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TheLargeEmptY
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  RE: Leon City Storys Datum:17.06.26 20:30 IP: gespeichert Moderator melden


Gern geschehen Tom!

Hat mich auf jeden fall sehr lange beschäftigt das sag ich dir
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TheLargeEmptY
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  RE: Leon City Storys Datum:13.07.26 17:18 IP: gespeichert Moderator melden


LCs 38
Leon City und ... Zombies?!?

Zähneknirschend setzte sich Cass auf das Sofa zu Summer und Ava. Die beiden Freundinnen hatten in der Woche nach dem Escape-Room ihr Handy mit hunderten Nachrichten zugemüllt. Immer mit der Bitte, in diese verfluchte Hütte, im verfluchten Wald zu kommen, um Versuchskaninchen für die verfluchte Hexe zu sein. Cass hatte natürlich immer abgelehnt. Sie hatte Wichtigeres zu tun. Lance … der Mann, der für die schlimmste Zeit ihres Lebens verantwortlich war, war aus dem Gefängnis geflohen. Cass hatte sich zum Ziel gesetzt, ihn und seine Untergebenen zur Strecke zu bringen. Leider mit gemischtem Erfolg, und sie musste zugeben, dass ihr Körper eine Pause benötigte.

„Yayyyy! Schön, dass du es geschafft hast, Cass!“, jubelte Summer und umarmte Cass die zusammenzuckte, als sie ihren geschundenen Körper drückte.

„Yeah, yeah. Bitte Summer meine Rippen.“

„Oh, Entschuldigung“, kicherte Summer und Cass rollte mit den Augen.

„Können wir dann jetzt mit dem Film anfangen?“, fragte Cass doch Ava schüttelte den Kopf.

„Wir warten noch auf die Nachbarn. Erinnerst du dich noch an Phaelyn und Ifry? Sie wollten auch kommen. Außerdem fehlen noch Rilliana und Trisha. Sie wollten Popcorn und den Film holen.“

„Haaaaaaa … und die Hexe?“

„Immer noch in ihrem Labor und versucht, einen Fehler in einer ihrer Erfindungen zu finden“, erklärte Summer und fing an zu strahlen, als die Haustür aufging und die vier fehlenden Frauen hereinkamen. Es folgte das übliche Begrüßen der Freunde, während Cass auf dem Sofa sitzen blieb. Sie kannte die anderen nicht besonders gut und ihr Körper dankte es ihr, dass sie sich einfach mal nicht bewegte. Stattdessen starrte sie mit trüben Augen auf den Bildschirm, bis die Frau namens Phaelyn sich dazwischenstellte. Cass sah zu dem schüchternen Mädchen auf, das ihr die Hand reichte.

„He … hey … mein Name ist Phaelyn“, sagte sie stotternd und lächelte verlegen.

„Cass“, sagte Cass knapp, machte aber keine Anstalten, die Hand zu schütteln. Etwas enttäuscht ließ Phaelyn ihre sinken. Ifry bemerkte es sofort und hob eine Augenbraue, sagte jedoch nichts. Sie wollte sehen, wie ihre Freundin mit der Situation umging und aus ihr lernte.

„Alsooo, du warst auch bei dem letzten Event, oder? Wie hat es dir gefallen?“, fragte Phaelyn und Cass atmete tief ein. Sie wollte eigentlich nur einen Film schauen und keine neuen Bekanntschaften machen.

„War ziemlich bescheiden, wenn du mich fragst.“

„Oh …“, sagte Phaelyn und machte eine bedrückte Miene, bevor Trisha sie zum anderen Sofa zog, um ihre Beine als Kissen zu gebrauchen. Ifry sah noch einen Moment zu Cass und dann zu Phae, die nun aber wieder ein fröhliches Gesicht machte.



Der Film, den Rilliana mitgebracht hatte, war ein neu erschienener Zombie-Film. Cass musste zugeben, dass sie es bereute, ihn damals im Kino nicht gesehen zu haben, aber wenigstens konnte sie es jetzt nachholen. Die Story war fesselnd und die Charaktere keine dummen Idioten. Selbst die Schockmomente waren nicht sinnloses Blutvergießen oder überspitzt. Cass fand den Film einfach klasse. Umso mehr regte es sie auf, dass bei jedem Horrormoment Phaelyn zusammenzuckte oder aufschrie. Es lenkte sie vom Film ab. Sie konnte sich nicht darauf konzentrieren und wartete irgendwann nur noch auf den nächsten Aufschrei von Phaelyn.

„AHHHH!“, schrie sie auf, als einer der Überlebenden gepackt wurde.

„Kannst du jetzt mal die Klappe halten?! Ich versuche, den Film zu genießen!“, schrie Cass auf, und sofort waren alle Blicke auf sie gerichtet. „Was? Ich bin nicht der Einzige, der so denken kann, oder?“

Stille. Phaes Lippen fingen an zu zittern und sie sah sich in der Runde um, ob ihre Freunde genauso fühlten. Trisha, Rilliana und Summer schüttelten sofort den Kopf. Ava hingegen räusperte sich.

„Vielleicht solltest du gehen, Cass …“

„Weißt du? Das ist eine ausgesprochen gute …“, fing Cass an, doch wurde sie von Phaelyn unterbrochen.

„Nein … ich … du hast recht. Tut mir leid. Ich werde jetzt still sein“, murmelte sie und senkte ihren Kopf. Cass sah sie einen Moment an, bevor sie sich wieder dem Fernseher widmete und versuchte, wieder in die Welt des Films einzutauchen. Ifry sah, dass sich in den Augenwinkeln ihrer Freundin Tränen formten, die sie heimlich wegwischte. Sie wandte ihren Blick zu Cass und sah sie scharf an. Das würde sie nicht so bald vergessen.



Nach dem Film nahm Cass ihre Jacke, und verabschiedete sich knapp bei ihren Freunden und neuen Bekannten, bevor sie von Ifry aufgehalten wurde.

„Darf ich mal vorbei?“, fragte Cass kalt, doch Ifry streckte ihren Arm aus, sodass Cass nicht weiterkonnte.

„Nein. Entschuldige dich bei meiner Freundin“, forderte Ifry doch Cass lachte verächtlich.

„Warum sollte ich? Sie hat doch selbst eingesehen, dass sie das Problem war.“

Ifrys Augen wurden zu Schlitzen und sie funkelte Cass bedrohlich an.

„Entschuldige dich, oder du wirst es bereuen.“

„Oh, soll diese Drohung mir Angst machen?“, fragte Cass und sah auf Ifrys dünne Arme und schmächtige Statur, „Aus dem Weg, Tom Boy, bevor ich dich in der Mitte durchbreche“, zischte sie und drückte Ifrys Arm beiseite, bevor sie das Haus verließ, sich auf ihr Motorrad schwang und davonfuhr. Bei der Fahrt über die Autobahn zurück in die Stadt dachte sie über die kommenden Tage nach. Wo sie nach Lance oder seinen Untergebenen suchen konnte. Kein Gedanke war an den heutigen Abend verschwendet worden. Als sie in ihrer kleinen Wohnung ankam und auf ihr Bett fiel, gab sie ihrem Körper eine dringende Pause. Sie schloss ihre Augen und dachte an die kommende Woche. Noch während sie weitere Pläne schmiedete, schlief sie ein und wachte erst wieder auf, als die Sonne in ihr Gesicht schien. Cass gab sich noch nicht mal Zeit zu blinzeln und rollte sich aus ihrem Bett. Sie schaltete im Vorbeigehen ihren Computer und Fernseher an und zapfte sich einen Kaffee. Die Nachrichten waren voller, für sie zumindest, unwichtiger Themen.

„Die internationalen Spannungen nehmen weiter zu. Mehrere Regierungen melden Engpässe bei Medikamenten. Die Ostküste soll aber genügend Vorräte haben“, sagte der Nachrichtensprecher, während Cass sich vor ihren Computer setzte. Sie zuckte kurz zusammen, als ihre Rippen sich meldeten.

„Nun, wenn wir genügend Vorräte haben …“, murmelte Cass und warf sich eine Schmerztablette ein, die neben ihrem linken Bildschirm lag.

„Uns stehen die heißesten Tage des Jahres bevor. Die Behörden warnen …“

Cass rollte mit den Augen und durchforstete ihre Notizen am Computer. Vielleicht hatte sie noch etwas übersehen. Eine Spur, der sie nachgehen konnte.

„Mehrere Vermisstenfälle in Leon City. Das LCPD vermutet, dass es mit den kürzlichen Ausbrüchen zu tun haben könnte.“

Cass lauschte auf.

„Die Vermissten lebten in Falenplaza. Die Behörden bitten Sie, sich dort nicht aufzuhalten, wenn Sie nicht unbedingt müssen.“

„Klar, und was ist mit den Menschen, die dort wohnen müssen?“, fragte Cass gereizt und stellte ihre Tasse beiseite, um sich eine Notiz zu machen.

„Die jährliche Wohltätigkeitsgala konnte für den Kinderflügel des Leon-City-Krankenhauses genug Geld zusammensammeln, um diesen zu renovieren und auszuweiten. Der Chefarzt scherzte, dass sie zusätzlich auch einfach die Krankenzimmer umbauen könnte, da viele Patienten mit Fieber sich selbst entlassen würden.“

„Ob der Witz richtig gelandet ist? Scheint ja, als hätten die Leute keinen Bock aufs Krankenhaus“, kommentierte Cass.

„Und nun mit etwas Erfreulichem. Die vermisste Katze Fluffels wurde nach drei Tagen in der Eisdiele Fermondo gefunden. Scheint, als wollte sie sich mit Eis eindecken, bevor es zu warm wird.“

Die restlichen Nachrichten waren nicht wirklich interessanter, und sie plante stattdessen ihre kommenden Nächte. Allerdings machten ihr ihre Rippen einen Strich durch die Rechnung. Cass beschloss deshalb, die kommenden Tage zu Hause zu bleiben und zu recherchieren. Was Cass jedoch beschäftigte, war etwas anderes. Immer häufiger berichteten die Nachrichten über Gewalttaten, während Entführungen zunehmend in den Hintergrund rückten. Zusammenhänge gab es nicht. In der Nacht des vierten Tages Zuhause beschloss sie, wieder auf Patrouille zu gehen, und ließ die Nachrichten laufen, während sie sich rüstete.

„Das LCPD berichtet von Gewalttaten unter Fieberwahn. Es wird die andauernde Hitze als Grund genannt. Ärzte empfehlen, mehr zu trinken und im Schatten zu bleiben.“

„Ach was?“, murmelte Cass und steckte ihre Tonfa an ihren Gürtel. Sie nahm sich ihre Fernbedienung, um den Fernseher auszuschalten, als das Bild plötzlich verschwand und ein Stand-by-Symbol zeigte.

„Okay?“, sagte sie schlicht und schaltete ihn aus. Sie verließ ihre Wohnung über die Feuertreppe und lief die Stufen hinunter, bis sie in der vertrauten dunklen Gasse stand. Von dort lief sie zu ihrem Motorrad, klappte das Nummernschild weg und fuhr auf ihn zu, Richtung Falenplaza. Auch wenn die Spur Tage alt war, so wusste sie, dass sie hier den Abschaum von Leon City finden würde. Vielleicht auch einen Hinweis zu Lance. Zumindest kam sie gut durch die Stadt. Keine anderen Autos oder Menschen waren unterwegs. Cass fand das etwas ungewöhnlich, vermutete aber, dass die Leute einfach vorsichtig waren und sich vor der brütenden Hitze schützten. Cass konnte es ihnen nicht verübeln. Ihr Anzug war auch nicht unbedingt dafür gedacht, ihren Körper vor Hitze zu schützen. Dafür gegen fast alles andere, was die Stadt ihr so entgegenwerfen konnte.

„Zumindest kann ich dann besser Verdächtige ausmachen, wenn niemand sonst auf den Straßen ist“, murmelte Cass und hielt an einer Ampel. Da sah sie es. Menschen, die eilig ein Haus verließen, in eine Gasse verließen. Fast hätte Cass sie ignoriert, doch dann schaute sie genauer hin. Mehrere Männer und Frauen. Einige von ihnen waren maskiert. Einige trugen Waffen und in ihrer Mitte hauptsächlich Frauen, die verängstigt aussahen.

„Bingo“, murmelte Cass und wartete einen Moment, bevor aus der Gasse ein großer Transporter rollte. Am Steuer saß einer der Maskierten. Er brauste über die Kreuzung und Cass schaltete ihr Licht aus und begann mit der Verfolgung. Die Fahrt war kurz. Aus der Ferne sah sie, wie die Menschen in ein heruntergekommenes Gebäude in Falenplaza liefen. Sie stellte ihr Motorrad etwas außerhalb ab und lief das letzte Stück. Sie zog ihre Tonfa und drückte sich an der Häuserwand entlang Richtung Eingang. Sie wollte gerade um die Ecke springen und die Tür eintreten, als sie Schritte neben sich auf der Straße hörte. Sofort drehte sie sich um und wollte entweder demjenigen sagen, dass er verschwinden soll, oder der Polizei sagen, dass dort drin Entführungsopfer waren, aber für beides hatte sie keine Zeit. Ein Mann sprang sie mit weit aufgerissenem Mund an und versuchte, nach ihr zu schnappen. Cass stolperte zurück und schaffte es gerade noch, eines ihrer Tonfa zu heben. Der Mann biss in die Waffe und fuchtelte mit seinen Armen in ihre Richtung. Seine Augen waren milchig weiß und schienen nicht mehr seinen Befehlen zu folgen.

„Was zum …!“, rief Cass aus und schlug mit ihrer anderen Waffe zu. Der Mann sackte zur Seite und blieb einen Moment regungslos auf der Straße liegen. Blut tropfte aus einer Wunde am Kopf heraus und Cass stolperte noch weiter von ihm zurück.

„Was zum Teufel, warum … was?“, fragte sie entsetzt, als die Tür hinter ihr sich öffnete. Sie wollte sich gerade zu ihr umdrehen, als der Mann auf dem Boden sich regte. Seine Arme zuckten und er versuchte aufzustehen, ein langes, unmenschliches Röcheln kam aus seinem Mund. Cass gefror zu Eis. Was auch immer das vor ihr war, war kein Mensch. Zumindest nicht mehr. Im nächsten Moment hörte sie zwei Schüsse. Der Erste gab dem Etwas den Rest und der Zweite galt Cass. Sie spürte, wie sich etwas Großes gegen ihren Rücken drückte. Einen Augenblick später spannte sich ein riesiges, engmaschiges Netz um ihr Sichtfeld und um ihren Körper. Es wickelte sich fest um Cass und brachte sie zu Fall.

„Hey! Was zum…! Lasst mich sofort hier raus!“, fauchte Cass und zappelte gegen die Maschen, doch je mehr sie sich wand, desto enger schien das Netz zu werden.

„Halt die Klappe!“, zischte eine Frau sie an, und Cass spürte, dass sie in das Haus gezogen wurde. Dabei spürte sie, wie ihre Wange über den Asphalt kratzte, und sie zuckte zusammen.

„Du kannst froh sein, dass wir dich nicht sofort erschossen haben!“

„Froh? Ihr habt einen Menschen getötet!“, fauchte Cass und strampelte gegen die Griffe der Leute, die sie in das Gebäude hoben.

„Menschen? Hast du nicht gesehen, was dich angegriffen hat? Das ist die Apokalypse, du dumme Bitch!“, sagte einer der Männer und hielt Cass am Nacken, um sie dazu zu zwingen, den erschossenen anzusehen.

„Das ist ein verdammter Zombie. Oder glaubst du, ein Mensch hätte deinen Angriff so wegstecken können?“

Cass wurde still. Das hätte jeden zumindest ein paar Minuten außer Gefecht gesetzt.

„Bringt sie nach unten und untersucht sie auf Infizierungen.“

„Ich bin nicht gebissen worden!“

„Klar“, sagte die Frau und rollte mit den Augen, während zwei Männer sie packten und tiefer in das Gebäude zogen. Cass sträubte sich mit jedem Schritt, doch sie hielten sie mit einem eisernen Griff.

„Ich sagte doch, ich bin nicht gebissen worden!“

„Schonmal einen Zombie-Film gesehen? Das sagen sie alle. Wir wissen auch nicht, ob es auch mit Kratzern übertragen werden kann. Außerdem blutest du!“

„Weil ihr Idioten mich über den Boden gezogen habt?“, fragte Cass gereizt, als sie letztlich in einen kleinen Raum mit einer Matratze geworfen wurde. Sie landete schwer und die Federung warf sie in die Wand, wo sie zu Boden rutschte und zornig atmend liegen blieb.

„Warte hier“, sagte einer der beiden knapp, und die Tür schloss sich hinter ihnen. Ein Schlüssel drehte sich geräuschvoll.

„Klar, als wenn ich das jetzt machen würde“, murmelte Cass und zappelte in dem Netz herum, um an ihren Gürtel zu gelangen, wo eine versteckte Klinge auf sie wartete.

„Nur noch ein wenig“, murmelte sie und zog letztlich das Messer. Ein schneller Schnitt befreite Cass von dem Netz und sie stand rasch auf. Gerade wollte sie ihre Tonfa packen und den Preppern ein paar Manieren beibringen, als sich die Tür öffnete und ein Mann und die Frau von der Tür hereinkamen. Sie sahen sich einen Moment lang an, bis die Frau ihre Hand ausstreckte.

„Vielleicht haben wir uns auf dem falschen Fuß erwischt. Mein Name ist …“, fing die Frau an, doch unterbrach Cass sie, als sie mit erhobenen Waffen auf sie zustürzte. Die Frau rollte nur mit ihren Augen und trat beiseite, um ihrer Begleitung Platz zu machen. Cass war es einerlei. Sie hatte es schon mit stärkeren Gegnern aufgenommen. Sie schlug zu, und leider musste sie zugeben, dass sie noch nie gegen so einen schnellen Gegner gekämpft hatte, als er sich wegbückte und einen Sekundenbruchteil später seine Schulter in ihre Brust rammte. Cass verschlug es augenblicklich den Atem und sie flog zurück auf die Matratze.

„Versuchen wir es noch einmal. Freu mich, dich kennenzulernen …?“, fragte die Frau und reichte erneut ihre Hand. Cass spuckte nur in ihre Richtung und sagte: „fi**k … dich!“

Die Frau rollte mit den Augen und drückte dem Mann neben ihr einen Korb in die Hand.

„Sag Bescheid, wenn du fertig bist“, sagte sie und hob Cass Waffen vom Boden auf, bevor sie den Raum verließ. Stöhnend richtete Cass sich auf und knurrte gereizt, als sie die Seile sah, die der Mann aus dem Korb fischte.

„Wage es, dich deine dreckigen Hände …“, fing Cass an, doch wurde sie unterbrochen, als der Mann auf sie zutrat und erneut blitzschnell ihren Faustschlag abfing. Er drehte ihre Hand und zwang sie dazu, sich auf den Bauch zu drehen.

„Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Wir hätten einfach reden können“, murmelte der Mann, während er das Seil um die eine Hand wickelte und versuchte, die andere einzufangen.

„Und ich sagte: Ihr könnt mich mal!“, fauchte Cass während sie mit ihrer freien Hand herumruderte und versuchte, den Mann zu schlagen. Letzten Endes fing er sie allerdings doch ein und zurrte ihre Hände zusammen.

„Yeah, habe ich mir gedacht. Deswegen machen wir das hier extra sicher“, sagte er und wickelte mehrmals das Seil um ihre Arme, wo er es letztlich verknotete. Außerhalb der Reichweite von Cass Fingern.

„Dann nehmen wir dir am besten noch den hier ab …“, fügte er hinzu und zog ihren Werkzeuggürtel aus. Ihr letzter Ausweg. Cass kochte vor Wut, als sie ihren Besitz achtlos zur Tür warf.

„Pass gefälligst auf!“

„Na, keine Sorge, deinen Sachen passiert nichts“, gluckste er und machte eine Schlinge um ihre Ellbogen. Cass knurrte, als sie sich berührten und das Seil in ihre Haut schnitt. Er knotete es fest und verlief mit ihm um ihre Schultern und über und unter ihre Brüste, um es zu fixieren. Sie knirschte mit den Zähnen über diese Demütigung und wollte ihn am liebsten erwürgen.

„Oh? Ziemlich biegsam, die junge Dame. Am liebsten würde ich jetzt an deine Beine, aber ich muss dich noch kratz- und bisssicher machen.“

„Was soll das denn heißen!“, fragte Cass und drehte sich zu dem Rascheln um, das der Mann nun verursachte. Ihr Gesicht wurde bleich. In seiner Hand hielt er einen dicken Ballknebel und eine Art lederne, spitz zulaufende Tasche mit mehreren Bändern.

„Was ist das?“, fragte sie geschockt.

„Das?“, fragte der Mann und hob das weinrote Leder an, „ist ein Armbinder. Falls du dich verwandelst, kannst du uns so nicht kratzen. Hier, ich zeig’s dir.“

Er stülpte das Leder über ihre Hände und zog es über die Seile und ihre Arme hoch. Ihre Hände drückten sich mit einem leisen Flopp in eine enge Tasche. Cass bezweifelte, dass sie selbst mit ihrem Gürtel je alleine aus diesem Armbinder herauskommen würde. Der Mann verschloss ihn mit den Lederbändern und zog ihn mithilfe von weiteren Bändern fest, sodass Cass Arme zusammengequetscht wurden.

„AU! Muss das so fest sein?“

„Sag du es mir. Ich bin mir ziemlich sicher, dir tut das nicht weh.“

Cass grollte. Er hatte recht und sie hatte gehofft, Mitleid von ihm zu bekommen.

„So, Mund auf“, forderte er und drückte den Knebel gegen ihre geschlossenen Lippen. Natürlich hielt sie ihn fest verschlossen.

„Niemals“, presste sie zwischen ihren Zähnen hervor, und von dem Mann kam ein genervtes Ausatmen.

„Komm schon, Cass. Mach den Mund auf, damit ich weiter meine Arbeit machen kann.“

Cass stockte geschockt. Woher wusste er ihren Namen? Doch bevor sie ihn das fragen konnte, drückte er den Knebel in ihren Mund und verschloss ihn fest in ihrem Nacken.

„Geht doch“, sagte er und gab Cass einen kräftigen Klapps.

„Mmmmpf!“

„So. Hier kannst du dich nun sicher verwandeln … oder auch nicht, und du kannst eine von uns werden oder so“, sagte der Mann und stand sich streckend auf. Cass funkelte ihn von der Matratze aus an. Könnten Blicke töten, wäre er in diesem Moment zu einem Haufen Asche geworden. Der Mann grinste, als wüsste er, was sie gerade dachte.

„Also, viel Erfolg!“, sagte er und verschwand mit ihrem Gürtel hinter der Tür. Sofort fing Cass an zu zappeln. Ihre Zähne sanken in den Knebel, als sie ihre Muskeln anspannte, um den Armbinder zu sprengen. Es knarzte gequält, doch das Leder hielt sie fest und die Riemen schnitten in ihre Haut.

Diese verfluchten Seile! Wenn die nicht wären. Dachte Cass und schüttelte ihre Arme. Sie rutschte über die Matratze und setzte sich auf. Sie musste hier etwas finden, um diesen Armbinder abzustreifen. Auf den ersten Blick sah sie nichts. Sie saß in einer Abstellkammer. Spinde zierten die Wände und ein Waschbecken hing in einer Ecke. Cass sah zur Tür. Auch wenn diese verschlossen war, so konnte sie vielleicht die Klinke benutzen, um die Lederbänder zu zerreißen. Vorsichtig richtete sie sich auf und ging zur Tür.

Dieser dumme Idiot hat meine Beine nicht gefesselt. Was für ein Anfänger. Dachte Cass und rollte mit den Augen. Sie hasste es für einen Moment, dass ihre Teamkollegen vermutlich bessere Kidnapper waren als diese Prepper. Sie harkte den Lederriemen in die Klinke ein und lehnte sich nach hinten. Gleichzeitig drückte sie mit ihrem rechten Bein gegen die Tür. Es knackte erneut, es war aber nicht das Leder. Cass sah auf, als sie hinter der Tür die Hölle losbrach. Schreie, brechendes Holz und unmenschliches Stöhnen. Sie riss die Augen auf und rutschte vor Schreck auf dem Boden aus. Das Leder drückte sich unsanft in ihre Haut, doch der Armbinder hielt stand. Zu ihrem Wunder jedoch brach die Tür auf.

Was zum?!? Schoss es Cass durch den Kopf, als sie nach hinten überkippte. Die Tür fiel aus den Angeln und offenbarte das Chaos auf der anderen Seite. Zombies waren eingebrochen und jagten nun die Prepper.

Pech gehabt. Dachte Cass und richtete sich erneut auf. Sie musste hier raus und zwar sofort. Sie trat durch die Tür. Schüsse zischten durch die Luft und ein Zombie nach dem anderen fiel. Aber es wurden immer mehr. Sie kamen durch die Tür von oben, wie eine Welle an Körpern. Cass erbleichte und stolperte zurück. Doch die Zombies sahen sie. Sie lösten sich von der Gruppe und rannten quer über den Flur auf sie zu. Kugeln flogen in ihre Richtung, aber nicht alle trafen die Zombies. Cass rannte zurück in den Raum. Kein Ausweg. Sie konnte sich nicht mal verstecken. Die Tür wurde aufgestoßen und da stand sie einem von ihnen entgegen. Cass schüttelte den Kopf. Sie konnte es nicht fassen, sie konnte sich nicht wehren, sich nicht verteidigen.

Diese verfluchten Prepper. Warum mussten sie mich nur fesseln? Dachte sie, als sie sich gegen die Wand drückte und einer der Zombies immer näher kam. Aber da schoss ihr noch ein anderer Gedanke durch den Kopf. All dies war ihre Schuld. Wäre sie ein wenig freundlicher gewesen. Ein bisschen höflicher.

Dann wäre das alles nicht passiert. Dachte sie und schloss ihre Augen fest, als der Zombie auf sie zusprang. Sie wappnete sich für den Schmerz, aber er kam nicht. Stattdessen hörte sie ein langsames, sarkastisches Klatschen. Sie öffnete eins ihrer Augen. Blinzelnd sah sie in das warme Licht ihrer Schreibtischlampe. Auf ihrem Stuhl saß eine Frau mit schwarzen Haaren und einem blonden Scheitel.

„Na? Hast du es endlich begriffen?“, fragte Ifry kalt, auf sie hinablächelnd.

„Was … was tust du in meiner Wohnung und …“, rief Cass und wollte Ifry packen und herausschmeißen, doch ihre Glieder gehorchten ihr nicht. Sie sah über ihre Schulter. Ihre Arme steckten in einem Armbinder und ihre Beine waren nach hinten geknickt und mit ihm verbunden. Seile fixierten sie an ihren Körper und verhinderten jedes Entkommen.

„Ich sagte doch … Du wirst es bereuen. Also dann, man sieht sich“, sagte Ifry und winkte. Cass sah noch einmal auf ihre Fesseln und begriff sofort, dass sie niemals alleine aus ihnen entkommen würde.

„Hey! Du kannst mich doch nicht so hierlassen!“, rief sie. Ifry blieb im Türrahmen stehen, drehte sich zu Cass und lehnte sich gegen die Tür.

„Ach, keine Sorge. Die Fesseln verschwinden … irgendwann. Abeeeerr, sie kommen wieder“, sagte Ifry und nickte, „morgen Nacht … mit einem anderen Albtraum und dann die Nacht darauf und so weiter.“

Cass starrte Ifry an.

„Was?“

„Ganz recht. Solange, bis du es begreifst …“

Cass starrte Ifry an, als wäre sie verrückt geworden.

„Also dann, man sieht sich“, sagte Ifry erneut und wandte sich erneut zum Gehen.

„Wa … warte!“

Ifry blieb stehen und horchte auf.

„Ich eh … es tut mir leid, okay? Ich … ich werde mich auch bei deiner Freundin entschuldigen …“

„Yeah, kauf’ ich dir nicht ab, aber ist schon mal ein Anfang. Aber Phae schläft jetzt. Sie wird sich aber morgen beim Auspacken auf deine Entschuldigung freuen“, sagte Ifry und schnippte mit den Fingern.

„Warte! Du lässt mich jetzt nicht raus?“, fragte Cass bevor sie plötzlich Lederriemen sah, die das Bett hochglitten wie Schlangen und auf Cass zu, „Warte! Hey, nein! STOP!“

Die Riemen fingen an, sich um Cass zu wickeln, angefangen bei ihrem Mund, und brachten sie zum Schweigen.

„Nachtie, Nacht und viel Spaß“, sagte Ifry und verschwand vor Cass Augen, kurz bevor ein weiterer Gürtel ihre Sicht stahl. Sie konnte nichts tun, als sich einer nach dem anderen um ihren Körper wickelte und sie in einen schwarzen, ledernen Kokon verwandelte, der nur auf ihrem Bett herumwackelte.
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  RE: Leon City Storys Datum:29.07.26 21:10 IP: gespeichert Moderator melden


LCs 39
Das Auge des Sturms


Ein paar Monate zuvor:
„Warum brauchst du die Bücher?“, fragte Celine und runzelte die Stirn über die Auswahl an Lesematerials, welches vor ihr auf dem Tisch lag, „Die Hälfte davon kannst du noch nicht mal Lesen.“
Luke winkte ab.
„Ich … ich kann dir das nicht sagen … noch nicht“, sagte er aufrichtig, und Celine konnte die Entschlossenheit in seinen Augen sehen. Sie sah zu Rilliana die neben ihm stand. Sie hatte ihm die meisten davon vorgeschlagen. Ihre Blicke kreuzten sich, doch die Elfe zuckte nur mit den Schultern.
„Luke, du bist ein schlauer Kopf. Zumindest hat mir das deine Mutter gesagt, aber das hier ist gefährlich“, sagte sie und tippte auf einem Buch herum, namens Dämonologie, Band 6.
„Selbst in Händen von Nichtmagiern sind die Bücher …“
„Rilliana sagte, du hast Magie aus diesen Büchern gelernt.“
„Ja schon! Aber das war, bevor es Supermärkte gab, Autos und wie heißen die Dinger, mit denen man Feuer macht?“, fragte Celine und sah zu Rillian.
„Feuerzeuge?“
„Feuerzeuge! Genau. Ähm, wo war ich … Luke, Magie zu lernen, ist extrem schwierig und gefährlich, und du bist schon zu alt.“
„Bitte … ich muss es tun. Ich hatte nicht das Glück, mit der Gabe geboren zu werden, aber ich kann … ich muss es lernen. Verstehen.“
Celine sah erneut zu der Elfe.
„Na gut … aber das Buch bleibt hier!“, sagte Celine und nahm das Buch der Dämonologie zurück. Dafür legte sie allerdings zwei andere auf Lukes Stapel.
„Ein Übersetzungsbuch, geschrieben von unserer werten Rilliana. Elfisch-Englisch, Englisch-Elfisch. Und Materialkunde. Ich sage dir von vornherein: Das wird nichts. Du wirst nicht Feuerbälle schmeißen können, dich teleportieren oder fliegen.“
„Sehr aufmunternd“, kommentierte Rilliana und Celine rollte mit den Augen.
„Ich will nur nicht, dass er zu enttäuscht ist, wenn …“
„Werde ich nicht … und ich will auch keine Feuerbälle schmeißen. Das ist Mum und Caitlyns Job.“
„Klar … jeder will Feuerbälle schmeißen, Luke. Auch du. Rilliana sei ein Schatz und bring ihm die Elfisch Grammatik bei, damit er sich nicht selbst anzündet. Und jetzt raus hier, ich will die Sonne genießen“, sagte Celine und scheuchte die beiden aus ihrem Labor.

Eine Woche zuvor:
Jinara öffnete ihre Augen und starrte an die Decke ihres Zimmers. Dass sie wegen ihres neuen Körpers täglich auf Schlaf angewiesen war, verärgerte sie. Ein Ärgernis, welches sie mit ein bisschen mehr Kraft aus der Welt räumen könnte. Sie musste nur ihren Gastgeber vollständig aus dem Bild verschwinden lassen.
„Verpiss dich endlich aus meinem Körper!“, echote es wie jeden Morgen in ihrem Kopf, und wie jeden Morgen schlenderte Jinara zu der kleinen Zelle, in die sie Kim eingesperrt hatte. Wie Jinara im Laufe der Zeit feststellen musste, wurde Kim gleichermaßen in ihrem Geist stärker wie sie selbst, und egal wie tief sie das Menschlein einschloss, sie wurde jeden Morgen aufs Neue freundlich darauf hingewiesen, Kims Körper zu verlassen.
„Wie ich sehe, hast du noch nichts an deinen schlechten Manieren geändert“, kommentierte Jinara und öffnete mit einem Schlenker ihrer Hand die schwere Stahltür. Zum Vorschein kam die kleine blonde Kim. Sie war nackt. Der Catsuit und die Fesseln, in denen sie die Nacht verbracht hatte, lagen zerfetzt in einer Ecke. Kim sah zornig zu ihr auf, entschlossen, Jinara gewaltige Kopfschmerzen zu verpassen, wenn sie jetzt nicht Kim zum Schweigen brachte.
„Hast dich wieder aus deinen Fesseln befreit, wie ich sehe?“, kommentierte Jinara während Kim eine Hand hob und angestrengt versuchte, etwas zu materialisieren. Einen Augenblick später entstanden über ihr ein paar braune Seile, die allerdings sofort wie nasse Lumpen zu Boden fielen. Kims Mine verzog sich, während Jinara anfing, breit zu grinsen.
„Oh, nicht schlecht, Kim … Du wirst ja immer besser, aber …“, Jinara verschluckte sich an ihren Worten, als sie das dumme Grinsen unter den blonden Haaren hervorstechen sah. Kim ballte ihre Hand zur Faust und zog sie zu sich. Jinara hatte gerade noch Zeit, sich zur Seite zu werfen, als ein Speer sich durch die Luft bohrte, wo sie gerade noch gestanden hatte. Er zischte an Kims Ohr vorbei und versenkte sich in der Wand hinter ihr. Jinara vergaß für einen Moment, dass sie eine unsterbliche Dämonin war, und starrte fassungslos auf die Waffe, die sich nun langsam in Luft auflöste. Kim schnalzte mit ihrer Zunge und sackte zusammen. Jinara selbst richtete sich auf und sah kalt auf Kim hinunter.
Sie ist gut geworden … zu gut … Das hätte übel ausgehen können. Ich muss sie beseitigen, bevor sie noch stärker wird. Doch dazu brauche ich mehr Kraft. Mehr Leid in der Stadt. Überlegte Jinara und hob Kim an ihren langen blonden Haaren hoch. Sie stöhnte.
„Das wirst du mir bereuen.“
Kim sah auf und lächelte trotz ihrer Schwäche und den Schmerzen, der Dämonin entgegen.
„Irgendwann bist du dran.“
Wenn es so weitergeht, bestimmt. Dachte Jinara, würde dies aber niemals zugeben. Sie hob Kim weiter an ihren Haaren hoch, sodass sie von Angesicht zu Angesicht waren.
„Selbst wenn du mich getroffen hättest, hätte es nichts gebracht.“
Kim lachte spöttisch und sagte: „Und warum bist du dann ausgewichen? Ich vermute, dass ich dich nur in meinem Kopf töten muss, und dann bist du hier für immer raus!“
Jinara biss ihre Zähne zusammen, um eine entlarvende Antwort zu unterdrücken, und warf stattdessen Kim zurück in die Zelle. Sie prallte von der Wand ab und rutschte diese hinunter. Kim drückte sich mit ihren Armen hoch und starrte unter ihren Haaren, schwer atmend, in Richtung ihrer Peinigerin.
„Wenn du meinst“, log Jinara und hob ihre Hand in Richtung Kim.
„Gib mir dein Schlimmstes, morgen früh bin ich wieder frei und du bist hier raus.“
Jinara wusste, dass Kim keine leere Drohung aussprach. Sie musste Kims Körper stehlen, bevor es zu spät war. Sie wurde zu stark für Jinara. Sie musste Kim brechen, ein für alle Mal. Sie ließ ihre Hand fallen und leckte sich gierig über die Lippen.
„Wie wäre es mit einer Wette, Kim?“, fragte sie und ließ die Wände der Zelle verschwinden. Nur der Türrahmen blieb bestehen.
„Eine Wette?“, fragte Kim und stand schwankend auf.
„Eine Wette“, bestätigte Jinara und wedelte mit ihrer Hand gegen den Türrahmen. Eine silbrige Flüssigkeit kochte in ihm hoch, bis ein Spiegel Kims geschundenen Körpers zeigte.
„Du musst nur diesen Spiegel durchbrechen.“
Kim warf ihr einen Seitenblick zu.
„Wo ist der Haken, Teufel?“
„Freut mich, dass du fragst“, lachte Jinara und mit einem Schnipsen wuchs ein neuer Latex-Catsuit Kims Körper hoch. Zusätzlich schlossen sich metallene Bänder um ihre Handgelenke und Knöchel und um ihren Hals und Hüfte.
„Mhm“, murmelte Kim und sah auf ihre Fesseln. Die silbernen Bänder waren mit violetten Kristallen bestückt, „Und was hindert mich daran, diese Fesseln abzuwerfen?“
„Unsere Wette, Liebes. Diese Bänder bleiben an dir, bis du den Spiegel durchstößt, sonst geht es zurück in deine Zelle, und zwar diesmal für immer“, erklärte Jinara und wedelte nochmal in Richtung Türrahmen. Sofort bildeten sich Stufen unter ihr und sie rückte immer höher und weiter in die Ferne.
„Ah. Eine Treppe …“, sagte Kim trocken.
„Eine Treppe und ein Abgrund mit ewiger Dunkelheit?“, erklärte Jinara und links und rechts der Treppe entstanden schwarze Nebelwolken.
„Ich nehme an, ich darf nicht hinunterfallen?“, fragte Kim spöttisch, und Jinara kniete sich zu ihr hinunter.
„Sobald du die Treppe betrittst, wird es kein Zurück für dich geben. Nur einen Ausweg und dann gehört dein Körper mir.“
„Keine Tricks“, forderte Kim und zeigte mit ihrem Finger auf Jinara.
„Keine Tricks. Durchstoße den Spiegel und du bist mich los“, sagte Jinara und machte ein Kreuz auf ihrer Brust, direkt über ihrem Herzen. Es flammte kurz auf und brannte sich in ihre Haut. Kim sah sie argwöhnisch an, nickte jedoch und stellte sich auf das Podest vor der Treppe. Sie hob einen Fuß und setzte ihn auf die erste Stufe.
„Ah! Bevor ich es vergesse: Du solltest dich nicht umdrehen, oder deine kleine Reise wird umso schwieriger.“
„Wie meinst du …?“, fragte Kim und wollte sich zu Jinara umdrehen, doch hielt im letzten Moment inne. Sie schluckte. Das war knapp. Sie wollte nicht unbedingt direkt am Anfang der Treppe so enden wie Eurydike aus der griechischen Mythologie. Eigentlich wollte sie auch später nicht so enden.
„Gute Reise, kleines Menschlein. Wie sagt ihr immer? Der erste Schritt ist immer der leichteste?“
„Leck mich.“
Jinara grinste nur und verschwand im Nebel, der hinter Kim anstieg, mit jedem Schritt, den sie tat. Kim sah währenddessen nach oben zum Spiegel, der nun so weit weg schien. Sie wusste, dass Jinara log, aber sie musste diese Chance nutzen. Wenn sie eins in ihrem Kopf gelernt hatte, war es, dass alles Konzentration kostete. Sei es das Erschaffen von Speeren oder Gefängniszellen. Diese ewige Treppe musste Jinara eine enorme Menge an Konzentration kosten. Kim wusste, dass ihr Teufel irgendwann einen Fehler machen würde.


Jinara nahm wieder Kontrolle über Kims Körper und stand endlich aus dem Bett. Sie hatte sich Kim für eine Weile oder, wenn sie aufgab, für immer vom Hals geschafft. Sie musste nur die Treppe immer wieder verlängern. Nichts Leichteres als das.
„Aber ich muss stärker werden … ich brauche mehr Nahrung …“, murmelte sie und durchforstete ihre Vergangenheit nach einem Zauber oder Ritual, welches sie benutzen konnte. Alte Magie, mit der sie genug Leid zu sich nehmen konnte, um Kim aus dem Weg zu räumen. Jinara sah in die Zimmerecke, wo ein kleiner Käfig stand. Düstere Gedanken und Leid schlängelten sich aus ihm und stärkten sie. Aber nicht genug. Jinara brauchte mehr, als die Schwester von Kim ihr geben konnte. Nachdem Jinara gemerkt hatte, wie gefügig die Frau werden konnte mit dem Versprechen der Erlösung von ihrem verfluchten Keuschheitsgürtel, tat sie alles, was Jinara wollte. Sie war zu einer willigen Dienerin und Sklavin geworden. Erst hatte sie sich gesträubt, aber mit ein bisschen Magie war sie nichts weiter als Lehm in Jinaras Händen geworden. Ihre Begierden verrieten sie.
„Aufwachen, Sklavin“, flüsterte Jinara und Chloe öffnete sofort ihre Augen. Ein rotes Flimmern spiegelte sich in ihnen und sie setzte sich auf. Chloe sah aufmerksam zu ihrer Herrin auf und wartete auf ihren Befehl.
„Bring mir das Buch der Dämonologie, Band 6, aus der Bibliothek der Hexe. Sie hat es vermutlich versteckt, aber wenn du es mir beschaffst, ohne dass Celine es mitbekommt, belohne ich dich.“
„Ja, Herrin“, sagte Chloe wie in Trance und öffnete den Käfig, um zu Celine zu gehen. Jinara sah ihr noch einen Augenblick lang nach. Das blaue Latex, das ihre Sklavin anhatte, war das einer Heldin der Menschen. Zu dumm, dass Chloe selbst nur eine Marionette war. Jinara wedelte kurz mit der Hand und hörte Chloe im Flur laut stöhnen, als ihr Keuschheitsgürtel anfing zu vibrieren. Nicht genug, um sie über die Schwelle zu bringen, aber genug, um ihre Sinne zu betäuben und auf die Belohnung vorzubereiten, die nie kommen würde.

Heute:
Luke saß vor seinem Computer und las die alten magischen Wörter. Er hatte alles richtig gemacht. Alle Bannkreise waren fein säuberlich gezeichnet und jede Patrone auf seinem Schreibtisch war graviert, wie die Elfen es bei ihren Pfeilen gemacht hatten.
„Aber, warum explodierst du dann immer?“, murmelte er und hob den alten Revolver seines Urgroßvaters hoch. Das Schießeisen war ein Kunstwerk, präzise und verziert mit goldenen Linien. Nur der Zylinder fehlte, da dieser bei jedem Test in die Luft flog. Jedes Mal mit einem lauteren Knall. Er war froh, dass Caitlyn gerade nicht zu Hause war, aus mehreren Gründen. Luke lehnte sich zurück und sah durch das große Fenster nach draußen. Es war zwar erst früher Nachmittag, aber dennoch war es dunkel draußen. Seit Tagen. Dicke Wolken hatten sich über Leon City gebildet und verschlugen auch das Licht über dem verfluchten Wald. Wie aufs Stichwort fing es an zu regnen. Dicke schwarze Regentropfen fielen wie Nadeln zu Boden und trommelten an seine Fensterscheibe.
„Na hoffentlich klart es nach dem Regen auf …“, murmelte er und wandte sich zu dem Materialkunde-Buch von Celine. Er suchte ein Metall, welches der Magie der Patronen standhalten konnte, nachdem der Originalzylinder bereits einen Abgang gemacht hatte. Leider waren die anderen getesteten Metalle auch unzureichend und hatten bereits mehr als einmal ein Loch in die Wand gehauen. Es klopfte und Luke ließ eilig die Patronen und die Waffe verschwinden.
„Herein!“, rief er und öffnete schnell einen Tab mit seinem Lieblingsspiel.
„Luke Schatz, dein Vater fragt, ob du etwas aus der Stadt möchtest.“
Luke drehte sich zu seiner Mutter um und machte eine nachdenkliche Miene, um nicht verdächtig zu erscheinen. Wüsste sie, dass er einen Revolver in der Schublade hatte, hätte sie ihm die Ohren langgezogen. Mit Zylinder oder nicht.
„Nein, danke, Mum. Ich habe alles.“
„Fein“, sagte sie und wollte gerade die Tür schließen, als sie sich besann und sie wieder öffnete, bevor sie eintrat, „Wie laufen deine Studien?“
Luke war sich zu 90 % sicher, dass sie nicht sein Studium an der Uni meinte.
„Es wird … besser. Elfisch zu lernen war eigentlich die größte Hürde“, sagte er wahrheitsgemäß und sah dabei zu, wie Terra durch eines der magischen Bücher blätterte.
„Tut mir wirklich leid, dass du die Gabe nicht hast“, murmelte sie und lächelte Traurig.
„Kein Problem, Mum. Dafür habe ich die Computer, und allein darüber zu lesen, ist spannend.“
Terra nickte anerkennend und blätterte eine Seite weiter.
„Dann will ich dich nicht weiter stören … allerdings … Celine hat sich gemeldet und fragt, ob du noch ein weiteres Buch von ihr genommen hast. Dämonologie Band 6?“
Luke schüttelte den Kopf.
„Gut. Sonst hätte ich dir die Ohren lang gezogen.“
Luke lachte nervös, was Terra nicht entging. Sie sah ihn durchdringend an und hob eine Augenbraue ihrer blassblauen Augen. Dieselben wie Caitlyn. Sie hatte wohl mehr geerbt als nur die Magie.
„Was machst du hier eigentlich, dass hier ständig etwas explodiert?“, fragte Terra plötzlich ernst und verglich den Runenkreis auf seinem Schreibtisch mit dem im Buch.
„Nichts.“
Terra kniff ihre Augen zusammen und kratzte sich am Nasenrücken, als sie diese schlechte Lüge hörte.
„Luke … zwing mich nicht, diese Schublade da zu öffnen …“, sagte sie immer noch mit geschlossenen Augen, „ich mach mir Sorgen. Dein Vater auch. Also … was tust du hier? Was ist los?“
Luke senkte seinen Blick und sein aufgesetztes Lächeln verschwand.
„Mum … ich kann …“
Terra legte eine Hand auf seine Schulter und drückte sie sanft.
„Lass mich dir helfen … was auch immer du hast. Ich war lang genug aus deinem Leben verschwunden, lass mich dir eine Mutter sein. Bitte.“
Luke sah gequält zu ihr auf. Terra lächelte sanft auf ihn hinunter. Ihre blauen Augen flehten ihn an. Sie wollte, dass er sich öffnete, wollte das er ihr alles erzählte. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und sie fingen an zu zittern. Dann nickte er.
„Es … es geht um Kim. Ich vermute, nein … ich weiß, dass etwas in ihr ist. Jemand, der sie steuert.“
„Du hast schon mal danach gefragt. Das war wegen dieser Kim?“, fragte Terra mit gerunzelter Stirn. Diese Magie war unglaublich schwierig zu beherrschen, für sie und Caitlyn sogar unmöglich. Sie bezweifelte, dass jemand außer Celine oder Ifry überhaupt noch dazu imstande wäre, solche Zauber zu wirken. Terra wollte gerade Lukes Aussage infrage stellen, doch schwieg sie lieber und wartete, was ihr Sohn noch zu sagen hatte.
„Ich habe mit ihr gesprochen, kurz. Sie hat um Hilfe gefleht und mir gesagt, ich solle fliehen, aber ich will sie retten“, sagte er und öffnete eines der Bücher. In ihm war ein Bannkreis gezeigt, der Dämonen vertreiben soll.
„Schwierig. Wenn sie tatsächlich besessen ist, dann wird sie wohl kaum freiwillig in den Kreis treten.“
„Yeah … deswegen habe ich dieses Buch. Habe extra Elfisch gelernt“, sagte Luke und zeigte ein weiteres Buch. Terra runzelte die Stirn.
„Yeah … du machst magische Pfeile?“
„DU KANNST ELFISCH?!?“
„Konnte es mal besser … deine Mum hatte vor 800 Jahren viel Langeweile.“
Luke zog eine Augenbraue hoch über diesen Kommentar.
„Aber … die Explosionen kommen nicht von Pfeil und Bogen.“
„Nein“, sagte er und öffnete die Schublade. Terra zog zischend Luft ein, als sie den Revolver und die Patronen sah. Bevor sie aber Luke zusammenfalten konnte, sah sie den fehlenden Zylinder und die zerstörten Prototypen. Sie nahm einen davon aus der Schublade und begutachtete das riesige Loch, welches die Patrone in das Metall geschlagen hatte. Sie gab ihrem Sohn einen Blick von der Seite.
„Ich passe auf, aber …“
„Haaaaa. Luke … du machst es mir echt nicht leicht, eine gute Mutter zu sein“, murmelte sie, und Luke senkte seinen Blick. Terra selbst warf einen Blick in das elfische Buch und dann wieder auf den Zylinder in ihrer Hand.
„Ich bin deine Mutter, also sollte ich das hier unterbinden … aber … ich habe mich schon einmal geirrt in meinen Taten. Erklär mir. Warum gehen die Zylinder kaputt?“
„Die Magie in den Patronen ist zu groß. Pfeile können nicht so viel Magie aufnehmen und sie sind auch nicht in einer kleinen Kammer eingeschlossen, wenn man sie abschießt.“
„Das heißt … du brauchst nur ein besseres Material?“
Luke nickte.
„Vielleicht sollte ich Dad fragen, ob er mir Wolfram aus dem Supermarkt mitbringt.“ Luke lachte gequält. Aber Terra schüttelte den Kopf und stand auf.
„Warte kurz.“
Terra verließ den Raum und ließ Luke alleine im Zimmer zurück. Als sie zurückkam, hatte sie einen Becher in ihrer Hand. Sein Inhalt leuchtete silbern und golden und ab und an war ein funkelndes Blau zu sehen. Sie hielt den Glasbecher in ihrer Hand und hob ihn hoch, um ihn Luke zu zeigen.
„Was ist das?“, fragte er und bewunderte die wabernde Flüssigkeit.
„Ganz ehrlich … das musst du Celine fragen. Sie hat es mir bei unserem letzten Treffen mitgegeben, als Geschenk … Das sollen drei magische Metalle sein, die sie vermischt hat. Göttlich, dämonisch und eins von unserer schönen Erde. Aber sie sagte, sie hätte keine Verwendung für so eine hohe Konzentration. Aber vielleicht ja du?“, fragte sie und überreichte ihm das Glas. Die Legierung, wenn man es überhaupt so nennen konnte, schlug gegen die Wände seines kleinen Gefängnisses wie Wasser. Bereit auszubrechen, wenn es eine Chance gab.
„Was, wenn es auch kaputtgeht?“
„Dann ist es halt so. Ich habe sonst keine Verwendung dafür. Komm, versuch es. Ich werde dafür sorgen, dass es aushärtet“, feuerte Terra ihren Sohn an, und der nickte. Luke nahm eine vorbereitete Form und stellte sie inmitten des magischen Kreises auf seinem Schreibtisch. Dann öffnete er das Glas. Sofort wollte die Legierung flüchten und sich voneinander trennen, doch Terra hob eilig ihre Hand und eine blaue Sphäre umschloss das Metall. Sie ließ die Legierung über die Form schweben und drückte sie hinein. Überrascht verzog Terra das Gesicht, als das Metall anfing, sich zu währen.
„Oh Scheiße“, fluchte sie und drückte mit aller Kraft gegen das lebendige Metall. Es fing an, gegen Terras Magie zu kämpfen, und schlug mit aller Macht gegen die Barriere. Schweiß brach auf ihrer Stirn aus, als ihre Magie immer weiter leer gesaugt wurde, und ihre Beine fingen an zu zittern. Luke handelte sofort und legte seine Hände auf den Runenkreis. Er fing an zu flüstern, während der Kreis anfing zu leuchten. Eine Rune nach der anderen leuchtete auf und Terra machte große Augen. Sie spürte, wie die Legierung sich verhärtete und immer stärker ihren Schutzschild angriff und von ihrer Magie zehrte. Gerade als die Beine unter ihr nachgaben, kam das Metall zur Ruhe. Sie sackte schwer atmend zusammen und schaffte es gerade noch, auf Lukes Bett zu fallen. Sofort war Luke bei ihr und stellte sicher, dass sie sich nicht verletzte, doch Terra winkte ab.
„Alles gut, Luke, aber … du … hast Zaubern gelernt? Wie Celine?“
Luke schüttelte den Kopf. Die Magie liegt in dem Kreis. Jeder könnte ihn aktivieren, mit genug Geduld und dem Wissen hier“, murmelte er und deutete auf die Bücher. Terra schüttelte nun selbst den Kopf.
„Wenn das so einfach wäre, hätte Trisha das schon längst gelernt. Das ist eine Gabe, Luke!“
„Alte Bücher und Mathe“, währte er das Kompliment ab, lächelte aber.
„Hol es raus“, sagte sie und deutete auf die Form. Luke tat, wie ihm geheißen, und nahm eine Zange, um die nun feste Legierung aus der Form zu ziehen. Das Metall sah nun aus wie gewöhnlicher Edelstahl, abgesehen von den blauen Linien, die ihn durchzogen wie Adern.
„Sind das Bruchlinien?“, fragte sie besorgt, doch Luke schüttelte den Kopf.
„Das magische Erdenmetall und deine Magie, Mum …“, murmelte er und setzte den Zylinder in den Revolver ein. Als hätte die Legierung gespürt, dass es in seinem neuen Zuhause war, wuchsen die blauen Linien über die Waffe und ersetzten die goldenen Verzierungen. Der Revolver leuchtete kurz auf und erlosch dann.
„Hat es … hat es funktioniert?“
Luke nahm die Waffe auf und legte eine Patrone ein. Die Legierung brannte, als er sie berührte, und er zuckte zusammen.
„Ist noch heiß“, murmelte er und hob die Waffe.
„Soooo, jetzt sollte ich wieder die gute Mutter sein und dir sagen, dass …“
BANG
Luke zuckte zusammen, als der Rückstoß in seine Hand stieß. Die Kugel selbst zerschellte an seiner Zimmerwand und plötzlich wucherten Ranken aus seiner Mitte. Sie umschlugen nahe Einrichtungsgegenstände und stießen andere beiseite. Luke allerdings hatte keine Augen für die Magie, die sein Zimmer gerade verschlang, und betrachtete die Waffen in seiner Hand. Seine Hand schien immer noch vom Schock des Rückstoßes zu pulsieren. Aus den Augenwinkeln sah er, wie die Finger seiner Mutter vorsichtig nach der Waffe griffen. Er ließ es zu und starrte auf seine Hand, die leicht zitterte.
„So, ähm … Vielleicht sollten wir die vorher noch ein bisschen testen, bevor du Kim nicht rettest, sondern …“
In diesem Moment wurde sie unterbrochen, als jemand gegen die Haustür hämmerte. Das Geräusch war im ganzen Haus zu hören und sogar fast so laut wie der Schuss selbst.
„Vielleicht hast du mit diesem Schuss unsere Nachbarn etwas verärgert?“, fragte Terra und wollte aufstehen, doch ihre Beine schienen ihr nicht zu gehorchen. Genervt sah sie zu dem Revolver, der ihr alle Magie geraubt hatte, und dann zu Luke. Er verstand sofort und ging eilig die Treppe hinunter.
„Welche Nachbarn überhaupt? Wir wohnen hier alleine auf der Straße“, murmelte er und öffnete die Tür. Gerade fragte er sich, wie besagter Nachbar an seinem Sicherheitssystem vorbeigekommen war, als eine Hand nach vorne schnellte und nach seinem Hals griff.
„Was hast du getan?“, zischte Celine zwischen ihren Zähnen hindurch und drückte Luke gegen das Geländer der Treppe. Überrumpelt und nach Luft ringend sah er verwirrt hoch in die Augen der Hexe, die ihn anstarrte, als hätte er gerade einen Dolch in ihren Rücken gerammt.
„Worte …“, krächzte er, als ihre Hand anfing zu drücken.
„Du weißt ganz genau, was du getan hast!“, keifte sie ihn an und deutete nach draußen. Sie warf ihn in Richtung Tür. Luke stolperte und fiel auf seine Knie. Er sah auf und sah den immer noch pechschwarzen Himmel und den Regen.
„Was? Gab es vor 800 Jahren noch keinen …“, fing Luke an, doch verstummte er, als er den Regen genauer betrachtete. Er klatschte gut 50 Schritte über ihnen gegen eine unsichtbare Barriere und verbrannte, ohne eine Spur zu hinterlassen. Die Barriere war nur um ihr Grundstück herum, und so konnte Luke in den Bäumen lange Fäden sehen, die zwischen den Ästen klebten wie Spinnenweben. Sie wirkten so, als wären sie mit Teer überschüttet worden.
„Was zum …?“, fragte er, doch wurde er schmerzhaft von Celine an den Haaren auf die Beine gehoben.
„Das ist dein Werk, Luke! Ich sagte doch, du sollst das Dämonenbuch nicht mitnehmen, und dann dachtest du einfach: Ach, die alte Hexe wird es schon nicht merken, wenn du es stiehlst?“, zischte sie ihn zornig an. Luke blinzelte verwirrt.
„Aber ich habe es nicht. Ich habe es in deiner Obhut gelassen! Ich war noch nicht mal in der Nähe deiner Lichtung!“
„LÜG MICH NICHT AN!“, schrie Celine, und Luke konnte unter ihrer Wut auch etwas anderes heraushören. Angst.
„Breche dieses Ritual ab, bevor du die ganze Stadt dem Untergang weihst!“, schrie sie erneut und hob ihre andere Hand, in der sich nun ein Feuerball bildete. Luke machte große Augen und wollte sich losreißen, doch ihre Hand war wie ein Schraubstock auf seinem Kopf.
„Celine, würdest du bitte meinen Jungen loslassen?“, fragte Terra vom Kopf der Treppe aus. Ihre Stimme war kalt. Beide sahen zu ihr auf. Sie lehnte sich schwer gegen das Geländer und zielte mit ihrer Hand in Richtung Celine.
„Würde ich gerne, aber leider übt sich dein Sohn in dämonischer Magie und Lügen!“
„Er lügt nicht. Er hat dein Buch nicht“, sagte Terra ruhig, „er hat mir alles gezeigt.“
„Aber …“
„Celine. Luke hat es nicht“, wiederholte Terra und ließ ihre Hand sinken. Celine sah auf Luke hinunter, der immer noch ängstlich auf die Flamme schaute, doch im nächsten Moment erlosch sie. Celine ließ Luke los und sah in Richtung Stadt, wo das Zentrum der Wolkendecke lag. Terra humpelte die Treppe nach unten, um zu ihr zu gelangen, doch Luke lief eilig entgegen, um ihr runter zu Helfen.
„Kannst du mir erklären, warum du Luke bedrohst?“, fragte Terra schließlich, als sie unten ankam, und Celine deutete nur nach draußen.
„Ich nehme an, dieses Ritual steht in dem Buch, das dir gestohlen wurde?“
„Und warum verdächtigst du mich?“, fügte Luke hinzu.
„Chloe hat mir gesagt, dass du es genommen hast“, murmelte Celine nachdenklich, „aber warum lügt sie mich an …?“
Es kam erneut zu einer Unterbrechung, als sie Flügelschlagen hörten und Ifry in den Garten schlitterte. Phaelyn in ihren Armen. Während die Dämonin völlig unberührt von dem Regen schien, klebte er am Engel. Die Fäden waren um sie gewickelt und ließen nicht zu, dass sie sich groß bewegen konnte. Dies schien sie allerdings nicht zu stören, da Ifry sie sicher trug. Phae sah sogar verwirrt zu ihrer Freundin und dann zu Celine, als diese besorgt zu ihnen in den Vorgarten eilte.
„Wir wurden vom Regen der schwarzen Tränen überrascht! Bitte hilf ihr!“, rief Ifry panisch und hob Phae in Celines Arme.
„Ich tu, was ich kann“, murmelte Celine und eilte mit dem Engel ins Haus.
„Mir geht’s gut“, stammelte der Engel verwirrt und versuchte sich gegen die klebrigen Fäden zu wehren, doch je mehr sie sich sträubte, desto fester zogen sie sich.
„Nicht bewegen, Phae“, flüsterte Celine und ging an Luke und Terra vorbei.
„Was passiert hier?!?“, fragte Luke, diesmal energischer, und Ifry sah zu ihm auf.
„Jemand hat uralte Dämonenmagie auf Leon City losgelassen. Ein Ritual, welches meinesgleichen erfunden haben, um … Es ist Magie, die gegen Engel gedacht war“, flüsterte sie beschämt, „aber der Rat der Dämonen hat das Ritual verboten, nachdem sie die Zerstörung gesehen haben, welche es verursacht hat. Phae war vermutlich noch zu jung, um es gesehen zu haben. Aber ich habe gesehen, was das Ritual anrichten kann.“
Luke ging zu ihr und hob ihre Hände an, die kraftlos neben ihr hingen.
„Du warst es nicht, oder? Aber du kennst den Zauber? Können wir das Schlimmste … was auch immer das ist … verhindern?“
Ifry nickte. Und deutete in das Zentrum der Wolken.
„Wer auch immer dafür verantwortlich ist, befindet sich inmitten der Stadt. Ich … ich sollte ihn aufhalten und …“, sagte Ifry mit zitternder Stimme und versuchte, ihre Flügel zu spannen. Sie öffneten sich einen Moment, aber knickten dann sofort ein.
„Was zum …“, murmelte sie und versuchte es noch einmal. Luke sah, wie ihre Blicke immer wieder in Richtung Haus huschten.
„Dein Herz ist hier, oder? Ich glaube, meins ist in der Stadt“, sagte er letztlich und Ifry sah ihn verwundert an, „Bleib hier. Ich gehe und … halte diesen Zauber auf.“
„Du?“
Luke wandte sich zu seiner Mutter Terra.
„Mum, ich weiß, wir wollten mehr Tests machen, aber ich brauche den Revolver.“
Terra lehnte immer noch erschöpft an der Tür. Sie überlegte kurz und nickte letztlich, bevor sie die Waffe zückte und sie Luke mitsamt seinen Patronen reichte.
„Pass auf dich auf, Luke“, murmelte sie und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Werde ich.“
„Moment. Was? Du willst jetzt in die Stadt? Verstehst du nicht, dass du innerhalb von Sekunden genauso eingesponnen wirst wie Phae? Nur Dämonen sind davor sicher! Du schaffst es nicht mal mit dem Auto …“, rief Ifry doch dann sah sie den Revolver und machte einen halben Schritt zurück.
„Noch mehr? Wie viel hat Celine von dem Zeug?“, fragte Ifry und machte noch einen Schritt zurück, als Luke fragend die Waffe hob. Es schien, als würde der Revolver eine Aura verströmen, die Ifry als unangenehm empfand.
„Celine sagte, dies sei das letzte ihrer Legierung gewesen. Sie konnte es nicht gebrauchen wegen der hohen Konzentration“, erklärte Terra.
„Ja, das spür ich“, murmelte Ifry und kam wieder näher, als Luke die Waffe wegsteckte, „Ich denke, das Ding sollte dich auch vor dem Regen schützen, aber Luke, ich will nicht, dass du die Waffe behältst. “

Während Luke so schnell er konnte in die Stadt fuhr, hallten Ifrys Worte in seinem Kopf wider. Sie klang besorgt, vielleicht sogar verletzt von dem, was er erschaffen hatte.
„Aber du musst dir keine Sorgen machen, Ifry“, murmelte er zu sich selbst, „Wenn sie funktioniert, werde ich sie nicht mehr brauchen.“
Einfacher gesagt als getan, denn Leon City glich aus der Ferne einer Teergrube. Die Waffe schien sein Auto vor dem Schlimmsten des klebrigen Regens zu schützen. Die anderen hatten nicht so viel Glück. Sie steckten fest und rührten sich nicht mehr von der Stelle, sodass Luke ständig die Spur wechseln musste. Auf der Autobahn ging es gerade noch gut, aber sobald er an der Brücke zu Leon City ankam, musste er aussteigen.
„Hoffentlich stimmt es, was Ifry gesagt hat“, sagte er und trat aus seinem Wagen. Tatsächlich perlte der Regen von ihm ab und fiel zu Boden, allerdings spürte er immer noch einen klebrigen Widerstand beim Gehen. Luke nickte und wollte gerade los, als er über das Rauschen Stöhnen hörte. Er folgte ihm und stand vor einem der Autos, welches ihm den Weg versperrte, und sofort war ihm klar, woher es kam. Die Menschen waren nicht sicher in ihren Fahrzeugen. Der Regen hatte sich einen Weg in jedes der Fahrzeuge gesucht und die Fahrer eingesponnen, als wären sie Fliegen in einem Spinnennetz. Schwarze, klebrige Fesseln waren um die Gliedmaßen der Frau im Inneren gewickelt. Sie hatte ihre Augen geschlossen, als würde sie schlafen, doch sie strampelte gegen die Fäden, als würden sie sich immer enger um sie schnüren, und vermutlich taten sie es auch.
„Hey! Können sie mich hören? Ich hole sie da raus!“, rief Luke ihr entgegen, doch hielt er inne. Wo sollte sie Schutz suchen, wenn der Regen selbst in ihr Auto kam? Wie sollte er sie überhaupt befreien, wenn selbst Celine mit ihrer Magie lange brauchte? Und was sollte er mit den anderen Menschen auf der Brücke machen? Den Leuten in der Stadt? Luke schluckte. Er verstand, dass der einzige Weg, sie und alle anderen zu retten, darin bestand, das Böse in Kim zu beseitigen.
„Tut mir leid … ich … ich muss los!“, sagte er zögernd, während er zurücktrat. Er drehte sich um und verfiel in einen leichten Lauf. Bis zum Zentrum der Stadt war es noch ein weiter Weg.


„Kim? Du siehst toll aus in dem Kleid. Lass uns ein paar Fotos machen!“, lachte Judy und strich über Kims Schultern. Kim zuckte zusammen, als sie die Berührung durch das Latex spürte. Am liebsten hätte sie nach den Schattenfiguren geschlagen, die sie umflogen, doch sie durfte sich nicht umdrehen.
„Kim? Phoebe wartet unten auf dich. Brauchst du noch etwas Geld für euer Mittagessen?“, fragte Chloes Stimme und etwas verwuschelte ihre Haare. Sie ließ es über sich ergehen. Jinaras Tricks. Erinnerungen aus der Vergangenheit, die sie seit sie begonnen hatte, die Stufen zu erklimmen, heimgesucht hatten.
„Mmmh!“
Kim machte halt. Ihr Körper gehorchte ihr plötzlich nicht mehr, als sie das Stöhnen ihres Freundes Luke hörte. Das Stöhnen, welches sich in ihren Kopf gebrannt hatte, als sie Gefangene des Bondage-Hotels waren.
„Luke“, flüsterte sie und schloss ihre Augen.
„Mmmh …“, schallte es von weiter weg und in diesem Moment konnte Kim nicht mehr. Sie musste sich umdrehen. Nur um einen Blick auf ihn zu erhaschen. Sie öffnete ihre Augen. Statt Luke schwebten Ketten in der Luft, die sich nun brutal um Kims Arme und Beine schlangen und sie nach unten zerrten.
„Nein! Luke! Wo ist Luke?“, schrie sie und versuchte, die Ketten zu lösen, doch ihre Gedanken gehorchten ihr nicht mehr. Jinaras Fesseln waren zu stark und sie zogen an ihr. Zogen sie hinunter in die Finsternis. Aber Kim wollte nicht aufgeben. Sie konnte nicht. Sie sah hoch. Die endlose Treppe vor ihr und der Spiegel, den sie durchbrechen musste. Sie musste zurück. Kim machte einen Schritt die Treppe hoch. Dann noch einen und es waren schwere Schritte. Die Ketten entzogen ihr die Kraft. Aber sie durfte nicht aufgeben, konnte nicht …
„Luke … bitte rette mich …“, flüsterte sie, während sie weiter nach oben stapfte.



„Hey Luke.“
Sofort blieb Luke wie angewurzelt stehen und schaute auf. Chloe saß auf einem eingesponnenen Auto. Die Arme um ihre Beine geschlungen, sah sie missmutig auf die Straße.
„Chloe?“, fragte er mit zusammengezogenen Augenbrauen und ging einen Schritt auf sie zu, „Warum wirst du nicht auch eingewickelt?“
„Mein guter Schmuck“, murmelte sie und zeigte auf ihren Gürtel und BH, die sie seit Monaten in den blauen Latex-Catsuit einschlossen, „das dämonische Metall darin verhindert, dass ich eingesponnen werde, aber mein Auto hatte nicht so viel Glück.“
„Oh … Tut mir leid“, sagte er und sah sie argwöhnisch an. Chloes rostigen Pickup hatte er nicht gesehen, da war er sicher. Außerdem hatte er nicht vergessen, dass sie Celine angelogen hatte, um ihn zu belasten.
„Und warum wirst du nicht eingewickelt?“, fragte sie mit demselben Gesichtsausdruck wie er.
„Äääääääääh“, sagte er und suchte nach einer Ausrede, „Celine hat mir einen Schutzzauber gegeben, um ääähm ein paar Dinge für sie zu besorgen, um den Regen rückgängig zu machen.“
„Wirklich? Dann komme ich wohl besser mit, damit du sicher ankommst. Ich kenne ein paar gute Abkürzungen“, sagte Chloe und ging voraus. Luke zögerte. Doch konnte er sich nichts anmerken lassen, wenn mit ihr wirklich etwas nicht stimmte. Er ging Chloe hinterher und beide verfielen in einen leichten Trab.
„Und warum wolltest du in die Stadt?“
„Zu Vanessa. Aber der Regen hat mich aufgehalten. Ich mache mir aber keine Sorgen. Der Regen sollte ihr nichts anhaben können“, sagte sie achselzuckend, und Luke nickte. Dennoch hätte er gedacht, dass Chloe sich mehr Gedanken um Vanessa machen würde.
„Wenn du meinst“, murmelte Luke und warf Chloe kurz einen Seitenblick zu. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte Luke, dass Chloe ein breites Grinsen aufgesetzt hatte, doch dann schrie sie auf. Luke schreckte zurück, als Chloe an ihrem Fuß nach oben gezogen wurde. Sie baumelte einen Schritt über der Straße und wedelte verwirrt mit ihren Armen. Luke sah fasziniert, dass die Fäden sich zu einem Seil verbunden hatten und nun Chloes Knöchel umwickelten, obwohl sie auch von dem Metall geschützt werden sollte.
„Waaa? Was soll das denn? „Luke, hol mich hier raus!“, quengelte sie, während sie hin und her schwankte und die Fäden immer weiter wuchsen.
„Na … natürlich“, murmelte er kopfschüttelnd und stieg auf eines der Autos.
„Ein Messer wäre jetzt natürlich von Vorteil“, sagte er und drückte die Fäden beiseite. Glücklicherweise klebten sie nicht besonders fest und er konnte Chloe losbinden, als wäre sie in normalem Seil gefangen. Vorsichtig ließ er sie zu Boden gleiten und sprang dann selbst zurück auf die Straße.
„Woher kam diese Falle?“
„Keine Ahnung“, sagte Chloe mit dem Stimmer der Überzeugung, „hoffe nur, es gibt nicht noch mehr Fallen, in die wir stolpern könnten. Au, das hat richtigwehgetann.“
Chloe kniete sich hin und rieb sich ihren Knöchel, durch das Latex und die futuristischen High Heels.
„Hast du dich verletzt?“, fragte Luke und bückte sich zu Chloe hinunter, um einen Blick auf ihre Latexbeine zu werfen.
„Schwer zu sagen“, murmelte sie und drückte vorsichtig dagegen. Sie verzog ihr Gesicht.
„Au, Luke! Trag mich!“, rief Chloe plötzlich und ihre Arme umschlossen seinen Hals. Luke wurde völlig von ihr überrumpelt und wurde zu Boden gerissen.
„Chloe, was zur …, lass mich los!“, rief Luke angestrengt, während sein Kopf gegen ihre Brüste gedrückt wurde und sie ihm die Luft abschnitt. Chloe schien ihn nicht zu hören, während sie beide über den Asphalt und die klebrigen Fäden rollten.
„Au, Au, Au!“, rief Chloe immer wieder, während die Fäden sich an ihre beider Kleidung hefteten und sie so umwickelten. Luke schaffte es, sich von ihr loszureißen, und schnappte gierig nach Luft. Dann realisierte er, dass die Fäden ihn an Chloe klebten. Zumindest wuchsen sie nicht schnell wie bei den anderen Menschen in Leon City. Dennoch waren sie beide von Kopf bis Fuß mit klebrigen Fäden umwickelt.
„Chloe, was zum Teufel tust du?!“, fragte Luke zornig und drückte Chloe weg, doch die Fäden waren zu stark. Sofort wurde er zurück gegen Chloe gezogen und beide klatschten gegeneinander.
„Oh, sorry Luke, ich dachte, du könntest mich hochheben.“
Das linke Auge von Luke begann zu zucken.
„Du weißt ganz genau, dass ich nicht ins Gym gehe!“
„Ah stiiiiiiimmmt!“
„Haa, toll, jetzt muss ich uns erst losmachen. Du bist echt unmöglich!“
„HA! Das sagt Ava sonst immer zu Summer!“
„Chloe? Halt die Klappe!“
„OH! DAS AUCH!“
Luke biss sich auf die Lippe. Chloe spielte mal wieder eines ihrer Spiele. Er durfte sich davon nicht beirren lassen. Luke drückte ein paar der Fäden beiseite. Chloe zappelte auch ein wenig, und erst glaubte Luke, sie wolle helfen, bis die Fäden aus seiner Hand rutschten und zurückschnellten.
„Chloe, halt still“, sagte Luke mit immer dünner werdender Geduld, während er erneut versuchte, die Fesseln zu packen.
„Aber es fühlt sich so gut an“, flüsterte Chloe und fing an zu stöhnen, während sie sich an ihn rieb.
Es dauerte eine Ewigkeit, bis Luke sich von Chloe befreit hatte und sie gemeinsam weiterlaufen konnten. Er hatte mehr als einmal erwogen, sie mit einer der Rankenpatronen abzuschießen, aber er musste sie beisammenhalten. Stattdessen grummelte er vor sich hin, während Chloe munter vor sich herplapperte. Sie näherten sich allmählich dem Central Park und Luke packte mit jedem Schritt seine Waffe fester, bis ihm etwas auffiel.
„Und ich dachte erst, dieser Regen wäre nur ein Streich von Celine und …“
„Chloe, warst du nicht eben noch verletzt?“
Nun lag es an Chloe, innezuhalten und die peinliche Stille mit einem äh zu füllen.
„Äääääääääh“, sagte sie und schien wirklich Probleme zu haben, ihm einen Grund zu nennen, warum es ihr nun besser ging. Luke wollte gerade den Kopf schütteln und weitergehen, als er ihre Augen kurz über seine Schulter huschen sah. Sofort schallten in ihm alle Alarmglocken und er drehte sich mit gezogener Waffe um. Gerade rechtzeitig, denn in diesem Moment sprang etwas auf ihn zu. Er drückte ab und das schwarze Schattenwesen zerplatzte wie ein Wasserballon. An seiner Stelle erschien ein blauer Runenkreis, sog die Dunkelheit ein und verschwand. Im selben Moment schallte der Knall durch die Straßen und hallte von den Wänden wider. Luke zuckte zusammen. Der Rückstoß hatte ihn erneut hart erwischt und seine Hand fühlte sich taub an. Stille. Selbst der Regen schien keine Geräusche mehr zu machen.
„Das hättest du nicht tun sollen“, flüsterte Chloe. Luke wollte sich gerade zu ihr umdrehen und fragen, was sie meinte, als er Bewegungen zwischen den Autos wahrnahm. Etwas sprang auf eins der Autos und schnüffelte, bevor es ihn erblickte. Das gab Luke die Zeit, um einen Blick auf das Wesen zu erhaschen, bevor es wieder in Deckung ging. Es hatte einen schwarz glänzenden Körper, sechs Beine und einen langen, rattenartigen Schweif. Was auch immer diese Wesen waren, Luke sah, dass sie schnell und stark waren. Die Autos zwischen ihnen wurden teilweise angeschubst, als würden sie blind dagegenlaufen.
„Chloe, lauf!“, brüllte Luke und rannte in Richtung des Parks. Sie mussten runter von der Straße, zwischen den Autos würde er keine Chance haben, die Dinger zu treffen. Er sprang auf den Bürgersteig und lief über das Gras. Zehn Schritte, zwanzig, dreißig, dann wirbelte er herum. Seine Waffe erhoben, doch er ließ sie augenblicklich sinken, als Chloe vor ihm zwischen den Autos stand, ein lüsternes Lächeln auf den Lippen.
„Dafür, dass du nicht ins Gym gehst, bist du ziemlich schnell, Luke. Willst du nicht kommen und mich mit dir ziehen?“, rief sie und lachte.
„Was? Chloe ich …“, in diesem Moment sprangen zwölf dieser Wesen auf die umliegenden Autos und eins von ihnen kam ganz nah zu Chloe. Sie streichelte über seinen Rücken, wie eine Superbösewichtin es bei einer Katze tun würde.
„Also steckst du dahinter?“, fragte Luke mit zitternder Stimme, „Hast du Kim das angetan?“
„Wer weiß?“, sagte Chloe lachend und gab dem Monster einen Klaps. Dieses schoss sofort mit den anderen auf Luke zu, der seine wackelige Hand erhob.
Als Nächstes kommt noch eine Verbannungspatrone! Dachte er und schoss. Zwei Wesen auf einmal zerplatzten wie das erste und erneut drückte der Rückstoß heftig gegen Lukes Arm. Er gab sich aber keine Zeit und schoss noch einmal. Wieder ein Treffer, als Ranken aus dem Boden schnellten und drei der Monster packten und einwickelten.
„Oh? Ich sehe, du hast dich bei den Schlingpflanzen im Wald bedient? Wusstest du, dass ich früher gerne mit ihnen gespielt habe?“, fragte Chloe über Lukes nächsten Schuss hinweg, während eins der Wesen mit seinem Schweif peitschte und eine klebrige Kugel in seine Richtung schleuderte. Es traf ihn am Bein und fixierte ihn am Boden.
„Shit“, zischte er und zog an seinem Bein, doch egal wie sehr er zog, sein Bein schnellte immer wieder zurück ins Gras.
„Oho, Luke. Gleich haben sie dich.“
BANG, BANG, CLICK, CLICK, CLICK
Luke wurde bleich, als noch drei der Wesen übrig waren und ihn nun zusammen mit Chloe auszulachen schienen. Er ließ sich davon aber nicht ablenken. Er musste weiterkämpfen, für Kim! Er öffnete den Zylinder des Revolvers. Alle sechs Kammern rauchten vor Hitze.
„Gute Idee, Luke, immer schön nachladen. „Los, schnappt ihn euch!“
Luke biss die Zähne zusammen und griff in seine Tasche, um seine Patronen herauszuziehen. Er drückte sie in die Kammern, verbrannte sich an dem Metall, aber drückte den Kolben trotzdem zu.
Die Monster sprangen auf Luke zu. Er hob seine Waffe.
BANG
Ein blauer Schild spannte sich vor Luke. Die Monster sprangen dagegen und zerplatzten wie die anderen. Zitternd fiel er auf die Knie und begann, den Kleber zu bearbeiten, der sich sein Bein hochfraß.
„Verdammt, Luke, nicht schlecht“, rief Chloe und klatschte in die Hände.
BANG
Ranken wickelten sich um Chloe und mumifizierten sie augenblicklich. Die Pflanze drückte sich über Chloes Mund und die Augen. Er brauchte Ruhe. Musste sich konzentrieren. Musste einen Weg finden, um das alles rückgängig zu machen.
„Kein Wunder, dass ihr euch immer knebelt“, murmelte Luke und zog die Erde mitsamt dem Kleber an seinem Bein heraus. Er schaffte es dann, das schwarze Zeug von seiner Jeans zu lösen, und stand auf. Chloe wackelte erneut fröhlich in den Ranken, doch neben ihr stand noch jemand. Auf den ersten Blick war es Kim, aber von ihrem hübschen Lächeln war nichts zu sehen. Als hätten Gier und Wut ihr Herz verschlungen, grinste sie Luke boshaft an. Ihre sonst hellblauen Augen hatten sich verfärbt. Eines war nun violett, während das andere strahlend rot war. Ihre Haare waren zu zwei langen, buschigen Zöpfen gebunden und auf ihrem Haupte ruhte eine mit spitzen Stacheln bewährte Krone. Ihre Hände waren wie schwarze Klauen und sie trug einen knappen Latexbody, an dem Overknee-Strümpfe befestigt waren. Die hochhackigen schwarzen High Heels waren mit dunklem Gold verziert, welches selbst in der regnerischen Stadt strahlte. Von ihren Schultern fielen Latexfetzen zu Boden, wie die Flügel eines in Öl steckenden Vogels. Luke wusste sofort: Dies war nicht seine Freundin. Sondern das Monster, welches sie gefangen hielt.
„Nicht schlecht, Junge … deine Waffe hat meine Monster besiegt und meine Dienerin außer Gefecht gesetzt. Nicht dass das besonders schwierig war“, rief das Monster mit Kims Stimme und lachte spöttisch. Mit einer Handbewegung verkohlten die Pflanzen, die Chloe festhielten, und die Blondine, krabbelte auf allen vieren zu Kims Körper, um ihr Bein zu umarmen.
„Danke, Herrin. Schau, ich habe ihn zu euch gebracht. Dafür darf ich belohnt werden, oder?“, flüsterte sie eifrig, und Kim sah missbilligend auf sie hinunter.
„Nachdem du in deine eigene Falle getreten bist, du gieriges Stück“, murmelte sie und trat sie beiseite. Im selben Moment jedoch stöhnte Chloe auf, als sie vor Kim kniete, und ein Zittern durchfuhr ihren Körper. Gleichzeitig erschien ein Halsband um Chloes Nacken, von dem eine Kette zu Kims Hand verlief.
„Aaaah, danke, Herrin“, stöhnte Chloe während Kim ihr über den Kopf streichelte.
„Vielleicht eine kleine Belohnung, aber denk dran. Wir haben noch einen Gast. Benimm dich, Sklavin.“
„Ja, Herrin“, sagte Chloe und leckte sich über die Lippen, während sie dankbar über Kims Oberschenkel streichelte. Dabei warf sie Luke einen kurzen Blick zu. Auch Chloes Augen hatten sich zu einem blassen Rot verfärbt.
Also war sie doch nicht der Drahtzieher, sondern weiterhin das, was in Kim steckt. Dachte Luke, klappte den Zylinder seiner Waffe erneut auf und lud den Revolver mit seinen letzten Patronen nach.
Verbannung, Verbannung, Ranken, Schutzschild, Blitz, Verbannung. Er zählte mit und tastete nach mehr Patronen, doch fand er nur noch eine. Er warf einen schnellen Blick darauf und verzog das Gesicht. Es war die erste, die er hergestellt hatte. Ein Prototyp und extrem instabil. Er hatte Glück, dass sie bei all den Strapazen nicht von selbst hochgegangen war. Seine Mutter musste ihm wohl einfach alle gegeben haben.
„Bist du fertig, Junge? Ich muss sagen, ich bin überrascht, dass du …“, Kim sah ihn angewidert von oben bis unten an, „es geschafft hast, meine Schattendiener zu verbannen und auszuschalten. Das wird aber nicht bei mir funktionieren. Glaub mir, ich habe es versucht!“
Luke hob seinen schmerzenden Arm. Er hatte Schwierigkeiten, zu zielen. Schwierigkeiten, Kim ins Visier zu nehmen.
Was wird passieren, wenn ich sie treffe? Würde ich Kim retten oder …? Dachte er und sah das höhnische Lächeln.
„Ich sag dir was, Junge: Warum machst du nicht deinen ersten Schuss und ich bereite solange den letzten Teil des Rituals vor“, rief Kim und hob ihre Hand. Ein roter Runenkreis erschien unter und über ihr, während die Wolken im Himmel anfingen, sich über ihr zu drehen. Blitze zischten über ihnen hinweg und Donner grollte und ließ Lukes Ohren zittern. Er musste es tun, musste abdrücken.
BANG
Der blaue Kreis erschien auf Kims Brust. Die Magie zog an ihr, doch nichts geschah. Kim sah erstaunt auf die Runen und dann zu Luke.
„Wirklich nicht schlecht, Junge … wärst du nur vor 800 Jahren geboren worden. Dann wäre der Kampf interessanter.“
Kim machte eine Wurfbewegung in seine Richtung und Luke sah die schwarzen Wolken durch den Runenkreis über ihr schießen. Sie verwandelten sich in die klebrige Masse und flogen weiter in seine Richtung. Er schaffte es gerade noch, beiseite zu springen, während die Fäden sich hinter ihm tief ins Gras bohrten. Luke drehte sich nicht um, schoss nicht. Er wusste, dass er ohne Plan keine Chance hatte. Luke rannte zur Seite und warf sich hinter ein parkendes Auto. Sofort regneten weitere Fäden herab und durchlöcherten seine Deckung. Luke stolperte dahinter hervor und warf sich hinter ein weiteres Auto. Er sprang kürzer als erwartet, doch rettete ihm das sein Leben, als eine schwarze Klinge das Auto in zwei Teile teilte und den Asphalt spaltete.
„Oh? Zu kurz gesprungen?“, fragte Kim belustigt, als sich das schwarze Schwert erhob und erneut auf Luke zuschnellte. Instinktiv schoss Luke danach und die Waffe wurde von dem Runenkreis verschlungen.


Kim stolperte mit trüben Augen die Treppe hoch, weiter, immer weiter. Sie hatte schon vergessen, wann sie aufgehört hatte zu zählen. Warum sie lief. Die Ketten nahmen ihr, ihre Kraft. Kim schluckte schwer. Das Latex auf ihrer Haut, das Umschmeicheln von den Schatten. Es fühlte sich gut an. Der Aufstieg dagegen …


Luke rannte weiter. Sein Herz raste vor Erschöpfung, Stress und Zorn. Das Lachen von Kim und Chloe in seinen Ohren, während er einem Angriff nach dem anderen um Haaresbreite entkam.
BANG
Ranken wuchsen an Kim und verschlangen ihren Körper, doch ein Schnippen ihres Fingers ließ sie zu Asche verdampfen.
„Das hatten wir doch schon, Junge. Hast du nichts Neues?“, rief Kim, und eine neue schwarze Klinge zerteilte einen Bus horizontal. Luke duckte sich und rollte über die Straße. Scherben und Metall flogen um seine Ohren. Er spürte, wie sie sich in seine Haut bohrten, doch war da kein Schmerz. Sein Arm war das Einzige, was ihm wehtat. Doch er musste kämpfen, weiter rennen. Für Kim. Luke hob seine Waffe zum Himmel, als Hunderte Nadeln auf ihn hinunterregneten.
BANG
Wieder rettete ihn der blaue Schild, als Kims Magie daran zerschellte.
„Denk an deine Deckung, Kleiner!“, rief Kim, und plötzlich wurde Luke zu Boden gerissen. Ihre Magie hatte seinen Fuß gepackt und zog ihn über die Straße. Sie schleifte Luke zu sich und nagelte seine Hand mit ihrem Stiefel auf den Asphalt. Er zog, doch es war, als stecke sein Arm in einem Schraubstock.
„Wirklich nette Waffe, Junge. Deine Opferbereitschaft ist wirklich ehrenhaft. Zu schade, dass es nun vorbei ist! Nimm seine Waffe, Sklavin.“
„Ja, Herrin“, kicherte Chloe und kroch auf Luke zu.
„Tut mir leid, Chloe“, sagte Luke zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen und drückte ab.
BANG
Ein grelles Licht erschien auf Chloes Keuschheitsgürtel und blendete die beiden Frauen. Kim stolperte weg, als selbst der Regen von dem Licht verdrängt wurde. Luke nutzte seine Chance und rappelte sich auf. Er drückte nochmal den Abzug.
BANG
Ein weiterer Runenkreis erschien direkt über Kims Herz. Erneut schien er nur an ihr zu ziehen, doch nichts weiter passierte.
„Kim, bitte! Ich weiß, dass du da drin bist! Bitte!“, rief er ihr ins Gesicht, während sie sich die Augen rieb. Luke ergriff ihre Hände und schrie sie erneut an.
„KIM! BITTE!“


Kim wusste nicht mehr, warum sie noch weiterkämpfte. Warum sie die Treppe erklomm. Die Dunkelheit war so einladend. Sogar warm. Sie musste nur einen Schritt machen. Einen Schritt und Jinara würde ihr wieder alle Wünsche erfüllen, oder?
„Kim!“
Da waren sie wieder. Die Stimmen der Schatten, die nach ihr griffen.
„Ja?“, flüsterte sie und ging auf den Abgrund zu.
„BITTE! KIM! BITTE WACH AUF!“
Die Schatten hatten Panik. Dachte sie und lachte in sich hinein.
„KIM!“
Sie blinzelte. Das waren nicht die Schatten. Sie sah die Treppe hoch. Dort sah sie ihn. Ihr Ziel. Den Spiegel und darin, sah sie Luke. So nah und doch so fern.
„Die Treppe …“, flüsterte Kim und ging vom Abgrund weg. Sie stieg wieder die Treppe hoch. Sie rannte. Die Ketten interessierten sie nicht mehr. Sie musste Luke sehen.
„LUKE!“, schrie sie aus voller Kehle.



„LUKE!“, schrie Kim, während sie den Kopf schüttelte und hoch zu ihm sah. Einen kurzen Moment konnte er ihre strahlend blauen Augen sehen. Doch so schnell, wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder.
„DU KLEINER!“, fauchte sie und entriss ihre Hände aus Lukes griff. Sie packte ihn an der Kehle und warf ihn zu Boden. Röchelnd schnappte er nach Luft und hielt Kims Arm. Versuchte ihn wegzudrücken, doch sie drückte ihm die Luft ab.
„Was sind deine letzten Worte, Mensch, bevor ich dich umbringe und die Stadt zu meinem neuen Reich mache!“, fauchte Kim, während seine Kräfte nachließen und seine Arme zu Boden fielen. Kim sah, wie der Glanz in seinen Augen langsam nachließ. Wie sie es vermisst hatte, aber bald hatte sie für immer Kims Körper in ihrem Besitz. Sobald Kim den letzten Schritt machte.
„Moment … wo ist sie?“, flüsterte Kim panisch und für einen Moment ließ sie Luke los.
„Eine … habe ich … noch“, sagte er, als er kurz einatmete und mit neuer Kraft seine letzte Patrone hochhob. Einen Herzschlag lang sahen sie beide auf die Patrone in seiner Hand. Dann schlug er sie auf den Asphalt und sofort wurden beide von der Explosion weggeschleudert. Kim wurde gegen ein Gebäude geworfen. Sie fiel auf ihre Beine und stolperte nach vorne. Hielt sich ihren Kopf. Dann: Ein Schrei.


Kim rannte, nein, flog die Treppen hoch, als die Ketten sich in Rauch auflösten. Der Spiegel kam näher. Eindeutig. Jinara würde verlieren. Kim würde nicht ihren Körper verlieren. Sie musste nur durch den Spiegel. Nur die letzten Stufen.
„VERPISS DICH AUS MEINEM KÖRPER!“, schrie Kim und machte einen Satz nach vorne. Der Spiegel explodierte in tausend Scherben.



Kim stolperte. Blinzelte in das Licht der Sonne, als der Himmel langsam aufklarte.
„Ich habe meinen Körper wieder?“, fragte sie und sah auf ihre Hände. Das Latex an ihnen löste sich auf und ihre Krallen verschwanden. Selbst der magische Stein, der seit gefühlt Jahren in ihrer Brust steckte, fing an zu bröckeln und fiel zu Boden. Ihr finsteres Gewand verschwand und ließ sie in einfachen Jeans und einem Shirt zurück. Sie sah an ihren Händen vorbei zu Boden. Neben ihr lag eine schlafende Chloe. Eine magische Kette verlief von Kims Hand zu dem Hals ihrer Schwester. Angewidert zog sie daran und sie löste sich augenblicklich auf. Ein Klicken war zu hören, als sich der Keuschheitsgürtel und der BH öffneten und Chloe befreiten.
„Endlich sind wir beide frei, Schwester“, murmelte Kim, doch dann erinnerte sie sich: „LUKE!“
Sie sah sich in den Trümmern um und da sah sie ihn. Er lag bewusstlos auf dem Boden. Sofort rannte sie zu ihm und kam schlitternd zum Halt. Er atmete nicht. Sein Hemd war zerfetzt und seine Haut darunter blutete. Kim wusste nicht wieso, aber sie wusste, dass sie etwas tun musste. Sie hielt ihre Hand über seine Wunden und Magie floss daraus hervor. Die letzte, die sie noch von Jinara hatte. Seine Wunden schlossen sich und er zog Luft ein. Erleichtert atmete sie auf, bis sie Lukes rechten Arm sah. Sie war voller blauer Linien, die sich in seine Haut gebrannt hatten.
„Luke … was hast du getan?“, fragte sie entsetzt, als sie das Zittern in seinem Arm bemerkte.

Celine hatte den Telefonhörer in der Hand und wartete darauf, dass jemand abnahm. Ungeduldig tippte sie mit ihrem Finger auf ihrem Wohnzimmertisch herum, während Luke, Kim und Chloe auf ihrem Sofa und Sessel schliefen. Terra wachte besorgt über sie, doch sah sie selbst so aus, als bräuchte sie ein Bett.
„Komm schon. Ist doch schon … oh, erst vier Uhr“, murmelte Celine kleinlaut und versuchte es dennoch noch einmal. Sie warf dabei einen Blick auf den Fernseher, der von den Geschehnissen in Leon City berichtete. Natürlich drückten die Menschen sich so einiges zurecht. Wenigstens kam keiner von ihnen auf den Gedanken, dass sie fast als magische Batterie für eine alte Freundin geendet wären. „Chemieunfall in einer nahen Fabrik“ war die Schlagzeile und die Menschen glaubten es.
„Tanja …“, sagte plötzlich jemand auf der anderen Seite des Hörers.
„Aaaaah, hallo Tanja. Tut mir wirklich, wirklich sehr leid, dass ich dich störe …“
„Wusstest du, dass es in England gerade vier Uhr morgens ist?“
„… um vier Uhr morgens. Sag, könnten ein paar meiner Freunde bei dir unterkommen? Ich möchte sie gerade in Sicherheit wissen.“
Stille. Celine hörte nur das Geräusch eines Fernsehers im Hintergrund.
„Tanja?“
„Yeah … yeah. Ich muss überlegen. Hat das was mit dem Chemieunfall zu tun, von dem ich gerade in den Nachrichten erfahre?“
„Ein wenig. Ich habe Angst, dass es jemand auf Chloe und ihre Schwester abgesehen hat. Ich will sie außerhalb des Landes schaffen. Zumindest bis sich die Lage hier beruigt.“
„Haaaaaa. Natürlich. Ich ehm … habe vielleicht noch irgendwo Platz für zwei weitere Schwestern …“
„Vielleicht drei … oder“, sagte Celine und dachte für einen Augenblick nach, „vielleicht vier.“
„Das macht es nicht einfacher … haaaaa. Ich schau mal, was ich machen kann.“
„Vielen Dank.“
„Gern geschehen.“
Celine legte auf und drehte sich zu Terra.
„Und?“, murmelte Terra und sah besorgt auf Lukes Arm. Selbst Phaes Magie konnte ihn nicht heilen.
„In England sollten sie eine Weile in Sicherheit sein. Wir müssen das hier lösen, bevor Jinara Rache an ihnen nehmen will.“
„Meinst du, wir sind diesmal bereit?“
Celines Mund wurde sehr schmal. Sie fürchtete sich vor der Antwort.

Wo bin ich? Dachte Jinara als sie aufwachte. Sie wusste sofort, dass sie nicht mehr in Kims Körper steckte, aber ohne Körper war sie auch nicht. Sie befand sich in einer fast leeren Hülle.
„Hallo?“, fragte sie und sah sich um, doch niemand antwortete, „Nun … wenn du den Körper nicht mehr willst … dann nehme ich ihn mir einfach.“
Jinara nahm die Kontrolle und sofort spürte sie einen enormen Widerstand, als sie sich bewegen wollte.
„Was zum … Fuuuuck“, fluchte sie, als sie den Körper erkannte. Das schwächste Gefäß, das sie je hatte. Doch als sie ihre Augen öffnete, sah sie noch jemand anderen. Eine Gestalt kauerte vor ihr. Wimmernd und weinend.
„Magisch“, murmelte Jinara und leckte sich über die Lippen. Vielleicht war eine kleine Pause genau das, was sie brauchte. Kräfte sammeln und diesen nutzlosen Körper mithilfe der magischen Quelle vor ihr neu gestalten.
Knack
Sie bog eine Metallstrebe zur Seite. Sie brach ab und fiel klappernd zu Boden. Die Frau vor ihr schreckte auf und sah auf. Ihre blassblauen Augen, kamen Jinara bekannt vor. Sie grinste.
„Hätte nicht erwartet, dass du dich in diese Zeit verlierst, Terra.“
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