus. Aber freu´ dich nicht zu früh: Auf den Feldern bist du den ganzen Tag der brutalen Sonne ausgesetzt. Und die Feldknechte haben ein bestimmtes Soll zu erfüllen. Wer das nicht schafft wird von Megara hart bestraft und…“ „Ruhe da, oder es setzt Hiebe“, brüllte ein bulliger Wächter von hinten, der nur deshalb nicht gleich zugeschlagen hatte, weil er zu bequem war, zu den beiden Übeltätern zu laufen. Er gehörte zu den Wachen, die nicht ritten, sondern neben der Sklavenkolonne herliefen, mit langen Peitschen bewehrt, um für das geforderte Tempo der Gruppe zu sorgen und sie in Reih und Glied auf dem staubigen Weg zu halten.

Die Kolonne wurde unter der brütendheißen Sonne auf ein Feld geführt, wo endlose Reihen von Baumwollpflanzen standen. Die Aufgabe der Sklaven war es, die Baumwolle zu pflücken und große Weidenkörbe damit zu füllen. Noch stand das Tagesgestirn tief, denn es war früher Vormittag. Trotzdem herrschten schon kaum zu ertragende Temperaturen. Gegen Mittag würden die Sklaven nach Wasser schreien. Skiron wusste: Die Aufpasser würden den Leibeigenen nur wenige Schlucke gewähren, die lediglich verhinderten, dass die Sklaven vor Erschöpfung und quälendem Durst umkippten.

Bis zum Abend stand ihnen die reinste Hölle bevor. Dagegen war die Schufterei in der Mine noch ein Kinderspiel gewesen. Aber Skiron wollte seinem neuen Freund Abas nicht zu sehr Angst und Bange machen. Er würde es noch früh genug erfahren. Der Tag sollte kein Deut weniger schlimm werden, als befürchtet. Die Wärter tranken ständig aus ihren Wasserschläuchen – peitschen war ja so anstrengend. Und die Arbeiter erhielten aus einer verbeulten Metalltasse winzige Portionen, in die einige der besonders rauen Gesellen zuvor spuckten. Abas war am Ende seiner Kräfte, als es endlich auf den Rückweg in die Festung ging. Jeder Muskel, jeder Knochen in seinem Leib schmerzte höllisch. Mit letzter Mannhaftigkeit stolperte Abas in seine schmutzige Zelle und fiel auf dem mit Stroh bedeckten Boden nieder. Um sich auf die Pritsche zu legen, dazu fühlte er sich zu verzehrt.

Auch in den folgenden Tagen änderte sich nichts an den unbilligen Umständen. Die drakonische Plackerei auf den Feldern laugte ihn völlig aus. Doch versuchte er stets, sein Soll zu erfüllen. Denn mehrmals hatte er gesehen, wie die Wärter die Schwachen, die einfach nicht mehr konnten, prügelten, bis diese entweder wieder an die Arbeit gingen oder abtransportiert wurden. Skiron hatte nur den Kopf geschüttelt, als Abas ihn gefragt hatte, wo diese armen Kreaturen hingebracht würden. Gab es ein Lazarett für diese armen Geschöpfe? Aber die vielen aufgehängten Käfige vor der Festung mit den Skeletten darin sprachen Bände darüber, wie sich Autokratin Megara ungewünschter Untertanen entledigte.

Nach fast zwei Wochen hatte sich Abas mit der aufreibenden Feldarbeit abgefunden. Sein Körper war kräftiger geworden, wiewohl die spärlichen Mahlzeiten nur wenig nahrhaft waren. Doch statt abzumagern und zu zerbrechen, führte die Tagesroutine und seine Willensstärke dazu, dass seine Muskeln wuchsen, sein Körper sehnig und athletischer und seine Hände härter wurden.

Bald schon gehörte Abas zu den stärksten Sklaven und erhielt kaum noch Schläge der Wächter, denn er erfüllte sein Soll zuverlässig. Trotzdem litt er voller Mitleid unter den Qualen, die seine Gefährten erdulden mussten. Die perfiden Strafen der Aufpasser waren vielfältig und die Kreativität ihres Sadismus schien kaum Grenzen zu kennen. Einen Arbeiter hatten sie sogar in ein Geflecht von Ketten gesperrt, so dass er nur kriechend zu der auszehrenden Plackerei kommen konnte und so auch schuften musste.

Jeden Tag erhielt diese traurige Figur vor dem Abend von mehreren Wächtern eine Abreibung, weil er auf allen Vieren nicht schnell genug gewesen war. Dazu stellten sich die Männer mit ihren Prügelstöcken und Peitschen in zwei gegenüberstehenden Reihen auf, durch die der Arme kriechen musste. Bei diesem Spießrutenlauf krabbelte der Mann trotz seiner wunden Hände und Knie so schnell wie ein Wiesel und brüllte vor Angst und Schmerz. Später dann brabbelte er in einem Monolog davon, dass er am nächsten Tag mehr leisten würde. Seine Augen waren aufgerissen, sein krummer Körper wiegte sich hin und her. Abas dauerte der Sklave und konnte dem grausamen Geschehen nicht zusehen und drehte den Kopf jedes Mal weg.

Doch nach mehreren Tagen - der Sklave war immer schwächer geworden und würde wohl spätestens Morgen abtransportiert werden – fiel Abas auf, dass ein Wärter nur mimte, als schlüge er zu. Hatte er da einen Wohltäter gefunden? Konnte das möglich sein? Ein bisschen Menschlichkeit unter diesen mitleidlosen Bestien? Diesen brutalen Monstern? Frönte der Mann einem hehren Ziele? So gut er konnte, beobachtete Abas seit diesem Augenblick diesen Wachmann, einen klein gewachsenen, fast zierlichen Burschen, der nie seinen Helm abnahm und dazu noch einen Seidenschal vor dem Gesicht trug, der ihn vor dem feinen Sand schützte, der besonders bei Westwind über die Felder jagte. Der Wachmann gehörte zu einer Spezialeinheit, was Abas durch das rote Wappen auf dem Gewand erkannte. Solche Uniformen hatte er unter den Kerkerwächtern gesehen.

Und der Bauernjunge sollte recht behalten: Am Abend erkannte er den kleinen Mann wieder, wie er mit anderen seiner Einheit vor Abas Zelle patrouillierte. Später am Abend, die Wachen hatten sich zurückgezogen, wurde die schwere beschlagene Tür zum Zellentrakt erneut geöffnet. Abas glaubte seinen Augen nicht: Der kleine Wachmann kam alleine und schloss Abas Gitter auf. Mit gezücktem Schwert deutete er an, Abas möge keinen Laut von sich geben und vorangehen. Er gehorchte wortlos und spürte pieksend die scharfe Schwertspitze in seinem nackten Rücken. Seine Fußketten klirrten und schabten auf dem rauen Steinboden.

Der Weg führte einen Gang entlang, dann zweigten die Beiden in einen kleineren Flur ab und verschwanden hinter einer Tür in einem kleinen dunklen Raum, der völlig leer zu sein schien. Doch dann hörte Abas hinter sich das entzündende Geräusch einer Fackel, die die Umgebung erleuchtete. Er wagte es, sich umzudrehen, doch sofort drohte der Wächter mit eigentümlicher Stimme: „Leg dich auf die Liege da! Und die Hände über den Kopf!“ Abas gehorchte. Er trug immer noch Fuß- und Handketten, die weit genug waren, dass er damit auf den Feldern arbeiten konnte. Der Wächter hakte die Hand- und Fußketten mit Schlössern an der Liege fest, so dass Abas nun mit den Händen oberhalb seines Kopfes und ausgestreckten Beinen hilflos da lag. Sollte er bestraft werden? Wofür?

Er hatte immer sein Soll erfüllt. War es sadistische Willkür? Hatte er sich in dem Menschen geirrt? Abas wollte protestieren, doch schon fühlte er das blitzende Schwert an seiner Kehle. „Keinen Mucks, oder du bist tot!“ Der junge Sklave schluckte nervös und versuchte auf das Schwert unterhalb seines Kinns zu starren. Er fühlte die Spitze und wusste, dass die Schneiden der Schwerter so scharf waren, dass ein Recke sich damit problemlos rasieren konnte.

Doch was machte der Wärter nun? Er legte den Waffenrock ab und knöpfte sich das Wams auf. Dann löste er den Gürtel seiner Pluderhose. Abas wurde heiß. Er war in die Fänge eines… eines….. Ihm fehlte das Wort. Doch hatte er schon von verbotenen Ritualen zwischen Männern gehört, die…. Es war nicht auszusprechen! Es war Frevel! Abas betete zu den Göttern. Nein! Es durfte nicht geschehen! Lieber würde er für immerdar und bis in alle Ewigkeit als Feldsklave schuften, als Opfer dieser schändlichen Sünde zu werden!

Zur gleichen Zeit einige Etagen höher vergnügte sich der fette Kronprinz Talos mit seinem Blondschopf Euros. „Los, Schwanzmaul, hüh-hott! Lauf, vorwärts!“ Der dicke Sohn der Herrscherin hatte sich auf den zierlichen blonden Jüngling gesetzt und ließ sich durch die Gemächer reiten. Lachend und mit einer kleinen Gerte bewaffnet, trieb er den nach Atem schnaufenden und unter der schweren Last zitternden Euros über den harten, kalten Marmorboden. Talos war nur mit einer kurzen Tunika bekleidet, und seine gewaltigen Hüften und Hinterbacken drückten nackt auf Euros Rücken. „Los, Schwanzmaul! Vorwärts!“ Talos kicherte und hielt Euros blonde Locken als Zügel in den kurzen dicken Fingern, die durch die überdimensionierten und mit Edelsteinen besetzten Goldringe noch plumper und wurstiger wirkten.

Bald brach Euros unter dem enormen Gewicht des Prinzen zusammen, aber Talos stand wütend auf und schlug wild mit der Gerte auf den splitternackten Sklaven, der lediglich einen Keuschheitsgürtel trug. Sein Reittierchen umklammerte seine Unterschenkel und schützte sich in der Embriostellung. „Wirst du wohl aufstehen, du fauler Hund! Dir werde ich es zeigen, unter Prinz Talos wegzuknicken und ein Nickerchen einzulegen!“, schalt er sein Pony. Als die Gerte zubiss, zappelte Euros hilflos auf dem Boden und änderte verzweifelt seine Position, um dem Schlaginstrument auszuweichen, aber er hatte keine Chance. Erst als Talos sich verausgabt hatte, und besonders der kleine Po des Jünglings rot vor Striemen war, die bereits anschwollen, begnügte sich der Adelsspross mit der Bestrafung und zerrte den Kopf seines Untertans zwischen seine Beine. „Los, Schwanzmaul! Zeige mir, was du vergangene Woche gelernt hast!“ Als Euros devot und fatalistisch seinen Mund öffnete und Talos kurzen und stark behaarten erigierten Penis aufnahm, kicherte der Prinz hell auf, wie es seine Art war, wenn er erregt war.

Abas zitterte vor Angst. Der Wachmann hatte seine Pluderhose ausgezogen. Was für Beine der Mann hatte! Kein einzige Haar war zu sehen. Die Haut war zart, wie die einer Dame. Dann lüftete der Wärter endlich den Seidenschal. Abas sperrte vor Überraschung den Mund weit auf. Der Mann sah aus wie… ein Weib. Als er/sie sein/ihr Hemd ausgezogen hatte, war Abas sich sicher: Er hatte es mit einer jungen Lady zu tun. Die kleinen, runden und festen Brüste bewiesen es endgültig. „Guck nicht so, als hättest du einen Geist gesehen!“ schalt die Frau, die nun näher an die Liege trat. „Ich heiße Leda.“
Jetzt war die Stimme plötzlich eine Oktave höher als zuvor und hatte vermutlich ihre natürliche Klangfarbe bekommen.

„Du…du bist eine Frau“, stammelte Abas. Leda lachte leise. „Ja. Hast du das auch schon gemerkt? Auch Frauen dürfen als Wachen arbeiten. Warum auch nicht?“ Abas konnte nur staunen. Aber was wollte die junge Frau von ihm? Seine Miene schien die Frage deutlich auszudrücken, denn Leda kicherte: „Was glaubst du wohl? Ein hübscher Bursche wie du?“ Abas blieb der Atem weg. Dann bewegte sich das holde Weib gemach zu ihm und strich ihm zärtlich durch das Haar. Abas wusste nicht, wie ihm geschah.

Schon lag Leda bei ihm und liebkoste den durchtrainierten Körper des Jünglings. Abas genoss die Berührungen, spürte plötzlich einen Kuss, als sich ihre Zungen vereinten. „Du bist wunderschön“, hauchte Abas seiner Leda entgegen. Ein famoses Feuer entflammte in seinen Lenden, so heiß, wie er es noch nie in seinem Leben erlebt hatte. Doch dann erinnerte er sich an den Keuschheitsgürtel. „Wir können uns nicht lieben“, sagte Abas niedergeschlagen. Leda fragte: „Du meinst, weil eine Wächterin keinen Sklaven lieben darf?“ Abas schüttelte den Kopf. „Nein. Schau doch. Ich habe wie alle Sklaven einen Panzer um meine Männlichkeit.“

Abas fürchtete schon, Leda wüsste nicht, dass er sein Gemächt benötigte, um Liebe zu machen. Aber Leda stieg von Abas ab und hielt plötzlich einen Schlüssel in der Hand. „Ich bin Kerkerwächterin. Daher habe ich hier für alles Schlüssel.“ Mit diesen Worten kniete sie neben ihm nieder und steckte den gezackten Metallstift in den Keuschheitsgürtel und drehte das Schloss: Es sprang auf, und Abas Penis drückte den Gürtel ungeduldig zur Seite, denn Ledas Blöße hatte ihn stark erregt.

Ein Lächeln stahl sich in Ledas Gesicht. Sie stieg wieder auf den Burschen und setzte sich rittlings auf ihn, beugte sich vor und küsste ihn ganz ungeniert. Dem jungen Mann wurde blümerant. War er im Paradies der Götter? Diese junge Lady saß entblößt auf seiner Männlichkeit, und… Jetzt griff Leda nach seinem Lustspender und ließ ihn in ihre… Wie nannte man die Weiblichkeit in ihrem warmen Schoß? Abas stöhnte auf und verkrampfte, spürte die Hitze und das feuchte, zarte und enge Fleisch der Venus. Es war so wunderschön! Leda bewegte ihre Hüften und stöhnte ebenfalls auf. Abas Luststab bewegte sich in ihr und bereitete beiden größtes Vergnügen.

So ging es weiter und weiter, und das Paar näherte sich einem ekstatischen Finale. Abas atmete schwer, seine Hände ruhten auf den Seiten der Wärterin, nach und nach rutschten sie weiter zu den herrlichen Pobacken, die sich auf und ab bewegten und lustvoll spannten. Und dann wurde Abas ganz sonderbar: Er musste einen Schrei unterdrücken und hielt die Luft an, als er Leda tief in ihre schönen Augen starrte. Ein kräftiges Gefühl durchströmte ihn, ein Widerspruch eines süßen Mahlstroms gleich, und er goss seinen Samen in die Frucht des Weibes. Leda machte ein leises Geräusch, das sich anhörte, als habe sie Schmerzen, und Abas sah erschrocken zu ihr, doch Leda lächelte mit offenem Mund und küsste ihn erneut. Leidenschaftlich. Sie vereinten ihre Zungen begierig und voller Temperament.

Erst nach einer Weile, in denen sie sich liebkost und geküsst hatten, löste sich Leda von dem Gefesselten und brachte den Keuschheitsgürtel wieder an. „Das hier brauche ich wohl nicht, oder?“ fragte sie und zeigte auf ihr bedrohliches Schwert. Abas schüttelte den Kopf und zog sich bereitwillig seine wenigen Kleider an. Die Enge im Keuschheitsgürtel war so sehr anders, als die wohltuende Weiblichkeit von Leda. Sein Mannesgefängnis war kalt und ließ sein bestes Stück einsam und traurig zurück. Leda rüstete sich in ihre Uniform und brachte ihren heimlichen Liebhaber zurück in seine Zelle. Ein letzter eher flüchtiger Kuss, dann schloss die Wärterin die Tür seines neuen Heims. Abas spürte noch immer die Nachwehen seiner befreiten Manneskraft, doch umso brutaler war der Gegensatz in seinem Zuchtgürtel.

Im Palast vergnügten sich die selbstherrliche Herrscherin und ihre Entourage bei einem „Arena-Abend“. Im Westflügel des Schlosses lag ein großer Saal, der wie ein antikes Theater oder ein römischer Zirkus gebaut war. Königin Megara saß in einer prunkvollen und mit Obsidian verkleideten Loge und eröffnete zu dieser späten Stunde die heutigen Sklavenkämpfe. Hierzu mussten ausgewählte Sklaven antreten, die entweder das Pech hatten, gut gebaut zu sein und für Megara daher einen Augenschmaus bedeuteten, oder den Wächtern negativ aufgefallen waren. Der Potentatin waren gewöhnliche Zweikämpfe schon seit geraumer Zeit langweilig geworden. Deshalb mussten sich die Soldaten immer wieder etwas Neues einfallen lassen.

Besonders amüsant fand das Königshaus, wenn mehrere schwache Sklaven gegen einen besonders starken und großen Kämpfer antraten. Üblich waren scharfe Waffen wie Schwerter, Äxte, Beile, Dreizacke, Lanzen und Dolche; gegen blutrünstige Spektakel hatte Megara nichts einzuwenden, aber unterhaltsamer fand sie es, wenn die Athleten mit Öl eingerieben wurden und auf einem flachen Becken mit weiterem Öl nur mit ihren nackten Leibern kämpften. Sieger war, wer den Gegner für mindestens zehn Herzschläge auf den Rücken zwang. Regeln gab es ansonsten keine.

Da die Kämpfe am Abend bei Dunkelheit veranstaltet wurden, erhellten Dutzende blakende Fackeln an den Wänden den Saal. Die Flammen beleuchteten Megaras grausames Gesicht in einer Weise, die es in eine diabolische Fratze verwandelte. Aber auf diese Details achtete niemand. Die Zuschauer feierten die Kämpfer und schlossen Wetten über den Ausgang ab. Reichlich Wein floss aus bronzenen Kelchen die Kehlen hinab.

Bald wurden die ersten drei Geschöpfe in die Arena geführt. Wächter mit härenen Umhängen pieksten die Kämpfer mit ihren geschärften Hellebarden in die Allerwertesten und trieben sie so vorwärts. Sie waren splitternackt, was die weiblichen Zuschauerinnen in ihren pelzverbrämten Seidenkleidern begeistert pfeifen und jubilieren ließ. Auch Prinz Talos Schweinsäuglein leuchteten, als er von einem Gemächt zum anderen blickte.

Und dann erschien der Gegner: Ein muskulöser Mann, der mindestens einen Kopf größer und deutlich breiter und kräftiger war als seine drei Konkurrenten, die ob der kraftstrotzenden Erscheinung ein jämmerliches Bild abgaben. Ein Raunen ging durch die Sitze, denn die feinen Damen des königlichen Hofes hatten so einen gut gebauten Mann niemals zuvor gesehen. Und insgeheim starrten sie auch auf das gewaltige Gemächt des Riesen und spürten, wie es eine wohlige Wärme und ein Prickeln in einigen ihrer Körperregionen verursachte.

Der Prinz grinste dümmlich, als er den massigen Penis und die voluminösen Hoden sah, aber dann verfinsterte sich sein Blick, als er daran dachte, wie klein doch sein eigenes Gemächt gegen das des Adonis war. Sollten die drei Anderen den Gorilla niedermachen! Ihn entmannen und auf den Prahlhans speien! Unbewusst knüllte und drehte er am Tüll seines Gewandes, als wolle er ein armes Geschöpf garottieren. Pikiert schob er seine Unterlippe nach vorne wie ein beleidigtes Kind und sah zu seiner Mutter, die mit einem Zeichen den Kampf eröffnen würde. Dem stolzen Sieger winkten eine bevorzugte Behandlung und vielleicht sogar die Freiheit. Der Verlierer wurde öffentlich bestraft. Auch das war ein Teil der Arenakämpfe, auf den sich viele der Anwesenden bereits freuten. Megara hob ihre rechte Hand und ließ den Arm wieder fallen – das Zeichen, dass der Kampf beginnen sollte. Ihr Perlmuttarmband blitzte dabei im Licht der Fackeln auf. Sofort stürzten sich die drei Sklaven auf den Riesen.
7. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 12.01.18 19:00

Aber selbst der gemeinsame Schwung reichte nicht aus, um den Gladiator zu fällen. Als prallten sie gegen eine Wand, kamen sie vor dem Riesen zum Halten und klatschten in den öligen Unrat des Kampfpfuhls. Der Recke packte zwei von ihnen am Nacken und zwang sie mit ihren Köpfen bis auf den Boden in die Ölpfütze. Dann gab er den einen wieder frei und presste dafür den anderen mit aller Kraft auf den Rücken und stieg auf den zu Boden gerungenen mit seinen fast drei Zentnern Gewicht hinauf, um ihm den Garaus zu machen. Während die beiden übrigen verzweifelt versuchten, den Riesen nach hinten auf den Rücken zu zwingen, blieb der Gigant aufrecht sitzen, bis der Kampfrichter den Sklaven erlöste. Allerdings war der Mann damit ausgeschieden und erwartete ein dunkles Schicksal.

Jetzt wurde es noch schwieriger für die beiden verbliebenen Sklaven, gegen den Fels von einem Koloss zu bestehen. Ein Sklave lenkte den Hünen ab, während der andere von hinten auf den Gegner sprang und seinen Unterarm fest um dessen Hals schraubte und ihn würgte. Der Riese wedelte mit den Armen und wäre beinahe nach hinten umgekippt. Er versuchte den kleineren Sklaven abzuschütteln, aber der krallte sich fest und nahm dem Goliath nach und nach die Luft zum Atmen. Der Sklave hing an dem Gegner wie ein Bullenbeißer. Der andere Sklave rammte den Konkurrenten nun von vorne und prallte mit seiner Schulter genau in das gewaltige Gemächt. Jetzt endlich sank der Muskelprotz aufbrüllend auf die Knie. Jubel brandete aus den Zuschauerreihen auf. Die Damen des Königshauses klatschten aufgeregt in ihre Händchen. Was für ein Spektakel! So einen Giganten hatten sie schon lange nicht mehr in der Arena gehabt.

Der Kleine, der den Riesen gefällt hatte, setzte direkt nach: Mit einem kräftigen Ellbogenstoß in das Gemächt des Mannes sorgte er für einen weiteren Schmerzensruf.
Inzwischen war der Kopf des Goliath rot angelaufen, denn noch immer hatte er den anderen Gegner an seinem Hals hängen. Eine Halsader stand vor Anstrengung prall hervor. Da packte er mit seinen Pranken über seinen Kopf nach hinten und riss den Sklaven mit unglaublicher Kraft über sich und wirbelte ihn mehrere Schritte weit durch die Luft wie ein Säckchen Ähren.

Endlich hatte er sich von dem Plagegeist befreit. Der Sklave klatschte in das fußtiefe Öl, dass es nur so spritzte. Der Hüne schnappte sich nun den anderen Gegner, der zwei Mal sein Gemächt malträtiert hatte und zwang ihn auf den Boden. Jetzt kam die Gelegenheit für seine Revanche: Mit einer Pranke hielt er den Mann an der Kehle auf dem Boden, mit der anderen Faust hieb er dem Liegenden in dessen Juwelen. Ein schriller Schrei entfuhr dem Sklaven, was bei den Damen auf den Rängen ein jubilierendes Kichern auslöste. Der Gepeinigte drehte sich mit angezogenen Beinen auf die Seite. Aber der Riese riss ihn zurück auf den Rücken und warf sich mit seinen drei Zentnern auf sein Opfer.

Nach zehn Wimpernschlägen war es auch für diesen Unglücklichen vorbei. Er wurde von vier Wachen unter dem Jubel der Zuschauer aus der Arena geschleift. Jetzt blieb nur noch ein Gegner für den Koloss übrig. Vorsichtig umkreisten sich die Beiden wie zwei konkurrierende Raubkatzen. Schneller, als man es ihm zugetraut hätte, sprang der Riese nach vorne und umschlang seinen Konkurrenten mit einer Umarmung wie ein Bär, der seine Beute zerquetschen will. Er hätte die Kraft gehabt, Rippen bersten zu lassen...

Doch seine ganze Kraft nützte ihm nichts, denn das Öl machte die Körper der Kämpfenden glitschig, so dass der Sklave dem Griff, der ihn ins Todesreich geführt hätte, entkommen konnte. Schnell krabbelte der Sklave durch die Beine des massigen Gegners, und noch bevor dem Muskelmann klar wurde, was da gerade geschehen war, explodierte erneut ein Treffer in seinem Gemächt. Erschrocken brüllte der Riese auf und sank erneut in die Knie. Der Gigant erholte sich jedoch schnell und sprang wütend auf, drehte sich zu dem anderen um und sprang erneut auf ihn zu. Allerdings war der Sklave zu flink, sich fangen zu lassen und wich dem Großen immer wieder aus.

Die Fräuleins in ihren Seidenkleidern und Brokatumhängen auf den Rängen gaben aufgeregte Schreckensrufe von sich, als der Koloss den Kleinen beinahe erwischte. Das Lager spaltete sich: Die einen gönnten dem Riesen einen Erfolg, die anderen hatten Mitleid mit dem Sklaven. Die Gebieterin Megara verfolgte das Katz-und-Maus-Spiel und nippte nebenbei an ihrem goldenen Kelch mit dem schweren Rotwein.

Aber dann fiel der Sklave auf eine Finte des Riesen ein und wurde an einem Arm gepackt. Jetzt gab es kein Entkommen mehr. Der Mann zerrte wie verrückt an seinem Arm, doch der Riese zerquetschte ihm fast das Handgelenk. Elle und Speiche knackten verdächtig. Er zog seine Beute zu sich heran und schleuderte ihn mit grober Gewalt auf den Rücken. Er setzte sich auf sein Opfer und wartete die zehn Herzschläge ab. Der Sklave unter ihm zappelte mit letzter Kraft, aber den Giganten konnte er nicht abschütteln.

Nun wurde auch der dritte Sklave weggebracht. Der Sieger wendete sich zur Königsloge, kniete sich in den Staub und verbeugte sich tief. Megara verkündete: „Du sollst drei Jungfrauen erhalten, Kämpfer. Du hast sie dir verdient.“ Der Hofstaat und das weitere Publikum ließen einen aufbrausenden Applaus ertönen. Der Gladiator dankte Megara für ihre Gnade mit noch tieferen Verbeugungen, so dass sein Gesicht den Boden berührte.

Doch damit war der Arena-Abend noch nicht beendet. Eigentlich ging es gerade erst los. Die drei Verlierer wurden von armierten Wachen in die Arena zurück gebracht und nebeneinander mit ausgebreiteten Armen und Beinen auf dem Boden mit Pflöcken festgebunden, so dass sie wie drei große X aussahen. Dann kam der Scharfrichter: Ein schwarz gewandeter Mann mit einem blitzenden Silberdolch bewaffnet. Auf seinem Umhang prangte ein großer silberfarbener Greif. Er verbeugte sich demütig vor seiner Herrscherin und schritt dann zu dem ersten der Männer. Der Scherge kniete zu dem Sklaven hinab und zog seine scharfe Damast-Klinge. Dann griff er um den Hodensack des Verlierers und sah fragend ins Publikum.

Dutzende Daumen richteten sich an den ausgestreckten Armen nach unten: Keine Gnade sollte es für den Sklaven geben. Die letzte Entscheidung hatte die Majestät. Auch sie gab das erbarmungslose Zeichen. Der Sklave plärrte und zerrte an den Fesseln. Aber er konnte nur entsetzt zusehen, wie der Häscher seinen Dolch senkte und an den Hodensack des Sklaven ansetzte. Der Jubel des Publikums wurde so laut, dass die Angstschreie des Sklaven darin versanken. Prinz Talos reckte seinen Hals und grinste breit. Sein Mund öffnete sich vor lauter Erwartungshaltung. Vor Aufregung lief ihm ein kleiner Speichelfaden über das Doppelkinn.

Abas lag auf seiner Pritsche. Er konnte nicht schlafen. Was für eine Begegnung hatte er in dieser Nacht erlebt! Ihm war schon bang gewesen, alles nur geträumt zu haben, aber als kurz darauf zwei Wachen in dem Zellentrakt patrouillierten, und er Leda erkannte, die ihm ein Äuglein zuzwinkerte, da durchströmte ihn ein Wohlgefühl, wie er es bisher nicht gekannt hatte. Eine warme Kraft wogte durch seinen Bauch. Der Jüngling hatte sich verliebt.

Am nächsten Tag musste Abas wieder auf den Feldern schuften, aber er ertrug sein Schicksal mannhaft. Er dachte die ganze Zeit an Leda: ihre wunderschönen Augen, ihre zarte Haut, ihre heißen Lippen, ihre knackigen warmen Brüste, den flachen Bauch, die geschwungenen Hüften und die köstliche Weiblichkeit ihres Körpers. Am Nachmittag gehörte Leda zu seinen Wachen. In einem unbeobachteten Moment steckte Leda ihm sogar einen Brocken Brot zu.

So vergingen die nächsten Tage. Als Abschlussritual am Abend wurde die arme Kreatur in den Ketten wieder von den Wachen gepeitscht: Der Sklave, der vor Talos Augen gestolpert war, und deshalb sein künftiges Leben kriechend verbringen musste.
Am nächsten Tag fehlte der Sklave in den Reihen der Arbeiter. Abas fragte Skiron nach dem Mann. „Ich habe gehört, dass er sein Leben ausgehaucht hat“, bekundete der Kamerad und sah Abas traurig an. Abas war sprachlos. Für den Rest des Tages war er tief in Gedanken versunken. Er musste von diesem fürchterlichen Ort flüchten. Und die wunderbare Leda würde er mitnehmen. Gemeinsam würden sie ein neues Leben in Freiheit beginnen, weit weg von Megaras Schergen.

Des Nachts hatte Leda wieder die Möglichkeit gehabt, sich zu ihrem Abas zu schleichen. Sie riskierte damit Kopf und Kragen, aber ihr Geliebter war die Gefahr wert. Die Herzen der beiden jungen Leute schlugen wie eines. Dieses Mal verzichtete die Wärterin auf die Fesseln und legte ihre Waffe zur Seite. Sie vertraute Abas voll und ganz. Der Jüngling sah das Schwert in Reichweite liegen, und einen kurzen Augenblick liebäugelte er damit, die Situation zu nutzen, um aus dem Palast zu entkommen.

Aber das konnte er Leda nicht antun. Er fragte zwischen zwei leidenschaftlichen Küssen: „Warum flüchten wir nicht gemeinsam von hier?“ Leda schüttelte den Kopf: „Wir würden nicht weit kommen. Die Soldaten der Megara würden uns geschwind aufspüren.“ Das gab Abas einen Stich ins Herz, doch noch wollte er seine Hoffnungen nicht aufgeben, die gerade erst wie ein zartes Blümlein auf karger Erde gewachsen waren. Leda strich ihm tröstend über das Haupt. „Gräme dich nicht, Geliebter.“

Während das junge Paar im Kerker seiner Leidenschaft frönte, vergnügte sich Prinz Talos mit dem Blondschopf Euros auf seine bizarre Art. Der fettleibige Königssohn spielte den Arenakampf nach, der vor einigen Tagen stattgefunden hatte. Er wickelte seinen Arm von hinten um Euros, drückte ihm die Luft ab und erzählte aufgeregt: „Und so hat er ihn gepackt, und dann….“ Eine Gruppe Gesinde musste zuschauen und Interesse heucheln. Prinz Talos spielte auch die schmerzhaften Körpertreffer nach. Selbstverständlich war er bei der Demonstration immer der aktive Part. Euros dagegen musste ständig einstecken.
Er japste stöhnend auf, als ihn eine fette Faust mit all den Ringen genau in seiner Männlichkeit traf. Prinz Talos kicherte hell und gluckste vor sich hin. „Und dann ging es so weiter…“ Noch eine ganze Weile erhielt Euros Knuffe, Boxhiebe, Tritte und Backpfeifen, so dass ihm bald der ganze Leib schmerzte.

Die Nacht brachte auch nach der Präsentation des Kampfes nichts Gutes für den Blondschopf, denn Talos war durch die Hiebe in Euros Gemächt stark erregt und beugte den Sklaven über eine Truhe, um ihn von hinten zu nehmen. „Bitte nicht, Herr…“, flehte Euros, aber Talos rammte grunzend seinen Luststab, der hart und gierig vor Erwartung hervorstand, zwischen die engen Backen des Liebesdieners. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis der dicke Prinz seine Lust verströmte und stöhnend und sich weit übergebeugt auf Euros legte wie ein Seeelefant, der jemanden erdrücken wollte.

Als Talos wieder zu Atem gekommen war, zog er sich zurück und befahl Euros, in seiner Position zu verharren. Dann rief Talos nach Xeno, seinem Leibdiener. „Bring die Peitsche mit! Der Sklave muss für seine Unverschämtheit bestraft werden, mit den Rücken zuzudrehen!“ Xeno verbeugte sich und kam bald mit dem Gewünschten zurück. Talos machte es sich auf einem pompösen Diwan gemütlich, nahm ein paar Trauben und gab lässig wedelnd das Zeichen, Xeno möge mit der Bestrafung beginnen. „Zwei Dutzend reichen fürs erste“, stellte der Prinz wichtigtuerisch fest.

Xeno holte weit aus. Der kräftige Mann knallte das Schlaginstrument auf das zarte Sitzfleisch des Jünglings. Euros bäumte sich vor Schmerz auf, getraute sich aber nicht, seine Position zu ändern. Talos fläzte auf den Seidenkissen des Möbels, futterte Weintrauben und kicherte. Der Leibdiener schlug mit aller Kraft gnadenlos zu, denn er wusste, was geschah, wenn der Prinz nicht zufrieden sein sollte.

Als er die 24 Hiebe endlich ausgeführt hatte, verbeugte er sich vor Talos demütig und wartete auf weitere Befehle. „Verschwinde jetzt!“ sagte der Prinz und erhob sich ächzend von dem Diwan. Amüsiert betrachtete er den geschundenen Po des Blondschopfs. Vorsichtig strich Talos über die dick anschwellenden Striemen und leckte sich genüsslich über die Lippen. Euros wimmerte kaum hörbar und zuckte ängstlich bei jeder Berührung zusammen. In einer hektischen Bewegung warf Talos seine Tunika von sich und griff nach seinem erigierten Penis, der nur mit seiner Spitze aus dem dichten krausen Schamhaar herauslugte. Er steckte ihn erneut in Euros und rammelte wie wild drauf los.
Nach wenigen hektischen Augenblicken spritzte er ab und ließ sich nackt, wie er war, auf den Diwan fallen.

Schwer atmend sagte er: „Steh auf!“ Euros erhob sich und sah seinen Herrn mit Tränen in den Augen an. Der Prinz rümpfte die Nase und wedelte mit seiner Hand. „Warte in meinem Schlafgemach. Und bade vorher!“ Talos griff nach einer Weintraube. Vielleicht würde er am morgigen Tage mal durch die Kerker wandeln und sich ein neues Spielzeug suchen. Etwas Frisches. Etwas Aufregendes. Der Blondschopf wurde langsam langweilig…

Am nächsten Tag war draußen die Sonne kaum aufgegangen, da wurden einige Sklaven ausgesondert und in einer Halle des Kerkers gesammelt. Abas und Skiron gehörten dazu.
„Warum müssen wir nicht auf die Felder?“ raunte Abas seinem Freund zu. Der hob unwissend die Schultern. Bald schritt ein Mann in edlem Zwirn die Reihen der Sklaven ab. Er gehörte nicht zu den Wachen oder Soldaten. Vielleicht war es ein Vertrauter oder gar ein Mitglied der Herrscherfamilie? Auf seiner Brust war kunstvoll ein heraldischer Mantikor gestickt.

Der Mann gab knappe Anweisungen und wählte mehrere Arbeiter aus, die von den Wachen abgeführt wurden. Letztlich blieben nur noch zehn Männer übrig. Darunter auch Abas und Skiron. Soldaten führten sie in einen Teil der Kerker, den sie bisher noch nicht gesehen hatten. Hier war alles etwas sauberer, aber trotzdem spartanisch eingerichtet. Die Wachen brachten Fleisch, Brot und andere Speisen. Dazu gab es unbegrenzte Mengen frisches Wasser. Abas freute sich. Hatte Leda das für ihn organisiert? Und dann sah er sie auch in den Reihen der Wachen stehen. Aber sie machte ein eher betrübtes Gesicht. Warum? Es ging ihm doch nun viel besser. Und offenbar wurden die Auserwählten nicht auf die Felder oder in die Mine geschickt. Der einzige Nachteil war, dass sich nun Leda nicht mehr zu ihm schleichen konnte.

Am Nachmittag erschienen mehrere Soldaten. Sie befreiten die Sklaven sogar von ihren Ketten. Danach erklärte einer der Soldaten den Männern mit feierlicher Stimme, was die Schicksalsgöttin für sie geschrieben hatte. Abas und die anderen waren als Kämpfer für die regelmäßig abgehaltenen Arena-Abende der Königin erkoren worden. Nun würden sie in Ringkampftechniken ausgebildet werden. Tag für Tag trainierten sie gnadenlos und unbarmherzig. Abas erwies sich als sehr talentierter Kämpfer und ge gehörte bald zu den besten Gladiatoren. Seine präzise Technik und sein athletischer Körper brachte ihm dabei viele Vorteile. Die Übungsstunden machten Abas sogar Spaß, denn die Ausbilder waren zwar hart, aber gerecht. Abas vermisste fürwahr keine Geißel oder die Schufterei auf den Feldern. Nur Leda fehlte seinem Herzen sehr. Nicht einmal sehen durfte er sie mehr. Denn Leda war als Wächterin auf den Feldern und im Kerkertrakt der Arbeitssklaven eingeteilt.

Abas gehörte zu den stärksten und geschicktesten Kämpfern, und wurde nur selten besiegt. Die Lehrmeister stellten ihn sogar manchmal vor die Aufgabe mit zwei Gegnern gleichzeitig fertig zu werden. Und selbst das gelang dem gewandten Burschen. Doch eine Woche später begegnete er Kreios, dem riesenhaftesten Menschen, den Abas jemals gesehen hatte. Der Muskelberg war groß wie ein Gigant und breit wie eine Kutsche. Der Anblick des finsteren Gesellen war bereits Furcht einflößend. Zu allem Überfluss verlief eine lange Narbe von seinem linken Auge quer über sein Gesicht bis zum rechten Mundwinkel.

Aber damit nicht genug: Der Mentor zeigte auf Abas und meinte: „Das ist mein bester Neuling. Ihr zwei werdet miteinander ringen.“ Damit blickte er auffordernd auf den Koloss. Abas sah ungläubig von dem Lehrmeister zu Kreios und zurück. Das konnte nicht sein Ernst sein! Gegen dieses Ungetüm sollte er kämpfen? Da würde ja kein Knochen heil bleiben. Doch der Mann hatte es wohl ernst gemeint. Er schickte die beiden Recken kurzerhand in die Übungsarena und gab das Startsignal. Die anderen Gladiatoren scharrten sich neugierig in einem engen Kreis um den runden Platz. Skiron war bleich geworden. Sein Freund würde das nicht überstehen!

Skirons Befürchtungen wurden scheinbar wahr: Kreios wirbelte Abas durch die Luft, ließ ihn hart auf den Boden landen wie einen Wassersack, immer wieder, er schleuderte ihn einer Bola gleich durch die Arena, verdrehte ihm schmerzhaft die Glieder und nahm ihm im Schwitzkasten jeden Atem. Überraschenderweise verletzte sich Abas nicht, denn er rollte sich immer geschickt ab oder konnte sich aus den steinharten Griffen winden. Bis auf ein paar blaue Flecken und einer brutalen Landung auf seinem Steißbein blieb er heil.
Mit der Zeit konnte er Kreios sogar etwas Paroli bieten, aber es war auch Glück dabei. Eigentlich war er dem Riesen hoffnungslos unterlegen. Doch er verfügte über mehr Ausdauer als der Berserker und ließ sich nicht unterkriegen.

In den nächsten Tagen wuchs sein Ansehen in der Gruppe, und Abas fühlte sich sehr wohl. Aber er spürte auch immer stärker, wie sehr ihm Leda fehlte. Natürlich spielte auch eine Rolle dabei, dass sie den Schlüssel zu seinen Keuschheitsgürtel besaß.
Nachdem Abas unvergessliche Liebesnächte erlebt hatte, wollte er sie nicht mehr missen. Gemach aber deutlich bemerkte er, wie sich ein unangenehmer Druck in seiner Männlichkeit steigerte, besonders, wenn er an die ekstatischen Erfahrungen dachte, die ihm diese Venus bescherrt hatte. Aber er bekam keine Chance, sich Leda zu nähern, sie nur zu sehen. Seine frustrierte Männlichkeit machte ihn im Arenakampf nur stärker, aber eine wahre Befriedigung wollte sich nicht einstellen.

Potentatin Megara trug einen hohen gesteiften Samtkragen mit Perlmuttverschlüssen und stolzierte durch ihre prunkvollen Gemächer. Sie setzte sich ein mit Diamanten bestücktes Diadem auf und begutachtete sich selbstgefällig in einem mannshohen Spiegel. Sie war auf dem Weg zur neuen Auswahl Jünglinge, die glaubten, sie würden würdig sein, um als ihr Gemahl das Reich regieren und ihr einen Thronerben schenken zu können. Sie betrat kurz darauf eine Halle, in der ein Dutzend Männer eine Reihe bildete. Gelangweilt sortierte sie bis auf zwei Jünglinge mit lästig wedelnden Bewegungen alle aus.

Anschließend ließ sie sich auf einem protzigen Diwan nieder. Ein Barde sang und spielte auf einer Harfe für sie, bis sie ihn genervt wegschickte. Zwei Diener fächerten Megara mit großen Palmblättern frische kühle Luft zu, während sie die beiden verbliebenen Burschen betrachtete. Die jungen Männer standen erwartungsvoll vor der Hoheit und warteten darauf, angesprochen zu werden. Doch Megara ließ sich Zeit. Sie schnippte mit den Fingern und ließ sich von einem herbeieilenden Diener Wein einschenken. Die zwei Mannsbilder stand in einigen Metern Entfernung da wie Marmorsäulen und wagten es nicht, sich zu bewegen.

Der fettleibige Prinz besuchte derweil das Ausbildungslager der Gladiatoren, und beobachtete zwei Schwertkämpfer, die mit Holzwaffen einander umkreisten, bis plötzlich einer der beiden einen Ausfall machte und angriff. Der Gegner wehrte geschickt ab und drehte sich, wirbelte seine Waffe herum und hieb dem Anderen damit sengend auf den Rücken, so dass der Besiegte in den Staub stolperte. Prinz Talos lachte laut meckernd über den Sturz des Unglücklichen.

Der Waffenmeister wurde der Anwesenheit des Thronfolgers erst jetzt gewahr, sah erschrocken zu der Majestät und verneigte sich tief. Alle anderen Kämpfer fielen in den Staub und knieten nieder. „Gebt mir ein Schwert. Ich werde auch kämpfen.“ Die Worte des dicken Prinzen hingen bleischwer in der Luft. Der Schrecken des Lehrmeisters steigerte sich noch. Talos und kämpfen? Dieser ungelenke Dickwanst? „Aber Majestät! Die Sklaven sind es nicht würdig gegen Eure hohe…“ Talos unterbrach ihn: „Schweig still! Du gibst mir Widerworte?“ Der Kampfmentor schüttelte erschrocken den Kopf und verlangte hektisch nach einem Schwert für die Majestät. Er übergab Talos eine Waffe, von der er hoffte, der Prinz könne sie wenigstens heben.
8. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 21.01.18 11:16

Es war ein Dilemma: Würde das Schwert eher einem Dolch ähneln, würde er den Thronfolger beleidigen. Würde die Waffe aber zu schwer und mächtig sein und die Majestät überfordern, würde es dieser ebenfalls als Affront empfinden. „Melde dich heute Abend beim Kommandanten meiner Leibgarde. Du erhältst zwei Dutzend Hiebe auf deinen nackten Arsch!“ verkündete der Prinz bissig vor aller Ohren. Die Worte „nackten Arsch“ kamen ihm wie süßester Wein von den Lippen. Für den gestandenen Mann war diese Strafe völlig unangemessen - erst recht vor seinen Schülern -, und selbst die grausame Herrscherin Megara hätte sie nicht gutgeheißen. Doch wer wollte ihr davon berichten und sich den Zorn des Prinzen zuführen?

Wenigstens waren die Übungswaffen alle aus Holz und stumpf. Ein großes Metallschwert hätte Talos niemals führen können. „Der da!“ zeigte der Prinz auf den Kämpfer, der gerade gewonnen hatte, und fügte höhnisch und ironisch hinzu: „der Unbesiegbare!“ Der Gladiator war verunsichert. Gegen den Prinzen kämpfen? Es war bereits eine Todsünde, nur sein Haupt in Talos Gegenwart zu erheben. Und er sollte mit einem Schwert gegen ihn antreten? Er schaute entsetzt und unschlüssig zu seinem Lehrer, aber der Ausbilder gab den Befehl. Und er hatte ja den Wunsch der jungen Majestät gehört. Der Mentor betete zu den Göttern, der Kämpfer möge klug genug sein, und Talos gewinnen lassen. Egal, wie ungeschickt sich der Fettsack anstellte!

Da die Schwertkämpfer in direkter Nachbarschaft der Ringer übten, konnte auch Abas den Kampf aus einiger Entfernung sehen. Die Anwesenden knieten unterwürfig vor der Majestät im Staub; aber in diesem Fall durften sie ihr Gesicht erheben, um dem Kampf beizuwohnen. Schließlich heischte der Bastardsohn der Tyrannin nach Beifall. Und der Waffengang begann noch schrecklicher, als befürchtet, denn Talos stolperte über seine dicken kurzen Beine und wäre beinahe wie eine umkippende Stele aus Marmor im Staub gelandet wie seine Untertanen. Doch im letzten Wimpernschlag fing er sich und schwang sein Schwert ungelenk über dem Kopf, um anzugreifen.

Der Gegner wehrte den Schlag mit Leichtigkeit ab und hätte am liebsten die stumpfe Spitze seines Holzschwertes in die ungeschützte und wabbelige Flanke des Prinzen gerammt, um dem Widersacher einen schmerzvollen Rippentreffer zu versetzen. Stattdessen zog er sich nur zurück und umkreiste Talos defensiv, der schon nach dieser ersten Aktion stark schwitzte und ächzte. Weitere zwei Male versuchte der Fettberg erfolglos sein Glück mit tölpelhaften Bewegungen, die man kaum eine Parade nennen konnte, und der Gladiatorlehrling sah Hilfe suchend zu seinem Mentor. Mit einer heimlichen Geste zeigte ihm der Mann, dass er sich treffen lassen musste. Vielleicht gab sich Talos damit zufrieden. Endlich konnte der tumbe Prinz einen Erfolg verbuchen und schrie begeistert auf, um direkt weiter auf den Kämpfer zu prügeln und sein Schwert in dessen Magen zu rammen.

Der Rivale keuchte auf und verzog sein Gesicht peinvoll. Der Waffenmeister rief: „Wunderbar! Majestät! Ihr habt ihn besiegt! Welch filigrane Kampftechnik! Fürwahr! Exquisit! Fabelhaft!“ Prinz Talos giftete ihn Speichel spuckend an: „Was heißt hier besiegt? Liegt er etwa am Boden? Bittet er um Gnade? Vorher gibt es kein Pardon.“ Und wieder griff er an. Dieses Mal drehte sich der Schwertschüler weg, denn die Treffer des Prinzen taten höllisch weh. Das harte Holz konnte einige Blessuren verursachen. Talos lief ins Leere und wäre beinahe über sein Schwert gestolpert, das er zwischen seine dicken Beine bekam. „Verflucht!“ brüllte er. „Das sollst du büßen, du dreckiger Wurm!“ Schreiend kam er angerannt wie ein Berserker. Oder vielleicht eher wie eine gemästete Wildsau.

Nur halbherzig blockte der Gegner den Schlag und ließ sich absichtlich auf den Boden fallen. Der Thronfolger sah eher lächerlich denn gefährlich aus. „Bravo“, rief der Ausbilder der Hoheit zu. „Der Waffengang ist gewonnen!“ Talos atmete schwer, und sein Gewand war nass geschwitzt. „Der Hund hat seine Lektion erhalten“, ächzte er. Dann rammte er verbissen sein Holzschwert gegen alle Regeln der Ehre in die Rippen des Liegenden. Und noch ein Mal. Der Unterlegene stöhnte schmerzlich auf und krümmte sich am Boden.
Der Mentor rief: „Majestät! Ihr seid der Sieger! Euer starker Schwertarm beschädigt euren Gladiator, wenn Ihr ihm keine Gnade schenkt.“ Talos schnaufte verächtlich: „Dieser Versager! Du solltest ihn besser trainieren! Lass ihn ein paar Extrarunden durch die Sonne laufen! Und Wasser erhält er erst nach Sonnenaufgang wieder.“ Der Kampflehrer verneigte sich demütig, froh darüber, dass die Posse ihr Ende gefunden hatte.

„Oder besser…“, meinte Talos, während sich ein hämischer Tonfall in seine Fistelstimme schlich, „sollte er kriechen! Auf allen Vieren! Das, was er am besten kann!“ Talos rief herrisch nach Xeno, seinem Leibdiener. „Beschaffe die Kriechketten für diesen Nichtsnutz!“ Glucksend rief er nach seiner Sänfte und hievte sich hinein. Die Träger unterdrückten ein Ächzen und marschierten angestrengt unter dem enormen Gewicht mit ihrer Majestät davon. Mit der rechten Hand wedelte sich der Herrschersohn kühle Luft mit einem Seiden-Fächer zu, mit der linken grapschte er nach einer Schale voll gezuckerter Datteln.

Nach diesem Erlebnis sollten die Sklaven den Thronfolger so schnell nicht mehr sehen.
Während sie im Trainingscamp schwitzten, fläzte sich der dicke Königssohn auf seinem Diwan und futterte eine goldene Schüssel nach der anderen leer. Und als Nachtisch holte er sich oft Frischfleisch: einen Jüngling. Der blonde Euros war mittlerweile ausgemustert. Talos liebte die Abwechslung – wie seine Mutter. Daher schuftete Euros brav in den Minen unter dem Palast und fristete dort sein Dasein. Er empfand die knochenharte Schufterei in der feuchtschwülen Dunkelheit als das kleiner Übel. Doch es war kein Grund, der Schicksalsgöttin zu danken.

Des Nachts schliefen die angehenden Gladiatoren in großen Sammelzellen. Die jungen Männer trugen alle Keuschheitsgürtel. Ihr Mentor hatte ihnen erklärt: Königin Megara meine, die Recken müssen ihre gesamte Tatkraft in ihre Aufgabe stecken. Damit war wohl auch die sexuelle Energie gemeint. Den Männern gefiel das natürlich nicht, aber sie wurden nicht gefragt. Der ansteigende Lusttrieb in den engen Käfigräumen führte zu häufigen Streitigkeiten. Prügel waren an der Tagesordnung. Und wer bei einem Zwist erwischt wurde, dem blühte eine Züchtigungstrafe durch die Wachen.

In der folgenden Woche erschienen eines Nachts zwei Wachmänner, die Abas abführten.
Skiron machte sich große Sorgen. Sollte er für einen Arenakampf geholt worden sein? Oder erhielt er eine Körperstrafe wegen irgendeiner Nichtigkeit oder nur zur Belustigung der Männer? Doch als sein Freund mit einem breiten Grinsen zwei Stunden später zurückkehrte, war er erleichtert. Und leise flüsterte Abas ihm zu, was er erlebt hatte, der nur staunen konnte. Skiron hatte Abas Geheimnis und seine große Liebe Leda gekannt, aber den heutigen Streich wollte er kaum glauben: Leda hatte es irgendwie – vermutlich durch Bestechung – geschafft, Abas für ein Schäferstündchen in einen verlassenen Raum bringen zu lassen, wo das junge Paar ungestört war.

Abas Herz flatterte vor Aufregung, als Leda den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel gezückt hatte und ihn im Schloss umdrehte. Fast war es ihm peinlich, wie sein Lustspender hart und unnachgiebig sofort an Größe zunahm und prall nach vorne zeigte.
Leda hatte gekichert und war ihm in die Arme gefallen, um ihn leidenschaftlich zu küssen. Die Leiber rieben sich aneinander, die nach oben gerichtete Rute zwischen sich, und heizten seine Begierde noch weiter an. Längst brannten seine Lenden, und er konnte es kaum erwarten, dass Leda endlich ihre gerüstete Uniform ablegte. Heiß und innig vereinte sich das junge Paar und schwebte auf süßen bislang unbekannten Wolken ins Paradies…

Megara stolzierte in ihrer edlen Robe durch die Hallen des Palastes, ihre Leibgarde folgte ihr dezent im Hintergrund. Hinter einer Wand waren dumpfe große Trommeln zu hören, die eine Auspeitschung ankündigten. Mit diesen alltäglichen Bestrafungen von Sklaven hielt sich die Monarchin nicht auf. Megara schlenderte unter der hohen Gewölbedecke entlang und erreichte einen Raum, in dem ein mannshoher Kamin ein wärmendes Feuer aufwies. Die hoch lodernden Flammen fauchten leise. Ein Scheit brach in einem Funkenregen zusammen. Megara ließ sich auf einem Thron nieder, der auf zwei Stufen stand, die von einem prächtigen Bärenfell bedeckt wurden.

Im nächsten Moment öffneten zwei Schildwachen, die mit blitzenden Hellebarden bestückt waren, eine Flügeltür, durch die ein prächtig gewandeter Paladin schritt. Der edle Rittersmann trat auf Megara zu und verneigte sich mit einer schwungvollen Bewegung. „Was hast du von der Schlacht zu berichten, Telamon?“, wollte die Potentatin wissen und hob erwartungsvoll eine Augenbraue. Der Kriegsfürst verneigte sich erneut und erstattete in zackigen Worten und doch in leiseren Tönen, als er es vom Schlachtfeld gewohnt war, Rapport.

Leider hatte es hohe Verluste in den eigenen Reihen gegeben. Der Feind, deren Ländereien sie erobern wollten, hatte sich zwar verschanzen müssen, doch war er dort kaum zu besiegen. Für fünfzig gefallene Feinde blieben bis zu 300 der eigenen Männer auf dem Feld der Ehre zurück. Die Todesgöttin holte reiche Ernte ein. Da halfen auch keine Brandgeschosse, eine Armee aus Bogenschützen, Angriffstürme, Rammböcke, ja nicht einmal das moderne von den Alchimisten gemischte magische Pulver, das lauter knallte als Donner und Soldaten wie Schilfrohre umknicken ließ.

Megaras Laune war auf einem Tiefpunkt. Sie rief alsbald nach dem königlichen Jäger Daidalos. Eine Jagd wäre jetzt genau das Richtige, um sie abzulenken. Sie verabschiedete Telamon ungehalten: „Du wirst mir beim nächsten Mal bessere Nachrichten bringen, sonst, glaube mir, wirst du nie wieder solche Schmach verkünden können.“ Der Paladin katzbuckelte und zog sich unterwürfig zurück. Seine Zunge versteckte sich hinter zusammengepressten Lippen. Er war sich sicher, dass seine Hoheit ihre Ankündigung ohne viel Federlesens wahrmachen würde.

Sie musste sich ablenken. Eine Hetzjagd mit den königlichen Waidmannen wäre nun der beste Weg, ihre Gemütslage auf ein erträgliches Maß anzuheben. Was gab es Schöneres, als ein paar wohlschmeckende Kreaturen zu erlegen? Sie rief nach ihrer Leibgarde und den Wildschützen des Palastes. Ihre Zofe half ihr, sich passend in einen edlen Jagdrock aus Hirschleder zu kleiden. Megara betrachtete sich in einem mannshohen Spiegel und war zufrieden. Es schlich sich sogar ein seltenes Lächeln in ihr hartes Antlitz.

Kaum war die Tyrannin mit einer kleinen Kolonne auf ihrem stolzen Ross zur Jagd ausgeritten, erfuhr Prinz Talos davon. Sein Leibdiener Xeno hatte ihm geflissentlich davon berichtet. „Wenn Mutter zur Jagd ausreitet, wird sie erst morgen zurückkehren“, wusste Talos und riss vor Aufregung seine Schweinsäuglein auf, denn die Alleinherrscherin nächtigte dann regelmäßig in einer schanzenhaften Burg nahe dem großen Hirsch-Forst. Die Zitadelle mit der trutzigen Brustwehr und dem mächtigen Fallgitter und seinen armdicken Dornen aus Schmiedeeisen zeugte schon von Weitem von Megaras Macht. Das Bauwerk war eine Festung auf einem Felsen, der mitten in der Schonung in die Höhe ragte.

Das war eine gute Gelegenheit ein ausgelassenes Fest der besonderen Art zu feiern. Dass ihn niemand an seine Mutter verriet, dafür sorgte Talos mit einer ausgetüftelten Mischung aus Strafandrohung und Bestechung. Das hatte schon viele Male funktioniert.
Am Abend ließ er sich einen Jüngling aus dem Kerker holen. Xeno, der den Geschmack seines Herrn genau kannte, wählte für ihn den perfekten Liebessklaven aus. Der gerade erst der Jugend Entwachsene wurde gebadet und eingekleidet.

Während Talos sich fett auf einem Diwan fläzte, den Jüngling zwischen seinen Beinen, genoss er eine perfide Darbietung, die er sich selbst ausgedacht hatte und auf die er stolz war: Acht hungrige Sklaven waren mit auf den Rücken geketteten Händen zu ihm gebracht worden. Soldaten hatten den schmachtenden Opfern ihr Geschlecht mit einer duftenden Fleischpaste eingeschmiert. Auf Talos Kommando durften sich die Sklaven nun abschlecken und ihren Hunger befriedigen. Diese perverse Schau hätte ihm bei Megara eine Standpauke und Schlimmeres eingebracht.

Aber Talos trieb es auf die Spitze: Er ließ zwei Männer sich gegenseitig abschlecken, dann zwei Frauen, wieder zwei Männer, und als viertes Paar wieder zwei Frauen. Sündigeres hätte der Prinz nicht erdenken können. Er weidete sich an dem Ekel, den die Sklaven vor ihren Taten hatten; aber der grausame Hunger und die Furcht vor dem Thronfolger trieb sie zu ihrem Vorgehen, so dass sie sich gegenseitig das Gemächt leckten – Stück für Stück bearbeiteten sie gierig ihre Männlichkeit. Alle buhlten dabei stets um die Gunst des Prinzen und mimten die Vergnügten.

Talos stöhnte vor Lust auf, als der Jüngling ihn fast bis zum Gipfel der Lust brachte. Der Prinz starrte auf die leckenden Figuren vor ihm, und dann griff er dem Jüngling ins Haar: „Weiter! Schluck ihn! Nimm ihn ganz auf!“ Der Jüngling sah ängstlich auf und senkte sofort wieder den Blick demütig auf die vielen schwarzen Schamhaare, die ihn im Gesicht kratzten. Seine Kiefer waren weit offen. Er spürte, wie die dicke kurze Rute des Prinzen immer härter wurde und zuckte. Er ließ sie zwischen seinen Lippen eintauchen und liebkoste sie mit seiner rosafarbenen Zunge.

Eine Frau lenkte Talos ab, die aufstöhnte, weil sie die Mundfertigkeit einer anderen Sklavin an ihrer eingeschmierten Spalte erregte, da schrie Talos schrill: „Wachen! Reißt die Beiden auseinander!“ Zwei Soldaten führten den Befehl sofort aus und rissen die beiden Frauen grob hoch. „Bindet ihnen die Brüste fest ab!“ kreischte Talos, der es nicht leiden konnte, wenn andere Personen seine Lust teilten. In Vorfreude auf die tiefen Demütigungen und Schmerzen der Weiber, suhlte er sich in Selbstgefälligkeit und kraulte sein Doppelkinn.

Bald knieten die beiden Frauen vor dem Prinzen, ihre Brüste waren streng mit Hanfseilen gefesselt. Und bei ihrem leidenden Anblick kam der fette Herschersohn kichernd und ließ den Jüngling seinen Liebessaft schlucken. Talos rekelte sich auf seinem Diwan und stieß den Jüngling unwirsch mit einem Fuß weg. so dass der auf sein Gesäß plumpste. Sein Blick war scharf auf den Gedemütigten gerichtet - so fest, als wolle er ihn am Boden festnageln. Dann sagte er mit triumphierendem Unterton zu einem Wächter: „Bring die Sklaven wieder in den Kerker. Es gibt nichts mehr zu fressen für dieses Ungeziefer! Haltet sie schön mager, damit sie beim nächsten Mal wieder gierig lecken!“ Unter Talos hellem Lachen führten Soldaten die acht Sklaven ab.

Vorher allerdings winkte der Prinz die knienden Sklavinnen mit den eingeschnürten Brüsten zu sich, um kräftig und lustvoll die prallen Busen zu packen, zu kneten und zu drücken. Er gluckste zufrieden und sah die Frauen höhnisch an. Talos kniff in die Brustwarzen und zwirbelte so lange, bis die Sklavinnen ihre Schmerzensschreie nicht mehr unterdrücken konnten. „Schafft sie weg!“ sagte Talos grinsend. Dann wurde seine Miene schlagartig düster: „Sie langweilen mich.“ Sollten sie zurück in ihre Kerkerhöhle, wo sie siechen könnten. Aber getrennt und in Ketten! Er griff nach einem großen Trinkkelch und goss sich erlesenen Rotwein in den Rachen. Den Rest verschüttete er über den Jüngling und verließ den Raum. Er war müde geworden.

Im Kerker sanken die Sklaven in sich zusammen wie missratener Hefeteig. Kaum gesättigt, dafür zutiefst erniedrigt, darbten sie vor Hunger, und ihre Schwäche ließ sie wanken und stumpf und traurig aus hoffnungslosen Augen umher blicken. Einer der Wachen warf einen abgekauten Putenschenkel in den Zellenkäfig. Um die Almosen zu bekommen, rüttelten die Gefangenen ihre letzten Kräfte auf und zerrten um den Knochen wie räudige Gossenköter. Der pockennarbige Wachsoldat hatte seine Essensreste nicht aus Mitleid in den Käfig geworfen. Er hatte bei seiner langweiligen Aufgabe nun sein ganz persönliches Schauspiel. Und seine drei Kameraden erfreuten sich ebenfalls an dem unwürdigen Spektakel.

Später, als alles ruhig wurde, überkam ihn die Lust. Als er als Nachtwache alleine Dienst schieben musste, winkte er eine Sklavin herbei an die Gitterstäbe. „Willst du ein Stück von meinem knusprigen Braten?“ fragte er leise und hielt ihr einen Brocken kaltes Fleisch hin. Das würzige Brataroma zog verführerisch in die Zelle. Die Sklavin war ausgemergelt. Ihre Hände waren auf dem Rücken mit Ketten gefesselt. Gierig schnupperte sie durch das Gitter und sah den Wachmann flehend mit großen Augen an. Der Soldat grinste. „Ich lasse dich raus, dann gibt es was für dich. Aber du musst mir zu Willen sein. Willst du das?“ Die Frau stöhnte auf und nickte hastig. Der Gerüstete schloss die Tür auf und zerrte die Sklavin heraus. Er drückte sie über einen alten Tisch und wollte sie von hinten nehmen. Dazu legte er seinen Helm mit der Brünne ab, öffnete seinen Gambeson und den darunter getragenen Waffenrock und warf der Sklavin den Fleischbrocken vor das Gesicht. Die Frau schnappte danach und kaute gierig.

Im letzten Moment bemerkte der Kerkerwächter seine Zuschauer hinter der Gitterwand und brüllte: „Umdrehen! Alle umdrehen!“ Die Insassen gehorchten und starrten zur dreckigen Verlieswand, an der Moos und Schimmel gedieh. Der lüsterne Mann nestelte erneut am Waffenrock, und drei Wimpernschläge später stöhnte die Sklavin auf, als ihre Weiblichkeit den strammen Luststab aufnahm, der mit einem kräftigen Stoß in sie hineinrammte und nach der Sättigung seiner Lust dürstete.

Am nächsten Tag trainierten die Gladiatoren besonders hart. Zur Ankunft der Monarchin sollte ihr zu Ehren ein weiterer Arenakampf stattfinden. Wieder würde der Riese Kreios sich beweisen müssen. Was Abas zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Er würde gemeinsam mit seinem Freund Skiron gegen den Giganten antreten. Neben Ringkämpfen übten die Rekruten nun auch mit dem Schwert und verschiedenen anderen Waffen: Netze, Lanzen, Falchions, Streitkolben, Dolchen und Sicheln. Während der fette Prinz sich Spieße mit Braten, Äpfeln und Zwiebeln einverleibte und sich die dicken Finger abschleckte, schwitzten die jungen Männer bei dem harten Drill.

Den gesamten Tag über liefen die Vorbereitungen auf den Empfang der Herrscherin auf Hochtouren. Überall schmückten Diener den Palast, in der Küche bereitete das Personal Unmengen von Braten (darunter ein kompletter Auerochse am Spieß), in Butter getunkte Brote und viele andere Köstlichkeiten vor. Das Wildbret würde die Jagdgesellschaft erst mitbringen. Aber die königliche Küche hatte selbstverständlich Vorräte an Fasanen, Tauben, Hasen, Hirschen, Wildschweinen und vielem anderen Getier.

Als Megara mit ihrem Gefolge die Palastmauern erreichte, ertönten laute Fanfaren, Trommeln und Hörner als Willkommenssignal. Auf ihrem stolzen und reich geschmückten Ross trabte sie durch das eiserne Gitter. Ihr prächtiger Schimmelhengst wirbelte Erdklumpen mit den Hufen auf. Die Rappen und Falben der Entourage trugen kunstfertig bestickte Schabracken und Kopfhauben und folgten ihrer Führerin im Trab. Posten standen Ehrenspalier und grüßten die Herrscherin respektvoll, die mit flatterndem Umhang an ihnen vorbei ritt, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Ein Standartenträger ritt dem Tross vorneweg, gefolgt von Megara und dem Jagdmeister Daidalos, der auf dessen langem Lederhandschuh ein Jagdfalken mit einer Lederhaube saß, sowie die engsten Verwandten des Königshauses; den Abschluss bildeten Edelmänner des Adels sowie als Nachhut eine mit langen Lanzen bewaffnete Reiterschar in Helm und Harnisch.

Talos hörte die Zeichen der Ankunft und ließ einen in Honig gebackenen Hähnchenschenkel lustlos fallen. „Mutter“, sagte er in einem abfallenden Ton, als hätte er auf eine faule Dattel gebissen. Ihre gegenseitige Abneigung war längst bekannt. Am liebsten hätte Megara ihren Sohn schon vor langer Zeit auf eine andere Burg geschickt, um ihm von königlichen Lehrern Zucht und Ordnung beibringen zu lassen. Außerdem ahnte sie etwas von seiner unnatürlichen Männerliebe.

Aber Talos besaß ein wichtiges Pfand: Er war als Kind zufälligerweise Zeuge gewesen, wie seine Mutter ihren Gemahl mit einem Pulver vergiftete. Er hatte gesehen, wie sie ihren dicken Goldring öffnete, indem sich die tödliche Substanz befand, dann hatte sie den Inhalt in des Königs Weinkelch rieseln lassen und es ihm mit einem zärtlichen Gutenacht-Kuss auf die Stirn überreicht. Noch in derselben Nacht hatte Talos III. nach einem Heiler gerufen und über starke Brustschmerzen geklagt. Aber auch der Leibarzt konnte nicht verhindern, dass die Majestät Blut spuckte und nach starken Krämpfen aus dem Leben schied. Prinz Talos hatte die letzten Minuten des Vaters noch vor Augen. Der König war zusammengebrochen und zuckte ein letztes Mal, dann hing seine blau gefärbte Zunge aus dem Mund.

Prinz Talos hatte seiner Mutter nie erzählt, wessen er ansichtlich geworden war, aber durch Andeutungen zur rechten Zeit, hatte er sie in einer Ungewissheit gelassen, die sie nicht wagen ließ, ihn aus dem Palast zu jagen. Trotzdem wartete Megara nur auf den passenden Moment, um ihren Sohn loszuwerden. Denn zu allem Unglück war der missratende Sohn auch noch ein Bastard. Sie verfluchte den Tag der Zeugung noch heute. Die Königsgemahlin hatte ihn vor Jahren mit einem Stallknecht gezeugt, als ihr Eheherr auf Kriegszug war. Talos III. hatte nie die Hitze zwischen ihren Schenkeln befriedigen können, dieser Versager! Ihr heimlicher Liebhaber konnte nichts mehr ausplaudern, denn den hatte Megara kurz nach der Geburt des Prinzen von Schergen in der weit entfernten Höllenklamm verschwinden lassen. Aber Talos blieb gefährlich und ihr ein Dorn im Auge. Eines Tages…, schwor sie sich.
9. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 26.01.18 19:40

Gegen Abend eröffnete Megara auf ihrem Thron das Festbankett. Vor dem Arenakampf sollten Hofstaat und Edelleute mit einem verschwenderisch üppigen Mahl zufrieden gestimmt werden. Mit sattem Bauch ließen sich die Kämpfe wohliger genießen.
Bald schon feierte die gehobene Gesellschaft im großen Speisesaal ein rauschendes Fest, lachte, tanzte, rülpste, sang und brüllte, warf mit Essen und kleckerte mit schwerem tiefrotem Wein. Draußen schufteten die Diener, schleppten immer neue überladene Tabletts mit Köstlichkeiten herbei und rannten danach in die Küche, um Nachschub zu holen. In den Kerkern darbten die Sklaven oder litten unter der Folter. Doch ihr Stöhnen und ihre Schreie drangen nicht durch die dicken Mauern in den tiefen Kellern. Sie befanden sich in einer ganz eigenen Welt der Dunkelheit, Feuchte, der Schmerzen und Hoffnungslosigkeit.

Der beleibte Prinz schmatzte mit offenem Mund, während ihm das Fett an den Mundwinkeln hinab lief, dann beugte er sich zu einer Schale mit Weintrauben vor, verlor das Gleichgewicht und stürzte über den Tisch, rutschte ein Stück und riss dabei zahlreiche Speisen auf den Boden, darunter ein knuspriger Kapaun in Kürbis-Kartoffel-Gratin und Innereien. Tadelnd sah Megara zu ihrem Sohn hinüber, doch der lachte nur über sein Missgeschick und suhlte sich mit dümmlichem Grinsen in den Braten, dem Obst und dem Gemüse wie ein Schwein im Dreck. Vier Diener sprangen flugs herbei, um geschwind den Boden zu wischen und die Unordnung zu beseitigen. Einer der Männer dachte angewidert: „Schweinebacke ist wieder voll in seinem Element.“

Der Schmaus verlief zunehmend unzüchtig, so dass Megara das Wort erklingen ließ, um die Gesellschaft an den bevorstehenden Arenakampf zu erinnern. Bevor diese dekadenten Dummköpfe schon vorher vor lauter Wein unter den Tischen schnarchen, dachte die Königin. Bald darauf schlenderte der Adel in vollem Putz durch die Palastgänge in Richtung Turnierplatz. Einige der Hofdamen kicherten und ließen sich von ihrer männlichen Begleitung sehr undamenhaft unter die Kleider greifen. Andere Herren wankten hin und her, vom Wein zu benebelt, um noch ein quiekendes Weib zu erobern.
Megara selbst trank kaum Alkohol und schüttelte nur missmutig ihr Haupt.

Endlich hatte die Gesellschaft plaudernd und lachend auf den Rängen der Arena Platz genommen. Die Monarchin eröffnete hiermit die heutigen Kämpfe. Unter brausendem Applaus und Jubel der Menge erschienen Artisten auf dem Turnierplatz, die eine menschliche Pyramide bauten, dann folgten mehrere Feuerspucker, ein Jongleur mit brennenden Kegeln, und schließlich ein Messerwerfer, der seine blitzenden und scharfen Klingen auf eine sich drehende Holzscheibe warf, an der eine leicht bekleidete junge Sklavin mit weit aufgerissenen Augen gefesselt war. Unter den aufgeregten Rufen aus dem Publikum schleuderte der Mann eine stählerne Schneide nach der anderen auf das in Todesangst verkrampfte Opfer. Junge Männer brüllten und feuerten den Messerwerfer mit lallenden Zungen an. Die Damen des Hofes hielten sich verschreckt die Hand vor den Mund, die Augen oder beides und heuchelten Schreck und Angst oder Mitleid mit der jungen Sklavin, waren jedoch zugleich fasziniert von der Szenerie.

Dabei wartete die Gesellschaft nur darauf, dass der Messerwerfer sein Opfer ritzte oder gar durchbohrte. Das wäre ein hübsches Spektakel als Einleitung für die Kämpfe! Doch da das Weib das Eigentum des Messerkünstlers war, wäre er töricht gewesen, es zu verstümmeln. Allerdings sorgte er dafür, dass der Adel auf seine Kosten kam: Er beherrschte sein Geschick so gut, dass er mit zwei perfekten Würfen die wenigen Lumpen der Sklavin vom Leibe schnitt, so dass die Gefesselte nun splitternackt an der Holzscheibe gedreht wurde. Die Menge lachte, grölte, jubelte. Was für eine Gaudi! Das nächste Messer zischte durch die Luft und landete zitternd drei fingerbreit unter der rasierten Scham der quiekenden Gefesselten.

Dann verkündete der Hauptmann der Arenawachen feierlich den ersten Kampf des Abends: Der Gigant Kreios, der unbesiegbare Riese, trat erneut gegen zwei arme Teufel aus der Gladiatorenschmiede an. Raue Soldaten führten zwei große Ochsenkarren auf den Platz und öffneten die großen hölzernen Tanks mit Öl, um den Kampfplatz vorzubereiten. Anschließend erschien Kreios unter der Begleitung von sechs bewaffneten Soldaten, die ihn in ihre Mitte nahmen wie ein gefährliches Monster. Der nur mit einem Lendenschurz bedeckte Athlet trug schwere Fuß- und Handketten, die ihn nur noch gefährlicher aussehen lassen sollten. Ein Soldat befreite ihn von den massiven Fesseln und auch von seinem Keuschheitsgürtel. Dann streckte Kreios seine muskulösen Arme in die Höhe und wurde bejubelt, als sei er bereits der Sieger des Tages.

Dann folgten die zwei Gegner. Sie betraten die Arena durch ein geöffnetes Gitter ganz ohne Begleitung oder Ketten. Auch sie trugen nur einen Lendenschurz. Ihre Keuschheitsgürtel waren ihnen ebenfalls für den Kampf abgenommen worden. Die jungen Damen im Publikum erhofften sich anregende Einblicke beim Kampf und konnten ihre Ungeduld kaum noch zügeln. Manche Lady saß aufgeregt auf dem Schoß ihrer Begleitung, andere hatten ihre kleinen Hände zu Fäusten geballt und warteten ruhelos auf den Start des Wettbewerbes.

Bis vor wenigen Augenblicken hatten Skiron und Abas nichts von ihrem Schicksal gewusst. Als ihr Ausbilder zu ihnen trat und von einem Kampf sprach, sahen sich die auserwählten Kämpen erschrocken an. Gegen Kreios antreten? Doch sie waren beide zu stolz, um ihre Angst noch deutlicher zu zeigen. Gemeinsam würden sie den Koloss in die Knie zwingen. Zumindest war das ihre zarte Hoffnung. Sie hatten sich nur kurz über ihre Strategie absprechen können, und schon standen sie im blakenden Licht der endlosen Fackeln, die am Rand der Arena an der Wand hingen und den Kampfplatz gut ausleuchteten. Auf ein kurzes Signal begann der Wettstreit.

Die beiden jungen Männer erkannten Kreios kaum wieder: Sein Gesicht war zu einer wütenden Fratze verzogen, und jeder Muskelberg seines Körpers schien unter höchster Spannung zu stehen. Zunächst umkreisten sich die Drei noch abwartend, aber dann sprang der Gigant mit Gebrüll auf Skiron zu und umfasste ihn wie ein Bär, der sein Opfer zerquetschen wollte. Abas sprang Kreios von hinten an den Hals und nahm ihn in den Schwitzkasten. Zornig griff der Riese nach Abas Arm, aber das Öl, mit dem die Athleten eingeschmiert waren, ließen ihn die Zwinge um seinen Hals nicht lösen. Skiron konnte sich der gewaltigen Umarmung entwinden und boxte nun Kreios in den Magen. Der Gegner schien den Schlag kaum bemerkt zu haben. Zu hart und kraftvoll waren die Bauchmuskeln.

Kreios warf sich plötzlich nach hinten auf den Rücken und begrub Abas schwer unter sich. Das Öl auf dem Boden spritzte wirbelnd in die Höhe. Abas befürchtete, in der Tunke ertrinken zu müssen. Er entließ Kreios aus seiner Gewalt und blieb trotzdem unter dem gewichtigen Hünen begraben. Skiron riss und zerrte an dem Riesen, doch bekam er ihn nicht von Abas hinunter. Schon dachte Abas, er habe den Kampf verloren, da gelang es ihm sich dank des glitschigen Öls unter Kreios hervorzuarbeiten und kam wieder auf die Beine. Sein Lendenschurz war dabei abgerissen, so dass er nun splitternackt in der Arena stand – ganz zur Freude der Damen des Hofes.

Als Kreios sich brüllend zu Abas umdrehte, drehte Skiron das Spiel herum und sprang nun seinem Gegner von hinten an den Hals. Abas nutzte die Gelegenheit und rammte Kreios seinen Fuß in dessen Männlichkeit. Der Riese fiel auf die Knie, als ein Schmerz in seinem Unterleib explodierte. Die Situation erinnerte ihn an seinen jüngsten Kampf. Da war er trotzdem Sieger geblieben, doch nun schnürte Skiron mit aller Kraft Kreios Luft ab. Allerdings hatte Abas das Pech gehabt, seinen Fuß nicht schnell genug wieder einzuziehen, und trotz der Pein in seinem Gemächt packte Kreios blitzschnell nach Abas Knöchel wie ein Schraubstock und riss ihn erneut von den Beinen.

Unter die Wachen hatte sich die junge Leda geschmuggelt. Wenn sie schon für ihren Liebsten Abas nichts tun konnte, um den Kampf in der Arena zu verhindern, so wollte sie wenigstens bei ihm sein und zu den Göttern beten. Sie stand mit ihrer Helmbrünne, dem Lederpanzer und dem geschwärzten Kettenhemd darüber in einer Gruppe Wachen, die sich mit der Darbietung auf dem Turnierplatz ein wenig Kurzweil erhofften. Niemand bemerkte, wie sie bangte, hoffte, bangte und hoffte.

Kreios zog Abas an seinem Bein immer näher zu sich und versetzte ihm einen kräftigen Hieb gegen seine Rippen, dass der Getroffene glaubte, sie seien gebrochen. Kaum war Abas aufgestanden, zerrte Kreios ihn mit einem Ruck wieder von den Beinen und hätte den jungen Gegner mit einem Tritt von oben auf den Liegenden zwischen dessen Beine entmannt, wäre er nicht im gleichen Moment von Skiron unter Aufbietung aller verbliebenen Kräfte nach hinten gezerrt worden. Nun lag Kreios auf dem Rücken und würgte, denn Skiron drückte ihm immer noch die Kehle zu. Trotzdem angelte Kreios mit dem Bein, mit dem er hatte zutreten wollen, in der Luft umher und rammte es mit der Hacke in Abas´ Gemächt. Durch seine Position verfügte er so zwar nur über wenig Kraft, aber es reichte, um den nackten Abas laut aufstöhnen zu lassen.

Im Publikum wurde dieser Treffer unterschiedlich aufgenommen: Während die Edelmänner schadenfroh lachten, gab es einige der Damen, die erschrocken auf die sich windenden Athleten starrten; andere kicherten; die Wachen grinsten hämisch und klatschten sich gegenseitig in die Hände, denn bei den Arenaspielen waren Wetten unter den Soldaten üblich. Die Einsätze waren zwar gering, aber man wollte ja Recht und Ehre behalten. Leda hielt sich entsetzt eine Hand vor ihre zarten Lippen, und nahm sie schnell wieder weg, um Gleichgültigkeit zu heucheln.

Im letzten Moment, bevor der Kampfrichter den scheinbar besiegten Abas aus dem Turnier genommen hätte, konnte sich der etwas Benommene hochrappeln und sprang nun todesmutig auf Kreios Brust, um ihn endgültig auf den Boden zu nageln. Der Riese hätte ihn mit Leichtigkeit abgeworfen, wäre er nicht immer noch im Schwitzkasten vom zähen Skiron gewesen. Kreios schnappte nach Luft, japste und wedelte mit den Armen umher. Abas wehrte die hilflosen Versuche ab, ihn aus dem Sattel zu schleudern. Endlich, als Abas und Skiron schon dachten, ihre letzte Energie sei von ihnen gegangen, verkündete der Schiedsrichter unter dem Aufraunen der Menge, dass Kreios verloren habe. Schwer nach Luft würgend, konnte der Riese seine Niederlage kaum fassen. Er hielt sich die Pranken an den Hals und schüttelte ungläubig mit dem Kopf.

Leda atmete erleichtert auf. Ein schwerer Stein fiel ihr vom Herzen. Ihr Geliebter hatte das Turnier unbeschadet überstanden! Na ja, dachte sie, ob Kreios Treffer wirklich keinen Schaden angerichtet hatte, würde sie bald des Nachts erfahren… Doch schon nach einem Wimpernschlag dachte sie, sie würde ohnmächtig werden, als die Despotin Megara das Wort ergriff: „Lasst die beiden Sklavenjünglinge um den definitiven Sieg ringen!“ Abas und Skiron sahen sich schockiert an. Die Freunde sollten gegeneinander kämpfen? Und was würde mit dem Verlierer geschehen? Sie hatten von schrecklichen Auspeitschungen gehört, die den krönenden Abschluss eines jeden Arena-Abends bildeten. Der Schiedsrichter befahl in einer Mischung aus festlichem und barschem Tonfall: „Beginnt!“ Abas und Skiron standen sich gegenüber. Vorsichtig umkreisten sie sich. Keiner wollte den Anfang machen.

Bald ermahnte sie der Kampfrichter. Aber auch die Rüge änderte nichts. Ein paar Scheinangriffe waren das Äußerste, dass die beiden Freunde zeigten. Schließlich wurde es Megara zu bunt. Auch das Publikum buhte, und erste Rufe: „Peitscht sie beide!“ wurden laut. Abas und Skiron rangen gezwungenermaßen miteinander, taten sich aber nicht mehr weh als nötig. Nach einigen Minuten brach der Zuchtmeister auf Geheiß der Obersten Machthaberin den sinnlosen Kampf ab. Megara verkündete mit missgelaunten Worten: „Sie sollen beide an den Pranger!“ Jubel ertönte von den Rängen. Wachsoldaten zerrten die öligen Athleten vom Platz. Danach stellten andere Wächter drei große Holzpranger auf.

Talos frohlockte: Nun kam seine Lieblingsstelle. Es handelte sich nicht um einfache Standpranger. Es waren eher Gerüste, die die Männer in eine hockende und breitbeinige Stellung zwangen, während ihre Hände neben dem Kopf in einem waagerechten Brett steckten. Da die Größe der Pranger genormt war, musste Kreios, der als erster wieder in die Arena geführt worden war, mit seinem Hintern fast den Boden berühren, um seine breiten Schultern unter das obere Brett drücken zu können. Er war trotzdem von jedem Platz gut zu sehen, denn der eigentliche Pranger stand auf einem Holzpodest.

Die Wachen verschlossen den Pranger an Füßen, Händen und Hals. Dann rissen sie dem Gladiator seinen Lendenschurz weg. Ein Aufjubeln bei den Zuschauerinnen belohnte die Aktion. Die Damen, die die gewaltige Pracht zwischen den Beinen hängen sahen, reckten ihre Hälse, um sich noch bessere Sicht zu verschaffen. Ihre männlichen Begleiter murrten neidisch. Anschließend wurden Abas und Skiron wieder vorgeführt. Spitze Lanzen sorgten dafür, dass sie sich zügig vorwärts bewegten. Dann wurden links und rechts von Kreios auch die beiden Freunde auf die gleiche Art fixiert. Auch Skiron nahmen die Wachen den Lendenschurz: Ein grinsender Mann steckte sein Schwert zwischen Hüfte und Stoff und riss ruckartig daran, so dass die knappe Bekleidung auf den Boden des Holzpodestes fiel.
Der Wachmann stupste den Stoff hinab in den Staub.

Das Publikum johlte. Solche Pranger hatten sie noch nie gesehen. Was würde das für ein Spektakel geben? Die Menge konnte sie nicht kennen, denn Prinz Talos hatte diese Art der Bestrafung erst vor kurzem unter strenger Geheimhaltung entwickeln lassen. Auch die junge Leda staunte über diese seltsamen Gerüste. Aber sie hatte gehört, dass Talos sie erfunden hatte – und das konnte nichts Gutes bedeuten. Nur die Herrscherin war eingeweiht und gab das Handzeichen, die Scharfrichter sollten mit der Bestrafung beginnen. Sofort liefen drei in schwarze Kapuzen gewandete Männer zu den Podesten.
Erst jetzt erkannte Leda, dass dort Kurbeln angebracht waren, die die Büttel nun drehten. Auf den Rängen war Stille eingekehrt. Alle waren gespannt, was dies bedeuten sollte. Voller Begeisterung und kindlicher Neugier starrten sie auf die Podeste.

Den Delinquenten war die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie konnten wegen des Brettes gar nichts davon sehen, was da unter ihnen vor sich ging. Ihre Augen waren trotzdem aufgerissen. Sie spürten lediglich, wie das Gerüst vibrierte, und irgendwas knackte und rasselte. War es eine Winde? Was würde mit ihnen geschehen? Als Erster grunzte Kreios auf und brüllte: „Nein! Das dürft ihr nicht tun! Das ist unwürdig!“ Skiron und Abas versuchten ihren Kopf ein wenig zu Kreios zu drehen, aber konnten nicht viel erkennen.
Der Gigant zwischen ihnen grunzte und brüllte: „Nein! Nein! Aufhören!“ Da sein Hintern wegen seiner Körpergröße fast den Boden des Podestes berührte, spürte er als Erster den dicken hölzernen Pflock, der sich langsam in seinen Anus bohrte. Doch schon bald drückten auch die zwei anderen Zapfen gegen die beiden bisher jungfräulichen Hintern von Abas und Skiron. Die Beiden fielen in die empörten Rufe und Schreie von Kreios ein. Zu dem körperlichen Qualen kam die unerträgliche Scham.

Megara raunte zu ihrem Sohn: „Sollten wir sie nicht lieber knebeln?“ Talos lachte kurz und hell auf: „Nein, ihre Proteste sind doch gerade das Schönste daran! Lass die Schweinchen quieken!“ Er kicherte silberhell, so wie stets, wenn er unbändige Lust verspürte, wischte sich einen Speichelfaden aus dem Mundwinkel und widmete sich stolz wieder seiner Schöpfung. Die Scharfrichter drehten erbarmungslos weiter und ließen die hölzernen Rammen Zoll für Zoll steigen. Wie ein Zahnrad klackte es unter den Delinquenten. Skiron stieß plötzlich einen schrillen Schrei aus und atmete hechelnd. „Gnade!“ rief er und endete in einem unverständlichen Gewinsel. Prinz Talos merkte, wie sich seine Männlichkeit mit Blut füllte. Seine Erfindung würde ab heute der neue Höhepunkt der Kämpfe sein. Eintönige Auspeitschungen war er satt. Die konnte er noch genug in den Kerkern des Palastes begaffen. Bei der Arenabestrafung sollte es etwas Besonderes geben. Etwas Neues, was begeisterte, was Spaß machte. Was erregte!

Die Qualen der drei Gladiatoren nahmen von Augenblick zu Augenblick zu. Ihre Schreie hallten über den Platz. Die Menge berauschte sich an der Marter. Einige Edelmänner bemerkten, wie ihre Damen vor Erregung regelrecht zitterten und volle Faszination vom Spektakel gebannt waren. Ein junger Mann hatte sich unbemerkt so positioniert, dass er seinen Luststab unter die Röcke der Angebeteten führen konnte, wo sie diesen genießerisch streichelte, während sie mit der anderen Hand ihre eigene Hitze entflammte. Zwei Adelsmänner, die sich an zahllosen Kelchen Wein gütlich getan hatten, waren während des Kampfes eingenickt, nun aber aufgrund der lauten Schmerzensschreie wieder wach geworden und erkundigten sich mit schwerer Zunge, was geschehen sei. Ein Edelmann erklärte ihnen begeistert und gestikulierend die Apparatur und endete lachend: „Eine Maschine zum Pfählen. Durch den Arsch, wie bei einem Spanferkel über dem Feuer!“

Endlich waren die Zapfen in der höchsten Stellung angebracht und ragten nun tief in die Männer hinein. Die Rosetten der Opfer waren zum Bersten gespannt. Megara nickte den Bütteln zufrieden zu und verkündete das Ende der heutigen Spiele. Ob die Athleten eine neue Chance auf den Sieg erhalten sollten, ließ sie noch offen. Die beiden Jünglinge könnten ruhig aussortiert werden; doch auf den Riesen wollte sie ungern verzichten.
Als die königliche Gesellschaft sich in einen Vergnügungssaal zurückgezogen hatte, in dem rubinfroter Wein ausgeschenkt wurde, ein Barde seine gedichteten Zeilen zum Besten gab und einige Musiker mit Flöten, Harfe und Trommel zum Tanze einluden, löschten die Wachen in der Arena eine Fackel nach der anderen und säuberten den Platz von dem vielen Öl. Erst zwei Stunden später erhielten sie den königlichen Befehl, Kreios von dem Pranger zu nehmen und ihn zurück ins Trainingscamp zu sperren.

Er wusste nun, was auf ihn zukam, sollte er es erneut wagen, zu verlieren. Die beiden anderen Sklaven sollten zurück auf die Felder. Sie hatten den Giganten zwar besiegt, aber hatten sich - feige wie Hasen - geweigert gegeneinander mannhaft zu kämpfen. Sie waren es nicht wert, als Gladiatoren anzutreten. Doch für Abas und Skiron sollte die Nacht noch lang werden, denn sie wurden erst im Morgengrauen von ihrer furchtbaren Position erlöst. Die Stunden alleine in der Dunkelheit waren die Hölle gewesen! Die Beine waren zunächst brennend vor Erschöpfung gewesen und mit der Zeit taub geworden.
Ihre Rosetten brannten wie Feuer. Die Pfähle füllten sie dick aus. Keiner der Beiden schlief, doch aus Entkräftung fielen sie gegenseitig in kurzen Halbschlummer, aus dem sie durch ihre eigenen Schmerzen oder das Stöhnen des Anderen mehrfach aufschreckten.

Völlig erschöpft sackten am Morgen ihre Schenkel unter ihnen weg. Wächter peitschten auf sie ein, und als auch das nichts half, wurden ihnen Seile um die Füße gebunden, so dass sie ein wieherndes Maultier aus der Arena schleifen konnte. Die Wachen versperrten Abas und Skiron in ihre Keuschheitsgürtel und stießen die fast ohne Bewusstsein Taumelnden in ihre Kerkerzellen, wo diese sofort auf dem dünnen Stroh zusammenbrachen.
10. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 30.01.18 20:37

Hallo Prallbeutel,
Megara,das war und ist eine meiner Lieblingsgeschichten!! Ich kann sie wunderbar jetzt nochmal lesen.Ich bin gespannt,ob du weitere Kapitel hinzufügst...das wäre Spitze...meinen Geschmack kennst du ja,ich habe ihn oft genug in den Kommentaren geschrieben...drangsalierte (Arbeits-)Sklaven..grausame, verwöhnte Herrinnen,Königinnen,Hoffräuleins,Galeerenkapitäninnen und und...und..die Ideen sind dir ja nie ausgegangen...eigentlich ist das ganze ja ein Buch und keine einzelne Geschichte...toll!! Herzlichen Dank für deine Mühe auch schon im Voraus!!

Grüße
Christian (shoeps)
11. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 03.02.18 20:50

Der kommende Tag wurde ihnen noch zur Erholung gegönnt. Dabei handelte es sich nicht um Mitleid, sondern um reines Kalkül. Heute wären die Sklaven nur eine Last gewesen und von genervten Wächtern vermutlich tot gepeitscht worden. Aber morgen würden sie zwei neue Arbeitseinheiten bilden, die alles tun würden, um nie wieder in das Teufelsgerüst des Prinzen gespannt zu werden. Alleine in ihren Zellen quälte die Beiden nun neben ihren wunden Kehrseiten auch eine unvorstellbare Scham. In diese „Kerbe“ schlugen die Wachen, die sich johlend über das unehrenhafte Schicksal der Sklaven lustig machten. Einer meinte hämisch: „Ha! Eine Parade von roten, aufgebohrten Ärschen seid ihr!“ Im flackernden Schein der Fackeln tanzten Schatten auf seinem Gesicht und bildeten eine Fratze des Todes. Ein besonders sadistischer Aufseher verlangte, dass Abas ihm am Gitter sein geschundenes Hinterteil zuwendete, sich bückte und die Backen auseinander zog. Hätte er dem Befehl nicht gehorcht, wären vier Wärter mit Holzkeulen in die Zelle gekommen und hätten ihn grün und blau geprügelt. Zumindest hatte der Mann dies mit einem fiesen Grinsen angekündigt. Sein Kamerad kicherte heiser.

Als Abas fast wie in Trance den Anweisungen Folge leistete, sah er nicht, wie der Wächter in seinem Rücken seine Macht genoss. Der Wachmann sah den Jüngling auf zitternden Beinen, in vorgebeugter Haltung. Abas Hände lagen auf seinen Pobacken. Der Wachposten grinste breit und maliziös über das malträtierte und wunde Hinterteil seines Gefangenen. Sein Kamerad flüsterte dem Wächter etwas zu. Beide feixten. Seinem Sadismus setzte er die Krone auf, als er einen Holzpflock nahm, damit kreisend zielte und ihn schließlich pfeilschnell wie einen Dolch durch die Gitterstäbe und in Abas versenkte.
Laut lachend sahen die Aufseher, wie der Jüngling aufschreiend und erschrocken einen Satz vom Gitter in die Zelle hechtete und schnell den Holzstiel zog und von sich warf. Der größte Schmerz war die entehrende Scham, die in seinem Gesicht glühte und in seinem Kopf wütete. Dröhnend lachten die Männer und verließen den Zellentrakt, um vor ihren Kameraden mit ihrem lustigen Streich zu prahlen. Abas dagegen sank weinend auf die Knie.

In der übernächsten Nacht konnte Leda zum ersten Mal wieder ungestört mit Abas sprechen. Sie war mit ihm alleine in der Kammer, die er schon früher mit ihr betreten hatte. Leda streichelte liebevoll Abas Haar, seine Brust, den Bauch, seine Schultern.
Ihre mitleidigen Blicke machten dem jungen Mann erst klar, dass Leda Zeuge seiner Folter gewesen war, und sein Gesicht wurde puterrot vor Scham. „Du konntest doch nichts dafür“, sagte Leda liebevoll. Und ergänzte aufgebracht: „Für die perversen Gelüste von Talos!“ Abas nahm sie in den Arm, aber schon bald sah Leda ihren Liebsten verwundert an: Sein Körper zitterte. Nun nahm sie Abas in den Arm und liebkoste ihn sanft. Sie spürte, wie Abas lautlos schluchzte. Warm drückte sie ihn an ihre Brust.

Noch lange saß das junge Liebesglück so beieinander, ohne zu merken, wie die Zeit verging. Als ihre zärtliche Nähe doch noch zu fleischlichem Verlangen wuchs, entkleidete sich Leda und wollte sich ganz ihrem Liebsten hingeben. Abas entschlüpfte vorsichtig seiner Stoffhose, die er erhalten hatte. Seine Rute bäumte sich auf, nachdem Leda ihn aus dem Keuschheitsgürtel befreit hatte. Die junge Frau lächelte ihn an und war voller Vorfreude, Abas mit ihrer feuchten Weiblichkeit zu empfangen.

Plötzlich stöhnte Abas schmerzhaft auf. Seine wunde Rosette peinigte ihn so sehr, dass er seine Hüften kaum bewegen konnte. Niedergeschlagen legte er sich neben Leda, die ihn mitleidig betrachtete. Abas schloss bekümmert die Augen. Doch da spürte er, wie sich sanfte und weiche Lippen um seinen Stab schlossen und daran saugten. Abas stöhnte auf. Dieses Mal vor Lust. Die Lippen begannen vorsichtig und fast schüchtern, doch ihr Verlangen wurde immer größer. Bald forderte sie die pralle Lanze zwischen Abas Beinen gierig ein, und der Jüngling vergaß den Schmerz und die Schmach, die Schande und die Qual in der Arena sowie seine brennende Kehrseite.

Am nächsten Tag brachte ein Leibdiener der Tyrannin eine Nachricht von Heerführer Telamon, der per Brieftaube von hohen Verlusten an der Front berichtete. Megara warf die kleine Pergamentrolle mit der Botschaft wütend auf den Boden und griff nach einer kleinen Gerte. Sie schlug auf den Liebdiener ein, der das Pech hatte, als Herold schlechte Neuigkeiten überbracht zu haben. Devot krümmte er sich vor der Herrscherin auf dem Boden und erduldete die wilden Schläge, bis Megaras Arm müde wurde, und der Rücken des Überbringers mit ungezählten feinen aber tiefen Striemen bemalt war. Obwohl die kleine Gerte einen eher unschuldigen Eindruck machte, war sie doch in der Lage gewesen, dem Mann sein Woll-Wams vom Rücken zu fetzen.

Eigentlich sollten heute einige Bittsteller vor die Majestät gebracht werden, aber bei der Laune der Regentin wagte es der Leibdiener nicht, seine Herrin daran zu erinnern und ließ die Angereisten wieder fortbringen. Auf ihre Gunst konnte heute niemand hoffen. Doch es gab ein anderes Augenmerk für die Potentatin: Die für heute geplante Einweihung einer 30 Schritt hohen Statue von Megara vor den Toren des Palastes würde die Regentin vielleicht wieder gütiger stimmen. Das von zahlreichen Steinmetzen gefertigte Kunstwerk war Meilen weit vom Palast entfernt zu sehen. Megara hatte die Schaffung der überwältigenden Skulptur nach dem Tode ihres Gemahls befohlen. Für den gewünschten Marmor waren mehrere große Transporte fast ein Jahr durch die Lande gezogen und hatten das seltene Material unter größten Mühen und Kosten aus fernen Ländern herbeigeschafft. Nun waren Teile der turmhohen Figur noch mit Gold überzogen worden – ganz so, wie es Megara für angemessen hielt.

Bei der gefährlichen Arbeit in luftiger Höhe waren noch kürzlich zwei Arbeiter in den Tod gestürzt, doch Megara blieb dabei: „Keine Sicherungsseile um meinen Marmor-Kopf! Welche Forderung! Und das mir! Der Königin! Allein für diese frevelhafte Idee sollte der Baumeister seine Hände verlieren“, ereiferte sie sich. Sie war sehr erbost gewesen, bei der Vorstellung, die Arbeiter hingen an Seilen, die das königliche Antlitz beschmutzten! Dann fiel ihr ein, dass der oberste Steinmetz ohne Hände sein Kunstwerk nicht vollenden könnte, und schwieg darüber.

Am Nachmittag brannte die Sonne wieder erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel.
Während die Sklaven auf den Feldern schufteten, widmete sich Prinz Talos seiner Lieblingsbeschäftigung: schmausen. Er leckte sich gerade die kurzen dicken Stummelfinger ab, über die flüssiger Käse gelaufen war, als sein Leibdiener Xeno ihn an die Einweihung der königlichen Statue erinnerte. Würde er fehlen, hätte er eine strenge Standpauke und vielleicht noch mehr zu erwarten; also hievte sich Talos mürrisch von seinem Diwan und raffte kurzatmig seine Tunika und den Umhang in Ordnung. Er bemerkte, wie ihn der Gürtel drückte, und sein Gewand sich über dem mächtigen Wanst spannte. „Dieser vermaledeite Schneider!“ spuckte der Prinz einen gelben Klumpen aus seinem Hals auf den Boden. „Wie kann er es wagen, an Stoff zu sparen! Und der Gürtel ist viel zu kurz! Vielleicht reicht er ja für seinen Hals!“ Unwirsch begab er sich zu seiner Sänfte, die von sechs kräftigen Dienern getragen wurde, die unter dem Gewicht des fetten Prinzen mindestens genauso ächzten, wie unter der Hitze. Eigentlich hatte die Sänfte Platz für acht Träger, aber Talos ignorierte Xenos Rat, sie entsprechend zu bemannen. Sollten die faulen Burschen ruhig ein wenig ins Schwitzen kommen.

Megara erwartete ihren Bastard bereits ungeduldig und tadelte ihn mit einem grimmigen Blick. Trotz der sengenden Hitze lag ein Frosthauch auf dem königlichen Antlitz, Nicht einmal zu einem so wichtigen offiziellen Anlass konnte dieser Nichtsnutz pünktlich sein! Auch Megara war mit einer Sänfte gekommen. Der pompöse Tragestuhl war doppelt so groß wie der des Prinzen und wurde von zwölf starken Männern gehoben und glich eher dem Innenraum einer ganzen Kutsche, die die Herrscherin nun verlassen hatte, um dem Priester das Signal zu geben, ihr großes Ebenbild einzuweihen, und die Götter um Schutz und ein langes Leben zu bitten. Dutzende bunte Fahnen zeigten das königliche Banner. Lange Reihen mit Soldaten ergaben ein beeindruckendes Spalier und knallten auf Kommando ihre Hellebarden auf den Boden, gleichzeitig wie ein einziger Mann.

Talos war froh, als er endlich wieder im Schatten Platz nehmen konnte, und zwei Sklaven ihm Luft zufächelten. Wieselflink griff er in eine Schale mit in Honig gerösteten Mandeln, als befürchte er ansonsten zu verhungern. Die protzige Figur seiner Mutter interessierte ihn soviel wie das Schwarze unter seinen Fingernägeln. Im Gegensatz zu der Regentin: Stolz blickte Megara auf das kolossale Bauwerk ihres Antlitzes und gab dem Baumeister Anweisung, das Gesicht täglich mit Wasser vom Staub zu befreien. Nichts wäre eine größere Majestätsbeleidigung gewesen, als müsste sie eines Tages Taubendreck auf ihrem vergoldeten Königsgesicht entdecken. Der oberste Steinmetz wagte keine Widerworte. Seine Lippen bildeten einen harten dünnen Strich. Ihm war bewusst, dass im Reich der Megara große Wasserknappheit unter der Bevölkerung herrschte. Mensch und Vieh darbten. Und hier würde ein neues „Fass ohne Boden“ entstehen! Er schluckte seine Wut, die in ihm gärte wie Most im Weinkeller eines Winzers, hinunter und verbeugte sich demütig vor der Hoheit.

Nach dieser langweiligen Zeremonie brauchte Talos Ablenkung. Er ließ sich von Xeno einen „frischen Jüngling“ aus dem Kerker holen, doch gefiel er ihm nicht und rügte seinen Leibdiener streng. Xeno zitterte vor Angst: „Aber ehrwürdiger Prinz! Der junge Mann ist der hübscheste Bursche unter allen Sklaven.“ Talos war außer sich: „Dann schick die Reiter aus, sie sollen etwas Angemessenes für mich aus der Stadt holen!“ Xeno verneigte sich und verließ den Raum rückwärts, um dem Befehl nachzukommen.

Die ausgesandten Reiter waren Mitglieder einer Unterordnung der königlichen Garde und für vertrauliche Unternehmungen zuständig, die das Herrscherhaus persönlich betraf. Diese Art Geheimeinheit war verschwiegen und loyal bis in den Tod, gewissenlos und absolut zuverlässig. Die harten Männer, die ursprünglich aus Söldnern rekrutiert waren, hatten mehrere Eide auf das verehrte Königshaus abgelegt und führten jeden Befehl unter völliger Geheimhaltung aus. Als perfekt ausgebildete Kämpfer wären sie auch als Elitesoldaten geeignet gewesen.

Prinz Talos kam so noch in dieser Nacht an Nachschub für seine fleischlichen Gelüste; und er musste die Wahl der Gardisten loben: ein süßer, blonder, unschuldiger, zierlicher Jüngling mit einem so erfrischenden Gesicht, dass Talos bereits bei seinem Anblick kaum noch dazu kam, seine Männlichkeit durch dessen feuchte Lippen zu stoßen…

Enttäuscht wegen des zu schnellen Endes seiner Lust ließ er sich seufzend von dem verängstigten Burschen sauber lecken, der gar nicht wusste, was mit ihm geschah.
Nach einer Pause würde er es erneut versuchen. „Mit meiner Lederknute werde ich den Kleinen schon lehren, wie er mir die größten Genüsse bereitet“, dachte der Prinz und schlürfte Rotwein aus einem goldenen Kelch, während der entführte Jüngling zwischen den fetten Schenkeln des Königssohnes hockte.

Aber nicht nur Talos, sondern auch seine Mutter kam in dieser Nacht auf ihre Kosten: Sie hatte sich eine neue Auswahl potentieller Anwärter auf den Thron vorführen lassen und sich für einen langhaarigen jungen Mann aus dem Westen des Reiches entschieden.
Megara war von seiner Fechtkunst beeindruckt, die er gegenüber zwei Soldaten der Palastwache wunschgemäß demonstriert hatte.

„Ob er mit seinem eigenen Degen auch so geschickt umzugehen weiß?“, fragte sich Megara insgeheim mit einem Schmunzeln. Sie betrachtete den spitzbärtigen Fechter und die Schatten seines Körpers, die durch flackernde Kerzen aus Bienenwachs und Öllampen an den Wänden des königlichen Gemachs tanzten. Und sie wurde in ihrem Bett nicht enttäuscht. Der Recke wusste nicht nur mit Stahl umzugehen, sondern auch, wie er das Feuer eines Weibes entzündete und dieses dann auch bediente. Selten hatte ein Mann ihre Lenden so saftig gemacht. Trotzdem: Einen Mann an ihrer Seite würde sie niemals erlauben. Ein Spielzeug für ihre Gelüste dagegen schon.

Abas und Skiron schufteten auf den Feldern bis zum Umfallen. Oftmals erhielten sie harte Schläge mit Knuten, Peitschen oder der Breitseite eines Schwertes. Leda, die zur Wache gehörte, verhinderte mehrmals, dass die Gewalt ausuferte und gab den beiden geschundenen Freunden insgeheim kleine Schlucke Wasser aus ihrem Schlauch zur Stärkung.

Des Nachts traf sich Leda zwei bis drei Mal in der Woche mit ihrem Liebsten in der kleinen Kammer, in der sie ungestört waren. Doch stets mussten sie Sorge haben, entdeckt zu werden, was beide mit dem Tode bezahlen würden, war sich Leda sicher.
Sie hatte im Palasthof schon Köpfe wegen kleinerer Vergehen auf Lanzen aufgespießt gesehen.

Doch die junge Liebe brachte nichts auseinander. Bereits nach einer Woche hatte Abas wieder über sein Weib steigen und mit ihr für eine innige Stunde die Liege wie Mann und Weib teilen können. Inzwischen war die schreckliche Erfahrung in der Arena zwar nicht vergessen, aber Zeit heilte Wunden – solche und solche.

Megara erhielt in diesen Tagen erneut schlechte Botschaften von ihrem Paladin Telamon, der weitere hohe Verluste beklagte und Verstärkung anforderte, wolle Megara nicht davon absehen, das Nordland zu erobern. Aber von Rückzug wollte die Königin nichts wissen. Wenn Telamon weitere Soldaten benötigte, sollte er sie bekommen. In der Nähe des Palastes lagerten Dutzende Legionen, die nur darauf warteten für ihre Herrin in den Krieg zu ziehen.

Als Megara am nächsten Tag ihr Vorhaben mit ihren engsten Vertrauten und Günstlingen besprach, zu denen (wenn auch nur aus offizieller Etikette) ihr Sohn gehörte, klatschte Talos lässig Applaus. Er fläzte sich auf seinem Sessel und grinste dümmlich. „Wir werden das Nordvolk unterwerfen“, freute sich Talos mit vom Wein schwerer Zunge, und dachte an die blonden durchtrainierten Nordländer, die er gerne auf seinen Laken nehmen würde. Als hätte Megara die lüsternen und sündigen Gedanken ihres Mündels erkannt, blitzte sie ihn mit einem strengen Blick an. Talos, der bemerkte, dass alle Anwesenden gerade und mit erhobenem Haupt am Tisch saßen, während er als Einziger herumlümmelte, bezog Megaras Tadel auf seine Haltung und korrigierte diese ächzend. Doch immer noch wirkte er plump und schwerfällig. Am liebsten hätte er sich zurückgezogen.

In den nächsten Tagen erkannten auch die Feldsklaven, dass etwas im Busch war.
Überall war geschäftiges Treiben zu sehen, Soldateneskorten durchritten die Felder zum Palast und wieder hinaus. Ganze Truppen stiefelbewehrter Kämpen marschierten oder ritten an den Sklaven vorbei. Im Kerker waren die königliche Waffenschmiede zu hören, die Tag und Nacht ihre Öfen und Essen heizten und unentwegt glühenden Stahl schlugen. Ein rauchiges Aroma schien jedem Manne und Weibe in der Umgebung in die Nase zu steigen.

Wurde zu einem neuen Krieg gerufen? Standen gar Feinde vor den Toren der Stadt? In der Nacht, als Leda mit Abas allein war, erschien sie dem jungen Mann heute irgendwie verändert. Abas sah sie fragend an. Dann berichtete sie mit sorgenvollen Augen, was sie gehört hatte: Megara würde bald eine große Verstärkung nach Norden schicken, wo die Soldaten endlich gegen die wehrhaften Nordländer siegen sollten. Abas verstand offenbar noch nicht. Leda erzählte weiter: „Kapierst du nicht? Die vielen Soldaten werden Unmengen Nahrung, aber auch Kriegsgerät dabei haben. Eroberungsmaschinen, Baumaterial, geschmiedetes Werkzeug und mehr. Das werden sie nicht alleine schleppen. Es werden Sklaven mitgenommen. Und du….. du…“ Sie sank in seine Arme und konnte nicht weiter sprechen sondern schluchzte lautlos auf. Abas begriff endlich: „Du meinst, ich gehöre dazu?“ Leda blickte ihm fest in die Augen und nickte stumm. „Ich habe die Liste gesehen. Sie nehmen nur die Gesunden und Starken.“ Abas war niedergeschlagen ob des nahenden Unheils.
12. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 17.02.18 19:39

Dabei war die Gefahr nicht das schlimmste Übel. Am meisten schmerzte ihn, dass er von Leda getrennt sein würde für… Für wie lange? So ein Kriegszug würde lange dauern. Vielleicht würde er ihn gar nicht überleben… Als Sklave war er nur Schwertfutter... Er spürte, wie Leda sich an ihm festklammerte. Abas durchströmte ihre Wärme, merkte aber auch, wie Leda zitterte.

In dieser Nacht lag das Paar nicht wie Mann und Weibe, sondern eher wie Bruder und Schwester beieinander und war in Gedanken versunken. Bevor Leda ihren Gefangenen zurück in die Zelle bringen musste, sah sie Abas wieder tief in die Augen. Ihre Tränen waren getrocknet. Ein bedeutsamer Entschluss war gefasst. Sie würde sich als Soldatin verdingen und mit Megaras Armee nach Norden ziehen – mit ihrem Geliebten an ihrer Seite.

Der nächste Tag sollte für Prinz Talos eine böse Überraschung bergen. Bisher hatte er begeistert beobachtet, wie die Soldaten sich aufstellten, wie Kohorten von armierten Männern marschierten, wie Unmengen Schwerter, Äxte, Bögen, Pfeile, Dolche, Lanzen und Schilder gefertigt wurden, wie Baumeister Pläne für Eroberungsgeräte zeichneten.
Alle schienen in Aufruhr und waren mit verschiedenen Aufgaben betraut. Meist war der dicke Prinz mit seiner Sänfte nur im Weg gewesen, aber niemand getraute sich, ihm das zu sagen. „Wir werden sie besiegen! Wir werden ihnen die Herzen herausreißen und…. Ja!“ Talos war geradezu euphorisch. Er sah schon die langen Reihen aufgespießter Köpfe, die gefallenen Feinde, wie sie aufgestapelt entzündet wurden, wie er selbst - Prinz Talos – Gold und Juwelen von Telamon entgegennahm, und seine Schatullen überliefen. Wie das Land des Feindes brannte und schwarze Rauchschwaden den Himmel verdunkelten. Wie er über all dem thronte als triumphreicher Sieger und Machthaber.

Doch seine Mutter sollte ihn am heutigen Tage unsanft aus seinem Berserkerrausch reißen: „Es freut mich zu sehen, dass du mich in dem Feldzug unterstützt. Mir ist es sowieso schon lange ein Dorn im Auge, dass du nur den Tag verschläfst und deinen nimmersatten Bauch füllst.“ Talos sah seine Mutter schuldbewusst aber pikiert an. „Aber am meisten“, ergänzte sie und schnaubte laut durch die Nase, „missfällt mir dein sündiges Treiben. Meinst du, ich bin blind? Vergiss nicht, dass ich die Königin bin, und der Palast feine Ohren hat.“ Talos schluckte. Seine Vorliebe für Jünglinge hatte Megara noch nie so deutlich angesprochen. „Und daher, Talos, wirst du nun endgültig lernen ein ehrenhafter Mann zu sein, der meiner Nachfolge würdig sein könnte!“

Prinz Talos sah Megara unverständig an. Wollte sie ihn etwa in eine Burg schicken, wo er von Ordenspriestern erzogen würde? Die nächsten Worte der Herrscherin klangen in Talos Ohren wie laute Glockenschläge, gewürzt mit dem ätzenden Gift einer Viper: „Du wirst den Kriegstross nach Norden begleiten und dich im Kampf bewähren!“ Prinz Talos wurde ganz blümerant. Ihm wurde kurz schwarz vor Augen und musste sich auf einen Diwan fallen lassen, der unter dem hohen Gewicht gequält knarrte. Nach einer Schreckminute, in der er nach Luft schnappte, geiferte Talos seine Mutter an: „Ich habe gesehen, wie du Vater vergiftet hast!“ Dabei spritzte ihm Speichel aus dem Mund und sein stinkender Atem verströmte sich faulig im Raum. Megara zuckte leicht zusammen, doch sie hatte seit dem düsteren Abend ihrer ganz persönlichen Machtergreifung geahnt, das Talos sie beobachtet hatte. Woher sollten sonst die fettigen Fingerabdrücke an der Säule in der dunklen Ecke des königlichen Schlafgemachs gestammt haben? Megara war aufgrund dieser Erkenntnis ruhig und gelassen. Aber Talos unverschämter triumphierender Blick brachte sie zum Beben vor Zorn. Sie nahm sich einen Augenblick, sich zu fassen, dann stolzierte sie erhaben und ruhig zu ihrem Sohn, der sie nun nicht mehr ganz so selbstsicher ansah.

Was wollte sie nun tun? Ihn ebenfalls meucheln? Er hatte sie in der Hand. Schnell fiel ihm etwas ein: „Ich habe alles aufgeschrieben in einer versteckten Schriftrolle. Falls ich sterbe, wird die Wahrheit ans Licht…“ Megara schrie ihn an: „Donnerkeil! Schweig still, du missratenes Stück! Die Wahrheit! Die Wahrheit! Ha! Kennst du denn die Wahrheit?“ Sie sah den Prinzen höhnisch an. Talos war verwirrt. Was sollte das? Megara verzog ihre grausamen Züge zu einem feinen Lächeln, oder sie glaubte daran, doch es erinnerte eher an das Zähnefletschen eines Kettenhundes, und flüsterte: „Du bist ein dreckiger Bastard! Du bist nicht des Königs Blut! Du fettes Gezücht! Du entstammst dem Samen eines niederen Stallknechts, bei dem ich mir geholt habe, wozu mein Gemahl nicht fähig war! Du hast ihn nicht mehr kennen gelernt, denn er ist kurz nach deiner Geburt… auf eine lange Reise gegangen.“

Talos sah seine Mutter an, als wäre sie irr. Megara lachte. „Ja, Talos. Du hast unwürdiges Blut in dir. Du bist der Sohn eines Knechts! Du wirst niemals den Thron besteigen, wenn ich es nicht will!“ Sie spießte ihn mit ihren Blicken auf, wie einen Delinquenten in der Eisernen Jungfrau. Talos starrte sie mit offenem Mund an. Ein Faden Speichel tropfte ihm vom Doppelkinn, ohne, dass er es bemerkte. „Das ist eine Lüge!“ brüllte er mit kippender Stimme. Aber er wusste, dass seine Mutter die Wahrheit gesprochen hatte. Die Wahrheit, die ihn so hart traf und schwer traf wie Wackersteine. Er hatte in der Tat keinerlei Ähnlichkeiten mit Talos III. gehabt – weder in Leib noch im Geiste. Der Prinz ächzte auf, fiel auf die Knie und schrie hell und außer sich. Talos trommelte hysterisch mit den fetten Fäusten auf den Marmorboden und schrie wie ein kleines trotziges Kind. Sein Gekreische und Gegreine wurde immer lauter. „Nein! Nein! Nein! Nein! Nein!“

Megara hatte ihre Gefühle wieder unter Kontrolle und setzte ihre kühle Maske auf, die auch ihre Untertanen kannten und fürchteten. „Du wirst in drei Tagen mit dem Kriegstross aufbrechen! Stirb oder komm als Mann zurück!“ Damit ließ sie ihn stehen wie das unterste Gesinde. Der dicke Prinz fasste sich ans Herz. Schmerzen in seiner Brust ließen ihn kurz wanken. In den Krieg ziehen? Diese Strapazen... und fürderhin sich dieser Gefahr aussetzen? Vom Thron aus die Armeen deligieren, das war eine Sache. Aber selbst in Fleisch und Blut auf dem durstigen Feld der Ehre kämpfen? Dem Feind die Stirn bieten?

Die Tage bis zum Aufbruch lag Talos stundenlang fast apathisch auf seinem Diwan. Die Euphorie für den Kriegszug war vollends gewichen. Und dann war es eines Morgens soweit: Hunderte armierte Soldaten machten sich schwer gerüstet auf den Weg ins Nordland. Der Zug auf der Straße an der trutzigen Stadtmauer vorbei wollte kein Ende nehmen - wie ein gigantischer Lindwurm zogen sich Reiterheere, Felder von Fußsoldaten, und inmitten einer königlichen Garde eine große prunkhafte Kutsche, die den Prinzen beherbergte, dem Feind entgegen. Dazu kamen hunderte in Lumpen gekleidete Sklaven, die Nahrung und Kriegsgerät trugen. Die meisten von ihnen waren mit Fußketten aneinandergebunden und stolperten vorwärts.

Unter ihnen war auch Abas. Sein Freund Skiron war nicht ausgewählt worden, und die Freunde hatten sich in einem Gefühlschaos verabschiedet. Sollte Abas froh sein, dass der Kamerad der Gefahr des Krieges nicht ausgesetzt war, oder trauern, dass er ihn vielleicht nie wieder sehen würde? Leda marschierte als Wächterin in der Nähe einer Kohorte Sklaven, die Teile einer Felsenschleuder geschultert hatten. Leider war Abas mehrere Meilen weiter vorne in eine Zehnergruppe gekettet. Die junge Frau war stolz auf ihre neue Rüstung: Zu ihrem Waffenrock gehörte ein Dolch, ein Kurzschwert und ein wunderschöner Bogen samt Köcher. Es war nicht einfach gewesen, den Kommandanten von ihren Fähigkeiten als Soldatin zu überzeugen, aber trotz fehlender Übung brachte sie die Pfeile sehr genau ins Ziel der Strohscheibe. Und mit dem Schwert konnte sie seit ihrer Kindheit geschickt umgehen. „Ein Weib unter all den Männern“, hatte der Kommandant gebrummelt und den Kopf geschüttelt. Aber schließlich hatte er sie in die Einkleidekammer geschickt, wo sie die Reckenhose mit einem Gürtel festschnallte, damit sie ihr nicht hinabfiel.

Königin Megara verfolgte den riesigen Tross ihrer Armee vom höchsten Turm des Palastes. Bald schon war die pompöse Kutsche trotz ihrer großen Ausmaße kaum noch in der langen Schlange aus Reitern und marschierenden Landsern zu erkennen. Megara war zufrieden. Heute Abend sollte ein prunkvolles Fest den Aufbruch der Streitmacht würdigen. Aber insgeheim feierte die Majestät etwas anderes: Der schändliche Bastard war so gut wie tot! Sie trank ihren Kelch mit blutrotem Wein aus, ohne einmal abzusetzen. Niemals würde sie zulassen, dass dieser nichtsnutzige Fettsack den Thron bestieg. Ob sie ihn jemals wiedersah, stand in den Sternen.

Auf dem Weg ins Nordland bewegte sich das mächtige Heer nah an Abas Heimat vorbei. Von Weitem konnte der ehemalige Bauernjunge sogar Felder sehen, die sein Oheim bestellte. Aber unerbittlich schritt die gewaltige Kriegsmaschinerie weiter, an den Ländereien vorbei, denen er sehnsüchtig nachschaute. Bald schon schmerzten Abas die eisernen Ringe, die an seinen Fußgelenken schabten. Aber wer aus der Reihe tanzte, bekam die bissige Peitsche zu schmecken. Abas war harte Arbeit bereits gewohnt und versuchte so wenige Schläge wie möglich einzustecken. Schritt für Schritt schleppte er sich mit seinen Leidensgenossen vorwärts.

Am nächsten Tag erwachte gerade die Sonne, da verzögerte sich die Reise: Die breiten Räder der schweren Kutsche des Prinzen hatte sich in einer Sandkuhle eingegraben. Die starken Pferde brachten das Gefährt trotz der Peitsche nicht mehr vorwärts. Ein kahlköpfiger Hauptmann mit Stoppelbart und verwittertem Gesicht spannte weitere Tiere vor, aber auch das brachte nicht den gewünschten Erfolg. „Majestät! Darf ich Euch bitten, für einen Augenblick auszusteigen?“ erbat er, die Frage, die sich sonst niemand getraut hätte. Prinz Talos erhob sich grimmig. „Was soll das heißen? Bin ich etwa zu schwer?“ Der Hauptmann beschwichtigte den Thronfolger: Man habe bereits alles Mögliche von der Kutsche entfernt, um sie leichter zu machen, stecke aber immer noch fest. „Ihr sollt nicht in Gefahr geraten, falls die Kutsche umkippt“, fiel ihm ein. Schnaufend kletterte Talos schwergewichtig aus seinem fahrbaren Palast. „Dann werde ich die Zeit nutzen, um auszutreten“, meinte Talos. „Der viele Wein fordert Tribut.“

Der Hauptmann namens Kreon war ein erfahrener Soldat und Ausbilder. Er gehörte zu den Anführern des Kriegstrosses und war einer der wenigen Soldaten, die den Prinzen ansprechen durften. Stillschweigend machte er sich mit den anderen Heeresführern über den ungeschickten Talos lustig. Und gleichzeitig verfluchte er Megara dafür, ihm diesen dummen Fettsack mitgegeben zu haben. „Wache!“ riss Talos schreiende Stimme ihn aus seinen Gedanken. „Hauptmann! Wie soll ich über diesen Schmutz laufen!? Bringt mit einen Sklaven, damit ich mich auf ihn stellen kann!“ Kreon drehte sich verwundert um und sah Talos neben der Kutsche stehen und auf den Boden zeigen.

Die Hoheit wollte zu einem Busch, um sich dahinter zu erleichtern, aber ein Sklave sollte sich neben das Gesträuch legen, damit Talos seine herrschaftlichen Füße nicht mit dem Boden beschmutzte. Kreon gestikulierte kurz und streng, und sofort machten sich zwei Fußsoldaten im Laufschritt auf den Weg zur Sklavenkolonne, um einen Unglücklichen zu wählen – bei dem Gewicht des Prinzen konnte man wahrlich von Unglück sprechen.

Während das königliche Gefährt von schwitzenden Männern befreit wurde, balancierte der Prinz auf einem Sklaven, der sich flach auf den Boden hatte legen müssen, und nestelte unter seinem Seidengewand seine Männlichkeit hervor, um sich zu erleichtern.
Der Sklave betete zu den Göttern, dass der Prinz nicht das Gleichgewicht verliere, denn es war klar, wer dann die Schuld dafür bekäme… Talos stöhnte erleichtert auf. Leise plätscherte das königliche Wasser auf den staubtrockenen Boden und rannen auf dem harten Lehm entlang. Einige Tropfen spritzten dem Sklaven an die linke Schulter und Gesichtshälfte, aber der Leibeigene verzog keine Miene. Doch dann kam das Geräusch des Stromes immer näher, und der Sklave verspürte plötzlich einen kräftigen Strahl in seinem Nacken und hörte Talos hell und kindisch kichern. In der Zeit, in der man eine Kerze löschen könnte, war der Kopf des Sklaven pitschnass.

Talos sortierte seine Männlichkeit und würdigte seiner besudelten Unterlage keines Blickes mehr. „Endlich fertig?“ fragte er in seiner Falsettstimme schnippisch wie ein zickiges Weib. Hauptmann Kreon nickte ruckartig und gab kurze Befehle an die Soldaten.
Der Kutscher öffnete dem Prinzen die Tür und half ihm, einzusteigen. Der unglückliche Sklave hatte keine Gelegenheit sich zu säubern und wurde wieder in seine Kolonne gekettet. Da er nur wenige Fetzen am Leib trug, konnte er sich nicht abreiben, und Wasser gab es sowieso nur streng rationiert. Da waren die schmerzenden Rippen, die unter Talos geknirscht hatten, noch das geringere Übel.

Leda hatte die peinliche und erniedrigende Posse mitbekommen und dem Sklaven in einem unbemerkten Augenblick mit einem alten Lappen die stinkende Nässe weggewischt. Warum tragen die Sklaven selbst hier im Kriegstross Keuschheitsgürtel? Leda fragte sich das immer wieder. Das konnte nur mit reinem Sadismus des Prinzen erklärt werden. Erst nach Einbruch der Dunkelheit machte das Heer Rast. Ein Teil der Soldaten war bereits viele Meilen entfernt. Prinz Talos ließ sich lieber Zeit. Des Nachts schlief er in einem großen Zelt, in dem es ihm nicht an königlichem Luxus fehlen sollte.
Nur Lustknaben standen nicht auf der Speisekarte, was ihn fuchste. Ihm gelüstete nach Futter für sein fleischliches Verlangen. Aber wie sollte er dies hier unbemerkt bewerkstelligen? Er verfluchte seine Mutter! Er könnte jetzt so weich in seinem Bett liegen und sich das Feuer seiner Lenden von einem süßen Burschen heizen lassen…

Leda schaffte es heute zum ersten Mal seit dem Aufbruch ihren Geliebten unter einem Vorwand abzuketten und mit ihm abseits der lagernden Wachen und Soldaten zwischen hohen dunklen Bäumen zu verschwinden. Die Landschaft hatte sich schon ein wenig verändert. Die extreme Hitze war ein wenig abgekühlt, und Busch und Baum kleideten sich in Grün. Ab morgen würden die Soldaten unbegrenzt Wasser zur Verfügung haben, und davon sollten auch die erschöpften und ausgedörrten Sklaven profitieren; doch heute hatte Leda einen ganz anderen Quell im Sinn: Abas Liebe.

Beide fielen wie Verhungernde übereinander her und wälzten sich auf dem weichen Waldboden in einem Bett aus Laub und Moos. Über ihnen schien ein Vollmond, der ihnen silbernes Licht auf der kleinen Lichtung spendete, auf die sie sich geflüchtet hatten. Ein Mal schreckten beide auf, als fremdartige Tiere in der Dunkelheit heulten. Waren es Hyänen oder Wölfe? Zum Glück waren die Bestien der Nacht noch weit genug entfernt. Sicherheitshalber machte Leda mit zwei Fingern kreisende Bewegungen in der Luft, um mit diesem Schutzritual böse Geister fernzuhalten.

Ihre Leidenschaft stieg in den Armen des Galan so steil an, wie eine Gämse den spitzesten Fels erkletterte. Abas und Leda liebten sich innig und befriedigten ihre herzliche Leidenschaft. Sie schwelgten in romantischen Bewegungen der Liebe, wogten sich darin, bis beide zutiefst glücklich aufseufzten. Danach schloss Leda ihr Herzblatt ohne zu zaudern wieder in seinen Keuschheitsgürtel ein. „Eines Tages wirst du frei sein“, versprach sie und gab ihm einen zärtlichen Abschiedkuss. Sie brachte Abas unbemerkt von den Augen der Wachen zurück in die Sklavenkolonne, kettete ihn an und begab sich zu ihrem eigenen Ruheplatz.

Ein Soldat lag halb in ihrer Decke. „Kamerad! Das ist mein Platz!“ sagte sie und zerrte an der Wolle. Ihr starrer harter Blick und die harsche Stimme wäre für Abas nicht wieder zu erkennen gewesen, hätte er sie nun sehen und hören können. „Warum legst du dich nicht zu mir, Leda?“ fragte der Soldat mit einem süffisanten Grinsen. „Lykos möchte dich ein wenig wärmen.“ Ledas Gesichtszüge wurden noch härter: „Verschwinde!“ Der Mann zog seine Nase hoch und leckte sich über die Lippen. Eine lange tiefe Narbe links vom Kinn quer über das Gesicht bis zum rechten Auge zeugte von Kampfeslust. Ungeduldig kratzte sich Lykos über seinen Stoppelbart. „Komm schon, Weib! Zier dich nicht! Auf Kriegszug sind die Jungfrauen rar. Und die Glut deiner Lenden…“ Er unterbrach sich und sah sich listig um. Er lachte leise, um die anderen nicht aufzuwecken. Dann beugte er sich vor und zog Leda zu sich. Sie ließ es geschehen und flüsterte: „Wollen wir einen Schluck Wein trinken, um dein Feuer noch mehr anzufachen?“ Lykos grinste breit. Jede Evastochter hatte er bisher gepflückt. Auch Leda war offenbar keine Ausnahme. Und wer nicht willig war, den nahm er mit Gewalt. Aber dieses Luder juckte der Schritt, da war Lykos sicher. Sie hatte Feuer! Wie sollte ein Weib auch einem Herzensbrecher wie ihm widerstehen?

Leda ging zum Vorratszelt und erschien kurz darauf mit einem Kelch voll Wein. Kleine Mengen waren den Soldaten erlaubt, um die Moral der Mannschaft zu stützen. Lykos trank gierig und wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab. Dann wollte er Leda unter den Waffenrock greifen, da erstarrte er wie eine Salzsäule. Er spürte den kalten Stahl an seinem Gemächt. „Jetzt wirst du meine Schlafstatt verlassen, Lykos. Und wage es nie wieder… Hörst du? NIE WIEDER Hand an mich zu legen! Sonst schneide ich dir dein Gekröse ab und stopfe es dir in dein dreckiges Maul! Hast du das vernommen?“

Lykos schluckte nervös und trocken. Sein Adamsapfel hüpfte. „Gut, Weib. So soll es sein. Aber ich schwöre dir: Weiber mit zuviel Stolz leben gefährlich. Dreh mir im Kampf nicht den Rücken zu!“ Mit verbissener Miene stand er auf und ging steif davon. Leda legte sich zurecht und schnallte sich den Dolch an den linken Unterarm, so dass sie ihn blitzschnell ziehen könne. Bevor sie zufrieden die Augen schloss, wartete sie noch auf ein bestimmtes Geräusch. Lange dauerte es nicht, da hörte sie, wie hastige Schritte von einem Schlafplatz hinter die Büsche führten. Ein feines Lächeln zeigte sich auf Ledas Gesicht. Das Rizinusöl würde Lykos seine Lust für heute Nacht verderben…

Am nächsten Tag stand der Feuerball bereits hoch am Himmel und brannte auf die Erde nieder, da kam der Tross in der Nähe eines Dorfes vorbei. Die Bewohner gehörten einem neutralen Fürstentum an, aber Prinz Talos befahl seinen Soldaten, den Ort zu plündern.
Hauptmann Kreon war der Befehl ein Graus. Zwar wurde der zähe Soldat im Krieg zum gnadenlosen Berserker, der alles und jeden schlachtete, der ihm vor das Schwert geriet; doch Bewohner eines neutralen Reiches auszurauben war unehrenhaft. Aber der königliche Befehl war gegeben und wurde daher bedingungslos ausgeführt.

Eine berittene Schar metzelte, brandschatzte und holte sich im Dorf, was es hergab: ein wenig Schlachtvieh und die Jungfräulichkeit so mancher hübschen Maid. Ein junges Weibsbild hielt die Spindel ihres umgestürzten Spinnrads noch lange danach verkrampft in den Händen und wiegte sich hin und her. Andere Mägde und Knechte irrten orientierungslos umher. Manche Bewohner begannen stoisch mit Aufräumarbeiten. Andere beweinten ihr Schicksal. Sonstige schworen bittere Rache und schüttelten hilflos ihre Fäuste in der Luft. Aber was hätten sie mit ihren Hacken, Sicheln, Dreschflegeln und Mistforken gegen gerüstete und berittene Krieger anstellen können?

Als der Tross des Prinzen weiter zog, verließ er verbrannte Erde und gebrochene Menschen. Soldatin Leda hatte eine junge Frau in ihrem Alter vor den Vagabunden retten können, doch ihr Heim war Beute der Flammen geworden. Leda drehte es den Magen um, als sie bereits schwarze kreischende Krähen sah, wie die Todesboten sich um einen Leichnam stritten und auf ihm herumpickten. Aufgescheucht von einem großen hässlichen Gänsegeier flatterten sie einige Schritte weiter. Leda sah den großen Vogel, wie er aus dem Gesicht des Toten Fleisch herauszupfte, und da wendete sie schnell ihren Blick ab.

Talos befahl nach wenigen Meilen eine weitere Rast, um ein Schlachtfest zu feiern. Er meinte bereits die duftenden Braten zu riechen, bevor die Feuerstellen angelegt waren.
Während der Vorbereitungen ließ sich der Prinz die Füße von seinem Diener mit aromatisiertem Wasser waschen und grübelte darüber nach, wie er an einen Jüngling kommen könnte. Seine Männer hatten schließlich heute auch ihren Spaß gehabt! Selbstmitleid nagte an ihm und Frust erhob sich in seinem Geist. Er opferte sich hier für sein Volk und niemand dankte es ihm!

Die Sklaven bauten das behelfsmäßige Lager auf. Die drückenden Lasten auf dem Marsch hatten sie zwar erschöpft, aber die Männer waren schwere Feld- oder Minenarbeit gewöhnt. Und da die Landschaft nun mehr Wasser bereitstellte, war die Rationierung aufgehoben. Der erste große Teil der Armee entfernte sich so von Tag zu Tag immer weiter von den Nachzüglern. Wenigstens würden die besten Krieger frühzeitig bei Paladin Telamon eintreffen. Auf den Nachschub und den Prinzen kam es nicht so sehr an.
13. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 04.03.18 18:22

Im Palast der Megara war der Gladiator Kreios unterdessen aus dem Trainingscamp geholt worden und unter strenger Bewachung in den königlichen Privatgemächern gebadet worden. Der Riese durfte sogar das große Badebecken betreten, denn jede Wanne war ihm zu klein gewesen. Unsicher verfolgte er, was mit ihm geschah. Warum wurde er gesäubert und parfümiert? Die Frauen, die seinen Leib mit Schwämmen wischten und Duftwasser über ihn träufelten, sagten kein Wort. Er hatte von den Gerüchten gehört, die man nur unter vorgehaltener Hand und unter Todesgefahr flüsterte, dass die Majestät sich heimlich mit einer großen Anzahl Männern vergnügte, und auch die Anwärter auf den Thron, die fast täglich zum Palast schwärmten, nur als Liebesdiener missbraucht wurden. Sollte er nun der nächste Mann im Bett der Herrscherin sein? Würde er anschließend sein Leben aushauchen müssen?

Bald brachten ihm die Palastwächter neue Arm- und Fußketten an, mit denen er an eine dicke Marmorsäule im Schlaf-Gemach der Königin festgebunden wurde. Dabei fixierten sie seine Arme hinter der Säule. Einer der Wachen schnürte dem Riesen die Augen mit einem safrangelben Seidenschal zu. Die Männer verließen mit klackenden Stiefelschritten den Raum. Es herrschte nun absolute Stille. Doch schon nach wenigen Minuten hörte Kreios leise Trippelschritte und unterdrücktes Gekicher. Er horchte auf. War das die Königin? Die erhabene und würdevolle Majestät würde sich doch nicht hastig wie ein junges Ding bewegen und kichern!?

Das Glucksen wurde immer lauter. Offenbar befanden sich mehrere junge Damen des Hofes fast unmittelbar vor ihm. Noch bevor die Regentin sich ihrem neuen Spielzeug widmen konnte, hatten die Töchter der Edelleute, die gerade aus dem Lustgarten kamen, beobachtet, dass der Gladiator in die königlichen Gemächer gebracht wurde. Die fünf jungen Frauen waren den Wachen hinterher geschlichen. Sie wussten, dass Megara noch eine Stunde lang mit ihren Beratern konferierte, so dass sie einen schnellen Blick in das königliche Schlafgemach wagten. Und tatsächlich: Da stand er, der gigantische Gladiator.
Nackt. Seine vielen Muskeln! Sein…. (!!)

Die Damen hielten ihre Hände vor den kleinen Mund und kicherten, starrten gebannt auf das gewaltige Gemächt. Eine besonders kecke junge Hofdame schritt bis direkt vor den Hünen, der sie um einen guten halben Mann überragte, und stupste die riesige fleischliche Schlange zwischen seinen Beinen an, die sich daraufhin wütend anhob. Die Freundinnen kicherten noch auffälliger, und die vordere Hofdame fühlte sich ermutigt, die Männlichkeit des Riesen erneut zu berühren. Dieses Mal streifte sie sie nicht nur, sondern packte kurz zu, was den Gladiator aufstöhnen ließ.

Die Frauen erschraken und wichen einige Schritte zurück. Die vordere Dame machte einen Satz rückwärts. Hatte der Sklave Schmerzen? Die Ketten spannten sich. Die Schlange erhob sich immer weiter… und blähte sich gefährlich auf. So etwas hatte die adlige Gesellschaft noch nie gesehen. Nach einem Schreckmoment beruhigten sich die Damen wieder und starrten neugierig auf das Gemächt des Sklaven: Es war prall und noch größer geworden. Die prächtige Lanze stand waagerecht und zeigte anklagend auf die kleine Gruppe junger Frauen. Doch bald griff die junge Lady wieder nach dem lustvollen Fleisch. Jetzt drückte sie es, strich über die geaderte Haut, zuckte leicht zurück, als Kreios sich aufbäumte und lauter stöhnte, doch dann spielte sie immer mutiger mit der Männlichkeit des Sklaven. Immer draufgängerischer und frecher wagte sie sich vor; und auch ihre Freundinnen kamen näher und wollten das Prachtstück berühren, streicheln, biegen, drücken.

Eine junge Dame schmunzelte: „Sieh nur, diese großen Bälle!“ Sie griff dem Sklaven beherzt zwischen die Beine. Wieder stöhnte Kreios laut auf, als er die zarten Finger geschickt mit seiner Männlichkeit spielen spürte. „Es spuckt oder weint“, sagte eine der Hofdamen fasziniert und wischte Lustflüssigkeit an Kreios schwingendem Liebesstab ab.
Da vernahm die Gruppe Schritte auf dem Gang. „Schnell!“ warnte eine der Damen kurzatmig. „Zur anderen Tür hinaus. Megara kommt!“ Die Mädels flüchteten keinen Augenblick zu früh. Die Königin erschien erhabenen Schrittes in ihren hohen Stiefelsandalen und blickte überrascht auf den erregten Kreios. Sie war sprachlos. Doch nach der ersten Verwunderung erschien ein breites Lächeln in dem Angesicht der Majestät. Eigentlich war es eher ein Zähne bleckendes, wölfisches Grinsen. Da hatte sie wohl die besondere Gunst der Götter erworben! Was für ein Prachtexemplar! Gemach ließ sie ihre Schleppe zu Boden gleiten und stellte sich vor den Sklaven. Wäre der Kämpe nicht bereits nackt gewesen, hätte sie ihn von oben bis unten mit gierigen Blicken ausgezogen.

Megara entblößte sich weiter und umfasste ihren Torso mit beiden Armen, als wolle sie sich umklammern und liebkosen. Die Knospen ihrer Brust waren hart und aufgerichtet.
Langsam hob sie eine ihrer Brüste und leckte ihren Warzenhof, so dass er glänzte. Dann strich sie über den kräftigen Muskelleib vor ihr, der nervös aufzuckte, als die königliche Hand über seine gewölbte Brust und den trainierten Bauch glitt. Und schließlich wanderten die herrschaftlichen Finger noch tiefer und verblieben an Stellen, die so manche Hofdame nur aus heimlichen Erzählungen kannte, die Kreios jedoch höchste Genüsse zu bereiten schienen.

Doch plötzlich stöhnte Kreios gequält auf: Megara hatte an seiner linken Brustwarze eine Zwinge angebracht, die mit einer Kette an einer weiteren Klemme verbunden war. Auch die zweite Vorrichtung biss kurz darauf in Kreios empfindliches Fleisch. Nun baumelte die Kette zwischen den Brustwarzen. Kreios Gesicht verzog sich kaum, denn er war Schmerz gewohnt, doch fühlten sich die tückischen Zwingen mit jeder Minute beißender an. Abrupt zog Megara in der Mitte der Kette und zwang den Giganten so auf die Knie.
Nur die Kraft drei ihrer Finger reichte aus, um den Hünen zu bezwingen. Der Riese rutschte langsam an der Säule in die Hocke, in die Megara ihn zwang. Die massiven Schenkelmuskeln wölbten sich. Kreios hörte ein klares Lachen. Dann war da vor seinem Mund etwas Feuchtes. Fleisch? Königliches Fleisch? Er wagte, seine Zunge hinausschießen zu lassen und vernahm ein lustvolles Stöhnen. „Weiter! Sklave! Weiter!“ forderte die Stimme leidenschaftlich. Kreios leckte und umspielte das weibliche Fleisch. Mit immer mehr Druck presste sich Megara gegen das Gesicht des Goliaths.

Sollte Megara es wagen, diesem Sklaven die Ketten zu lösen? Ihre Gier nach dem prächtigen Gemächt war zu groß, um gegen die Bedenken ankämpfen zu können. Sie löste zunächst den Seidenschal, und Kreios sah sie blinzelnd an. Vor ihm stand wirklich die Herrscherin! Und sie trug nur ein knappes Seidenkleidchen, durch dessen Stoff ein sündiges Auge den königlichen Leib betrachten konnte! Sie sah auf ihn hinab, denn noch hockte Kreios, so dass sein Gesicht nur wenige Handbreit von der Venus der Tyrannin entfernt war. Sie begann, die Ketten zu lösen und surrte ihm entgegen: „Wenn du mir ein guter Bettgefährte bist, sollst du reich belohnt werden.“ Kreios rieb sich die Handgelenke, als er die Fesseln los war. Anschließend entfernte Megara noch die Fußketten.

„Steh auf!“ befahl sie mit einer Stimme, die keine Widerworte kannte. Kreios streckte sich zu seiner vollen Größe. Mulmig wurde ihm klar, dass er nun auf die Majestät hinabblickte. Aber sie hatte es ihm geboten. Megara stolzierte zu einem prunkvollen Bett und legte sich zwischen die vielen bestickten Decken, wertvollen Kissen und edlen Felle.
„Komm zu deiner Königin“, forderte sie, und Kreios näherte sich respektvoll. Langsam. Zaghaft. Dann kroch er zu der Regentin, und bald liebten sie sich wie Mann und Frau. Die Lustschreie der Despotin hallten laut durch die Gemächer. Selbst ihr geheimer Liebesstab aus Stahl, den ihr der königliche Schmied nach dem Tod des Königs angefertigt hatte, konnte sich nicht mit diesem lodernden Schwert messen.

Am nächsten Tag schickte der Hauptmann Kreon, der die Abteilung mit Prinz Talos anführte, einen Vortrupp als Späher aus. Wegen der Bummeleien des Prinzen war sein Teil des Heeres so viele Meilen hinter dem ersten Abschnitt zurück, dass Kreon befürchtete, der Feind könne zwischenzeitlich Hinterhalte legen. Zu den freiwilligen sechs Reitern gehörte auch Leda, die mittlerweile bei den meisten ihrer Kameraden anerkannt war wie ein ganzer Mann. „Die Schürze mit dem Schwert“, war einer ihrer vielen Spitznamen. Doch getraute sie niemand in ihrer Anwesenheit so zu schimpfen, wollte er sich keine blutige Nase holen.

Das Sextett ritt in einem Bogen voraus, um bei eventueller Feindberührung nicht die Zugrichtung des Heeres zu verraten. Das Gebiet war nun stark bewaldet, und alte Bäume mit einem Stammdurchmesser von oft über zwei Ellen ragten mit ihrer gewaltigen Krone bis zu 150 Fuß in die Höhe. Langsam und bedacht arbeiteten sich die Späher vor. Als ein Soldat vom Ross sprang, um eine auffällige Spur auf dem Boden genauer zu untersuchen, horchte Leda auf. War das ein Tier im Unterholz gewesen? Oder hatte sie einen fremden Kundschafter entdeckt? Behutsam nahm sie ihren Bogen vom Rücken und zog einen Pfeil aus ihrem Köcher. Gemach legte sie ihn auf die Sehne.

Auch ihre Kameraden hatten das verräterische Geräusch im Unterholz vernommen und spannten ihre Bögen. Der Soldat, der den Humus untersucht hatte, war in die Hocke gegangen und stand gerade auf: „Menschen. Vielleicht Waldbewohner. Wir sollten vorsichtig…“ Weiter kam er nicht, denn plötzlich ragte eine Pfeilspitze aus seiner Brust.
Mit einem Röcheln fiel er mit einer Drehung zu Boden, so dass die trockenen Blätter aufwirbelten. Er landete auf dem Rücken, so dass der Pfeil noch weiter durch seine Brust gebohrt wurde.

„Deckung!“ schrie Leda und ließ ihren Bolzen in die Richtung zischen, aus der der Angriff gekommen sein musste. Augenblicklich sprangen alle Soldaten gleichzeitig von ihren Reittieren und suchten hinter den Rücken ihrer Rappen Schutz. Vereinzelt schossen sie ins Dickicht, aber kein Feind war zu sehen. Ein unbekanntes Ziel war kein gutes Ziel. Trotzdem hagelten weitere tödliche Geschosse auf den Trupp ein. Bald lagen zwei weitere Soldaten am Boden. Trotz ihrer Deckung durchsiebt mit Pfeilen. Hatte der Feind sie umstellt?

Leda und die beiden Überlebenden sprangen auf ihre Pferde und suchten ihr Heil in der Flucht. In rasendem Galopp schossen sie durch den Wald und hofften, dass ihre Tiere nicht stürzten. Die Bäume wurden zu gefährlichen Hindernissen. Überall lauerten Wurzelwerk und morsche Äste, die zu tödlichen Stolperfallen werden konnten. Der Weg wollte kein Ende nehmen. Durchschwitzt, die Tiere hatten Schaum vor dem Mund und wieherten aufgeregt, erreichten sie dann endlich das Lager. Erst dort bemerkte Leda, dass einer ihrer Kameraden angeschossen war. Der Pfeil steckte in seiner linken Schulter.
Der Medicus brannte die Wunde sofort mit einem glühenden Messer aus und entfernte das Geschoss. Der Soldat, ein tapferer Recke, schrie und biss auf einen dicken Lederriemen.„Wenn die Spitze nicht vergiftet war, wird er bald wieder kämpfen können“, erklärte der Heiler dem Hauptmann, der ihm dankend zunickte. Doch sollte das Bolzenende in ein Toxikum getränkt worden sein... Der Heiler brauchte die andere Möglichkeit nicht zu erwähnen, denn alle wussten, was das bedeuten würde.

Kreon besah sich den Pfeil genau: „Der stammt nicht von den Nordländern. Im Wald leben wilde Völker. Banditen. Mit denen machen wir kurzen Prozess.“ Er wollte mit zwei Abteilungen das Gesindel einkreisen und zwischen den Flanken zermalmen. Er stimmte sein Vorhaben mit dem Prinzen ab, der aber so beschäftigt war, mit seinen schiefen Vorderzähnen einen Hühnerknochen abzunagen, dass Kreon bezweifelte, die Hoheit habe ihm folgen können. Kreon stellte eine berittene Kampftruppe aus 50 Soldaten zusammen.
Niemand griff straffrei das königliche Heer der Megara an! Leda ritt neben Kreon als Anführerin der westlichen Reitergruppe, Kreon selbst übernahm die andere Hälfte der Kämpfer.

Nach wenigen Stunden erreichten die Soldaten den besagten Wald, teilten sich auf und umstellten das Gebiet. Einige Späher stießen in einem noch weiteren Bogen voran. Nach einiger Zeit meldete ein Kundschafter die Spuren der Angreifer und Rauch in der Ferne.
Kreon kratzte sich über das stoppelige breite Kinn: „Ihr Lager. Wir werden es dem Erdboden gleichmachen!“ Die Soldaten sammelten sich, nachdem sie sich versichert hatten, dass keiner der Feinde im Wald war, und rückten auf die kleine Ansiedlung vor, die auf einer großen Lichtung lag. Bevor sie auf einem Hügel sichtbar wurden, teilten sie sich erneut, um den Gegner von den Flanken anzugreifen. Erst spät erkannten die Waldbewohner die Gefahr und griffen hastig und laut rufend zu den Waffen.

Leda dankte den Göttern, dass sie nicht ein Dorf mit Weibern und Kindern vor sich hatten, sondern nur das Versteck der Krieger. Unter Kreons Kommando stürmten die beiden Abteilungen von Westen und Osten auf das Lager zu. Die Soldaten der Megara wurden von Pfeilen, Äxten und Lanzen empfangen; aber die ausgebildeten und gut gerüsteten Soldaten waren ihnen klar überlegen. Mit ihren Hellebarden, Spießen und schweren Schwertern metzelten sie die Waldbewohner in der Walstatt nieder. Als Leda einen Angreifer, der sie vom Pferd reißen wollte, ihr Schwert unterhalb der Kehle durch die Lungen stieß, spritzte ihr warme Flüssigkeit entgegen, so dass sie einen Augenblick blind weiter ritt, bis sie mit dem Handrücken den nassen Regen aus ihrem Gesicht gewischt hatte.

Die Widersacher waren innerhalb kurzer Zeit niedergemäht, obwohl es Leda eine Ewigkeit zu dauern schien, bis der Letzte sein Leben ausgehaucht hatte. Die blutige Ernte war eingefahren. Ein Soldat küsste sein Amulett: eine Münze an einem Lederriemen, den er um den Hals trug und ihm bisher stets Kriegsglück beschert hatte. Kreon ließ Feuer legen. Nur Schutt und Asche sollte zurückbleiben. Im Namen Megaras prasselten die Hütten im lodernden Feuer und fielen schließlich in kalter Asche zusammen. Auf dem Rückweg war Leda mit grimmigem Gesicht in Gedanken versunken. Der Krieg besaß eine hässliche Fratze. Sie träumte von einer kleinen Bauernkate, mit Abas als Gemahl und vielen Erben. In Frieden. In einem freien Land.

Am Abend spürten die 45 zurückgekehrten Soldaten die Anerkennung der Kameraden. Auch Kreon lobte beim deftigen Abendmahl die mutigen Männer und widmete den fünf Gefallenen ein kurzes Gebet. An mehreren Lagerfeuern versammelten sich die Soldaten, um bei dem flackernden Schein der Flammen zu speisen. Ein buckeliger Soldat, der durch einen dicken Furunkel am Hals entstellt wurde, griff gierig nach einem Stück des Ziegenbratens, wobei das Fett zischend in das Feuer tropfte. Danach wurden dem Wein zugesprochen, Lieder gesungen und Geschichten von Heldentaten und Geisterwesen erzählt. Einer der Männer hatte eine selbst geschnitzte Flöte und spielte darauf.

Als Leda von dem Hinterhalt zurückgekommen war, war sie und ihre Geschichte zunächst von einigen Soldaten verspottet worden. Ein Weib fürchtete sich eben. Ein Weib schwatzte viel. Aber nun sahen sie sie fast ehrfürchtig an. Auch ihre männlichen Begleiter bestätigten ihre Worte. Sogar Hauptmann Kreon lobte, dass sie „nicht nur eine kühne Zunge, sondern auch eine kühne Klinge“ bewiesen habe. Leda starrte gedankenverloren in die flackernden und prassenden Flammen. Ihr war nicht nach Feiern. Schon Morgen würden sie vielleicht die feindliche Festung erreichen. Zwar lag die Burg erst an der Grenze zum Nordland, doch dort wurde die gesamte Armee aufgehalten und benötigt.
Bevor nicht diese Bastion gefallen war, konnten Megaras Männer nicht weiter ins Territorium der Rivalen vordringen, wollten sie nicht riskieren, vom Feind später eingekesselt zu werden.

„Nur eine Festung! Eine einzige!“ hörte Kreon Megaras unbillige Rufe noch bei der letzten Versammlung im Palast. „Zerstört sie einfach! Brennt sie nieder! Fegt sie hinweg! Kein Stein soll auf dem anderen verbleiben!“ Aber das war nicht so leicht. Die Wehranlage war nicht irgendeine kleine Burg eines Fürsten. Sie war das größte Bollwerk, das die Welt kannte. Allein die viele Schritte dicken Mauern waren so hoch wie Megaras Palast und mit hunderten Bogenschützen besetzt. Zusätzlich gab es Schießscharten, Kübel mit kochendem Pech, Felsbrocken und angeblich sogar verzauberte Tiere, die den Feind mit ihren riesigen Reißzähnen zerfleischten. So munkelte man zumindest an den Lagerfeuern.

Und von den Geheimwaffen des Kontrahenten waren die erzählenden Männer unter der Wirkung des Weines schnell bei dem sagenumwobenen Amazonenvolk, das auch irgendwo in diesen Wäldern hausen sollte. Leda horchte auf. Amazonen? Daran glaubte sie nicht. Doch ein pausbäckiger Soldat bestand darauf, dass er mit eigenen Augen gesehen habe, wie vor einigen Jahren…

„Da war ich mit zwei Kameraden hier ganz in der Nähe unterwegs. Am Nachmittag des besagten Tages steigen wir an einem Bachlauf von unseren Tieren, um uns zu erfrischen.
Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheinen sie und kreisen uns ein: Kriegerinnen, in enges Leder gewickelt, mit langen Bögen bewaffnet, Amazonen! Die Weibsbilder sind größer als ein Mann und tragen ihr langes Haar offen, das ihnen bis zu ihren Lenden reicht. Wir stehen nur da und können uns nicht rühren. Hätte jemand die Waffe gezogen, so wäre es aus mit ihm gewesen.“ Ein Kämoe stand auf. „Und wie konntet ihr diesen Wesen entkommen?“ rief der Soldat von der anderen Seite des Lagerfeuers. Der Pausbäckige antwortete: „Einige der Amazonen ergreifen und fesseln uns. Ich fühle noch heute den harten Stiefel der Kriegerin auf meinem Rücken. Es geht alles ganz schnell. Sie verladen uns wie Säcke auf die Pferde bringen uns zu ihrem Lager. Dort werden wir wie Vieh untersucht: Muskeln, Zähne und…“ Der Erzähler griff sich grinsend zwischen die Beine.
Einige Kameraden lachten, andere staunten und hingen ihm an seinen Lippen.

„Die oberste Kriegsbraut vergleicht die Gemächte ihrer Gefangenen. Dann zieht sie blitzschnell ihren geriffelten Dolch und murmelt irgendeine Gebetsfloskel oder einen rituellen Spruch. Vielleicht hat sie auch Dämonen herbeigeschworen. Auf jeden Fall schreit mein Kamerad laut auf, und noch bevor wir begreifen, was ihm geschehen ist, hält sie sein Gemächt hoch in die Luft.“ Ein Raunen ging durch die Zuhörer. Einige Soldaten spürten, wie sich ihr Gemächt zusammenzog. „Oh, ja! Doch damit nicht genug: Sie greift nun zu meinem anderen Kameraden, der jetzt schon weiß, was auf ihn zukommt. Er zappelt brüllend in seinen Fesseln. Aber auch er ist in wenigen Wimpernschlägen entmannt! Natürlich glaube ich in heller Panik, dass auch meine letzte Stunde gekommen ist. Doch die Kriegerin schneidet meine Fesseln auf und bringt mich in ihr Zelt.“ „Und was dann?“ wollte ein Soldat wissen, der vor Aufregung an seinen schwarzen Fingernägeln knabberte, und in dessen linken blinden Auge sich das Feuer spiegelte.

„Das Weib ist so heiß und hungrig wie tausend Jungfrauen! Ich sage euch: Wir hatten eine Nacht, die ich nie in meinem Leben vergessen werde!“ Der Frager räusperte sich und spuckte ins Feuer. „Bindest du uns da auch keinen Bären auf?“ wollte der Soldat skeptisch wissen. „Ich? Aber nein! Genau so ist es geschehen! Das schwöre ich bei meiner Ehre!“ Leda hatte die Geschichte schnell als Lügenmärchen enttarnt und die Zeit genutzt, um nach den Sklaven zu sehen. Vielleicht konnte sie ungestört mit Abas sprechen. Doch heute Nacht waren zwei weitere Soldaten als Wachen abgestellt. Es gab keine Möglichkeit, ihn von den anderen Sklaven zu separieren. Nur einen kurzen Blick tauschten die Zwei unbemerkt aus.

Am nächsten Tag ritten neue Spähtrupps aus, denn die Festung des Feindes war nicht mehr weit. Leda konnte heute in Abas Nähe sein; doch seine Nähe war noch furchtbarer zu ertragen, als ihn nicht sehen zu können. Es waren die reinsten Tantalusqualen: So nah, und doch so fern! Wenigstens erhielten die Sklaven so nur weniger Hiebe, denn Leda prügelte nicht gern auf die wehrlosen Männer ein. Nur wenn sie zu langsam wurden, musste sie nachhelfen, holte aber nur halbherzig aus. Die Leibeigenen spürten ihr Wohlwollen und dankten ihr mit ihren Blicken.
14. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 11.03.18 20:05

Im Palast waren die emsigen Vorbereitungen für den nächsten Arenakampf in vollem Gange. Überall wieselten Diener und Wachen geschäftig wie fleißige Honigbienen herum. Megara wollte die Strafmaschine des Prinzen erneut einsetzen. Vielleicht hatte ihr nichtsnutziger Sohn ja doch mal etwas Sinnvolles geschaffen. Zwei Männer kontrollierten die Konstruktion auf ihre Funktion, schraubten hier und klopften da. Neben der Despotin, auf einem übergroßen Diwan, lag der hünenhafte Sklave Kreios, gewandet in feinster Seide. Megara liebte ihr neues Spielzeug. Es sollte gleich in greifbarer Nähe sein. Ein ungewöhnlich großer Schoßhund, schmunzelte Megara, aber dafür genau das Richtige! Auf ein Fingerschnippen begann Kreios der Majestät sanft die Füße zu massieren.

„Gibt es schon Neuigkeiten von Telamon?“ fragte sie ihren Leibdiener, der demütig drei Meter weiter an einer Säule mit umfangreich verschnörkeltem Kapitell stand. Der Mann neigte sein Haupt und berichtete, dass der Paladin die erste Verstärkung Soldaten erhalten habe. Nur der zweite Tross mit Prinz Talos fehle noch. Megara geiferte ihm entgegen: „Wieso ist Talos noch nicht da?“ Ängstlich zusammenzuckend starrte der Diener seine Herrin an: „Verzeiht, Majestät! Vielleicht ist er aufgehalten worden.“ Megara schnaubte ungehalten. „Diesem Tunichtgut würde ich Feuer unter seinem fetten Arsch machen!“ Der Diener versteifte sich und schluckte trocken. Die Regentin gab Kreios einen Tritt. „Hör auf! Es reicht! Komm lieber hoch zu mir und massiere meine königlichen Schultern.“ Der Riese begab sich hastig in Position und bewies mit seinen mächtigen Pranken ungewöhnlich zarte Fertigkeiten.

Um Kreios Hals blinkte ein breites goldenes Halsband, das mit feinen Halbedelsteinen verziert war, die seinen Namen bildeten. Ebenfalls trug er nun einen Keuschheitsgürtel aus purem Gold, der allerdings unter seinem knappen Gewand versteckt war. Nachdem Megara ihren Leibdiener weggescheucht hatte, empfing sie einen Wahrsager, der ihr mit Hühnerfüßen den Fortgang des Kriegszuges prophezeien sollte. „Die feindlichen Mauern werden fallen“, war sein Resümee, weil die Tyrannin dies sicherlich erwartete. Die Königin überlegte: „Zuerst muss die Festung im Norden stürzen. Vorher kann meine Armee nicht in Feindesland einfallen. Nur wenige Meilen sind dort gangbar. Ein Nadelöhr. Östlich und westlich von der Wehranlage blockiert eine tiefe Schlucht das Fortkommen hunderte Meilen breit.“

Laut forderte sie: „Seher! Sage mir, ob Talos im Kampf Erfolg haben wird!“ Der Weissager warf erneut seine Hühnerfüße und grummelte eine geheimnisvolle Formel. Seine Augen wurden groß. „Majestät! Der Krieg wird viele Opfer kosten. Talos wird sich als großer Führer bewähren und….“ Megara unterbrach ihn barsch: „Schweig still! Talos? Ein großer Führer? Wäre sein Arsch nicht so fett, würde er sich in das nächste Karnickelloch flüchten, sobald der erste Brandpfeil singt!“ Dann wurde sie ganz ruhig.
Gefährlich ruhig. Sie blitzte ihn abhold an. „Falls du wirklich die Kraft eines Sehers hättest, hättest du deinen eigenen Tod vorhergesehen!“ Der Mann ächzte erschrocken auf. „Majestät! Wieso Tod?“ Megara gab den Wachen einen kurzen Befehl: „Ergreift ihn und steckt ihn in den Kerker.“ Zwei schwarz gekleidete Gardisten mit finsteren Gesichtern packten den Mann, der jämmerlich um Gnade flehte, mit eisenharten Griffen und schleiften ihn aus den edlen Gemächern der Herrscherin. Morgen bei Sonnenaufgang würde sein Kopf rollen wie ein Käselaib und gemeinsam mit seinen Hühnerfüßen den Schloss-Hunden zum Fraße vorgeworfen werden.

Zornig betrat sie die Räume, in denen unfolgsame Sklaven bestraft wurden. „Gib mir die Peitsche“, riss die Hoheit der Wache das Leder aus der Hand und übernahm die Auspeitschung eines nackten Mannes in persona. Die Geißel wurde zu einem Teil von ihr. Sie sättigte ihren Appetit. Der lange Riemen knallte laut auf Fleisch und zeichnete tiefe Spuren darin. Wieder und wieder. Schweißgebadet war die Vornehmheit bald, doch ihre Schläge prasselten weiterhin auf das nackte Fleisch. Schreie des Schmerzes hallten durch das hohe Gewölbe. Doch Gnade kannte Megara so wenig, wie es das Mauerwerk für den Delinquenten übrig hatte. Selbst die rohen Wachmänner starrten entsetzt auf das Ergebnis ihrer Schlagkunst. Als ihr Zorn gekühlt war, warf sie der Wache die Peitsche vor die Füße, stolzierte hinaus in den langen Schlossflur und erfrischte sich in einem mit Jasminblüten aromatisierten Bad in ihren Gemächern. Ein feines Haarnetz bildete ihren Kopfputz, um die lange Mähne nicht dem Wasser auszusetzen. Danach kehrte sie zu ihrem „Schoßhund“ Kreios zurück, um sich von dem prächtig Bestückten wie eine Frau nehmen zu lassen. Sie gab sich ihm hin wie eine devote Magd und maunzte laut auf, als sie einen erotischen Klimax genoss.

Bald darauf erschien sie besser gelaunt im Festsaal, wo sie das opulente Bankett mit superben Delikatessen eröffnete, dem der nächste Arenakampf folgen sollte. Kreios fühlte seine gepeinigte Mannesehre. Noch vor wenigen Minuten hatte er der Herrin seinen heißen Samen in ihre Weiblichkeit gepflanzt. Die Regentin hatte ihn umklammert wie ein ängstliches Mädchen und war seiner Kraft und animalischen Ausstrahlung verfallen. Und jetzt war er wieder nur ihre Marionette, die fürchten musste, jederzeit, wenn sie das Interesse an ihr verlor, die Vergänglichkeit zu finden. Das Schoßhündchen saß zu den Füßen seiner Herrin und schaute ergeben zu ihr auf.

Der einst stolze Krieger musste um Essensbrocken betteln und wurde mit der Hand der Königin gefüttert. Die Edelleute lachten und scherzten über den zahmen und gedemütigten Riesen ohne Schneid, der in der Arena so formidabel und gefährlich gewirkt hatte. Andere erinnerten sich an Kreios unrühmlichen Abgang mit der Strafmaschine und machten mehr oder weniger offensichtlich obszöne Zeichen, um in seiner Wunde zu bohren. Der Höhepunkt seiner Schmach kam, als die Megara ihm befahl, auf allen Vieren an den Tischen entlang zu kriechen und um Essen zu betteln wie eine Töle. „Schau ihn dir an! Wie artig erzogen er ist“, kicherte eine junge Dame und hielt Kreios ein Stück gebratene Taube hin, nach der er schnappen sollte. Immer wieder zog sie das Fleisch weg und lachte glucksend. Nach dem vierten Versuch erwischte Kreios den Brocken endlich. Zwei Damen applaudierten, als sei ein trainiertes Kunststückchen geglückt.

„Ob er auch Wein säuft?“ fragte eine junge Frau, die Kreios mit ihrem Zeigefnger zu sich winkte und ihm mit ihrem Kelch den rubinroten Tropfen einflößte. „Ich auch! Ich auch!“ riefen noch drei andere Adelsfrauen, die Kreios nach und nach mehrere Kelche leeren ließen, bis sein Bauch sich wölbte wie bei einer trächtigen Hündin, und der Muskelmann taumelte. „Ich will auf ihm reiten!“ raffte eine junge Dame ihr voluminöses Kleid und sprang plötzlich auf, die selbst schon dem Trunk gut zugesprochen hatte, und setzte sich dem krabbelnden Kreios auf den breiten Rücken und trieb ihn johlend an wie ein Pony. Fragend sah sie zu Megara, ob es ihr auch gestattet sei, aber die Tyrannin nickte geneigt und war amüsiert, wie viel Freude ihr Schoßhund der Gesellschaft bereitete. Die vorwitzige Reiterin fühlte sich gebauchpinselt, auf dem königlichen Spielzeug thronen zu dürfen. Bald wankte Kreios immer unsicherer, denn der Wein zeigte seine Wirkung. Mittlerweile war eine zweite Dame aufgesessen und trieb das Pferdchen mit flachen Schlägen auf sein Hinterteil an.

Erst ein lauter Gongschlag eines Dieners und die Ankündigung, der Arenakampf werde in einer halben Stunde beginnen, ließ die illustre Runde aufstehen und gemach zum Turnierplatz lustwandeln. Dabei ließen es sich die beiden kecken jungen Damen nicht nehmen, auf Kreios durch die Gänge des Palastes zu reiten. Die jungen Edelmänner, denen die Damen versprochen waren, fanden dies weniger lustig, wenn der Schoßhund ihnen die Schau stahl. Einer der Adligen wollte dem Spuk möglichst schnell ein Ende machen und trieb Kreios zusätzlich mit der Spitze seines Schwertes an, die er dem menschlichen Reittier immer wieder in dessen Gesäß stach, um ihn zur Eile anzutreiben und seine Eifersucht zu besänftigen. Quiekend beschleunigte das Pferdchen.

Am liebsten hätte er noch viel kräftiger gestochen oder diesen Sklaven sogar entmannt; aber Kreios war Eigentum der hohen Majestät. Wer sich an ihm verging, durfte nicht auf Gnade hoffen. Also begnügte sich einer der jungen Männer damit, Kreios kurzes Gewand zur Seite zu schlagen, so dass dessen Hintern und KG zu sehen war. Nun baumelten die massigen Bälle frei zwischen den muskulösen Schenkeln, dem Schutz vor den vielen Augen beraubt. „Ein schneller Schnitt mit meinem Dolch“, dachte der junge Mann spitzzüngig. „Dann wäre es vorbei!“ Wäre er König des Reiches, so wüsste er, wie er sich Rivalen vom Halse hielte.

In der Arena brannten hunderte Fackeln und tauchten die Umgebung in ein fulminantes Licht. Vor den eigentlichen Kämpfen traten Artisten auf, die eine Pyramide aus zehn Personen bauen konnten, und viele weitere unterhaltsame Künstler wie ein Narrenpaar, Jongleure und Feuerspucker, ein Schwertschlucker sowie Bauchtänzerinnen, die auch ihre schlangenartige Gelenkigkeit gekonnt unter Beweis stellten. Ungeduldig wartete das Publikum aber auf die Kämpfe der Gladiatoren. Was würde Megara ihnen heute Grandioses bieten? Waren es dieses Mal vielleicht Zwerge, die gegen einen Riesen kämpften?

Während im Palast ausgelassen gefeiert wurde, herrschte im Lager von Talos militärische Ordnung und Drill. Talos hatte darauf bestanden noch eine Nacht zu lagern, bevor sie auf den Vortrupp und damit auch die Kohorten des königlichen Paladins Telamon trafen. Die Reise war anstrengend, und der Prinz benötigte Massagen, um seinen verspannten Leib ein wenig zu entlasten. Dazu fläzte er sich auf die knarrende Bettstatt, die ihm die Soldaten gebaut hatten, und streckte seine Glieder stöhnend. Zwei junge Kämpen kamen in sein Zelt, um ihm die Stiefel auszuziehen und seinen gewaltigen Körper durchzuwalken. Waren ihre Griffe zu vorsichtig, so schimpfte Talos, fassten sie die Hoheit jedoch zu kräftig an, so hatten sie drakonische Bestrafungen zu erwarten. Stets in Angst, seine Erwartungen nicht zu erfüllen, bearbeiteten sie die gewaltigen Fettberge, während der Prinz die Berührungen der hübschen Burschen genoss. Mit schamrotem Antlitz kneteten die jungen Männer ausgiebig das fette Gesäß des Adelssprosses auf dessen Geheiß. Talos´Schweinsäuglein funkelten vor Wolllust.

Am Nachmittag meldete sich Leda freiwillig zur Kräutersuche. Dem Koch fehlten bestimmte Pilze und Gewächse. Leda durfte einen Sklaven für die Arbeit mitnehmen. Das war für sie natürlich eine perfekte Gelegenheit, um mit Abas allein zu sein. Da der Sklave dabei weiterhin Fuß- und Handketten trug, und Leda bewaffnet und zu Ross war, reichte sie völlig als Bewachung aus. Beinahe wäre ihr Vorhaben zunichtegemacht worden, denn ein Soldat hatte bereits einen anderen Leibeigenen abgekettet und ihr zugeteilt. Leda bestand aber auf Abas, den sie unauffällig aus einer Gruppe „von gehorsamen Sklaven“ wählte – natürlich „ganz zufällig“. „Den, den du da abmacht hast, habe ich schon oft widerspenstig erlebt“, behauptete sie. Der Wehrmann drehte sich dem Sklaven misstrauisch zu und knallte ihm die Peitsche über den Rücken. „Das werde ich dir austreiben!“

Leda sah schuldbewusst, was sie angerichtet hatte. Sie hatte doch nur eine Ausrede finden müssen. Aber Hauptsache war, dass sie nun mit Abas alleine war. Sie ritt hinter dem Sklaven her, der im Laufschritt vor ihrem Ross hereilte, immer tiefer in den alten Wald hinein. Bald fanden sie große Flächen mit Pilzen und Kräutern en masse, die sie gemeinsam aufsammelten, damit es schneller ging. Die gepflückte Beute verstauten sie in ledernen Reittaschen, die am Sattel festgeknüpft waren. Anschließend schloss Leda ihren Liebsten aus den Ketten und dem Keuschheitsgürtel auf. Zufrieden lächelte sie auf das nun freie Gemächt hinab. Abas pflückte ein Veilchen vom Boden und steckte es Leda ins Haar. Sie küssten sich liebevoll und schlenderten ein Stück weiter, da hörten sie dumpfes Rauschen. War hier ein Wasserfall?

Das Paar folgte den Geräuschen, die immer lauter und durchdringender wurden. Und dann erkannten sie durch die Zweige und Blätter der Bäume das Naturidyll: Ein etwa 20 Fuß hoher Wasserfall ließ einen kleinen Fluss in die Tiefe stürzen. Unter der Abbruchkante hatte sich ein kleiner See gebildet. Leda legte ihre Waffen ab und entkleidete sich. Ihr Begleiter wurde magisch von dem weiblichen Körper angezogen. Er legte seinen Lendenschurz ab, und nun sprangen die Zwei in das frische Wasser. „Ich habe dich so vermisst“, schwärmte Leda und verschränkte ihre Hände hinter Abas Nacken. „Und ich dich erst“, stimmte Abas zu, und dann berührten sich ihre verlangenden und tastenden Lippen. „Du bist so wunderschön“, flüsterte Abas. „Deine Augen! Sie glänzen und funkeln wie Sternenlicht!“ „Und du riechst so gut“, sagte Leda und versank an Abas Hals.

Leda lächelte und tauchte mit ihrer Hand ins Wasser und an Abas Körper hinab, bis sie seine Männlichkeit fühlen konnte, die von wilder Begierde zeugte. Die knackenden Geräusche am Ufer hörten die Beiden nicht. Zu laut war die fließende Wasserwand, und zu sehr war das junge Glück in sein Liebesspiel vertieft. Zwei dünne Äste bewegten sich auseinander, und ein Augenpaar erschien, das die Beiden vorsichtig beobachtete. Lykos hatte mitbekommen, dass Leda mit dem Sklaven unterwegs war und seine Freiwache benutzt, ihnen heimlich zu folgen. Er hatte sich für die Schmach rächen wollen, die ihm die Soldatin angetan hatte. Er war von einem Weib verstoßen worden! Sie hatte seinen Stolz mit Füßen getreten! Das sollte sie bitter büßen!

Ein Kettensklave würde ihr keinen Schutz bieten. Als unliebsamer Zeuge konnte er leicht getötet werden. Lykos hatte sich alles genau ausgemalt: „Ich musste ihm mein Schwert durchs Herz bohren, als er mich angegriffen hat. Leider kam ich zu spät, denn Leda hatte der Aufsässige bereits erwürgt.“ Aber nun traute er seinen Augen nicht: Die beiden waren ein Liebespaar? In seinem Kopf arbeitete es. Was sollte er nun tun? Er würde Leda mit seinem Wissen erpressen können und ihre Liebe so erzwingen. Lykos lachte finster in sich hinein. Noch heute Nacht würde sie sein Lager teilen. Allein der Gedanke reichte, um seine Männlichkeit in seiner Lederhose wachsen zu lassen.

Umso heißer brannte sein Feuer, als er sah, wie Abas´ Mund genüsslich an Ledas Nacken knabberte, und er sie eng umschlungen hatte. Das Wasser verriet nur grobe Umrisse, aber Lykos beobachtete, wie sich die Leiber im Getändel bewegten, wie der Sklave die hübsche Soldatin von hinten nahm. Lykos platzte fast – vor Geilheit, aber auch vor Eifersucht. Seine Faust krampfte sich so hart um seinen Schwertgriff, dass seine Fingerknöchel weiß wurden. Aber er musste noch abwarten. Den richtigen Moment abpassen. Doch bis zum Abend würde er es nicht ertragen. Nein, er würde hier und jetzt nehmen, was ihm zustand!

Als Abas seinen Samen in Ledas Frucht pflanzte, räkelte sich auch das schöne Weib genussvoll stöhnend im Wasser. Lykos biss die Zähne zusammen, bis sie knirschten. Wilder Neid brannte in ihm wie ein Höllenfeuer. Langsam zog er sein Schwert aus der Scheide blank. Er würde zunächst den verhassten Nebenbuhler ins Reich der Totengöttin schicken. Als Belohnung würde er sich die süße Ernte einfahren und Leda danach erdrosseln. Ja, so sollte es sein. So würde es geschehen. Die silberne Klinge drückte einen Zweig zur Seite. Gemächlich stand Lykos aus seinem Versteck auf und trat ins Freie. Seine Muskeln waren angespannt. Er war bereit!

Noch hatten die Zwei die tödliche Gefahr nicht bemerkt. Sie standen nun nur noch in hüfthohem Wasser und umarmten sich, küssten sich zärtlich, die Nachwehen ihrer Lust genießend. Gerade wollte Lykos mit erhobener Klinge auf den Sklaven losstürmen, da ertönten Hörner, die ihn verharren und aufhorchen ließen. Mehrere schallende Warnungen ertönten und riefen zu den Waffen. Das Signal schickte alle Soldaten sofort in höchste Alarmbereitschaft. Lykos musste zurück ins Lager. Aber es war zu spät! Das sündige Paar musste ihn gesehen haben!

Trotzdem sprang er rückwärts zurück ins Gebüsch, sofort, nachdem er aus seiner Schockstarre erwacht war. Und offenbar hatten Leda und Abas ihn tatsächlich noch nicht bemerkt. Lykos hörte, wie die beiden nur wenige Schritte von ihm entfernt zum angebundenen Pferd liefen. Ledas Stimme und ein Klirren war zu vernehmen: „Hurtig! Binde dir die Ketten und den KG um! Ich muss flink zurück ins Lager! Laufe, so schnell du kannst, zurück.“ Als Lykos die Hufe hörte, eilte auch er zu seinem Ross und kehrte in einem Bogen zum Lager. Dort ähnelte es inzwischen einem Ameisenhaufen. So geschäftig ging es im Lager plötzlich zu. Hauptmann Kreon brüllte aufgebracht Befehle und stellte mit schnarrendem Bariton Kampftruppen zusammen. Wer nahe genug bei ihm war, konnte sein Grollen hören: „Verdammter Höllenpfuhl! Warum bin ich mit diesem Prinzen geschlagen?! Hätten wir hier kein Lager aufgestellt, wären wir schon längst an der Festung! Und jetzt, da Not am Mann ist, wird Telamon nicht genug Soldaten haben!“ Kreon brüllte weitere Befehle, und überall liefen Recken vollständig armiert durchs Lager und bildeten verschiedene Truppenteile.

Pferde wieherten aufgeregt, Waffen klirrten, weitere Hörner gaben Befehle. Auch Leda fand sich in ihrem Reitertrupp ein und wartete auf weitere Anweisungen. Offenbar sollten die Soldaten nun verstärkend zu dem Vortrupp vorrücken. Sie war als Bogenschützin eingesetzt. Sie hatte ihren Köcher mit spitzen Pfeilen gefüllt und eine neue Sehne aufgezogen, bereit, dem Feind Paroli zu bieten. Lykos war in einer anderen Einheit. In ihm brodelte es. Aber jetzt war der Ruf zu den Waffen das Entscheidende. Seine Männlichkeit bildete sich zwar noch deutlich unter dem Leder seiner Beinkleider ab, doch sein darüber liegnder Waffenrock verbarg seine Erregung vor neugierigen Blicken. Und der nahende Kampf ließ sein Blut auf andere Weise kochen.

In der Tat sollten die Truppen endlich aufschließen und den Männern vor der Festung dringend benötigte Unterstützung bringen. Hunderte Reiter und noch mehr Fußsoldaten zogen los, dem Feind entgegen. Das Lager war in weniger als einer Stunde verwaist.
Nur wenige Wachen und die meisten Sklaven waren mit Nachschubmaterialien hier verblieben. Prinz Talos trat aus seinem Zelt und zeterte: „Wo ist Kreon? Wo ist dieser dumme Hauptmann? Ich will ihn sprechen! Sofort! Er kann nicht einfach meine Armee entführen!“ Sein Leibdiener Xeno versuchte ihn zu beruhigen: „Majestät! Kreon hatte königliche Eil-Befehle! Es war größte Gefahr gegeben! Er konnte nicht warten bis…“
Talos unterbrach ihn barsch und brauste auf: „Bis was, du Idiot? Halt dein dreckiges Schandmaul, oder ich lasse es dir mit einer ehernen Mundbirne stopfen!“

Der Prinz bewegte sich unerwartet schnell, obwohl seine Schritte trotzdem plump und schwerfällig wirkten. Sein dicker Wanst wackelte vor ihm. Seine Hängewangen schlotterten, während er spuckend schimpfte: „Bringt mir den Hauptmann zurück! Ich will seinen Kopf aufspießen!“ Er schrie, als sei er selbst derjenige, der aufgespießt würde. Alle Versuche von Xeno, den Tobsuchtsanfall der Hoheit zu beenden, endeten erfolglos. Er buhlte um des Prinzen Wohlwollen wie eine opportunistische Hofschranze, aber Talos stieß seinen Leibdiener grob in eine Schlammpfütze und verschwand grimmig in seinem Zelt. Brummend sprach er zu sich selbst. „Muss man denn alles selbst machen!?!“

Je näher die Reiter der Festung kamen, umso mehr andere Einheiten schlossen sich ihnen an und rückten weiter vor. Und dann war es soweit: Leda ritt in ihrer Kolonne über einen Hügel und hatte freie Sicht auf die große Festung. Sie starrte gebannt auf das monströse Bauwerk. Wie sollte dieses scheinbar uneinnehmbare Bollwerk jemals erstürmt werden? So eine gewaltige Mauer hatte sie niemals zuvor in ihrem Leben gesehen. Die Bogenschützin hatte an Lagerfeuern schon viele Erzählungen gehört und so manche als Märe abgetan. Wie beispielsweise die Waldhexen, die einem Mann mit ihrem Mund die größten Genüsse bereiten könnten, aber als Preis seine Lebensenergie aus ihm saugten, so dass so mancher Soldat mit weißem Haar aufgewacht war. Oder die fliegenden Drachen, die sogar ganze Ochsen greifen und in ihre Horste in den Bergen verschleppen konnten. Oder von den verhexten Bäumen, die einsame Wanderer mit ihren Ästen fesselten und deren Körper durchbohrten…

Das waren doch alles Ammenmärchen und Dichtungen vergangener Generationen. Und so hatte sie auch nicht an die Ausmaße der Wehranlage des Nordlandes geglaubt. Doch die Berichte waren noch untertrieben gewesen! Vor den Mauern tummelten sich bereits hunderte Soldaten, die gegen die Bastei anrannten. Belagerungstürme, so hoch, dass Leda kaum die Kämpen erkannte, die auf sie gestiegen waren, brannten von Myriaden von Brandpfeilen, die die Nordländer von ihren hohen Zinnen schossen. Ein Turm war umgestürzt und hatte die Besatzung in den Tod gerissen. Gerade sprang ein stürmender Armierter als lebende Fackel in die Tiefe. Und schon folgte ein weiterer prasselnder Regen Pfeile, der wie Hagel überall landete und alles in Brand steckte. Schwarzer Rauch dominierte den Himmel.

Das Feld vor der Festung war übersäht mit Opfern der Schlacht. Kämpen der Megara. Leda starrte auf das Massaker und zog auf das Kommando ihres Truppenführers einen Pfeil aus ihrem Köcher, wie ihre Gefährten ebenso. Auf seinen Befehl sirrten etwa 50 Geschosse über die Zinnen. Auch Leda hatte ihren gefiederten Schicksalsspinner auf die Reise geschickt. Wie ein schwarzer Schwarm zischten die Geschenke Megaras auf die Nordländer nieder. Wer weiß, wie viele Leiber hinter der Mauer durchbohrt umsanken?
Wieder und wieder folgten Pfeilhagel. Und dann rückten vier gigantische Katapulte vor. Leda kam aus dem Staunen nicht heraus. Die gewaltigen Geräte wurden von jeweils 30 Sklaven gezogen. „Hoffentlich ist Abas nicht dabei“, betete Leda zu den Göttern, denn die Männer waren den feindlichen Waffen schutzlos ausgeliefert. Da ertönte Kreons hallende Stimme, die vom vielen Befehlen schon etwas heiser klang: „Bereitet die Felsen vor!“
15. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 26.03.18 16:54

Hallo Prallbeutel,
eine super Geschichte. Gehts noch weiter oder ist schon Schluß, das wäre schade.
LG Alf
16. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 08.04.18 18:52

Leda konnte erkennen, wie Soldaten tonnenschwere Steine mit Pech bestrichen und sie anzündeten. Und auf ein lautes durchdringendes Signal aus einem Nebelhorn brach das Fegefeuer los: Mit lautem Gerumpel und einem peitschenden Knall wuchteten sich die mehrere Klafter langen Arme der Katapulte ohne Vorwarnung hoch und jagten die gewaltigen Lasten hoch in die Lüfte. Ein feiner Funkenregen tropfte auf die Angreifer hinab, doch die wild brennenden Geschosse rasten über die hohen Mauern und fanden dahinter umbarmherzig ihr Ziel. Dicke rabenschwarze Rauchschwaden türmten sich empor, und Kreon vermutete, dass Teile der Festung in Flammen standen. „Nachladen!“ brüllte er seinen Anführern zu.

Dutzende Soldaten hievten mit riesigen Taljen neue Felsbrocken auf die Katapulte, deren Arme mit starken Stahlwinden unter Aufbringung aller Kräfte wieder zurückgezogen worden waren. Doch noch bevor die Männer der Megara zu einem weiteren Abschuss kamen, schrillte plötzlich der Alarmruf: „Auuuuuuuuusfaaaaaaaaall!“ Leda sah an der Festungswand Dutzende feindliche Kämpfer auf Gäulen erscheinen, die ein verborgenes Tor geöffnet hatten, und die nun in wildem Galopp und mit Kriegsgeschrei und schwingenden blanken Klingen auf die Katapulte und die Bogenschützen zujagten. Schlachtenrufe und die Schreie der Verwundeten schmerzten in Ledas Ohren, als die Armeen aufeinander trafen.

In dem wilden Getümmel verlor sich ob des Durcheinanders alle Ordnung. Ledas Ross bäumte sich panisch auf und drehte sich mir rollenden Augen auf der Hinterhand. Die junge Soldatin konnte so gerade noch einem wuchtigen Hieb entgehen, den ein herangaloppierender vollbärtiger Reiter mit seinem schartigen Zackenschwert nach ihr zielte. Leda drehte sich im Sattel, wäre beinahe von ihrem Reittier gestürzt, konnte aber noch einen Pfeil aus ihrem Köcher ziehen, ihn auf die Sehne ihres Bogens legen und den Angreifer, der bereits einen zweiten Angriff startete, mit einem schnellen Schuss zu den Göttern schicken – oder in die Unterwelt.

Der Mann sackte zusammen, doch um sie herum wimmelte es nur so von Feinden. Wieder und wieder zog sie Pfeile auf ihre Sehne, um sich zu verteidigen und kam mehrmals nur knapp mit dem Leben davon. Zu Ledas Schrecken musste sie erkennen, dass die Sklaven, die an die Katapulte gekettet waren, von dem feindlichen Sturm niedergemacht worden waren wie Hafer von der Sense. Wenige Augenblicke später brannten die Wurfmaschinen lichterloh.

Erst, als eine weitere Soldatenschar von Telamon mit Pieken und Lanzen in einer undurchdringlichen menschlichen Wand vorstürmte, flüchteten die feindlichen Reiter zurück in die Festung. Sofort ratterte ein schweres Eisengitter kreischend hinab, um den Verfolgern den Weg zu versperren. Und anschließend bewegten sich wie magisch dicke Mauerteile krachend zusammen, so dass das Tor im nächsten Moment nicht mehr existierte. Telamons Männer mussten sich eilig zurückziehen, um nicht von kochendem Pech übergossen zu werden. „Hasenherzen!“ brüllten die Nordmänner höhnisch von den Zinnen und jagten Myriaden von Brandpfeilen hinter den Rückzüglern her. Die brennenden Katapulte heizten die Luft der gesamten Umgebung auf, so dass Leda trotz ihres ledernen Waffenrocks und ihres Kettenhemdes dachte, sie müsse verglühen. Doch ihre Schmerzen wurden von der nagenden Sorge nach Abas überlagert. War er an eines der Kriegsgeräte gekettet gewesen? War sein Schicksal besiegelt?

In den Reihen der Soldaten herrschte Chaos. Kreon und die anderen Anführer hatten große Mühe, wieder Ordnung in den Reihen ihrer Männer zu schaffen. Sie tadelten das Durcheinander und forderten Disziplin ein. Streitrösser stampften umher und bäumten sich hoch auf. Die Fußsoldaten stampften scheppernd durch das Hauptquartier. Es dauerte eine Weile, bis sich die Lage beruhigte. Einige Stunden später waren die Verletzten in ein Lazarett gebracht worden, und Kreon hatte sich mit Telamon in dessen Zelt zu einer Beratung zurückgezogen. Wie sollte die Belagerung weitergehen? Würde ein weiterer Sturm auf die Bastion sinnvoll sein? Und wann kamen endlich die benötigten Nachschubgüter mit Prinz Talos?

Aber der behäbige Thronfolger lag immer noch in seinem Lager, einige Meilen von der Kampfstätte entfernt. Ostentativ zeigte er seine Gleichgültigkeit, die Front zu erreichen und ließ stattdessen ein Festessen vorbereiten. Wie ein blasierter Gockel wandelte er durch das Lager und schnupperte nach dem bratenden Fleisch, das sich auf seinen Befehl hin an Spießen über den Feuern drehte. Im königlichen Zelt hatte der Koch dem Thronfolger bereits Hammelpastetchen und Safrankuchen kredenzt.

In der königlichen Arena amüsierte sich das Edelvolk währenddessen mit den Sklavenspielen. Das runde Bauwerk aus roten Ziegeln bot dem Publikum bequeme Sitzbänke und eine gute Sicht auf das Manegenrund. Für heute hatte sich Megara etwas Neues einfallen lassen. Keine Gladiatoren sollten heute antreten, sondern Reittiere. Als der Majordomus dies verkündete, war ein abfälliges Stöhnen zu hören. Pferderennen? Wie langweilig, war von den Rängen zu hören. Doch dann erklärte der Sprecher, was es mit den „Rössern“ auf sich hatte. Wenige Minuten später führten Wachen die Kreaturen in die Arena: An einer Halskette brachten sie acht Sklaven auf den Schauplatz, die auf allen Vieren krochen. Als die Damen und Herren auf ihren Sitzen genauer hinsahen, konnten sie erkennen, dass die Unterschenkel der „Pferde“ nach oben an die Rückseite der Oberschenkel gebunden waren, so dass die Athleten auf Händen und spitzen Knien über die mit Sägemehl bestreute Bahn staksten. Die baren Fußsohlen zeigten dabei zum Himmel.

Die Sklaven waren komplett nackt, und ein dicker Stab mit einem Wedel steckte in ihren Hintern, um als Pferdeschweif zu dienen. Im Maul trugen die Pferde eine Trense als Lenkhilfe. Ein Ledersattel war auf den Rücken gebunden. Die Hände steckten in dicken Lederwickeln. Megara fragte nun nach interessierten jungen Ladys, die einen Ritt wagen mochten. Sofort meldeten sich begeisterte Damen und baten ehrerbietig um die Teilnahme. Aus mehreren Dutzend Freiwilligen wählte die Regentin acht Reiterinnen aus, die von Wachen in die Arena begleitet wurden.

Ein Mann, der Rittmeister, erklärte den jungen Frauen die Handhabung des Reitgeräts. Natürlich hatten die Senioritas bereits Erfahrung mit echten Gäulen. Aber hier konnten sie ihr Tierchen mit einem Spezialinstrument antreiben: Ein edler Griff aus Elfenbein in den kleinen Fingern der Fräuleins ging in einen kurzen Holzstab über, der am Ende über eine Eisenplatte verfügte. Auf der einen Seite war die Fläche glatt, auf der anderen dräuten scharfe Spitzen aus Metall. Damit konnten die Damen ihr Pferdchen antreiben. Welche Seite sie bevorzugten, ob sie die Hinterbacken, die Fußsohlen oder die Männlichkeit damit traktierten, war ihnen natürlich selbst überlassen.

Megara versprach, die Siegerin mit einem rauschenden Fest und einem prächtigen Kleid zu honorieren. Die jungen Damen waren Feuer und Flamme und schwatzten aufgeregt durcheinander. Noch fühlten sie sich als Freundinnen; doch spätestens nach dem Startsignal würden sie Konkurrentinnen sein, die alles darum geben würden, ihre Mitstreiter auszustechen. Und schon bald ging es los: Die Teilnehmerinnen positionierten sich in einer Reihe. Die achtspurige Bahn ließ so viel Platz, dass sich die Athletinnen beim Start nicht in die Quere kommen konnten. Dann erklangen ein Trommelwirbel und schließlich ein lauter durchdringender Gong. Die Sklaven staksten ängstlich vorwärts.

Die euphorische Menge auf den Rängen jubelte und feuerte die Mädels lautstark an. Mit ihren Schlaginstrumenten klopften die Damen temperamentvoll auf die Pferdchen ein, doch die tatsächliche Geschwindigkeit blieb weit hinter dem zurück, was sie erwartet hatten. Durch die besondere Fesselung der hochgezogenen Unterschenkel konnten sich die Sklaven nur relativ langsam und wackelig bewegen. Die Reiterinnen waren fast gleichauf, obwohl sie bereits die lange Gerade der Bahn hinter sich gelassen hatten und sich nun in der ersten Kurve drängten. Einige Sklaven liefen sich fast über den Haufen, und eine Lady schlug mit ihrem Antreiber kräftig in die Männlichkeit der Konkurrenz, die dadurch ins Straucheln und in Rückstand geriet. Nun konnte sie triumphierend an der Widersacherin vorbeipreschen.

Der getroffene Sklave ächzte laut und verlor an Geschwindigkeit, hätte sich am liebsten auf die Seite geworfen, doch die Reiterin brachte ihn mit schwungvollen Hieben auf seine Hinterbacken wieder auf die Spur und Verfolgung. Den Rückstand versuchte sie mit umso kräftigeren Schlägen wieder aufzuholen und schenkte ihrem Gaul einen glühenden Arsch. Eine andere Lady prügelte wie in Trance auf ihr Reittier ein, dessen Gesäß nur noch aus zwei großen bläulichen Flächen bestand. Aber ihre Technik hatte wohlfeilen Erfolg: Sie führte das Feld bald an. Zwei andere Teilnehmerinnen waren allerdings eng hinter ihr. Die eine hatte sich darauf spezialisiert, das Gemächt ihres Pferdchens mit moderaten aber regelmäßigen Treffern zu malträtieren und so einen andauernden Spurt zu gewährleisten. Dabei kicherte sie, als habe sie den größten Spaß, vor allem an den jankenden Lauten ihres Vierbeiners.

Die andere Dame schlug mal hier, mal dahin, und sah sich nervös nach den Verfolgerinnen um. Sie sah, wie plötzlich ein Pferdchen strauchelte und mit dem Gesicht im Sägemehl landete, so dass die Reiterin fast kopfüber nach vorne gestürzt wäre. Ungehalten über diese Tölpelei stieg diese ab und prügelte auf das Geschöpf ein, setzte sich erneut in den Sattel und galoppierte los, doch sie würde wohl Letzte werden. Wütend holte sie alles aus ihrem Klepper heraus und verfluchte das Ungeschick der Kreatur.

Im Mittelfeld waren drei andere Vierbeiner fast gleichauf. Mit ehrgeizigen Schlägen holten die Ladys alle Kräfte aus ihren Tierchen hervor. Dabei führte mal der eine Sklave, mal der andere um eine Nasenlänge. Ein Fräulein hatte den Nachteil ein wenig fülliger zu sein. Zwar war ihr Pferd besonders kräftig und gleichzeitig ausdauernd, doch konnte es seine Vorzüge durch das zusätzliche Gewicht nicht ausspielen und blieb somit keuchend immer weiter zurück. „Wirst du faules Stück endlich laufen!“ rief die Dame aufgebracht und hieb mit ihrem Spezialinstrument auf das jaulende Vieh ein. Schließlich wollte sie sich nicht blamieren. - Nein, an ihrem Gewicht konnte es doch nicht liegen!

Kurz vor dem Ziel boten sich die Favoriten noch einen verbissenen Zweikampf. Doch dann sahen die Athletinnen, dass der Majordomus ein Schild mit einer „Eins“ hochhielt. Das Rennen war nicht zu Ende. Sie hatten lediglich die erste Runde geschafft. Noch zwei weitere lange Bahnen sollten folgen. Aber schon nach dem ersten Durchgang hatten die Pferde deutlich an Geschwindigkeit verloren, staksten unsicher und zitternd vorwärts. Die Muskeln brannten, die Hinterbacken standen in Flammen, und bei manchem Sklaven explodierten die Schmerzen in deren Männlichkeit.

Eine Lady kratzte mit den Metallspitzen immer wieder über die Fußsohlen ihres Tieres, um es anzuspornen. Unter ulkigen Verrenkungen hüpfte der Sklave vorwärts und schrie unartikuliert in die Trense, sabberte dabei wie ein schäumendes Ross und kämpfte sich weiter und weiter, die Bahn entlang. Nach zwei Runden waren die Geschöpfe völlig am Ende ihrer Kräfte, doch noch eine weitere Bahn mussten sie hinter sich bringen. Trotz wilder Bemühungen ihrer Reiterinnen bewegten sich die Gäule nur noch im Schneckentempo vorwärts und brüllten in ihre Trensen. Letztlich machte dann doch eine junge Adlige mit einem Endspurt das Rennen, die sich zuvor lange auf dem dritten Platz gehalten hatte. Die beiden überrundeten Konkurrentinnen ärgerten sich so sehr, dass sie ihr Reittier im Ziel noch fleißig mit Schlägen bearbeiteten, um ihre Wut und Enttäuschung zu besänftigen. Hilflos warfen sich die Tiere auf den Rücken und flehten um Gnade, doch die jungen Damen, die sich um ihr Fest und Ballkleid gebracht worden sahen, zeigten kein Erbarmen und hieben auf die entkräfteten Vierbeiner ein. Die Siegerin dagegen jubelte ausgelassen und ließ sich vom Publikum feiern.

Damit war der Spiele-Abend noch nicht beendet. Megara ließ acht frische Pferdchen in die Arena führen. Sofort fanden sich auch acht neue Freiwillige. Auch das zweite Rennen des Tages war spannende Kurzweil für den Adel. Im Anschluss brachten die Wachen die acht geschundenen Hengste zu den anderen zurück in die Kerker. Und wieder kündigte Megara frische Reittiere an. An diesem Abend ließ sich die Herrscherin nicht lumpen: Insgesamt fünf Mal ließ sie junge Damen um eine rauschende Feier reiten, so dass fast alle anwesenden Fräuleins die Möglichkeit hatten, ihr Können zu beweisen.

Nach einer Pause durch eine erotische Bauchtanzgruppe traten die fünf Siegerinnen noch in einem Schlusswettbewerb an: Dazu mussten sie auf ihre bisherigen Pferdchen steigen, die noch stark mitgenommen waren. Ungläubig und entsetzt begriffen die Kreaturen, dass sie erneut in die Bahn mussten. Da die Tiere kaum mehr das Gewicht ihrer Reiterinnen tragen konnten, verlief das letzte Rennen etwas anders: Die Ladys stiefelten hinter ihren Vierbeinern her und trieben sie so mit ihren Schlaginstrumenten an. Eine Dame wuchtete ihren Prügel immer wieder von unten elegant und schwungvoll in die Männlichkeit ihres Tieres. Aufjaulend sprang der Sklave dann kurzfristig regelrecht nach vorne, um schon bald unter der unsäglichen Anstrengung langsamer zu werden.

Da es bei dem Finale „nur“ noch um die Ehre ging, und alle fünf Ladys bereits gewonnen hatten, standen das Vergnügen und die Kurzweil hier im Vordergrund. Statt ehrgeizig den Sieg einfahren zu wollen, kicherten sie über die Reittiere, die sich unter den Prügeleien abmühten und verrenkten. „Schau dir meinen an“, lachte ein Fräulein mit turmartiger Hochsteckfrisur. „Immer wenn ich…..HIER treffe, springt er regelrecht vorwärts!“ Die beiden Damen zu ihrer Seite lachten, als der Sklave jaulend demonstrierte, was sie meinte. Gleich probierten sie die Technik bei ihrem eigenen Klepper aus. Fast über die gesamte Distanz blieben die acht Damen gleichauf. Sie nahmen das Rennen nicht wirklich ernst, so dass sie in der dritten Runde sogar ihre Gäule wechselten. „Lass mich mal zu dem da! Das fette Gemächt guckt mich schon die ganze Zeit so keck an. Da will ich mal ran!“

Und so kam es, dass die fünf Damen ihre Sklaven gleichzeitig durch die Ziellinie trieben – unter dem Jubel der Zuschauer. Auch Megara lächelte gnädig und applaudierte. Die Feierlustigen ließen den amüsanten Abend im Palastsaal bei Buffet und Tanz ausklingen. Die insgesamt 40 malträtierten Ponysklaven wurden im Kerker notdürftig versorgt. Sie würden noch lange Zeit an ihre Prügel denken dürfen und längst wieder auf den Feldern oder in den Minen arbeiten müssen, wenn die adligen jungen Damen sie vergessen hatten und sich mit anderen süßen Dingen oder neuen Sklaven verlustierten.

Erst am nächsten Tag erschien die Nachhut mit Prinz Talos an der Front im Hauptquartier von Paladin Telamon, der sich nur unter größter Disziplin unter Kontrolle hielt. Vor Wut bebte er, doch durfte er den Thronfolger nicht öffentlich beschimpfen. Der Prinz nahm alles gelassen und widmete sich einer fettigen Backware. Wutentbrannt stellte Telamon neue Truppen zusammen und plante mit Kreios und einigen anderen Hauptmännern die nächste Angriffswelle auf das feindliche Bollwerk. Aufziehender Nebel erschwerte für die Verteidiger die Sicht. Den Vorteil wollte Megaras Armee nutzen und noch in der kommenden Stunde angreifen. Leider waren die großen Wurfmaschinen zerstört. Doch Myriaden von Brandpfeilen würden das Innere der Festung in ein Höllenfeuer verwandeln. Der königliche Alchimist hatte ein Pulver entwickelt, mit dem die Pfeilspitzen kaum zu löschen waren.

Auch Leda gehörte zu den mutigen Bogenschützen, die vorrückten. Während der fette Prinz sich in seinem Zelt von einer Kohlenpfanne wärmen ließ, sollte draußen nicht weit entfernt ein loderndes Inferno den Feind zurückdrängen. Durch den starken wabernden Nebel waren die Soldaten unbemerkt so nah an die Mauer geschlichen, wie nie zuvor. Schon kam der leise Befehl zum Spannen des Bogens. Einige Männer liefen vor den Schützen mit einer brennenden Fackel, um die einzelnen Pfeile zu entzünden. Dann flogen auf ein Kommando hunderte Feuergeschosse über die Wehranlage. Zischend jagten sie über die gewaltige Mauer und hinterließen eine von Rauch geschwängerte Luft. Jetzt hieß es: Rückzug. Die Einheit rannte in Deckung; doch feindliche Bolzen verfolgten sie und mähten einige der Kämpen nieder.

Nun folgte die zweite Angriffswelle: Neu gebaute Belagerungstürme wurden von Sklaven ächzend zur Mauer geschoben. Die Lederpeitschen der Antreiber knallten auf die nackten Rücken der Männer, um sie zu größtmöglicher Anstrengung zu motivieren. Einsetzender Regen war für Telamons Armee ein wichtiger Vorteil: Bisher hatten die Nordmänner die Türme stets entzünden können. Leider machte die Nässe den Untergrund schlammig, und die Türme waren kaum vorwärts zu bewegen. Die Sklaven rutschten ständig aus und landeten im Matsch. Leda betete um ihren Abas. Hoffentlich war er im Lager geblieben! Der Regen entwickelte sich zu einem sturzbachartigen Niederschlag. Man sah kaum mehr die Hand vor Augen durch die Wasserwand. Das Prasseln des Wassers und Donnergrollen ließen alle Befehle ungehört verhallen. Bald war der Boden mit einer fast einen Fuß tiefen Schlammschicht bedeckt. Sollte auch dieser Angriff misslingen?

Leda hielt es nicht mehr aus. Sie wollte, sie musste zu Abas. Unter einem Vorwand kontrollierte sie seine Ketten und steckte ihm unbemerkt den Schlüssel zu seinen Hand- und Fußfesseln zu, damit er sich bei Gefahr befreien konnte. Dann kehrte sie schnell zu ihrer Gruppe zurück. Der fette Prinz saß derweil im Trockenen und naschte an einem Bündel Weintrauben und träumte von seinem erfolgreichen Kriegszug. Gefeiert als Held würde er zurückkommen. Dann würde ihm auch eine Statue zustehen. Und sie sollte größer sein, als die seiner Mutter.

Der Regen prasselte laut auf das Zeltdach; doch draußen war das Unwetter ohrenbetäubend. Blitze zuckten wild über den verdunkelten Himmel, als würde ein Gott Amok laufen, und erhellten das Lager und Schlachtfeld in ein helles, unnatürliches Licht. Unter Peitschenhieben hatten die Sklaven mühsam die riesigen Türme vor die Mauer geschoben, und die ersten Soldaten erklommen die Leitern im Innern, um zu den hohen Zinnen der Burg zu gelangen. Leda beobachtete die wagemutigen Krieger und betete die Götter um Erfolg an. Doch plötzlich ergoss sich eine Wanne mit siedendem Öl über einen Turm, und im Inneren waren furchtbare Schreie zu hören. Ledas Kehle war wie zugeschnürt. Beinahe wurde sie von Kreon umgelaufen, der mit einer weiteren Truppe auf die Mauer aus Granitgestein zustürmte.

Die Männer trugen einen gewaltigen Rammbock. Sie erreichten das Haupttor, dass aus dickem Eichenholz bestand und mit großen Eisendornen verstärkt war, rammten mit unvorstellbarer Wucht den eine Tonne schweren Bock dagegen, aber prallten ohne Wirkung davon ab. Einen zweiten Versuch hatte die Gruppe nicht, denn sie mussten schnell Schutz hinter einem der Türme suchen, um nicht von bösartigen Pfeilen aus den Schießscharten gespickt zu werden. Kreon war außer sich vor Wut und riss seine Streitaxt aus dem Waffengurt und kletterte auf einen der Türme. Ein alter Haudegen mit verwittertem Gesicht folgte ihm. Der Soldat hatte nur einen Arm, doch am Stumpf an seiner linken Seite war ein Gewinde angebracht, an das er nun eine gefährlich geformte Klinge drehte. So folgte er seinem Hauptmann mit grimmigen Zügen, die durch eine Hasenscharte entstellt war.

Der Kampf tobte wilder als je zuvor, und das Ringen um Sieg und Niederlage stand stundenlang auf des Messers Schneide. Schließlich konnten Megaras Soldaten die Zinnen erobern, so dass sich die Nordmänner in das Innere der Festung zurückziehen mussten. Jetzt konnte erneut ein Versuch mit dem Rammbock unternommen werden, und eine Reiterschar mit Soldaten rückte vor, bereit, das Bollwerk des Feindes zu stürmen. Die Tritte der schweren Streitrösser schmatzten in dem aufgeweichten Boden und hinterließen tiefe Spuren. Und immer mehr Soldaten strömten auf die Zinnen und eroberten einen Teil der Burganlage nach der anderen. Wilde Schwertkämpfe und tobende Duelle mit Streitäxten, Lanzen, Streitkolben und Morgensternen lieferten sich die Parteien auf den Gängen des Bollwerks. Inzwischen brach das Haupttor krachend und berstend unter dem gewaltigen Stößen des Bocks auf, und die Riegel splitterten spritzend durch die Luft.

Nun ritten die Soldaten donnernd in den Burghof und drängten den Feind weiter in den Rückzug. Auch Leda war mit ihrer Bogenschützengruppe in der Anlage und kontrollierte die Ställe und anderen Räumlichkeiten, ob dort Feinde versteckt waren. Der Regen hatte etwas nachgelassen, aber der Nebel war noch stärker geworden, so dass die große Gefahr bestand, Feind und Freund nicht auseinander halten zu können. Leda hörte von irgendwo Kreons Stimme brüllen: „Ich werde Megara dein Herz vor die Füße legen, du Hund!“ Wenige Stunden später stand fest: Der Feind war zurückgedrängt worden und ins Hinterland geflohen. Die Nordmänner hatten die gesamte Wehranlage aufgegeben. Überall brannten trotz der Nässe kleine Feuer. Die Luft war rauchig, und Leda musste mehrmals husten.

Sie stolperte durch nasse Asche, über Leiber, rutschte auf der Erde aus, kletterte über Trümmer eines zusammen gestürzten Gebäudes und trat aus dem Haupttor. Auch vor den Mauern waren die Spuren des Angriffs überdeutlich. Zu ihrem Schrecken sah sie, wie viele Seelen von Soldaten und Sklaven dem Kampf zum Opfer gefallen waren. Voller Furcht blickte sie zu der Stelle, an der Abas angekettet gewesen war: Aber Abas hatte sich befreien können. Die Ketten lagen lose am Boden. Wo steckte er?

Plötzlich wurde Leda von hinten gewürgt und in eine dunkle Nische gezerrt. „Jetzt hole ich mir, was mir längst zusteht“, fauchte eine Stimme, die Leda als die von Lykos erkannte. Der Soldat riss an ihrer Kleidung und nestelte zugleich an seiner Hose. „Komm her, Weib!“ brüllte er, und Speichelflocken flogen von seinem Mund. „Hilfe!“ rief Leda, aber niemand hörte sie. Lykos hatte ihr einen scharfen Dolch an den Hals gehalten. Gegenwehr war nun unmöglich. „Ich weiß, was du mit dem Sklaven treibst! Ein Wort von mir, und du verlierst deinen Kopf“, frohlockte er. Bald schon spürte die junge Frau die schmutzigen Hände des Soldaten derb und roh an ihrer Brust und stöhnte angewidert auf. Leda drehte ihren Kopf weg. Lykos lachte dreckig und holte seine Männlichkeit hervor, die wie eine Lanze hervorstach.
17. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 08.04.18 20:48

Hallo Prallbeutel,
eine geile Geschichte, Danke. Hoffentlich geht sie bald weiter.
LG Alf

PS: Existiert die alte Auflage noch ?
18. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 22.04.18 20:00

Doch plötzlich sackte der Mann zusammen. Leda erkannte hinter ihm eine dunkle Gestalt. War das ein Retter? Oder wollte er Lykos nur seine Beute abspenstig machen? Nein, jetzt erkannte sie die Person: Abas! Er hielt einen Holzknüppel in der Hand. Leda fiel in seine Arme. Der Sklave war mit Ruß verschmiert und trug einige kleinere Brandverletzungen. Sie spürte seinen Odem an ihrem Hals, als er sie umarmte und an sich drückte. Leda überlegte fieberhaft. Sie war sich der Konsequenzen klar; doch trotzdem wagte sie es: Sie küsste ihren Retter und öffnete seinen Keuschheitsgürtel. Nun zerrte sie dem besinnungslosen Lykos die Hose weiter hinab und verschloss sein Gemächt in die eiserne Schelle, die zuvor ihr Geliebter getragen hatte. Jetzt lief sie mit Abas weiter nach links, wo mehrere gezäumte Rappen bereitstanden. „Komm! Steig auf!“ rief sie, und Abas sprang nach einem Schreckmoment hinter ihr auf den Gaul.

Leda galoppierte mit dem Sklaven durch das Haupttor, durch den Burghof, und hielt sich dann zu einer Seite, auf der ein Tor ins Hinterland führte. Sie jagte mit Abas an Kreon vorbei, der mit offenem Mund hinter ihr her starrte. „Deserteure!“ schrie der Hauptmann. Das Pferd der Flüchtenden schnaubte laut und dampfte aus den Nüstern. Das Tier preschte an den Soldaten vorbei und raste auf einen dichten Wald zu. Bevor die Männer zu ihren Reittieren gerannt waren, war Leda im dunklen Dickicht verschwunden. Bald kehrten die Soldaten zu der Festung zurück. Der Hauptmann tobte ob der Dreistigkeit dieser Metze. Schnell wurden Maßnahmen getroffen, um weitere Fluchten zu verhindern; doch ein weiterer Soldat hatte bereits das Weite gesucht. Prinz Talos schäumte vor Wut: „Verräter! Überläufer! Bringt mir die Köpfe dieses Dreckspacks!“

Auf dem Weg durch das Nordland würden die Flüchtigen gefunden werden, war sich Telamon sicher, denn direkt hinter dem Wald versperrte eine tiefe Abbruchkante jedes Fortkommen. Nur ein schmaler Weg führte weiter nach Norden. Dort konnten sie die Spuren der Verräter leicht finden. Meldereiter wurden trotzdem als Späher vorangeschickt. Aber bei dem bestehenden Nebel war es für die Armee ausgeschlossen weiter vorzurücken. Der Abmarsch war also für den nächsten Tag geplant. Die Kundschafter sollten währenddessen auf Ledas Spur bleiben.

Die Gerüstete und Abas kamen in dem dichten Wald nur langsam vorwärts. Der Nebel war sogar zwischen den Bäumen undurchdringlich wie die Netze von gigantischen Spinnen. So ging es einige Stunden weiter, doch das Reittier wurde immer nervöser, obwohl sich der Schleier zögerlich auflöste. „Was hast du denn?“ fragte Leda und streichelte den Klepper hinter einem Ohr. Bald sollte sie es erkennen: Im letzten Moment bäumte sich das Tier auf und wieherte aufgeregt. Leda und Abas sahen den tiefen Abgrund vor ihnen gerade noch rechtzeitig und starrten erschrocken zu dem Fluss unterhalb der Klippe hinunter, die gar 700 Fuß tief war. „Hier können wir nicht weiter“, stellte Leda fest. Links und rechts reichte der Canyon so weit das Auge sah. „Aber diese Felswand ist unüberwindbar“, meinte Abas verzweifelt. „Hier muss es irgendwo einen Übergang geben“, war sich Leda sicher. „Der Hauptmann hat davon gesprochen. Ein schmaler Grad, der über diese Schlucht führt.“ „Reiten wir nach links oder rechts?“ fragte Abas. Leda hatte keine Ahnung.

Sie entschieden sich für rechts und kamen nach wenigen Meilen tatsächlich an einen breiten Überhang, an dem der Fels mehrere Mannslängen nach vorne ragte. Auch auf der etwa in Pfeilweite entfernten Seite war so ein Vorsprung. Dazwischen führte eine schmale Steinbrücke über den gesamten Abgrund – zumindest so weit, wie das Auge bei dem Nebel reichte. „Da bringen mich keine zehn Pferde rauf!“ sagte Abas bestimmt. „Die hält vermutlich nicht einmal einen von uns, geschweige denn das Ross!“ Leda besah sich skeptisch die bröckelige Konstruktion, die aus alten, mit Moos bewachsenen Steinquadern gebaut war und an vielen Stellen brüchig und wackelig wirkte. „Und hier soll die gesamte Armee von Megara rüber? Das glaube ich nicht“, sagte Leda. „Es muss einen weiteren Übergang geben.“ Abas schaute ratlos umher. „Aber wo?“ Leda zuckte mit den Schultern. „Wir haben keine Zeit zu suchen. Wir müssen diese Brücke nehmen.“
Abas sah sie eindringlich an. War das ihr Ernst?

Zur gleichen Zeit besuchte eine Hofdame die Sklaven im Kerker, die bei den jüngsten Arenaspielen verloren hatten. Sie waren zur Strafe ausgepeitscht worden. Und nun erhielten sie seit geraumer Zeit weder Mahl noch Wasser. Besonders der peinigende Durst brachte sie fast um den Verstand. Das junge Fräulein hatte von dem Zustand der Sklaven gehört und war neugierig, wie sich ein Durstender wohl gebäre. Sie fächelte sich frische Luft zu und stieg aufgeregt die Treppen hinab, um sich am Leid der Eingekerkerten zu verlustieren. Dann ließ sie sich von der Wache die schweren Türen öffnen, bis sie vor einer Gitterwand stand, hinter der drei der Sklaven auf altem Stroh vor sich hinvegetierten. Das Burgfräulein kicherte verlegen.

Sie stolzierte zu einem Wasserfass und schöpfte mit einer Kelle das erfrischende Nass in einen Becher. Damit näherte sie sich der Gitterwand und präsentierte ihn den Sklaven. Die Männer rappelten sich schwächlich hoch und wankten zum Gitter, streckten ihre Arme aus, lechzten nach einem Schluck des kühlen und süßen Wassers, doch hatte sich die junge Dame so positioniert, dass sie von den Händen nicht erreicht werden konnte. „Wollt ihr das?“ fragte sie scheinheilig und goss gemächlich das Wasser auf den Boden, unerreichbar für die Männer, die gequält aufstöhnten. Das adlige Fräulein kicherte, als sei dies der größte Spaß, solch grausamen Schabernack mit den Männern zu treiben. Sie wiederholte ihr gemeines Spiel, und erneut reckten sich die Arme nach dem Becher. Doch die Pfütze auf dem Boden war so fern wie der Becher selbst. Nun nahm das Burgfräulein einen Schluck aus dem Fass, trank genussvoll, schluckte, nahm einen weiteren Schluck und kam erneut zum Gitter. Plötzlich spuckte sie das Wasser auf einen der Sklaven in die Zelle.

Sofort kämpften die Männer um die paar Tropfen auf der Haut, leckten sie ab, schabten sie mit den Händen zusammen, und der Getroffene versuchte seinen Besitz zu verteidigen. Bald schon wälzten sich die Sklaven auf dem schmutzigen Boden und gierten nach jedem Tropfen Feuchtigkeit, um die größte Pein der geschwollenen Zunge, des ausgedörrten Gaumens sowie ihrer geplatzten Lippen ein wenig zu mildern. Arme und Beine der Darbenden bildeten ein wuselndes Knäuel. Ächzend, schnaufend, röchelnd und brummend zerrten sie aneinander und drückten sich weg.

Fasziniert beobachtete das Burgfräulein das Geschehen, das die Frucht ihrer Grausamkeit war, und erlebte dann, wie die Männer auf die Knie fielen und um ein wenig mehr Wasser flehten. Aber die junge Frau winkte nur kichernd und verließ den Kerker mit hüftschwingendem Gang. Vielleicht sollte sie regelmäßig zu den Sklaven gehen. „Was für eine Erquickung! Was für eine lustige Kurzweil!“, dachte sie und konnte es kaum erwarten, es ihren Freundinnen von ihrem amüsanten Abenteuer zu erzählen. Sie hatte ein neues Spiel bei Hofe erfunden. Das würde ihr Ansehen vergrößern. Ihre Cousinen und Bekannten würden sie beneiden. In ihrem Gemach ließ sie sich auf einem seidenen Diwan nieder und nippte an kühlem Zuckerwasser. Wie köstlich es mundete! Sie leckte sich über die Lippen.

Megara wartete nervös auf Kunde von der Front und suchte den Horizont mit Argusaugen nach Herolden oder Botenvögeln ab. Doch nur eine einzige einsame kleine Wolke hing am Himmel, als wolle sie sie verhöhnen. Es vergingen Stunden der Unruhe. Endlich kam ihr Leibdiener und verkündete, eine Brieftaube sei gerade mit einer Botschaft von Telamon eingetroffen. Darin berichtete der Paladin von dem Sieg über das Bollwerk am Eingang zum Nordland. Über das grausame Gesicht der Regentin huschte ein huldvolles und befriedigtes Lächeln. Die erste Hürde war genommen, das Nordvolk zu unterjochen und tausende neue Leibeigene zu begrüßen. Die Herrscherin lächelte in sich hinein. Anfangs würde sie noch mit Frondiensten zufrieden sein, um nicht gleich das ganze Volk gegen sich aufzubringen. Aber in wenigen Jahren...

Jetzt konnte sie sich entspannt ihrem Spielzeug widmen. Sie befahl den Riesen Kreios zu sich und verschwand mit ihm in einem ihrer großen Badebecken. Der ehemalige Gladiator in seinem goldenen Keuschheitsgürtel liebkoste den Luxuskörper der Königin sanft und gekonnt, wie man es seinen Pranken kaum zutraute. Megara spürte ein angenehmes Prickeln auf ihrer Haut, wenn er sie berührte und streichelte. Auf ihre Geste wurden seine Finger gieriger und beim schwachen Licht einiger goldener Kandelaber paddelten die beiden mit ineinander geschwungenen Körpern durch das frische klare Wasser. Die Despotin ließ sich aus dem Becken heben und auf einem Diwan ablegen, wo Kreios vor ihr kniete und die königliche Weiblichkeit mit seiner Zunge verwöhnte.

Sie spürte eine unbändige Erregung in sich wachsen. Nach einigen Minuten schloss Megara ihren Lustsklaven auf, zog ihn an den Haaren ins Wasser zurück und erlaubte dem Hünen in sie einzudringen. Sie wollte, dass Kreios sie leidenschaftlich von hinten nahm und sie eng umfasste. Ihre Lust wuchs ins Unermessliche. Und auch Kreios lautes und tiefes Stöhnen fand den Weg über seine Lippen und wurde immer intensiver. Doch bevor Kreios seinen Samen in die Herrscherin pflanzen konnte, drehte sie sich um und sprang ihm auf die Arme, umwickelte ihre Beine um seinen muskulösen Oberkörper und spürte, wie Kreios heißes Schwert von unten in sie eintauchte wie in ein Butterfass.

Der Sklave hob die Pobacken der Majestät und führte sie in einem Rhythmus, ließ sein pralles Schwert zitternd in die Regentin sinken, und die geballte Lust nahm ihm fast den Atem. Dann kamen die Liebenden gleichzeitig in einer Woge, die ihren Geist überflutete und sie in eine andere Welt schickte. Megara versenkte ihre scharfen Fingernägel obsessiv im muskulösen Rücken des Riesen und hinterließ tiefe Spuren, doch davon bemerkte Kreios kaum etwas, denn seine Lenden brannten lichterloh. Die erfüllte Lust der Beiden spiegelte sich in ihren Gesichtern und katapultierten ihre Gefühle in Euphorie und Ekstase und Hingabe.

Doch nach wenigen Momenten war das Glücksempfinden bei Kreios vorbei. Megara behandelte ihn von oben herab, verschloss seine Männlichkeit wieder, als sei der vorangegangene Akt bereits vergessen. Danach ignorierte sie ihn und verließ das Becken hochnäsig, wickelte sich in ein prunkvolles aber hauchdünnes Musselingewand und verschwand aus dem Gemach, hinfort zu wichtigeren Dingen. Der Lustsklave blieb zurück wie ein verschmähtes und wohlfeiles Spielzeug und trocknete seinen trainierten Leib mit einem Baumwolltuch trocken. Von draußen hörte er eine Pauke schlagen. Vermutlich wurde eine Züchtigung angekündigt.

Leda riss sich den Waffenrock vom Körper und warf ihn in die Schlucht. Die Gewandung taumelte flatternd in die Tiefe. Aus einer Satteltasche holte sie zivile Kleidung, die sie sehr feminin machte, wie Abas bewundert fand. Zwar waren Wams und Hose eigentlich Männerkleidung, doch Leda machte darin eine gute Figur. Dann nahm sie das Pferd am Zügel und tastete sich vorsichtig auf die Brücke vor. „Folge mir, wenn ich rufe!“ Abas stand da mit offenem Mund. Bald schon war Leda im Nebel verschwunden. Die schlechte Sicht erlaubte nur, ihren Weg bis zur Mitte der Schlucht zu verfolgen. Dann war sie in einer weißen Wand verschwunden.

Plötzlich hörte der junge Mann Steinbrocken in die Tiefe brechen. „Leda!“ rief er beunruhigt und spürte sein Herz kräftig pochen. Wie konnte sie nur diesen waghalsigen Weg riskieren!? Das war mehr als tollkühn! Abas Kehle schnürte sich zusammen. Da hörte er ihre Stimme. „Alles in Ordnung! Komm jetzt! Aber vorsichtig! Halte dich in der Mitte! Und pass auf das Loch auf!“ Abas wurde fast schwindelig vor Angst. Was für ein Loch? Der einstige Bauernjunge tastete sich schwankend auf den Vorsprung vor. Er hatte nicht einmal die eigentliche Brückenkonstruktion erreicht, da machte sich bereits seine Höhenangst bemerkbar. Es gab keine Geländer. Die Brücke war nur etwa acht Fuß breit. Unter ihr gähnte der Abgrund. Ein leises Rauschen ließ einen reißenden Wildfluss in der Tiefe erahnen. Sehen konnter er den Grund wegen des Nebels nicht.

Abas hielt sich genau in der Mitte. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen und hatte doch das beklemmende Gefühl, die Brücke würde so schmal wie seine Schultern sein. Wie Bretter einer Hängebrücke wackelte und schaukelte der Boden. Zumindest bildete der Jüngling sich das ein. Er widersetzte sich dem Impuls, auf allen Vieren zu kriechen; diese Schmach wollte er sich vor Leda nicht geben. Also ging er mit klopfendem Herzen Schritt für Schritt weiter. Plötzlich sackte sein linker Fuß weg. Abas schrie auf und stürzte. Sein gesamtes Bein hing unter der Brücke in der Luft. Das Loch! Er hatte es vor Aufregung nicht bemerkt. Mehrere Steinbröckchen fielen in die Tiefe. Ein unberuhigendes Knirschen war zu hören. Er zog sich wieder aufrecht und ging weiter. Nun zügiger. Nur hinfort von dieser gefährlichen Konstruktion. Bald erkannte er die Schemen am anderen Rand der Brücke: ein Ross und eine Gestalt, die ihm winkte.

Als Abas seiner Leda in die Arme fiel, erdrückte er sie fast vor Erleichterung. „Lass uns aufsitzen und weiterreiten“, schlug Leda vor. Die Beiden hatten nun die Hoffnung, ihre Verfolger abgeschüttelt zu haben, doch wollten sie lieber auf Nummer Sicher gehen und noch ein paar Meilen zwischen die Soldaten der Megara und sie bringen, bevor sie sich ein Nachtlager bereiteten. Eine halbe Stunde später kamen sie durch einen großen Birkenhain. Der Nebel löste sich auf, und die Sonne zeichnete goldene Lanzen, die den Staub in der Luft tanzen ließen. Einen anderen kleineren Laubwald ließen sie ebenso hinter sich und überquerten hinter einem Hügel eine saftige Wiese mit zahlreichen Wildkräutern. Dort machten die Beiden eine Rast.

Während Abas ein kleines Feuer anfachte, und dabei darauf sorgsam achtete, möglichst wenig verräterischen Rauch zu erzeugen, schoss Leda mit ihrem Bogen ein Waldtier, dass sie zubereiteten und hungrig aßen. Sie wussten beide nicht, was es war, aber es sah einem Marder ähnlich. Nach dem Mahl überkam sie die Lust, und sie fielen übereinander her, rollten und tollten im hohen Gras herum, hörten zirpende Grillen, scheuchten bunte Schmetterlinge auf und genossen das weiche Pflanzenbett unter ihnen, dass nach Lavendel und zahlreichen unbekannten Aromen duftete. Die begierigen Körper loderten bald glühend, und das Paar erlebte köstliche, heiße Wogen der Leidenschaft, die sich in ihnen wohlig ausbreiteten. Doch sie durften ihr Schicksal nicht herausfordern. Also löschten sie das Feuer wieder, als sie ihre Zärtlichkeiten gestillt hatten, und saßen wieder auf, um noch bis zur hereinbrechenden Dämmerung weiter zu reisen.

Die Landschaft wechselte von kleinen Wäldchen zu weiten Wiesen, und anschließend erreichten sie erneut einen großen dichten Forst. Hier wuchsen gewaltige, Jahrhunderte alte Eichen und Buchen, deren Kronen den Himmel verdeckten. Riesige Farne wucherten auf dem Boden links und rechts eines Pfades, auf dem sie sich hielten. Nach einer weiteren Stunde sahen sie mehrere über drei Männer lange Findlinge am Wegesrand,die einen hohen Dolmen bildeten. Den zu einem gigantischen Steintisch geformten Megalithen schmückte ein Kleid aus Moos und Flechten. Unter dem grünen Kleid waren eingeritzte Runen zu erkennen, deren Bedeutung ihnen aber nicht geläufig war. Die Steinblöcke waren für sich schon beeindruckend, aber neben ihnen lagen aufgetürmt... „Totenköpfe“, stieß Leda erschrocken hervor und zeigte auf die zehn oder zwölf Schädel, die zu einem Haufen aufgestellt neben dem rituellen Felsbauwerk lagen und sie mit weißen Zähnen höhnisch anzugrienen schienen.

Die beiden Gefährten sprangen von ihrem Zossen. „Was hat das zu bedeuten?“ wusste sich Abas keinen Rat. „Ich habe keine Idee“, meinte die desertierte Soldatin. „Vielleicht ein Grab. Oder eine Warnung…“ Dem Jüngling lief ein eisiger Schauder den Rücken hinunter. „Lass uns weiter reiten“, bat er. Sie stiegen wieder in den Sattel und trabten den Pfad entlang. Doch nach wenigen hundert Schritt hing ein Bündel an einem mächtigen Baumstamm: Als die Zwei näher kamen, erkannten sie, dass es grauenvolle Schrumpfköpfe waren, die an ihren Haaren zusammengeknotet am Stamm festgenagelt waren. „Wo führt dieser Weg hin, Leda?“ fragte Abas ängstlich. Hatten sie unglücklicherweise die Reise in die Unterwelt angetreten? Die Reiterin besah sich die Köpfe genauer: Die Lippen der Verstorbenen waren mit Fäden zugenäht worden, und die verkleinerten Gesichtszüge sahen gnomenhaft aus.

Plötzlich raschelte es im Gebüsch, und Leda riss ihren Bogen hoch und zog blitzschnell einen Pfeil aus dem Kocher, legte ihn an die Sehne und zog diese bis an ihre Wange. Abas nahm ein Schwert in die Hand und sah in die Richtung, aus der die Geräusche kamen, den Griff der Waffe krampfhaft umfasst. Dann wurde es immer lauter und schon erschienen mehrere große Gestalten im Unterholz, überquerten schnell den Pfad und verschwanden wieder: eine Rotte Wildschweine, angeführt von einem Keiler, mehrere Bachen mit ihre Frischlingen folgten. Erleichtert senkten die Beiden ihre Waffen und folgten weiter dem Pfad. „Ob es so eine gute Entscheidung ist, hier weiter zu reisen?“ fragte Abas zweifelnd, der sich immer noch Sorgen wegen der Schrumpfköpfe und Schädel machte. Leda war sich sicher: „Wir haben keine Wahl. Es gibt hier keinen anderen Weg. Das Dickicht ist zu dicht. Da kommen wir nicht durch. Bald wird es sicherlich eine Abzweigung geben. Außerdem werden wir auf diesem kleinen Pfad Megaras Armee nicht begegnen.“

Die Sonne sank unaufhaltsam dem Horizont entgegen, färbte sich rot, dann violett und bald herrschte im Wald tiefste Finsternis. „Wir müssen hier unser Nachtlager aufschlagen“, erklärte Leda. „In der Dunkelheit ist es zu gefährlich, weiter zu reiten.“ Abas lächelte seine Begleiterin in dem Versuch, Mut zu finden, an, und vertraute auf die Obhut der Bogenschützin. Als sich die Zwei beieinander ihre Bettstatt teilten, wussten sie nicht so recht, wer bei wem Schutz suchte. Abas flüsterte: „Erst die Totenköpfe, und dann die Schrumpfköpfe – das ist kein gutes Omen!“ Bei jedem Rascheln im Geäst horchten die Beiden auf, ob sich ein Feind nähere, doch nur kleine Waldtiere und der Wind erzeugten die Laute der Nacht.

Zahlreiche Meilen entfernt näherte sich der Soldat Lykos dem ersten Lager, das Abas und Leda am Tage aufgeschlagen hatten. Dort kniete er sich hin, untersuchte die ausgetretene Feuerstelle und prüfte die Huf- und Fußspuren der Verfolgten. Ein grimmiges Gesicht machend kickte er ein verkohltes Stück Holz zur Seite und ärgerte sich darüber, die Jagd bis zum Sonnenaufgang unterbrechen zu müssen; denn die Gefahr, die Spuren in der Dunkelheit zu verlieren, war einfach zu groß. Missmutig bereitete er sich das Lager und knabberte an einem Stück kalten Hasenbraten. Nach der Mahlzeit legte er sich nieder und betastete seinen Keuschheitsgürtel. „Dieses Weibstück wird wünschen, niemals geboren worden zu sein, wenn ich mit ihr fertig bin“, grummelte er. Er versuchte zu schlafen, aber lange blieb er wach und starrte den Vollmond an, der auf ihn hinab schien, als eine Wolke am schwarzen Himmel weiter wanderte. Sein fleischliches Schwert drückte von innen gegen die eiserne Vorrichtung und wollte die engen Grenzen nicht akzeptieren, doch es verlor den stundenlangen Kampf um die Freiheit schließlich und schrumpfte endlich als Zeichen der Niederlage frustriert zusammen.

In der eroberten Burganlage der Nordmänner organisierte Megaras Kriegsfürst Telamon den Zug nach Norden. Prinz Talos hatte stundenlang mit ihm gestritten, gefaucht, schnippisch und eingeschnappt protestiert. Er wollte lieber mit einigen Soldaten und Sklaven in dem Bollwerk bleiben, es wieder aufbauen und besetzen. Dort hätte er es gemütlich und konnte warten, bis die tollkühnen Recken den Feind besiegt - oder ihren letzten Atemzug ausgehaucht hätten. Doch der Paladin bestand darauf, dass die Befehle der Königin eindeutig waren: Der Thronfolger sollte zur Front, also weiter ins Land der fremden Gegner. Talos gab sich zerknirscht geschlagen, verlangte aber, weiterhin in seiner Kutsche reisen zu dürfen. Genervt gestand es ihm Telamon zu, obwohl der Tross dadurch langsamer wurde. Ärgerlich schleuderte der Kriegsfürst die Hirschhäute zur Seite, die den Eingang des Prinzenzeltes bildeten und kehrte in sein eigenes Lager zurück.

Hauptmann Kreon hatte inzwischen die Namen der Desertierten verkündet: Ein Sklave namens Abas, die Bogenschützin Leda und ein Soldat mit Namen Lykos waren mit insgesamt zwei Rappen verschwunden. Mit einer lodernden Fackel in der Hand informierte er Telamon und musste dessen schlechte Laune ertragen. Der Paladin schleuderte einen irdenen Krug durch den Raum, der scheppernd an einem metallenen Kriegsschild in zig Scherben zerbrach. Verräter wurden mit dem Tode bestraft. Sie würden eingefangen werden und auf sehr qualvollem Wege in die Unterwelt der Götter geschickt.

Herrscherin Megara hatte längst mit einer Todesbotschaft berechnet. Dieser Fettsack von ihrem Bastard hätte sich niemals ihren Lenden entwinden dürfen. Doch im Kriegszug würde ihre erbärmliche Brut sicherlich den Tod finden – so hatte sie gehofft. Leider hatte Telamon ihr andere Kunde gebracht: Talos freute sich bester Gesundheit und hielt sich sicher hinter den feindlichen Linien. Die Regentin schmiedete einen finsteren Plan dieses ungebetene Balg loszuwerden. Doch musste dies im Verborgenen geschehen. Wem durfte sie trauen? Sie benötigte einen Meuchelmörder… Während sie sich dem Liebesspiel mit ihrem hünenhaften Schosshündchen Kreios hingab, arbeitete sie fieberhaft an ihrem Mordplan und spürte, wie ihre Lust mit dem schändlichen Plan wuchs und sie letztlich laut ihre Inbrunst hinausschrie.
19. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 22.04.18 21:22

Hallo Prallbeutel,
ich kann mich nur wiederholen tolle Geschichte. Hoffentlich gibts bald die nächsten Teile.
LG Alf
20. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 06.05.18 19:51

Am nächsten Morgen ritten Leda und Abas nach einem kargen Frühstück bereits bei Sonnenaufgang weiter. Ihr Weg führte sie durch eine Heidelandschaft, die immer mehr einem Moor glich. Friedlich aussehend war die Ebene, doch hinterhältig lauerte der Tod, wenn ein Unglücklicherer seinen Fuß an die falsche Stelle setzen würde. „Wir müssen strikt auf dem Pfad bleiben. Sonst ist es zu gefährlich wegen der Sümpfe“, erklärte Leda.
Abas sah ängstlich zur Seite und stellte sich vor, wie Ross und Reiter in den klebrigen Tiefen versanken, als würden böse Mächte sie hinab in die Unterwelt ziehen. Langsam setzten sie ihre Reise fort. Nach drei Stunden, die Sonne stand längst hoch am wolkenlosen Himmel, erschien auf einem weiten Feld eine kleine Siedlung, die mit einem hohen Palisadenzaun geschützt war. Eine zurückgelassene Kiepe aus Weidenruten stand am Wegesrand. Sie enthielt nur Zweige und Äste aus dem Umland. „Hier können wir vielleicht Proviant und ein Bad bekommen. Und sicherlich wird uns jemand sagen können, welche Nebenwege weiter nach Norden führen“, meinte Leda.

Das Tor zur der Kolonie war verschlossen. Zwei Wachen standen vor dem versperrten Eingang und sahen den Ankömmlingen misstrauisch entgegen. Die Männer trugen nietenbesetzte Lederröcke, die bereits so manchen Kampf überlebt haben mochten. „Was ist Euer Begehr?“ wollte ein buckliger Mann mit ausgeprägten Koteletten wissen, der Leda seine Lanzenspitze unfreundlich entgegenstreckte. Sie glitt vom Rappen und blieb vor dem Spieß stehen. „Wir sind Reisende und wollen nach Norden. Wir sind auf der Flucht vor der Südarmee“, sagte Leda. Das war nicht einmal gelogen. Der Wächter beäugte sie. „Ein Weib, das das Wort ergreift! Starker Tobak! Hat dein Gemahl keine Zunge?“ Abas wollte zu einer scharfen Erwiderung ansetzen, doch unauffällig kniff Leda ihn hinter sich an die Innenseite seines Oberschenkels und erwiderte: „Mein Bruder ist stumm, guter Mann.“ Der Wächter grunzte verächtlich und spukte einen braunen Klumpen aus. „Ja. Talos Armee ist auf dem Vormarsch. Viele Einwohner sind geflüchtet. Meldereiter haben gestern die böse Kundschaft gebracht. Nur wenige sind noch geblieben. Kommt rein, wenn ihr Münzen habt, Euer Quartier zu bezahlen.“

Er öffnete eine Seite des Tores und ließ sie hinein. Die Zwei ritten im Schritttempo eine kleine Straße entlang und stiegen vor einem einfachen Gasthaus mit zwei Dachgauben ab. Neben dem Bau hingen mehrere Hasen an einer Querstange, denen eine stattliche Frau gerade das Fell über die Ohren zog. Ein Hund beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung. Vielleicht fiel für ihn ein Brocken ab. Ein kleiner Junge mit struppeligen Haaren, in Lumpen gekleidet, bot sich gegen ein Stück gewürztes Trockenfleisch an, das Ross zu versorgen, und Leda und Abas betraten die Taverne des Gebäudes. Bissiger Qualm kam ihnen in der Tür entgegen. Die Luft war mit dem Dunst verpestet, und Abas musste husten. Wie ein wabernder Nebel schlich der Rauch durch die Schenke.

An einigen groben Tischen saßen finstere Gesellen beim Würfelspiel, tranken aus Hörnern Ale, stießen sie grölend und johlend zusammen, dass der Inhalt überschwappte und kippten den restlichen Inhalt in ihre bärtigen Kehlen. Ein Mann stopfte sich mit den Fingern Zwiebelkuchen in den Mund, ein anderer Kerl nagte an einem Stück Fleisch, das auf seiner langen Messerklinge steckte. Triefendes Fett lief ihm dabei den unrasierten Hals hinab, was ihn aber nicht zu stören schien. Leda und Abas ließen sich an einem Ecktisch nieder, auf dessen Mitte eine gelöschte Kerze stand. An der Wand hinter ihnen hingen ein altes Hirschfell und eine noch ältere Leier, der schon mehrere Saiten fehlten.

Bald kam der Wirt der Schenke und fragte nach ihren Wünschen. Abas zuckte zusammen, als er das entstellte Gesicht auftauchen sah: Der stämmige glatzköpfige Kerl trug eine metallene Augenklappe, die mit Nieten an seinem Schädel angebracht worden war. Leda bestellte einen deftigen Eintopf, ein Laib Brot und zwei Krüge mit Bier. „Könnt ihr auch eure Zeche zahlen, Maid?“ fragte der Wirt und kniff sein verbliebenes Auge skeptisch zusammen. Seine Miene machte keinen Hehl daraus, dass er eine Bezahlung erhalten würde - wie auch immer die aussah. Leda holte aus ihrem Beutel einen Silbertaler und warf ihn dem Mann zu, der ihn überraschend geschickt auffing und nah vor seinem Auge musterte. „Wohlan! Seid meine Gäste“, verneigte der Mann sich plötzlich sehr freundlich, ließ die Münze in seinem Wams verschwinden und ging, um bald schon mit der Bestellung zurückzukehren.

Etwas unwohl war den Beiden in dem Gasthaus schon, denn aus dem Dunkel wurden sie von den zechenden Anwesenden misstrauisch, teilseise sogar feindselig beäugt. Nach dem Mahl fragte Leda nach einem Nachtquartier. Der Wirt ließ sich erneut eine Münze zeigen, die ihm Leda zuwarf, dann führte er seine Gäste eine wackelige und laut knarrende Holztreppe hoch zu einer kleinen Kammer. „Hier könnt ihr euer Lager aufschlagen. Meine Tochter bringt euch frische Leinentücher, Wolldecken und eine Kanne Wasser.“ Kurz darauf erschien ein rothaariges Mädchen mit dem Besagten, dazu brachte sie noch eine Schale mit frischen Äpfeln. Nach einer kurzen Weile legten sich Abas und Leda zur Nacht hin. Sie lagen sich in den Armen und streichelten sich, küssten sich, und dann erwachte ihre Leidenschaft, und sie gaben sich einem ausführlichen Liebesspiel voller Zärtlichkeiten hin. Abas erkundete Ledas nackten Körper, der heiß zitternd die Finger, Lippen und Zunge des jungen Mannes auf jeder Handbreit begrüßte. Und auch Leda liebkoste den ehemaligen Sklaven, küsste sein Gemächt und nahm es auf, begehrte diesen jungen Mann mit Haut und Haaren…

Einige Stunden später war die Kerze in ihrer Kammer gelöscht, und das Paar lag Arm in Arm auf seiner Wolldecke und schlief tief und fest, erschöpft von der langen Reise. Doch dann durchschnitt etwas die Ruhe: Ein Knarren auf den Stufen verriet eine Person auf dem Flur. Leda schreckte aus dem Schlaf hoch. Gemach glitt sie unter der Decke hervor, ohne Abas zu wecken. Sie streifte sich leise ein Gewand um und griff lautlos nach ihrem Schwert. Das Knarren wiederholte sich. Jetzt war es lauter als zuvor. Jemand stand vor ihrer Tür und lauschte. Leda huschte in eine dunkle Ecke des Raumes, nur noch ein schwarzer Schatten im Verborgenen. Jetzt öffnete der Eindringling die Tür, und langsam verbreiterte sich ein schwacher Lichtschimmerstreifen, der aus dem Flur herein schien.
Leda umklammerte ihren Schwertgriff fester.

Prinz Talos ließ sich schnaufend auf seinen Diwan fallen. Dieser Kriegszug war anstrengender, als er dachte. Warum musste er auch unbedingt mitreisen? Er musste niemandem seine Tollkühnheit und seinen Löwenmut beweisen! Sein Leibdiener Xeno zog ihm die Gewänder aus, denn dazu fühle sich der Thronfolger nicht mehr in der Lage. Bald lag der dicke Prinz nackt auf seinen Kissen, bäuchlings, wie ein sonnender Seeelefant.
„Ich brauche eine Massage!“ keuchte er. „Bring mir einen Sklaven, der sie beherrscht.“
Xeno verneigte sich und war froh, dass er diesen fetten Anblick nicht mehr ertragen musste.

Wenige Minuten später kam ein Sklave in einem Lendenschurz herbeigeeilt, der sich an die Arbeit machte und den Prinz durchknetete. Ständig musste er auf der Hut sein, nicht etwa zu fest, aber auch nicht zu sacht, zu massieren. Leicht war Talos zu reizen und bestrafte sofort und hart, wenn er unzufrieden war. Als Leibwächter blieben zwei Soldaten im königlichen Zelt, die stur geradeaus starrten wie steinerne Statuen.

Nach der Massage verlangte der Prinz, die Männer sollten den Sklaven fesseln und dann verschwinden. „Ich will heute Nacht nicht alleine bleiben. Er soll die Gunst haben, bei mir zu bleiben. Gefesselt wird er sich nicht an mir vergreifen können.“ Der Thronfolger betrachtete seine Beute mit einem gierigen und obszönen Blick und frohlockte. Wohlgestalt, jung, frisch... Ganz nach seinem unersättlichen Appetit. Das würde ein königlicher Schmaus werden!

Die Soldaten gehorchten dem Befehl und fixierten dem Sklaven mit Hanfstricken die Hände auf den Rücken, banden die Füße zusammen und brachten zusätzlich eine Halskette an, die sie an einem Stützpfeiler des Zeltes befestigten, so dass der Sklave weder fliehen, noch das Bett des Herrschersohnes erreichen konnte, um ihn zu meucheln oder Ungemach anzutun. „Keine Störungen mehr heute Nacht!“ befahl Talos. Die Soldaten zogen sich zurück. Niemand würde so tumb sein, den Prinzen zu belästigen.
Der fettleibige Adelsspross biss in ein Stück Honigkuchen, bevor er es über seine Schulter wegwarf. Der Magen des hungrigen Sklaven knurrte. Zu Hauf stapelten sich Delikatessen auf Tellern und in Schüsseln, der Düfte dem mageren Jüngling in die Nase zogen. Grinsend sah Talos seinen Gefangenen an. Endlich wieder ein Mann! Er wuchtete sich von den Kissen hoch und kam näher.

Der Sklave richtete seinen Blick demütig auf den Boden. Den Prinzen anzusehen, würde mit dem Tode bestraft, wie alle sonstigen Frevel ebenso. „Zieh dich aus!“ befahl Talos und erledigte dies zugleich selbst mit seinen gierigen Blicken. Der junge Mann riss sich seinen Lendenschurz weg, obwohl seine Hände auf dem Rücken gebunden waren. Nur einen Keuschheitsgürtel trug er noch. Talos hatte sich ein Seidentuch um die breiten Hüften geschwungen, aber eine deutliche Beule zeigte seine Erregung. Er strich über die glatte Brust des Sklaven, seine Schulter, packte seine Pobacken, die von einigen Peitschenstriemen gezeichnet waren, und kniff hinein. Ein unartikulierbarer Laut kam aus Talos Mund, dann watschelte er zurück zu seinen Kissen und langte in eine Holztruhe.
Rasselnd suchte er zwischen Goldmünzen und Geschmeide nach einem Schlüssel. Dem Generalschlüssel für alle Keuschheitsgürtel. Und da war er ja!

Grinsend hielt er ihn hoch und näherte sich wieder dem Sklaven. Der verängstigte Mann ahnte noch nicht, was auf ihn zukam. Dann spürte er, wie der Prinz das eiserne Höschen entfernte. Der Sklave schluckte. Was sollte mit ihm geschehen? Die Nacktheit war ihm peinlich vor der Hoheit. Talos griff nach dem Gemächt des Leibeigenen, der überrascht zuckte und leise aufstöhnte, als sich sein Luststab vergrößerte. Der Prinz stimulierte den Stab des Jünglings und drehte dann das Objekt seiner Begierde mit dem Rücken zu sich.
„Bück dich!“ wies er den Entblößten an. Der Sklave gehorchte voller Furcht. Talos schlug mit seinem Fuß an die Innenseite der Unterschenkel des Sklaven: „Breiterer Stand!“ Der Untertan folgte augenblicklich dem Befehl. Der dicke Herrschersohn griff in eine kleine Schatulle mit Fett und strich sich auf zwei Finger eine dicke Portion der weißlichen Masse.
Dann benestelte er den Anus des Sklaven.

Der Leibeigene zuckte erneut zusammen, verkrampfte seinen Po. „Entspann dich!“ befahl Talos. Langsam gelang es dem Sklaven sich zu beruhigen. Zumindest schaffte er es, seine Muskeln zu entspannen; sein Puls schlug ihm trotzdem bis zum Hals. Erst untersuchte Talos den Hintereingang des Jünglings mit einem Finger, dann mit zweien, dann mit dreien. Der Sklave stöhnte auf, ob aus Lust oder Schmerz oder beidem war nicht zu erkennen. Talos griff nach seiner nun knüppelharten Männlichkeit und versenkte sie mit einem groben Ruck in dem Gefesselten. So schnell und wild es seine unförmige Körpermasse zuließ, rammte der Königinnensohn nun seinen Liebessklaven. Sein Stechen und Bohren wurde immer stärker und schneller, doch bevor seine Rute spuckte musste er schweratmig pausieren und spielte an den Nippeln des Leibeigenen. Dann ging es mit wildem Gerammel weiter bis Talos ächzend seinen Samen versprühte.

Keuchend wankte er auf seine Kissen zurück und besah sich sein Werk: Ein Teil seiner Hinterlassenschaft klebte dem Jüngling an dessen Kehrseite und tropfte zu Boden. Zum Schrecken des Gefesselten war dessen eigenes Gemächt hart wie Granit und pochte verzweifelt um Erlösung. Talos sah den bestürzten Blick und lachte: „Hat es dir gefallen?“
„Ja, mein Herr“, antwortete der Gefesselte, der nicht so genau wusste, wie er den Prinzen ansprechen durfte, und was er gerade erlebt hatte. Talos lachte schallend und zog eine kurze Riemenpeitsche hervor. „Mal sehen, wir dir die Küsse meiner Geißel gefallen!“

Der Schemen, der sich in der Tür zeigte, gehörte einem Mann. Leda wurde der Silhouette eines bärtigen Kerls gewahr. An den Seiten seines Hauptes hingen lange Zöpfe hinab. Seine stämmige Statur passte zu einem der Männer, die unten in der Schankstube gewürfelt hatten. War er gekommen, um den Geldbeutel zu rauben? Der Kerl erschien nun deutlich im Licht des Flures: Weizenhelle verfilzte Haare umrahmten ein vernarbtes und wettergegerbtes Gesicht. Über die Stirn verlief ein großes Wundmal. Die Gestalt schlich in die Kammer und steuerte die Schafstatt an. Unter seinem Filzumhang tauchte ein kräftiger Arm auf, der von einem breiten Lederband geschmückt wurde. Auf einmal sah Leda in dessen Hand den kleinen Dolch blitzen. Schleichend näherte sich der Eindringling der Wolldecke, unter der Abas noch friedlich schlummerte.

Als der Räuber seine spitze Waffe zum Stoß hob, um das junge Paar im Schlaf zu meucheln, stieß Leda das Schwert hervor und vergrub die Spitze schmerzhaft im Nacken des Mannes: „Halte ein, Fremder! Was willst du hier, du Diebesgeselle?“ Ein Schmerzlaut ertönte, und Abas wachte auf. Er sah vor sich den unbekannten Eindringling mit braunen Zahnstummeln über sich stehen und kroch schnell einige Schritte weg. „Rede!“ forderte Leda. Der Mann antwortete: „Ich bringe euch nur frische Tücher…“ Doch genau in diesem Moment schwang er herum und schleuderte seinen Dolch aus dem Handgelenk auf Leda zu, die in einer Reflexbewegung zur Seite duckte und so dem tödlichen Metall um Haaresbreite entkam. Sofort zog der Mann sein Schwert unter seinem schwarzen Umhang hervor und schwang die scharfe Klinge gegen seine Gegnerin. Leda war in der Defensive und musste alle Kraft zusammennehmen, sich der starken Hiebe zu erwehren.
Der Mann war ein ausgezeichneter Schwertkämpfer und drängte Leda in eine Ecke zurück, um schließlich zum finalen Schlag auszuholen…

…da brach er plötzlich zusammen: Abas hatte ihm einen Holzschemel über dem Kopf zertrümmert. Ledas Hand zitterte. Sie hätte vermutlich ihr Schwert fallen gelassen und wäre dem Mann hilflos ausgeliefert gewesen, der sie mit einem Todesstoß durchbohrt hätte. „Hier werden wir nicht bleiben“, bestimmte Leda noch mit bebender Stimme. „Ich werde den Wirt wecken. Er soll uns Proviant und frisches Wasser besorgen. Dann reisen wir weiter, hinfort von diesem unglückseligen Ort.“ Abas war einverstanden und packte ihre Habseligkeiten zusammen. Eine gute Stunde später setzten die Zwei ihre Reise in der Dunkelheit fort. Nur ein Waldkäuzchen, das in einer Tanne saß, und der Wirt waren Zeugen ihres stillen Aufbruchs.

Erst im Morgengrauen rasteten sie und aßen eine Kleinigkeit. Der Tau machte die Wiese nass, und sie hinterließen deutliche Spuren. „Hoffentlich haben wir unsere Verfolger inzwischen abgehängt“, sagte Abas. Ein Schwarm Krähen krächzte laut am Himmel.
Nach einer Weile erschien links von ihnen ein Geysir, der wie ein kleiner Tümpel aussah, in dem das Wasser kochte. Abas fiel vor Schreck fast vom Pferd, als plötzlich eine mehrere Doppelschritt hohe Wasserfontäne der heißen Quelle laut zischend aus dem Wasserloch jagte. „Hexerei“ schrie Abas und wollte nur noch weg.

Nach mehreren Meilen kreuzte ein Schäfer mit seiner Herde ihren Weg. Der bärtige Mann trug einen langen geflickten Ledermantel und hatte seinen knorrigen Wanderstab über die Schulter geworfen, an dessen Ende ein Stoffbündel im Rhythmus seiner Schritte pendelte. Mit seinen schweren Lederstiefeln stapfte er seines Weges und musterte die einsamen Reiter interessiert. Doch Leda und Abas trabten schnell weiter. Sie mussten schnell fort, um nicht doch noch zwischen die feindlichen Linien zu geraten, denn gewiss rückten die Nordmänner bereits nach Süden vor, um Megaras Armee Einhalt zu bieten.

Die Idylle mit einer kleinen Wassermühle an einem kleinen Fluss trog, denn aus einem Wäldchen tauchten unerwartet mehrere Reiter auf, die ganz und gar nicht freundlich wirkten. „Banditen“, rief Leda und hieb ihre Stiefel in die Flanken des Pferdes. Das Tier wieherte. Die Hufen stampften laut über den Lehmboden. Die Schar Männer folgte brüllend in wildem Galopp. Einige der Strauchdebe hatten Hirschfänger gezogen und fuchtelten damit in der Luft umher, andere reckten Äxte in die Höhe. Der Anführer hatte sein Falchion vor sich gestreckt und zeigte auf die Flüchtigen.

Megara hatte sich heute besonders prachtvoll gekleidet. Ihr Gewand war von edelstem Stoff aus golddurchwirkter roter Seide. Zahllose Unzen Gold hingen um ihren Hals, ihre Arme und um ihre Taille. Heute gedachte das Volk dem Geburtstag des verstorbenen Königs Talos III., der von den Menschen zeit seines Lebens sehr verehrt worden war. Hatte der alte Herrscher noch dafür gesorgt, dass auch die Ärmsten der Armen nicht hungern und dürsten mussten, waren die Steuern unter Megara um ein Vielfaches erhöht worden, um ihren goldenen Säckel zu nähren. Offiziell ließ sich die Königin feiern, doch wusste sie insgeheim, dass das Volk in Wahrheit weiterhin Talos III. mit dem Fest würdigte.

Von einer gewaltigen Schmuckbalustrade winkte Megara hochnäsig auf das kniende Volk hinab. Unter die Menschenmassen vor dem Palast hatten sich Megaras Schergen geschmuggelt, um den kleinsten Hinweis auf Verrat zu erkennen und zu bestrafen. Niemand durfte seine Augen zur Majestät erheben. Und die kleine Ansprache der Herrscherin musste mit großem Jubel beantwortet werden. Wer es an genügend Freude fehlen ließ, machte sich verdächtig und wurde genau beäugt. Wenn er Pech hatte, würde er sich im Kerker wieder finden.

Auch die Höflinge und deren Ladys standen auf der prunkvollen Balustrade und sahen auf das Volk hinab. „Sieh nur, wie schmutzig einige von ihnen sind“, meinte eine junge Dame zu erkennen und rümpfte angewidert ihr Näschen. „Ja“, kicherte ihre Freundin leise, „man sollte dieses Geschmeiß in einen Trog werfen und waschen.“ Die beiden jungen Damen verstummten, als zwei hohe Beamte ihnen tadelnde Blicke zuwarfen. Zu Megaras Füßen hockte der einst stolze Gladiator Kreios mit seinem breiten Halsband und dem Keuschheitsgürtel aus purem Gold. Er war zu einem Schoßhündchen degradiert worden.
Bis auf einen dünnen Lendenschurz aus weißer Seide trug er keine Kleider. Sein Halsband war mit einer Kette verbunden, die Megara an ihrem Thronstuhl befestigt hatte. Früher hatte sie so oft einen zahmen Leoparden durch den Palast geführt. Doch nun erfreute sie sich an ihrem Kreios.

Nach der Ansprache erwartete die Regentin in der Empfangshalle des Palastes die Präsente der Bittsteller. Sie ließ sich großzügig beschenken und hörte sich scheinbar wohlwollend die Wünsche der Männer an. Doch ihr Leibdiener und der Schatzmeister sahen sich gegenseitig in die Augen, als wollten sie sagen: „Davon wird Megara morgen schon nichts mehr wissen“. Später am Tag stellte der Schatzmeister der Königin die Bilanz über die Goldvorräte auf. Megara tobte: „Das heißt, es gibt in den vergangenen Monaten kaum Zuwächse? Und wovon soll ich den Kriegszug bezahlen?“ Sie wütete und schimpfte, warf mit Goldmünzen nach dem Beamten, dessen Samtbarett dabei verrutschte, und verzog ihr hübsches Gesicht zu einer wilden Fratze.

„Ehrenwerte Hoheit“, versuchte er sie zu beruhigen, wehrte die prasselnden Geldstücke mit den Händen ab und richtete seine Kopfbedeckung. „Euer Sohn hat einen hohen…. Bedarf… an… Gold gehabt und…“ Megara fauchte: „Talos, dieser Nichtsnutz!“ Sie hatte geahnt, dass ihre missratene Brut dahintersteckte. Der Schatzmeister zuckte hilflos mit den Schultern: „Das Volk hungert. Unsere Steuereintreiber pressen so viel wie nur möglich aus ihnen heraus, aber mehr ist einfach nicht aufzutreiben…“ „Halt dein Schandmaul“, keifte Megara. „Füll die königliche Truhe mit Gold, oder ich werde sie mit deinen Innereien füllen, du impertinenter Versager.“ Der Schatzmeister verneigte sich: „Sehr wohl, Majestät.“ Megara rief nach dem Hauptmann der königlichen Gardisten, einer Art Geheimeinheit für besondere Fälle. Talos hatte den Bogen überspannt. Mit seinem ausschweifenden Lebensstil hatte er nicht nur die Staatskasse geplündert; dieser nichtswürdige Fettwanst würde endlich aus der Thronfolge verschwinden müssen.

Noch am selben Tag ritt eine dunkle Gestalt aus dem Palast. Der vollständig in schwarz gewandete Reiter war ein gefürchteter Assassin – ein Auftragsmörder. Sein königlicher Auftrag sollte ihn nach Norden führen. Die Palastwache erschrak, als sie den Mann erblickte. Die dunkle Gestalt trug einen kleinen schwarzen Spitzbart und hatte ausgeprägte dunkle Augenringe. Doch die Augen selbst strahlten eine gletscherblaue unergründliche Tiefe und Kälte aus, die selbst den gestandenen Wächter erschauern ließ.
Schnell sprang er zur Seite, um von dem schwarzen Ross nicht umgestoßen zu werden.

In der Schlossanlage lustwandelten derweil unbeschwert die jungen Damen des Hofes in ihren kostbaren Kleidern und hochgesteckten Frisuren, spielten mit ihrem wertvollen Geschmeide oder sahen einigen ausgemergelten Haussklaven zu, wie sie in der Hitze des Tages schwitzend ihre Arbeiten verrichteten. An einer Stelle des Palasthofes waren dumpfe Schreie und klatschende Geräusche zu hören: Offenbar wurde hier ein Sklave ausgepeitscht. „Kommt“, rief eine der Ladys. „Lasst uns zuschauen.“

Vier junge Damen liefen ohne Zaudern, ihre Röcke raffend, zu dem Bestrafungsplatz und blieben in respektvoller Entfernung stehen. Zwei Soldaten wechselten sich mit Peitschenhieben ab, die sie einem nackten Sklaven verabreichten, der mit ausgestreckten Extremitäten an einem senkrechten Gitter festgebunden war. Rücken und Gesäß waren mit unzähligen Striemen bedeckt. Eine Lady mit langen blonden Haaren zeigte kichernd zwischen die Beine des Delinquenten, wo sein Gemächt zu sehen war, als der Sklave unter Schmerzen zitterte. Einer der Soldaten schüttete einen Zuber mit Wasser über die Rückseite des Sklaven, der sich windend an der Gitterwand aufbäumte.

„Lass uns eine Pause machen“, schlug er seinem Kameraden vor. „Ich habe Durst.“ Der andere Wachposten nickte, und die Männer verschwanden im Schatten des Hofes und betraten einen Nebenflügel des Palastes, wo das Hauptquartier der königlichen Wache untergebracht war. Der Gezüchtigte hing weiterhin leise stöhnend in der prallen Sonne.

Nun trauten sich die jungen Damen näher an den Sklaven heran und bestaunten die tiefroten Striemen. Eine Lady wagte es, die Pobacken des Gefesselten zu berühren und über die geschändeten Stellen zu streichen, was den Sklaven aufzucken ließ. War es der Schmerz, oder war er der Umstand, von einer Edeldame berührt worden zu sein? Im ersten Moment schreckte die Lady zurück, doch dann tippte sie erneut an das geschundene Fleisch. Wieder zuckte der Sklave. Langsam bekam die junge Frau Spaß an dem Spiel und stach mit ihrem Finger wieder zu. Immer wieder.

Kichernd stellte sie fest, dass der Mann jedes Mal kräftig zuckte und ein Ächzen zu unterdrücken versuchte. Nach und nach wurden auch ihre Freundinnen mutiger und fassten den Gefangenen an. Albern gackernd untersuchten sie das Gemächt, das unter ihren Berührungen hart und groß wurde. Die Reaktion führte zu weiterem Gekicher. „Die Posten kehren zurück“, sagte eine der Ladys erschrocken, und flugs lief die Mädchenschar hüpfend und fröhlich lachend zurück in den Lustgarten. Bald darauf begann das Klatschen der Peitsche erneut. Der Geschundene heulte auf. Die Frauen aber hatten das Interesse an dem Sklaven verloren und spielten lieber mit einem Ball.
21. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 06.05.18 20:19

Hallo Prallbeutel,
vielen Dank für die Fortsetzung. Ich habe mir die 1. Ausgabe zu Gemüte geführt und fand sie gigantisch. Was mir vielleicht noch besser gefallen hätte, wenn sich Leda mit dem Volk mit dem Schießpulver verbündet hätte. Auch hätte ich mir vielleicht auch ein glücklicheres Ende von Leda und Abas gefallen, aber vielleicht fällt dir ja bei der überarbeitung noch was ein. Falls nicht machts auch nichts es ist deine Geschichte und mir hat sie trotz allem was die Helden aushalten mussten super gut gefallen. Bitte mach bald eiter.
Lg Alf
22. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 20.05.18 19:30

Leda und Abas überquerten eine Graslandschaft und suchten anschließend in einem Labyrinth aus roten hohen Sandsteinfelsen Unterschlupf. Doch die Räuberbande blieb ihnen auf den Fersen. Zwischen den Felsen wendete Leda das Pferd und raste in eine andere Richtung weiter, wechselte wieder und sprang von dem Tier ab, schob es samt Abas schnell zwischen zwei hohe Felsen in eine dunkle Nische und kletterte an einer Seite des hohen Gesteins empor.

Von oben wollte sie beobachten, wo die Marodeure erschienen, um sie mit Pfeilen einzudecken. In wenigen Augenblicken erreichte sie die flache Decke des Felsens und kroch auf dem Bauch an den Rand, ihren Bogen bereit zum Kampf. Tatsächlich: Die fremden Männer näherten sich in ihrem Versteck. Weil sie die Hufspuren untersuchten, war einer der kräftigen Kerle abgesprungen und zeigte in die richtige Richtung. Leda konnte von ihrer hohen Zufluchtsstätte alles genau überblicken. Sollte sie jetzt die Verfolger aus dem Hinterhalt mit Pfeilen spicken? Aber würde sie gleich alle Räuber erledigen? Wohl nicht. Dann wäre ihr Schlupfwinkel verraten…

Die Horde wilder Männer ritt mit gezückten Beilen und breiten schartigen Schwertern um den Felsen und näherte sich gefährlich Abas Nische. Noch wenige Augenblicke, dann würden die Ersten ihren Gefährten und das Pferd entdecken… Leda konnte die finsteren Augen der vorderen Banditen sehen, deren Blicke sich für sie anfühlten wie wühlende Messer in ihrem Bauch. Doch im letzten Moment stoppte der Vortrupp auf einen Pfiff des flachsblonden bärtigen Anführers, der sie mit rauer Stimme zurückrief: „Die sind längst über alle Berge. Wir kehren um. Zwischen den Felsen verlaufen sich die Spuren. Der Untergrund ist zu hart.“

Die Männer drehten ihre Tiere grummelnd herum und folgten ihrem Befehlshaber.
Ledas Herz schlug ihr bis zum Hals. Das war knapp! Sie sah, wie die Schar Reiter zwischen dem rötlichen Felsgestein verschwand. Bald waren sie auch nicht mehr zu hören. Leda kletterte erleichtert von der Felsnase hinab zu Abas. Dabei wäre sie beinahe von dem glatten Stein gerutscht, als sie erschrocken einen kleinen Vorsprung losließ, weil sich eine Ringelnatter in einer Rille der Wand entlang schlängelte.

Endlich konnten die zwei Flüchtigen ihre Reise nach Norden fortsetzen. „Wohin reiten wir eigentlich?“ fragte Abas. Leda antwortete: „Wir müssen zunächst aus der Reichweite von Megaras Armee gelangen. Und dann wenden wir uns Richtung Westen, wo der große Ozean liegt. Die Ländereien an der Küste sind frei. Dort können wir uns niederlassen.“
Sie drehte sich im Sattel zu ihrem Liebsten um und meinte schmunzelnd: „Das heißt, wenn du mit mir die Zukunft teilen möchtest.“ Abas küsste sie als Antwort auf ihre Lippen und klammerte sich an ihren Leib. Ein elfenhaftes Lächeln huschte über Ledas Gesicht.

Lykos reichte dem Wächter an dem Tor eine Münze, die er seinem Lederbeutel entnommen hatte. „Klar habe ich sie gesehen“, teilte der Mann mit und schloss seine Hand mit den schwarzen Fingernägeln gierig um das Silberstück. „Sie waren hier und haben in der Taverne übernachtet. Doch sie sind schon lange wieder weiter geritten. Richtung Norden.“ Lykos versorgte sich eilig mit Proviant und Wasser, tauschte sein Reitpferd gegen einen frischen Falben aus, den er bei einem Stallmeister erhielt, der in seiner derben Pelerine eher wie ein Mönch aussah, und folgte den Flüchtigen im Galopp.


Tagelang verfolgte Lykos nun schon das junge Paar. Gerade ritt er an einem Waldrand entlang und folgte den Spuren des gesuchten Tieres. Ein Hufeisen war ein wenig verbogen, so dass er sich sicher war, immer noch auf der richtigen Fährte zu sein. Doch plötzlich stellten sich ihm vier finstere Gestalten auf ihren Rössern in den Weg. Der Soldat überlegte, ob er wenden oder an ihnen vorbeipreschen sollte. Waren es Wegelagerer, die lediglich einen Zoll erhoben, oder sollte er von Strauchdieben ausgeraubt werden?

Gemach kam er näher, aber da sah er, wie einer der Männer an der von ihm abgewandten Seite eine Armbrust spannte. Die anderen hatten ihre Hände auf die Knäufe ihrer breiten Schwerter gelegt. Lykos war nicht wohl bei der Sache. Vier gegen einen. Spätestens gegen die Schusswaffe hatte er keine Chance. Schnell entschloss er sich zur Flucht. Mit einem kräftigen Zug am Zügel drehte er das aufbäumende Pferd auf der Hinterhand herum, so dass der Lehm in Brocken durch die Luft schleuderte, und dann jagte er den Weg zurück, tief gebeugt über den Sattel, um dem Schützen ein möglichst kleines Ziel zu bieten.

Doch kaum hatte er einen guten Steinwurf zurückgelegt und dabei das Quartett hinter sich, so sah er den Weg erneut versperrt. Lykos fluchte lästerlich und bremste seinen Gaul hart. Die Kerle hatten Komplizen, die ihn in die Zange nahmen! Er war in einen Hinterhalt geraten! Da blieb nur der Ausweg in den dichten Wald. Todesmutig jagte er den Vierbeiner in das dichte Unterholz. Er übersprang ein grünes Gebüsch und raste zwischen den dicken Baumstämmen tiefer in das Gehölz hinein. Vielleicht wagten die Räuber den Sprung nicht…

Doch da hatte sich Lykos geirrt. Zwar umrundeten die Männer das Dickicht, doch kannten sie sich offenbar gut aus, denn sie nahmen ihn wieder in die Zange und kürzten den Weg sogar noch ab. Damit waren sie ihm wieder dicht auf den Fersen. Wenn das Pferd jetzt über eine Wurzel, einen Fels oder einen Ast stolperte, so war es um es geschehen - und um ihn ebenso.

Kaum hatte Lykos den unheilvollen Gedanken gefasst, da geschah es schon: Im gestreckten Galopp strauchelte sein Tier und rutschte so unglücklich, dass sein Reiter durch die Bewegung nach vorne aus dem Sattel katapultiert wurde. Im hohen Bogen flog Lykos auf den Humusboden und überschlug sich ein halbes Dutzend Mal, bis er hart gegen einen Baumstumpf prallte, wo seine Reise brutal gestoppt wurde. Benommen rappelte er sich auf und wollte das Schwert ziehen, da spürte er bereits eine scharfe schartige Klinge an seiner Kehle. Lykos atmete schwer. Er ließ seine Waffe langsam wieder in die Lederscheide sinken und schielte nach der Klinge und den Räubern, die ihn umkreist hatten und ihn höhnisch angrienten.

Leda und Abas waren in der Zwischenzeit durch eine weitere kleine Siedlung gekommen, die an einer Wassermühle lag. Auch dort hatten sie ihren Proviant erneuert und in einem großen Holzzuber ein erfrischendes Bad genommen und sich gegenseitig eingeseift und sich dann in dem heißen Wasser in ihrem Liebesspiel verloren...

Später sahen sie auf dem alten Marktplatz einen Pranger, in dem ein Unglücklicher steckte. „Was hat es mit ihm auf sich?“ fragte Leda einen Mann in einem fadenscheinigen Wams, bei dem sie einen Feuerstein kaufte und ihre Klingen schärfen ließ. Sie nickte zu der Gestalt in der Sonne hinüber. Der Mann spuckte zu Boden. „Der Bursche hat Deimos bestohlen, so heißt es. Deimos ist der reichste Mann unseres Ortes“, sagte der Mann erklärend. Leda blickte zu dem Delinquenten hinüber, der kraftlos in dem Pranger stand.
„Nun ja“, räusperte sich der Dorfschmied. „Man munkelt etwas anderes, aber…“

Leda wurde neugierig. „Was munkelt man?“ „Nun ja“, wiederholte sich der Mann. Jetzt hielt er eine seiner mit Schwielen bedeckten Hände vor den Mund und blickte aus den Augenwinkeln zu den Seiten, ob auch keine ungebetenen Zuhörer anwesend waren. Seine Fingernägel waren schwarz wie Pech. „Boreas heißt der Knabe. Und er hatte ein Auge auf Deimos Tochter Hebe geworfen und das Lager mit ihr geteilt. Doch einem Nebenbuhler - dem Sohn des Schultheißen – war sie versprochen. Und da hat der junge Mann dem Vater seiner Angebeteten von dem angeblichen Diebstahl berichtet…“

Ledas Mund öffnete sich. „Ach?“ Wieder sah sie zu dem jungen Burschen. Mehrere junge Mägde in geflickten Leinenkleidern umtanzten ihn nun und schnitten ihm Grimassen und beschimpften ihn. Leda beobachtete, wie eine der Frauen den Unglücklichen anspuckte, wie eine andere ihm einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten versetzte, und wie eine dritte Boreas mit einem Lehmklumpen bewarf.

Leda bezahlte den Schmied und suchte Abas auf, der in einer nahen Schenke einen Krug kühles Bier trank. Als die Zwei sich schließlich zur Weiterreise fertig machten, ritten sie über den Marktplatz und beobachteten, wie eine Gruppe Mägde kichernd und feixend um den Pranger stand. Vom Rücken ihres Rappen konnten Leda und Abas sehen, dass jemand dem Burschen dessen Hose hinuntergezogen hatte. Ein junger Knecht gefiel sich darin, sich vor den jungen Fräuleins aufzuspielen und den wehrlosen Boreas mit dessen Ledergürtel zu schlagen. Lautes Gekicher war zu hören.

Angewidert stellte Leda bei genauerem Hinsehen fest, dass jemand dem Unglücklichen eine Rübe in den Hintern gerammt hatte. Für das Gesinde war das Spektakel ein großer Spaß. „Warum sagt die Tochter dieses Deimos nicht, wie es wirklich war?“ fragte Abas, dem Leda die Geschichte in der Taverne erzählt hatte. Leda brachte ihr Ross in Trab und antwortete: „Sie würde vermutlich ausgestoßen werden. Da wählt die Maid lieber die Alternative.“ Abas brummelte etwas, aber Leda hörte nur den Wind an ihren Ohren rauschen. Abas hörte noch, wie der Pöbel laut johlte, aber dann waren sie schon jenseits der Palisaden der Ansiedlung.

„Hoheit“, kündete Talos Diener den Besuch an: „Megara schickt Euch den Sonderbeauftragten Nyx mit einer sehr wichtigen und eiligen Meldung.“ Der Prinz, der sich gerade die dicken Finger vom Fett ableckte, schmatzte: „Wer stört mich bei den gebratenen Tauben? Was will der Mann? Ich kenne keinen Nix oder Nyx.“ Xeno machte ein dummes Gesicht. „Er ist Sonderbeauftragter von Königin…“ „Ja“, unterbrach Talos den Untergebenen unwirsch. „Dann bring ihn halt herein.“ Xeno verschwand hinter einem Vorhang, und kurz darauf kehrte er mit einem Mann zurück. Talos zuckte im ersten Moment zurück. Diese schwarz gewandete Gestalt machte einen unheimlichen Eindruck auf ihn. Hätte Xeno nicht von einer wichtigen Botschaft gesprochen, hätte Talos den Mann gar nicht empfangen.

„Was will er?“ fragte er pampig und griff nach seinem Weinkelch, ohne dem Gast etwas anzubieten. Nyx verbeugte sich nur leicht und zog seine Haube etwas zurück. Doch das Gesicht des Mannes ließ Talos noch mehr erschrecken: Eiskalte Augen betrachteten den Prinzen wie ein Reptil, dass seine Beute fixierte. „Die hohe Regentin schickt mich, mein Prinz. Ihr schwebt in großer Gefahr.“ Talos zuckte zusammen. „Was? Gefahr? Wieso? Ich?“ Der Abgesandte nickte ergeben. „Der königliche Seher sagt einen Mordversuch auf Euch voraus.“

Talos Hängewangen schlackerten ungläubig und ein Faden Speichel lief ihm vor Aufregung aus dem Mund. „Aber… Wer könnte so böse sein? Mein Volk liebt mich doch“, empörte er sich. Nyx Züge verkrampften sich kaum merklich. „Xeno“, rief Talos schrill aus voller Kehle. Der Leibdiener erschien sofort. „Ja, mein Prinz?“ “Schafft mir Hauptmann Kreon her! Rasch! Es geht um Leben und Tod!“ Nyx eiskalte Augen verkleinerten sich.

Wenige Augenblicke später erschien der Soldat in einem dicken Lederwams mit überlappenden Eisenscheiben. Talos berichtete aufgeregt und kurzatmig von der Neuigkeit. „Ihr müsst ab sofort ständig bei mir sein. Sollte mir nur ein Haar gekrümmt werden, wird Euer Kopf rollen.“ Kreon verneigte sich. „Jawohl, mein Prinz.“ „Gut“, sagte Talos, jetzt schon etwas beruhigter. Der Hauptmann gehörte zur Soldatenelite. In seiner Nähe fühlte sich der Prinz sicher.

Talos griff nach dem letzten Taubenflügel und stopfte ihn in den Rachen. Als er wieder zu Kreon blickte, sah er, wie der Hauptmann ihn glasig anstarrte. Talos schmatzte spuckend die Worte hervor: „Was siehst du mich so impertinent an, du…“ Der Rest blieb ihm, wie der gebratene Federvieh auch, im Hals stecken: Kreon sackte auf die Knie und fiel mit einem einzigen Klatsch flach aufs Gesicht. Ein kleines Messer steckte bis zum Heft in seinem Nacken. Talos kreischte schrill. Der Anblick des toten Hauptmanns hatte ihn in Todesangst versetzt. Was war hier geschehen?

Der dicke Prinz würde niemals erfahren, dass Nyx den Leibwächter blitzschnell ausgeschaltet hatte, und auch seinen eigenen Tod sah Talos nicht mehr kommen.
Mitten in seinem hysterischen Schrei verstummte er plötzlich und sah mit hervortretenden Augen auf seine fette Brust hinab, auf der sich ein roter Fleck ausbreitete. Nyx hatte Kreon bereits bei dessen Eintritt unbemerkt seinen Dolch abgenommen und nun auf den Thronfolger geschleudert. Die Klinge hatte sich tief in Talos Herz gebohrt.

Der Prinz hatte noch die Kraft, mit beiden Händen zitternd den Griff der Waffe zu umklammern, konnte sie aber nicht mehr hinausziehen. Mit einem lang gezogenen Stöhnen kippte er zur Seite und hauchte sein Leben aus. Eine bloße Backe seines voluminösen Hinterns war zu sehen, als das Gewand verrutschte - eine wahrlich unwürdige Position. In diesem Moment stürmten sechs Wachen in härenen Mänteln in das Zelt. Doch sie konnten entsetzt nur noch das Ableben des Thronerben feststellen.

Eine Stunde später saß Nyx bei Paladin Telamon. Der Kriegsfürst las aufmerksam zum bereits fünften Mal die königliche Nachricht auf der Pergamentrolle mit dem Wachssiegel der Megara, die Nyx bei sich gehabt hatte. „Niemals hätte ich Kreon diese ehrlose Tat zugetraut. Er war dem Königshaus seit vielen Jahren treu ergeben.“ Telamon schüttelte den Kopf. Nyx meinte ernst: „Leider kam ich zu spät. Sicherlich hätte unsere Königin den Mörder lieber lebend gehabt, um ihm für diesen abgrundtiefen Frevel zu häuten, aber ich musste schnell reagieren. Ich hatte gehofft, Kreon noch aufhalten zu können…“ Scheinbar betrübt brach Nyx ab.

Telamon fasste dem Sonderbeauftragten an die Schulter. „Ihr habt richtig gehandelt. Ich werde die traurige Nachricht sofort mit der Krähe zu Megara schicken.“ Nyx nippte an einem Zinnkelch. Wie süß der Wein schmeckte. Er war rot wie Blut und mundete wie Nektar. Telamon fertigte die Depesche an, steckte sie in eine winzige Rolle und rief nach einem Soldaten, der sie an einem Vogel befestigte. Als Nyx sich in sein Quartier verabschiedete, lehnte sich der Paladin auf seinem Stuhl zurück und grinste. Endlich war er diesen plumpen törichten Nichtsnutz von Prinzen los. Er musste sich nicht mehr mit dieser geballten Inkompetenz und Arroganz herumplagen. In der Armee der Regentin hatte man schon lange gemunkelt, dass Talos eines Tages solch ein Schicksal ereilen würde.

Im Palast der Megara langweilten sich einige Hofdamen bei der dargebotenen Harfen- und Flötenmusik. Viel lieber hätten sie sich mit jungen Edelmännern in ihren Gemächern fleischlich vergnügt. Die Ladys hatten eine Geheimsprache entwickelt, so dass sie auch im Beisein der Herrscherin von ihren Liebschaften schwatzen konnten. Eine Dame mit einer kecken Stupsnase erzählte von einem Hengst, den sie jüngst gekauft habe, und den sie nun einreiten wolle. Ihre Freundinnen wussten natürlich, dass sie verbotenerweise einen jungen Burschen aus dem Gesinde verführt hatte. War es der Stallbursche gewesen? „Du bist zu beneiden“, schwärmte eine junge Zuhörerin. „Ich hätte auch gerne so ein Ross. Oder noch besser ein Schoßhündchen.“

Bei ihrem letzten Wort sah sie auffällig zu Megaras Liebessklaven Kreios, der zu Megaras Füßen in seinem goldenen Keuschheitsgürtel hockte und scheinbar der Musik lauschte, wie seine Herrin auch. Megara trug heute eine edle und reich bestickte Robe mit Schleppe und ließ sich von zwei Sklaven, die nur einen Lendenschurz trugen, mit großen Palmenblättern kühle Luft zufächeln.

Eine andere Dame mit kunstvoller Turmfrisur und einem roten Seidenkleid schwelgte in Gedanken, wie sie mit ihren Freundinnen eine lustige Sklavenhatz im Lustgarten veranstaltete und die nackten und an den Füßen gefesselten Leibeigenen mit Peitschen von einer Stelle zur anderen trieb. Das wäre viel amüsanter als dieses Gedudel von Höflingen, denen sie am liebsten in ihre kleinen Gemächte treten würde, damit sie endlich still wären.

Als das Konzert beendet war, erschien eine Bauchtänzerinnengruppe in hauchdünnen Gewändern und präsentierte ihre Kunst. Megara war jedoch schnell gelangweilt und meinte zu Kreios: „Du solltest mittanzen. Vielleicht bringt mich das zum Lachen.“ Mit einer knappen Geste rief sie einen Wachmann und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Kurz darauf erschien der Mann mit einer kleinen Schatulle und überbrachte sie der Königin.
Megara holte daraus mehrere kleine Klammern, an denen Glöckchen angebracht waren.

Kreios musste vor ihr knien. Nun befestigte die Regentin an jede Brustwarze des Sklaven ein Glöckchen, dann an jedem Ohrläppchen eine, und schließlich klemmte sie noch drei Glöckchen an Kreios Männlichkeit. „Tanz für uns!“ rief Megara laut und schickte den Riesen in die Saalmitte auf den Marmorboden zwischen die Tänzerinnen. Als er nicht schnell genug reagierte, stieß ihm eine Wache einen Stab in seinen Bauch und drückte ihn weiter. Die Musik begann, und Kreios klingelte durch seine ungelenken Bewegungen wie ein Glockenspiel. Die Hofdamen und Edelleute lachten herzhaft über die ungeschickten Tanzversuche des ehemaligen Gladiators und zeigten mit den Fingern auf den Sklaven, der sich vor der Gesellschaft zum Narren machte.

Nach der Darbietung schlich sich Kreios mit gesenktem Haupt und puterrotem Kopf zurück vor Megaras Füße. Die Tyrannin befreite ihn nicht von den beißenden Klammern.
Doch war für den Sklaven der Gesichtsverlust viel schlimmer als die Pein auf seiner Haut.
Hatte er zuvor vielleicht noch einen Funken Würde gehabt, so war dieser nun endgültig erloschen. Als die Tanzgruppe aus dem Saal geführt wurde, griff plötzlich einer der Höflinge, der vor der Tür gewartet hatte nach dem Arm eines der Mädchen. „Komm her, ich bringe dich in mein Gemach, süße Maid.“ Doch die junge Frau mit den langen pechschwarzen Haaren wehrte sich entsetzt. „Nein, ich…“ Der Mann zerrte sie von den anderen weg und presste sie an seinen Körper. „Was ist? Willst du mir deine Gunst verwehren?“ Dann packte er ihren zarten Nacken und zwängte ihr einen feuchten Kuss auf.

Die Tänzerin zog ihre Fingernägel über die Wange des Höflings. Der Mann packte ihre Hände und bog sie ihr auf den Rücken. „Ei, was habe ich gefangen? Eine Wildkatze? Dich werde ich zähmen, mein Kätzchen.“ Er zerrte die Maid mit sich und verschwand in dem dunklen Gang, der zu seinem Gemach führte. Die anderen Frauen hatten die Szene erschrocken beobachtet und eilten nun schnell in ihre eigenen Gemächer, bevor sich andere Gecken sich ihrer bemächtigten.

Bald fand sich die Tänzerin in der Bettstatt des Edelmannes wieder und umschlang ängstlich die angezogenen Knie, nachdem der Entführer sie auf sein Lager geworfen hatte. Der Mann grinste fies und kam auf seine Bettgefährtin zu. Er riss ihr das Seidentuch vom Leib, so dass er den nackten wundervollen Leib betrachten konnte. Er leckte sich über die Lippen und nestelte an seiner Hose, um sein Gemächt zu ziehen. Die Frau wehrte sich mit Händen, Füßen und Zähnen, und als der Mann trotz allem in ihre Weiblichkeit eindrang, entfuhr ihr ein spitzer Schrei. Doch dann erlosch ihr Widerwille. Das Mannsbild stach wild in die Tänzerin unter ihm und beglückte sie mit seinem heißen Samen bereits nach wenigen Momenten.

Als er von ihr stieg, bliebe die Dame ruhig liegen und griff sich zwischen die Schenkel.
„Was ist das?“ fragte sie erstaunt und betrachtete seinen Saft. „Du warst Jungfrau?“ fragte er überrascht und gleichzeitig freudig. Die Maid nickte schüchtern. „Hast du mich zum Weibe gemacht?“ wollte sie wissen. In der nächsten Stunde liebten sich die Beiden erneut. Dieses Mal war der Höfling zärtlich und einfühlsam und beantwortete alle Fragen, die die Maid stellte. Schließlich war der Mann bereit, ein zweites Mal seinen Samen zu verschenken, als auch die Maid heiser stöhnte und zuckte. Kurz darauf kleidete sie sich wieder an, und mit einem langen Kuss verabschiedeten sich die Beiden voneinander. Das Weib hielt sich das Dekolletee zu, da der Saum weit eingerissen war. Sie eilte in ihr eigenes Gemach, um nicht gesehen zu werden.
23. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 09.06.18 13:02

Hallo Prallbeutel,
vielen Dank für die Fortsetzung,ich freu mich auf die nächsten Teile.
VG Alf
24. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 10.06.18 16:27

Leda und Abas ritten auf einen riesigen Obelisken zu. Er ragte steil in den Himmel. Als sie näher kamen, erkannten sie erst die wahre Größe des Bauwerks. Auf einem Sockel aus schwarzem Basalt, der alleine etwa zwölf Fuß hoch war, ragte der große Spitzpfeiler weitere 40 Fuß in die Höhe. Auch der Obelisk war aus schwarzem Gestein und bedeckt mit eingeritzten fremdartigen Runen. „Was sie wohl zu bedeuten haben?“ fragte Abas, aber auch Leda konnte die Zeichen auch nicht lesen.

Vor dem Sockel war eine Zisterne angelegt. Die beiden Reisenden sprangen vom Pferd und erfrischten sich an dem kühlen und klaren Wasser. Als sie gerade ihren Weg fortsetzen wollten, tauchten aus dem nahen Waldrand sechs Mönche in braunen Kutten auf, die sich mit kurzen knotigen Seilen den Rücken geißelten und Gebete murmelten. Abas staunte: „Warum schlagen sie sich?“ Leda erklärte ihm, dass einige Mönche der nordischen Götter so ihre Buße taten. „Sie tragen auch Dornengürtel um die Beine“, wusste sie aus einer Erzählung zu berichten. Abas sah den seltsamen Männern staunend nach.

„Schnell, wir müssen weiter“, sagte Leda plötzlich und stieg auf das Ross. Von weitem war Pferdegetrappel zu hören. „Es könnten Soldaten des Nördlichen Königreiches sein. Wenn sie uns sehen, greifen sie uns entweder an oder rekrutieren uns für ihre Schlachtreihen.“ Abas sprang hinter Leda in den Sattel, und schon lenkte die ehemalige Soldatin den Vierbeiner in ein nahes Gebüsch. Kaum waren sie darin verschwunden, tauchte hinter einem Hügel eine Schar gerüstete Reiter auf, die wie nordische Krieger aussahen. Und sie ritten genau auf die Beiden zu…

Die Räuber lachten rau über den hilflosen Lykos, der nur noch mit einer kurzen Baumwollunterhose bekleidet um Gnade bettelte. „Ich will sein Beinkleid“, rief ein Bärtiger lachend und zeigte mit seiner Schwertspitze auf Lykos Hüfte. „Bitte, edle Herren! So lasst mir wenigstens einen Lendenschurz, um meine Männlichkeit zu bedecken! Ich flehe euch an“, bat Lykos mit erhobenen Armen. Aber schon nahmen ihn zwei der Banditen in die Mitte und rissen ihm die Unterwäsche vom Leib. Grölend lachte die Bande, während einer der Männer die zerrissene Hose durch die Luft wirbelte wie eine Trophäe. Doch plötzlich erstarb das Gejohle und Gelächter. Die Männer starrten auf Lykos Keuschheitsgürtel.

„Schaut euch das da an! Der Bursche trägt einen Keuschheitsgürtel! Haha! Wer hat dich denn versklavt, Kerl?“ donnerte einer der Räuber. Zwei seiner Kumpane zogen und zerrten an dem eisernen Kleidungsstück, aber es ließ sich nicht abnehmen. „Bitte lasst mich gehen. Und gebt mir wenigstens ein wenig Stoff, um meine Scham zu bedecken. Ich flehe Euch an“, sprach Lykos zu dem Anführer.

„Mach, dass du zu deiner Herrin kommst“, grölte der Bärtige und kam drohend mit seinem Ross auf Lykos zu, der dem Pferd ausweichen musste, um nicht umgeritten zu werden und dabei das Gleichgewicht verlor und in eine modrige Pfütze fiel. Lachend trabte die Horde davon, Lykos ohne Habseligkeiten alleine im Wald zurücklassend.
„Bitte, mein Herr! Gebt mir meine Hose zurück. Habt doch Erbarmen! Lasst mir wenigstens meine Würde!“ rief Lykos und stolperte verzweifelt hinter den Reitern her. Aber die Bande drehte sich nur lachend im Sattel um und ritt galoppierend davon. Lykos knurrte: „Diese Scharte in meiner Ehre werde ich wieder auswetzen, sollte ich euch eines Tages wieder sehen! Das schwöre ich bei den Göttern!“

Abas und Leda waren vor Schreck zu Salzsäulen erstarrt: Die nordischen Soldaten ritten genau auf ihr Versteck zu! Keine größere Distanz, als ein Bursche einen Kirschkern spucken konnte, trennten sie noch… Abas schloss die Augen und sah sein Schicksal besiegelt. Hier und heute würde er sein Leben aushauchen. Doch er hatte nicht mit Ledas Einfallsreichtum gerechnet. Seine Gefährtin beschmierte schnell ihr Gesicht mit dem feuchten Waldboden und wies Abas an, ihr es nachzutun. Dann holte sie zwei Tücher aus der Satteltasche, band sie hastig Abas und sich um den Kopf und konnte noch gerade ein Stück eines roten Tuches zerreißen und eine lange schmale Bahn des Stoffes an einen Ast knoten, den sie in die Hand nahm, da stoppte die Reiterschar genau vor ihnen, während einer der Krieger mt kehliger Stimme rief: „Da sind zwei Gestalten hinter dem Buschwerk!“

Mehrere Soldaten legten ihre Armbrüste an. Auf ihren Rücken trugen die Kämpen stählerne Schilde. „Kommt raus!“ befahl eine dunkle raue Stimme eines gepanzerten Reiters. Leda flüsterte: „Lass mich sprechen!“ Die Zwei erschienen, ihr Ross ließen sie angebunden hinter dem dichten Blätterwerk. „Habt Acht!“ rief Leda und schwenkte den Ast mit der roten Fahne. „Die Pest!“ stieß einer der Reiter erschrocken aus und ließ sein Streitross einige Schritte rückwärts tänzeln. Das gewaltige Tier stampfte den staubigen Boden fest. Kaum konnte man sich vorstellen, dass dieses schwere Reittier in jungen Jahren ein zartes Füllen war.

Auch die anderen Kämpen waren von dem Zeichen der Aussätzigen beeindruckt und zogen sich zurück. „Wer seit ihr und wo wollt ihr hin?“ fragte der Anführer der Reitergruppe. Der Nordmann trug seinen langen Bart zu zwei Zöpfen geflochten, die jeweils von einem kleinen Metallring gehalten wurden. Sein Haar war an den Seiten geschoren, der restliche Schopf dafür umso länger. In seinem finsteren Blick lauerte Gier. Leda antwortete: „Sei auf der Hut mit deinen Mannen! Wir sind kranke Wandersleute und wollen nach Nordwesten zu den freien Gestaden, um einen Heiler aufzusuchen, der uns vom Schwarzen Tod erretten kann.“

„So dann!“ meinte der Soldat zurückzuckend. „Viel Glück dabei!“ Mit einer raschen Geste befahl er den Weiterritt. Bald schon war die Schar hinter einem Hügel verschwunden, und nur die staubige Luft und die Hufspuren zeugten noch von der Gefahr, die nun dank Ledas List gebannt war. Abas grinste: „Die Pest?“ Leda grinste zurück und wedelte mit ihrer roten Fahne.

Mehrere Tage vergingen. Die Reise führte Leda und Abas durch mehrere kleine Siedlungen, in denen sie nächtigten. In einer schmucken Taverne genossen sie frischen Honigmet, nahmen jedoch nicht an dem Saufgelage einiger Männer teil, die nach der wilden Orgie einer nach dem anderen an den grob geschnitzten Tischen einschliefen. Den Schankmädels war es nur recht, dass die groben Mannsbilder nicht mehr in der Lage waren, sich ihnen zu widmen.

Am nächsten Tag ruhten sich die Beiden in einer kleinen Waldlichtung auf einem dichten Moosteppich aus und liebten sich wie Mann und Frau. Sie waren glücklich und wollten die Zukunft gemeinsam verbringen. Doch fehlte noch ein wichtiger Aspekt, um den Göttern zu gefallen. Und als Leda im nächsten Ort einen Priester sah, besprach sie mit Abas eine wichtige Sache. Abas strahlte sie an: „Ja, meine Holde! Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen!“ Und noch am gleichen Nachmittag ließen sie sich von dem Ordensmann mit einem alten Ritual als Weib und Mann verbinden.

In der Nacht feierten sie ihren neuen Treuebund auf heißblütige Art. Ihre nackten Körper zitterten vor Verlangen und steigerten ihre Lust und Leidenschaft gegenseitig in ungeahnte Höhen. Experimentierfreudig wechselten sie die Stellungen und genossen das gegenseitige Vertrauen, die Zärtlichkeit des Partners und das wohlige Prasseln der Gefühle, das ihre Leiber durchflutete. Leda schlief schließlich in Abas Armen ein und erwachte dort wie ein kleines Kätzchen erst mit den warmen Sonnenstrahlen des nächsten Tages, die sie kitzelten.

Nyx wurde von Megara im königlichen Palast unter vier Augen empfangen und erhielt von der Regentin bei dem konspirativen Treffen einen großen Leinenbeutel mit Goldmünzen für seine Dienste. Der Assassin lächelte mit dünnen Lippen kalt und verbeugte sich höflich. Dann zog er sich zurück und eilte durch die Gänge des Herrscherhauses. Doch er hatte die letzte Tür noch nicht erreicht, als ihn ein Pfeil niederstreckte, der ihn in den Rücken traf und sein Herz durchbohrte. Stumm und mit ungläubigem Blick sank der Meuchelmörder mit flatterndem Umhang nieder. Der Beutel mit dem Judaslohn fiel ihm aus der Hand und öffnete sich: Klimpernd rollten die Münzen über den kühlen Marmorboden.

Ein pockennarbiger Wächter ließ seinen Bogen zögerlich sinken. Zwei weitere Gerüstete näherten sich dem Leichnam und schleiften ihn weg. Wenige Augenblicke später erschien der pockennarbige Schütze bei der Königin und erklärte steif, den Auftrag erfolgreich ausgeführt zu haben. Später fragte er sich, was es wohl mit dem Geheimbefehl auf sich gehabt hatte. Wer war der Mann gewesen, den die Königin töten lassen wollte? Und warum? Doch die Goldmünzen, die er von Megara erhielt, ließen seine Lippen schweigen. Zufrieden zückte er seinen Dolch und spießte einen Apfel auf, an dem er genussvoll knabberte.

Auch Megara war glücklich. Der Bastard war tot. Offiziell musste sie Trauer tragen. Doch innerlich frohlockte sie wie selten zuvor. Nyx hatte den Leichnam von Kreon, dem vermeintlichen Prinzmörder, mitgebracht. Megara befahl, den verräterischen Hauptmann aufzuspießen und vor dem Palast als Abschreckung auszustellen. Die Wachen rissen ihm die Kleider vom Leib und steckten ihm eine Lanze in den Hintern, stellten den Stab senkrecht auf, zerrten Kreon tiefer auf den Speer hinab und verlängerten den Stiel noch mit einem mehrere Schritt langen Pfahl, der in die Erde gerammt wurde. Bald schon würde der Kadaver von Fliegen bedeckt sein…

Lykos irrte noch immer durch den Wald, nur mit einem spitzen Ast bewaffnet, den er sich zur Jagd aus einem Baum gebrochen hatte. Bisher war er nur in der Lage gewesen, ein mickriges Kaninchen zu erlegen. Das kleine Fell sorgte wenigstens für einen Lendenschurz, aber das Fleisch hatte nur für zwei Tage gereicht. Mit knurrendem Magen durchstreifte Lykos den Wald nach Essen. „Schlimmer kann es im Hungerturm von Megara auch nicht sein“, murmelte er verdrießlich. Einige Zeit später fand er zwar immer noch kein jagdbares Tier, aber einen Strauch mit Beeren, die er pflückte und einige davon probierte. Sie schmeckten säuerlich, aber sie waren besser als nichts.

Anschließend traf er auf einen schmalen Pfad, dem er folgte. Nach mehreren Meilen erreichte er einen breiteren Weg, den er nun endlang lief. Er fragte sich resignierend, ob er die Soldatin, die ihn in den Keuschheitsgürtel gesperrt hatte, jemals wieder sehen würde. Ihre Spur hatte er längst verloren. Nach einer Stunde sah er in der Ferne dünnen Rauch aufsteigen. Eine Kolonie, wie er vermutete. Lykos genierte sich ein wenig, nur mit dem Kaninchenfell bekleidet, aber was sollte er tun? Er musste in die Siedlung und um Hilfe bitten. Er brauchte Kleidung, ein Pferd, etwas zu essen und zu trinken und ein Bett. Und einen Waschzuber. Und Waffen…

Wer würde ihn mit all dem eindecken? Er hatte doch keine Münze mehr. Lykos seufzte. Aber ein Versuch war es wert. Vielleicht könnte er für die gewünschten Dinge arbeiten. Der Empfang im Dorf war schlimmer, als Lykos erwartet hatte. Er musste sich gegen eine Horde Jünglinge wehren, die ihn umtanzten und mit faulem Obst und Kieselsteinen bewarfen und als Bettler und Abschaum beschimpften. Sah er so schlimm aus? Lykos warf zurück und lief hinter einem besonders dreisten Jüngling her, aber die Überzahl der jungen Männer, die ihn umsprangen, war zu groß. Widmete er sich einem der Plagegeister, wurde er von hinten oder den Seiten von anderen beworfen, geschlagen oder geschubst.

Lykos flüchtete durch die Straße, verfolgt und gehetzt von der Horde übermütiger Jungspunde, die nach ihm griffen und schnappten wie ein hungriges Wolfsrudel. Plötzlich stoppten die Verfolger, als eine laute Stimme vor Lykos ertönte: „Verschwindet, ihr Dreckspack! Macht, dass ihr wegkommt! Oder ich hetzte den Hund auf euch!“ Lykos sah vor sich eine mit roten Schindeln gedeckte Hütte, in deren Tür ein Mann stand. Die Arme hatte er vor seiner breiten Brust verschränkt, machte aber eine freundliche Miene, wenn das überhaupt mit dem schwarzen Bart möglich war. „Kommt herein, guter Mann.“ Lykos wischte und rieb sich den Dreck ungelenk vom Körper und folgte dem Unbekannten in seine Behausung. „Seit ihr Opfer der Brut?“ fragte er. Lykos wusste nicht, was der Mann meinte und sah ihn fragend an. „Räuber. Banditen. Finstere Gestalten, die meucheln, morden, brennen und plündern. Berittene Söldner, die es auf einsame Wanderer abgesehen haben. Ihr seht aus, als habe man euch nicht viele eurer Besitztümer gelassen und euch bitter mitgespielt“, lachte der Mann heiser.

Lykos erzählte von dem Raub. „Setzt euch erst einmal“, zeigte der Mann einladend auf einen gepolsterten Stuhl aus Korbweide. „Habt ihr Hunger und Durst?“ Lykos bejahte. Die ganze Zeit hatte er schon einen herrlichen Duft in der Nase. Ein Vorhang aus Leder im hinteren Bereich des Raumes schob sich zur Seite, und eine wunderhübsche Frau erschien. Sie trug ihre langen blonden Haare zu zwei dicken Zöpfen geflochten über der Brust und war ganz in Wildleder gekleidet, das sich an ihren femininen Leib schmiegte.

Der Gast sah sie staunend an. In Megaras Reich trugen die Frauen ausschließlich Seidengewänder. Es sei denn, sie hatten sich dem Kriegsdienst verdungen. „Mein Weib Kreta“, stellte er die Schönheit vor. Lykos musste sich sehr beherrschen, um Kreta nicht weiterhin anzugaffen wie ein sabbernder Idiot. Der Exsoldat wäre auch ohne Keuschheitsgürtel beim Anblick dieser heißen Lenden selbst entflammt wie ein lodernder Flächenbrand. Aber mit seiner eingesperrten Lust, die kaum noch zu bändigen war, wurde es zur fast unmöglichen Aufgabe. Er musste ein Aufstöhnen unterdrücken.

Bei einem opulenten Festmahl - so kam es Lykos zumindest vor - und reichlich Honigwein genoss er die Gastfreundschaft des Mannes namens Rhodos. Bald gesellten sich noch Freunde des Hausbesitzers dazu, und in feiernder Runde hätte Lykos sein Schicksal fast vergessen, wäre da nicht Kreta gewesen, die auffällig seine Nähe suchte und auch fand.
Bald schon drückte und quälte Lykos sein eingesperrter Luststab immer mehr. Am liebsten wäre er sofort über Kreta hergefallen, um seine grausame Abstinenz zu beenden, doch wie sollte er das tun, als Träger eines Keuschheitsgürtels?

Der riesige Lustsklave der Tyrannin hatte das gegensätzliche Problem: Megara forderte ausgiebige Liebesspiele und überforderte selbst den potentesten Krieger mit ihrem Verlangen. Nach der Zeit im goldenen Keuschheitsgürtel war Kreios froh gewesen, endlich seine Männlichkeit wieder spüren zu dürfen. Aber die Regentin hatte vor lauter Gier sein Gemächt vollständig geleert und immer noch nicht ihre Lüsternheit befriedigt.
„Du Schlappschwanz!“ hatte sie den Ermüdeten beschimpft und mit ihrer Hand auf den großen Phallus eingeschlagen. „Bin ich dir nicht schön genug?“ fragte sie vorwurfsvoll. „Warum wächst dein Liebesschwert nicht mehr?“

Kreios sah sie hilflos an. Jeder Erklärungsversuch wurde sofort unterbrochen. „Geschwätz!“ keifte sie. „Entweder du wirst hart, oder du bekommst die angemessene Bestrafung wegen Majestätsbeleidigung!“ Kreios war verzweifelt. Was konnte er tun? Leider nichts. Nach fünf anspruchsvollen Ritten war er am Ende seiner Fähigkeiten angelangt. Egal, wie sehr er sich bemühte, ließ sein fleischlicher Krieger ihn im Stich. Megara rief nach ihrem Leibdiener und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Mit einem schadenfrohen Grinsen sah der Lakai Kreios an und verschwand, nur, um bald mit zwei kräftigen Wachmännern zu erscheinen, die den königlichen Schoßhund in Megaras Bad brachten, wo ein großes Wasserbecken zu ihrer Entspannung bereit stand. Doch heute sollte hier eine Bestrafung stattfinden.

Kreios, wieder in seinen goldenen KG geschlossen, erhielt eine Kette um die prächtigen Hoden. Ein Wächter stieg mit dem anderen Ende ins Becken und tauchte. Plötzlich spürte Kreios den Zug auf dem metallenen Seil und wurde an den Rand des Beckens gezwungen. Schließlich stieg er ins Wasser, denn die Fessel wurde immer kürzer. Megara sah zufrieden nickend zu. Kreios hielt sich inzwischen schwimmend in der Mitte des Beckens auf. Genau unter ihm endete die Kette in einem Ring am Beckenboden in etwa zehn Fuß Tiefe. Der Taucher durchbrach tief einatmend die Wasseroberfläche und schwamm zum Beckenrand, wo er ausstieg.

Megara machte es sich auf einem Diwan bequem und sah dem auf der Stelle schwimmenden Kreios zu. „Jetzt wollen wir sehen, ob deine Ausdauer wenigstens auf dem Wasser besser ist“, lachte sie schallend. Es war offenbar ein Zeichen für die jungen Hofdamen, das Bad zu betreten. Kichernd und auf Kreios zeigend, versammelten sich die Ladys um das Becken und tuschelten miteinander. Fröhliches Gelächter hallte durch den hohen Raum mit der verzierten Gewölbedecke, während Kreios allmählich Arme und Beine schwer wurden. Aufsteigende Panik konnte Kreios nur schwierig unterdrücken.
Und mit jeder Minute wurde es unmöglicher. Der Beckenrand war für ihn wegen der kurzen Kette nicht erreichbar. „Bitte! Majestät! Habt Erbarmen mit Eurem Sklaven! Lasst Gnade walten! Oder Euer Sklave säuft elendig ab!“

Die Bitte sorgte nicht für Mitleid sondern für ausgelassene Heiterkeit. Statt Kreios zu retten, trippelten die Hofdamen an einen Rand des Beckens und holten einen mehrere Ellen langen Holzstiel mit einem Haken am Ende, tauchten diesen ins Wasser und zielten mit dem Haken um ein Glied der Kette, drückten den Stiel nach unten, und kicherten albern, als Kreios untertauchte und nach Luft schnappte, weil seine Männlichkeit ihn weiter unter Wasser zog. „Hilfe!“ rief Kreios und wedelte mit den Armen in der Luft. Mehrfach tauchte er unter, kam wieder nach oben, doch dann drückten die Damen den Stiel so weit sie es vom Rand aus konnten nach unten, und ließen ihn in dieser Position.
Der Sklave war untergetaucht, versuchte mit Armen und Beinen an die Oberfläche zu schwimmen, aber der Widerstand war zu groß. Bald wurde ihm die Luft knapp…

Abas und Leda ritten weiter Richtung freies Westland. Bei einem Gehöft rasteten sie, hobbelten die Vorderbeine des Tieres, ließen es saufen und kauften dem Knecht duftenden Rehbraten ab, den er über einem Steingrill röstete, aus dem die Funken nur so flogen. Dazu erhielten sie jeder einen Krug Dünnbier, der ihnen nach der anstrengenden Reise sehr gut mundete. Der Knecht wollte wissen, ob die Gerüchte über einen bevorstehenden Kriegszug nach Norden stimmten. Leda bejahte und berichtete von dem, was sie wusste.

Eine Stunde später durchritten die Zwei eine Hügellandschaft mit saftigen Wiesen. Ein Nieselregen durchnässte die Beiden und das Ross. Für die feuchte Kleidung entschädigte sie ein wunderschöner Regenbogen, der sich bunt über den gesamten Himmel zog. Als die Sonne wieder kam, trockneten die Reiter schnell, und erreichten ein Feld aus dicken Felsen. „Sieh mal“, rief Leda und zeigte mit dem Arm nach vorne. Abas sah den blauen Horizont: Sie hatten das Große Meer erreicht, dass sich im Nordwesten am Rande des Kontinents erstreckte. So viel Wasser hatten sie beide in ihrem Leben noch nie gesehen.

„Jetzt brauchen wir uns nur noch an der Küste zu halten und weiter nach Norden zu reiten“, erklärte Leda, „dann erreichen wir das freie Westland, in dem uns eine neue Zukunft erwartet.“ Leda spornte den Vierbeiner an. Weit ausgreifend beschleunigte das Pferd das Tempo. Die Luft roch salzig nach dem Ozean. Am Ufer war ein breiter Streifen Strand zu sehen. Als sich die Reisenden im Sand niederließen, um zu rasten und ihren Proviant über einem kleinen Feuer zu erwärmen, überraschte Abas seine Holde mit einem selbst gefangenen Fisch, den er in Ufernähe mit einem Pfeil aufgespießt hatte. Bald schon duftete der gebratene Meeresbewohner herrlich und mundete ihren Gaumen noch köstlicher.

Zur gleichen Zeit befreite ein Wachmann den armen Kreios aus seiner misslichen Lage.
Literweise hatte der Sklave Wasser verschluckt und um sein Leben gekämpft, und schließlich hatte Megara dem grausamen Spiel der Hofdamen ein Ende gemacht. „Heute Abend wird es etwas noch Unterhaltsameres in der Arena geben. Das verspreche ich euch. Es wird euch gefallen“, verkündete die Regentin. Aufgeregt klatschten die Damen in die Hände und konnten es kaum noch erwarten.

Endlich war es so weit: Nach der obligatorischen Show der Artisten, Narren, Tierbändiger, Tänzerinnen, Messerwerfer und Feuerschlucker präsentierte ein Herold mit ausgebreiteten Armen: „Hohe Majestät, werter Königshof, verehrte Edelleute. Heute werden wir ein Wettrennen der besonderen Art erleben, dass besonders den Damen gefallen wird.“ Und tatsächlich sollten die Ladys vor Aufregung und Begeisterung kreischen und rufen, als acht Sklaven in die Arena gebracht wurden, die jeder an einem etwa mannslangen Seil einen Stein von ungefähr zwölf Pfund hinter sich herzogen - das andere Ende des Seiles war unterhalb ihres Luststabes an gewisser empfindlicher Stelle befestigt.
25. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 10.06.18 18:21

Servus Prallbeutel,
vielen Dank für diesen Teil, ich freu mich schon auf die nächste Folge.
VLG Alf
26. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 18.07.18 20:04

Megara sah zu ihrer Befriedigung, dass die jungen Damen bereits Wetten abschlossen, welcher Sklave wohl der Schnellste, wer der Langsamste werden würde. Kreios kniete vor Megaras Füßen und zitterte noch vor Erschöpfung, denn das stundenlange Schwimmen hatte ihn sehr entkräftet. Wenn die Herrin heute Nacht erneut so ausdauernd seine Manneskraft fordern würde, konnte er für nichts garantieren. Und sein Versagen wäre vermutlich sein Todesurteil… Er hörte die ihn umgebenden Laute nur wie durch dicke Watte: die Jubel- und Anfeuerungsrufe der Ladys, die Schmerzensschreie der Leibeigenen.

Lykos drehte sich alles. Er hatte zu viele Krüge mit dem süßen Met getrunken. Aber irgendwie bekam er noch mit, wie die schöne Kreta seine Hand in ihren Ausschnitt steckte, wie er plötzlich die weichen und wohl geformten Brüste spürte, wie sein Gesicht in ihr Dekollete gedrückt wurde… Dann fiel Kreta lachend nach hinten, und Lykos fand sich über dem hübschen Weib wieder. Im letzten Moment beherrschte er sich und erhob sich wieder, zog Kreta in sitzende Stellung und sah verschämt zu Rhodos, ihrem Manne, der aber offenbar ebenfalls zu tief in den Weinkelch geschaut hatte und mit nach vorne gesunkenem Kopf vor sich hindöste und dabei schnarchte.

Erst jetzt bemerkte Lykos, dass bereits viel Zeit vergangen sein musste. War er selbst auch eingenickt? Auf jeden Fall waren die Gäste alle verschwunden. Von hinten schlängelte sich eine Hand in seinen Wams, tiefer und tiefer, dann griff Kreta um seine Hüfte und umschlang sein Gemächt, besser: Sie wollte es ergreifen. „Was ist das?“ fragte sie erstaunt, als sie auf das Metall stieß und öffnete unverhohlen die Hose des Soldaten, bevor dieser es verhindern konnte. Lykos war es sichtlich peinlich und stieß sie weg, aber Kreta ließ nicht locker. Und ihr heißes Temperament und ihre lodernde Weiblichkeit zwangen Lykos bald zur Aufgabe. Er hielt seine Hände an den Seiten, damit sie auf seine Lenden schauen konnte. „Das“, sagte er, „ist ein Keuschheitsgürtel.“

Er erzählte ihr allerdings nicht die wahre Geschichte, sondern änderte den Inhalt ein wenig: “… und als ich bewusstlos war, steckten die Brüder mich hinein, weil sie neidisch auf meine Schönheit und männliche Stärke waren...“ Kreta hing ihm an den Lippen und glaubte offenbar jedes Wort. „Du Armer! Dann bist du ja deiner Männlichkeit beraubt!“
Lykos knirschte mit den Zähnen und brummte grimmig etwas Unverständliches. Kreta streichelte ihn und ertastete in seiner Hose die freiliegenden Kugeln seiner Mannhaftigkeit. Lykos stöhnte auf. „Oh, Kreta, lass es. Beraube mich nicht meines Verstandes. Du bringst meine Lenden in feurigste Glut!“

Kreta zog den Gast grinsend einige Schritte zu einem Vorhang und verschwand mit ihm dahinter. Bald war lautes Stöhnen der Frau zu hören, doch ihr Gemahl Rhodos schlief tief und fest seinen Rausch aus. Gequältes Seufzen von Lykos unterbrach Kretas vergnügliche Laute: „Bitte nicht. Lass mich doch. Es… Oh, Kreta! Du Wunder der Schöpfung! Bist du von den Göttern entsandt... Nein! Ich… Oooooh! Wenn dieser verfluchte Gürtel nicht wäre…“ Kreta hauchte erregt: „Kennst du die Kunst, deine Zunge zu gebrauchen?“ Lykos unterdrückte krampfhaft ein Jammern. Aber die Blöße wollte sich der Krieger nicht geben. Er wusste von der Liebestechnik, doch hatte er sie noch nie praktiziert. Warum auch? Frauen waren doch dazu da, um den Mann zu beglücken, und nicht umgekehrt! Aber seine Begierde war so angestaut, so groß und stark, dass er Kretas Wünsche sofort erfüllen wollte. Auch, wenn er dadurch seine Gier nach mehr nur noch weiter anfachen würde…

Kreta war beinahe unersättlich. „Ich will noch mehr von deiner Zunge!“ verlangte sie immer wieder. Lykos hatte ihr schon vier oder fünf Mal das höchste Glücksgefühl gebracht, doch die Schönheit war offenbar völlig ausgehungert und wollte mehr und mehr. Sie führte seine Zunge an die richtigen Stellen und stöhnte, juchzte, wimmerte vor schwelendem Glück. Lykos wurde fast wahnsinnig vor Begierde, und mit jedem lauten Aufstöhnen der prachtvollen Anmut wurde es schlimmer und schmerzhafter… Endlich war Kreta vollständig befriedigt und schlief mit einem zufriedenen Lächeln ein, während Lykos schnell aus dem Haus lief und sich auf der anderen Straßenseite in eine Tränke mit kaltem Wasser setzte, um die Hitze seiner Lenden einigermaßen zu beruhigen.

Welche Erniedrigung! Und ausgerechnet jetzt erschien eine Gruppe junger Leute auf der Straße und kam lachend auf ihn zu. Lykos war sich erst in diesem Augenblick schlagartig klar, dass er bis auf seinen Keuschheitsgürtel nackt in einer Tränke saß! Schnell sprang er auf und flüchtete wieder Richtung Haus. Doch zwei flinke etwa 18 Lenze alte Burschen stellten ihm ein Bein, so dass Lykos der Länge nach in den Dreck fiel. Sofort sah sich der Soldat umringt von der jungen Bande, und drei Jünglinge knieten sich respektlos auf seinen Rücken und drückten auf den Boden. Dann hörte er hinter sich helles Gekicher von mehreren jungen Frauen. Die Gören kamen näher, und plötzlich zuckte Lykos auf, als sei er von einer Hornisse gestochen worden, denn er spürte mehrere zarte Hände an seinem Samenbeutel.

„Finger weg! Lasst mich in Frieden!“ brüllte er auf, doch die Hände spielten, kneteten und zupften schamlos an seiner Männlichkeit, während die jungen Mannsbilder ihn in den Staub drückten. Noch von Kretas Liebesspiel bis aufs Äußerste erregt, brachten ihn die erneuten Berührungen letztlich über den erträglichen Punkt, so dass seine Rute sich gegen seinen Willen im KG ergoss, obwohl sie niemand angefasst hatte. Laut stöhnend durchzuckte es Lykos, als er seine Lust hinaus rief. Vor Scham war sein Kopf puterrot geworden. Im ersten Moment war die Bande der jungen Leute irritiert, doch wussten sie alle trotz ihres jungen Alters bereits, was es mit der „spuckenden Schlange“ eines Mannes auf sich hatte.

Weiteres Gekicher folgte, und die Jünglinge verspotteten ihr Opfer grausam. Tief gedemütigt lief Lykos zurück in das Haus von Rhodos und Kreta. Schnell schlug er die schützende Tür zu und verriegelte sie. Als er sich umdrehte, sah er Rhodos, wie er sich mit einem dicken Knüppel aus Holz ihm näherte…

Die Sklaven hatten sich in der Arena in einer Reihe aufgestellt. Die schweren Gewichte hinter ihnen waren mit Seilen an ihren Hoden verbunden. Nun erschienen die „Antreiberinnen“: Die ausgewählten Hofdamen wurden von den Rängen mit lautem Applaus begrüßt. Jede der Damen trug einen Dreizack, mit dem sie „ihren“ Sklaven antreiben würde. Auf den Rängen schauten die Edelleute gebannt zu. Sie hatten Wetten um Gold und Silber abgeschlossen, welcher Sklave welchen Platz erzielen würde.

Der Gewinner erhielt eine hohe Summe. Doch die Verlierer hatten „Strafen“ einzulösen.
So würde eine junge Dame beispielsweise den Wärter des Sklavenkerkers bezirzen müssen, um ihn zu bestechen, dann unter den Augen von mindestens drei Zeugen einem Sklaven den nackten Hintern präsentieren und ihn auffordern, diesen anzufassen. Daraufhin würde sie mit Hilfe des Wärters dem „unsittlichen“ Sklaven ein Motiv ihrer Wahl auf den Allerwertesten tätowieren. Tinte und Messer waren nicht schwer zu besorgen gewesen. Schon früher hatten die jungen Damen so manchen Scherz mit den Sklaven getrieben, ihnen Sprüche oder lustige Zeichnungen auf ihrem Fleisch verewigt.
Vielleicht male ich ihm ein Schwein, überlegte die Hofdame in Vorfreude und dachte: „Hoffentlich verliere ich und gewinne damit die Strafe!“

Eine andere Lady hatte als Wetteinsatz eingewilligt, sich von einer Sklavenzunge befriedigen zu lassen. Natürlich würde auch dafür ein Wärter bestochen werden müssen. Der Sklave musste dazu mit verbundenen Augen auf dem Rücken am Boden angekettet sein. Unter viel Gelächter und Gekicher würden ihre Freundinnen zuschauen und beobachten, wie die Männlichkeit des Sklaven wuchs und wuchs…

Eine weitere Edeldame erwartete folgende „Strafe“: Wenn sie mit ihrer Wette daneben lag, musste sie sich zwischen zwei Sklaven stellen und deren Männlichkeit reiben, bis einer der Beiden seinen Samen versprühte. Anschließend würden die Sklaven natürlich direkt wieder in ihre Keuschheitsgürtel gesperrt, so wie die Königin es angewiesen hatte.

Auf Megaras Zeichen starteten die Sklaven. Sofort spannten sich die Seile, und die Athleten verzogen ihre Gesichter schmerzhaft, was auf den Rängen lauten und frohen Jubel auslöste, und den Dreizack zum Einsatz brachte, der sich in die saftigen Kehrseiten der nackten Männer grub, um sie zu motivieren, fester zu ziehen. Trotz des Ansporns ging es nur gemächlich vorwärts, und noch waren alle auf einer Höhe. „Wie sehr sich so ein Gemächt dehnen kann“, lachte eine Edelfrau und zeigte auf die gespannte Haut in der Beingabelung eines der Sklaven.

Bald verschob sich das Feld der Läufer, zwei der Sklaven entwickelten sich zu Favoriten, während die Hofdamen der Zurückbleibenden fester und wilder mit ihren Spießen zustachen, doch scheinbar waren die Sklaven an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Eine Antreiberin hatte besonderes Pech: Sie trat aus Versehen auf das Gewicht ihres Leibeigenen, so dass er aufquiekend auf der Stelle trat und daraufhin auf alle Viere sank und laut jammerte. Aber einige kräftige Stöße mit dem Dreizack brachten ihn wieder auf die Beine, doch der Vorsprung der Anderen war nun uneinholbar geworden.

Als die Platzierungen feststanden, wurde der einen oder anderen Hofdame doch etwas mulmig zu Mute, während ihre Freundinnen sie auslachten: „Strafe! Strafe! Strafe!“
Morgen würde so mancher Streich im Hofe der Megara für viel gute Laune sorgen… Doch zunächst ging das Programm des heutigen Spektakels weiter: Die langsamsten drei Sklaven durften auf Talos Spezialsitz Platz nehmen. Unter schadenfrohem Lachen von den Rängen bohrten sich schleichend aber unaufhaltbar die dicken Zapfen in die Kehrseiten der Verlierer.

Eine junge Lady meinte zu ihrem Geliebten: „Der da links hat großes Pech gehabt. Er wäre bestimmt unter den Ersten gewesen, aber Athena konnte ja nicht aufpassen, wo sie hintritt!“ Ihr Freund zog sie zu sich und schnurrte ihr ins Ohr: „Lass uns noch ein wenig an den Schreien der Sklaven ergötzen. Und dann trage ich dich in mein Gemach und zeige dir, dass auch ich einen solch gewaltigen Zapfen habe, wie er an Talos Strafsitz angebracht ist…“ Belustigt lachte die Lady auf und küsste ihren holden Angebeteten. Sie konnte es kaum erwarten, zwischen die Seidentücher zu tauchen, um sich mit ihm zu vereinen. Nach den Arenaspielen war sie immer so feucht zwischen ihren Schenkeln…

Als Megara sich wieder zurückgezogen hatte, schickte sie ihren „Schoßhund“ Kreios fort. Nachdem seine Männlichkeit ihr nicht mehr genügte, überlegte sie, welche Verwendung sie noch für ihn hatte. Vielleicht sollte sie ihn wieder in die Manege schicken. Aber nun waren ihre Gedanken zunächst bei dem Besuch, der sich angekündigt hatte: Ihr Seher hatte in seiner Kristallkugel eine Vision gehabt, die er der Regentin unbedingt mitteilen musste. „Also“, sprach Megara, „was habt Ihr so wichtiges gesehen? Sprecht!“

Der Alchimist trug seine langen weißen Haare bedeckt unter der Kapuze seines langen Mantels, der mit sonderbaren mystischen Symbolen bestickt war. Er verneigte sich tief. „Verehrte Hoheit! Euer Königreich ist in großer Gefahr. Zwei Verräter werden Euch eines nicht fernen Tages vom Thron stoßen.“ Megara fragte hellhörig: „Zwei Verräter? Ich verstehe nicht.“ Der Seher erklärte: „Ich konnte ihre Gesichter in meiner Kugel nicht erkennen. Aber es müssen zwei Personen aus Euren Reihen sein, die sich auf die Seite des Feindes schlagen und mit einem mächtigen Heer eines Tages in Euer Land eindringen werden.“

Megara rümpfte die Nase und fragte empört: „Wer sollte das sein? Mein Paladin? Oder etwa einer meiner anderen Kriegsherren? Oder jemand aus dem königlichen Hofe?“ Der Seher schüttelte langsam den Kopf. „Nein, Majestät. Es sind zwei unbedeutende Kreaturen. Eine Deserteurin und ein entflohener Sklave.“ Megara lachte humorlos auf: „Ha! So ein Unsinn! Was soll solch niederes Gewürm mir schaden? Seit Ihr noch bei Sinnen, oder haben Euch Eure Kräuterdämpfe das Gehirn verraucht?“

Der Seher sog schmatzend Luft zwischen seinen faulen Zähnen ein und verneigte sich erneut. „Edle Megara! Ich kann Euch nur verkünden, was ich in der Kugel gesehen habe. Eine Soldatin und ihr Geliebter reiten nach Norden.“ Die Regentin winkte ab: „Also gut. Wirkt einen Zauber, so dass die beiden Abtrünnigen tot umfallen.“ Der Seher verzog sein Gesicht. „Werte Königin! Das ist mir leider aus der Entfernung nicht möglich. Aber einen Bann kann ich über sie legen, so dass sie mit Blindheit oder Taubheit gestraft sind. Oder ihre Beine lahm werden, oder…“

Megara hob eine Hand, um den Weissager innehalten zu lassen. „Sagtet ihr: eine Soldatin und ihr Geliebter?“ Der Seher nickte. „Ja, Euer Hoheit!“ Die Despotin winkte den Mann näher und flüsterte: „Könntest Ihr auch…“ Der Seher musste noch näher kommen, um die Regentin zu verstehen. Sein Ohr berührte fast die roten Lippen der Herrin, die ihm die Worte wispernd zuflüsterte. Seine Augen wurden groß, und er musste schlucken. „Ja, edle Megara. Wenn dies Euer Wunsch ist, so kann ich solch einen Bann wirken.“ Megara lehnte sich zufrieden zurück. „Gut. So tut es! Ihr dürft Euch entfernen.“
Der Seher verbeugte sich tief, klappte den hohen Kragen seines Umhanges nach oben und verließ rückwärts den Thronsaal der Herrscherin.

Abas und Leda ritten an der Küste des großen Ozeans entlang. Der feine Sandstrand war einem felsigen Untergrund gewichen, der die Reisenden auf einem steilen Pfad auf einige wild umtosten Klippen empor führte. Mittlerweile war das leicht aufgewühlte Wasser mehr als 150 Fuß unter ihnen, und Abas getraute sich kaum, in den steilen Abgrund zu schauen. Leda schien sich nichts daraus zu machen, denn sie leitete das Pferd nah am Abbruch entlang, weil dort der Pfad weniger Geröll aufwies. - Welches vermutlich durch den böigen Wind längst in die Fluten gestürzt war, ging es Abas durch den Kopf und sah sich bereits in die Tiefe fallen und versinken. Plötzlich stoppte Leda das Ross. „Sieh mal“, rief sie gegen den pfeifenden Wind an und zeigte schräg nach vorne.

Abas erkannte einen jungen Mann, der mit einem Kurzschwert gegen eine monsterartige Bestie kämpfte und immer weiter zurückgedrängt wurde. Leda und Abas kannten diese Art von riesiger Kreatur nicht. Sie trug dicke spitze Schuppen wie einen Panzer, hatte ellenlange Zähne im geifernden Maul und konnte sich auf zwei Beine erheben. So erreichte sie eine Größe von fast zehn Fuß. Lautes und tiefes Gebrüll mit Zischlauten kam aus ihrem gewaltigen Maul.

Der Jüngling, der von der Bestie in eine Felsnische gedrängt worden war, blutete bereits an mehreren Stellen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis das Monster ihn zerfleischen würde… Leda zog gedankenschnell einen Pfeil auf ihren Bogen und zielte. Schnell schoss der Bolzen gegen die Panzerschuppen, doch er prallte zu ihrem Entsetzen wirkungslos ab. Jetzt drehte sich das Raubtier wütend um und brüllte so laut auf, dass Abas dachte, ein Donner wäre aufgezogen. Die Bestie trottete auf Leda zu, das Maul brüllend und geifernd weit aufgerissen, die Tatzen der Vorderläufe schwangen mit ihren langen messerscharfen Krallen durch die Luft, als wolle sie damit die lästige Angreiferin von dieser Welt tilgen.

Das Pferd der Gefährten wieherte panisch und bäumte sich auf, riss sich los und galoppierte angsterfüllt davon. Abas zog sein Schwert. Es wirkte gegen das gewaltige Untier wie ein Zahnstocher. Leda spannte einen neuen Pfeil ein. Je näher das Monster kam, desto kleiner kamen sich Leda und Abas vor. Abas spannte seinen ganzen Körper an und erwartete den sicheren Tod.

Als die Bestie nur noch wenige Schritte von ihnen entfernt war und zum mordenden Sprung ansetzte, schoss Leda ihren Pfeil und traf genau eines der reptilienartigen Augen.
Die Kreatur jaulte auf und kippte um… Ihr Kopf landete krachend auf dem Felsboden, nur einige Zoll entfernt von Abas, der einen Satz zur Seite machte und mit beiden ausgestreckten Armen das Schwert vor sich hielt.

Leda zog sicherheitshalber ihr Schwert, doch das Wesen aus der Unterwelt war offenbar tot. Der Pfeil war direkt ins Gehirn des Scheusals gedrungen und hatte sein Lebenslicht ausgelöscht. Der Jüngling kam herbei gesprungen. Er trug einen edlen Umhang aus Pelz und darunter ein Gewand aus feiner Seide. Seine Stirn schmückte ein besticktes Band mit dem Wappen des Nordkönigs.

„Ich danke Euch“, sagte er. „Ihr habt mein Leben gerettet! Wer seit ihr kühnen Leut?“ Leda und Abas stellten sich als Wanderer vor. „So folgt mir zum Hause meines Vaters. Er wird euch reich belohnen. Ihr seit meine Gäste, so lange ihr es wünscht.“ Schnell hatte der Königssohn namens Rodin ihr Pferd eingefangen, und die Reise zur Herrscherburg des Nordreiches konnte beginnen.

Während der Heimreise sollten die Beiden noch mehrmals über den gewandten Jüngling staunen: Er war ein exzellenter Reiter, ein zielsicherer Bogenschütze und hervorragender Schwertkämpfer. Nur Leda beherrschte Pfeil und Bogen noch ein wenig besser. Abas fiel ein Stein vom Herzen. Nun waren sie definitiv vor Megaras Schergen sicher und konnten im Nordland ein neues Leben beginnen…

Lykos sah noch den Holzknüppel heransausen und hob abwehrend die Arme, doch das Schlaginstrument holte ihn brutal von den Füßen. Wieder und wieder prügelte Rhodos wie von Sinnen auf den Exsoldaten ein. „Du Hurenbock! Du hast mein Weib geschändet!“
Der Beschuldigte wimmerte am Boden und flehte um Gnade. Eine Gegenwehr war völlig ausgeschlossen. Der nächste Schlag konnte ihm sämtliche Knochen und Rippen brechen oder den Schädel einschlagen, und Lykos kniff die Augen zusammen.

Doch der nächste Hieb krachte direkt vor sein Gesicht auf den Boden, so dass er den Windzug spürte. Jetzt packte Rhodos ihn grob an Keuschheitsgürtel und Kehle und hievte ihn hoch. „Auf den Stuhl da, du Hundesohn!“ Lykos gehorchte eingeschüchtert. Aufstöhnend strich er sich über die Stellen, auf denen bald großflächige blaue Flecken erblühen würden. Rhodos griff nach einem Hanfseil und fesselte den Mann auf dem Stuhl fest. „Das wirst du bereuen!“ giftete er den Gefangenen an. „Und Kreta werde ich lehren, wer der Herr im Hause ist. Ich werde sie…“

In diesem Moment erschien wie aus dem Nichts der Holzknüppel, den Rhodos zuvor irgendwo abgelegt hatte, und krachte mit voller Wucht auf dessen Schädel. Der Mann sackte zusammen wie ein Weinschlauch. „Kreta!“ rief Lykos erstaunt. „Du kommst gerade recht! Bin ich froh! Befrei mich schnell!“ Die Schönheit grinste grimmig und beugte sich über ihren Gemahl, um nach dem Herzschlag zu horchen. „Rhodos wird nie wieder über mich bestimmen“, sagte sie und stand auf. Lykos schluckte: „Ist er…“ Kreta nickte und schleifte ihn aus dem Raum.

Als sie erneut erschien, wiederholte Lykos seinen Wunsch, befreit zu werden. Doch Kreta sah ihn nur lächelnd an. „Du bist einer der Deserteure aus dem Süden?“ Lykos verschluckte sich vor Schreck und hustete. Kreta lachte. „Es stimmt also.“ Der Exsoldat fragte: „Woher weiß du das?“ Das Weib erklärte: „Vor einigen Tagen war ein Sendbote hier und war Gast bei Rhodos. Im Bett lösen sich die Zungen der Männer sehr leicht. Weißt du das nicht?“

Lykos bat: „Schnell. Dann mach mich los. Ich muss verschwinden, bevor Megaras Streitmacht hier ist und mich einfängt. Auf Untreue steht die Todesstrafe!“ Kreta wiegte keck ihren Kopf von einer Seite zur anderen: „Du bringst mir eine gute Belohnung ein.“
Lykos stöhnte auf: „Was? Du willst mich ausliefern?“ Kreta lachte glockenhell. Verhöhnte sie ihn? Der Flüchtling wurde zornig. „Du gemeines Miststück! Du Hure!“ Kretas Blick wurde böse. „Du hast eine scharfe Zunge. Sie vorsichtig, dass du dich nicht daran schneidest.“

Plötzlich zog sie einen spitzen blitzenden Dolch aus dem Gürtel ihres Kleides. „Und ich habe eine scharfe Klinge.“ Sie kniete sich vor Lykos hin. Dem Mann stand der Angstschweiß auf der Stirn. Hilflos rückte er den Stuhl ein wenig auf dem Boden hin und her. Was unter dem Käfig seiner „Rute“ hing, packte Kreta mit einer Hand derb und zog es nach unten, so dass Lykos auf dem Stuhl noch mehr verkrampfte und aufstöhnte. Jetzt setzte Kreta die Klinge an und grinste Lykos frech ins Gesicht. „Für einen Eunuchen bekomme ich sicherlich genauso viel. Und ein kleines Andenken wäre doch ganz nett…“
Lykos schrie: „Nein! Bitteeeeeeeeeeeeee!“ Kretas Hand zuckte…

Mehrere Tage waren vergangen:
Abas und Leda konnten kaum glauben, wie mächtig die Burgfestung des Nordkönigs war. Dagegen war selbst Megaras Palast leicht einzunehmen. Überall waren gerüstete Krieger mit schweren Waffen, muskelbepackte Ritter, die kämpfen würden wie Berserker, wenn sie zur Schlacht gerufen wurden. Heute standen Leda und Abas vor dem uralten und schwer kranken Nordkönig Adin. Auch die hohe Majestät bedankte sich bei den beiden Rettern Seines Sohnes. Neben zwei prunkvollen Rössern erhielten sie jeder einen Beutel mit Goldmünzen sowie die besten Schwerter, die sie jemals gesehen hatten. Doch damit nicht genug: Sie wurden offiziell vom König mit zitternder Stimme in den Adelsstand erhoben.

Die Tage vergingen viel zu schnell. Zu Hofe fühlten sich Abas und Leda wie ein Königspaar, schmausten bei opulenten Festgelagen, sahen bei Ritterturnieren, Tjost und Buhurt zu und liebten sich in edlen Gemächern in feinster Seide. Doch dann hieß es Abschied nehmen. König Adin hatte ihnen eine große Parzelle Land vermacht, die im Westen auf fruchtbarem Boden lag. Am Tag des Aufbruchs verabschiedeten sie sich von Adin, den vielen lieb gewonnenen Rittersleuten und natürlich auch vom Thronfolger Rodin.

Ihr Weg führte durch eine grüne Landschaft, und fast hatten sie ihr neues Zuhause erreicht, als sie eine kleine Staffel Reiter von Adin einholte. „Ihr müsst sofort zurückkehren!“ befahl der Anführer des Trosses. „Warum?“ fragte Leda. „Es ist etwas Furchtbares geschehen“, begründete er den Aufruhr. „Rodin ist ermordet worden!“ Abas blieb der Mund offen stehen. Nach dem ersten Schrecken, fragte er sich, warum er deshalb mit Leda zurückkehren sollte. Aber der Rittersmann hatte den königlichen Befehl dazu.

In der Burg des Königs erwartete das Paar die Hiobsbotschaft im Detail: Rodin war von einem schändlichen Assassin aus dem Süden gemeuchelt worden, als er gerade auf der Bärenjagd war. Wenigstens hatten die Wachen des Prinzen den Mörder bei einem Scharmützel getötet. Doch nun trauerte das Königshaus, und auch die gesamte Bevölkerung weinte mit, denn Rodin war sehr beliebt bei seinen Untertanen gewesen.

Ein Herold verkündete im Thronsaal vor den erstaunten Leda und Abas, dass nun der einzige Sohn Adins gestorben sei. Nach dem Glauben der Nordmenschen lebte Rodin nun in gewisser Weise in ihrer Lebensretterin Leda weiter, hörten die Gefährten perplex zu, „so dass hiermit als Thronfolgerin Leda ernannt wird“, ganz nach dem Willen der Götter.
Der greise König Adin hob schwächlich seine Hand, und Leda nahm sie in die ihre. „Versprich mir, meinen Sohn zu rächen und das Südland zu erobern“, flüsterte Adin mit letzter Kraft. Leda nickte ergeben und gab ihm ihren feierlichen Schwur. Adin lächelte zufrieden und schloss erschöpft die Augen. Nach einigen Minuten wurden Leda und Abas klar, dass Adin seine Lider nie wieder öffnen würde…

„Hoch lebe Leda, die Nordkönigin!“ rief der Herold laut in den Saal, dass Abas zusammen zuckte. „Hoch lebe Leda!“ wiederholten vereinzelte Ritter und salutierten mit ihren Schwertern vor ihrer neuen Gebieterin. Der Herold eilte aus dem Saal, und bald ertönte aus dem Burghof ähnlicher Lobgesang. Die Neuigkeit sollte im ganzen Nordreich verbreitet werden, und Gesandte ritten in allen Richtungen davon.

Drei Tage später waren die Trauerzeremonien beendet. „Kommt auf die Balustrade“, bat der oberste Ritter Leda. Leda und Abas stiegen mit ihm auf den größten Turm der Burg. Vor der Festung hatten sich tausende Menschen versammelt. Als sie Leda erkannten, brandete ein tosender Jubel los. Der Ritter setzte der neuen Majestät die Krone auf. „Es lebe Leda, die Nordkönigin!“ riefen die Männer und Frauen im Chor, so dass allen Anwesenden auf dem Turm eine wohlige Gänsehaut über den Körper lief.
27. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 18.07.18 21:18

Lieber Prallbeutel,deine Geschichte war und ist zum Niederknieen.....Immer wieder herzlichen Dank !
28. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 19.07.18 12:16

Hallo Prallbeutel,
vielen Dank für die Fortsetzung. Ich freu mich auf den nächsten Teil.
LG Alf
29. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 03.08.18 19:35

Lykos saß in einem kleinen Käfig, der auf einem rustikalen Ochsenkarren rumpelnd in Richtung Süden fuhr. Die kleine Abteilung von Megaras Armee brachte den Deserteur in seine Heimat, um ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen. Bis auf seinen Keuschheitsgürtel war er nackt und musste sich dem Spott der Soldaten, vor allem aber der weiblichen Bewohner von Siedlungen aussetzen, die sie durchquerten.

„Seht euch diesen armen Tropf an!“ lachte eine Frau mittleren Alters und zeigte auf den Gefangenen. „Vielleicht ein untreuer Ehemann“, rief eine andere, „schaut euch doch seinen Keuschheitsgürtel an!“ „Ich habe gehört, dass Megara ihre Sklaven in solchen Dingern hält, damit sie ihre ganze Kraft auf die Arbeit bündeln“, meinte eine Dritte schmunzelnd.

„Hey, Mannsbild!“ rief die Erste laut hinüber. „Wie fühlt es sich an in so einem Keuschheitsgürtel? Darfst du bald wieder raus, oder bleibt deine Männlichkeit für immer versperrt?“ Sie lachte gackernd und schadenfroh, und ihre Bekannten fielen lauthals mit ein. Lykos Kopf wurde rot, und er spürte, wie sich seine „Rute“ verhärtete.

Aber in anderen Siedlungen war es noch übler gewesen: Faule Eier, Tomaten, Unrat und allerlei Dreck hatten die Frauen nach ihm geworfen. Ein junges Weib hatte gerufen, ob er nicht vor Geilheit platzen würde. Daraufhin hatte sie genussvoll ihren gleichaltrigen Burschen umarmt und geküsst. Kichernd waren die Beiden dann zwischen Strohballen verschwunden…

Sein Gemächt war noch vollständig, denn Kreta hatte sich nur an seiner Todesangst weiden wollen. Als dann Nässe an den Stuhlbeinen hinabgetropft war, und Lykos geweint hatte wie ein kleines Kind, hatte Kreta laut gelacht und von ihm abgelassen. Wenige Stunden später hatten ihn Megaras Soldaten so gefunden, Kreta die versprochenen Münzen gegeben und Lykos abtransportiert. Bald würde er Megaras Palast erreichen. Seine Angst wuchs immer mehr, je näher er der Regentin kam. Und schon jetzt zitterte er trotz der Hitze am ganzen Körper.

Für Leda waren die prunkvollen Kleider und das Diadem sehr ungewohnt, doch durfte sie innerhalb ihrer privaten Gemächer auch ihre geliebten Hosen tragen. Das Königshaus war unglaublich groß und luxuriös. So hatte Leda sich immer den Palast der Megara vorgestellt, nur, dass hier alles im nordischen Stil eingerichtet war. Das Schlafgemach übertraf allerdings alles: Das große Himmelbett der Königin war ein Traum. Auf dem massiven Holzgerüst waren Götter und Schlachten als Bilder eingeschnitzt. Das Kopfende war mit Wasserbüffelhorn und Edelsteinen verziert. Feinste Seide und weiche kostbare Pelze umschmeichelten die nackten Körper, die an diesem Ort ruhten.

Das junge Paar liebte sich dort oft und lange und konnte sein Glück kaum fassen. Doch an diesem Abend konnte Leda das Feuer bei Abas nicht entfachen. Fast schon verzweifelt überlegte Abas, woran es liegen könne. Dann plötzlich loderte doch noch die Lust in seinen Lenden auf, und er bestieg mit einem überwältigenden Wohlgefühl die Königin. Leda stöhnte leise auf, fühlte den Gipfel der Erregung nahen und klammerte sich an ihren Gemahl wie eine Ertrinkende an einem Holzbalken. Sie schloss genüsslich die Augen und gab sich voll hin, erlebte ein Glücksgefühl, dass stärker war, als bei ihrer Krönung. Nur gemächlich zog sich das Kribbeln und Beben in ihrem Körper zurück und wich einer wohligen Entspannung, wie sie sie selten zuvor in ihrem Leben erlebt hatte.

Doch hatte auch Abas Freude an ihrem Liebesspiel? Ächzend drang er weiterhin in sie ein, und seine Stöße wurden wilder und intensiver, doch irgendwie auch verzweifelter. So kannte Leda ihren Mann gar nicht. Schließlich zog er sich verwirrt zurück und starrte auf sein hartes „Schwert“. „Abas“, sah Leda ihn fragend an, „was ist mit dir?“ Abas schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Es ist wie verhext. Ich brenne vor Begierde, aber ich finde keine Befriedigung. Es will kein Samen aus mir fließen.“

Als die Sonne erneut aufgegangen war, war es ähnlich. Leda erlebte größtes Glück mit ihrem Mann, doch seine eigene Erlösung wollte sich nicht einstellen. Die Königin griff nach seiner pochenden Rute und spielte damit, um ihm eine Erleichterung zu verschaffen, doch Abas verzog sein Gesicht in Schmerzen. Seine Geiheit steigerte sich dadurch nur noch. Weiter und weiter. Leda ließ erschrocken los. „Ich weiß nicht warum“, keuchte Abas, „aber es zerquetscht mir fast meine Männlichkeit. Umso mehr, desto stärker meine Begierde wächst…“ „Ein Fluch“, vermutete die Königin. „Es muss schwarze Magie sein. Das ist Megaras Werk!“

Ein Druide des Königshauses sollte Abhilfe schaffen, doch der weise Mann musste ihnen die Hoffnung auf eine schnelle Gesundung nehmen. „Es gibt nur eine Möglichkeit gegen diesen bösen Zauber. Ich kann einen Kräutersud kochen, den Euer werter Gemahl trinken muss. Dabei werde ich einige geheime Formeln sprechen. Dann sollte sich der Bann nach einiger Zeit lösen. Allerdings ist während dieser Zeit unbedingte Abstinenz erforderlich.“

Königin Leda und ihr Gemahl Abas mussten die bittere Pille schlucken. Also bereitete der Heiler das Ritual vor und Abas nahm den übelschmeckenden Sud ein. Während er mit der einen Hand den Kelch zum Mund führte, hielt er sich mit der anderen die Nase zu, denn der Trunk stank erbärmlich. „Wie lange muss ich denn…“ stammelte Abas und hoffte, die Andeutung würde reichen, aber der Druide sah ihn nur mit einem großen Fragezeichen im Gesicht an. „Wie lange darf ich nicht das Bett mit der Königin teilen?“ Der alte Mann entblößte seinen zahnlosen Mund, als er eine Art Lächeln zeigte. „Vier Jahreszeiten lang“, antwortete er. Abas ächzte. „Was?“ Verzweifelt sah er Leda an. „Es bleibt Euch keine Wahl“, sagte der Heiler. „Solltet Ihr einen einzigen weiteren Versuch starten, bevor die Zeit vergangen ist, wird der Fluch auf ewig an Euch kleben.“ Abas schwindelte. Ihm wurde schwarz vor Augen, und dann verließen ihn seine Sinne.

Megara, die Regentin des Südlandes, schritt an einer Reihe junger nackter Burschen entlang, die mit roten Köpfen an einer Wand standen. Die Herrscherin begutachtete die Männlichkeit der Jünglinge, als würde sie auf einem Pferdemarkt Gäule kaufen. Der königliche Kastellan folgte der Majestät und hielt Megaras knappe Kommentare zu den einzelnen Sklaven fest. „Guter Körper, aber zu kleines Gemächt.“ „Hübsche Augen, aber zu dürr.“ „Ordentlich bestückt, aber zu alt, Schließlich muss man die Blumen pflücken, wenn sie noch blühen.“ „Den nehme ich in die engere Wahl. Wascht und kleidet ihn. Dann soll er mir das Bett wärmen.“ Unwirsch wand sie sich ab. „Das reicht. Die anderen schick zurück in die Mine.“ „Sehr wohl, Euer Gnaden“, verbeugte sich der Kastellan.

Als einige Soldaten die jungen Sklaven über den Palasthof zum Kerker brachten, beobachteten zwei junge Hofdamen die Kolonne. „Ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass es gar keine alten Sklaven gibt, sondern nur junge?“ „Ja“, erklärte die andere. „Vielleicht werden sie nicht so alt. Es sind eben minderwertige Kreaturen, wie Tiere.“ „Aber ist dir schon aufgefallen, dass einige Sklaven keinen Keuschheitsgürtel tragen? Wie sollen sie denn da vor ihrem sündigen Trieb geschützt werden?“ Das andere Fräulein lächelte verschmitzt. „Ach, DIESE Sklaven meinst du.“ „Was ist denn mit DIESEN Sklaven?“ „Nun, die haben keine Bedürfnisse mehr.“ Die Hofdame sah ihre Freundin verständnislos an. „Wie meinst du das?“ „Megaras Strafenkatalog ist groß. Und für einige Vergehen gibt es eine besondere Behandlung…“ „Was denn?“ fragte das Fräulein neugierig.

In diesem Moment bliesen die Turmwächter ihre Fanfaren: Das Zeichen für die Ankunft einer Reiterschar. „Lass uns ein anderes Mal darüber reden“, sagte sie und ging in hüpfendem Gang und wehendem Kleid davon. Mehrere Edelleute, aber auch Soldaten und Bedienstete des Hofes beobachteten, wie die Berittenen einen Käfig auf einem kleinen Pferdewagen in den Palast zogen. „Ein Gefangener“, sagte das Fräulein, die vorhin wissen wollte, was mit einigen Sklaven geschah. „Ja“, kniff die andere junge Lady ihre Augen zusammen, um schärfer sehen zu können, „und er ist nackt – bis auf einen Keuschheitsgürtel!“

Der Deserteur Lykos wurde in den dunklen Kerker gebracht und zu mehreren Sklaven in eine große Zelle gebracht. „So schnell wird man vom Soldat zum Sklaven, Lykos“, knurrte hämisch ein Wächter. „Und bei Sonnenaufgang wirst du sterben.“ Lachend stapfte er fort. Lykos sah sich ängstlich in dem dunklen Raum um. Es gab so wenig Licht, dass er kaum weiter als zwei Doppeschritte sehen konnte. Was sich wohl in den schwarzen Ecken verborg? Mit welchen Sklaven voll Trübsal und Kummer war er hier eingepfercht? Dann hörte er aus verschiedenen Ecken ein Rascheln. Schnell verdeckte er mit den Händen seine Scham. „Wer ist da?“ fragte er. Die Geräusche wurden lauter, kamen näher…

Dann sah Lykos vor sich mehrere ungepflegte Gestalten mit grimmigen Gesichtern und blitzenden Augen. „Was wollt ihr von mir? Verschwindet in eure Ecken.“ Aber die Insassen näherten sich langsam aber stetig und streckten ihre Arme nach dem Exsoldaten aus wie Untote, die Futter rochen. Wollten sich die hungernden Kreaturen an ihm laben? Aber die Sklaven hatten ihren früheren Peiniger erkannt. Lykos hatte die Feldsklaven oft genug nur aus Vergnügen gepeitscht und geprügelt. Das hatte sich ins Gedächtnis der Männer gebrannt wie ein Eisenmal. „Nein! Hilfe“ brüllte Lykos und drehte sich zum Gitter um, um daran kräftig zu rütteln. Doch schon griffen 14 vor Schmutz starrende Hände nach ihm, pressten ihn an die rostigen Eisenstäbe, verdrehten ihm die Arme, spreizten seine Beine, und dann brüllte Lykos auf, denn ein Sklave hatte Lykos Pobacken auseinander gezogen und war in ihn eingedrungen.

Als ein Wächter eine Stunde später in den Kerker kam, um nach dem Rechten zu sehen, stoppte er im ersten Moment überrascht, doch dann grinste er und kehrte zurück zu seinem Fleischspieß, den er über der knisternden Glut in einem schmiedeeisernen Feuerkorb grillte. Mit Appetit biss er in das knusprige fetttriefende Fleisch und hörte aus der Zelle Grunzen und unterdrücktes Keuchen. Später folgte ein spitzer Schrei. Vielleicht sollte er nach dem Essen doch mal nachsehen…

Doch der Wärter war nach dem schweren Mahl und einigen Bechern Wein eingedöst und wurde laut schnarchend erst wach, als Soldaten am frühen Morgen polternd die Treppe heruntergestürmt kamen, um den Deserteur dem Henker zu bringen. Lykos lag bäuchlings auf einem alten Strohballen, die Beine gespreizt, und war offenbar völlig entkräftet. Als ihn zwei Soldaten auf die Füße zwangen, sahen sie sein verschmiertes Gesicht. Sie konnten sich denken, was geschehen war. „Da hast du wohl noch mal richtig Freude gehabt, was“, lachte der Soldat zu seiner Linken.

„Deine Zeit ist um“, meinte der andere Mann. Lykos wurde in den Raum gebracht, in dem er sein Leben aushauchen sollte. Der Scharfrichter trug die schwarze Kapuze seiner Pelerine tief ins Gesicht gezogen und fragte ihn: „Hast du noch einen letzten Wunsch?“ Lykos stammelte: „Der Keuschheitsgürtel! Ich will nicht mit dieser Schmach sterben. Brecht ihn mir auf. Ich will mein Grab nicht mit ihm teilen!“ Der Henker grübelte, dann rief er nach einem Schmied. Selbst als Deserteur hatte der Exsoldat der Tradition nach dieses Recht auf einen letzten Wunsch, bevor er das Reich der Toten betrat. In Lykos wuchs ein kleiner Hoffnungsschimmer: Diesen Keuschheitsgürtel würde selbst der königliche Schmied nicht öffnen können.

Es dauerte nicht lange, da erschien ein kräftiger Mann mit grobschlächtigem Gesicht und langer Lederschürze. Ein schwarzer Bart hing ihm bis auf die Brust. Dafür war sein Kopf kahl. Lykos hoffte ingeheim, dass der Mann an dem Keuschheitsgürtel verzweifeln würde. Aber da hatte er sich getäuscht: Schneller, als ihm lieb war, war das Metallgefängnis ab. Trotz Verzweiflung und Angst vor dem Tod versteifte sich sein Luststab im Moment der neu gewonnenen Freiheit, die ihm nur so grausam kurz vergönnt sein sollte.

Spottend rief einer der Soldaten: „Warum darf er nicht noch einmal Hand anlegen und seinen Samen vergießen. Auch, wenn er auf den Steinen des Kerkers keinen fruchtbaren Boden finden wird.“ Die Männer lachten dröhnend, und als es abebbte, war ein helles Kichern zu vernehmen. Die Anwesenden wirbelten herum. „Was tut ihr hier?“ fragte der Scharfrichter streng die zwei Hofdamen, die sich hinter zwei Kisten versteckt hatten. Schüchtern kamen sie zum Vorschein und rafften ihre ausladenden Röcke. „Wir…“ begann das eine Fräulein, stockte aber und starrte auf Lykos nacktes erigiertes Geschlecht. Sie spielte mit einer Locke ihrer Haarpracht und leckte sich unbewusst über die Lippen.

„Euch ist der Besuch der Kerkerräume verboten“, erinnerte der Henker die Ladys. Gerade wollte er mit einer herrischen Geste den Soldaten befehlen, die Fräuleins nach oben an die frische Luft zu begleiten, da ertönten die Trompeten auf dem höchsten Turm des Palastes. Das Signal war den meisten unbekannt. Was mochte es wohl bedeuten? Die Damen sahen ratlos in die Runde. Der Scharfrichter und die Soldaten dagegen waren in höchstem Aufruhr. „Schnell! Kettet den Delinquenten an und kehrt dann zu eurer Truppe zurück.“

Die Männer verließen fast fluchtartig den Raum. Nur Lykos, der jetzt mit am Boden angeketteten Füßen da stand und sein Gemächt verdeckte, sowie die beiden Hofdamen blieben zurück. Die beiden jungen Frauen wussten sich keinen Rat, was dies alles zu bedeuten hatte. Es war eine groteske Situation: Lykos, mit steifem „Schwert“, nackt und angekettet, hauchte wie in Trance: „Ein Sklavenaufstand. Wir haben einen Sklavenaufstand.“ Die beiden Damen griffen sich bei den Händchen und sahen Lykos mit großen Augen an. Kurz darauf waren Schreie, klirrende Schwerter, Getöse und Gepolter zu hören. Durch ein schmales vergittertes Fenster waren gehetzte Schritte auf dem sandigen Steinboden zu vernehmen, dann plötzlich das wilde und entschlossene Gebrüll einer ganzen Horde Männer.

Das waren keine Soldaten! Das waren entlaufene Sklaven! In wenigen Augenblicken würden sie den Kerker stürmen und die Zellen öffnen, um ihre Leidensgenossen zu befreien. Der Exsoldat Lykos fürchtete einen Lynchmord an ihm, obwohl er längst ein Todgeweihter war. Aber wer wusste schon, wozu die Leibeigenen fähig waren? Womöglich sollte er sein Gemächt noch vor seinem Leben verlieren. „Schnell! Verriegelt die Tür von innen!“ rief er, und die beiden Edeldamen schoben mit vereinten Kräften drei schwere Balken vor, die so viel wogen, dass die Fräuleins sie kaum heben konnten. Aber die Angst hatte ihnen Bärenkräfte verliehen. Außer Atem blickten sie mit ängstlichen Blicken zum Eingang. Waren sie sicher vor dem Mob? Vor ihrem inneren Auge sahen sie sich schon geschändet auf dem Platz liegen, die Kleider hochgezogen und zerrissen.

Bald polterten Männer gegen die Tür und versuchten sie aufzubrechen, aber sie hielt ihrem Angriff stand. Rufe schallten durcheinander und forderten Einlass. Die Hofdamen zitterten vor Furcht wie Espenlaub, doch als sie merkten, dass die Aufbruchversuche fehlschlugen, beruhigten sie sich. Die Soldaten würden den Aufstand niederschlagen und die Revoltierenden hart bestrafen. Kurz darauf waren auch schon Megaras Militäreinheiten zu hören, die unaufhaltbar vorrückten. Geklirr von Waffen und Rüstungen war zu vernehmen; Befehle wurden gebrüllt. Nach etwa zwei Stunden war der Spuk vorbei: Die Soldaten hatten die Aufständischen eingekesselt und unter Kontrolle. Sie wurden in ihre Zellen getrieben, und die Schmiedegesellen begannen damit, die Leibeigenen wieder in Ketten zu legen.

Die noch heißen Reife wurden den Männern um Hand- und Fußgelenke sowie Hals gelegt. Die Schmiede zeigten kein Erbarmen und wurden von den Offizieren der Megara zur Eile angetrieben. Einer der Sklaven versuchte erneut zu flüchten, doch ein berittener Soldat rempelte ihn zu Boden, wo sich der Nackte mehrfach überschlug und schwer atmend im Staub liegenblieb. Schnell hatte der Reiter dem Flüchtling eine Seilschlinge um die Füße geschnallt und zog ihn mit seinem Pferd zurück zur Schmiede.

Von außen klopfte es an der Kerkertür, und die Hofdamen atmeten auf. Die Gefahr war gebannt. Sie entfernten die Riegel und… Die Tür schwang so kräftig auf, dass eine der Ladys zu Boden geschleudert wurde. Lykos sah zu seiner Überraschung, dass ein flüchtiger Sklave eintrat, mit einem gezackten Dolch bewaffnet. „Schnell! Schließ meine Kette auf“, rief Lykos. Er hatte eigentlich den Sklaven gemeint, denn gemeinsam mit ihm wollte er fliehen. Doch der Leibeigene machte keine Anstalten, den Schlüssel zu greifen, zu dem Lykos gezeigt hatte, sondern warf sich auf die liegende Hofdame, um der Holdseligen die schmucken Kleider zu zerreißen.

Die andere Lady griff nahm dem Schlüssel und warf ihn Lykos zu, der das Schloss der Kette hastig öffnete und sich nun auf den wilden Mann stürzte, der seine dreckigen Pranken bereits in den weißen Busen des Fräuleins gegraben hatte und ihr einen Kuss abnötigte. Lykos würgte den Sklaven, der von der Lady abließ und den Angreifer mit Faustschlägen traktieren wollte. Doch der ehemalige Soldat beherrschte den Nahkampf und versetzte dem Sklaven einen Hieb, der ihn zur Seite warf. Doch da zog der Mann seinen Dolch, den er eingesteckt hatte, um das Weib zu nehmen.

Lykos war in größter Gefahr. Der Sklave fuchtelte mit dem spitzen Stahl herum und startete mehrere wohlfeile Scheinangriffe. Dann stieß er blitzschnell zu. Das kalte Metall sollte sich in Lykos Herz bohren… Der Exsoldat sprang zur Seite, ergriff den bewaffneten Arm und schwang herum, so dass er die Schulter des Sklaven auskugelte und ihm den Dolch entwand. Mit einem eisenharten Faustschlag in dessen Nacken versetzte Lykos den Angreifer ins Reich der Träume. Beide Hofdamen flohen in Lykos Arme und himmelten ihn geradezu als galanten Retter ihres Lebens an. Wenige Augenblicke später fanden Soldaten von Megara die Drei in der Zelle – vereint in den Armen liegend. „Er hat uns gerettet“, sprach die eine Lady voller Inbrunst. „Ja, der entflohene Sklave wollte mir die Jungfräulichkeit stehlen“, behauptete die zweite Dame, obwohl sie insgeheim schon mit mehreren jungen Burschen des Hofes das Bett geteilt hatte, aber das sollten weder ihre Familie noch Megara erfahren. Einer der Soldaten sah sie irritiert an, denn er gehörte zu ihren Liebhabern, und er musste ein Grinsen unterdrücken.

Noch am gleichen Tage entschied die Regentin über das Schicksal der Rebellen: Sie würden ihr Leben in der Arena aushauchen. Zwar gingen der Königin dadurch zahlreiche Arbeitskräfte verloren, doch waren bereits neue Lieferungen aus dem tiefen Süden eingetroffen, wo Megaras Schergen regelmäßig Nachschub besorgten. Gegen Glasperlen, Spiegel und allerlei Tand tauschten die dortigen Fürsten Sklaven aus dem Hinterland ein. Gerade jetzt waren wieder Aberhunderte der armen Kreaturen in Ketten unterwegs, um den langen Marsch ins Reich der Megara zu absolvieren. Für einen zügigen Transport der Ware gab es für die Männer einen Bonus in Silber, so dass sie die Nackten erbarmungslos zur Eile antrieben. Viele der Gefangenen trugen auf ihren Schultern eine Art massive Deichsel, an denen die Arme ausgebreitet festgebunden waren; anderen waren die Augen verbunden oder die Arme im Nacken fixiert. Wer zu langsam war, den küsste die Peitsche.

Im Palast der Tyrannin gingen derweil Gerüchte um die Hofdamen herum. Die Rettungsaktion der beiden Fräuleins kam der Majestät zu Ohren, und auf Wunsch der jungen Ladys begnadigte sie derohalben ihren Helfer. Jedoch sollte der Deserteur nicht ganz straffrei davonkommen. Er wurde gemeinsam mit den Adelsfrauen vor die Herrscherin geführt. Megara entließ ihn aus dem Armeedienst unehrenhaft und verschloss ihn erneut in einen Keuschheitsgürtel. Daraufhin sollte Lykos entscheiden, wer der beiden Ladys die Hübschere sei, denn der anderen würde sie den Schlüssel zu seiner Männlichkeit geben. Lykos schwitzte und ächzte. Was sollte er sagen? Er konnte nicht obsiegen. Die Ungenannte würde böse auf ihn sein; und ausgerechnet sie wäre forthin seine Schlüsselherrin!

Aber Megara ließ kein diplomatisches Geschwafel und Schwadronieren gelten, so dass Lykos sich schließlich für eine der Ladys entscheiden musste, obwohl sie beide Schönheiten waren. Die nicht Auserwählte blitzte den Exsoldaten böse und beleidigt an und nahm den Schlüssel entgegen. Trotzig hob sie ihr Kinn und stapfte schlankerhand, die Röcke raffend, davon. Sie hatte eine Fleppe gezogen und eilte in ihr Gemach, bevor sie in Tränen ausbrach. Gewisslich würde sie den Schlüssel so schnell nicht verwenden. Die „Schönere“ namens Phoibe lächelte Lykos an. Die Entscheidung des Begnadigten hatte ihr gefallen. Megara beendete die Audienz und ließ Lykos unsanft aus dem Palast werfen. Er fand sich mit schmerzenden Gliedern am Fuße der großen Marmortreppe wieder und rappelte sich auf. Wie sollte er unter diesen argen Zuständen jemals auf einen Aufschluss hoffen dürfen?

Er suchte sich in der Stadt eine Bleibe und eine Arbeit als Gehilfe eines Seilers. Dafür stand ihm abends eine Schüssel mit Dickwurzsuppe oder Getreidebrei zu. In der nächsten Zeit sollte seine Hoffnung auf Freiheit von Tag zu Tag weiter schrumpfen, während zugleich der Druck in seinem Gemächt anstieg. Zwar besuchte ihn die Hofdame namens Ceres nach zahlreichen Bittschriften in der Stadt, doch nur, um ihn zu verspotten. „Ich bin also hässlich! Warum sollte ich dich befreien - eingedenk deiner Wahl? Was interessiert mich ein Gemächt aus dem Pöbel? Es gibt genug hübsche und galante Burschen aus dem Adel, die mich mit Kusshand umgarnen.“ Mit diesen Worten verließ sie ihn und erfreute sich an ihrer Macht über den unglücklichen Kerl.

Sie hatte zwar kein Mitleid mit dem ehemaligen Deserteur, aber trotzdem besuchte Ceres den Eingeschlossenen mehrmals, um ihn zu ärgern und zu reizen. „Wer weiß? Vielleicht habe ich den Schlüssel längst in den Fluss geworfen…“, neckte sie ihn und weidete sich an seiner unerfüllten Lust, als Lykos aufstöhnte und sich in seinem Gesicht das Entsetzen abzeichnete. Beim vierten Besuch schluckte Lykos seinen Stolz hinunter und flehte sie auf Knien an: „Bitte habt doch Erbarmen mit mir. Schließt mich nur für eine Stunde auf, so will ich zufrieden sein. Aber meine Männlichkeit zwickt und zwackt. Ein Mannsbild kann an seinem eigenen Samen ertrinken!“ Die Ceres kicherte, tat, als überlege sie, und meinte dann amüsiert. „Wenn ihr mir zeigt, wie ihr euch den Samen abschüttelt, will ich euch diese Gnade gewähren.“ Lykos stöhnte auf. Das junge Fräulein wollte zusehen? „Also gut“, sagte er gedemütigt mit gesenktem Blick. Was blieb ihm anderes übrig? Die Dame grinste triumphierend und verschränkte die Arme vor ihrem kleinen Busen. „Dann entkleidet euch!“
30. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 11.08.18 18:43

Lykos gehorchte, streifte sein Lederhemd und die grüne Schnürhose ab und streckte die Hand für den Schlüssel aus. Aber Ceres lachte nur. „Haltet ihr mich nicht nur für hässlich sondern auch noch für eine dumme Gans? Ihr würdet mir den Schlüssel entreißen und flüchten.“ Lykos musste sich an einen Holzbalken binden lassen. Nur eine Hand blieb ihm frei, denn damit sollte er seinen Luststab halten können. Kichernd öffnete die junge Frau das eiserne Gefängnis und beobachtete amüsiert, wie sich die befreite Rute begierig aufrichtete.

Lykos griff danach und heizte seine Lust hemmungslos weiter an. Und schon nach wenigen Momenten verströmte sein Saft unter dem Gekicher der Lady, die genau beobachtete, was da vor ihren Augen geschah. Lykos stöhnte erleichtert auf. Sein halbschlaffer Stab tropfte und fühlte sich gut an. Doch ihm blieb kaum Zeit. Schon kam Ceres in ihrem plissierten Kleid herbei und kerkerte die Männlichkeit wieder ein. Der Gefesselte seufzte auf. „Bindet mich los“, forderte er, aber die Maid schüttelte den Kopf. „Jetzt, da ihr wisst, wo der Schlüssel ist, muss ich ihn erst verstecken.“ Sie verschwand, und Lykos wartete auf ihre Rückkehr.

Und wartete. Und wartete. Und wartete. Vergeblich. Sie kam und kam nicht zurück. Er versuchte sich von den Seilen zu befreien, aber sowohl Tau wie auch der Holzbalken, an dem er stand, waren stabil und unnachgiebig. Er war mit seiner Schlüsselherrin in eine alte Scheune gegangen, wo sie ungestört waren. Doch dies erwies sich nun als großer Nachteil, denn hier würde ihn niemand finden oder seine Hilferufe erhören. Wo blieb diese Hexe nur?

Plötzlich schnupperte Lykos und rümpfte die Nase. Wonach roch es hier? Rauch! War irgendwo ein Feuer ausgebrochen? Die Scheune würde brennen wie Zunder! Und mit ihr würde Lykos sterben… „Hilfe!“ brüllte er aus vollen Lungen. Wo kam das Feuer her? Was hatte hier das Stroh entzünden können? Dann stutzte Lykos: Der Rauch schien von draußen durch einen Luftzug hereinzuwirbeln. Offenbar stammte er von einem Ofen oder Feuer der Nachbarhäuser. Erleichtert atmete Lykos auf. Aber wann kam endlich dieses kleine Biest zurück und befreite ihn aus seiner misslichen Lage? Wollte sie ihm mit dem Rauch ins Bockshorn jagen?

Nach einer scheinbaren Ewigkeit kehrte die Dame zurück und löste endlich die Schnüre.
Lykos kleidete sich hastig an, als müsse er nach all dem Geschehen noch immer seine Scham vor der Lady bedecken. „Nächste Woche um die gleiche Zeit“, sagte die Maid leichthin. Dann entschwand sie. Lykos war verblüfft. Wollte dieses Mädel ihn nun jede Woche auf diese beschämende Weise erleichtern? Er war zwischen Lust und Scham hin- und hergerissen. Aber der animalische Trieb eines Mannsbildes zwang ihn dazu, sich vor der Lady zu erniedrigen.

In der Tat hatte Ceres ein neues Hobby gefunden: Ein Mal in der Woche kam sie in die Stadt und schnürte Lykos an den Balken in der Scheune, holte dann ihren Schlüssel aus dem Versteck und ließ den Exsoldaten Hand anlegen. Ersichtlicherweise verfolgte sie damit keine hehren Ziele. In der dritten Woche begann das Fräulein damit, unter ihren Röcken mit ihrer Weiblichkeit zu spielen, während Lykos seine Männlichkeit griff. Weil die Rute aber sehr schnell den Samen verspritzte, fesselte die Adelsdame in der Folgewoche Lykos beide Hände hinter den Balken und umfasste selbst das lüsterne Fleisch.

Als der Exsoldat guttural aufstöhnte und kurz vor dem Gipfel der Lust war, ließ sie ihn los und verwöhnte zunächst sich selbst wenig damemhaft. Lykos wurde beinahe wahnsinnig vor Frustration und Lust. Er schnappte nach Luft wie ein Ertrinkender. Sein Leib verkrampfte sich weiter. Sein Verstand schien sich aufzuweichen wie ein Pfund Butter in der Mittagssonne. Sein Gemächt wackelte und wippte hilflos umher. Beinahe hätte Lykos vor Verzweiflung laut geschrien. - Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, durfte auch er seine Erlösung finden und brüllte seine Befriedigung erleichtert hervor.

Eine weitere Woche später verschloss sie ihn schließlich, ohne ihm die Erleichterung zu gönnen, nachdem sie ihre Lust gekühlt hatte. Der Gefesselte konnte es kaum glauben und hoffte auf einen bösen Streich. Die empörten Proteste stellte Lykos schnell ein, als die Schlüsselherrin drohte: „Noch ein Ton, und ich werde einige Wochen auf einen Besuch verzichten.“ Lykos musste sie wohlfeil um Entschuldigung bitten und anbetteln, ihm die „dummen und unangemessenen Worte“ zu verzeihen. Zufrieden kichernd verabschiedete sich Ceres, als sei nichts gewesen.

Zwei Tage später erzählte die Maid ihrer Freundin Phoibe von ihren geheimen Besuchen in der Stadt und zeigte stolz den Schlüssel zu ihrem ganz privaten Lustsklaven. „Leihst du mir den Schlüssel mal?“ fragte Phoibe und konnte ihre Aufregung unter ihrem geröteten Antlitz nicht verbergen. „Nein“, antwortete Ceres kurzerhand. „Den teile ich nicht.“ Phoibe redete eindringlich auf Ceres ein, aber diese ließ sich nicht erweichen. Nach einiger Zeit begannen die beiden jungen Frauen zu streiten. „Jetzt gib mir schon den Schlüssel!“ sagte Phoibe, die sich in Rage geredet hatte, und sie rangelten um den Gegenstand wie zwei Krähen um einige Brosamen. „Nein!“ schrie Ceres schrill und zerrte Phoibe weg, doch die Freundin erwischte den Schlüssel, entrang ihn der Eigentümerin und lief damit weg, so schnell dies in ihrem langen Kleid möglich war. „Bleib hier! Komm zurück! Gib mir spornstreichs den Schlüssel!“ forderte Ceres, aber Phoibe flüchtete mit ihrer Beute, die sie eng an ihren Busen drückte.

Erst nach längerer Zeit näherte sie sich ihrer Freundin zögerlich wieder. „Sag mir, wo und wann ich deinen Lustsklaven finden kann“, wollte Phoibe wissen. „Wenn ich ihn getroffen habe, bekommst du den Schlüssel zurück.“ Doch Ceres blieb stur. Sie wollte ihren Lykos für sich alleine haben. Phoibe redete abermals auf ihre Freundin ein. „Sprich: Warum wechseln wir uns nicht ab?“ Aber Ceres schüttelte nur bestimmt und stumm den Kopf. „Wenn du mir nicht sagst, wo der Sklave ist, dann behalte ich eben den Schlüssel“, meinte Phoibe. „Von mir aus!“ sagte Ceres trotzig und verschränkte die Arme. Keiner der uneinsichtigen Damen wollte nachgeben, und so gingen sie starrköpfig auseinander.

In der kommenden Woche wartete Lykos vergeblich auf Ceres´ Besuch, denn die befürchtete, dass Phoibe ihr auflauern und hinterherschleichen könnte. - Auch weitere sieben Tage später ließ sie sich nicht blicken. Lykos ward sehr unruhig. Seine Begierde wuchs und wuchs, und außerdem hatte er Angst, Ceres habe ihn vergessen oder war es leid, mit ihm zu spielen. Sein Gemächt sprengte fast auseinander, so fühlte er sich. Zwischen seinen Schenkeln schienen schwere Bleikugeln zu hängen.

Zum Palast vorgelassen zu werden, das war für ihn als einfacher Seilergehilfe ausgeschlossen. Hätte man ihn dort ohne Erlaubnis erwischt, so würde er auf dem Richtblock enden. Oder würden die Wachen ihn einfach aufspießen? Oder aufhängen und den Krähen überlassen? Lykos schüttelte sich bei dem grausigen Gedanken. Völlig verzweifelt und mit wenig Hoffnung wartete er eine Woche später erneut auf die Hofdame. Viel Hoffnung hatte er nicht mehr, aber es war alles, was ihm blieb. Sein Herz machte einen Sprung, als Ceres tatsächlich erschien. „Den Göttern sei Dank!“ schickte er ein Gebet in den Himmel. Eine Felsenlast fiel von ihm ab.

Er entkleidete sich, und Ceres fesselte ihn dieses Mal jedoch nicht stehend, sondern auf dem Rücken liegend. Nun würde sie wie gewohnt den Schlüssel aus dem Versteck holen…
… doch sie pfiff stattdessen nicht sehr damenhaft. Was sollte das bedeuten? Hatte sie etwa noch jemanden mitgebracht? Lykos wurde rot vor Scham, als er die andere Lady sah, die damals mit ihm und Ceres in der Zelle gewesen war. „Hallo, mein süßer Retter“, sagte Phoibe. „Kennst du mich noch?“ Der nackte Mann antwortete: „Wie könnte ich Euch je vergessen??“ Sie kicherte, zückte den Schlüssel und befreite Lykos aus seinem Keuschheitsgürtel. Die beiden jungen Damen starrten gemeinsam auf Lykos´ Männlichkeit, die im Eiltempo wuchs. Der Gefesselte bemerkte die Blicke, und den Grund dafür und änderte seine Gesichtsfarbe in ein noch intensiveres Rot.

„Ab heute werden wir uns gemeinsam vergnügen“, flüsterte Ceres ihm ins Ohr und ergriff spielerisch seinen Schaft. Lykos stöhnte auf und stöhnte immer lauter, als die wunderbaren Streicheleinheiten der jungen Lady ihn bis an den Rand eines Orgasmus führten… Aber dann stoppte Ceres und quetschte sein Gemächt rücksichtslos. „Warte gefälligst auf die Erlaubnis, deinen Samen zu verströmen!“ Lykos ächzte. Was war hier los? Solch Grausamkeit! Kurz vor dem Gipfel seiner Lust beendete sie das Spiel! So infam konnte nur eine Dämonin aus den Höllenfeuern sein!

Phoibe raffte ihre Röcke und stellte sich über sein Gesicht. Der ehemalige Soldat glaubte seinen Augen nicht trauen zu dürfen: Die Hofdame trug nichts unter den weiten Röcken und senkte nun ihre Lenden mit ihrer nackten Venus… Welch Anblick! Ihm schwindelte vor Geilheit. Während Ceres seinen Luststab erneut griff und daran spielte, zupfte, zog, drückte und ihn massierte, presste sich ihre Freundin auf das Gesicht des Liegenden und rieb hockend ihre Scham auf seiner Nase und seinem Mund. Vor lauter Lust schnellte seine Zunge hervor und verwöhnte die feuchte Weiblichkeit der adligen Dame. Oh, was für sündige Taten! Und sie waren so gut! Oh, stöhnte Lykos, was ging hier vor? Welches Hexenwerk war hier am Werke?!

Nachdem Ceres 13 Pausen eingelegt hatte, um zu verhindern, dass der Lustsklave seinen Samen vergoss, stöhnte Phoibe laut auf. Sie rieb sich über Lykos Gesicht und zuckte.
Auch Lykos war wieder am Rande zu seiner Erleichterung, doch wieder versagte Ceres, dieses Mal boshaft kichernd, seine Befriedigung. Dann wechselten die Damen die Position. Ceres stellte sich über das Gesicht des Liegenden und drohte: „Wenn du deinen Samen von dir gibst, bevor ich mein Vergnügen hatte, werden wir deinen Schlüssel in die Tiefen des Flusses werfen!“

Lykos leckte ihre Weiblichkeit und erlebte Himmel und Hölle zugleich, denn Phoibes Finger verwöhnten seine Männlichkeit so geschickt, dass er es kaum aushielt und nur die fürchterliche Angst vor ewiger Keuschheit ihn davor bewahrte, zu früh… Doch da konnte er nicht mehr! Er biss sich auf die Lippen, aber… „Mmmmpf“, ertönte es unter Ceres Röcken, als sie einen lustvollen Schrei ausstieß, und gleichzeitig Lykos in hohem Bogen seinen Samen versprühte und das Gefühl hatte zu explodieren wie ein mächtiger Vulkan.

Ceres entspannte auf ihrem Liebesspielzeug und stand schließlich auf. Die Frauen verschlossen Lykos wieder und befreiten ihn von den Seilen. In der kommenden Woche wollten sie seine Lust anfeuern, ihn aber am Ende unbefriedigt verschließen. Ceres und Phoibe lachten vergnügt bei der Vorstellung und freuten sich schon sarddonisch auf die nächste Begegnung mit ihrem Lustsklaven, bei der sie ihn in den geilen Wahnsinn treiben wollten.

Die Wochen vergingen. Leda erwies sich als gute und gerechte Königin des Nordlandes.
Doch ihr größtes Problem stand nun vor den Toren der Burg: Telamon mit Megaras Armee. Der Zusammenprall von tausenden armierter Kämpfern brachte beiden Seiten große Verluste, und die Felder des Nordens waren bald bedeckt von den Opfern des Krieges. Nach grausamen und brutalen sechs Wochen zog sich Telamon endlich zurück. Über die Hälfte seiner Soldaten waren auf dem Feld der Ehre geblieben. Und die Burg der Nordkönigin war immer noch nicht eingenommen.

Als Kriegsgefangene ausgetauscht werden sollten, und Telamon einen Hinterhalt legte, indem er die eigenen Männer entgegennahm, aber anschließend sowohl die Vermittler unter parlamentärer Flagge als auch die Gefangenen erstechen ließ, mobilisierte Königin Leda ihre Truppen und jagte hinter Megaras Armee her, die sich zügig zurückzog und Richtung Süden floh. Die erbitterte Verfolgung mussten die Nordmänner schließlich abbrechen, denn Telamon erhielt aus dem Süden weitere Verstärkung von den Truppen der Aggressorin. Ein starker Gewittersturm begleitete die Armee nach Norden, als würden die Götter ihre Wut über den feigen Rückzug kommentieren. Durchnässt und frierend kamen die Soldaten schließlich in ihrem Heerlager an.

Die Invasion aus dem Süden war missglückt, doch der Krieg zwischen Nord- und Südland war deshalb in keiner Weise beigelegt. Im Gegenteil: Königin Leda plante einen Vergeltungsschlag und entwickelte mit ihren Beratern bereits einen großen Zug in das Reich der Megara, um die Despotin zu stürzen und ihr Volk von ihr zu befreien. Außerdem hatte sie dem verstorbenen Nordkönig Adin geschworen, seinen Sohn zu rächen. Bei all ihrem Tun merkte sie kaum, wie es ihrem Gemahl erging.

Abas war mittlerweile ein Nervenbündel geworden. Zu gern hätte er wieder mit seiner Königin und seinem Weib geschlafen, doch ihm war sogar verboten, selbst Hand an sich zu legen. Immer wieder musste er sich mit eisernem Willen zusammenreißen, immer wieder war er kurz davor, die Warnung des Heilers in den Wind zu schießen. Er musste einfach eine Erleichterung haben! Aber zugleich hatte er auch panische Angst vor dem verkündeten Fluch.

Hilfe suchend wendete er sich an den Druiden, ob dieser seine wilde Männlichkeit beruhigen könne, aber der Mann, der vor einem prasselnden Feuer saß, schüttelte betrübt den Kopf: „Es tut mir leid. Normalerweile gibt es dagegen diverse Kräuter, aber gegen den Fluch gibt es nur diese eine Möglichkeit. Solltest du deinem Trieb erliegen, so bist du verloren für alle Zeit.“ Abas schluckte und seufzte tief. Er starrte in die lodernden Flammen, die zwischen den Holzscheiten zuckten, während draußen ein Nieselregen die Burgmauern durchnässte.

Nach einer Weile stand er stumm auf, verließ den Heiler niedergeschlagen und erstieg die Zinnen der Festung, um die Glut seiner Lenden in Sturm und Regen abzukühlen, doch auch, als seine Kleider und Knochen kalt, feucht und klamm waren, spürte er noch die lodernde Begierde, die ihn so sehr peinigte. Was sollte er nur tun? Bald schon würde Leda mit ihrem gewaltigen Heer nach Süden aufbrechen. Und Abas würde an ihrer Seite reiten. Doch wie sollte er sich auf den Kriegszug konzentrieren, wenn ihn seine Männlichkeit so sehr quälte?

Einen Tag vor dem großen Aufbruch ertrug er den Druck nicht mehr und zog sich in ein Turmzimmer der Burg zurück, entkleidete sich und fasste seinen Luststab. Oh, was war das für ein Genuss! Dann begann er, seine Männlichkeit zu bearbeiten, da hörte er Schritte auf der Wendeltreppe. Wer mochte es wagen, hier in die königlichen Gemächer einzutreten? Schnell zog sich Abas das Beinkleid an, und schon öffnete sich knarrend die Tür: Die Königin stand vor ihm, auf ihren Schultern ruhte ein feines Seidengewand, und sie öffnete vor Erstaunen den Mund. „Abas!“ sagte Leda vorwurfsvoll. „Um der Götter Willen! Was tust du?“ Sie kam herbei und griff in seinen Schoß, fühlte die harte Rute und zog ihm die Hosen hinab, um sicher zu gehen. „Du hast doch nicht etwa gewagt…“

Abas jammerte bekümmert: „Nein. Ich wollte, aber…“ Leda sah ihn misstrauisch an und warf ihm sein Wams zu. „Kleide dich an und folge mir! Sofort!“ Abas gehorchte seiner Majestät und stellte mit Schrecken fest, wohin der Weg sie führte: in die Hof-Schmiede.
„Euer Gnaden“, sagte Abas, „das wird nicht nötig sein. Ich…“ Die Regentin des Nordlandes unterbrach ihn barsch: „Ruhe! Schmied, sorgt für einen guten Keuschheitsgürtel für meinen Gemahl! Und lasst ihn nicht aus den Augen, bis er verschlossen ist.“ „Sehr wohl, Euer Gnaden“, antwortete der kräftige bärtige Mann mit der ledernen Schürze und begab sich sofort an die Arbeit.

Abas ließ sich resignierend auf einen dicken Holzstumpf fallen, der dort als Sitzgelegenheit diente. Er sah zu, wie der Schmied den Keuschheitsgürtel auf dem Amboss mit Zange und Hammer formte. Im Hintergrund saß ein junger Geselle, der mit einer Punze einen silberfarbenen Harnisch bearbeitete, um eine kunstvolle Ziselierung anzubringen. Aber dafür hatte Abas keine Augen. Er starrte nur auf die Arbeit des Schmiedes, die für ihn bestimmt war. Mit jedem Hammerschlag näherte sich ihm die Keuschheit, und er konnte nichts gegen das Menetekel tun. Welche Torturen und Enbehrungen standen ihm da bevor? Was hatten die Göttinnen ihm da für einen grausamen Schicksalsfaden gesponnen?

Am nächsten Tag war die Zeit des großen Aufbruchs gekommen. Fast das komplette Heer des Nordlandes zog Richtung Süden, um die Diktatorin von ihrem Thron zu stoßen und die unterdrückten Menschen des Südlandes von ihrem Joch zu befreien. Fahnenmeere auf Pferden und der Fußsoldaten reichten bis zum Horizont; die Hörner der Vorhut bliesen zum Abmarsch, dem Feind entgegen. Rüstungen und Waffen schepperten; die schweren Stiefel der Männer stampften im Gleichschritt die Erde fest. Die Streitrösser der Anführer waren mit schmuckvollen Schabracken bekleidet, die die Farben des Nordlandes präsentierten.

Während die riesige Nordarmee gen Süden zog und es in den Tälern und Wäldern sowie über die Felder vom tausendfachen Hufgetrappel donnerte, machte sich Megaras Streitmacht für ihre Verteidigung bereit. Um die Hauptstadt waren zwei mächtige Ringe von Soldaten mit schwerer Reiterei und Myriaden von Bogenschützen in Stellung gegangen. Sie würden keinen Schritt zurückweichen. Der Prunkbau der Hoheit war zusätzlich von den Elitekämpfern der Monarchin geschützt. Innerhalb des Palastes waren Unmengen an Lebensmitteln eingelagert worden. Die arme Bevölkerung darbte in diesen Tagen mehr als sonst. Aber dieses Opfer zollten ihre Untertanen gern für ihre geliebte Hoheit, war sich Megara gewiss.

Trotz der Kriegsvorbereitungen lebte der königliche Hof weiterhin in Saus und Braus, feierte rauschende Feste und erfreute sich an abendlichen Arenakämpfen, bei denen Sklaven aufeinander gehetzt oder zum Amüsement der edlen Damen gemartert wurden.
Der junge Sklave Euros gehörte zu einer großen Kolonne Arbeitskräften, die vor den Toren der Stadt einen Schutzwall aus Palisaden mit angespitzten Pfählen bauen mussten. Der Blondschopf war von der heißen Sonne bereits braun gebrannt, obwohl er vor einigen Tagen noch milchweiße Haut besessen hatte, da er tagsüber in den Minen der Herrscherin schuften musste, nachdem Megara ihn als Bettgespiele verstoßen hatte.

Auch ihr bisheriges „Schoßhündchen“ Kreios war zum Arbeitseinsatz eingeteilt und trug schwere Lasten für die Soldaten. Mit seinem nackten Oberkörper, der vor Schweiß glänzte, sah der Hüne gewaltig aus, und so mancher Edelmann, der sich zuvor über das Spielzeug der Regentin lustig gemacht hatte, machte einen weiten Bogen um den kräftigen Riesen. Einige Maiden dagegen konnten den athletischen Leib nicht lang genug anstarren.

Megara umgab sich dieser Tage lieber mit einem jungen süßen Burschen mit weicher und zarter Haut, der zu den vielen Jünglingen gehörte, die in der Hoffnung zum Palast gereist waren, das Herz der Königin gewinnen zu können. Sie hatte seinen Namen vergessen und nannte ihn forthin Herzchen. Doch auch Megaras neuester Bettgefährte würde irgendwann als Sklave enden, da waren sich Megaras Leibdiener, die Soldaten der Sondergarde und die übrigen Wachleute in der Festung sicher. Und viele würden folgen, sollte die Nordkönigin Megaras Reich nicht einnehmen.

Das Nordheer ritt und marschierte unterdessen unaufhaltsam vorwärts Richtung Süden. Bald schon würden es erste Feindberührungen geben. Königin Leda umgab sich mit erfahrenen Kriegern, die sie strategisch berieten. Abas, der als Gemahl der Majestät im Nordland traditionell nur eine relativ unbedeutende Rolle spielte, durfte bei den streng geheimen Beratungen nicht anwesend sein. Er fühlte sich überflüssig und wandelte gelangweilt im Lager umher, dass das Heer vor wenigen Stunden aufgestellt hatte.

Zelte über Zelte bedeckten die Graslandschaft. Eine Zeitlang beobachtete Abas einige Soldaten, die klirrend mit dem Schwert Zweikämpfe übten. Dann zog er sich im königlichen Schlafzelt zurück und warf sich auf die Kissen und Felle der Ruhestätte. Doch zur Ruhe kam er in keiner Weise. Im Gegenteil: Sofort wanderten seine Hände zu dem eisernen Keuschheitsgürtel und machten ihm unmissverständlich klar, dass seine Männlichkeit für ihn vorerst unerreichbar sein würde. Würde er den Fluch ertragen, bis er von ihm genommen war, oder hätte er bis dahin seinen Verstand verloren? Er wusste es nicht.
31. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 31.08.18 17:01

Nach einer langen und beschwerlichen Reise erreichte die Armee des Nordvolks die Grenze zu Megaras Reich. Königin Leda hatte ihren Soldaten streng verboten, brandschatzend umherzuziehen. Die Landbevölkerung war schon gebeutelt genug. Leda verstand sich als Befreierin der unterdrückten Menschen, nicht als neue Tyrannin.

Zu ihrer Überraschung fand sie trotzdem verkohlte Hütten vor, sowie leere Schafspferche, in denen blutige Pfützen von einer großen Schlachtung kündeten.
„Megaras Schergen haben sich Vorräte besorgt – ohne Rücksicht auf ihre Vasallen“, stellte Leda kopfschüttelnd fest. „Ihr geht es nur darum, sich in ihrem Palast einpuppen zu können wie eine Made im Speck. Es wird Zeit, dem Spuk ihrer Schreckensherrschaft ein Ende zu bereiten.“

Die Armee setzte ihren Feldzug fort und ritt über kahle Felder, auf denen noch vor kurzer Zeit prachtvolle Wälder gestanden hatten, nun jedoch schauten sie nur noch traurige Baumstümpfe an. „Megara wird das Holz für Schutzwälle benötigt haben“, überlegte Leda. Ihr Kriegsfürst nickte: „Ja, Euer Gnaden. Nun sind auch die wenigen Bäume des Südlandes gefällt worden. Wir müssen damit rechnen, dass der Feind auch neuartige Angriffswaffen gebaut hat.“ Leda nickte. Bei Megara musste sie auf alles gefasst sein.

Sie waren noch keine halbe Stunde wieder im Sattel, da fanden sie am Wegesrand mehrere nackte Männer, die auf dem Rücken ausgestreckt an jeweils vier Plöcken festgezurrt waren. Die Armen waren kaum bei Bewusstsein, ausgemergelt und bettelten um Wasser. Leda erfuhr, dass sie Soldaten der Südlande waren, die jedoch desertieren wollten. Zur Strafe hatte man sie hier zurückgelassen. Ein Kämpe mit einer Hellebarde stellte sich vor einen der Unglücksraben und nestelte an seinem Beinkleid. „Ihr Bastarde wollt trinken? Hier habt ihr mein Wasser!“ Grinsend holte er seine Männlichkeit hervor. In diesem Moment erschien Leda höchstpersönlich und schickte den Hellebardier wütend weg. Sie wies einen Soldaten an, den vier Gefangenen Wasserschläuche zu reichen und sie von den Stricken zu befreien. Sie erhielten Kleidung und durften sich in die Reihen der Nordarmee einfügen.

Und dann trafen die Heere aufeinander: Schwerter, Äxte, Morgensterne und Lanzen klirrten, rasselten, knallten zusammen, Kriegsgebrüll und das Donnern der Streitrosse erfüllten die Luft. Schon bald herrschte das tosende Gebrüll der Soldaten, prallten die Kampflinien aufeinander, Reiter wurden aus den Satteln gerissen und am Boden verwundet von den Pferden zermalmt oder von Spießen erstochen. Nach endlosen Stunden zogen sich Megaras dezimierten Einheiten eilig zurück. Ausgelassener Jubel brach bei den Siegern aus. Sie brüllten die ganze Anspannung hinaus und schworen sich weiter aufeinander ein.

Leda entschied, diesen Vorteil zu nutzen und sofort weiter vorzurücken. Hörner riefen das Aufgebot zum Vormarsch. Ledas Streitmacht setzte sich in Bewegung. Die Stadt in der Ferne wirkte wie ausgestorben. Und auch der Palisadenzaun war nicht bemannt. Ungehindert konnten die Nordmänner ihn passieren. War die Stadt verlassen worden?

Plötzlich kniff der nordische Kriegsfürst die Augen zusammen und schnupperte in die Luft. „Hier stimmt etwas nicht!“ Jetzt sah Leda es auch: Eine kleine Feuerlinie bahnte sich in der aufkommenden Dämmerung links und rechts den Weg vorbei an den Flanken des Nordheeres. Was hatte das zu bedeuten? „Eine Falle!“ brüllte der Kriegsfürst. Eine Feuerwand schoss fauchend in den Himmel, und die heißen Flammen leckten gierig nach Luft und schnappten wie bissige tollwütige Kampfhunde nach allen Seiten. Dann breitete sich Feuer und unerträgliche Hitze immer weiter aus. Ledas Soldaten waren eingekesselt. Das Feuer näherte sich und würde sie auffressen, wenn kein Wunder geschehen würde…

Als habe das Schicksal keinen schon genügend großen Preis verlangt, warnte eine überschlagende Stimme: „Brandpfeile!“ Im letzten Moment hoben hunderte Soldaten ihre Schilde über die Köpfe und bildeten so ein Schutzdach, auf das Myriaden von brennenden Geschossen prasselten und großteils stecken blieben. „Rückzug!“ schrie Leda. „Wir müssen durch die hintere Feuerwand brechen. Sonst verglühen wir hier.“ Die Führer der Truppeneinheiten hatten große Mühe, eine Panik zu unterbinden und einen einigermaßen geordneten Rückzug einzuleiten. Leda gingen einige Schreie durch Mark und Bein, die von lebenden Fackeln zeugten.

Jeder musste um sein Leben bangen. Als das Nordheer hinter einem nahen Hügel in Sicherheit war, schüttelte Leda im schnell errichteten Lager resignierend den Kopf. „Megaras Palastfestung ist uneinnehmbar.“ Auch ihr Kriegsfürst wusste sich keinen Rat. Mit ihren Mitteln würden sie nicht in der Lage sein, das Bollwerk zu erobern. Selbst eine Belagerung der Feste war nicht aussichtsreich.

Doch dann ereilte Leda eine Überraschung: Am frühen Morgen des nächsten Tages hastete Ledas Kriegsfürst, ungerüstet nur in Lederkutte und Beinkleid gewandet, außer Atem in ihr Zelt: „Euer Gnaden! Es gibt vortrefflich Neuigkeiten. Ganze fünfhundert Soldaten haben sich ergeben und sind übergelaufen.“ Konnte das wahr sein, oder handelte es sich hier um eine Kriegslist der Tyrannin? Doch Leda konnte sich von der Ehrlichkeit der Männer überzeugen und gab Waffen aus, um sie in ihr Heer aufzunehmen.

Die feindliche Regentin hingegen tobte auf der anderen Seite der Mauer: „Hochverrat! Fast eine gesamte Kohorte Eidbrüchiger! Wie konnte das geschehen?“ Die Herrscherin war außer sich und spuckte Telamon vor die Füße. Am liebsten hätte sie ihn vor allen Soldaten geohrfeigt. „Dieses Gewürm hatte mit die Treue geschworen! Und kaum kommt da ein Weibsstück am Horizont dahergelaufen, dass zu allem Überfluss eine Deserteurin aus meinen Reihen ist, schon laufen diese ehrlosen Feiglinge wie die Hasen! Sollte ich sie jemals in meine Hände bekommen, werden sie…“ Der Paladin hörte nicht mehr zu, wie Megara zahlreiche grausame Foltermethoden aufzählte und sich bildlich und detailverliebt ausmalte, was sie der Reihe nach mit den Fahnenflüchtigen tun werde…

Ledas Kriegsfürsten beratschlagten das weitere Vorgehen. „Es wird viele Leben kosten“, sagte der oberste Führer des Heeres, und Ledas Berater stimmten ihm zu, schlugen anerkennend auf den Holztisch. „Schutt und Asche“, orakelte einer der Männer, „die Stadt wird nicht mehr existieren. Vielleicht zünden Megaras Schergen die Häuser sogar selbst an.“ Er sah in die Runde, was die Anwesenden von seiner Meinung hielten und nippte an seinem Zinnbecher mit Ale.

Königin Leda zog sich zurück und besprach die Situation mit dem alten Weissager, der auch schon bei Abas Fluch geholfen hatte. „Die Aaskrähen werden wie ein schwarzer Teppich über den Gefallenen kauern“, sah der weißhaarige Mann in die düstere Zukunft, während er in eine Flamme starrte. „Doch ihr könnt das große Leid umgehen…“ Leda hing an seinen Lippen, als er ihr von dem magischen Schlafmohnpulver erzählte, von dem eine alte Überlieferung berichtete, und das nötig war für den Plan, den die Kriegsgötter ihnen darlegten.

Bereits am nächsten Tag, kurz nach Sonnenaufgang, näherten sich drei Reiter aus der Stadt dem Heerlager. Die Parlamentäre trugen eine große weiße Fahne, die im Wind flatterte. „Wir übergeben Euch hiermit die Stadt. Die Tore werden geöffnet. Die Bewohner haben beschlossen, sich Euch ohne Bedingungen zu ergeben und Megara abzuschwören.“

So viel Glück konnte Leda kaum glauben, doch es schien wahr. Das würde viel Blutvergießen verhindern. Jetzt fehlte nur noch der Palast der Megara. Ihn jedoch zu erobern war fast unmöglich. Auch eine Belagerung würde das Herscherhaus viele Monate ertragen, denn die Lager waren bis unter die Dächer mit Lebensmitteln gefüllt, die sie zuvor der unterdrückten Bevölkerung geraubt hatten. Aber Leda hatte sich den Plan ihres Heilers durch den Kopf gehen lassen und stimmte schließlich seiner Idee zu. Sie gab die Vorbereitungen den staunenden Soldaten in Auftrag.

Innerhalb des Palastes war den Hofdamen und Edelleuten das ständige Feiern vergangen. Sie hatten die ernste Lage erkannt und vertrauten notgedrungen den dicken Mauern der Bastion und den wenigen Elitesoldaten, die ihnen noch verblieben waren, nachdem das „normale“ Heer desertiert war. Megara ließ gegen Mittag einen Vermittler zu Leda reiten, der eine Botschaft zu überbringen hatte: Sollte das Nordheer gegen den Palast ziehen, so würden Geiseln aus dem Nordland entmannt werden. Kein Mitleid, kein Erbarmen sollte es geben.

Im Laufe der nächsten drei Tage nähten und bauten Ledas Handwerker ein seltsames Gebilde aus Tierhäuten zusammen. Die Nichteingeweihten rätselten, was es damit auf sich hatte. So mancher Bursche schwadronierte von Hexerei. Gleichzeitig braute der Heiler mit mehreren Gehilfen in seinem großen Zelt, dessen Eingang ein weißer Widderschädel schmückte, in einem voluminösen Kupferkessel über dem Feuer eine seltsame Suppe. Zuvor hatten fast 50 Reiter im weiten Umkreis bestimmte Kräuter und Blumen pflücken müssen. Den meisten Soldaten war das alles nicht besonders geheuer.

Endlich war es soweit: Der Heiler stellte kleine Tongefäße her und füllte diese mit einem Pulver, das er zuvor mit dem Kräutersud vermischt hatte. Er versiegelte den Inhalt mit Wachspfropfen. Dann breiteten Helfer den großen Ballon aus Tierhaut aus und entzündeten darunter ein Feuer in einem Korb, der mit dem Ballon verbunden war. Die Tierhaut blähte sich durch die Hitze auf wie eine riesige Kugel. „Schwarze Magie!“ rief ein Soldat und stand da mit offenem Mund. Ein anderer schritt ängstlich rückwärts, als sei ihm der Schnitter persönlich begegnet. Das konnte alles nicht mit rechten Dingen zugehen! Und als dann der Heiler mit den Tongefäßen in den Korb stieg, einige Seile durchtrennte und das Feuer weiter anfachte, da zitterte der Soldat vor Furcht: Der Ballon erhob sich und flog wie ein Vogel durch die Luft!

Der Alchemist stieg in den Himmel, höher und höher, dann hielt er die Höhe bei und näherte sich dem Palast der Megara. Der Wind trug ihn genau in die richtige Richtung. Innerhalb der Befestigung herrschte große Enge. Denn als Megaras Soldaten desertiert waren, hatten sie sich keine Zeit genommen, die Sklaven zu befreien. Daher waren die Unglücklichen von den Eliteeinheiten in die Burg gebracht worden. Vielleicht sollten sie als menschliche Schutzschilde missbraucht werden? Außerdem konnte die Palastwache jede starke Hand gebrauchen, denn für den Notfall gab es gewaltige Steinwurfmaschinen, die nun unter Peitschhieben der Antreiber von den fast nackten Leibeigenen in Stellung gebracht wurden.

Die Soldaten beluden die Katapulte mit Felsbrocken, aber auch mit entzündlichem Teer.
Außerdem hatte Megara vor, einige der entmannten Geiseln zur Abschreckung als Wurfgeschosse zu verwenden. Die Despotin wartete auf die Attacke, doch die gefürchteten Nordmänner verharrten vor den Mauern. Wollten sie den Palast belagern? Am Nachmittag kam ein Wachmann in Megaras Gemach, als diese sich gerade von ihrem neuen jungen „Spielzeug“ verwöhnen ließ: „Entschuldigt, Majestät! Aber ein großer künstlicher Vogel ist am Himmel erschienen. Eine Blase. Und sie spuckt Feuer! Vielleicht haben die Götter sie geschickt.“

Megara trat den Jüngling brüsk zur Seite und eilte auf den höchsten Turm des Palastes. Sollte ein Drache gesichtet worden sein? Und auf welche Seite würde er sich schlagen? Auch im großen Innenhof der Festung waren alle Häupter zum Himmel gerichtet. „Was…“ begann die Regentin, aber sie kam nicht mehr dazu, die Frage zu Ende zu stellen, denn plötzlich quollen an mehreren Stellen des Hofes dicke Rauchschwaden auf. Der Heiler hatte die Tongefäße abgeworfen, die ihren einschläfernden Inhalt nun freigaben, als sie auf dem Stein in tausend Scherben zerbarsten. Wie wabernde Nebel zog die geheimnisvolle Mischung durch den Hof. Megara stand mit Telamon und zwei Wachleuten auf dem höchsten Turm und beobachtete, wie ein Waffenbruder nach dem anderen umkippte. Der Rauch zog auch durch Fenster und Türen, Schießscharten und andere Öffnungen in die Gemäuer und ließ sämtliche Bewohner in einen tiefen Schlaf fallen. Nur die Vier auf dem hohen Turm waren außerhalb der Wirkung und blieben wach.

Sie schüttelten fassungslos den Kopf, verstanden nicht, was da vor sich ging. Und nun ertönten auch noch die bassigen Hörner der Nordmänner, deren Armee sich in Bewegung setzte. „Nein!“ rief Megara entsetzt. „Haltet sie auf! Zu den Waffen!“ Die beiden Wachmänner liefen die Wendeltreppe hinab, um den Befehl weiter zu leiten, doch kaum unten angekommen, umgab sie der Rauch des Schlafmohns und ließ sie ihre Besinnung verlieren. Scheppernd fielen ihre Hellebarden auf den kalten Marmorboden, und ihre Körper sackten wie leblos zusammen.

Telamon verriegelte die schwere Falltür zum Turmdach. „Majestät! Der Palast wird gestürmt. Die Nordmänner haben einen bösen Zauber gewirkt. Alle Soldaten sind tot.“ Megara schrie: „Nein! Das glaube ich nicht! Das wagen sie nicht! Entmannt alle Sklaven! Sofort!“ Telamon versuchte, seine Königin zu beruhigen: „Wir können nicht hinab. Der Rauch ist vergiftet. Er würde uns sofort töten. Es ist schwarze Magie!“ Megara musste hilflos mit ansehen, wie die schweren Tore des Palastes aufgebrochen wurden und hunderte Krieger in den königlichen Hof eindrangen. Die gesplitterten Riegelbalken schepperten zu Boden, die Türflügel knallten zitternd gegen Wände. Die Recken verteilten sich im Hof, Schwert oder Pike vor sich. Auf Ledas Befehl wurden sämtliche Sklaven von ihren Ketten befreit, obwohl sie noch bewusstlos waren.

Die Elitesoldaten und Palastwachen der Megara wurden in den berüchtigten Kerker geschleift, wo sie in dunklen Gewölben mit schweren Gittern und Dämmerlicht durch einige wenige Fackeln an den groben Wänden darauf warteten, dass sie wieder zu Besinnung kamen. Leda persönlich führte die Gruppe an, denn sie kannte sich als einzige in den Kellern und Gängen gut genug aus. Wer hier unten zu Megaras Zeiten hauste, hatte das Sonnenlicht meist das letzte Mal im Leben gesehen.

Plötzlich gab es im Innenhof einen Tumult. Kreios, der Hüne mit dem nackten Oberkörper, war durch die Wolken des Schlafpulvers nur benommen, konnte also nach seinem großen Morgenstern greifen und sich auf drei Nordkrieger stürzen, die mit Mühe den wuchtigen Schlägen standhielten, doch schnell waren ihre Metallschilde völlig verbeult, deformiert und nutzten kaum noch etwas. Doch da liefen jetzt fünf weitere Krieger herbei, die den Riesen schließlich überwältigten. Einer warf ein Netz über den Koloss, ein anderer schleuderte einen Strick um dessen Füße, drei schlugen mit ihren Waffen zu, so dass der Gigant zu Boden ging. Ein Nordmann wollte gerade mit seinem Breitschwert zustoßen und Kreios Herz durchbohren, da hörte er die königliche Stimme von Leda: „Stopp! Lasst ihn leben! Er ist nur ein Sklave. Er hat noch nicht begriffen, dass wir ihm die Freiheit schenken werden.“

„Euer Gnaden“, kam Ledas Kriegsfürst zu ihr, „wir haben die meisten Angehörigen des Hofes gefunden, doch Megara selbst und ihr Paladin sind verschwunden wie durch Hexerei!“ „Durchsucht die Burg bis in den kleinsten Winkel“, befahl Leda. Sie konnte nicht geflüchtet sein. Das war unmöglich. Alles war abgesperrt gewesen. Sie musste irgendwo ein Versteck gefunden haben. Sie musste gefunden werden! Und wenn ihre Männer jeden einzelnen Steinquader umdrehten, um sie zu fangen!

Telamon starrte von den Zinnen hinab auf den Tumult. Als er sich wieder zu seiner Regentin umdrehte…

…war Megara verschwunden. Die Falltür war geöffnet. Der Paladin lief zu der Öffnung: „Majestät!“, rief er laut, aber niemand antwortete. Was sollte er nun tun? Er entschloss sich, Megara zu folgen und zog sein Schwert. Lieber im Kampf sterben, als unehrenhaft vor dem Feind auf den Knien liegen! Telamon raste die steinerne Wendeltreppe hinab, das Schwert vor sich. Dann kam er bei einer Kammer vorbei, deren Tür aufstand. „Majestät!“ rief er und ging auf Megara zu, die ihm den Rücken zuwandte. „Majestät“, sagte er erneut, „hier sind wir nicht sicher. Ich höre schon die Nordmänner auf der Treppe. In wenigen Augenblicken werden sie hereinstürmen. Aber ich werde uns bis aufs Blut verteidigen.“

Kaum hatte er den Satz beendet, erschienen mehrere Soldaten und drangen in die Kammer ein. „Ergebt Euch! Dann behaltet Ihr Euer Leben!“ rief der Anführer, ein scharfes Schwert auf Telamon gerichtet. „Niemals!“ brüllte der Kriegsfürst und ging mit seinem Schwert auf die Eindringlinge zu. In der engen Räumlichkeit blieb nur der Zweikampf: Der Paladin hielt sich in dem nun folgenden wilden Schwertkampf mit dem Gegner wacker, doch bald schon schoben sich Nordmänner an den Seiten vorbei und positionierten sich in seinem Rücken. Er war nun der Übermacht unterlegen und ächzte mit einer Klinge in der Brust auf. Sein Schwert fiel scheppernd zu Boden, dann sackte Telamon kraftlos zusammen, seine Augen brachen. Sein Leben war ausgehaucht.

An der rückwärtigen Wand der Kammer stand die Despotin und hatte dem letzten Aufbäumen zugesehen. Der Sprecher der Nordmänner sagte mit fester Stimme: „Königin Megara! Hiermit seid Ihr Gefangene von Königin Leda, Herrin des Nordvolkes. Ergebt Euch Eurem Schicksal!“ Die Regentin ließ sich ohne Gegenwehr abführen. Ihre Mimik verriet nichts über ihre Gefühle. Mit hoch erhobenem Kopf ging sie die Wendeltreppe hinab auf den Hof, umringt von nordischen Kriegern.

Nur eine Stunde später waren die Sklaven im Kerker wieder bei Bewusstsein. Die Wolken aus Schlafmohnextrakt verloren ihre Wirkung. Den Leibeigenen wurde die Freiheit versprochen, was sie jubelnd aufnahmen. Viele Soldaten von Megara wechselten die Seite und schworen einen Treueid auf Königin Leda. Trotzdem blieben einige Männer und Damen im Kerker, denn sowohl die Angehörigen der Elitepalastwache wie auch der Adel mussten mit der nordischen Gerichtsbarkeit rechnen.

Den größten Triumph wollte sich die neue Herrscherin des gesamten Nord- und Südreiches bis zum Schluss aufbewahren. Erst waren wichtige Regierungsgespräche zu führen, aber am nächsten Tag besuchte Leda im Kerker die gefallene Diktatorin Megara. Leda ließ sich von zwei Wachen mit Fackeln zu ihr führen und trat in die düstere Einzelzelle ein, wo die Gefangene in schweren Ketten ihr Dasein fristete. Leda wollte sie gerade ansprechen, da stutzte sie. Sie befahl den Wachen, die beiden Lichter näher zur Gefangenen zu bringen, damit sie ihr Gesicht sehen konnte.

Als „Megaras“ Antlitz von den Flammen erleuchtete, stieß Leda einen erschrockenen Ruf aus. „Sucht sofort die Umgebung ab! Das ist nicht Megara! Das ist nur irgendeine Magd in einem königlichen Gewand!“ Die Gefangene sackte weinend zusammen. „Die Königin hat mich gezwungen. Wenn ich etwas gesagt hätte, hätte sie meinen Liebsten entmannt…“ Leda unterbrach sie: „Nein. Megara hat keinerlei Macht mehr. Ich habe sie vom Thron gestürzt. Wir werden sie finden und zur Rechenschaft ziehen.“

Königin Leda wies die Wachmannschaft des Kerkers an, die Magd frei zu lassen. Mehrere Reitertrupps durchkämmten nun die Umgebung und schickten Kundschafter in alle Windrichtungen durch die Lande, um Megara aufzuspüren. Nichts blieb unversucht. Doch die Tyrannin blieb wie vom Erdboden verschluckt.
32. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 01.09.18 21:12

Geile Geschichte setze sie bitte baldmöglichst fort.
LG Alf
33. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 15.09.18 14:59

Die Tage vergingen, und obwohl die Angehörigen des Adels jammerten und flehten und um Gnade baten, glaubte ihnen niemand ihre angebliche Reue. Längst waren ihre seidenen Rüschenkleider verdreckt und zerrissen. Und auch der anfängliche Hungerstreik wegen „des ungenießbaren Fraßes“ hatten die feinen Damen und Herren längst eingestellt. Jetzt wurde ihnen bewusst, wie sehr das Volk, und besonders die Sklaven, unter ihrer Willkür und Gewaltherrschaft gelitten hatten.

Aber Leda ließ keine Gnade walten: In den kommenden Tagen wurde ein Edelmann nach dem anderen der Gnade der Götter übergeben. Weil nach alter Tradition des Nordlandes keine Frau hingerichtet werden durfte, beschloss Leda, die edlen Fräuleins in dem dunklen Kerker des Palastes verrotten zu lassen. All ihr Schreien, Wehklagen, Greinen und Betteln brachte ihnen nichts ein.

Zwei Tage später erschien ein Mann mit Dreitagebart, der sich als Soldat für Königin Leda verpflichtet hatte, beim Kerkermeister und bat um Einlass. Eigentlich war es den Kriegern streng verboten, ihre Manneslust an den Gefangenen auszulassen, aber der Soldat reichte dem Kerkermeister eine großzügige „Spende“, so dass der Wächter beschloss, eine Zeitlang nicht so genau hinzusehen, wer da in den Kerker ging. Sollte der Recke sich doch vergnügen. Die Zicken hinter dem Gitter hatten es nicht besser verdient! Der geheimnisvolle Besucher hieß Lykos und war auf der Suche nach Phoibe und Ceres, die immer noch den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel besaßen.

Noch sehnsüchtiger als Lykos erwartete der Gemahl der Königin, Abas, den Aufschluss seines Gürtels, doch die Majestät blieb unnachgiebig. Erst einige Wochen waren vergangen, und ein ganzes Jahr musste Abas ertragen, um den Fluch aufzulösen. Leider war der Magier der Megara nicht mehr unter den Lebenden. Er hatte sich mit einer Giftkapsel aus der Verantwortung gestohlen, als Ledas Armee den Palast eroberte. Der Heiler von Königin Leda konnte daher den Zauberer nicht mehr nach der Formel für den Fluch befragen, um ihn vom jungen Abas zu nehmen.

Zwar werkelte der Heiler tagelang mit allerlei Räucherwerk, Töpfen und Tiegeln herum und murmelte geheimnisvolle Bannsprüche, doch nichts schien zu helfen. Abas fühlte sich immer noch… nun, wie sollte er sich vornehm genug ausdrücken als Gemahl des vereinten Nord- und Südlandes? Eine distinguierte Umschreibung fiel ihm nicht ein. In seinen Gemächern jammerte er: „Ich fühle mich wie ein geiler Bock, dem die Ziegen verwehrt werden, obwohl sie vor seiner Nase ihre Hintern hinstrecken!“ Königin Leda hatte zwar Mitleid, konnte sich aber kaum mit Abas´ Problem befassen, denn die Regierungsgeschäfte verlangten ihre volle Zeit. So musste Abas auch in den kommenden Wochen verschlossen bleiben und tapfer sein.

Ganz anders der ehemalige und jetzt erneute Soldat Lykos: Er hatte es tatsächlich mit seiner Verwegenheit geschafft sich in den Kerker Einlass zu verschaffen und nach einiger Suche die beiden jungen Damen Ceres und Phoibe zu finden. Die Edelfrauen witterten ihre Chance, der trostlosen Gefangenschaft zu entkommen und forderten ungestüm ihre Freiheit als Preis für den Schlüssel zu Lykos Keuschheitsgürtel. „Quid pro quo“, sagte Phoibe und grinste mit ihrem mittlerweile schwarz verdreckten Gesicht, aus dem ihre Stupsnase ragte.

Lykos hatte also eine weitere – nicht unerhebliche – Summe an den dubiosen Kerkermeister bezahlt, um die beiden Fräuleins zu kaufen und erhielt daraufhin einen Hinweis auf das Versteck des Schlüssels. Da Lykos den Beiden nicht traute, mussten sie ihn begleiten. Misstrauisch ließ er sich zu dem Versteck führen. Seine Sorge war jedoch unbegründet gewesen. Sie hatten die Wahrheit gesprochen, und Lykos hatte sich aufgeschlossen. Was für ein Gefühl der Freiheit hatte ihn durchströmt! Er war putzwunderlich, als Ceres ihn aufforderte, sein Lager mit ihm zu teilen. SIe wollte wohl das erste Weib sein, das den hungrigen Stab umschloss. Das ließ sich der Soldat nicht zwei Mal sagen und zog sich mit der jungen Frau zurück. Das Paar vergnügte sich wild miteinander, und beide hatten offenbar größte Befriedigung und Freude an dem, was sie da taten.

Anschließend verabschiedeten sich die beiden Damen, kleideten sich unauffällig ein; Lykos half ihnen sogar, zwei Gäule zu stehlen, und mit ein wenig Mundvorrat machten sich Ceres und Phoibe auf die Reise nach Westen, außerhalb von Ledas Machtbereich. Seit dieser Zeit lebte Lykos unauffällig unter den Soldaten und hob sich nur ab und zu als Weiberheld hervor, der vor seinen Kameraden von seinen frivolen und heldenhaften Abenteuern erzählte, jedoch dabei stets „vergaß“, den Keuschheitsgürtel zu erwähnen, den er getragen hatte. Die grausame Zeit der Enthaltsamkeit war für ihn vorbei.

Nicht so für den Gemahl der Königin: Abas schaute jedem Kleid hinterher, so dass ihn Leda oft mit bösen Blicken zur Räson bringen musste. Der königliche Gemahl bettelte jede Nacht mehr, ihn doch wenigstens probeweise von dem eisernen Verschluss zu befreien, und eines Tages ließ sich Leda erweichen. Sie hatte sich zwar hin und wieder von ihrem Manne ihre Weiblichkeit „küssen“ lassen, doch vermisste sie Abas „Schwert“ und öffnete den Keuschheitsgürtel.

„Aber wenn der Fluch noch nicht vergangen ist, was geschieht dann?“ fragte Leda sorgenvoll. Abas zuckte mit den Schultern: „Was soll schon geschehen? Dann verschließt du mich wieder, und wir warten notgedrungen die restlichen Monate ab.“ Leda nickte, aber während sie Abas aufschloss grübelte sie in Gedanken: „Hatte der Heiler nicht irgendeine Warnung ausgesprochen?“ Doch das heiße Verlangen der Beiden zueinander war so groß, dass es alle Bedenken zerstreute. Abas stöhnte lustvoll auf, als sein scharfer Dolch die Freiheit spürte und er sich über die Majestät der vereinten Länder schob. Auch Leda spürte die Feuchte ihrer Lenden und ertastete den harten Stab mit den Händen, bevor er endlich sein Ziel fand.

Das junge Paar versank in lodernder Leidenschaft - heiße und sinnliche Stunden folgten.
Die Königin stieß spitze Schreie vor Lust und Begierde aus und klammerte sich an den jungen straffen Körper ihres Gemahls, der sie zu so großem Vergnügen führte. Doch mit der Zeit bemerkte sie, dass Abas verspannte und nervöser wurde. Er hatte noch kein Mal seinen Samen in sie gegossen. Nun konzentrierte sich Leda auf Abas Lust, aber diese schien er nicht befriedigen zu können. Seine Gier, sein wilder Wille nach Entspannung blieb unerfüllt. Egal, wie sehr er sich bemühte. Sein Zepter pochte und flehte förmlich um eine Erlösung, doch sie blieb ihm verwehrt.

Schließlich nahm die Königin sein Schwert in den Mund und verwöhnte Abas nach allen Künsten. Abas gefiel es offenbar prächtig. Seine Lustgeräusche und Hüftbewegungen verdeutlichten, wie sehr er es liebte. Aber sein Saft wollte einfach nicht verströmen. Irgendwann gab Leda ihre Bemühungen auf und seufzte. Abas hatte seinen Luststab selbst in die Hand genommen und führte schnelle Bewegungen aus, Leda sah kopfschüttelnd zu, aber Abas konnte seinen Samen nicht verteilen. Er war völlig frustriert und jammerte: „Oh, Leda! Was soll ich bloß machen?“ Die Herrscherin antwortete: „Da bleibt nur wieder der Einschluss in…. Ach je!“ Abas sah sie an und unterbrach seine „Handarbeit“: „Was ist denn?“ Leda sah ihn bestürzt an: „Mir fällt gerade ein, was mein Heiler gesagt hat. Solltest du bereits vor Ende der vierten Jahreszeit versuchen….. Oh, je! Was haben wir getan?! Du wirst auf ewig diesem Fluch ausgesetzt sein!“

Abas starrte sie an: „NEIN!“, rief er entsetzt. „Das darfst du nicht zulassen! Du bist die Herrin über Nord- und Südland! Du musst mich von diesem Bann befreien können!“ Aber Leda blieb stumm und senkte resignierend ihr Haupt, denn sie hatte keinen Rat. Abas Schicksal schien besiegelt.

Einige Wochen nach der furchtbaren Erkenntnis musste Ledas Gemahl in einer Kammer eingesperrt werden, denn er wütete von morgens bis abends und nutzte jeden unbeobachteten Moment, um Hand an sich zu legen. Doch das alles machte ihn von Tag zu Tag nur unbefriedigter und besessener. Die „geheimnisvolle Krankheit“ des Verfluchten sprach sich im Volk herum, doch niemand wusste genau, worum es sich handelte. Es war lediglich bekannt, dass Abas allmählich den Verstand verlor.

Eines Tages stand ein langhaariger alter Druide aus dem Nordland vor dem ehemaligen Palast der Megara, den die amtierende Königin Leda als ihren neuen Regierungssitz annektiert hatte. Der bucklige Druide versicherte, Abas heilen zu können. Zunächst war Leda skeptisch, doch als der Druide alle Einzelheiten über Abas Fluch kannte, war sie überzeugt, dass der Mann mit seinem knorrigen Wanderstock seherische und heilende Kräfte besaß. Er verbrannte eine Kräutermischung über einem kleinen Feuer und verwirbelte den Rauch im Raum, in dem Abas saß. Anschließend musste der Gemahl der Regentin einen bitteren Sud trinken.

Nicht nur das Königshaus sondern auch das gesamte Volk betete zu den Göttern, dass der Trunk helfen möge, den Mann ihrer Befreierin von der „mysteriösen Erkrankung“ zu heilen. In den kommenden Tagen zogen sich Leda und Abas immer wieder in ihr prunkvolles Schlafgemach zurück, um zu prüfen, ob der Fluch besiegt war. Doch zunächst gab es keine Veränderung, und Abas verlor fast den Verstand vor Geilheit.

Als nach einer Woche Abas zum ersten Mal nach so ewiger Zeit wieder seinen Samen - brüllend vor Erleichterung und Ekstase - in Leda verströmte, lagen sich die Beiden überglücklich in den Armen. Zwar hatte Abas sehr lange gebraucht, aber letztlich war er am Ziel seiner Bemühungen angekommen. Auch in der zweiten Woche war der Gemahl der Königin in der Lage, als gesunder Mann ihr Lager zu teilen, und Ledas Hoffnungen, eines Tages Abas einen Sohn schenken zu können, keimten wieder auf.

Die Regentin dankte dem Heiler, der ihr allerdings als Wehrmutstropfen verkündete, dass der Fluch wohl nie völlig verschwinden werde. „Was bedeutet das?“, wollte Leda erschrocken wissen. Der Heiler erläuterte, dass Abas zwar seinen Samen versprühen könne, aber dafür zuvor jedes Mal mindestens fünf Mal seine Königin beglücken müsse, bevor es möglich werde. Leda grinste. Das würde ihr nichts ausmachen. So waren die Liebesnächte umso länger. Allein bei dem Gedanken daran, entfachte in Leda ein Feuer, das leidenschaftlich loderte. Am liebsten hätte sie sich sofort mit Abas zurückgezogen, doch wichtige Regierungsgespräche standen auf dem Tagesplan. Leda konnte den Abend kaum abwarten, um sich ganz unköniglich auf Abas zu stürzen.

Die Diktatur der Tyrannin Megara hatte das Südreich in wenigen Jahren völlig zu Grunde gerichtet, so dass es eine Menge beim Wiederaufbau zu tun gab. Als erste Amtshandlung hatte Leda die knebelnden Steuern drastisch gesenkt und das frische Wasser der Quellen für alle freigegeben. Auch die Sklavenarbeit in der Silbermine unter dem Palast sowie die Schufterei auf den Baumwoll- und Tabakfeldern sollten nur noch von freiwilligen Lehnsmännern erledigt werden – gegen gute Entlohnung versteht sich.

Mehrere Monate vergingen, und das große vereinigte Reich entwickelte sich prächtig. Leda führte es mit gerechter und gütiger Hand. Eroberungen anderer Länder hatte sie nicht im Sinn, und ihre Armee diente nur der Verteidigung der Grenzen. Dann kam der Tag, an dem die Majestät in ihrer barmherzigen Art bestimmte, dass die Edelfrauen aus dem Kerker entlassen werden sollten. Doch bevor sie ihre Freiheit erhielten, sollten sie noch einmal ähnliche Ängste durchleiden, wie sie ihren Sklaven zugemutet hatten. Deshalb ließ Leda sie in die Arena führen, in denen seit ihrer Herrschaft nur unterhaltsamer Zirkus stattfand, und verkündete, dass sie nun sterben müssten.

Natürlich waren die ehemaligen Edelfräuleins voll Panik und Furcht und liefen in ihren mittlerweile nur noch aus schmutzigen Fetzen bestehenden Kleidern wie von Sinnen in der Manege umher, während das einfache Volk, das die Ränge bekleidete, amüsiert lachte und applaudierte. Die feinen Damen, die längst wie bettelnder Pöbel aus der Gosse aussahen, schrieen und flehten um Erbarmen und Gnade. Und in Todesangst kreischten die Weiber plötzlich los, als mehrere stämmige Männer mit Lederschürzen die Arena betraten und sich einzelne Frauen herauszogen und zu einem Amboss zerrten. Sollten sie hier enthauptet werden?

Ihnen wurden die dreckigen Stoffreste, die ihre Körper noch bedeckten, vom Leib gerissen. Sollte das die letzte Demütigung vor dem grausamen Todesurteil sein? Aber dann bemerkten sie, dass ihnen Keuschheitsgürtel um ihre Hüften geschlossen wurden.
Eine nach der anderen wurde so versperrt. Verschämt hielten sie ihre Arme und Hände vor ihre nackten Brüste, doch das Publikum johlte vor Freude. So mancher unter den Zuschauern und Zuschauerinnen hatte unter der Herrscherschicht der Megara schwer gelitten. Welch eine Genugtuung bot sich in diesem Bild für die Menschen! Unter den Besuchern der Arena fand sich auch der ehemalige Sklave Skiron, den Abas als Leibeigener unter Megaras Fuchteln kennengelernt hatte, der inzwischen als Bienenzüchter ein zufriedenes Leben führte. Und auch der blonde Jüngling Euros saß in einer der Reihen – der Goldschopf, der von Megara und ihrem feisten Bastardsohn Talos als Liebesspielzeug missbraucht worden war, und nun als freier Mann in der Stadt als Händler ein gutes Auskommen hatte.

Als sich die Erhabenheit Leda erhob, verstummte der Jubel, und alle hörten andächtig zu, wie sie verkündete, dass den „noblen Ladys“ das Leben geschenkt war. Die Ironie in ihrer Stimme schallte weit durch die Arena. Doch würden die Begnadigten als Geächtete das Reich verlassen müssen und nach zehn Sonnenaufgängen als vogelfrei betrachtet. Als zusätzliche Bestrafung für ihre zügellose unkeusche Lebensweise werde sie ihr neuer eiserner Schmuck an ihren Lenden stets daran erinnern, wie ausschweifend und anrüchig sie auf Kosten ihrer Untertanen gelebt hatten.

Nach fünf Jahren sei ihnen erlaubt für wenige Tage zurückzukehren, um sich von den königlichen Schmieden befreien zu lassen. Anschließend würden sie das Reich der Leda wieder verlassen müssen. Dieses Mal für immer. Um ihnen sofort die Hoffnung auf einen Ausbruch aus ihrer Lendenfessel zu nehmen, erklärte Leda, dass die Gürtel von keinem anderen Schmied der bekannten Welt geöffnet werden könne. Als die Ladys diesen Schrecken noch gar nicht verdaut hatten, erschienen Soldaten der Königin, unter ihnen auch Lykos, der mittlerweile als Hauptmann diente, und prügelte die „feine Gesellschaft“ unter begeisterten Zurufen von den Rängen mit langen Bambusstöcken aus der Arena.

Wieder und wieder knallten die Hölzer auf die zarten Pos, die zuvor wohl noch nie gezüchtigt worden waren. Die Edeldamen rannten, nackt bis auf ihr neues ehernes Geschmeide, die Straße entlang, und noch mehrere Meilen weit trieben Reiter sie mit Stöcken und langen Lederpeitschen bis aus der Stadt hinaus. Als letzte Barmherzigkeit warfen die Soldaten den Fräuleins einige alte Stoffreste wie Almosen vor die Füße. Wie eine wilde Horde zankten und prügelten sich die Weiber um die fadenscheinigen Decken und Fetzen. Mit ihrem einzigen Besitz versuchten sie ihre gestriemte malträtierte Haut und damit größte Schande zu bedecken.

Noch mehrere Tage lang gab es immer wieder Streitereien und Gezänk um die Woll- und Leinenreste. Eine Dame fand sich am Morgen gänzlich unbekleidet vor. Da sich einige Ladys bereits von der Gruppe abgesetzt hatten, blieb ihr nur die Möglichkeit bar und hüllenlos weiter zu marschieren, bis ihr vielleicht selbst die Gelegenheit gegeben war, eine Kameradin zu bestehlen. Tränen liefen auf ihrem schmutzigen Gesicht hinab und erzeugten helle Bahnen auf ihren Wangen.

Noch viele Jahre lang sollte sich die Bevölkerung dieses Landstrichs von den nackten Weibern erzählen, die die Gegenden durchstreiften und sich zu dumm zum Jagen anstellten und daher nur Beeren und Pflanzen hatten, um ihren Hunger zu stillen. Die wenigen Naturalien wurden mit scharfen Krallen und Zähnen verteidigt. So manchen Ringkampf fochten die Rivalinnen darum aus, rissen an ihren langen Haaren und kratzten sich die Haut auf, bespuckten sich und bissen um sich wie tollwütige Hunde. Die einstigen Adelsdamen, die mittlerweile mehr wilden Waldkreaturen glichen, eilten mit ihren letzten Kräften durch die großteils abgeholzten Forste und Gehölze des Reiches, denn sie wollten nicht als Vogelfreie aufgegriffen werden.

Leda saß auf ihrem feudalen Thron und dachte derweil über das Schicksal der Geächteten nach. Ob alle die Grenze unbeschadet erreicht hatten? Der Hinweis auf die Vogelfreiheit war ihr nicht nur als leere Drohung von den Lippen gekommen; auch unter ihrem Volk war dieser königliche Erlass bekannt. So mancher Bursche wusste sicherlich mit einer vogelfreien jungen Dame vielerlei anzustellen…

Vermutlich würde sie erst davon erfahren, wenn sich in fünf Jahren zeigte, wie viele Geächtete bei der königlichen Schmiede vorstellig wurden. Vielleicht würden ja auch einige Ladys in ein Kloster ziehen und nie wiederkehren? Ihre Weiblichkeit lebenslang aufgeben und lieber den Göttern dienen? Sie würde es vielleicht niemals erfahren.

Und was war aus Megara geworden? Hatte sie nach ihrer Flucht ein neues Leben gefunden? Würde sie eines fernen Tages mit einer neuen Armee vor den Toren des Reiches stehen? Leda rieb sich die Stirn. Regieren war ganz schön anstrengend. Bald zog die abendliche Dämmerung über das Reich. Im Thronsaal brannten große Fackeln, die die Halle erleuchteten. Aber die Stadtmauer verschwamm bereits zu einem schwarzen Umriss. Die junge Königin erhob sich, nahm das Zeichen ihrer Macht, ein mit Juwelen besetztes Diadem, ab und schritt in ihrem seidenen Gewand zum Schlafgemach, wo Abas bereits ungeduldig wartete.

Voll Leidenschaft kam er seiner Majestät entgegen und küsste sie zart auf die Stirn. Dann knöpfte er das kostbare Seidengewand auf und schob seine Arme langsam unter Ledas hauchdünnes Kleid. Das junge Paar wankte, sich liebkosend, zum großen Himmelbett und sackte darauf eng umschlingend in die weichen Kissen. Mehrere Lampions tauchten das Bett in sanftes Licht. Heiße Worte erreichten Ledas Ohr. Und bald waren Beide ganz in ihr Liebesspiel eingetaucht. Es sollte beinahe bis zur Dämmerung dauern und endlich auch Abas auf seine Kosten kommen lassen.

Viele Meilen entfernt im fremden Westland vergnügten sich zwei Damen mit zwei Wanderburschen. Phoibe und Ceres genossen die Männlichkeit der beiden Jünglinge. Ihr Lustgestöhne, die spitzen Schreie und das Gekicher tönten laut aus dem Schlafraum der kleinen Herberge, einem Fachwerkhaus mit tief hängendem Dachfirst. „Ich kenne ein schönes Spiel“, hauchte Ceres ihrem Burschen, der nur seine Schaffellweste trug, lustvoll und verführerisch wie eine Metze ins Ohr. Der junge Mann schloss die Augen und erwartete voller Vorfreude ihre geschickten Hände oder gar ihre Lippen an seinem Gemächt. Dann klickte plötzlich etwas um seine Männlichkeit.

Der junge Mann sah erschrocken auf und betastete das seltsame eiserne Gestell um seinen Luststab. Vorsichtig zog er daran, aber es ließ sich nicht entfernen. „Was ist das?“ fragte er irritiert und zog kräftiger. Dann sah er Ceres vorwurfsvoll an. Die beiden Damen kicherten. Phoibe sagte: „Es lässt sich nur mit einem Schlüssel öffnen. Aber den haben wir nicht hier. Du musst dich noch gedulden.“ Der andere Jüngling sah schadenfroh und gleichzeitig auch etwas beängstigt zu seinem Kameraden hinüber. „Gehört das zu dem Spiel, von dem du sprachst?“ Ceres und Phoibe nickten und kicherten erneut.

Ceres, die den Schlüssel zu dem ehemaligen Keuschheitsgürtel von Lykos in ihrem Stiefel verborgen hatte, sagte mit gespieltem Mitleid: „Bis wir dich wieder aufschließen können, wird einige Zeit vergehen. Aber du weißt ja, wie man auch mit dem Mund ein Weib glücklich machen kann!“ Wieder kicherten die zwei Damen ungeniert. Es wurde eine lange Liebesnacht, mit der jedoch nur drei Personen zufrieden waren. So konnte es nun jede Nacht sein. Ganz nach Lust und Laune. Ceres und Phoibe freuten sich auf ein vergnügliches Leben mit den beiden Burschen. So schnell würden die zwei leichtsinnigen Knaben sie nicht mehr los…

Viele hundert Meilen von Ledas Regierungssitz entfernt, weit in einem fremden Landstrich im Osten, wo der mächtige Herrscher Brackus sein großes Reich führte, stand die Majestät von seinem imposanten Thron auf und wankte mit vom Wein schweren Schritten auf einem purpurnen Teppich den Gang entlang zu seinem Schlafgemach. Seine ehemalige Gemahlin hatte ihm nie einen Erben geboren. Daraufhin hatte er das „verfluchte Weib“ dem Feuer übergeben. Bevor Brackus seine Augen schloss, wollte er sich noch mit seiner neuen Konkubine vergnügen. Welch Göttergeschenk diese bezaubernde Mätresse war! Nie hatte er eine Dirne gekannt, die ihm zwischen seinen Laken solchen Genuss bereitet hatte.

Der gewichtige Machthaber entblößte sich seiner Staffage, warf seine Kleider und den Schmuck zu Boden und legte sich nackt auf sein großes königliches Lager. Er griff nach einer kleinen vergoldeten Glocke mit einem Griff aus Walnussholz und klingelte. Kaum hatte er die Bimmel weggestellt, erschien sie: In feinste hauchdünne Tücher gehüllt und einem Schleier über dem Haupt näherte sie sich dem Bett mit aufreizenden und gleichzeitig anmutigen Bewegungen.

Brackus spürte, wie seine Männlichkeit erwachte und wild nach der süßen Weiblichkeit dieses göttlichen Wesens gierte. Grausam langsam näherte sich die Verschleierte und kroch wie eine Schlange zu Brackus unter das Laken. Diese Aphrodite konnte schnurrendes Kätzchen oder wilde Raubkatze sein. Der Herrscher zitterte vor Erregung. Sein Blut kochte. Er riss den Schleier vom Schopf der Liebreizenden und küsste die verehrte Schönheit. Sein majestätischer Stab pulsierte wie besessen.

Megara erwiderte die heißen leidenschaftlichen Berührungen, als würde sie sich nach ihm verzehren wie nach einem galanten Adonis. Doch in ihr war keine lodernde Hitze für diesen Mann. Ihr Herz blieb kalt wie das Eis eines Gletschers. Nur eines brannte in ihr: der Gedanke an Rache.

Bald würde Brackus sie zum Weibe nehmen…

Als Brackus Liebesstab in die Geliebte eindrang, prasselte draußen Regen wie Kaskaden auf die Steine des Palastes, zogen schwarze Wolken auf, donnerte es krachend am Himmel und ein zuckender greller Blitz erhellte für einen winzigen Augenblick den Raum – als hätten die Götter ein Omen gesandt.






34. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 17.09.18 22:30

Lieber Prallbeutel,
vielen Dank für die tolle Fortsetzung. Mir ist schon eine Änderung aufgefallen bzgl. Abas super. wer weis was dir sonst noch einfällt. VLG Alf
35. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 04.10.18 18:30

II.



Etwa eine halbe Dekade war vergangen.

Im vereinigten Nord- und Südreich unter Königin Leda herrschte immer noch Frieden. Die Grenzen des Reiches waren gut gesichert, und das Volk lebte zufrieden und glücklich unter dem neuen Herrscherhaus. Die Steuern waren deutlich verringert worden, Wasser war allen frei zugänglich und ehemalige Andenken an die Despotin Megara waren vernichtet worden. Beispielsweise hatte Leda die überdimensionalen Statuen von Megara und Prinz Talos entfernen lassen. Bei dem symbolträchtigen Akt jubelten tausende Zuschauer, als die gewaltigen protzigen Bauten stürzten. Und als Leda verkündete, das Edelmetall und die Edelsteine im gebeutelten Volk zu verteilen, brandete eine Begeisterung auf, wie sie das Land nie zuvor gesehen hatte.

Auch eine verhasste Blutweide vor der Stadt war gefällt worden, denn sie war unter Megara zum Symbol der Unterdrückung geworden, weil dort regelmäßig willkürliche Züchtigungen durch ihre Schergen ausgeteilt worden waren. Der mächtige Stamm des Baumes war von den vielen Ketten und Seilen gezeichnet gewesen. Hunderte Rücken und Gesäße von Verurteilten hatten dort unter grausamen Hieben der Peitsche gezuckt, Kehlen hatten vor Qual geschrien. Eine Holztribüne für Schaulustige war längst abgebrochen und verbrannt worden.

Und so glücklich wie ihre Untertanen unter ihrer neuen Herrschaft waren, so zufrieden lebte auch Leda im ehemaligen Palast der Megara, ihrem neuen Regierungssitz. Ihr Gemahl Abas spielte traditionell als Mann keine große Rolle im politischen Geschäft; seine Aufgabe war eher repräsentativer Art. Und natürlich war er auch Ledas Bettgefährte.
Durch den Fluch von Megaras Schwarzmagier, fiel es ihm immer noch schwer seinen Samen zu verströmen. Diesen Nachteil bedauerte Leda aber in keiner Weise, denn dadurch erfreute sie sich eines an Ausdauer reichen Mannsbildes an ihrer Seite. Und wenn Abas dann schließlich den Höhepunkt der Lust erreichte, war das Empfinden für ihn viel intensiver als früher.

Eine völlig andere Kultur lebten die Menschen im fernen Ostreich. Viele Generationen lang waren in dem Patriarchat Männer an der Macht gewesen. Frauen waren quasi der Besitz des Mannes gewesen und besaßen kaum Rechte. Herrscher Brackus war dafür gefürchtet, dass er Jungfrauen in sein Schlafgemach einlud und sie „einritt“, wie er es nannte. Er besaß als Regent das Recht der ersten Nacht. Seine ehemalige Gemahlin hatte ihm lange Jahre keinen Erben geschenkt. So hatte Brackus sie kurzerhand dem Feuer überreicht und lebte seit dieser Zeit als einsamer Mann, obwohl jede Nacht andere Jungfrauen unter sein Laken krochen. Wie durch einen Fluch wurde keine der Weiber schwanger. Brackus verfluchte die Götter dafür.

Doch eines Tages lernte er eine Maid kennen, die in seinem Palast beschäftigt war, und die eine ganz besondere Ausstrahlung besaß. Brackus war wie verzaubert von dieser Schönheit. Es verging kein Tag, an dem er nicht auf seinem Thron saß (eingerahmt von seinen beiden Wolfshunden) und an das wunderbare Geschenk der Götter dachte, dass sie ihm vielleicht als Ausgleich für seine Erbenlosigkeit geschickt hatten. Gewöhnlich bevorzugte er blutjunge Dinger, doch diese Frau war fast so alt wie er. Ihre Augen, ihre Stimme, ihre Bewegungen – all das ließ Brackus nur noch an das Eine denken: Er musste dieses Wesen besitzen! Keine Schatulle mit Gold und Edelsteinen wäre dafür zu kostbar.

So dauerte es nicht lange, bis er sie in seine private Kammer führen ließ. Der Abend sollte jedoch ganz anders verlaufen, als er es sich gedacht hatte. Statt sie mit Gewalt und dröhnendem Lachen zu besteigen, fühlte er sich sonderbar gezähmt, wollte sie nur zärtlich berühren und verging gleichzeitig vor brennender Leidenschaft. So holte er seit dieser Nacht nur noch dieses eine besondere Weib zu sich. Brackus war überzeugt: Diese göttliche Erscheinung würde ihm einen kräftigen Stammhalter schenken. Die folgenden Nächte waren nicht minder wundervoll und gefüllt mit heißen Spielen, die Brackus staunend und genießend von ihr lernte. Die Angebetete war zugleich so süß, so unschuldig und doch sündig wie eine Dämonin aus der tiefsten Unterwelt.

Nur wenige Wochen später verkündete der große Herrscher seine Hochzeit mit seiner geheimnisvollen Konkubine. Herolde reisten durch das ganze Reich, um die frohe Kunde dem Volk mitzuteilen. Das Fest war das größte und teuerste Ereignis im Ostland seit die Geschichtsschreiber die Chronik des Ostreiches niederschrieben. Allein das Festmahl verbrauchte tausend Lämmer und viele Eichenfässer besten Wein. Dutzende Musikanten mit Lauten, Trommeln, Rasseln, Flöten und Harfen sorgten mit ihren Kompositionen für fröhliche Stimmung. Der Tag der Vermählung wurde zum höchsten Feiertag im Land und sollte dem Regenten eine neue, erfolgreiche Ära seiner Herrschaft bescheren.

Doch diese Heiterkeit sollte nicht lange bleiben. Mit der Zeit stellten Brackus´ Vertraute fest, dass der Machthaber in seinen Entscheidungen immer stärker von seiner Gemahlin manipuliert wurde. Doch alles Zureden, alle Warnungen wurden von ihm unwirsch abgeschmettert. Wer die Gebieterin an seiner Seite kritisierte, kam vor das Todes-Tribunal und war sich eines grausamen Ablebens sicher. Niemand durfte die Herrscherin ungestraft in Verruf bringen. Und so verstummten nach und nach auch die loyalsten Stimmen.

Nach einem Jahr starb Brackus unerwartet an einem Herzanfall. Zumindest glaubte das der Heiler der Majestät. Sein Weib wusste es besser. Sie hatte das Pulver in seinen Wein geschüttet und ihn ins Reich der Todesgöttin geschickt. Die Trauerfeier wurde pompös mit hundert Fanfaren und einem Begräbnis in einem riesigen Mausoleum aus kostbarem Marmor zelebriert. Seine Frau war als Pluta bekannt und niemand wusste, dass sie Megara hieß und unter falschem Namen im Ostland lebte, nachdem sie aus ihrem Reich im Süden hatte flüchten müssen.

Pluta weinte sich die hübschen Augen aus und spielte die vor Gram und Trauer gebeugte Witwe, die ihren schweren Kummer kaum ertrug und gepeinigt mit dem schrecklichen Schicksal haderte. Nach den Sitten und Gebräuchen würde nun der Erstgeborene des Machthabers den Thron besteigen, doch war Brackus kinderlos geblieben - ein Novum in der Historie des Ostreiches.

Als schon einige Senatoren des Herrschers nach der verführerischen Autorität griffen, verkündete Pluta bestimmend und selbstsicher, dass ihr der Thron gehöre. Sie erstickte jedes Aufbegehren im Keim. Im Patriarchat des Ostreiches glich dies einem Wunder, aber der Witwe des Reichsfürsten gelang es rechtzeitig, genügend Anhänger um sich zu scharen, dass sie den Zepter der Befehlsgewalt behielt und ein strenges Regime anführte, dass keine Widerworte duldete. Bald schon verstummten die kritischen Stimmen, denn vielfach hörte man von Entführungen der Oppositionellen, die dann entweder einen Kopf kürzer oder gar nicht mehr auftauchten… Pluta ließ sich eine goldene Krone mit Widderhörnern und Rubinen schmieden, so dass es nicht wunderte, dass sie im Volk als „Teufelsmonarchin“ bezeichnet wurde.

Innerhalb weniger Jahre erschuf Pluta eine Schreckensherrschaft, in der sie aus dem Patriarchat ein Land der Frauenmacht gestaltete, das sämtliche Männer völlig unterdrückte. Mit perfiden Maßnahmen wurden sie aus wichtigen Stellungen entfernt und ausschließlich für niedere Arbeiten eingesetzt. Bildung und Reichtum waren nur Frauen vorenthalten.

Männer hatten in ihrem Reich kaum Rechte. Und sobald ein Jüngling eine Dame ehelichte, so ging er damit in ihren Besitz über. Die Staatsmacht wurde von Frauen geleitet: Exekutive (Uniformierte mit Schlagstöcken und Peitschen), Legislative (Senatorinnen) sowie Judikative (Richterinnen und Anklägerinnen) waren für Mannsbilder absolut tabu. Wagte es ein Mann, eine Frau anzuklagen, so hatte er keinerlei Chancen, vor einem Tribunal Recht zu bekommen. Ließ sich dagegen ein Mann etwas zu schulden kommen, wurde dies meist außergerichtlich durch die tatkräftige Exekutive mit „handfesten Argumenten“ geregelt. War dann doch einmal ein Mann vor Gericht, so erwarteten ihn drakonische Strafen.

Die Senatorinnen hatten sich auf eine ganz einfache Strafanwendung geeignet: Bei der ersten Verurteilung verlor der Mann... Beim zweiten Urteil folgte der zweite ... Und beim dritten Richterinnenspruch wurde ihm auch noch ... abgeschnitten. Viele reiche Damen, die Dutzende Arbeiter besaßen, konnten dies bestätigen. Doch die Sklaven verfügten über zwei Arme und zwei Beine und konnten schuften - das war die Hauptsache. Leider sorgte das harte Vorgehen gegen die männliche Bevölkerung dafür, dass bereits eine Diffamierung reichte, dem Betroffenen übel mitzuspielen.

So kam es nicht selten vor, dass eine Lady aus Eifersucht, weil sie einen Jüngling nicht haben konnte, diesem irgendeine Schandtat andichtete und ihn denunzierte, so dass der Leidtragende eine Strafe erhielt und die Konkurrentin zukünftig bei jedem Liebesspiel daran erinnert wurde. Solche minderwertigen Exemplare wurden dann früher oder später ausgetauscht und für die Feldarbeit verwendet.

Wenn jedoch zwei Damen vor dem Kadi stritten, so waren für die Verurteilte Peitschenhiebe vorgesehen. Da aber im Ostreich der Pluta der Grundsatz galt, dass kein Weib gezüchtigt werden durfte, so wurde die Strafe an einem Sklaven oder dem vertretenen Ehegatten der Schuldigen ausgeführt. Es blieb eine Schmach für die Verliererin, doch wenigstens blieb ihr Popöchen ungezeichnet.

Pluta selbst verfügte über einen gigantischen Harem aus schönsten Jünglingen. Damit sie sicher ging, dass ihr Besitz nur durch ihre persönliche Gestalt beglückt wurde, hatte sie die Sklaven in Keuschheitsgürteln eingesperrt. Pluta hatte zwar eine ausgesprochen lebendige Libido, doch bei über hundert Liebessklaven war ein Aufschluss für den Einzelnen recht selten. Trotzdem hielten sich die Leibeigenen täglich mit umfangreichen Turnübungen und gesonderten Mahlzeiten in bester körperlicher Verfassung. Denn Pluta legte großen Wert auf ein perfektes Äußeres ihrer Haremssklaven sowie eine überdurchschnittliche Liebeskraft. Wer versagte und Plutas Anforderungen nicht genügte, den sortierte sie aus. Was mit diesen Unglücklichen geschah, war im Volk nicht bekannt. Aber es kursierten grauenvolle Gerüchte von geheimen Kerkern.

Doch trotz ihres unermesslichen Reichtums war die Despotin nicht zufrieden. Sie konnte einfach nicht ihren Thronsturz vergessen. Aber eine Invasion ins vereinigte Nord- und Südreich war selbst für das mächtige Ostimperium reinste Utopie. Am freien Westland ihr Mütchen zu kühlen ging auch nicht; denn dazwischen lag ja Königin Ledas Machtbereich.
Also blieb Pluta nur noch der Weg noch weiter nach Osten - ein beinahe unbekanntes und angeblich wildes Land.

Sie schickte mächtige Galeeren und Kriegsschiffe über das Meer in ferne Lande, um dort Bodenschätze, Gewürze und Arbeitssklaven zu annektieren. Ausgestattet mit Tauschmitteln, aber auch genügend Waffen, um ein schwaches Volk zu unterjochen, machten sich mutige Seefahrer gemeinsam mit Soldaten auf den langen Weg ins Ungewisse. Alte Legenden berichteten von Seeungeheuern, so groß wie Galeonen, die mit ihren riesigen Mäulern alles verschlangen, das sie erwischen konnten. Wer sie erblickte, so die Sage, musste sterben. Trotzdem waren tapfere Recken bereit, für die Königin - und eine beachtliche Anzahl Goldmünzen - das Abenteuer auf sich zu nehmen.

Auf Monster des Meeres stießen die mutigen Männer nicht, dafür mussten sie sich durch zornige Stürme kämpfen, die den Schiffen und der Besatzung alles abverlangten. Nicht nur einmal waren sie dem Tode nah, bevor sie die fernen Gestade erreichten. Lange Zeit hörte man im Ostreich nichts mehr von der Flotte. Und dann kam eines Tages die frohe Kunde: Von dem fremden Land hinter dem Horizont, viele Wochen entfernt, kehrten die gerüsteten Krieger mit reicher Beute zurück. Darunter waren auch hunderte Männer eines fremden Volkes, die in Ketten gelegt ihrer Zukunft als Sklaven entgegengingen. Sie schienen robust, kompakt und etwas kleiner gebaut - ideal für harte Arbeit auf dem Feld oder in den Minen.

Die beißende Peitsche und schwere Ketten hatten die neuen Gefangenen willig gemacht. Die Rückfahrt hatte sich anfangs nicht nur wegen der gefürchteten Stürme als beschwerlich herausgestellt. Zwar war nun reichlich frisches Trinkwasser, Fleisch und exotisches Obst vorhanden, doch der Stolz der Leibeigenen war nur mühsam zu brechen. Täglich waren die nackten Eingeborenen über Fässer gespannt und gezüchtigt worden, um ihnen Manieren beizubringen. Nur langsam fanden sie sich in ihre Rolle ein. Man hatte ihnen die Kleidung aus Leder genommen und festgestellt, dass sie ein ausgeprägtes Schamgefühl besaßen. Die Offiziere der Pluta hatten einige vertrauenswürdige Sklaven mit einem Lendenschurz ausgestattet, die als Gegenleistung ihresgleichen bewachten und auch einige der Züchtigungen ausführten.

Im Heimathafen wurde die wertvolle Fracht gelöscht und an Händlerinnen verkauft: exotisches Obst, seltene Hölzer, Gewürze, Kakao, Lederhäute. Für die Leibeigenen gab es Auktionen, bei denen die feinen Damen der Gesellschaft für ihre Arbeitskräfte klingende Münze boten. Bald schon wurde der Markt von den billigen Ostsklaven überflutet, so dass sie kaum noch etwas einbrachten und im Dutzend verhökert wurden. Die Plantagenbesitzerinnen freuten sich umso mehr über gestiegenen Profit.

Das Militär unter Pluta war so organisiert, dass die höheren Dienstränge von Frauen besetzt waren, während die einfachen Waffenträger ausschließlich aus Männern gebildet wurden. Schließlich sollten die Verluste von Damen auf dem Schlachtfeld so klein wie möglich gehalten werden. Außerdem waren traditionell nur Mannsbilder auf dem Feld der Ehre, die sie dort für ihre Damen verteidigten. Und Pluta musste zugeben: Bei gleicher Ausbildung und Bewaffnung war ein Mann normalerweise einer Frau überlegen. Das lag naturgemäß an der ausgeprägteren Muskulatur. Dafür hatten Männer das kleinere Gehirn.

Während Pluta also den fernen östlichen Kontinent mit weiteren Besuchen ihrer Armee ausbeutete und Sklavenjagden veranstaltete, um genügend „Material“ für die Felder, die Minen, das Heer und die Galeeren zu haben, überlegte sie, wie sie sich an Leda rächen könnte. Diese Schmach bohrte in ihr seit langer Zeit unerträglich. Sie hatte schon so viele Ideen verworfen: Invasion, Gift, Assassine, Schwarzmagier… Aber die Regentin schien unangreifbar zu sein.

Eines Abends besuchten sie zwei Senatorinnen, die sich mit ihr zu einem geheimen Treffen versammelten. Die drei Damen in ihren langen edlen Gewändern setzten sich an einen prunkvollen Tisch auf weiche große Sessel, die mit rotem Samt überspannt waren. An den Seiten standen drei Sklaven des fernen Kontinents mit großen Palmwedeln, die für kühle Luft sorgten. Sie trugen lediglich einen Lendenschurz. Darunter waren sie in Keuschheitsgürtel eingesperrt, denn Pluta duldete keinen Mann in ihrem Palast, dessen Männlichkeit frei war.

An den Seiten des Gemachs standen große schmiedeeiserne verzierte Ständer mit Bienenwachskerzen, die flackernde Schatten auf die kalten Steinwände malten. Die beiden Senatorinnen stießen mit der Herrscherin an, dass die goldenen Kelche aneinander klackten und der rubinrote Wein beinahe überschwappte; dann nahm jeder von ihnen einen kleinen Schluck des kostbaren Getränks. Die Frau mit dem langen blonden und kunstvoll geflochtenen Haar machte den Anfang: „Wir empfehlen Euch, Hoheit“, begann Kerbera, „die Götter anzurufen, um einen Fluch über Leda zu schicken.“
Pluta, alias Megara, winkte gelangweilt ab. „Unsinn!“ Kerbera sah sie entsetzt an.

Die Herrscherin räusperte sich: „Für so einen Wunsch müssten wir hunderte Leibeigene in den Tempeln opfern. Dann fehlen uns trotz der Schwemme bald Arbeitskräfte und Kriegssklaven.“ „Aber die Hohepriesterin hat verkündet, dass die Sterne richtig stehen, um die Götter mit einem Blutgeschenk sanft zu stimmen“, sagte andere Senatorin. „Was interessiert mich die Tempelfrau?“, rief Pluta mürrisch. „Wir werden mit Waffengewalt gegen den Feind vorgehen. Und wenn es alle Soldaten kostet, die wir haben!“ Die Senatorinnen verneigten sich stumm und höflich, denn eine Widerrede gegen die Tyrannin würde auch ihnen nicht gut bekommen. Auch wenn sich Pluta offenbar selbst widersprach. Sie wollte nichts von einem Fluch wissen.

Nach der fruchtlosen Zusammenkunft hatte Pluta nur noch das Bedürfnis, sich an einem Liebessklaven in ihrem Harem abzureagieren. Sie schritt durch die kühlen Flure des Palastes bis zu einer streng bewachten zweiflügeligen Tür, die von außen mit faustgroßen Nieten beschlagen war. Sofort öffneten ihr zwei weibliche Wachen in prächtigen Uniformen. Die Leibwachen der Herrscherin waren speziell ausgebildete Kämpferinnen, die es sogar mit den aus den alten Legenden bekannten Amazonen aufnehmen könnten.

Pluta betrat eine kleine Halle, die mit kunstvollen Mosaiken am Boden und den Wänden verziert war. Mehrere Liebessklaven hielten sich dort auf einem großen Diwan auf. Sie trugen lediglich einen Keuschheitsgürtel am Leib und waren vom Hals abwärts akkurat rasiert. Als ihre Herrin eintrat, sprangen sie auf und fielen ihr zu Füßen und krochen demütig auf sie zu. Über Plutas grausames Gesicht huschte ein flüchtiges Lächeln. „Du da!“, zeigte sie lässig auf den jüngsten Liebessklaven, den sie besaß.

Der blond gelockte Jüngling war gerade ins zarte Mannesalter eingetreten und robbte sich etwas näher zu seiner Königin. „Komm!“ befahl Pluta und schritt an ihm vorbei in ein Separée, das von einer prunkvollen in Seide gespannten Bettstatt dominiert wurde. Pluta nahm den „Generalschlüssel“ für sämtliche Keuschheitsgürtel ihrer Sklaven von ihrer Halskette und öffnete das Gefängnis. Der Blondschopf stöhnte erregt auf, als sein Liebesstab wuchs. Doch Pluta verlangte offenbar zu viel von dem unerfahrenen Liebhaber, der nervös und ängstlich zitterte. Er war so angespannt, dass seine harte Pracht in sich zusammenfiel.

Pluta war außer sich vor Wut. Ihre feuchten Schenkel begehrten jetzt ein kräftiges Schwert… Sie stieß ihn grob zur Seite und rief nach der Wache. Sofort stürmten die zwei uniformierten Frauen herein, die vor der Tür gestanden hatten. Pluta beschloss: „Bringt dem Burschen bei, dass er standhaft zu sein hat, wenn seine Herrin es wünscht! 50 Peitschenhiebe auf seinen süßen Hintern werden es ihn lehren. Anschließend kehrt mit ihm zurück!“
36. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 05.10.18 12:59

Wunderbare Fortsetzung,Prallbeutel! Die Erzählungen aus dem Reiche der Pluta (Megara) lassen das Kopfkino anspringen.Arbeitssklaven,Liebessklaven,
Galeeren...und..und.. Herrlich!Herzlichen Dank mal wieder!
37. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 09.10.18 16:37

Hallo Prallbeutel,
ich kann sheeeep nur zustimmen. Ich freu mich sehr über die neuen Teile. Danke.
VLG Alf
38. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 15.10.18 18:52

Auf das nichts Gutes verheißende Kommando ergriffen die Frauen den Jüngling, der vor Angst schlotterte, aber keine Gegenwehr wagte. Es hätte auch keinen Sinn gehabt, denn neben den scharfen Waffen der Wachen, verfügten diese auch über spezielle Techniken, um mit ihren bloßen Händen und Füßen einen Mann kampfuntauglich zu machen. Das war schon so manchem Rebell zum Verhängnis geworden, der die Palastwächterinnen unterschätzt hatte.

Die Herrscherin richtete ihre Aufmerksamkeit ihren anderen Liebessklaven zu. „Wer darf mich denn nun beglücken?“, fragte sie neckisch in die Runde und bewegte ihren beringten Zeigefinger wie einen Stab hin und her. „Du da!“ entschied sie schließlich, als sie gestikulierte, als wäre der Finger ein Dolch, mit dem sie einen Stück Braten aufspießen wollte. Der Sklave kroch ängstlich herbei, den Kopf demütig gesenkt. „Nein“, meinte Pluta in impertinenter Arroganz. „Du da!“ Sie zeigte auf einen anderen Sklaven, der sofort unterwürfig herbeieilte. Der Andere zog sich zurück, als sei er von einer Giftspinne gebissen worden.

Die Majestät befreite die ausgewählte Männlichkeit und zog sich mit dem Jüngling zurück. Vor Geilheit tropfte der Sklave bereits. Seit über zwei Monaten hatte Pluta ihn nicht mehr von dem metallenen Gefängnis befreit. Sie genoss das Liebesspiel mit dem Leibeigenen sehr ausführlich: seine Zunge, seinen Stab, seine geschickten und sanften Hände… Zwar verströmte der Lustsklave sehr zügig seinen Samen, aber nach kurzer Pause stand er dafür umso länger seinen Mann für die Königin. Befriedigt schickte die Tyrannin den Recken schließlich - wieder in seinen Keuschheitsgürtel verschlossen - mit den Worten weg: „Packe er sich!“ Dazu wedelte sie mit ihrer beringten Hand, als wolle sie eine lästige Fliege vertreiben.

Da erschienen die Wachen mit dem jungen Blondschopf. Pluta sah höhnisch auf sein verheultes Gesicht und rotziger Nase. „Hast du deine Lektion gelernt?“, fragte sie amüsiert. Der Jüngling nickte devot und antwortete mit zittriger Stimme: „Jawohl, meine Herrin. Das habe ich.“ Pluta kicherte. „Dann komme her! Lege dich artig auf den Rücken!“ Der Sklave gehorchte sofort und verzog schmerzerfüllt sein Gesicht, als seine wunden Pobacken das Laken berührten, in die sich die Peitsche der Wache tief eingegraben hatte. Als Pluta sich auf seinen Lenden niederließ, um sich zu verlustieren, durchschoss ihn der Schmerz seines malträtierten Fleisches wie ein loderndes Feuer, aber gleichzeitig nicht weniger intensiv unbändige Lust, die seinen Liebesstab hart wie Granit werden ließ.

Die Regentin hatte den hungrigen Dolch des jungen Mannes schamlos in ihre Weiblichkeit einsinken lassen. Mit einem lustvollen Seufzer begann sie, den Jüngling zu reiten. Erst war es ein sanftes Wiegen, doch bald wurden ihre Bewegungen härter und schneller. Bald schon ritt sie ihren Sklaven im Galopp. Der Blondschopf stöhnte gleichzeitig vor Pein und Lust, als seine Hinterbacken unter dem Gewicht der Herrin und den Rittbewegungen auf der Bettstatt hin und her gerieben wurden. Wie nah lagen doch Schmerz und Euphorie beieinander! Und dann war der Moment gekommen: Pluta schrie in Ekstase auf und erlaubte auch dem Sklaven seinen heißen jungen Saft in sie zu schießen. Auch der Jüngling konnte sich nicht gegen dagegen wehren, dass ein kehliges Grunzen der Lust seiner Kehle entfleuchte.

Viele hundert Meilen entfernt im vereinigten Nord- und Südreich der Königin Leda herrschte freudiges Treiben auf den vielen Märkten des Landes. Der größte Markt war nicht weit vom Palast der Majestät entfernt. Auf den großen Marmorplatz, auf dem Megara ihre Statue hatte aufstellen lassen, hatte kein Untertan seine Füße setzen dürfen, wollte er nicht an einem der vielen hohen Galgen hängen. Doch nun war der Platz freigegeben für das Volk: für die vielen emsigen Marktschreier, die Stände mit frischem Obst, Gemüse und allerlei kunstvollen Korbwaren, Gewürz- und Kräuterhändler mit ihren aromatischen Waren sowie Kaufleute, die diverse Holzschnitzereien, nützliche Waffen und pralles Vieh feilboten. Schneider stellten vortreffliche Gewandungen für holde Damen, aber auch für den edlen Recken aus. Jeder beschwor, dass seine Tücher von den erlesensten Stoffen der bekannten Welt stammten und seltene Meisterstücke waren.

Ein Kaufmann stand mit seinem Ochsenkarren zwischen den Ständen, an dem zahlreiche Kupertöpfe und Pfannen hingen; ein dicker Bierbrauer in gestepptem Wams präsentierte sein Ale. Mehrere Mannsbilder stießen verbeulte Humpen zusammen und grölten frohlockend ein zotiges Lied, während sie den kühlen Trunk die Kehle hinabgossen und sich anschließend mit dem Handrücken über den Mund wischten. Doch es tummelten sich auch Beutelschneider und Quacksalber auf dem Markt. Zwielichtige Gestalten unter dunklen Kapuzen huschten durch das Gedränge und erleichterten so manchen unvorsichtigen Wanst um seinen Münzbeutel oder andere Habe. Dabei konnten die Opfer noch von Glück sagen, wenn von den scharfen Klingen der finsteren Gesellen nur ein Riemen oder eine Naht durchtrennt wurde, denn genauso leicht schnitten sie durch Fleisch. Die Knochenflicker und Wundheiler dagegen reichten Siechenden ihre absonderliche Medizin, die allerdings - trotz aller lauten Schwüre - nimmer zur Genesung der gepeinigten Kranken beitrug.

Junge Mägde spielten in ihren Kleidern und Schürzen mit gleichaltrigen, rotwangigen Knechten und Stallburschen Fangen und liefen wild die gepflasterten Gassen entlang, an denen sich weitere Stände aneinanderreihten. Hinter einem Stapel Strohballen liebten sich ein Stallbursche und seine pausbäckige Buhle, eine dralle Jungfer vom Nachbarhof. Bäcker legten duftende Brote und anderes Backwerk auf Holztabletts aus, und saftige Fleischstücke hingen an Haken zum Verkauf. Dem Volk fehlte es an nichts. Jeder Bauch wurde satt, denn die Steuern waren deutlich gesenkt worden. Königin Leda war bei ihren Untertanen beliebt und gefeiert. Sie galt als die brave Befreierin des Südlandes und genoss die Verehrung der vereinigten Nord- und Südvölker. Stets hatte sie ein offenes Ohr für die Sorgen und das Ungemach der Armen und Kranken. Ihr zu Ehren wurden bunte Feste abgehalten, wurden Lieder gesungen und Poesie erschaffen. Wo sich die Gekrönte zeigte, jubelten ihr die Untertanen zu und preisten sie in den höchsten Tönen.

Wie anders war die düstere Atmosphäre voller Furcht im Ostreich, in dem Pluta mit tyrannischer Hand regierte. Nach dem jahrelangen Patriarchat des früheren Fürsten war seine Witwe in das Gegenteil geschwenkt: Männer wurden vollkommen unterdrückt und galten nicht viel mehr als Tiere. Sie waren im Besitz der Frauen, die sämtliche Macht an sich gerissen hatten. Mannsbilder in Freiheit galten als widernatürlich, so dass sie entweder zwangsverheiratet oder versklavt wurden, damit sie als Kriegs-, Arbeits- oder Liebessklaven dienen konnten, um ihrer Aufgabe im Leben gerecht werden zu können. Wer sich diesen eisernen Regeln widersetzte, wurde entweder nach den strengen Gesetzen abgeurteilt und erhielt meist nach der Bestrafung noch eine letzte Möglichkeit, sich zu bessern. „Hoffnungslose Fälle“ dagegen ernannte das Gericht zu Geächteten, die kurzerhand als vogelfrei erklärt wurden.

Die Damen des einfachen Volkes munkelten, dass die Richterinnen hin und wieder Rechtlose benannten, nur damit die erhabenen Ladys auf die Jagd gehen konnten. Denn gerade in der feinen Gesellschaft jagte die Dame keine schnöden Tiere sondern lieber Sklaven. Illustre Jagdgesellschaften waren Höhepunkte des Sommervergnügens in den gehobenen Kreisen. So eine Hatz wurde wie eine Feierlichkeit zelebriert. Es gab ein kurzweiliges Rahmenprogramm mit Tanz, Buffet, Musik und Gaudium, bei dem sich die Ladys in festliche Stimmung brachten.

Hauptpunkt war die Jagd zu Pferde. Dazu kleideten sich die Edelfräuleins in enge Lederhosen, um wie Recken reiten zu können. Im alten Ostreich wäre das unvorstellbar gewesen. Ein gesellschaftlicher Affront gegenüber den herrschenden Patriarchen. Ein Weib in Beinkleidern! Sie wäre für diese frevelhafte Posse im Strafturm gelandet und gezüchtigt worden. Aber heutzutage nahmen sich die Frauen das Recht heraus und folgten den Spuren der Flüchtlinge auf dem erdigen Boden, bewaffnet mit Lasso und einer kleinen Armbrust, die kurze Pfeile verschoss. Die Spitze war in eine Paste aus bestimmten Pilzen, Mohn und einem Kräutersud getunkt, so dass der Getroffene nach wenigen Momenten das Bewusstsein verlor.

Kein Sklave sollte bei der Jagd sein Leben lassen, denn er wurde der Jägerin zum Geschenk gemacht. Dieses oft als resitenten Abschaum bezeichnetes Klientel bedeutete zunächst einiges an Erziehungsarbeit bei den neuen Eigentümerinnen. Früher oder später hatte noch jeder Flegel Gehorsam und Loyalität gelernt, wenn die Peitsche, der Hungerkäfig oder die Zange ihr Werk vollbracht hatten. Und es machte den meisten Damen der Gesellschaft auch Freude, die Entwicklung der noch wilden Kreatur zu einem artigen Diener mitzuerleben. Nur wenige Ausnahmen unter den Männern waren zu schwach, um die Dressur zu bestehen.

Genauso in Mode waren Arenenkämpfe. Der große Zirkus der Hauptstadt war vor vielen Jahren für Gladiatorengeplänkel gebaut worden, wo Muskelmänner oder Raubtiere gegeneinander gestritten hatten; doch inzwischen ließ Regentin Pluta Sklavenkämpfe veranstalten: Gepanzerte Frauen jagten dort wehrlose Sklaven zum Vergnügen des weiblichen Publikums auf den Rängen. Diese Form der Belustigung erinnerte sie an die abendlichen Feiern im Südreich, in dem sie mit ihrem Bastardsohn Talos den Adel vergnügt hatte – mit dem Unterschied, dass in ihrem Ostreich nun keine Männer mehr auf den Rängen zu finden waren.

Ausnahmen bildeten nur Sklaven mit Palmwedeln, die den Damen frische Luft und Schatten spendeten. Die restlichen Mannsbilder waren die Sklaven in der Arena, die nackt und panisch vor den gerüsteten Frauen davonliefen, bis sie vor lauter Erschöpfung nur noch krabbelten, dann nur noch krochen und schließlich besiegt wurden. Was mit den Männern angeblich geschah, wurde im vereinigten Süd- und Nordreich in Geschichten und Berichten kolportiert. Dabei übertrafen sich die Schilderungen an Grausamkeit. Ob sie der Wahrheit entsprachen, konnte niemand wissen. Die Reiche hatten ihre Grenzen geschlossen, und es gab keinerlei diplomatische Beziehungen zwischen den Adelshäusern.

Pluta betrat ein edles Gemach mit hoher Gewölbedecke, in dem eine Kusine des verstorbenen Herrschers badete. Mit blanken apfelrunden Brüsten saß sie in einer reich verzierten Wanne und genoss das Aroma der kostbaren Gewürze und seltenen Blüten, die ihr Badewasser enthielt. Die Regentin sah streng zu einem Sklaven hinüber, der bemüht war, seinen Blick demütig und starr auf dem Mosaikboden zu halten. Aber Pluta war sich sicher: Ein Mann, der seit Monaten keusch gehalten war, würde der Versuchung nicht widerstehen können, seine Augen für einen flüchtigen Moment über die zarten Rundungen des Fräuleins streifen zu lassen.

„Bedecke dich mit einem Tuche“, wies Pluta die junge Dame an, die zwar gehorchte und aus der Wanne stieg, doch unsittlich kicherte. Sie hatte genau gewusst, was sie dem Sklaven antat, und dass es unschicklich war, sich unbekleidet zu präsentieren. Und nicht nur das. Zu ihrem Glück ahnte die Majestät nicht, dass die Badenixe sich im Wasser nicht nur gewaschen hatte, sondern auch einem frivolen Vergnügen nachgegangen war…

Pluta sagte streng: „Das wird Konsequenzen haben, meine Gute.“ Sie rief nach der Wache, die den Sklaven sofort mitnahm. Er würde einige Tage bei brackigem Wasser in einem finsteren Kerker verbringen, bis die Oberste Hofbedienstete entschieden hatte, wie viele Peitschenhiebe er für seine frevelhafte Lust erhalten sollte. Womöglich würde ihm ein Teil seiner Männlichkeit geraubt werden, doch das lag im Ermessen der Hofbediensteten und ihrer Tageslaune.

Das unvorsichtige Fräulein selbst musste am nächsten Tag vor Pluta vorsprechen und um Entschuldigung für ihre Unsittlichkeit bitten. Die Tyrannin entschied als „Denkzettel“ auf zehn Hiebe mit dem Rohrstock auf das blanke Gesäß. Das Fräulein sah erschrocken zu Pluta, die selbstgefällig auf ihrem pompösen Thron saß. Die junge Frau kannte die Rohrstockstrafe am Herrscherhof. Sie war schon oft als Zeugin anwesend gewesen. Zehn Hiebe mit dem speziellen und besonders schmerzhaften Stab würden den Delinquenten für mindestens eine Woche zwingen, weder zu sitzen noch auf dem Rücken zu liegen.

Am Nachmittag war es soweit: Das Fräulein wurde von zwei weiblichen Wachen in den Bestrafungsraum geführt. An der gegenüberliegenden Seite saß Pluta. Links vom Eingang standen weitere Wachen sowie zwei Soldatinnen, die die Hiebe abwechselnd ausführen würden. Jede von ihnen hielt einen der gefürchteten langen geschälten Rohrstöcke in der Hand und wippte bereits ungeduldig auf den Fußballen. Pluta grinste höhnisch und gab auf dünkelhafte Weise das Zeichen zu beginnen.

Die Soldatinnen schritten auf die gegenüberliegende Seite zu einem Holzgitter, an dem die nackte Vertretung des Fräuleins gebunden war. Da körperliche Züchtigungen an Frauen verboten waren, gab es so genannte „Prügelknaben“, die für die Verfehlungen büßen mussten. Jedes Fräulein von Adel hatte solche Burschen für diese heiklen Zwecke. Zwar entgingen den Sünderinnen damit die Schmerzen, allerdings sprach sich schnell herum, welcher Prügelknabe von welcher jungen Dame die meisten Striemen auf dem Hintern hatte. Daraus ließ sich natürlich lesen, wie erzogen eine Lady war oder auch nicht.

Daher war dem Fräulein die Bestrafung unangenehm. Besonders deshalb, weil ihr Prügelknabe sowieso schon zahlreiche Striemen trug. Erst vor einer Woche hatte sie heimlich Wasserpfeife geraucht, was ihr aber mit ihren jungen 18 Jahren noch nicht erlaubt war. Daraufhin hatte ihr Sündenbock sechs Hiebe mit dem Rohrstock erhalten.
Und in der Woche davor… Was war da gewesen? Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern. Aber ihr Prügelknabe hatte Dutzende alte Striemen. Also musste irgendwas gewesen sein… Noch in Gedanken wurde sie aus ihren Erinnerungen gerissen, als der erste laute Hieb auf das Gesäß des jungen Mannes knallte, und der Jüngling erbärmlich aufschrie. Von Schlag zu Schlag wurden die Laute des Burschen erbärmlicher und eindringlicher.

Als das grausame Urteil endlich vollzogen war, verließ Pluta zufrieden den Raum. Die Soldatinnen folgten mit stolzem Schritt. Traditionsgemäß würde der Sklave die nächste Stunde an dem Holzgitter stehenbleiben. Daher gingen auch die übrigen Wachen. Nur das junge Fräulein blieb zurück bei ihrer Vertretung. Sie starrte auf den manig geschundenen Po. Er sah arg mitgenommen aus. Sie näherte sich dem Sklaven und meinte: „Ich sollte mich wirklich bessern. Sonst…“ Der Jüngling stöhnte leise auf, als sie ihre Hand ausstreckte und über seine geschwollenen Striemen strich. Das Fräulein umspielte die Lenden des jungen Sklaven und näherte sich seiner Vorderseite. Leider trug er wie alle Sklaven einen Keuschheitsgürtel.

Die junge Dame wagte es, ihre Fingerchen dem Gemächt des Prügelknaben zu nähern. Immer lustvoller stöhnte der Sklave und zerrte hilflos an seinen Fesseln. Das Fräulein kicherte und befühlte das, was unter dem kleinen Eisenkäfig hing und zupfte daran. Sie stellte fest, dass die Berührungen dazu führten, dass der gefangene Liebesstab des Sklaven so kräftig anschwoll, dass er sich fast aus dem Gemächtsgitter zu pressen schien. Ob sie ihn dazu bringen konnte, seinen Samen zu vergießen? Das würde sie gerne einmal erleben. Noch war ihr wegen ihres Alters kein Lustjunge zugeteilt worden. Und doch war sie schon sehr neugierig darauf, was es mit dem geheimnisvollen Akt der Liebe zwischen Frau und Sklave auf sich hatte. Sie zupfte fleißig weiter an dem Säckchen des Sündenbocks, aber es geschah nichts weiter, als dass er stöhnte und zitterte. Schulterzuckend ließ sie ihn stehen.

Pluta hatte eigentlich wichtigere Dinge zu erledigen, als sich um die ungezogenen Streiche der jungen Damen ihres Hofes zu kümmern. Sie hatte einen Krieg gegen das vereinigte Nord- und Südreich zu fechten. Und da kam ihr ein prächtiger Gedanke. Sie ließ eine Senatorin namens Alekto rufen. Die Frau galt als besonders grausam und rachsüchtig. Bei ihr hatten die Sklaven nichts zu lachen. Hinter vorgehaltener Hand munkelten die Damen, dass Alekto nur mal einen richtigen Mann zwischen die Schenkel einladen müsse, um ihre Unzufriedenheit loszuwerden. Denn von ihr war bekannt, dass sie niemals einen Sklaven in ihr Bett ließ.

Das Geheimnis der Frau kannte nur Pluta: Alekto gehörte zu den Edeldamen, die von Leda aus dem Vereinigten Reich gejagt worden waren – mit Keuschheitsgürteln zur Strafe um die Hüften gebunden. Erst nach fünf Jahren sollten die Exilantinnen bei Leda erscheinen, um von der metallenen Hose erlöst zu werden. Die Zeit war nun gekommen. Alekto war bereit, die gefährliche und lange Reise auf sich zu nehmen. Sie und noch mehrere Dutzend Edelfräuleins machten sich auf den Weg, um ihre Freiheit zurückzuerhalten. Die Strapazen und Gefahren nahmen sie in Kauf, denn nichts war ihnen wichtiger, als endlich ihre Freiheit als Weibe zu erhalten.

Pluta machte sich dies zu nutze: Alekto sollte ausspionieren, wo Ledas Truppen positioniert und wie stark die Mauern waren, wie groß ihr Heer war und über welche Kriegswaffen sie verfügte. So versprach sie sich wichtige Erkenntnisse für ihre Invasion, damit ihr Rachefeldzug erfolgreich werden würde. Und so kam es, dass die Edeldamen es wagten, mit ihrem Tross weit nach Westen zu reiten, um sich befreien zu lassen. Um kein falsches Bild abzugeben, bestand das Gefolge nur leicht bewaffnete und ungerüstete Wächterinnen. Die Damen ritten geschützt in ihrer Mitte, teilweise auch in Kutschen. Sie konnten es kaum erwarten, endlich zu erleben, wie der Schlüssel im Schloss ihrer Keuschheitsgürtel herumgedreht wurde.

Leda hielt Wort: Nachdem die Reisegruppe an der Grenzburg der Regentin angekommen war, erhielt sie Kost und Logis für drei Tage. Am Morgen des zweiten Tages befreite der königliche Schmied sämtliche Adelsdamen aus ihren Keuschheitsgürteln. Die Herrscherin brauchte gar nicht zu erwähnen, dass die Ladys das Reich bis zum dritten Sonnenuntergang wieder zu verlassen hatten, denn so schnell wie möglich machten sie sich auf den Heimweg ins Ostland, um dort kurz hinter der Grenze in das erste Lusthaus einzukehren, wo gerade erblühte Jünglinge „zum Pflücken reif lagen“, wie Alekto es einer Mitreisenden grinsend erzählte. Erst später fiel der Senatorin auf, dass sie beinahe gelacht hatte – das erste Mal seit fünf Jahren!
39. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 17.10.18 18:29

Für die Männer in Plutas Reich ist es schlimm. Vll. macht sie ja Fehler und es gibt eine Wendung. Tolle Geschichte bitte weiter so.
40. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 21.10.18 16:02

Nur wenige Steinwürfe hinter der durch einen Palisadenzaun befestigten Grenze, wo ihnen einige Soldatinnen von einer Warte aus nachschauten, drängten sich die Frauen im ersten Lusthaus und feilschten um den Preis. Eine Dame wollte gleich drei Sklaven haben, bei einer anderen musste der Jüngling himmelblaue Augen besitzen, während wieder eine andere einen kräftigen und modellierten Körper in mokkabraun bevorzugte. Eine Begleiterin der Frau kicherte schadenfroh, als sich herausstellte, dass der muskulöse Bursche das kleinste Gemächt im Haus hatte. Doch die Dame wusste sich zu helfen und nahm ihr Spielzeug mit in ein Gemach, wo sie ihn an das schmiedeeiserne Bett fesselte. Die Schreie des Jünglings waren erbarmungswürdig, doch niemand wagte es, die Tür zu öffnen oder nur zu klopfen.

Alle Lustsklaven waren bald für Stunden damit bemüht die ausgehungerten Ladys zu befriedigen, obwohl die Herrin des sündigen Tempels gepfefferte Preise verlangte. Die Männer waren zwar darauf geübt, ihren Saft nicht frühzeitig zu verschießen, doch irgendwann kam es bei allen Sklaven zu einem solchen Malheur. Allerdings hatten die Jünglinge ja auch Zungen. So ausgiebige Lust fand selten ihren Weg in dieses Haus. Die Herrin hatte schon so manche begierige Dame erlebt, aber diese Edelfräuleins waren trefflich ausschweifelnd, vulgär und grenzenlos in ihrem Verlangen. Und das durften sie sein. Sie zahlten sehr großzügig, und da meckerte die Hausdame nicht über die erheischten Dienste, sondern ließ die vielen Münzen glückselig durch ihre Finger gleiten.

In früheren Jahren war dieses Domizil eine Schenke gewesen, in deren oberen Kammern willige Huren Wanderer, Kaufleute und Ritter beglückten. Doch seit Pluta das Patriarchat gestürzt hatte und das Ostreich forthin zügellos ins andere Extrem regierte, waren nur noch männliche Lustsklaven gefragt. Die meisten Huren wurden weggeschickt, als sie nun nicht mehr gebraucht wurden. Zumindest erhielten sie eine Abfindung aus Plutas Schatulle, um anderswo ein neues Leben beginnen zu können. Junge Männer, meist aus der Gosse, oder dem Waisenhaus entwachsen, suchten ihr Glück in dem frivolen Gewerk - mal freiwillig, mal fanden sie sich nach einer durchzechten Nacht auf einer Strohstätte in seltsamer Leibwäsche wieder. Teilweise angekettet, um sie an ihr neues Zuhause zu gewöhnen.

Alekto mochte es, wenn vor ihren Augen ein Sklave gepeitscht wurde, während sie für einen anderen Jüngling ihre Schenkel spreizte. Selbstverständlich wurde ihr Wunsch auch hier erfüllt. Die Besitzerin des Bordells war dafür bekannt fast jedes Begehren in die Tat umzusetzen, wenn die Münze klingelte. Alektos Gesicht war voller Verzückung. Während der Jüngling ihrer Wahl leidenschaftlich in sie stieß, tief und fest, ganz nach ihrem Geschmack, züchtigte eine Angestellte des Lusthauses den anderen Sklaven mit einer kurzen aber mehrschwänzigen Peitsche. Je mehr Alekto sich einer bebenden fulminanten Ekstase näherte, umso kräftiger sollten die Hiebe werden. Alekto war fast von Sinnen vor Berauschung, als sie spitz schreiend den Samen des Jünglings empfing und dabei einen Augenblick glaubte, zu schweben…

Und auch die Peitschenfrau, die früher hier als Freudenmädchen gearbeitet hatte, sah zutiefst befriedigt aus. Wie der Zufall es wollte, hatte sie einen ehemaligen recht ruppigen Freier in dem Sklaven erkannt, als der junge Mann vor einigen Tagen als „Frischfleisch“ ins Bordell geliefert worden war. Er war Sohn eines reichen Bauern gewesen, der in der Umgebung seine Felder beackerte. Doch die Zeiten der freien Männer waren vorbei. Die Peitschenhiebe gingen der Dame daher mit purer Freude von der Hand. Als der Jüngling seine ehemalige Liebesdienerin vor einigen Wochen erkannt hatte, war das Entsetzen wie gemeißelt in sein Gesicht gehämmert gewesen. Inzwischen fügte er sich seinem Schicksal.

Erst nach drei Tagen voller ausschweifender Orgien in dem Etablissement ritt Alekto weiter zu Pluta, um ihr zu berichten. Die Despotin erfuhr so manche Neuigkeiten, die sie ihrem Generalstab weitergab. Wichtige strategische Schwächen der Grenze, die Verteilung der Armee, die Bewaffnungen der einzelnen Soldatenzüge, der Aufbau der Wehrmauern und Bollwerke - all das hatte Alekto in Erfahrung gebracht. Pluta gierte nach den Informationen und sog sie auf wie ein trockener Schwamm eine Pfütze Blut. Jetzt konnte ihr Kriegszug bald beginnen! Sie schwelgte in der Zukunft, die sie wieder auf den Thron des Südreiches bringen würde – ja, sie würde drei ehemalige Reiche vereinen und regieren! Die stärkste Macht des Kontinents werden! Unbesiegbar!

Doch als sie gerade tief in glänzendem Ruhm und süßem Sieg badete, unterbrach sie eine Palastwache. „Majestät, entschuldigt die Störung. Aber eine Küchenmagd hat verbotenerweise von einer Rübe genascht. Sollen wir die Frau dem Gericht überstellen oder direkt…“ Er wurde von einer schrillen Stimme unterbrochen. „Was?“, rief die Tyrannin wütend. In erster Linie war sie allerdings über die Belästigung erzürnt.
„Hat das Weib einen Prügelknaben?“ Die Soldatin verneigte sich höflich: „Ja, Majestät. Was soll mit ihm geschehen?“ Pluta streckte ihr kleines Kinn vor und sagte mit sadistischer Freude: „Wohlan! Stampft dem Sündenbock die Rübe in sein jungfräuliches Hinterteil. Er soll sie bis zum kommenden Sonnenaufgang tragen. Danach soll das Weib dem Medikus helfen, sie wieder zu entfernen.“ „Sehr wohl, Majestät“, bestätigte die Wache den Befehl mit einem nervösen Zucken im Gesicht und verschwand.

Pluta war schlecht gelaunt und genervt. Jetzt wurde sie bereits wegen solcher Bagatellen befragt! So ging das nicht weiter! Sie war viel zu nachsichtig. Zucht und Ordnung mussten unbedingt verschärft werden! Sie schritt mit wehendem Brokat-Umhang an den strammstehenden Wächtern vorbei und trat an ein bleiverglastes hohes Fenster des Palastes, aus dem sie in einen der drei Innenhöfe des Palastes blicken konnte. Dort wurden gerade von königlichen Schergen mehreren Haussklaven metallene Schuhe angebracht. Das bizarre Fußkleid zwang die Träger fürderhin, auf ihren Ballen zu gehen. Die Zehen wurden dabei unnatürlich nach oben gebogen. Dieses Schuhwerk war bereits nach wenigen Augenblicken schmerzhaft.

Diese Tortur wurde nicht als Bestrafung durchgeführt. Allerdings waren zurzeit sehr hochgewachsene Sklaven in Mode, so dass sich jede Dame, die etwas auf sich hielt, mit möglichst großen Leibeigenen schmücken wollte. Da wurde gern mit den steilen Metallstiefeln nachgeholfen, und einige Männer trugen zusätzlich zahlreiche Ringe aus Kupfer um ihren Hals, die ihn nach und nach streckten. Kleinwüchsige Sklaven schickte man als Ausschuss in die Erz- und Salzminen, wo sie in niedrigen, engen Stollen kriechen konnten. Für irgendetwas waren die Wertlosen gewisslich gut!

Von der drohenden Gefahr aus dem Osten ahnte im Vereinigten Reich niemand etwas…
…bis einige Wochen später eine seltsam gewandete Frau im Palast erschien und dringend mit Königin Leda sprechen wollte. Sie hatte sich dem Palast auf einem Schimmel genähert und trug ihr Gesicht verschleiert, und um ihren Leib hatte sie weite, edle Stoffe gewickelt, die nicht aus der Region zu kommen schienen. Die Wache ließ die Unbekannte jedoch nicht vor. „Sagt mir, wer Ihr seid und was Euer Begehr ist!“, bellte der kinnbärtige Hauptmann der Uniformierten die verschleierte Frau an, die ganz ohne Begleitung auf ihrem Ross saß. Mit lautem und klarem Sopran trug sie vor: „Es gibt wichtige Kunde aus dem Ostreich. Es droht unaussprechliche Gefahr! Ein kolossaler Heereszug! Eine Invasion! Wahrlich! Krieg!“

Aber der Wächter wirkte fürwahr nicht beeindruckt. Schon oft hatten wandernde Quacksalber und gewiefte Schlitzohren versucht mit erfundenen Geschichten Gold zu erschwindeln. Viele von den Spitzbuben waren Frauen gewesen: Wahrsagerinnen, Künstlerinnen, Magierinnen, Kräuterhexen… Doch die meisten von ihnen waren Scharlatane, die nur - oh, wie putzwunderlich - auf Münzen aus waren. „Wie sie wohl unter ihrem Schleicher aussieht?“, fragte sich der Hauptmann in Gedanken und spürte, wie sein Gemächt wuchs. Dann raunte er ihr mit heiserer Stimme zu: „Wenn du mit in meine Kammer kommst, dann werde ich dich vielleicht ohne Wegezoll vorlassen…“

Die Frau nickte andächtig, flüsterte ein piepsiges und hastiges „Habt Dank, mein Herr“ und folgte dem breit grinsenden Mann in der dicken Lederrüstung in den Palastflügel, in dem die Wachen untergebracht waren. An den Wänden hingen an schmiedeeisernen Haken Hellebarden, Schwerter, Falchions, Spieße, Streitkolben und Schilde. Einige Rüstungsteile standen oder lagen auf dem Boden. Der Wächter öffnete am Ende eines Flures eine dicke Eichentür, deren Riegel quietschten. Eine kleine Kammer mit grob gezimmertem Bett, Tisch und Schemel lag dahinter, und sie traten ein.

Nun waren die Zwei ganz alleine. Der Wächter schob einen schweren Riegel von innen vor die Tür und drehte sich zu der Verschleierten um. „So“, sagte er in beinahe obszönem Tonfall, „ich hoffe, du bist es wert…“ Er kam auf seine „Beute“ zu und spürte, wie seine Männlichkeit wuchs und wuchs. Es hatte sich bereits eine feuchte Stelle an seiner rauen Hose gebildet. Er küsste seinen Besuch auf die Stirn und Wolllust stieg in ihm auf. Jetzt hob er voller Neugier den Schleier und…

…erstarrte wie vom Blitz getroffen. Seine Kinnlade fiel hinab, als schaue ihn ein Nachtmahr an. „Was…..“ Der zierliche junge Mann unter dem Tuch warf seinen Umhang und das Kleid ab und trug darunter nur einen Lendenschurz und ein dünnes Leinenhemd. „Wer… Was soll das bedeuten?“ brüllte der Wächter und sah fast angewidert zu dem Mann. Er hob drohend eine Faust. Der Entlarvte hielt die Arme schützend hoch und erklärte: „Haltet ein! Gemach! Ich musste aus dem Ostreich fliehen. Aber als Sklave hätte ich keine Chance gehabt. Also habe ich mich als Weibstück verkleiden.“ Er zeigte auf die Tücher, die auf dem Bette lagen.

Der Wachmann wischte sich mit den Handrücken über die Lippen als seien sie voller Dreck. „Ein Mannsbild!“ Es hörte sich an, als sei es ein Verbrechen, ein Mann zu sein. Der Besucher nickte. „So ist es! Ich habe nie behauptet, ein Weib zu sein. Und ich habe nicht gelogen: Ich muss dringend mit der Königin sprechen! Es ist ausgesprochen wichtig“, redete er auf den Wächter eindringlich ein. In seinem lodernden Blick lag inbrünstiger Wille. Der Gerüstete sah sein Gegenüber skeptisch an. Sollte er es wagen, die Hoheit mit dieser ominösen Botschaft zu belästigen? Er könnte sich mit dem Larifari deses Hallodris zum Narren machen. Aber was, wenn es wahrlich von Wichtigkeit war?

„Also gut. Ich werde die Majestät fragen. Aber wehe dir, dein Anliegen stellt sich als Nichtigkeit heraus! Dann landest du im Kerker und siehst die Sonne nie wieder!“ Auch diese Warnung ließ den Fremden offenbar kalt. „Alldieweil bleibst du hier und wartest auf meine Rückkehr!“ Der Wachmann verließ grummelnd sein Gemach und befahl einem schlaksigen Soldaten mit einem Schmiss auf der linken Wange, der im Flur stand: „Pass auf die Tür auf! Der Fremde darf nicht hinaus!“ Der Untergebene salutierte zackig, runzelte aber die Stirn. War der Hauptmann betrunken? Wieso Fremder? Er hatte sich doch eine Kurtisane oder Dirne mitgenommen, das Bett zu wärmen…

Zur gleichen Zeit bezirzten nahe der Grenze zum Ostreich zwei wunderhübsche junge Damen einen Jüngling. Sie hatten ihm paradiesische Verlockungen versprochen und waren mit ihm immer tiefer in die Ebene geritten, die die Grenze zum Ostland darstellte. „Weiter dürfen wir nicht reisen“, warnte der Jüngling die beiden Ladys. Die Grenze war gefährlich. Vor allem für Männer, denn im Ostreich herrschte strenger Feminismus. Allerdings schienen die Zwei sich nichts daraus zu machen. Und als Feigling wollte er selbstverständlich nicht dastehen, sondern als der tapfere Recke, als den er sich ausgegeben hatte, um sich bewundern zu lassen.

„Gleich sind wir da“, versprach die eine junge Dame grinsend und zeigte nach vorne. „Da! Dort sind wir ungestört. Schau! Am Ufer des Flusses ist ein herrlicher Strand, und das Wasser ist so klar, dass man bis zum Grund sehen kann.“ Es war ersichtlich, was sie ihm Schilde führten. Der Bursche konnte vor seinem inneren Auge bereits die Schönheiten in ihren nackten zarten Leibern sehen, wie sie in dem erfrischenden Nass badeteten. Weit und breit waren keine anderen Reisenden zu sehen. Grenzwachen gab es hier nicht. Es würde ein prickelndes Abenteuer, aber keine ernste Bedrohung geben. Und vor Flussdämonen hatte er zuletzt als kleiner Bube Angst gehabt.

Einige Minuten später erreichten sie den Fluss. Tatsächlich war es ein idyllischer Platz mit einem kleinen Sandufer und bunten Steinen, die im nassen Boden glänzten, wie geschaffen für ein stilles Schäferstündchen. Der Jüngling namens Nereus war schon ganz von Sinnen. Die mögliche Gefahr durch Grenzsoldatinnen im männerfeindlichen Osten schloss er aus. Zu schön war die Aussicht, mit gleich zwei engelsgleichen Damen am Ufer des Flusses zu liegen und zum Manne zu werden…

Sie hatten sich mit Ceres und Phoibe vorgestellt und seien die Töchter eines reichen Kaufmannes aus dem fernen Westland. Allein waren sie angeblich auf der Queste nach Abenteuern unterwegs. Die beiden Ladys waren exquisit gewandet und ritten Rösser edelsten Blutes, so dass niemand bestreiten konnte, dass sie von noblem Stand waren. Seit Wochen waren sie auf sich alleine gestellt und nun froh, einen galanten Ritter kennengelernt zu haben. Das schmeichelte Nereus natürlich sehr. Von ihrer Geschichte war jedoch nur wenig wahr: Die beiden jungen hübschen Weiber waren tatsächlich von der westlichen Küste gekommen, als sie vor einigen Monaten von einem Herold gehört hatten, dass sich das Reich des Brackus seit einigen Jahren zu einer strengen Frauenherrschaft entwickelt hatte. Auch ihre Namen waren wahr. Aber den Rest ihrer Vergangenheit hatten sie wohl wissend verschwiegen…


Einige Monate zuvor:

Ceres und Phoibe erinnerten sich an verflossene Tage. Als Adelsdamen im Südreich hatten sie unter der Regentin Megara ein verschwenderisches und geradezu dekadentes Leben auf Kosten der verarmten und unterjochten Bevölkerung geführt. Und da Ceres und Phoibe eine sadistische Ader hatten, liebten sie es, Sklaven perfide zu quälen. Als ihr süßes Leben im Südreich zu ende gegangen war - Megara war gestürzt worden - suchten sie sich ihre Opfer in unwissenden jungen Burschen wie Nereus.

Fast vier Jahre lang hatten sie zwei tumbe Jünglinge in Keuschheitsgürteln gefangen gehalten. Eine Zeitlang wurde der eine von ihnen bevorzugt, während der andere Monate lang am Stück in seinem Liebeskerker schmorte, und dann begünstigten die zwei frivolen Damen den anderen. So ging es bis zu dem Tag, als sie von dem neuen Ostreich hörten. Kurz darauf ritten sie, fest entschlossen, im Ostreich ein neues Leben zu beginnen, mit ihren Liebesdienern durch die Lande, immer der Morgensonne entgegen.

Mehrere Monate dauerte die Reise. Im Nordlande, das inzwischen mit dem Südreich vereinigt war, durften sie sich nicht blicken lassen. Daher es arg geboten, auf der Hut zu sein. Doch als sie in die Nähe der Grenze zur Ostnation kamen, waren sie von einem Trupp berittener Soldatinnen aus dem östlichen Reich überrascht und angegriffen worden. Die beiden Männer wurden mit Lassos eingefangen und von ihren Rössern gezogen, mit „Halsgeigen“ fixiert und an ein Seil hinter einem Pferd hergezerrt. Die Reiterinnen würden die beiden Jünglinge auf dem Sklavenmarkt verkaufen. Phoibe und Ceres erhielten als Entschädigung einen Filzbeutel mit Münzen. Sie riefen den Frauen noch hinterher: „Wollt ihr die Schlüssel zu den Keuschheitsgürteln haben?“ Eine Soldatin drehte sich im Sattel um und winkte abfällig. Offenbar waren sie am Gemächt der Männer nicht interessiert.

Die beiden jungen Frauen ritten alleine über die Grenze, wo sie als Damen der Schöpfung herzlich willkommen geheißen wurden. Sie lebten einige Wochen von dem Silbergeld. Viele alltägliche Dinge waren sehr günstig, denn männliche Sklaven taten für einen Hungerlohn Dienst. Fleisch, Brot und Trunk gab es ebenfalls für geringe Münze. Von den restlichen Talern kauften Phoibe und Ceres wohlgemut auf einem Markt zwei günstige Sklaven mit gesunden Muskeln und ein kleines Blockhaus mit Brunnen. Die Leibeigenen bauten Gemüse und Obst an, kochten, putzten, machten die Wäsche und flochten Korbwaren, die sie mit dem Gemüse und Obst auf dem Markt verkauften. So konnten Phoibe und Ceres sich ganz ihrem Vergnügen widmen und lebten in ihrer Kate ein geruhsames, wenn auch nicht ganz so luxuriöses Leben in Saus und Braus wie im untergegangenen Südreich.

Doch mit der Zeit wurde es ihnen langweilig mit den devoten Sklaven zu spielen. Egal, welche Demütigung oder Erniedrigung sie sich ausdachten – und dabei waren die beiden Ladys wahrlich erfinderisch – nahmen die Männer ihr Schicksal fatalistisch an, ohne zu murren oder auch nur gequält oder bettelnd aufzuschauen. Daher beschlossen die beiden Frauen, jenseits der Grenze, also im Nordland, nach „gedeihlichem Frischfleisch zu wildern“, wie Phoibe es kichernd ausdrückte. Ein wenig Aufsessigkeit mochten die Damen bei ihren Sklaven gar sehr, denn die konnten sie ihnen mit Genuss austreiben.
41. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 21.10.18 20:12

Hallo Prallbeutel,
lass uns nicht wieder solange warten, die Geschichte ist nach wie vor klasse. ich bin gespannt ob Leda dem Fremden glaubt.
Vielen Dank.
VLG ALf
42. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 21.10.18 22:18

Wunderbar,die Fortsetzung !Man hält es kaum aus bis du den nächsten Teil veröffentlichst....und die Szenen und Ideen der grausamen Frauen bei der Sklavenbehandlung sind ganz nach meinem Geschmack....
43. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 03.11.18 18:38

Wieder zurück in der Gegenwart:

„Lass uns absitzen“, sagte Ceres und nahm ihr Pferd an den Zügeln. Sie führte das Tier zu einer jungen Birke und band es fest. Phoibe machte es ihr nach. Schließlich stieg auch der Jüngling von seinem Rappen. Kichernd verschwanden die Damen allgemach im Gebüsch des Ufers. Nereus folgte ihnen neugierig durch dichtes Schilf. Zunächst verlor er sie aus den Augen, doch dann fand er sie an einem feinen Sandstrand. „Komm schon her“, lockte Ceres ihn und strich sich durch ihr langes, glänzendes Haar. Der Jüngling kam auf sie zu, aber Ceres verschwand in den Fluten des Flusses. „Komm rein! Es ist herrlich erfrischend!“ Nereus wirkte unsicher. Der Fluss bildete die Grenze zum gefährlichen Ostreich. Auf der anderen Seite des Wasserarms war er als Mann nur ein wertloser Sklave. Rechtlos und vogelfrei. Selbst hier war es schon riskant, denn es hieß, dass Reiterinnen aus dem Osten die Gegend nach einsamen Wanderern durchstreiften, die sie entführten und auf Sklavenmärkten in den Siedlungen verkauften.

Phoibe schlüpfte aus ihrem Kleid und sprang ebenfalls ins Wasser. Für kurze Zeit war ihr wunderbarer weiblicher Leib für den Jüngling zu erblicken. Nereus schaute den Damen begehrlich hinterher. Sollte er es wagen? Was war schon dabei? Weit und breit war niemand hier. Er überlegte nicht mehr lange und zog sich rasch seinen Wams und die Beinkleider aus und folgte den beiden Badenixen spritzend ins kühle Nass. Die drei vergnügten sich im Fluss und alberten herum.

Plötzlich war Hufgetrappel zu hören. Das Trio erschrak. „Schnell! Ins Schilf!“, rief Phoibe alarmiert, und die beiden anderen folgten ihr hastig durchs brusthohe Wasser, alle zogen sich hastig ihre Kleider an und wrangen ihr Haar aus. Keinen Augenblick zu früh gingen sie in Deckung hinter den grünen Blättern, denn direkt darauf erschien ein Reitertrupp aus bewaffneten Soldatinnen, die in den Fluss trabten. Die Reiterinnen trugen dicke Lederrüstungen, die zusätzlich mit Metallplättchen verstärkt waren. Jede hatte ein Schwert auf dem Rücken geholstert. Zu ihrer Armierung zählten noch ein Bogen, ein Dolch, eine Peitsche und ein langer Wurfspieß.

Nereus, Phoibe und Ceres stellten fest, dass sich nur etwa 30 Schritt von ihnen entfernt eine Furt befand, über die die Kolonne das westliche Ufer erreichte. „Abgefeimte Wilderer“, flüsterte Ceres. „Sie suchen Freie für die Sklavenmärkte…“ Nereus wagte kaum zu atmen. Seine Angst ließ ihn zittern. Sein Langmut war beinahe erschöpft. Das Dröhnen der Hufe wich lautem Platschen des Wassers, doch die Speere klirrten weiterhin an den Rüstungen und Steigbügeln. Plötzlich drehte sich eine Kavalleristin um und pfiff schrill und laut, so dass die anderen sechs Pferde stehen blieben. Offenbar hatte die Soldatin etwas bemerkt. SIE bemerkt…

Ceres und Phoibe duckten sich noch weiter in die Schilfblätter. Aber die fremde Soldatin ritt langsam genau auf sie zu und zog ihr Langschwert, das in der Sonne glänzte. Nereus spürte sein Herz gegen die Rippen schlagen. Sein Puls raste. Er haderte mit dem Schicksal. Sollte sein Leben als freier Mann heute zuende gehen? Ceres knickte einen dicken Halm einer Bambuspflanze ab und drückte den Jüngling unter Wasser. Sie reichte ihm das Ende des Rohrs, durch das er atmen konnte. Nereus begriff, was er tun sollte und klammerte sich am Boden des Flusslaufes an einer Schlingpflanze fest, um nicht an die Oberfläche zu treiben. Aber was war mit dem Wasser? Ihm wurde ganz blümerant. Es war so klar wie aus der feinsten Quelle, und die Sklavenjägerin musste den Untergetauchten trotzdem bemerken…

Doch Phoibe scharrte im letzten Augenblick mit den Füßen und schob sie durch den Schlick am Boden, der braun aufwirbelte. Jetzt war die Soldatin nur noch drei Schritte entfernt. Mit ihrem Schwert schob sie einige Schilfblätter zur Seite und betrachtete die beiden Damen, die im brusthohen Wasser standen. „Wer seit ihr?“, wollte die Gerüstete wissen, deren harte Gesichtszüge von einem ebenso harten Leben erzählten. Phoibe antwortete: „Auch Ihr seied uns gegrüßt, Holde und Edle auf dem stolzen Rosse. Wir sind nur zwei Maiden, die im Grenzdorf wohnen“, und zeigte auf das östliche Ufer, „und erfrischen uns im Fluss.“ Die Soldatin betrachtete auch Ceres und die Umgebung argwöhnisch, als dünkte sie, dass irgendwas hier faul war. „Seid ihr allein?“ Phoibe entgegnete lapidar: „Ja, Reitersfrau.“

Die Berittene steckte ihr Schwert schabend zurück in die Scheide und meinte streng: „Es ist gefährlich für junge Damen im Grenzgebiet. Recken aus dem Vereinten Reich könnten euch Böses antun. Mannsbilder jenseits des Flusses wissen die Unantastbarkeit des Weibes nicht alle zu schätzen. Hier seid ihr Freiwild für dreckige Halunken. Tunlich ist es, die Grenze zu meiden.“ Damit drehte sie ihr Ross so kraftvoll, dass es aufbäumte, und die beiden Damen vor dem wiehernden Tier und dem aufpeitschenden Wasser zurückschreckten.

Der Trupp ritt davon - ins Vereinte Reich. Sie hatten ihre Beute noch nicht aufgegeben. Nereus war nicht bemerkt worden, sonst hätten sie nicht viel Federlesens mit ihm gemacht. Ceres nahm eine Handvoll Wasser und blies sie in das obere Ende des Rohrs.
Prustend und hustend kam Nereus an die Oberfläche und sah sich panisch nach den Reiterinnen um; doch da war niemand außer seinen beiden Bekannten, die über seinen Gesichtsausdruck kicherten. Ceres winkte der längst verschwundenen Grenztruppe nach.
„Gehabt Euch wohl, ihr blöden Weibsstücke!“

„Komm“, lockte Phoibe ihn und ließ sich in den Arm nehmen. Der Jüngling genoss die Berührung der schlanken Taille, dann rutschten seine Hände zu den weiblichen Hüften. Und dann spürte er plötzlich die Hand der jungen Dame an seinem Gemächt. Erneut befreiten sie sich von ihrer Wäsche. Phoibe streichelte über das Lustfleisch des Burschen und brachte Nereus damit traumhafte Gefühle, die er bisher nicht gekannt hatte. Natürlich hatte er sich selbst schon oft dort angefasst. Er wusste auch, wie ein Mann sich selbst befriedigte, wie er seinen Samen von sich gab; aber dass eine weibliche Hand solche intensiven Empfindungen, süßer als jede Spezerei, auslösen konnte… Das hätte er niemals gedacht.

Bald konnte er sich kaum noch zurückhalten und hungerte danach, sein „Schwert“ in Phoibes Weiblichkeit einzutauchen, aber die junge Dame neckte ihn und spielte mit ihm Fangen. Ceres half dabei, den Jüngling fast um den Verstand zu bringen, berührte ihn in seinem Schoß, flüsterte ihm Liebesbekundungen in die gespitzten Lauscher und knabberte an seinem Ohrläppchen. Der frivole Reigen des nackten Trios hätte einen Betrachter sich verwundert die Augen reiben lassen.

Endlich kehrten die Damen an den Strand zurück und ließen sich in den feinen Sand fallen. Nereus folgte ihnen mit „erhobenem Schwert“, das wild in der Luft wackelte und endlich sein Verlangen stillen wollte. Mittlerweile war sie zur Drangsal geworden, die unbefriedigte Lust. Phoibe ließ sich aber immer noch nicht besteigen. Stattdessen setzte sie sich auf den verdutzten und schwer atmenden Nereus. Die junge Dame wiegte sich hin und her und nestelte an Nereus Lenden, bis sein Stab in sie eindrang. Nereus ächzte laut auf. Das musste das Paradies sein!

Phoibe kicherte leise und bewegte ihre Hüften in einem Takt, den Nereus immer näher an den Gipfel der Lust brachte. Doch kurz bevor er seinen Samen vergießen konnte, stand Phoibe auf und drehte sich herum, schob ihren Po immer höher auf die Brust des Jünglings und keuchte: „Zuerst wirst du zeigen, wie du mit deiner Zunge umgehen kannst…“

Nereus wusste nicht so recht, was sie meinte. Umglimpf überkam ihn heiß, ob des Unwissens. Aber er sah die süße nasse Weiblichkeit genau vor seinen Augen und ahnte instinktiv, was sie von ihm forderte. Ceres beobachtete schmunzelnd, wie Phoibe sich immer verkrampfter an Nereus Unterschenkeln festkrallte und ihre Augen genießerisch schloss. Die Luft schien vor Spannung zu knistern wie bei einem Frühlingsgewitter, und dann kam es der heißblütigen Lady: Phoibe stöhnte jammernd auf, und der Bursche fürchtete schon fast, er habe etwas falsch gemacht, doch ihr zufriedenes Seufzen ließ ihn seinen Irrtum schnell erkennen.

Nereus platzte fast vor Erregung. Während er Phoibe verwöhnt hatte, hatte Ceres mit ihren Händchen geschickt über sein Gemächt gestreichelt. So zart, so schön, so intensiv…
Ihre Fingerspitzen strichen über seine Männlichkeit, dass es ihm wohlig durch den gesamten Körper schauderte. Doch jetzt genoss Phoibe ganz alleine ihr Vergnügen und kostete es bis zum Letzten aus. Nereus lag noch hilflos und zur Untätigkeit bestimmt unter ihr und fühlte dabei eine süße Pein, als Ceres plötzlich rief: „Schnell ins Wasser! Der Trupp kommt zurück!“

Phoibe und Nereus eilten in die kühlen Fluten, zogen sich aber zuvor irritierenderweise ihre Kleider an. Der Schreck und der kalte Fluss ließen die Steifigkeit des Jünglings, der den Maiden folgte, in sich zusammenfallen. Ängstlich sah sich Nereus um, doch da war niemand zu sehen oder zu hören. Stattdessen kam Ceres von hinten und umfasste Nereus Lenden und spielte mit seiner Männlichkeit, die sofort wieder erwachen wollte. Doch was war das? Er fühlte da etwas Hartes. „Was ist das?“ wollte er wissen. Die Damen kicherten. „Das ist ein Keuschheitsgürtel für Männer.“

Nereus sah an sich hinunter und stieg aus dem Wasser, um besser untersuchen zu können, was er da trug. Sein Gemächt war eingesperrt! Ceres hatte es wohl schnell aus der Satteltasche ihres Zossen geholt. „Macht das wieder ab!“, verlangte er. Aber die Damen schwammen, bereits kleiner werdend, ans östliche Ufer. Dort stiegen sie aus dem Fluss und hielten etwas hoch. „Hol dir doch den Schlüssel!“, rief Ceres hinüber. Nereus rief zurück: „Hört auf mit euren Neckereien! Ich habe genug! Kommt zurück! Schnell! Bevor euch jemand sieht!“

Aber Ceres und Phoibe machten es sich am Ufer bequem und legten sich in die wohltuende Sonne. Nereus schnaufte. Das gab es doch nicht! Diese Weiber! Sollte er hier warten? Irgendwann mussten sie zurückkommen. Oder sollte er hinüberschwimmen und sie über das Knie legen? Er spürte neben seinem Ärger auch eine unglaubliche Erregung, wie er sie noch nie empfunden hatte. Und dieser Keuschheitsgürtel war sehr stabil, hatte er bereits festgestellt. Ohne Schlüssel war da nichts zu machen.

Nereus war unsicher, was er tun sollte. Doch ihm war schnell klar: Er musste aus diesem Keuschheitsgürtel wieder raus! Er zog sich schnell an, sah sich noch einmal um, und sprang dann in die Fluten, um zu den beiden Damen hinüberzueilen. Ceres und Phoibe trennten sich und liefen in entgegengesetzter Richtung das Ufer entlang. Als Nereus den östlichen Strand erreicht hatte und aus dem Wasser stieg waren die jungen Ladys schon über 150 Schritt von ihm entfernt.

Wem sollte er nun nachlaufen? Wer hatte seinen Schlüssel? Egal, dachte Nereus. Wenn er erst mal die Eine gefangen hatte, würde die Andere schon herbeieilen. Langsam war das alles kein Jux oder amouröses Abenteuer mehr für ihn. Schließlich setzte er sich der Gefahr aus, von Reiterinnen des Ostreiches erwischt zu werden. Nereus entschied sich für Phoibe und sprintete den sandigen Strand links entlang. Schnell kam er näher und näher, denn Phoibe musste mit gerafften Röcken laufen, um nicht zu stolpern.

Endlich hatte er sie erreicht und umfasste sie von hinten. „Gib mir sofort den Schlüssel“, forderte er. Wie vermutet, antwortete sie: „Ceres hat ihn. Lass mich los, du Rüpel!“ Nereus drehte sich zu Ceres um, die über 300 Schritt entfernt stand, und rief ihr zu: „Komm her! Ich habe deine Freundin gefangen.“ Aber was machte Ceres? Sie stieg ins Wasser und wollte wohl zurück ans Westufer. Nichts lieber als das, dachte Nereus und folgte ihr ins Wasser. Aber Phoibe rief ihn zurück: „Komm zu mir! ICH habe den Schlüssel.“

Nereus war verwirrt. Die Damen wollten ihn wohl zum Narren halten. Er stand unschlüssig im Wasser und kehrte zu Phoibe zurück. Inzwischen hatte Ceres die Pferde erreicht, band sie los und führte sie an der Furt ans Ostufer. Der Keuschling marschierte wütend zu Phoibe zurück und schüttelte sie, als sie nur kicherte: „Ceres hat ihn.“ Nereus war zornig: „Gebt mir endlich den Schlüssel!“ Die zweite Lady näherte sich mit den Pferden und rief: „Hey! Wage es nicht noch einmal Hand an Phoibe zu legen! Wir sind zwei feine Damen aus dem Ostreich, und wenn du uns nicht hörig sein willst, dann müssen wir Gewalt anwenden.“

Nereus glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen. „Was hast du gesagt? Ihr habt mich in eine Falle gelockt, ihr Megären!“ Er war sprachlos. Doch dann erwachte er aus seiner Starre und griff nach seinem Pferd und stieg eilig auf. „Her mit dem Schlüssel! Und dann werde ich wieder über die Grenze reiten.“ Die beiden Fräuleins stiegen ebenfalls auf und gaben ihren Rössern die Sporen. Im Galopp rasten sie nach Osten, lachend und jubelnd davon. Nereus folgte ihnen mit donnernden Hufen.

Der Kavallerietrupp, der vor einiger Zeit die Furt nach Westen genommen hatte, kam zurück. Im Schlepptau liefen im Trab vier nackte Männer hinter einer Reiterin her, die ihre Beute an vier Lassos gebunden hatte. Das Qartett lief stolpernd und erschöpft hinter dem Ross her, während die Reiterin stolz im Sattel saß und keinen Gedanken an die Mühen der Männer verschwendete. Es waren reisende Burschen gewesen, die von den Soldatinnen an ihrem Lagerfeuer überrascht und überwältigt worden waren. In Windeseile mussten die Überfallenen sich ihrer Kleidung entledigen. Es ging ganz schnell: die Hände auf den Rücken gefesselt, ein Seil um den Hals. Und schon waren sie auf der Abreise ins Ostreich wie schlachtreifes Vieh.

Das Handwerksburschenquartett hatte alle Warnungen vor der gefährlichen Grenzregion in den Wind geschossen und musste nun die bitteren Konsequenzen tragen. Die Abenteuerlust hatte sie zu der leichtsinnigen Reise verführt. Ihr Schicksal würde es werden, auf einem Sklavenmarkt verkauft zu werden und fortan entweder von Sonnenaufgang bis –untergang auf einem Feld zu schuften, oder sie würden sich als Liebesdiener in einem Harem einer reichen Lady für das Vergnügen der Dame auf oder vor einem Diwan räkeln und ihren Mann stehen, wenn es der Herrin danach gelüstete. Vielleicht würde sie auch eine Senatorin für den Kriegsdienst erwerben. Sie konnten als Träger von Ausrüstung, als Späher oder als erste Angriffsfront verwendet werden. Aber ihre Freiheit und das Vereinte Reich würden sie nie wieder sehen.

Nereus, Phoibe und Ceres bekamen von all dem nichts mit. Sie galoppierten immer noch wild ins Landesinnere, der kleinen Ansiedlung entgegen, in der die beiden Damen mit einigen Arbeitssklaven lebten. Nereus folgte ihnen naiv in einigen hundert Schritten Distanz. Er blendete alle Gefahr aus; nur der Schlüssel zu seiner Männlichkeit war ihm noch wichtig. An etwas anderes konnte er gar nicht denken.

Nach einem halbstündigen Ritt erreichten die Damen ihren kleinen Hof. Die Rösser hatten vor Anstrengung Schaum vor dem Maul und waren nass geschwitzt. Ceres und Phoibe sprangen aus ihren Sätteln und eilten ins Haus. „Ein wilder Mann aus dem Vereinten Reich verfolgt uns! Nehmt ihn gefangen“, rief Phoibe den beiden Sklaven zu, die im Haus den Boden fegten. Nur wenige Momente später war das Pferd von Nereus zu hören. Der Jüngling sprang ab und stürmte ins Haus. Nun würde er es den beiden frechen Gören zeigen! Doch kaum hatte er die Hütte betreten, warfen sich die beiden Sklaven auf den Eindringling und überwältigten ihn. Jetzt trauten sich auch die beiden Hausherrinnen hinter einem Paravent hervor. Nereus wehrte sich heftig, aber gegen die beiden muskulösen Leibeigenen hatte er keine Chance.

Sie verdrehten ihm die Arme hinter seinem Rücken und bugsierten ihn wieder auf die Beine, nachdem er bei dem Überfall äußerst unsanft auf dem Hosenboden gelandet war. Ceres stellte sich direkt vor Nereus: „Nun wirst du lernen, uns zu gehorchen. Der Keuschheitsgürtel bleibt vorerst verschlossen!“ Nereus machte große Augen. „Was? Ihr habt mich entführt!“ Phoibe lachte: „Entführt? Bist du uns nicht freiwillig gefolgt? Hier gelten andere Gesetze als im Vereinten Reich.“ Nereus konnte noch gar nicht fassen, in was für eine Misere er da geraten war.

Inzwischen ritt die Kavalleriekolonne am Gehöft der beiden Damen entlang in die Ansiedlung, die vier Männer im Schlepp, die sich kaum noch auf ihren Beinen halten konnten. Zwei Feldsklaven der beiden Damen hoben kurz ihren Blick vom Gemüse auf dem Acker, als sie die Soldatinnen vorbeireiten sahen. Die Frauen trugen alle braune Brigantinen, die mit Eisennieten bedeckt waren. Ihre schwarzen Reitstiefel reichten bis über die Oberschenkel. Die nackten Körper der Männer glänzten vor Schweiß. Sie stolperten mehr als sie liefen, denn nach den vielen Meilen waren sie der Erschöpfung so nah wie nie zuvor. Doch der Trupp würde erst in der Ansiedlung rasten.


44. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 05.11.18 21:20

Lieber Prallbeutel,
mach bitte bald weiter, vll. kann Nerus noch entkommen. Vielen Dank für diesen Teil.
VLG Alf
45. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 30.11.18 18:00

Dann erreichte der Trupp den Ortskern. Während die Soldatinnen in der Schenke am kleinen Marktplatz ein kühles Honigbier tranken, bewachte eine Magd des Gasthauses die vier Männer, die nun in den Stock gespannt gekrümmt im Staub saßen. Einer von ihnen schüttelte seine Mähne, um einige neugierige Fliegen loszuwerden. Die junge Maid trug einen weiten Rock und Sandalen, ein weißes Leinenhemd und ein Häubchen. Für eine Frau hatte sie niedrige Dienste zu erledigen. Wenigstens war sie mit einem jungen Burschen vermählt, der die häuslichen Arbeiten in ihrem Heim erledigte und nebenher noch auf einem Feld als Erntehelfer arbeitete: Bohnen, Kohl, Kürbisse und Rispenhirse holte er vom Acker.

Brachte er mal nicht genug Münzen nach Hause, setzte es Hiebe mit dem Ledergurt seiner Eheherrin. Aber das kam eher selten vor. Die Magd war eine recht gutmütige Frau. Manchmal allerdings stach sie der Hafer, und dann hatte sie Vergnügen daran, die zwei Sklaven des Gasthauses zu schikanieren. Heute wäre sie in entsprechender Laune dazu gewesen, denn sie hatte gar keine Lust, draußen bei den vier Mannsbildern in der prallen Sonne zu wachen, sondern wollte lieber in der kühlen Taverne die Sklaven in der Küche kommandieren und mit Holzlöffel oder Kelle antreiben und vielleicht ein wenig von dem deftigen Eintopf naschen, den der Wirt hungrigen Gästen anbot.

Ihre gereizte Stimmung ließ sie nun an dem nackten Quartett aus. Dazu zupfte sie von einem Busch in der Nähe mehrere kugelartige kleine Früchte. Diese Gewächse warf sie mit lässiger Bewegung vor die in den Stock gespannten Gefangenen, die breitbeinig in ihren Fesseln auf dem Lehmboden saßen. Die Früchte platzten auf, als sie landeten, und die Samen der Pflanze breiteten sich wie eine Staubwolke wirbelnd in der Luft aus. Die Männer husteten, und nach wenigen Augenblicken begannen sie sich zu winden, zu zappeln, zu strampeln, zu zucken und zu stöhnten.

Die schelmische Magd sah grinsend zu, wie das Juckpulver die Sklaven fast um den Verstand brachte, da sie sich nicht kratzen konnten. Lediglich ein wenig über den Boden schieben konnten sie ihre Kehrseite wie ein sich schrubbendes Warzenschwein auf einem flachen Steinbrocken. Aber gegen das gemeine Jucken, Kitzeln und Beißen – insbesondere in ihrem Schritt, vor dem die Früchte aufgeplatzt waren – gab es keine Maßnahme, die sie davon erlösen würde.

Die Magd genoss kichernd das amüsante Bild, das sich ihr bot, und bald lockte das Stöhnen der Männer auch noch andere Frauen an: Zwei Reiterinnen in ledernen Korsettwesten und weiten Stoffhosen hielten an und lehnten sich in ihren Sätteln vor, um sich das Spektakel anzuschauen; zwei junge Maiden in langen Röcken, die auf einer Wiese Blumen gepflückt hatten, waren ebenfalls herbeigekommen und lachten über die Sklaven, die sich hilflos versuchten zu reiben und gegen das gemeine Jucken zu wehren.

Als das Kratzen langsam nachließ, pflückten die Magd und die beiden Maiden weitere Kugeln und warfen sie nach den Männern, die um Erbarmen flehten, aber nur Lacher ernteten. Die Pein begann erneut. So ging es noch eine ganze Weil, bis es den Frauen langweilig wurde. Die Qualen der Sklaven hielten jedoch lange an. Selbst, als der Reitertrupp wieder aufsaß, und die Männer in ihren Lassos hinter einem der Rösser im Trab wieder bereit zur Weiterreise in Reih und Glied standen, biss sie immer noch das fiese Pulver. Die Magd winkte ihnen schadenfroh und ironisch nach und gluckste vor Freude. Endlich waren die Kerle weg. Jetzt konnte sie geschwind wieder in die kühlen Räume der Schenke gehen.

Bald darauf durfte sie nach Hause kehren und erzählte ihrem Ehesklaven: „Weißt du noch, wie ich dich im vergangenen Sommer gefesselt und mit Juckpulver eingeschmiert habe? Du glaubst gar nicht, was mir heute passiert ist…“ Als sie ihrem Ehesklaven alles berichtet und ihm neckend gedroht hatte, dass ihm das auch bald wieder geschehen könne, gönnte sie sich erst einmal ein angenehmes Bad in einem großen Holzzuber, um ihren Leib zu erfrischen und zu entspannen.

Für das Badewasser hatte ihr Gatte Dutzende Male zu einem Brunnen laufen müssen, um das viele Wasser herbeizuschaffen. Die schwere Arbeit war er gewöhnt und tat dies für seine Eheherrin auch sehr gern. Obwohl er sich fragte, warum das Badefass so groß sein musste. Im Winter war es noch aufwendiger. Da musste Eimer für Eimer im großen Kessel über dem Feuer erwärmt werden. Das war ihm heute erspart geblieben.

Anschließend kämmte die Dame des Hauses ihr langes Haar mit einem Kamm aus Elfenbein, der kunstvoll verziert war und einen knienden Sklaven darstellte, der von einer Lady ausgepeitscht wurde. Danach durfte ihr Ehesklave baden und sich rasieren. Und dann würde sie ihn in der gemeinsamen Bettstatt erwarten, damit er seinen Pflichten nachkam. Er erkannte jedes Signal, jede Geste seiner Herrin, kannte ihren Leib von Kopf bis Fuss und wusste, welche Wonnen sie erwartete.

Am nächsten Vormittag eilten zahlreiche Ortsbewohner zum Marktplatz. Auch die Magd und die Gastwirtin der Taverne standen auf der Veranda. Ceres und Phoibe hatten sich ebenfalls unter die Ansammlung von Frauen gemischt. Auf dem Exekutionsplatz, der für öffentliche Auspeitschungen oder Prangerstrafen gedacht war, standen fünf Soldatinnen mit ihrem Delinquenten: einem nackten verängstigten Mann. Ihm sah man an, dass er nicht gut genährt war. Seine Haare hatte man ihm unfachmännisch geschoren. Ceres fragte sich, ob der Barbier eine Sense verwendet hatte.

Der Platz war ein etwa zehn Mal zehn Schritt großes Podest aus großen Steinquadern, etwa zwei Ellen hoch, so dass die werte Zuschauerschaft alles verfolgen konnten, was dort geschah. Der Sklave war beschuldigt worden, Unzucht mit einer Jungfrau getrieben zu haben. Nun sollte sich herausstellen, ob er seine Lustgier unter Kontrolle hatte oder nicht. Dazu war der Übeltäter rücklings auf ein nach hinten gebogenes Brett gespannt worden. Der verängstigte Sklave blickte mit panischen Blicken hin und her. Plötzlich trat eine verhüllte Frau unter einer dunklen Robe mit Kapuze zwischen den Soldatinnen hervor und stellte sich vor den Angeklagten.

Auf ein Zeichen der Anführerin hob die Verschleierte ihre Arme, so dass der Umhang hinab glitt. Sie stand splitternackt vor dem Sklaven. Es war die grazile Jungfrau, die ihn der Unzucht beschuldigt hatte. Die Männlichkeit des Gefangenen versteifte sich etwas bei dem Anblick der zarten und wunderhübschen Frau. „Der Beweis“, rief eine Soldatin voller Inbrunst und zeigte auf das harte Glied des Mannes. Einzelne Stimmen aus dem Publikum tönten laut über den Platz. „Damit hat der Unhold seine Tat gestanden!“ Und: „Bestraft ihn! Bestraft ihn!“ Dann: „Richtet den Frevler! Er soll sein Gemächt einbüßen!“ So manche Klinge blitzte in der Menge auf, aber die Anführerin hatte die Autorität und entschied alleine, was mit dem Schuldigen zu geschehen sei. Ganz und gar.

Flink glich der Markt einem Hexenkessel. Die Zuschauerinnen jubelten und schrieen laut durcheinander. Es glich einem Fest, als die Anführerin der Soldatinnen dem überführten Sklaven sein Urteil verkündete. Unter lautem Jubel, Gejohle und Heiterkeit bereiteten die Soldatinnen alles für die Vollstreckung vor. Die verzweifelten Rufe, die der Kehle des Delinquenten entwichen, wurden durch einen inzwischen angelegten Lederknebel gedämpft. Auf Großherzigkeit durfte er nicht hoffen.

Auf dem Nachhauseritt schwatzten Ceres und Phoibe noch eine Weile über das Schauspiel auf dem Exekutionsplatz. „Selbst schuld, der Sklave“, sagte Ceres. „Ja“, meinte Phoibe, „Nereus hätte es auch verdient. So frech, wie er war.“ Ceres lachte: „Nach einer tüchtigen Tracht Prügel mit dem Haselnussstock wird er auch ganz artig sein. Da bin ich mir sicher.“ Phoibe: „Gut. Aber wir wechseln uns ab. Ich will seinen süßen Po auch bestreichen.“ Ceres lachte noch lauter. „Einverstanden, meine Herzensgute.“ Phoibe feixte. „Später fragen wir ihn, wer den Stock talentierter geschwungen hat.“

Am Marktplatz verlief sich die Menge. Die Menschen gingen wieder ihren gewohnten Tätigkeiten nach. Eine Frau schärfte die Klinge ihres Schwertes an einem großen Wetzstein, der sich gleichmäßig drehte – angetrieben von einem eisernen Zahnrad, dass ein kräftiger Sklave, gekleidet in einen dreckigen Lendenschurz, an einer Kurbel bewegte. Der sehnige Leib des Mannes zeugte von fabelhafter Kraft, doch seine trüben Augen starrten stumpf auf den lehmigen Boden.

Ein Falke schrie grell in der Höhe und trieb mit ausgebreiteten Flügeln am blauen Himmel. Plötzlich fiel er wie ein Stein hinab und stürzte sich auf eine Feldmaus und brach ihr das Genick. Der Nager hatte keine Chance. Der Raubvogel packte seine Beute mit den scharfen Krallen und erhob sich wieder in die Luft. Ähnlich war es den vier Reisenden an der Grenze ergangen. Die kleine Kolonne aus Kavalleristinnen war wie aus dem Nichts aufgetaucht, hatte zugeschlagen und war mit den vier Gefangenen wieder im Ostreich verschwunden.

Inzwischen hatten sie die nächste größere Ortschaft erreicht. Hier würden sie die Sklaven an eine Händlerin verkaufen, um erneut auf Raubzug zu gehen. Die Kauffrau verdiente offenbar sehr gut, denn ihre edle Seidenrobe verriet nicht wenig Reichtum. An ihrem Gürtel hing ein Dolch, dessen Büffelhorn-Griff am Knauf mit Halbedelsteinen verziert war. Der Handel mit Leibeigenen war profitabel, und der Markt war hungrig nach Material. Jede Dame im Land verlangte heutzutage nach Haussklaven, Feldsklaven, Lustsklaven, Kampfsklaven, Minensklaven und so fort.

Die Soldatinnen übergaben die Männer an zwei Beinkleider und schwarzen Gambesons tragende Frauen, die den Sklaven eiserne Halsbänder umlegten und diese dann mit einer sehr kurzen Kette an Eisenringen befestigten, die in Kopfhöhe an einer Steinwand verankert waren. So standen die Männer nun in der Reihe an der Wand und konnten sich kaum rühren. Die Anführerin der Reiterinnen schritt mit der Händlerin die Linie der Sklaven ab und bewarb die gute Ware mit blumigen Ausdrücken. Die Käuferin begutachtete das Muskelfleisch der Männer, schaute in ihre Münder, um die Zähne zu kontrollieren, und ein flüchtiger Blick glitt über die Gemächte.

Die beiden Frauen feilschten lautstark einen Preis für die Männer aus. Mehrfach gingen die Angebote hin und her, bis sich die Beiden endlich einig wurden und das Geschäft mit einem Handschlag besiegelten. Die Händlerin kramte aus einem Ledersäckchen, der an ihrem Gürtel hing, acht Silberlinge hervor und ließ sie in die Hand der Soldatin fallen: „Wohl an! Hier sind die Münzen. Aber du bringst mich damit an den Bettelstab! Was für ein fürstlicher Preis für dies traurige Viehzeug von Dirnensprossen! Ich muss verrückt sein!“ Sie rollte theatralisch die Augen nach oben.

Die Soldatin antwortete scheinbar entrüstet: „Ich habe sie dir fast geschenkt! Erstklassige Burschen im vollen Saft. Jungfräulich und bei Kräften. Ohne Brandzeichen, ohne Ungemacht. Welche Pracht! Sie sind das Fünffache wert!“ Trotz der gegenseitigen Klagen waren die Geschäftspartnerinnen insgeheim zufrieden mit dem Handel. Als die Frau mit den Worten „Gehabt Euch wohl!“ fortgeritten war, gaben die zwei Helferinnen der Händlerin den Sklaven jeweils eine Kelle Wasser. Ein ausgedörrter Sklave besaß nicht die vollen Muskeln. Deshalb mussten sie stets genug zu saufen haben. Kurz darauf hängten sie der frischen Ware eine Schnur mit einem Holzschild um, auf dem ihr Verkaufspreis notiert war, auf das sie die Gunst einer Käuferin finden würden.

Im Südland ließ ein gerüsteter Wachmann am Fallgitter zur königlichen Burg seinen Weinschlauch sinken und rülpste. Leer. Die letzten Tropfen des roten Trunks benetzten die Holzplanken der Zugbrücke. Er wankte zurück auf seinen Posten. Unter seinem derben Stiefel knirschte es. Hatte eine Kakerlake seinen Weg gekreuzt? Er schniefte seinen Rotz hoch und spuckte einen Klumpen zu Boden. Hoffentlich ging bald der Kriegszug los. Diese Wachdienste waren schrecklich langweilig. Viel lieber würde er unter die warmen Laken einer Küchenmagd schlüpfen.

Majestät Leda saß mit ihren Beratern am großen runden Eichentisch im Kronensaal, zu dem nur die Majestät und die höchsten Regierungsangehörigen Einlass hatten. Das Gemach befand sich im größten Turm des Palastes und bildete einen gewaltigen Erker, der wie ein Balkon über dem Innenhof schwebte. An den Steinwänden flackerten Fackeln in dicken schweren Eisenständern. Die schmalen Fenster erinnerten an Schießscharten, so dass hier stets Feuer und Kerzen brannten, um für genug Licht zu sorgen. Außen waren Wasserspeier in Form von Drachenköpfen angebracht. An den Steinwänden hingen Schilde mit Wappen und die Flagge des Reiches. Ledas Stuhllehne war deutlich höher als die der Männer des Hofstaates. Ansonsten unterschied sie nichts von ihren treuen Beratern. Sie schaute in die Runde. Diesen Recken konnte sie ihr Leben anvertrauen. Das hatten die Kabinettsmitglieder mit einem Eid geschworen.

Seit sie von einem entflohenen Sklaven aus dem Ostreich vor der Tyrannin Pluta gewarnt worden waren, arbeiteten Ledas Ratgeber an einem Verteidigungskonzept für das Vereinte Reich. Die Grenzen mussten mit dem Heer deutlich verstärkt werden. Patrouillen sollten verhindern, dass raubende Kavallerietrupps ins neue Reich eindrangen und Männer entführten. Noch war dies trotz vieler Warnungen an die Bevölkerung leider an der Tagesordnung.

Das Heer rüstete enorm auf. Sowohl gewaltige stationäre Verteidigungsmaschinen als auch mächtige mobile Katapulte für einen Angriff ins Feindesland wurden von hunderten Männern gebaut. Solche Gerätschaften mussten von zehn oder mehr Ochsen gezogen werden. Tribock, Mangonel, Warwulf – die Soldaten verfügten über ein gewaltiges Repertoire. Auch Belagerungstürme und Widder mit Rammbock gehörten dazu. Leda wollte für jeden Kriegsfall gewappnet sein.

Innerhalb weniger Tage machten sich die ersten Einheiten schwer bewaffnet und mit wehenden Fahnen noch bevor der erste Hahn schrie auf den Weg an die Grenze. Marodierende Reitertrupps aus dem Osten sollten der Vergangenheit angehören. Einige schwarze Gewitterwolken begleiteten sie grollend mit ihren Schwertern aus wilden Blitzen. Die Armierten waren mit Bogen, Langschwert, Armbrust, Hakenspieß und Rabenschnabel ausgerüstet. Auf dem Rücken trugen die meisten Rittersleute einen Langspitzschild mit Stahlbuckel. Als Schutz diente über dem Lederwams ein Kettenhemd.

Gleichzeitig verstärkte Leda die Mauern und Gräben vor der Palastanlage. Die trutzigen Wehrwälle wurden erhöht und Bodensenken ausgehoben, die mit Krähenfüßen gespickt auf die ungebetenen Gäste warteten. Das Herscherhaus war bereits eine beeindruckende Festung, doch sollte sie ein absolut uneinnehmbares Bollwerk werden, an dem jede Armee dieser Welt scheitern würde. Von Weitem ähnelte die Burg einem Tafelberg. Die massive Außenmauer ragte hoch auf und schien unüberwindbar.

Königin Leda wäre nicht Königin Leda gewesen, wenn sie dabei nicht auch an ihr Volk dachte. Daher ließ sie die armselige und teilweise verrottete und mit Moos überzogene Stadtmauer ausbauen und mit massiven und hohen Wachtürmen versehen. Sämtliche Kosten finanzierte Leda aus ihrer eigenen Goldschatulle. Aber all dies waren nur Vorsichtsmaßnahmen für den unwahrscheinlichen Fall, dass es der Ostarmee gelingen würde bis in die Stadt vorzudringen. Die eigentliche Kampfkraft ihrer Soldaten schickte sie direkt an die Grenze, um dort bereits die Gefahr einer Invasion zu bannen.

Der königliche Gemahl Abas war nach nordischer Tradition bei Regierungsangelegenheiten nicht involviert und durfte Leda lediglich inoffiziell hinter geschlossenen Türen Ratschläge geben. Doch das süße Nichtstun hatte er längst satt. So zog es ihn immer wieder gern als Mönch in einer Kutte mit Kapuze verkleidet inkognito durch die Straßen der Stadt und die Landstriche der Region, um Bedürftigen eine Handvoll Münzen zu schenken. Glücklicherweise waren die Zeiten der Unterdrückung und Ausbeutung seit Megaras Sturz vorbei, so dass nur wenige Menschen Hunger litten.

Vor einem Monat war Abas einmal von einem Straßenhändler, dem er Gutes getan hatte, trotz seiner Tarnung erkannt worden. Doch im Gegensatz zu Adeligen aus Megaras Clan, die vermutlich gelyncht worden wären, hätten sie keinen bewaffneten Tross bei sich gehabt, wurde Abas lautstark gefeiert und auf Händen durch die Menge getragen wie ein Heiland, dass ihm all der Jubel schon beinahe peinlich war.

Wie anders war es damals gewesen, als Megara an der Macht war! Leda erzählte gern die Geschichte des adligen Fräuleins, das einmal mit ihrer prunkvollen Kutsche über den überfüllten Markt gefahren war: Vor den Rössern peitschten vier Soldaten die Menge auseinander, um Platz zu schaffen. Gossenpack war das für sie. Doch der Dame ging es nicht schnell genug, und sie keifte in der Kutsche so laut, dass sogar Leda und ihre elf Kameraden (eine begleitende Reitertruppe) rot wurden, als sie die Schimpfwörter hörten, die aus dem feinen Munde kamen.

Als das Fräulein schlecht gelaunt aus ihrem Gefährt schaute, meinte sie einen Burschen entdeckt zu haben, der nicht schnell genug sein Haupt geneigt hatte. Leda war sich zwar damals (und bis heute) sicher, dass die Lady nur einen Vorwand gesucht hatte, ihr Mütchen zu kühlen, aber sie befahl den Soldaten, den jungen Knecht zu packen und hinten an die Kutsche zu binden wie ein Stück Vieh.

Nachdem die Fahrt zum königlichen Schneider gegangen war, wo die Lady ihr neues Ballkleid anprobierte, sollte es zurück in den Palast gehen; doch das Fräulein grinste boshaft und meinte, sie wolle bei dem schönen Wetter lieber noch ein wenig über Land fahren und wählte eine viele Meilen lange Strecke über die Hügel und Felder vor der Stadt. Leda beobachtete damals, wie der Bursche immer erschöpfter wurde und schließlich japsend nur noch stolperte. Irgendwann geschah, was geschehen musste: Der Festgebundene fiel zu Boden und wurde hinter der Kutsche hergeschleift.

Leda gab ihrem Ross damals die Sporen und ritt neben die Kutsche, um das Fräulein auf den üblen Sturz des Gefangenen hinzuweisen. Doch statt dem Kutscher zu befehlen, das Gefährt zu stoppen, lehnte diese sich weit aus der Öffnung über der Tür und lachte freudig über den rutschenden Mann, der über Stock und Stein holperte, teilweise in die Luft hüpfte, um dann unangenehm hart wieder zu landen und im Staub hinter dem Wagen hergezerrt zu werden, wie ein dicker Schinken.

Die Edeldame applaudierte sogar zu dem sich wälzenden Mann, der versuchte wieder auf die Beine zu kommen. Doch sein verzeifeltes Unterfangen war hoffnungslos. Die Frau kicherte. „Der ungeschickte Bengel verschmutzt sein Gewand. Vielleicht sollten wir es ihm ausziehen.“ Doch wenigestens diese Schmach blieb dem Ärmsten erspart. Ohne, dass es die Adelsblütige merkte, drosselte der Kutscher ein wenig seine Pferde auf dem restlichen Weg.

Als die Lady endlich im Palast ankam, schleifte der Gefangene wie ein Sack und mit einer dicken Staub- und Schmutzschicht bedeckt sowie um Dutzende blaue Flecken reicher hinter der Kutsche her. Eine Benommenheit hatte ihn erobert. Die Dame stieg aus und stupste ihr Opfer mit dem Stiefel an wie eine tote Qualle am Strand. „Willst du dich nicht verbeugen vor deiner Herrin, du Bauernflegel? Weißt du nicht, was sich schickt?“ Der Mann zog mit letzter Kraft seine Beine zusammen und stemmte sich in kniende Haltung, beugte sich tief bis zum Boden hinab und zitterte.

Zufrieden grinste das Fräulein zu ihm hinunter. Sie stellte ihren Stiefel auf den Kopf des Mannes und fühlte sich wie ein Jäger, der einen Bären erlegt hatte. Dann schritt sie in ihre Gemächer. Ihre Zofe schleppte hinter ihr das Kleid her, das sie beim Schneider erworben hatte. Die schlechte Laune der Hochgeborenen war einem Triumphgefühl gewichen. Das war ein feiner Ausflug gewesen: eine kostbare Tracht und ein Gaudium bei der Rückfahrt.

Leda sah bestürzt, wie der Mann kraftlos in den Staub sank. Sie befahl zwei Burschen vom Gesinde, ihn aufzuheben und ihm Wasser einzuschenken. Auch seine zahlreichen Schürfwunden sollten sie versorgen. Und sie sollten ihn sofort wegschaffen, bevor die königlichen Wachen ihn verprügelten oder in den Kerker warfen. Denn wäre er erst einmal in den finsteren Verließen unter dem Palast, würde man ihn vergessen oder als Feld- oder Minensklave arbeiten lassen. Glücklicherweise hatte der Arme keine bedeutsamen Wunden erlitten – bis auf die Schmach, aber die war tiefer eingebrannt, als es glühende Kohlen hätten tun können.

„So war das damals in der dunklen Zeit der Megara“, endete ihre Geschichte. „Und jetzt scheint eine neue unheilvolle Macht im Osten aufzugehen. Wie sehr sich doch Megara und diese Pluta ähneln! Vielleicht ist Pluta sogar noch grausamer. Was man so hört. Denn bei ihr werden alle Männer grundsätzlich unterdrückt und regelrecht versklavt.“ Als Abas die Geschichte zum ersten Mal gehört hatte, dachte er, Leda wolle ihm einen Bären aufbinden; doch inzwischen war er von dem Wahrheitsgehalt überzeugt. Gut, dass diese Zeit vorbei ist, dachte Abas erleichtert und erinnerte sich an die schrecklichen Erlebnisse, die er selbst als Sklave unter Megara erlitten hatte.
46. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 02.12.18 21:27

Einfach prima,Prallbeutel!!!!
47. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 05.12.18 19:13

Hallo Prallbeutel,
der Umgang der Frauen mit den Männer ist ganz schön heftig, aber wer weis was noch passieren wird. Vielen Dank.
VLG Alf
48. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 20.12.18 19:07

Viele hundert Meilen weiter östlich herrschte die Tyrannin unter dem Alias Pluta weiter. Und in ihrem neuen Reich griffen ihre vor Gift triefenden Fuchteln noch schikanöser und skrupelloser um sich als früher im Südland. Züchtigungen von Sklaven waren von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang üblich, und nachts steckten sie im Pranger oder hingen im Kerker an schweren Ketten an der feuchtkalten Wand oder von der Decke. Auch heute zelebrierte die Diktatorin wieder eine Bestrafung von Männern, die sich (wenn überhaupt) nur Lappalien schuldig gemacht hatten, dafür aber mit drakonischen Strafen büßen mussten.

Pluta ließ es sich nicht nehmen, mit einer sadistischen Freude die Urteile über die armen Tröpfe zu verkünden. Weinend fielen die Sklaven ihr vor die Knie, wenn die Länge der Ketten es zuließ. „Habt Erbarmen, oh Hohe Majestät. Lasst mir wenigstens meine...“ Der Rest des Satzes ging in einem fürchterlichen Greinen unter. Im Hintergrund standen die jungen Ladys, die sich bereits diebisch freuten, bei der Vollstreckung zuzusehen. Es gab nichts, was bei den Edeldamen so beliebt war. So mancher Dame lief beim Anblick der Vollstreckung die Feuchte ihrer Erregung an den Innenseiten ihrer Schenkel hinab. Und auch Pluta zog sich regelmäßig nach ihrer Richtertätigkeit zurück in ihr Harem, wo junges Frischfleisch auf sie wartete. „Mir gelüstet nach einer Mahlzeit! Diener, bring mir einen Kelch Rotwein und einen Jüngling - den Rebsaft meine Kehle zu kühlen, den Burschen meinen Appetit zu befriedigen.“

In diesen Tagen rüstete Plutas Armee stark auf. Die Kriegssklaven trainierten zu vielen Hundert auf den Feldern vor der Stadt täglich bis ihnen der Schweiß vom Körper floss von morgens bis abends. Kurze breite Säbel, gezackte Speere, schwere Kriegshämmer, Rabenschnäbel, Äxte und Beile kamen zum Einsatz, und auch Dreizacke, gebogene Dolche, Hellebarden und Morgensterne gehörten zu dem umfangreichen Repertoire. Sie sollten auf jede Gegenwehr, jeden Feind, jede Waffe vorbereitet sein.

Angeführt und befehligt wurden die Kriegssklaven von Soldatinnen hoch zu Ross. Jeweils zehn Kämpfer folgten einer Reiterin. Zehn Frauen gehörten zu einer Kampfeinheit, die von einer Centuria geleitet wurde. Zehn Centurias formten sich zu einer Duxa. Die Duxas waren direkt den Kriegsenatorinnen des Reiches unterstellt. Zusätzlich gab es in jeder Centuria-Einheit zehn bis 20 Reiterinnen, die Befehle weitergaben und auf Disziplin achteten. Sie hielten jeden Regelverstoß auf kleinen Wachstafeln fest. Allerdings waren die Sklaven so gut ausgebildet, dass sie mit Freuden ihr Leben für Pluta gaben. Niemals hatte es eine Meuterei unter den Kampfsklaven gegeben und nur ganz selten die zweitgrößte Sünde: Feigheit.

Pluta hatte ein Exempel statuiert, dass mögliche Nachahmer von subversivem Verhalten abhielten. Umstürzler landeten entweder in einem der gefürchteten Läuterungslager oder fielen dem schwarzen Henker gleich zum Opfer. Nicht ohne Grund rahmten Myriaden von Galgen die Wege des Reiches – zur Freude der Raben, Krähen, Gänsegeier, Wölfe, Ratten und Würmer… Die hässliche Fratze dieser Autokratie zeigte sich überall. Am Wegesrand lagen Schädel und andere Knochen, blankgeputzt von Gewürm. Auf diese Weise erbat sich die Despotin Gehorsam beim Volk.

Es herrschte eine zweigeteilte Stimmung im Ostreich: Als Mann lebte man in ständiger Furcht und unterdrückt, als Frau lebte es sich dagegen recht leicht und unbeschwert. Die strenge Diktatur hatte den Vorteil, dass es auf den Wegen und sogar in den abgelegensten Gebieten kaum Überfälle auf Reisende gab. Männer wagten es nicht, Gesetze zu übertreten oder sich gar an einem Rock zu vergreifen. Selten kam es zu Übergriffen, wenn Sklaven ohne Herrin unterwegs waren, die von kleinen Frauengruppen bedrängt und einige sogar ausgeraubt wurden. Doch in diesen Fällen unternahm die Justiz nichts, denn Gewalt gegen Männer war vor dem Gesetz nicht strafbar. Lediglich einen Schadensersatz konnte die Herrin der Sklaven von den Täterinnen fordern. Aber welcher Sklave traute sich gegen eine Dame auszusagen? Wohl die wenigsten…

Die Zeit des scheinbaren Friedens war bald vorbei. Einige Monate später war Plutas Streitkraft für die große Invasion bereit. Die Senatorinnen berichteten stolz von den Kriegsvorbereitungen. Pluta gab den Einsatzbefehl zum Marsch nach Westen, nachdem ihr nachts eine funkensprühende Sternschnuppe mit ihrem goldenen Feuerkleid den Weg gezeigt hatte. Das Zeichen des Himmelsschweifes war unmissverständlich ein Fingerzeig der Götter. Der wahre Augenblick war gekommen, Ledas Reich niederzubrennen und die Bevölkerung zu unterjochen.

Eine Seherin, die Pluta vor einem verlustreichen Kriegszug warnte, ließ die Tyrannin kurzerhand in den Hungerturm werfen. Sie wollte nichts von Untergang und Aufgabe wissen. Die Zunge, die falsch wahrgesagt hatte, war zum Verstummen gebracht worden. Angekettet in Lumpen fristete die Meisterin der Mantik seitdem bei karger Kost ihr Dasein in dem dunklen Kerker hinter dicken, feuchten Mauern. Die Schergen der Herrin hatten sie am gesamten Leib kahlgeschoren, um den bösen Dämonen, die sie beherrschten, ihre Verstecke zu nehmen. Doch eines gab ihr bei all dem Kraft: In ihren Fieberträumen sah sie, wie Plutas Reich zerbrach und die Herrscherin ihr Leben aushauchte.

Ceres und Phoibe, die bei einer Grenzsiedlung lebten, sahen in den kommenden Tagen gewaltige Kriegszüge Richtung Westen marschieren. Zusätzlich zu den Kampftruppen gehörten auch Trägersklaven zu der Invasionsmacht, die schweres Kriegsgerät zogen, schoben oder trugen. Das war eine echte Knochenarbeit und schweißtreibende Schufterei, denn die tonnenschweren Konstruktionen aus massivem Holz und Eisen waren auf mächtigen Holzrädern angebracht, die knarrend und knackend tief in den Erdboden einsanken.

Zwar waren auch Ochsen als Zugtiere im Einsatz, aber da Sklaven billiger in Anschaffung und Haltung waren, nutzte die Kolonne in erster Linie Leibeigene. Bei Bedarf konnten diese an der Front noch als Späher, als Ersatzkämpfer oder Schutzschilde verwendet werden. Außerdem waren die Ochsen als lebender Proviant eingerechnet. Begleitende Kavalleristinnen knallten mit ihren langen Lederpeitschen auf die nackten Rücken der Männer, wenn es zu langsam vorwärts ging. Die gewaltigen Räder quietschten ohrenbetäubend laut und schrill und ächzten unter ihrer Last während die Sklaven stumpfsinnig einen Fuß vor den anderen setzten und vorwärts stampften.

Die meist langhaarigen Reiterinnen ließen ihre Mähne hinter sich herwehen wie einen Pferdeschweif. Sie steckten in langen Stiefeln und engen Hosen sowie einem taillierten Uniformrock. Doch so hübsch und zierlich die meisten von ihnen auf den ersten Blick wirkten, so durfte man sich nicht täuschen: Sie verstanden es perfekt mit ihrer Peitsche umzugehen und den Männern Beine zu machen. Treffsicher knallte das Leder auf jede gewünschte Stelle der Sklaven, von denen einige bereits mit Striemen übersät waren.

Nachts, wenn die Sklaven endlich teilweise von einigen Ketten befreit wurden, hatten sie neben der Erholung noch einen weiteren Grund zur Freude: So seltsam es sich anhörte, aber jede Nacht gab es Übergriffe von Soldatinnen, die sich die hübschesten Sklaven aussuchten und sie bestiegen, um sich von dem anstrengenden Kriegsdienst abzulenken und zu vergnügen. Und da dies die einzige Möglichkeit für die Männer war, ihren Samen zu vergießen, galten die „Opfer der Nacht“, wie sie hießen, auch als „Beglückte“.

Viele Soldatinnen ließen „Gnade vor Recht“ ergehen und erlaubten es, dass der Sklave sich erleichterte. Doch es gab auch immer wieder einige gemeine Frauen, die sich kichernd erhoben, als sie ihrer Lust gefrönt hatten. Da die Sklaven so gekettet waren, dass sie mit den Händen ihr Gemächt nicht erreichten, war eine eigene Erlösung nicht möglich. Außerdem waren sie ständig unter Bewachung. Für so manchen Unglücklichen folgte eine schlaflose Nacht.

Zum Glück gab es nur wenige dieser „Biester“, die unter den Sklaven besonders gefürchtet waren. Holte eine dieser Frauen einen Sklaven, erschien auf den Gesichtern seiner Kameraden entweder Mitleid oder Schadenfreude. Ihn würde das Schicksal noch härter treffen als die Männer, die nie von einer Soldatin in die Bettstatt geholt wurden, weil ihre Gemächte zu klein waren. Nur der schimmernde Mond am pechschwarzen Himmel lugte gelangweilt und gleichgültig als Zeuge der Unzucht hinab.

Weniger angenehm waren Spielchen, die einige Soldatinnen mit Leibeigenen während des Tages veranstalteten, um der Langeweile des eintönigen Marsches Herr zu werden. Beliebt war es, den Sklaven mit dem kleinsten und dem größten Gemächt nackt nebeneinander marschieren zu lassen. Zumindest einer von ihnen konnte gewiss sein, den gesamten Tag über die Aufmerksamkeit und den Spott sämtlicher Frauen und einiger Männer zu haben.

Vor Pluta lag eine stockfleckige Karte mit ausgefransten Kanten, auf die sie geflissentlich schaute. Sie verfolgte mit einem imaginären Finger die Route ihres Kriegszuges. Bald hatten sie den Rand ihres Reiches erreicht. Noch an jenem Tage überwand der Kriegstross den Grenzfluss. Ungestört überquerte die Armee die seichte Furt. Doch kaum war das Heer in Feindesland, sahen sie sich plötzlich von der vereinigten Miliz des Nord- und Südlandes eingekesselt. Für einen Rückzug war es für einige Reiterinnen und Kampfsklaven zu spät. Obwohl Plutas Heerschar gewaltig war, wirkte die Dominanz des Vereinten Reiches so übermächtig, dass sich viele Duxas mit ihren Einheiten ohne Gegenwehr ergaben.

Viele hundert Kriegsgefangene wurden in großen Lagern untergebracht, die um die Hauptstadt des Vereinten Reiches aufgebaut worden waren. Königin Leda hatte ein Gesetz ausgerufen, durch das penibel darauf zu achten war, dass sämtliche Gefangenen (also sogar die Sklaven) menschenwürdig behandelt wurden - gleich, welchem Malefiz sie angeklagt waren. Doch das passte den gefangenen Weibsbildern ganz und gar nicht. Bald schon beschwerten sich die uniformierten Damen des Ostreiches darüber, dass die Sklaven ihnen gleichgestellt wurden. Schließlich waren sie zum Teil Magnatinnen gewesen. Aber die Proteste liefen ins Leere. Jeder Gefangene hatte bei Leda den gleichen Status. Unverständnis und Kopfschütteln bei den Frauen brachte diesen nichts ein. Sie mussten sich der Rechtssprechung fügen.

Auf der anderen Seite der Grenze tobte Pluta über die blamable Niederlage. „Wie die Kinder sind sie in die Falle getappt“, schrie sie durch die Hallen ihres Palastes. „Ich werde alle enthaupten, wenn ich ihnen habhaft werde!“ Ihr Gekreische hörte sogar die Wache draußen vor den Buckelquadern der Außenmauern und zuckte angstvoll zusammen. Pluta hatte ein Fünftel ihrer gesamten Truppen beinahe kampflos eingebüßt. Wenigstens der größere Teil hatte flüchten können. „Jetzt erst recht“, schrie sie und schlug mit einer Art Fliegenklatsche um sich. Wer ihr zu nah kam, den erwischte sie ohne Rücksicht auf Verluste. So flüchtete auch ein Musikantensklave, der seine Leier eilig an die Brust drückte und in einen Nebenraum lief.

„Sapperlot! Bringe sie mir drei Prügelknaben“, forderte sie von einer Bediensteten und lief wutentbrannt durch Arkaden aus Marmor in den Bestrafungsraum. Dort würde sie persönlich die Sklaven peitschen, um die Schuld der Duxas zu sühnen und sich zu besänftigen. Außer sich vor Zorn warf sie auf dem langen Gang eine bemalte Tonvase gegen eine Wand, die sich in Scherben zersplittert auf dem Boden verteilte. Dann wartete sie ungeduldig auf das Zuchtfleisch.

Nur wenige Augenblicke später hatten zwei Wächterinnen den Befehl der Majestät ausgeführt: Die Männer waren splitternackt und mit gespreizten Beinen mit dem Gesicht zur Wand an Händen und Füßen durch Eisenringe an der Mauer fixiert. Ein Bogenfries zierte die Wand hinter ihnen. Pluta ließ die mehrschwänzige schwarze Peitsche durch ihre filigranen Finger gleiten, um sie zu entwirren; dann holte sie aus und ließ die Lederenden auf die nackte Haut der Männer knallen. Die Gewölbedecke ließ die Geißel laut klatschen und die Delinquenten ebenso laut austöhnen oder brüllen.

Leda verfügte, dass die Kriegsgefangenen, die dem Ostreich abschworen, auf freien Fuß gesetzt wurden. Auflage war, dass sie dem Vereinten Reich loyal waren. Fast alle Sklaven stimmten den Bestimmungen zu, und über die Hälfte der ehemaligen Sklaven verdingten sich sofort als treue Soldaten, um gegen ihre früheren Unterdrücker zu kämpfen. Die anderen Männer reisten lieber nach Westen, um dem Krieg zu entgehen und auf dem Land ein friedliches Leben als Bauern oder Jäger zu führen. Mancher erlernte auch den Beruf eines Baders oder Gerbers. Plattners oder sogar Waffenschmiedes, wenn er reichlich handwerkliches Geschick zeigte. Aber nimmer das Kriegshandwerk.

Doch fast alle uniformierten Damen aus dem Ostreich weigerten sich, der Diktatur der Pluta abzuschwören. Die wenigen Überläuferinnen wurden von den anderen Frauen als Hochverräterinnen beschimpft und bespuckt. Doch in den folgenden Tagen brachen mehr und mehr der stolzen Damen ein und ergaben sich ihrem Schicksal. Wer Monarchin Leda Loyalität schwor, konnte Amnesie erhalten und dem Kerker entkommen.

Im Nord-/Südreich grämte sich Nereus mittlerweile nicht mehr und hatte sich in seine neue Rolle als Sklave eingefunden. Zwei andere Haussklaven, das ursprüngliche Gesinde, hatten ihn die Arbeiten und Aufgaben gelehrt. Phoibe und Ceres waren zufrieden mit seinen Leistungen im Haus und Hof. Er war gelehrig, fleißig und gehorsam. Aber schließlich entbrannte ein Händel um ihn, denn beide Damen wollten Nereus als Bettsklaven besitzen. Früher hatten sie zwei Jünglinge in Keuschheitsgürteln gehabt, die sie sich geteilt hatten, aber Nereus wollte jede für sich haben. „Lass uns noch einen Jüngling auf dem Markt kaufen für dich ganz allein“, schlug Phoibe vor. Aber Ceres verschränkte die Arme vor der Brust: „Niemals! Kauf dir selbst einen. Nereus ist MEIN Sklave!“

Unter der schlechten Stimmung der beiden Herrinnen mussten forthin die Sklaven leiden, die für jede scheinbare oder kleine Verfehlung Stockschläge erhielten. Ceres war neben die Scheune gegangen und hatte zwei Sklaven angetrieben, die einen schweren Mühlstein drehten. Längst hätten sie ausgetauscht werden sollen. Schweißgebadet und mit zitternder Muskulatur drehten sie angekettet ihre Kreise auf der staubigen festgestampften Lehmerde, die von den Tritten staubte und in den Augen brannte.

Ceres stand in einem eleganten Kleid mit Reifrock einige Schritt neben ihnen und trank aus einem Kristallglas eine kühle Erfrischung. Mit boshaftem Grinsen beobachtete sie die Arbeitssklaven, die in ihrer Gegenwart alle restlichen Kraftreserven mobilisierten, um den gefürchteten beißenden Hieben mit der langen Bullenpeitsche zu entgehen, die in Reichweite und Sicht zur Abschreckung aufgehängt war. Als die Männer bald nur noch stolpernd vorwärts stapften, ließ Ceres sie anhalten und kettete sie ab. Auf eine knappe Geste hin durften sie zu einer nahen Tränke laufen, vor der sie wankend auf die Knie fielen und mit ihren Händen schnell von dem lauwarmen Wasser schöpften, das sie gierig verschlangen.

Als Ceres zwei andere Sklaven angekettet hatte, verließ sie den Mühlstein, um wieder in das schattige Haus zu gehen. Doch was musste sie sehen? Phoibe hatte sich hinter einem fadenscheinigen Wollvorhang auf einem Diwan mit Nereus zurückgezogen. Diese Nachgeburt! Ceres schnaubte wütend und verließ das Haus mit trotzig vorgerecktem Kinn wieder. Sie schwang sich auf ihr Ross und galoppierte in den Ort. Vielleicht gab es dort ja einen ebenso hübschen und gut gebauten Sklaven wie Nereus.

Schon von Weitem hörte sie die Marktschreier, die Fisch und Teigwaren, Wurst und Korbgeflecht feilboten, sowie einen Sackpfeifer dudeln. Sie kam gerade am Markt an, als die Sklavenhändlerin ihren Stand abbaute. Auf einem Podest stand nur noch „Ausschussware“. Ceres verzog missmutig ihren Mund und wollte schon enttäuscht abdrehen, als sie bemerkte, wie die Händlerin, die unter einem kleinen Baldachin hervorkam, sie zu sich winkte.

„Sucht ihr etwas Besonderes?“, fragte sie. Ceres hob skeptisch die Augenbrauen. „Ich glaube nicht, dass ihr das habt, was ich suche.“ Die Kauffrau trug eine enge Wildlederhose und hohe Stiefel sowie einen taillierten Gehrock, der dem der Kavalleristinnen nachempfunden war. Die langen Haare waren zu einem strengen Zopf kunstfertig zusammengebunden. In ihrer Hand hielt sie einen fleckigen Bocksbeutel, vermutlich mit rotem Wein. Sie zwinkerte die Dame an. „Ihr scheint mir eine Kennerin zu sein. In meinem Zelt habe ich die gute Ware. Was braucht ihr? Einen Arbeitssklaven? Ich habe ausdauernde Männer, die tagelang schuften können und mit wenig Nahrung auskommen. Einen Leibwächter? Ich habe Recken, die dickere Arme haben als die Beine eines Weibes. Und sie kämpfen mit Schwert und Fäusten meisterlich. Oder steht euer Sinn eher nach ein wenig Entspannung?“ Sie grinste.

Ceres wurde zum ersten Mal hellhörig. „Ich habe Liebessklaven, die jede Kunst beherrschen, die euch Freude bereitet. Und natürlich sind sie auch gebaut, dass sie keine Wünsche offen lassen…“ Ceres hob eine Augenbraue. „Liebessklaven? Wo sind sie? Kann ich sie sehen?“ Die Händlerin zeigte lächelnd ihre weißen Zähne. „Selbstverständlich. Kommt mit! Ich führe Euch zu ihnen. Ihr werdet begeistert sein.“ Die beiden Frauen liefen ein Stück den Markt entlang und dann durch eine kleine gepflasterte Gasse. Am Ende lag ein abgeerntetes Flachsfeld, auf dem mehrere Händlerinnen ihre Zelte innerhalb einer Wagenburg aufgebaut hatten. Die Frau ging zielstrebig zu dem größten Zelt, dass von zwei großen starken Männern bewacht wurde. Als sie ihre Herrin kommen sahen, knieten sie sofort nieder und neigten demütig ihr Haupt. Gleichzeitig senkten sie ihre Speere und schlugen die Planen des Eingangs zur Seite und befestigten sie dort mit kurzen Hanfstricken.

Im Inneren staunte Ceres: Käfige stapelten sich übereinander. Nur enge Gänge waren frei geblieben. Die Händlerin führte Ceres in den dritten Korridor und wies auf drei Gitterpferche mit jeweils einem Sklaven. Splitternackt waren die Männer nicht. Ein kleiner Lendenschurz aus Leinen bedeckte ihr Gemächt. Auf einen Befehl zeigten sie ihre Scham, was ihnen offensichtlich unbehaglich war, doch gehorchten sie sofort. Ceres lobte: „Eure Sklaven hören gut.“ Die Händlerin nickte. „Alle meine Sklaven werden dressiert geliefert. Ich bin nicht irgendeine Sklavenverkäuferin. Ich bin die königliche Sklavenhändlerin der hochherrschaftlichen Pluta.“

Ceres schritt näher an die engen Zwinger und starrte den Männern zwischen die Beine.
„Allmächtige Götter!“ rief sie aus. Solch ausgeprägte Liebesstäbe hatte sie noch nie gesehen. Und die Sklaven waren hüsch anzuschauen. Ihre Leibe waren wohlgeformt. Sie spielte mit dem Gedanken, einen zu kaufen. Phoibe würde schön neidisch werden! „Was wollt ihr für den da haben?“, fragte Ceres und deutete auf den mittleren Käfig. Der Mann hatte das zweitgrößte Gemächt. Der Größte unter ihnen war ihr nicht geheuer. Das war schon zuviel des Guten, schätzte sie. „Für fünf Silbertaler ist er Euer“, verkündete die Frau. Ceres öffnete ihren Mund und protestierte: „Fünf Silbertaler? Wollt Ihr mich arm machen? Für dieses armselige Geschöpf? Die erbärmliche Kreatur ist höchstens zwei wert!“

Die Händlerin lachte: „Allein seine Ausbildung hat mich drei gekostet. Glaubt mir: Er wird Euch so glücklich machen, dass ihr nicht mehr aus Eurem Schlafgemach hinaus wollt.“ Ceres unterdrückte ein Staunen und tat empört. „Allerhöchstens drei Silbertaler und drei Kupfermünzen. Sonst behaltet Euren Möchte-gern-Adonis.“ Die Händlerin kniff ihre Augen zusammen. „Vier! Mein letztes Wort!“ Ceres schimpfte: „Also gut! Aber ihr raubt mich aus!“ Sie schleuderte die Münzen in die ausgestreckte Hand der Händlerin, die zufrieden grinste. „Ich danke Euch. Ihr habt eine sehr gute Wahl getroffen. Auf dass er Euch viel Freude bereitet.“

Sie holte einen Schlüssel hervor und öffnete den Käfig. „Komm geschwind raus! Deine neue Herrin wartet.“ Der junge Mann überragte die beiden Damen um Kopfhöhe. Zwar stand er stolz mit herausgedrückter Brust da und sah auch wirklich ausgesprochen gut trainiert und genährt aus, aber sein Blick war demütig auf den Boden gerichtet. Er trug zu seinem Lendenschurz noch ein Halseisen mit einer Kette. Die Händlerin gab Ceres das Ende der Bande in die Hand und deutete eine Verbeugung an. Ceres verließ das Zelt mit ihrem Neuerwerb im Schlepptau und drehte sich in der Tür noch einmal zu der Frau um.

Unsicher sah sie zwischen dem Sklaven und der Händlerin hin und her. Die Frau sah Ceres fragend an. Ceres deutete auf ihren Kauf und fragte: „Ist er denn gehorsam? Oder läuft er mir bei der ersten Gelegenheit weg?“ Die Händlerin lachte. „Ich sagte doch, meine Ware ist gut erzogen. Ihr könnt Euch vollkommen auf den Sklaven verlassen. Er würde jederzeit sein Leben für Eures geben.“ Erleichtert schritt Ceres zu ihrem Pferd und stieg auf. Das Ende der Kette band sie an den Sattel, so dass der Mann neben dem Ross laufen konnte.
49. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 22.12.18 17:32

Hallo Prallbeutel,
vielen Dank für die schöne Fortsetzung und deine Mühen. In diesem Zusammenhang wünsche ich dir schöne Feiertage und einen guten Rutsch.
LG Alf
50. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 18.01.19 18:20

Sie kamen an einem Gewandhaus aus Fachwerk, einer alten Stampfmühle und einer kleinen Weberei vorbei und ließen dann die Siedlung hinter sich. Nach einiger Zeit ließ sie das schreitende Pferd in einen leichten Trab fallen. Zufrieden stellte sie fest, dass der Sklave ein ausdauernder Läufer war, der so schnell nicht aus der Puste war. Die kecke Ceres wollte es nun wissen: Sie ließ das Pferd noch schneller traben und machte einen weiten Bogen um ihren Hof über die Felder und um einen alten Steinbruch herum. Endlich bemerkte sie, wie der Sklave keuchte und schwer atmete.

Sie löste die Kette vom Knauf und warf sie dem schweißüberströmten Mann zu. „Beeile dich! Bleib dicht bei mir! Das ist ein Befehl!“ Dann galoppierte sie los und war gespannt, ob der willfährige Mann mithalten konnte. Doch nach einem Spurt über eine Meile wurde der Abstand immer größer und größer, so dass Ceres eine kleine Kurve ritt und auf den Sklaven trabend zukam. Sie zückte ihre Reitgerte und hieb auf den Leibeigenen ein. „Du solltest bei mir bleiben!“ Ihr Besitz kniete nieder und legte seine Stirn in den Staub. „Verzeiht mir, Herrin. Ich habe es mit aller Kraft versucht. Bestraft mich für diesen Ungehorsam!“

Ceres lächelte und ergötzte sich an dem Bild. So gefiel er ihr – obgleich er versagt hatte. Doch zuvörderst stand der Gehorsam. Die Händlerin hatte mit der Erziehung nicht zuviel versprochen. - Jetzt wollte sie noch wissen, wie er liebte. Gewisslich vortrefflich... Die junge Dame stieg ab und befahl: „Erheb dich. Wie heißt du?“ Der Sklave kniete nun vor ihr mit aufrechtem Oberkörper. „Mein Name ist Aphron.“ „Die Sklavenhändlerin hat gesagt, du wüsstest eine Lady glücklich zu machen…“, sagte Ceres und wunderte sich, dass ihr bei den Worten das Blut heiß ins Gesicht rauschte. „Jawohl, Herrin. Das kann ich wohl. Ganz wie Ihr wünscht.“

Ceres schritt auf ihrem Reittier etwa 300 Fuß weiter zu einem kleinen Kastanienhain. „Folge mir.“ Ihr Neuerwerb trottete brav hinter ihr her. Am Ziel band sie den Vierbeiner mit dem Zügel an einen Stamm und holte eine Wolldecke aus der Satteltasche, breitete sie auf dem Waldboden aus und setzte sich darauf. Dann winkte sie Aphron herbei. „Beweis es deiner Herrin. Komm schon. Hab keine Angst.“ Der große Mann näherte sich der Decke. „Warte“, meinte Ceres und zeigte in die Richtung links von ihr. „Schau dort.“ Sie wies zu einem kleinen Wasserfall, der über eine große Granitplatte in einen Tümpel rauschte – eine Seltenheit im Ostreich. „Lass uns erst eine Abkühlung nehmen“, sagte sie und lief vor. Aphron folgte ihr wie ein treuer Hund.

Am Ufer ließ die junge Dame kurzerhand ihr Kleid fallen und stand da in ihrer bloßen Pracht. „Komm rein“, sagte Ceres, die nun im Wasser planschte. Aphron wagte es kaum, in das Nass zu steigen, doch auf den Befehl der Herrin tauchte er in das kühle Nass und wusch sich den glänzenden Schweiß vom muskelbepackten Körper. Ceres und Aphron genossen die Erfrischung in der heißen trockenen Luft des Ostreiches. Die Lady bewunderte den guten Körperbau des Sklaven und strich über seine starke Schulter, die kraftvolle Brust und den flachen Bauch. Sie betastete den mächtigen Oberarm und spürte, wie ihr Verlangen wuchs. Bald fand sie sich in den Armen des Mannes wieder und ließ sich verträumt im Wasser treiben.

Als ihre Leiber abgekühlt waren kehrten sie zu der Decke zurück und legten sich hin. Jetzt wagte Ceres einen forschen Griff unter den Lendenschurz und stellte erfreut fest, dass der Jadestab des Sklaven hart und groß geworden war. „Nennt mir Eure Wünsche. Ich werde sie erfüllen“, versprach Aphron im Brustton der Überzeugung und bar jeglicher Scheu. Ceres band den Lendenschurz auf und betrachtete die ausgeprägte Männlichkeit. Hastig raffte sie ihr Kleid und bestieg den Mann breitbeinig und ließ sich langsam sinken.

Ooooh, wie groß er war! Ob sie überhaupt genug Platz für ihn finden würde? Was war, wenn sie ihn nicht aufnehmen konnte? Doch geduldig ließ sie sich sinken und ritt schließlich aufstöhnend vor Lust das pralle Schwert. Und was für eine Wonne sie auf ihm emfand! Sein Feuer brannte in ihrem Schoß heiß und innig. Kein Mann hatte sie bisher so ausgefüllt, so befriedigt! Als Ceres in ihrer Ekstase laut aufschrie sah Aphron sie besorgt an, weil er fürchtete, ihr Schmerzen verursacht zu haben, aber schnell merkte er, wie glückselig seine Herrin ihn mit verträumten Augen ansah.

Sollte Phoibe doch Nereus behalten! Wenn sie nur Aphron für sich hatte! Noch voller Wonne zog sie ihren kleinen Dolch und ritzte ein Herz mit ihren Namen in einen Eichenstamm. Danach machten sich Ceres und Aphron auf den Heimweg. Der Sklave hatte seinen Samen nicht vergießen dürfen, aber dafür ließ die Herrin ihn auf dem Ross reiten. Er presste sich wärmend an den Rücken seiner Besitzerin, und die holde Lady ritt, als würde sie zu den Fahnen gerufen. Als sie am Hof ankamen, stürzte ein Leibeigener gestikulierend auf sie zu. „Herrin“, rief er aufgebracht, „Truppen aus dem Vereinten Reich waren hier und haben alle Sklaven mitgenommen. Nur ich konnte mich in der Scheune zwischen den Strohballen verstecken. Phoibe und Nereus sind nach Osten geflohen. Ihr sollt nachkommen. Lady Phoibe will in die Hauptstadt, um dort innerhalb der Stadtmauern Schutz zu suchen. Die Grenze ist nicht mehr sicher.“

Ceres war außer sich. Das Vereinte Reich hatte eine Gegeninvasion gestartet? Was wurde aus ihrem Hof? Aber ohne Sklaven konnte sie die Felder nicht bewirtschaften. Sie erschrak, als von Ferne der durchdringende Ruf eines Kriegshorns zu hören war – der Schlachtruf, wie er im alten Nordland üblich war. „Also gut“, meinte Ceres. „Pack die wichtigsten Sachen zusammen und nimm die restlichen Zossen mit. Dann reisen wir ab.“ „Jawohl, Herrin“, antwortete der servile Feldsklave und verschwand geschwind im Haus.

Eine kurze Weile später saßen Ceres und die beiden Leibeigenen auf drei Pferden und führten noch weitere drei Rösser mit, auf deren Rücken sich Gepäck türmte. Sie waren keine Stunde zu früh abgereist, denn plötzlich rief der Feldsklave seiner Herrin zu: „Seht! Der Hof!“ Ceres drehte sich im Sattel um und sah eine schwarze Rauchwolke, die sich in den Himmel schraubte. Ihr Haus brannte lichterloh. Die Truppen der verhassten Königin Leda waren da! Grimmig verfluchte sie diesen Abschaum aus dem Westen. Die Flüchtenden fielen in einen schnelleren Trab und ritten weiter bis der Mond am Himmelszelt aufstieg.

Phoibe und Nereus waren ihnen bereits viele Meilen voraus. Sie saßen um ein Lagerfeuer auf einer steinigen Ebene, die wegen ihrer karmesinroten Erde als „Blutland“ bekannt war. „Wird Ceres entkommen?“, fragte Nereus hoffend, der gerade einen Kienspan im Feuer anzündete. Seine Herrin zuckte fatalistisch mit den Schultern. „Wer weiß? Die Soldaten können jede Stunde ins Reich einfallen. Diese drei Mal verdammten Ungeheuer! Dieses elende Ungeziefer! Ich werde mich als Soldatin der Hohen Pluta verdingen, um dem Feind Einhalt zu gebieten. Wir müssen den Makel auf unserer Ehre wieder auswetzen!“

Sie sah sich in Gedanken bereits eine Anzahl Kampfsklaven anführen und mit einem Säbel bewaffnet hoch zu Ross gegen die Vereinte Armee treiben, mitten in das Schlachtgetümmel, das Feindesland verheeren. „Wenn der Krieg vorbei und Leda gestürzt ist, werde ich mit Hochgenuss ihrer Hinrichtung beiwohnen“, sagte Phoibe mit einem kalten Gesichtsausdruck, der Nereus trotz des wärmenden Feuers einen eisigen Schauder den Rücken hinunterlaufen ließ.

„Und jetzt komm zu mir und wärm mich“, verlangte sie mit einem neckischen Lächeln. Nereus ahnte, was seine Herrin wollte. Sollte er die Chance nutzen und weglaufen, sobald Phoibe den Keuschheitsgürtel geöffnet hatte, um sich an seiner Männlichkeit zu vergnügen? Aber hier mitten im Ostreich würde er keine Möglichkeit haben, um irgendwo unterzuschlüpfen. Überall war er als Mann Freiwild. Und als entflohener Sklave… Nicht auszudenken!

Und wenn er mit dem Gaul nach Westen galoppierte?, sinnierte er weiter. Direkt in die rettenden Arme der Vereinten Armee? Aber was war, wenn man ihn für einen Recken Plutas hielt? Oder für einen Spion der Tyrannin? Selbst unter der peinlichen Befragung konnte er ja nur die Wahrheit sagen. Aber würde man ihm glauben? Seine Lage war aussichtslos. Er würde in einem schwarzen Kerkerloch, verseucht von Pocken, krepieren. Körperlich war er der grazilen Phoibe fünf Mal überlegen. Und doch musste er ihr hörig sein. Es war zum Verzweifeln!

Er war noch in seinen unschicklichen Gedanken, als er Phoibes zarte Finger an seinen Lenden spürte; die Metallfessel sprang auf. Gegen seinen Willen verhärtete sich sein Luststab, ganz zur Freude seiner Herrin, die nach ihm griff und leise kicherte. Mit der anderen Hand fühlte sie nach ihrem feuchten Schoß. Bald ritt die Dame auf dem sitzenden Nereus, vereint mit seiner Männlichkeit, und wogte sich trunken zu einer Ekstase der Lust. Als Nereus stöhnend seinen Samen vergießen wollte, erhob sich Phoibe gackernd und sah ihn herausfordernd an. „Du musst dir deine Erlösung verdienen. Du bist nur ein Sklave. Streichle und massiere meinen erhabenen Leib. Er ist vom langen Ritt verspannt und schmerzt.“ Sie legte sich auf die Decke neben dem Feuer und erwartete seine kräftigen aber vorsichtigen Hände. Nereus ächzte frustriert auf. Mit prallem Jadestab kam er kniend auf Phoibe zu und war ihr zu Willen, während er Fäden der Lust durch die Luft zog.

Das Feuer war fast niedergebrannt, als Phoibe mit ihren Fingern schnippte. „Das reicht. Jetzt wollen wir schlafen. Morgen wird ein anstrengender Tag. Komm her, damit ich dich verschließen kann.“ Nereus sah sie entrüstet an. „Aber Herrin. Ihr habt gesagt….“ Phoibe unterbrach ihn brüsk: „Willst du etwa Aufbegehren? Sicherlich lässt sich schnell ein schöner Prügelstock finden, der dich deine Position lehren wird.“ Nereus senkte den Kopf. „Nein Herrin. Verzeiht bitte meine unverschämten Worte. Schließt mich nach Gutdünken ein.“ Phoibe grinste triumphierend und befestigte den Keuschheitsgürtel an ihrem Sklaven.

Am nächsten Morgen brachen sie bei Sonnenaufgang auf. Im Lauf des Vormittags kamen sie einer kleinen Niederlassung vorbei. Hier wimmelte es von Soldatinnen und Rüstsklaven. Die meisten Bewohner der Hütten waren nach Osten geflüchtet, denn hier sollte bald ein erbarmungsloser Krieg toben. Eine der letzten Hökerinnen, die noch nicht abgereist war, packte eilig ihre Heilkräuter und Tinkturen zusammen: Stechapfel, Alraune, Bilsenkraut, Eisenhut, Johanneskraut, Wolfswurz und viele weitere Ingredienzien hatte sie in kleinen Tiegeln und Filzbeuteln verstaut und machte sich auf den Weg nach Osten, um sich von der Frontlinie möglichst weit zu entfernen. Mutter Krieg war kein guter Freund von Handel und Markt.

Die Armee hatte sich in den Hütten eingerichtet. Phoibe bezahlte einer Frau in einer ledernen Uniform einige Münzen und erhielt dafür Wasser, gewürztes Trockenfleisch und ein gebuttertes Brezel. Die Reisenden rasteten im Schatten eines großen knorrigen Baumes, banden die Pferde fest und setzten sich auf zwei Felsbrocken, um eine Mahlzeit einzunehmen. Am Himmel schrie ein Falke, auf der Suche nach einer Feldmaus oder anderer Beute. Oder wollte er die Menschen vor dem Feind warnen? Es war zweifelsohne keine frohe Kunde, die er aus dem Westen brachte.

Da bemerkten die Speisenden lautes Gegröle und Geschrei, Jubel und Gelächter von Frauen. Phoibe befahl Nereus, auf die Tiere aufzupassen und ging um eine Häuserecke. Dort befand sich ein mittelgroßer Platz, auf dem etwa zwei Dutzend Soldatinnen einen Kreis bildeten und offenbar mit ihren Lanzen jemanden in der Mitte festhielten. Hatten sie einen Dieb gefangen? Erst als Phoibe näher kam, erkannte sie, worum es ging: Die Uniformierten hatten zwei nackte Männer umkreist. Die Lanzen sorgten dafür, dass die beiden Sklaven in der kleinen runden „Arena“ blieben. Die Metallspitzen glänzten in der Sonne wie getriebenes Silber. Phoibe sah, dass die Rechtlosen jeweils einen Arm auf den Rücken gebunden hatten. In der freien Hand hielten sie jeweils einen Knüppel. Auf ihrem Kopf trugen sie Helme und darunter war ihnen ein Sack über den Kopf gezogen worden.

Die „blinden“ Männer prügelten nun mit den Knüppeln aufeinander ein. Wer dabei den spitzen Lanzen zu nah kam, wich durch den Stich ruckartig zurück in den Kreis. Die Soldatinnen feuerten die ebenbürtigen Rivalen an. Vermutlich waren Wetten auf den Sieger abgeschlossen worden. Entweder waren die Leibeigenen schon vom Kampf sehr erschöpft, oder sie waren bereits vorher ausgelaugt gewesen, denn sie stolperten mehr, als dass sie sich geschmeidig bewegten, und auch ihre Schläge waren kraftlos und unkoordiniert. Blieben die Nackten den Damen zu lange auf der Stelle stehen, halfen sie mit den scharfen Lanzen nach.

„Seltsame Sitten. Aber Mannbilder bekommen so viel Respekt, wie sie verdienen: keinen“, sinnierte Phoibe und ging nach einer Weile zurück zu Nereus. Wo war er? Der Platz an dem Baum war verlassen. Die Pferde waren noch da, also war er nicht geflohen… Oder? Einen Augenblick lang wurde ihr heiß, aber da erschien er hinter dem Baumstamm. „Ich musste mich gerade erleichtern“, erklärte er. Phoibe brummte missmutig, saß auf und gab das Kommando zur Weiterreise.

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Königin Leda. Sie saß im prunkvollen Thronsaal und war umgeben von ihren Beratern, die ihr die Invasion empfohlen hatten. „Wie wahr, Hohe Majestät“, sagte der oberste Paladin des Reiches, der schon Brackus im Nordland viele Jahre treu gedient hatte. Auch ihr Kastellan saß in der Runde. Leda hatte sämtlichen hohen Regierungsmitglieder (einschließlich die in der Armee), die unter Megara wichtige Posten innehatten, ausgetauscht. Diesen Personen konnte sie nicht trauen.

„Ich habe dem Ostreich den Krieg erklärt und muss nun auch für mein Volk die Verantwortung tragen“, sagte Leda laut, dass ihre Worte in der Halle von den steinernen Wänden widerhallten. „Daher werde ich persönlich das Großheer ins Feindesland führen.“ Schon mehrfach hatten die Berater versucht, ihr den Wunsch auszureden, aber Königin Leda hatte sich entschlossen. Sie wollte ihre Soldaten nicht alleine an die Front schicken, während sie hier im sicheren Herrscherpalast weilte. Wieder raunten die Berater auf, aber jedes Argument gegen das wagemutige Vorhaben prallte an Leda ab wie ein Stoffball an einem Schild.

Noch an diesem Abend verkündete sie dies auch ihrem Gemahl Abas, der sie erschrocken ansah. „Aber was ist, wenn dir etwas geschieht?“ Leda schmunzelte: „Hast du Angst um mich? Oder davor, dass du für ewig im Keuschheitsgürtel schmoren würdest, wenn ich auf dem Schlachtfeld bliebe?“ Abas sah sie verstört an. „Keuschheitsgürtel?“ Leda lachte hell. „Du weißt doch noch, was das ist. Ich möchte, dass du während meiner Abwesenheit so einen Schutz trägst.“ Abas Mine wurde böse. „Schutz? Ich brauche keinen Schutz. Glaubst du, eine deiner Zofen nimmt sich meine Männlichkeit mit Gewalt?“ Leda schmunzelte. „Nein, aber es könnte sein, dass du der Versuchung erliegst…“ Abas ächzte. „Unfug! Bei allem Respekt, meine Königin, aber meine Liebe gehört nur Euch!“ Ledas Grinsen wurde immer breiter: „Dann dürfte es ja kein Problem sein.“

Sie verließ das Schlafgemach mit den Worten: „Ich lasse den Schmied holen. Lass uns heute Nacht die Verabschiedung feiern.“ Abas stotterte: „Aber…. Nein, ich….“ Dann kam Leda zurück und verführte Abas auf so wunderbare Weise, dass ihm aller Protest im Hals stecken blieb. Seine Königin war so weich, so zart, so wunderschön und… Für die Beiden blieb die Zeit stehen. Die Welt bestand nur noch aus ihnen beiden, ihrer Lust und ihrer Liebe. Ihrer innigen Gemeinsamkeit. Sie verschmolzen in Liebe zueinander und genossen die Nacht der Zärtlichkeiten.

Wie gewohnt liebten sie sich mehrmals, bis auch Abas seinen Samen verströmte. „Komm, wir gehen in die Schmiede. Es ist alles vorbereitet“, sagte Leda gut gelaunt. Abas hatte den Keuschheitsgürtel schon wieder vergessen. Wie ein heißes Eisen durchschoss ihn jetzt die Erinnerung. „Wir sollten das noch Mal überlegen…“ Aber Leda zog ihn an der Hand durch den Palast wie einen kleinen Buben. Kurz darauf standen sie in dem heißen Gewölbebau mit der großen Esse im Keller der Festung, in der Tartaros, der königliche Hofschmied mit seinem ruhigen Gemüt regierte. Der breite große Mann trug eine lederne Schürze und hielt einen gewaltigen Hammer in der kräftigen Pranke. Sein dichter Bart hing ihm tief auf die Brust hinab, das lange Haar hatte er mit einem Lederriemen zu einem Pferdeschwanz gebändigt.

War da Schadenfreude in seinen dunklen Augen? Das fragte sich Abas mit Leichenbittermiene. Die nächste halbe Stunde war für ihn ein Alptraum. Schließlich kehrte er mit seiner Königin zurück in das Schlafgemach, verschlossen in dieser gemeinsten aller Fesseln. Und nur Leda würde einen Schlüssel haben. Doch die Gemahlin würde morgen mit dem Hauptheer gen Osten aufbrechen…

Der Morgen graute. Abas hatte kein Auge zugetan. „Leda“, flehte er, „willst du wirklich in die Ferne ziehen?“ Die Regentin streichelte ihrem Angetrauten über die Wange wie einem Knaben. „Mach dir keine Sorgen. Mich beschützen tausende tapfere Männer.“ Abas schluckte schwer und eine Träne lief ihm über das Gesicht. Doch alle Traurigkeit nutzte nichts: Wenige Stunden später sah er von der hohen Balustrade des größten Turms der Festung auf ein Meer von Soldaten, in der Sonne blitzende Schwert- und Lanzenklingen sowie bunte Fahnen und Wimpel.

Ein dröhnender Akkord aus Dutzenden Hörnern erklang. Darauf setzte sich das gewaltige Heer in Bewegung. Abas konnte nur raten, wo sich Leda befand. Vielleicht im vorderen Drittel zwischen den großen Wagen mit den Offizieren und ihrem Tross? Vielleicht in der Mitte, in der die königliche große Fahne mit ihrem stolzen Wappen wehte? Oder ritt sie gar vorne weg bei den in Harnisch geschmückten Rttern? Ihr weißes Ross war feudal mit einer edlen purpurfarben bestickten Schabracke geschmückt, doch es war auf die Entfernung zu klein, um es mit bloßem Auge zu erkennen. Hätte er doch um Hilfe beim königlichen Alchemisten gebeten, ärgerte Abas sich. Der Mann hatte ihm einmal ein Zauberrohr gezeigt, das alle weit entfernten Gegenstände viel näher erscheinen ließ, wenn man durchschaute.

Mit einem schlechten Gewissen betastete er seinen eisernen Keuschheitsfluch: Er sollte lieber Angst um seine Königin haben, auf dass sie unversehrt zu ihm zurückkomme, aber sich nicht um den Schlüssel zu seiner Freiheit und seiner fleischlichen Sünden sorgen! Mit gemischten Gefühlen verließ er die Balustrade und fragte sich, wann Leda von ihrem Feldzug heimfand. Würde die Tyrannin Pluta jemals ihr Knie vor Leda beugen?

Lethargisch schlurfte Abas die Wendeltreppe des Turms hinab. Sie endete hinter den Zinnen des Torhauses. Dort traf er auf den Kastellan, einen stattlichen Mann in prunkvollem Gewand. „Euer Vornehmheit! Wenn ich ein Wort an Euch richten dürfte...“ Abas nickte. Der Kastellan räusperte sich. „Grämt Euch nicht. Unsere verehrte Majestät wird siegreich heimkehren. Die Alten Götter haben in der Nacht zu mir gesprochen.“ Er rieb sich den gewaltigen Wanst. „Hier in der Burg gibt es gar reichlich Köstlichkeiten, um Euch die Wartezeit zu versüßen.“ Abas fragte sich, ob der Kastellan das Zuckergebäck oder die Minne, die er in einem der vielen Jungfrauen am Hofe finden könnte, meinte? Der Königinnengemahl wusste, dass der Kastellan bei beidem kein Kostverächter war.

Der Feingewandete schnalzte mit der Zunge. „Kommt und gesellt Euch zu uns in den Wappensaal. Die Gänse wurden nicht wegen ihres Gesanges gemästet. Es gibt pralle Pasteten und feinsten Honigkuchen.“ Abas winkte dankend ab. Er wusste, dass sich diese gar zu geselligen Runden zu reinsten Orgien entwickelten, bei denen auch die eine oder andere Magd ihren unrühmlichen Auftritt hatte, so dass auch des Kastellans Gemächt seinen Hunger stillen durfte, während er sich die dicken Finger ableckte und Trinksprüche lallte. Sollte der Fettsack sich vollfressen. Als Ochse wäre er viel wert...

Nun denn, der Burgherr würde sich mit dem Naschwerk und einem guten Wein zufrieden geben müssen. Das Betten musste er den Recken überlassen, die keinen Keuschheitsgürtel trugen. Er wollte seiner Liebsten eigentlich nicht untreu sein, doch hatten die Götter dem Manne nun mal ein Verlangen gegeben, das erfüllt werden musste. Er seufzte tief. Leda hatte sich über den Willen der Götter hinweggesetzt. Hoffentlich ließen sie sie deshalb bei ihrer Fehde gegen Pluta nicht im Stich. Abas schritt die Zinnen des Wehrganges entlang und stieg hinab in den Hof. Er begab sich in den massiven Turm mit den königlichen Gemächern, betrat seine Schlafkammer und schloss die Augen. Vor sich sah er die Königin, entblößt, lächelnd und verführerisch mit ihren Hüften wiegend.

51. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 17.02.19 21:14

Hallo prallbeutel,
mit etwas Verspätung vielen Dank für diesen Teil. Setze bitte die Geschichte baldmöglichst fort.
VLG Alf
Bis jetzt gefällt sie mir besser als die alte Fassung.
52. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 19.02.19 18:46

Fürwahr lange Tage im harten und immer härteren Sattel waren vergangen. Königin Leda saß mit geradem Rücken hoch zu Ross, eingerahmt von zwei Paladinen, und schaute grimmig auf das gegenüberliegende Ufer des Grenzflusses. Flugs gab sie den Befehl, in das Ostreich vorzudringen, und das gewaltige Heer setzte an einer breiten Furt über. Die Despotin Pluta sollte ernten, was sie gesät hatte. Myriaden von Hufen wühlten das flache Wasser auf. Wenige Meilen entfernt kamen den Spähern bereits Soldaten entgegen, die als Vortrupp einige Landstriche annektiert hatten. Bei der Landbevölkerung stießen sie auf nur wenig Gegenwehr. Die weibliche Bevölkerung war Richtung Osten geflüchtet und hatte viele Sklaven mitgenommen.

Restliche Männer waren geblieben und wurden nun von den Einheiten der Vereinten Armee offiziell von ihrer Leibeigenschaft befreit. Manche schlossen sich den Truppen an, andere wanderten auf den staubigen Wegen gen Westen. Einige der Mannsbilder jedoch waren so loyal ihren Herrinnen gegenüber, dass sie die verlassenen Gehöfte gegen die Invasoren verteidigten. Die schlecht bewaffneten Sklaven hatten keine Chance gegen das überwältigende Heer des Vereinigten Reiches. Sie hielten die Streitmacht kaum auf und mussten sich beugen. Manche Leibeigenen lernten erst durch tüchtige Züchtigungen, wer nun Herr und Meister war.

Außerhalb einer Hüttenansammlung stand ein zwei Mann hoher Schandpfahl am Wegesrand. Die dicke Ketten zeugten von seinem früheren Gebrauch, doch befand sich kein Unglücklicher in dem grausamen Eisen, das zusätzlich mit Dornen gespickt war. Allerdings lagen Fetzen eines schmutzigen Wollstoffes umher. Die Späher konnten nur vermuten, wie lange hier ein Delinquent verharrt hatte, und was dann mit ihm geschehen war. Einige der Rittersmänner führten ihre Faust vom Kopf zum Herzen: ein Schutzzeichen, um den Alten Göttern zu zollen. Andere spuckten lässig aus. Ledas Heer brauchte nichts und niemanden zu fürchten.

Ceres spürte die blanke Angst im Nacken. In der nächsten Siedlung, die sie mit ihren beiden Leibeigenen erreichte, machte sie kurz Halt, doch erstaunt stellte sie fest, dass sie verlassen war. Bis vor kurzem mussten noch Plutas Soldatinnen hier gewesen sein, überlegte sie, als sie Reste von erloschenen Lagerfeuern und Spuren von Militärzelten sah. Aber sie waren offenbar geflohen? Ceres ächzte leise, ihr Magen schien aus einem dicken schweren Klumpen zu bestehen. Die Kavalleristinnen mit ihren Kampfsklaven waren ihr immer unbesiegbar vorgekommen. Stolz. Selbstbewusst. Erhaben. Aber sie hatten sich zurückgezogen. Wie feige Hasen...

Nachdem die Sklaven einige Bratenreste, altes Brot und ein paar Krüge mit Dünnbier gefunden hatten, aßen sie schnell eine Kleinigkeit, tränkten die Pferde und saßen wieder auf. Bis zur Metropole waren es noch viele Meilen durch zum Teil unwegsames Gelände: Moor, salzige Ebenen und steiniges Hügelland wechselte sich ab. Nach vier strapaziösen Stunden unter praller Sonne erreichten sie eine enge Schlucht, die sich wie ein Canyon durch 300 Fuß hohe Steinwände schlängelte. „Wenn wir hier in einen Hinterhalt geraten, können wir unsere Knochen einzeln aufsammeln“, sagte Ceres mit zusammengekniffenen Augen. „Wer sollte uns denn da auflauern?“, fragte der Feldsklave. „Plutas Armee wird uns nichts tun. Und der Feind ist noch hinter uns.“ Ceres sah ihn nachdenklich an. „Ja, du sprichst wahr. Also lasst uns weiter reiten.“ Sie gab ihrem Reittier die Sporen.

Sie machten sich auf den Weg. Bald war die Sonne verschwunden, denn die hohen steilen Steinwände sperrten die Lichtstrahlen fast gänzlich aus. Im dunklen Schatten mussten die Reisenden sich sehr vorsichtig fortbewegen, denn Geröll und Felsbrocken konnten den Pferden schnell zum Verhängnis werden. Die Dunkelheit war bedrückend. Besonders die gigantischen Wände links und rechts, die dunkel drohend bis zum Himmel zu wachsen schienen, wirkten beängstigend, als würden sie die kleine Gruppe zerquetschen wollen.

Der einzige Vorteil in diesem engen Durchlass war die deutlich kühlere Temperatur, weil der Sonne der Einlass verwehrt wurde. Aber die Schatten verbargen womöglich so manches Untier, böse Geisterwesen oder andere Gefahren. Ceres war unwohl zumute. Trotzdem hob sie stolz ihr Kinn und setzte den Pfad zwischen den hohen Mauern hindurch tapfer fort. Hier war kein Feind, kein Wesen aus der Welt der Toten. Das waren alles Hirngespinste.

Oder doch? Sie hatte von alten Geschichten gehört, die man sich am Lagerfeuer der Westlande erzählte. Weibliche Felsdämonen schlichen sich bei Neumond auf schlafende Männer und frönten schamlos der Lüste. Dabei wurde der Samen des Mannes bis zum nächsten Frühjahr verzaubert sein, und jedes Weib, das mit ihm schlief, würde unfruchtbar werden und bleiben. Aber zum einen war kein Neumond, und zum anderen hatte sie noch nie von einem Mannsbild erfahren, das einen Sukkubus selbst gesehen hatte. Ceres würde ihre Sklaven nicht an Nachtgeister verlieren. Das war Aberglaube! Sie ritt guten Mutes in die Schlucht hinein.

Doch nach einer Stunde bereute Ceres ihre Entscheidung, die Route durch die Schlucht genommen zu haben. „Wären wir um das Bergmassiv herumgeritten, würden wir jetzt nicht feststecken“, schimpfte sie: Vor ihnen türmten sich tonnenschwere Gesteinsbrocken, die den Weiterritt verhinderten. Eine Felslawine hatte den Weg blockiert. „Da kommen wir niemals mit den Tieren rüber“, resignierte das Fräulein und seufzte. „Wir müssen umkehren. Hier geht´s nicht weiter“, meinte sie und drehte ihr Ross am Zügel. Zwei Stunden waren verloren. Hoffentlich kamen ihnen nicht schon Ledas Truppen entgegen! So schnell der steinige Untergrund es ermöglichte machten sich die Reisenden auf den Rückweg durch die enge tiefe Steinspalte.

Phoibe und Nereus waren bereits weit hinter dieser Schlucht, denn der Steinschlag, der den Weg nun versperrte, war erst vor wenigen Stunden herabgeregnet. Sie ritten über eine Ebene, auf der sie einen kleinen Trupp Soldatinnen einholten, die auf vier Pferde saßen und ein altes Fuhrwerk den staubigen Weg begleiteten. An den Holmen des offenen Kutschwagens standen sechs nackte Sklaven gekettet. Phoibe kam näher und fragte eine der Soldatinnen, warum die Sklaven nicht liefen? Die uniformierte Frau antwortete: „Weil sie frisch und kräftig bleiben müssen. Sie sollen für die Jagd der edlen Ladys in die Hauptstadt gebracht werden“.

Davon hatte Phoibe schon viel gehört und wollte selbst auch gerne mal mitmachen. Wenn sie erst mal in der Hauptstadt wohnte, würde sie am gesellschaftlichen Leben der feinen Damen teilnehmen. Sie sah sich bereits auf einem geschmückten Schimmel und bewaffnet in einer illustren Schar Ladys ausreiten, um gute Beute zu machen. Ja, so eine Hatz würde ihr großes Vergnügen bereiten. Die verängstigten Männer liefen und stolperten vor ihrem inneren Auge über die Ebene und würden trotz aller Mühen und brennender Schenkel letztlich doch als Fang der Ladys enden.

Staub, der ihr ins Gesicht blies, holte sie in die Wirklichkeit zurück. Vorerst musste sie der Vereinten Armee entfliehen. Sie schloss sich dem Trupp an. Nereus wurde von den reitenden Frauen kritisch beäugt. Ein Mann auf einem Ross – das gefiel ihnen gar nicht. So etwas stand einem niederen Geschöpf nicht gut an. „Warum läuft DEIN Sklave nicht?“, fragte die Kavalleristin, mit der Ceres gesprochen hatte. Ceres grinste. „Er muss kräftig bleiben. Ich mag frische Männer in meiner Bettstatt. Das ist mein Privileg.“ Dann gab sie ihrem Tier die Sporen und ritt weiter nach vorne.

Abas schlich sich in den königlichen Stall. Und das gegen Mitternacht. Der sommersprossige Stallbursche, der aus dem Halbschlaf gerissen wurde, als plötzlich der königliche Gemahl vor ihm stand, glaubte zu träumen und starrte ihn mit aufgerissenen grünen Augen an. Abas hatte Reisekleidung und ein Bündel bei sich sowie eine Sattelrolle. „Sattle mir mein Ross, Knabe“, befahl er. Der Junge sprang auf und gehorchte. Sich am Kopf kratzend sah er Ledas Gemahl hinterher, der im Schatten verschwand. Musste er am nächsten Morgen dem Stallmeister berichten, was er erlebt hatte? Er wollte nichts falsch machen und würde die halbe Nacht darüber grübeln, bis ihn der Schlaf auf seinem Strohbett einfing.

Die Palastwache – zwei groß gewachsene Gerüstete mit Hellebarden - am hohen Tor ließ den Mann in dem Predigergewand mit der weiten Kapuze vorbei und öffnete das massive Gitter. Der scheinbare Glaubensbote trabte in die Dunkelheit. Nach wenigen Augenblicken waren seine Hufgeräusche nicht mehr zu hören und seine Gestalt in der Finsternis verschwunden. Erst nach einer Meile entledigte sich Abas des Gewandes und galoppierte Richtung Osten. Er konnte Leda nicht alleine lassen. Er musste ihr folgen. Seiner Königin. Seiner Liebsten.

Es war ein weiter und gefährlicher Weg. Aber er hatte sich entschieden und nichts konnte ihn mehr davon abhalten. Erst morgen früh würde die Zofe etwas bemerken und seinen Brief finden, den er auf sein Bett gelegt hatte. Das Büttenpapier hatte er zwei Mal gefaltet und auf dem Kopfkissen hinterlegt, nachdem er das königliche Wappen mit rotem Siegelwachs aufgedrückt hatte. Bis die königlichen Eskorten aus der Festung ritten, um ihn zu suchen, war sein Vorsprung – so hoffte er – groß genug, um ihnen zu entkommen.

Außerdem hatte er noch eine weitere Verkleidung dabei. Würde die Kunde über seinen Ausflug von Briefraben an die Front überbracht, so verwandelte er sich mit falschem Bart und Buckel zu einem Fremden, den die Soldaten nicht erkennen würden. Ein unbedeutender Reisender. Ein fronloser Knecht. Ein versehrter Söldner. Oder ein befreiter Sklave aus dem Ostreich. Unbeobachtet ritt der Königsgemahl durch die Landschaft, nur verfolgt vom großen Vollmond, der tief am Firmament stand, und der Angst um seine Leda.

Ceres stoppte ihr Tier und hob die Hand. Auch der Feldsklave und Aphron hielten abrupt ihre Rösser an. Von weitem war wie ein Menetekel Pferdegetrappel zu hören. Es dröhnte und schallte in der engen Schlucht, und Ceres war sich sicher, dass hier eine ganze Division der Vereinten Armee heranstürmte. Unaufhaltbar, zerstörend, alles niederwalzend wie eine Naturgewalt, die zornige Götter auf den Weg geschickt hatten.

Sie kamen nicht mehr aus dem Canyon hinaus. „Wir müssen wieder zurück“, rief Ceres und gab ihrem Ross die Sporen, dass es aufwieherte. Alle folgten ihr eilig in der Hoffnung, dass sie dem Tode entrannen. Nach einigen Meilen erreichten sie wieder die Stelle, wo die großen Felsbrocken und Tonnen von Geröll den Weg versperrten. „Wir sind in der Falle“, sagte Aphron verzagt. Ceres sprang vom Sattel, entkleidete sich hastig. Die edlen Röcke fielen fliegend zu Boden, und die feine Dame stand bald nur noch in knapper Leibwäsche da. Die Männer drehten unaufgefordert ihren Blick zur Seite, obwohl sie nur zu gern die Aussicht genossen hätten.

Ceres zerrte aus einer Sattelrolle eine Lederhose und stieg hinein. Auch ein Hemd gehörte zu ihrem Gepäck, dass sie überstreifte. Ihre Stiefel ließ sie an. Dann zeigte sie auf einen etwa eine Elle schmalen Pfad, der an der Steilwand mit etwa 30 Prozent Steigung hinaufführte. Die anderen hatten ihn zuvor gar nicht bemerkt. „Da hinauf. Lasst alle Sachen da, und auch die Pferde. Wir müssen unser nacktes Leben retten. Mir nach!“
Sie sprang auf einen Fels, auf dem der schmale Pfad begann. Ihre Sklaven folgten ihr in einer kleinen Kolonne, einer hinter dem anderen. Bewundernd sahen sie der Anführerin nach, denn der Weg führte eng an der Steilwand entlang und schraubte sich in schwindelerregende Höhen.

Kein Geländer schützte das waghalsige Trio vor dem Sturz in die Tiefe. Bald schon hatten sie die Hälfte der Wand, etwa 150 Fuß, erreicht, da war das Hufgetrappel der Soldaten nicht mehr zu überhören und Staubwolken stiegen langsam empor. Kurz darauf zischten die gefiederten Pfeile der Reiter an den Flüchtenden vorbei und zerbrachen klickend an der Felswand oder blieben vibrierend in Ritzen stecken. Eine raue Stimme brüllte: „Kommt zurück oder ihr werdet sterben!“ Aber Ceres lief nur schneller und rutschte mit dem linken Fuß in die Tiefe, als ein überhängendes Stück des Untergrundes abbrach und krachend auf dem Geröll landete. Im letzten Augenblick konnte sie sich festhalten und ihr linkes Bein wieder anheben.

Weitere Pfeile folgten der Dreiergruppe, aber keiner traf die Flüchtigen. Bald waren sie in Sicherheit. Zumindest vorläufig. Nur noch wenige Schritte, und sie konnten auf dem Dach der Steilwand entlang laufen. Dort waren sie wenigstens vor den Geschossen sicher. Schwer atmend erreichten sie die schützende Fläche und keuchten und stöhnten vor Anstrengung.

Als Ceres schon innerlich jubelte, stöhnte ihr Feldsklave plötzlich auf und hielt sich die Seite. „Bist du getroffen?“, fragte sie sichtlich erschrocken. In diesem Moment jagte ein Bolzen haarscharf an ihrem eigenen Kopf vorbei. Von wegen sicher! Die Verfolger waren ihnen weiterhin auf den Fersen. Der Leibeigene stöhnte lauter, ein lang gezogenes Seufzen folgte, dann sackte er langsam vorne über und fiel stumm in den Abgrund wie ein nasser Sandsack.

Ceres und Aphron rasten kurzatmig den Pfad weiter und erreichten den Gipfel des Tafelbergs, von wo es auf der anderen Seite relativ sanft wieder hinab ging. Endlich hatten die Verfolger die Jagd aufgegeben und blieben zurück. Die Geretteten liefen noch einige Meilen durch die Ebene, Haine und durch Wiesen voller Buschwerk, bis sie völlig verausgabt pausierten. Erschöpft ließen sie sich auf den moosigen Boden fallen. Ceres schüttelte den Kopf. Sie waren so gerade dem Tode entronnen. Der Feldsklave hatte es nicht geschafft. Der Verlust war zwar verschmerzbar – er hatte schon ein gewisses Alter erreicht -, aber die größere Sorge war, wie sie nun ohne Pferde und Proviant jemals die Hauptstadt erreichen sollten.

Einige Tage später erreichte Phoibe die Landesmetropole. So viele Menschen, besonders Frauen, hatte sie noch nie auf einem Flecken gesehen. Die Straßen waren gepflastert und bis auf Staub sauber. Die Häuser waren mit Stuck verziert und wurden von kunstvoll verzierten Holztüren geschmückt. An vielen von ihnen waren Klopfer aus Messing oder Bronze angebracht. In den Fenstern waren Glasscheiben oder Sergetücher. Auf den Straßen fuhren edle offene Kutschen mit Damen, die die prächtigsten Kleider trugen, die Phoibe jemals gesehen hatte.

Vor einem Geschäft für feine Stoffe hielt ein Fuhrwerk. Bevor die Dame ihr Gefährt verließ, hatte sich der Kutschersklave vor den Ausstieg in den Staub geworfen. Interessiert sah Phoibe, wie seine Herrin aufstand und ihre teuren Röcke raffte. Dann trat diese dem Sklaven mit ihren goldenen Schühchen auf den Rücken und danach auf den marmornen Steig vor der Schneiderei. Obwohl die Dame leicht wie eine Feder zu sein schien, so klebte doch nun allerhand Dreck am fast nackten Leib des Mannes, als er von der Straße aufstand. Der Schmutz konnte die Hudel des Mannes jedoch nicht beleidigen, und die Herrin hatte kein Auge für ihren Fußabtreter.

Phoibe staunte, wie blitzblank der Steig war. Doch dann sah sie den Grund: Links von ihr waren vier Sklaven auf Knien dabei, den Boden zu schrubben. Sie trugen massive Keuschheitsgürtel, die mit einem Hüftgürtel aus Metal und hinten zwischen den Poritzen mit einer gebogenen Stange verbunden waren. Um den Hals war ein breites Stahlband fixiert, dass mit einem Umhängeschloss in Herzform gesichert war. Durch eine Öse am Nacken verlief eine Kette, die alle Leibeigenen miteinander verband.

Der Kutschen-Sklave richtete sich wieder auf, schloss die Tür des Gefährts und kniete sich nun auf die Straße. So schien er auf seine Herrin zu warten. Die Lady war in dem Ladenlokal verschwunden. Als Phoibe wieder zu den Putzsklaven sah, kamen ihnen zwei junge Ladys entgegen. Hektisch krabbelten die nackten Männer zur Seite, um den Damen Platz zu machen. Eine der Frauen trug eine Reitgerte bei sich und zielte mit Schwung auf den nackten Hintern des jüngsten der Kreaturen. Der scharfe Knall schien die Luft zu zerreißen. Phoibe sah den tiefen Striemen sogar von ihrem Platz aus. Die beiden Damen kicherten hinter vorgehaltener Hand, als seien sie verlegen, und spazierten weiter, als sei nichts gewesen.

Der gezüchtigte Sklave war zusammengezuckt und rieb sich nun seine brennende Pobacke. Da er der letzte Leibeigene in der Vierergruppe war, endete die Kette an seinem Halsband, so dass die Männer ihn zurück auf den Steig zerrten, um weiterzuarbeiten. Ängstlich sahen sie sich um, ob die Aufseherin ihre Zwangspause eventuell bemerkt hatte. In diesem Fall wären ihnen allen weitere Striemen sicher.

Wenn Damen an ihnen vorübergingen, waren Putzsklaven in einer Zwickmühle. Das Dilemma war nämlich, dass sie aus Respekt vor Ladys Platz machen mussten; aber eine Arbeitspause war trotzdem nicht erlaubt. Das alles wusste Phoibe nicht und schüttelte nur schmunzelnd den Kopf über die Aktion der jungen Dame. Sie musste wohl noch viel lernen in dieser Welt.

Es gab sogar sanftmütige Frauen, die aus Erbarmen und Rücksicht auf die Leibeigenen in so einem Fall die Straßenseite wechselten. Aber dass bedeutete nur für den eigenen Haussklaven mehr Arbeit, denn die staubigen Stiefel und Sandalen der Ladys wurden auf dem Pflaster schmutzig. Glück hatten diejenigen Männer, die die Schuhe ihrer Herrin täglich nur putzen und polieren mussten. Es gab durchaus auch bösartige Weibsbilder, die ihre Leibeigenen die Schuhe sauber lecken ließen – entweder als Disziplinarmaßnahme oder weil es sie erregte, wenn ein Mann vor ihnen kroch und die Sohlen ihrer Stiefel leckte. Oder einfach, weil sie dreckig waren...
53. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 28.02.19 20:58

Hallo Prallbeutel,
mach bitte bald weiter. Ich finde die Geschichte entwickelt sich besser als die Alte, obwohl diese wahr schon außergewöhnlich gut.
VLG Alf
54. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 01.05.19 20:08


Phoibe kam an einer großen Richtstätte vorbei: ein großes Holzpodest, auf dem diverse Gerätschaften standen, die für Züchtigungen und andere Urteile von Nutzen waren. Durch die erhöhte Position war das Geschehen für zahlreiche Zuschauer sichtbar, die sich hier sicherlich häufig für Kurzweil, Pläsier und Gaudium verlustierten, wenn die Scharfrichterinnen Verderbte vorführten und mit erhobener und messerscharfer Stimme die Urteile kundtaten.

Jetzt stand das hohe Podest leer. Nur eine Krähe hatte es sich auf einem Gerüst bequem gemacht, an dem ein Haken hing. Schade, dachte Phoibe, die gern solchem Spektakel beigewohnt hätte. Gestern noch hätte sie erleben dürfen, wie ein Verurteilter auf dem Richtplatz seine Strafe engegennahm. Die Scharfrichterin hatte laut verlesen, dass der Sklave begnadigt würde... Die Menge hatte missmutig geraunt. Dann war der Rest gefolgt: „...nachdem er 300 Hiebe auf sein Gesäß erhalten hat, so dass seine Sünden gebüßt seien.“

Drei Vollstreckerinnen in enger Ledergewandung und mit dünnen Holzstäben bewaffnet betraten daraufhin die Szenerie. Die erste Ausführerin versetzte dem Schuldigen hundert Hiebe. Der malträtierte Hintern bewies, dass die Schreie des Delinquenten kein Theater waren. Als die zweite Frau erschien und den Stock zischend durch die Luft jagte, greinte der Mann vor Angst. Und trotz seiner mitleiderregenden Wimmer- und Winsellaute setzte auch die dritte Schergin im Bunde die Züchtigung mit voller Härte und rücksichtslos fort. Längst hing der Geschundene kraftlos und leise schluchzend in seiner Fixierung und sabberte aus seinem Mund. Einige wenige Zuschauerinnen wendeten sich ab, andere applaudierten beeindruckt.

Die nächste öffentliche Bestrafung war für den morgigen Tag vorgesehen: Zwei dem Mundraub Beschuldigte würden Spreizbirnen in ihren Rachen gesteckt bekommen und nackt in Pranger gesteckt werden, wo sie über ihre Untaten – die sie störrisch abstritten – nachdenken konnten. Eine Wächterin mit einer Münzschatulle würde vor Ort sein und die festgelegte Schuldsumme entgegennehmen. Jeder Anwesende durfte dazu beitragen. Sobald der Betrag zusammengekommen war, würden die Diebe befreit werden. Die beiden Strolche hatten weder Familie noch Freunde, so dass sie auf mitfühlende Zeitgenossen angewiesen waren. Erfahrungsgemäß waren die schwer zu finden. In spätestens drei Tagen würden die ersten Geier und Krähen die Nähe der Langfinger suchen.

Phoibe ritt bis zu einem Gasthaus und übergab die Pferde an einen Stallsklaven, der sie sofort versorgte. Eine Magd erschien in der rustikalen Holztür und hieß den Besuch willkommen. „Ihr möchtet ein Bett für die Nacht und eine gute Mahlzeit?“ Phoibe nickte. „Fürwahr, für mich und meinen Sklaven.“ Die Magd deutete einen Knicks an und hieß sie ihr folgen. Die alten Bodendielen, das kaputte Gemäuer und die spärliche Einrichtung im Inneren ließen nicht darauf hoffen, dass ihr Domizil für die Nacht besonders schön werden könnte.

Der Gast war dann aber erstaunt über die luxuriöse Kammer. „Was soll es denn unter diesem Dache kosten?“, fragte die Reisende, damit es kein böses Erwachen gab. Doch die Magd nannte einen überraschend erschwinglichen Preis. Ein Verstehen erstrahlte in ihrem Antlitz, und sie erklärte: „Da Ihr wohl nicht von hier seid, müsst ihr wissen, dass viele Dinge des täglichen Lebens und die meisten Dienstleistungen sehr günstig sind, da wir hier im Ostreich Sklaven für fast alles einsetzen. Das haben wir unserer großen Anführerin Pluta zu verdanken, die diese Staatsreform vor einigen Jahren ihrem Volke geschenkt hat.“

Die Magd machte einen stolzen und zufriedenen Eindruck. Phoibe musste ihr Recht geben, denn als Frau hatte man im Ostreich so manche Vorteile. Sie betrat ihre Kammer, entledigte sich ihrer Kleider und stieg in einen großen Holzzuber, in dem Dampf des heißen Wassers aufstieg. Blumig duftende Gewürzsäckchen verströmten ein frisches und geradezu betörendes Aroma. „Woher haben die so schnell das warme Bad gezaubert?“, frohlockte Phoibe und verwöhnte ihren Körper mit einem weichen Schwamm und einem Öl aus einer kleinen Kupferkaraffe.

Nereus sortierte derweil das Gepäck. Dabei warf er hin und wieder heimliche und sehnsüchtige Blicke auf den nackten Leib seiner Herrin. Die schönste und begehrenswerteste Dame, die er je gesehen hatte. Er wusste wahrlich nicht zu sagen, wo er im Augenblick lieber wäre: In einem solch erfrischenden Bad oder zwischen den zarten Schenkeln von Phoibe. Vielleicht auch beides zugleich...

Völlig verdreckt und halb verdurstet saß Ceres in sich zusammengesunken und mit geschlossenen Augen auf den breiten Schultern ihres Sklaven, der langsam aber stetig vorwärts schlurfte. Die Füße richtig anzuheben, dafür fehlte ihm mittlerweile die Kraft. Schon ein Dutzend Mal war er auf die Knie gefallen, hatte sich aber immer wieder hochgerappelt. Lange würde er seine Herrin allerdings nicht mehr tragen können. Was würde er nun für einen stärkenden Trunk geben? Nur wenige Schlucke... Würde das ihr Ende sein? Hier in der Ödnis? In der Weite des Ostreichs verdurstet im Staub liegen und von Aasgeiern zerfleddert werden? Ihre Gebeine würden anderen Warnung sein.

Aphron sah zum flimmernden Horizont: Jetzt kamen die Halluzinationen. Er bildete sich zwei Reiter ein, die auf sie zugaloppierten. War er verrückt geworden? Dem Wahnsinn verfallen? Oder waren es die Dämonenreiterinnen der Unterwelt, die ihre Ernte einfahren wollten? Aber die Gestalten erschienen klarer und klarer, je näher sie kamen. Es waren Menschen. Nun vernahm er auch die Hufe. Aphron stöhnte und fiel auf die Knie und legte Ceres vorsichtig auf dem Boden ab, dann brach er auf dem Rücken zusammen.

War wirklich die Rettung gekommen? Er vernahm noch weibliche Stimmen, abspringende Personen und den Ruf nach Wasser. Dann schwanden ihm endgültig die Sinne. Die zwei Reiterinnen trugen eng anliegende Hosen und staubige Stiefel sowie weit geschnittene Blusen. Ceres lag in den Armen der einen Frau, die ihr aus einem ledernen Wasserschlauch den Mund benetzte und die Geschwächte langsam trinken ließ. Die andere Frau packte ihr Gepäck auf das andere Ross, damit auf ihrem Tier eine zweite Person Platz fand.

Langsam kam Ceres wieder zur Besinnung. „Mehr! Gebt mir mehr Wasser!“ Sie griff eigenmächtig nach dem Schlauch mit dem erquickenden Inhalt, aber die Frau nahm Ceres Hand wieder weg. „Langsam. Sonst wird es Euch schlecht bekommen.“ Die andere Reiterin seufzte. „Ihr seid bald wieder auf den Beinen. Es sei denn, ihr habt das böse Fieber. Aber das scheint mir nicht so zu sein.“ Sie suchte die Haut der Gefundenen nach Flecken oder Krätze ab.

Nach einer Viertelstunde fühlte sich Ceres wieder etwas kräftiger. „Habt Dank für Eure Rettung. Wer seid ihr?“ Die Frau antwortete: „Wir sind ein Spähtrupp, um Plutas Armee zu verkünden, sobald der Feind vor den Toren steht.“ Ceres berichtete von ihren Verfolgern. „Bald werden sie hier sein. Wir flüchten vor ihnen.“ Da fiel ihr Aphron ein. „Wo ist mein Sklave?“ Sie erblickte ihn nicht. Doch dann sah sie ihn in einigen Schritten Entfernung im Staub liegen. Die andere Reiterin meinte mit einer Achsel zuckend: „Er ist sehr geschwächt. In der Stadt gibt es bessere Männer. Wir sollten ihn hier lassen…“ Ceres unterbrach sie indigniert: „Nein! Er hat mir das Leben gerettet. Und er ist mein… Lieblingssklave.“

Die Frau stand auf und ging mit dem fast leeren Wasserbeutel zu dem Mann und stieß ihn mit dem Fuß an. Aphron zuckte leicht und stöhnte, den Mund weit geöffnet. Die Frau hielt ihm den Wasserschlauch an den Mund und gab ihm zu trinken. Gierig schluckte Aphron das kühle Nass. Seine aufgesprungenen Lippen glänzten von dem perlenden Wasser. Aphron erholte sich ungewöhnlich schnell und war bald wieder in der Lage zu sitzen und später auch zu stehen oder zum Abtritt zu gehen. „Wir müssen los. Noch steht die Sonne nicht so hoch am Himmel. Aber ohne Wasser sind wir hier in der Mittagshitze verloren“, sagte die eine Reiterin, die auf ihrem Tier nun das gesamte Gepäck transportierte. Die andere Reiterin sah zu dem Leibeigenen und bezweifelte, dass das gute Wasser es wert gewesen war, dieses wertlose Wesen aufzupäppeln.

Ceres schwang sich hinter die andere Späherin in den Sattel. Die Frau fragte den Sklaven barsch: „Kannst du laufen?“ Aphron keuchte. „Ich werde es versuchen, edle Dame.“ Die Reiterinnen schritten mit ihren Rössern durch die staubige Ebene, ohne sich zu dem Sklaven umzuschauen. Entweder er hielt mit, oder er… Nur Ceres drehte ihren Kopf hin und wieder zu Aphron um, der stolpernd hinter den Pferden herwankte. Seine Arme schlackerten leblos neben seinem Körper. Ceres dachte: „Was für eine armselige Gestalt aus dem einst starken Mann geworden ist. Hoffentlich wird er wieder.“ Die Reiterin auf dem anderen Pferd bemerkte Ceres Blick und sagte: „So einer ist widerstandsfähig. Wird es schon schaffen.“

Zwei Stunden später erreichten sie die ersten Hütten, die weit vor der Metropole in der grellen Sonne lagen. Dort machten sie eine kleine Pause und nahmen eine Mahlzeit aus Pastinak ein. Dazu setzten sie sich auf ein paar Strohballen, die neben einer Scheune lagen. Aphron erhielt die Reste aus der Schüssel und mampfte alles gierig hinein. Auch Wasser gab es reichlich aus einem Brunnen. Die nächsten Meilen bis in die Stadt bewegte er sich bereits wieder sicherer auf den Beinen, obwohl der lange Weg seinen Tribut forderte. Seine Schenkel und seine Lunge brannten.

In der Metropole verabschiedeten sich die Frauen von Ceres, der sie ein gutes Gästehaus empfohlen hatten. Auf der gepflasterten Straße machten sie sich auf den Weg dorthin. Wenigstens waren Ceres noch einige Goldstücke in ihrem Stiefel geblieben, so dass sie sich eine Kammer leisten konnte. Als die dicke Wirtin fragte, ob der Sklave im Stall oder in der Kammer schlafen sollte, meinte Ceres: „Er bleibt bei mir.“ Die Wirtin grinste anzüglich und sagte: „Verstehe. Dann wünsche ich noch einen schönen Tag – und eine angenehme Nacht.“

Nach einem Bad in einem großen ovalen Zuber und einem ausgezeichneten Essen aus Wildbret, Gemüse und Erdäpfeln sowie einem Becher Wein fühlte sich Ceres wie neugeboren. Auch Aphron hatte baden dürfen. Nach dem schweren Essen wurde Ceres müde und zog sich mit ihrer Begleitung in ihrer Kammer zurück. Das Bett stellte sich als recht bequem heraus. Das Stroh in der Matratze war frisch. Sogar saubere Decken lagen darauf. Draußen war ein Trötenspieler zu hören, der eine lustige flotte Melodie blies.

Ceres neckte Aphron: „Du kennst deine Pflichten! Also wage es nicht, mich zu enttäuschen!“ Der Sklave stöhnte leise und antwortete gehorsam: „Jawohl, meine Herrin.“ Innerlich zitterte er vor Angst, nach all der Anstrengung über nicht genügend Manneskraft zu verfügen und seine Besitzerin zu verärgern. Vielleicht stand ihr ja der Sinn nach seiner Zunge?

Aber Ceres hatte ihren Leibeigenen lediglich aufziehen wollen. Sie spielte noch ein wenig mit Aphrons Liebesstab, bis sich dieser aufbäumte, dann meinte sie schläfrig: „Lass uns ruhen. Es war ein langer Tag.“ Aphron seufzte leise auf. Sollte er froh sein, dass Ceres nicht mehr verlangte, oder sollte er frustriert sein, weil er wieder unbefriedigt blieb? In einem Gefühlswirrwarr nickte er bald ein und träumte von sündigen Taten mit seiner Herrin.

Ceres dachte ebenfalls an Aphrons Gemächt: Was waren diese Ostsklaven gut erzogen! Aphron benötigte nicht einmal einen Keuschheitsgürtel. Niemals würde er es wagen, an sich Hand anzulegen, wenn er nicht die ausdrückliche Erlaubnis bekam. Wie anderes waren die Männer aus dem Vereinten Reich! Wenn sie da an Nereus dachte, den sie zu ihrem Glück hatten zwingen müssen… Diese eigensüchtigen, animalischen Gestalten! Ceres seufzte im Halbschlaf und nahm sich vor, ihre Freundin Phoibe zu suchen. Hoffentlich hatte sie es bis in die Hauptstadt geschafft!

Abas galoppierte durch verschiedene Landschaften. Je weiter er nach Osten ritt, desto rauer wurde die Natur. Spitze Felsen ragten zwischen grünen Hügeln empor, mehr Nadelbäume mischten sich zwischen die großen Eichen, Buchen und Ahornriesen. Dem Volksglauben nach hausten in den finsteren Wäldern gigantische Trolle, wilde Kreaturen, die sogar von Hexen und Waldgeistern gefürchtet wurden. Abas meinte bei seinem Gaul eine Spur Angst zu spüren.

Irgendetwas Geheimnisvolles lag in der Luft. Und dann vernahm er noch in der Ferne ein schallendes Kriegshorn. Oder war es der Schrei eines Ungetüms gewesen? Er verdrehte sich beinahe den Nacken, als er im Himmel nach einem Lindwurm suchte, wie er in den alten Sagen beschrieben wurde: gewaltige Flugdrachen mit schillernden Schuppen, die an Permutt erinnerten, und scharfen Klauen, die alles zerfetzen konnten. Am gefährlichsten waren aber ihre Feuerstöße, die alles vernichteten, was sich ihnen in den Weg stellte.

Er war inzwischen im Ostreich. Die Frontlinie war zwar noch weiter östlich, aber trotzdem gab es überall die Gefahr von marodierenden Banden angegriffen zu werden. Es gab genügend Frauen, die der Kriegsgefangenschaft entgangen waren und fortan in diesem Gebiet die Herrschaft in kleinen Clans an sich gerissen hatten. Ihnen in die Hände zu fallen, hieße im günstigsten Falle Hab und Gut samt Wams zu verlieren. Manche der gesetzlosen Räuberbräute nahmen sich auch bizarre Andenken, um damit zu prahlen. Er wollte sich nicht ausmalen, was das wohl sein könnte und spürte ein unangenehmes Ziehen zwischen seinen Schenkeln.

Abas kannte die politischen Verhältnisse nicht, aber er wusste, dass ein Mann im Ostreich nicht viel wert war. Also war er auf der Hut und ritt tunlichst nicht unbesorgt über freie Ebenen, sondern blieb verborgen zwischen Felsen und Bäumen, deren dichtes Grün ihn tarnte. Manchmal gab es jedoch keine Aussicht darauf, und er musste über offene Niederungen und Wiesengrund reisen. Bisher war ihm glücklicherweise niemand begegnet. Mit seiner Verkleidung hätte er sich am liebsten einer Division der Vereinigten Armee angeschlossen, aber die Soldaten waren viele Meilen weiter im Landesinneren.

Er versuchte sie so schnell einzuholen, wie ihn sein königliches Ross trug. Nach zwei weiteren Tagen stoppte er sein Tier. Waren da am Horizont Reiter? Womöglich Frauen?
Abas zückte das magische Rohr, das er dem königlichen Alchimisten „entliehen“ hatte: Schaute er hinein, sah er weit entfernte Personen viel größer. Und tatsächlich: Da näherte sich ihm ein kleiner Trupp Reiterinnen. Sie trugen keine Uniformen. Aber das machte es auch nicht besser. Vermutlich waren es zwielichtige Räuberinnen.

Abas führte sein Pferd zur Seite in dichtes Gebüsch und wartete. Die armierten Weiber näherten sich im lockeren Trab. Als sie das Buschwerk erreicht hatten, hielten die Gäule an. Abas presste seine Lippen aufeinander. Hatten sie etwa seine Spuren entdeckt? Sie stiegen ab und kamen näher und näher. Und noch näher.

Zwei gerüstete Frauen zogen ihre Schwerter und kamen genau auf Abas Versteck zu. Der königliche Gemahl duckte sich immer tiefer, aber es nutzte ihm doch nichts: Eine Frau schob die Zweige des Busches zur Seite und beseitigte damit die Tarnung. Im nächsten Moment spürte Abas zwei Klingenspitzen an seinem blanken Hals. „Wen haben wir denn da? Bist du etwa ein entflohener Sklave?“, wollte die Soldatin wissen. „Ich bin ein freier Reisender“, entgegnete Abas mit leichtem Zittern in seiner Stimme. Zu seinem Entsetzen lachten die Frauen herzhaft. Dann meinte die Wortführerin: „Du bist hier gar nichts, Bürschchen! Im Ostreich sind Männer weder frei noch sonst wie vom Gesetz geschützt“.

Sie grinste obszön und drehte sich Beifall heischend um, als sie ergänzte: „Wer einen findet, der darf ihn behalten.“ Die Reitergruppe lachte lauthals. So dreckig hatte er noch nie ein Weib lachen hören. Abas wurde es richtig mulmig. Es war tatsächlich wahr: Im Ostreich galt ein Mann nicht viel. „Schade, dass wir keine Zeit für ausschweifende Vergnügungen haben“, meinte die Reiterin und betrachtete ihn von oben bis unten. „Aber dein Ross scheint mir ein edles Tier zu sein und bringt sicherlich einige Goldmünzen ein.“
Sie nahm es beim Zügel und schaute es sich eingehend an, um nach einem Makel zu suchen. Dann trieb sie es zu einer der anderen Frauen, die es wie selbstverständlich an ihren Sattel band.

„Und was du noch so alles dabei hast, werden wir später untersuchen“, erklärte sie. Dann zeigte sie mit der Schwertspitze auf seine Brust. „Was trägst du denn so am Leib?“ Abas Herz klopfte hart und schnell. „Nichts. Wollt ihr mich etwa auch noch ausrauben?“ Wieder lachten die Frauen. Die Anführerin fragte: „Ausrauben? Aber nein!“ Abas atmete auf. Sie formulierte es ein wenig anders. „Umverteilen würde ich es nennen.“ Erneut lachte die Schar.

Abas ächzte auf. Und schon schlitzte die Frau mit einer präzisen Bewegung ihres scharfen Schwertes Abas Wams von oben bis unten auf, ohne ihn jedoch zu verletzen. Mit einer kleinen Aufwärtsbewegung durchtrennte sie Abas Gürtel, und im gleichen Moment fiel ihm sein Beinkleid zu Füßen. Reflexartig schützte er seine Scham mit beiden Händen vor den neugierigen Blicken der Frauen, die aus dem Lachen gar nicht mehr rauskamen. Die Räubermaid zwang Abas Hände zur Seite und sagte amüsiert: „Sieh an! Ein Freier, was? Von wegen! Warum trägst du dann einen Keuschheitsgürtel?“

Abas Kopf glich einer reifen Tomate. Hechelnd und kurzatmig war er einer Ohnmacht nah. „Bitte! Bitte lasst mich laufen…“, stammelte er. Eine der Marodeurinnen meinte: „Irgendwie glaube ich ihm sogar, dass er aus dem Vereinten Reich kommt. Vielleicht gibt es dort auch Männer in Keuschheitsgürteln?“ Die Rädelsführerin drehte sich zu ihren Kameradinnen um und brummte: „Ach was! Das ist ein entflohener Sklave, der…“ Sie hielt inne, weil die andere Frau mit dem Finger hinter sie zeigte: „Apropos entflohener Sklave: Da läuft er wie ein Hase.“

Und in der Tat: Abas hatte die Beine unter die Hand genommen und war nackt, wie bei seiner Geburt, losgerast. Glücklicherweise hatte er vorher daran gedacht, unauffällig aus der Hose zu steigen. Sonst wäre seine Flucht wohl schon stolpernd nach einer Mannslänge schmerzhaft zu Ende gewesen. Zwei Weiber trabten hinter dem davonflitzenden Abas her. Trotz einiger Bäume, Büsche und Felsen war es kein Problem dem Flüchtigen zu folgen. Nach einer knappen Minute hatten sie ihn eingeholt. Eine der Schurkinnen ritt an die Seite des Läufers und versetzte ihm mit der Breitseite ihres Schwertes einen kräftigen Hieb auf den Hintern.

Beinahe hätte der knallende Treffer Abas zu Fall gebracht, aber stolpernd änderte er abrupt die Richtung und jagte weiter. Sein Gesäß brannte, und auch seine Lungen schienen sich mit Feuer zu füllen. Lange würde er das Tempo nicht mehr durchhalten. Aber er musste diesen Banditinnen entkommen, sonst würde er seine Angebetete nie wiedersehen.

Plötzlich fiel er der Länge nach hin und rumste auf den Lehmboden. Der Staub spritzte ihm ins Gesicht. Seine Nase schmerzte vom Aufprall wie nach einem Fausthieb. Eine Reiterin hatte seine Füße in einem Lasso gefangen und zog das Seil nun fest. Jetzt ritt sie im Trab zurück zu der Gruppe und schleifte Abas rücksichtslos hinterher. Seine Arme wirbelten nutzlos in der Luft umher, und sein Hintern rutschte schabend über den Boden und brannte heiß und heißer. Seinen Oberkörper versuchte er aufzurichten, was ihm halbwegs gelang. „Aaah!“, schrie er im nächsten Moment, als sein Gesäß über einen flachen Felsbrocken rieb und anschließend einige handbreit tief auf den Lehmboden knallte.

Schließlich war die grobe Rückreise beendet. Die Anführerin sah ihren Fang grinsend an. „Wir werden dich als Jagdsklaven verkaufen. Dafür scheinst du zu taugen.“ Schnell gewetzt war er ja. Das konnte sie mit Fug und Recht behaupten. Abas runzelte die Stirn und versuchte aufzustehen, was ihm aber mit den eingeschnürten Füßen misslang. „Jagdsklave? Müssen die Männer hier für die Frauen jagen gehen?“ Wieder lachten die Frauen. „Lasst ihn uns als Narren verkaufen. Der ist ein tolles Naturtalent!“, rief eine der Reiterinnen. Eine Erklärung für diesen Kommentar und das Amüsement erhielt er diesmal nicht.

Zwei der Halunkinnen zogen ihn vom Boden hoch und hievten ihn bäuchlings über sein Pferd wie einen großen Sack voll Getreide. Dann banden sie seine Hände zusammen und knoteten das Seil unter dem Bauch des Tieres fest. „So, die Ware ist verpackt“, sagte die Schurkin und hieb Abas mit der Breitseite ihres Schwertes auf den malträtierten Hintern. „Aaah!“, brüllte Abas und zappelte auf dem Pferderücken, was erneut Gelächter verursachte. Dann machte sich die Truppe auf den Weg in die Metropole des Ostreiches.
55. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 11.05.19 18:58



Es war noch eine weite und beschwerliche Reise bis in die ferne Hauptstadt, und der Reitertrupp musste gut achtgeben, dass er nicht einem Regiment der Vereinten Armee in die Hände fiel. Aber die Frauen kannten Schleichwege, auf denen sie sicher und unbemerkt blieben. Auf ihnen umritten sie die Front, an der Königin Ledas Armee stationiert war und sich nach und nach nach Osten vorkämpfte.

Abas strömte das Blut in den Kopf, aber das schien die Reiterinnen nicht zu interessieren. Hin und wieder erhielt er einen Schlag auf seinen nackten und unfreiwillig in die Höhe gereckten Po, um zu prüfen, ob er ohnmächtig geworden war. Als er während des eintönigen Ritts beinahe einschlummerte, wurde er durch ein seltsames Gefühl wach und erschrak, als er merkte, dass eine Frau ihm den Griff einer kurzen mehrschwänzigen Peitsche in den Allerwertesten bohrte und putzmunter über sein erschrockenes und entrüstetes Antlitz lachte. „So siehst du aus wie ein Tierchen, dass die Damen jagen können. Einen buschigen Schwanz hast du ja nun schon. Würde mich interessieren, wie du damit fliehen willst.“ Eine Frau, die neben der anderen ritt, meinte: „Wahrscheinlich ziemlich breitbeinig wie eine watschelnde Wachtel.“ Das Duo lachte laut, und die erste Reiterin drehte und wackelte an dem Griff, dass Abas aufstöhnte.

„Gefällt das unserem Tierchen etwa?“, grinste die andere Frau. „Was wagt ihr euch?“, rief Abas, rot vor Scham. „Ich bin der königl…“ Er brach abrupt ab und verstummte. Beinahe hätte er seine Herkunft verraten. Die Reiterinnen hatten seinen Fauxpas nicht bemerkt und ritten ein Stück weiter nach vorne. Abas zappelte in seinen Fesseln. Diese Biester! So eine Demütigung! Wie konnten sie nur!? Wie hieß das Sprichwort noch? Das Glück unserer Welt liegt auf dem Rücken der Pferde? Ironisch lachte Abas leise und hart auf und presste seine Zähne zusammen.

Endlich machte der Trupp eine Pause, und Abas wurde abgeschnallt und landete unsanft auf dem harten Boden. Er trug immer noch seinen künstlichen Schwanz im Hintern. Eine Räuberin löste seine Fesseln und befahl ihm: „Auf alle Viere mit dir! Du brauchst auch mal ein bisschen Bewegung, mein Pferdchen!“ Abas bekam vor Schreck kaum Luft. Was würde das werden? Sollte er etwa… Und schon nahm eine der Räuberinnen auf seinem Rücken Platz und sagte: „Hüah!“ Dann kickte sie ihre Fersen in seine Seiten und verlangte, dass er vorwärts krabbelte.

Die Erniedrigung ließ seinen Kopf heiß werden, als sei ein Schmiedefeuer darin ausgebrochen. Die Frau führte ihn in einem weiten Kreis um das Lager und trieb ihn fast zu einer Art Trab an, ob der Abas schnell erschöpfte. Am schlimmsten war das Gefühl in seinem Hintern durch den dicken Griff der Peitsche. Welche schändliche Schmach! Niemals wieder würde er diese entehrende Schande vergessen können.

Als die Frau endlich aufstand, wollte Abas zur Seite kippen und sich schwer atmend erholen, aber daraus wurde nichts, denn schon stand die nächste Gesetzlose auf und wollte aufsteigen. Da Abas noch auf der Seite lag, trat sie ihm mit ihrem Reiterstiefel auf den noch geschundenen Hintern. Glücklicherweise traf sie dabei nicht den Peitschengriff, den sie ansonsten mit brutaler Kraft noch tiefer versenkt hätte. Abas war sofort in Position und ließ die Frau aufsteigen. „So ist artig, mein Gaul“, lachte sie ihn scheinbar honorierend aus und trieb ihn in ähnlicher Weise an, wie ihre Vorgängerin es getan hatte.

Diese zweite Runde ums Lager sollte für Abas noch viel furchtbarer und anstrengender werden, denn die Reiterin zückte einen kleinen Dolch und piekte ihn gegen Abas Hinterbacken, um ihn zu größerer Geschwindigkeit zu motivieren. Ab und zu konnte das „Reittier“ einen quiekenden Laut nicht unterdrücken, was lautes Gelächter bei allen Anwesenden hervorbrachte und Abas noch tiefer beschämte. Eine der holden Damen fragte ihre Nachbarin, ob sie eine Ingwerwurzel hätte. Diese sei in Form geschnitzt besonders schön geeignet, um dem Hintern eines Kleppers mehr Feuer zu verleihen. Leider war in keiner Satteltasche etwas dergleichen zu finden.

Leda betrachtete mit ihrem Paladin den Horizont. Neben ihr flatterte die große Flagge, deren Stock der Bannerträger in einer dicken ledernen Halterung an seinem Oberschenkel trug. Sie waren fast kampflos durch das feindliche Terrain gelangt. Nur vereinzelte Scharmützel hatten sie kurz aufgehalten. Die Vereinte Armee war nicht zu stoppen, so dass sie nun in der Ferne die Metropole des Ostreichs erkennen konnten. Sie standen kurz vor ihrem Ziel.

„Das war bisher ein Kinderspiel“, ließ sich ihr Kriegsfürst vernehmen, „aber die Hauptstadt ist durch gewaltige Mauern gesichert. Dort verschanzt sich der Großteil von Plutas Heer. Und ihr Palast ist noch zusätzlich wie eine uneinnehmbare Festung gesichert und durch ihre besten Kampfsklaven geschützt. Ein wahres Bollwerk, wie es dies sonst nirgends gibt.“ Eine Spur von Bewunderung war in seinen Worten zu vernehmen.

„Wir sind bis hierher gekommen, weil es die Götter so wollten“, antwortete die Potentatin, „und wir werden auch das Zentrum des Feindes besiegen. Ein Wagnis, wohl wahr! Aber wir werden diese Pluta niederstrecken. Ihr Haupt wird über den Zinnen hängen, um die Krähen zu beköstigen, auf dass es eine Lehre für alle Veräter sein werde. So wahr ich hier stehe!“ Darauf wagte der Paladin keine Widerworte und neigte gehorsam und ehrerbietig sein Haupt.

Königin Leda schätzte die Lage durchaus einleuchtend und anschaulich ein, sann der Kriegsfürst nach, aber das größte Ungemach stand ihnen noch bevor. Die Kampfsklaven der Despotin würden bis auf den letzten Blutstropfen kämpfen. Sie kannten nur Sieg oder Tod. Unbedingter Gehorsam ihrer Herrin gegenüber. Schon Morgen würden sie trotzdem den ersten Sturmangriff auf die Stadtmauern wagen. Trotz ihrer Übermacht und gewaltigen Türme, Maschinen, Rammen und speziellen Brandgeschosse würde der Schutzwall eine große Herausforderung werden.

Auf der anderen Seite der dicken Mauern ging das Stadtleben scheinbar seinen ganz normalen Gang: Werte Ladys spazierten durch die Gassen, begleitet von ihren hörigen Sklaven, genossen den prachtvollen Luxus der Geschäfte und Händler, nahmen Stiefelputzsklaven in Anspruch, wohnten öffentlichen Auspeitschungen von Dienstsklaven bei oder züchtigten ihre Leibeigenen oder Sündenböcke selbst mit einer Rute – als Strafe oder zum Zeitvertreib, bis sie dessen müde wurden.

Auch Phoibe lustwandelte mit ihrem Leibeigenen von einem Ladengeschäft zum nächsten. Doch als sie in eine Seitengasse abbiegen wollte, wurde sie freundlich aber bestimmt von einer Soldatin aufgehalten. „Tut mir Leid, aber dieser Bezirk ist für Zivilisten gesperrt.“ Phoibe fragte nach, was es damit auf sich habe, und die Uniformierte erklärte ihr, nun in weniger offiziellem Tonfall, dass ein großer Teil der Armee innerhalb der Stadtmauern lagere, um die Metropole vor dem Feind zu schützen. „Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Wir benötigen enormen Platz und Ressourcen für die Kampfsklaven.“
Phoibe nickte nachdenklich. „So weit ist es also schon gekommen. Der Feind steht vor der Tür!“

Auf der anderen Seite des gigantisch anmutenden Schutzwalles stand Königin Leda mit ihrem Heer innerhalb einer großen Zeltstadt. „Wir werden angreifen! Im Morgengrauen, wenn der Mond versunken ist.“ Ihr Paladin schluckte. „Majestät, es ist ein gewagtes Unternehmen…“ Leda unterbrach ihn unwirsch. „Ich weiß, dass Pluta ihre Kräfte in der Stadt bündelt. Wo sonst war ihre Armee? Die Unmengen Kampfsklaven? Bis hierher hat sie uns in Sicherheit gewiegt. Aber bei einer Attacke auf die Stadt würden wir eine böse Niederlage erleben…“ Der Paladin nickte heftig. „…wenn wir einfach wild drauf los stürmen würden.“

Ihr Berater fragte sich, was die Regentin vorhatte. Warum weihte sie ihn nicht in ihre Pläne ein? Dann erklärte Leda ihr Vorhaben: „Wir werden im Morgengrauen zum Angriff blasen. Aber es wird nur eine Scheinattacke sein. Habt Ihr Euch nicht gefragt, wozu die großen Tonkrüge sind?“ Der Paladin sah sie interessiert an. „Hoheit! Caduceus, der königliche Alchimist, hat erneut Schlafnebel gebraut?“ Leda nickte. „Es hat damals bei Megara funktioniert. Es wird auch bei dieser Pluta erfolgreich sein. Die Stadt muss fast platzen vor Kampfsklaven. Also vermag schon eine geringe Menge von Caduceus´ magischem Pulver den Sieg zu sichern.“

So bereiteten die Helfer des königlichen Alchimisten, als die Schatten länger wurden, alles für ihre Kriegslist vor. Auch die Belagerungstürme wurden in Stellung gebracht, um die hohen Mauern erklimmen zu können, wenn dahinter alles in einen tiefen Schlaf gefallen war. Im Morgengrauen ritten vier Truppeneinheiten gegen den Feind, um die Scheinattacke auszuführen. Die Männer wussten, dass es ein Himmelfahrtskommando war, aber für ihre Regentin ritten sie todesmutig in den Kampf gegen den übermächtigen Gegner. Sie hatten ihr Leben voller Stolz ihrer Hoheit geweiht.

Gleichzeitig bereitete sich die Vereinte Armee vor, die Ballons aus Tierhaut mit ihren kleinen Feuern darunter zu starten. Helfer des Alchimisten trugen die Tonamphoren vorsichtig an ihre Haken. Und dann war der Moment gekommen: Ledas Geheimwaffe schwebte in die Lüfte. Der Wind wehte genau richtig. „Die Götter sind mit uns“, gab Leda kund. Mit einem stillen Gebet hatte sie um der Götter Gunst gebuhlt. Sie blickte den schwebenden Tongefäßen mit einer gewissen inneren Anspannung nach.

Als sich die Ballons in Richtung Stadt entfernten, verfolgten ausgewählte Bogenschützen das fliegende Ziel, um sie genau im passenden Augenblick vom Himmel zu schießen. Leider bewahrheitete sich die Befürchtung, dass die Trupps, die gegen den Feind geritten waren, schwere Verluste erlitten hatten. Nur wenige der tapferen Soldaten kamen zurück, viele von ihnen versehrt. „Die abgerichteten Kampfsklaven wüten wie Berserker. Da gibt es kein Durchkommen“, stöhnte ein Hauptmann mit einer schweren Wunde an seiner Schulter.

Leda rief schnell nach einem Heiler, der den Soldaten verband, nachdem er die Verletzung mit einem warmen Sud versorgt und sie mit einem heißen Messer verschlossen hatte. Durch den Mohnsaft, den ihm der Heiler zuvor eingeflößt hatte, blieben seine Schmerzensschreie großteils ins seiner Kehle stecken. Kurz darauf fiel der Mann in einen gnädigen Schlaf. Mehr konnte der Medikus nicht tun. Nun entschieden die Götter, ob der Recke gesundete oder dem grausamen Wundbrand erliegen würde.

„Das wird diese niederträchtige Pluta büßen. Früher, als ihr lieb ist!“, schwor sich Leda und ballte ihre Fäuste so fest, dass sich ihre Fingernägel in die Handrücken gruben. Sie konnte die Ballons schon nicht mehr sehen. Bald würde es so weit sein: Die Tonkessel würden auf den Häusern und Straßen in tausende Splitter zerspringen und ihre Fracht verteilen, zerstäuben – bis in den hintersten Winkel.

Eine halbe Stunde später ertönten die verabredeten Hornsignale der Bogenschützen.
Leda ließ zum Großangriff blasen; ihr gesamtes Heer rückte rasch vor. Laut hallten die Pferdehufen und die forsch marschierenden Fußtruppen in ihren Waffenröcken. Sie waren fest entschlossen, den Feind zu besiegen. Nichts würde sie aufhalten. Die entscheidende Schlacht hatte begonnen…

Sie zogen mit Dutzenden Ochsen die schweren Türme vor die Mauern, wo ihnen nun keine Gegenwehr mehr drohen sollte. Unter dem monströsen Gewicht der Bauten quietschen und kreischten die massiven Holzräder, die mit Schmiedeeisen verstärkt waren. Dann stiegen Ledas Männer die langen Leitern hoch, um sich über die Zinnen zu schwingen. Als die ersten Kämpen hinter dem Mauerwerk verschwanden, folgten ihnen weitere Männer. Es wurden hunderte Recken benötigt, die bewusstlosen Kampfsklaven zu fesseln. Überall würde der Boden von ohnmächtigen Leibern bedeckt sein.

Immer mehr Soldaten verschwanden hinter der Stadtmauer. „Warum öffnet niemand das Tor?“, fragte der Paladin ratlos und schickte hurtig einen Trupp vor den Eingang. Als weitere Gerüstete vorgerückt waren, erschienen auf den Zinnen urplötzlich endlose Reihen von feindlichen Bogenschützen und nahmen die Vereinte Armee unter scharfen Beschuss. Leda konnte im letzten Augenblick einem sirrenden Pfeil ausweichen, der ihr Herz durchbohren wollte. „Verrat!“, brüllte der Paladin. „Rückzug!“ Die Soldaten rannten panisch und ungeordnet um ihr nacktes Leben.

Später in der Zeltstadt herrschte das reinste Chaos. Alle waren noch in Aufruhr. „Wie konnte das geschehen? Hat der Feind ein Gegenmittel? Hat der Schlafnebel nicht gewirkt?“ Leda hatte Fragen über Fragen und lief zornig und aufgebracht im Kreis umher, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Ihre Berater und der königliche Alchimist Caduceus hatten keine Erklärung. Konnte ein anderer Magier den Schlafnebel weggezaubert haben? Gab es womöglich ein Gegenmittel?

Das Betäubungspulver wurde an einem Freiwilligen erprobt, der sofort die Besinnung verlor und zusammenbrach. Er fiel wie ein nasser Sack in den Staub. Es hätte in der Stadt also wirken müssen. Leda war ratlos. Wieder hatte sie Verluste hinnehmen müssen und war keinen Schritt weiter. „Wir können die Metropole nicht einmal belagern. Nach Osten bleibt ihnen immer ein Fluchtweg offen“, ärgerte sich Leda, die von Spähern erfahren hatte, dass die Stadt an einem unüberwindbaren Felsriss, einer tiefen Schlucht, lag, deren einziger Übergang die Metropole selbst darstellte.

Pluta grinste derweil selbstzufrieden. Ihre Beraterinnen sahen respektvoll zu ihr auf. Die Herrscherin hatte den magischen Angriff vorausgeahnt. Hatte sie seherische Fähigkeiten? Auf jeden Fall war ihnen nun auch klar, warum ihre Regentin schon vor Wochen hunderte Masken aus Leder und Stoffen hatte anfertigen lassen: Es war ein Atemschutz vor dem „bösen Regen“.

Alle Soldatinnen und Kampfsklaven hatten eine Maske erhalten. Die Zivilisten mussten damit leben, für einige Stunden das Bewusstsein zu verlieren. So war auch Phoibe mit ihrem Sklaven mitten auf dem Steig umgesackt. Auch Ceres war es nicht anders ergangen und musste diese Bürde tragen. Sie war gerade mit Aphron einem gewissen Vergnügen nachgegangen und wurde durch den Schlafnebel, der bis in ihre Kammer vorgedrungen war wie feinster Staub, ohnmächtig und lag nun auf Aphrons Brust, dessen Luststab langsam in sich zusammensackte.

Für ihr Volk hatte Pluta offenbar nicht viel übrig. Es ging ihr ausschließlich um die Verteidigung der Stadt und vor allem ihres Palastes, der sich, einer Festung in einer Festung gleich, mitten in der Metropole auf einem Felsen erhob. Pluta freute sich diebisch über ihren Erfolg. Die ominöse Geheimwaffe des Feindes hatte versagt. Und zusätzlich hatte sie etwa drei Dutzend Kriegsgefangene gemacht, die in den Kellergewölben ihres Herrscherhauses nackt an ihren Handgelenken aufgehängt waren und nun auf die reinigende Befragung warteten.

Die Tyrannin warf gedankenverloren einen Bissen Brot vor ihren Thron, wo sich ein kleiner Käfig mit drei ausgemergelten Sklaven befand. Sechs Hände streckten sich wild danach und kämpften um den Brocken. Zwei der drei Männer konnten einen Teil ergattern und hinunterschlingen. Doch bis es so weit war, rangen, boxten und kniffen sich die Leibeigenen um die Gabe, die ihnen so wertvoll war.

Etwas gesitteter ging es im hinteren Bereich des Saals vor sich, wo eine kleine Gruppe Hofdamen ihre „Hündchen“ mit Brocken fütterte. Jede der jungen Damen war in edelste Stoffe aus Seide und Brokat gekleidet und hielt einen bis auf einen Lendenschurz aus einem Baumwolllappen nackten Sklaven an einer Leine, die an seinem Stachelhalsband befestigt war, und gab ihm Befehle wie „Sitz!“ und „Platz!“, „Gib Pfötchen!“ oder „Mach Männchen!“.

Eine Dame mit einem auffälligen Rubinring kommandierte: „“Dreh dich auf den Rücken!“ Der Sklave gehorchte sofort und öffnete den Mund, um seine Belohnung zu erhalten. Kurz darauf hustete er keuchend, und die Damen lachten ausgelassen. Kleine Streiche gehörten zum Zeitvertreib der jungen Ladys. Der letzte Happen war kräftig mit Pfeffer gewürzt gewesen. Die Dame schalt den Sklaven: „Ist dir meine Belohnung nicht gut genug?“ Der Tadel ging dem Leibeigenen durch Mark und Bein. Er befürchtete zur Strafe die kommenden Tage gar keine Mahlzeit mehr zu erhalten, vielleicht im Hungerloch zu landen, und versicherte aufgeregt, wie gut ihm der Happen gemundet habe.

Ein anderer Leibeigener war in ein Narrenkostüm gekleidet und an eine Säule gefesselt. Eine Scherzboldin hatte ihm Rizinusöl eingeflößt. Der Sklave zappelte nervös und bettelte darum, zum Abort laufen zu dürfen. Sollte er seine Beinkleider besudeln, so würde ihn eine drakonische Strafe seiner Besitzerin erwarten. Doch die jungen Damen, die sich um ihn scharten, alberten herum und gossen ihren Spott über den Jammernden aus. Eine der Ladys drehte eine Sanduhr auf einem nahen Tisch um und schmunzelte. „Wenn die Zeit abgelaufen ist, entscheide ich, ob du erlöst wirst...“ Der Narr glotzte entsetzt auf die zwei bauchigen Glaskolben. Es würde ewig dauern, bis alles hinabgerieselt wäre.

Die „Hündchen“ trugen Keuschheitsgürtel, damit sie sich nicht besprangen. Die Hände waren in dicken Fausthandschuhen aus derbem Leder fixiert. In letzter Zeit war es Mode, den Hündchen einen künstlichen Schwanz in den Hintern zu stecken. Einige Besitzerinnen verwendeten dafür besonders geformte Enden, die wie eine Birne im Hintereingang des Sklaven verschwanden, „damit der Schwanz nicht so leicht rausrutscht“, war das offizielle Argument; aber in Wahrheit hatten die Damen besonderen Spaß daran, das dicke Teil zu versenken.

Für das Hündchen war dies eine Tortur. Und nicht nur das Anbringen sorgte für Pein. Die gesamte Zeit über erinnerte der fette Knüppel die Sklaven daran, wer das Sagen hatte.
Unter einigen Hofdamen war der reinste Wettbewerb im Gange, wessen Hündchen das dickste Ende im Hintern hatte. Das führte zwar zu dem Schönheitsfehler, dass sich einige „Vierbeiner“ kaum noch vorwärts bewegen konnten, aber da halfen die Besitzerinnen gern mit der Gerte motivierend nach. Eine kecke Dame, schmiegte sich an ihre Nachbarin. „Ich liebe es, Männer zu peitschen und Ladys zu küssen.“ Und schon ließ sie ihren Worten Taten folgen. Die Ladys hatten beide dem schweren Weine schon fröhlich zugesprochen, und ihre geröteten Wangen sprachen Zeugnis davon.
56. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 12.05.19 00:00

Hallo Prallbeutel, "der Mai macht alles neu"!!Sehr schöne Fortsetzungen...ein Genuss!Herzlichen Dank! Bitte mehr vom Ostreich ,den grausamen Damen und ihren unglückseligen Sklaven ! .......
57. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 24.05.19 18:13


Einem geheimen Bergpfad folgend, stiegen die weiblichen Banditen den Felsenabriss hinunter in die tiefe Schlucht, ohne von der Invasionsarmee bemerkt zu werden. Nach dem anstrengenden und gefährlichen Abstieg folgte der noch mehr Kräfte raubendere Aufstieg. Nach einer Übernachtung in der kahlen Felslandschaft in der gewaltigen öden Erdspalte, tauchte die Gruppe endlich auf der anderen Seite auf und konnte von hier durch einen kleinen Seiteneingang gefahrlos in die Metropole reiten.

Die Stadtbewohner waren wieder aus ihrer Ohnmacht erwacht und konnten nicht so recht begreifen, was geschehen war. Ob die Götter ihnen zürnten? Hatten sie ihnen zu wenige Sklaven geopfert? Hatte es zu wenige „Schmerzgeschenke“ gegeben? Nicht wenige Fräuleins züchtigten ihre Leibeigenen, um die Götter wohlgesonnen zu stimmen. Die große Schlafwolke war überall Stadtgespräch und jeder hatte eine andere Erklärung parat: Ein Fluch der Götter, eine mysteriöse Krankheit, schwarze Magie des Feindes…

Auch Ceres war wieder erwacht und weckte Aphron mit ein paar kräftigen Backpfeifen auf. „Wie kannst du es wagen, vor mir einzuschlafen?“, war Ceres außer Rand und Band. „Umdrehen!“, befahl sie und hieb wütend auf das nackte Gesäß des Liebessklaven ein.

Nach jedem Schlag wurde ihre Laune besser. Die Prügel sowie Aphrons Schreie und Stöhnen erregten sie schließlich so sehr, dass sie darauf erneut mit ihm schlief. „Ich verzeihe dir“, sagte sie gütig und lachte innerlich in sich hinein, als sie auf Aphron ritt, der sein Gesicht jammervoll verzog, weil seine geschundenen Hinterbacken auf dem harten Boden schabten. Aber Ceres wollte ihn jetzt und hier. Sofort. Auf dem marmornen Boden. Männer waren zum Spielen da. Dafür hatten die Götter sie geschaffen.

Eine andere Hofdame wunderte sich, wo der Schlüssel zum Keuschheitsgürtel ihres Bettsklaven geblieben war. Sie ahnte nicht, dass eine Soldatin ihr den Schabernack gespielt hatte, ihn zu stibitzen. Ein Pfeilwurf entfernt warf die Uniformierte ihre Beute in einen Heuhaufen. Auf Nimmerwiedersehen... Ihre Kameradin lachte: „Der Ärmste wird sein Gemächt ab dem heutigen Tage wohl vergessen müssen.“ „Ja“, antwortete die Diebin, „und vermutlich bekommt er auch noch eine saftige Tracht Prügel von seiner Herrin, weil sie denkt, dass er ihn genommen hat.“ „Der junge Mann ist aber zu bedauern“, meinte die andere, und beide fielen in einen gespielten Weinkrampf ein, um kurz darauf ausgelassen zu lachen und sich feixend gegenseitig durch die Straße zu stoßen.

Die Reiterschar war froh, als sie wieder auf ihre Vierbeiner steigen konnte, denn auf dem Pfad in der Schlucht hatten die Frauen die Pferde zu Fuß führen müssen. Abas war sogar erleichtert gewesen, denn zu marschieren war angenehmer als kopfüber auf einem Vieh zu hängen. Doch nun wurde er wieder zu einem Bündel über den Rücken eines Gauls gelegt. Noch schlimmer als der Kopfdruck war die Scham, mit blankem Gesäß durch die Straßen reiten zu müssen: auf dem Bauch liegend, über dem Pferderücken verschnürt wie eine Schweinehälfte, die zum Markt gebracht wurde.

Abas kam in der Hauptstadt des Ostreiches aus dem Staunen nicht heraus: Überall waren Sklaven emsig mit Arbeiten beschäftigt, während die feinen Damen in edlen Gewändern über die blitzblanken Steige schlenderten. Andere Menschen gab es offenbar nicht – entweder war man elender Sklave oder reiche Lady. Weibliche Sklaven hatte er noch nicht erblickt. Der Weg führte die Banditinnen direkt zu einem Sklavenmarkt, wo gerade eine Gruppe Damen eine Anzahl Männer ersteigerte.

„Ich brauche noch ein paar Küchensklaven“, erzählte eine der Damen. Eine andere suchte ein zweibeiniges Pony für ihre Droschke. Die Anführerin der Räuberinnen sprang vom Ross und ging in ein weißes Zelt, aus dem sie bald mit einer Händlerin kam, damit sie Abas begutachten konnte. Es war eine erniedrigende Untersuchung. Die Frau prüfte ihn wie man im Vereinten Reich ein Stück Vieh kaufen würde: Muskeln, Zähne, Augen, Beweglichkeit. Schließlich einigten sich die Damen auf einen Preis, bei dem Abas fast die Augen aus dem Kopf fallen wollten, so niedrig, wie er war. Dafür hätte man nicht eine einzige Wachsstange eines Kerzenmachers bekommen. War er so wenig wert?

Zwei andere Frauen in ledernen Beinkleidern schlossen Abas massive Hand- und Fußschellen um, die mit Ketten verbunden waren. Das Laufen fiel ihm damit nicht leicht, aber die kurzen Peitschen seiner Bewacherinnen sorgten dafür, dass er flotten Schrittes in ein weiteres Zelt stolperte. Dort wurde er in ein langes, schweres Eisen gespannt, so dass er vorgebeugt und breitbeinig auf dem Boden sitzend fixiert war. Eine der Weiber wollte ihm gerade den Kopf scheren, da rief eine andere Dame: „Wartet! Ich kenne den Mann!“ Sie betrachtete den Leibeigenen und sein Gesicht, seine Haare und seine Gestalt.

Die Frau drehte sich zu der Fremden um und hob eine Augenbraue. „Wollt Ihr behaupten, er gehört Euch? Wir haben ihn ganz regelgerecht von einer Reisenden gekauft.“ „Nein“, meinte die Fremde. „Der Mann ist mir nur vom Sehen bekannt. Wenn ich mich nicht täusche, dann ist es der königliche Gemahl der Regentin Leda aus dem Vereinten Reich!“ Die Sklavenhändlerin lachte laut, dreckig, fast schon obszön. „Königlicher Gemahl? Der? Wollt Ihr mir einen Bären aufbinden?“ Sie patschte dem Gefangenen mit der flachen Hand respektlos gegen den Kopf. Aber ihr Gegenüber blickte weiterhin mit ernster Miene auf den vermeintlichen Sklaven.

Leda beriet mit ihrem Alchemisten, was schief gegangen sein könnte. Caduceus war mit wehendem Umhang herbeigeeilt. „Majestät, vielleicht hat Pluta durch Spione von dem Pulver erfahren und Schutzmasken ausgegeben. Anders kann ich mir das nicht erklären.“ Leda schniefte. „Wie sind diese verfluchten Mauern nur zu überwinden?“ Aber ihrem Paladin fiel auch keine Lösung ein. Die Metropole des Ostreiches war offenbar uneinnehmbar. Der ganze Feldzug war infrage gestellt. Sollte sie all ihre Ehre, Würde und Beliebtheit beim Volke verlieren und als Versagerin nach Westen zurückkehren?

Es vergingen drei lange Wochen, in denen die Vereinte Armee den Felsabriss nach einem Übergang penibel absuchte, aber der kleine Bergpfad, auf dem Abas entführt worden war, war so versteckt, dass die Späher ihn nicht fanden. Leda blieb müden Geistes nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. „Wir werden ebenfalls eine Mauer bauen, damit der Feind nicht mehr in die Nähe des alten Grenzflusses eindringen kann. So haben wir zumindest neues Land gewonnen, wenn wir Pluta auch nicht besiegt haben. Und die Tyrannin wird weit in die Ebenen nach Osten ausweichen müssen. Ab heute wird die Metropole eine Grenzstadt sein“, verkündete die Königin vor ihrem Heer und befahl einem Großteil der Armee in die Heimat abzumarschieren.

Auch Leda folgte mit einem Regiment und ihrer Leibgarde. Ihre Sehnsucht nach ihrem Gemahl war groß. Wenigstens war das ein Lichtblick in der Heimat. Ihre besten Soldaten blieben an der Front, um den großen Mauerbau zu planen. Das männerfeindliche Reich war zurückgedrängt worden, und die streitsüchtigen Soldatinnen der Pluta sollten niemals mehr in die Nähe des Vereinten Reiches kommen können, um zu plündern, zu marodieren und zu brandschatzen.

Es war ein beschwerlicher Rückritt für Leda und ihre Männer. Das Wetter sorgte erst für sintflutartige Regenfälle mit starken Gewittern, dann überfiel ein Wirbelwind die Armee und schließlich erbebte die Erde, so dass die Pferde in Panik gerieten und nur unter Anwendung aller Kräfte unter Kontrolle gehalten werden konnten. Die zornigen Götter waren unzufrieden, wie es schien. Forderten sie den bedingungslosen Kampf? Aber Leda konnte und wollte das nicht verantworten.

Kurz vor dem ehemaligen Grenzfluss kam die königliche Reitereinheit mit Leda an einer kleinen Ansiedlung vorbei. Ein recht großes Gebäude stand abseits der anderen Gehöfte. „Was hat es damit auf sich?“, wollte die Regentin wissen und zeigte mit ihrer behandschuhten Hand darauf. Der Zenturio, der neben ihr ritt, räusperte sich und informierte seine Hoheit: „Das war ein Bordell, Majestät.“ Leda wurde neugierig. „Ein Bordell im Ostreich? Ich dachte, dass alle Männer… Oder meint ihr etwa, dass in diesem Freudenhaus Damen bedient wurden?“ Dem Zenturio war die Situation ein wenig unangenehm. Mit der Königin über so ein anrüchiges Thema zu reden, ließ seine Wangen glühen. „Ja, Hoheit.“ Leda wollte sich persönlich überzeugen.

Kurz darauf betrat sie, flankiert von gerüsteten Soldaten, das Etablissement. Leda sah sich interessiert um. „Hier haben also die Ostladys ihre Lust gestillt, wenn ihnen danach dürstete…“ Die Königin betrachtete kleine Käfige, Holzkreuze mit Hand- und Fußschellen, zahlreiche Peitschen und Ruten, die verstreut auf dem Boden lagen, als seien sie in völliger Hast weggeworfen worden. Dann näherte sie sich einer Konstruktion, aus der sie nicht schlau wurde. „Wozu soll diese wunderliche Truhe sein?“, wollte sie wissen. Die Männer um sie herum schluckten und schauten nervös in alle möglichen Richtungen, nur nicht auf den flachen Käfig mit der ungewöhnlichen Holzdecke. Aber Leda ließ nicht locker, bis ein Mann ihr die Funktion erklärte: Der Käfig war wie ein Sarg geformt, in den sich der Lustsklave legen musste; dann wurde sein Gemächt durch einen Ring nach oben durch den Holzdeckel gezogen. Nun konnte sich die Lady auf den prallen Luststab setzen und mit dem Gemächt anstellen, was sie wollte, ohne dass sich der Sklave dem entziehen konnte…

Leda bemerkte, dass die Holzplatte mit vielen Wachsflecken beschmutzt war und wollte die nächste Frage stellen, die sie sich aber im letzten Moment verkniff, weil ihr die Antwort selbst einfiel. „Wir müssen weiter!“, befahl sie und eilte zu ihrem Ross, neben dem ihr Bannerträger auf seinem Falben bereits wartete. Der Trupp entfernte sich zügig. Unbemerkt von den Reisenden, öffnete sich knarrend die Tür einer Geheimkammer in dem Etablissement. Ein zierlicher Mann, nur in einen Lendenschurz gekleidet, lugte in den Innenraum. Die Hufe der Tiere waren kaum noch zu vernehmen. Zwischen seinen Füßen klirrte eine Kette. Die hagere Gestalt hielt eine Eisenreibe in der Hand und begann erneut, an den Gliedern zu feilen.

Am ehemaligen Grenzfluss hielt Leda eine flammende Rede an ihr Gefolge. Die Majestät stand auf einem mannshohen Felsbrocken und schaute auf ihre Kämpfer herab. Sie lobte die treuen Soldaten und betonte, was sie schon alles erreicht hatten. So war dieses Gebiet nun Teil des Nord- und Südreiches. Ihre Recken jubelten ihr zu; nur der plätschernde Fluss schien höhnisch zu lachen. Aber die Ritterschaft hatte vom berauschenden Göttertrunk des Sieges gekostet, so dass sie mit aller Kraft und Überzeugung ihrer Monarchin überall hin folgen würde. Überall waren begeisterte Stimmen zu vernehmen. „Für Leda!“ Der Männerchor wollte kein Ende nehmen.

Nach vielen Strapazen und Gefahren erreichte die gewaltige Streitmacht die Hauptstadt des Vereinten Landes. Inzwischen war auch die kleiner Abteilung um die Königin dazugestoßen. Ein Jubel und Geschrei ertönte in den Straßen, die Menschen feierten ihre Helden. Sie winkten und schrien, hüpften und tanzten. Ein Böttcher hatte sogar einige seiner Eimer und Fässer aufgestellt, um darauf eine bessere Sicht auf die Regentin zu haben. Eine kleine Gruppe junger Frauen spielte Maultrommel, ein paar Burschen sangen ein Loblied auf die Wiederkehrerin. Leda freute sich über ihren Halbsieg und ritt in ihr Schloss ein. Ein königlicher Diener eilte ihr mit bitterer Miene entgegen, um ihr aus dem Sattel zu helfen. „Majestät“, flötete er demütig, und seine Stimme zitterte vor Aufregung. „Es gibt eine schlechte Nachricht.“

Als Leda von Abas´ Abreise erfahren hatte, war ihre Hochstimmung dahin. Sie trank einen ganzen Krug Rotwein leer und schüttelte den Kopf. „Wie konnte er nur so eine Dummheit begehen?“ Vielleicht hatte er geglaubt, tollkühn zu sein, aber er war ein Narr. Wo befand er sich jetzt? Warum war er auf seinem Weg nicht auf das Heer gestoßen? Auch mehrere kleinere Einheiten ihrer Armee hatte das Ostreich durchstreift. Auf irgendeine Truppe musste er doch getroffen sein! Hatte man ihn vielleicht aufgelesen? Aber dann hätte sie inzwischen davon erfahren müssen. Und wenn er von einer der marodierenden Banden verschleppt worden war? Das Lumpenpack würde Dutzende Schatullen mit Gold als Lösegeld fordern. Oder ihn aus Rachsucht foltern und töten…

Als Mann alleine ins Ostreich reiten! Leda schüttelte immer noch den Kopf. Wie konnte Abas nur so leichtsinnig sein!? So eine Torheit! Die Königin suchte Caduceus auf. Vielleicht konnte er in seinem Kristall sehen, wo Abas war. Der Alchemist bereitete sich vor und konzentrierte sich auf den königlichen Gemahl. Rauch von brennenden Kräutern verbreitete einen dichten Nebel und ein intensives Aroma in seiner Kammer, die oben in einem der Türme der Burg lag.

Leda sah aus einiger Entfernung zu, wie Caduceus, die Augen geschlossen, uralte Formeln murmelte. Dann schien ein Krampf durch seinen gesamten Körper zu gleiten. Er zitterte und stöhnte. Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und verklebte seine Haare, als sei er vom bösen Fieber heimgesucht worden, oder böse Dämonen hätten Besitz von ihm genommen. Dieser Zustand dauerte eine ganze Weile an, die der Regentin zur Ewigkeit wurde. Schließlich endete die Anspannung schlagartig, und Caduceus löschte das Feuer.

Er legte ein dunkelrotes Samttuch über den Kristall und kam auf die Königin zu. Leda sah ihn aufmerksam an. Der Alchemist atmete tief durch und verkündete: „Ich habe Euren Gemahl gefunden. Er befindet sich in der Metropole des Ostreiches. Er trug nur eine Art Lendenschurz. Ich habe auch Metall gespürt an seinem Körper. An seiner Hüfte. Kein Gürtel. Auch war es keine Waffe…“ Leda unterbrach ihn: „Äh, das ist nicht so wichtig. Geht es ihm gut? Ist er in Freiheit oder gefangen?“ Caduceus bedauerte: „Leider nein, Hoheit. Er trägt die Ketten der Sklaven. Mehr konnte ich nicht sehen.“ Für Leda brach eine Welt zusammen. Abas in der Gewalt des Feindes! Tränen füllten ihre Augen.

Ihre größten Sorgen wurden wahr: Abas wurde vor Pluta geführt, die hoch auf ihrem prunkvollen Thron saß und ein selbstzufriedenes Antlitz zur Schau stellte. Vor ihr standen zwei stolze Wächterinnen in schwarzrotem Waffenrock, die Abas in den Saal begleitet hatten. Der Gefangene trug eine hinterhältige Fesselung: Die Hände waren an ein Halseisen geschlossen, aber noch viel gemeiner waren die Fußfesseln, die ihm nur Trippelschritte erlaubten. Den Höhepunkt bildete der eiserne massive Ring um seine Hoden, der mit einer kurzen Kette mit den Füßen verbunden war, so dass er nur mit gebeugten Beinen laufen konnte.

Seine Oberschenkel brannten bereits von der Anstrengung, aber auch sein Gemächt schmerzte, denn er konnte kaum verhindern, ab und zu an der Kette zu ziehen, die an seiner Männlichkeit zerrte. Vor dem Thron angekommen, stießen die Wächterinnen ihn grob auf die Knie. „Der Lustsklave der Leda!“, begrüßte Pluta ihn erfreut. „Siehe an!“ Abas stöhnte: „Ich bin kein Sklave!“ Die Tyrannin lachte aus vollem Hals, dass es durch den marmornen Saal hallte. „Ich weiß, wer du bist, Abas. Und du wirst mir auf meiner Ruhestatt gute Dienste tun.“ Pluta nippte an einem goldenen Kelch, der mit Edelsteinen besetzt war. „Hast du Durst?“, fragte sie sardonisch. Abas Gaumen war staubtrocken, die Zunge war aufgedunsen und klebte im Mund, aber er antwortete nicht. Er wollte diesem Teufel in Weibergestalt diese Genugtuung nicht geben.

Pluta wedelte gelangweilt mit der Hand. „Schafft ihn in den Kerker und gebt ihm die übliche Ration für Gefangene.“ Die Wächterinnen nickten zackig und packten Abas unter den Armen, um ihn in stehende Position zu bringen. Um ihn nicht heben zu müssen, trieben sie ihn mit ihren Dolchen an, die sie in seine Gesäßhälften piekten. Stöhnend kam Abas gebeugt auf die nackten Füße und wurde abgeführt. „Einen hübschen Gürtel trägst du da, wie ich an dir erblicke“, lachte Pluta. „Hat Leda ihn dir geschenkt?“ Abas hörte Plutas höhnisches Lachen hinter seinem Rücken hallen. Es wollte gar nicht mehr enden.

Der Gefangene schlurfte in seiner unbequemen Haltung den langen Weg zurück in den Kerker, getrieben von den spitzen Schneiden der Frauen, die sich hinter seinem Rücken hämisch angrinsten, während sie den zuckenden Hintern vor sich her zwangen.

Die Senatorin Alekto erschien zwischen zwei riesigen Marmorsäulen aus deren Schatten. „Edle Pluta, darf ich Euch zu Eurem grandiosen Fang gratulieren? Wollt Ihr Abas als Geisel einsetzen, um Eure Ländereien zurückzubekommen und Leda zu demütigen?“ Pluta rückte sich ihre große goldene Krone zurecht und grinste selbstgefällig. Dann hob sie ihre Augenbrauen. „Nein. Das Vereinte Reich ist stark genug, mir das Land wieder und wieder zu besetzen. Eine Rückeroberung wäre eine reine Sisyphosarbeit.“ Alekto sah ihre Herrscherin fragend an. „Verstehe. Es geht um ein königliches Lösegeld…“ Pluta meinte arrogant: „Glaubt Ihr, ich besitze zu wenig Edelsteine? Zu wenig Gold? Schaut Euch um!“ Alekto deutete eine Verbeugung an: „Verzeiht mir, Hoheit. Aber was soll Euch der Mann dann nutzen?“ Pluta beugte sich auf ihrem Thron vor. „Ist das denn so schwer zu verstehen? Zwischen Leda und Abas lodert wahre Liebe. Abas ist unbezahlbar. Ich werde nicht Ledas Schatzkammer plündern. Ich werde“, sagte sie nun laut, als verkünde sie es vor 30 Soldatinnen, „ihr Herz brechen!“ Durch Alektos Miene ging ein Verstehen. „Er soll sterben. Unter dem Beil des Henkers? Oder wollt Ihr ihn am Galgen ausstellen?“ Pluta grinste. „Nein. Er soll einen langsamen Tod leiden. Ich werde ihn auf eine Galeere schicken.“ Alekto sah die Despotin bewundernd an. „Ihr seit so weise, Hoheit.“
58. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 02.06.19 17:28

Im Anschluss an das Gespräch mit der Senatorin war Pluta nach ein wenig Ablenkung. Sie betrat ihr Harem, wo sie sofort von mehreren hübschen jungen Lustsklaven umgarnt wurde, die um sie buhlten, als hänge ihr Leben davon ab. Jeder wollte auf sich aufmerksam machen, sich im besten und schönsten Licht darstellen. Wer würde heute der Auserwählte sein, dessen Keuschheitsgürtel aufgeschlossen würde? Manche der Männer konnten schon an nichts anderes mehr denken. Auch, wenn Pluta ihre Sklaven beim Liebesspiel demütigte oder sogar schlug, war das alles besser als der unsägliche Druck in ihrer hungrigen Männlichkeit. Einige Liebesdiener waren seit fast sechs Monaten verschlossen, ein paar warteten seit einigen Wochen, andere erst seit wenigen Tagen.

Aber das interessierte die Herrin nicht. Pluta nahm sechs Sklaven in die engere Auswahl, die alles dafür gaben, sich von ihrer attraktivsten Seite zu zeigen. Als die Monarchin vier von ihnen wegschickte, sah sie die tiefe Enttäuschung in deren Gesichtern. Sie spürte, wie es sie feucht werden ließ: Der Gedanke daran, dass die Sklaven weiterhin auf einen Aufschluss warten mussten… Hmmmmm! Das fachte ihren Appetit an. Sollten sie ruhig schmachten. Vielleicht ewig...

Es blieben noch zwei Mannsbilder übrig. Das eine war seit zwei Wochen nicht mehr geöffnet worden, der andere Vergnügungssklave trug seinen Gürtel sogar seit 25 Wochen. Pluta winkte eine der Haremswächterinnen herbei und ließ die Sklaven an zwei Kreuze fesseln. Dann öffnete sie beide Keuschheitsgürtel. „Du bist aber ein hübscher junger Mann“, tat sie einem Sklaven kund, der seit einer halben Ewigkeit keusch gehalten wurde. Pluta strich über sein Gemächt, das sich wild pochend erhob und deutlich wuchs. Dann berührte sie die Männlichkeit des anderen Gefesselten. Auch dessen Luststab schwoll an. „Vor zwei Wochen hatte ich dich in meinem Bett. Ich erinnere mich.“

Dann wendete sie sich wieder dem jüngeren anmutigen Burschen zu. „An dich kann ich mich nicht erinnern. So was! Bei so einem feinen Antlitz. Und so zarter Haut.“ Sie streichelte über seine Wange, seine rasierte Brust, deren Warzen hart und groß wurden, seinen flachen Bauch und seine haarlose Scham. Der Sklave stöhnte vor Lust auf. „Da fällt die Entscheidung nicht schwer“, mokierte sie schmunzelnd. „Wache! Schließt den Knaben hier wieder weg! Sein Gemächt ist winzig. Was soll ich damit?“ Sofort kamen zwei Haremswächterinnen herbei und schlossen den Sklaven in seinen Keuschheitsgürtel. In ihren Augen war Schadenfreude zu erkennen, in den Blicken des Knaben war tiefe Verzweiflung, Angst und auch Scham zu sehen.

Beide Frauen waren nötig, denn der steife Prügel wollte nicht zurück in seinen Käfig. Doch irgendwie zwangen sie ihn hinein. Entsetzt stöhnte der junge Sklave auf und sah Pluta bettelnd und bestürzt an. Eine der Wachen fragte: „Hoheit, wünscht Ihr, dass ich den Sklaven aus dem Harem entferne?“ Pluta sah sie überrascht an. „Aber warum denn?“
Die Frau antwortete: „Ihr sagtet doch, sein Gemächt sei zu klein…“ Pluta lachte. „Er bleibt verschlossen. Und damit hat er seinen Zweck doch erfüllt!“ „Sehr wohl, Majestät“, antwortete die Wächterin, verbeugte sich und befreite die Sklaven von den Kreuzen. Den jungen Mann schubste sie zurück in den Pulk der anderen Männer. Der andere Leibeigene folgte Pluta zu einem großen weichen Bett, auf dem sie vor den Augen aller ihrem Vergnügen nachgehen würden…

Zeitgleich feierte in der Metropole eine junge Dame ihren 18. Geburtstag. Im Ostreich war es unter wohlhabenden Familien üblich, dass Fräuleins zu ihrer Volljährigkeit einen eigenen Sklaven erhielten. Die Lady war überglücklich und ließ den Leibeigenen auf alle Viere gehen und ritt auf ihm einige Runden vergnügt unter dem Applaus der Geburtstagsgäste umher.

Höhepunkt dieser Festlichkeit war üblicherweise die rituelle Brandmarkung. Der Sklave wurde bäuchlings über ein liegendes Fass gefesselt und erhielt der Tradition nach ein Brandeisen mit den Initialen seiner jungen Besitzerin. Wie lange das Geburtstagskind den glühenden Stempel auf das Gesäß presste, war ihr selbst überlassen. Manche Damen hatten fast Mitleid mit ihrem Leibeigenen, anderen war dies völlig gleichgültig, so manchen aber war eine Spur Sadismus anzusehen, wenn sie in Vorfreude auf die Schreie des Sklaven das Eisen aus der Funken sprühenden Glut nahmen und von den Freundinnen lautstark angespornt wurden…

Die Feier war eine große Gaudi, aber noch mehr freute sich die junge Lady auf den morgigen Tag. Wie der Zufall es wollte, war morgen der monatliche „Sündentag“. Für junge Damen im Alter von 18 bis 21 gehörte es zum guten Ton, monatlich ihre Verfehlungen und Sünden der Hohepriesterin im Tempel zu beichten. Zur Buße brachten die Damen ihren persönlichen Sklaven als Sündenbock mit.

Eine Beichte lief so ab, dass die Lady zunächst der Hohepriesterin von ihren Fehltritten erzählte. Die Tempelfrau notierte Namen und Strafhöhe. Später, bei der eigentlichen Buße, setzten sich die Ladys in die Bänke des Tempels der Stadtgöttin. Für ihre Sklaven waren enge Stehkäfige vorgesehen. Dann verlas die Hohepriesterin den Namen der Dame und die Strafe. Die Sünden wurden diskret nicht verkündet. Ihr Sklave wurde von den Tempelhelferinnen zum Altar gebracht und dort bäuchlings festgekettet. Falls er einen Lendenschurz oder andere Kleidung trug, wurde sein Gesäß freigemacht.

Die Hohepriesterin läutete mit der „Sündenglocke“ und sprach: „Sklave. Deine Herrin (Name der Besitzerin) hat gesündigt. Du erhältst (Anzahl der Hiebe) Schläge, auf dass die Sünden bezahlt seien.“ Ein Leibeigener mit einer Knollennase in einer bizarren Livree begann einen Trommelwirbel auf seiner Pauke. Darauf erschienen zwei Frauen in schwarzen Hosen, einer Augenmaske und einem ebenso dunklen Umhang. Die „Hände der Göttin“ wurden sie genannt und teilten mit langen Peitschen die Hiebe abwechselnd aus. Es war bewundernswert, wie exakt die Frauen das Gesäß des Sklaven mit den über zwei Schritt langen Schlaginstrumenten trafen und einen Striemen neben den anderen „brannten“.

Für die jungen Fräuleins war der Sündentag der gesellschaftliche Höhepunkt des Monats. Sie genossen es, der Buße beizuwohnen und wetteten, welcher Sklave nach wie vielen Hieben anfing zu schreien. Die feinen Damen schämten sich ihrer Laster und Verirrungen in keiner Weise. Im Gegenteil: Es war Mode, sich mit der Anzahl der Hiebe zu brüsten, die der eigene Sklave erhalten hatte. Eine besonders hohe Anzahl galt als schick. Dabei halfen die Maiden auch gerne mal mit gespaltener Zunge und erfundenen Delikten nach, um die Strafe in die Höhe zu treiben, aber das würde keine von ihnen jemals zugeben.

Die zweiflügelige Tür des Thronsaals im Vereinten Reich öffnete sich, nachdem ein Diener den Gast angekündigt hatte. Der Mann wurde vor Königin Leda geführt: Der Hauptmann ihrer Armee trug eine Tunika mit kunstvoll gestickten Ornamenten und darüber einen Gürtel in dem ein Signalhorn steckte. Er kniete sich auf ein Bein nieder und verbeugte sich: „Majestät, ich möchte mein Gewissen reinigen…“ Die Regentin wies ihn an, sein Antlitz zu erheben und erkannte… „Lykos!“ Der Hauptmann bat um die Erlaubnis, frei zu sprechen, die ihm gewährt wurde.

Er berichtete Leda die ganze Wahrheit und schloss fatalistisch voller Inbrunst mit den Worten: „So schenkt meinem Herzen Eure Klinge, denn ich habe sie verdient.“ Er riss theatralisch seinen Uniformrock auf und zeigte seine nackte Brust. „Doch wenn Ihr mir noch die Möglichkeit zur Buße geben wollt, dann schickt mich mit einer Gruppe ins Ostreich, um Euch Euren Gemahl aus den Klauen der Pluta zu retten.“

Leda atmete tief durch. Sie war bereit, dem Mann zu vergeben, der nun in ihren Diensten stand und früher der bösen Megara willig gewesen war. Doch konnte sie von einem Untertan verlangen, sich in solch große Gefahr zu begeben, das Ostreich zu bereisen und Abas zu finden? Leda antwortete schließlich: „Ich akzeptiere Eure Beichte. Ich will Euch nicht zürnen. Ihr seid ein braver Hauptmann, der bereits gute Verdienste erworben hat. - Aber wie wollt Ihr als Mann unbeschadet durch das Frauenland reisen?“ Lykos zeigte ein feines Lächeln. „Wenn Ihr erlaubt, Hoheit, habe ich mir darüber bereits Gedanken gemacht und bin zu einer Lösung des Problems gekommen…“ Die Königin lauschte den Worten des Hauptmannes und nickte andächtig. „Das könnte von Erfolg gekrönt sein…“

Drei Tage später trabte ein Trio aus verschleierten Frauen in langen Gewändern auf stolzen Rössern aus der Festung der Leda, auf dem Weg nach Osten. Lange Zeit blieben sie unbehelligt, denn viele Meilen im ehemals feindlichen Gebiet waren von der Vereinten Armee befriedet worden. Die Frontlinie war weit nach Osten verlagert worden. Der Landstrich war verheert und wies nur allzu deutliche Spuren von Mordbrand und Kampf auf.

Nach einer mehrtägigen Reise erreichten sie die neue Grenze, die von einem Erdwall, der von einem spitzen Palisadenzaun gekrönt wurde, eingefasst war. Mit den königlichen Passierscheinen des Trios kamen sie an den Wachtruppen vorbei und wurden sogar noch einige Meilen begleitet. Doch dann verließ ihre Eskorte die drei Damen und kehrte zurück zur Grenzbefestigung. Es war nicht mehr weit bis zur Metropole des Ostreiches. Es dauerte nicht mehr lange, da trabte dem Trio eine Reiterschar entgegen. Die Frauen, die alle Lederhosen trugen, fielen durch ihre hohen Stiefel auf, die bis über die Knie reichten. Auch ihre dicken aus Leder bestehenden Westen und die langen Haare, die zu einem dicken Zopf geflochten waren, fielen den Reisenden auf.

Die Anführerin der Reiterinnen fragte: „Ho! Wer seid ihr? Und was ist Euer Begehr?“ „Mein Name ist Lyka, und wir sind reisende Händlerinnen“, sagte der Hauptmann inkognito mit hoher Stimme. Die Anführerin fragte misstrauisch: „Und womit handelt ihr? Ich sehe keine Waren.“ „Was geht Euch das an? Seid Ihr von der herrschaftlichen Miliz, dass Ihr uns ausfragt?“ Die Anführerin räusperte sich und spukte aus. „Wir sind Freie, die tun und lassen, was sie wollen.“ Lyka antwortete: „Und genau das werden wir auch.“ Damit trabte sie mit ihren Begleiterinnen an der Reitergruppe vorbei Richtung Stadtmauer, die in der Ferne schon zu sehen war und in der Hitze zu flimmern schien. Lykos wischte sich den Schweiß ab. „Das war knapp. Lasst uns schnell in die Metropole einreiten.“ Die Soldatinnen, denen ein Stein vom Herzen gefallen war, folgten ihrer Lyka.

Im Vereinten Reich gab es nicht viele Weiber in Uniform. Vor einigen Jahren, als Leda noch Soldatin war, galt sie als seltene Ausnahmeerscheinung. Inzwischen war immerhin jeder zwanzigste Soldat in ihrem Heer weiblich. Lykos hatte zwei ausgezeichnet ausgebildete Söldnerinnen bei sich, die ihm im Nahkampf in nichts nachstanden. Der Begriff „Söldner“ war hier nicht ganz passend, denn die Frauen hatten ihrer Königin Treue bis zum Tod geschworen – und würden diesen Eid auch halten. Sie waren nicht mit Freischärlern und abenteuersuchenden Trunkenbolden zu vergleichen.

Je näher sie der kolossalen Stadtmauer kamen, desto gewaltiger und geradezu überwältigender wirkte sie. Wie hoch mochte sie sein? Kein Wunder, dass Ledas Armee sie nicht bezwungen hatte. Und auch das Haupttor war so groß und dick und großteils aus Eisen, dass Lykos sich wunderte, dass es überhaupt zu bewegen war. Eiserne, spitze Dornen, lang wie Unterarme, stachen am Eingang hervor. Als das Trio hindurchritt, sah es die mächtigen Ketten und Winden, die den Eingang öffneten und verschlossen. Trotz der ausgetüftelten Mechanik über massive Zahnräder benötigte die Konstruktion für jeden Flügel der Tür vier starke Ochsen. Eine mürrische Stadtwache erklärte ihnen auf Nachfrage, dass der Zugang zur Metropole nicht immer so gesichert gewesen sei. „Früher hatte ein Fallgitter gereicht, aber seit der Feind vor den Toren steht…“

Den Amtssitz der Pluta verließen heutzutage nur Menschen, die es aus wichtigen Gründen mussten – zumindest Richtung Westen. Daher blieb das gigantische Tor fast immer geschlossen. „Lyka“ konnte ihr Erstaunen kaum verhehlen: Als tauchte sie in eine völlig neue Welt, flanierten dort Edeldamen in bauschigen Kleidern aus Brokat und Seide auf Marmor an den Straßenseiten entlang, und Männer, oft nur mit einem spartanischen Lendenschurz bekleidet, dienten als Putzsklaven, als Sänftenträger, sogar als Kutschpferde…

Lyka starrte auf die menschlichen Gäule: Sie waren in ein spezielles Geschirr eingespannt und wurden mit einer langen Peitsche angetrieben. An den Füßen trugen sie Stiefel, aber ansonsten waren sie völlig nackt. Die Kutscherin knallte das lange Leder auf die bereits gestriemten Rückseiten der Sklaven, die sich stöhnend in Bewegung setzten. Lykos schüttelte den Kopf. Warum tat die Besitzerin den Sklaven so etwas an? Wenigstens einen Lendenschurz hätte er erwartet. Die Peitsche knallte erneut, und das Gefährt beschleunigte die Straße entlang.

„Sollten wir nicht zunächst eine Unterkunft finden?“, fragte eine der Söldnerinnen und riss Lykos aus seiner Starre. „Ja“, stimmte er nickend zu. Das Trio ritt im Schritttempo weiter bis zu einem Gasthaus und ließ die Pferde von einem Knecht versorgen – offenbar auch ein Sklave, dachte Lykos. So unterwürfig, wie er sich gab. Erst jetzt bemerkte er bei dem Stallburschen die Fußreifen aus Eisen. Zwischen ihnen verlief zwar keine Kette, aber sie konnte dort an zwei Ösen angebracht werden. Ob er die Nächte angebunden an eine Mauer verbringen musste?

Die Inhaberin der Unterkunft bot den Damen drei Einzelstuben an, die überraschend luxuriös ausgestattet waren. Lyka verriegelte die Tür von innen und war froh, sich endlich den Schleier abnehmen und sich erfrischen zu können. Dringend musste auch der Bartschatten nachrasiert werden. Als er gerade aus dem Badezuber gestiegen und sich mit einem großen Tuch abgetrocknet hatte, klopfte es vorsichtig aber bestimmt an der Tür. Hastig legte Lykos seinen Schleier wieder an. „Herein“, rief er.

Ein Jüngling erschien schüchtern und mit gesenktem Kopf. „Edle Dame“, begann er verlegen, „die Wirtin schickt mich als Willkommensgeschenk des Hauses.“ Lykos verstand im ersten Moment gar nicht, was das zu bedeuten hatte, doch dann ahnte er, dass er einen Lustsklaven vor sich hatte. „Bringt mir ein Fässchen Rum“, antwortete Lyka, „damit wir unsere Zweisamkeit auch richtig feiern können.“ Der junge Mann gehorchte sofort und flitzte los, um das Gewünschte zu besorgen.

Wenige Minuten später war er wieder da. Lykos überlegte, wie er unauffällig den Lustjungen loswerden konnte. „Besuche meine Begleiterinnen. Anschließend kommst du zu mir. Ich muss mich erst in Stimmung bringen.“ Der Sklave verließ unter tiefen Verbeugungen die Kammer und suchte gehorsam die Soldatinnen auf. Etwas irritiert kehrte er jedoch frühzeitig zurück. „Oh, edle Dame. Eure Begleiterinnen möchten nicht gestört werden. Ich stehe nun Ihnen zu Ihrer alleinigen Verfügung.“

Das Lächeln der angeblichen Lyka gefror. „Gut. Äh…., trink doch erst mal einen Krug mit mir.“ Der Jüngling setzte sich nach einer Aufforderung neben die Schleierfrau. Er nippte an dem scharfen Gebräu. Nur selten durfte er Brandwein trinken. Die wohlige Wärme, die sich in seinem Magen ausbreitete, war angenehm. Er trank mehr und fragte sich gleichzeitig, warum die Dame selbst hier in ihrer Kammer den Schleier trug. War sie so hässlich oder würde ihn ihre Schönheit blenden? Hoffentlich das zweite! Doch statt den Stoffbehang zu lüften, goss sie ihm wieder und wieder den Krug mit Rum voll und stieß mit ihm an. Insgeheim schüttete Lykos jede zweite seiner Portionen in den Nachttopf.

Bald schon war der junge Mann, der keinen Alkohol gewohnt war, so betrunken, dass er nur noch lallte und seine Augen kaum noch offen halten konnte. Plötzlich kippte er nach einem Rülpser zur Seite und blieb ohnmächtig liegen. Zufrieden grinste Lykos und legte den Schleier ab. Vor dem Morgen würde der Jüngling nicht erwachen. Nun stand seiner Bettruhe nichts mehr im Wege.

Am nächsten Tag machten sich „Lyka“ und ihre beiden Gefährtinnen an die Arbeit: die Suche nach dem entführten königlichen Gemahl Abas…

An diesem Tag trafen sich endlich Ceres und Phoibe wieder. Obwohl sie schon längere Zeit in der Metropole verbracht hatten, waren sie sich bisher nicht über den Weg gelaufen. Doch heute hatte Ceres zufällig ein Gespräch einer Lady mitbekommen, die von einer Dame aus dem Westen erzählte, die einen Sklaven besaß, der ebenfalls ursprünglich aus dem Westen stammte – eine Seltenheit und daher besonders kostbar. „Natürlich müssen solche Männer anfangs deutlich strenger erzogen werden“, wusste die mit ihrem Fächer wedelnde Frau, „denn sie kennen ihre Position in der Gesellschaft noch nicht. Aber mit einer harten und konsequenten Hand macht man aus ihnen wunderbare Spielzeuge oder auch Arbeiter.“

Ceres fragte, wie denn die gewisse Dame hieße, und da erwähnte die Frau Phoibes Namen. Sie wusste sogar deren Unterkunft. Also führte Ceres Weg zu ihrer Bekannten.
Die beiden Ladys begrüßten sich beim Wiedersehen mit leidenschaftlicher Umarmung und beschlossen, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen. Ceres stellte ihren Liebessklaven Aphron vor, den Phoibe ein wenig neidisch betrachtete. „Er scheint mir ausgesprochen gut bestückt zu sein“, dachte sie und sah vorwurfsvoll zu Nereus.

Nereus dagegen stellte missgünstig fest, dass Aphron keinen Keuschheitsgürtel trug. Als Phoibe dies ebenfalls feststellte, lachte Ceres: „Aphron ist ein Sklave aus dem Reich der Pluta.“ Sollte das eine Erklärung sein? Phoibe sah fragend zu ihrer Freundin. Ceres begründete ihre Aussage. „Aphron ist gut abgerichtet. Er würde es niemals wagen, ohne meine Erlaubnis sein Vergnügen zu suchen. Sein einziger Daseinszweck ist, mir zu dienen und mich zu erfreuen.“ Sie lächelte allerliebst und sah zu ihrem Liebessklaven, der demütig zu Boden blickte. Das süße Leben als Dame im Ostreich war wirklich nicht zu verachten. Wenn genug Taler vorhanden waren…

So langsam ging dem Damenduo jedoch das Zahlungsmittel aus, so dass Nereus und Aphron für Nachschub sorgen mussten. Das stellte sich allerdings als schwieriger heraus, als geplant, denn in einem Frauenreich, in dem Männerarbeit fast nichts kostete, konnte man mit zwei Sklaven kaum Geld verdienen. Selbst wenn Aphron und Nereus täglich von früh bis spät geackert hätten, wäre ihnen nur genug geblieben, um ein armseliges Dasein zu fristen, ganz zu schweigen von dem exklusiven Lebensstil der Damen, der finanziert werden wollte.

Selbst in den zahllosen Bordellen wurde den Leibeigenen nur ein Hungerlohn ausgezahlt. Um also ein gutes Auskommen zu haben, benötigte Frau eine kleine Kompanie an Sklaven, die beispielsweise mehrere Felder bearbeiteten oder in einer Fabrik schufteten. Ceres und Phoibe hatten nicht mehr genug Gold für eine Batterie Sklaven, obwohl Männer im Ostreich keinen großen Wert darstellten. Was also tun? Notfalls mussten sie sogar selbst in einen Dienst gehen, um Münzen zu verdienen. Doch galt das in der Metropole für eine Dame für nicht schicklich. Es sei denn, es waren hoch bezahlte Führungspositionen, zum Beispiel in der Miliz oder im Palast. Aber im Kriegshandwerk hatten weder Ceres noch Phoibe Erfahrung.
59. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 08.06.19 12:33

Am nächsten Tag fragten sie daher bei der bekanntesten Sklavenhändlerin nach einer Beschäftigung. Die hart wirkende Frau nannte sich Flagella und war berühmt und berüchtigt dafür, eine noch härtere Hand gegenüber ihrer wohlfeilen Ware zu üben. Allerdings sorgte das auch dafür, dass sie in der Metropole eine formidable Reputation als Verkäuferin von perfekt abgerichteten Sklaven hatte. Dadurch verkaufte sie mehr Männer als jede andere Sklavenhändlerin weit und breit.

„Ich habe derzeit mannigfaltige Ware, dass ich in der Tat einige neue Erzieherinnen benötige. Sprecht! Habt ihr denn schon solch Kreaturen ausgebildet?“ Da mussten die beiden Damen verlegen ihre Gesichter verziehen. Selbst erzogen hatten sie Frischware noch nicht. Flagella versuchte es trotzdem: „Ihr könnt morgen anfangen. Aber eure privaten Diener bleiben zu Hause. Für Anfängerinnen zahle ich pro Woche nur den halben Lohn. Ich stelle euch eine meiner Mitarbeiterinnen zur Seite, die euch anlernt.“

Phoibe und Ceres waren sehr zufrieden. Sie unterschrieben mit dem in Tinte getränkten Gänsekiel, den Flagella ihnen reichte, das Pergament, auf dem der Arbeitskontrakt formuliert war. Morgen sollte es also beginnen – ihre Ausbildung zur Sklavenerzieherin. Das wollten sie in der Schenke bei Lautenmusik und Wein feucht-fröhlich feiern.

Im Vereinten Reich war von der düsteren Atmosphäre des Ostreiches nichts zu spüren. Sklavenhaltung war generell verboten. Stattdessen waren die Menschen frohen Mutes, und niemand musste Hunger oder Durst leiden. Für die Ärmsten der Armen standen Ledas großherzige Spenden zur Verfügung. Bedürftige erhielten kostenlose Zehrung.

Neben Bettlern und mittellose Jungfern waren darunter auch Aussätzige, die in braunen einfachen Roben durch die Lande zogen und sich außerhalb der Siedlungen aufhielten, um ihr karges Dasein zu fristen, bis der Dämon des Todes sie in sein Reich holte. Diese armen Menschen litten unter unheilbaren Krankheiten oder Flüchen und mussten mit einer Glocke andere Reisende warnen, ihnen zu nahe zu kommen.

Manche der armen Kreaturen überdeckten ihre aasigen Gerüche mit Räucherwerk, andere lagerten bei den verdammten Quellen mit ihren fauligen Dämpfen. Trotzdem ließ Leda ihnen vom Gesinde Körbe mit Mahlzeiten bringen, die sie an bekannten Orten ablegten. Einen direkten Kontakt wagten sie nicht, denn die Aussätzigen umhauchte eine Wolke aus den Tiefen der Unterwelt. Wer sie berührte, ging den gleichen Weg ins Verderben.

Ganz anders war die Situation weiterhin im Ostreich: Während die Ladys um Pluta rauschende Feste im Ballsaal gaben, darbten und schufteten Sklaven, litten unter der Folter in den Kerkern und Hungerlöchern der Tyrannin oder arbeiteten sich für ihre Herrinnen krumm. Auch heute feierten die hohen Damen ein luxuriöses Bankett voller Dekadenz. Vor den Palasttoren bettelten Sklaven derweil um einen Brocken alten Brots und wurden mit Peitschenhieben von den Wächterinnen unter lautem Gelächter vertrieben. Im Festsaal dagegen warfen die Ladys mit teuersten und exquisiten Speisen nur so um sich. Die Reste gingen an Bedienstete und die Wach- und Jagdhunde.

Ein Sklavenchor in bizarrer Gewandung – eine Korsage mit Schrittband - trat auf und sang Lobeslieder auf die ehrwürdige Pluta sowie die verdiente Herrschaft der Frauen über die niederen und unwürdigen Männer dieser Welt. „Haben sie nicht hübsche hohe Stimmchen?“, kicherte eine Edeldame entzückt. Doch nach einer Weile verstummten die femininen Sänger, und auch die Musik unterbrach ihr Spiel aus Harfe, Flöten und Trommel, Laute und Drehleier auf einen Wink der Herrscherin.

Nun folgte ein lustiges Spektakel aus zwei Narren. Die Tollpatsche wurden hereingeführt. In alberne Kostüme gekleidet, die jedoch ihre Gemächte frei ließen, gaben sie sich auf ein Schellenkommando abwechselnd Ohrfeigen. Dabei klingelten die Glöckchen an ihren Narrenkappen. Die Damen, die vergnügt dem Treiben beiwohnten, steckten an den Tischen kichernd und teilweise auch jubelnd ihre Köpfe zusammen. Hatten die kleinen Männer etwa harte Luststäbe? Offenbar waren sie erregt… Es ging die Runde, eine der Edelfräuleins hätte schon einen Narren unter ihrem Laken begrüßt, doch was dort geschehen war, darüber gab es nur weitere Gerüchte, die ins Kraut schossen.

Bald schon wussten die Faxenmacher nicht mehr, wo oben und unten ist. Aber die Schläge setzten sich fort, bis einer der Sklaven mit knallroten Wangen schwindelnd umkippte. Eine Wächterin versuchte ihn mit der Spitze ihrer Hellebarde wieder zu beleben. Bald sprang der Mann auf und drehte sich taumelnd im Kreis. Er knickte wieder ein und erhielt unter dem Gejohle des weiblichen Publikums einen kräftigen Tritt von seinem Kumpan in den Allerwertesten, der um ihn herumtanzte wie ein verrückter Derwisch.

Als der zu Boden gegangene Narr sich umdrehte, klatschte ihm der Konkurrent eine Schüssel mit Feigenmus ins Gesicht. Lautes Lachen brandete auf. Jetzt stürzte sich der getroffene Spaßmacher auf seinen Widersacher, umklammerte ihn und hob ihn hoch. Dann löste er seinen Griff und wollte ihm einen Kinnhaken verpassen, doch der Gegner wich aus und versenkte seinen Fuß im Gemächt des anderen.

Jaulend sank er auf den Boden zurück, während sich der Erste als Sieger feiern ließ und wie ein dressiertes Äffchen durch die Gegend sprang und die Arme hob. Er warf sich auf den Liegenden und versetzte ihm weitere Ohrfeigen, so dass die Schellen nur so klingelten und schepperten. Die beiden kleinen Sklaven rangen und boxten nun aufeinander ein. Ganz zur Belustigung der Zuschauerinnen. Einer der Beiden jaulte auf, als er einen Schlag auf die Nase bekam.

Angeheitert begannen nun die ersten Damen mit Lammkeulen, Bratäpfeln, Salbeifladen und Lachs in Biersud zu werfen. Bald waren die Kämpfenden in einem Matsch voll Speisen eingesaut und prügelten weiter auf sich ein, obwohl sie ihre gute Laune nicht zu verlieren schienen. Kniffe und Puffe austeilend rangen die Narren auf dem klebrigen Boden im Essensbrei und jammerten abwechselnd hell und laut über die Treffer, die sie sich schenkten.

Pluta strahlte über das ganze Antlitz. Die Blödlinge waren gut abgerichtet. Sie würden so lange aufeinander einhauen, bis sie den Kampf abbrach. Inzwischen waren alle Hemmungen bei den edlen Ladys gefallen, und sie warfen mit allem, was sie auf den Tischen fanden: Ochsenfleischbrühe, Hagebuttensuppe, Dinkelbrei, diverse Bratenscheiben, schließlich auch mit Met, Wein und Gewürzen. Der Saal ähnelte bald einem einzigen Trog voller Brei und Brocken. Die Damen spielten verrückt. Alle Beherrschung war gefallen, sich vornehm oder nach irgendwelchen gesellschaftlichen Regeln zu benehmen. Animalischer Instinkt war durchgebrochen.

Während einige Ladys noch die kämpfenden Narren anfeuerten und sie kreischend mit Gemüse und Obst bewarfen, waren sich einige Damen in die Arme gefallen und küssten sich leidenschaftlich. Manche lagen mit gerafften Kleidern auf den Bänken, andere hatten es sich gleich auf dem langen Tisch gemütlich gemacht und alles weggefegt, was im Weg gestanden hatte. Der Wein und die aufgeheizte Stimmung ließ sie alle Zügel fallen. Auf Plutas Befehl brachten einige Wächterinnen etwa 20 Liebessklaven in Lederharnischen herein. Die Damen rissen sich um die schönsten Männer und begrabschten sie gierig. Die Tyrannin sah dem Treiben selbstgefällig zu.

Ach, die süße Jugend, schwärmte sie. So verspielt und fröhlich!

Pluta selbst zog sich zurück. Irgendwann würden die Jecken entkräftet liegen bleiben, und irgendwann würden die jungen Damen genug von ihrer Orgie haben. Sollten sie sich ruhig austoben. Sie lebten nur ein Mal! Die Herrscherin gab der obersten Wache die Anweisung, die Liebessklaven nach Gebrauch sofort wieder in ihre Keuschheitsgürtel zu verschließen und sie zurück in das Palastharem zu bringen – nicht zu verwechseln mit dem privaten königlichen Harem der Regentin. Diese prachtvollen Männer gehörten nur ihr allein. Und dorthin wollte sie sich nun begeben, um den Tag ausklingen zu lassen.

Sie ließ sich von den Haremswächterinnen zu den Liebessklaven führen. Schon drängten sich die Männer um ihre Herrin – natürlich mit respektvollem Abstand. Eine unerlaubte Berührung wäre eine Todsünde gewesen. Jeder wollte aufgeschlossen werden. Pluta suchte fünf Sklaven aus. „Einer von euch wird heute seinen Stab in die Königin senken dürfen“, versprach die Tyrannin. Die Sklaven waren Feuer und Flamme und buhlten mit Blicken und Bewegungen um die Gunst der Herrin. Wen würde sie wählen? „Die Wahl fällt auf denjenigen, der am schnellsten die Pflockbank bewältigt“, bestimmte sie mit einem diabolischen Gesichtsausdruck.

Die Gesichter der Fünf waren schlagartig nicht mehr so erfreut. Die Pflockbank kannten sie bereits aus der Erzählung anderer Liebessklaven. Die Wächterinnen brachten fünf lange schmale Eichenbänke ohne Rückenlehne herein und stellten sie alle parallel zueinander auf. Pluta positionierte sich an das eine Ende, während die Sklaven sich jeder vor das andere Ende einer der Bänke stellen musste. Das Besondere an der Pflockbank war, dass auf der Sitzfläche in bestimmten Abständen ein Holzphallus nach dem anderen folgte. Insgesamt waren es sieben Stück, die der Reihe nach größer und größer wurden.

Aufgabe der Sklaven war nun, sich breitbeinig auf den ersten, gebutterten Stab zu setzen, dann auf dem zweiten Platz zu nehmen und so fort. Erst wenn die Gesäßbacken die eigentliche Sitzfläche berührten, durften sie sich wieder erheben und den nächst größeren Pflock in sich hineinrammen. Beim letzten Mal war einer der Jünglinge steckengeblieben und musste später hochgezogen werden. Ein Heidenspaß, wie er gequiekt und gegrunzt hatte.

Hinter Pluta befand sich ein kleiner aber bequemer Thronsitz. Dort nahm sie Platz und lächelte die Sklaven an. „Der Erste wird geöffnet und wird Einlass in mein Bettgemach finden. Der Letzte wird sechs Monate ohne Unterbrechung in den Keuschheitsgürtel weggesperrt. Und alle, die länger als einen Durchlauf meiner Sanduhr benötigen, werden meine neueste Peitsche kosten. Glaubt mir: Meine Peitsche ist sehr hungrig!“ Lachend drehte Pluta die große Sanduhr, die neben ihr stand, um und befahl mit ihrer scharfen Zunge: „Fürbass! Beginnt!“

„Lyka“ hatte inzwischen mit ihren beiden Gefährtinnen Hinweise erhalten, dass Abas in den Kerkerturm am Hafen der Ostküste gebracht worden war. „Was Pluta damit wohl bezweckt? Will sie ihn etwa als Galeerensklaven auf ein Schiff bringen?“, fragte sich Lykos. Dort wäre er kaum zu erreichen. Eine Befreiung von einer Kettenbank schien unmöglich. Abas würde nicht lange genug die Peitschen der Antreiberinnen ertragen, um ihn zu retten.

Die Dämmerung brach ein, und die Drei konnten sich unauffällig dem alten Turm nähern, der zwischen der Hafenmole und einem Anger lag. Es gab nur ein einziges kleines vergittertes Fenster. Und das war in etwa 15 Fuß Höhe. Mit einem Zeichen schickte Lyka die verkleidete Soldatin Helena in die eine Richtung um den Turm, um etwaige Wachen auszukundschaften; die andere Frau hieß Abraya und sollte in der anderen Richtung um die kleine Feste schleichen, bis sie auf ihre Kameradin stieß.

Lyka hingegen lüftete ihren Umhang und holte ein Seil mit einem Haken hervor, den sie geschickt schwang und mit einer genau berechneten Bewegung in die Höhe warf, so dass sich das Metall klickend mit einem Ruck an dem Fenstergitter verhakte. Aufmerksam horchte Lyka, ob Geräusche zu hören waren. Aber alles blieb still. Kraftvoll umfasste Lyka den Hanfstrick und zog sich langsam an dem gespannten Tau am Mauerwerk hoch. Schnaufend erreichte Lyka das Gitter und lugte in das dunkle Innere. Plötzlich erschien direkt vor seinem Gesicht eine Frau.

Lykos schrie erschrocken auf und vergaß, wie eine Frau zu klingen. Beinahe hätte er das Seil losgelassen und wäre in die Tiefe gestürzt. Hatte ihn eine Wächterin erwischt? Mit einem quietschenden Geräusch, das ihm in den Ohren geschmerzt hätte, wäre er nicht so erschrocken gewesen, öffnete sich das Gitter nach innen. Dann griffen zwei Hände zu und zogen ihn mit Mühe durch den engen Durchlass. Lykos´ Umhang rutschte ihm über den Kopf und eröffnete der Fremden den Blick auf seine Hose, die er unter dem langen Kleid trug sowie der Ausbeulung in seiner Hose. Seine Tarnung war aufgeflogen! Jetzt war alles aus!

Da erkannte er die Stimme von Helena: „Leise! Hier ist zwar niemand, aber der andere Turm ist nicht weit.“ Lykos befreite sich mit paddelnden Armen von dem Umhang über seinem Gesicht und kam sich wie ein Narr vor. Offenbar waren die Soldatinnen durch den Eingang in den Turm gestiegen. Sie waren auf keine Wachen und nicht mal ein Schloss an der Tür gestoßen, weil der Turm verlassen war. Als Kerker verwendete die Miliz einen anderen etwas größeren Bau, den die Drei in der Dunkelheit zunächst nicht gesehen hatten.

Abraya war bis auf das Dach des Turms geklettert und hatte den Bau erspäht. Gerade kam sie zu Lykos und Helena zurück und meldete: „Acht Wachen am Eingang. Fenster konnte ich gar keine sehen. Vielleicht ist auf dem Dach ein Gitter. Aber wie sollen wir acht Soldatinnen überwältigen – so leise, dass es niemand hört. 150 Fuß weiter sitzen – so müsst Ihr wissen - noch mindestens zwei Dutzend weitere gerüstete Frauen in einer Taverne.“

Lykos grübelte. „Ein Angriff wäre zu riskant. Wir müssen zunächst herausbekommen, auf welches Schiff Abas gebracht wird. Dann melden wir uns dort als Wachen. Ich habe gehört, dass sie weibliche Besatzungsmitglieder suchen.“ Der Plan war unausgegoren, aber auf die Schnelle fiel ihnen nichts besseres ein. Die restliche Nacht blieb das Trio auf dem Turm, denn ein Rückzug war nun nicht mehr möglich, da ein Pulk Soldatinnen sich in der Nähe des Eingangs niederließen, tranken, Kriegslieder sangen und männerfeindliche Witze rissen.

Die Zoten wurden mit zunehmender Stimmung immer vulgärer. Trotzdem blieben noch genügend Frauen aufmerksam genug, so dass das Trio sich nicht aus seinem Versteck traute. Um den Turm hatten die Gruppen Fackeln entzündet, und zwei Lagerfeuer brannten laut knackend in der Nähe, über denen sich Bratenspieße drehten. Dem Dreiergespann zog der verführerische Geruch des Wildfleisches in die Nase.

Nach einer weiteren Stunde waren Lykos, Helena und Abraya unter einem blutroten Vollmond eingenickt, doch dann wurden sie von lautem Gejohle, Gelächter und Gebrüll geweckt. Lykos lugte über die Zinne des Turmdaches hinunter, was da vor sich gehen mochte. Die Soldatinnen hatten zwei breite Bahnen mit glühenden Kohlen verstreut. Zwischen dem heißen Untergrund verlief eine schmale Spur von etwa zwei Handbreit. Auf dem engen Weg balancierten vier nackte Sklaven, die mit einem langen Stab, der an ihren Halseisen befestigt war, miteinander verbunden waren.

Mehrere Soldatinnen hatten sich außerhalb der leuchtenden Kohlen entlang der Bahnen aufgestellt und versuchten nun mit langen Spießen, Stäben und Hellebarden die Männer aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dabei pieksten, schlugen und stießen sie schräg von hinten, damit sich das Quartett vorwärts bewegen musste. Taumelnd versuchten die Sklaven verzweifelt, auf der Bahn zu bleiben. Als die Männer das Ende erreicht hatten, zwangen die Frauen sie, den gleichen Weg zurück. Dieses Spiel wiederholte sich mehrmals. Immer, wenn die Sklaven schrieen, weil einer der acht Füße auf die Glut trat, krümmten sich die Zuschauerinnen vor Lachen und spornten die Frauen mit den Lanzen an, die Sklaven weiter zu treiben.

Lykos war sprachlos angesichts dieser Grausamkeit. Und das alles nur zur Belustigung der gelangweilten Soldatinnen! Trotzdem beobachteten die Drei aus dem Vereinten Reich das Geschehen weiter, das nun noch bizarrere Formen annahm: Jetzt wurden die Leibeigenen so gefesselt, dass die Handgelenke an den Fußgelenken des Vordermannes befestigt waren. So bewegte sich der kleine Tross im ungelenken Gleichschritt die gefährliche Bahn zwischen der Glut hindurch und wurde mit Stöcken der Frauen angetrieben.

Plötzlich kam eine Uniformierte, die offenbar einen hohen Rang innehatte, herbei geeilt. Lykos vermutete, dass die Frauen für ihren gemeinen Zeitvertreib nun getadelt würden. Und tatsächlich wies die Autoritätsperson die Soldatinnen an, die Sklaven von der perfiden Fesselung zu lösen. Doch dann hörte Lykos, warum sich die Vorgesetzte beschwerte: Sie hatte festgestellt, dass einer der Sklaven noch kein einziges Mal die Kohlen berührt hatte, weil sein Gleichgewicht besonders ausgeprägt war. Nun sollte auch dieser Mann zu seinem Lohn kommen.

Er wurde von zwei Soldatinnen wild im Kreis gedreht. Immer weiter, bis er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte und nun den schmalen Durchgang zwischen den Kohlen entlang geschickt. Natürlich waren nun zahlreiche Schmerzensrufe garantiert, als er taumelnd immer wieder vom rechten Weg abkam. Und dann nahm die Vorgesetzte einer Frau die Hellebarde weg und stieß dem fast orientierungslosen Sklaven mit dem Stiel so kräftig mehrmals gegen den nackten Leib, dass der Mann sich in die Kohlen setzte.

Das Gejohle, das aufbrandete, war so laut, dass die hohen Schreie des Mannes kaum zu hören waren. Was für eine Gaudi für die Kriegsfrauen an diesem Abend! Die Offizierin ließ sich von ihren Untergebenen feiern, als sei sie von einer siegreichen Schlacht heimgekehrt. Im Anschluss wurde der Sklave von Frau zu Frau herumgereicht wie eine Trophäe, damit jede die Male bewundern konnte, die der Sturz verursacht hatte.

Endlich wurde der Mann von einem weiblichen Medikus bäuchlings über mehrere Getreibegarben gelegt und unter viel Spott und Häme mit einer Salbe versorgt, während die anderen Gewandeten an einem der Lagerfeuer dem beinenden Würfelspiel frönten, bei dem sie um ihren Sold spielten und sich an Weinschläuchen labten. Münzenhaufen wechselten ihre Besitzerinnen, und alte Legenden von rachedurstigen Göttinnen wurden zum besten gegeben.

Abas war derweil im anderen Turm an die raue Wand gekettet. Er befand sich in sitzender Stellung, die Handgelenke waren in Kopfhöhe an der Wand in rostige Eisenmanschetten gezwungen, genauso wie sein Hals. Die Beine hatte er an den Leib gezogen, um seine Scham zu verdecken, denn alle paar Minuten sah eine Wächterin durch das kleine Gitter seiner Zellentür und ließ den starrenden Blick neugierig zwischen seine Beine sinken. Der Keuschheitsgürtel, den Leda ihm angebracht hatte, verdeckte eben längst nicht seine ganze Männlichkeit.

Was hatte Pluta nur mit ihm vor? Abas fürchtete den Tod. Oder sollte er doch eher als Geisel ausgetauscht werden? In diese düsteren Gedanken versunken, öffnete sich knarrend seine Tür, und zwei Wächterinnen erschienen. „Nein, bitte nicht wieder“, bat er, als er den Trichter sah. Warum banden sie ihm nicht einfach die Hände frei? Vermutlich behandelten sie ihn bewusst so, um ihn zu demütigen. Er kannte die Prozedur bereits. Während eine der Frauen ihm den Kupfer-Trichter in den Rachen stopfte, schüttete die andere einen fürchterlichen warmen Brei aus Dickwurz in seinen Schlund, bis er fast glaubte, sein Magen würde platzen. Würgend musste er die Fütterung über sich ergehen lassen.

Wenigstens musste er keinen Hunger leiden, seufzte er. Dann verschwanden die Wächterinnen wieder und löschten die einzige Fackel an der Wand, die den Kerker in ein flackerndes Dämmerlicht getaucht hatte. Nun herrschte schwarze Finsternis. Abas hörte das spärliche Stroh rascheln. Ratten? Unwillkürlich spannte er seine müden Glieder an und horchte in die Dunkelheit. Doch irgendwann übermannte ihn trotz seiner Schmerzen und Ängste die Müdigkeit, Entkräftung und völlige Erschöpfung…
60. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 10.06.19 23:51

Tolle Fortsetzungen mit tollen Ideen.Wie von dir gewohnt!Beim Wort "Galeere" bekomme ich leuchtende Augen.... Herzlichen Dank mal wieder!
61. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 15.06.19 19:43

Im Morgengrauen wurde der Königsgemahl von quietschenden Geräuschen geweckt. Im Halbschlaf versuchte er um sich zu schlagen, denn er erwartete einen Angriff von riesigen fetten Ratten. Aber seine Hände waren in Eisen gelegt, und es waren auch keine Nager, die ihn aus dem Schlaf geholt hatten, sondern die Wächterinnen, die das Gitter aufgeschlossen hatten, um ihn zu holen.

Wohin? Wohin wollten sie ihn verschleppen? Die Frage ersparte er sich, denn er kannte die Antwort schon: eine kräftige Ohrfeige oder ein Hieb mit der Reitpeitsche wäre die Belohnung für unerlaubtes Sprechen. Also zügelte er seine Zunge und ließ sich stumm abführen. Hoffentlich rettete Leda ihn bald aus seiner Gefangenschaft!

Die Frauen übergaben ihn an die Miliz. Abas schlurfte in Fußketten und mit Handeisen mitten zwischen den Frauen her aus dem Turmgebäude über den Hafenkai. Der Trupp marschierte auf ein Schiff zu. Eine Galeere, stöhnte Abas innerlich. Über eine Gangway, die aus einem breiten Brett bestand, wurde er an Bord grob gestoßen und dort von anderen Frauen übernommen. Zwei Damen führten ihn unter Deck in einen langen niedrigen Raum, der fast vom Heck bis zum Bug reichte.

Mindestens 30 Rudersklaven hockten dort auf jeder Seite hintereinander. Die also insgesamt 60 armen Kreaturen, nur mit einem schmutzigen Lendenschurz bekleidet, hatten jeder einen Riemen zu bedienen. In der Mitte zwischen der Steuerbord- und der Backbordreihe verlief ein schmaler Gang, auf dem zwei Frauen Abas nun zu einem der Plätze brachten. Er setzte sich auf die harte Holzbank. Die Fußkette schlug eine der Frauen an einem dicken liegenden Balken fest, gegen den Abas seine Füße abstützen konnte, um zu rudern. Die Handeisen nahm ihm die Uniformierte ab.

Als die Schergin gegangen war, sah sich Abas um. Die Männer hatten alle einen leeren Blick. Niemand nahm Kenntnis von dem neuen Kameraden. Abas drehte sich wieder um und besah sich das Ruder. Hier sollte er also seine Zukunft fristen? Als Galeerensklave? Er hatte gräuliche Geschichten gehört, in denen solche Männer nur wenige Jahre überlebten. Wer zu schwach zum Rudern war, wurde „ausgemustert“. Abas konnte sich lebhaft vorstellen, was das bedeutete.

Phoibe und Ceres freuten sich riesig auf ihren ersten Ausbildungstag. Flagella führte sie zu einer kleinen Käfigzelle, in der sieben Sklaven wie Sardinen gequetscht nebeneinander standen. Die Sklavenhändlerin holte einen hoch gewachsenen schlaksigen Mann heraus und verschloss die Tür wieder. Sie führte den Sklaven zu einem Pfahl und kettete ihn dort an. Dann entnahm sie einer Truhe ein Seil und einen Block aus Blei. Flagella band das eine Seilende geschickt um die Männlichkeit des Sklaven und brachte das Bleigewicht an. Als sie den Block sinken ließ, so dass sich das Seil spannte, stöhnte der Sklave auf.

Ceres und Phoibe staunten. Ceres erkundigte sich: „Warum wird das gemacht?“ Flagella erklärte: „Das ist die neueste Mode. Einige Edeldamen möchten hoch gewachsene Sklaven, spindeldürr und mit lang hinab reichenden Klöten. Dieses Exemplar ist bald verkaufsreif. Er muss noch ein wenig mehr abspecken, aber seht nur, wie tief seine Bälle schon hängen! Dafür war ein langes und hartes Training nötig.“

Plötzlich spurtete Flagella einige Schritte zur Seite und rief erbost: „Sofort aufhören damit! Ruiniert mir nicht die Ware!“ Ceres und Phoibe folgten der Händlerin und sahen, wie zwei junge Damen sich einen Spaß daraus gemacht hatten, einen Sklaven mit seinem Gemächt zwischen seine Beine an einem Mauerring zu befestigen und in mit einer Halsschlinge von der Wand wegzuziehen, so dass der Mann sich vorgebeugt zwischen den gespannten Seilen befand, und da seine Hände auf dem Rücken gefesselt waren, nichts gegen die zerrenden und kichernden Damen unternehmen konnte, die ihm seine Männlichkeit in die Länge zogen.

Als Flagella wütend zum Ort des Geschehens eilte, ließen die zwei Damen das Seil schnell fallen und eilten johlend davon. „So eine Unverschämtheit!“, rief Flagella hinterher. „Das grenzt an Frevel! Wenn ich die erwische, werde ich deren Prügelsklaven in Streifen schneiden!“ Aus ihren Worten klang heiße Wut. Sie untersuchte das Gemächt des Sklaven und brummte zufrieden. Es war alles heil geblieben, wenn der Leibeigene auch die nächsten Stunden Schmerzen haben würde.

Während die Sonne langsam über den Himmel zog, bildete Flagella die beiden ehemaligen Hofdamen aus dem Reich der Megara in der Handhabung der Peitsche aus. Zunächst blickten Ceres und Phoibe ihre Ausbilderin hochnäsig an. IHNEN wollte jemand zeigen, wie man einen Sklaven züchtigt? Aber dann wurden sie schnell kleinlaut, als sie Flagella mit einer vier Mann langen Bullenpeitsche ein kunstvolles Muster auf das Gesäß eines Sklaven zaubern sahen. Ungläubig starrten sie auf die akkuraten Striemen, die exakte Muster auf dem Sitzfleisch bildeten. Eine Gehilfin der Händlerin strich über den geschundenen Bereich einen heißen Kräutersud, der die Heilung beschleunigte.

Den restlichen Tag sollten die beiden Freundinnen mit dem Schlaginstrument üben. Dafür stellte ihnen Flagella mehrere Sklaven zur Verfügung. Bei Dämmerung hatten sie ein Dutzend Männer bearbeitet. Die Übungsobjekte trugen zwar keine so genaue Linien und Verzierungen wie Flagella sie demonstriert hatte, aber die beiden Damen waren mit ihrem Tageswerk zufrieden. Striemen reihte sich an Striemen. Mit jeder Stunde waren sie besser geworden.

Am Abend fragten sie Flagella, ob sie ihnen stumme Übungsobjekte gegeben hatte, denn sie hatten keine Knebel getragen, und trotzdem war niemals ein Schrei zu hören gewesen, obwohl Phoibe und Ceres sich in dieser Beziehung Mühe gegeben hatten, ihnen welche zu entlocken. Die Sklavenhändlerin lächelte hintergründig: „Nein, sie können sprechen und schreien. Aber ich habe es ihnen verboten.“ Ceres und Phoibe sahen sich verwundert an. Was konnte den Sklaven so viel Angst eingeflößt haben, dass sie die Schmerzen still ertrugen? Es musste unglaubliche Willenskraft erfordert haben.

Ceres wollte nachhaken, aber Flagella schritt eilig davon, denn eine Frau hatte sie zu einer Käuferin gerufen, die eine Handvoll Arbeitssklaven benötigte und einen Rabatt aushandeln wollte. Der erste Tag bei der Sklavenhändlerin war sehr interessant, aber auch anstrengend gewesen. Daher ließen sie sich von einer Sklavenkutsche zu ihrer Unterkunft fahren. Für ein paar kleine Münzen fuhr die Frau die beiden Passagiere die gewünschte Strecke und ließ Ceres und Phoibe aussteigen.

Die beiden Damen sahen der Kutsche hinterher: Sechs menschliche „Pferde“ zogen das Gefährt über die Straße. Die Kutscherin musste ihre „Tierchen“ nur hin und wieder mit der langen Peitsche antreiben. Die Sklaven wussten, dass sie kein Futter bekamen, wenn ihre Herrin unzufrieden war. Bei der sowieso schon kargen Kost vermieden sie möglichst jede Unbill und arbeiteten lieber bis zur völligen Erschöpfung.

Ceres stieß Phoibe neckend an: „Gib es zu! Du hast die ganze Zeit auf die knackigen Ärsche der Sklaven gestarrt wie ein geiler Stier auf das Hinterteil einer Färse!“ Phoibe schubste spielerisch zurück: „Und du? Du etwa nicht? Es waren schon leckere Jungs. Ich glaube, ich nehme gleich ein schönes Bad, lasse mich von Nereus massieren und dann… werde ich eine neue Aufgabe für ihn haben…“ Ceres kicherte: „Und ich werde mich um Aphron kümmern.“

Als die Sonne aufging meldeten sich drei Frauen am Hafen, um als Besatzung einer Galeere anzumustern. „Lyka“ und ihre Begleiterinnen stellten sich als erfahrene Seefahrerinnen vor, die bereits auf verschiedenen Sklavenjägerschiffen über das Ostmeer gefahren seien. Die Behauptung wurde nicht hinterfragt, und alles war einfacher, als sie gedacht hatten. Sie mussten lediglich ein Pergament unterzeichnen, erhielten einige Münzen als Heuer und sollten sich am Kai melden, wo drei Galeeren angelegt hatten.

Das Trio begab sich zu den besagten Schiffen und fragte sich, auf welches der Fahrzeuge Abas gebracht worden war. Leider hatten sie nur in Erfahrung bringen können, dass ein „wichtiger Gefangener“ zum Frondienst auf eine Galeere gebracht worden war. Wie diese jedoch hieß, war ihnen nicht bekannt. „Vielleicht sollten wir uns aufteilen“, schlug Lyka vor. „Dann ist einer von uns auf jeden Fall bei Abas an Bord.“ Helena und Abraya waren einverstanden, so dass sie sich trennten und zu den verschiedenen Gangspills gingen, um sich als neues Besatzungsmitglied zu melden.

Eine Offizierin begrüßte sie und wies sie in ihre Aufgaben ein. Es verlief auf allen drei Schiffen etwa gleich: Die Anwärterinnen erhielten eine Uniform, eine Peitsche und einen Schlafplatz im Heck zugewiesen. Auf der Überfahrt zum Ostkontinent würden sie im Wechsel mit anderen Frauen die Sklaven beaufsichtigen. Dazu gehörte es, dass sie darauf achteten, dass diese im richtigen Tempo ruderten. Der Rhythmus würde von einer Trommel vorgegeben. Außerdem wurden regelmäßig frische Sklaven aus dem untersten Deck geholt, und erschöpfte Ruderer nach unten getrieben – oder geschleift.

Die Galeere verfügte über etwa doppelt so viele Leibeigene wie Ruderplätze. Dann zeigte die Offizierin der Anwärterin Helena noch das Schiff: das untere Sklavendeck, die Frachträume, die Messe, in der die Besatzung aß, die Kombüse und sogar die Kapitänin durfte sie besuchen. Die Kabine der Frau war mit edelsten Hölzern verkleidet, die kunstvolle Schnitzarbeiten aufwiesen. Auf dem Tisch stand eine Schale mit frischem Obst neben einer Weinkaraffe aus Kristallglas. Helenas Quartier war dagegen eng und spartanisch eingerichtet.

Lykos musste lustvolle Gedanken niederkämpfen, als er die langhaarige Herrin auf „seiner“ Galeere sah. Was für eine Schönheit! Zwar hatte sie harte Gesichtszüge, die fast grausam zu nennen waren, aber ihre Figur und Ausstrahlung würden so manchen Mann verzaubern, dachte Lykos, der eine sich bildende Verhärtung in seinem Beinkleid verspürte und froh war, dass die Uniform neben einer engen Hose auch eine lange Jacke beinhaltete, die sein Gemächt verdeckte.

Das Antlitz hatte er mit einem Seidenschal bis in Augenhöhe verdeckt, um sein maskulines Kinn und die Bartstoppeln zu verbergen, die schneller wuchsen als ihm lieb war. Diese Gesichtslarve war zwar ungewöhnlich, aber Lyka hatte der Offizierin von einem angeblichen Brandmal vorgeschwindelt, dessen sie sich schämen würde. Die Frau war selbst eitel genug, um ihm ihren Glauben zu schenken.

Helena und Abraya hatten da weniger Probleme. Als echte Frauen benötigten sie dieses Versteckspiel nicht. Bei einem flüchtigen Blick auf die Ruderer hatte keine der Drei den Gesuchten gesehen. Aber er konnte sich ja auch gerade im unteren Deck befinden, wo eine weitere Schicht von angeketteten Leibeigenen auf ihren Einsatz auf den Bänken wartete.

Plötzlich ertönten Posaunen, die schweren Seile, mit denen die Schiffe an der Kaimauer befestigt waren, wurden gelöst, und die Galeeren entfalteten lautstark ihre großen weißen Segel. Diese Arbeit erledigten männliche Matrosen. Bei ihnen handelte es sich zwar auch um Sklaven, doch wurden diese bevorzugt behandelt. Sie trugen kaum Ketten und waren vollständig bekleidet. Ihr Wissen um die Seefahrt machte sie wertvoll. Die Ruderer dagegen waren einfach austauschbar. Viele von ihnen würden das Ostreich nie wieder sehen. Für sie war diese Fahrt über das Meer die letzte Reise…

Schon nach wenigen Tagen hatten sich Lyka, Helena und Abraya gut eingelebt. Einige Stunden des Tages verbrachten sie zwischen den armen Kreaturen im Ruderdeck und peitschten auf diejenigen Nackten ein, die es wagten, aus dem Takt zu kommen. An Deck knatterte derweil das große Segel unter dem rauschenden Wind, die Taue sangen ihr Lied, und der Mast knarrte vor sich hin.

Helena sah am fünften Tag der Überfahrt einen Sklaven, dessen Gemächt an einem Eisenring und einer kurzen Kette am Boden des Schiffes befestigt war. Auf Nachfrage bei der Offizierin, erklärte diese: „Das ist eine Disziplinarmaßnahme. Der Sklave war während der Nachtschicht faul gewesen und wollte sich in eine Ohnmacht flüchten. Aber ich habe ihn wieder aufgeweckt“, grinste sie bei der Erinnerung an das kalte Bad für den Sklaven und die knappe Rettung vor dem gierigen Hai. „Er wird diesen schweren Ring zukünftig tragen müssen. Ein hübscher Schmuck für den Unwilligen, der ihm ein wenig mehr Disziplin lehrt.“

Helena peitsche nur soviel, wie nötig, um nicht aufzufallen. Oft knallte sie mit den Lederriemen auch absichtlich neben die Sklaven. Doch trotzem taten ihr die armen Menschen leid, die um ihre Leben ruderten. Wenigstens war Abas nicht unter ihnen. So viel war inzwischen klar. Ein Problem weniger. Abraya oder Lykos hatten das „große Los“ gezogen. Vielleicht, so hoffte sie, ging es ja auf anderen Schiffen weniger rüde zu.

An Bord von Abraya ähnelte sich der Tagesablauf. Allerdings führte hier eine trinksüchtige Kapitänin das Regime. Sie blieb fast den gesamten Tag über in ihrer exklusiven Kabine, um sich von ihrem Liebesdiener verwöhnen zu lassen; doch wenn sie auftauchte, dann tobte sie meist in einem Wutausbruch über die Decks, beschimpfte die männliche Besatzung, dass sie die Sklaven nicht im Griff hätten und zu lax mit ihnen umgehen würden. Die Matrosen wurden mit überflüssigen Segelmanövern schikaniert. Wer zu langsam war, wurde für Stunden in den Ausguck geschickt, wo er, sich festklammernd, gegen Wind und Übelkeit ankämpfte und des Nachts elendig fror.

Abraya waren die extremen Temperaturschwankungen in dieser Gegend bereits aufgefallen: des Tags Hitze wie im Südreich, aber des Nachts herrschte winterliche Kälte. Wer im Ausguck „Strafsitzen“ musste, wurde von der Kapitänin meist splitternackt hinauf geschickt. Tagsüber litt der Delinquent furchtbaren Durst und musste die brennende Sonne ertragen; nachts dagegen waren die eisige Kälte und der scharfe Wind schneidend wie dutzende Messerklingen, die den ungeschützten Leib quälten. Abraya hatte Abas in all den Tagen nirgends entdeckt. Er war, so vermutete sie, wohl bei Helena oder Lykos an Bord. Wenigstens war dem Gemahl der Königin diese trinksüchtige Furie erspart worden.

Lyka, alias Lykos, konnte seine Überraschung kaum bezwingen, als er den königlichen Gemahl am vierten Tage der Reise auf einer Ruderbank entdeckte. Sein Zustand war erbarmungswürdig. Abgemagert und mit dicken Schwielen an den Händen sowie zahlreichen hässlichen Striemen am Körper bedeckt, machte er einen armseligen Eindruck.

Fast hätte Ledas Agent den Gesuchten nicht erkannt. Das lag allerdings an einer anderen Tatsache: Alle Rudersklaven waren, so ungepflegt sie sonst waren, frisch rasiert – am gesamten Körper. Ohne Haare und in seine Verfassung hatte Abas alle Ähnlichkeit mit Ledas Gatten verloren. Nur sein Keuschheitsgürtel war ungewöhnlich, da die anderen Ruderer keinen trugen. Lykos war beschämt, seinen König nicht früher bemerkt zu haben. Wie oft musste er bereits an ihm vorbeimarschiert sein?!

Nun hieß es, ihn möglichst unauffällig zu schonen. Wenn Lykos zukünftig seine Peitsche in seine Richtung schwingen musste, so würde er versuchen den Vorder- oder Hintermann zu treffen – oder noch besser: die Luft über ihnen. Bei der heutigen Ablösung würde er versuchen, mit Abas Kontakt aufzunehmen. Er würde behaupten, dass Abas trotz harter Schläge nicht mehr den Takt halten könne und abgelöst werden müsse. Dann würde er ihn ins Sklavendeck schaffen und ihm zuraunen, wer ihn schickte.

Als die Sonne sich schlafen legte, setzte Lykos seinen Plan in die Tat um und war für einen kurzen Moment Abas so nahe, dass er ihm zuflüstern konnte: „Tut ganz unauffällig. Ich bin Hauptmann Lykos. Ich erbiete Euch meinen Gruß. Königin Leda schickt mich, Euch zu retten. Wenn wir den nächsten Hafen erreichen, befreie ich Euch.“ Abas hob vor Überraschung den Kopf, doch beherrschte er sein aufwallende Verwunderung und nickte nur kaum vernehmbar. In der Enge des Schiffes war es nicht möglich, alleine zu bleiben. Doch trotzdem schaffte es Lykos dem königlichen Gemahl unbemerkt ein Stück Brot in die Faust zu drücken, das Abas, einen Hustenanfall vortäuschend, schnell in den Mund steckte. Welch Gaumenschmaus nach dem faden Sklavenbrei der Vergangenheit!













62. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 07.07.19 10:18

Pluta ließ ihren schweren Zepter auf die Armlehne des Thrones knallen, als sie mit verzerrten Gesichtszügen durch die Halle schrie: „Was? Warum kann der Tanzsklave sein Stück nicht aufführen? Ein verstauchter Fuß? Bringt ihn her! Sofort!“ Die Tyrannin war stinksauer. Heute Abend sollte ein Tänzer zu ihrer Lieblingsmusik eine Darbietung präsentieren, um sie und eine ausgesuchte Gruppe edler Hofdamen beim Abendbankett an der Tafel zu unterhalten. Doch der Sklave hatte sich beim Training den Fuß umgeknickt.

Pluta ließ ihn vorführen, stand von ihrem weinroten Samtkissen auf und zeigte mit dem Zepter wie mit einem Dolch auf den zitternden Leibeigenen: „Wenn er nicht tanzen kann, so soll er den Abend in aller Ruhe verbringen dürfen, damit sein Fuß genesen kann.“ Der Tänzer kniete vor seiner Herrscherin und starrte unbehaglich auf den Marmorboden. Was hatte das zu bedeuten? Die Herrscherin war wütend. Warum nun die unerwartete Gnade?

Später am Abend sollte er es erfahren: Die Wachen führten Plutas Befehl aus, den Mann auf einen stehenden Holzpfosten zu setzen. Die Kantenlänge der quadratischen Sitzfläche betrug weniger als eine Handlänge. So musste der Kerl, nur in einen Lendenschurz gehüllt, verharren, während um ihn herum das Bankett aufgebaut wurde. In Mannshöhe baumelten seine Beine von seinem Ehrenplatz herunter.

Bald schon wurde der harte kleine Sitz peinvoll. Selbst seine Hände, die hinter seinem Rücken gefesselt waren, konnten ihn nicht abstützen und ihm so Erleichterung verschaffen. Das Gleichgewicht zu halten kostete ebenso viel Kraft. Doch damit nicht genug: Während der feuchtfröhlichen Feier hängten Wächterinnen dem Mann auf Plutas Geheiß noch Ketten mit eisernen Kugeln an die Beine, die ihn nun mit größerem Gewicht auf den harten Pflock pressten.

Das Bankett ging dekadent und mit Liedgut, Tanz und Völlerei stundenlang weiter, bis die Feiergesellschaft satt und betrunken auf den Bänken saß – oder großteils eher unschicklich hing. Selbstverständlich waren an den Tischen nur Damen zugelassen. Doch jedes Hoffräulein, das etwas auf sich hielt, hatte einen Lustsklaven mitgebracht, der artig hinter ihr auf dem Boden kniete und wie ein dressiertes Hündchen mit dem Mund nach Essenshappen schnappte, wenn seine Herrin ihm kichernd etwas zuwarf.

Eine junge Lady in einem samtroten Rüschenkleid langweilte sich fürchterlich und trat immer wieder nach dem Sklavenjüngling, der unter dem Tisch hockte. Was sollte sie sonst tun? Sie stocherte in den Delikatessen und rutschte auf dem Sessel herum. Es gab Verpflichtungen bei Hofe, die sie hasste. Sie drehte eine Locke ihrer feuerroten Haarpracht um einen Finger. Dann trat sie wieder zu, und ein dumpfes Stöhnen antwortete ihr unter dem Tisch. Sie suchte mit dem Fuß nach dem Gemächt der Kreatur. Mit einem sardonischen Grinsen stieß sie wieder zu. Dieses Mal war der Schmerzensruf lauter. Die kleine Lady gluckste. Und trat erneut zu.

Manche Damen wurden auch von zwei oder mehr Sklaven begleitet. Je mehr Liebesdiener eine Frau um sich scharte, desto größer ihr Ansehen und die Bewunderung, die ihr sicher war. Dabei zählte jedoch nicht nur die Quantität der Sklaven, sondern insbesondere die Größe ihres Gemächtes. Denn solche Männer waren selten und entsprechend teuer. Um sie zu präsentieren, trugen die Sklaven Hosen, die jedoch in den Lenden ausgeschnitten waren. Vielen der Leibeigenen hatten ihre Besitzerinnen die Männlichkeit mit Schmuck aus Edelmetall oder bunten Bändern verziert, um sie hervorzuheben. Einige trugen kleine Glöckchen um ihren Liebesstab.

Der verhinderte Tänzer war fast vergessen, und litt leise stöhnend auf dem Pflock weiter. Doch er sollte aus seiner lamentierenden Litanei von Pluta geweckt werden: Die Herrscherin ließ die Tische abräumen und klatschte in die beringten Hände. Daraufhin brachten sechs Wächterinnen einige Sklaven herein, die jeweils zwei große Kübel trugen. Diese schütteten eine stinkende Brühe um den stehenden Holzbalken. Erst jetzt sahen die meisten Anwesenden die runde Umgrenzung am Boden, die eine Art niedrigen Zuber bildete. Dieser wurde von den Sklaven nach und nach mit hunderten Litern der Flüssigkeit gefüllt.

Als das flache Becken etwa ellenhoch gefüllt war, schleppten vier weitere Sklaven einen langen großen Korb mit Kohlköpfen herein. Die Damen sahen dem Geschehen interessiert zu. Was hatte sich ihre Majestät für heute zur Belustigung ausgedacht? Vier andere Sklaven schoben ein großes Gerät herein. Es war eine Art Schleuder, die einer Armbrust ähnelte. Sie wurde in 30 Fuß Entfernung zu dem Sitzbalken positioniert. Pluta stand auf und zeigte auf den sitzenden Tänzer, der in luftiger Höhe immer noch seinen marternden Platz besetzte. „Als Höhepunkt des Abends habe ich mir ein unterhaltsames Wurfspiel ausgedacht.“

Die Spielregeln waren schnell erklärt: Jeder Tisch bestimmte eine Schützin. Jede Teilnehmerin hatte einen Schuss, dann war die Nächste an der Reihe. Gewonnen hatte das Turnier natürlich diejenige, die den Tänzer „tanzen“ ließ, nämlich ihn in den Mist schickte. Aufgeregt kreischte und feuerte die Menge die ausgewählten „Athletinnen“ an, während der Mann auf dem Pflock ängstlich um sein Gleichgewicht kämpfte. Ein Kohl nach dem anderen knallte auf seinen Körper, auf Brust, an Kopf und gegen seinen Bauch, und immer öfter strauchelte er, konnte sich aber gerade noch auf seinem unfreiwilligen Sitz halten.

Sollte er der Qual ein Ende bereiten? Er könnte sich fallen lassen. Die Schmach, in die Brühe zu spritzen, war zwar groß, doch sein Hintern brannte inzwischen wie Feuer. Aber was war, wenn jemand bemerkte, dass er sich absichtlich hatte hinabstürzen lassen? Dem Mann wurde die Entscheidung abgenommen, denn im nächsten Moment traf ihn ein Kohl hart an den Kopf, der ihn nach hinten schwingen ließ, und kurz darauf folgte wieder ein Geschoss, das ihn endgültig aus dem Gleichgewicht brachte. Er versuchte noch sich irgendwie zu halten, aber der Körper zog ihn mitsamt den Eisenkugeln hinab in die schwarze Brühe.

Mit einem lauten spritzenden Aufplatschen landete er in dem Dreck. Er bekam kaum den wilden Jubel mit, der aufbrandete. „Schaut ihn euch an!“, rief Pluta. „Das Schwein suhlt sich im Mist! Lasst es uns zu Seinesgleichen treiben!“ Einige der Damen griffen nach ihren kurzen Gerten und kamen auf den Tänzer zu, dessen Körper von oben bis unten mit der matschigen Pampe bedeckt war. „Auf alle Viere, wie es sich für dich gehört!“, befahl Pluta, und sah zufrieden, wie eine Handvoll Fräuleins mit Gerten den Tänzer aus dem Saal trieben, der sich nur auf Händen und Knien vorwärts bewegen durfte. „Grunz wie die Sau, die du bist!“, forderte ein Edelfräulein und knallte ihm ihre Gerte heftig auf das Hinterteil. An dem „Schweinerennen“ hatten in erster Linie die jüngeren Damen teilgenommen. Sie würden dem Mann einen unvergesslichen Tag bereiten.

Am nächsten Morgen schlenderte eine kleine Gruppe Hofdamen durch den kunstvoll angelegten Park des Palastes. Die ausschweifende Feier war verklungen, und der junge Tag verbreitete friedliche Wärme. Die Ladys lauschten dem grüßenden Vogelgesang in der Früh und genossen die ersten angenehmen Sonnenstrahlen und die herrlichen Düfte der Blumen und farbigen Blüten. Auch eine Senatorin schritt durch die Grünanlage und ließ sich von der Sonne streicheln. Doch irgendetwas störte die Harmonie. War das Gestöhne, Gewimmer?

Alekto schritt schneller in Richtung der misstönenden Geräusche. Sie traf auf die Gruppe junger Damen. „Guten Morgen. Was sind das für grausige Laute?“ Eine der Fräuleins zeigte den Weg entlang: „Dort hinten liegt der Tänzer im Trog. Wir… Äh…. Einige Damen haben ihn gestern dort gefesselt.“ Die junge Frau befürchtete einen Tadel von der ehrwürdigen Senatorin. Vielleicht hätten sie den Sklaven gestern noch befreien sollen? Alekto meinte: „Sein Gejammer und Gekrächze stört den morgendlichen Frieden. Ich möchte, dass ihr dem Schwein sein dreckiges Maul stopft.“

Die Dame machte einen schnellen Knicks und sagte erleichtert: „Jawohl. Euer Wille geschehe. Das werden wir sofort erledigen, werte Senatorin.“ Alekto sah sie ernst an und rügte: „Und das mir das nicht noch mal passiert!“ Der Sklave war zwar liebreizender Zierrat in dem sonst so langweiligen Garten, doch ihren Ohren würde guttun, wenn die Kreatur stumm wäre. Dann ging sie erhabenen Schrittes weiter, um sich der Politik zu widmen.

Heute sollte ein Gesetz erlassen werden, dass darüber entschied, was mit Sklaven einer Besitzerin geschah, wenn diese starb und kein Testament hinterließ. Würde ihr Eigentum versteigert, gehörte es der Herrscherin oder würden die Sklaven mit ihrer Herrin in das Reich des Todes hinabsteigen? Alekto musste lächeln, als sie sich daran erinnerte, dass eine Senatorin in einer Vorbesprechung aus Spaß vorgeschlagen hatte, den Sklaven in diesem Fall die Freiheit zu schenken. Natürlich hatte der nicht ernst gemeinte Vorschlag großes Gelächter im Senat hervorgebracht. Alekto lächelte. Ihre schlechte Laune, hervorgerufen durch den krakeelenden Tänzer, war vergangen.

Ceres und Phoibe hatten inzwischen ihr eigenes kleines Heim. Zunächst war es nur gemietet, doch bald wollten sie es erwerben. Heute hatten sie frei und genossen den sonnigen Tag. Aphron und Nereus putzen, wuschen und kochten für ihre Herrinnen. Am Nachmittag diskutierten die Damen darüber, welcher Sklave die bessere Libido habe. Ceres war überzeugt: „Aphron natürlich, denn er ist ein ausgebildeter Liebessklaven und kann mein Lendenfeuer entfachen wie niemand sonst. Nereus dagegen kommt aus dem Westen und gehorcht manchmal nur widerwillig.“

Das wollte Phoibe nicht auf sich sitzen lassen. So stritten die beiden Damen eine längere Zeit und kamen schließlich auf eine Idee: Die beiden Sklaven sollten den Beweis für ihre Potenz vor ihren Augen selbst erbringen. Dazu sollten sie auf Kommando gleichzeitig ihren Samen so schnell wie möglich verströmen. Sie standen nebeneinander und wurden von ihren Herrinnen durch Rohrstockhiebe auf den Allerwertesten angetrieben. Halb ernsthaft und ehrgeizig, halb kichernd und amüsiert, heizten die Damen ihre Sklaven an, während die Leibeigenen ihre Luststäbe wie toll bearbeiteten.

Aphron vergoss als erster den gewünschten Beweis. Ceres jubelte und hob die Arme. „Ich wusste es!“ Phoibe grummelte unzufrieden, schlug Nereus auf die Finger und verschloss ihn wieder in seinen Keuschheitsgürtel. „Dafür wirst du büßen“, sagte sie ihm. Sie nahm sich fest vor, ihren Sklaven so schnell nicht wieder von seiner Lust zu befreien. „Zur Strafe wirst du jetzt…“ Sie drückte seinen Kopf auf den Boden, wo Aphron sich ergossen hatte.

Am nächsten Tag lernten sie bei der Sklavenhändlerin unterschiedliche Halseisen anzuwenden: Würgebänder (mit und ohne Spitzen), Streckbänder und besonders schwere Varianten, die eher einer Maske ähnelten und zugleich wie ein Knebel funktionierten. Interessiert sahen sie zu einem Sklaven, dessen kompletter Kopf in einer hohlen Metallkugel steckte. Flagella erklärte: „Sie ist am Hals sogar wasserdicht. Und ganz oben befindet sich ein kleines Atemloch. Dort können auch Flüssigkeiten eingefüllt werden. Ceres stellte sich fasziniert vor, was das alles sein könnte. Der Träger musste den Inhalt schlucken, um atmen zu können. Fasziniert erfreute sie sich an dem hilflosen Anblick des Mannes. Wie lange er wohl schon in dieser Kugel steckte?

Dann zeigte Flagella noch andere „Sklavenkleidung“, die hauptsächlich der Bestrafung diente und von den Betroffenen eine gewisse Zeit getragen werden musste: eine Halsgeige, diverse Spreizstangen, Dornenbänder, eiserne Masken und Helme sowie Maulsperren unterschiedlicher Art und Weise. Als Phoibe eine „Mundbirne“ begutachtete, warnte Flagella: „Probiere sie ruhig an einem Sklaven aus. Aber sei vorsichtig dabei: Damit kannst du ihm schnell die Kiefer ausrenken!“

Phoibe winkte eine Kreatur herbei, die zum festen „Inventar“ der Sklavenhändlerin gehörte und nicht angekettet war. Der Mann trug nur einen Keuschheitsgürtel und ein Halsband aus Bronze mit den Initialien der Besitzerin. Sofort eilte er herbei und fiel vor Phoibe auf die Knie, den Blick gesenkt, die Hände auf seine Oberschenkel platziert. Die Demut in Person. Phoibe steckte ihm die Maulsperre zwischen die Zähne und drehte langsam die Schraube auf, so dass sich die zwei Teile des Instruments auseinander bewegten.

Bald schon begann der Sklave zu stöhnen und zu jammern, obwohl er auf eine hohe Schmerzschwelle dressiert war. Phoibe erkundigte sich: „Kann man noch weiter spreizen?“ Flagella erklärte: „Das ist nicht sinnvoll. Es wäre dumm, gute Ware zu beschädigen. Wenn du ihn mit der Mundbirne bestrafen möchtest, ist es besser, es mit dem Spreizen nicht zu übertreiben. Stattdessen kannst du die Knebelung lieber eine längere Zeit beibehalten. Das wird ihn hübsch disziplinieren.“

Phoibe fragte: „Kann ich so ein Ding erwerben? Ich würde es gerne bei meinem Sklaven ausprobieren.“ Flagella sagte großzügig: „Sicherlich. Es kostet nicht viel. Ich ziehe es von deinem ersten Lohn ab. Nimm es ruhig mit nach Hause. Ich habe eine ganze Kiste davon.“ Phoibe wirkte richtig stolz und steckte die Mundbirne ein, nachdem sie den Sklaven davon befreit hatte. Gerade noch rechtzeitig war sie dem Schwall Speichel ausgewichen, der aus dem Rachen floss. Ängstlich sah er zu seiner Eigentümerin, ob sie ihn für diese Unart bestrafen würde, aber die Händlerin hatte davon gar nichts mitbekommen.

Ceres sah ein wenig neidisch zu ihrer Freundin hinüber. Sie würde sich auch ein schönes Teil aussuchen, das sie für Aphron nutzen konnte. Auswahl gab es hier reichlich. Viele Funktionen der Gerätschaften erschlossen sich ihr gar nicht. Aber sie wollte nicht als dumm dastehen und wagte nicht zu fragen. Am Abend hatte sie etwas gefunden: Einen breiten Eisenring, dessen Bestimmung Flagella erläuterte: „Der wird um die Männlichkeit geschlossen. Durch das Gewicht und die Dehnung werden die Bälle hinabgezogen. Einige Ladys bevorzugen Liebessklaven mit tief hängenden Dingern. Es ist auch ein schöner Schmuck. Und im Zusammenspiel mit einer Keuschheitsschelle sicherlich auch sehr interessant.“

Ceres drehte den breiten Ring in ihren kleinen Händen. Er war fast fingerlang. Und sehr schwer. Sie konnte ihn fast über ihr zartes Handgelenk stecken, aber der kräftige große Aphron würde ihn in verschlossenem Zustand nicht mehr aus seinem Schoß entfernen können. Ceres nahm sich vor, Aphron zu Hause nur noch nackt herumlaufen zu lassen, um das neue Schmuckstück bewundern zu können. – Und natürlich auch die baumelnden Kugeln… Ceres grinste breit. Phoibe sah sie verwundert an. Was ihre Freundin wohl umtrieb?

Die drei Galeeren waren weit von jedem Gestade entfernt. Keine Wolke trübte den blauen Himmel. Der Wind war eingeschlafen, so dass sich die Rudersklaven kräftig in die Riemen stemmen mussten. Im erbarmungslosen Takt der Trommeln schufteten die nackten Männer schweißgebadet und mit Peitschenstriemen übersäht gegen den Wasserwiderstand an. Unter Deck war es noch heißer als an der frischen Luft.

Zwei Anheizerinnen waren nötig, um die Sklaven im Rhythmus zu halten. Die zwei Frauen trugen hohe schwarze Stiefel, die bis über ihre Oberschenkel reichten. Der oberste Teil der Beine war zu sehen, bevor die Haut unter einem sehr kurzen Rock verschwand, der mit einem breiten Ledergürtel um die Taille befestigt war. Die Schnalle zeigte eine große bronzene Darstellung eines Schlangenwesens. Als Oberteil trug die weibliche Besatzung ein korsettartiges Jäckchen, das ein schönes Dekollete machte.

Abraya peitschte gemeinsam mit einer Aufseherin auf die Ruderer ein, wenn diese – meist aus Erschöpfung - aus dem vorgegebenen Takt gerieten. Zum Glück war auf ihrem Schiff nicht Ledas Gemahl, so dass sie Abas nicht schlagen musste. Anfangs hatten ihr die armen Sklaven ein wenig leid getan, doch inzwischen hatte sie sich an ihre Position gewöhnt und sogar Gefallen daran gefunden. Diese Macht! Diese Autorität! Sie fühlten sich gut! Sie rief den Kreaturen lächelnd zu: „Schreit nur! Jeder, der jammert wie ein Sklave, wird auch gezüchtigt wie ein Sklave.“

Auch Helena hatte sich schnell in ihre Rolle gefunden und dachte darüber nach, ob ihr nicht ein Leben im Ostreich besser gefallen würde als im Vereinten Land unter Königin Leda. Dort ging es ihr zwar ganz gut, sie hatte ihren Sold, der ein ordentliches Auskommen sicherte, aber unter Pluta wurde sie von jedem männlichen Wesen wie eine Göttin behandelt, verfügte über günstige Arbeiter und… ja, auch Liebesdiener würden ihr hier zur Verfügung stehen.

Die Soldatin spürte, wie ihre Gedanken sie feucht gemacht hatten. Sie holte herzhaft aus und peitschte den nackten Rücken eines Sklaven, der nach dem Knall dumpf aufstöhnte.
Helena war beeindruckt, ja geradezu entzückt, welche Gefühle da in ihr wach wurden. Hatten sie all die Jahre tief in ihr geschlummert? Sie stand im wahrsten Sinne des Wortes über den Männern und wurde sich der Erregung bewusst. Hier gehörte sie her! Sollten Lykos und Abraya nach Abas suchen und ihn heimbringen. Sie würde hier bleiben. Oder war das nur eine schwärmerische Träumerei? Sie war sich nicht sicher…

Die Galeeren schnitten weitere 16 Tage durch die See und erreichten endlich ihr Ziel: den großteils unbekannten und wilden Ostkontinent. Hier würden sie frische Sklaven fangen und sie im Bug der Galeeren zusammenpferchen. Das Ostreich benötigte ständig Nachschub. Eine Offizierin hatte ihrer Schwester versprochen, ihr ein nettes „Spielzeug“ mitzubringen. Gerade erst zur Erwachsenen geworden, wollte diese ihren Freundinnen in nichts nachstehen. Und aus Erzählungen wusste die Jungfrau, was eine Dame so alles mit ihrem Sklaven anstellen konnte, um sich die Zeit zu vertreiben…

Lykos hatte es mehrfach versucht, aber bis auf kurze Wortfetzen konnte er sich Abas nicht unauffällig nähern. Er hoffte darauf, in einer Nacht vom Ankerplatz aus mit Abas auf das Land fliehen zu können. Seine Nerven lagen blank, denn sollte der Coup nicht gelingen, so waren er und Abas sicherlich des Todes!

Als die drei großen Anker der Schiffe endlich in einer Bucht in die Tiefe rauschten, schlug Lykos Herz schneller. Bald würden fast alle Besatzungsmitglieder mit Beibooten an Land fahren und die „Ware“ jagen.
63. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 17.07.19 00:46

Ganz tolle Fortsetzung!! Und immer wieder wundere ich mich wo du die tollen Ideen hernimmst!Spitze!!
Und dann noch Galeeren,eines meiner Lieblingsszenarien......herzlichen Dank wieder einmal.....
64. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 20.07.19 18:04

In der ersten Nacht teilte die Kapitänin, eine Frau mit langer blonder Mähne und lapislazuli-blauen Augen, die Jagdtrupps ein. Lyka meldete sich freiwillig für den Borddienst, der nicht sehr beliebt war, denn erstens wollten die Frauen endlich wieder an Land, und zweitens konnten sie sich mit der Jagd ein Zubrot verdienen. Für jedes Dutzend erhielten sie eine Silbermünze zusätzlich zu ihrer Heuer.

Im Laufe des nächsten Tages setzten die meisten Frauen mit einigen Besatzungssklaven über, um ein Lager zu errichten. Auch eine große Grube, die mit Palisaden umzäunt war, wurde gebaut – als Zwischenlager für das „Frischfleisch“. Der erste Trupp machte sich bereits am Nachmittag auf die Jagd ins dichte Unterholz, mit dem die Küstenregion bewachsen war. Netze, Schleudern, Lassos, Betäubungspfeile und weitere Jagdausrüstung schleppten die Sklaven mit.

Lyka an Bord der Galeere ahnte nicht, wie schnell die Jägerinnen Unmengen von Männern zusammen getrieben hatten. Weil das Zwischenlager noch nicht fertig war, wurden die Gefangenen in lange Eisen gesetzt: lange Stangen, an denen die Arm- und Fußgelenke von acht Männern eingespannt werden konnten. So mussten diese in der stechenden Sonne am Strand verharren, bis sie an Bord gebracht wurden.

Die Hatz war denkbar einfach: Die Einwohner waren offenbar zu dumm zu kämpfen oder kannten keine kriegerischen Handlungen, denn sie ließen sich fast wehrlos festnehmen. Manche Exemplare liefen auch weg, doch die Frauen waren ihnen strategisch ebenfalls überlegen, denn die Flüchtenden fanden sich bald eingekreist in der Falle. Blitzschnell fingen die Frauen die Männer mit Lassos ein, die sich entweder um den Körper zogen und somit die Arme des Sklaven gleich mitfixierten, oder die die Gejagten mit der Schlinge um die Beine stolpern und stürzen ließ. Weibliche Kreaturen flüchteten tief in die Wälder. Sie waren für die Frauen uninteressant. Nur kräftige Männer sollten geladen werden.

Die Gefangenen wussten kaum, wie ihnen geschah, da trugen sie schon einen Beutel über den Kopf, der am Hals mit geübten Handgriffen schnell zugeschnürt wurde. Die erste Bekanntschaft mit eisernen Fesseln stand ihnen nun direkt bevor. Als praktisch hatte sich der „Lendenring“ erwiesen. Beim Abtransport der Männer waren ihre Hände auf dem Rücken gefesselt, der Kopf mit dem Beutel verdeckt, und gezogen wurden sie in Reihe durch Ketten: Die Jägerinnen zogen den ersten Sklaven an der Kette, die mit einem Ring um seine Männlichkeit verbunden war. An den gefesselten Händen des Mannes war die nächste Kette mit seinem Hintermann verbunden, die wiederum an seinen „Lendenring“ endete.

So marschierte die „Ware“ artig hintereinander in Reihen von etwa 20 Personen. Jede Jägerin leitete eine solche Sklavenschlange zum Strand, wo sie schon von den Verbliebenen ungeduldig erwartet wurden. Die Baströcke, die die Männer trugen, wurden (wenn sie nicht längst abgerissen waren) entfernt. Das war das „Befreiungsritual“, dass einige Seefahrerinnen besonders gern ausführten. Sie verglichen die Größe der Gemächte und kicherten über besonders winzige oder riesige Größen oder ungewöhnliche Formen.

Auch Abraya gehörte zu den Frauen des „Befreiungsrituals“ und wunderte sich über die ausgeprägte Scham, die die Eingeborenen offenbar hatten. Sie versuchten ihr Gemächt zu verdecken und verrenkten sich dabei sehr, doch wegen der Fesseln erfolglos. Aber auch an ihren Gesichtern konnte Abraya deutlich erkennen, dass sie am liebsten wohl im Boden versunken wären. Manche Exemplare stöhnten oder schrien vor Verzweiflung; andere weinten oder zitterten. Wieder andere ließen sogar die Peitsche stoisch über sich ergehen.

So verliefen drei Tage in Folge, in denen auch die Sklavengrube fertig wurde. Es war eine natürliche Vertiefung, die von Felsen umgrenzt war, verwendet worden, so dass die Arbeitssklaven nur wenig hatten graben müssen. Die meiste Schufterei war der Palisadenzaun gewesen, der oben spitze Enden aufwies, um ein Überklettern unmöglich zu gestalten. Im Innern des Sammelortes stapelte sich förmlich die Beute, so voll wurde es bald schon.

Nach und nach brachten die uniformierten Frauen ihre Ladung an Bord der großen Galeeren. Zum Vorteil der Gefangenen mussten sie nicht rudern, denn die Offizierinnen wollten sich nicht mit ungeübten Kräften herumärgern; aber der Nachteil war ihre Unterkunft: Wie die Sardinen in einem Fass wurden sie in enge Zwischenräume gequetscht, gestapelt und gepresst. Hier war es unter Deck noch enger als in der Grube an Land. Manche Offizierin machte sich einen Spaß daraus, die Leibeigenen auf eine Seite zu legen und eng hintereinander zu lagern, dass das Ganze sehr an Männerliebe erinnerte, und die armen Kreaturen dann zu verhöhnen und zu animieren, ihre Hüften zu bewegen.

Abraya konnte und wollte ihre Gefühle nicht unterdrücken: Sie hatte Freude an der Sklavenjagd und konnte es kaum erwarten, morgen erneut in die Wälder zu ziehen. Noch passten einige Dutzend Subjekte an Bord. Bisher war niemandem aufgefallen, dass sie das zum ersten Mal machte, und Lassowerfen hatte sie als Soldatin gelernt; der Rest war schnell abgeguckt. Die Rückkehr zum Schiff war für sie eine besonders schöne Aufgabe, denn dann konnte sie die Gefangenen mit der Spitze des Degens vorantreiben. Wie die nackten Männer dann hüpften und aufjaulten – einfach herrlich!

Helena war genauso erfolgreich. Besonders das Ziehen der Kette auf dem Rückweg zum Lager machte ihr Spaß. Ab und zu zerrte sie die Sklaven näher, ließ dann wieder locker, und schon im nächsten Moment riss sie wieder an ihrem Ende. Das Aufstöhnen der Sklaven war Musik in ihren Ohren. Sie wollte, nein: sie MUSSTE dieses Leben weiter leben. Sie würde Wildbeuterin bleiben, aus Ledas Armee desertieren und sich einen Liebesdiener kaufen, der ihr nach dem Tagewerk die Glieder massierte, sie wusch, sie küsste und seine Zunge…

Aber ihre Gedanken wurden von der Pflicht unterbrochen: Helena war gerufen worden, um die nächste Fuhre Sklaven zu beaufsichtigen, die zur Galeere gebracht werden sollte. Da die Boote sehr klein waren, sparten die Frauen dadurch Zeit, dass die Sklaven zum Schiff schwammen. So konnten mehr Exemplare auf einmal zu den Fahrzeugen gebracht werden. Dazu lösten sie die Handfesseln und verbanden die Ladung nur von Hals zu Hals mit einem Seil. Alle Sklaven konnten schwimmen, wie man Helena erzählt hatte, doch trotzdem schienen sie sich mit Händen und Füßen gegen den nassen Weg durch die Bucht zu wehren, als wären sie wasserscheu.

Eine Offizierin klärte Helena auf: „Das ist ganz normal. Um sie ins Meer zu bekommen, werden wir fleißig mit den Peitschen und langen Bambusstöcken nachhelfen müssen. In dieser Bucht schwimmen ganze Schwärme von Feuerquallen. Das sind kleine Tiere, die ein scharfes Brennen verursachen, wenn man sie berührt.“ Helena staunte, was es für exotische Wesen gab und war gleichzeitig gespannt auf die ersten Reaktionen der Schwimmer. Es sollte nicht lange auf sich warten lassen, da brach Angst und Hektik unter den nackten Männern aus. Doch da sie alle an ihren Hälsen miteinander verbunden waren, unterdrückten sie möglichst ihre aufkommende Panik, um nicht alle miteinander zu ertrinken. Schreie und Rufe, hastige Bewegungen und wirres Wasserschlagen, aufgeregte Laute, furchtsames Absuchen der Wasseroberfläche und der Tiefe unter sich, versuchten die Sklaven, so schnell wie es ihnen gelang, das rettende Deck zu erreichen. Für die Frauen war das eine große Gaudi, die Sklaven in solche Angst zu versetzen. Umso schneller waren sie an Bord.

Helena zeigte ein begeistertes Gesicht. „Da vorne! Mir dünkt, ich sehe welche von diesen possierlichen Feuertierchen. Sie kommen genau auf die letzten Sklaven zu. Ob es alle rechtzeitig an die Strickleiter schaffen?“ Die andere Frau, die im Boot saß, meinte neckisch: „Wenn ich am Seil ziehe, dann wohl nicht…“ Sie ließ ihren Worten schalkhafte Taten folgen und sorgte damit dafür, dass die letzten drei Sklaven, die sich noch im Wasser befanden, die Strickleiter nicht hinaufklettern konnten. Die Quallen erreichten die nackten Leiber und betasteten sie mit ihren langen Fühlern. Sofort schrien die Sklaven auf. Helena und die Offizierin lachten, und ihr Gelächter wurde noch lauter, als sie die rote Haut der Männer sah, wo die Quallen sie erwischt hatten: an den Innenseiten der Oberschenkel, dem Hintern und teilweise sogar am Gemächt.

Einige der Sklaven hatten eine Erektion, als sie aus den Fluten stiegen. Puterrot vor Scham hielten sie schützend ihre Hände vor ihr Gemächt. Eine Offizierin schlug mit ihrer Peitsche auf das Gesäß eines Sklaven ein, so dass eine kräftig leuchtende Strieme erblühte: „Wirst du wohl die Hände hinter dem Nacken verschränken!?“ Der verunsicherte Mann, der ihre Sprache nicht verstand, sah hilflos hin und her, hielt sich abwechselnd die Hände schützend vor seine gewachsene Männlichkeit und seine Hinterbacken. Plötzlich warf eine Sklavenjägerin ein Netz über ihn und zog es zu. Der Gefangene versuchte daraus zu entkommen, wurde von gleich vier Damen aber auf das Deck gedrückt. Wer nicht hören wollte, musste eben fühlen.

Helena stieg nun selbst an Bord und hörte den Sklaven aufbrüllen. Als sie mit ihrem Kopf über die Reling lugte, sah sie, wie die vier Frauen weiterhin auf dem Mann saßen. Sie würden ihm sicherlich Manieren beibringen. Doch Helena konnte das Geschehen nicht weiter verfolgen, denn ihre nächste Aufgabe wartete unter Deck. Sie musste die Essensausgabe an die Rudersklaven beaufsichtigen. Als sie den Geruch des Haferschleims in der Nase hatte, rümpfte sie sie. Daran könnte sie sich nie gewöhnen. Zum Glück gab es für die Besatzung besseres Essen. Die Kreaturen erhielten jeweils eine verbeulte Schale mit einem Schöpflöffel voll. Helena betrachtete fasziniert, wie die Männer den Schleim gierig mit ihren schmutzigen Fingern in sich hineinschaufelten.

So ging es in den nächsten Tagen weiter. Nach und nach siebten einige Offizierinnen die kräftigsten Männer aus, um sie auf die Schiffe transportieren zu lassen. Der Rest verblieb zunächst in der gewaltigen Grube. Erst am letzten Tag der Jagd ließen die Frauen diejenigen wieder frei, die es nicht wert waren, mitgenommen zu werden. Am nächsten Morgen würde die Rückreise beginnen. Die Galeeren waren stark überladen von dem vielen Frischfleisch, aber das Ostmeer war in der Regel ein ruhiges Gewässer, daher hatten die Kapitäninnen keine Sorge vor einer Havarie. Die Rudersklaven mussten sich allerdings auf eine noch anstrengendere Rückfahrt gefasst machen, denn die Rümpfe der Frachtschiffe waren tief ins Wasser gedrückt.

Heute Nacht war der beste und einzig mögliche Zeitpunkt, um mit Abas zu fliehen, war sich Lykos sicher. Er hatte bereits einige Vorbereitungen getroffen. Als es dunkel wurde, und an Bord der Galeeren große Öllampen entzündet wurden, blieb das Wasser um die Schiffe trotzdem schwarz. Die Küste war nicht mehr zu sehen. Auch die Feuer, die während der vergangenen Tage am Strand gebrannt hatten, waren erloschen. Die Grube war leer. Die freigelassenen Männer waren ins Landesinnere geflüchtet, zurück zu ihren Weibern. Doch bald würden sie zurückkehren, denn hier waren ihre Jagdgründe und angepflanzten Felder.

Ceres und Phoibe hatten sich mittlerweile in ihrem Eigenheim eingelebt und einige Zusatzsklaven für die täglichen Arbeiten gekauft, so dass sich Nereus und Aphron ausschließlich auf die Liebesdienste konzentrieren konnten. Die Herrinnen waren mittlerweile auch erfahren im Umgang und der Dressur von frischen Sklaven. Bei der Händlerin arbeiteten sie daher bereits fleißig an dem „Rohmaterial“, das es zu dressieren galt. Und bald schon würde Flagella eine neue Fuhre erhalten, denn drei große Galeeren wurden vom Ostkontinent zurückerwartet. Das gab eine Menge harte Arbeit, die sich aber nach zahllosen Peitschenhieben und Tritten letztendlich auszahlen würde. Außerdem waren sie gern bei Flagella beschäftigt, denn die Tätigkeit machte ihnen ungeheures Vergnügen. Es einfach wunderbar, zu sehen, wie aus einem dummen und widerspenstigen Mann ein willenloser und höriger Leibeigener wurde.

Auch Pluta freute sich auf die Ankunft. Gleich aus zweierlei Gründen: Zum einen war es ihr Vorrecht als Herrscherin sich die zehn besten Sklaven zu nehmen, mit denen sie vorhatte, ihren Harem aufzustocken. Unter so einer Menge an Material würden die Götter sicherlich einige besonders exquisit bestückte Exemplare geschaffen haben. Vielleicht würde sie aber auch statt der Neuen zehn alte Bettsklaven austauschen. Das hatte Pluta schon oft so entschieden. Alte wurden langweilig. Frischfleisch war immer gut. Die Ausgestoßenen verschwanden von der Bildfläche. Kaum jemand wusste, wo die Sklaven verblieben. Bis auf wenige Vertraute…
Der andere Grund, warum die Despotin sich auf das Eintreffen der Schiffe freute, war, weil sie brennend neugierig war, wie sich „ihr“ Abas als Galeerensklave so machte. Sie wollte von einer Kommandantin bestätigt haben, dass der königliche Gemahl des Feindes sicher verwahrt war, auf dass er niemals wieder einen Fuß an Land setzten würde. Hoffentlich war er der Reise gewachsen gewesen. Es wäre doch zu schade, wenn ihn schon die Erlösung durch die Götter ereilt hätte.

Die Nacht war ruhig. Leise plätscherten kleine Wellen an den Rumpf. Lyka ging Wache und wartete, bis nur noch eine zweite Person zu sehen war, die am Heck positioniert war. In einem günstigen Moment machte Lyka einige schnelle Schritte auf die uniformierte Frau zu und versetzte ihr einen Hieb mit einem Knüppel über den Kopf, der sie augenblicklich ins Reich der Träume schickte. Dabei fing Lyka sie auf, damit sie nicht laut auf die Planken polterte. Beinahe wankte Lykas Mut, aber für einen Rückzieher war es nun zu spät. „Sie“ hastete unter Deck und ließ unter einem Vorwand die Luke zu den Rudersklaven öffnen. Als sich die Wärterin umdrehte und die Luke schließen wollte, versetzte Lyka auch ihr einen Hieb, der sie zusammensacken ließ. Sie legte die Frau auf dem Boden ab, eilte aufgeregt durch die Reihen der Sklaven und befreite etwa zwei Dutzend von ihnen. Ein wenig Durcheinander würde die Flucht erleichtern und etwaige Verfolger ablenken.

Abas folgte Lyka, die sich nun die Verkleidung vom Leib riss. Jetzt sah Lykos wieder aus wie ein Mann. Endlich! Was hatte er die Maskerade gehasst! Wie konnten Weiber nur darin leben? Abas folgte Lykos auf das Deck und zu einem Boot. Es war bereits zu Wasser gelassen und dümpelte in den Wellen. Die Beiden brauchten nur noch einzusteigen. Abas übernahm das Rudern. Er war zwar geschwächt, aber dank der unfreiwilligen Übung hatte er die nötige Kraft und drahtige Ausdauer, um sich möglichst schnell vom Schiff zu entfernen und in der Dunkelheit zu entkommen.

Bald schon hörten die Flüchtigen das Chaos ausbrechen: Wilde Stimmen riefen durcheinander, die freien Sklaven brüllten und bewaffneten sich mit Seilen, Knüppeln, Peitschen und Messern, die sie unter Deck erbeuteten. Die Besatzung war mit ihren Degen und Lanzen zwar besser bewaffnet, aber deutlich in der Unterzahl, denn die revoltierenden Sklaven hatten weitere Leidensgenossen von ihren Ketten befreit. Die männlichen Matrosen hielten sich aus der Meuterei weitgehend heraus. Sie waren unsicher, auf welche Seite sie sich schlagen sollten und warteten opportunistisch ab, wer siegen würde, um zu entscheiden, welche Fahne sie schwingen wollten.

Niemand schien bemerkt zu haben, dass sich ein Dingi mit zwei Personen abgesetzt hatte. Viel zu sehr waren alle damit beschäftigt die Oberhand an Bord der Galeere zu gewinnen. Einige Minuten später war die Meuterei auch auf den anderen beiden Schiffen bemerkt worden. Von dort kamen acht Boote mit Frauen herbei, die sich mit Armbrüsten bewaffnet hatten. Jeder widerspenstige Mann an Deck sollte von einem Pfeil niedergestreckt werden, so der Befehl der Ersten Kapitänin, der Kommodorin des kleinen Geschwaders.

Beinahe wären Abas und Lykos entdeckt worden, aber die Boote der beiden Schiffe waren so auf die Kampfgeräusche auf der dritten Galeere fixiert, dass sie das kleine Beiboot im Dunkeln nicht sahen. Nach weiteren bangen Minuten knirschte es unter dem Rumpf auf dem Strand. Abas und Lykos sprangen aus ihrem Gefährt und liefen an Land. „Schnell! Beeilt Euch! Noch sind wir nicht in Sicherheit.“ Abas folgte seinem Retter schnaufend durch das Dickicht der Vegetation.

„So dankt mir dieses Sklavenpack also meine Fürsorge!“, wütete die Kommodorin. „Wir werden alle Meuterer aufknüpfen. Aber zuvor werde ich sie mit meinem Dolch kitzeln!“ Sie warf wütend einen Kelch mit Rotwein quer durch ihre Kabine. Der Inhalt tropfte wie Blut von den Wänden eines Schlachters. „Und die Wächterin, die sich die Schlüssel hat klauen lassen, werde ich auspeitschen lassen!“

Die Erste Offizierin sagte: „Hohe Kommodorin, ich möchte mein außerordentliches Bedauern über diesen unsäglichen Umstand zum Ausdruck bringen und…“ Die Vorgesetzte unterbrach sie unwirsch: „Ruhe mit dem dummen Geschwätz! Worum geht es?“ Die Erste Offizierin räusperte sich. „Es könnte einen Verrat gegeben haben. Ich habe gerade Fahnensignale gelesen. Es fehlen ein Boot und eine Frau aus der Besatzung. Wie viele Sklaven geflüchtet sind, steht nicht fest…“ Die Kommodorin zürnte: „Verrat? Oder haben Sklaven die Frau vielleicht als Geisel genommen?“ Die Offizierin verneinte: „Das halte ich eher für unwahrscheinlich. Einen Augenblick, bitte.“ Sie ging zur Tür und gab einer Wächterin ein Zeichen. Kurz darauf erschien diese mit zwei Frauen. „Das sind Helena und Abraya. Sie haben etwas zu berichten.“




65. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 27.07.19 18:53

Die Kommodorin blickte in ihrem edlen Wappenrock erwartungsvoll zu den beiden Frauen, dann zu ihrer Offizierin, dann wieder zu den Frauen. Helena erzählte, dass sie ursprünglich als Spionin mit Abraya und Lykos an Bord gegangen waren. Doch sie hatte sich entschlossen, die Wahrheit zu sagen, um die Flucht des königlichen Gemahls zu verhindern. Die Erste Offizierin sagte: „Leider kam ihr Geständnis zu spät. Aber nun wissen wir, was wir unternehmen müssen.“ Die Kommodorin und Abraya starrten Helena an. Abraya öffnete fassungslos den Mund. Hatte Helena sie gerade ins Messer laufen lassen? Sie hatte ihre Tarnung auffliegen lassen und war zu einer Überläuferin geworden! Zu einer Verräterin!

Die Kommodorin befahl: „Sofort einen Suchtrupp aussenden. Der Verräter wird mit dem Sklaven an Land geflüchtet sein. Und die da“, sie zeigte mit ihrem Finger auf Abraya, als wolle sie sie damit erstechen, „schaff in eine Kerkerzelle unter Deck. Oder nein…“, ließ sie ein grausames Lächeln über ihr Antlitz zucken, „bring sie zu den Rudersklaven. Mögen die sich mit ihr anfreunden…“ Unter lautem Protest wehrte sich Abraya gegen die Behandlung und spuckte Helena ins Gesicht. „Das wirst du büßen, du treulose, dreckige Denunziantin!“

Doch all ihre Gegenwehr nutzte ihr nichts. Sie wurde von gleich vier Frauen grob weggeschleift und tiefer unter Deck gebracht… in die angedrohte Zelle, in der zwei Dutzend Rudersklaven an Ketten gefesselt und lüstern auf die neue Gefangene starrten. Abraya blieben die Ketten vorerst erspart. Ihre Bewegungsfreiheit machte es ihr auch möglich, den gierigen Händen der Männer auszuweichen. Doch sie musste wachsam bleiben. Einmal in die Klauen der Leibeigenen geraten… Sie musste auf der Hut sein. An Schlaf war nicht zu denken.

Plötzlich waren von Deck einzelne Schreie zu hören. Wurden Sklaven ausgepeitscht? Sie konnte sich keinen Reim darauf machen. Helena hatte vom Achterdeck, unter einem gespannten Sonnensegel, beste Sicht auf das Geschehen: Die neuen Gefangenen erhielten Brandmale, damit sie später besser den Galeeren zuzuordnen waren, denn je umfangreicher die Ladung desto mehr Lohn erhielt die Kapitänin von der Hafendirektorin. Eine der Offizierinnen hielt das Brandeisen in den Glutkorb, bis es orange leuchtete. Derweil brachten zwei bewaffnete Frauen einen der nackten Sklaven herbei und beugten ihn über eine Seiltrommel und zogen ihn an Armen und Beinen fest darum. Als der zappelnde Mann an Deck gebracht worden war, hatte Helena ihren Hals fast verrenkt, um dem Sklaven zwischen dessen Beine zu starren. Unglaublich, wie riesig einige der Luststäbe dieses Ostvolkes waren. So einen Liebesdiener würde sie sich im Ostreich auch kaufen, schwärmte sie.

Der Mann wirkte sehr maskulin und kräftig. Würde er den Schmerz des heißen Eisens ertragen, ohne einen Klagelaut von sich zu geben? Er erhielt eine Beißrolle aus hartem Leder zwischen die Zähne geschoben. Doch als sich das glühende Metall in sein Sitzfleisch bohrte, brüllte der Sklave auf. Er wurde wieder abgeführt, um dem nächsten Unglücklichen Platz zu machen. Eine der Frauen peitschte mit einem Tauende auf das geschundene Fleisch, so dass der Mann erneut aufschrie und nach vorne hüpfte, was wiederum einen kräftigen Zug an seinem „Lendenring“ verursachte, den die andere Frau zwischen den Beinen des Mannes hindurchgeführt hatte und ihn gleichzeitig mit einem spitzen Dolch nach vorne antrieb.

Helena musste auflachen. „Der Arme“, sagte sie. Aber irgendwie gefiel ihr die Situation so sehr, dass sie wieder an das große Geschlecht dachte, dass sie ausfüllen würde, wenn sie den Sklaven kaufen würde. Warum eigentlich nicht? Warum sollte es ein Traum bleiben? Solche Kreaturen waren nicht besonders teuer. Vielleicht holte sie sich gleich zwei Exemplare. Sie fragte eine Offizierin danach und bekam eine überraschende und erfreuliche Antwort: „Den da könnt Ihr euch vormerken lassen. Das ist kein Problem. Ich werde eine Wächterin anweisen, ihm ein weiteres Brandmal zu verpassen, damit wir ihn wieder finden. Als Besatzungsmitglied bekommt ihr 50 Prozent Rabatt.“ Helena wollte wissen: „Und wie viel ist das? Kann ich mir das von meiner Heuer leisten?“ Die Frau lachte heiter. „Mit Verlaub! So ein einzelner Sklave hat doch keinen Wert...“

Später machte sie Helena darauf aufmerksam, dass sie den Sklaven kurz vor dem Hafen verstecken musste, denn eigentlich entschied die Hafendirektorin zunächst über die „erste Wahl“, die der Herrscherin Pluta zustand. Und da der Sklave gut gebaut war… Helena nickte. Sie würde den Mann in ihrer Kabine verstecken. In einer Kiste. Sie erkundigte sich: „Und wie erziehe ich einen frischen Sklaven?“ Die Frau empfahl ihr, den Neuerwerb zunächst bei einer Sklavenschule ausbilden zu lassen. Sie nannte ihr ein sehr gutes Haus in der Hauptstadt mit passendem Nimbus.

Schon war der nächste helle Schrei eines Sklaven zu hören, der gebrandmarkt worden war. Helena hörte neben sich eine junge Offizierin sagen: „Ohne diese Kennzeichnungen wäre es sterbenslangweilig auf der Überfahrt. Vielleicht erleben wir ja noch ein paar Auspeitschungen an der Gräting.“ Helena vergewisserte sich bei der Frau: „Als Disziplinarstrafe?“ „Ja“, erklärte sie, „wir müssen Härte zeigen, sonst tanzen uns die Sklaven auf dem Kopf herum. Außerdem: ohne Härte gibt es keine Milde. Aber zuviel des Guten vertragen diese Kreaturen nicht. Undankbar werden sie, faul oder laufen sogar weg. Wir sind gezwungen, Strenge zu zeigen. Die wahre Bestimmung der Sklaven, ihre Natur, ist das Dienen und Gehorchen. Wir führen sie lediglich auf den richtigen Pfad.“
Helena nickte. Das hörte sich einleuchtend an. So hatte sie das noch nie gesehen.

Während sich die Frauen an Deck unterhielten und der Kennzeichnung weiterhin beiwohnten, wütete die Kommodorin in ihrer Kabine: „Der königliche Gemahl entkommen! Wie erkläre ich das der Hafendirektorin? Holt mir die Wächterin, die für den Aufschluss verantwortlich ist! Sofort!“ Es dauerte nur wenige Minuten, dann stand die Angeklagte vor der Vorgesetzten. Sie ließ ihren Kopf hängen und schwieg resignierend. Sie konnte erahnen, was ihr nun blühte. „50 Peitschenhiebe für dieses subversive Objekt!“, bestimmte die Kommodorin und ließ die Verurteilte wegbringen. Die Delinquentin ächzte laut und verzweifelt auf. Ihr wurde beinahe schwarz vor Augen, als hätte sie jemand mit der Seite eines Breitschwerts am Kopf getroffen.

Eine Offizierin kam herein und meldete zackig: „Die Meuterei ist unter Kontrolle. Leider haben wir einen Teil der Ladung verloren. Aber es gibt acht Überlebende. Was soll mit ihnen geschehen?“ Die Kommodorin rieb sich überlegend dem Finger über den Nasenrücken. „Ich habe mich noch nicht entschieden. Am liebsten würde ich sie alle an der Rah baumeln lassen, aber ich will nicht noch mehr Ware verlieren. Schließt sie krumm in Eisen. Jeden Tag werden wir einen an Deck holen und ihm 20 Peitschenhiebe verpassen – bis wir im Heimathafen einlaufen.“ Die Offizierin salutierte und freute sich schon. Da würde es täglich etwas gegen die Eintönigkeit auf See geben.

Am nächsten Morgen war das Geschwader auf dem Nachhauseweg. Kurz vor Mittag fesselten zwei Frauen ihre ehemalige Kameradin an die Gräting und rissen ihr Oberteil hinab. Das Opfer erntete mitleidvolle Blicke. Die Sonne schien angenehm herab und ein klarer blauer Himmel erstreckte sich bis zum flirrenden Horizont. „Weiter!“ forderte die Kommodorin und verlangte, man möge der Verurteilten das gesamte Kleid zerreißen. Nun stand die Frau nackt bis auf ihre Stiefel an Bord und erhielt auf den Befehl der Kommodorin den ersten Peitschenhieb. Schrill stieß die Gefesselte einen gellenden Schrei aus. So qualvoll hatte sie sich das beißende Leder nie vorgestellt. Helena ging es durch Mark und Bein. Seltsam, dachte sie bei sich, als die Sklaven gezüchtigt worden waren, hatte sie es sogar erregt. Aber nun musste sie hart schlucken und hatte Erbarmen mit der Frau, die doch nur „Lykas“ Befehl gehorcht hatte.

Hieb auf Hieb folgte. Zwischen den Schlägen vergingen jeweils mehrere Augenblicke. Die Frau wand sich in ihren Fesseln und schrie in ihren Knebel, den man ihr gegeben hatte, damit sie sich nicht verletzte. Jedes Klatschen schmerzte auch innerlich die umstehenden Frauen. Nach achtzehn Treffern sank die Gegeißelte in eine gnädige Ohnmacht. Die Kommandantin beendete die Bestrafung daher nach 25 Hieben. Die Geschundene hing in ihren Fesseln und sah schrecklich aus. Sie wurde auf einen knappen Befehl hin abgebunden und musste von zwei Wachsoldatinnen gestützt und unter Deck gebracht werden. Eine Medica würde sich um ihren Rücken und ihr Gesäß kümmern müssen. Anschließend schafften zwei andere Frauen die gefangene Abraya nach oben und befestigten sie an der Gräting. Auch sie erhielt eine harte Züchtigung. Auch ihr riss man zuvor die Kleidung hinab und stopfte ihr ein Lederstück zwischen die Zähne. Ein Blick traf Helena aus ihren Augen, der so eiskalt war, dass es sie fröstelte. Erst nach dem fünften Hieb schrie Abraya unterdrückt auf. Aber sie hielt sich wacker und konnte nach der Bestrafung noch eigenständig gehen – zwar wankend, aber selbstständig. Helena wurde mulmig. Sie hatte sich eine Todfeindin geschaffen.

Als dritte Person brachten die Soldatinnen einen der Meuterer. Er erhielt sogar doppelt so viele Schläge. Dazu wurde eine zweite Offizierin benötigt. Den Sklaven peitschten die Damen abwechselnd mit aller Kraft. Die regelmäßigen Auspeitschungen waren für einige der Frauen sehr erregend. Im Gegensatz zu den Geißelungen der verurteilten Damen hatten die Frauen bei den Männern keinerlei Mitleid und erfreuten sich sogar an den gequälten Lauten und dem Knallen der Peitschen. Da dauerte es nicht mehr lange, bis auf dem Schiff der Kommodorin Kreaturen aus der Ladung aus einem ganz anderen Grund an Deck gebracht, in ein großes Netz gesteckt und an einem hölzernen Kran mit einer Winde über Bord geschwungen wurden: um die Leiber im frischen Salzwasser einzutauchen. Sinn des Schauspiels war eine Reinigung der Männer, denn es handelte sich um Sklaven, die sich einige Frauen ausgewählt hatten, um sich mit ihnen zu vergnügen.

Helena staunte, dass bei diesen „Liebesdiensten“ niemand Sorge hatte, dass die Männer flüchten oder eine Waffe ergreifen würden. Aber Aussicht auf Erfolg war minimal. Und die Sklaven waren selbst so erregt bei der Vorstellung bei einer der Offizierinnen unter der Decke zu liegen, dass alle Gedanken an Gegenwehr aufgelöst waren. Für sie war es ein viel angenehmeres Dasein, als zusammengepresst unter Deck als Ware zu liegen. Helena beobachtete, wie die Männer zuvor in dem schwingenden Netz mehrfach im Meer untergetaucht wurden. Die „Wäscherinnen“, wie sich die beteiligten Frauen nannten, übertrieben es ein wenig, und Helena glaubte schon, dass einige ihrer „Fische“ absaufen würden, aber alle Sklaven kamen wohlbehalten – wenn auch einige prustend und hustend – aus dem Netz wieder an Bord.

Und bald war das Deck das reinste Tollhaus. „Ein verkommenes Bordell“, schimpfte eine Offizierin, die sich als Einzige nicht für die Liebesdiener begeistern konnte. Insgeheim hatte sie mehr Interesse an ihren Kameradinnen, doch hatte sie dies noch niemandem gesagt. Daher spielte sie die Züchtige, die dem obszönen Tun nichts abgewinnen konnte. Aber die Kommodorin duldete den Spaß, denn der Dienst an Bord war sonst hart und streng genug. Sollte sich die Besatzung ruhig vergnügen! Die Kommodorin hatte andere Sorgen, als sich über die fleischlichen Gelüste ihrer Untergebenen zu kümmern. Wie sollte sie der Hafendirektorin den Verlust des königlichen Gemahls erklären? Er wurde zwar nicht als Geisel benötigt, aber Pluta wollte stets wissen, wo sich der Mann befand. Und nun war er ausgeflogen wie ein Vöglein, der aus seinem Käfig geflattert war. Auf einen fernen Kontinent geflüchtet. Hinfort aus ihrem Machtbereich. Womöglich für immer verloren. Ihre Sorge vor ernsthaften Konsequenzen stieg mit jeder Seemeile, die die Flotte Richtung Ostreich nahm.

Lykos und Abas schlugen sich durch den dichten Urwald, was ohne Macheten gar nicht so einfach war. Lykos schimpfte sich einen Narren, weil er keine Waffen mitgenommen hatte. Sie waren zwei Tage unterwegs ins Landesinnere des fremden Kontinents und hofften, dass sie mittlerweile alle Verfolger abgeschüttelt hatten. Inzwischen hatte Abas einen Rock aus großen Blättern um die Hüfte geschwungen, um seine Lenden zu bedecken. Das Flechtwerk hatte viel Geduld gekostet und war nicht besonders reißfest, aber für das Erste musste es reichen. Die vielen Schlingpflanzen und Dorngewächse hatten auf seinem gesamten Leib Spuren hinterlassen. Nun war wenigstens sein Schoß geschützt.

Sie folgten seit einigen Stunden einem kleinen Fluss, der sie mit Süßwasser versorgte. Beeren und Früchte wuchsen überall, so dass sie auch keinen Hunger litten. Doch langsam wurde ihnen klar, was das Schicksal für sie bereithielt: Sie waren in einer fremden Welt gestrandet, ohne Kontakt zu zivilisierten Menschen. Wie sollten sie jemals wieder das Vereinte Reich betreten? Wie wollte Lykos jemals seinen Auftrag erfüllen und den königlichen Gemahl zurück in die Hände seiner Königin Leda geben?

Plötzlich hörten die Beiden ein Knacken im Unterholz und blieben wie vom Blitz getroffen stehen. Innerhalb weniger Atemzüge waren sie umringt von einer Gruppe Krieger, die ihre Speere auf sie richteten. Eine Flucht war nicht möglich, denn sie waren eingekreist. Ein Krieger trat vor und sagte überraschenderweise in ihrer Sprache: „Gebt alle eure Waffen her. Ihr seit unsere Gefangenen.“ Der Mann hatte eine sehr hohe Stimme. Und dann fiel es Lykos auf: Es war eine Frau. Der weite Umhang über dem bauschigen Seidengewand hatte ihre Figur verhüllt, das Antlitz war mit schwarzer Farbe mit ungewöhnlichen Mustern verziert. Als Lykos und Abas genauer hinsahen, stellten sie fest, dass alle „Krieger“ Frauen waren. „Wir besitzen kein Schwert und keinen Dolch. Wir sind Flüchtlinge, die…“, fing er an. Eine Kriegerin trat vor und schlug Lykos mit einer Peitsche, die aussah, wie eine von den Galeerenfrauen. Vielleicht hatten sie sie erbeutet. Unter dem brennenden Schmerz verstummte Lykos. Die Anführerin befahl: „Ruhe! Ihr redet nur, wenn ihr gefragt werdet. Flüchtlinge seid ihr nun nicht mehr. Ihr gehört uns und werdet unserer Gottheit geopfert. Unser Volk hat schon zu viele Männer verloren an euch Fremde. Ihr kommt und stehlt unsere Väter und Brüder. Aber nun werden eure Frauen ebenfalls zwei Männer verlieren.“

Abas und Lykos sahen sich an. Jetzt sollten sie ausbaden, was die Ostfrauen angerichtet hatten mit ihren Sklavenjagden! Da waren sie vom Regen in die Traufe gekommen. Was nun? Sie mussten aneinandergefesselt einem Pfad folgen. Vor und hinter ihnen liefen die Eingeborenen. Die Beiden wurden in ein Lager gebracht, in dem fast nur Frauen zu sehen waren. Hatten die Ostfrauen tatsächlich fast alle Männer versklavt und verschifft? „Bevor ihr sterbt“, verkündete die Anführerin, „werdet ihr uns noch behilflich sein, unser Volk zu stärken.“ Sie brachten Lykos und Abas in ein Zelt, wo sie an zwei Pflöcke gebunden wurden. Wie sollten sie die Frauen „stärken“? Was hatte die Kriegerin damit bloß gemeint?

Gegen Abend kam ein Mann zu ihnen – der erste, den sie hier gesehen hatten. Es war ein Greis mit langen weißen Haaren in einem weißen langen Gewand aus Baumwolle. Er trug eine Schale mit rauchenden Ingredienzien vor sich her, stellte sie vor die Gefangenen und fächerte mit einem zusammengebundenen Strauch Zweigen den Rauch durch die Luft, so dass Abas und Lykos husten mussten. Dieses seltsame Aroma hatten sie noch nie gerochen. Irgendwie spürten sie, wie ihre Köpfe und Glieder schwer wurden und zusammengesunken wären, wenn sie nicht gefesselt gewesen wären.

„Ich bin schon sehr alt“, sprach der Greis das Offensichtliche aus, „aber unsere fruchtbaren Weiber brauchen junge Männer, um unser Volk wieder erstarken zu lassen.“ Abas und Lykos sahen sich an. Lykos meinte: „Wir sollen eure Weiber…“ Er war sich nicht sicher, ob er den Alten richtig verstanden hatte. Der Greis nickte langsam wie in Trance. Wenige Momente später wurden Abas und Lykos die Augen schwer. Der Rauch machte sie schläfrig, und dann verloren die Zwei ihr Bewusstsein.

Als Lykos erwachte, wusste er nicht, wie lange er so gelegen hatte. Er befand sich in einem anderen Zelt und lag auf mehreren Fellen. Arme und Beine waren an vier Pflöcken mit Lederriemen festgebunden. Er sah sich um. Wo war Abas? Eine Frau erschien. War es die Anführerin? Er war sich nicht sicher, denn das Weib trug nun keine Kriegsbemalung mehr. Auch ihre bauschige Kleidung hatte sie abgelegt und war nun nur sehr spartanisch bedeckt, dafür aber mit zahlreichen kunstvollen Ketten und Amuletten geschmückt. Im Gegensatz zu ihrem martialischen Auftreten im Wald, wirkte sie nun sehr feminin. Langsam bewegte sich die Fremde auf ihn zu und stellte sich über seinen Körper... Lykos blieb vor Schreck und Scham fast das Herz stehen, bevor es danach dafür umso schneller schlug: Er war splitternackt!

Röte strömte in sein Gesicht. Die Kriegerin senkte sich langsam auf ihn nieder. Ihre Beine waren gespreizt und… Lykos spürte, dass sie unter dem kurzen Rock nackt war – und feucht. Nun wurde er erst recht knallrot. Und er bemerkte erst jetzt, wie steif seine Männlichkeit war. Und dann tauchte sie sein scharfes Schwert in ihre weiche Weiblichkeit, das der Gefangene aufstöhnte vor Lust. Ja, es war die Anführerin! Es war... wundervoll! Oh, wie liebte er diesen Augenblick! Seine Erregung wuchs ins Unermessliche. Die Gedanken an Abas hatten sich verflüchtigt.


66. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 18.08.19 15:22

In dieser Nacht sollte Lykos nicht nur diese eine Frau erleben. Nacheinander kamen sechs Weiber zu ihm, um ihn zu nehmen wie weibliche Geistwesen aus den alten Sagen, die die Männer nachts verführten. Nach jeder Frau erhielt er einen Kräutersud zu trinken, der seine Begierde neu anfachte. Diese Weiber mussten die Zauberkunst beherrschen. Er spürte, wie sein Körper immer erschöpfter wurde, aber seine Lust nahm nicht ab und vergoss sich immer wieder aufs Neue in seine Besucherinnen.

Irgendwann mitten in der Nacht sackte er in einen tiefen Schlaf. Waren es fünf, sechs oder sogar sieben Besuche gewesen? Er wusste es nicht. Am nächsten Tag fühlte sich so frisch und erholt, als sei nichts geschehen. Doch er konnte sich an alles erinnern. Wie konnte das sein nach dieser „Nacht der Liebenden“? Eine Frau kam zu ihm ins Zelt und brachte ihm ein Morgenmahl. „Du hast uns fruchtbar und gedeihlich gedient. Die Auserwählten werden unser Volk stärken.“

Lykos erkundigte sich hoffnungsvoll: „Werde ich nun meine Freiheit zurückerhalten? Und was ist mit meinem Gefährten?“ Das Weib sah zu Boden. „Es tut mir Leid, aber wir können Euch Euer Leben nicht schenken. Euch werden wir der Gottheit der Fruchtbarkeit opfern. Erst dann ist das Ritual vollendet. So war es immer. So soll es sein.“ Lykos sah sie erschrocken an und zerrte an seinen Fesseln. „Was habt ihr vor? Wollt ihr mich meucheln für eure Götzen?“ Die Angesprochene schaute ihn an: „Ihr werdet Euer Leben für das eines ganzen Volkes geben. Das ist eine große Ehre.“ Lykos dachte: „Ich spucke auf die Ehre…“ Laut wollte er wissen: „Wo ist mein Kamerad? Muss auch er sterben?“ Die Frau antwortete: „Nein. Er ist bereits wieder frei. Dein Freund kann von keinem Weib beglückt werden. Er ist…. anders.“

Lykos erinnerte sich an den Keuschheitsgürtel. „Was heißt frei? Ist er noch hier?“ Die Frau verneinte: „Er ist aus dem Lager geführt worden. Er ist hier nicht mehr länger geduldet.“ Lykos wurde wütend: „Geduldet? Ihr habt uns doch entführt und hergebracht. Außerdem wisst ihr wohl nicht, dass mein Gefährte in seiner Heimat ein König ist!?“ Sein Gegenüber schien unbeeindruckt. Lykos wollte wissen: „Wann muss ich sterben?“ Das Weib verkündete: „Bei Morgengrauen.“ Dann entschwand es hastig, als habe es Angst vor weiteren Fragen oder nur Lykos Gesicht. Der Soldat zog ächzend an den Fesseln. Sie waren fachmännisch angebracht. Da gab es kein Entkommen. Wie sollte er fliehen? Er hatte nur noch wenige Stunden Zeit, um dem Sensenmann zu entkommen. Danach würde er in die Unterwelt fahren und für die Ewigkeit im Feuer der Toten brennen…

Abas irrte im dichten Grün des Waldes umher. Was sollte er nun unternehmen? Überall waren Feinde. An der Küste lauerten vielleicht noch die Galeeren aus dem Ostreich, und zurück zu den Amazonen konnte er auch nicht. Bald würde es dunkel werden. Alleine in diesem Dickicht horchte er auf jedes Geräusch, jedes Knacken, jedes Pfeifen, jedes Rauschen. Waren es die Feinde? Oder schlich sich ein wildes Tier an? Oder kletterte da nur ein harmloses Eichhörnchen in einen Baum und raschelte an den Blättern?

Abas erinnerte sich an die letzten Worte der Anführerin: „Geh! Und komm nie wieder her! Du bist für mein Volk nicht zu gebrauchen. Dein Gürtel macht dich unnütz.“ Abas sah in seinen Schoß hinab: Ledas Vorsichtsmaßnahme hatte ihm zwar frustrierende Stunden, aber auch das Leben geschenkt. Er war ratlos. Konnte er den Soldaten, der ihn retten wollte, einfach seinem Schicksal überlassen? Nein. Er musste zurück in das Lager der Frauen schleichen und Lykos befreien! Auch, wenn es sein Leben gefährdete.

Viele Meilen entfernt herrschte Königin Leda in ihrer Festung. Sie sah in den Spiegel und entdeckte erste graue Haare. Die Sorge um Abas hatte sie altern lassen. Die Metropole des Ostreiches war uneinnehmbar gewesen. Zwar hatte sie das Vereinte Reich um etliche Meilen nach Osten ausweiten können, aber diese ominöse Diktatorin Pluta herrschte immer noch und trieb ihr Unwesen auch an entfernten Gestaden eines fremden Kontinentes, wie ihr Spioninnen Kunde getan hatten. An den Erfolg ihres Hauptmannes und seine beiden Begleiterinnen glaubte sie nicht mehr. Sie hatte ein ungutes Gefühl.

Sie holte sich daher Rat bei ihrem Alchemisten Caduceus, der seherische Fähigkeiten besaß. Und Ledas Befürchtungen musste Caduceus bestärken: „Ja, Majestät. Die Rettungsaktion ist missraten. Ich sehe Abas aber trotzdem in Freiheit. Er ist in weiter Ferne. Doch noch schwebt eine große Gefahr über ihm. Die Truppe, die Ihr geschickt habt, Majestät, ist zerschlagen worden. Ich sehe eine Person in Ketten… Oh!“ Er brach ab. Seine Nervosität übertrug sich auf den Raben, den er stets auf seiner Schulter mit sich führte. Der Vogel schrie und flatterte mit den schwarzen Flügeln.

Leda sah ihn forschend an: „Was ist? Was seht Ihr? Sprecht!“ Caduceus antwortete: „Mit Verlaub, das Zerrbild ist weg. Ich sehe nur noch dunkle Nebel. Aber ich erkannte die Umrisse einer der Soldatinnen, die Lykos begleiteten. Sie stand bei einer hohen Soldatin des Feindes. Seite an Seite auf dem Deck eines Schiffes.“ Leda forschte: „Verrat? Oder ist sie eine Geisel?“ Caduceus bebte, runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. „Es ist dunkel, Majestät. Ich kann nichts mehr sehen. Es tut mir Leid, Hoheit. Aber sie sah nicht aus wie eine Gefangene.“

Leda war schockiert. Eine Soldatin war zum Feind übergelaufen! Ein Pakt des Bösen! „Diesen Treuebruch wird sie noch bitter bereuen. Geht jetzt, Seher. Geht! Ich will allein sein.“ Caduceus verneigte sich höflich: „Sehr wohl, Majestät. Wie Euch beliebt.“. Er schwang seinen langen Umhang um sich und zog sich zurück in seine Kammer im Nordturm der Burg. Er musste meditieren. Die Visionen nahmen ihm viel Energie. Er griff nach einem Amulett, in das ein Wolfszahn eingearbeitet war, und rieb es in seinen Händen, schloss die Augen und setzte sich damit im Schneidersitz auf den Boden. Leise murmelte er eine Beschwörungsformel. Wieder und wieder.

Abas folgte seinen Spuren zurück Richtung Lager der Frauen. Vorsichtig näherte er sich bei mittlerweile völliger Finsternis dem kleinen Lagerfeuer, das gerade dabei war, auszugehen, einige Scheite glimmten nur noch. Bald würde nur noch ein wenig rote Glut an die lodernden Flammen erinnern. Aber wo steckte Lykos? Es gab so viele Zelte… War eines besonders bewacht? Abas sah sich um und erkannte eine besonders große Bleibe mit zwei Wächterinnen davor. Das konnte allerdings auch das Heim der Anführerin sein.
Dann entdeckte er noch ein weiteres kleines Zelt, vor dem ebenfalls zwei Wächterinnen aufpassten. Das musste es sein!

Abas wartete noch einige Zeit, bis im Lager vollständige Stille eingekehrt war und die Weiber schliefen. Erst jetzt schlich er sich langsam immer näher an die Rückseite des Zeltes. Kein Feuerschein drang durch die groben Stoffbahnen. Abas kroch auf allen Vieren bis an den Rand des Zeltes und bewegte das dicke Leinen um eine Fingerlänge nach oben und lugte vorsichtig durch den Spalt. Im Innern war es zwar noch dunkler als draußen unter dem fast sternenlosen Nachthimmel, doch er konnte einige Umrisse erkennen: eine Truhe, eine Amphore, vermutlich aus Ton, und eine Bettstatt mit mehreren Fellen, die übereinander lagen. Eine Person lag darauf. Lykos?

Der Königsgemahl quetschte sich unter dem Zeltstoff durch und robbte sachte vorwärts. Die Person schlief. Die leisen Atemzüge waren gleichmäßig und ruhig. Auf dem Boden war ein Brokatteppich ausgelegt. Die edle Ausstattung ließ erahnen, dass hier nicht nur ein Gefangener lebte. Doch Abas Vermutung war falsch. Die Frauen hatten den zum Tode Verurteilten seine letzte Nacht in luxuriöser Umgebung gestaltet, da er immerhin einige Frauen seinen Samen eingepflanzt hatte. So wollte es die Tradition.

Abas war nun mit dem gesamten Leib im Zelt und erhob sich geräuschlos, um sich über den Schlafenden beugen zu können. Lykos wachte just in diesem Augenblick auf, als sich eine Hand über seinen Mund legte. Er wollte schreien. Wer war das? Seine Henkerin? Graute schon der Morgen? Wieso war er überhaupt eingeschlafen? Jemand musste ihm einen Schlaftrunk aus Mohnsaft eingeflößt haben. Doch dann erkannte er plötzlich das Antlitz seiner Majestät! Abas nahm zögernd seine Hand weg und flüsterte: „Schnell, Soldat! Beeilt Euch! Wir müssen fliehen! Aber seit leise!“ Er löste die Fesseln, mit denen Lykos an zwei Pflöcken festgebunden war. Sie verließen das Zelt eilig durch die Rückseite.

Die ersten Schritte in der Nachtluft bewegten sie sich langsam und leise auf den Zehen, aber je weiter sie vom Lager entfernt waren, desto schneller hasteten sie durch den Wald. Trockene Zweige und Laub knackten und knisterten unter ihren Sohlen. Mancher kleine Dorn bohrte sich in ihre Fußballen und Hacken. Wohin sie entflohen, dass wussten sie selbst nicht. Nur erst einmal weg von diesen tödlichen Amazonen! In die schwarze Dunkelheit hinaus. Ins Ungewisse. Zweige peitschten ihnen den Körper, und Wurzeln ließen sie straucheln, aber sie rannten hechelnd und keuchend um ihr Leben. Weiter und weiter.

Ihre Herrlichkeit Pluta erschien des Morgens an einem Hofeingang ihres Palastes, um durch den Lustgarten zu schlendern. Ein Sklave begleitete sie, um einen großen zinnoberfarbenden Sonnenschirm zu halten, der aus einem festen Segelstoff gefertigt war, und die zarte Haut der Herrin beschattete. Die Tyrannin schritt die Stufen unter einem weißen Portikus hinab. An einer Seite der großen Marmorplatten schufteten drei Sklaven auf wunden Knien, um den Boden blankzuwienern. Einen Steinwurf entfernt kam sie an mehreren kleinen Würfeln aus Gittern vorbei. In jede dieser zwergenhaften Kisten war ein nackter Sklave gezwängt. Mit angezogenen Beinen klemmte sein Kopf tief zwischen seinen Schenkeln, um zusammengepresst in den Käfig zu passen. Einer lag auf seiner linken Seite, ein anderer auf seinem Rücken, die anderen hockten mit ihrem Gesäß auf dem Gitterboden.

Pluta selbst hatte sie gestern – oder war es vor zwei Tagen gewesen? - einsperren lassen. Ihr waren die Männer zu langsam bei der Gartenpflege gewesen. Daraufhin hatte sie vorgeschlagen: „Wenn sie müde sind von ihrem Gewerk, sollen sie doch faulenzen dürfen. Packt sie in diese Ruhekäfige, wo sie verschnaufen können und sich der Müßigkeit widmen dürfen.“ Ob sie danach besser in einem Narrenkostüm als bucklige Missgeburten auftreten sollten? Die Zeit würde es zeigen. Pluta schritt an ihnen vorbei, einen grausamen Zug von Schadenfreude um den Mund. Hinter ihr war leises Stöhnen, Jammern und Ächzen zu hören. Die Eingesperrten wussten nicht, was ihnen größere Qualen bereitete: der Durst, der gepeinigte Rücken, die Gelenke? Oder die Angst vor der Zukunft.

Die Kommodorin an Deck murmelte, als wollte sie sich Mut machen: „Wir mussten einfach aufbrechen. So viele Sklaven an Bord benötigen Wasser und Nahrung. Und außerdem wird die Ware dringend erwartet. Dieser Abas wird mit seiner Begleitung in der Fremde umkommen. Pluta wird damit einverstanden sein…“ Wichtiger war jetzt die Fracht, die nicht schöner wurde, wenn man noch länger hier verharrte. Sie blickte zum Himmel und schätzte den Wind ein. Sie würden den Kurs beibehalten können und bald ihren Zielhafen erreichen, wenn das Wetter nicht umschlug. Doch wussten erfahrene Seefahrerinnen, dass dies bei den launigen Meeresgöttern immer ungewiss war. Vielleicht würde ein Sklavenopfer die Herrinnen der Ozeane milde stimmen? Aber dann verdrängte sie den Gedanken wieder.

Während der Überfahrt sah Helena ihre ehemalige Kameradin Abraya nur noch ein einziges Mal: als sie in Ketten und barbusig an Deck geführt wurde, um ausgepeitscht zu werden. Aber ihr einst so makelloser Leib trug bereits Spuren… eines Kampfes? Hatte sie sich gegen ihre Mitgefangenen wehren können? Schnell wendete sich Helena ab. Grausige Bilder entstanden in ihrem Kopf. Männer, die schon seit Monaten keinen Hintern eines Weibes mehr gepackt hatten, waren hungrig und gierig...

Als der Tag der Ankunft bevorstand, schlug Ihr Herz wie wild. Wie würde sie von der Hafendirektorin aufgenommen werden? Diese Frage stellte sie sich schon zum mindestens hundertsten Male. Diese hochrangige Kommandantin würde über ihr Schicksal entscheiden. Eines stand fest: Nach ihrem Hochverrat konnte sie nicht ins Vereinte Reich zurück. Und nun sollte bald die Gewissheit im Hafen kommen. Sie erlebte mit, wie die Ladung gelöscht wurde. Die Sklaven wurden in Ketten an Land gebracht und in verschiedene Verschläge geführt. Die Besatzungsfrauen erhielten von der Zahlmeisterin Heuer sowie Prämien für erfolgreiche Sklavenjagd. Die Rudersklaven blieben an Bord, denn bald sollte es zu einer weiteren Reise nach Süden gehen, wo zwei Frachtschiffe Tabak und Baumwolle stauen würden – wichtiger Nachschub für die Metropole, in der so viele Menschen lebten. Eine Galeere sollte dem Begleitschutz dienen.

Die Kommodorin war bereits seit über einer Stunde im Haus der Hafendirektorin, und kratzte sich nervös an ihrem taillierten Wams. Dann erschienen einige Soldatinnen und ließen die männlichen Besatzungsmitglieder einer der Galeeren an Land in einen Gebäudekomplex bringen, wo ihnen einige uniformierte Frauen Ketten um Hals und Arm- sowie Fußgelenke schmiedeten. Die Hafendirektorin hatte die Männer zu fünf Jahren Steine klopfen verurteilt, weil sie gegen die Meuterei nichts unternommen hatten. Fünf Jahre in brütender Hitze mit schweren Hämmern bewaffnet, unter der Knute der Aufseherinnen und bei karger Kost.

Die rebellischen Sklaven dagegen wurden in eine Baracke gesperrt. Dort mussten sie auf das Urteil warten, welches sie erfahren würden. Jeder wusste schon jetzt, was diese armen Kreaturen erwartete. Da man sie nun nicht mehr bei Kräften halten musste, erhielten sie nur wenig Wasser und kaum Verpflegung. Die Wächterinnen warfen einige wenige Brocken alter Mahlzeiten zwischen die mit Ketten verbundenen Aufsässigen. Schnell entwickelte sich eine hektische Rangelei und dann eine verzweifelte Rauferei um die verdorbenen Portionen. Eine Zeitlang sahen die Wärterinnen dem Tumult schmunzelnd zu, dann begannen sie, mit ihren Geißeln auf das Männerknäuel einzupeitschen, um wieder trefflich Ordnung herzustellen.

Helena wurde blass wie Alabaster, als sie den Blick der Kommodorin sah, als diese aus dem Salon der Hafendirektorin herauskam. Man hatte ihr die Abzeichen so grob von der Uniform gerissen, dass ihr edler Zwirn stark gelitten hatte, und führte sie ab wie einen gemeinen Beutelschneider. Was sollte das nur bedeuten? Helenas Herz raste. Und was wird aus mir, rätselte sie. Kaum hatte sie sich diese Frage gestellt, kommandierte sie eine Soldatin zu der Hafendirektorin. Helena ächzte leise und folgte der Frau gehorsam, die im Stechschritt voranmarschierte. In ihrem Magen schien sich ein Dutzend Wackersteine zu befinden. Jetzt würde sich ihr Schicksal entscheiden…

Sie stand zitternd vor der mächtigen Lady, die auf einer Art Thron hinter ihrem gewaltigen Marmortisch saß. An den Fenstern wehten teure Seidenvorhänge. An der verzierten Decke hingen kostbare Kerzenständer aus Silber. „Ich fühle mich geehrt Euch danken zu dürfen. Ihr habt das Ostreich vor größerem Schaden bewahrt und eine Verräterin entlarvt. Dafür sollt Ihr eine opulente Belohnung erhalten sowie einen angemessenen Rang in der Ostarmee“, sagte die Direktorin. Helena stand sprachlos da, bis ihr auffiel, wie unhöflich das wirken musste. Sie antwortete geschwind: „Ich fühle mich sehr geschmeichelt, Euer Ehren.“ „Leider“, setzte die Direktorin an und hob eine Augenbraue, „ist der Königsgemahl geflüchtet. Aber das ist nicht Eure Schuld. Dafür muss sich diese inkompetente und schändliche Kommodorin verantworten.“ Die Rangbezeichnung spuckte sie förmlich aus wie ein Stück faule Frucht.

Die Direktorin, zunächst die Ruhe in Person, war nun in Rage geraten und aufgestanden. Sie wirkte, als würde sie die Schuldige am liebsten hier vor Ort und höchstpersönlich garrottieren. Doch dann ließ sie sich kraftlos wieder auf ihren Sitz fallen und griff sich an die Stirn, als habe sie Fieber. „Und ich muss Pluta von dem Verlust berichten…“, sagte sie in einem vor Selbstmitleid triefenden Tonfall. „Geht nun dahin“, meinte sie. „Wendet Euch an meine Kadettin. Sie wird Euch das versprochene Gold geben und alles weitere mit Euch besprechen.“ Helena atmete erleichtert aus, als sie die Hafendirektorin verließ. Eine Stunde später hielt sie ein volles Säckchen mit Golddublonen in der Hand und erhielt ihre neue Uniform. Sie würde im Rang einer Kapitänin ein Schiff befehligen! Dabei hatte sie doch gar keine Ahnung von der Seefahrt. Aber die Kadettin hatte sie beruhigt: „Das Schiff wird von der Besatzung gefahren. Die Kapitänin hat nur das oberste Kommando. Das Wissen um die Nautik wird nach und nach schon kommen…“

Als Helena mit der Kadettin unterwegs zu einer Unterkunft war, wo sie wohnen konnte, bis ihr ein eigenes Schiff zugeteilt worden war, kam sie an dem Komplex vorbei, in dem die männlichen Matrosensklaven eingekerkert waren. Helena hörte laute Peitschenhiebe und ging schnell weiter. „Was wird denn aus der Kommodorin?“, wagte Helena die Frage und hoffte nicht zu weit gegangen zu sein. Die Frau machte ein grimmiges Gesicht. „Dieses Weib ist keine Kommodorin mehr und wird zur Ehrwürdigen Herrscherin gebracht. Sie hat die Verantwortung für die Flucht des Gemahls der feindlichen Königin. Pluta wird nicht erfreut sein!“

Helena musste schlucken. „Und…. Was wird aus Abraya? Die Spionin?“ Die Offiziersanwärterin zuckte mit den Schultern, dass ihre Lederklappen daran klackten. „Sie ist unbedeutend. Vermutlich wird sie die übliche Strafe für feindliche Späher erhalten.“ Helena wagte: „Und die wäre?“ Die Uniformierte sah sie erstaunt an, bis sie sich daran erinnerte, dass auch Helena aus dem Vereinten Reich stammte und es nicht wissen konnte. „Sie wird in einen Käfig gesperrt und an einem Mast im Hafen aufgehängt.“ Helena sah die Frau fragend an. Sie wollte erfahren, für wie lange… Aber dann erinnerte sie sich an die Käfige, die sie bei der Einfahrt der Galeere an der Kaimauer gesehen hatte – und die Skelette darin.

Die Offiziersanwärterin war in Gedanken schon dabei, ein kleines Presskommando zusammenzustellen. Es mussten neue Ruderer gefunden werden. Dabei bedienten sich die Seefahrerinnen gern Feldsklaven, die kräftig genug waren, um ihre neue Tätigkeit ausführen zu können. Es war nicht direkt Sklavenraub, weil die Trupps sich den Eigentümerinnen gegenüber zu Ausgleichszahlungen verpflichteten – die allerdings in der Regel geringer ausfielen, als der Wert der Arbeitskraft wirklich war. Die Neuerwerbe erhielten dann ein Halseisen, dass an lange Stangen gebunden wurde, so dass die Männer hintereinander an Bord marschieren konnten. Auf den Ruderbänken erhielten sie Fußeisen, die sie mit dem Schiffsrumpf verbanden, und Handgelenkseisen, die mit den Rudern verbunden waren. Kleidung war für die Männer verboten.

An Land verkündete Kauffrau Flagella ihren beiden Angestellten Ceres und Phoibe: „In wenigen Tagen wird eine große Ladung frische Sklaven erwartet. Das bedeutet viel Arbeit. Wir müssen sie nach Wert und Fähigkeiten sortieren und sie für den Verkauf vorbereiten. Aber ich kann euch versprechen: Es wird sich lohnen. Einige Sklaven wird sich zwar Pluta herauspicken, aber es bleiben noch genügend Sahnestücke für uns übrig, die wir für viele Münzen versteigern werden. Alles starke Kreaturen, kein faulendes oder schwärendes Fleisch. Nur mageres Muskelpack, gesunde Zähne. Selbstverständlich werde ich euch gesondert entlohnen, wenn ihr mir dabei helft, die Flut von Exemplaren zu bearbeiten. Sie müssen ihre Zeichen bekommen, neue Halseisen und vieles mehr.“

Die beiden Damen nickten einvernehmlich und freuten sich schon auf die neuen Sklaven.
„Ich übernehme das Brandmarken“, sagte Phoibe mit einem Leuchten in den Augen. Ceres freute sich: „Und ich untersuche sie nach Krankheiten oder Verkrüppelungen und prüfe ihre Muskeln und Männlichkeit.“ Flagella meinte: „Die Gemächte schaut sich sonst…“ Ceres unterbrach die Händlerin: „Ich weiß. Ich will ihr ihre Lieblingsarbeit ja nicht wegnehmen. Ich übernehme sie nur, falls sie krank ist.“ Flagella grinste. Sie ahnte, dass ihre alte Mitarbeiterin auf ominöse Weise krank werden würde… Aber da würde sie sich nicht einmischen. Sollten das ihre Angestellten untereinander regeln. Sie hatte genug zu tun, eine große Sklavenauktion zu organisieren. Da blieb ihr keine Zeit, in einen Zickenkrieg zu intervenieren.





67. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 15.09.19 16:41

Die Zeit, bis die Ware in langen Schlangen ankam, verging wie im Fluge. Und Flagella hatte nicht zu viel versprochen: Es gab eine Menge Arbeit, aber auch viel Vergnügen für alle Angestellten, die nicht angespornt werden mussten, sondern von ganz alleine emsig arbeiteten. Ceres tat überrascht, als Flagella sie für die anatomische Prüfung der Sklaven einteilte, „weil Berana krank geworden ist“. Ceres hatte der Mitarbeiterin am Vortag eine Rizinus-Essenz in den Tee geschüttet, die sie wohl vorerst beschäftigen würde…

Dafür dufte Ceres nun ausführlich die nackten Sklaven „kontrollieren“. Natürlich ließ sie es sich nicht nehmen so manches Gemächt sehr genau, um nicht zu sagen unnötig genau, zu prüfen: Größe, Gewicht und Funktion waren schließlich sehr wichtig, wenn der Leibeigene später beispielsweise als Liebesdiener arbeiten sollte. Ob auch sinnvoll war, dass sie mit einem konisch verlaufenden Stäbchen prüfte, wie tief sie ihn in dem Luststab versenken konnte, war fraglich.

Nach mehreren Stunden der gleichen Kontrollen wurde ihr aber selbst diese erregende Aufgabe langweilig. Derohalben erfand sie neue Methoden der Begutachtung. Dazu gehörten auch diverse Tests zur Schmerzschwelle des Sklaven. Für die „Quetschtechnik“ hatte sie sich zwei Holzbretter mit Schrauben gebaut, die wie eine Schraubzwinge funktionierte. Noch nie war Ceres gen Abend so feucht und wollüstig nach Hause gekommen und hatte Aphron gefordert wie eine ganze Horde „ausgehungerter“ Damen. Wenigstens blieb ihrem Privatsklaven die Zwinge erspart.

Phoibe hatte dagegen den ganzen Tag Brandeisen in der Hand und drückte es der Reihe nach auf hundert nackte Männerhintern pro Stunde. Und doch war es nicht eintönig, denn immer wieder war Phoibe überrascht, wie die Sklaven reagierten. Mal schrieen sie hoch wie ein Weib, mal grunzten sie, einige jammerten schon vorher, andere spielten den harten Kerl, brüllten dann aber, als würde Phoibe sie abschlachten wollen. Ein Schmunzeln ging über die Münder der Sklavenhändlerinnen. „Angsthasen“ drohten sie noch mit allerlei anderen Dingen und amüsierten sich köstlich über die Männer, die zuvor noch groß und stark wie ein Fels dastanden, jetzt dagegen nur noch ein Häufchen Elend waren, flennten und um Gnade flehten.

Flagella bekam derweil Besuch von einem Trupp Steuereintreiberinnen. Die Sklavenhändlerin rümpfte abfällig die Nase. Kaum blitzten ein paar Münzen auf, schon waren die gierigen Schatullenfüllerinnen der Herrscherin nicht weit. Die Uniformierten schienen jedes Geschäft zu riechen, wie eine Jagdhündin eine Leberwurst. Widerwillig gab Flagella ihrem verhassten Besuch den üblichen Zehnten. „Hoch lebe Majestät Pluta!“, stimmten die Eintreiberinnen im Chor ein. Flagella lächelte gekünstelt und dachte: „Und ersticken soll sie an meinem Gold. Dazu stecke ich ihr gern höchstpersönlich noch weitere Münzen in ihren nimmersatten hoheitlichen Rachen.“

Während Phoibe und Ceres fleißig dabei waren, die vielen neuen Sklaven zu markieren, zu sortieren und ihnen bedingungslosen Gehorsam beizubringen, diskutierten die Senatorinnen Alekto und Kerbera im Palast der Potentatin Pluta über die Flucht des Gemahls der Königin Leda. Die Hafendirektorin hatte ihrer Herrin gebeichtet, dass Abas verloren war. Sie hatte es zwar so dargestellt, dass der Gemahl der Königin auf dem fremden Ostkontinent nicht lange überleben würde, aber Pluta war trotzdem außer sich gewesen. Alekto forderte eine drakonische Strafe für die Hafendirektorin. Kerbera stimmte dem zu: „Majestät, schickt die Direktorin in die Steinbrüche. Sie soll dafür büßen.“ Pluta nickte langsam und meinte zynisch. „Ja, diese Tat ist nicht mehr gutzumachen. Aber in der Zwangsarbeit würde sie nur einige Jahre verkraften – wenn sie mit männlichen Sklaven Kontakt hat, würde sie wohl nur wenige Tage ihr wertloses Leben behalten, denn ihr Leib würde den Kreaturen zu süß erscheinen, um nicht davon zu naschen. Sie soll lieber eine Buße erhalten, die sie an ihre Tat noch in vielen Jahren erinnert.“

Die Senatorinnen sahen Pluta fragend an. Was führte die Tyrannin im Schilde? Als Pluta nach einer Schmiedin schickte, ahnten die Frauen, was die Despotin vorhatte.

Seit diesem Tage war die Hafendirektorin in einen Keuschheitsgürtel gesperrt. „Höret! Sie wird für mindestens zehn Jahre darin hausen“, verkündete Pluta im Beisein der Verurteilten später. „Des Weiteren entziehe ich ihr den Rang der Hafendirektorin. Sie soll als einfache Aufseherin im Hafen an der Ostküste arbeiten, so dass alle ihre früheren Untergebenen nun über sie befehlen. Nach Ablauf eine Dekade darf sie um Begnadigung betteln. Vielleicht schließen Wir sie dann auf. Und nun: Schafft sie mir aus den Augen!“
Die Frau wurde von zwei Wächterinnen aus dem Thronsaal geführt.

Zehn Jahre in einen Keuschheitsgürtel gesperrt zu sein! Und die Erniedrigung als Untergebene zu erleben… Die Frau war fassungslos und noch wie benebelt. Als sie hinausgebracht worden war, warf Pluta den Schlüssel der Schmiedin zu. „Einschmelzen!“ Die Schmiedin verneigte sich mit einem Lächeln und zog sich samt Schlüssel zurück.

Inzwischen waren die Vorbereitungen der großen Sklavenauktion beendet worden. Am nächsten Vormittag würde ein Sklave nach dem anderen, manche auch im „Pack“, also eine kleinere Gruppe, versteigert werden. Sklavenhändlerin Flagella rieb sich jetzt schon die Hände. Das Gold würde nur so klimpern, ihre Taschen bauschen und ihre Schatullen füllen. Zur Feier des Tages würde sie den besten Wein entkorken und zechen bis der Krug leer war.

Und dann war es so weit: Von Nah und Fern kamen Landbesitzerinnen, die große Gehöfte, Weinberge, Felder oder sogar eigene Minen besaßen und teilweise hunderte Sklaven beschäftigten. Manche Damen waren auch gekommen, um sich einen Liebesdiener zu erwerben. Manche Ladys suchten weitere Hausangestellte. Flagella bot für jeden Bedarf Leibeigene an. „Jede Dame wird bei uns fündig“, hieß ihr Credo. „1-A-Ware gibt es bei mir“, verkündete Flagella stolz und präsentierte ein Dutzend muskulöse Sklaven, die vor ihren potentiellen Besitzerinnen stramm standen. Besondere Exemplare hatten die Händlerinnen mit Fett eingeschmiert, damit die Muskeln glänzten.

Leider hatte eine Gesandte der ehrenwerten Pluta bereits die „Sahnestückchen“ abgeschöpft, doch blieb noch genug Qualitätsware übrig. Und der restliche „Ramsch“ würde am Ende für Billigpreise weggehen. Flagella war bisher immer alles losgeworden. Einige Ladys warteten sogar auf die Reste, um sie günstig abzunehmen. Es war hierzulande das Gerücht von einem Werwolf die Runde gegangen, der seit einigen Tagen des Nachts einige Schafherden dezimierte. Und so hatten sich zwei Wollfarmbesitzerinnen entschlossen, Sklaven draußen anzubinden, um den Werwolf damit gütlich zu stimmen, damit er sich mit seinen Klauen und Reißzähnen nicht an den geliebten Tieren vergriff.

Die Sklavenhändlerin hörte bereits die Menschenmassen, die sich auf dem großen Platz vor den fünf Bühnen versammelten und drängten, auf denen die ersten Leibeigenen präsentiert wurden. Flagellas Trick war, nicht sofort die gesamte Ware auf die Tribünen zu bringen. Nur nach und nach zeigte sie, was sie im Lager hatte. Fast jede Woche gab es zwar kleinere Auktionen, doch dieses große Ereignis fand nur zwei Mal im Jahr statt, so dass die Bevölkerung der Metropole wie gebannt die Veranstaltung verfolgte. Es sahen sogar Damen zu, die gar keinen Bedarf an neuen Sklaven hatten. Sie ergötzten sich an den nackten Männern in ihren schweren Ketten und den hilflosen Blicken.

Im Hintergrund stand ein Sklave abseits des Geschehens in einem Pranger. Dieses „Korrekturmittel“ wendeten traditionell viele Damen gerne an. Auf einem Schild stand, seit wann und wie lange der Mann noch dort zu verharren hatte. Doch was sonst Anlass war, Zielübungen mit faulem Obst zu absolvieren, blieb fast unbemerkt von der Masse – ein Glück für den Zögling. Die Frauen konzentrierten sich auf die Bühnen mit den präsentierten Sklaven. Flagella eröffnete auf dem Hauptpodest die Versteigerung. Bald schon riefen die Ladys ihre Angebote nach oben, während die Sklavenhändlerin einen großen, muskulösen Sklaven drehte und wendete, um ihn von allen Seiten anzupreisen.

Neben einer kurzen Fußkette trug der Mann auch ein „Gemächt-Band“, also eine Metallschelle in seinem Schoß, an der eine kurze Kette zwischen seine Beine durchführte und sich über seinem Gesäß mit Handfesseln vereinigte. Mit diesem „Sklavenzügel“ war auch ein kräftiger Mann gut zu beherrschen – selbst für eine schmächtige Dame. Eine Teilnehmerin der Versteigerung forderte lautstark, der Sklave solle seine Muskeln anspannen. Flagella ruckte forsch an dem „Gemächt-Band“ und befahl dem Mann zu gehorchen. Die Aktion lohnte sich, denn die Frau aus dem Publikum erhöhte ihr Gebot deutlich.

Noch drei Mal überboten sich zwei Damen gegenseitig, bis die eine Partei zerknirscht aufgab, und der Sklave damit unter die Fittiche der frohlockenden Ersteren ging. Und schon brachten zwei Angestellte von Flagella den nächsten Leibeigenen. So folgte ein Zweibeiner nach dem anderen. Die Preise, die die Exemplare erzielten, waren sehr unterschiedlich, schließlich schwankte auch die Qualität. Phoibe, die bisher auf einer anderen Bühne als Helferin mitgearbeitet hatte, wurde endlich abgelöst. Sie hatte nun ihr Tagessoll erreicht und verfolgte die Versteigerung als Zuschauerin.

Auf der Hauptplattform, wo Flagella unermüdlich ihre Ware anpries, standen nun zwei Helferinnen der Händlerin, die eine seltsame Konstruktion auf Rädern herbeirollten. Phoibe staunte: So etwas hatte sie bisher noch nie gesehen. Flagella betonte, dass dieser Sklave noch vollkommen widerspenstig und wild sei. „Dieses Einzelstück, werte Gesellschaft, ist perfekt für eine Dame geeignet, die noch aus der unverfälschten Natur selbst die Zähmung in die Hand nehmen möchte. Ich empfehle diesen Sklaven allerdings nur an geübte Ladys abzugeben“, erklärte Flagella und präsentierte das Exemplar stolz.

Phoibe drängte sich näher heran. Der Sklave stand gefesselt mit gespreizten Beinen und ausgebreiteten Armen an einem senkrechten Gitter aus Eisen. Zusätzliche Stabilität erreichte die Konstruktion durch einen Pflock, der dem Leibeigenen zwischen seinen Beinen in dessen Torso reichte. Wie tief, darüber konnte Phoibe nur spekulieren, doch sie hatte bei der Erziehung von anderen Sklaven bereits so manches erlebt… Flagellas Sklavenschmiede konnte ein Hort des Schreckens sein. Anfangs hatte sie gar nicht gewusst, was ihre Kameradinnen bei der Arbeit meinten, als sie lachend riefen: „Lasst uns den da hinten ein wenig pfählen.“ Doch inzwischen kannte sie diese Erziehungshilfen, sie sich gut bewährt hatten.

Außerdem trug der Sklave einen Nasenring, der mit zwei Ketten hinter seinem Kopf mit dem Gitter verbunden war, um die Bewegungsfreiheit noch weiter einzuschränken. Den Grimassen nach zu urteilen, die der Mann schnitt, wehrte er sich nach besten Kräften gegen seine Fixierung und Vorführung, aber die perfide Konstruktion ließ ihn hilflos vor den potentiellen Kundinnen stehen. Mehrere Ladys in der ersten Reihe waren entzückt vom Anblick der wilden Kreatur und überboten sich gegenseitig mit hohen Summen.

Einige Damen wollten nur einen Blick auf die Gestalt werfen, um sich an seinen Verrenkungen zu weiden. Sie hatten schon reichlich dem Trunke gefrönt und sangen Spottlieder oder hänselten die Sklaven auf andere Weise. Schließlich bekam eine reiche Großgrundbesitzerin in einem karmesinroten Umhang mit auffälliger goldfarbener Stickerei den Zuschlag. Sofort kam ein Mann, ihr Hausverwalter, zu Flagella gelaufen und brachte zwei volle Säckchen mit Bronze-Münzen. Eigentlich war der Sklave den Preis nicht wert, doch hatte sich die Frau gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen wollen. Hier ging es auch um Ehre und Prestige.

Vier kräftige Sklaven, die ebenfalls ihr gehörten und wie Soldatensklaven der Pluta gekleidet waren, packten die Konstruktion mit dem eingekauften „Wilden“ und schoben sie kraftvoll hinter ihrer Herrin her, die eine kurze Wegstrecke entfernt in eine prunkvolle Kutsche stieg. Für sie war die Auktion ein Erfolg gewesen. Sie freute sich schon auf die Zähmung dieses widerspenstigen Exemplars. Eigentlich hatte sie nicht so viele Münzen ausgeben wollen, aber ihre Felder waren seit letztem Jahr ergiebiger geworden, seit sie einige Soldatensklaven gekauft hatten, die die Feldarbeiter beaufsichtigten. Da wurde jede Pause, jedes Zögern sofort und unerbittlich mit der Peitsche beantwortet. Der Einsatz der Kampfmänner hatte sich schon jetzt mehr als rentiert.

Den neuen Kauf würde sie zu einem artigen Schoßhündchen erziehen, der zu ihren Füßen lag, auf Kommando „Männchen machte“, „Pfötchen gab“, sich auf dem Boden wälzte oder bellte. Und insgeheim überlegte sie, dass es doch erregend wäre, wenn er auf einen bestimmten Befehl oder ein Pfeifen seine Beine breit machte, damit sie ihm sein Gemächt tätscheln konnte. Natürlich würde er über seinen Liebesstab einen Keuschheitsgürtel tragen. Sie liebte solchen Mummenschanz.

Den Willen eines so aufsässigen Sklaven zu brechen war ihr ein Genuss. Auf ihrer prachtvollen Hazienda gab es in einem Kellergewölbe die so genannte Strafkammer. Hier hatte sie schon so manchen Leibeigenen erzogen. Besonders gefürchtet unter ihren Sklaven waren die „Strafbirnen“. Bei einem Vergehen wurde dem Übeltäter eine hölzerne Birne in den Hintern geschoben, die mit einem Stil verbunden war, so dass ihre Strafdamen sie sicherer bewegen konnten. Bei seinem zweiten Fehltritt wurde der Schuldige mit einer größeren Birne bestraft. Die Großgrundbesitzerin hatte vier Größen anfertigen lassen. Obwohl die Rechtsprechung auf ihrem Anwesen sehr streng war, kam die vierte Variante bisher noch nicht zum Einsatz – bisher…

Sollte sie die „Dicke“, wie sie genannt wurde, bei dem Neuling anwenden lassen, wollte sie auf jeden Fall dabei sein und das Spektakel genießen. Selbstverständlich würde sie dann eine fünfte Größe in Auftrag geben. Die Großgrundbesitzerin merkte, wie sie die Vorfreude feucht machte. Sie klopfte an den Rahmen des Wagens, um dem Kutscher zu signalisieren, die Pferde anzuspornen.

Helena stolzierte im Hafen der östlichsten Ansiedlung des Reiches der Pluta umher und bestaunte die großen Schiffe, die Tonnen von Fracht über die Meere transportierten. Bald würde sie auch zu den Seefahrerinnen gehören – und das gleich als Kapitänin! Die Göttin an Bord! Über jeden Zweifel erhaben! Was sie befahl, das war ehernes Gesetz!

Ob sie wohl den Auftrag erhielt im Ostkontinent Sklavenware aufzunehmen? Oder würde sie Gewürze und andere Kostbarkeiten in den dicken Bauch ihres Segelschiffes laden? Die neue Hafendirektorin würde es entscheiden. Vielleicht würde Helenas erste Reise ja auch nicht nach Osten gehen, sondern im Norden oder Süden um den Kontinent führen? Womöglich in Feindesland, wo Ruhm und Ehre warteten? Der Krieg mit dem Vereinten Reich war nur unterbrochen. Es gab keinen Friedensvertrag. Vielleicht würde sie Hundertschaften von Kampfsklaven samt Kriegsgerät irgendwo an der Süd- oder Nordküste des Feindes abladen…

Noch ganz in Gedanken an die Zukunft blieb sie vor einem Stiefelputzsklaven stehen, der so angekettet war, dass er den Tag auf den Knien verbringen musste, und ließ sich ihre Schaftstiefel auf Hochglanz polieren. Anschließend warf sie als Obolus eine Kupfermünze in den rechten Sack, der an einem Holzstab hing. Die Besitzerin des Sklaven nickte als Dank. Helena war noch neu im Ostreich und kannte viele Gewohnheiten noch nicht. So hatte der Putzsklave heute Glück, denn es hatte eine besondere Bedeutung, wenn die Gabe im rechten (und nicht im linken!) Beutel landete. Links hieß nämlich, dass man mit der Leistung des Sklaven nicht vollständig zufrieden war. Und das hätte Schläge für den Mann bedeutet.

Während Helena in rosiger Zukunft schwelgte, saß Abraya in einem düsteren Kerker, angekettet am Boden auf kaltem, feuchtem Stein, und wartete auf ihre Hinrichtung. Vor der schweren rostigen Gittertür saß auf einem schartigen Schemel ein Kampfsklave und wachte über sie und einige weitere Gefangene. Gegen Abend versuchte Abraya es mit einem Trick. Sie simulierte starke Schmerzen im Hals und rief hustend um Hilfe. Der Wächter sah erst nach einiger Zeit auf. Er war eingenickt gewesen. Jetzt schlug er mit dem harten Griff seiner kurzen Peitsche dumpf gegen die Tür: „Ruhe da drin! Oder es setzt Hiebe!“

„Bitte gebt mir einen Schluck Wasser. Ich ersticke.“ Der Kampfsklave war unsicher, wie er reagieren sollte. Die Gefangene durfte nicht sterben. Sie sollte in einem Hängekäfig zu Tode kommen. Er raffte sich ächzend auf und nahm eine verbeulte Kelle, um sie in das Wasserfass zu tunken. Dann öffnete er mit seinem Schlüsselbund die Gittertür. Er bückte sich zu der Gefangenen und hielt ihr die Kelle vor den Mund. Abraya trank gierig. Sie hatte zwar Durst gehabt, aber das war nicht der Hauptgrund, den Wächter in die Zelle zu locken. Abraya starrte auf den kurzen Waffenrock des Mannes: „Habt Dank, Meister! - Oh, Ihr müsst ein gar gewaltiges Gemächt besitzen!“ Der Kampfsklave sah sie verwirrt an. Dann sah er an sich hinab und meinte: „Da zeichnet sich der Keuschheitsgürtel ab, du dumme Dirne.“

Abraya stellte sich dumm: „Ihr müsst einen Keuschheitsgürtel tragen? Wie furchtbar!“ Der Mann grunzte unzufrieden. Musste diese dämliche Kuh ihn an sein Schicksal erinnern? Er wollte sich schon abwenden, da sagte Abraya leichthin: „Ich könnte Euch leicht daraus befreien.“ Der Wächter stutzte. Wie sollte das Weib dies schaffen? Er sah sie skeptisch an. „Und wie?“ Abraya meinte: „Gebt mir zwei dicke Nadeln, und ich erlöse Euch von diesem Fluch.“ Der Kampfsklave lachte humorlos auf. „So ein Unsinn! Willst du mit einer Nadel das Eisen durchbohren, du dummes Ding?“ Abraya lächelte und sagte: „Nein, aber das Schloss öffnen. Vertraut mir. Sollte ich es nicht schaffen, so dürft Ihr mich gerne züchtigen.“
68. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 21.09.19 10:53

Hallo Prallbeutel,
vielen Dank für das Fortschreiben deiner Geschichte. Mir hat ja die Originalgeschicht schon sehr gut gefallen und bin gespannt welche Änderung und Wendungen du dir noch einfallen lässt.
VLG Alf
69. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 05.10.19 18:03

Der Mann kniff die Augen zusammen. Konnte das ein Trick sein? Aber was würde sie schon mit zwei Nadeln anfangen können? Die Vorstellung, endlich, und wenn es nur für diese Nacht war, als richtiger Mann zu leben, war überwältigend. Er verließ die Zelle und ging, um das Gewünschte zu besorgen.

Es dauerte auch nicht lange, da kam der tumbe Wächter zurück. „Wehe, du hast mich genarrt, Weib!“, drohte er. Ich kann die süße Frucht auch mit meinem Knüppel lieben, dachte der Wächter. Aber Abraya, als ausgebildete Soldatin einer speziellen königlichen Einheit, hatte tatsächlich das Geschick den Keuschheitsgürtel zu öffnen. Zwar würde ihr dieses nicht gelingen, wenn die eiserne Fessel von Tartaros, dem königlichen Schmied der Leda, geschaffen worden wäre; doch die Ost-Keuschheitsschellen waren für sie leicht zu knacken.

Der Wächter behielt die Gefangene genau im Blick, während sie sich auf den Knien vor ihm an die Arbeit machte. Ihm war gar nicht so wohl dabei, dass die Fremde an seiner Männlichkeit fummelte, denn wie schnell konnte sie dort Schaden anrichten… „Stich mich ein einziges Mal, Weib, und du wirst beten, niemals geboren worden zu sein!“ Die Versuchung der Freiheit war viel zu groß, so dass der Mann das Risiko ausblendete wollte. Angstschweiß bildete sich trotzdem auf seiner breiten Stirn. Zur Sicherheit hielt er einen scharfen Dolch gezückt – scharf, wie sein eigener „Dolch“, dachte er amüsiert.

Was würde er diese Nacht noch erleben! Zwar war die Frau das einzige Weib im Kerker, aber sie würde gleich mehrfach herhalten müssen! Oh, er hatte so viel nachzuholen! So viel! Mitleid hatte er mit der Verurteilten nicht. Schließlich grub sie sich gerade selbst ihr Grab. Und wenn die dumme Gans morgen erst in ihrem Käfig dahinvegetierte, wünschte sie sich vielleicht sogar noch in seinen Kerker zurück. Wer weiß? Ob er ein guter Liebhaber war, wusste er nicht. Auf jeden Fall, und das war die Hauptsache für ihn, war er ein sehr Hungriger! Ein Ausgehungerter! Und er würde dafür sorgen, heute Nacht satt zu werden!

Es dauerte eine Weile, und Abraya benötigte höchste Konzentration. Sie hatte bereits bemerkt, wie aufgeregt der Mann war. Er trat von einem Fuß auf den anderen und leckte sich ständig über seine dicken Lippen. Sogar ein leichtes Zittern bemerkte sie. Seine feiste Visage machte einen tumben Eindruck. Er war wohl nicht der Hellste. Und das kam Abraya zu Gute. Endlich sprang das Schloss wie durch Zauberhand auf. Der Mann starrte ungläubig auf die geöffnete Schelle und nahm sie von seiner Männlichkeit ab. Dieses Weib war wahrlich der Hexerei mächtig! Langsam zeigte sich ein breites Grinsen in seinem schmutzigen Antlitz. Dann wurde das Grinsen zu einem Lachen, das schließlich laut und dröhnend durch den Kerker lärmte.

Obwohl Abraya ähnliches erwartet hatte, schreckte sie zusammen, als der kräftige Mann plötzlich ihre Haare grob am Hinterkopf packte und ihr mit der anderen Hand seine schartige Klinge an den zarten Hals hielt: „Brav gemacht, Maid! Aber jetzt wirst du die Früchte deiner Arbeit ernten.“ Wieder lachte er schallend. „Na, los! Du weißt doch sicherlich, wie du einen Recken glücklich machst! Oder bist du noch Jungfrau? Das wäre noch erfreulicher!“ Abraya griff vorsichtig nach der großen Männlichkeit, die sich ihr entgegenstreckte. Dann begann sie das Liebesspiel, brachte den Wächter schon bald in den Garten Eden. Sie spürte, wie der Druck der Klinge immer mehr nachließ.

Der Mann hielt seinen Dolch nur noch locker fest und war ganz gefesselt von dem so sehnlich herbei gewünschten Gefühl, dass er nun durchlebte. In wenigen Augenblicken würde er nach Jahren zum ersten Mal wieder seinen Samen vergießen! Als der Kerkermeister gerade begann lustvoll zu grunzen, hieb Abraya ihm kräftig in sein Gemächt und entwand ihm den Dolch. Blitzschnell sprang sie auf und stieß den völlig überrumpelten Kerl zu Boden. „Tölpel! Meinst du, ich bin deine Hure? An die Ketten!“

Der Mann gehorchte stöhnend. Geilheit, Schmerz und Überraschung, Demütigung und Erstaunen – alle Gefühle mischten sich wild in seinem Kopf. Er gehorchte fast wie in Trance. Abraya verschloss die Schellen an Armen und Beinen und verließ ohne ein weiteres Wort die Zelle. Glücklicherweise fand sie schnell Gewandung, die ihr fast passte, zog sie an, steckte noch ein kleines Kriegsbeil ein und besuchte den Wächter wieder. „Und? Wie hat es dir gefallen?“, fragte sie sarkastisch. Sie stocherte dem Gefangenen dabei mit dem Stil des Beils zwischen seinen Beinen umher: „Sag schon! Hat es dir gefallen?“

Der Wächter wusste nur zu stöhnen: „Bitte nicht! Ich… Also gut. Flüchtet. Aber…“ „Aber was?“, fragte Abraya spöttisch. Der Mann sah verzweifelt auf seinen allzu lebendigen Liebesstab. „Bringt es bitte zu Ende.“ Abraya grinste: „In wenigen Stunden werdet ihr gefunden. Dann werdet ihr sowieso wieder verschlossen. Es lohnt sich also gar nicht. Außerdem habe ich keine Zeit. Ich brauche einen Vorsprung, um unterzutauchen.“ Der Mann begann zu flehen: „Bitte! Ich war so kurz vor…“ Abraya sah ihn neckisch an: „Wovor?“ Der Wächter seufzte. Seine Männlichkeit ragte noch immer in die Luft, freigelegt von seinem Waffenrock.

Abraya kam auf ihn zu und kniete sich zu ihm. „Ihr habt mich gut versorgt, mir frisches Wasser und nahrhaftes Essen gegeben und eine gute Zelle. Ihr sollt Euren Lohn haben.“
Der Kerkersklave sah zu seiner ehemaligen Gefangenen und stöhnte wohlig auf, als sie seinen Stab zu streicheln begann. Erst langsam, dann schneller… Als der Mann in höchster Erregung den Mund öffnete, ließ Abraya ihn los wie ein heißes Eisen. „Essen? Diese Pampe nennst du Essen? Und in dieses Rattenloch hast du mich gesperrt!“ Sie lief vor die Tür und kam mit einem kleinen Kübel voll mit dem Brei zurück, den die Eingeschlossenen erhielten. Sie tauchte die Kelle voll und hielt sie ihm hin: „Friss den Dreck selbst! Los! Zähne auseinander, oder ich helfe nach!“

Der Wächter ließ sich von der schönen Frau füttern. Immer wieder tauchte Abraya die Kelle in den Kübel, bis er zu zwei Dritteln leer war. Der Mann würgte und spuckte. Er hatte fast drei Liter von dem Brei schlucken müssen. Sein Bauch war nun noch gewölbter als sonst und zum Platzen gespannt. Abraya stand auf und kippte den Rest über dem Kopf des Gefangenen aus. So hatte sich der Mann das Sattwerden nicht vorgestellt…

Abraya verließ den Kerkerkomplex so schnell wie möglich. Auf dem Kopf trug sie eine Gugel. Später wechselte sie die Kleider erneut in einem kleinen Haus, in das sie einbrach. Dort fand sie eine femininere Gewandung mit Kopftuch, das als Verzierung eine breite Brokatborte aufwies. Hohe Stiefel und eine Lederhose wirkten eher reckenhaft, doch waren einige Damen im Ostreich durchaus ritterlich gewandet. Über die Hose zog sie sich einen Waffenrock mit vielen Rüschen an. Im Gürtel steckten noch der Dolch des Kerkermeisters sowie ein schlankes Schwert, dass sie in dem Haus gefunden hatte. Das Kriegsbeil hatte sie dort liegen gelassen, denn es behinderte sie zu sehr.

Schon jetzt graute ihr davor, Leda erzählen zu müssen, dass Helena Hochverrat begangen hatte. Und Lykos und Abas? Sie waren irgendwo in der Ferne in einem unerforschten Land unter einem feindlichen Volk. Aber würde sie es überhaupt schaffen durch das gesamte Ostreich unerkannt zu flüchten? Und wie sollte sie die Front überqueren? Doch von diesem Problem war sie noch viele Meilen entfernt. Sie konnte sich in der nächsten Ansiedlung ein Ross stehlen und jagte aus Angst, man könne sie verfolgen, in rasendem Galopp die hügelige Landschaft entlang. Der Untergrund grub deutliche Spuren ihres Rosses in den Boden. Das war leider nicht zu verhindern.
Nach einer Stunde ließ sie es gemächlicher angehen und machte eine kleine Rast an einem Flüsschen, um sich an dem frischen kühlen Wasser zu erquicken. Sie war ganz allein. Nur Vögel zwitscherten in den Bäumen, und das klare Wasser plätscherte vor sich hin. Dann schwang sie sich erneut in den Sattel. Als sie aus einem dichten Wäldchen geritten kam, erschrak sie, als urplötzlich unweit vor ihr eine Sklavenkolonne auftauchte, die wohl an einer neuen Straße schuftete.

Zwei Wächterinnen begutachteten die Reisende und grüßten lässig, während eine dritte Frau in Lederrüstung auf einige Arbeiter mit einem langen Lederriemen einschlug. Abraya trabte näher und grüßte ebenfalls. In diesem Moment zerschlug ein Sklave mit einem gewaltigen Hammer einen Felsbrocken, der laut knackend auseinanderbrach. Dabei spritzten einige kleinere Splitter in ihre Richtung. Sofort kam eine der Frauen herbei und zog eine Peitsche aus dem Gürtel. Der Sklave erhielt einen saftigen Hieb, der ihn aufheulen ließ. „Hat dich dieser ungeschickte Wurm etwa getroffen?“ Abraya sah das entsetzte Gesicht des Mannes. „Aber nein“, beruhigte sie die Frau. „Kein Problem.“

Die Wächterin machte den Eindruck, als hätte sie das „Problem“, wenn es eines gegeben hätte, samt Sklaven sehr schnell und sehr gründlich beseitigt. Böse sah sie den Arbeiter an, der sofort seinen Blick gen Boden senkte. Erneut grüßte die Frau die Reisende, bevor Abraya ihre Hacken in die Flanken des Rosses ruckte und davon galoppierte.

Die Wächterin der Sklavenkolonne sah grimmig zu dem Sklaven hinüber und befahl ihm: „Weiter arbeiten, du faules Stück!“ Während er den schweren Hammer erneut auf die Felsbrocken krachen ließ und ihm der Schweiß in Strömen vom fast nackten Leib lief, sah er im Augenwinkel sehnsüchtig den halb gegessenen saftigen Apfel, den die Wächterin nach drei Bissen weggeworfen hatte. Doch der würde unerreichbar für ihn bleiben.

Leda wartete dieser Tage unruhig auf Kunde aus dem fernen Osten. Würde ihr Abas bald wieder bei ihr sein? Oder würde Lykos bei seiner Rückkehr böse Nachrichten melden? War ihrem Gemahl etwas zugestoßen? Wie konnte er ihr nur nacheilen?! Dieser Dummkopf! Fast täglich rief sie den königlichen Alchemisten und Seher Caduceus zu sich. Der alte Mann litt bereits unter starken Erschöpfungszuständen, und sein Körper schien fiebrig zu sein. Aber Leda forderte seine Seherkräfte wieder und wieder heraus. Caduceus konzentrierte sich stundenlang über seiner Kristallkugel und nebelte sich mit dem Rauch geheimer Kräutermischungen ein. Doch stets kam er zum gleichen frustrierenden Resultat: Abas war in weiter Ferne… Und Lykos und eine Begleitung ebenfalls. Nur undeutliche Schemen konnte er erkennen.

Aber dann sah er eines Tages ein klareres Bild. Leda sprang auf, als Caduceus die überraschende Neuigkeit verkündete. „Wer ist es? Abas?“, wollte die Königin aufgeregt wissen. Der Seher verneinte. „Es ist eine Eurer Soldatinnen, Majestät. Es ist… Abraya.“ Leda stutzte. „Und was ist mit Lykos und der anderen?“ Caduceus schüttelte sein schlohweißes Haupt. „Ich kann es trotz aller Anstrengung nicht erkennen. Sie sind zu weit entfernt. Aber Abraya scheint mir auf dem Weg zu Euch. Ihre Gestalt wird immer schärfer in meinen Visionen.“

Leda starrte auf die Kristallkugel, obwohl sie keine derartigen Künste beherrschte. Wenigstens ein Lichtblick am Horizont, atmete die Majestät auf. Vermutlich wusste Abraya mehr zu berichten. Aber konnte sie wissen, ob ihre Untertanin nicht als Spionin kam? Caduceus hatte erwähnt, dass eine der Soldatinnen zum Feind übergelaufen sei…Megara hätte die Zurückgekehrte einer peinlichen Befragung unterzogen, um die Wahrheit aus ihr herauszubekommen. Die Foltermeister der ehemaligen Diktatorin hatten ihr Werk vorzüglich verstanden. Aber würde auch Leda zu so einem Befehl fähig sein? Nein, sie würde die Antwort auf andere Weise erhalten. Nur wie?

Helena, die frischgebackene Kapitänin, die jedoch noch kein Schiff hatte, meldete sich derweil im Hafenamt. Sie wollte sich erkundigen, wann ihr ein Frachtschiff oder eine Galeere zugeteilt würde. Dort wurden ihre Zukunftsträume zunächst zerschlagen: Vorläufig, so sagte ihr eine Frau in edlem Zwirn, die die kommissarische Hafendirektorin war, gebe es keine freien Schiffe. Alle Kräfte würden derzeit in der Metropole gebündelt, um die Grenze zu sichern. Sie solle sich lieber einen anderen Beruf suchen. „Werdet Klingen- und Messerschmiedin – die werden gesucht. Oder wechselt zur Armee. Wenn Ihr jedoch mit dem Kriegshandwerk nichts anfangen könnt, so werdet Fischerin oder Sattlerin oder Gerberin oder Glaserin oder Schneiderin oder Steinmetzin oder…“ Helena verließ den Raum und hörte nicht mehr, wie die Frau ihren Satz als Selbstgespräch beendete: „…oder Seilerin oder Weberin oder Töpferin oder Gürtlerin oder Bürstenbinderin oder Drechslerin oder… Hey! Wo seit ihr hin?“ Die Frau stampfte erbost mit dem Stiefel auf die Holzdiele unter ihrem Sitz. „Werdet doch Hure oder Totengräberin – die werden immer gebraucht!“

Helena war aller Illusionen genommen. Kapitänin auf dem eigenen Schiff. Später Kommodorin und schließlich Admiralin. Aus der Traum! Sie überlegte, ob sie aus dieser Hafensiedlung abreisen und in der Metropole ihr Glück suchen solle. Ja, vielleicht sollte sie das tun. Dort würde sie weitersehen. Als ausgebildete Soldatin könnte sie in Plutas Armee dienen. Sie könnte ihr Glück in den Truppen suchen, sich hochdienen bis zu Feldherrin.

Derweil ließ Pluta in ihrem Palast die neuen Sklaven vorführen, die aus dem Osten gekommen waren. Selbstverständlich hatte sie sich die Besten aus der Ladung herausgesucht. Die Männer standen in einer Reihe, splitternackt – nur einen dicken Halsring aus schwerem Eisen trugen sie am durchtrainierten Leib. Eigentlich hatte die Tyrannin genügend Sklaven. Diese Neuen sollten ihr lediglich die Langeweile vertreiben. Und so spielte sie mit ihnen das Spiel „Die Unheilssteine“. Dazu brachte ihr eine Dienerin ein Seidensäckchen mit 20 Steinen. Auf diesen glatt polierten Halbedelsteinen waren Zahlen angebracht. Sie hatte 50 fertigen lassen, benötigte aber nun nur 20 Stück.

Die Despotin nippte an ihrem prunkvollen Kelch, der mit kostbarem Rotwein gefüllt war, und dann griff sie wahllos in das Säckchen und holte einen Stein hervor. Eine Palastwächterin stieß den ersten Sklaven in der Reihe brutal auf die Knie. Ihm galt Stein Nummer 7. Pluta wusste auswendig, was dies bedeutete: Der Mann wurde abgeführt, um gegen sieben Gladiatorinnen abzutreten. Sollte er sie alle übertrumpfen, so würde ihm die Freiheit gehören.

In den zweiten Stein war eine 19 graviert. Der zweite Sklave war bereits auf die Knie gebracht worden. Er würde 19 Minuten in einem großen Kessel stehen, den Plutas Soldatinnen beheizten. Wie eifrig sie dabei zur Tat schritten, war den Kriegsfrauen selbst überlassen. Aber Pluta erinnerte sich noch an ihr letztes Spiel und musste unwillkürlich grinsen, als sie den Sklaven vor Augen hatte, der zappelnd und wimmernd in dem Wasser stand. Was war aus ihm geworden? War er mit roter Haut davon gekommen? Oder… Egal, aus dem Blick, aus dem Sinn.

Der nächste Stein hatte die Nummer 12. Der Sklave würde zwölf Stunden an vier Stricken auf dem Boden gefesselt sein und mit Honig eingerieben. Den Wächterinnen war überlassen, ob sie ihn vor Insekten schützten. Aber wahrscheinlicher war, dass die Frauen sich die Langeweile vertrieben, indem sie allerlei Getier herbeibrachten. Was hatten sie für eine Gaudi beim vergangenen Mal gehabt!

So ging das Spiel der „Unheilsteine“ immer weiter. Ein Mann war dazu verurteilt, 16 Stunden bewegungslos auf dem Hof zu stehen. Dabei durften die Wächterinnen ihren Schabernack mit dem Nackten treiben. Selbstverständlich wurde eine Stunde, in der er sich bewegte, nicht berechnet. So endete es stets gleich: Das Opfer fiel erschöpft um und landete im Matsch. Drei oder vier Mal konnten die Wachfrauen ihn mit ihren Peitschen und Stöcken dazu bringen, wieder aufzustehen, aber alles hatte seine Grenzen.

Ein anderer Sklave würde acht Mal hintereinander seine Männlichkeit unter Beweis stellen müssen. Sollte seine Standhaftigkeit versagen, so galt sein Gemächt als zu schwach. Und Schwäche musste ausgemerzt werden… Manchmal stellte sich eine geile Wachfrau sogar selbst zur Verfügung, wenn der Mann besonders hübsch und gut bestückt war; oft holten sie dafür aber andere männliche Sklaven herbei.

Pluta freute sich schon auf Stein Nummer 1. Der vorletzte Sklave hatte dieses Los gezogen. Der Mann wurde in einen winzig kleinen Käfig gesperrt. Dort musste er verharren, ohne sich bewegen zu können. Mahlzeit und Trunk wurden ihm zur Stärkung gereicht. Einmal am Tage hatte er eine Aufgabe: In einer Kiste lagen 50 Steinplättchen. Nur auf einem von ihnen war ein Kreuz markiert. Jeden Tag durfte der Sklave mit verbundenen Augen in diese Kiste greifen und eine Platte hervorholen. Wählte er das Kreuz, so war er frei. Wählte er falsch, so durften die Wärterinnen für eine Stunde mit ihrem Gefangenen „spielen“. Pluta liebte es, dabei zuzusehen und sich an dem Sklavenschicksal zu weiden. Natürlich war sie auch gespannt, wie lange der Mann in dem kleinen Käfig hocken musste. Vergangenes Mal war es zu lang gewesen. Der Sklave war nicht mehr in der Lage gewesen, aus dem Käfig zu steigen. Nun, allzu oft hatte sie dieses langwierige Spiel noch nicht durchgeführt, aber sie vermutete, dass kaum einer der Männer ein glückliches Ende nehmen würde.

In den Kellergewölben des Palastes waren bereits sieben Männer diesem Unheil ausgesetzt gewesen. Erst ein einziger Sklave hatte es bereits nach 23 Tagen geschafft, die Freiheit zu erlangen. Seitdem hatte Pluta die Wächterinnen angewiesen, erst nach 30 Tagen überhaupt das entscheidende Plättchen in die Kiste zu legen. Aber auch so hatten die Männer alle über 40 Tage benötigt. Drei von ihnen waren nach 41, 55 und 74 Tagen immer noch in ihren Käfigen. Ihr Anblick brachte Pluta jedes Mal fast zu einem Orgasmus. Heute reichte alleine die Vorstellung.






70. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 21.10.19 19:17

Schnell eilte sie mit wehendem Umhang in ihr Schlafgemach und klatschte einer Wächterin in ihrer so eigen unverbrämten Überheblichkeit zu, damit sie ihr zwei gut gebaute Liebesdiener aus ihrem Harem schickte. In ihrem erregten Zustand konnte sie dem Sklaven ruhig erlauben, sich nicht zurückzuhalten. Denn sie würde sowieso zuerst ihre Lust erfüllen.
Danach hatte dann der zweite Sklave seine Chance, sich zu erleichtern. Aber Pluta war so hungrig, ihr Verlangen war so verschlingend, dass auch der zweite Sklave kaum zum Zuge kommen würde und unerlöst zurück in seinen Keuschheitsgürtel müsste. „Ach, ich bin so voll Liebe heute“, sang Pluta fröhlich und eilte in ihr flauschiges Bett und tauchte in die dicken Felle und seidigen Stoffbahnen ein. Sie liebte es außerdem, den festen Hintern ihrer Sklaven zu liebkosen, um sie anschließend zu züchtigen, um danach die geschwollenen Striemen zu streicheln und die verängstigten Opfer zu trösten.

Abas und Lykos irrten noch immer durch das fremde Land auf dem Ostkontinent. Nachdem der Soldat den Königsgemahl von der Sklavengaleere gerettet hatte, hatte sich Abas bei ihm mit der Befreiung aus den Händen der Amazonen revanchiert. Nun wussten sie jedoch noch nicht, wie sie zurück ins Vereinte Reich kommen konnten. Es war ein weiter Weg. Viele Tagesstrecken für einen einen berittenen Boten, und unendliche Weite für zwei Gestalten, die vogelfrei durch die Wildnis und Ödnis liefen.

Nachdem sie erschöpft zu Boden fielen, schwer und röchelnd atmeten und dringend eine Rast benötigten, beschlossen sie, noch eine letzte Meile zu gehen, um dort zu lagern. Denn in der Ferne war ein dichter Wald zu sehen, in dem sie sich verbergen konnten. Jeder Schritt marterte ihre kraftlosen Körper. Abas stolperte mehr, als er marschierte. Lykos war schon zwei Mal kurz schwarz vor Augen geworden. Er brauchte dringend einen Schluck Wasser.

Als sie schließlich ihr Ziel erreichten, wurde ihnen erst bewusst, dass ihre Beine sich wie Pudding anfühlten. Völlig ausgezehrt legten sie sich auf die vielen Laubblätter, die ihnen als weicher Untergrund dienten, schnappten nach Atem und massierten sich die Schenkel. Lykos lauschte. „In der Nähe muss ein Fluss sein. Ich höre es rauschen.“
Die zwei Männer rafften sich mit letzter Kraft auf und gingen dem Geräusch nach. Und der Hauptmann hatte sich nicht getäuscht. Bald schon watete das Duo in den erfrischenden Fluten, trank sich satt und wusch danach den Staub vom Leib.

Als Abas längst wieder ans Ufer gegangen war und sich die Tropfen vom Körper schüttelte, bemerkte er, dass der Hauptmann noch immer im Wasser war. „Was ist denn? Kommst du wieder raus? Lass uns ein paar Stunden schlafen. Morgen früh müssen wir zügig weiter.“ Lykos antwortete: „Legt Euch schon zurecht. Ich bin bald da.“ Abas sah verwundert in Lykos Richtung. Aber in der Dunkelheit war nur ein undeutlicher Umriss zu erkennen. Was machte der Mann so lange im Wasser?

Abas stand leise auf und näherte sich dem Ufer des Flusses an einer Stelle, die in Lykos Rücken lag. Der Soldat stand an einer niedrigen Stelle nur bis zu den Knien im Wasser. Und seine Hände waren vor seinem Leib. Sie bewegten sich, wedelten und… War der Hauptmann etwa dabei, seinen Samen zu verströmen? „Lykos!“, rief Abas laut und vorwurfsvoll ob der obszönen Tat. „Was machst du da?“ Der Mann erschrak und tauchte fast komplett unter. „Nichts. Hoheit, Ihr habt mich fast zu Tode erschreckt. Ich dachte, Ihr wolltet schon nächtigen.“ Abas antwortete: „Ja, aber was hast du da gemacht?“ Lykos suchte nach einer Ausrede, fand aber keine und stammelte nur unsinniges Zeug. Abas kam zu ihm ins Wasser und zeigte auf Lykos Gemächt. Der Liebesdolch war hart und groß. Das Corpus Delicti!

Lykos merkte, dass es keinen Sinn mehr hatte, das Eindeutige zu leugnen und senkte beschämt den Blick. „Hoheit, ich… Also, ich weiß, dass Ihr einen Keuschheitsgürtel tragt, aber muss ich deshalb auch abstinent leben? Mir war auf der Galeere schon lange keine Möglichkeit…“ Er verstummte. Die Stille war fühlbar und zerrte an den Nerven. Abas starrte noch immer auf die prächtige Männlichkeit des Soldaten, deren Spitze noch aus dem flachen Wasser schaute, und sehnte sich nach eigener Erfüllung, die ihm schon so lange Zeit versagt war. Er spürte, wie er vor Neid brannte. Er sagte in befehlendem Ton: „Ich erlaube es dir nicht, dich zu erleichtern, bevor wir zurück im Vereinten Reich sind. Verstanden?“ Lykos seufzte: „Jawohl, Hoheit.“

Nun gingen die beiden Männer zu ihrer Schlafstatt unter einem dicken, knorrigen Baum und schlossen die Augen. Beide träumten sie davon, bei einer hübschen Maid ihren Samen zu vergießen… Leider blieb es für beide ein Traum.

Ceres und Phoibe hatten schnell alle wichtigen Handgriffe gelernt, die eine Sklavenhändlerin kennen musste. Heute sollte Ceres ein Dutzend zukünftige Kampfsklaven bei ihrem Training beaufsichtigen. Jeder, der sein Holzschwert verlor oder zu Boden in den Staub gerungen wurde, sollte von ihr einige kräftige Peitschenhiebe erhalten. Dazu führte sie ein hübsches Exemplar in ihrem breiten Gürtel mit sich. Das würde die Verlierer wieder auf den rechten Weg führen. Das schön geflochtene Leder glitt durch ihre schmalen Finger. Fast liebevoll strich sie darüber.

Phoibe dagegen fuhr mit sechs Liebessklaven zu einer reichen Großgrundbesitzerin, die eine der besten Kundinnen von Flagella war. Die Händlerin hatte ihrer Angestellten Phoibe eingeschärft, gegenüber der hohen Lady sehr höflich aufzutreten und ihr alle sechs Sklaven anzupreisen. „Vermutlich wird sie nur drei nehmen“, ahnte Flagella, „das gehört zu ihrer Gewohnheit: alle zwei Monate kauft sie drei Stück und testet sie ausgiebig. Wenn sie genug von ihnen hat, kommen sie auf eines der großen Zuckerrohrfelder ihrer Plantagen. Das macht sie schon seit Jahren so.“

Phoibe staunte: „Dann lag wohl schon jeder ihrer Sklaven mal bei ihr…“ Flagella lachte: „Nein, das schafft selbst Cassandra nicht. Sie besitzt ja über tausend Sklaven.“ Jetzt staunte Phoibe noch mehr. Diese Dame musste sie kennen lernen. Eines Tages wollte sie auch tausend Stück haben. Aber so ein hohes Ziel war in weiter Ferne.

Eine Stunde später war sie mit ihrer Ware unterwegs nach Nordosten, wo das weite Land von Cassandra lag. Ein großes Tor unterbrach den hohen Zaun, der mit Dornen gespickt war. Über dem Eingang trafen sich zwei in den Boden gerammte gewaltige Stoßzähne eines Urtieres, die gemeinsam einen Bogen bildeten, durch den Phoibe nun ritt. Hinter ihr eilten die sechs Liebessklaven in einer Reihe her. Alle waren mit einer Kette verbunden, die durch Ösen an ihren Halseisen lief. Sie hatte sich bei Flagella für die normalen Halsbänder entschieden. Für besonders renitente Exemplare gab es auch eine Stachelvariante, aber die schien ihr hier nicht nötig zu sein.

Am liebsten wäre Phoibe hin und wieder in einen flotten Trab gewechselt, um die nackten Männer ein wenig mehr schwitzen zu lassen. Ab und zu liebte Phoibe es, frische Sklaven zu necken und sie ihre Macht spüren zu lassen. Doch sollten die Sklaven frisch und sauber präsentiert werden. Phoibe hoffte auf eine Tränke auf dem großen Grund und Boden, um den Sklaven befehlen zu können, sich dort zu säubern, bevor die Kundin sie sah. Sie sollten sich von ihrer besten Seite zeigen, um möglichst viel an Verkaufspreis zu erzielen. Flagella hatte Phoibe noch gewarnt: „Lass dich nicht herunterhandeln von dieser dieser arglistigen Vettel!“

Der Weg zog sich mindestens drei Meilen hin, nachdem sie das Tor durchritten hatte. Eine sich schlängelnde Straße ließ nach einem kleinen Bambushain den Palast der Cassandra erstrahlen. Fast so pompös und mächtig wie Plutas Regierungssitz stand der kolossartige Wohnsitz der Großgrundbesitzerin weiß strahlend auf einem flachen Hügel inmitten einer großen Graslandschaft, deren Rasen penibel auf ein halbes Zoll Länge gekürzt war.

Marmorsäulen, die hoch in den Himmel reichten und eine breite leicht geschwungene Treppe, ebenfalls aus Marmor, führten zu dem Eingang. Die Tür war eher als riesiges zweiflügeliges Tor zu bezeichnen. Es reichte schätzungsweise drei Mann hoch. Und darum war ein Bogen aus Blattgold verziert, der den doppelten Platz einnahm. Wer hindurch ging, musste sich kleine und unbedeutend vorkommen.

Doch so weit kam Phoibe gar nicht, denn plötzlich erschienen links und rechts von ihr jeweils sechs Reiterinnen, die aussahen wie ein privates Regiment der Cassandra. Neben den schwarzen, glänzenden Stiefeln, die bis zur Hüfte reichten, den Reithosen, die zur Seite ausgebeult waren sowie der dünnen feinen Lederhemden trugen die Soldatinnen darüber eine Pelerine, auf der ein großes silbernes „C“ eingestickt war. Stirnbänder aus Leder bändigten die langen Haare der Frauen.

„Wer seid Ihr und wer schickt Euch?“, wollte die Anführerin nicht unfreundlich, aber bestimmt wissen. Phoibe informierte die Frau, dass sie von Flagella beste Sklaven brachte. Die Miliz geleitete Phoibe bis zum Palast und wies die Sklavenverkäuferin die Treppe hoch. Phoibes Mähre wurde neben den Palast zu einem Stall gebracht – die Ware marschierte brav hinterher. Zwei bedienstete Frauen öffneten das „Tor“ und luden Phoibe ein, in einem prachtvollen Salon zu warten.

Wie angenehm kühl es hier war! Phoibe wunderte sich, dass Cassandra weibliche Dienstboten hatte. Als habe sie laut gedacht, räusperte sich eine der Frauen und flüsterte ihr ins Ohr: „Die Herrin duldet keine Böcke im Haus.“ Phoibe sah sie verständnislos an. Die Dienerin flüsterte: „Böcke. Es sind nur Damen willkommen. Keine Böcke. Versteht Ihr nicht? Affen. Bullen. Kastraten oder Liebesdiener – auf jeden Fall keine Sklaven.“ Phoibe hob begreifend das Kinn. Der Begriff „Bock“ war ihr für Mannsbilder auch noch nicht untergekommen. „Affen“, musste sie grinsen, als die Dienerin verschwunden war. „Äffchen“, sagte sie leise vor sich hin, „ich verkaufe Äffchen“, und versuchte die Bewegungen eines Affen nachzuahmen.

„Herzlich willkommen in meinem Reich“, ertönte die Stimme einer Frau von irgendwo her. Erschrocken drehte sich Phoibe zu allen Seiten, konnte aber niemanden sehen. Dann bewegte sich ihr Blick nach oben: An der höchsten Stufe einer großen breiten Treppe – nicht ganz so gewaltig wie vor der Tür, aber immer noch so groß, dass vermutlich zehn Personen nebeneinander gehen konnten – stand Cassandra. Phoibe lächelte sie verlegen an und wurde puterrot. Hatte die Hausherrin ihre kleine Pantomimeneinlage etwa gesehen? Phoibe wurde ganz heiß. Sie öffnete den obersten Knopf ihrer Rüschenbluse.

Langsam schritt Cassandra in mondäner Art die Treppe herab. Sie trug nur feinste Stoffe und einen seidigen Umhang, der hinter ihr wie Wasser über die Stufen floss. Als Phoibes Blick zu den Stiefeln der Dame sank, hob sie unwillkürlich ihre Augenbrauen vor Erstaunen. Nie hatte sie eine Lady mit höheren Absätzen gesehen. Phoibe würde damit unweigerlich zu Fall kommen, besonders auf einer Stiege. Phoibe machte einen tiefen Knicks vor der Lady, die eine geheimnisvolle Autorität ausstrahlte. „Die Böcke werden von meinem Personal gefüttert. Die drei besten Exemplare werde ich kaufen. Gilt der gewohnte Preis?“, fragte Cassandra. Phoibe nickte. Sie hatte gar keine Ahnung, wie viel das war. Aber Flagella hatte ihr da freie Hand gelassen. Allerdings hatte sie hohe Erwartungen an das Verhandlungsgeschick ihrer Angestellten.

Dann wagte Phoibe eine Frage: „Edle Cassandra, mir Unwissenden stellt sich da ein Rätsel. Wenn Ihr die… Böcke… nicht ins Haus lasst… Euer Hauptanliegen ist es doch, für Euer Schlafgemach… Ich meine…“ Cassandra lachte. Es klang in der Halle laut, und ein Echo verstärkte die Stimme noch. „Liebesböcke verwahre ich nicht in den Ställen. Die halte ich in meinem Harem, dass hinter dem Haus direkt anschließt.“ Phoibe nickte verstehend. Selbst hatte sie auch einen Liebesdiener, doch ein ganzes Harem… Das wäre ein prachtvoller, gar zauberhafter Gedanke! Vielleicht könnte sie sich eines Tages diesen magnifiken Traum auch erfüllen.

Cassandra ging zur linken Wand des Salons und schaute durch ein kunstvoll gefertigtes Fenster aus Butzenscheiben, als wollte sie nachsehen, ob der Haremanbau noch da war. Dann griff sie mit ihren langen zarten Fingern nach einem Folianten, der in einem Regal stand, legte ihn auf ein schräges Schreibpult und schlug eine bestimmte Seite zwischen den Lederumschlägen auf, nahm einen Federkiel zur Hand und tauchte ihn in ein kleines Tintenfässchen aus Bronze, kratzte einige Zahlen auf das Pergament und streute Sand darüber.

Dann wand sie sich wieder zu Phoibe: „Ich vermerke jede Ausgabe in meinem Buch. Das solltet Ihr auch tun. Meine Majordoma gibt Euch die Münzen, sobald ich mich für drei Böcke entschieden habe. Wollen wir gehen und schauen, was Ihr mir mitgebracht habt?“ Eilfertig nickte Phoibe. Jetzt musste sie die Sklaven präsentieren und sich als gute Händlerin beweisen. „Ich kann euch schon jetzt versprechen, werte Cassandra, dass Ihr begeistert sein werdet von meiner edlen Auswahl an Jünglingen der höchsten Qualität.“

Abas und Lykos marschierten derweil weiter durch das unwegsame Gelände des heißen Ostkontinents. Abas sprach seinen Gefährten an: „Wisst Ihr überhaupt, wohin der Weg führt?“ Lykos sah den Königsgemahl an: „Nein, aber ich weiß, dass es in der anderen Richtung zurück zu den Amazonenweibern geht. Wollt Ihr dahin?“ Abas schnaubte. „Diese verfluchten Stechmücken bringen mich noch um. Es juckt am ganzen Körper!“ Er schlug wild um sich. Lykos musste schmunzeln. Vermutlich juckte es dem Königsgemahl vor allem an einer bestimmten Stelle, amüsierte sich der Hauptmann. Da konnte er nicht für eine Linderung sorgen.

Was den Rest des edlen Leibes anging, gab es einen kühlenden Pflanzensaft, wie er herausgefunden hatte. Lykos riss ein großes Blatt ab und reichte es dem Gepeinigten: „Drückt es fest auf die Stiche. Das wird Euch eine Linderung der Pein verschaffen.“ Schon nach kurzer Zeit klang der Juckreiz wie prophezeit ab. Nun litt Abas „nur“ noch unter dem „Jucken“ seines Gehänges. Das spürte er dafür umso intensiver.

Seit geraumer Zeit kämpften die Zwei sich durch Dornengesträuch, der ihnen fast alle „Kleidung“ vom Leib riss. Als sie endlich die ungeliebten Gewächse hinter sich hatten, waren ihre Körper splitternackt und zerschunden. Lykos bastelte sich aus Zweigen und großen Blättern einen Lendenschurz. Abas, der nicht so geschickt war, gab seine Versuche auf, Lykos nachzueifern und warf verzweifelt seine missratende Anfertigung auf den Boden. „Ich bekomme es einfach nicht hin!“

Lykos sprach ihm Mut zu, und Abas versuchte es unter der Anleitung des Hauptmannes erneut. Fast war er erfolgreich, doch im letzten Moment fiel ihm sein Röckchen von der Hüfte und löste sich zu seinen Füßen in seine Einzelteile auf. Abas bekam einen Wutanfall und sprang nackt in seinem Keuschheitsgürtel umher, als habe er an Rauschpilzen genascht. Lykos musste sich sehr zusammenreißen, um nicht laut zu lachen.

Später, als sich Abas beruhigt hatte – Lykos war inzwischen Feuerholz und Reisig sammeln gegangen – fragte Ledas Gemahl kleinlaut, ob Lykos ihm einen Rock fertigen könne. Lykos half gerne, so dass auch Abas nicht mehr schutzlos umherlaufen musste. Bald prasselte ein kleines Lagerfeuer, und die Männer ließen sich nieder und bereiteten sich ihr Nachtquartier. Erst am nächsten Morgen, als das Feuer in einem Steinkreis niedergebrannt war, bemerkten die beiden Wanderer, dass es nach Seeluft roch. Und tatsächlich: Sie fanden in einer halben Meile Entfernung eine Bucht, die aufs Ostmeer hinauszuführen schien.

„Wir könnten uns ein Boot oder Floß bauen“, schlug Abas vor. „Fein! Dann landen wir genau in der Höhle des Löwen“, warnte Lykos. Abas argumentierte: „Wir müssen es versuchen. Wir werden außerhalb der Küstensicht segeln und erst im ehemaligen Nordland anlanden. So umfahren wir feindliche Landstriche.“ Lykos war skeptisch aber nickte. Es blieb ihnen nur diese eine Chance, den Amazonen wie auch Plutas Häscherinnen zu entkommen.

Cassandra führte Phoibe in eine Art Stallung. Doch statt Pferden fand die junge Sklavenhändlerin ihre sechs – wie nannte Cassandra sie noch? Böcke! – an der Wand stehen. Als sie ihren Blick zu den Gehängen der Sklaven senkte, stellte sie fest, dass dort um ihre Säcke jeweils ein Seil hinter sie an die Wand führte. Auf ein kurzes scharfes Zeichen einer schlanken und großen Frau, die zu ihrer Uniform auch ein Tschako trug, fielen die Sklaven auf die Knie.

Phoibe bemerkte, dass die Länge der Seile um das Gemächt der Männer so bemessen war, dass es nun gespannt war. Sichtbar wurde ihre Männlichkeit zwischen ihre Beine gezogen. Cassandra überließ die Auswahl offenbar ihrer Angestellten, die nun im Stechschritt an den knienden Böcken entlang schritt und dabei auf deren Hinterköpfe tippte. Sofort beugten sich die Sklaven so weit nach vorne, dass ihre Stirn den Boden berührte. Nun waren nicht nur die Hinterbacken der Böcke nach oben gestreckt, auch die Männlichkeit, gefangen in der Seilschlinge, war nun gut zu bewundern.

Phoibe lächelte stolz, denn die Auswahl, die Flagella für sie getroffen hatte, war wahrlich ausgezeichnet. Als Liebesdiener würde das halbe Dutzend hervorragende Dienste leisten – bei dem ausgeprägten Gehänge. Phoibe spürte einen gewissen Neid, diese feine Ware an die reiche Frau abzugeben. Doch Cassandra war verwöhnt. Sie wollte nur das Beste. Die Frau mit dem Tschako zog blitzschnell ihr langes und schmales Schwert. So eine feine Klinge hatte Phoibe noch nie gesehen. Und schon bewies die Frau die Schärfe ihrer Waffe, indem sie mit ihr durch die Luft fuhr und zu Phoibes Verwunderung mit Leichtigkeit ein Hanfseil durchschnitt.

Die Sklavenhändlerin begriff kaum, was jetzt geschah, so schnell ging alles von statten: Durch das zerteilte Seil raste ein Holzbrett hinab, das sich wie eine Guillotine genau über den Nacken der Sklaven befand und die Böcke scheinbar richten würde… Doch das fast neun Fuß breite „Fallbeil“ aus Holz war an den Stellen, an denen sich die Nacken der Sklaven befanden, halbkreisförmig ausgeschnitten. So wurden die Köpfe der Böcke lediglich durch das Brett fixiert wie in einem Pranger. Phoibe machte große Augen: Hätten die Sklaven nicht genau die vorgeschriebene Position eingehalten, wären sie tatsächlich geköpft worden!

Der Schreck war den Böcken deutlich anzumerken, denn ihre Körper zuckten. Auf ein dezentes Kopfnicken von Cassandra holte die Uniformierte mit ihrer scharfen Klinge aus und durchtrennte nur einen Zoll über der Männlichkeit eines Sklaven das Seil, so dass seine Hinterbacken ruckartig zu Boden fielen. Dann wiederholte sie dies beim zweiten Bock. Es folgte der Bock an fünfter Stelle. Die restlichen Exemplare blieben in ihrer ungemütlichen Stellung.

Bei jedem Hieb hatte Phoibe gestaunt, wie exakt das Weib mit seiner Waffe umgehen konnte. Ein winziger Fehler… Dann wären aus den sechs Männern sechs Eunuchen geworden. Cassandras Wahl war getroffen: Die „abgeschnittenen“ Sklaven sollte Phoibe Flagella zurückbringen, die anderen drei waren es würdig, Cassandra zu dienen, bis sie auch diesen Neulingen überdrüssig war und sie auf ihre Plantage schicken würde, wo sie unter der brennenden Sonne Tag für Tag bis zum Umfallen schuften würden.






71. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 06.11.19 21:33

Ganz prima !! Herzlichen Dank für die Fortsetzung !!
72. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 13.11.19 20:06

Cassandra bot Phoibe noch eine Erfrischung an, bevor sie sich mit den drei „Verschmähten“ auf den Nachhauseweg in die Metropole machte. Die Großgrundbesitzerin sah der jungen Reiterin und den drei Sklaven schließlich nach, dann ging sie einen schattigen Säulengang entlang, an dessen Ende in einem mit Ornamenten verzierten Brunnen Wasser beruhigend plätscherte. Cassandra beugte sich einen Moment über einen bronzenen Kübel mit Jasminblüten und sog den Duft der Pflanze ein, dann betrat sie den Flügel des Hauses, in dem ihr Harem untergebracht war.

Neben der mächtigen Eingangstür wachten zwei Soldatinnen ihrer privaten Miliz. Sofort standen sie stramm, als sie ihre Herrin sahen und öffneten die zweiflügelige Tür im exakten Gleichtakt. Cassandra begab sich in ihre Liebeshalle und stellte zu ihrer Zufriedenheit fest, dass ihre drei Bettsklaven zu ihr stürmten und damit begannen, um ihre Gunst zu buhlen. Obwohl die reiche Gutsfrau dieses Verhalten liebte, stieß sie sie grob zurück. Sie würde die drei Neuanschaffungen mit ihren Alten vergleichen und dann drei Versager entfernen.

Ob Flagellas neueste Ware mit ihren Bewährten mithalten konnte? Das würde sie des Nachts sehen, wenn die Dunkelheit längst das Land um ihre Prachtresidenz verschluckt haben würde. Langsam entkleidete sich Cassandra und ließ ihre kostbaren Seidentücher auf den Marmorboden gleiten. Dann schritt sie elegant in ein großes Wasserbecken. Sie entspannte ihre Glieder und ließ ihren Körper auf dem Rücken vom Wasser treiben.
An der Decke zeigte ein großes gemaltes Kunstwerk eine Harpyie, die auf einem gerüsteten Kentauren in eine Schlacht gegen einen Drachen ritt. Leise glitten nun auch die Sklaven in das Becken und hielten sich bereit, alle Wünsche Cassandras zu erfüllen.

Ceres empfing Phoibe mit einer Neuigkeit: „Stell dir vor! Eine hohe Soldatin, die zum Ostreich übergelaufen ist, wird ab morgen bei Flagella arbeiten. Sie wird Kampfsklaven ausbilden.“ Phoibe stutzte: „Aber es gibt doch schon mehr als genug dieser Berserker! Die Metropole platzt ja förmlich vor lauter Schlachtsklaven.“ Ceres flüsterte ihr zu: „Du weißt das Neueste noch nicht! Aber leise! Ich habe es erlauscht, als Flagella von einer Abgesandten Plutas davon berichtete.“ Sie beugte ihren Kopf verschwörerisch vor. Phoibe sah ungeduldig zu ihrer Freundin: „Also was nun?“ Sie sperrte die Ohren auf und fixierte die Freundin mit einem fordernden Blick. Ceres hielt die Hand vor den Mund: „Pluta will eine neue Invasion starten!“ Phoibes Mund öffnete sich. Aber sie war sprachlos. Sie starrte Ceres nur an. Wie aufregend! Ein Kriegszug. Mehr Macht, mehr Reichtum, mehr Sklaven, mehr Land, mehr Ehre.

Sie hatte die drei Sklaven an einem Seil hinter sich hergezogen. Jetzt band sie sie an einen Eisenring fest und verschwand mit Ceres im schattigen Inneren. Sie brauchte nach dem schweißtreibenden Ritt ein kühles Ale und mehr Informationen von dieser angeblichen Invasion. Aber Ceres wusste auch nicht mehr viel mehr. Nur, dass Pluta dieses Mal aus dem Norden kommen wollte. Ihre Armee sollte verschifft werden. Alle verfügbaren Galeeren und Frachtschiffe waren bereits auf dem Weg zum größten Hafen, der in der Nähe der Metropole lag. Ceres verbildlichte die Strategie mit dem Holzlöffel, dem Messer und den Bechern als Symbole für die Schiffe, die Armeen und das Vorgehen der Streitkräfte.

Helena, die als hohe Armeeangehörige – immerhin war sie Kapitänin – von den Kriegsplänen wusste, hatte man ein Kommando auf einem Schlachtschiff versprochen. So schnell konnte sich die politische Lage ändern! Vor kurzem sollte die Flotte noch mehr oder weniger eingestampft werden. Und jetzt war Helena kurz davor, ein gewaltiges Kommando zu übernehmen und ins Gefecht zu ziehen. Doch zunächst sollte sie die Oberaufsicht für die Ausbildung der neuen Kriegssklaven haben. Sie wusste am besten, welche Kampftechniken Ledas Soldaten beherrschten – und welche nicht! So war Helena angesichts ihres Wissens Gold wert für die Tyrannin Pluta.

„Wo ist denn diese Überläuferin?“, erkundigte sich Phoibe. Ceres antwortete: „Sie heißt Helena und ist gerade im Herrscherpalast. Pluta überreicht ihr einen Orden.“ Phoibe blies die Wangen auf: „Da muss sie ja von diesem Weibe sehr viel halten.“ Ceres zuckte mit den Achseln. „Hauptsache ist doch, dass wir vorläufig ausgesorgt haben. Bei der Nachfrage an Frischfleisch werden wir kaum nachkommen mit den Lieferungen.“ Phoibe hob ihre Augenbrauen. „Und Böcke.“ Ceres sah sie verständnislos an. „Was?“ Phoibe winkte schmunzelnd ab. „Einerlei.“

Als sich Phoibe von der Reise erholt hatte und noch eine Weile mit Ceres und zwei anderen Angestellten von Flagella geplaudert hatte, fielen ihr die drei Sklaven ein, die immer noch in der Hitze festgebunden waren und vermutlich schon geschwollene Zungen vor lauter Durst hatten. Phoibe lief nachsehen und brachte die Ware in den Schatten zu einem Trog mit Wasser. Sofort knieten die Sklaven davor nieder und steckten ihre Köpfe unbeherrscht ins Nass.

Phoibe schüttelte den Kopf und schnalzte mit der Zunge. „Sauft nicht den ganzen Trog leer!“ Da hörte sie einen scharfen Ruf von Flagella. Phoibe schritt zu ihr und fragte nach ihrem Begehr. Die Sklavenhändlerin gab ihr einen neuen Auftrag: „Die drei Sklaven, die von Cassandra verschmäht worden sind, bringst du zu Hydra. Vielleicht sind sie dafür gut. Ansonsten können wir sie nur noch billig verramschen.“ Phoibe nickte höflich, hatte aber überhaupt keine Lust, nun schon wieder auf den harten Sattel zu steigen. Zu Hydras Haus war es wieder eine lange und mühevolle Strecke. Ob die Kreaturen es in Hydras Liebeshölle besser hatten als bei der reichen Cassandra? Das würde abzuwarten sein.

Phoibe trieb die Sklaven, die immer noch über dem Trog hingen, weg und ordnete sie hintereinander an. „Los!“, schlug sie mit ihrer braunen Peitsche zu, „Auf geht´s! Ich bringe euch in eurer neues Zuhause!“ Die Männer wankten hinter der im Schritt reitenden Phoibe her und lechzten nach dem Wasserschlauch, den sich die junge Dame unterwegs ab und zu an den Mund hielt. Trocken schluckten die Sklaven statt des erfrischenden Wasser nur eingebildeten Speichel, der längst nicht mehr in ihrem Schlund war – und den Staub des Weges. Ihre Kehlen hatten nach wenigen Meilen bereits wieder furchtbaren brennenden Durst, aber darum kümmerte sich Phoibe nicht. Ihre Gedanken waren bei dem Feldzug, der hoffentlich das Vereinte Reich einnehmen würde.

Die Temperatur hatte weiter zugenommen, und Phoibe glaubte, durch einen Lehmofen zu reiten. Die Sklaven waren nass geschwitzt und hechelten wie Hunde. Endlich erreichte sie Hydras Haus. Schon von weitem rief eine kräftige Frau: „Endlich wieder Frischfleisch!“ Als Phoibe bei ihr aus dem Sattel rutschte, wurde sie herzlich mit Umarmungen und Wangenküsschen begrüßt. „Seid mir willkommen! Was hat Flagella denn da für mich?“ Hydra begutachtete die Ware ausführlich, besonders die Gemächte der Sklaven. Sie klatschte einem der Leibeigenen auf den knackigen Hintern. „Den nehme ich auf jeden Fall.“ Dann ging sie weiter und zeigte auf einen zweiten: „Der ist auch gut. Noch gestern ist mir so einer leider abhanden gekommen.“

Phoibe sah sie fragend an. Hydra lachte laut: „Na ja, eine Dame hatte einen sehr ausgefallenen Wunsch, und anschließend… war er eben nicht mehr zu gebrauchen.“ Phoibe verstand und lächelte. „Und der hier?“, zeigte sie auf den Dritten. Hydra kräuselte ablehnend ihre Nase und meinte: „Ich weiß nicht. Der ist ein bisschen… zwergenhaft.“ Phoibe konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Der Sklave hatte in der Tat das kleinste Gemächt des Trios. Trotzdem war es nicht zu verachten, wie sie fand.

Hydra wehrte mit ihren Händen vehement ab. „Nein, den will ich nicht. So was Winziges kann ich meinen Gästen nicht zumuten.“ Phoibe redete mit Engelszunge auf die Freudenhausherrin ein, und schließlich willigte Hydra ein, „den da zu testen. Aber unverbindlich.“ Phoibe nickte erleichtert. Vielleicht wurde sie ihn ja doch noch los. Der Sklave hatte ja noch eine Zunge, die er hoffentlich geschickt einzusetzen wusste. Und das musste er, denn wenn er nicht um ihre Gunst buhlen würde, wäre es um ihn geschehen.

Hydra lud sie ein, es sich in ihrem Domizil bequem zu machen. Gleich zwei Sklaven huschten herbei und sorgten für den Gast, brachten kühle Getränke, massierten Phoibes verspannte Schultern und badeten ihre Füße. Der Raum, in dem sie von den Hausangestellten empfangen worden war, präsentierte Hydras Reichtum: Marmor, kostbare Kristallamphoren, Rabatte mit edlen Blumen, die in allen erdenklichen Farben strahlten, mit Blattgold verzierte Paneele an den Wänden, Holzschnitzereien an der Vertäfelung und den exklusiven Möbeln, die kunstfertigen Mosaiken an der Decke und dann noch der königliche Diwan, auf dem sie Platz genommen hatte. Das alles war äußerst beeindruckend.

Phoibe faszinierte die Dienstgewandung der Männer: derbe Lederstiefel und ein Lätzchen über ihrem Gehänge sowie ein Lederhalsband mit Öse – mehr nicht. So etwas hatte sie noch nirgends sonst erblickt. Phoibe spürte, wie langsam ein Verlangen in ihr wuchs. Die Sklaven waren ausnahmslos sehr hübsch und verfügten über wohlgeformte Leiber. Ob sie auch noch Zeit hatte, einen der Männer…

Bevor sie die Frage beantwortet hatte, waren die Pferde schon mit ihr durchgegangen. Die Liebesdiener schienen genau zu wissen, was Phoibe mochte und wonach sie gierte…
Als sei sie in eine fremde Welt getaucht, waren alle ihre Grübeleien wie weggeblasen, und sie spürte nur noch wohliges Kribbeln und die Feuchtigkeit, die der Liebesdiener ihr aussaugte, während der andere mit seiner Zunge und seinen Lippen ihren restlichen Körper erforschte…

Dann bahnte sich ein Beben an, doch die Männer verwöhnten sie weiter und weiter… Küsse, wie sie nie zuvor welche erlebt hatte… Schließlich glitt einer der Zwei sanft mit seinem prallen Stab zwischen ihre Schenkel; Phoibe ließ sich unverhohlen treiben, spürte das Beben stärker werden und schließlich brach das Feuer hervor, wie bei einem aufgewachten Vulkan…

Als sie befriedigt war, ließ sie sich wieder massieren und mit einer duftenden Essenz einreiben. Hier ließ es sich aushalten, schwärmte sie vor sich hin. Warum hatte ihr Nereus nicht so viel Fingerspitzengefühl? Und sein Gemächt war auch nicht so ausdauernd… Sie runzelte die Stirn. Ceres hatte ihren ausgebildeten Liebessklaven Aphron. Und sie? Ein Mannsbild aus dem Westen! Der konnte ja nicht so gut sein! Ein Mängelexemplar. Wenn sie heute Abend nach Hause kam, würde sie Nereus beibringen, was er können musste. Dabei würde sie sicherlich nicht allzu feinsinnig vorgehen. Und wenn sie dafür ein Dutzend Stöcke zerschlagen musste!

Schließlich kleidete sie sich wieder an. Phoibe fühlte die Entspannung und wäre am liebsten eingeschlafen, da kam Hydra zurück. „Den kannst du wieder haben!“, spie sie abfällig aus und schubste den Sklaven zu Phoibe. In ihrem Gesicht tobte eine Wut mit einer Gewalt eines tosenden Orkans. Die Sklavenhändlerin sah das verschmierte Gesicht des Leibeigenen. Was hatte Hydra bloß alles mit ihm angestellt? Seine Männlichkeit war rot. Der Sklave atmete schwer. Er sackte vor Phoibe zusammen und starrte zu Boden.

Hydra spuckte auf den nackten Mann. „Der ist zu nichts zu gebrauchen. Nimm ihm seine Männlichkeit weg, damit er keine Lady mehr beleidigen kann!“ Der Sklave, der sonst nie gewagt hätte, Phoibe zu berühren, rutschte nun auf dem Boden zu ihr und umklammerte Phoibes Stiefel. Er sah mit flehendem und ängstlichem Blick zu ihr auf. Sie trieb ihn mit Tritten wieder ein Stück weg und sagte seufzend: „Also gut. Dann zahlt mir die Zwei.“ Hydra reichte ihr einige Münzen. Phoibe zählte nach. Ob Flagella enttäuscht sein würde? Viel war es nicht. Dann meinte Hydra unerwartet: „Von mir aus lasst mir den da auch hier. Mal sehen, vielleicht habe ich Verwendung. Ich gebe Euch eine Münze für diese Missgeburt.“ Phoibe war einverstanden. Sie wollte den Sklaven kein zweites Mal zu Flagella zurückbringen.

Mit einem breiten Grinsen im Antlitz sah Hydra der reitenden Sklavenhändlerin nach. Dann drehte sie sich um zu dem dritten Sklaven und schlug mit einer Gerte auf ihn ein: „Hoch mit dir zu den anderen. Ich weiß schon, was ich mit dir mache!“ Eine Gehilfin der Freudenhausmutter sah sie verwirrt an. Hydra lächelte: „Einige Ladys möchten Sklaven zusehen, wie sie es untereinander treiben. Morgen lasse ich eine Schmiedin kommen und unseren Zwerg hier in einen Keuschheitsgürtel einschmieden. Und dann wird er seinen Arsch hinhalten wie eine Dirne, die die Schenkel spreizt…“ Der Sklave ächzte und schüttelte den Kopf. In seinem verängstigten Antlitz stand ein Flehen. Die Bedienstete lachte glockenhell. „Darf ich ihn erziehen? Bitte!“ Hydra nickte. „Meinetwegen. Ich werde ein paar Liebesstäbe schnitzen lassen. Damit kannst du ihn lehren, wie es geht…“ Nun gackerte die Frau. Bald würde die Kehrseite der Kreatur so brennen, wie das Maul eines Drachen...

Die Tage vergingen, und Abas und Lykos arbeiteten fleißig an ihrem Floß. Sie hatten eine Kajüte auf der Plattform gebaut und einen Mast angebracht. Und sogar ein Segel aus einem groben Leinenstoff, der ein Teil eines Zeltes gewesen war, stand ihnen zur Verfügung. Morgen in aller Frühe wollten sie in See stechen, wenn die Wettergötter ihnen beistanden. Süßwasser und Obst sowie Nüsse hatten sie als Proviant dabei. Als Waffen standen ihnen eine Axt, ein Beil und zwei schlichte Dolche mit Griffen aus Bein zur Verfügung.

All die nötigen Werkzeuge, Waffen und Materialien hatten sie vor einer Woche aus einem verlassenen Amazonenlager entwendet, das Abas auf der Suche nach Nahrung entdeckt hatte. Sie hatten sich sogar Kleidung aus einigen Stoffen fertigen können. Hose und Wams! Endlich wieder gekleidet, wie ein Mensch! Die beiden Männer hatten den Göttern auf Knien für diese Gaben gedankt. Zu guter Letzt hatten sie auch mal Glück! Nun musste nur noch die große Überfahrt über die See gelingen.

In der Nacht vor der großen Abreise und ungewissen Fahrt über das Meer, hörte Abas merkwürdige Geräusche neben sich. Er öffnete ein Auge zu einem Schlitz und konnte erkennen, dass der Hauptmann seine Hose geöffnet hatte und an seiner Männlichkeit spielte. Sein Stöhnen ließ keinen Zweifel! Lykos verstieß gegen Abas Befehl, keusch zu bleiben. So ein dünkelhafter Frevel! Hatte der Kerl nur Flausen im Kopf?

Abas sprang auf, und Lykos erschrak so sehr, dass er ebenfalls eilfertig aufsprang und schrie. „Was ist los?“ Seine Hose rutschte ihm auf die Füße. Sein Lustschwert zeigte spitz und gerade ohne einen Funken Respekt auf den Königsgemahl. „Wie kannst du es wagen!“, rief Abas und kniff wütend die Augen zusammen. Lykos stand da, wie ein Häufchen Elend und wusste nicht, was er sagen sollte. Er stammelte nur herum. Er machte einen Bückling und versuchte, den ungezogenen kleinen Soldaten in seinen Lenden nach unten zu biegen und zu bezähmen. Aber wie ein gespannter Ast federte er wieder nach oben. Abas stieß seinen Untertanen mit beiden Fäusten gegen die Brust - so kräftig, dass Lykos nach hinten fiel. Noch immer stand dieser Lümmel in der Luft! Abas fühlte, wie er seinen Hauptmann am liebsten entmannt hätte. Aber war es nicht nur Neid? Wie gerne hätte er selbst seinen „Dolch“ in die Hand genommen…

Abas biss die Zähne zusammen, knurrte und stampfte mit den Füßen wie ein trotziges kleines Kind auf dem Boden umher. „Von mir aus mach doch, was du willst.“ Lykos lag noch auf der Erde. „Ich…“, begann er und verstummte. Jetzt war ihm die Lust ein wenig vergangen, obwohl… seine Männlichkeit was anderes sagte. Sie stand noch wie eine Standarte der Königin senkrecht.

Als Abas sich wieder hinlegte und Lykos demonstrativ den Rücken hinwendete, lag der Soldat noch eine Weile wach, voller Schuldgefühle, doch dann steigerte sich die Begierde wieder, und schließlich erwischte er seine Hände dabei, wie sie seine Lust hervorkitzelten… Er rang das unbändige Verlangen eine Weile nieder, aber dann verlor er diese Schlacht und kapitulierte vor der unbesiegbaren Übermacht.

73. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 23.11.19 17:13

Senatorin Kerbera war mit den Kriegsvorbereitungen in vollem Gange. Mit flatterndem Umhang aus dunkelrotem Samt eilte sie durch die Gänge des Regierungspalastes. Eine Besprechung im Senat, eine Unterredung mit der Herrscherin Pluta, die Truppenverbände koordinieren… Vorerst musste sie ihren Platz im Obersten Gericht des Ostreiches räumen. In Gedanken war sie schon bei einer heimeligen Ölmassage in ihren privaten Gemächern. Anschließend würde sie in einen wohltuenden Schlaf fallen oder noch nach Gutdünken einen Liebesdiener rufen lassen… Bei dem Gedanken musste sie schmunzeln. Vor einer Woche hatte sie ihren bisherigen Liebessklaven wegen seiner fehlenden Standhaftigkeit so sehr zusammen gestaucht und ausgelacht, dass er seither nie wieder mit einer Frau hatte schlafen können. Aber sie hatte schnell Ersatz gefunden: jünger, hübscher, standhafter, geschickter - einfach musterhaft. Das Beste war gerade gut genug für sie.

Bald würde der große Krieg beginnen, der obsiegend das Vereinte Reich in die Knie zwingen sollte. Sie sah sich bereits unter den höchsten Kriegsfürstinnen die Geschicke des Reiches lenken, und sie sah sich in einem weißen Streitwagen den Feind niederschlagen. Die gewaltigen Truppeneinheiten unter den einzelnen Centurias, die jede hundert Kampfsklaven anführte, würden im Vereinten Reich nur Asche und Trümmer hinterlassen.

Kerbera musste sich nun auf eine wichtige Beratung mit einigen gedungenen Duxas konzentrieren. Es waren noch so viele taktische und strategische Fragen zu klären. Doch wenn die Senatorin heute Abend endlich ihre Tür geschlossen hatte, dann würde sie von dem glorreichen Sieg träumen, der den gesamten Kontinent einen würde. Pluta wäre uneingeschränkte Herrscherin über den ganzen Erdteil, und ihre, Kerberas, Macht würde mit der Despotin ins Unermessliche steigen. Trunken von ihrer Freudenpracht leckte sie sich über die Lippen und betrachtete sich in einem runden Spiegel, um ihr edles Antlitz zu bewundern. Selbstverliebt war sie mit dem Bild zufrieden.

Die Tage vergingen, und die Oststreitkräfte waren bereit für ihren Überfall. Die Kampfsklaven, in derbem Leder und Eisen gekleidet, wurden auf die zahlreichen Schiffe der Flotte verteilt. Für zehn der Kämpfer war eine Soldatin zu Ross zuständig, für zehn Berittene hatte eine Centuria das Kommando. Dazu mussten pro Schiff noch eine möglichst kleine Besatzung und einige Seeoffizierinnen sowie eine Kapitänin Platz finden. Auf den besonders großen Schiffen befand sich eine Duxa, die in einem Verband von etwa zehn Schiffen fuhr.

Und dann legte ein Schiff ab, das die fast doppelte Anzahl von Personen an Bord hatte, fast drei Mal so gewaltig, gegen die die anderen Kriegsgaleeren aussahen wie kleine Kähne. Darauf befanden sich auch einige Senatorinnen, darunter Kerbera und Alekto. Gerade Alekto brannte noch auf Rache an Leda, die die Senatorin aus dem Vereinten Land verbannt und sie für fünf Jahre in einen Keuschheitsgürtel gesperrt hatte. Das sollte diese Hexe bitter büßen.

Abas und Lykos hatten zwei Wochen kein Land mehr gesehen und hofften, bald die Küstenlinie des Ostreiches am Horizont erblicken zu können. Doch wollten sie dann wieder außer Sicht Richtung Norden weitersegeln. Die Strömung des Ozeans half ihnen auf diesem Kurs. Aber auch, wenn der Meeresgott Ihnen wohlgesonnen war, befanden sie sich in Gefahr: Sie wussten nicht, dass sie auf der gleichen Route waren, die die Marine der Pluta nahm, um im Norden des Vereinten Reiches anzulanden, um es niederzuwalzen, wie bei einer Stampede von hunderten Büffeln jeder Grashalm und jeder Busch zertrampelt wurde.

Die mächtige Flotte schnitt mit den gewaltigen Rammspornen, die am Bug jeden Schiffes glänzten, durch die Wellen wie riesige Schwertfische auf Raubzug und näherte sich gefährlich der feindlichen Küste. Am Horizont ließ sich das Ufer als dünne Linie bereits erahnen, wenn man im Ausguck des Mastes saß. In Rekordzeit hatte Pluta für Massen von Kampfsklaven mit Morgensternen, Hacken, Lanzen und Schwertern gesorgt. Ein Heer, so groß, wie es bisher nie jemand auf diesem Kontinent gesehen hatte, war an Bord. Sie waren so gut genährt wie trainiert: muskulöse Kreaturen, die nur auf die scharfen Befehle ihrer Herrinnen hörten und sich ohne Todesangst wie Berserker ins Getümmel stürzen würden.

Fast jedes Mannsbild im Ostreich wurde zwangsrekrutiert. Viele Damen mussten auf Leibeigene verzichten, die bisher niedere Dienste übernommen hatten. Ceres war selbst mehrfach mit einem Kommando „Soldatenfängerinnen“ ausgezogen und hatte so mancher Dame ihre Sklaven abgenommen – gegen ein lächerlich geringes Entschädigungsgeld. Dagegen begehrte tunlichst niemand auf, denn das Dekret war von Pluta selbst erlassen worden.

Kopfgeldjägerinnen waren in den vergangenen Wochen wie die Pilze allenthalben aus dem Boden geschossen. Überall im Lande ritten bewaffnete Frauen umher, die entflohene Sklaven einfingen und in den Erziehungslagern abgaben, die aus den Feiglingen tapfere Soldaten machten und dann die abgerichteten Kämpfer unmittelbar auf eines der zahlreichen Schiffe brachte, die immer noch die Häfen verließen. Für jeden konfiszierten Sklaven, der sich als Krieger eignete, erhielten die rekrutierenden Frauen bare Münze, so dass ihre Beutel bald prall gefüllt waren.

Im Vereinten Reich ahnte man nichts von der großen Invasion. Abraya, die ihrer Königin ihre Erlebnisse wahrheitsgetreu berichtet hatte, war auf Argwohn gestoßen. Leda war von ihren Beratern gewarnt worden, der Soldatin zu vertrauen. Der königliche Seher Caduceus hatte von einer Verräterin weisgesagt. Woher sollte Leda also wissen, dass Abraya nicht eine Spionin war? Eine Doppelspionin, die zunächst für Leda und nun für Pluta Informationen sammelte, sabotierte, eine Verschwörung spann und schließlich eine Revolution anführte?

Auf Rat ihres Majordomus Honos war Abraya eingekerkert worden. Tief unter der Burg hauste sie nun hinter einem schweren rostigen Fallgitter in einem dunklen Gewölbe. An ihren Handgelenken trug sie eine Eisenschelle mit einer Kette, die an der Wand befestigt war, gerade lang genug, um sich sich hinlegen und aufstehen zu können. Ihre einzige Abwechslung des Tages war der Wächter, der ihr stumm zwei Mal am Tag eine Holzschale mit Brei und eine Kanne mit Wasser brachte. „Ihr solltet sie der peinlichen Befragung zuführen, Majestät“, hatte Honos nachdrücklich empfohlen; aber Leda schüttelte ihr müdes Haupt. „Es gibt schon genug Leid. Sie wird von alleine reden. Irgendwann.“

Oder sah Leda schon Gespenster? Die bösen Dämonen hatten ihren Geist vergiftet. Die Sorge um ihren Gemahl hatte sie geschwächt. Schlaff hing sie auf ihrem Thron. Sie fühlte sich matt und kraftlos. Hatte sie versagt? Konnte sie ihr Reich fürderhin beschützen? Zumindest hatte sie die hinterhältige Attacke des Ostreiches erfolgreich abgeschmettert. Zwar war ihr Gegenangriff kläglich gescheitert, aber ihre starke und stolze Armee hatte im Osten einige Landstriche erobert und nun einen massiven Sicherungswall gebaut, der die Ostgrenze unüberwindbar für zukünftige feindliche Einfälle machte.

Fama, eine Senatorin, schritt in den Thronsaal der Pluta. „Exzellenz, die Raben haben Botschaft gebracht. Die ersten Schiffe haben die Küstenlinie des Feindes erreicht. Das war vor etwa sechs Stunden. Inzwischen dürfte dort gewisslich die Sonne untergegangen sein. In der Dämmerung wollten sie anlanden.“ Plutas grausames Antlitz strahlte plötzlich vor Freude und Genugtuung. „Mich deucht, dieses Mal werden wir diese verhexte Ziege endlich von ihrem Thrönchen stoßen. Sie wird vor meinen Füßen im Dreck liegen und sich winden wie ein Wurm. Ich werde sie geißeln und… Nein, das soll noch niemand erfahren! Komm her, Fama. Ich werde dir ein Geheimnis erzählen.“ Dann fügte sie streng hinzu: „Doch sollst du mit dem Tode bestraft werden, wenn du es nicht für dich behältst!“

Pluta winkte mit einem beringten Finger. Der eingefasste Edelstein glitzerte im Licht. Fama näherte sich mit gesenktem Kopf demütig, jedoch behielt die edel gewandete Senatorin ihre Vornehmheit und Würde. Pluta hob ihre Hand, um ihre Worte in Famas Ohr zu wispern. Dabei funkelten die sieben Rubine an ihren schweren Goldringen, die das Licht der blakenden Fackeln und Kerzen widerspiegelten. „Ich habe früher einmal im Südland gelebt.“ Fama zuckte leicht, als sie dies hörte. Der verstorbene Herrscher Brackus hatte eine Südländerin geehelicht? Trieb die Hoheit Schabernack, oder hatte sie wahr gesprochen? Das wäre höchster Frevel! Als Pluta nicht weiter sprach und sich abwandte, verneigte sich Fama vornehm und verließ rückwärts und leicht gebückt den Thronsaal. Sie hörte die Despotin hinter sich gackernd lachen. Die Senatorin fühlte einen eiskalten Schauder auf dem Rücken, als säße ihr ein unheimlicher Spuk im Nacken. War das nun wahr gesprochen oder ein Scherz gewesen? Sie runzelte die Stirn und bekam Kopfschmerzen vor lauter Grübelei.

Pluta grinste ihr Spiegelbild in dem goldenen Kelch mit Wein an, den sie in der linken Hand hielt. Ja, sie würde zurückkehren! Und als Megara über den gesamten Kontinent herrschen! Ihre Stunde würde kommen! Bald! Sie verließ geschwind den Saal, um den Göttern zu danken. Sie war sich nur noch nicht sicher wie… Eine Anbetung war so langwierig. Vielleicht suchte sie sich lieber ein paar schöne Jünglinge aus und brachte sie in den Tempel… Das würde die Götter besänftigen und sie auf ihre Seite bringen.

Erst als die ersten Plünderungen und Zerstörungen der Kampfsklaven schwarze Rauchsäulen des Nordlandes in den Himmel schickten, ritten aufgeschreckte Herolde hastig Richtung Süden, um Leda von dem Ansturm des Feindes zu berichten. Leda war eiskalt erwischt worden. Ihre gesamte Verteidigung war gen Osten gerichtet. Im Norden gab es kaum Truppenverbände, die Plutas Armee aus Unholden aufhalten könnten. Sie rief nach ihrem Majordomus. „Schickt Briefraben so schnell es geht zum Ostwall. Meine Paladine sollen so eilig wie möglich nach Norden ziehen. Pluta ist mit einem monströsen Schwarm von Kriegssklaven gelandet und will das Nordland überrennen. Überall nur Vernichtung und Tod! Eilt! Es geht um das Überleben des freien Vereinten Reiches!“

Honos lief rasch aus Ledas Gemächern, um den Befehl dem Falkner zu bringen, der seine Raben mit der Botschaft gen Osten schicken sollte. Als er die Anweisung dem ganz in braunes Leder gekleideten Vogelmann überbracht hatte, sah der Majordomus geängstigt durch ein schmales Nordfenster aus dem königlichen Palast. Noch zeigten sich am blauen Himmel nur vereinzelte kleine weiße Wolken, die friedlich wie Watte über das Land zogen; doch sollte die Meldung aus dem Norden wahr sein, so würde die Idylle bald schon einem Inferno abtreten müssen.

Das unschuldige Treiben eines Marionettenspielers auf dem Markt vor dem Palast würde bald dem Feuer, der Zerstörung, dem Bösen und dem Grauen, der Unterdrückung und dem Tod weichen. Sollte die Tyrannin aus dem Osten das Vereinte Reich erobern, so wäre dies das Ende der freien Bürger. Eine unerbittliche Schreckensherrschaft würde regieren. Honos merkte, dass er bei seiner Vision zitterte. An den warmen Sonnenstrahlen lag das zweifelsohne nicht.

Lykos und Abas hatten angstvolle Tage hinter sich. Vor einer Woche hatten sie am Horizont mehrere Schiffe vorbeisegeln sehen. „Das ist die Marine der Pluta. Was machen die so weit nördlich?“, hatte Lykos gerätselt. Schnell hatten sie ihr Segel eingeholt, um nicht entdeckt zu werden. Nach bangen Stunden durften sie erleichtert aufatmen. Die feindliche Armada blieb auf ihrem Kurs und entschwand den sorgenvollen Blicken. Sie setzten erneut ihr Segel und hofften auf guten Wind.

Mehrere Tage später waren sie in eine günstige Strömung geraten und befanden sich schon bald in nördlichen Gewässern. „Es ist nicht mehr fern“, hatte der Hauptmann gesagt. Abas war erleichtert gewesen, denn ihr Proviant ging so langsam zu neige. Doch es gab noch etwas anderes, was ihn wieder an Land sehnte: Fast jede Nacht wachte er auf, wenn er Lykos stöhnen hörte. Stöhnen vor sündiger Lust. Der Königsgemahl tat stets so, als schliefe er, aber in Wahrheit brannte in ihm der Neid auf den Freien. Warum hatte Leda ihm diesen vermaledeiten Keuschheitsgürtel umgelegt? Jetzt brannte ihm sein Gemächt wie glühende Kohle in einem Eisenbecken. Wenn er nicht bald den königlichen Palast erreichte, würde er sich die quälende Männlichkeit… Nein! Niemals! Er würde sich nicht verstümmeln. Aber wie konnte er die brennende Marter ertragen, wenn selbst der disziplinierte Hauptmann sich nicht im Griff hatte!?

Der Tag, an dem die zwei Flüchtenden die felsige Küste des Nordlandes erreichten, sollte für sie jedoch noch eine böse Überraschung beinhalten. Lykos und Abas navigierten ihr Floß so nahe an die rauen Felsen wie möglich, aber dann verhakte sich ihr Fahrzeug auf den spitzen Riffen unglücklich. Dem Meeresgott sie Dank war der Seegang heute ungewöhnlich schwach. Der Königsgemahl und sein Hauptmann ließen sich also ins salzige Wasser hinab und schwammen von Fels zu Fels bis zum steinigen Strand. Entkräftet ließen sie sich auf die Erde fallen und gönnten sich eine Weile der Ruhe.

Die Sonne verbarg sich hinter dichten grauen Wolken, das Meer war bitterkalt. Als die Gefährten an Land frierend nach einer Besiedlung oder einzelnen Hütte Ausschau hielten, sahen sie sich enttäuscht: Weit und breit war nur eine einsame Grasebene zu sehen. Schlotternd von der Kälte marschierten sie landeinwärts. Als auch noch der Wind auffrischte, verfluchten sie die Göttinnen, die das Schicksal sponnen. Lykos klackerten die Zähne gegeneinander. Er hatte seine Arme um seinen Oberkörper geschlungen. Nach mehreren Meilen erschien hinter einem Hügel ein Häuschen, das sie ansteuerten, um um eine warme Mahlzeit, Kleidung und zwei Pferde zu ersuchen. Doch dann fiel Abas ein, dass sie nichts hatten, womit sie dies bezahlen könnten. Er war zwar Königsgemahl, aber wer sollte dies glauben?

Sie näherten sich dem kleinen Haus aus geschlagenen Granitblöcken und einem Reetdach. An dem Gemäuer wuchsen Flechten und Moose. Hinter dem Gebäude sahen sie nun auch einen kleinen Stall aus krummen Holzlatten. Vielleicht lebte hier ein Schafhirte, der auch ein Ross besaß. Ackerbau betrieb er wohl nicht, doch gab es hier genug Weide für Viehherden. Als sie an die dicke Holztür des Hauses klopfen wollten, stellten sie fest, dass diese nur angelehnt war. Genau genommen hing sie nur noch in der unteren Angel. Lykos ging mit seinem Dolch vorwärts – der einzigen Waffe, die sie bei der Anlandung hatten retten können. Durch ein schmales hohes Fenster fiel Licht auf einen rustikalen Tisch und drei Schemel. An einer Wand war ein schwarzer Ofen mit einem verbeulten Kessel zu sehen, auf der anderen Seite hatte der Bewohner seine Schlafstätte aus Stroh errichtet. Die Feuerstelle war kalt. Sie war seit mindestens Tagen nicht benutzt worden.

Lykos Blick führte weiter in den hinteren Bereich der Hütte. Er schritt auf die dunklen Umrisse zu. Dann erkannte er eine hölzerne Truhe mit eisernen Beschlägen, die bereits rosteten. Von einem Bewohner war weit und breit nichts zu sehen. Auch Tiere hatten sie nicht gehört. Kein Schaf, keine Ziege, kein Schwein oder Rind – nicht mal ein Huhn. „Geh du im Stall nachschauen“, schlug Lykos vor. Abas nickte und verließ die Hütte. Neugierig marschierte er zum Stall. Vermutlich war er leer. Doch alles war ganz anders.

In dem Holzverschlag fand er das Grauen: die Reste einer ganzen Herde Schafe und Ziegen waren auf einem Berg aufgetürmt. „Pluta“, murmelte er erschrocken. Hier hatte sich die feindliche Streitmacht gütlich getan, da war er sicher. Aufgeregt lief er zurück zu Lykos, der nun wie erstarrt vor der geöffneten Truhe stand. Langsam kam Abas näher, um ebenfalls einen Blick hinein zu tun. „Weg!“, sagte Lykos. „Schaut nicht hin.“ Doch es war zu spät. Er drehte sich herum und würgte. Vorgebeugt verließ er das Haus des Schreckens. Niemals würde er diese Gesichter vergessen.

Nach einer Weile trafen sich die Männer mit flauem Magen vor der Hütte. Lykos meinte: „Unsere Vermutung war richtig. Pluta ist im Norden ins Vereinte Reich eingefallen! Königin Leda hat ihre ganzen Kräfte Richtung Osten gebündelt…“ Abas starrte den Hauptmann an. Das war ja ein Desaster! Außerdem waren die verheerenden Horden der Pluta nun zwischen ihnen und der Hauptstadt. Was für ein Unheil!

74. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 31.12.19 14:50


Als sie sich am Ofen ausgiebig gewärmt hatten sowie neue Kleidung angezogen hatten, die sie in einem Holzschränkchen gefunden hatten, fühlten sie sich gleich besser. Auch, wenn es Wams und Beinkleid eines Toten war. Nachdem sie die Überreste einer Mahlzeit gekocht und mit wenig Genuss verspeist hatten, machten sie sich frank und frei auf den Weg weiter nach Süden. Doch sie mussten auf der Hut sein! Sie liefen genau in die Arme des Feindes. Aber wie sollten sie sonst jemals zurück zu ihrer Königin gelangen?

Viele Meilen entfernt ließ sich Kerbera von einer großen prunkvollen Sänfte tragen. Es waren acht kräftige Kampfsklaven nötig, um die schwere Konstruktion vorwärts zu bewegen. Auch Alekto gönnte sich einen solchen Luxus. Die uniformierten Duxas verfügten dagegen lediglich über geschmückte Streitrösser, ebenso wie die Centurias. Stolz saßen sie in ihren ledernden Beinkleidern und dem Lederharnisch auf ihren Pferden und riefen Kommandos.

Die Invasionsarmee war in mehrere Arme aufgeteilt und nahm unterschiedliche Wege in den Süden, um einen Mittelteil und zwei Flügel zu bilden. So wollten die Häscherinnen der Pluta das Volk des Vereinten Reiches nach Süden drängen. Längst spielte es keine Rolle mehr, ob Leda gewarnt wurde oder nicht, denn der Feind stand unverblümt kurz vor den Toren. In wenigen Tagen würde die dreigeteilte Streitmacht der Potentatin die Hauptstadt im Süden einnehmen.

Unterwegs hinterließen sie nur Rauch, Asche und Trümmer. Wer überlebte, der war geschändet worden. Weniger von Fortuna geküsste Gestalten glotzten mit ihren Totenschädeln von Spießen hinab und kündeten in der melancholische Landschaft von Tod und Verderben. Die Weiber hatten noch Glück, denn die wenigsten Soldatinnen hatten ein Verlangen nach Maiden. So blieb ihnen diese Schmach erspart. Oft sah man in diesen Tagen daher eher eine Uniformierte auf einem männlichen Nord- und später Südländer sitzen, den Dolch an dessen Kehle haltend.

Phoibe war in den Rang einer Centuria befördert worden und lugte in eine Hütte hinein, in die eine andere Centuria gegangen war: Die Frau ritt sich auf einem Mann, dessen Beinkleider zerschnitten waren, faunisch zu einem frohlockenden Höhepunkt und stieg dann triumphierend ab. Unter größter Angst starrte der Unglückliche auf seinen noch steifen Liebesstab. Wollte die Soldatin ihm seine Männlichkeit nun stehlen? Doch die meisten Soldatinnen begnügten sich mit der Befriedigung ihrer Lust und versetzten dem Mann lediglich einen Tritt in die Rippen als ungemaches Abschiedsgeschenk.

Auch diese Uniformierte lachte ihr anheimgefallenes Opfer nur höhnisch an und verließ flugs das Haus. Sie rief eine Soldatin herbei und befahl das Gehöft niederzubrennen. Später sah Phoibe den Mann mit seinem Weibe über die Ebene flüchten. Sie waren mit dem Leben davon gekommen, doch ihr Zuhause, dessen sich die Brandstifter befleißigt hatten, brannte lichterloh. Schließlich zog der Moloch weiter, alles niedertrampelnd, durch die Lande streifend. Bald schon erinnerte die Landschaft an die triste Unterwelt der Todesgöttin. Nur der Frost und das Eis fehlten.

Inzwischen hatte Leda einige Truppenverbände im Norden der Stadt stationieren können, doch die größte Unterstützung fehlte noch immer. Ein heftiger Sandsturm behinderte im Osten das Vorwärtskommen der eigenen Armee. Dort sah man kaum die Hand vor Augen, wenn die sandigen Wirbelwinde wie von bösen Geistern beseelt tosend durch die Luft jagten. Oft konnten sich die Soldaten nur in ihre Gewänder einwickeln und Schutz in Erdhöhlen, Felsspalten oder Senken suchen. Ein Vorankommen war dann schier unmöglich, solange die Sandsäulen über das Land rasten und alles verheerten, teils schlimmer als Plutas Verbände.
Viele Bürger hatten sich freiwillig als Soldat verpflichtet und trugen den Treueeid stolz auf ihren Lippen. Der königliche Seher Caduceus war in Ungnade gefallen, weil er den Angriff der Einmarschierenden nicht vorhergesagt hatte. Leda hatte ihn in den Kerker werfen lassen. Die Regentin saß auf ihrem mit samt beschlagenem Thron und starrte auf eine Holzwand, auf der aufwändige Schnitzerei eine berühmte Schlacht darstellte, die der alte König Thalos gegen die damals wilden Nordmänner gewonnen hatte. Leda war damals nicht einmal Soldatin gewesen. Doch hatte sie sich schon zu jener Zeit gewünscht, dabei zu sein. Doch als Maid mit den Kriegern kämpfen? Das war seinerzeit undenkbar.

Dann hatte sie sich viele Jahre später durch viel Fleiß, Plackerei und Tapferkeit doch eine Uniform verdient. Müßiggang war ihr fremd. Sie schwang das Schwert wie ein Recke, und fehlende Kraft machte sie mit Geschicklichkeit wett, bis ihr auch die Kämpen gewogen waren. Die Götter webten das Schicksal der Welt, und schließlich war sie sogar Königin geworden… Was wohl die Chronisten über sie, Leda, später schreiben würden? Die Siegreiche oder die Versagerin? Gedankenverloren stand sie auf und kaute auf einer Weintraube. Was da für Hiobsbotschaften aus dem Norden kamen, zermürbte ihren Mut. Plötzlich schmeckte die Traube bitter, und sie spuckte sie angewidert aus.

Weit entfernt im Osten auf dem großen Grundbesitz der reichen Cassandra stolperte eine Dienerin über den Rand eines bunten Teppichs. Ihr fiel ein Silbertablett aus der Hand, und eine Mokkatasse stürzte zu Boden und barst in zig Scherben. Cassandra drehte sich die Stirn runzelnd herum und verzog streng den Mund. Der Dienstmaid war die Angst ins Gesicht geschrieben. Sie zitterte am ganzen Leib. Cassandra hasste solche Ungeschicktheiten. „Dummes Ding!“, entfuhr es der Lady auch gleich schnaubend.

Das veränstigte junge Weib beeilte sich, die Scherben aufzuklauben und sich unter tiefen Verbeugungen zu entschuldigen. „Das wird dir vom Lohn abgezogen“, bestimmte Cassandra. „Hol mir deinen Prügelsklaven. Zehn Hiebe mit der Rute sind angemessen.“ Die Famula versank fast vor Schreck im Boden. „Ehrwürdige Cassandra, mein Prügelsklave wurde konfisziert und auf eine Galeere befohlen. Er kämpft an der Front für unser Reich.“ Cassandra lächelte: „Dann hast du jetzt die gnädige Wahl. Entweder übernimmst du die Strafe persönlich…“ Sie ließ die Worte wirken. Die Dienerin erschauderte. Zehn Hiebe mit der Rute auf ihren jungfräulichen Po… Welch Schmach und auch welche Schmerzen! „…oder wir warten damit, bis dein Prügelsklave aus dem Kriegszug zurückkehrt. Allerdings schuldet er für jede Woche, die vergeht, weitere fünf Hiebe.“

Die Dienerin ächzte. Konnte sie das ihrem Sklaven antun? Aber die Alternative war undenkbar und schürte ihre Furcht. Das zarte, rosafarbene Fleisch ihres weiblichen Pos sollte geschändet werden? Cassandra ergänzte: „Das Tölpelmal wird er selbstredend auch erhalten. Darauf würde ich bei dir verzichten. Es geziemt sich nicht für eine junge Dame.“ Die Dienerin schluckte trocken und spürte, wie sich ihr Hals zuzog, als sei eine Garotte darum gebunden. Das Tölpelmal war ein Brandeisen in T-Form, dass dem Delinquenten auf eine Gesäßhälfte gedrückt wurde. Ein heißer Kuss für die Ewigkeit.

Später saß die Dienerin in ihrem Gemach auf zwei Lammfellen und grübelte. Hatte sie sich richtig entschieden? Wann würde ihr Leibeigener nach Hause kommen? Es würde sicherlich einige Wochen dauern. Und was war, wenn er bei der Invasion fallen würde? Sie schauderte erneut. Schweiß brach ihr aus. Ihr Herz raste. Ob sie sich bei einer Freundin einen Prügelsklaven ausleihen durfte? Ja, vielleicht war das die beste Möglichkeit, überlegte sie. Ein paar Kupfermünzen würden da nachhelfen. Seit die Regentin die große Invasion befohlen hatte, waren Sklaven selten zu bekommen und kostspielig geworden. Eine einfache Dienerin konnte sich kein neues Exemplar leisten.

Pluta war von den neuesten Meldungen ihrer Senatorinnen mehr als zufrieden. Ihre Streitmacht walzte das Feindesland nieder und bewegte sich zügig nach Süden. Ein ausgezeichnetes Omen! Sie dankte den Göttern und ihrer eigenen Genialität. Bald würde sie die Hauptstadt erobern. Die Despotin murmelte: „Eine einfache Soldatin war sie unter meinem Befehl. Und jetzt ist diese Möchtegern-Majestät meine Erzfeindin. Bei meiner Ehr! Ich werde an ihr ein Exempel statuieren!“

Die Monarchin läutete ungeduldig mit einer goldenen Handglocke. Sofort erschien ihre persönliche Wache. „Bringt mir die Goldschmiedin! Meine Krone ist nicht mehr angemessen für mein göttliches Haupt. Wenn ich erst das ganze Land besitze, will ich auch kostbarere Juwelen auf meinen Insignien der Macht haben. Die Schmiedin soll nur die erlesensten Steine mitbringen. Und wage Sie es nicht, mir mit Plunder zu erscheinen! Wer mein Auge beleidigt, der wird mit seinem Auge büßen!“ Die Despotin grinste wölfisch und winkte lässig einem Sklaven, ihr frischen Wein einzuschenken. Doch Pluta nahm nur einen Schluck und spuckte ihn dem Sklaven spritzend ins Gesicht. „Bringt anderen! Besseren Tropfen als diese Gülle! 20 Peitschenhiebe werden dir deine Unfähigkeit vergällen!“

Der Leibeigene, der nur einen Lendenschurz trug, rannte davon. Pluta überlegte, woher ihr der Mann bekannt vorkam. Dann fiel ihr der Festschmaus vor einigen Tagen wieder ein: Sie hatte einen kellnernden Sklaven an eine Wand stellen lassen, um ihren Hofdamen ihre neue Peitsche zu demonstrieren, mit der sie selbst nach einigen Kelchen Wein noch präzise umgehen konnte. Sie hatte dem Mannsbild ein Muster auf den Hintern gezaubert. Pluta grinste befriedigt. „Da bekommt er heute eben noch eine Zugabe.“ Ihre Stimme schnitt schärfer als die Klinge eines Medikus.
Sie hatte laut und vernehmlich gesprochen und einen verwunderten Blick einer hereinkommenden Senatorin geschenkt bekommen, die ihre Herrscherin fragend ansah. Pluta erzählte ihr von dem Sklaven. Fama lachte schallend, während die Flamme einer großen Kerze, neben der sie stand, ihr Gesicht in flackernden Schein warf. „Der Sklave ist auch nicht zum Rumsitzen geboren, sondern zum Arbeiten! Da stört ihn ein wunder Arsch nicht.“ Pluta fiel in das Gelächter mit ein und bot Fama an, mit ihr zu trinken. Weitere Augenblicke vergingen. Wo blieb nur dieser Sklave? Weitere 20 Hiebe für Lahmarschigkeit waren ihm sicher.

Lykos und Abas waren marschiert, bis die Sonne untergegangen war. Ihre Fußsohlen taten ihn bereits eine Weile lang weh. Trotz der langen Zeit hatten sie nur wenige Meilen hinter sich gebracht. Sie brauchten dringend Reittiere. Doch die wenigen Gehöfte in dieser Gegend waren niedergebrannt oder zumindest ausgeraubt worden, meist verlassen, und Pferde waren natürlich von den feindlichen Kriegssklaven mitgenommen worden – als Last-, Reittiere oder Verpflegung. Das gewaltige Heer aus Fußsoldaten hinterließ eine unübersehbare breite Spur der Verwüstung.

„Lass uns nach Westen gehen. Dort treffen wir vielleicht noch auf Landbewohner, die uns weiterhelfen können“, schlug Lykos vor. Gesagt, getan. Sie durchquerten einen Buchenhain, dessen Blätterdach wie ein Parasol vor der stechenden Hitze schützte. Anschließend kamen sie durch eine offene Graslandschaft, wo einige Hasen über die Wiese hoppelten. Lykos lief das Wasser im Mund zusammen. Ein Wildbraten zur rechten Zeit... Aber dafür war eben keine Zeit.
Nach weiteren Kräfte zehrenden Meilen erreichten sie ein kleines Cottage mit einem krummen Giebeldach. Der Bauer und seine Frau waren sehr freundliche Leute. Sie hatten sich zunächst versteckt – mit Mistgabel und Sense bewaffnet, doch als sie merkten, dass sie keine feindlichen Schildmannen der Tyrannin vor sich hatten, kamen sie aus dem Heuschober und teilten ihr warmes Essen mit den Männern, die erfreut über ihre Ränzlein strichen. Eigentlich wollten die Reisenden aus Sicherheitsgründen inkognito reisen, doch Lykos verplapperte sich zwischen zwei Löffeln würziger Gemüsesuppe. Abas stöhnte auf. Sein Gefährte konnte einfach seine Zunge nicht im Zaum halten!
Als der Bauer erfuhr, wen er da vor sich hatte, ließ er sich nicht mehr davon abbringen, ihnen seinen Rappen mitzugeben. Abas könnte ihm ja nach dem Krieg ein anderes Tier zukommen lassen. Der Adelige nahm sich vor, den gastfreundlichen Mann und seine Frau reich zu beschenken. Er sollte gleich drei hervorragende Gäule erhalten sowie einen Korb voller Feinkost, eine Rolle edles Zwirn, einige Silbermünzen sowie ein königliches Dankesschreiben.

Abas und Lykos verabschiedeten sich zwei Stunden später auf dem Rücken des Rosses und mit ein wenig Wegzehrung. Nun kamen sie viel schneller vorwärts. Allerdings war Lykos der bessere Reiter, so dass sie hinter einem Wäldchen, wo die Bauersleute sie nicht mehr sehen konnten, den Platz wechselten. Abas krallte sich unköniglich am Vordermann fest, während Lykos nun die Zügel übernahm und in einen vorsichtigen Galopp wechselte.

An einem idyllischen Weiher machten sie viele Meilen später Rast. Sie aßen eine Kleinigkeit und tranken aus dem ledernen Wasserschlauch. Als sie sich ausgeruht hatten, wollten die Zwei weiter reiten, doch da hörten sie einen hohen Schrei. Eine Maid in Gefahr! Sie liefen dem Geräusch nach, das sich nun panisch wiederholte. Und als sie durch ein Gebüsch gedrungen waren, sahen sie eine junge Frau in einem samtenen Umhang, der am Kragen mit einem Pelz verbrämt war. Es musste sich um eine reiche junge Dame handeln. Unter dem kostbaren Umhang trug sie eine edle Tunika, die reich mit Verzierungen bestickt war. Aber warum hatte sie geschrien?
Da bemerkten sie die große Schlange, die sich mehr als mannshoch aufgerichtet hatte. Ihr Maul war weit geöffnet. Die spitzen langen Zähne schauten hervor wie tödliche Dolche. Die Maid hielt abwehrend ihre Hände vor sich und saß, offenbar gestürzt, auf dem Boden. Abas zog heroisch Lykos den Dolch aus dem Gürtel und stürzte sich todesmutig auf das Ungeheuer.
Mit einem kraftvollen Schnitt enthauptete er das Untier und nahm die Gerettete behände in die Arme. Das Fräulein seufzte erleichtert. „Ich danke Euch, edler Recke“, hauchte die junge Frau und war kurz vor einer Ohnmacht. Abas fühlte behagliche Wärme durch seinen Körper strömen. Oh, dieses weiche zarte Fleisch in Händen zu halten… Was für ein Wohlgefühl! Wie seine Leda… Der Königsgemahl spürte sogar eine Regung an eingekerkerter Stelle. Sanft strich er der erschöpften Dame einige lange Haarsträhnen aus dem Antlitz und bemerkte eine gelbe Blüte hinter ihrem Ohr.

Lykos nahm seine Waffe zurück. Er hätte die Bedrängte ebenso gern gerettet, aber der Wunsch Abas war für den Hauptmann selbstverständlich Befehl. Da durfte er sich nicht vordrängen. Um ihre Gunst zu buhlen war nicht angemessen. Sollte doch sein Herr ihr die Aufwartung machen. Obwohl, kam ihm ein giftiger Gedanke, der Gemahl der Königin kein Weib besteigen konnte, solange er den Keuschheitsgürtel trug. Ein zufriedener Ausdruck breitete sich in seinem Gesicht aus.

Die Reisegefährten beschlossen, am Weiher bis zum nächsten Tag zu lagern. Sie bereiteten sich ihre Schlafplätze um ein kleines Feuer und legten sich zur Ruhe. Jeder versank in seinen Gedanken, solange der Schlaf ihn mied, aber dann kam die Stille und der Schlummer, so dass nur noch die gelben Flammen knisternd an den Scheiten leckten. Irgendwann zerfielen sie zu Asche, und das Feuer wurde zu Glut und erstarb. Als einziger Wächter leuchtete der Mond vom schwarzen Himmelszelt.
Als die Maid aus ihrem Schlaf erwachte, hatten die Männer ein neues Feuer entzündet und ein erlegtes Tier über dem Feuer am Drehspieß, das herrlich duftete. Beim gemeinsamen Mahl berichtete Venus von ihrer „großen Dummheit“: Sie war ihrem Vater, einem reichen Kaufmann aus dem Süden, weggelaufen, weil er sie gegen ihren Willen verheiraten wollte. Und nun hatte sie sich zu weit in den Norden gewagt, ihre Verpflegung war längst aufgebraucht, genauso wie ihr Geldbeutel. Und am Morgen war ihr auch noch ihr Wallach weggelaufen. Sie wollte nur noch nach Hause zurück.

Abas und Lykos entschieden, Venus mitzunehmen. Sie hatte das Schicksal schon mehr als genug herausgefordert. Wie leicht hätte sie den verderbten Scheusalen der Pluta in die Hände fallen können!? Oder Räubervolk aus dem Wald? Am nächsten Morgen würde einer von ihnen wohl marschieren müssen. Die Dame kam dafür nicht in Betracht.
Venus aß beachtlich viel von dem gerösteten Fleisch. Die Männer wunderten sich, wie viel dieses zarte Figürchen verschlingen konnte. Verschlingen – das war das passende Wort, denn auf Manieren achtete die junge Dame dabei nicht, sich ihr Gewand bekleckernd. Zu hungrig war ihr Magen. Lykos leckte sich genüsslich das Fett von den Fingern, und Abas strich sich gedankenverloren durch den Stoppelbart.
75. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 02.01.20 23:15

Ein schöner Jahresausklang!Herzlichen Dank dafür!
76. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 21.01.20 19:10



Im Laufe des späteren Abends, als das Feuer langsam zur roten Glut wurde und die Dunkelheit die Reisenden umschloss, schreckte Venus mit trommelndem Herzen einige Male auf, weil sie ein Geräusch im Geäst gehört hatte. Aber Lykos konnte sie jedes Mal beruhigen. Mal war es eine rufende Schleiereule, mal ein krabbelnder Dachs oder verirrter Otter, mal die Stimme des Windes, die sich in den Kronen der Stämme fing.

Venus hatte Blumen gepflückt und eine Kette daraus geflochten, die sie ihrem galanten Retter Abas um den Hals legte. Lykos sah eifersüchtig zu, wie die hübsche Maid sich im Dämmerlicht an den Königsgemahl schmiegte und ihm sogar mit ihrem Erdbeermund ein Küsschen auf die Wange schmatzte. In Anwesenheit der Schönheit meldete sich sein männliches Verlangen. Und dann erwischte er sich wieder dabei, wie er froh lächelte, als ihm Abas Keuschheitsgürtel einfiel. „Ich werde etwas abseits vom Feuer schlafen. Dort hinten unter den tiefen Zweigen der Tanne“, meldete sich der Hauptmann ab.

Ob er heute Nacht Besuch bekommen würde, wenn Venus bemerkt hatte, dass Abas…? Schmunzelnd nahm er die Pferdedecke und breitete sie unter der Tanne so aus, dass noch eine zweite Person bei ihm ruhen konnte. Als vorausschauender Soldat musste man auf jede Eventualität vorbereitet sein…

In einem anderem Landstrich bewegte sich der Moloch der Pluta weiter nach Süden, obwohl der Neumond und eine fast sternenlose Nacht kaum Licht brachten, doch waren auf Befehl der Duxas hunderte Fackeln angefacht worden, die eine unheimliches Stimmung verbreiteten. Die Kampfsklaven stampften durch die Nacht. Jede Stunde kamen sie der Hauptstadt der Königin näher. Bisher waren sie kaum auf Gegenwehr getroffen. „Wie schön“, freute sich Senatorin Kerbera. „Wir werden bald den größten Triumph feiern, den der Kontinent jemals gesehen hat.“

Doch ein Mückenschwarm, der den Weg in ihre Sänfte gefunden hatte, störte sie in ihrem Glücksgefühl. Sie schlug mit den Händen nach den kleinen Stechern, doch brachte das kaum den gewünschten Erfolg. Für jede getötete Mücke erschienen zehn weitere Exemplare. Schließlich ließ sie die Sänftenträger anhalten und rief erbost nach einer Duxa. „Sorgt gefälligst dafür, dass diese lästigen Mistviecher aus meiner Sänfte verschwinden!“ Die Duxa ritt zu einer Centuria und erteilte ihr den Befehl oberster Priorität. Die Centuria gab einer Soldatin die entsprechenden Anweisungen. Die Soldatin bewaffnete sich mit zwei Fliegenklatschen und sperrte sich in den Innenraum der Sänfte ein, um die fliegenden Nervensägen zu töten.

Nach erfülltem Gemetzel tropfte sie Lorbeeröl an verschiedene Stellen. So würden die Plagegeister vertrieben. Sie verließ zügig die Sänfte. Obwohl sie sich beeilt hatte, erhielt sie von der Centuria einen strengen Tadel: „Wie lange brauchst du für ein paar Mücken? Ich hoffe, du erweist dich auf dem Schlachtfeld nicht als genauso langsam!“ Die Centuria beeilte sich, um ihrer Duxa zu melden, dass die Senatorin ihren Platz wieder einnehmen könne.

Die Soldatin, die wegen des Tadels schlecht gelaunt war, ließ ihre Missstimmung an den Kampfsklaven aus. Sobald einer nur minimal aus dem Gleichschritt geriet, erhielt er ihre Peitsche. Immer wieder fuhr der aufgerollte Lederriemen aus, um die Hinterbacken und Beine eines vermeintlich faulen Sklaven zu „streicheln“. Auf Dauer machte sie das allerdings nur noch wütender. Zornig versetzte sie sich selbst eine Backpfeife, um einen der kleinen Plagegeister zu erschlagen.
Als der große Verband endlich für einige Stunden pausierte, griff sie sich wahllos einen der Sklaven heraus und verschwand mit ihm hinter einigen Felsbrocken. Vielleicht würde es dem Kämpen ja auch gefallen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Das focht sie so wenig an wie ein Käfer, den sie zertrat. Und wehe, er würde nicht seinen Mann stehen!

Ganz freiwillig hatte sich dagegen Venus in die Arme von Lykos „geflüchtet“, als sie erfahren hatte, dass Abas einen Keuschheitsgürtel trug. Hätte sie gewusst, dass sie den Königsgemahl vor sich hatte, wäre ihre Entscheidung sicherlich anders ausgefallen, aber so widmete sie sich lieber dem Hauptmann. Der war wenigstens ein Mann. Lykos breitete eine Decke über sie aus und nahm das Weib in den Arm, rieb sanft ihren Rücken und drückte ihre Seite. Venus neigte ihren Kopf an seine starke Schulter.

Nachdem sich die beiden unter der Tanne gegenseitig gewärmt hatten, kam das eine zum anderen… Schließlich ging das Paar seinem Verlangen nach, bis sich Lykos Lust entlud und Venus genussvoll aufstöhnte. Abas fühlte sich verletzt und alleine. Sein „Schwert“ bäumte sich erfolglos in seinem Kerker auf. Giftige Eifersucht durchfuhr den Gatten der Königin. Auch morgen würde er Lykos wieder marschieren lassen. Und einen Teil des Gepäcks würde er auch tragen, während die süße, aber so untreue Venus hinter seinem Rücken saß.

Königin Leda machte sich von Tag zu Tag mehr Sorgen. Die Hiobsbotschaften aus dem unterjochten Norden waren beängstigend. Und als sei das nicht genug, erhielt sie eine weitere dräuende Schreckensmeldung von einem Paladin der Ostwache: Pluta hatte einen Angriff aus der Metropole nach Westen gewagt. Ein böser Vorstoß, der sie an empfindlicher Stelle treffen sollte. Offenbar hatte die Despotin noch genügend Kampfsklaven in ihrem Regierungssitz, um die inzwischen großteils abgezogene Vereinte Armee überrennen zu können.

„Diese Hexe!“, kreischte und tobte Leda durch den Thronsaal und riss vor Wut ein Banner von der Wand. Honos, ihr Majordomus, wusste nicht, ob er mehr von der schlechten Nachricht von der Front oder Ledas unüblichem Verhalten schockiert sein sollte. Nach einigen langen schweigenden Augenblicken, als sich Leda wieder gefasst hatte, sagte sie: „Wir müssen etwas unternehmen Sonst müssen wir in wenigen Wochen vollständig kapitulieren.“ Sie seufzte tief vor Gram. „Das Vereinte Reich fiele dann in die Klauen dieser Tyrannin! Die vielen Menschen! Alle würden sie unterdrückt werden. Die Männer würden versklavt oder ausgemerzt werden. – Honos! Veranlasse sofort eine Eilkonferenz mit meinen Beratern.“

Es gab nur eine Chance der Rettung, um die Gunst des Schicksals er erlangen: ein Friedensangebot. Faktisch ein unbegrenzter Waffenstillstand. Leda musste auf die jüngst eroberten östlichen Ländereien verzichten und vielleicht noch einen Teil des Nordlandes abgeben. Diese gallebittere Kröte musste sie wohl schlucken. Aber ob der dünkelhaften Pluta das genügte? Sie schickte einen Friedensverhandler mit einer Delegation an die Ostfront, wo er möglichst schnell mit Pluta Kontakt aufnehmen könnte. Die Abordnung war wenige Stunde darauf auf ihren Falben losgeritten. Königliche Urkunden, Federkiel, Pergament und Siegellack im Gepäck, waren sie legitimiert, mit Pluta eine Lösung auszuhandeln, die auch die Eiferer der Tyrannin überzeugte.

Währenddessen tobte der Krieg vor allem im Norden weidlich. Abas, Lykos und Venus waren mittlerweile fast mitten im Geschehen und mussten sich tagsüber gut versteckt halten, während die Angriffswellen der Kampfsklaven alles überrollten. Selbst hunderte Bogenschützen, die Myriaden von Pfeilen in den Himmel schickten, um die Kolonnen der Kampfsklaven aufzuhalten, konnten nicht viel ausrichten. Zwar spickten die Soldaten mit ihren Geschossen die hölzernen Schilde und zahlreiche Krieger, doch war die Masse einfach zu gewaltig. Die hohen Verluste der Ostarmee schien ihnen nichts auszumachen. Im Gegenteil: Ledas Heer hatte das Gefühl, dass für jeden gefallenen Kampfsklaven zwei Neue dazukamen. Sie steckten klaftertief im Dreck. Hoffentlich war bald ihr Parlamentär aus dem Osten zurück.

Bange Tage vergingen, in denen sich der Himmel vom vielen Rauch und Feuer über dem Vereinten Reich verdunkelte. Und dann erschien die Delegation hektisch und aufgeregt vor der Königin mit einer kleinen eisenbeschlagenen Kiste. „Erhabene Majestät, wir bringen Euch Nachricht von Pluta. Unsere Verhandlungen sind leider fehlgeschlagen.“ Leda runzelte die Stirn. „Wo ist denn mein Parlamentär?“ Keiner schien antworten zu wollen. Die Majestät rief ungeduldig: „Wo? Erleuchtet mich! Hat niemand eine Zunge?“ Einer der Männer, dessen Gesicht von schweren Pockennarben verziert war, öffnete mit fahrigen Bewegungen die Kiste. Leda starrte auf den Inhalt. Der Mann verkündete mit heiserer Stimme, wobei er schaute, als habe er faule Grütze gegessen: „Pluta lässt ausrichten, dass sie kein Interesse an einem Friedensangebot habe.“

Als die Abordnung wie Hasen bei einer Hetzjagd den Thronsaal verlassen hatte, stieß Leda die Kiste mit dem Fuß zwar wütend, aber doch vorsichtig, als würde eine bissige Giftschlange darin kauern, zu. Sie presste ihre Lippen zusammen, um nicht schreien zu müssen. Den Anblick des Parlamentärs würde sie wohl niemals mehr vergessen: die aufgerissenen Augen, den gefüllten Mund, die Manneszier…

„Bereitet Abraya zur Befragung vor“, verlangte Leda entschlossen. Die ehemalige Soldatin musste etwas über den hinterhältigen Überfall des Feindes wissen. Als die Regentin die Folterkammer betrat, sah sie ihre Gefangene gestreckt auf einer Bank liegen. Nackt. Ein Kerkerwächter mit einer schmutzigen Lederschürze stieß eine Eisenstange in eine Feuerschale und heizte das Ende in der roten Glut auf. Dabei knisterte der Funkenflug. Abraya sah panisch zu dem Mann, dann zu ihrer Königin. „Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich schwöre es bei allen Göttern! So glaubt mir doch, Majestät. Ich bin noch immer ein loyales Mitglied Eurer Armee.“

Leda tat der Anblick in ihrer Seele weh, und niemals hätte sie erlaubt, einen Menschen zu martern, doch sie musste den Schein wahren und drohte: „Sprich! Solange du noch kannst. Was weißt du über die Invasionspläne?“ Abraya zitterte vor Angst, aber sie wiederholte nur immer, dass sie nichts wisse und aus dem Osten geflohen sei. Auf ein Zeichen der Regentin packte der Kerkermeister das heiße Eisen und näherte sich bedrohlich der Gefesselten. Sein von einer langen Narbe verunstaltetes Gesicht glänzte durch den glühenden Stab. Der Isegrimm schien sich schon zu freuen, seiner Leidenschaft frönen zu dürfen.

Die Königin nahm dem überraschten Mann die Metallstange ab und schob ihn zur Seite. Dann hob sie das Marterwerkzeug an. Abraya verspannte ihren verschwitzten Körper noch mehr und schrie: „Ich schwöre! Ich weiß davon nichts! Ich bin keine Spionin! Ich würde Euch nie belügen, Majestät!“ Leda stand mit erhobenem Stab wie die grausige Totengöttin der Heimsuchung vor der Gefangenen und…
…dann ließ sie das Eisen gnadenlos hinabsausen.

Abraya schrie auf und wandte sich in ihren Fesseln wie in einem Fieberkrampf. Ein lauter scharfer Zischlaut durchfuhr den Kerker wie Gift. Abraya dachte: So hört es sich an, wenn… Ja, wenn was? Kein Schmerz… Ihr Leib war unberührt. Sie hob den Kopf an und sah die Königin vor ihr stehen. Die Hände hatte Leda wie vor Schreck vor den Mund gehalten. Und wo war der Eisenstab? Abraya konnte ein wenig am Rand der Bank erkennen, wie Wasserdampf empor nebelte. Die Königin hatte den Stab in einen Kübel mit Wasser fallen lassen.

Nun sah die Majestät die Soldatin mitleidig an, legte ihr eine Hand auf die Brust und sagte leise: „Verzeiht mir!“ Dann schritt sie aus dem Kerker und befahl dem Wächter: „Bindet sie ab und bringt sie in ein Gemach des Palastes. Alle ihre Wünsche sollen gewährt werden. Ich möchte sie heute Abend zu Tisch bitten.“ Der Kerkermeister sah der Majestät mit offenem Mund nach und stellte erschrocken fest, dass er weder geantwortet noch sich verbeugt hatte, aber die Regentin war schon hinausgeeilt. Dann sah er ungläubig zu der Gefangenen zurück, doch die beachtete ihn nicht. Sie starrte sinnierend auf die Gitterstäbe. Der Wächter suchte den Abort auf und verrichtete seine Notdurft. Anschließend setzte er sich in Sichtweite der Zelle auf einen Schemel und pulte in seinen faulen Zähnen.

Lykos plagten Blasen an den Füßen. Jetzt ein Stiefelknecht, eine kühlende Tinktur und ein heißes Bad! Aber leider sah die Wirklichkeit anders aus. Es war eine elende Schinderei. Trotzdem warfen sich der Soldat und Venus regelmäßig heimliche Blicke zu: lächelnd, verschwörerisch… Abas kochte vor Eifersucht. Während der Reise spürte er die Wärme der zarten Frau in seinem Rücken, doch war es ihm wegen des Keuschheitsgürtels verwehrt, sich ihr weiter zu nähern. Der Königsgemahl wünschte seinem Hauptmann aus schneidendem Neid eine garottierende Halskrause und die Fäule ans Gemächt. Und auch Leda verfluchte er, weil sie ihn eingesperrt hatte.

Fast blieb ihm das Herz stehen, als er darüber nachdachte, dass Leda vielleicht ebenfalls in Gefangenschaft geraten sein könnte… oder gefallen… Und sofort meldete sich wieder das schlechte Gewissen: „Wie kann ich mich nur mehr um den Schlüssel sorgen als um meine Braut!?“ Er drückte dem Ross die Fersen in die Seite, um den Ritt ein wenig zu beschleunigen. Lykos lief ächzend hintendrein.

Plutas Horden walzten Stunde um Stunde das eroberte Land nieder. Sie kamen aus dem Norden und jetzt auch von Osten. Ledas Armee war hoffnungslos überfordert. Schließlich musste Leda in das Auge der Wahrheit sehen: Das Vereinte Reich war gefallen. In wenigen Tagen würden die Kampfsklaven in die Hauptstadt einfallen. „Wir müssen fliehen, Majestät! Es ist der einzige Weg, um Heil zu finden! Wir können das Land nicht mehr retten. Rettet Euch ins Exil!“, beschwor Honos seine Königin. Leda überlegte: „Und wenn ich mich ergebe? Pluta alle Forderungen erfülle?“ „Glaubt das nicht, Hochwürden“, antwortete Honos mit den Händen gestikulierend. „Sie wird wie eine Furie fürbass über alle Mächtigen des Reiches herfallen und danach das Volk aufs Grausamste versklaven.“

Leda seufzte tief. War das das Ende? Würde nun eine rabenschwarze Zukunft folgen? Die Herrscherin ließ sich schwerfällig auf ihren Thron fallen. Erst verlor sie ihren Gemahl, und nun auch noch ihr Reich. „Also gut“, sagte sie, und es waren die schwersten Worte ihres Lebens, „dann packt zusammen. Informiert meine Berater und die Palastwache. Stellt einen kleinen Tross zusammen. Wir reisen morgen bei Sonnenaufgang.“ Honos verneigte sich tief und erleichtert über die Entscheidung seiner Königin. „Sehr wohl, Majestät. Wollt Ihr gen Westen reiten?“ Leda seufzte erneut. „Uns bleibt keine Wahl. Im Süden ist die endlose glühende Wüste, im Norden und Osten kommen Plutas Horden und bringen Tod und Verderben.“

Als der Majordomus gegangen war, nahm Leda ihre Krone vom Haupt und legte sie auf ein rotes Samtkissen neben den Thron. Eine symbolische Geste mit tiefer Bedeutung. Ihre Zeit als Königin war vorüber. Sie blies die bronzenen Kandelaber aus, blieb aber in dem nun dunklen Saal noch lange Zeit resignierend hocken. Der Raum war so düster wie ihre Gedanken. Auf was für ungewisse Wege brachten sie die Götter der Schickung? Sie hätte lieber gegen Drachentiere und Unterweltkreaturen gekämpft, als gegen diese verfluchte Hexe!

Bei Morgengrauen verließen eine Reiterschar und eine Kutsche den Palast. Die Zurückbleibenden wurden jeglicher Verantwortung enthoben. Manche mischten sich unters Volk, andere schworen verbissen Widerstand bis in den Tod und bereiteten sich in ihren Uniformen und Rüstungen auf eine Belagerung oder gar Erstürmung des Palastes vor. Einige wenige suchten einen einsamen Weg in die Freiheit durch den Schierlingsbecher, um den Kalamitäten zu entkommen. Es waren die ehrlosen Feiglinge, die schwarzen Schafe der Armee.

Die fremden Kampfsklaven standen vor der Stadt. Doch die Bewohner weigerten sich, die Tore zu öffnen. Senatorin Kerbera lachte hämisch: „Diese dummen Stadtleute! Sie glauben, uns zurückhalten zu können? Wir werden ihnen behände den Garaus machen!“
Sie befahl einem Teil des Verbandes sich zu einem Angriff auf die Mauer vorzubereiten.
Von drei Seiten wollten sie die Stadt erstürmen. Gewaltige Rammen sollten in allen drei Flügeln zum Einsatz kommen, um die Tore bersten zu lassen. Sturmleitern würden einigen Recken den Weg über die Zinnen auf die Wehrgänge ebnen. Die schiere Masse an Sklaven würde irgendwann auch die dickste Mauer brechen lassen.

Im Osten war das Heer der Tyrannin kaum auf Widerstand gestoßen. Auch dieser Teil der Armee hatte fast die Hauptstadt erreicht. Die männlichen Landbewohner waren bereits verfemt und versklavt worden. Bewaffnete Kolonnen brachten die Kriegsgefangenen in die heimische Metropole. Dort würden Sklavenhändlerinnen wie Flagella gehorsame und nutzbare Leibeigene aus ihnen machen.

Ceres und Phoibe gehörten zu dem Verband, der aus Norden kam. Im Karree schickten die Centurias ihre Einheiten vor die hohe Stadtmauer. Auf den obersten Befehl von Alekto und Kerbera würden sie die brüllenden Männer stürmen lassen. Und schließlich sollte auch der Palast eingenommen werden. Der feindlichen Königin gegenüber stehen – darauf freuten sich die Soldatinnen schon am meisten. Leider sollte die Regentin lebendig gefangen genommen werden. Gerne hätten sie sie persönlich ins Totenreich geführt.

Während die Menschen im Zentrum des Vereinten Reiches in heller Aufregung waren und sich für einen letzten verzweifelten Kampf wappneten, genossen die Damen des Ostreiches in der Metropole das süße Leben. Die Senatorin Fama fuhr gerade mit ihrer vergoldeten Kutsche, in die kunstvolle Intarsien eingearbeitet waren, auf den Hof ihres Anwesens. Sofort sprangen Sklaven herbei, die die Tür öffneten und niederknieten. Zwei andere Leibeigene fächelten der hohen Politikerin mit Palmwedeln frische Luft zu.

Die Sitzung im Rat war anstrengend gewesen. Jetzt wollte Fama ein entspannendes Bad und einen Lustsklaven nehmen. Im Flur hallten die hellen Stimmen ihrer beiden Töchter, die gerade ihr Erwachsenenalter erreicht hatten. Doch sie benahmen sich noch oft wie Kinder, seufzte Fama. „Was ist hier wieder los?“, wollte sie wissen, als plötzlich ein junger nackter Sklave, der ein Würgehalsband trug, an ihr vorbeihuschte. Sein Hintern war frisch gestriemt. Er überbrachte der einen Tochter offenbar eine Nachricht und erhielt erneut Schläge mit einer Gerte. Dann flitzte er zurück in den Raum, aus dem er gekommen war.

Fama runzelte die Stirn. Sie folgte ihm und wäre beinahe mit dem Jüngling zusammengestoßen. „Was soll das?“, verhörte sie ihre Tochter streng, die in einem neuen Kleid und mit einer Gerte bewaffnet am Fenster stand und von einer Silberschale Weintrauben naschte. „Vesta behauptet, ich sei zu fett für das Kleid!“ Fama sah ihre Tochter von oben bis unten an: „So ein Unsinn.“ Sie war eine weibliche Gestalt mit schmaler Taille und ausladender Hüfte, einem hübschen Gesicht und einer kunstvollen Hochsteckfrisur. Ein holdseliges Wesen.

Plötzlich kam der Sklave wieder und gab zitternd weiter: „Die werte Vesta lässt ausrichten, dass Eure Nase hässlicher sei, als meine.“ Die junge Edeldame öffnete empört den Mund und hieb auf das Gesäß des Überbringers dieses „Kompliments“ mehrfach beherzt ein. Der junge Sklave heulte auf und röchelte nach Luft. Das Fräulein wies ihn an: „Sagt ihr, dass Sie eine verlogene dumme Ziege ist!“

77. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 21.01.20 19:58

Klasse Geschichte weiter so !!!!!!
78. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 11.02.20 18:53

Panik trat in die Augen des Laufburschen, aber er gehorchte sofort und raste von dannen. Fama ging kopfschüttelnd in ihre Gemächer. „Wie Kinder…“ Sie hörte noch ein Klatschen und Quieken, dann schloss sie die schwere Eichentür hinter sich. Sie lag längst in angenehm warmem und parfümierten Badewasser, auf dem duftende Rosenblätter schwammen, als Vesta und ihre Schwester Aurora keifend stritten. Vesta schrie: „Ich will aber, dass er den besudelten Boden mit dem Tuch wischt.“ Aurora kreischte: „NEIN! Er soll endlich die Bürste nehmen. Los jetzt! Oder es setzt eine Tracht Prügel!“
Der Sklave hielt in der einen Hand eine kleine Bürste, in der anderen einen alten Hudel aus grobem Baumwollstoff. Er kniete sich wankelmütig auf alle Viere und war dabei, den Boden zu schrubben. Aber die jungen Ladys waren sich mal wieder nicht einig. „Lass die doofe Bürste los, oder ich steck sie dir irgendwo hin!“, drohte Vesta giftig und ging so ruckartig einen Schritt auf den nackten Sklaven zu, dass ihr mehrere Haarsträhnen wild ins Antlitz fielen. Aurora schubste ihre Schwester zu Seite und hieb auf den schon roten Po des Knienden. „Wird es bald? Spute dich! Nimm die Bürste, wie ich es befohlen habe! Oder ich schrubb damit was anderes zu meinem Plaisir!“

Völlig verunsichert wusste der Sklave nicht, wie er reagieren sollte. Abwechselnd machte er mal mit links, mal mit rechts einen Versuch, den Boden zu säubern. Dabei wechselte sein Blick ständig zwischen den wie ihm Spalier stehenden Damen. Seine Augen bettelten um Gnade. Der Streit ging noch eine Weile weiter, bis Aurora verdrießlich nachgab: „Also schön. Aber dann reite ich dabei auf ihm.“ Sie streckte trotzig ihr Kinn vor. Vesta zuckte mit den Achseln, hob ihr Kleid etwas an und lief auf den Flur: „Dann hole ich die Peitsche für unser Putzpferdchen.“ Aurora lachte und schlug dem Sklaven mit ihrer kurzen Gerte aufs Gesäß: „Hüa! Hüa!“

An diesem Nachmittag war das Ächzen und Stöhnen des „Reittieres“ noch lange zu hören. Die beiden jungen Edelfräuleins wurden jedoch noch längst nicht müde. Im Gegenteil: Vesta band dem Erschöpften ihr langes rotes Haarband als Zierrat um sein Gemächt und nutzte es geflissentlich als „Bremszügel“, während Aurora noch immer mit ihrem weiblichen Po fest im „Sattel“ saß und ihr „Ross“ mit der Gerte antrieb, während ihr Kleid wie eine Schabracke über dem Sklaven hing. „Wohlan! Lass uns ein Wettrennen machen“, schlug Vesta vor. Natürlich meinte sie ein „Pferderennen“. Sie rief nach einem anderen Sklaven, der zur Dienerschaft gehörte. Zunächst hatte er sich zu entkleiden. Und dann führten die Damen die zwei Reittiere vor das Haus. Der Weg vom Eingangstor bis zu einem großen Brunnen vor der Tür sollte die Route für den Wettbewerb bilden. Beide Edelfräuleins flüsterten ihren Pferdchen etwas ins Ohr. Es war ein Versprechen, den Verlierer hart zu bestrafen.

Als die wackeren Gefährten Abas, Lykos und Venus fast die Hauptstadt des Vereinten Landes erreicht hatten, war es ihnen nicht mehr möglich unbemerkt zu bleiben, wenn sie noch näher Richtung Stadtmauer vorrückten. Also blieben sie in einem dichten Hasel-Hain verborgen und hofften, dass die Regierungstruppen den wilden Horden der Pluta Einhalt gebieten konnten. Abas konnte es noch immer nicht glauben. Trotz des gewaltigen Heers der Königin hatte die Armee der Pluta fast das komplette Vereinte Land überrollt. Ein unfairer Blitzangriff, aber unbestritten erfolgreich.

In der ersten Nacht hörte Abas im Halbschlaf ein ungewöhnliches Geräusch. Er horchte auf und erhob sich in sitzende Haltung. Zuerst fiel sein Blick auf Lykos und Venus, die Arm in Arm beieinander schliefen wie in einem königlichen Plumeau. Wenigstens hatte sich heute ihre fleischliche Lust zurückgehalten, seufzte Abas, aber schon wurde er wieder von dem seltsamen Geräusch abgelenkt. Da war jemand oder etwas im Wald…

Abas schlich behände vom Lager eine halbe Meile weit in den Wald und versuchte zu eruieren, woher die fremden Laute kamen. Waren es nur Tiere? Oder tummelten sich Waldgnome im Dickicht? In alten Geschichten wurde von geheimnisvollen Völkern erzählt, die seit Jahrtausenden in Bäumen und Höhlen hausten und sich vor den Menschen verbargen. In einem Bogen näherte er sich dem lauter werdenden Geraschel. Als er vorsichtig einige Blätter zur Seite schob, sah er das blakende Licht einer Fackel, die in den Boden gespießt war. Und dahinter war… Sein Mund blieb vor Überraschung offen stehen: Eine Soldatin des Feindes verlustierte sich mit einem Mann. War das einer dieser Kampfsklaven? Bei ihrem schamlosen Liebesspiel rutschten sie auf dem Laub umher und gaben leises Stöhnen von sich.

Der Voyeur war wie hypnotisiert von der Szenerie. Dann wurde ihm die Gefahr klar: Wäre das Pärchen nur hundert Fuß weiter in den Wald gedrungen, so wären sie entdeckt worden. So leise wie möglich kehrte Abas zurück zum Lager und wollte seine Gefährten warnen. Als er am niedergebrannten Feuer ankam, bemerkte er, dass die Beiden wach geworden waren. Sie küssten sich…

„Hey!“, rief Abas. „Da vorne ist ein Krieger mit einer Soldatin im Wald. Was machen wir jetzt?“ Lykos meinte: „Wenn wir sie erledigen können, wäre es Venus vielleicht möglich in der Uniform der Frau bis in die Stadt zu gelangen.“ Abas fragte die junge Dame: „Ja, das wäre eventuell… Traust du dir das zu?“ Venus nickte. „Ja. Ich muss in die Stadt. Meine Sippe lebt dort. Und ihr? Warum wollt ihr eigentlich so dringend hinein?“ Abas stotterte: „Das…. Auch unsere Familien leben dort.“

Lykos drängte zum Aufbruch. Die Männer mussten die Liebenden überrumpeln, während sie noch miteinander beschäftigt waren. Die Zwei schlichen also zu der Stelle, wo Abas die Frau und den Mann beobachtet hatte. Lykos war mit dem Dolch bewaffnet, Abas hielt einen dicken Knüppel. Auf Lykos Zeichen sprangen sie aus dem Unterholz und schlugen auf die Soldatin ein, die zwar den Dolchstoß des Hauptmannes abwehren, doch dann den Knüppel von Abas nicht mehr parieren konnte. Das harte Holz traf ihren Schädel und schickte sie in einen tiefen „Schlaf“.

Der Kampfsklave machte mehr Probleme. Als er aufstand, stellten die Angreifer fest, dass der Mann ein Hüne von bestimmt sieben Fuß war und Muskeln hatte wie ein Bär. Wäre die Situation nicht lebensgefährlich gewesen, hätten die Männer vermutlich gelacht: Wie der Krieger mit seinen Rüstungsteilen und dem verrutschten Lendenschurz dastand, mit einem steifen Liebesstab, und in Verteidigungsposition… Aber der Riese war nicht zu unterschätzen. Der Sklave stürzte sich auf Lykos, obwohl der die Dolchklinge vor sich hielt. Mit einem geschickten Fußtritt schleuderte der Goliath dem Hauptmann die Waffe aus der Hand und versetzte ihm gleichzeitig einen so starken Hieb an den Kopf, dass auch Lykos nun in das „Reich des Morpheus“ eintrat.

Nun stand Abas ganz alleine vor dem Koloss, der sich zu ihm umdrehte und brüllte wie ein wildes Raubtier. Abas nahm seinen ganzen Mut zusammen und holte mit seiner Keule aus, doch ächzte er vor Schreck, als der Knüppel auf dem gestählten Leib des Kriegers zerbrach wie Reisig. Und es sollte noch verheerender werden: Der hünenhafte Sklave zog ein schartiges Breitschwert. Mit einer einzigen wilden Schwungbewegung fällte er mit der schweren Klinge einen jungen Baum und fletschte die Zähne wie eine Raubkatze. Der Königsgemahl schluckte, drehte sich blitzschnell um und raste davon.

Er jagte durch den dichten Hain und hörte hinter sich das laute Stampfen des Berserkers, Äste brechen und eine grunzende wütende Stimme, die einem monströsen Keiler ähnlich war. Abas rannte Richtung Lager, ohne dabei zu erwägen, dass er damit Venus in Gefahr brachte. Doch er war in Panik und konnte nicht mehr klar denken. Jeden Herzschlag glaubte er, dass er von dem Ungetüm eingeholt würde. Seine Lungen brannten, und die Beine schmerzten vor Anstrengung. Obzwar seiner Erschöpfung lief er weiter und weiter über Stock und Stein.

Als er die Ruhestatt erreichte blieben die Geräusche plötzlich hinter ihm zurück. Wo war Venus? Fürwahr! Das Lager war verlassen! Abas sah sich hektisch um. Hatte er das Scheusal abgehängt? Plötzlich hörte er Venus rufen. Das kam ja aus der Richtung, aus der er gekommen war… und in der der Muskelberg irgendwo steckte… Abas riss sich zusammen und ging langsam wieder zurück… Da sah er den Kampfsklaven auf dem Boden liegen. Und Venus stand bei ihm! Abas war sprachlos. Was war geschehen? Sie klärte ihn auf: „Ich habe euch kommen gehört und mich hier hinter dem großen Farn versteckt. Als du vorbeigehastet bist, habe ich einen großen Stein genommen und…“ Sie zeigte auf den Hinterkopf des Mannes, auf dem sich bereits eine dicke Beule bildete. Abas atmete auf. Er nahm dem Koloss sein schweres Breitschwert weg und sagte: „Komm, wir müssen zu Lykos.“

Die Beiden ritten zu ihrem Gefährten, der immer noch bewusstlos neben der Soldatin lag. Venus nahm den spitzen Dolch an sich, Abas versuchte den Hauptmann zu wecken. Als der wieder bei Sinnen war, heckten sie einen Plan aus: Venus zog die Uniform der Soldatin an und stieg auf ihr Ross, das nur einen Steinwurf entfernt angebunden gewesen war. Doch zuvor stiegen Abas und Lykos auf den anderen Gaul und wurden von Venus zum Schein gefesselt. So führte sie ihre zwei lebenden Bündel aus dem Hain eine Händlerstraße entlang.
Der Morgen graute schon, und sie sahen die Stadt vor sich liegen. Die Drei starrten stumm auf das schreckliche Bild: Die Stadtmauer war gestürmt worden. Überall drehten sich schwarze Rauchsäulen in die Luft. Einzelne Truppeneinheiten transportierten gefangene Soldaten ab. Venus ritt mit ihren „Gefangenen“ zum aufgebrochenen Tor. „Auf wessen Befehl bringt Ihr die Sklaven in die Stadt?“, wollte eine Soldatin wissen. Venus wurde heiß. Jetzt musste schnell eine Ausrede her. „Die Senatorin hat es höchstpersönlich angeordnet.“ Das war eine mutige Behauptung. Um nicht zu sagen: leichtsinnig. Denn woher sollte Venus wissen, dass eine Senatorin innerhalb der Mauern zu finden war? „Kerbera?“, fragte die Wache und runzelte die Stirn unter dem Blechhelm. Venus nickte und antwortete barsch: „Natürlich. Wer denn sonst? Wo finde ich sie?“ Abas flehte in Gedanken: „Bitte nicht im Palast. Der Palast darf nicht gestürmt worden sein! Leda lebt und wird nur belagert!“ Aber die Wächterin machte alle Hoffnung zugrunde: „In der königlichen Zitadelle. Reitet einfach die Straße entlang. Am Ende kommt Ihr gewisslich zum Palast.“

Venus grüßte militärisch und ritt trabend in die Stadt. Lykos staunte, wie Venus ihre Rolle mit Bravour mimte. Abas sah erschüttert auf die vielen Ruinen und abgebrannten Häuser. Glücklicherweise sah er kaum Tote. Die Stadtbewohner mussten sich ohne Gegenwehr ergeben haben. Oder fraternisierten sie mit dem Feinde? Konnte Leda überhaupt noch auf Getreue hoffen? So mancher Untertan würde lieber gefallsüchtig der Usurpatorin schmeicheln, statt die Loyalität zur alten Königin unverbrüchlich hochzuhalten.

„Wo sind all die Männer?“, wisperte Abas, denn auf den Straßen waren nur vereinzelte Frauen zu sehen. Lykos flüsterte zurück: „Die Männer werden Richtung Osten abtransportiert sein. Die weiblichen Soldaten hingegen mussten wohl einen Treueid auf Pluta schwören, ihr fürderhin zu Diensten zu sein.“ Abas raunte ihm zu: „Das haben vielleicht nicht alle gemacht.“ Lykos sah ihn spöttisch an. „Und du glaubst, die Senatorinnen haben sie dann laufen gelassen? Putzwunderlich! Wahrscheinlich ist hinter dem Palast auf der großen Wiese eine Fülle von liebevoll geschnitzten Galgen. Oder vielleicht haben sie auch eifrig den Richtklotz gebraucht. Oder…“ Abas raunzte ihn an: „Sei ruhig! Ich will das nicht hören.“ Und einige Zeit später näherten sie sich dem Regierungssitz. Der königlichen Burg. Doch die war nun das Hauptquartier der Senatorinnen. Hatten sie Leda eingekerkert oder gleich exekutiert?

Venus war nun fast vor der gestürmten Residenz angekommen. Sie konnte schon die Pechnase über dem Fallgitter des Tores erkennen. Abrupt bog sie mit den Pferden in eine kleine Seitengasse ein. Sie stieg ab und löste die Fesseln der Männer. „Was wird das?“, fragte Abas verwirrt. Venus antwortete: „Ab hier muss ich alleine weiter. Ich muss sehen, was aus meiner Familie geworden ist. Lebt wohl!“ Kaum hatte sie die Worte gesprochen, war sie schon hinter der nächsten Häuserecke verschwunden.

Lykos fragte den Königsgemahl: „Und jetzt? Jetzt sind wir in der Höhle des Löwen. Und was wollen wir hier?“ Abas sagte inbrünstig: „Ich muss wissen, was mit Leda ist.“ Lykos wollte wissen: „Und wie willst du das herausfinden?“ Abas schlug vor: „Lass uns nachdenken. Wir sind in einer Stadt, die von männerfeindlichen Furien beherrscht wird. Aber es gibt auch Stadtbewohner, die uns Unterschlupf gewähren werden.“ Lykos meinte überheblich: „Sehr optimistisch gedacht, Euer Gnaden.“ Abas schlug vor: „Wir verkleiden uns als Frauen! Das hat im Ostreich auch geklappt.“ Lykos stöhnte: „Im Ostreich! Hier sind wir aber nicht im Ostreich! Wenn wir hier mit Kapuzen und Kleidern rumlaufen, fallen wir auf wie bunte Hunde.“ Abas rief trotzig: „Aber ich muss in den Palast!“ Lykos sprach abfällig: „Viel Glück. Aber ohne mich. Ich werde bei Venus´ Familie unterkommen, solange Plutas Armee noch nicht abgezogen ist. Und dann sehen wir weiter. Wenn wirklich jeder Mann versklavt wird, werde ich eben nach Westen flüchten.“

Abas sah in die dunkle Gasse, in die Venus verschwunden war. „Wie willst du sie finden?“ Lykos grinste: „Sie hat mir verraten, wo das Haus zu finden ist. Am Weberplatz. Das Haus mit dem schönen Fachwerk und den geschnitzten Neidköpfen am Giebel.“ Abas und Lykos umarmten sich. Dann meinte der Königsgemahl: „Jetzt geht also jeder seinen eigenen Weg. Mach es gut. Du bist mir ein guter Freund geworden.“ Lykos klopfte seinem Gefährten auf den Rücken: „Du mir auch. Ich wünsche, dass Leda noch lebt. Gehabt Euch wohl.“ Der Hauptmann marschierte los und war bald hinter einer windschiefen Mauer aus Sandstein verschwunden. Abas starrte ihm nach: Ob er ihn jemals wieder sehen würde? Die Göttinnen des Schicksals würden es entscheiden.

Dann wurde er von Geräuschen überrascht. Es näherten sich zwei offensichtlich betrunkene Soldatinnen. Sie lachten schallend, sprachen lallend und stolperten die Gasse entlang – auf Abas zu. Noch war er von ihnen nicht gesehen worden, denn seine Gestalt war im Schatten verborgen. Doch er täuschte sich. Obwohl die Soldatinnen dem Wein gut zugesprochen hatten, was er nicht nur am wankenden Gang, sondern auch am Odeur der Damen feststellte, bemerkten sie Abas. „Hey, schau mal!“, rief die eine Frau. „Da läuft noch ein Männlein frei rum!“ „Den kassieren wir ein und holen uns das Kopfgeld“, meinte die andere Frau. Die Uniformierten zogen gleichzeitig ihre Degen und kamen auf Abas zu.

Die Senatorinnen Kerbera und Alekto hatten ein respektables Kopfgeld auf jedes Mannsbild ausgesetzt, das noch nicht registriert war. Männer, die sich freiwillig gemeldet hatten, wurden für Frondienste aller Art eingesetzt. Sie durften für die neuen Herrinnen den Acker bestellen und Vieh züchten sowie diverse Handwerksdienste oder Hilfsarbeiten ausüben, mussten aber hohe Steuern zahlen, die ihnen gerade genug zum Überleben ließen. Bei Bedarf waren die Männer verpflichtet jegliche andere Tätigkeit zu erfüllen: beispielsweise Kriegsdienst oder Bauarbeiten am Palast oder einem Schutzwall. Männer, die sich nicht freiwillig gemeldet hatten, kamen grundsätzlich als Sklaven zunächst nach Osten, wo sie ausgebildet wurden – entweder als Kriegskämpfer oder Leibeigener in einem Haushalt.

Ehefrauen, die sich bereiterklärten, auf ihren Gatten zu verzichten oder ihn sogar meldeten, erhielten kostenlos einen eigenen Sklaven, der für den Unterhalt sorgte. Lykos, der Unterschlupf bei Venus gefunden hatte, war schockiert, dass außer ihm kein Mann mehr im Haus war: Die Mutter von Venus hatte ihren Gatten bei der Miliz verpfiffen und ein Säckchen mit Silbermünzen dafür erhalten. Nun ja, er hatte nur gehurt und gesoffen. Lykos machte bange Minuten durch, als die Mutter auch ihn im Haus nicht dulden wollte, doch Venus überredete sie, dass ein Mann als Arbeitskraft gut wäre, solange noch keine Sklaven zur Verfügung ständen.

In der ehemaligen Zitadelle der gestürzten Königin Leda hörten die Senatorinnen Alekto und Kerbera die Überläuferin Helena an, um mit ihr die weitere Vorgehensweise zu diskutieren. Dass Leda mit einem Tross die Flucht geglückt war, fuchste sie ungemein. Für ihre treffliche Zusammenarbeit beförderte Alekto die Verräterin zu einer ehrenwerten Duxa, dem höchsten militärischen Rang. Helena labte sich an der Würdigung und lächelte zufrieden.

Ein Tag später wurden Abraya und Caduceus aus dem Kerker geholt und verhört. Abraya versuchte ihren Kopf zu retten, und wollte den Treueid auf Pluta schwören, doch Helena riet den Senatorinnen davon ab, ihr zu glauben. Also wurde Abraya in einen kleinen Käfig gesperrt und auf dem Marktplatz ausgestellt. „Wir werden mit dir ein Exempel statuieren“, hatte Alekto mit einem grausamen Grinsen gemeint. Und so sollte es geschehen: Abraya hauchte ihr Leben in ihrem Käfig aus, angespuckt und beschimpft von Frauen, die sie nicht kannte. „Früher hätten diese Weiber vor mir gekatzbuckelt“, dachte Abraya finster. Das Letzte, was sie einige Tage später vernahm, war der Schrei einer Krähe, die sich auf ihre Brust setzte…

Caduceus war zu den vielen anderen Männern gebracht und in ein schweres Halseisen gesteckt worden. Dicke Ketten an Füßen und Händen schmiedeten ihm Soldatinnen der Pluta an den Leib. Dann setzte sich die große Sklavenkarawane Richtung Osten in Bewegung. Er war nun nicht mehr der königliche Seher und angesehene Alchemist am Hofe, sondern ein unbedeutender Sklave unter tausenden und ohne Belang. Er marschierte in eine ungewisse Zukunft.

Leda und ihr Tross reisten eilig weiter gen Westen. Sie mussten sich beeilen, denn am Horizont hielten sich feindliche Späher, die sie beobachteten. Neben der Exilkönigin waren einige ihrer Berater sowie ihr Majordomus Honos und der königliche Schmied Tartaros bei ihr. Insgesamt flüchteten 65 Getreue mit ihr. Es war der verzweifelte Versuch, den Krallen der Pluta zu entkommen. Doch wie sollte es ihnen gelingen? Der Westen endete an der Westküste. Eine Armee, die die Truppen des Vereinten Reiches so leicht besiegen konnten, war auch in der Lage, 66 Fliehende zu fangen und zu massakrieren. Dabei war Leda klar, dass ihr selbst kein so leichter Tod bevorstand. Sicherlich würde Pluta ihren Tod regelrecht zelebrieren.

In wenigen Tagen waren sie an der Steilküste. Sollten sie mit einem Boot in den unerforschten Großen Ozean aufbrechen? Gen Westen, wo die Welt zu ende war? Aber welche Wahl blieb ihnen? Doch noch frustrierender war für sie, dass fast alle weiblichen Soldaten sich gegen die Flucht entschieden hatten und lieber unter neuer Herrschaft dienten. In ihrem Tross waren nur drei Frauen von der zwölfköpfigen königlichen Garde, zwei Zofen sowie zwei Mägde und eine Köchin. Unter den 29 Soldaten, die mit ihr geflohen waren, fand sich keine einzige Frau. Irgendwie beschämend, grübelte Leda nach, wie leicht die Damen ihrer Armee ihr Fähnchen nach dem neuen Wind richteten. „Miese Opportunisten!“, grummelte sie, während ihre Zähne knirschten.
79. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 12.02.20 19:01

Herrlich,der Streit zwischen den grausamen verwöhnten Gören!Toll geschrieben!
80. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von Grinser am 13.02.20 22:47

Zitat
Hallo Prallbeutel,
vielen Dank für die Fortsetzung. Ich habe mir die 1. Ausgabe zu Gemüte geführt und fand sie gigantisch. Was mir vielleicht noch besser gefallen hätte, wenn sich Leda mit dem Volk mit dem Schießpulver verbündet hätte. Auch hätte ich mir vielleicht auch ein glücklicheres Ende von Leda und Abas gefallen, aber vielleicht fällt dir ja bei der überarbeitung noch was ein. Falls nicht machts auch nichts es ist deine Geschichte und mir hat sie trotz allem was die Helden aushalten mussten super gut gefallen. Bitte mach bald eiter.
Lg Alf


Vielen Dank für die Spoiler.
81. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 23.02.20 19:25


Abas lief kopflos die Gasse entlang – die zwei Soldatinnen verfolgten ihn überraschend schnell, ohne ins Trudeln zu geraten. Dann kam es, wie es kommen musste: Abas geriet in eine Sackgasse. Eine neun Fuß hohe Mauer versperrte den Weg und an den Seiten war Haus an Haus gebaut. Einige alte Dachschindeln lagen vertreut an einer Wand. Sonst entdeckte er nichts und niemanden dort. Er war auf sich alleine gestellt und saß in der Falle. Endlich fiel Abas sein Breitschwert ein, dass er dem Kampfsklaven abgenommen hatte. Venus hatte es zwar an sich genommen, als sie mit ihren zwei „Gefangenen“ in die Stadt geritten war, doch dann hatte sie es ihm wieder gegeben.

Abas zog es aus dem Gürtel, um den Frauen zu trotzen. Er sollte sich nun sicherer fühlen, doch die schwere lange Waffe war so unhandlich, dass er gegen zwei flinke Degen keine Chance hatte. Mit dem Schwert hätte er eher Holz hacken können, als gegen zwei Soldatinnen kämpfen. Doch es war besser als nichts. Die Frauen blieben auch in respektvoller Entfernung mit gezückten Degen stehen. Abas posierte mit der gewaltigen Klinge. Sollte es zu einem Schlagabtausch kommen, war er hoffnungslos verloren. Aber vielleicht klappte ja sein Bluff...

Doch die beiden Damen trennten sich, eine kam von links, die andere schritt weiter nach rechts. Ihre Bewegungen waren geschmeidig und wirkten an sich schon gefährlich wie die von Raubkatzen. Zwei Gegner aus unterschiedlichen Richtungen! Das ist unfair, protestierte Abas innerlich. Aber was war im Krieg schon fair? Als die eine Soldatin einen blitzartigen Ausfall machte, schreckte Abas zurück, drehte sich dann wild um sich selbst und schwang das Breitschwert in einer Kreisbewegung um sich herum, als wollte er eine junge Birke fällen. Diesen Moment nutzten die Frauen, um sich zu ducken und hinter Abas zu sprinten. Dabei versetzte die eine dem Königsgemahl einen harten Schlag mit der Seite der Degenklinge auf sein Gesäß. Abas schrie erschrocken auf und ließ das Schwert fallen. Es schepperte auf dem Kopfsteinpflaster.

Als die andere Soldatin ihre Chance sah, streckte sie ihren Arm gekonnt mit dem Degen nach ihrem Gegner aus und rutschte in einen Ausfallschritt. Abas hüpfte im gleichen Moment nach vorne, so dass ihn nur die Spitze des Degens leicht am Hintern pikste. So folgte sofort nach seinem ersten Schrei ein weiterer noch lauterer und hellerer Laut. Abas sah sein Schwert hinter sich und zwischen den Gegnerinnen im Staub liegen und raste davon, so schnell ihn seine Beine tragen konnten.

Doch noch gaben sich seine Gegenspieler nicht geschlagen. Ein Weib griff an seinen Gürtel und löste dort blitzschnell eine Art Schleuderwaffe: drei Kugeln an miteinander verbundenen Seilen. Sie holte weit aus und ließ ihre Wunderwaffe über dem Kopf kreisen, bevor sie sie mit Schwung losließ. Abas war bereits viele Schritt entfernt, doch verfingen sich die Kugeln geschickt in seinen Beinen und brachten ihn zu Fall. Die Flucht war hier abrupt zu ende. Bevor sich Abas von dem verhedderten Seil befreien konnte, stieß eine der Frauen ihm ihr Knie harsch auf die Brust und hielt ihm ihre Degenspitze an die Kehle.

Gut verschnürt marschierte er kurz darauf resignierend hinter den Beiden her, die nun gut gelaunt dem Palast zusteuerten. Für den Sklaven würde es ein paar Münzen geben, die sie in weiteren Wein investieren wollten. Als Abas hörte, dass er zur Residenz gebracht werden sollte, war ihm sein Schicksal gar nicht mehr so unangenehm. Vielleicht war das sogar der einfachste Weg, um in die königliche Festung zu kommen und mehr über Leda zu erfahren. Und außerdem trennten ihn dann bald nur noch wenige Mauern von dem Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel.

In der Tat erhielten die Frauen für ihren Fang eine Hand voll klimpernder Münzen und liefen scherzend davon. Abas wurde von zwei nicht weniger gefährlich aussehenden Soldatinnen in den Kerker gebracht. Er kam in eine Gewölbekammer, in der ein wenig altes Stroh lag. Es war düster, kalt, feucht und roch unangenehm muffig. Eine Ratte fiepte irgendwo. Abas hob die Augenbrauen. Es erinnerte ihn an die alte Zeit, in der er als naiver Jüngling in die Stadt gezogen war, um Megara zu ehelichen. Er schüttelte den Kopf über so viel Dummheit. Dann blies er die Wangen auf und drehte sich langsam im Kreis: Es war kein Platz, der einem Königsgemahl würdig war, aber vielleicht würde er hier mehr über Ledas Verbleib erfahren. Er wollte einfach nicht glauben, dass sie tot war.

Plötzlich erschrak er so sehr, dass ihm fast das Herz stehen blieb. In einer dunklen Ecke hörte er ein keuchendes Husten. Abas näherte sich und sah den Mitgefangenen: einen nackten Mann in seinem Alter. Er sah ausgemergelt und schmutzig aus. Um Hand- und Fußgelenke trug er alte rostige Eisenschellen. Abas kannte ihn nicht, dafür stotterte der andere aber: „Da… da… das ist… Seid Ihr… etwa… der Gemahl der Königin?“ Abas hielt schnell seinen Zeigefinger an den Mund. „Leise! Es darf niemand erfahren. Woher weißt du von mir?“ Im nächsten Moment hätte er sich für die eselige Frage ohrfeigen können. Natürlich kannten ihn viele Personen im Vereinten Reich. Und das war leider auch sein großer Nachteil. Wenn erst Pluta und ihre Häscherinnen davon erfuhren…

Aber dann fiel ihm ein schwerer Stein vom Herzen, als ihm sein Mithäftling Vidar erzählte, dass Leda flüchten konnte: „Ein kleiner Tross Loyalisten ist mit ihr nach Westen gezogen. Mehr weiß ich nicht. Es ist alles streng geheim abgelaufen. Nur wenige haben der hochwürdigen Majestät die Treue gehalten. Es tut mir leid.“ Abas aber atmete tief durch. Leda war am Leben! Und frei! Er fühlte sich wie neu geboren. Doch was war nun mit seinem Schlüssel? In diesem Augenblick fiel ihm auf, dass er fast nackt vor seinem Untertan stand. Aber dann wurde ihm klar, dass Vidar ebenfalls kein Gewand besaß. Trotzdem war Abas die Sache mit dem Keuschheitsgürtel peinlich, und so überlegte er eine Ausrede, zeigte lässig auf seine stählerne Hüfte und meinte: „Das ist ein symbolisches Zeichen für meine Treue, aber ich habe meinen Schlüssel verloren. Weißt du vielleicht, ob Leda… ob die Königin ihren Schlüssel irgendwo hinterlegt hat?“ Aber natürlich hatte Vidar davon keine Kenntnis.

Eine ganze Woche lang blieb Abas in Ungewissheit. In den Nächten hörte er raschelnde Ratten – so dachte er zumindest anfangs, doch dann bemerkte er Vidar, wie er auf seinem Strohbett mit seiner Männlichkeit spielte – dem einzigen Vergnügen, dass dieser in der Kerkerhaft hatte. Und selbst das bleibt mir genommen, sinnierte der Königsgemahl verdrossen. Aber nicht mehr lange, so hoffte er. Und doch ließ ihn der Gedanke, wie tief er gefallen war, nicht mehr los: Jetzt verlustierten sich schon die Untertanen schamlos vor seinen Augen! Erst Lykos, jetzt dieser Vidar.

Das karge Essen – wenn man den ekelhaften Brei und das brackige Wasser so nennen konnte – steigerte das Wohlbefinden auch nicht gerade. Das Wachpersonal wechselte täglich und bestand ausschließlich aus Frauen. Abas spürte, wie sein eingeschlossenes Gemächt zog und drückte, ziepte und pulsierte, wenn eine der Wächterinnen das Essen brachte. Der Fraß war ihm egal, aber diese Schönheiten… Dann schnaubte er, ärgerlich über sich selbst, denn nur dieser verflixte Keuschheitsgürtel machte aus ihm einen so „liebestrunkenen“ Esel. Eigentlich sollte er diese Scherginnen der Tyrannin hassen, doch seine Männlichkeit gierte geradezu danach, die Frauen anzustarren, sie anzufassen und zu lieben… Die Wächterinnen schienen sein unerfülltes Verlangen zu spüren und grinsten ihn schelmisch zu, wenn sie den Brei in die Zelle schoben.

Abas musste sich eingestehen, dass Leda nicht so unrecht hatte: Ein Mann, der lange genug von seiner Liebsten getrennt war, musste sich irgendwie einen Ersatz suchen. Da war der Keuschheitsgürtel ein wirksames Gegenmittel. Doch zu welchem Preis!? Abas litt Qualen! Und je mehr er darüber nachdachte, desto schöner und begehrenswerter kamen ihm die Wächterinnen vor – egal, wie grausam, spöttisch oder arrogant sie ihn behandelten. Was war nur los mit ihm? Und dann kam ihm noch die Geschichte in den Sinn, die Vidar vor ein paar Tagen erzählt hatte: Ein anderer Gefangener war mit Vidar für mehrere Monde in der Zelle gewesen. Dann wurde der eines Tages von zwei Wächterinnen zur Befragung herausgeholt. Als er abends zurückkehrte, war er stumm und sprach kein Wort. Außerdem hielt er sich seine Männlichkeit mit beiden Händen zu. Er starrte nur ins Leere der dunklen Kammer und quetschte sich in eine Ecke der Zelle. Einen Tag später schrie er wie ein Gepfählter, als sie ihn erneut holten. Er sollte nie zurückkehren...

Lykos erledigte inzwischen routiniert alle anfallenden Arbeiten im Haushalt von Venus und ihrer Mutter. Als er mit ihnen am Mittagstisch saß und einen würzigen Gemüseeintopf löffelte, kam die Sprache auf Keuschheitsgürtel für Sklaven. Lykos wurde hellhörig. Wollte die alte Vettel ihn jetzt etwa auch noch seiner Männlichkeit berauben? Der ehemalige Hauptmann befürchtete das Schlimmste, denn die Mutter von Venus hatte das Familienoberhaupt, einen reichen Kaufmann, skrupellos in die Sklaverei verkauft und somit sein gesamtes Vermögen „geerbt“. Zu Lykos Schreck kam ausgerechnet Venus auf den Punkt: „Wie wäre es, wenn Lykos auch ein Zeichen seiner Unterwerfung tragen würde?“ Dione lächelte ihre Tochter an. „Das ist eine ausgezeichnete Idee, Venus. Lauf schnell zur Schmiedin. Und ein Brandmal wäre bei der Gelegenheit auch nicht schlecht.“

Lykos wurde jetzt schon heiß. Heiß vor Angst. Er sagte: „Das muss doch nicht sein…“ Dione versetzte dem Haussklaven eine schallende Ohrfeige. „Du redest nur, wenn du gefragt wirst! Und in dieser Sache wirst du garantiert nicht gefragt.“ Sie kicherte. Lykos sah entrüstet zu Venus hinüber, doch die dachte gar nicht daran, ihn zu verteidigen. Im Gegenteil: Sie zog eine Augenbraue hoch, grinste verschmitzt und rieb sich die Hände in Vorfreude auf den vorgebeugten Lykos mit entblößtem Gesäß…

Pluta war auf dem Weg nach Westen, um in ihren neuen Palast einzuziehen. Sie hatte zwar in der Ostmetropole dafür gesorgt, dass ihre Bastion dort Ledas Residenz in nichts nachstand, aber Pluta wollte wieder in der alten Stadt regieren. Ein symbolischer Akt des Sieges. Und danach würde sie sich triumphierend eine neue Krone aufs Haupt setzen und als Megara zu erkennen geben. Das würde sozusagen die Krönung ihres Lebens werden.

Mit einer gewaltigen Kutsche, die von 300 Sklaven gezogen wurde - und eher einem Mausoleum ähnelte - war sie auf dem Weg nach Westen, um sich eitel als „Befreierin“ feiern und verehren zu lassen. In der Hauptstadt waren mittlerweile auch alle Denkmäler, die an Ledas Herrschaft erinnert hatten, entfernt worden. Dafür bauten Sklaven eilig an gigantischen Statuen, die mit Blattgold überzogen wurden: Pluta als riesige überdimensionale Göttin und Herrin des gesamten Kontinents. Eines nicht mehr allzu fernen Tages würde das große Reich als „Megaria“ in die Annalen eingehen, schwärmte Pluta bescheiden schon jetzt von der Zukunft – einer gewaltigen Gesellschaft von Frauen, die Männer nur als Sklaven billigten.

Somit war Megara quasi Herrscherin über die gesamte bekannte Welt; denn im Osten lebten nur Wilde, und im Westen war nur Wasser und dahinter der endlose Abgrund, wie die Priester stets betonten. Manche Sage erzählte von einem geheimnisvollen Westkontinent voller Steinriesen und Wolfsmenschen, doch die Usurpatorin glaubte nicht daran. Und sollte es doch wahr sein, so würden auch diese fernen Gestade eines Tages Teil ihres Reiches sein. Pluta war hochzufrieden. Bald war sie nicht nur Megara, die Weltherrscherin; sie würde auch alle Götter neben ihr abschaffen. Es sollten Tempel erbaut werden, um SIE voll Inbrunst anzubeten und IHR Opfer zu bringen. Ja, so stellte sich Pluta die glänzende Zukunft vor.

Leda und ihr Tross hatten die Steilküste am Westozean erreicht. Die gestürzte Königin schaute auf das weite Meer hinaus. Einzelne Möwen flogen in der windigen Luft und schrien. Wo sollen wir hier ein Boot hernehmen oder gar bauen und zu Wasser lassen? Leda seufzte. Ihre Berater waren alle weltfremd! Was für eine Bürde hatten die Schicksalswesen doch für sie gesponnen! Doch bevor die ehemalige Regentin eine Schimpfkanonade ablassen konnte, zeigte ihr Honos, ihr Majordomus, auf einer alten gerollten Karte aus Pergament eine eingezeichnete Stelle: „Seht, Majestät! Hier ist eine kleine geschützte Bucht, die kaum jemand kennt. Und dort haben sich einige Fischer angesiedelt. Sie werden ein Schiff für uns haben.“

Leda sah ihn skeptisch an: „Mit einem Fischerboot wollt Ihr über das große Meer? Hat Euch der Wind den Verstand weggeweht?“ Honos verneigte sich untertänig: „Hochwürdige Majestät, es gibt ein großes Schiff der Pluta, dass dort in dieser Bucht liegt.“ Der Majordomus sah seine Königin an, wie er da in seinem langen Mantel stand, vermochte ein Grinsen kaum zu verkneifen und verbeugte sich so tief, dass Leda seine Mimik nicht sehen konnte. Leda schreckte auf: „Was? Jetzt bin ich sicher: Ihr habt Euren Verstand verloren! Ich habe einen Verrückten als Majordomus! Entweder hat der Morgentau euer Gehirn aufgeweicht oder die Sonne hat es verschmort. Ein Schiff der Pluta! Was sollte es uns nützen, wenn der Feind uns eingeschlossen hat? Und außerdem: Warum sollte ein Schiff bis ans Westland gekommen sein?“

Honos berichtete stolz von den Neuigkeiten, die er durch Briefraben erfahren hatte: „Während der Invasion ist Pluta ein Kriegsschiff auf sehr peinliche Art abhanden gekommen.“ Wieder grinste er. Nun schamlos und offen. „Als die feindliche Flotte am Nordufer ankerte, waren auch Fischer aus dem Westen in der Nähe. Eine mutige Gruppe hat ein fast leeres Schiff überfallen und gekapert. Die Seeleute sind dann mit ihrer Beute bis in ihre Heimat gesegelt.“ Leda staunte nicht schlecht. „Und hier gibt es wirklich dieses Schiff? Oder ist alles nur eine… Legende, die Ihr irgendwo aufgeschnappt habt? Oder gar Seemannsgarn, das irgendwer gesponnen hat?“ Honos tat beleidigt: „Ich bitte Euch, Majestät! Würde ich etwa falsche Hoffnung sähen?“ Leda atmete tief durch und entschied, ihrem Majordomus zu glauben.

Die Sonne war ein ganzes Stück den Himmel weitergewandert, als ein Reitertrupp, bestehend aus Leda, Honos, sechs Gardisten und weiteren Soldaten das Fischerdorf erreichte. Der typische Geruch der Meerestiere hing in der Luft. Leda glaubte kaum, ihren Augen trauen zu dürfen, aber da lag zweifellos ein beeindruckendes Schiff vor Anker. Riesige Armbrüste waren links und rechts vom Bug angebracht wie unbesiegbare Geschosse, die Bolzen in der Größe von Rammen laden konnten. Zusätzlich gab es ein gigantisches Katapult auf dem Heck, das in der Lage war, tonnenschwere Felsen zu schleudern und jedes Ziel zu zermalmen. Für ihre 65 Begleiter war mehr als genug Platz. Und wenn ein Dutzend Fischer dieses Ungetüm bis hierher gesegelt hatte, dann würde sie damit auch fahren können – zur Not bis ans Ende der Welt.

Die Sonne stand schon tief, als alle 66 Flüchtenden an Bord der „Victory Quest“ waren. Leda hatte Tränen des Glücks in den Augen, als sie hörte, dass es für die Fischer eine große Ehre sei, der Königin auf ihrem Weg ins Exil zu helfen. Die Regentin hatte ihnen Gold und Geschmeide angeboten, doch die Männer des Dorfes lehnten strikt jedwede Bezahlung ab. Im Gegenteil: Die Anwohner lieferten noch mehrere Ladungen Fässer mit Pökelfleisch, frischem Brunnenwasser, Zwieback und anderen Wegzehrung. Mit Ersatzteilen und Werkzeugen hatten sie das Schiff bereits ausgerüstet. Die meisten Waffen, die sie gefunden hatten, waren ebenfalls an Bord geblieben.

Nach einer Einweisung in die Segeleigenschaften ihres neuen Zuhauses lief der Trupp mit dem Schiff aus der Bucht. Bald schon fielen die großen Segel und blähten sich majestätisch und knatternd im Wind. Glücklicherweise hatten sowohl Leda und zwei ihrer Berater sowie einige der Soldaten ein wenig Segelerfahrung. „Warum haben wir diese freundlichen Menschen nicht mitgenommen?“, wollte Honos wissen. Seine Hoheit antwortete: „Nein, sie sind zu stolz und verlassen ihre Heimat nur auf eine Weise.“ Honos sah sie forschend an. Leda sah aufs Meer hinaus, dem Horizont entgegen, und hauchte: „Tot auf dem Schlachtfeld.“

Es dauerte nur wenige Tage, da war die Nachricht über Ledas Flucht aufs Westmeer bei den Senatorinnen in der Hauptstadt angekommen. Kerbera und Alekto rasten vor Wut und mussten sich einige Zeitlang geifernd vor Zorn an ihren Prügelsklaven vergehen, bevor sie eines klaren Gedankens fähig wurden. „Und dann auch noch mit der guten Victory Quest!“, betonte Alekto und ließ ihr Kristallglas an einer Wand klirrend zerschellen. Der Rotwein floss hinab wie Blut einer geschlachteten Ziege. Die Beute war eines der fünf besten Schiffe der Flotte. Von den Fischern hätten sie es leicht zurückerobern können, aber wenn die Flüchtige damit auf den großen Ozean fuhr... Sollte sie ruhig am Weltenrand in die Tiefen der ewigen Dunkelheit fallen.

Kerberas Augen schossen förmlich Blitze ab, so dass sie ein Dienstsklave, der der Dame mit einem Palmwedel Luft zufächerte, zusammenzuckte. „Wir werden sie nicht verfolgen können. Es dauert Wochen, bis wir ein Schiff um das Nordkap gesegelt haben. In dieser Jahreszeit vielleicht noch länger.“ Alekto sank auf ihren Sitz und meinte nachdenklich: „Wenn die Nachricht Pluta erreicht, werden Köpfe rollen.“ Kerbera sagte nichts. Sie dachte insgeheim: „Ja, aber nicht meiner. Eher mache ich dich dafür verantwortlich.“

Alekto wechselte das Thema: „Ist die große Statue auf dem Markt fertig, wenn Pluta eintrifft?“ Kerbera antwortete: „Zweifelsfrei. Der letzte Schliff ist getan. Ich habe mit der Architektin ein Abkommen geschlossen. Ich habe ihr zwei Versprechen gegeben.“ Alekto sah die Senatorin abwartend an. Kerbera erklärte: „Wenn sie rechtzeitig fertig wird, erhält sie den doppelten Lohn. Dass wiegt fürwahr die vielen Sklaven auf, die wir bei der Akkordarbeit verschleißen.“ Alekto bohrte weiter: „Und das zweite Versprechen?“ Kerbera hob ihr Kinn. „Wenn sie nicht fertig ist, dann wird sie vor die Wahl gestellt.“ Alekto sah fragend hinüber. Kerberas Lächeln war kalt wie das Eis des fernen Nordlandes. „Vor die Wahl zwischen ihren Armen oder Beinen…“ Alekto lachte: „Das spielt dann auch keine Rolle mehr.“ Sie beugte sich verschwörerisch zu Kerbera vor. „Wenn Pluta sieht, dass ihr Monument nicht fertig ist, wird sie sich um die Frau persönlich kümmern. Und glaubt mir, dann wird sie noch ganz andere Sorgen haben…“

Kerbera rief nach einer Soldatin: „Tausch Unseren Prügelsklaven gegen einen Frischen aus. Der Jämmerling ist verbockt und… ach, Wir sehen ja vor lauter Striemen kaum die neuen Streifen. Schaff das sinnlose Gewürm weg und bringe Uns was Ordentliches.“ Die Uniformierte marschierte strammen Schrittes davon, den malträtierten Mann im Schlepptau mit einer Lederschlaufe um dessen Hals. Sie brachte ihn zum Medikus, der sich seines Arsches mit brennender Heilpaste annehmen sollte. Dann lief sie mit klirrendem Waffenrock zum Harem der Senatorin und zeigte auf einen der Jünglinge. „Du da! Mit den haselnussbraunen Kulleraugen und den Locken! Komm her! Deine Herrin hat einen Nutzen für dich.“ Die Soldatin riss ihn an seinem Halsband grob zu sich und blickte geschwind über seine Schulter zu einem Blondkopf mit blauen Augen. Sollte Kerbera den Lockenschopf haben; der süße Jüngling mit dem goldenen Haar war ihr irgendwie ans Herz gewachsen. Sie konnte sich seines Dankes gewiss sein.
82. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 01.03.20 17:58

Tief unter den Senatorinnen vegetierten Abas und Vidar in ihrer Zelle dahin. Täglich erhielten sie ihr karges Mahl und ein wenig brackiges Wasser. Endlich öffnete eine Wärterin die Gittertür und zeigte auf Vidar. Der Mann erhob sich und kam zögernd auf die Frau zu. „Los! Beeile dich! Oder ich mache dir Beine, du elendes Dreckstück!“ Mit einem saftigen Tritt in den Hintern jagte sie ihn an sich vorbei in den steinernen Zellenflur. Abas kam hinzu, doch die Wärterin schloss direkt vor ihm die Tür quietschend und krachend wieder zu. Er umklammerte die rostigen Gitter: „Was habt ihr vor mit ihm? Wo bringt ihr ihn hin? Wann kommen wir hier raus?“ Die Frau lachte nur und sah ihn abfällig an. Mit einer kurzen dicken Leder-Gerte schlug sie Abas auf die Finger, die dieser vor Schmerz zischend blitzartig zurückriss und schüttelte. Die Wärterin frotzelte und trieb Vidar vor sich her. „Na los, du Nacktarsch! Du wirst schon sehnlichst erwartet. Und vorher bekommst du sogar ein Bad.“ Abas sah ihnen hilflos hinterher. Was hatte diese Furie mit Vidar vor?

Vier Stunden voller Ungewissheit später kam Vidar zurück. Abas erwartete bei ihm zahlreiche Striemen oder Brandmale zu entdecken, doch da hatte er sich getäuscht. Der Mann war zwar erschöpft, doch offenbar unbekümmert und unversehrt. Er erzählte, wie er nach einem herrlichen Bad in die oberen mit Licht durchfluteten Räume des Palastes gebracht worden war. Dort hatten Dienerinnen ihn angekleidet und zu einem Festbankett mit hohen Militärs gebracht. Er durfte essen und trinken, soviel er wollte. „Die feiern da oben rauschende Feste“, sagte er begeistert und leckte sich unwillkürlich über die Lippen. „Und dann kam eine Duxa zu mir und hat mit mir angebändelt…“ Abas staunte mit offenem Mund.

Vidar berichtete weiter: „Tja, sie sah verdammt gut aus, und sie wollte mich wohl mit Haut und Haaren fressen. Auf jeden Fall konnte sie es gar nicht abwarten, mir in den Schritt zu fassen. Und dann hat sie mich in eine dunkle Ecke gezogen. Und dann haben wir…. Nun, den Rest könnt Ihr Euch sicherlich vorstellen, Majestät.“ Abas wurde erst jetzt klar, dass Vidar nun einen Lendenschurz aus Seide trug. Sein Gefährte meinte stolz: „Ich bin jetzt so eine Art Lieblingsgespiele dieser Duxa. Morgen will sie mich erneut aus dem Kerker holen lassen, damit sie mich wieder bei sich hat.“ Abas rutschte an der rauen Wand in die Hocke. „Warum hat man mich nicht auch geholt?“, murmelte er. Vidar zeigte mit seinem Kinn auf Abas Hüfte: „Eure Lenden sind versperrt, Majestät. So wird sie kein Vergnügen an Euch finden.“

Abas biss die Zähne aufeinander. „Der Schlüssel muss hier irgendwo in der Festung sein. Leda wird ihn nicht bei sich haben. Warum sollte sie ihn mit sich ins Exil nehmen?“ Vidar zuckte mit den Schultern. „Vielleicht als Andenken?“ Abas brummte missmutig. „Ich weiß, wo sie den Schlüssel aufbewahrt hat. Wenn jemand nachschauen könnte…“ Vidar schlug vor: „Wenn ich das nächste Mal geholt werde… Ich darf mich frei im Palast bewegen. Ich könnte nachsehen.“ Abas: „Das würdet Ihr tun? Oh, das wäre… Also gut. Hört genau zu. Ich erkläre Euch den Weg zu Ledas Gemächern.“

Am nächsten Tag war es bereits wieder so weit: Vidar wurde aus dem Kerker geholt, um zu baden. Dieses Mal rieben sie ihn mit duftenden Essenzen ein. Anschließend sollte er zur Duxa geführt werden, die in einem Nebenflügel der Burg residierte. Als Vidar eine Stunde später bei der Duxa lag, bat er sie, in dieser Nacht nicht wieder in den Kerker zu müssen. Die Soldatin hatte nichts einzuwenden, ließ sich dafür jedoch von Vidar mit einer „Währung“ bezahlen, die er glücklicherweise zur Genüge besaß. Sein bittendes „Gemach, gemach!“ überhörte die abenteuerlustige Dame und verlangte Standhaftigkeit, wieder und wieder. Seine Manneskraft rang in einem stillen Tanz der Verzweiflung mit seiner Erschöpfung.

Am Abend schlief die Duxa endlich zufrieden ein, eine Hand auf Vidars wundes Gemächt. Vidar schnaufte durch. Sein Soldat war gefordert worden wie nie. Er war selbst müde und entkräftet, doch er hatte dem Königsgemahl ein Versprechen gegeben. Und das wollte er auch halten; selbst wenn es ihn in Lebensgefahr brachte. Vorsichtig schob er die Hand zur Seite, stand auf, schlich sich aus dem Gemach der Duxa und lief über die Flure des Palastes. Sein Herz pochte wild. Niemand durfte ihn sehen.

Kaum war er im Hauptflügel des Prachtbaus, so stieß er auf Wächterinnen mit Fackeln, die ihm den Weg versperrten. So würde er nicht einmal in die Nähe der königlichen Räume kommen. Da kam ihm eine Idee. Er nahm von einer Fensterbank eine kleine Kiste, in der sich einige Kerzen befanden und lief schnurstracks und ohne Scheu auf die Wachen zu. „Halt!“, rief die Soldatin und richtete die Spitze ihrer Lanze auf Vidar. „Wer bist du denn? Was ist dein Begehr, Kerl?“ „Aus dem Weg! Geschwind!“, verlangte Vidar selbstbewusst. „Ich soll den Stadthalterinnen diese Kiste überbringen.“ Die Soldatin sah ihn misstrauisch an. „Dann gib sie her. Ich bringe sie den Senatorinnen.“

Die Frau wollte schon danach greifen, doch Vidar umklammerte sie. „Nein! Ich habe ausdrücklichen Befehl sie persönlich abzugeben.“ Die Soldatin glaubte ihm nicht. Aber sie vermutete, dass der Mann nur eine Belohnung einheimsen wollte. Sie zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Dann geh den Gang entlang. In der Halle musst du dich links halten und…“ Vidar ließ die Frau nicht aussprechen, sondern stürmte grüßend an ihr vorbei. Es kam dieser Tage öfter vor, dass Boten mit irgendwelchen Nachrichten zu den Senatorinnen kamen. Aber eine Kiste? Was da wohl drin war, fragte sich die Soldatin. Hätte sie das kontrollieren sollen? „Hey!“, rief sie dem Mann hinterher. Aber der war schon verschwunden.

Vidar eilte zu der hohen Halle und sah eine Tür, die von zwei Wächterinnen eingerahmt war. Der Eingang bestand aus mit Eisen verstärktem Holz. Dicke Spitznieten verzierten das Türblatt. Da hinter befanden sich wohl die Senatorinnen. Aber er musste sich rechts halten. Abas hatte ihm genau erklärt, wie er über die Dienstbotengänge ungesehen bis in Ledas Gemächer gelangte. Hoffentlich waren dort keine unerwünschten Personen, die ihn aufhielten. Und er kam tatsächlich ungesehen durch die Flure. Vidar schaffte es mit etwas Glück und Geschick bis in die Räume der Königin: Sie waren leer, aber sahen aus, als habe man sie geplündert. Regale und Schränke waren leer. An den Wänden fehlten Teppiche. Einige Folianten lagen auf dem Boden. Vidar ging durch eine weitere Tür und stand im Schlafgemach der Regentin. Hier musste der Schlüssel sein, wenn sie ihn nicht mit sich genommen hatte.

Der Mann suchte alle Möbel ab: Schränke, Truhen, Kisten, schaute unter das Bett, in den Kissen und der Matratze. Nichts! Pech für den Königsgemahl! Vidar wollte gerade gehen, als ihm ein unscheinbarer Tonkrug auffiel, der so gar nicht zu dem anderen feinen Geschirr passen wollte. Er schien dort in Eile abgestellt worden zu sein. Vidar hob ihn an und schüttelte: nichts. Er setzte ihn schnell wieder ab. Er musste sich beeilen, bevor er noch entdeckt würde. Dabei stellte er den Tonkrug so ungeschickt auf das Regalbrett, dass er in Schräglage kam und scheppernd zu Boden krachte.

Vidars ächzte, als das Behältnis laut auf dem Marmor aufschlug und in zig Scherben zerbarst. Mit klopfendem Herzen lauschte er, ob vielleicht nahende Schritte das Unglück verkündeten, man ihn gehört hatte und morgen vielleicht martern würde, weil er im Palast umher geschlichen war. Aber es blieb still. Nur sein Herz hörte er klopfen. Vidar atmete auf und sah sich die Bescherung an. Überall lagen die Splitter. Ein Teil des Krugbodens war heil geblieben und…

Vidars starrte ungläubig auf das Stück Ton und den metallenen Bart eines Schlüssels, der darin eingebrannt worden war. Er nahm die Scherbe und brach den Schlüssel heraus und steckte ihn ein. Sollte er die Spuren entfernen? Nein, dazu war keine Zeit mehr. Er verließ kurzerhand Ledas Gemach, huschte über die engen Dienstbotengänge zurück in den Nebenflügel des Palastes und legte sich still und heimlich neben die Duxa ins Bett, den Schlüssel fest hinter seinen Gürtel geklemmt. Erst als er sich versichert hatte, dass die Soldatin schlief, schloss auch er seine Augen. Er hatte es geschafft!

Am nächsten Tag konnte er es kaum erwarten, zurück in den Kerker gebracht zu werden. Er musste Abas von seinem Fund berichten. Als dann der große Moment gekommen war, und er dem Kameraden den Schlüssel präsentierte, war er stolz wie ein Ritter in goldener Rüstung. Abas konnte sein Glück kaum fassen und nahm zitternd das Geschenk mit einer Freudenträne im Augenwinkel entgegen. „Ich stehe tief in deiner Schuld“, sagte Abas feierlich und steckte den Schlüssel in seinen Keuschheitsgürtel. Er schloss die Augen. Lass es der richtige sein! Und…

…er drehte sich! Das Schloss sprang auf. Nach so langer Zeit. Abas stöhnte wohlig auf. Er spürte die Freiheit seiner so lange grausam unterdrückten Manneskraft. Was für ein Gefühl! Diese erzwungene Keuschheit, die sich über sein Gemüt wie ein schweres Tuch gelegt hatte, war einer fast heiteren Befreiung gewichen. Ihm war es nicht einmal peinlich, dass sein Liebesstab sofort hervorsprang, als wolle er damit einen Strauß ausfechten. „Oh, lala! Bei allen Kobolden und Waldgeistern! Was haben wir denn da?“, hörte er plötzlich eine laute Stimme. Die Wächterin!

Schnell hielt Abas die Hände vor den Schritt. Die Frau öffnete das Gitter und ging auf den Gefangenen zu. „Nimm deine Flossen da weg!“, befahl sie. Aber Abas schüttelte den Kopf wie ein trotziger Bube. Die Wächterin zog ihre Peitsche hervor und holte aus, so dass sich der Riemen mit einem Knall um Abas Hinterbacken wickelten. „AU!“, rief er, den sengenden Schmerz spürend. „Hände da weg!“, befahl sie erneut, dieses Mal mit schneidender Stimme, die keine Widerworte erlaubte. Abas gehorchte gezwungenermaßen und zeigte seinen „scharfen Dolch“. Die Soldatin lachte lauthals. „Der kleine Mann hat wohl Sehnsucht nach einem Weibe, was? Aber wo hast du deine Eisenhose?“ Sie sah den Keuschheitsgürtel hinter Abas im Stroh liegen. „Sieh an! Du hast uns alle zum Narren gehalten und die ganze Zeit den Schlüssel gehabt! Du hast wohl gedacht, dass erspart dir die Liebesdienste? Das wirst du jetzt fein nachholen, du Schwindler!“ Abas schluckte schwer und trocken.

Die Uniformierte kam noch näher und befahl: „Los! Sperr ihn wieder ein!“ Abas sah sie ungläubig an. Was sollte er tun? Aber alles Zögern half nicht. Er musste gehorchen. Es war gar nicht so einfach, den strammen Burschen wieder in seinen Kerker zu zwingen, aber mit etwas Mühe gelang es ihm. Jetzt nahm die Frau ihm den Schlüssel aus der Hand: „DEN behalte ich!“ Schallend lachend verließ sie die Zelle. Abas spürte, wie sich sein Gemächt zusammenzog vor Angst. Jetzt war er in der Hand dieser Furie. Und er hatte kein einziges Mal die Möglichkeit gehabt, seiner aufgestauten Lust nachzugehen! Oh, was schreckliches Schicksal hatten ihm die Götter auserwählt! Wie konnten sie so grausam sein!

Während Abas mit seinem Unglück haderte, wurde Leda auf der „Victory Quest“ Zeuge, wie ein Soldat und eine Gardistin miteinander ihren Trieben nachgingen… Empört und entsetzt riss sie die Beiden auseinander und drohte ihnen eine Züchtigung an, sollte sie so etwas noch Mal an Bord erleben! Die vertriebene Regentin hatte in einsamen Nächten bereits an Liebe, Abas und die Lust gedacht. Auch sie hatte Verlangen, dem sie auch nachgab – still und heimlich in der Kapitänskajüte. Aber wenn die Besatzung schon anfing übereinander herzufallen wie Tiere… Das musste sie unterbinden. Disziplin war im Kriege wichtiger als in Friedenszeiten.

Gestern hatte ihr eine Beraterin von einem ähnlichen Vorfall zwischen einer Magd und einem Soldaten berichtet. Bei den Beiden war sie zu spät gekommen, um das Äußerste zu verhindern. Sie lagen bereits befriedigt und mit Sünde befleckt beieinander, als die Exilkönigin zu ihnen stieß. Leda grübelte darüber nach, wie sie Zucht und Ordnung während der langen Fahrt über den Westozean sicherstellen konnte. Ihr fiel keine Möglichkeit ein, bis sie am nächsten Morgen im Lagerraum tief im Bug des Schiffes eine interessante Entdeckung machte: Hinter der ersten Schicht Waffen waren Fußfesseln und Halsgeigen gestaut worden. Und dazwischen sah sie etwas, das einem Keuschheitsgürtel sehr ähnlich sah. Ja, natürlich, dachte Leda. Die Kampfsklaven der Pluta! Waren die nicht großteils keusch gehalten? Benötigte die Despotin dazu nicht endlos viele Keuschheitsgürtel? Und bei dieser Menge waren wohl auch Ersatzexemplare an Bord.

Leda zog und zerrte an den Ketten und gab bald entmutigt auf, denn die eisernen Gegenstände waren einfach zu schwer und miteinander verheddert. Sie holte sich zwei starke Männer zur Hilfe. Und nach einer knappen Stunde lagen vor Leda auf den dicken Planken 53 Keuschheitsgürtel mit den dazugehörigen Schlüsseln fein säuberlich aufgereiht. Leda grinste. Das war der Ausweg aus der Misere. Eine Stunde später verkündete die Königin ihr Vorhaben laut an Deck: Alle Recken würden Keuschheitsgürtel tragen. So wurde Unzucht unterbunden. Zum Allgemeinwohl, wie Leda betonte. „Aber warum nur die Männer?“, wollte Thrym gekränkt wissen, ein Berater der Regentin. „Wir gehören doch nicht zu dieser Diktatur, die alle Kämpen unterdrückt!“

Einige Stimmen unterstützen lautstark seine Meinung, und Leda musste sich Verhör verschaffen, bevor sie argumentierte: „Es sind nun mal nur Keuschheitsgürtel für Kerle da. Dafür kann ich auch nichts. Meine Entscheidung ist gefallen!“ Murren war zu hören, aber niemand wagte offen, der Königin zu widersprechen. Honos meldete sich mit erhobener Hand. „Majestät, ich hörte, es seien 53 Gürtel da. Wir sind aber 56 Männer.“ Die Besatzung wurde hellhörig. Schon riefen die Stimmen wieder durcheinander. Jeder hatte gute Gründe vorzubringen, dass er keinen KG tragen konnte.

Endlich wurde Leda der Wirrwarr zu bunt, und sie verschwand in ihrer Kajüte, um sich mit ihren Beratern zurückzuziehen. Aber selbst unter den Ratgebern wurde man sich nicht einig, denn bei fünf Männern wollte natürlich jeder zu den drei auserwählten „Freien“ gehören. Doch Leda hatte genug von der Streiterei. „Mein Majordomus Honos bleibt frei.“ Ein Raunen ging durch die Runde. Jetzt waren nur noch zwei „Freie“ übrig. „Und mein Schmied Tartaros ebenfalls.“ Noch ein Raunen. Die Anspannung wuchs ins Unermessliche.

Also würde nur ein einziges Mitglied dieses Kreises keinen KG erhalten? Oder? Leda meinte: „Der Dritte wird einer von euch sein.“ Jetzt begann wieder wildes eifriges Durcheinander. Wen würde Leda erwählen? Die Gesichter der Gewandeten hingen an den Lippen ihrer Regentin. Und dann kamen die Worte aus ihrem Mund: „Ich entscheide mich für Sigurd.“ Eifersüchtige Blicke trafen den hübschen Mann, der Ledas Hand mit einer Verbeugung küsste und sich für ihr Vertrauen bedankte. „Und jetzt organisiert die Ausgabe und kontrolliert die Schlösser. Tartaros soll die Schlüssel persönlich in Empfang nehmen und mir übergeben.“ Die vier Ratgeber waren darüber pikiert, dass die Regentin sie in Keuschheitsgürtel stecken lassen wollte. Sigurd dagegen strahlte über das ganze Gesicht und schmeichelte ihr: „Ihr habt weise entschieden, meine Königin.“ Dieser ekelhafte Schleimer, dachte Thrym und wünschte Sigurd die Pest an den Hals.

Dione und Venus entwickelten sich immer mehr zu Tyranninnen. Lykos wurde wie ein gewöhnlicher Sklave behandelt. Der ehemalige Hauptmann fragte sich, ob es nicht besser wäre, wegzulaufen. Aber wohin? Das Matriarchat der Pluta war überall. Er musste sich damit abfinden. Er war Teil des Ganzen und hatte leider das falsche Geschlecht. Und bisher hatte Venus ihn regelmäßig aufgeschlossen, um mit ihm das Bett zu teilen. Doch würde sie es zukünftig auch noch tun, wenn erst mehrere Sklaven im Haus wären? Vielleicht kaufte Venus sich einen Liebesdiener. Dann wäre Lykos überflüssig…

Doch über ungelegte Eier sollte er sich keine Gedanken machen, machte er sich Mut. „Das nennst du sauber machen?“, hörte er Diones Stimme die Stille zerreißen. Lykos sah um die Ecke und erkannte Dione, wie sie über ein Regalbrett strich und Staub von ihren Fingern pustete. „Das setzt eine Tracht Prügel!“, drohte sie. Lykos hob abwehrend die Hände. „Verzeiht mir, Herrin. Das muss ich übersehen haben…“ Dione schnaubte ungehalten und stolzierte aus dem Raum. Sie würde sein Fehlverhalten ihrer Tochter erzählen, die dann das Strafmaß zu bestimmen hatte. Vielleicht würde sich Venus ja umstimmen lassen. Wahrscheinlicher war allerdings, dass Venus ihrer Mutter gefallen wollte.

Am Spätnachmittag, als Venus von einem Ritt nach Hause kam, berichtete Dione ihr von Lykos Schlamperei. „Ich werde jetzt zum Markt fahren und nach einem zusätzlichen Sklaven fragen. Lykos alleine scheint ja überfordert zu sein.“ Lykos sah Venus bittend an. „Es tut mir leid, doch das Haus ist einfach zu groß für eine Person. Wie soll ich alles putzen?“ Venus streichelte ihm über das Haupt. „Ich verstehe das. Mutter bringt eine Hilfe mit. Aber du musst auch begreifen, dass ich deine Faulheit nicht durchgehen lassen kann.“ Lykos ächzte. „Faulheit? Ich schufte bei euch zwölf und mehr Stunden am Tag.“

Venus hob eine Augenbraue. „Du beugst dich jetzt vor und erhältst zehn Hiebe auf dein nacktes Gesäß.“ Lykos sah sie entrüstet an. „Aber…. Könnt Ihr nicht Eurer Mutter einfach sagen, dass ich die Schläge erhalten habe?“ Venus lächelte milde über seine Naivität. „Sie wird die Striemen sehen wollen.“ Lykos seufzte. „Also gibt es keine andere Möglichkeit?“ Venus bedauerte: „Leider nicht. Es tut mit im Herzen weh, dich leiden zu sehen, aber leider, leider…“ Lykos drehte sich weg, beugte sich vor und hob seinen Lendenschurz. Er biss auf die Zähne.

Jammern würde sie ihn nicht hören! Nein, auf keinen Fall würde er ihr diese Genugtuung geben! Venus schmunzelte vergnügt, als sie mit einem dünnen Holzstock zuschlug, dass es nur so klatschte. „Eins“, zählte sie. Lykos hüpfte ein wenig in die Luft, als der kräftige Treffer seine Backen zum Glühen brachte. „Zwei“, rief Venus und holte schon erneut aus. „Drei“, sagte sie. Lykos schnaubte und presste seine Lippen fest zusammen. Hoffentlich hielt er alle zehn stumm aus! „Vier“, rief Venus und schien mit aller Kraft geschlagen zu haben. Dieses gemeine Früchtchen, ärgerte sich Lykos. So kräftig muss sie doch nicht schlagen! „Fünf“, sagte Venus an und machte eine kleine Pause, in der sie über die gestriemten Backen strich. „Hui! Dieser Stock hat es in sich. Er beißt sich in dein Sitzfleisch, als hätte er Reißzähne!“ Lykos sagte mit zittriger Stimme: „Dann schlag doch einfach nicht so feste!“ Venus lachte zu seiner Empörung. „Na hör mal. Es soll eine Strafe sein! Keine Belohnung!“ „Sechs“, lachte Venus und hieb zu.

Lykos biss die Zähne zusammen und grunzte. Seine Kehrseite brannte wie Feuer. „Sieben“, sagte Venus vergnügt. Dem Hauptmann verschwamm der Blick. Hatte er Tränen in den Augen? Nein, sagte er sich, ein Mann weint nicht! „Acht“, hörte er dumpf wie durch Watte. „Neun“, vernahm er, als stehe Venus weit weg und rief es zu ihm herüber. „Zehn“, sagte sie und legte den Züchtigungsstock zur Seite. Lykos blieb in seiner Position, als sei er zur Salzsäule erstarrt. „Komm schon, leg dich hin, ich massiere dir Heilsalbe auf deinen Hintern“, sagte sie zu ihm und führte ihn auf ihr Bett. Venus versorgte die Wunden liebevoll und öffnete auch Lykos Keuschheitsgürtel.

Der Hauptmann wunderte sich über sich selbst, dass er nun Lust verspürte. Aber neben dem Brennen auf seiner Rückseite, bemerkte er zugleich ein feuriges Verlangen auf seiner Vorderseite. „Leg dich auf den Rücken“, forderte Venus und stieg auf ihren „Hengst“. Lykos verzog sein Gesicht. Die frischen Striemen brannten, als sitze er mit seinem Arsch in einem Becken mit glühenden Kohlen. Aber seine Männlichkeit forderte auch ihr intensives Bedürfnis ein. Die junge Dame hob ihr Kleid und mehrere Unterschichten Stoff, um den Liebesstab eintauchen zu lassen.

Venus ritt vorsichtig und langsam, um seine Backen zu schonen. Ihre weibliche Hüfte bewegte sich in einer harmonischen Drehung nach vorn und hinten. Diese heißen Lenden ließen sie und Lykos gleichzeitig stöhnen. Je feuchter die junge Frau wurde, desto wilder wurde ihr Ritt allerdings. Lykos schwebte zwischen Schmerz und Lust. Seine Hände griffen unter das bauschige Spitzenkleid, öffnete Knöpfe und streichelten die zarten Oberschenkel der Lady. Bald keuchte Venus wohlig auf und griff Lykos an die Brust wie eine Raubkatze, hinterließ dort vier dünne rote Striche. Und auch Lykos erreichte den Gipfel des Verlangens und ergoss sich in die hübsche Herrin. Das junge Paar lag sich in den Armen und küsste sich. Im Augenblick bestand die ganze Welt nur aus ihnen und ihrer Liebe.

Dann hörten sie die Tür des Hauses knarren. „Mutter ist zurück!“, flüsterte Venus aufgeregt und sprang von Lykos hinab. „Schnell, schließ dir den Keuschheitsgürtel um!“ Die junge Frau beeilte sich, ihr Kleid zuzuknöpfen und ihr Haar in Ordnung zu bringen. Kein Weilchen zu spät war Lykos in die Küche gelaufen, um das Abendessen vorzubereiten, während Venus sich ihrer Mutter unschuldig an den Hals warf: „Da bist du ja wieder.“ Dann bemerkte sie die zweite Person. Sie sah irritiert zu dem jungen Mann neben Dione, der ein eisernes Halsband und einen Lendenschurz trug. „Und wer ist das?“ Dione präsentierte ihn stolz: „Darf ich dir unseren Sklaven vorstellen? Er war ein Sonderangebot. Er ist nämlich stumm. Vermutlich ist er mal bestraft worden… Da machen die hier ja nicht viel Federlesens. Außerdem trägt der Sklave ein Brandzeichen. Aber das lässt sich überbrennen, hat die Verkäuferin gesagt.“

Venus betrachtete den Neuerwerb: jung, knackig, sogar hübsch. Schlank und doch trainierte Muskeln – wie schön, freute sich Venus. Er kann Lykos ein wenig entlasten. Dann kann ich ihn öfter mal zu einem romantischen Ausritt entführen, wo wir den strengen Augen von Mutter entkommen können. Lykos sah die Ankunft des Sklaven jedoch mit gemischten Gefühlen. Würde Venus wirklich mit ihm die Decke teilen, während der Neue im Haus arbeitete? Oder würde ihr sein schöner Körper besser gefallen?
83. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 26.03.20 18:46


Abas wurde langsam wahnsinnig. So kurz davor war er gewesen, endlich seine Freiheit zu haben, und dann nahm ihm diese blöde Wächterin den Schlüssel zu seinem Keuschheitsgürtel weg! Während sein Mitgefangener jeden Abend im Stroh seinem Vergnügen nachging, musste Abas darben. Längst hatte Vidar alle Scheu verloren, vor dem Königsgemahl seiner Lust zu frönen.

Schier endlose Tage vergingen, da erschien des Nachts die Wächterin und holte Abas aus der Zelle. Würde sie ihn aufschließen? Ihm war es mittlerweile egal, unter welchen Umständen er mit einem Weib das Bett teilte. Auch, wenn es bedeutete, Leda zu betrügen, doch der Druck seines Gemächts war einfach zu groß geworden. Die Soldatin brachte ihn in eine leere Kammer und legte den Riegel vor. Abas erinnerte sich daran, wie er Leda vor so vielen Jahren kennen gelernt hatte – unter ganz ähnlichen Umständen. Auch damals war er von ihr in eine Kammer geführt worden. Würde es auch heute Nacht so ablaufen? Würde er sich vielleicht sogar neu verlieben? Allerdings sah die Wachfrau sehr streng aus. Sie wollte wohl nur ihr Vergnügen. Abas spann seine Gedanken weiter: Ich werde meinen Samen in sie ergießen, auch wenn sie mich lieblos nimmt, denn es ist so dringlich, dass mir jedes Weibstück recht ist.

Ganz andere Sorgen hatte Leda, weit entfernt auf hoher See. Ein Sturm kam auf. Der Westozean war für seine unberechenbaren Wetterumschwünge bekannt und berüchtigt. Einige der Segel wurden gerefft. Alle Ladung auf dem Deck musste gesichert werden. Und wenige Augenblicke später schüttete der Himmel nur so, die Wellen wurden höher und Windböen ließen die Victory Quest erzittern und ächzen.

Leda flüchtete unter Deck. Dabei stieß sie mit Honos zusammen. „Entschuldigt, Eure Majestät“, sagte er und fing die Regentin auf. „Ihr seit ja ganz nass!“ Dem Majordomus durchzuckte ein wohliges Gefühl: Wie lange hatte er keine Dame mehr im Arm gehalten? Und dann gleich die Königin! Er merkte, wie seine Hose im Schritt spannte. Hatte ihn die Berührung bereits so erregt? Leda antwortete: „Ja, ich werde mich umziehen müssen. Sagt einer meiner Zofen Bescheid, sie möge den Zuber mit heißem Wasser füllen und neue Kleider herauslegen.“ „Sehr wohl, Eure Majestät“, verbeugte sich Honos. Leda verschwand in ihrer Kajüte und zog ihren nassen Umhang aus, den sie auswrang. Dann stellte sie ihre Stiefel in die Ecke. Mittlerweile huschte ihre Zofe umher, um den großen Badezuber zu füllen.

Als es endlich so weit war, stieg die Königin in ihr Bad und versenkte ihren nackten Leib in dem heißen Nass. Was für eine Wohltat! Nur hin und wieder sorgte die Schräglage des Schiffes dafür, dass das Badewasser überschwappte und die Bodenplanken wässerte. Leda verwöhnte ihren Körper mit Seife und einem weichen Schwamm. Wie schön es nun wäre, wenn auch Abas hier wäre, sinnierte sie. Plötzlich klopfte es an der Tür und die Zofe schaute hinein: „Wünscht Euer Majestät noch etwas?“ Leda verneinte und rief dann doch: „Ruft mit Sigurd. Ich möchte den neusten Stand über das Unwetter wissen.“ Irgendwie hatte sie ein schlechtes Gewissen. Sie lag hier im Zuber, während draußen der Sturm peitschte und die Männer durchnässte und frösteln ließ.

Sigurd klopfte kurze Zeit später zaghaft und suchte sich einen imaginären Punkt an der Wand, um ihn anzustarren. Seine Königin nackt im Bad – in was für eine Situation hatte die Regentin ihn da nur gebracht!? „Sprecht, können wir unseren Westkurs halten?“, fragte Leda. „Noch fahren wir den bestimmten Kurs, aber lange schaffen wir es nicht mehr. Die Segel sind fast alle eingeholt. Der Sturm und der Seegang werden immer kräftiger.“ Leda grübelte. „So fallt für die Zeit des Unwetters vom Kurs ab, damit das Schiff nicht so bockt.“ Sigurd verbeugte sich. „Sehr wohl, Eure Majestät.“
Er verließ die Kajüte, um dem Steuermann die Anweisung zu überbringen. Leda starrte auf die Oberfläche ihres Bades. Sigurd… Was für ein hübscher Mann. Sie schüttelte den Kopf. Was denke ich da!? Verbotene Früchte schmecken am besten, wusste Leda, aber hatte sie wirklich Appetit bekommen? Aber Abas… War Abas überhaupt noch am Leben? Sie bezweifelte es. Das Leben musste weitergehen. Sie ließ den Berater erneut rufen und näher an den Badekübel treten. „Wisst Ihr, dass Ihr einer Frau den Kopf verdrehen könnt?“, fragte sie ihn mit einem kecken Blick von unten. Der Berater schluckte. „Majestät. Ich… Es ist nicht meine Absicht…“ Leda unterbrach ihn: „So würdet ihr das Angebot einer Lady abschlagen?“ Sigurd antwortete: „Nun, sollte eine wahre Lady mir eine Freundschaft offerieren…“ „Eine wahre Lady“, betonte Leda. Sigurd wagte einen kurzen Blick auf seine Königin. „Dann würde ich mich sehr geehrt fühlen.“ Leda lächelte und streckte ihre Hand aus dem Badewasser. „Wollt ihr mir nicht Eure Folgsamkeit beweisen?“ Sigurd küsste Ledas Hand. „Ich würde dafür sterben.“ Leda sagte: „Haltet Ihr mich für eine wahre Lady?“ Sigurd und Leda trafen sich mit den Augen. „Legt den Riegel vor und steigt zu mir. Ich sehne mich so sehr nach ein wenig Liebe…“

Sigurd verschloss hastig die Kajüte und knöpfte Wams und Hose auf. „Ihr…“ Er zögerte. „Ihr seit sicher, dass…“ Leda beschwichtigte ihn. „Keine Sorge, Sigurd. Es wird unter uns bleiben. Und ich werde es nicht bereuen. Und Ihr, so hoffe ich, auch nicht.“ „Niemals, Majestät“, sagte Sigurd voller Inbrunst und stieg in das königliche Bad. Er tauchte unter, dann fand er sich mit rotem Kopf seiner Königin gegenüber. Ihre Leiber trafen sich, liebkosten sich. Seine Fingerspitzen erkundeten die hochwürdige samtige Haut, die nach den Kräutern des Badewassers duftete. Sigurd spürte die hoheitlichen Haare auf seinem Antlitz, wie Leda den kratzigen Bart des Beraters fühlte. Der Mann genoss den Duft der Königin und wagte es, sie auf ihre Lippen zu küssen. Sein Liebesstab war hart und pochte wild.

Nun erlebte er die feuchten Lippen auf seinem Gesicht, überall, spürte den Druck ihrer weichen und doch festen Brüste an seinem Leib. Ein Schenkel hob sich über seinen. Und dann vereinten sich die beiden Liebenden und versanken in einem Strudel der Leidenschaft. Ledas obsessive Weiblichkeit hatte ihn wie in Ketten geschlagen mit ihr vereint. Wellen der Lust schwappten hoch und überspülten die Badenden.

Plutas Einzug in die Stadt war ein pompöses Fest. Sie saß in ihrer überdimensionierten Sänfte, die mit Blattgold und Edelsteinen übersät war, und schaute hinab auf ihre Untertanen wie eine Göttin. Mehrere große Statuen spiegelten ihr Antlitz. Auf dem Markt stand eine gewaltige Skulptur, die ihrem Körper schmeichelte. Zufrieden nickte die Tyrannin ihrem Ebenbild zu. Mehrere Behausungen hatten den Statuen weichen müssen. Die Menge jubelte ihr zu, ob aus Überzeugung oder um den Schergen der Despotin zu entgehen, konnte niemand gewiss sagen. Geschickt hatten die Senatorinnen treue Soldatinnen in Zivil unter die Menge gestreut, so dass überall die gewünschte Freudenstimmung aufkam.

Die Senatorinnen Kerbera und Alekto empfingen ihre Herrscherin und führten sie in den vorbereiteten Thronsaal, von dem aus sie zukünftig den gesamten Kontinent regieren wollte. Nichts erinnerte mehr an Leda. Dafür hatte die Armee gesorgt. Die auserwählten Untertanen, die als Zeugen die Majestät in den Thronsaal begleiten durften, waren eher sprachlos vor so viel Pomp. Diese gewaltige Sänfte, die von mehreren hundert Sklaven gezogen wurde – so etwas hatten sie nicht einmal zu Megaras Zeiten gesehen. Und der Thron war bombastisch gestaltet und aus den wertvollsten Metallen gefertigt.

Die Centurias Phoibe und Ceres hatten die Ehre, die Ankunft ihrer Monarchin von einer Balustrade des Palastes aus zu beobachten. Ihr Einsatz würde noch kommen, wenn die ehrwürdige Pluta auf ihrem Thron Platz genommen hatte, denn dann sollte die Ehrenwache eine kunstvolle militärische Übung abhalten.

Streng geheim war dagegen das Schicksal der Sklaven, die die Sänfte gezogen und völlig entkräftet endlich die Hauptstadt erreicht hatten. Sie sollten einem Ritual zum Opfer fallen, das sich Pluta ausgedacht hatte. Davon sollten ihre Untertanen eingeschüchtert werden. Denn am Ende des Tages würde Pluta die ausgezehrten Männer in die große Arena jagen lassen. Alekto und Kerbera, einige der wenigen Eingeweihten, hatten die Vorbereitungen für das Spektakel in die Wege geleitet. So war dort eine Plattform aufgestellt worden, die über mehrere Strickleitern in neun Fuß Höhe erreichbar war und eine Kantenlänge von zwei Doppelschritt aufwies.

Die Aufgabe der Männer war nun, diese rettende Ebene zu erklimmen, bevor Pluta ihre Soldatinnen in die Arena schickte. Bei 300 Sklaven würde die rettende Fläche recht eng werden… Wer unten von den Soldatinnen erwischt wurde, sollte sein Leben in den Minen des Reiches aushauchen; wer jedoch die Bühne erreichte – und oben blieb – sollte die Freiheit geschenkt bekommen.

Doch zunächst genoss Pluta ihren Einzug in ihr neues/altes Reich. Nur schade, dass Leda ihnen durch die Lappen gegangen war. Vermutlich würde sie ihren verdienten Tod in den tosenden Wellen des Westozeans finden… Pluta hatte ihren großen Auftritt: Unter Jubel und Geschrei der Menge schritt sie die Stufen zum Thron hinauf. Ihr goldener Umhang wurde von sechs ausgewählten Sklaven getragen.

Die Senatorinnen und kommissarischen Stadthalterinnen Alekto und Kerbera begrüßten die Herrscherin mit einem tiefen Knicks und übergaben ihr offiziell die Führung der Amtsgeschäfte. Ein Priester in weißer Kutte hielt die neue Krone bereit und sprach einige salbungsvolle Worte an die Götter. Pluta demonstrierte Desinteresse. Bald würde nur sie persönlich angebetet werden. Und sollten einige Priester ihren Göttern nicht abschwören… nun, so gab es genügend potentielle Nachfolger, die sich ihre Finger danach lecken würden, diese Aufgaben zu übernehmen.

Nach dem königlichen Treueid auf das Land kniete Pluta vor dem Priester nieder. Grimmig duldete sie dieses traditionelle Protokoll, das es seit Jahrhunderten gab. Aber mit gekröntem Haupt stand sie auf und schwor sich, nie wieder vor irgendeinem Menschen oder Gott zu knien. Die Krone war schwerer als ihre alte. Aber dafür war sie mit Edelsteinen gespickt. Pluta würde bald die Steuern drastisch erhöhen müssen. Und wer nicht zahlte, den erwarteten drakonische Strafen. Sicherlich würden einige Damen von nicht adeligem Blute so manche Abstriche von ihrem Luxusleben machen müssen. Aber dafür sollten es die Edelfräuleins aus dem Kreise des Königshauses umso besser haben.

Pluta sah sich im großen Thronsaal um. Alles war nach ihren Anweisungen hergerichtet worden: Der Thron war erhöht worden, Gobelins hingen an den Wänden, eine große kunstfertig verzierte Feuerschale mit heißer Glut bildete den Mittelpunkt eines runden Marmormosaiks. Ein langer roter Teppich führte von ihrem Sitz bis zur Tür. Zwischen den Gobelins hingen gusseiserne Halterungen, in denen die blakende Flammen der Fackeln leuchteten. Eine Schüssel mit Trauben stand links von ihr, doch die süßen Früchte fanden bei der Tyrannin keine Beachtung. Vielmehr hingen ihre Gedanken in der Zukunft.

Schon bald wollte sie verkünden, dass Megara zurückgekehrt war! Jahre, nachdem man sie gestürzt hatte! Sollte sie noch Verantwortliche von damals in die Finger bekommen… Sie malte sich die „schönsten“ und fantasievollsten Folterarten aus. So hatte sie einmal einem ungehorsamen Sklaven sein Gemächt abgeschnürt und ihm dann Wasser eingeflößt. Ein Lächeln huschte über ihr Antlitz, als sie sich an die Schreie und das Wimmern erinnerte. Die Kerkergewölbe würden opulent ausgestattet werden: Kreuze, Käfige, Stangen, Haken, Ringe, Kohlebecken, Liegen, Wasserbecken, Zangen, Flaschenzüge, Würgeschrauben, Hölzernes Pony und so vieles mehr. Es würde das Paradies werden, schwärmte sie, zumindest für sadistische Wärterinnen.

Da störte sie eine Duxa, die mit ihrer prachtvollen Uniform klappernd in den Thronsaal stürmte. Mit einer eleganten Verbeugung sagte sie: „Majestät! Es gibt Neuigkeiten aus dem Westen.“ „Sprich, Helena“, forderte Pluta. Die Soldatin berichtete, dass ihre Truppen ein Fischerdorf niedergebrannt haben, „dass die Flucht der Leda und ihrer Loyalisten erst möglich gemacht hat. Außerdem hatten diese Männer die Victory Quest gestohlen.“ Plutas Finger krampften sich um die mit Samt beschlagene Armlehne des Throns. „Kerkert die Frauen ein, bis sie mir den Treueid schwören.“ Helena nickte und fragte mit lauerndem Blick: „Und die Männer, Majestät?“ In Plutas Antlitz erblühte ein grausames Lächeln. „Schafft sie zu den 300 Sänftensklaven in die Arena. Ich will doch mal sehen, ob diese Fischer heute Abend auch noch so tapfer und mutig sind.“ Sie würde gerne zukünftig auf das Pfahlgeld der Seeleute verzichten, wenn sie dafür ihre verdiente Strafe erhielten.

In einem Nebenflügel der Residenz zogen sich Ceres und Phoibe um. Für heute Abend durften sie ohne Uniform in zivil zu dem angekündigten Spektakel gehen. Sie genossen die hübschen Kleider und berieten sich gegenseitig vor dem Spiegel. „Hast du diesen netten Diener mit den braunen Locken und den blauen Augen beobachtet, der uns zu unseren Gemächern geführt hat? Er hatte nur Augen für dich“, sagte Ceres. Phoibe hob zweifelnd die Augenbrauen. „Und woher willst du das wissen?“ Ceres lachte. „Wetten, du brauchst ihm nur eine dezente Andeutung zu machen, und schon läuft er dir hinterher wie ein Hündchen? Du sehnst dich doch gewiss mittlerweile nach einem Recken in deinem Bette?“ Phoibe raunte ihr zu: „Ceres! So etwas darf eine wohlerzogene Dame nicht einmal denken! Allerdings… jetzt, wo du es sagst…“

Ceres seufzte: „Ich könnte heute Nacht gut meinen Liebessklaven Aphron gebrauchen. Warum haben wir unsere Sklaven nur zu Hause gelassen?“ Phoibe: „Tja, als Soldatin geziemt sich so etwas eben nicht. Und jemand muss ja auf unsere Besitzungen aufpassen.“ Ceres sinnierte laut: „Ob Aphron sich auch so nach mir sehnt, wie ich mich nach ihm?“ Phoibe lächelte scheinheilig. „Gewisslich. Aber nicht so, wie sich Nereus nach mir sehnt!“ Ceres gab einen abschätzigen Laut von sich. „Pfff, das glaubst auch nur du!“ Phoibe sagte mit selbstbewusst vorgeschobener Brust: „Nein, ich weiß es.“ Ceres betrachtete sie fragend. „Ach ja? Und Woher kommt deine Weisheit?“ Phoibe grinste. „Weil mein Nereus einen Keuschheitsgürtel trägt.“ Sie kicherte. Ceres schmunzelte und boxte ihrer Freundin an die Schulter. „Ach, deshalb. Vielleicht hätte ich Aphron auch einsperren sollen…“ Phoibe neckte ihre Freundin. „Zu spät! Vielleicht vergnügt er sich gerade in diesem Moment mit der Magd.“ Ceres meinte verschnupft: „Hör auf! Nein, das glaube ich nicht. Ein Sklave hat sich den Anweisungen einer Frau unterzuordnen. Auch, wenn es nur eine Magd ist. Und die wird genügend Anstand haben, um...“ Phoibe unterbrach: „Ich wollte dich ja auch nur aufziehen. Hey, wie wäre es, wenn du dir diesen schnuckeligen Diener schnappst, und ich werde mich auch nach Frischfleisch umsehen. In der Hauptstadt von Plutas Reich sollte es keinen Mangel an Jünglingen geben, oder?“ Die Damen kicherten wie kleine Mädchen und waren sich sicher: Nach dem Spektakel in der Arena würden sie sich ein süßes Betthupferl gönnen.

Hunderte Meilen weiter ostwärts litt Nereus an seiner erzwungenen Keuschheit. Seit seine Herrin in den Krieg gezogen war, blieb sein Keuschheitsgürtel geschlossen. Und wer wusste schon, ob Phoibe jemals wiederkehrte? Aphron war als ausgebildeter Liebessklave zwar seiner Ceres treu ergeben, aber seine Finger sorgten des Nachts doch in regelmäßigen Abständen dafür, dass seine Männlichkeit ihn nicht zu sehr drückte und zwickte. Vor zwei Wochen war es zu einer Ausnahme gekommen: Eine Sklavenausbilderin von Flagella war gekommen, um sich nach Ceres und Phoibe zu erkundigen. Die Magd hatte leider keine Nachrichten von der Front, doch lud sie die Frau zu einer Tasse Mokka ein. Als die Damen so da saßen, war dem Gast der Liebessklave Aphron aufgefallen. „Sieh mal an! Aphron! Du stammst doch aus unserer Zucht!“

Sie fragte die Magd, ob die Besitzerin wohl etwas dagegen hätte, wenn sie seine Fertigkeiten überprüfe, und die Magd zuckte gleichgültig mit den Schultern. So geschah es, dass sich die Ausbilderin mit Aphron in eine stille Kammer zurückzog und ausgiebig seine Künste genoss…

Die Magd war zuvor ein wenig unsicher geworden, als Aphron sie mit flehenden Augen angesehen hatte, aber hatte sich nichts weiter dabei gedacht. Aphron hatte gleich aus zwei Gründen Angst gehabt vor dem Beischlaf. Zum einen war er erzogen worden, Ceres die Treue zu halten, und ein Bruch dieses Eides führte bei ihm zu schwersten Vorwürfen und intensiven Gewissensbissen. Zum anderen wusste er, dass Ausbilderinnen aus dem Stall der Flagella nicht zimperlich waren, wenn sie einen Liebessklaven benutzten – und ausbildeten.

Am folgenden Tag hatte Nereus noch Salz in Aphrons Wunden gestreut: „Jetzt bist du Ceres wahrlich untreu geworden! Wie willst du ihr diese Schande jemals erklären? Deine Scham muss unbändig groß sein! Willst du deinem Leben nun ein Ende setzen? Ich möchte nicht in deiner Haut stecken.“ Nereus, dessen unbefriedigte Männlichkeit sich irgendein Ventil suchen musste, wurde so zu einem piesackenden und gemeinen Bösling, der seinen Gefährten hänselte und Vergnügen daran fand.

Doch bald drehte sich das Blatt, als Aphron klar wurde, dass er keine Wahl gehabt hatte. Und außerdem konnte er seine Lust jede Nacht ins Stroh ergießen, während Nereus schmachtete und auf die Rückkehr von Phoibe warten musste. Seit diesem Tag revanchierte sich Aphron bei Nereus und hatte eine spitzbübische Freude daran, dem Eingeschlossenen seine Zwangslage zu verdeutlichen. Manchmal grunzte und stöhnte er besonders laut, wenn er seinen Luststab leerte, um den Kameraden zu ärgern und zu quälen.
84. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von AlfvM am 28.03.20 20:27

Tolle Geschichte mach bitte weiter und gesund bleiben
85. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von sheeeep am 29.03.20 21:25

Ich schliesse mich dem Lob und den Gesundheitswünschen an !!!!!
86. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 30.03.20 18:03

@ AlfvM und sheeeep:

Vielen Dank. Ich wünsche auch allen Leserinnen und Lesern alles Gute.
87. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 04.04.20 18:18

Das große Spektakel in der Arena war ein voller Erfolg. Die eingeladenen Gäste vergnügten sich köstlich und naschten während der Aufführung von einem opulenten Büfett aus Braten, Gemüse, Datteln, Küchlein und vielem mehr. Auch Wetten schlossen die Edelfräuleins untereinander ab. Immer wieder hörte man eine verzweifelte piepsige Stimme: „Jetzt ist er runtergeschubst worden! Was mache ich denn jetzt? Wenn er gefangen wird, muss ich Roidus einen Kuss geben! Stellt euch das vor! Worauf habe ich mich nur eingelassen?“ Und schon leerte sie in einem Zug einen Kristallbecher voll Wein, um sich Mut anzutrinken. Kichernd warf sie den Becher in die Arena. „Du dummer Sklave! Deinetwegen habe ich meine Wette verloren!“

Eine andere Lady kreischte auf vor Begeisterung, als der von ihr favorisierte Sklave auf die Plattform krabbelte und gleich zwei Männer mit Hieben und Tritten in die Tiefe beförderte, wo er in die Menge von Dutzenden anderer Sklaven fiel und irgendwo unter ihnen versank. Jeder versuchte hinaufzugelangen und schlug und biss um sich, um sich der Konkurrenz zu erwehren.

Pluta saß eingerahmt von Alekto und Kerbera in der königlichen Loge und verfolgte das Spiel mit kühler Grazie. Auf ihren lässigen Wink hin traten mehr und mehr Soldatinnen in die Arena und fingen Sklaven mit Netzen und Schlingen aus der Menge der verzweifelt kämpfenden und splitternackten Männer heraus. „Woaah“, rief eine junge Lady und sprang enthusiastisch auf. Sie zeigte in die Menge der Sklaven: „Hast du das gesehen? Der hat den an den Eiern wieder runter gezogen!“ Während fünf ihrer Freundinnen kicherten, saß eine ältere Dame indigniert über die Wortwahl kerzengerade in ihrem Sitz. Natürlich hatte sie die Szene auch gesehen und sich darüber amüsiert, doch sagte man so etwas öffentlich? Eier? Sie kämpfte darum, ihre Contenance nicht zu wahren.

Drei andere Frauen riefen im Chor: „Komm schon! Komm schon! Komm schon!“ Sie feuerten ihren Günstling an, der verbissen darum kämpfte, die letzte Elle bis zur Plattform zu klettern, während an seinen Beinen zwei Konkurrenten hingen. Von oben wollte ihm ein anderer Mann den Aufstieg ebenfalls blockieren und drückte ihm gegen Kopf und rechter Schulter, aber in diesem Moment erhielt dieser von hinten einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten, so dass er kopfüber von der Bühne flog und einen jaulenden Laut von sich gab. Die Frauen jubelten. „Hat der den zwischen den Beinen erwischt?“, fragte die eine amüsiert. Die Lady neben ihr kicherte: „Meinst du? Das wäre ja prima!“

Eine Dritte stand auf und beschattete ihre Augen mit der flachen Hand: „Ich glaube, der liegt da unten. Also, der ist weich auf die anderen Kerle gefallen, aber windet sich immer noch auf dem Boden. Den hatte der Recke wohl voll mitten in die Glocken erwischt!“ „Am liebsten würde ich meinen Schützling selbst behalten“, schwärmte ein Edelfräulein. „Der ist so süß!“ Die blonde Freundin stieß ihr in die Rippen. „Du meinst wohl seinen Knackarsch. Den würde ich gern mal rot striemen.“ „Und gut bestückt ist er auch“, rief eine frivole brünette Dame hinter ihnen, die dem Wein bereits reichlich zugesagt hatte.

Immer wieder wechselten die Sklaven auf der Bühne. Nur wenige von ihnen konnten sich verbissen die gesamte Zeit über oben halten. Nach und nach kassierten die Soldatinnen mehr und mehr Teilnehmer aus der Arena. Die Reaktionen der Männer waren dabei ganz unterschiedlich. Manche wüteten noch in den Händen der Soldatinnen, manche heulten und weinten über ihr Schicksal, manche flehten und bettelten. Doch letztlich blieben nur vier der anfangs großen Schar übrig. Keiner von ihnen wagte mehr einen Angriff auf einen Konkurrenten, um nicht selbst noch herabgestoßen zu werden.

Schließlich kürte Pluta diese vier Übriggebliebenen zu Siegern. Sie fielen vor Dankbarkeit und Erschöpfung auf die Knie. Einer der Sklaven weinte hemmungslos, ein anderer dankte immer wieder den Göttern und blickte hoch in den Himmel, der dritte konnte sein Glück kaum fassen und schüttelte nur ungläubig den Kopf und hielt sich die Hände vors Gesicht. Der Vierte sonnte sich im Jubel der Sitzreihen und grüßte selbstbewusst die Menge wie ein Volksheld. Es war der knackige Jüngling, den die jungen Ladys favorisiert hatten.

Nach dem großen Wettkampf traten diverse Gaukler auf: ein Fakir, eine kleine Akrobatengruppe, ein Taschenspieler und ein Feuer- und Schwertschlucker. Pluta hatte die Arena bereits verlassen und sich in ihre Gemächer zurückgezogen. Das bunte Spektakel interessierte sie nicht. Lieber ergötzte sie sich an einem nackten Jüngling, der nach Lavendel duftete und ihr zwischen ihren Laken süße Wonne schenkte.

Zu einem dunklen Flur öffnete sich mit einem Knall eine zweiflügelige Tür: Eingerahmt von der Palastwache marschierten die vier Sieger des Abends in Ketten zum Ende des Korridors. Dort standen zwei weitere Soldatinnen an einer hohen Tür, neben der auf jeder Seite eine große Fackel brannte. Eine der beiden Frauen meldete den kleinen Trupp an, dann marschierte die Wache mit dem Quartett hinein. Senatorin Kerbera stand in ihrem geschmückten Gewand vor ihnen und ließ ihre Blicke über die Männer gleiten.

Sie zeigte auf einen von ihnen, worauf die Wache mit den drei anderen Sklaven den Raum wieder verließ. Dem Sklaven waren mit Ketten die Handgelenke auf den Rücken gefesselt und durch eine kurze weitere Kette an seinem eisernen Halsband befestigt, so dass seine Hände zwischen die Schulterblätter gezogen wurden. Seine Kurzatmigkeit zeugte von der drückenden Haltung. Zusätzlich trug er Fußschellen mit einer so kurzen Kette, dass er nur zu Trippelschritten fähig war. Kerbera sah ihn grinsend an. „Herzlichen Glückwunsch zu deiner Auswahl! Du wirst mein Liebesdiener werden. Dir wird an nichts mangeln.“

Der Mann öffnete den Mund. Sollte er ungefragt sprechen? Er wagte es nicht. Wieso sollte er Liebesdiener dieser hohen Frau werden? Ihm war die Freiheit versprochen worden! „Wie heißt du, Bursche?“ wollte sie mit strenger Stimme wissen. „Mein Name ist Cain. Aber…“ Kerbera kam näher und griff schamlos nach seinem Geschlecht. „Du bist… saftig und schön.“ Cain stotterte: „Was wird mit den anderen…“ Kerbera schmunzelte, leckte über ihre Finger und rieb sie über Cains Männlichkeit, die langsam wuchs. „Meinst du die Verlierer oder die Gewinner?“ Cain stotterte: „B…beide.“ Kerbera hob eine Augenbraue. „Die Versager werden ihre Schuld in den Minen der Herrscherin abarbeiten. Und deine drei Kameraden erhalten die Freiheit.“ Cain wagte alles: „Und warum ich nicht? Was unterscheidet mich von ihnen?“ Kerbera kam noch näher und strich dem nackten Sklaven über die kräftige Brust und den flachen Bauch. Er spürte ihren warmen Atem, der nach Minze roch. „Du gefällst mir eben. Und was ich haben will, das nehme ich mir.“

Sie ließ ihn stehen. „Man wird dich baden. Dann bringt man dich zurück zu mir.“ Mit einem Wink erschien aus der Dunkelheit eine uniformierte Soldatin und griff Cain grob an der Kette am Rücken und führte ihn hinaus. Die Frau in dem Lederwams flüsterte ihm zu: „Ich gebe dir einen guten Rat. Sei ein wenig fröhlicher, wenn du zurückkommst. Oder Kerbera wird dir Manieren beibringen.“ Der Sklave wurde durch verschiedene Gänge und eine Treppe hinab geführt. Dann fand er sich plötzlich in einem Raum wieder, in dem ein großes steinernes Becken mit Wasser eingelassen war. Boden und Wände waren mit Mosaiken bedeckt. Drei Frauen in einfachen Gewändern schienen schon auf ihn zu warten. Sie waren mit Bürsten, Schwämmen und Lappen „bewaffnet“. Die Soldatin befahl Cain, in das Becken zu steigen. Dort verband sie seine Rückenkette mit einer anderen Fessel, die am Boden des Beckens verbunden war. Nun fixierte die Frau den Sklaven so, dass er gerade noch Luft bekam. Dazu musste er seinen Kopf etwas anheben, um kein Wasser zu schlucken. Sein Körper war waagerecht untergetaucht und an den Fußfesseln ebenfalls am Beckenrand befestigt.

Die Frauen kamen auf ihn zu und begannen, ihn zu waschen und zu schrubben. Als sie sich auch an seine Männlichkeit wagten, wollte Cain protestieren, aber sofort schluckte er Wasser und musste husten. Das Frauentrio kicherte und setzte ihre wilde Säuberungsaktion fort. Besonders sein Gemächt hatte es ihnen angetan. Als alles sauber war, spielten sie daran herum, bis Cain fast das Gefühl hatte, sein Samen würde verströmen.

Aber im letzten Moment hörten sie auf und riefen nach der Wache, die ihn aus dem Becken erlöste. Mit mehreren Handtüchern trockneten die Frauen den Sklaven ab und sorgten mit geschickten Händen dafür, dass er ja nichts an Größe vor seinen Lenden einbüßte. Die Soldatin, die ihn nun den Weg zurück zu Kerbera brachte, grinste vor sich hin. Cain starrte auf seinen großen steifen Luststab. Würde das die Senatorin eher erfreuen oder erzürnen? Es war so demütigend, in dieser Situation durch die Flure gezerrt zu werden, und zugleich spürte er die Hitze in seinen Lenden wie selten zuvor.

Leda hielt sich unter Deck an einem Balken fest, denn die „Victory Quest“ rollte und stampfte wie verrückt. Die Schräglage nach Backbord war manchmal so heftig, dass alles, was nicht festgezurrt war, durch die Decks raste, polterte und schepperte. Draußen wüteten Orkanböen. Turmhohe Gischt jagte über Bord. Schäumende Wirbel entstanden, als Seewasser durch die Speigatten floss und das Deck überflutete. Eine rauchende Öllampe, die an einem Hanfseil an der Decke aufgehängt war, baumelte hin und her. Hoffentlich war der Sturm bald vorüber, betete Leda zu den Göttern der Meere. Doch bisher hatte sie niemand erhört.

Am liebsten wäre sie jetzt in den starken Armen von Sigurd. Und gleichzeitig machte sich ein schlechtes Gewissen bemerkbar. Wie konnte sie an Bord ihres Schiffes so frevelhaftes tun? Erstens hatte sie keinen Beweis für Abas Tod. Und zweitens sollte doch gerade tändelnde Unzucht vermieden werden. Aber es war so schön gewesen, und der Wille war zwar da, aber das Fleisch war schwach. Hoffentlich hatte niemand etwas bemerkt. Und hoffentlich hatte Sigurd mit seiner Eroberung nicht an Deck geprahlt.

Nein, das würde er nicht tun, war sich die Königin sicher, obwohl ihr ein wenig blümerant bei dem Gedanken war. Sie legte sich in ihre Koje und versuchte zu schlafen, aber der Sturm ließ sie von einer Seite auf die andere rollen. Und ihre Gedanken kreisten um die schönen süßen Momente mit Sigurd. In ihren Träumen schließlich wurde es noch leidenschaftlicher und ließ sie alle Bedenken wegen Abas über Bord werfen.

Am nächsten Morgen wachte Leda gemach aus einem tiefen Schlaf auf. Irgendwann war sie wohl trotz des Knarrens und Rauschens, Rollens und Erzitterns des Rumpfs eingeschlafen. Das Schiff lag nun völlig ruhig. Sie wusch sich und zog sich frische Kleidung an, dann stieg sie an Deck. Das Unwetter hatte zahlreiche Segel, Spieren und einen Teil der Takelage zerstört, aber einige Männer waren bereits unter Anleitung des Zimmermanns dabei, alles zu reparieren.

Leda sah auf die spiegelglatte See. Hoffentlich folgte nun nach dem Gewitter keine Flaute. Ewig würde das Trinkwasser nicht reichen. Honos kam mit einer Sorgenmiene zu ihr aufs Achterdeck und berichtete: „Majestät, ich habe leider zwei Vermisste zu vermelden.“ Leda erschrak. Sie wusste, was „vermisst“ hieße. Honos setzte seine Ausführungen fort: „Fünf Soldaten haben leichte Verletzungen abbekommen, aber der Medikus kümmert sich bereits um sie. Doch zwei Männer werden vermisst.“ Leda sah ihn fragend an. „Wer?“ Honos: „Nun, einer der Knechte und einer Eurer Berater.“ Leda starrte ihren Majordomus an. „Sagt schon, wer es ist!“ Honos schluckte schwer. „Es ist Sigurd, Majestät. Es tut mir leid.“

Leda spürte, wie diese Nachricht glühend heiß wie ein frisch geschmiedetes Schwert durch ihren Körper fuhr. Sigurd… tot… Dann wurde es schwarz um sie. Dumpf hörte sie noch Honos Stimme: „Schnell, holt den Medikus!“ Er hatte die Königin aufgefangen, bevor sie auf die Planken geknallt wäre. Später in ihrer Kajüte liefen Leda Tränen über ihr hübsches Gesicht. Der Strom wollte kein Ende nehmen. Warum Sigurd? Warum ausgerechnet er? Wie konnte er nur in den Fluten versinken? Wie konnten die Schicksalsweber so grausam sein?

Als der erste Schock überwunden war, runzelte sie ihre Stirn: „Sigurd? Aber die Berater waren doch während des Sturms nicht an Deck. Wieso ist er über Bord gefallen? Was hat er da oben gemacht?“ Sie murmelte noch eine Weile weiter und grübelte darüber nach, aber ihr fiel keine Erklärung ein.

An Deck sprachen der Schmied Tartaros und Honos miteinander. „Wenn Leda nun auf die Idee kommt, uns auch noch in Keuschheitsgürtel zu sperren, werde ich meutern“, meinte der Schmied grinsend und in scherzendem Tonfall. Doch Honos war sich nicht sicher, ob nicht ein Funke Ernsthaftigkeit darin lag. Aber vorläufig waren alle Keuschheitsgürtel in Gebrauch. Der vermisste Knecht hatte seinen „Lendenkerker“ ja mitgenommen zu den Fischen.

Weit entfernt auf dem Land in einem dunklen Kerker schepperte die Gittertür: Vidar wurde des Nachts aus der Zelle geholt und sah mit einem seltsamen Blick zurück zu seinem Gefährten. Die Wächterin gab ihm ein Bündel mit neuer Kleidung. Dann verschwanden sie. Einige Minuten später kam die Frau zurück und stellte sich breitbeinig vor das Gitter. Sie grinste Abas schmierig an: „Dein Freund hat seine Freiheit zurück. Du wirst ihn nicht wieder sehen.“ Abas sah die Wachfrau an. Was hatte das zu bedeuten? Wieso war Vidar frei? Der Königsgemahl erinnerte sich noch an die Nacht, die er in der kleinen Kammer mit dieser Wächterin erlebt hatte. Diese Hexe hatte es geschafft, ihm seine letzte Würde zu nehmen.

Sein Keuschheitsgürtel war geschlossen geblieben. Stattdessen hatte die Frau ihn aufgefordert… Nein! Er konnte nicht daran denken! Er musste vor ihr knien und ihre verschwitzte Weiblichkeit mit der Zunge verwöhnen. Welche Schmach für den Gatten einer Königin! Lachend hatte sie ihn zurück in den Kerker gebracht. Sollte er irgendwie an ihren Dolch kommen, so würde er ihr nächstes Mal die Kehle durchschneiden, egal, was er dafür bezahlen musste! Doch die Frau schien ihr Interesse an ihm verloren zu haben. Sie grinste nur im Schein der flackernden Fackel, in dem ihre Blatternarben auf der Wange zu sehen waren. „Gute Nacht, mein Kleiner. Du wirst mir viele Goldmünzen einbringen.“ Dann ging sie. Wäre sie nicht so männerverachtend, sie wäre trotz ihrer Narben eine hübsche Frau. Abas rätselte noch eine Weile über ihre orakelhaften Worte, doch dann nickte er auf seinem stinkenden Strohbett in der Dunkelheit des nassen Gewölbes wieder ein. In seinen Träumen hielt er seine Leda in den Armen. Sie liebten sich in einem goldbeschlagenen Bett, während draußen die Sonne durch den weißen Seiden-Vorhang schien und ein frischer Luftzug wehte.

Die Wachfrau eilte derweil die Treppen der Festung hinauf und verlangte zu einer Senatorin vorgelassen zu werden. Eine Centuria verschränkte die Arme vor der Brust und antwortete barsch: „Was glaubst du, wer du bist!?“ Die Frau grinste sie frech an. „Ich bin eine einfache Wächterin des herrschaftlichen Kerkers. Aber ich habe eine wichtige Neuigkeit für Pluta. Wenn du mich nicht vorlässt, wird dich das deinen Kopf kosten.“

Die Centuria wurde unsicher. „Ach ja? Und was ist das gar so Wichtiges? Sprich!“ Die Wächterin schüttelte den Kopf. „Diese Nachricht ist nur für die Ohren der Senatorinnen oder der Herrscherin bestimmt.“ Die Centuria schnaubte wütend. „Sollte deine treffliche Nachricht nicht unabdingbar genug sein… glaube mir, dann rollt DEIN Kopf!“

Sie marschierte in einen Raum und meldete die Wächterin einer Duxa namens Helena. Hier wiederholte sich der Vorgang. Auch die Duxa wollte wissen, was für ein Begehr es sei, das die Wächterin so sicher machte, doch selbst vor der hohen Militärangehörigen blieb die Wächterin verschwiegen und selbstsicher. Sie wusste, was für ein Risiko sie einging. Sollten die Senatorinnen die Nachricht für nicht kostbar genug halten, würde sie die Störung sie auf direktem Wege an den Galgen oder Richtblock bringen. Ihr unverschämtes Auftreten brachte sie wahrlich in Lebensgefahr.

Als sie endlich in eine Halle gebracht wurde, die ansonsten nur exklusiven Gästen des Palastes und ausgewählten Adelsangehörigen vorenthalten war, hatte sie das Gefühl, gewonnen zu haben. Und in der Tat: Bald schon standen sogar beide Senatorinnen vor ihr und sahen sie erwartungsvoll an. Die Wächterin verbeugte sich lächelnd und sagte: „Euer Hochwürden, ich habe die große Ehre, den Königsgemahl der Leda zu präsentieren. Er befindet sich im herrschaftlichen Palast. Und zwar... in meiner Zelle.“

Kerbera und Alekto sahen sich zweifelnd an. Hatte diese Frau in den dunklen Gemäuern des Kerkers ihren Verstand verloren? Kerbera fragte, fast belustigt: „Wie kommst du darauf?“ Die Wächterin zog einen Gegenstand aus ihrem Gambeson und reichte ihr mit einer weiteren höflichen Verneigung den kleinen Schlüssel. „Was ist das?“, wollte Alekto wissen, obwohl sie es ahnte. „Ist es etwa ein…“ Sie hatte noch böse Erinnerungen an ihre Zeit, in der sie selbst in einen Keuschheitsgürtel gesperrt worden war. „Ja, Euer Hochwürden! Es ist der Schlüssel zu einem Keuschheitsgürtel. Aber nicht zu irgendeinem. Es ist der Schlüssel zum Gemächt des Abas, dem Königsgemahl der Leda!“
88. RE: Das Reich der Megara (Neuauflage)

geschrieben von prallbeutel am 15.04.20 19:29

Kerbera besah sich den kleinen metallenen Gegenstand von allen Seiten und schnaubte abfällig. „Na, und? Ein Schlüssel für einen Keuschheitsgürtel! Was ist daran besonderes? Wie kommst du darauf, dass ausgerechnet Ledas Gatte ihn trägt?“ Die Wächterin deutete auf ein kleines eingraviertes Symbol: das königliche Wappen der Leda. Die Senatorinnen sahen sich an. Alekto fragte lauernd: „Und der Träger dieses Gürtels ist hier im Kerker?“ Die Wächterin verneigte sich erneut servil: „Sehr wohl, Euer Hochwürden. Ich führe Euch hin.“

Die Senatorinnen bekamen vor Aufregung Gänsehaut. Ihr Puls beschleunigte sich. Sollte das wahr sein… Pluta würde sie reich belohnen. Auch die Wachfrau konnte ihre Freude kaum verbergen. Ich bin reich, dachte sie und sah in Gedanken bereits die vielen Golddublonen, die ihr gehören würden. Dann würde sie sich eine Hazienda im Osten kaufen und einige Arbeitssklaven dazu. Sie hatte ausgedient. Sie war eine gemachte Dame. Aus einfachen Verhältnissen hatte sie sich hochgearbeitet, würde als Edelfräulein ihr zukünftiges Leben bestreiten und den Luxus genießen.

Für Lykos wurde ein Albtraum wahr: Der neue Sklave namens Bran trug zwar einen Keuschheitsgürtel, doch Venus hielt sich auffällig oft in seiner Nähe auf und schickte dafür Lykos aus dem Haus, um Wasser vom Brunnen zu holen oder den Kräutergarten zu pflegen, Holz für den Ofen zu hacken und vieles mehr. Lykos und sein Nebenbuhler schliefen getrennt, so dass der Ex-Soldat nicht bemerkte, wenn der Jüngling zu Venus ins Schlafgemach gewunken wurde. In den vergangenen Nächten hatte Lykos gehorcht und Liebesgeräusche gehört, die aus Venus Kammer kamen. Feurige Eifersucht hatte in seinem Herzen gebrannt.

Und am nächsten Morgen wurde alles noch schlimmer: Dione verkündete die Verlobung zwischen Bran und ihrer Tochter. Feierlich nahm sie dem Auserwählten den Keuschheitsgürtel ab. Lykos konnte es nicht fassen. Er stand wie zur Salzsäure erstarrt da und schüttelte langsam den Kopf. Nach so kurzer Zeit verlobte sich Venus einfach mit einem Fremden! Und Sklaven dazu! „Und wenn man glaubt, es geht nicht mehr…
…kommt von irgendwo ein Tritt daher“: Dione verkündete, dass ab sofort Lykos den Keuschheitsgürtel tragen müsse. Außerdem „ist er immer noch nicht gekennzeichnet. Worauf willst du noch warten, Venus? Auf das Jüngste Gericht?“, fragte sie vorwurfsvoll.
Venus entschuldigte sich bei ihrer Mutter und versprach das Brandmal noch heute Abend anzubringen.

Lykos hockte zusammengesunken auf seiner kargen Schlafstelle und harrte der Dinge. Nun trug er einen Keuschheitsgürtel und würde als Sklave gebrandmarkt werden! In was für eine Hölle hatte er sich da von Abas nur bringen lassen. Alles, um den Schlüssel zu seinem Schloss zu finden. Und jetzt war er selbst dafür in so einer eisernen Hose. Ängstlich horchte Lykos auf jedes Geräusch. Bald würden sie mit dem glühenden Stab kommen… Noch hörte er lustige Stimmen: Dione, Venus und Bran begossen offenbar ihre Verlobung. Auch fremde Stimmen nahm Lykos wahr. Vielleicht würden sie ihn ja vergessen…

Doch zwei Stunden später wurde die bange Sorge zur Wirklichkeit. Die Tür sprang lautstark auf, und Venus und ihr Verlobter polterten in den Raum. Sie konnten kaum noch gerade gehen, alberten herum und… Venus trug einen Stempelstab vor sich. Es bildete am glühenden Ende ein verschlungenes „V“. „Komm her, Lykos! Deine Zeit ist gekommen!“, lallte sie mit vom Wein schwerer Zunge und kicherte. Dabei schwang das Brandeisen durch die Luft. „Vorsicht, du verletzt dich noch, Liebes“, warnte Bran und stützte sie. „Auf alle Viere, Sklave“, forderte Venus und grinste ihn frech an.

Der Exsoldat gehorchte. Was blieb ihm übrig? Weglaufen kam hier mitten in einem Reich von Männer unterdrückenden Frauen nicht in Frage. Er ließ sich also mit entblößtem Gesäß auf alle Viere hinab und wartete mit zusammengebissenen Zähnen auf das beißende Eisen. Vor Angst zitterten seine nackten Hinterbacken.

Lange musste er nicht warten, doch kam ihm jeder Wimperschlag vor wie eine Ewigkeit. Und dann zischte es laut und roch nach Verbranntem. Lykos hatte sich fest vorgenommen, keinen Laut über seine Lippen zu lassen, aber er schrie los. Und auch noch sehr hell und hoch wie ein Weib. Er bockte wie ein Stier nach vorne. Venus lachte lauthals. „Du Held!“, verspottete sie ihn. „War das richtig, oder soll ich noch mal?“, fragte sie ihren Verlobten schmunzelnd und kicherte. Bran meinte: „Ich glaube, für heute hat dein Sklave genug.“

Lykos lag auf dem Bauch und robbte sich zu einem kleinen Zuber mit Wasser. Schnell setzte er sich hinein, so dass ein Teil des Wassers überschwappte. Wieder zischte es, jedoch nicht so stark wie beim ersten Mal. Und wieder lachten sie ihn aus. „Komm, Bran“, meinte Venus und sah über ihre Schulter zurück auf Lykos. „Jetzt bist du dran. Ich möchte dich in mir spüren…“

Lykos saß noch lange da in seinem Kübel. Venus hatte ihn benutzt und dann weggeworfen. Als die Schmerzen auf seinem Hintern langsam nachließen, merkte er, wie stark sein Luststab nach der verlorenen Freiheit gierte. War er etwa immer noch voller Verlangen nach dieser Hexe? Er grübelte und grübelte. Oh, ihr Götter! Welche Sünden habe ich begangen, dass ihr mich so straft: auf dem Arsch ein brennendes Mal, im Schritt eine eingeschlossene Männlichkeit!

Abas war an ein Kreuz gebunden worden und stand dort splitternackt bis auf seinen Keuschheitsgürtel schon seit über einer Stunde. Dann erschienen die Senatorinnen und Pluta, die Herrscherin aus dem Osten. Die Tyrannin trug eine edle Robe aus rubinroter Seide mit einem Rosenmuster aus dunklem Samt und einer umständlichen Stickerei aus Goldfaden. Ihr Haupt schmückte ein Diadem aus Rubinen, Saphiren und Diamanten. Alle Finger ihrer Hände trugen dicke Ringe mit Edelsteinen. Um ihren Hals hatte sie ein weiteres kostbares Geschmeide gelegt. „Abas, der Königsgemahl“, sagte Pluta. „So schnell sieht man sich wieder.“

Abas starrte die Tyrannin an. Sie kam ihm bekannt vor. Wo hatte er diese Megäre schon gesehen? Und dann fiel es ihm schlagartig ein: Megara! Das war Megara! Er spürte, wie sich ein dicker Kloß in seinem Hals bildete. Mit heiserer Stimme sprach er es aus: „Megara!“ Die Tyrannin lachte lauthals, dass es in dem Gewölbe widerhallte. Kerbera und Alekto sahen erstaunt zu ihrer Herrin. Pluta grinste und rief: „Ja, ihr habt richtig vernommen. ICH bin MEGARA! Ich bin verjagt worden und komme nun, um mir mein Reich zurückzuholen.“ Megara schaute triumphierend in die Runde. „So war es immer für mich vorbestimmt. - Kerbera, geh und verkünde die Neuigkeit. Megara ist zurück!“

Die Senatorin verneigte sich untertänig und verließ das Gewölbe. Megara schnippte mit den Fingern. Dabei rasselten ihre zahlreichen goldenen Armreifen an ihrem Handgelenk. Eine Palastwache erschien aus der Dunkelheit und schnallte Abas eine Schlinge eines Ledergurtes um sein Gemächt und zog das andere Ende senkrecht nach unten, dass der entmachtete Königsgemahl aufstöhnte. Am Boden zog die Wache den Gurt durch einen Eisenring und zurrte ihn noch ein wenig fester. Abas grunzte vor Schmerz auf. Megaras grausamen Gesichtszüge verzerrten sich zu einem fratzenhaften Grinsen. „Da ich Leda nicht habhaft werden kann, wirst du für sie leiden und büßen müssen.“ Abas sah schockiert an dem Gurt hinab. Dann hob er den Kopf wieder, um die Tyrannin anzublicken. Der Triumph war ihr ins Antlitz geschrieben.

Auch Alekto schien Genugtuung zu empfinden. Mehrere Jahre hatte sie dank Leda in einem Keuschheitsgürtel verbracht. Das wollte sie an Abas zurückzahlen. Megara kam nun ganz nah an Abas heran und wisperte: „Solange Leda dich nicht auslöst, wirst du ihre Schandtaten tilgen – Stück für Stück für Stück!“ Schallend lachte sie und stolzierte aus dem Gewölbe. Alekto griff nahm einem Kandelaber und hielt die Kerzenflamme dicht vor Abas Gesicht. „Wie ich sehe, ist dein kleiner König eingesperrt. Soll ich ihm ein wenig einheizen, damit ihm warm ums Herz wird?“ Abas sah die Senatorin irritiert an. Dann senkte Alekto langsam den Kandelaber und drehte ihr Handgelenk. Das heiße flüssige Wachs ergoss sich über den Keuschheitsgürtel und fand in das Innere seinen Weg. Abas grunzte auf, als sein „kleiner König“ mit dem heißen Mantel bedeckt wurde. Alekto lachte hämisch. „Das ist erst der Anfang!“ Dann stellte sie den Kerzenständer weg und verließ den Raum.

Leda machte sich langsam Sorgen. Die spiegelglatte See ließ die Segel schlapp an ihren Rahen hängen wie nasse Säcke. Kein Windhauch war zu verspüren. Nach dem Sturm bot ihnen das Wetter auf dem Westozean nun das genaue Gegenteil. Das Trinkwasser musste rationiert werden. Leda spazierte auf dem Achterdeck hin und her. Plötzlich hörte sie Honos Stimme direkt neben sich: „Majestät, die Männer werden unruhig. Kaum jemand glaubt noch an den sagenhaften Westkontinent jenseits des Ozeans. Vielleicht stürzen wir einfach in den Höllenschlund…“ Leda unterbrach ihren Majordomus barsch: „Still! Ich will das nicht hören. Wir werden Land finden. Da bin ich mir ganz sicher.“

Im Laufe der nächsten Tage hatte der Wind wieder etwas aufgefrischt. Allerdings ging das Trinkwasser langsam zu neige. Leda bestand darauf, dass alle Personen die gleiche Ration erhielten – sie eingeschlossen. Ihre Berater Thrym, Regin, Hagbard und Gunnar hatten protestiert, jedoch ohne Erfolg. - Als Regin dann des nachts von drei wachhabenden Soldaten dabei erwischt wurde, wie er aus dem Wasserfass trank, ließ Leda ihn unter Deck in ein Eisen schließen. Regins Handgelenke waren in der Nähe seiner Fußgelenke mit Schellen an eine schwere Eisenstange fixiert. So gekrümmt musste er im dunklen Bug des Schiffes für sein Vergehen büßen.

War das der erste Versuch einer Meuterei, fragte sich Leda grübelnd. Mit der Zeit wurde die Stimmung unter der Besatzung immer trüber und angespannter. Vor allem die erzwungene Keuschheit machte den Männern zu schaffen. Schon zigmal hatten Thrym und Hagbard entsprechende Andeutungen gemacht, aber Leda war hart geblieben.
Allerdings hatte sie auch Grund dazu, die Frauen an Bord zu maßregeln, denn diese schienen den Ernst der Lage nicht zu verstehen und spielten mit ihren weiblichen Reizen, um die Männer zu necken.

Als die Sonne erneut über dem Wasser aufging ließ sich Leda von dem Medi