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  Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires
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Sol Invictus
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  Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:19.04.21 20:50 IP: gespeichert Moderator melden


Ich habe nun schon länger an Script und Welt einer Geschichte gearbeitet. Das erste Kapitel ist fertig. Zu den Themen die uns Bewegen kommt es vorrangig erst im letzten Drittel, aber ich wollte der jungen Frau und Welt doch einen komplexen Background geben.

Die Dame wird (über)morgen 18, im dritten Kapitel. In den ersten Kapiteln, so wie weit darüber hinaus, passiert sicher nichts, was nicht "tugendhaft" ist. Der Hintergrund erschließt sich zudem im zweiten Kapitel.

Der/die geneigten Leser brauchen ein wenig Geduld, bevor es überhaupt zu konkreteren Handlungen im Rahmen dieser Gruppe kommt.

Wie der Titel schon sagt, handelt es sich um eine Adaption der viktorianischen Epoche, diese in das Zeitalter ca. 3000 Jahre nach dem ersten Interstellarflug der Menschheit. Im Lauf der Gesichte wird man wohl auch etwas über den Verlauf unserer Zukunft erfahren und wie es zur Gründung des Empire kam.

Kommentare sind willkommen. Ich werde aber meine Gesichte nicht besonderen wünschen anpassen.

Das Copyright der Gesichte liegt bei mir und eine Veröffentlichung anderenorts oder auf anderen Medien ist nicht ohne Rücksprache und Genehmigung gestattet.

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Sol Invictus am 08.08.21 um 09:19 geändert
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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:19.04.21 20:52 IP: gespeichert Moderator melden


Sol Victoriana

Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires


Kapitel 1 – Ankunft in einer antiken Gegenwart

Für einen Moment wurde Isabella schwindelig. Die Brücke hatte kurz vor dem Wiedereintritt in den Normalraum zwar das Warnsignal ausgelöst, die Zeit bis zum Wiedereintritt aber war sehr kurz gewesen, so dass Isabella sich nicht mehr hinsetzen konnte und beinahe auf dem Gang gestürzt wäre. Die „Express Trader IV“ war halt kein Passagierschiff, sondern ein schneller Langstreckenfrachter. Man hatte wohl den Passagier vergessen oder einfach schon zur Besatzung gezählt. Es dauerte Monate, oder wie beim Militär trainiert, viele Wiedereintritte aus dem Hyperraum in den Normalraum, bis der Körper sich an diesen Wechsel gewöhnte. Sie kämpfte einen kurzen Moment mit der aufkommenden Übelkeit. „Nur nicht noch die letzten Stunden blamieren und auf den Gang kotzen“ ging ihr durch den Kopf.

Am nächsten Infopanel rief sie die Position zur Sonne des Systems, in dem sie angekommen waren, ab und ging dann in die Crew Mess wo es Fenster gab. Als sie am Fenster stand, sah sie die in der ferne klein wirkenden Sonne. „Sol Victoriana, die Sonne unter der meine Eltern geboren wurden“ dachte sie und musste für einen Moment mit den Tränen kämpfen beim Gedanken an ihrem von 1,5 Jahren verstorbenen Vater und das ihre Mutter nun unweit schwer verletzt in Stasis im Koma lag, in irgendeinem Krankenhaus auf Victoria Prime dem zweiten Planeten des Systems. „Warum bist du bloß hierhergereist, wo uns doch keiner haben wollte vor 18 Jahren“ dachte sie. Ein komisches flaues Gefühl bewanderte sie. Als Frau war es nicht unbedingt ratsam in das Hoheitsgebiet des „Victorian Empire“ zu reisen und damit wohl noch weniger in das Heimatsystem. Sie hatte sich umfassend auf „Numerus Prime“ informiert, inwieweit das Rechtssystem des Empires sich auf sie auswirken würde, aber man hatte ihr gesagt, dass sie sich natürlich wie im Abkommen des „Commonwealth“ vereinbart, an die Grundregeln der Gastwelt halten müsse, aber sie ansonsten komplett durch ihre Staatsbürgerschaft der „Five Stars Federation“ geschützt sei. So war sie zu ihrer ersten Interstellaren Reise aufgebrochen, keine drei Wochen vor ihrem 18. Geburtstag, nachdem sie von einem Mann mit dem klangvollen Namen „Lord Horatio Edward Portsmith“ die Nachricht erhalten hatte, dass ihre Mutter zusammen mit ihrem Onkel einen schweren Weltraumunfall hatte. Die Behörden von Numerus hatte dies nach Rücksprache mit denen von Victoria Prime bestätigt und somit war sie dann aufgebrochen, zu diesem von Lord Portsmith kurzfristig organisierten Direktflug. Sie war überrascht das der Mann einen Frachter nach Numerus Prime umleiten konnte, nur um eine junge Frau an Bord zu nehmen, deren Mutter viele Lichtjahre entfernt im Koma lag. Nahm das Angebot dann aber an, da jede Passagier-Linienreise mindestens 3 Umstiege bedeutet hätte und über 6 Wochen Reisezeit.

„Hey Kleine“ ertöne es von hinten und riss Isabella aus ihren Gedanken. „Auch wenn du erst übermorgen Geburtstag hast, habe ich ein Geschenk für dich, reich mir mal dein Personal-ID-Pad. Als sie sich umdrehte sah sie den Chief und musste lächeln, bei den Gedanken an die letzten nun fast zwei Wochen an Bord. Normalerweise hätte sie sich von niemanden als „Kleine“ anreden lassen. Auf Numerus Prime wäre das locker als sexistische Anspielung wahrgenommen worden, aber sowohl menschlich wie auch körperlich machte es ihr hier nicht aus und sie reichte dem über 2,20 m großen Toxaner ihr Pad. „Der Kapitän und ich habe dir ein Praktikumszeugnis für deine Arbeit an Bord geschrieben und auch deine herausragende Leistung im Kühlschacht der Plasmaleitungen. Hätte ich das Ding auseinander bauen müssen, um an die Plasmapumpe zu kommen, hätten wir mehr als 3 Tage ohne FTL mitten im Raum auf Impuls fliegen müssen“. Die Tatsache war ihr nicht neu, erwähnte der Chief sie mit seinem netten Wesen doch seit fünf Tagen, nachdem am sechsten Flugtag eine Plasmapumpe des FTL-Antriebs ausgefallen war und nur über den engen Kühlschacht erreichbar war, zumindest ohne Raumdock. Mit ihren 1,69 m und schmalen Schultern hatte sie so gerade reingepasst. Der Chief, aber auch die meisten anderen Besatzungsmitglieder hätte nicht reingepasst oder wären stecken geblieben. So wurde aus ihrem technischen Praktikum, welches sie dem Kapitän und dem Chief am ersten Abend der Reise abgerungen hatte, ein nicht ganz ungefährlicher Reparatureinsatz in einem Kühlschacht der nur durch 2 Steuerklappen vom Weltraum und damit Vakuum getrennt war. „Damit sollten deine Chancen angenommen zu werden, auf jeder technischen Hochschule im Commonwealth steigen, insbesondere bei Ingenieurwesen für Raumschiffe und falls du mal auf einem Frachtschiff anheuern willst, bestätig das, dass du eine mit allen Sonnenwinden gebürstete Frachtschifferin bist.“ Nach einer kurzen Pause „Ich habe ja nur wenig von dir über deine Reise erfahren, aber sei bitte vorsichtig. Ich muss dir ja sicher nicht erklären, dass diese Viktorianer nicht richtig im Kopf sind, insbesondere was Frauen betrifft. Von deren Frauen hätte sich keine in den Schacht gewagt.“ Jeder im Commonwealth lachte wohl mal über das Victorian Empire bzw. die Viktorianer und jeder im Commonwealth freute sich, wenn das Empire bei militärischen Konflikten Beistand leistete und eine seiner legendären Flotten auftauchte. So mancher Aggressor hatte sich schon umgehend zurückgezogen, wenn ein Flotte des Empires auf seinen Ortungssystemen erschien. Im Gesichtsunterricht war das Empire immer wieder mal Thema gewesen. Aber halt nicht nur wegen seiner Heldentaten. Manche nannten es auch „das realantike altterrestrische Imperium. „Wir sind in 3 Stunden auf der Außenhandelsstation bei Port Nelson, dort musst du umsteigen. Als Passagier dürfen wir dich nicht mit zu dem Mond nehmen, auf dem wir löschen.“ Sie bedankte sich beim Chief, sie hatte wirklich viel gelernt und einen praktischen Einblick in das Leben eines Ingenieurs und technischen Offiziers auf einem Raumschiff bekommen, auch wenn sie schon einiges durch ihren Vater kannte, der als Sicherheitsingenieur Raumschiffe und Raumstation im Heimatsystem prüfte.

In ihrer Kabine überlegte sie beim Packen, was sie anziehen sollte. Auf Numerus Prime hatte sie sich keine Gedanken darüber gemacht. Das komische Gefühl kam wieder, als sie unter der Dusche stand und an einen Satz dachte aus dem was sie die letzten Abende vor dem Schlafen gelesen hatte „Eine viktorianische Frau des Adels oder des Bürgertums ist stets ein Beispiel für Tugendhaftigkeit, Keuschheit und Gehorsam gegenüber ihrem Ehemann, Vater oder anderem Vormund“. Sie dachte an weitere Textpassagen und die Holos die sie gesehen hatte und ließ das Wasser über ihren Körper laufen. Als das Gefühl sich änderte erschauderte sie, stellte das Wasser ab und sprang aus der Dusche. „Den Irren werde ich es schon zeigen“ murmelte sie und zog sich einen einfachen, engen Hosenkombi an, wie er auf Numerus unter jugendlichen schon länger Mode war. Sie war alles andere als die Modegöttin, galt sie doch mehr als Nerd, dennoch hatte sie sich vor abreise noch einen neuen gekauft. Gepackt, geduscht, verabschiedete sie sich bei der Crew der „Express Trader“ auch mit etwas Wehmut, trotz der kurzen Zeit. Vielleicht war zumindest für einen Teil ihres rund 180 bis 200jährigen Lebens die Raumfahrt ja doch etwas, auch wenn sie sich mit Menschen schwer tat und bisher immer bedenken hatte, Mitglied in einer Crew auf engem Raum zu. So stand sie beim Andocken im Schleusenraum. Der Chief hatte ihren Koffer getragen, dieser wirkte in seinen großen Händen wie Kinderspielzeug, zumal er sowieso recht klein war, da sie nicht wusste was sie alles mitnehmen sollte. Kleidung machte da sowieso keinen Sinn, jeder Replikationsshop würde ihr die für wenige Credits herstellen. Sie reicht dem Chief zum Abschied ihre Hand, die förmlich versank in der seinen. „Mach es gut Kleine und pass auf dich auf“ sagte er um lachend zu ergänzen “Und noch ein Rat. Beim nächsten Mal, wenn dir jemand Handschuhe gibt und du mit HX35-Plasmadrucköl arbeitest, zieh sie an!“ und zeigte dabei auf ihre Hand, deren Finger immer noch nicht richtig sauber waren und unter den Fingernägeln schwarze Flecken und Ränder hatte. Das Schott öffnete sich und Isabella trat in den Gang, der sich vor ihr auftat. Scheinbar war der Hangar nicht mit Luft geflutet worden, da die „Express Trader IV“ gleich wieder zum Zielort starten würde. Sie ging die Gangway entlang und hörte, wie das Schott des Frachters sich wieder schloss. Am Ende angekommen stand nun vor einem weiteren Druckschott, dessen Design sie ein wenig irritierte. Das Schott öffnete sich und sie trat hindurch. Ein Mann in dunkelblauer Uniform trat ihr entgegen. „Fräulein Isabella Curtis?“ Bei der Anrede lief ihr ein Schauder über den Rücken. „Ja, das bin ich“ war alles was auf ihrem Mund kam. „Ich bin Royal Immigration Inspector Rogers. Folgen sie mir bitte!“ Der Mann ging vor und Isabella wunderte sich über ihre Universalübersetzer im Ohr, der scheinbar Probleme hatte alle Wörter in Interterrest zu übersetzen. Obwohl oder weil er das meiste und wesentliche im Satz in Interterrest gesprochen hatte. Die Halle, durch die sie gingen, war für Isabella erstaunlich gestaltet. Pfeiler waren nicht einfach Pfeiler, sondern waren mit Strukturen verziert. „Wer betreibt schon so viel Aufwand für ein paar Stützpfeiler“ fragte sie sich. Eine Bank an einer Wand hatte verzierte Beine und Lehnen. Eine banale Bank in einer was auch immer für eine Halle eines Raumdocks. Sie begegneten nur wenigen Leuten, die alle Uniformen oder Arbeitskleidung trugen in einem Stil der Isabella unbekannt war und merkwürdig vorkam. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie an eine große Tür mit 2 Türflügeln, die sich automatisch öffneten, nachdem der Mann mit einem ID-Pad sich identifiziert zu haben schien. „Leider mussten wir sie in einer Frachthalle in Empfang nehmen, da ihr Schiff nicht in einer Halle für Personenverkehr andocken konnte. Schiffscrews reisen übelicherweise nicht ein, daher mussten wir einmal durch einen kleinen Teil des Frachtbereich.“ Nachdem sie die große Tür durchschritten hatten, wurde alles noch merkwürdiger. Es gab so etwas wie Schalter, die zumeist unbesetzt waren, an zwei dieser Schalter sah sie gelangweilt wirkende Uniformierte. Die Schalter selbst und viele Elemente in dieser Halle waren auch wieder mit Verzierungen versehen, noch viel aufwändiger als die auf dem Weg bis hier. Isabella staunte und auch wenn sie innerlich über die nutzlose Verschwendung nachdachte, musste sie doch auch ebenso zugeben, dass die Ästhetik eine repräsentative Wirkung hatte. Sie ging davon aus, dass sie zu einem dieser Schalter gehen würden, aber der Mann führte sie zu einer weiteren großen repräsentativen Tür mit auffälligem Schriftzug, auf den beiden Türflügeln. Leider half ihr der Übersetzer im Ohr hier nicht mit der Beschriftung „Gentry and Peers“.

Der Raum, den sie betrat, war viel aufwändiger als die Halle ausgestattet. In der Fläche erheblich kleiner, aber nicht minder hoch. Zwei aufwändig verschnörkelte Bänke mit Stoffbezug der teuer aussah. Der Mann jedoch wies auf 2 ebensolche Stühle vor einem wuchtigen Schreibtisch, um den er herum ging. „Bitte setzen sie sich Fräulein Curtis“ Isabella setzen sich, worauf hin sich der Mann auch setzte. „Ich werde ihnen ihre Aufenthaltsdokumente ausstellen. Würden sie mir bitte ihr Personal-ID-Pad geben?“ Isabella hatte es die ganze Zeit in der einen Hand gehabt und reichte ihm das kleine Pad. „Sehr einfach gehalten“ sagt er als er es entgegennahm und mit verwundertem Blick. Isabella wusste aber nicht was er meinte, es war technischer Standard. „Für den Aufenthalt und bei ihrem Stand benötigen sie ein ID-Pad des Empires. Es wurde bereits für sie eines bereit gelegt. Ich werde alle Daten von ihrem Pad kopieren und natürlich den Kopierhinweis vermerken. Außerhalb des Empires können sie das neue ID-Pad nicht verwenden. Die IDs auf ihrem Pad werden bei Ausreise automatisch wieder aktiviert.“ Isabella bekam ein ungutes Gefühl was dem Beamten aufzufallen schein. „Dies ist ein normaler Vorgang, der auch in anderen Hoheitsgebieten üblich ist. Aufgrund einiger Besonderheiten ist ihr Pad nicht 100% kompatibel mit unserer Infrastruktur. Sie müssen sich keine Sorgen machen.“ Der Mann tippe etwas auf dem Display im Schreibtisch. Dann nahm er eine Schachtel aus der Schublade und holte aus diesem etwas was sicher der neue PIDP war, aber mit aufwändigen Verzierungen versehen. Was Isabella im ersten Moment für Gold hielt war auf dem zweiten Blick Messing als Gehäuse. „Wer benutzte im Zeitalter von tausenden Plastikwerkstoffen für jeden Zweck anstelle dieser Metalle wie Messing für Geräte?“ „Zudem habe ich ihren Namen angepasst, bei uns sind sie als Isabella Sophia Beatrice in den Geburtsunterlagen geführt.“. Isabella war verwirrt, sagte aber nichts weiter. Alles wirkte immer mehr einschüchternd, obwohl der Mann sehr freundlich war.

Sehr lange hatte sie nichts von der ihrer Herkunft ihrer Eltern gewusst und erst als sie schon 15 war an einem Abend plötzlich offenbart. Allerdings auch da noch nicht die volle Wahrheit, nur das die Eltern aus dem Empire ausgewandert waren und Asyl auf Numerus Prime suchten. Erst kurz vor dem Tod ihres Vaters hatte sie mehr erfahren und vielleicht die volle Wahrheit kurz vor der Abreise ihrer Mutter vor 3 Monaten, welche sie wegen dem anstehenden Schulabschluss nicht begleiten konnte. Zumindest befürchtete sie jetzt, dass es noch nicht alles gewesen war. „Angesichts der tragischen Umstände ihres Besuchs und da Lord Portsmith für sie bürgt sowie natürlich und vor allem, da sie Enkelin von Lord Asterock sind und dieser den Status ihrer unrechtmäßigen Zeugung und Geburt annulliert hat, mache ich die Einreiseformalitäten kurz.“ Sagte der Mann nun in inzwischen gewohnt freundlichen Ton. Isabella aber war geschockt. „Ich bin was?“. „Laut allen Unterlagen sind sie Enkelin von Lord Asterock, die Tochter seiner Tochter Sarah Maria Alice Asterock, unrechtmäßig verheiratete Curtis, aus dem Familienbann vor 5 Wochen entlassen.“ Isabella war im großen Stuhl nun kerzengerade sitzend wie versteinert. „Und was war das mit unrechtmäßig und mir?“ fragte sie mit zitternder Stimme nach einer Pause, die der Mann ihr freundlicher weise gewährte. „Ich merke gerade, dass sie nicht über ihre Herkunft informiert zu sein scheinen. Es tut mir aufrichtig leid, das habe ich nicht gewusst.“ Seine Stimme klang ernstgemeint und betroffen entschuldigend. „Und scheinbar kennen sie auch nicht unsere Gepflogenheiten bezüglich des Umgangs zwischen Adel und Bürgerlichen wie ich vermuten muss. Ihr Vater, ein bürgerlicher,“ der Mann räusperte sich nun „hat Unzucht mit ihrer Mutter, einer Adeligen, begangen mit dem Resultat das sie, wie soll ich sagen, geboren wurden.“ Isabella war nicht mehr nur versteinert, sie war starr wie härtestes Stahlkomposit. Dem Mann schien die Situation inzwischen sehr unangenehm. „Ich schlage vor, sie klären alles weitere mit ihrer Familie, das sind eigentlich keine Themen über die wie hier öffentlich reden. Soweit mir bekannt ist Lord Portsmith mit kleiner Entourage anwesend, um sie abzuholen“ Isabella hatte von Anfang an das Gefühl gehabt, dass mit dieser Reise was nicht stimmt und kein gutes Ende nimmt. „Meine Mutter liegt wirklich im Krankenhaus?“ kam aus Isabellas Mund mit kleinlauter Stimme. Der Beamte schaute noch einmal auf seinem Display „Ja, das stimmt. Raumunfall wie es aussieht. Ihre Mutter ist im Koma und Stasis geführt. Wie ich sehe, kam bei dem Unfall ihr Onkel ersten Grades ums Leben. Es tut mir leid ihnen das alles so mitteilen zu müssen, ich ging davon aus, sie sind über alles informiert!“ nach einer kurzen Pause „Zwei Damen aus der Entourage vom Lord warten im Wartebereich auf sie, um sie abzuholen.“ Der Beamte wirkte nun ebenso hilflos wie Isabella und reichte ihr das neue und ihr altes PIDP. „Das alte bitte nicht im Empire verwenden.“ Isabella nickte nur. „Durch diese Tür, dahinter wartet man auf sie und ich bin sicher ihre Fragen werden dort alle besser beantwortet werden können als ich es kann.“ Der Mann wies auf eine Tür gegenüber der, durch welche sie den Raum betreten hatte. Isabella stand auf, ihre Knie waren weich, sie nahm ihren Koffer und ging auf die Tür zu, der Beamte war vorausgeeilt und hatte die Tür geöffnet. „Bitte sehr!“
Isabella trat hindurch, als sich die Tür hinter ihr schloss schaute sie auf das neue PIDP, das Display war noch an und die Sprache stand auf Interterrest „Name: Asterock Vorname: Isabella Sophia Beatrice Familienstand: Ledig Haus: Asterock Stand: Lordship first Grade, erste Tochter, der ersten Tochter von Lord Asterock“ und noch ein paar weitere Daten, die sie nicht mehr wahr nahm weil sie eine Frauenstimme ablenkte.

„Fräulein Isabella Sophia Beatrice Asterock?“ ertönte eine hohe weibliche Stimme. Isabella sah auf und eine Frau mittleren Alters kam auf sie zu, gefolgt von einer jüngeren Frau. „Ja?“ entfuhr es Isabella, sie war sich nicht mehr wirklich sicher diese zu sein oder besser gesagt nicht sicher diese zu sein. „Mein Name ist Fräulein Stonewick, ich bin die Gouvernante im Haus Portsmith und ihre Lordschaft schickt mich sie abzuholen. Da sie verfrüht angekommen sind und er noch zu einem wichtigen Termin auf der Station musste, wofür er sich entschuldigen lässt.“ Die junge Frau hatte mit kleinen Schritten aufgeschlossen und stand nun leicht nach hinten versetzt neben der Älteren. „Ähm Gouvernante? Mein InEarTranslator macht seit meiner Ankunft Schwierigkeiten, wenn kein Interterrest oder gemischt gesprochen wird, sie scheinen viele Worte aus ihrer Sprache im Interterrest zu verwenden“. „Fräulein“ entfuhr es der Frau „Mit Ähm stellt man keine Frage und man verwendet für eine Frage einen ganzen Satz. Wegen der Höflichkeit gegenüber der befragten Person.“ „Das soll wohl heißen ich bin unhöflich“ ging es Isabella durch den Kopf. „In der Tat, ihre Mutter hat ihnen scheinbar noch weniger als ich schon befürchtet habe über angemessene Umgangsformen beigebracht.“ Mist das hatte sie nicht nur gedacht. „Ich muss ja befürchten das sie meinen Schützling mit ihren Manieren beschämen.“ „Schützling?“ „Ich stelle vor“ sie drehte sich leicht zur Seite und zeigte elegant mit der einen Hand auf die junge Frau „Fräulein Alice Beatrice Sophia Portsmith, dritte Tochter ihres Onkels zweiten Grades Lord Horatio Edward Portsmith und damit ihre Cousine zweiten Grades.“ Isabella war von so viel Vorstellung und all dem der letzten Stunde verwirrt, so dass sie einfach automatisch nur ihre Hand reichte „Isabella, meine Freunde nennen mich Isy“, in dem Moment wo ihre Cousine einen Knicks machte, zumindest nahm sie an das es ein Knicks war, von dem sie gelesen hatte vor ein paar Tagen. „Entschuldigung, aber ich glaube wir kommen aus unterschiedlichen Universen“ entfuhr es Isabella.

„Nun, ich nehme an das ihre Mutter nicht nur jeglichen Kontakt zu ihrer Heimat und Familie abgebrochen hat, sondern auch zu ihrer Kultur und Erziehung und ihnen Kultur und Erziehung ihrer neuen Heimat hat zukommen lassen. Dafür müssen sie sich nicht entschuldigen Fräulein Asterock.“ hörte sie nun zum ersten Mal die sanfte und zurückhaltende Stimme ihrer Cousine. Isabella war vom freundlichen und sanften Tonfall sehr angenehm überrascht, sie hatte gerade mit dem nächsten unfreundlichen Hinweis auf ihre Manieren gerechnet. Isabella sah sich die beiden Frauen nun zum ersten Mal bewusst an, da trotz allem ihr Verstand die Verwirrung hinter sich zu lassen schien und wieder klarer wurde. Dieses „Fräulein Gouvernante“ schein um die 100 zu sein, ganz konnte sie den Alterungsprozess im Sol Victoriana System nicht einschätzen, sie trug ein braunes, hochgeschlossenes Kleid und hatte eine schmale Taille, der Rock war oben wie das Oberteil enger, fiel dann aber weiter aus bis zum Boden. Am Oberteil waren vorne braune seidene Applikationen eingearbeitet. Ihre Cousine schein ungefähr im gleichen Alter wie sie selbst zu sein, ihre blonden Haare waren wohl unter dem Hut zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt. Die Taille war hingen im Vergleich mit der von „Fräulein Gouvernante“ viel schmaler und sie meinte das Korsett, von dem sie gelesen hatte durch die geraden, strengen Formen unter dem Kleid zu erkennen. Dieses war in einem dezenten dunkleren Blau und hatte im Bauch bis Brustbereich des Oberteils einen dunkelblauen Einsatz. Zudem war es durch viel kleine Knöpfe bis zum Hals verschlossen, wo ein Kragen etwas stand. Außerdem ragte aus diesem noch, mit weißem feinem Muster, ein weiterer Kragen um den Hals, diesen noch höher umschloss, fast bis zum Kinn. Der Rock war oben enger, fiel aber nicht ganz so weit wie der von „Fräulein Gouvernante“ und irgendwas schien noch hinten an ihrem Kleid zu hängen. Konnte man überhaupt von einem Kleid reden, da es definitiv aus mindestens 2 Teilen bestand? Wäre allerdings aufgrund der Taille nicht in einem Stück anzuziehen schlussfolgerte Isabella. Ihre Hände waren in enge Handschuhe gehüllt die scheinbar über die engen Ärmel des Oberteils reichten. Durch eine Kette gesichert, die mit einer Spange am Oberteil befestigt zu sein schein, hing irgendwie befestig an der Hüfte ein deutlich wertvoller wirkendes PIDP als ihr eigener neuer. Der Rock war so lang, dass sie keine Schuhe sehen konnte. Die Kleidung wirkte extrem eng, nein sie war einschnürend, denn die Viktorianer gehörten zu den standardstämmigen Terraner ohne größere physische Veränderungen entgegen zum Beispiel den Toaxern wie dem Chief, die sich genetisch einer völlig anderen Umwelt als der von Terra angepasst hatten. Isabella fragte sich, wie Alice sich überhaupt bewegen und Atmen konnte. „Fräulein Gouvernante“ hatte sie inzwischen völlig vergessen, so fasziniert war sie von Alice Erscheinung. Sie beachtete die kleine Kette, die von einem Ring im Nasenflügel bis zu ihrem Ohr reichte und an der kleine Anhänger waren. Auch darüber hatte sie gelesen. Etwas was als Schmuck aus einer Kolonie der terrestrischen spätantiken Staatenepoche entnommen worden sein soll, wie sie auf der Reise gelesen hatte. Leider beruhte vieles davon mehr auf Hörensagen, als auf Tastsachen wie sie schon aus Wiedersprüchen verschiedener Schriften entnommen hatte. Die Seite, auf der die Kette getragen wurde, sollte verheiratet oder nicht verheiratet anzeigen und wurde vorrangig von allen adeligen Frauen getragen sowie den besser gestellten Teilen der Bürgerlichen. Leider hatte sie vergessen welche Seite was bedeutet. Bei Adeligen hab es zudem irgendwelche Anhänger die das Haus und Familie und ähnliches anzeigen sollten. Als Isabella diese wohl zu genau ansehen wollte ertönte ein „Es gehört sich zudem nicht andere Personen anzustarren“ in schriller Stimme. „Ich nehme an Fräulein Asterock triff heute zum ersten Mal auf eine Viktorianerin und ich kann mir denken, dass unsere der ihren doch sehr unterschiedlichen Kultur befremdlich auf sie wirken muss.“ Kam in freundlicher Stimme ein verständnisvoll wirkender Einwand von Alice. Isabella fiel erst jetzt auf, dass sie wohl sehr lange sprachlos beide Frauen angestarrt hatte. „Entschuldigt bitte, aber die letzte Stunde war etwas viel für mich“ „Es heißt, entschuldigen sie bitte“ kam sofort ein korrigierender Einwand von „Fräulein Gouvernante“. „Ich weiß um den Wert ihrer Erziehung Fräulein Stonewick, aber Fräulein Asterock ist ein gern gesehener Gast eines seit vielen Generationen mit dem Haus Portsmith verbundenen Hauses und ich denke im Rahmen der Gastfreundschaft und unter Berücksichtigung der Situation von Fräulein Asterock, sollten sie Milde walten lassen und wenn mein Einwand ihnen unangemessen erscheint oder irgendwelchen Anweisungen meines Vaters wiedersprechen sollte, so bitte ich sie mich dafür später angemessen zu Maßregeln, aber wir sollten doch Fräulein Asterock jetzt nicht überfordern.“ Kam diesmal wieder in sanfter Stimme aber weniger zurückhaltend, sondern recht arrogant und bestimmend wirkend von Alice als Einwand. „Angemessen Maßregeln“ ging es Isabella durch den Kopf. Sie nahm an das dies alles andere als angenehm werden würde. Anstelle sich über so etwas aufzuregen erinnerte sie sich an die Gastregeln im Commonwealth, andere Gepflogenheiten zu tolerieren und sich nicht in gesellschaftliche Dinge tiefer einzumischen. Zudem rechnete sie Alice einen Punkt dafür an, dass dieses sich für sie eingesetzt hatte. Auch wenn sie nicht sicher war, ob das ehrlich gemeintes Verständnis oder nur gespielte Freundlichkeit war. Alice wirkte insgesamt sehr steif, und irgendwie erhaben, nicht nur durch ihre Kleidung. Isabella konnte sie nicht einschätzen und sie hatte dabei schon Probleme mit Menschen auf Numerus Prime gehabt.

„Wir sollten zu unserer Yacht gehen denke ich, oder sind sie anderer Meinung Fräulein Stonewick?“ fragte Alice plötzlich. Diese unangenehme Situation zu verlassen würde ihr gut gefallen dacht sich Isabella und hoffte auch ein Einverständnis. „Da haben sie Recht Fräulein Portsmith.“ Um zugleich zu ergänzen „Ich denke hier ist kurzfristig nichts zu bewirken. Da habe ich noch eine Menge Arbeit vor mir.“ Isabella zuckte zugleich zusammen, doch Alice warf ihr einen besänftigenden Blick gefolgt von einem Lächeln zu. Isabella konnte Alice immer weniger einschätzen. „Jonathan, würden sie bitte Fräulein Asterocks Koffer tragen?“ Aus dem Hintergrund der Halle trat ein großer, kräftiger, schlicht aber für Isabellas Verhältnisse vornehm in schwarzem Anzug mit weißem Hemd gekleideter Mann hervor. „Natürlich Fräulein Portsmith“ antwortete dieser. Der Mann wirkte bedrohlich. War er hier, um Isabella notfalls mit Gewalt in die Fänge diese Leute zu bringen? Ihre Gedanken schlugen schon wieder wilde Fantasien ein. „Keine Angst, Jonathan mag zwar bedrohlich aussehen, aber als Leibwächter ist das sicher ein Vorteil“ sagte Alice plötzlich. „Verdammt, kann diese Frau Gedanken lesen?“ schoss es Isabella durch den Kopf. Die beiden Viktorianerinnen wandten sich langsamen Schrittes zur Seite der Halle auf der Jonathan stand, der ihnen nun aber entgegen kam. Isabella ging ihm wenige schneller Schritte entgegen und reichte ihm den Koffer, ohne dabei das Auge hochziehen von Fräulein Stonewick zu übersehen als sie an dieser vorbei ging. Jonathan ging nun gut 2 Schritte voraus. Isabella wollte sich ganz zurückfallen lassen und hinter aller hergehen, da sie sich unwohl und unpassend neben diesen beiden Frauen in ihrer Kleidung fühlte, was sie wiederum verwunderte. Aber Alice ließ sich mit langsamen Schritten wieder etwas zurückfallen und ging nun neben Isabella, was sie so unauffällig machte, das es dieser erst auffiel als Alice neben ihr ging. Isabella war die Beule hinten am Rock von Alice aufgefallen, der den Po irgendwie vergrößerte und unnatürlich machte, aber zugleich mit der Gesamtfigur auch irgendwie elegant wirkte. Isabella wunderte sich auch über diese Erkenntnis. „Sie können erst einmal aufhören mich zu inspizieren Cousine, ich werde ihnen gerne alle und sicher nicht wenigen Fragen beantworten, wenn wir auf unserer Yacht sind und sofern ich kann. Sicher wird aber die Fragen bezüglich ihrer Mutter und ihres Großvaters mein Vater beantworten wollen. In Modedingen sollten sie sich aber besser an mich halten.“ Im letzten Satz klang sowas wie ein Lächeln durch. Der Weg war lang und die beiden anderen Frauen gingen langsamer als notwendig, wie Isabella fand. Ihre Gedanken kreisten und sie versuchte Alice nicht mehr zu „inspizieren“, aber inzwischen fragte sie sich wie es wohl ist so eingeschnürt in einem Korsett sein Leben zu verbringen und wie dies wohl genau aussah und funktionierte, sie hatte die Holos diesbezüglich nur überflogen. Was sich wohl als Fehler herausstellen würde. Und seit einigen Minuten stellte sich die Frage, wie das mit der Keuschheit ist. Sie konnte sie kaum vorstellen, dass eine zugegeben auf ihre Art sicher attraktive junge Frau, wie Alice, bis zur Ehe keinen Sex hat und sich von ihrem Vater wiederspruchlos mit einem Mann, den sie womöglich kaum kannte, verheiraten ließ. Adelige Frauen und die Höhergestellen der Bürgerlichen sollen demnach auch sowas wie Keuschheitsgürtel tragen um „jeglichen Verlockungen untugendhaften Verhaltens zu wiederstehen“ wie es in dem einen Text hieß, was aus einem original viktorianischen Text entnommen sein sollte. Sie fragte sich, ob Alice so etwas trug und wie das funktionierte, traute sich aber nicht noch einmal einen Blick auf diese zu werfen, um vielleicht etwas dazu zu erkennen, so wie das Korsett selbst zwar nicht zu sehen war, aber die unnatürliche Figur seine Existenz verriet. Isabella verwarf den Gedanken, nannte sich selbst eine Närrin und dass sie besser auf sich aufpassen sollte bei alle dem was hier gerade passierte. Und doch war da so ein Gefühl dem sie sich so gar nicht stellen wollte, ein Kribbeln, was aber irgendwie immer mehr der Grund für all ihre Fragen war.

Sie betraten einen Hangar vor dem ein Mann stand, ähnlich Jonathan gekleidet. Im Vorbeigehen sagte dieser zu Jonathan „Keine Vorkommnisse, Sir“. Sie blickte plötzlich auf eine Yacht, nicht irgendeine kleine mit wenig Platz, in der man auf einen längeren Transferflug tagelang im Sessel schlafen musste, sondern die im Hangar hatte ganz sicher mehrere Kabinen, eine Stammbesatzung und einen eigenen, Isabella machte große Augen, FTL-Antrieb. Eine Inerstellaryacht! Nicht eine kleine für Reisen in einem Sonnensystem. „Wie reich sind diese Leute?“ fuhr es Isabella durch den Kopf. Ungeachtet ob sie der Familie von Alice gehörte oder nur gechartert war, beides wäre für sie ein Leben lang nicht erschwinglich, egal was sie studieren würde und wie lange und was sie arbeiten würde. Doch auf dem Weg zur Gangway ging ihr ein neuer, korrigierender Gedanke durch den Kopf „wie reich ist dann eigentlich meine Familie, die Asterock sind ja scheinbar mit den Portsmith befreundet, wenn man Alice glauben durfte, und das sind diese Leute bestimmt nicht mit armen Schluckern.“ Dann noch eine Erkenntnis hinzu also sie durch das Außenschott in die Yacht trat. „Und wie reich bin womöglich ich dann und vor allem, wer und was bin ich?“


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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:19.04.21 20:55 IP: gespeichert Moderator melden


Vorschau

Kapitel 2 – How to make a Victorian Lady

Kann aber 1 - 2 Wochen dauern, das Kapitel ist noch in Arbeit
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:20.04.21 01:32 IP: gespeichert Moderator melden


Also ich muss gestehen, dass dein erstes Kapitel Much wirklich gefesselt hat.
Eine neue Welt zu erfinden muss wirklich aufwendig sein und ich bewundere dein Style der mir sehr gut gefällt.
Persönlich freu ich mich schon auf die Fortsetzung wobei ich natürlich hoffe das es nur eine statt zwei Wochen sind.
Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg bei der Fortsetzung deiner Geschichte.

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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:20.04.21 08:43 IP: gespeichert Moderator melden


Leider kann ich keine Beiträge ändern um Rechtschreibfehler, die mir inzwischen aufgefallen sind, zu berichtigen.

Wie kommt man an die Rechte seinen eigenen Beitrag zu ändern?
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daxi
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:20.04.21 11:43 IP: gespeichert Moderator melden


Dazu brauchst du eine bestimmte Anzahl von Postings. Dann wirst du dafür automatisch freigeschaltet.
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Erin
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:20.04.21 21:20 IP: gespeichert Moderator melden


Die Rechtschreibfehler und sowas nimmt dir keiner weg. Schreib einfach weiter und lass uns erfahren wie es weiter geht.
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:22.04.21 07:35 IP: gespeichert Moderator melden


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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:26.04.21 23:37 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 2 hat nun doch einen anderen Namen bekommen, da eine Aufteilung dringend notwendig wurde.
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:26.04.21 23:37 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 2 – Governesses and Lords

Als sie durch das Außenschott traten, wurden sie von einem Mann in weißer Uniform begrüßt. „Willkommen zurück an Bord Fräulein Portsmith, willkommen an Bord Fräulein Asterock.“ Isabella fiel auf, dass „Fräulein Gouvernante“ von dem Mann nicht weiter begrüßt wurde und er ihr nur zunickte. „Scheinbar ist die nicht so wichtig wie sie sich gibt“ ging es ihr durch den Kopf. „Gibt es eine Information wann ihre Lordschaft zurück an Bord ist?“ hörte sie plötzlich die Stimme von Jonathan. „Ihre Lordschaft hat wohl unverhofft noch einen Kameraden aus seiner Zeit bei der Royal Fleet getroffen und wurde auf ein kurzes Gespräch über alte Zeiten eingeladen. Sir“ Jonathan hakte nach „Wissen sie wo, Jones?“ „Ihre Lordschaft teilte mit, man solle ihnen sagen, dass er im Offiziersclub sei und es wohl neben den Munitions- und Waffendepots keinen besser gesicherten Ort auf dieser Station geben würde. Sir“ Isabella bemerkte das dem Mann dieses Gespräch unangenehm war und das zweite „Sir“ einen Unterton der Entschuldigung hatte. Jonathan machte mit einem leichten Seufzer seinen scheinbaren Unmut über die Situation deutlich. „Sie kennen doch meinen Vater Jonathan, machen sie sich keine Sorgen.“ Alice schien den Mann beruhigen zu wollen „Ich bin für die Sicherheit ihrer Familie zuständig Fräulein Portsmith, mir Sorgen zu machen gehört zu meinem Beruf.“ „Und mein Vater macht es ihnen nicht immer leicht, ich weiß. Aber danke dafür, dass wir uns auf sie immer verlassen können.“ Jonathan nickte nur in Alices Richtung, was wohl Zustimmung und ein Dank für die Anerkennung sein sollte, ihm aber weitere Worte ersparte. „Jones, bringen sie doch bitte den Koffer von Fräulein Asterock in ihre Suite“ Jonathan reichte ihm den Koffer „Wenn die Damen mich entschuldigen würden, ich muss die Sicherheit prüfen.“ Jonathan ging wieder die Gangway herunter. „Entschuldigen sie bitte die Unterbrechung. Ich nehme an, die Damen möchten sich bis zur Rückkehr ihrer Lordschaft ein wenig frisch machen und ausruhen?“ fragte besagter Jones nun wieder steif und förmlich wie bei der Begrüßung. „Ich denke wir zeigen Fräulein Asterock ihre Suite und lassen sie dann einen Moment allein, der Tag war für sie sicher anstrengend.“ Alice nickt dabei freundlich in Isabellas Richtung, scheinbar hatte sie wirklich erkannt das es ihr alles zu viel wurde inzwischen. In Wahrheit war alles zwar aufregend und spannend irgendwie, aber auch wie ein Dimensionswechsel, zumindest fiel ihr kein besserer Vergleich ein.

Das Innere der Yacht war aufwändig gestaltet, hatte sie bisher angenommen das die Verzierungen und Design im Empfangsbereich repräsentativ waren, wurde sie jetzt noch einmal eines Besseren belehrt. Jeder Besucher, zumindest jeder außerhalb vom Empire korrigierte sie sich selbst, würde ohne Zweifel beeindruckt sein, so wie sie selbst nun auch. Ihre Eltern waren zwar nicht reich, aber auch nicht arm, dass hier aber hätte sie sich im Leben nicht träumen lassen. In der Kabine, sie musste sich selbst wieder im Gedanken korrigieren, Suite, angekommen wurde ihr klar, dass man den Raum kaum als Kabine bezeichnen konnte. Vermutlich hatte nicht einmal der Kapitän der „Express Trader“ einen ansatzweise vergleichbaren großen Raum zur Verfügung, geschweige denn dass die Mannschaftsquartiere, wie sie eins bewohnt hatte, vergleichbar waren. Auch ihr Zimmer zu Hause hatte nicht diese Größe und schon gar nicht diese luxuriöse Ausstattung an Möbel. „Durch die Tür da, gelangst du in dein Bad.“ Vernahm sie Alice Stimme wie durch einen Schleier. „Isabella, fehlt ihnen was“ zum ersten Mal hatte Alice nicht dieses alberne „Fräulein“ vorweggestellt und ihren Vornamen benutzt, fiel ihr trotz allem sofort auf. „Alles gut, danke. Ich bin nur etwas überwältigt von dem allen hier.“ „Gut, wenn sie etwas benötigen, nutzen sie bitte den Intercom oder ihr InEarCom“ unterbrach sich dann aber selbst „Entschuldigung, der ist ja noch nicht mit dem Bordnetz synchronisiert. Ich veranlasse das. Drücken sie einfach auf die Taste des Stewards und Jones wird sich umgehend kümmern. Wenn sie persönliche Hilfe benötigen, scheuen sie sich nicht nach meiner Kammerzofe zu verlangen. Ich veranlasse gleich das nötige, dass Agatha ihnen bei Bedarf zur Seite steht.“ „Persönliche Hilfe? Wie im Seniorenheim? Kammerzofe?“ Isabella wunderte sich nur noch kurz. Nachdem sie an Bord gegangen war, hatte sie innerlich beschlossen, sich über nichts mehr zu wundern. Stellte aber fest, dass es nicht funktioniert. Sie nickte kurz, verbunden mit einem „Ja, danke!“. „Dann lasse ich sie mal in Ruhe und komme so in zwei Stunden wieder zu ihnen, ich denke mein Vater ist bis zum Abendessen zurück und dann hätten wir noch eine Stunde Zeit, in der ich versuchen werde, wie versprochen, ihre Fragen zu beantworten.“ Mit diesen Worten wandte sich Alice zur Tür und verließ den Raum.

Isabella bemerkte, dass sie Hunger hatte, sie war von der „Express Trader“ die Commonwealth Zero Time gewohnt, die oft auf Raumschiffen gemischter Besatzung genutzt wurde, und hatte sich gerade von dem rund 25,4 stündigen Tag auf Numerus Prime umgewöhnt, 25,4 h gemessen an der CZT oder halt einem 24-stündigen Terratag. Hier herrschte wohl die Standardzeit des Empires. Sie schaute kurz auf den Interkom, konnte sich aber nicht überwinden, auch um sich womöglich nicht schon wieder zu blamieren und öffnete den Koffer. Der Energieriegel würde zudem bewirken nicht satt beim Abendessen zu erscheinen, da sie annahm das auch dies ihr als unhöflich ausgelegt werden könnte. Den Riegel halb in der Hand halb im Mund öffnete sie die Tür zum Bad, eine kurze Dusche würde sie sicher wieder etwas fitter machen. Allerdings hätte sie sich beinahe am Riegelstück im Mund verschluckt. „Eine Badewanne, mitten im Bad freistehend, auf einem Raumschiff? Die sind völlige irre!“ sprach sie zu sich selbst mit vollem Mund. „Ok, wenn sie schon mal da ist, und bei meinem Stand?“ fuhr es ihr zynisch und zugleich dabei lächelnd durch den Kopf.

Rund eine Stunde später, und trotz Einweichen immer noch Reste vom Plasmadurcköl an den Händen und unter den Fingernägeln, wenngleich auch weniger, saß sie auf dem riesigen Bett und hatte sich ihr Workpad geschnappt, um ein paar Fragen selbst für sich zu klären in all den Dokumenten, die sie zum Empire und Victoria Prime vor der Abreise gesammelt hatte. Die Zeit verging und es war kurz vor der Zeit welche Alice für ihre Rückkehr angekündigt hatte. Sie stand plötzlich auf und stellte sich vor den großen Spiegel mit seinem aufwändig gestalteten Rahmen. Das Oberteil vom Hosenkombi hing lose herunter und sie war somit nur im Shirt, schaute sich an und kam sich plötzlich unbehaglich vor. Zog darauf das Oberteil über Arme und Schultern. Gefühlt eine halbe Ewigkeit öffnete und schloss sie den Magentverschluss des Oberteils halb, ganz, dreiviertel, … unter halb kam ihr überhaupt nicht in den Sinn. „Ich werde lächerlich aussehen beim Abendessen“ fuhr es ihr durch den Kopf, „natürlich aus Sicht der Viktorianer“ ergänze sie und entschied sich dann für dreiviertel geschlossen, so dass noch was vom Shirt zu sehen war.

Kaum hatte sie sich wieder auf das Bett im Schneidersitz gesetzt, eine Haltung, in der sie auch gerne lernte, ertönte ein leiser Gong. Isabella war leicht erschrocken von dem Geräusch und noch bevor sie reagieren konnte, klopfte es nun an der Tür. „Herein!“ rief sie, wusste aber nicht wie laut wohl angemessen wäre. Die Tür öffnete sich und Alice schaute um die Ecke. „Darf ich hereinkommen Fräulein Asterock?“ „Ja, natürlich komm doch …“ korrigierte sich „kommen sie doch herein“. Alice betrat den Raum und schloss die Tür. Isabella fiel sofort auf, dass Alice das Kleid gewechselt hatte. Sie trug nun ein dunkelgrünes Kleid aus einem leicht noch in einem anderen Grünton schimmernden Stoff, der Rock fiel auch hinten normal ohne diese Vergrößerung im Bereich des Pos, das Oberteil saß straff wie zuvor und war ebenso hochgeschlossen durch kleine metallene Knöpfe. Eine Verzierung in schwarz war vorne von unten nach oben breiter werdend eingearbeitet, in der die Knopfleiste wiederum eingearbeitet war, zudem mit feinem schwarzem Gewebe behangen. Aus dem schwarzen stehenden Kragen ragte wieder ebensolches Gewebe was den Hals noch weiter umschloss. Isabella musste sich eingestehen, das Alice noch eleganter auf sie wirkte als zuvor. Die schwarzen Stoffhandschuhe taten ihr Übriges, um das Bild abzurunden. Ihre hellblonden Haare wurden nun nicht von einem Hut bedeckt, sondern die hochgesteckte Frisur, mit zwei oder drei geflochtenen, aber eingesteckten Zöpfen, rundete das Bild von Eleganz ab.

„Darf ich mich setzen?“ fragte Alice und deutete auf das merkwürdige Sofa mit nur einer Armlehne und dem Rückteil, welches zur Seite ohne Armlehne niedriger wurde, bis es am Ende in die Sitzfläche über ging. Zu der kleinen Sitzgruppe im Raum gehörte noch ein Sessel mit sehr hoher Rückenlehne, Armlehnen und seitlichen Stützen. Isabella kannte solches Design nicht, aber mit dem Stoffbezug und den eingearbeiteten Knöpfen die Vertiefungen im Polster bildeten, wirkte das alles sehr edel. „Ja, natürlich“ und schob mit kurzer Verzögerung ein „Fräulein Portsmith“ nach. Diese Quittierte letzteres mit einem Lächeln, scheinbar wurde Isabellas Lernprozess mit Wohlwollen aufgenommen. Alice setzte sich auf die Seite mit der höheren Rückenlehne, etwas schräg versetzt und lehnte sich mit der Seite leicht an die Armlehne auf der sie einen Arm angewinkelt ablegte. Das Korsett schien ihr nicht die Möglichkeit zu geben, irgendwie nicht gerade zu sitzen, vermutete Isabella, dennoch hatte sie den Eindruck das die Haltung für Alice bequem war. „Darf ich frage, was sie da auf dem Pad lesen?“ Isabella fühlte sich irgendwie ertappt, obwohl es nichts zu verbergen gab. „Ich versuche meine Fragen zu beantworten.“ „Mit Informationen aus den viktorianischen Bibliotheken oder von anderen Quellen?“ „Ich habe auf Numerus Prime versucht so viele Infos wie möglich zu sammeln, aber ich befürchte vieles beruht auf Hörensagen und ist unvollständig, nicht weniges Wiederspricht sich, vor allem wenn es um das soziale Leben, den Adel, Familie und Frauen geht.“ „Darum sollten sie auf viktorianische Quellen zurückgreifen.“ „Es ist schwer außerhalb des Empires an Informationen aus dessen Digitalbibliotheken zu kommen. Eine solche Anfrage dauert scheinbar Wochen und die hatte ich ja nicht.“ „Nun, sie sind jetzt auf einem viktorianischen Raumschiff. Mit dem InfoPad dort im Sekretär hätten sie über das zivile ComNet Zugriff auf die öffentlichen Bibliotheken.“ Alice zeigte dabei auf einen Schrank, der mit einer schrägen Klappe verschlossen war. Isabella hatte nichts damit anfangen können und auch nicht weiter geschaut. „Da kaum jemand den Sekretär für mehr als einen Ablageort an Bord nutzt, hat man irgendwann die Stühle davor entfernt, ohne zu bedenken, dass wir Frauen eher unbequem im Sessel arbeiten können. Der Stuhl vom Schminktisch erfüllt den Zweck aber vorzüglich.“ Der Schminktisch war Isabella auch schon aufgefallen und sie hatte sich gefragt, wie viel Aufwand die Frauen wohl für ihr Aussehen täglich betrieben. „Aber warum nutzen sie nicht Informationen aus erster Hand, wo ich nun schon hier bin und ja auch versprach ihre Fragen zu beantworten?“ ergänzte dann doch „Aber bitte bedenken sie, ich möchte bei einigen Fragen nicht meinem Vater vorgreifen, zumal ich bezüglich der aktuellen Situation nicht über alle Informationen verfüge. Daher sollten es derzeit eher allgemeine Fragen sein, von denen sie sicher mindestens so viele haben, wenn ich ihr Interesse, auch speziell an meiner Person, vorhin richtig gedeutet habe.“ Isabella fühlte sich noch einmal ertappt. Alice hatte so eine elegante, erhabene Art, war dabei aber stets freundlich und zurückhaltend wirkend, so dass man sie irgendwie mögen musste, zumindest ihr aber nicht böse sein konnte. Vermutlich hätte sie in Isabellas Schule weniger Stress mit den In-Girls gehabt als sie und den ganzen „Laden“ geleitet, ohne dass die anderen es überhaupt gemerkt hätten. Ausgehend von dem was sie über das Leben im Empire bis zu Ihrer Ankunft hier heute gewusst hatte, hätte sie mit einer verschüchterten und verängstigten jungen Frau ohne Selbstbewusstsein gerechnet, wenn sie denn von einer Cousine gewusst hätte. War Alice eine Ausnahme? Nun das konnte sie kaum fragen, das wäre zu persönlich und würde zudem ihre aufkommende Bewunderung zeigen und das hielt Isabella im Moment für grundlegend falsch. Und dann war da noch, das Loch! Tausend Fragen und keine die sie stellen mochte und ihr angemessen erschien fiel ihr ein. „Darf ich fragen, wie alt sie sind?“ Was für eine blöde Frage dachte Isabella sich, noch bevor das letzte Wort ihre Lippen verlassen hatte. „Natürlich, daraus mache ich dann in 80 Jahren ein Geheimnis“ sie lächelte wieder „fast vier Monate älter als sie“. „Aber warum fragen sie mich nicht das, was sie da gerade auf dem Pad versuchten herauszufinden? Mein Alter werden sie wohl kaum dort finden.“ Sie lächelte wieder. „Noch einmal ertappt“ dachte Isabella sich. Und wieder konnte Isabella ihr trotz der Anspielung nicht böse sein. Sie selbst hatte die Situation völlig vergeigt, die moderne junge Frau aus der fortschrittlichen Welt von Numerus Prime. 1:0 für das Victorian Empire, eigentlich schon 2:0.

Als Alice ihre Suite verließ fragte sie sich, was Fräulein Asterock wohl alles fragen würde. Es gab eine Menge Themen, über die man im Empire nicht offen sprechen würde und diese Frau kam aus einer Welt wo Sittlichkeit, Tugendhaftigkeit, Moral und Anstand nicht gerade alltäglich zu finden sein würden, geschweige denn Keuschheit und damit einhergehend Themen, über die man nicht spricht. Eine gewisse Nervosität machte sich in ihr breit und da Isabella die Suite neben der ihren hatte, war der Weg zu kurz, um jetzt noch lange darüber nachzudenken. Sie hatte ihre Kammerzofe nach dem Umkleiden weggeschickt, zum einen um etwas zu besorgen und da sie befürchtete, dass ihr ihre Unsicherheit auffallen könnte. Agatha war nun seit mehr als einem Jahr ihre Kammerzofe und kannte sie zu gut. Ihre Mutter hatte ihr zum 17. Geburtstag eine eigene Kammerzofe geschenkt, wie sie es auszudrücken pflegte. Natürlich meinte sie damit die Stelle im Haus und die laufenden Kosten durch eine solche. Zuvor hatte die Kammerzofe ihrer zweitältesten Schwester auch ihr beim An- so wie Auskleiden und anderen Dingen geholfen, aber nach der Heirat vor zweieinhalb Jahren hatte sie diese mitgenommen und so hatte sie rund ein Jahr eine Kammerzofe mit ihren beiden kleinen Schwestern geteilt, die nun aber größer wurden und mehr Ansprüche hatten. Zumal diese Frau mehr ein Kindermädchen war, denn eine gute Kammerzofe. Agatha war zudem nur ein Jahr älter und hatte sich an der Hauswirtschafsschule qualifiziert, beides war recht angenehm. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen und hatte eine nahezu natürliche Unterwürfigkeit ihr gegenüber, war aber sonst im Haus immer bereit beim restlichen Personal sich durchzusetzen, wenn es darum ging die Wünsche und Interessen ihrer Herrin zu erfüllen.

Alice stand nun schon mindestens 2 Minuten vor der Tür. „Fassung behalten, Anstand bewahren, du wurdest dazu erzogen dein Haus, Haus Portsmith, zu repräsentiere. In jeder Situation!“ Sie atmete noch einmal so tief durch, soweit ihr Korsett dies erlaubte und betätigte den Gong der Tür. Da keine Reaktion erfolgte, klopfte sie. Dann vernahm sie ein „Herein!“. Fräulein Asterock hatte scheinbar keine Kenntnis vom Türmechanismus und dann fiel ihr wieder ein, dass für das Com an der Tür ihr InEarCom inkompatible war. Der technische Offizier der Yacht sagte, dass man das Gerät tauschen müsse. Also öffnete sie die Tür und fragte, ob sie hereinkommen dürfe, was Fräulein Asterock bestätigte. Erfreulicher Wiese schien diese auch an ihren Manieren zu arbeiten, denn sie korrigierte ihre Anrede zumindest noch und fügte bei Alice Frage, ob sie sich setzen dürfte, sogar noch eine förmliche Anrede in die Antwort ein. Ihr Vater hatte manchmal Gäste von außerhalb des Empires und sie hatte schon zwei Mal mit deren Töchtern zu tun gehabt. Die hatten es selbst nach einer Woche nicht geschafft die Höflichkeitsetikette zu erfüllen, nicht einmal versucht, und waren immer wieder provokant gewesen. Sie nahm Isabella das Interesse an ihrer Person nicht übel, vermutlich war sie die erste Viktorianerin und recht sicher die erste Gleichaltrige, mit der Isabella direkten Kontakt hatte. Für Isabella musste dies wirklich wie eine andere „Dimension“ wirken und sie war sich nicht sicher, wie sie denn umgekehrt auf Numerus Prime zurechtkommen würde. Sicher würde sie provoziert und hinter ihrem Rücken ausgelacht werden, wenn nicht womöglich sogar direkt ins Gesicht. Isabella aber schien wirklich interessiert und schon nach wenigen Stunden bemüht zu sein, sich anzupassen. Vielleicht waren das aber auch ihre viktorianischen Gene und es gab Hoffnung für Isabella, dass aus ihr noch eine anständige, tugendhafte, dem zukünftigen Ehemann gehorsame und keusche, adelige Viktorianerin werden würde. Sie wünschte es ihr, denn die nächste Zeit würde für Isabella sehr, sehr hart werden. Im Alter zwischen 11 und 12 Jahren nahm sich normalerweise eine Gouvernante den adeligen und höheren Töchtern endgültig an, nachdem diese zuvor, wenn schon im Haus, nur nebenbei eher locker die Arbeit des Kindermädchens unterstütze. Die nächsten 6 bis 7 Jahre, bis zur Volljährigkeit mit 18 und damit verbundenen Heiratsfähigkeit gingen die Mädchen je nach Charakter durch eine harte oder sehr harte Schule. Anfangs hatte sie selbst sich gegen Fräulein Stonewick aufgelehnt, obwohl sie es dank zweier älterer Schwestern hätte besser wissen müssen. Und noch heute, bis zu Alice Heirat, würde Fräulein Stonewick jederzeit mit Vaters Billigung eingreifen. Sie gab sich Mühe, so dass es maximal zu einer verbalen Korrektur in den letzten Monaten gekommen war. Isabella aber, würde binnen weniger Monate, maximal einem Jahr, diese Schule durchlaufen müssen, die zugleich ein völliger Kulturwechsel war. Und diese wusste noch gar nicht, was ihr bevorstand.

Das Gespräch mit Isabella plänkelte ein wenig dahin und Alice merkte, dass Isabella mindestens ebenso unsicher war. Dadurch erlangte sie schnell Sicherheit und übernahm das Gespräch. „Es geht halt nichts über eine gute Erziehung“ dachte sie sich dabei. Sie war in Versuchung ganz die Adelige zu sein, zwang sich dann aber zur Mäßigung, da Isabella vom gleichen Stande war und sie irgendwie auch mochte. „Adelige light“ schmunzelte sie innerlich. Nach der „Notfrage“ über ihr Alter, was in einer solchen Situation mit der richtigen Erziehung sicher besser klappen würde in Zukunft, aber schon ein guter Ansatz war, wollte Alice ihr helfen, um nicht zu überheblich auf ihre Cousine zu wirken und lenkte das Gespräch auf das, was Isabella noch kurz vor Alice Ankunft in der Suite, selbst herauszufinden gedachte.

Isabella drehte das Pad um. „Was ist eine Gouvernante?“. Sie befürchtete, dass Alice sie gleich schallend auslachen würde. Diese jedoch schaute ernst und prüfend. „Sie wissen es wirklich nicht?“ „Nein“. „In adeligen Häusern und bei den besser gestellten Bürgerlichen übernimmt üblicherweise anstelle der Mutter eine Gouvernante die Erziehung der Töchter, nachdem diese aus dem Alter der Betreuung durch das Kindermädchen heraus sind. Die Gouvernante bringt den Töchtern alles bei, was diese über Anstand, Tugendhaftigkeit, Benehmen, Sittsamkeit, Gehorsam und vieles mehr wissen müssen um eine passable, heiratsfähige Frau zu sein, wenn diese dann mit 18 volljährig und damit im heiratsfähigen Alter sind. Zudem kümmert sie sich in Rücksprache mit der Mutter auch darum, dass die Töchter einen anständigen Kleidungsstil entwickeln, bestenfalls einen eigenen Stil im Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen entwickeln. Sehr vereinfacht dargestellt.“ Alice hoffte sehr, dass Isabella nicht zu sehr nach dem Grund der Anwesenheit von Fräulein Stonewick fragen würde. Zumal sie es für verfrüht hielt, so wie sich die Angelegenheit gerade entwickelte. „Sie ist also deine Gouvernante gewesen?“ „Ist sie immer noch, nur nach über 6 Jahren sollte sie ihre Arbeit getan haben und nur noch selten korrigierend eingreifen müssen“ und dachte sich gleichzeitig „Bitte frage jetzt nicht weiter.“ Isabella fand es merkwürdig das nicht die Mutter sich um die Erziehung kümmerte und ihre Töchter einer Fremden überließ. Daher hakte sie nach „Warum übernimmt das nicht die Mutter?“. „Eine Mutter neigt dazu, zu viel Nachsicht zu üben! Eine Gouvernante sieht in den Mädchen nicht ihre Kinder, sondern ihre Arbeit. Oder anders gesagt, eine Gouvernante, die von ihren Schützlingen geliebt wird, hat nicht ihren Job gemacht.“ Alice fragte sich, ob die Antwort nicht etwas zu hart war, aber Isabella schien weiter nachbohren zu wollen und überraschte Alice nach kurzer Pause. „Was würden sie mir für heute Abend raten, wenn sie meine Gouvernante wären, also für das Abendessen gleich?“ Jetzt verlor Alice beinahe die Kontrolle über das Gespräch, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie entschied sich nicht auszuweichen, vielleicht war dies ein Moment, um ihre Cousine in die richtige Richtung zu verhelfen. „Das sie sich vernünftig hinsetzen und vor allem die Beine schließen und geschlossen halten! So setzt sich keine Dame hin und erst recht nicht eine Adelige!“ Sie hätte beinahe noch „Viktorianerin“ angehängt, aber rechtzeitig innegehalten. Isabella war über den plötzlichen und strengen Befehlston überrascht, er verfehlte aber nicht seine Wirkung, sie verließ unmittelbar den Schneidersitz und schloss umgehend ihre Beine, dann wurde ihr klar, dass auf dem Bett sitzen vermutlich nicht „vernünftig“ war und setze sich mit geschlossenen Beinen auf die Bettkante. Alice hingegen war über die Wirkung ihrer Worte überrascht. Packte nun aber die Gelegenheit beim Schopf. „Stellen sie sich vor den Spiegel Fräulein Asterock“ wieder gehorchte Isabella und stand nun aber wohl zu locker vor dem Spiegel. „Was habe ich über die Beine gesagt?“ Alice stand auf und stelle sich nun hinter Isabella. Diese stelle die Beine nun streng nebeneinander. Auf dem Weg zum Spiegel waren Isabella allerdings noch Alice Schuhe aufgefallen, bevor diese aufstand, da der Rock nicht mehr auf dem Boden aufsetze beim Sitzen. Dass die Frau hohe Absätze trug, wenn auch nicht extrem, war aber auch nicht mehr verwunderlich, viel mehr war aber auch nicht zu erkennen gewesen. Isabella stand nun stramm wie ein Soldat vor dem Spiegel. „Wir sind hier nicht bei der Royal Fleet. Grade stehen, Beine zusammenlassen, aber ein wenig lockerer sein, sie stehen nicht auf einem Exerzierplatz.“ Isabella schluckte kurz, fügte sich aber so gut sie konnte der Anweisung. „Ich nehme mal zurecht an, dass sie keinen Rock im Gepäck haben Fräulein Asterock?“ „Nein“ kam ihre kurze Antwort „Das heißt: Nein, Fräulein Portsmith“ sagte Alice streng „Eine Dame redet immer in ganzen Sätzen“ so, dass es als Tadel und Korrektur klang. Ihre Rolle als Gouvernante gefiel Alice zunehmend. Als Isabella nicht noch einmal antwortete „Hat es dem Fräulein die Sprache verschlagen?“ Isabella wusste nicht einmal mehr genau, warum sie die Frage gestellt hatte, die zu dieser Situation führte, aber fand merkwürdigerweise Gefallen daran. Sie gab ihr ein wenig das Gefühl für den kommenden Abend mit Lord Portsmith besser gerüstet zu sein und sich nicht völlig zu blamieren und da war wieder dieses Kribbeln. „Nein, Fräulein Portsmith!“ „Da wir jetzt zu wenig Zeit haben, werden wir uns morgen um ihre Männerkleidung kümmern“ stellte Alice fest und meinte das auch so, eigentlich hatte sie sich schon gekümmert. „Wollen sie unschicklich die Aufmerksamkeit der Männer auf sich ziehen Fräulein?“ „Ähm, ich weiß nicht was sie meinen? … Fräulein Portsmith“ „Ähm ist keine Antwort und keine Fragestellung“ Isabella war in einer Art Trance „Ich verstehe leider nicht was sie meinen Fräulein Portsmith.“ „Ihr Oberteil Fräulein“ Isabella sah im Spiegel, dass sie diese ja nur zu dreiviertel geschlossen hatte. Sie schloss den Magnetverschluss ganz. Alice kam jetzt erst richtig in Fahrt und musste sich bremsen den Bogen nicht zu überspannen, eigentlich wunderte sie sich, dass sie dies nicht schon hatte. „Zu mir umdrehen!“ Ihr Tonfall wurde wieder freundlicher, war aber nicht minder streng. „Hände vorstrecken und zeigen“ „Handflächen nach oben“ „Handflächen nach unten“ Isabella gehorchte und wusste schon, dass es die nächste Beanstandung geben würde. „Grundgütiges Universum, was haben sie mit Ihren Händen angestellt!“ „Plasmadrucköl, da ich keine Handschuhe trug“ Alice beendete ihre Rolle der Gouvernante „Und bekommen sie das nicht ab?“ „Lieder nicht, ich habe schon auf der Express Trader jeden Abend geschrubbt und heute hier fast eine Dreiviertelstunde in der Badewanne eingeweicht, es ist aber vorhin schon deutlich weniger geworden.“ „Darum werden wir uns auch morgen kümmern. Leider passt zu ihrem Outfit auch kein Handschuh, damit würde jeder sofort auf das Problem aufmerksam. Da hilft eigentlich nur es selbst zu ignorieren damit auch die anderen es ignorieren“ „Die anderen?“ Isabella war irritiert. „Nur so eine Redensart, es wird nur mein Vater anwesend sein und Fräulein Stonewick“ Isabella war erleichtert, auch wenn diese Gouvernante sicher nicht zu ihren Favoriten für ein gemeinsames Abendessen galt. Vor allem nicht nach dem kurzen Vorgeschmack durch Alice.

„Wir sollten gehen, es gehört sich nicht seinen Vater oder einen Gastgeber warten zu lassen und erst recht nicht für eine Frau“ unterbrach Alice die kurze aufkommende Stille. Sie ging in Richtung Tür während Isabella ihre Schuhe anzog, welche sie wegen dem auf dem Bett sitzen noch nicht wieder angezogen hatte nach dem Bad. „Das hatte ich ja völlig übersehen, ich sollte wohl besser nicht als Gouvernante arbeiten“ sagte Alice leicht lachend, auch um die Stimmung wieder aufzulockern. Isabella wusste aber nicht was sie darauf antworten sollte. Die beiden junge Frauen verließen die Suite und gingen den Gang entlang, dabei kam ihnen eine junge Frau im schwarzen langen Kleid mit weißer Schürze entgegen. „Agatha, gut dass ich sie treffe“ die Frau machte einen Knicks vor Alice mit den Worten „Herrin?“. Isabella war schon wieder irritiert. „Diese junge Dame ist Fräulein Asterock“, die Frau machte vor Isabella einen Knicks, “ wie ich vorhin schon erwähnte, ich möchte das sie ihr genauso gewissenhaft zur Hand gehen wie mir, wenn sie ihre Hilfe benötigt.“ „Ja Herrin, wie sie wünschen!“ „Haben Sie die Erledigung für mich noch machen können, bevor mein Vater an Bord gekommen ist?“ „Ja Herrin“ Isabella war von der Szene elektrisiert, diese junge attraktive Frau ordnete sich Alice scheinbar völlig unter. Sie gingen weiter „Meine Kammerzofe, jetzt auch vorerst Ihre“ stellte Alice wie selbstverständlich knapp fest. Isabella war aufgefallen, dass Alice zwar befehlsgewohnt, aber nicht unfreundlich mit der Frau umgegangen war. Wahrscheinlich musste man auch das lernen. Sie konnte sich nicht vorstellen sich von der Frau bei irgendwas helfen zu lassen und dabei Anweisungen zu geben. Oder doch? Die Szene ging ihr nicht aus dem Kopf. „Träumen sie schon wieder Fräulein Asterock“ kam es in freundlichen Ton von Alice. „Entschuldigung, aber die Szene gerade.“ „Wir können gerne ein anderes Mal darüber reden. Wir sind gleich beim Salon. Was mir da einfällt. Ich nehme richtig an, auf Numerus Prime lernt man keinen Knicks?“ Irritiert antwortet Isabella „Nein“ „Dann bleiben sie einfach stehen und sollte mein Vater ihnen die Hand reichen, dann machen sie das für sie übliche Händeschütteln, aber schauen sie ihn nicht direkt an und schon gar nicht in die Augen, sondern halten ihren Blick leicht gesenkt. Den Blick nicht den Kopf, also nicht mit dem Kinn zu viel zur Brust“ Isabella war nun wieder maximal irritiert, nahm sich aber vor daran zu denken.

Sie betraten den Salon, ein Mann im schwarzen Anzug stand mit dem Rücken zu ihnen am Fenster und drehte sich um als er sie reinkommen hörte. Er trug unter der recht langen, schwarzen Jacke eine Weste aus einem Stoff mit glänzendem bordeauxrot und schwarz, soweit Isabella dies erkennen konnte. Dazu eine seidene bordeauxrote Krawatte, die mehr ein Tuch war und unter dem Kragen seines weißen Hemdes um seinen Hals gebunden. Alice machte auf einmal einen Knicks in Richtung des Mannes „Willkommen zurück Vater, ich hoffe sie hatten einen erfolgreichen und angenehmen Tag.“ Wieder war Isabella irritiert, sie redete ihren Vater förmlich an und knickste vor ihm, wie einen Fremden. Der Mann kam langsam auf sie zu „In der Tat Liebes, ich habe zufällig hier auf der Station einen Offizier aus meiner Dienstzeit bei der Royal Fleet getroffen. Wir lernten uns auf meinen letzten Posten kennen. Er kam als junger Ensing an Bord und ich nahm ihn als 1. Offizier unter meine Fittiche.“ Das leicht gewellte braune Haare des Lords und der sehr gepflegt wirkende Vollbart im verschmitzt, freundlich lächelnden Gesicht machten den stabil gebaut aber keinesfalls übergewichtig wirkenden Mann zu einer imposanten Erscheinung, die den Raum einnahm. Trotz dem er nicht sonderlich groß war, Isabella schätzte ihn auf um die 1,85 m. Die Stimme des Mannes war selbstbewusst, etwas rau, aber freundlich und wohlwollend. „Gerade wurde er zum Captain befördert und übernimmt sein erstes eigenes Kommando, einen Zerstörer zwar nur, aber werftneu und immerhin ein Kommando.“ Alice wusste das ihr Vater beim Thema „Royal Fleet“ gerne verharrte. Wäre er nicht der erste Sohn gewesen und damit der zukünftige Lord, wäre er vermutlich heute noch im Dienst und längst Admiral. „Ich nehme an, sie haben dieses Wiedersehen gefeiert?“ „Er lud mich auf einen Drink in den Offiziersclub ein, um sich für meine damalige Unterstützung zu bedanken, da konnte ich nicht ablehnen. Und ich muss mich bei dir entschuldigen Tochter, dass ich dich dadurch mit unserem Gast allein gelassen haben.“ Alice wusste, dass so eine Einladung abzulehnen in der Flotte schnell zu einem Affront führen konnte, insbesondere wenn der Offizier aus adeligem Hause stammte. Daher hatte sie Verständnis, auch wenn sie es nicht guthieß, dass ihr Vater dadurch viel später zurückkam, ein Drink würde sicher keine zwei oder drei Stunden dauern, auch wenn sie wusste, dass ihr Vater nie viel Alkohol trank und immer auf Tee oder andere Getränke auswich, je nach Anlass. „Und ich muss mich dafür wohl vor allem bei unserem Gast entschuldigen“ der Mann wandte sich an Isabella. Alice drehte sich zu Isabella „Darf ich vorstellen Vater. Dies ist Fräulein Isabella Sophia Beatrice Asterock! Fräulein Asterock. Mein Vater, Lord Horatio Edward Portsmith.

Lord Portsmith, der während des Dialogs mit seiner Tochter vom Fenster mit ruhigen Schritten auf die beiden jungen Frauen zugegangen war, reichte nun Isabella die Hand, wie es auf Numerus Prime und wohl auf der Mehrheit der Welten des Commonwealth üblich war. Mit den Worten, in der gleichen ruhigen, freundlichen Stimme und selbstbewussten Art, „Ich freue mich sie kennen zu lernen Fräulein Asterock, sie sind uns ein sehr willkommener Gast.“ Isabella griff mit der ihren die kräftige Hand, erinnerte sich an Alice Worte und versuchte den Blick zu senken, ohne dabei zu stark den Kopf zu senken. „Ich freue mich auch sie kennen zu kernen Lord Portsmith!“. Der Lord ergänzte, während er den Händedruck löste „Ich hoffe sie hatten eine halbwegs angenehme Reise, bei den doch tragischen Umständen die zu dieser veranlassten. Leider war auf die Schnelle nur der Frachtflug zu organisieren“. Isabella überlegte kurz ob sie den Lord denn nun ansehen darf und der Hinweis von Alice nur für die Begrüßung galt. Entschied sich dann für einen normalen höflichen Blick zu ihrem Gesprächspartner. „Die Reise hat mir sehr gut gefallen auf der Express Trader IV. Ich konnte mich zum Glück ein wenig unterwegs ablenken. Das wäre mir auf einem Passagierflug wahrscheinlich nicht so gut gelungen, daher war der Flug so genau richtig“. Der Lord lächelte „Ich habe schon vom Captain des Schiffs im Bericht gelesen, dass Sie ein technisches Praktikum den Großteil der Reise abgelegt haben.“ Isabella schaut verwirrt was dem Lord nicht entging. „Die Express Trader IV war im Auftrag einer unserer Unternehmungen unterwegs, Bauteile zu liefern und Erzeugnisse eines unserer Kunden wird sie auf dem Rückflug abliefern. Daher bekam ich einen Bericht vom Captain. Auch über die kleine Panne und deren Reparatur.“ Für einen Moment hatte sich Isabella leicht überwacht gefühlt, es gab für sie aber keinen Grund den Worten von Lord Portsmith nicht zu trauen.

Isabella sah durch das Fenster, das sich der Hangar nun bewegte, korrigierte sich aber schnell, dass die Yacht sich bewegte. Der Lord bemerkte den Blick von Isabella und drehte sich leicht zum Fenster. „Wir verlassen den Hangar nun und beginnen unsere Reise nach Victoria Prime. In 3 Tagen sollten wir bei ihrer Mutter sein“. Isabella wusste, dass Schiffe von Außerhalb normalerweise nicht direkt in Sonnensystem per FTL flogen, da es sonst zu gefährlich war. Man musste den Hyperraum an einem Punkt verlassen wo man nicht in einem Asteroiden, Kometen oder anderem Schiff in den Normalraum zurückfiel oder kurz darauf reinraste. Schlimmstenfalls konnte man auch in der Sonne selbst oder einem ihrer Planeten den Wiedereintritt haben, und damit das Raumschiff spurlos verschwinden. Daher wurde üblicherweise vom Rand eines Sonnensystems aus erst Scans gemacht und in Systemen mit Raumfahrt gab es eine Verkehrskontrolle die Sprungziele vorgab. „Warum reisen wir nicht mit dem FTL-Antrieb?“ rutschte es Isabella raus. „Gut erkannt mit dem FTL, Fräulein Asterock. Aber so wie es fremden Schiffen überhaupt verboten ist hinter die Umlaufbahn von Port Nelson zu reisen, so ist es zivilen Schiffen mit Empirekennung verboten im System durch den Hyperraum zu reisen. Die 2 Asteroidengürtel sind recht groß und es gibt viele Querläufer und Einzelgänger im System, neben dem recht dichten Schiffsverkehr. Hinzu kommt noch die Hintergrundstrahlung durch die große Masse der Tritalon-Kristalle im äußeren Asteroidengürtel. Diese macht je nach technischer Ausrüstung den Wiedereintrittspunkt sehr ungenau, je näher man Victoria Prime anspringt. Nach einigen dramatischen Unfällen hat man schon vor mehr als 1000 Jahren den FTL-Flug im System so gut wie ganz eingestellt. Eigentlich nahm man an, dass mit dem Abbau der Kristalle irgendwann die Strahlung so viel geringer wird, so dass sich das Problem von allein löst. Wir scheinen aber noch genug Tritalon-Kristalle für weitere 1000 – 2000 Jahre zu haben.“ Den letzten Satz sagte es mir einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Isabella wusste nicht so genau was sie nach dieser Erklärung sagen sollte. „Das habe ich nicht gewusst. Ich habe zwar versucht noch vor meine Abreise viele Informationen zu sammeln, aber es scheint mir, dass viele sehr ungenau oder völlig inkorrekt sind. Das Empire ist für Außenstehende, für Nichtviktorianer mit vielen Rätseln und Gerüchten verbunden.“ Der Lord nickte „Ich weiß, aber nutzen wir doch die Reisezeit uns besser kennen zu lernen und sie das Empire und unsere Lebensweise. Immerhin sind sie hier geboren.“ Isabella war irritiert, sie war nicht im Empire geboren, sondern auf einem Flug von Port Nelson und auf einem Frachter der „Freien Händlergilde“ einem nomadischen terrastämmigen Volk, das dem Commonwealth angehörte, aber keine eigenen Planeten bewohnte, sondern ausschließlich auf Raumschiffen lebte.

„Setzt euch doch bitte!“ Der Lord deutete auf den großen Tisch and dem locker 12 Personen Platz gefunden hätten, der aber nur für drei Personen eingedeckt war. Alice fragte „Darf ich fragen was mit Fräulein Stonewick ist, Vater?“ Wieder viel Isabella auf, wie förmlich und höflich Alice mit ihrem Vater sprach. „Nun, ich dachte mir, wir machen ein Familienessen aus dem Abend. Vater, Tochter, Nichte. Ich lerne dabei meine Nichte kennen beziehungsweise du deine Cousine und sie uns. Fräulein Stonewick habe ich daher gebeten ihr Abendessen in der Crew Mess einzunehmen!“ Isabella fiel ein Stein vom Herzen bei diesen Worten von Lord Portsmith. Der Lord flößte ihre zwar Respekt ein, aber auf eine eher positive Art, ohne Angst. Während Fräulein Stonewick ihr Unbehagen, ja schon Angst machte. „Unbehagen“ dachte sie, „Irgendwas färbt hier ab“. Während der Lord einen Stuhl an der Längsseite des Tisches bei einem Gedeck zurück zog und Alice half sich zu setzen „Danke Vater. Nun, ich habe Fräulein Isabella heute schon ein wenig kennen gelernt. Wir hatten schon eine kurze Unterhaltung auf dem Weg zur Yacht und gerade eben noch eine sehr angenehme, längere Unterhaltung, bevor wir zu ihnen gingen.“ „Das freut mich!“ an Isabella gewandt „Ich nehme an, das vieles für sie neu und auch verwirrend sein muss. Daher fand ich es eine gute Idee meine Tochter mitzunehmen, da ich vermute das unter gleichaltrigen jungen Frauen sich viele Fragen einfacher beantworten lassen.“ Isabella hatte aber den Verdacht das auch Fräulein Stonewick hier noch eine Rolle spielen würde. Die Frau ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Isabella wollte was sagen, wusste aber nicht genau wie sie den Satz anfangen sollte „Alice, Fräulein Portsmith, ihre Tochte, verdammt was sagt man da hier?“ ging es ihr durch den Kopf „Vielen Dank Lord Portsmith, Fräulein Port … ihre Tochter… Fräulein Alice hat mir schon sehr geholfen und einige meiner Fragen beantworten können.“ In ihrer Verwirrung hatte sie sich gegenüber Alice hingesetzt, die ihr Kleid geordnet hatte auf dem Stuhl und mit Hilfe ihres Vaters diesen wieder an den Tisch gerückt. Alice lächelte sie an. Der Lord nahm eine kleine Glocke vom Tisch und läutete. Jones kam umgehend zur Tür herein. „Zu ihrer Verfügung Mylord!“ „Jones, bitte servieren sie den Wein und dann bitte den ersten Gang“ an Alice und Isabella gewandt „Entschuldigt bitte, aber mein Mittagessen ist heute ausgefallen“ nachdem er sich an das dritte Gedeck, an das Stirnende des Tisches gesetzt hatte. So füllten sie zu dritt die äußere Ecke des Tisches. „Erster Gang“ ging es Isabella durch den Kopf. Sie beschloss nicht zu viel davon zu Essen, auch wenn sie großen Hunger hatte. Ihr kam die Idee, sich an Alice zu halten, bei der Figur, in dem Korsett konnte sie sicher nicht viel Essen und musste es sich mit den Gängen einteilen. Dem Besteck nach, würde es drei oder vier Gänge geben, vermutlich als letzten eine Nachspeise. Jones servierte Wein, angefangen beim Lord der zuerst probierte, nickte und dann schenkte Jones Isabella und zuletzt Alice ein. Das fremde Universum nahm wieder fahrt auf. Isabella sah das nächste Problem auf sich zukommen. Jones brachte kleine Schalen mit Salat und Teller mit sowas wie eingelegtem Gemüse. Brotwürfel waren Gabelgerecht über den Salat gestreut. „Verdammt, in welcher Reihenfolge nimmt man das Besteck? An Alice halte“ Doch die nahm kein Besteck in die Hände. „Jetzt erwartet nicht, dass ich als Gast anfange, bitte“ Isabellas Gedanken kreisten. Der Lord nahm sein Glas „Auf die Familie und die Häuser Asterock und Portsmith. Mögen sie in alle Zeiten existieren und einander verbunden sein. Zum Wohl“ Isabella tat es Alice gleich, hob auch ihr Glas, nickte auch dem Lord zu und nippte dann wie Alice vom Wein. Diese lächelte sie an, nachdem sie das Glas abgestellt hatte. „Erwischt!“ dachte Isabella sich, lächelte mit einem leichten Schulterzucken zurück. Der Lord fing an zu essen und nun nahm auch Alice ihr Besteck auf, sie lächelte wieder zu Isabella und die nahm schnell von außen das gleiche Besteck aus ihrem Gedeck. Scheinbar hatte sie verstanden das Isabella sie kopierte, um sich nicht völlig zu blamieren. „Beim Essen spricht man nicht!“ diese Worte ihrer Mutter gingen ihr wieder durch den Kopf. Das war zuhause eine Regel gewesen, auf die ihre Mutter immer bestanden hatte. Wenngleich sie manchmal doch wichtiges zum Ende hin mit ihrem Vater, wenn auch kurz, beredete. Und genau so schienen es auch der Lord und Alice zu halten. Die Portion war nicht sonderlich groß, auch wenn Isabella sich an Alice halten wollte, Salat und Gemüse schmeckten gut und sie hatte Hunger, daher tat sie es dem Lord gleich und aß auf, Alice ließ einen Teil des ersten Ganges von Jones wieder abtragen. „Nun, wie sind sie denn auf die Idee des Praktikums gekommen, Fräulein Asterock?“ Der Lord fing das Gespräch an, während Jones seine Arbeit verrichtete und den zweiten Gang servierte. „Technik und Informatik haben mit schon immer interessiert. Mein Vater hat mich früh damit irgendwie infiziert und viel mit mir zusammen repariert und gebaut, das hat mich nie wieder losgelassen. Da ich zuerst allgemeine Ingenieurswissenschaften studieren möchte und mich dann auf zwei Fachrichtungen spezialisieren, dachte ich mir, dass nicht nur für die Bewerbungen so ein Praktikum auf einem Raumschiff vorteilhaft sein könnte. Sondern auch das Leben als Crewmitglied kennen zu lernen und vor allem in einem Team zu arbeiten. Mein Vater hat mich zwar öfters mal in den Ferien mit zu seinen Einsätzen als Sicherheitsinspektor genommen, aber das ist ja was völlig anderes.“ Antwortet Isabella. „Nun, gerade der Aspekt Aufträge abzuarbeiten, die einem von einem Vorgesetzen gegeben werden, macht den großen Unterschied zum heimischen Basteln und Herumschrauben aus“ war die verblüffende Antwort vom Lord. „Auf einem militärischen Schiff ist noch einmal viel mehr Routine und Hierarchie. Das muss gut überlegt sein, ob dies alles für einen passt.“ „Ich war selbst skeptisch. Aber neben dem, dass ich viel technisch gelernt habe, hat es auch mit der Crew gepasst. Eigentlich liegen mir Menschen nicht so. Vielleicht waren die aber auch nur nett, weil ich Passagier war.“ Sie wusste nicht so wirklich was sie antworten sollte, was eine Frau im „Victorian Empire“ hier sagen durfte, geschweige denn ob sie überhaupt einen Schraubenschlüssel oder ein Spleissgerät in die Hand nehmen durfte. „Oder weil sie ihnen zwei bis drei Tage Verspätung erspart haben, als sie in den Kühlschacht geklettert sind. Ziemlich mutig.“ War das jetzt Anerkennung vom Lord? Isabella war sich nicht sicher. Alice schien ihre Unsicherheit zu erkennen und befreite sie „Jones, das Roastbeef sieht wirklich hervorragend und auf den Punkt aus. Bitte sagen sie das der Köchin.“ „Sehr wohl, Fräulein Portsmith“ kam spontan seine Antwort. Jones hatte inzwischen diverse warme Gemüsesorten aufgetragen, eine Platte mit dem wohl besagten Roastbeef und noch eine Keramikform die sehr heiß zu sein schien, mit etwas überbackenem drin. „Dank Jones!“ sagte Lord Portsmith. „Würden sie mir bitte noch ein Glas Wasser bringen, ich denke ich hatte für heute schon genug Alkohol. Und den Damen bitte nachschenken?“ Jones tat wie angewiesen. Isabella trank nie viel Alkohol und wollte nüchtern bleiben, sagte aber nicht nein. Sie hatte sie wieder an Alice gehalten, die auch erst zur Hälfte das Glas mehr ausgenippt denn ausgetrunken hatte. „Da wir nicht wussten, ob sie Fleisch essen, in diesem Fall auch kein synthetisches, habe ich die Köchin noch einen Auflauf machen lassen.“ Isabella bedankte sich, bestätigte aber Fleisch zu essen, verschwieg aber lieber, dass Zuhause echtes Fleisch wegen des Preises dafür auf Numerus Prime nur selten auf den Tisch kam. Das Essen war köstlich und sie vergas ihren Vorsatz sich an Alice zu halten, war sich aber unsicher, ob sie noch selbst nachnehmen sollte oder auf Jones warten oder Jones bitten, der aber nicht mehr anwesend war. „Nehmen sie sich so viel sie wollen“ half Alice ihr wieder aus der Klemme. Gerne hätte sie noch zwei Stücke nachgenommen, aber hielt dies wieder für unhöflich und es schien noch einen Gang zu geben. Alice war als erste fertig, tupfte sich den Mund ab. Isabella dachte wieder an die Kette von Nase zum Ohr. Ihr fiel der kleine rote Rubin auf. Sie erinnerte sich, dass dieser auf das Blut hindeuten sollte, also auf die direkte Blutlinie zum Wappen des kleinen Anhängers davor. „Vielleicht sollten wir Fräulein Asterock fragen, was sie denn morgen gerne zu ihrem Geburtstag essen möchte, Vater?“ sagte Alice plötzlich. Isabella war sich nicht sicher, ob diese damit weiterem „Inspizieren“ entgehen wollte, denn ihr Vater war noch nicht mit dem Essen fertig. Sie kaute, schluckte, nippte am Wein. „Vielen Dank, aber ich habe erst übermorgen Geburtstag.“ „Dann war das also kein Fehler in ihren Angaben? Ich hatte angenommen das 22 und 23 ein Tippfehler waren.“ Fiel der Lord ein, nachdem er den Mund frei hatte. Er nahm die letzten zwei bissen von seinem Teller während Isabella verneinte, trank einen Schluck Wasser. Faltete die Hände, schein kurz zu überlegen. „Nun, dann muss ich ihnen mitteilen, dass sie die letzten Jahre ihren Geburtstag immer einen Tag zu spät gefeiert haben.“ Isabella hätte sich beinahe beim letzten Bissen in dem Moment verschluckt, die Pause des Lords hatte bewirkt das auch sie fertig war mit dem Essen. „Wieso das?“ Ihr Bemühen sich den Höflichkeitsformen anzupassen hatte ein jähes Ende. „Nach allen Unterlagen sind sie auf einem Frachtschiff der Asterocks zwischen dem inneren Asteroidengürtel und der Handelsstation bei Port Nelson, die er anflog, geboren worden. Dies ist auch im Logbuch des Schiffes durch den Captain festgehalten und im Logbuch der medizinischen Station. Ihre Geburtsurkunde ist auf den 22. ausgestellt bei uns.“ Die Antwort der Lords verwirrte sie noch mehr. „Aber ich bin auf einem Frachter der freien Händler geboren, spät in der Nacht, kurz vor dem 24., nachdem meine Eltern heimlich auf den Frachter gewechselt hatten. So haben es mir meine Mutter und mein Vater erzählt und mein Ausweis belegt das auch.“ Schauen sie mal auf ihr PIDP bitte, da finden sie ihre Geburtsurkunde, die ist auf den 22. bestätigt. Vom Captain und dem Sanitäter der Crew als anwesenden Zeugen.“ Isabellas Hände zitterten, was wollte man ihr hier jetzt bei der leckeren Henkersmahlzeit unterjubeln. Auf dem PIDP fand sie ihren „Five Stars Federation“-Ausweis, 23. 23:40, gleiches auf der Geburtsurkunde, die auf dem Frachter der freien Händler ausgestellt wurde. Sie registrierte erst jetzt, dass sie einen richtigen Staatsbürgerausweis für das Victorian Empire auf ihrem PIDP hatte, nicht nur ein Visum. 22. 00:50, zudem war noch eine Geburtsurkunde angehängt, gleiches Datum und Uhrzeit, mit den Signaturen von Captain und Sanitäter des viktorianischen Frachters, welche die Geburt bestätigten. Ihr wurden gerade die Folgen dieser „Intrige“ wie sie glaubte klar. „Das kann nicht sein, ich wurde laut meinen Eltern auf dem Frachter der freien Händler geboren, der ist zugleich freies Territorium. Das muss eine Fälschung sein.“ „Ich bin mir sicher, dass kein Captain eines viktorianischen Frachters eine falsche Angabe dazu macht, solche Urkundenfälschung würde ihn an den Rand des Verlustes seines Kapitänspatent bringen. Egal ob es ein Asterockfrachter ist oder nicht. Auch ein Lord Asterock würde nicht dieses Risiko auf sich nehmen das zu veranlassen, vor allem nicht, wenn er Tochter und Kind sowieso mit dem Familienbann belegt. Das ergibt keinen Sinn.“ Warf der Lord ein. „Kann es sein, dass ihre Eltern das Datum und den Vorgang so angegeben haben, damit sie offiziell nicht im Empire geboren sind?“ Ihre Eltern hatten ihr lange nicht die Wahrheit gesagt und dann auch nur häppchenweise, sie wurde unsicher. Dann gingen ihr die Konsequenzen wieder durch den Kopf. Aber auch der Beamte auf Numerus Prime und seine Worte „Sind sie sicher, dass ihre Geburtsurkunde stimmt? Nicht selten geben Eltern falsche Geburtsdaten an, damit ihre Kinder nicht automatisch vom Victorian Empire als Staatsbürger angesehen werden. Freie Händler neigen dazu für einen entsprechenden Betrag bei solchen Dokumenten schon mal Falschangaben zu machen, wenn die Fälschung nicht zu offensichtlich ist.“ Der Lord fragte mit ruhiger Stimmte nach ihrem PIDP, welches sie ihm überließ, der Schock saß noch tief. „Hmmm, angeblich vom Arzt auf der Primerose-Station auch noch einmal bestätigt, dass das Kind gesund und munter ist. Die liegt außerhalb des Empires, sind aber sehr gut ausgerüstet. Vermutlich sind sie da umgestiegen. Eine Abweichung über 48 h hätte dort ein Arzt bemerkt, mehr konnten sie nicht angeben. Ich bin kein Arzt, aber ich denke das Mal. Was aber entscheidend ist, die Signatur des Arztes ist vom 27. Früher Morgen, also 3 oder 4 Tage später. Das Problem ist und das weiß ich als Commander der Royal Fleet und ehemaliger 1. Offizier ganz sicher. Kein normaler Frachter, auch kein viktorianischer und schon gar nicht einer der freien Händler, schafft die Reise in 2 Tagen.“ Die Worte des Lords gingen Isabella durch den Kopf. „Aber das sind doch 3 Tage!“ dann kam die ernüchternde Antwort des Lords „Kein Captain springt mit einem Neugeborenen, das nicht mindestens 24 h alt ist, die Sterberate beim Wiedereintritt liegt in den ersten 24 h bei über 70%, nach 36 h bei 10%, nach 48 h ist es nicht schön für das Neugeborene, aber medizinisch eher unbedenklich. Als Commander und 1. Offizier würde ich ohne Notlage oder militärische Lage meinem Captain bei einem solchen Sprungbefehl mit Neugeborenen an Bord sofort darauf aufmerksam machen und ggf. intervenieren, wenn er den Befehl nicht zurückzieht. Selbst die freien Händler und andere Nomaden würden so etwas nicht machen.“ Die Worte des Lords klangen für Isabella sicher und ehrlich, keinesfalls wie eine Lüge. Sie erinnerte sich aus dem Schulunterricht an den Sachverhalt, dass Neugeborene den Wiedereintritt in den ersten Stunden und Tagen nicht überleben. „Dann sind sie ja sogar weitergereist, als ich noch keine 48 h alt war?“ sie war entsetzt. „Nicht unbedingt bzw. entscheidend ist der Wechsel in den Normalraum, nicht der in den Hyperraum. Nehmen wir einen Sprung von 12 - 18 h an, den kann so ein Frachter der Freien ganz sicher schaffen, dann waren sie aus dem Risiko bei Wiedereintritt.“ Lord Portsmith ergänzte nicht, dass er auch dieses Vorgehen für hochriskant und verantwortungslos hielt. Es konnte immer was passieren und ein irregulärer Wiedereintritt in den Normalraum konnte noch größere Folgen, auch für eine erfahrene Crew haben, das hatte schon altgediente Raumfahrer umgehauen.

Isabella fasste sich wieder. „Dann bin ich ja, wäre ich ja, wirklich Staatsbürgerin und auch noch … „Alice vervollständigte den Satz „als Minderjährige heute eingereist.“ Nach kurzer Pause ergänzte sie „Ich ging davon aus, dass ihnen dies klar ist, als sie heute ankamen?“ Isabella gingen die Folgen durch den Kopf und über ihre Stimmbänder „Dann ist Lord Asterock, mein Großvater, mein Vormund!“ „Ja“ war alles was Alice darauf antwortet. Isabella wurde schlecht, ihre „Five Stars Federation“ Staatsbürgerschaft interessiert jetzt niemanden mehr.

„Ich stehe im engen Kontakt mit ihrem Großvater. Kennen sie den Grund für die Reise ihrer Mutter?“ Lord Portsmith sprach mit beruhigender Stimme. „Ja, grob, mein Großvater sei sehr krank und würde nicht mehr lange leben und wolle sich mit ihr aussprechen und wohl versöhnen. Ich fragte sie noch ob das nicht zu riskant sei, aber sie sagte er hätte garantiert, dass sie unbehelligt Ein- und Ausreisen kann.“ „Und die gleichen Garantien haben sie auch. Haus Asterock hat seit dem Tod ihres Onkels keinen Erben mehr, da dieser keine Kinder hat. Daher hat mich Lord Asterock in alter Freundschaft zum Generalbevollmächtigten des Hauses Asterock gemacht, um im Fall seines Todes alles zu regeln und sein Testament vollstrecken zu lassen. So wie jetzt schon seine Geschäfte zu leiten, da es ihm oft nicht sehr gut geht. Ich habe dabei auch alle Vollmachten in Familienangelegenheiten erhalten. Das schleißt ein, dass ich in Vertretung oder nach seinem Tod ihr Vormund bin.“ Isabella war nach diesen Worten des Lords sprachlos. Der Lord fuhr fort „Aber, ich habe auch die strikte Anweisung sie ausreisen zu lassen, wenn sie dies wünschen.“ Vermutlich hörte man im ganzen Sonnensystem den Stein der Isabella vom Herzen fiel in diesem Moment. „Und das ist wirklich so, ganz sicher, versprochen?“ kam kleinlaut aus ihrem Mund. „Bei meinem Ehrenwort als Lord und Mitglied des Oberhauses des Victorian Empires!“

Alice war ein wenig um Isabellas Fassung besorgt. „Das Ehrenwort eines Lords zählt bei uns etwas, das ist kein leeres Versprechen.“ Isabella schaute Alice an. „Wäre ich nicht in den Kühlschacht geklettert, wären wir nach meinem Geburtstag angekommen.“ „Es macht doch keinen wirklichen Unterschied, Fräulein Asterock. Wenn mein Vater sagt, sie können jederzeit gehen, dann können sie sich darauf auch verlassen.“ Isabella beruhigte sich wieder. Merkwürdiger weise vertraute sie Alice und auch ein wenig dem Lord, Ersterer aber mehr.

Ein räuspern. „Mylord, soll ich den Nachtisch servieren?“ Jones hatte den Raum betrete und trug das restliche Essen und Geschirr vom Tisch auf einen Servierwagen ab. „Ja bitte Jones!“ kam die Antwort vom Lord. Von einem anderen Servierwagen zauberte er förmlich kleine Teller mit Törtchen mit Beeren und einer weißen Creme drauf auf den Tisch und stelle noch einen Teller mit weiteren dazu. Alice seufzte leicht „Erdbeertörtchen mit Sahne“. „Ja ich dachte das ist eine gute Idee Liebes“ kam von ihrem Vater. „Aber ja, nur habe ich vorhin schon so viel gegessen und dann gerade die Aufregung.“ Isabella fand, dass Alice nicht sonderlich viel gegessen hatten, aber vermutlich passte bei der Schnürung im Korsett auch nicht so viel in ihren Magen. Sie hatte sich wieder gefangen. Nachdem der Lord sein Törtchen mit der Kuchengabel bearbeitet hatte, tat sie es ihm gleich. Sie hatte noch nie Erdbeeren mit Sahne gegessen, ihre Mutter hatte diese aber mal erwähnt. Sie waren köstlich. Alice aß nur eines. Nachdem Isabella auch ein zweites vom dem Extrateller gegessen hatte und der Lord das seine, war das von Alice noch übrig. „Darf ich Cousine?“ „Natürlich, ich freue mich, dass es ihnen wieder besser geht Cousine“ kam halbförmlich mit einem Lächeln zurück.

Nach dem Essen fragte der Lord, ob Alice und Isabella auch einen Whiskey wollten, da Alice ablehnte, tat Isabella dies auch. Alice orderte bei Jones Tee und beide Frauen tranken Tee. Der Lord hatte sie zwischenzeitlich in einen anderen Bereich des Raums geleitet, wo es eine Sitzecke gab. Die Situation hatte sich für Isabella wieder entspannt. Das Gespräch ging über das Empire, aber Isabella vermied es bestimmte Fragen zu stellen, die sie lieber mit Alice unter vier Augen besprechen wollte, insbesondere auch, weil sie annahm, dass diese Alice in Gegenwart ihres Vaters unangenehm waren, aber auch weil sie Angst hatte sich vor dem Lord zudem lächerlich zu machen. Auch wenn er offensichtlich ein netter Mann war.

„Darf ich noch eine Frage stellen?“ Kam es aus Isabellas Mund. Sie hatte lange mit dieser gerungen. „Ja sicher doch Fräulein Asterock“ kam spontan die Antwort von Lord Portsmith, der immer noch am ersten Glas Whiskey des Abends nippte, inzwischen hatten der Eiswürfel den Alkohol verdünnt. „Was genau für eine Krankheit hat mein Großvater. Verstehen sie mich nicht falsch, es hatte mich auf Numerus Prime nicht interessiert, da mir der Mann, der uns offensichtlich nicht wollte, egal war. Inzwischen weiß ich aber nicht, wie ich das einordnen soll.“ „Nun„ der Lord überlegte kurz „Die Asterocks sind im Asteroidenbergbau tätig. Hier im System gehören ihnen unter anderem Asteroidenfelder in beiden Ringen. Also auch einige Asteroiden mit Tritalon, worauf sich das Vermögen ihres Hauses aufbaut. Vor vielen Jahren, als noch ihr Ur-Großvater lebte und Lord war, ihr Onkel und ihre Mutter waren schon geboren, waren beide, also der alte Lord und ihr Großvater, zur Visite in einer Tritalon-Mine, in einer unserer Kolonien. Sie hatten diese erst kürzlich erworben und im Gegensatz zum sehr reinen Tritalon hier bei uns im System, ist es dort wie üblich stark mit diversen strahlenden Elementen versetzt und muss erst aufbereitet werden. Es kam während des Besuchs zu einem Unfall, einem Einsturz, der Strahlungsalarm wurde ausgelöst, die Arbeiter flohen in die Schutzräume zum Dekontaminieren. Ein Arbeiter aber war eingeklemmt. Anstelle auch in den Schutzraum zu flüchten und den Arbeiter liegen zu lassen, halfen ihr Großvater und Ur-Großvater zusammen mit einem Arbeiter dem Mann, wie ihre Ehre es verlangte. Der Unfall war immerhin in der Mine ihres Hauses passiert. Sie konnten den Mann retten, für den Moment, aber alle vier Männer, auch ihr Großvater und Ur-Großvater, bekamen eine sehr hohe Strahlendosis ab. Man konnte diese Verstrahlung zwar behandeln, dass sie nicht unmittelbar tödlich war, aber sie hat zur Folge, dass die Alterung verfrüht einsetzt und man wie vor 3000 Jahren, als die Menschheit ins All aufbrach, einem frühen und langsamen Alterungsprozess ausgesetzt ist. Ihr Ur-Großvater starb 2 Jahre nach der Flucht ihrer Mutter. Er ließ sich die Leitung des Hauses nicht nehmen und ich vermute das seine harte Haltung, wenn auch nicht unüblich, auch der Krankheit geschuldet war. Ihr Großvater konnte als Folge keine Kinder mehr bekommen, womit dem Haus Asterock ein Sohn und eine Tochter blieben, er übernahm dann vor rund 16 Jahren nach dem Tod ihres Großvaters die Führung des Hauses. Inzwischen ist die Krankheit aber stark fortgeschritten. Die Ärzte versuchen ihr Bestes, aber auch alles Geld des Universums kann manche Dinge nicht stoppen.“ Isabella war ein wenig Geschockt. Dennoch hielt sich ihr Mitleid in Grenzen, angesichts der Vergangenen 18 Jahre. „Wie lange wird er denn noch leben? Kann ich ihn auch besuchen?“ Beim letzten Teil war sie sich nicht ganz sicher, ob sie das wirklich wollte, aber ließ sich vermutlich auch nicht vermeiden. „Die Ärzte gehen noch von wenigen Monaten aus zwei, maximal drei, es kann aber auch früher passieren. Ihr Großvater lässt sich gerade im gleichen Krankenhaus behandeln, wo ihre Mutter liegt.“ Isabella war mit der Antwort erst einmal zufrieden.

Alice sagte plötzlich „Es ist schon spät, ich nehme an sie hatten auch einen langen Tag Fräulein Asterock?“ Isabella bemerkte ihre Müdigkeit plötzlich „Ja, wie waren Commonwealth Zero Time“. „Ich schlage vor, wir machen für heute Schluss, morgen können wir mehr besprechen.“ Lord Portsmith kam die Gelegenheit recht, denn er wollte vermeiden, dass Isabella mehr über ihre Familie an diesem Abend erfuhr. Mehr über ihre Zukunft, ihre mögliche Zukunft. Seine Sorge war, dass er vielleicht sogar sein Ehrenwort würde brechen müssen, wenn es hart auf hart kam.

Alice Stand auf „Frühstück um Neun Vater?“ mit einem Nicken und „Gerne, bestätigte der Lord. „Gute Nacht Vater!“ „Träum was schönes Liebes“ kam von diesem als Antwort, der Mann überraschte Isabella wieder. Bei all der Förmlichkeit kamen in entscheidenden Momenten doch Vatergefühle durch. „Ich wünsche auch Ihnen eine angenehme Nacht Fräulein Isabella“ Sie aber, wusste nicht genau wie sie antworten sollte „Lord, Onkel, …“ „Die Wünsche ich ihnen auch Lord Portsmith“. Die beiden jungen Frauen verließen den Raum und machten sich auf dem Weg zu ihren Suiten.

Im Gang vor diesen angekommen, wollte Isabella Gewissheit über eine Vermutung trotz dem ihr inzwischen ziemlich kalt war, was sie auf ihre Müdigkeit zurückführte. Immerhin war sie nun schon durch die Zeitverschiebung über 20 Stunden auf den Beinen und der Tag war insgesamt sehr anstrengend und aufregend gewesen.

„Fräulein Portsmith, ich Zweifel nicht ihre Ehrlichkeit an, aber würden sie mir bitte auf eine letzte Frage für heute eine ungeschönte, ehrliche Antwort geben?“ Alice war ein wenig überrascht, auch weil die Fragestellung selbst kaum zu beanstanden war. Isabella schien schnell zu lernen. „Natürlich Fräulein Asterock!“. „Fräulein Stonewick ist nicht wegen ihnen, sondern wegen mir hier?“ Alice merkte das Isabellas Stimme unsicherer wurde, entschied sich aber, wie zugesagt, für eine klare kurze, ehrliche Antwort. „Ja!“ Es herrschte für einen Moment schweigen im Gang. „Danke für ihre Hilfe, Zeit und für ihre Ehrlichkeit“ „Das habe ich gern gemacht und seien sie versichert, ich werde ihnen helfen, wo und wann ich kann“. Isabella hatte keinen Zweifel an diesen Worten, war sich aber auch sicher, dass damit kein Mitleid gemeint war. Alice fand es sei an der Zeit den Abend zu beenden „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht Fräulein Asterock“ Isabella war froh über die Hilfe dieses Gespräch und den Abend nun zu beenden „Die wünsche ich Ihnen auch“ und hängte noch schnell ein „Fräulein Portsmith“ an.

In Ihrer Suite angekommen, betätige sie nun die Türverriegelung. Zuvor hatte sie nicht darüber weiter nachgedacht, da es auf diesem Raumschiff sicherlich keine Sicherheitsprobleme geben würde und vermutlich auch durch ihre Aufregung. Auch im nächsten Gedanken war ihr klar, dass diese Verriegelung sie nicht schützen würde, sollte der Lord seinen Leuten anordnen die Tür zu öffnen. Aber warum sollte er? Würde man ihr etwas antun wollen, könnte der Lord auch bis vor oder nach dem Frühstück damit warten können. Dennoch kam es ihr sittsamer vor. „Warum machte ich mir über Sittsamkeit Gedanken?“ schoss es ihr durch den Kopf. Nicht das man auf Numerus Prime nackt durch die Städte laufen würde, aber allein das Wort „Sittsamkeit“, wie kam sie darauf? Ihr wurde plötzlich wieder wärmer. Da fiel wieder ein, dass sie vor dem Baden noch die Klimaanlage auf 298 Kelvin gestellt hatte, nachdem ihr schnell in der Suite kalt wurde, als ihre Aufregung sich legte. Der Raum war auf 292 K gestellt gewesen. „Klar alle Räume sind sicher auf die Temperaturen von Victoria Prime temperiert und der Planet ist im Schnitt 6 – 7 Kelvin kühler als Numerus Prime“ ging es ihr durch den Kopf. Ihre Kleidung war dafür auf Dauer nicht ausgelegt und die „Express Trader“ war auf einem wärmeren Niveau klimatisiert, nur am Abend, wenn die in ihrer Kabine zur Ruhe kam, hatte die die Raumtemperatur in dieser leicht erhöht.

Auf dem Bett entdeckte sie einend kleinen Stapel Kleidung, obendrauf ein Zettel liegend. Ein richtiger handbeschriebener Zettel aus Papier. „Verrückt“ dachte sie sich.

„Wertes Fräulein Asterock,

ich möchte mich bei Ihnen für den heutigen interessanten Tag mit Ihnen bedanken. Ich möchte Sie nicht beschämen, aber aufgrund ihres kleinen Gepäcks und unserer Konversationen ist mir nicht entgangen, dass sie nur wenig Kleidung im Gepäck haben, so wie vor dem Abendessen, dass Ihnen diese Situation unangenehm zu sein scheint. Falls ich mich täusche oder ihnen mit meiner Offenheit zu nahetrete, bitte ich schon jetzt um Entschuldigung. Gerne möchte ich ihnen morgen mit den begrenzen Mitteln an Bord helfen, diese Situation zu meistern. Ein Wort von Ihnen genügt.

Da mir Ihr Interesse an unserer Kultur, der Kultur ihres Blutes und Hauses, ihrer Herkunft, freudiger Weise aufgefallen ist, habe ich mir erlaubt ihnen einen kompletten Satz Nachtwäsche für eine junge Dame bereit legen zu lassen. Ich hoffe, dass ihnen dies nicht zu persönlich ist, über solche Themen redet man bei uns normalerweise nur im engsten weiblichen Familienkreis oder mit der besten Freundin. Aber angesichts ihrer Situation würde ich mich geehrt fühlen, zumindest vorrübergehend diese Freundin für sie zu sein.

Es dürfte selbstredend sein, dass das Nachthemd komplett geschlossen wird. Sie tragen über dem Nachthemd das Nachtjäckchen, welches ebenfalls komplett geschlossen wird. Ich hoffe ich habe mit der ausgewählten Häkelarbeit ihren Geschmack getroffen.

Zu dem bin ich mir recht sicher, dass sie auch Fragen zu einem sehr intimen Thema haben, die sie mir aber nicht stellen mochten. Wofür ich ihnen zugegeben sehr dankbar bin. Für den Fall, dass ich mit damit nicht irre, habe ich mir überlegt Ihnen die Möglichkeit zu geben, einen ersten eigenen Eindruck zu erlangen. Sicher werden dadurch nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch neue aufkommen, aber für ein schwer zu erklärendes Thema scheint mir dieser Weg angebracht und angemessener. Sofern sie denn möchten, habe ich ihnen für diesen Fall drei Beinriemen beipacken lassen. Diese werden üblicher Weise in der ersten Phase, zur Eingewöhnung, in der Nacht genutzt, um Sittlichkeit und Tugendhaftigkeit zu wahren. Mit dem kleinen Riemen werden die Beine knapp über den Knöcheln zusammen fixiert, mit dem längeren direkt über den Knien und mit dem langen Riemen die Oberschenkel direkt unter der Hüfte. Sie sollten nicht stark drücken oder gar einschnüren, sie sollen nur festsitzen. Das Nachthemd wird natürlich über den Riemen getragen. Selbstredend, dass sie die Riemen besser erst im Bett anlegen. Ich hoffe wirklich, ihnen hier mit nicht zu nahe getreten zu sein, aber es würde mir die Situation vereinfachen und Ihnen die vermuteten Fragen teilweise beantworten.

Hochachtungsvoll

Ihre Alice Portsmith„

Isabella war sehr überrascht. Alice schien sich in der Nachricht gerade bezüglich der Keuschheit um das Thema herum zu winden. Was dafür sprach, dass es ihr wirklich sehr unangenehm sein musste darüber zu reden. „Zwischen den Beinen, gerade denen einer jungen Frau, herrscht bei den Viktorianern scheinbar ein großes Nichts, etwas über das man nicht oder wenn notwendig, nur ungerne spricht oder scheibt“ erinnerte sie sich an eine Textpassage, welche sie neulich am Abend gelesen hatte. Sie nahm es Alice daher keinesfalls übel diesen Weg beschritten zu haben, beschloss aber sich nicht auf das Experiment einzulassen, zumal sie annahm, dass am nächsten Tag noch einiges auf sie zukommen würde, welches sie nicht ohne weiteres wird ablehnen können. Zumindest nicht auf das volle Experiment. Die Klimaanlage hatte eine Nachtschaltung, mit der Fernbedienung, die sie inzwischen gefunden hatte, wollte sie diese einstellen. „286 K? Warum nicht gleich im Kühlschrank schlafen?“ ging ihr durch den Kopf. Sie schaut auf die Sachen, welche sie ausgebreitet hatte auf dem Bett. Dann wieder auf die Fernbedienung. „Ok, ich werde kaum mit Numerus Prime City Temperaturen rechnen können in nächster Zeit und auf dem Planeten wird es nicht überall Klimaanlagen geben, wenn überhaupt“ dachte sie sich „Ich könnte mein dünnes Nachtshirt zumindest tauschen, zumal es recht kurz und für hier unsittlich ist!“ Da war es wieder, dieses Wort. „Was war in dem Essen?“ sagte sie leise zu sich selbst. Die Entscheidung war gefallen. Temperatur auf Raumstandardtemperatur zurück, erst einmal. Die Nachtschaltung war ihr zu gewagt. Sie zog sich aus und legte ordentlich ihre Kleidung auf dem Stuhl vom Schminktisch ab. „Mutter wäre begeistert?“ ging ihr durch den Kopf als sie ihr Werk sah und nur noch im Slip war. Immer wieder hatte sich diese über ihre Unordnung aufgeregt. Einer der wenigen Streitpunkte zwischen ihnen, bis zu dem Tag als ihre Eltern von ihrer Herkunft auf Victoria Prime erzählten. Sie nahm das Nachthemd vom Bett, stelle sich vor den Spiegel. Als sie es auseinander faltete wurde ihr klar, dass es wohl wie die Kleider hier von Hals bis Fuß gehen würde. Sie zog es über den Kopf, was bei der Länge schwieriger als erwartet war, aber zum Glück war es insgesamt nur oben etwas enganliegender, der untere Teil war recht weit. Der Kragen hüllte einen den Hals ein. Sie atmete durch, und schloss die Knöpfe am Oberteil die sich bis zum Hals erstreckten. „Alle denke ich mal“, gedacht, getan. Sie sah sich im Spiegel an, das weiße Nachthemd schloss mit einem stehenden Kragen und dem darauf aufgesetzten, gewellten abstehenden Kragen ab. Auch das Oberteil war mit leichten Verzierungen versehen. Da war es wieder, dieses Kribbeln. „Komplett stand da, also nur das. Verwunderlich!“ waren die nächsten Gedanken. Sie zog das Nachthemd bis zur Hüfte hoch und zog den Slip aus, das Nachthemd fiel sofort wieder in die züchtige Form zurück. Auch der Slip landete ordentlich bei den anderen Sachen. Der Raum hatte sich abgekühlt. „Ok, wird bekloppt aussehen, aber ich kann es ja mal versuchen“. Beim Überziehen und Zurechtziehen des Nachtjäckchen fielen ihr die Muster auf, die in das geflochtene Gewebe eingearbeitet waren. „Print scheint es hier nicht zu geben, muss alles aufwändig sein. Wie hieß das noch? Häkelarbeit“. Sie schloss das Jäckchen. Das Kribbeln wurde nicht weniger. „Irgendwas müssen die mir ins Essen getan haben!“. Jedenfalls war ihr nicht mehr kalt. Sie legte die Riemen auf den Tisch der Sitzecke. Zog die Tagesdecke vom Bett. „Sieht ja kuschelig aus“. Sie schlüpfte unter die Decke, richtete die vielen Kopfkissen. „Licht aus!“. Das Licht ging aus. Im Gegensatz zur „Express Trader“ gab es nicht diese ganz leisen Hintergrundgeräusche, bei deren Fehlen wohl jeder an Bord sofort alarmiert aus dem Bett gesprungen wäre. Das Kribbeln wurde stärker, zwischen ihren Beinen wurde es definitiv feucht „Da muss was im Essen gewesen sein“ kreiste es in ihren Gedanken. Sie drehte sich auf die Seite. Die Hand konnte nicht einfach unter das Nachthemd wie sonst rutschen. Hochziehen war auch irgendwie doof. Durch den Stoff würde einen Fleck geben „Und dann Morgen, wenn das Zimmer gemacht wird?“ „Ich gehe also schon davon aus bedient zu werden. Der verrückteste Tag meines Lebens.“ Mit dem langen Nachthemd gestaltete es sich umständlich als sie sich zum hoch ziehen entschieden hatte. „Also nicht, verdammt!“. Sie wälzte sich noch ein paar Mal hin und her in den nächsten 15 Minuten, war müde, die Gedanken kreisten, es kribbelte nicht mehr nur, sie konnte nicht einschlafen.
„Licht an!“. Sie stand auf, was mit dem langen Nachthemd beinahe zu einem Salto aus dem Bett geführt hätte, und ging zum Tisch. Sie nahm die drei Riemen. Auf der Bettkante sitzend probierte sie deren Magnetschlösser jeweils, zwei-, drei-, viermal durch, ob sie sich wieder öffnen ließen. Dabei war ihr eigentlich klar, dass es keine programmierbaren waren. „Ist doch logisch, irgendwann muss man ja vielleicht zum Klo! ... Toilette“ Sie schüttelte den Kopf. „Was solls, muss ich morgen wenigstens nicht lügen oder Alice enttäuschen!“ „Ehrlich jetzt? Darüber machst du dir Gedanken?“ Das Kribbeln wurde stärker. Sie schlug die Decke ganz zurück, setze sich ins Bett, zog das Nachthemd über die Hüfte hoch. Ihre Scham, die Haare der Teilrasur, wurde sichtbar, sofort zog sie es ein Stück wieder herunter. „Ich bin irre oder einfach nur übermüdet! Das wird es sein, übermüdet!“. Sie legte den kurzen Riemen knapp über den Knöcheln an. Der Magnetverschluss schnappte zu. Es folge der zweite Riemen direkt über den Knien. Das Kribbeln wurde definitiv nicht weniger und auch nicht die Feuchtigkeit. Der letzte Riemen knapp unter der Hüfte presste die Oberschenkel leicht zusammen, der Magnetverschluss war nun auch zu. Ein Seufzer. Sie zog das Nachthemd ordentlich nach unten, was nicht ganz so leicht war mit den fixierten Beinen. Dann die Decke hoch. „Licht aus!“. Das Kribbeln ließ nicht wirklich nach, doch die Müdigkeit kam nun und die Finger hatte keine Chance mehr, womit auch die Suche nach der besten Möglichkeit ausblieb. Die Müdigkeit siegte kurz darauf, im Einschlafen ging ihr noch ein letzter müder Gedanke langsam durch den Kopf „Bin wohl doch nicht ganz untugendhaft und unsittlich!“ und sie schlief mit einem Lächeln im Gesicht ein.

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QueenS
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in der Hölle


unzähmbar, frech und provokant...

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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:27.04.21 14:16 IP: gespeichert Moderator melden


Lieber Sol Invictus...
Hiermit beglückwünsche ich dich zu deiner Story...
Rundum gelungen und überaus anregend...
Ich hoffe auf baldige Fortsetzung...
Liebe Grüße QueenS
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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:27.04.21 17:56 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo QueenS,

Danke!
nun es wird sicher ein bis zwei Wochen dauern, aber in meinem Kopf gibt es bereits einen Handlungspfad.
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Erin
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:27.04.21 21:46 IP: gespeichert Moderator melden


Die Geschichte gefällt mir bis hier sehr gut. Ich bin gespannt wie ihr Leben weiter geht und ob sie ihre Mutter nochmal ausgiebig sprechen kann. Also schreib weiter so.
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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:28.04.21 14:36 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
Die Geschichte gefällt mir bis hier sehr gut. Ich bin gespannt wie ihr Leben weiter geht und ob sie ihre Mutter nochmal ausgiebig sprechen kann. Also schreib weiter so.


Danke

Nun, es muss sich nich finden ob und wie Kontakt zur Mutter entsteht und wann
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Blackrubberhorse
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Du hast alle Waffen die du brauchst- jetzt kämpfe!

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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:28.04.21 16:55 IP: gespeichert Moderator melden


Eine sehr lesenswerte Geschichte bisher. Ich könnte mir gut vorstellen,Isabella wird nach einer sicher anstehenden Ausbildung in Sitten und Gebräuchen ihrer 'neuen' Heimat, die sicher nicht komplikationslos verlaufen dürfte, die Vorzüge beider Systeme in sich vereinen- was sie zu einer sehr heißen Anwärterin für eine wie auch immer geartete Karriere im diplomatischen Dienst eines der beiden Systeme machen könnte...
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jonnyf
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:28.04.21 18:34 IP: gespeichert Moderator melden


Eine tolle Geschichte mit vielen Möglichkeiten wie es weitergehen könnte.

Eine konstruktive Kritik von mir:
Der aktuelle Teil ist sehr lange ausgefallen und in der Textmitte kann ein Absatz die Lesbarkeit verbessern

Gerne mehr von deiner Story. Danke
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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:28.04.21 19:53 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Jonny,

beides ist nicht nur angekommen, war mir aber auch schon aufgefallen. Der fehledne Absatz wirkte in Word nicht so, hier dann schon. Kann aber nicht ändern. Das Kapitel ist inzwischen schon gekürzt. Das ursprüngliche Kapitel wird 3 - 4 ergeben, es ist einfach so viel auszuschmücken

Zitat
Eine tolle Geschichte mit vielen Möglichkeiten wie es weitergehen könnte.

Eine konstruktive Kritik von mir:
Der aktuelle Teil ist sehr lange ausgefallen und in der Textmitte kann ein Absatz die Lesbarkeit verbessern

Gerne mehr von deiner Story. Danke

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Erin
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Lebe deine Träume

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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:08.05.21 21:04 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Sol wann geht es weiter ??
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Sol Invictus
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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:09.05.21 16:52 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 3 – Happy Birthday

Alice hatte sich den Wecker auf sechs Uhr gestellt, da sie früh mit ihrem Vater sprechen wollte, der für gewöhnlich spätestens gegen viertel nach sieben im Büro anzutreffen war. Normalerweise stand sie später auf. Agatha kam gute 10 min zu spät, obwohl sie ihr beim Auskleiden noch die Anweisung gab pünktlich zu sein. Sie wusste natürlich, dass es am Abend spät geworden war und Agatha somit erst spät zu Bett gehen konnte, dennoch erwartete sie, dass diese ihre Aufgaben pünktlich erfüllte. Sie fand, dass sie Agatha zwar streng, aber durchaus gerecht und fair behandelte und keine Launen an ihre auslebte, wie es z.B. ihrer Mutter mit ihrer Kammerzofe regelmäßig machte, was dazu führte, dass diese in der Regel kaum mehr als drei Jahre bei ihr blieben. „Welche Uhrzeit hatten wir ausgemacht Agatha?“ wartete sie nicht einmal die Begrüßung durch Agatha ab als diese ihre Suite betrat. „Guten Morgen Herrin! Bitte entschuldigen sie die Verspätung, aber ich habe mich verschätzt wie viel Zeit ich benötige nach dem Aufstehen. Ich teile mir Kabine und Bad mit einer Frau vom Housekeeping und diese hatte das Bad lange belegt.“ Dabei machte sie einen besonders langen und tiefen Knicks. Alice Tonfall blieb streng. „Und wäre es ein Problem gewesen, die Aufstehzeiten mit der anderen Frau abzusprechen oder als sie aufstand darauf hinzuweisen, dass du pünktlich bei mir sein musst?“ „Nein Herrin, bitte entschuldigen sie meine Verspätung, ich werde in Zukunft wieder pünktlich sein.“ Agathas Stimme wurde sehr leise und noch unterwürfiger als üblich. Alice wechselte zu ihrem normalen Tonfall gegenüber Agatha, ohne weiter auf den Vorfall direkt einzugehen.“ Ich wollte früh bei meinem Vater sein, nun haben wir 15 Minuten verschwendet wegen dir. Ich brauche dich im Lauf des Tages für Fräulein Asterock. Blamiere mich nicht bei ihr. Ich nehme das schlichte dunkelblaue Kleid heute.“ Agathas sonst schon recht unterwürfiger Tonfall blieb wie zuvor. Alice war zufrieden, sie wusste das Agatha nun über den Vorfall mindestens noch den Vormittag nachdenken und die nächste Zeit sehr sorgsam auf die Zeiten achten würde. „Mit weißer oder schwarzer Bluse drunter Herrin, schwarz würde auch gut aussehen.“ „Eine Weiße Agatha, mit schönem Kragen, und die Brosche von meiner Großmutter, die mit dem Saphir.“

Nachdem Alice sich mit Hilfe von Agatha angekleidet hatte, gab sie dieser noch ein paar weitere Anweisung, unter anderem „Und vergiss nicht, sei ab 10:00 verfügbar, ich werde dich dann wahrscheinlich irgendwann für Fräulein Asterock brauchen bis zum Mittag. Und leg die Sachen bereit.“ „Ja Herrin, natürlich Herrin!“ Während des Ankleidens war Agatha in ihrem normalen Tonfall zurückgefallen, nun war sie wieder deutlich unterwürfiger. Alice gefiel dies eigentlich, da sie sich so sicher war, dass ihre Rüge bei Agatha angekommen war. Dennoch „Bitte verhalte dich dann nachher in Anwesenheit von Fräulein Asterock wie üblich. Sie könnte sonst irritiert sein und meinen ich würde dich schlecht behandeln.“ Agatha wandte sofort ein „Ihr behandelt mich nicht schlecht Herrin. Es war mein Fehler und eure Rüge gerechtfertigt! Ich würde nie etwas anderes behaupten.“ Alice wollte das Thema nun beenden und gehen „Das weiß ich, aber Fräulein Asterock kommt aus einer anderen Kultur.“ Agatha knickste wieder „Ja Herrin, ich verstehe!“ dann verlies Alice ihre Suite und machte sich auf den Weg zu ihrem Vater. Auf dem Gang lächelte sie. Agatha war die richtige Wahl gewesen, dass zeigte sich immer wieder, trotz gelegentlicher kleiner Fehler.

Sie ging zum Fahrstuhl und fuhr ein Deck höher, wo die Suite und das Arbeitszimmer ihres Vaters lagen, so wie das völlig private Wohnzimmer. Dieses Deck war im Grunde dem engsten Familienkreis vorbehalten, Besucher beziehungsweise Gäste hatten hier üblicher Weise keinen Zutritt. Sie klopfte an die Tür, da sie wusste das ihr Vater den Gong nicht sonderlich mochte. Ein leises „herein“ drang durch die dicke Tür. Sie öffnete diese und trat ein, machte einen Knicks, während sie ihren Vater ansprach „Guten Morgen Vater, ich hoffe sie haben gut geschlafen!“ Der Lord saß hinter seinem großen Schreibtisch und legte ein Workpad beiseite. „Guten Morgen Liebes! Das habe ich in der Tat, im Weltraum schlafe ich noch immer besser als Daheim. Ich hoffe du hattest auch eine erholsame Nacht, nach dem aufregenden Tag gestern?“ Sie hatte sich von ihrem Vater schon immer wertgeschätzt gefühlt. Er sprach sie auch im Beisein von engen Freunden und von Vertrauten meistens mit „Liebes“ an und selten mit Namen. Da er dies auch am Abend zu vor tat, ging sie davon aus, dass er Fräulein Asterock in diesen Kreis einordnete, zumindest vorerst. Das war eigentlich ungewöhnlich. „Danke Vater. Die hatte ich. Haben sie einen kurzen Moment Zeit, um etwas zu besprechen?“ Ihr Vater lächelte „Natürlich Liebes, für dich doch immer. Worum geht es?“ Da er das Thema neue Kleider etc. bei allen Töchtern am 16. Geburtstag mit einem monatlichen Budget gelöst hatte, welches er grundsätzlich nicht erweiterte, musste es schon etwas Ernsteres sein zu so früher Stunde. „Es geht um Fräulein Asterock!“ Er schaut plötzlich besorgt „Ist etwas passiert?“ „Nein, keinesfalls, beziehungsweise doch, aber nichts Schlimmes, vielmehr das Gegenteil.“ „Setz dich doch bitte Liebes. Sofa oder Stuhl?“ Alice mochte die zwei Stühle vor dem Schreibtisch nicht sonderlich. Auch wenn sie immer vor dem Schreibtisch stehen musste, wenn sie etwas angestellt hatte und von ihrem Vater zur Rechenschaft gezogen wurde, so erinnerten sie die Sitzposition vor dem Schreibtisch doch immer daran. Sie wählte das Chesterfield-Sofa der kleinen Sitzgruppe im Arbeitszimmer. Ihr Vater kam hinter dem Schreibtisch hervor und setze sich zur Hälfte auf einen der Sessel, vorgebeugt mit den Ellenbogen auf den Oberschenkeln. „Dann erzähl mal Liebes!“

Alice überlegte kurz. „Wie ihnen sicher gestern auch aufgefallen ist, ist Fräulein Asterock sehr interessiert am Empire und unserer Lebensweise. Und dies auf eine positive, neugierige Art.“ „In der Tat Liebes, in der Tat. Ich war angenehm überrascht gestern Abend.“ Lord Portsmith schaute seine Tochter neugierig an. „Ich hatte zuvor ja auch schon zwei kürzere Gespräche mit ihr. Eines bei der Einreise, was noch etwas, sagen wir, holprig war, aber keinesfalls unangenehm. Das andere später in ihrer Kabine, bevor wir zu ihnen zum Abendessen gingen. Ich nehme an, ich wäre auch überwältigt, wenn ich morgen auf Numerus Prime stehen würde und nichts ahnend auf eine Cousine treffe, die in einer völlig anderen Kultur lebt und an die ich mich anpassen soll. Und sie wusste ganz offensichtlich nichts von ihrer Abstammung. Meine Tante hat sie ja offensichtlich völlig im Unklaren gelassen.“ Lord Portsmith nickte „Ja ich hatte auch erwartet, dass meine Cousine ihr spätestens vor ihrer Abreise mehr erzählt hat. Aber auf der anderen Seite als Vater, kann ich auch verstehen, dass es schwer sein muss seinem Kind zu erklären, dass man ihm bisher immer noch den wesentlichsten Teil seiner Herkunft vorenthalten hat.“ Alice überlegte kurz „Worauf ich eigentlich hinaus will Vater. Ich weiß das sie große Angst vor Fräulein Stonewick hat, naja Angst nicht in dem Sinne, nennen wir es eher Unbehagen. Leider hat die Gute Ihren Auftrag gleich in den ersten 5 Minuten angefangen zu erfüllen.“ Lord Portsmith Gesichtszüge zeigten missfallen „Ich hätte ihr vielleicht klarere Anweisungen geben sollen und zur Vorsicht ermahnen!“ Alice schüttelte leicht den Kopf „Nichts gegen Fräulein Stonewick, ich verdanke ihr viel, aber sie ist nicht der Mensch für viel Flexibilität, das ist nicht die Aufgabe einer Gouvernante. Ich bin davon überzeugt, dass ihre Methoden zu diesem Zeitpunkt falsch sind und Fräulein Asterock eher von dem entfernen, was wir gerne erreichen würden.“ Der Lord lächelte „Wir? Du warst Zuhause alles andere erfreut und auch noch auf der Reise nach Port Nelson nicht sonderlich angetan von meinem Wunsch, dass du dich ein wenig um deine Cousine kümmern sollst. Ich war daher schon gestern Abend angenehm überrascht, dass du ihr mehrfach unauffällig geholfen hast bei unserem gemeinsamen Abendessen.“ Alice war sich klar darüber, dass sie im Vorfeld nicht gerade angemessen als Tochter reagiert hatte. „Ich nahm an, dass es wieder so werden würde wie mit den Töchtern der Geschäftspartner von Außerhalb seinerzeit. Dafür möchte ich mich noch entschuldigen. Mein Verhalten war nicht angemessen Vater. Ihr seid der Lord und mein Vater. Bitte stellt meinen Gehorsam euch gegenüber und meine Treue unseren Haus gegenüber nicht in Frage.“ Er lächelte sie an „Ich hatte nie Zweifel daran Liebes. Manchmal muss man halt Dinge machen, die einem nicht behagen. Und manchmal zeigt man seinen Unmut darüber. Entscheidend ist aber, es dann doch zu machen, trotz allem.“ Alice fiel ein Stein vom Herzen, sie hatte schon befürchtet, dass ihr Verhalten ein Nachspiel haben könnte. Ihr Vater ergänzte „Diese Töchter waren, in beiden Fällen, unangenehm schlecht erzogen, auch für Nichtviktorianer. Und vielleicht war es damals auch zu früh dir diese Aufgaben jeweils zu übertragen. Du warst beim ersten Mal gerade 15 und beim letzten Mal auch noch keine 17.“ „Die waren aber im gleichen Alter, ich denke ich hätte damals besser reagieren müssen und nicht so empfindlich sein sollen. Aber ich habe aus diesen Aufgaben gelernt.“ Entschuldige Alice ihren Vater bei sich selbst. Dieser wollte nun aber endlich wissen, worauf Alice eigentlich hin aus wollte. Immerhin hatte er doch schon einen Verdacht. „Nun, als ich Fräulein Asterock das erste Mal sah, als ich sie aus der Tür treten sah, leicht hilflos, verwirrt und überwältigt von allem, aber dennoch so ehrlich interessiert, da mochte ich sie einfach sofort.“ Ergänzte aber gleich, um keinen falschen Eindruck zu erwecken, „Daher möchte ich ihr und dem Haus Asterock helfen, dass sie ihren Platz in unserer Gesellschaft findet und dabei eine richtige Viktorianerin zu werden. Immerhin ist dies zu sein ihr Geburtsrecht.“ Der Lord nickte „Und?“, immerhin entsprach dies noch weitgehend seinem Auftrag, den er seiner Tochter vor wenigen Tagen gegeben hatte. „Ich denke ich habe einen guten Zugang zu Fräulein Asterock und kann sie weiter positiv beeinflussen, sie respektiert mich.“ Eine gewisse Bewunderung würde es eher treffen, vermutete Alice, wollte aber nicht eingebildet oder überheblich gegenüber ihrem Vater wirken, das mochte er nicht. „Daher würde ich gerne die Aufgabe übernehmen, zumindest bis sie ihre Mutter auf Victoria Prime gesehen hat so wie ihren Großvater kennen gelernt hat. Ich denke Fräulein Stonewick würde sie im Moment nur von unserem Vorhaben entfernen.“ „Du willst ihre Gouvernante sein?“ frage Lord Portsmith, etwas überrascht. „Nicht direkt Vater. Eine gute Freundin, welche ihr einen tugendhaften und sittlichen Lebensweg aufzeigt, würde es wohl eher treffen. Fräulein Stonewick wird dann auf jeden Fall benötigt und sich noch sehr intensiv und lange mit ihr beschäftigen müssen. Ich denke nicht das ich in der Lage bin dies zu übernehmen. Du hast mich gelehrt Herausforderungen anzunehmen aber auch sich nicht zu überschätzen. Momentan ist Fräulein Asterock noch nicht richtig klar, wer sie ist und welche Bedeutung sie für ihr Haus hat. Wenn sie sich wirklich frei entscheiden kann, dann sollten wir jetzt nicht etwas tun, was einer guten Entscheidung ihrerseits entgegensteht.“ Lord Portsmith überlegte kurz. „Du hast wohl recht Liebes. So machen wir das, ich vertraue dir. Greife auf Fräulein Stonewick zurück, wenn du es für nötig hältst. Ich rede nachher mit ihr, dass sie sich im Moment nicht einmischen soll außer Du wünscht ihre Hilfe. Sich aber auch dann zurückhalten soll.“ Alice lächelte „Danke für ihr Vertrauen Vater!“ Der Lord schmunzelte „Das wird Fräulein Stonewick nicht gefallen.“ „In der Tat Vater!“ bestätige Alice mit einem leichten Lachen.

Alice war nun später in der Zeit als es ihr Plan war, 7:30 war es gerade geworden. Nachdem sie ihres Vaters Büro verlassen hatte, aktivierte sie den in dem breiten schmuckhaften Armreif integrierten Personal Assistent, das holografische Display wurde über ihrem Arm angezeigt. Sie wählte einen Anruf in Isabellas Suite über ihr InEarCom.

„DüDü, DüDü, DüDü …“ Das Geräusch wurde immer lauter, je mehr Isabella erwachte. „Bei allen Galaxien des Universums … wer …?“ knurrt sie. Registrierte dann, dass es sich um den InterCom handeln musste. „Ruf annehmen“, „DüDü, DüDü …“ „Anruf annehmen“, „DüDü, DüDü, …““ „ohhhh, kein Interterrest, echt jetzt?“ „Akzept cal“, „DüDü, DüDü“, „Viktorianisch vor dem Aufstehen, echt jetzt?“ Ging es ihr durch den Kopf „Accept call“. „Guten Morgen Fräulein Asterock, ich hoffe ich habe sie nicht geweckt. Ich wollte sie nur an das Frühstück um 09:00 erinnern und zugegeben, falls sie wegen der Zeitumstellung verschlafen haben, doch rechtzeitig wecken, damit sie noch genug Zeit haben sich fertig zu machen.“ Zum Glück war es ein reiner Audioanruf. „Guten Morgen Ali … Fräulein Portsmith. Nein alles gut, ich war kurz zuvor schon aufgewacht.“ log sie. „Wir erwarten sie dann zu 09:00 im Salon zum Frühstück. Wenn sie Agatha brauchen, dann rufen sie Jones über das Intercom an. Um ihr InEarCom kümmern wir uns später heute. Agatha wird dann nachher auch mit dem Housekeeping zusammen die Suite in Ordnung bringen.“ Alice klang so wach und aktiv, viel zu aktiv und viel zu wach. „Danke, ich werde da sein!“ „Ob das Höflich genug war?“ schoss es ihr im nächsten Moment durch den Kopf. „Ich freue mich auf ihre Gesellschaft. Dann bis später Fräulein Asterock.“ Alice hatte mit diesen Worten den Anruf beendet. Isabella schaute auf die Uhr im Raum „7:35 … das sind noch fast 1,5 h. Wer zum Henker braucht so lange zum Duschen und sich anziehen?“. Als sie sich aus dem Bett wälzte wäre sie beinahe kopfüber aus diesem gestürzt. Sie hatte überhaupt nicht an die Beinreimen gedacht und irgendwie auch nicht bemerkt. Sie schob die Decke zurück, zog das Nachthemd hoch und öffnete die Magnetschlösser der Beinriemen. Das Nachthemd fiel wieder züchtig und anständig als sie aus dem Bett war und vor diesem stand. „züchtig, anständig wieso mache ich mir über so etwas Gedanken, da habe ich doch bis gestern nicht?“ nach einer kurzen Pause vor dem Spiegel stehend auf dem Weg in das Bad, kam sie sich in ihrem Outfit etwas komisch vor, dennoch „So gut geschlafen habe ich schon lange nicht mehr.“ gingen Isabella Gedanken durch den Kopf. Das Kribbeln war irgendwie wieder da, aber viel gedämpfter als vor dem Einschlafen, so eine Art Hintergrundrauschen.

Bevor sie ihre Morgentoilette begann, ließ sie sich ein Bad ein. Auch wenn das Letzte keine 24 h her war, diese Badewanne hatte es ihr irgendwie angetan und sie hoffe, dass ihre Hände weiter sauber werden durch das Einweichen im Bad. Bevor sie sich in die inzwischen fast volle Badewanne setzte, holte sie sich noch das Infopad aus dem Sekretär. Zum Glück konnte die Sparachsteuerung auch Interterrest. Sie stelle es auf den kleine Ablagetisch im Bad neben die Badewanne. Eigentlich wollte sie mit der Sprachsteuerung ein wenig recherchieren, das erschein ihr dann aber zu kompliziert und so entschied sie sich für die aktuellen Nachrichten, zumal es eine Audio-Übersetzung in Interterrest gab. Während ihre Hände so einweichten, lauschte sie den aktuellen Nachrichten und erfuhr einiges zum aktuellen Tagesgeschehen und Politik. Über das eine oder das andere musste sie schmunzeln. Allerdings staunte sie über zwei Sachverhalte nicht schlecht. Zum einen, dass es mehr Bewerber für eine Einwanderung in das Empire gab als dieses benötigte und man sich die Personen aussuchen konnte. Vorrangig ging es um Menschen, die in den Kolonien des Empires arbeiten und leben wollten und sollten. Das fand sie ein wenig verwunderlich, gerade für Frauen musste das eine erhebliche Umstellung sein. Dem Bericht nach, schien man auf ein ausgewogenes Verhältnis Männer und Frauen zu achten, welches gerade einen politischen Streit ausgelöst hatte im Oberhaus. Und dann war da noch die Information, dass in 2 Jahren ein neuer König gewählt werden sollte, weil die Amtszeit des amtierenden dann endet. Sie hatte immer gedacht, Könige regieren bis sie sterben, ermordet werden oder abdanken. Jedenfalls war das in der spätantiken Literatur immer so gewesen.

Es war nun 8:20 durch, beinahe hätte sie die Zeit verpasst. Sie stieg aus der Wanne. Nach dem Abtrocknen ging sie zu ihrem Koffer und zog sich einen frischen Slip, BH und Shirt an. Dann entschied sie sich für andere Oberkleidung, diesmal zweiteilig. Mit Hose und Jacke, die nicht ganz so moderne Version wie die Kombis die auf Numerus Prime derzeit angesagt waren. Sie schloss die Jacke ganz, als sie vor dem Spiegel stand. Als sie ihre fast schulterlangen, leicht zerfranst wirkenden braunen Haare sah musste sie an Alice denken „Perfekte Haare, perfektes Outfit und ich blamiere mich gleich wieder“ ging ihr durch den Kopf. Dabei hatte sie nie besonders viel Wert auf perfektes Aussehen gelegt, praktisch und unkompliziert war ihre Devise gewesen. Sogar ihre Mutter hatte dies in der Vergangenheit das eine oder andere Mal kritisiert. Im Gegensatz zur Ordnung, hatte es dabei aber eher nie Streit gegeben. Sie fragte sich, warum sie dies auf einmal störte, als sie vor dem Spiegel stand.

Es war gerade 8:50 durch, als sie in ihre Schuhe schlüpfte, einen letzten Blick in den Spiegel warf und ihre Suite verließ. Den Weg kannte sie inzwischen. Kaum aus der Tür traf sie auf eine Frau mittleren Alters, die sie bisher noch nicht kannte und offensichtlich zum Personal gehörte. „Guten Morgen Fräulein Asterock.“ Die Frau machte einen Knicks, Isabella kam sich komisch vor „Guten Morgen“. „Wenn es ihnen recht ist, werde ich ihre Suite herrichten, während sie beim Frühstück sind.“ „Was sagt man darauf?“ ging es Isabella durch den Kopf. Eine Stimme hinter ihr rette sie. „Guten Morgen Fräulein Asterock“, als sie sich umdrehte sah sie Agatha die gerade einen Knicks machte. „Guten Morgen Agatha“. Diese sprach die andere Frau an „Lucy, ich räume die Suite auf und du musst dann nur sauber machen. Meine Herrin hat mich Fräulein Asterock zugeteilt“. Dieses „Herrin“ ging Isabella wieder durch den Kopf. „Fangen wir gleich an?“ kam als Frage von besagter Lucy. Agatha verschon dies um 15 Minuten, weil sie noch was erledigen musste. Isabella wusste nicht was sie sagen sollte. Da Alice letztendlich immer freundlich zu Personal zu sein schien wollte sie dem Beispiel folgen und keinen schlechten Eindruck hinterlassen „Vielen Dank, wir sehen uns später“ dann ging sie. Ihr war es zum einen unangenehm das jemand ihre Suite aufräumte und sie bediente zum anderen, dass ihre Privatsphäre dadurch irgendwie kontaminiert wurde.

Kurz darauf stand sie vor der Tür zum Salon. Isabella atmete tief durch, 8:59, das würde wohl nicht zu früh und nicht zu spät sein. „Anklopfen und warten, oder gleich darauf reingehen oder einfach hinein gehen?“ Isabella fühlte sich ein wenig ratlos, so viele Verhaltensregeln schein es zu geben, von denen sie kaum welche kannte, zumindest bis gestern. Zu ihrem Glück öffnete sich die Tür von innen und Jones trat heraus. Er verbeugte sich, „Guten Morgen Fräulein Asterock und Happy Birthday“, wie am Vortag war er freundlich und zurückhaltend in seiner Stimme. „Ihnen auch einen Guten Morgen Jones und vielen Dank!“ Ihr fiel zum ersten Mal bewusst auf, dass bestimme Personen des Personals mit Nachnamen und andere mit Vornamen angeredet wurden. Ein System dahinter erkannte sie aber nicht, „Jonathan“ war scheinbar der oberste Leibwächter und wurde mit Vornamen von Alice angeredet.

Isabella trat durch die offene Tür, währenddessen klopfte sie kurz zwei Mal an der Tür. Sie sah ihre Cousine am Fenster stehen, die sich umdrehte. „Guten Morgen Fräulein Portsmith“. Alice machte wieder einen Knicks bei ihrer Begrüßung „Guten Morgen Fräulein Asterock und Happy Birthday“. Sie lächelte Isabella an und ergänzte „Schauen sie mal, Sol Victoriana ist schon ein Stück größer geworden und dort sehen sie“ Isabella kam näher und Alice deutet auf einen fernen größeren Punkt der als Planet zu erkennen war „Eyes of the Princesses“. Isabella wusste, dass es der vierte Planet, oder korrekter vierte noch existierende Planet, des Sonnensystems war, ein Gasriese wie Port Nelson, allerdings nicht in dessen schönen Blauton. Er wirkte aus der Ferne wie ein Gewirr aus weiß, Braun- und Rottönen. „Leider kann man auf diese Entfernung nicht seine fünf Paar Augen in der Atmosphäre sehen.“ ergänzte Alice. Isabella verstand nicht ganz, erkannte das diese scheinbar für Alice wichtig waren „Ist das etwas Besonderes mit diesen Fräulein Portsmith?“. Immerhin hatten Planeten keine Augen, sie vermutete aber, dass es sich um Flecken in den oberen Schichten der Atmosphäre handeln musste, und diese waren bei Gasriesen keine erwähnenswerte Besonderheit, sondern überall in der bekannten Galaxie anzutreffen. „Die Gründerväter gaben dem Planten diesen Namen, weil die fünf Paare Augen, wissenschaftlich für sie vermutlich einfach nur Flecken, die meiste Zeit die Form von Augen haben.“ Isabella schaut fragend, aber Alice ergänzte sofort „Jedes Paar steht für die Augen einer der fünf Töchter der Queen Victoria aus dem spätantiken British Empire, unseren Vorvätern und Müttern. Man sagt, sie wachen über die Tugend der Menschen im Victorian Empire, insbesondere der Tugendhaftigkeit der Frauen.“ Isabella konnte wenig mit dieser Information anfangen. Für sie klang dies so unlogisch wie Religion. Weder waren diese Flecken Augen noch hat man in 3000 Jahren interstellare Raumfahrt einen Gott gefunden, allerhöchst Zivilisationen oder Individuen, welche sich bei primitiven Kulturen für ebensolche ausgaben. Auch diverse Deep Space Langzeitmissionen mit großen Forscherteams aus dem Commonwealth, welche weit über dessen Grenzen hinaus forschten, hatten nie Hinweise auf etwas größeres, göttliches gefunden. Viele Menschen sahen daher das Universum bzw. das Multiversum selbst als das „Große Unbegreifliche“ an, ohne ihm göttlichen Status zu geben. Alice machte aber ein Gesicht, als wenn es ihr Ernst mit diesen „Wächterinnen der Tugend“ sei.

Lord Portsmith rettet sie unbewusst aus der Situation. „Guten Morgen Fräulein Asterock“ der Lord kam in den Salon und auf die beiden zu „Außerdem, Happy Birthday. Ab heute sind sie volljährig.“ „Und heiratsfähig oder besser gesagt verheiratungsfähig“ schoss es Isabella durch den Kopf. Zum Glück hatte sie dabei ihren Mund unter Kontrolle. Alice wollte wohl was sagen aber der Lord wand ein „nach dem Frühstück Liebes.“ Frühstück klang für Isabella gut, sie merkte das sie Hunger hatte und im Raum roch es nach Essen. Jetzt wo sie dies bewusst wahr nahm, wurde der Hunger größer. „Normalerweise, wenn wir im kleinen Kreis sind, bekommen wir unser Frühstück schon angerichtet serviert, da das Küchenpersonal die Vorlieben der Familienmitglieder kennt oder diese am Abend zuvor oder frühen Morgen schon ihre Wünsche mitteilen. Heute haben wir aber eine Auswahl an üblichen Zutaten zu einem guten „Victorian Breakfast“ anrichten lassen, so dass sie erst einmal alles kennen lernen und probieren können.“ Der Lord deutete wieder auf den Tisch, der wie am Abend zuvor für drei an einem Ende eingedeckt war. Kein Fräulein Stonewick weit und breit, dies erhöhte Isabellas Appetit.

Der Lord half seiner Tochter wieder mit dem Stuhl, als sie sich setzten. Isabella wunderte sich ein wenig, dass Alice schon wieder ein anderes Kleid trug. Das Dritte in weniger als 24 h. Dieses war sehr dunkelblau, wieder hoch geschlossen und ohne diesmal viel Verzierung, im Vergleich zu den beiden davor, konnte man es als schlicht bezeichnen. Der Hals war wieder im hohen Stehkragen einer Bluse mit feinem Gewebe gehüllt. Diesmal zierte nicht so sehr das Kleid Alice, sondern eine Brosche mit blauem Stein, welche Alice am oberen Ende des Kleides unter dem Hals befestigt hatte. Die Brosche sah wertvoll aus. Sie war alles in allem wieder eine elegante, erhabene Erscheinung. Aufgrund des schlichteren Kleides wurde Isabella klar, dass nicht allein Alice Kleider dazu beitrugen, sondern ihr ganzes Auftreten, von der geschnürten Taille, dem aus dem Korsett resultierenden starren Oberkörper, ihre Frisur, ihre Art zu gehen, sich zu bewegen, ihre Ausdrucksweise, ihre Zurückhaltung. Auf Numerus Prime würden sie viele sicher deutlich unterschätzen. Sie war klug, scharfsinnig und wusste offensichtlich ihren Kopf einzusetzen. Und Isabella zweifelte nicht daran, dass Alice zu unterschätzen böse enden konnte für jemanden, für jemanden der ihr nicht wohlgesonnen war.

Jones war in den Raum gekommen und entfernte die Hauben von den Warmhalteplatten mit dem warmen Frühstück und brachte geröstetes Brot. Es gab 3 Sorten Eier, ganz, verrührt gebraten und scheinbar im aufgeschlagen im Ganzen gebraten, wodurch die flach und breit waren. „Ich habe nur beidseitig gebraten in der Küche angeordnet Liebes!“ sagte der Lord, als Alice sich zwei von den flachen gebratenen Eiern nahm. „Danke Vater!“ kam nur von dieser als knappe Antwort. Scheinbar gab es die auch einseitig gebraten und waren wohl nicht Alice Fall. Isabella war ratlos was sie alles nehmen sollte und kopierte Alice Teller. Diese lächelte wieder „Sie können alles durchprobieren Fräulein Asterock. Alles ist echt, kein synthetisiertes Essen.“ Dann zeige sie auf die verschiedenen Speisen „Backed Beans in Tomatensauce, gegrillte Tomaten, Pilze, Bacon gebraten, Rührei, gekochte Eier, …, …“ Isabella hörte erst wieder richtig zu als sie sagte „Im Empire Frühstück man in der Regel ausgiebig, isst wenig zum Lunch, also unserem Mittagessen und dann als Hauptmalzeit nimmt man das Abendessen, dass Dinner, ein. Am Nachmittag sollte die Tea Time, bestenfalls mit Gebäck, nicht fehlen.“ Das man am Mittag wenig ist, bedeutete sicher es gibt auch wenig. Dementsprechend bediente Isabella sich ausgiebig am gereichten Frühstück. Sie hätte besser zuhören sollten, das Teil was sich als zerdrückte, gebratene Kartoffel entpuppte, war an der Grenze zu „ekelig“ und sie notierte sich dies im Gedanken. Der Rest war durchweg lecker. Ihre Vorlieben für den nächsten Tag stellten sich im Gedanken auf, auf jeden Fall die kleinen Würstchen. Auf Numerus Prime gab es üblicher Weise Cerealien mit einer veganen Flüssigkeit oder Wasser zum Frühstück, dazu Obst oder auch rohes Gemüse, am Mittag wurde üppig gegessen und am Abend fiel das Essen deutlich kleiner aus, speziell im Vergleich zum gestrigen Abendessen. Sie hatte schon immer das üppige Essen in der Schulkantine gemieden. Sie fand, dass man dadurch am Nachmittag erst einmal träge wird. „Genetisches Essverhalten?“, sie verwarft den Gedanken gleich wieder, wenngleich sie sich immer mehr für angewandte Wissenschaften interessiert hatte, Biologie war mit einem B- benotet ihr schlechtestes MINT-Fach in der Schule gewesen. Es gab seit mehr als 3000 Jahren die unbewiesene, aber auch nicht wirklich widerlegte Theorie über das genetische Gedächtnis. Ihre einzige echte Freundin und Laborpartnerin, quasi der theoretische Kopf mit zwei linken Händen bei jedem ihrer Schulprojekte, konnte als Gegnerin der Theorie stundenlang darüber streitbar diskutieren. Insbesondere weil es auf Numerus Prime eine sehr große Anhängerschaft dieser Theorie gab. Sie war beim Essen im Gedanken. Sie hatte sich gegen Tee zum Frühstück, für Kaffee entscheiden, so wie ihn der Lord trank. Aber erst als sie ihn mit Milch verdünnte war dieses Getränk angenehm. Zwei Gläser vom Orangensaft waren ihr dann doch lieber. „Wohl Gewohnheit“ dachte sie sich zum Ende hin. Sie fragte sich, ob er echt sei, so wie die restlichen Speisen auch und nicht synthetisch war. Manche behaupteten es würde einen feinen Unterschied im Geschmack geben und die Wahrheit war, alle Unternehmen die synthetische Nahrung herstellten oder Nahrungssynthetisierer und Replikatoren, arbeiteten immer wieder an Geschmacksverbesserungen, wenn vielleicht auch nur zu Werbezwecken. Der Saft schmeckte besser als zuhause, mehr nach Frucht. Sie hing ihren Gedanken nach beim Essen und bemerkte nicht, dass der Lord als Letzter kurz nach ihr fertig war.

Alice schien plötzlich etwas aufgeregt, nicht mehr ganz so erhaben und in sich ruhend. „Liebes Fräulein Asterock“ begann sie, nachdem ihr Vater ihr zugenickt hatte. „ein 18. Geburtstag sollte nicht ohne Geschenke sein.“ Alice lächelte, stand dann auf und ging zu einem kleinen Tisch, der mit einem Tuch bedeckt war, was Isabella bisher nicht bemerkt hatte, und zog dieses weg. Drei gleichgroße, große Schachteln im Geschenkdesign mit Schleifen drum herum kamen zu Vorschein. „Happy Birthday noch einmal.“ Isabella war ein wenig überwältigt. Geburtstagsgeschenke kannte sie nur vom Hörensagen, da diese auf Numerus Prime nicht üblich waren. Geburtstage wurden nicht so stark gewichtet wie in anderen Kulturen des Commonwealth. Man beschenkte jemanden eher zu anderen Anlässen wie einem guten Schulabschluss oder bestandenem Examen, einem Diplom, einer nennenswerten Beförderung bei der Arbeit. Alles war mit Leistung verbunden, die man zuvor erbracht hatte.

Isabella schaute unsicher erst zum Lord, dann zu Alice. „Ich weiß nicht was ich sagen soll, ich …“ ihr fielen nicht die passenden Worte ein „... ich … Vielen Dank.“ Dabei saß sie noch immer am Tisch. Alice lächelte sie an „Bei uns ist es üblich Geschenke auch auszupacken.“ Isabella stand auf und ging zu Alice an den Tisch. „Darf ich sie denn aufmachen?“ Ihr Blick ging erst zum Lord, als dieser nicht reagierte zu Alice. „Natürlich, dafür habe ich sie ja gestern noch besorgen lassen. Ich hoffe sie gefallen ihnen“ antwortet Alice lächelnd, nun wieder ganz die Alte in ihrem Auftreten. Isabella öffnete die erste Schachtel. In dieser lag ein Kleid, scheinbar sehr elegant, der Großteil des Stoffes war anthrazit, fast schon schwarz. Das Oberteil war vorne allerdings bordeaux im Bereich Bauch bis Brust, inklusive der Knopfleiste mit schwarzen Knöpfen. Zudem war bei dem Oberteil als wohl auch beim Unterteil feines schwarzes Gewebe als Verzierung aufgenäht. „Ein Kleid für den Abend in Gesellschaft von Familie und Freunden“ erklärte Alice. Ich habe Agatha auf der Außenhandelsstation losgeschickt was Hübsches zu besorgen. Als Maß haben wir ihre biometrischen Daten vom Scanner am Zugang zur Yacht genommen. Isabella wurde umgehend klar, dass sie wohl keine andere Wahl hatte als dieses Kleid zu tragen. Unbehagen und auch wieder dieses Kribbeln machten sich zugleich in ihr breit. Sie schaut Alice an, dann öffnete sie die zweite Schachtel. Auch hierin befand sich ein Kleid. In einem dunklen Grün, es war eher schlicht, ähnlich dem was Alice gerade trug. Alice kommentierte wieder „Ein Kleid für den alltäglichen Gebrauch. Isabella fand es alles andere als alltäglich. Das Kribbeln wurde stärker, aber sie erkannte auch ein Problem und hoffte dies in Schachtel drei gelöst zu bekommen. Diese enthielt aber ein dunkelblaues Kleid. „Ein Kleid zum Ausgehen, also für Aktivitäten Außerhalb. Ich habe es für unser Ankunft und ihren Besuch im Krankenhaus Replizieren lassen.“ Isabella schaute sich den Rock genauer an und vermutete, dass es dem Entsprach was Alice am Vortag getragen hatte, als sie sich kennen lernten. Das Kribbeln war definitiv wieder da, eine Spannung in ihrem ganzen Sein. Und das Problem war nicht gelöst, sie würde diese Kleider gar nicht tragen können, sagte die Frau von Numerus Prime in ihr. Die neue Isabella, welche sich seit gestern in ihr entwickelte, aber sagte „Vielen lieben Dank Lord Portsmith und Fräulein Portsmith.“ „Oh nein, dafür müssen sie nur meiner Tochter danken Fräulein Asterock, die Geschenke sind von ihr“ unterbrach der Lord und reichte ihr eine kleine Geschenkschachtel. „Happy Birthday noch einmal.“ Isabella öffnete die Schachtel und fand darin eine silberne Brosch mit rotem Stein. Diese sah wertvoll aus und sie fand sie wirklich sehr schön. „Vielen Dank, Lord Portsmith.“ Dieser ergänzte nun „Es handelt sich um ein altes Erbstück, welches aus Ihrer Familie stammte. Es ist schon sehr lange im Besitz der Portsmith. Eine ihrer und unserer Vorfahrinnen, welche einen Portsmith heiratete, brachte es mit in die Ehe und seither wurde es von Generation zu Generation weiter gereicht. Ich finde heute ist ein guter Tag, dass es wieder von einer Frau aus dem Hause Asterock getragen wird.“ Isabella war gerührt, sie wusste nicht einmal genau warum, stelle aber fest, dass es ideeller Natur sein musste. „Sie ist wunderschön, vielen Dank!“. „Und passt auch wunderbar zum Kleid heute Abend.“ warf Alice ein. „Ich muss mich nun von den jungen Damen vorerst verabschieden, da ich noch zu arbeiten habe.“ Der Lord wusste, dass es an der Zeit war die beiden jungen Frauen zu verlassen und die Arbeit erledigte sich auch nicht von allein.

Isabella war hin und her gerissen was die Kleider betraf. Ein Teil von ihr wollte unbedingt eines anziehen, die Isabella welche sich scheinbar seit gestern in ihr entwickelte. Die alte Isabella von Numerus Prime hingegen wollte dies nicht, diese fand in den Kleidern eine Reduzierung ihrer Person auf das Weiblich sein. Die neue Isabella fand mit der alten Isabella einen Kompromiss, der es ihr unmöglich machte, zumindest heute, eines der Kleider anzuprobieren. „Fräulein Portsmith, ich fürchte ich kann keines der schönen Kleider tragen.“ Alice schaute sie leicht verwundert an „Wieso nicht?“ Isabella ergänzte „Ich nehme mal an die Kleider sind für eine Frau, welche Korsett trägt geschnitten. Ich habe keines und auch noch nie getragen, ich habe nicht die Figur dafür und zudem, soweit ich es beurteilen kann, gehört auch noch mehr drunter dazu. Was ich auch nicht besitze.“ Das mit dem Drunter war ihr Versuch Alice gegenüber nicht zu offen zu sein, normalerweise hätte sie kein Problem gehabt das Wort „Unterwäsche“ zu sagen, aber sie befürchtete, dass Alice damit nicht so offen umgehen konnte, nach allem was sie bisher gelesen hatte und wie sie Alice einschätzte. „Da machen sie sich mal keine Sorgen Fräulein Asterock, ich habe an alles gedacht beziehungsweise Agatha. Das liegt inklusive passender Schuhe bereits alles in ihrer Suite. Es wäre aber wohl sehr unschicklich gewesen in Gegenwart meines Vaters sie Damenunterwäsche auspacken zu lassen“, den letzten Teil des Satzes flüsterte sie fast schon.

In ihrem inneren fingen die Frau von Numerus Prime auf der einen Seite und die sich entwickelnde neue Isabella erneut einen Kampf an. Die eine wollte keinesfalls die andere wollte, begleitet von einem immer stärker werden Kribbeln. „Vielleicht sollten wir noch einen Moment warten, ich habe recht viel gegessen und, ich weiß ja nicht, so ein Korsett?“ Alice lächelte sie wieder an „Nun, wir kümmern uns zuerst um ihr InEarCom, dann gehen wir zu Mary in die Küche, ihr Geburtstagsessen heute zum Dinner besprechen und dann in ihre Suite. Bis zum Lunch um 12:30 bekommen wir das schon hin. Die Uhr zeigte 10:15. Der alten Isabella kam es vor wie eine viel zu schnell ablaufende Schonfrist.


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  RE: Sol Victoriana - Das Leben einer Frau unter der Sonne des Empires Datum:09.05.21 16:54 IP: gespeichert Moderator melden


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Hallo Sol wann geht es weiter ??


Heute Ich hoffe es gefällt. Nächster Teil dauert wieder ein wenig. Bin momentan auch anders schwer beschäftigt. Aber das Gerüst steht schon bzw. das Korsett formt schon
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