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 Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung!
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RE: Moderne Keuschheit - Teil 2
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Datum:13.05.26 20:15 IP: gespeichert
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Spannend wie es weiter. DarkO ist immer wieder für eine neue Wendung gut .
Wie es wohl weiter geht? Denk positiv, immer nur positiv!
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    Nürnberg

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RE: Moderne Keuschheit - Teil 2
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Datum:10.06.26 12:50 IP: gespeichert
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Vielen Dank für die netten Kommentare!
28. Der Urlaub
Die wenigen Wochen bis zu unserer geplanten Abreise vergingen irgendwie wie im Flug. Nun ja – relativ. Natürlich musste ich mich stark zusammenreißen, um die vierzehn Tage, in denen ich weder meine Disziplinhaube tragen, noch auf meinem Crosstrainer strampeln würde, vorher komplett auszugleichen, aber das war nun einmal Karins Bedingung gewesen. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Außerdem konnte ich dadurch ihr und mir selbst beweisen, dass ich tatsächlich dazu in der Lage war, mein Ziel, Keuschheitsgürtel und -bustier wesentlich früher loszuwerden, zu erreichen.
Auch Jan hatte vor unserem Urlaub noch eine Aufgabe zu erledigen: Herr Evildevil hatte ihm nämlich aufgetragen, für das Keuschheitsprogramm einen sogenannten ‚Urlaubsmodus‘ zu implementieren. Dieser sollte es mir, sowie auch jedem anderem Benutzer der Software zukünftig gestatten, für einen vorher festgelegten Zeitraum von maximal drei Wochen pro Jahr, bestimmte Komponenten der mit ihr verknüpften Fesselausrüstung abzulegen und manche Regeln zu pausieren.
Am meisten freute ich mich darauf, endlich einmal diese dämlichen Ketten eine Weile lang nicht mehr tragen zu müssen. Ich konnte mich fast schon nicht mehr daran erinnern, wie es sich anfühlte, ohne Schenkelbänder und Schrittkette herumzulaufen. Auch meine Disziplin- und Schlafhaube würde ich während unseres Aufenthalts auf Sardinien garantiert keine Sekunde vermissen.
Wenn ich dafür gezwungen war, diese komischen Ballettstiefel zu tragen, na dann war das halt so. Ich hatte schon schlimmere Dinge ausgehalten. Immerhin blieben mir noch ein paar Tage Zeit, mich an das Laufen darin zu gewöhnen. Und außerdem würde ich ja im Urlaub auch nicht so viel laufen müssen. Morgens vom Bett bis zur Terrasse mit Pool und abends wieder zurück. Ab und zu vielleicht mal runter an den Strand. Oder essen gehen. Jedenfalls keine großen Strecken. – Okay, da war diese Sache mit dem Wanderweg, den Evildevil empfohlen hatte, um dort ein paar Fotoaufnahmen zu machen. Dass es sich dabei in Wirklichkeit weniger um eine Empfehlung, sondern vielmehr um eine unbedingt zu erledigende Aufgabe handelte, war mir selbstverständlich klar.
Bei dem Gedanken daran fiel mir ein, dass ich unbedingt noch ein paar passende Kleidungsstücke für den Urlaub benötigte. Also nahm ich unseren Laptop und ging auf die Suche. Zuerst brauchte ich ein neues Sommerkleid. Dessen Stoff durfte nur nicht zu dünn sein, sonst würde man meine stählerne Unterwäsche hindurchschimmern sehen. Bei der Suche nach einem geeigneten Kleid stolperte ich über einen furchtbar schicken Jumpsuit. Den musste ich einfach haben. Dank der Tatsache, dann mir im Urlaub die Schrittkette erspart bleiben würde, wäre ich in der Lage, diesen anzuziehen.
Dann wählte ich noch zwei schöne Kleider aus. Ich wollte den Einkauf schon abschließen, da bekam ich eine Idee: Wenn ich einen Badeanzug fände, der meinen Keuschheitsgürtel und den BH, inklusive der Ketten dazwischen, zuverlässig verdeckte, dann könnte ich damit sogar im Meer schwimmen, anstatt nur bis zu den Knien ins Wasser zu gehen.
Einen Badeanzug zu finden, der die genannten Kriterien erfüllte, war gar nicht so einfach. Bikinis kamen sowieso nicht infrage. Aber auch bei den Einteilern schieden so gut wie alle Modelle aus. Zwar würden die meisten davon wohl vorne herum den Edelstahl an meinem Körper nahezu vollständig verdeckten, aber dafür war bei allen beinahe der gesamte Rücken offen. Bei anderen wiederum war der Rücken geschlossen, jedoch waren die so eng geschnitten, dass man die darunterliegenden Metallaccessoires zweifellos als das erkennen würde, was sie waren. Und der Rest sah so aus, als wäre er für alte Omas designt worden.
Mehr oder weniger zufällig landete ich irgendwann in der Rubrik ‚Neoprenanzüge‘. Dort wurde ich rasch fündig. Ich wählte einen Schwimmanzug mit einer Materialstärke von zwei Millimetern, ohne Ärmel und ohne Beine, mit einem langen Reißverschluss auf der Brust. Der sah perfekt aus. Wie für mich gemacht. Nur noch die Größe auswählen. Klick. Fertig!
Zwei Tage später war die bestellte Ware bei mir. Leider war es keine ganz so einfache Aktion, die Kleidungsstücke anzuprobieren, denn dazu musste ich mein Keuschheitsprogramm erst um die Erlaubnis bitten, das Haus zu verlassen. Weil es leider rund um unser Haus keine einzige Möglichkeit gab, sich unbemerkt umzuziehen, war ich gezwungen, nach jeder Anprobe wieder zurück ins Haus zu gehen, um das nächste Teil anzuziehen. Wegen der Kette zwischen meinen Oberschenkeln sah der Jumpsuit in diesem Bereich zwar komisch aus, aber er passte. Nur den Neoprenanzug, den konnte ich nicht anprobieren. Da musste ich auf die Erfahrungen der anderen Kunden vertrauen, die berichtet hatten, dass der Anzug in der jeweiligen Größe sehr gut passte, sogar bei einer etwas größeren Oberweite.
Dann war das Datum unserer Abreise gekommen. Ich war völlig aus dem Häuschen. Nach dem Aufstehen tanzte ich förmlich durchs Haus; trotz der Ketten zwischen meinen Armen und den Beinen. Die durfte ich erst um sieben Uhr ablegen, denn erst ab da war der Urlaubsmodus aktiv.
Punkt sieben Uhr gaben die Metallfesseln an meinen Armen und Beinen dieses bekannte Summen von sich. Ich ging zur Garderobe, um mich davon zu befreien. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, die Schenkelbänder ebenfalls auszuziehen.
Zunächst bewegte ich mich etwas vorsichtig. Aber nachdem ich die ersten Schritte gegangen war, ohne durch Elektroschocks betraft zu werden, lief ich schnurstracks zu meinem Mann und fiel ihm um den Hals.
„Das ist so ge... – AUA! Ah! Autsch. Gnnnn…“
Durch eine Reihe von äußerst schmerzhaften Stromschlägen wurde ich von meinem Halsband darauf hingewiesen, dass es mir momentan nicht gestattet war, laut zu sprechen. Ja. Normalerweise war am Wochenende jeweils von fünf bis neun Uhr die sogenannte Stille Zeit, das wusste ich. Daran hatte ich mich bisher auch meistens brav gehalten. Genau genommen hatte ich währenddessen zur Sicherheit häufig meine Erziehungshaube getragen. Weil Herr Evildevil aber gesagt hatte, dass ich diese Haube zuhause lassen konnte, war ich eigentlich davon ausgegangen, dass diese Regel während des Urlaubs nicht gelten würde. Ich nahm mein Handy zur Hand, in der Hoffnung, mittels der Keuschheits-App mehr in Erfahrung zu bringen.
Beinahe wäre mir das Gerät aus der Hand gefallen. Die App sagte mir nämlich, dass mir, solange der Urlaubsmodus aktiv war, ausschließlich flüstern gestattet war. Und das auch nur, wenn ich meinen Analplug hinten drinstecken hatte. So eine Gemeinheit!
Der Urlaub fing ja mal ganz klasse an! „Da bin ich gespannt, was noch alles auf mich – oder auf uns beide – zukommt!“, dachte ich mir. Wobei so gut wie alle Gemeinheiten, die sich Evildevil bisher ausgedacht hatte, ausschließlich mich betroffen hatten. Aber deshalb jetzt den Urlaub absagen? – Nein! Niemals! Außerdem bliebe der sogenannte Urlaubsmodus meines Keuschheitsprogramms wahrscheinlich ohnehin für die nächsten vierzehn Tage aktiv. Egal, ob ich nun nach Sardinien reiste oder daheimbliebe. Bestimmt würde ich den Urlaub auch genießen, wenn ich dabei nicht laut reden darf.
Als Nächstes zog ich meinen neuen Jumpsuit an. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir, dass dieser nicht nur die Konturen des Stahls an meinem Körper perfekt kaschierte. Dadurch, dass ich beim Kauf eine Nummer Größer gewählt hatte, verdeckte er zudem auch meine seltsamen Stiefeletten zur Hälfte.
Inzwischen beherrschte ich das Laufen in diesen schon erstaunlich gut.
Meine Kleider und Röcke, eine kurze Hose, eine lange, sowie diverse Oberteile hatte ich eingepackt. Ebenso eine leichte Jacke und meinen neuen Badeanzug. Und natürlich Zahnbürste, Zahnpasta, Sonnencreme, Lippenstift und noch vier weitere Kosmetikprodukte. Schuhe würde ich ebenso wenig benötigen wie Unterwäsche.
Jan hatte seine Fesseln ebenfalls abgelegt und stand nun in kurzer Hose, T-Shirt und Turnschuhen vor mir. Unsere beiden Reisetaschen lagen gepackt im Flur. Jan hatte die Packliste zweimal kontrolliert, damit auch wirklich alles dabei war. Also zum Beispiel auch unsere Ladekabel für die Handys und das Netzteil des Laptops, inklusive der in Italien benötigten Steckdosenadapter. Ohne die wäre ich wohl irgendwann ziemlich aufgeschmissen, da der Akku der Geräte auf keinen Fall zwei Wochen lang durchhalten würde. Zwar musste ich während des Urlaubs meinen täglichen Bericht an Herrn Evildevil nicht um Punkt sieben Uhr abgeschickt haben, aber schreiben und abschicken müsste ich ihn dennoch weiterhin jeden Tag.
Pünktlich um halb acht gingen wir aus dem Haus. Jan verriegelte die Tür und verstaute das Gepäck im Kofferraum unseres Autos. Dann wir stiegen ein und es ging tatsächlich los. Ich startete das Navi und wählte als Ziel das General Aviation Terminal am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg aus.
„Haben wir auch wirklich alles dabei?“, fragte Jan, bestimmt zum dritten Mal.
Nach kurzem Überlegen nickte ich knapp. Dann zeigte ich ihm die Thermobecher mit frischem Kaffee, die ich nach dem Aufstehen vorbereitet hatte.
„Schau, wir haben sogar Kaffee“, flüsterte ich.
Jan grinste. „Du bist die Beste!“
Da ich bisher noch nie am Flughafen in Braunschweig gewesen war, war ich schon sehr gespannt darauf. Auch wenn die Aussicht, dass wir uns dort mit diesem Mistkerl namens Evildevil treffen würden, meine Vorfreude etwas trübte. Dass ich während des gesamten Urlaubs nur flüstern durfte, hatte ich selbstverständlich auch noch nicht vollständig verdaut, und ich ahnte bereits, dass ich bei unserer Heimkehr bestimmt einen ganzen Haufen an zusätzlichen Strafpunkten im Gepäck haben würde. Vier hatte ich ja bereits schon kassiert an dem Tag. Dabei hatte der Tag quasi gerade erst begonnen.
Dieses Halsband mit dem eingebauten Kehlkopfmikrofon war für mich tatsächlich die schlimmste Fessel von allen. Gut, ununterbrochen in einem Keuschheitsgürtel zu stecken war natürlich auch fürchterlich. Aber selbst, wenn ich keinen tragen würde, so könnte ich mit dieser Fessel am Hals trotzdem niemals zum Orgasmus kommen, ohne bestraft zu werden. Ich war nun mal nicht leise im Bett. Für jedes Stöhnen einen Strafpunkt? Hui, da käme bestimmt schnell Einiges zusammen.
So ungeheuer wichtig waren mir meine sexuellen Höhepunkte jetzt auch nicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr hatte. Natürlich hatte ich die. Der letzte Orgasmus war wirklich sehr schön gewesen. Leider waren inzwischen bereits mehr als sechs Wochen vergangen. Andererseits war die Strafe dafür auch extrem hoch gewesen.
Ich schüttelte den Kopf. Gerade begann unser Urlaub. Das war bestimmt nicht der richtige Zeitpunkt, um über irgendwelche Strafen nachzudenken.
Jan hielt das Lenkrad mit einer Hand und nahm einen Schluck Kaffee. „Schon verrückt“, sagte er. „Noch vor ein paar Wochen hätten wir über so einen Urlaub nicht einmal nachgedacht.“
„Mhm“, brummte ich zustimmend.
Der Rest der Fahrt verlief nahezu wortlos. Das leise Gedudel aus dem Radio, gelegentlich unterbrochen von Navi-Ansagen, reichte vollkommen aus. Der Himmel war grau, wie so oft Ende September. Über den Feldern hing leichter Nebel und auf der Windschutzscheibe sammelten sich einzelne Regentropfen. Die Scheibenwischer beseitigten sie automatisch. Es gab nur wenig Verkehr und wir kamen flott voran.
Knapp anderthalb Stunden später führte uns das Navi von der Autobahn ab und dirigierte uns durch ein paar recht schmale Straßen.
Ich war skeptisch. „Hier soll es zu einem Flughafen gehen?“
Jan nickte. „Auf dem Wegweiser nach der Ausfahrt stand, dass es hier zum ‚Lilientalplatz‘ geht.“
Wir entdeckten mehrere Schilder, die den Weg zum ‚Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)‘ wiesen, jedoch kein einziges mit dem gesuchten Business Aviation Center.
Der Stimme aus der Mittelkonsole weiter folgend, landeten wir irgendwann auf einer weiteren schmalen Straße. Links waren hinter einer Reihe Bäume mehrere Gebäude zu erkennen, rechts befand sich ein Wald. Ich bezweifelte immer mehr, dass dies der richtige Weg war.
Dann, an einer Kreuzung, an der die Hauptstraße nach rechts abbog, erblickte ich auf der linken Seite ein recht unscheinbares Gebäude und das Navi teilte uns mit: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“
Tatsächlich: In blauen Lettern stand auf der Gebäudefront „BUSINESS AVIATION CENTER“.
Direkt daneben gab es einen Parkplatz. Aber kein Menschengedränge, kein hektisches Durcheinander wie auf großen Flughäfen üblich. Alles wirkte merkwürdig ruhig. Doch gerade, als wir unser Gepäck aus dem Auto geladen hatten, startete nur wenige hundert Meter vor uns ein Flugzeug. Also waren wir am richtigen Ort.
Noch bevor wir den Eingang des Gebäudes erreicht hatten, trat uns ein Mann in dunklem Anzug entgegen. Nicht geschniegelt genug für einen Chauffeur oder den Sicherheitsdienst. Dem Auftreten nach zu urteilen handelte es sich eher um die Sorte Mensch, die scheinbar alles organisiert bekam.
„Herr und Frau Sommer?“, fragte er freundlich. „Willkommen. Mein Name ist Krämer, Firma Restriktivia. Ich kümmere mich heute um Ihre Reise.“
„Wenigstens hat Evildevil jemanden geschickt, anstatt selber zu kommen“, dachte ich. Meine Laune besserte sich schlagartig.
„Ihr Gepäck können Sie hier drauf abstellen“, sagte Krämer und deutete fast beiläufig auf einen kleinen Handwagen. „Wenn Sie mir bitte folgen würden.“
Der gesamte Ablauf fühlte sich seltsam unwirklich an. Kein Einchecken, keine Warteschlangen, keine Durchsagen aus Lautsprechern. Und erfreulicherweise auch keine Sicherheitskontrolle. Die Art, wie sich Herr Krämer bewegte, und wie er mit uns sprach, wirkte äußerst beruhigend.
Zehn Minuten später standen wir bereits auf dem Vorfeld.
Der Jet wartete einige Meter entfernt auf uns. Er war klein genug, um nicht übermäßig protzig zu wirken, dennoch groß genug, dass mir sofort klar war, wie absurd teuer dieses Ding vermutlich war. Natürlich durfte der orange Streifen mit der Schrift „Restriktivia –Leidenschaft in Stahl“ an der Seite nicht fehlen.
Eine Stewardess begrüßte uns an der Einstiegstreppe mit einem freundlichen Lächeln. „Willkommen an Bord.“
Im Innen roch alles dezent nach Leder und frischem Kaffee. Bequeme helle Sitze neben dunkler Holzverkleidung. Dazwischen gab es viel Platz. Deutlich zu viel Platz für ein Flugzeug, wie ich fand.
Jan ließ sich langsam in einen der Ledersessel sinken.
„Okay“, sagte er grinsend. „Das ist schon ziemlich cool.“
Ich musste unwillkürlich lächeln. Das hier fühlte sich ausnahmsweise einmal nicht nach Restriktivia an. Hier gab es keinen Edelstahl, außer den an unseren Körpern. Nichts, das nach Herrn Evildevils seltsamen Einfällen aussah. Sogar das Personal schien völlig gewöhnlich. Kein Latex, keine Fesseln. Selbstverständlich war es durchaus möglich, dass die Stewardess unter ihrer Uniform ebenfalls einen Keuschheitsgürtel und ein dazu passendes Bustier trug. Nachfragen wollte ich allerdings nicht.
„Toll. Einfach nur Urlaub“, flüsterte ich meinem Mann begeistert zu, während ich versuchte, die Stimme in meinem Unterbewusstsein zu ignorieren, die meinte, dass dieser Flug auch ein ganz anderes Ziel haben könnte als Sardinien. Allerdings war Herr Evildevil ohne Zweifel dazu in der Lage, mir auch auf Sardinien das Leben zu Hölle zu machen. Mir fiel ein, dass ich zum Beispiel immer noch nicht wusste, was das für Edelstahlaccessoires sein würden, die ich während des Urlaubs testen sollte.
Nachdem die Stewardess die Tür geschlossen hatte, kam sie zu uns. „Wir werden in wenigen Minuten starten. Sie müssten daher bitte die Sicherheitsgurte anlegen. Da es außerdem während des gesamten Fluges immer wieder mal zu Turbulenzen kommen kann, wäre es gut, wenn Sie bis zu unserer Landung in Cagliari angeschnallt sitzen bleiben. Unser Flug dürfte ungefähr zweieinhalb Stunden dauern.“
Die Triebwerke begannen zu surren, erst leise, dann mit zunehmender Kraft. Das Flugzeug setzte sich in Bewegung. Ich sah aus dem Fenster. Rollbahnmarkierungen zogen vorbei, schneller und schneller. Ein kurzer Druck in der Brust, dann lösten sich die Räder vom Boden.
Einige Augenblicke nach dem Start drehte die Maschine in einem weiten Bogen nach links und stieg weiter.
Braunschweig unter uns wurde rasch kleiner, die Häuser und Autos sahen bald aus wie Spielzeug. Der Jet gewann weiter an Höhe. Schließlich verschwand die Welt unter den Wolken. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, tatsächlich einmal weit wegzukommen.
„Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen? Eine Tasse Kaffee oder ein Glas Sekt vielleicht?“
Die Stimme der Stewardess riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte tatsächlich etwas Durst. Ein Glas Sekt schien mir in dem Moment genau das Richtige zu sein.
Jan antwortete zuerst: „Ja. Ein Gläschen Sekt nehme ich gerne.“
„Für mich bitte auch“, flüsterte ich und nickte.
Die Stewardess beugte sich leicht vor. „Entschuldigen Sie bitte, das habe ich leider nicht verstanden.“
Ich versuchte es erneut, in derselben Lautstärke: „Für mich bitte auch ein Glas Sekt.“
Ihr künstliches Lächeln tapfer aufrechterhaltend erwiderte sie: „Verzeihung, aber Sie müssten schon ein Wenig lauter sprechen.“
Ich bekam den Verdacht, die Frau wüsste genau, dass ich nicht lauter sprechen durfte, wollte ich verhindern, von meinem Halsband bestraft zu werden. Verzweifelt blickte ich meinen Mann an. Aber dessen Aufmerksamkeit galt einzig dem Flugzeugfenster.
Leider war mein Verlangen nach etwas zu trinken in diesem Moment stärker als meine Angst vor den Stromschlägen. Also schluckte ich einmal, biss die Zähne zusammen und wiederholte laut: „Für mich bitte auch ein Glas Sekt.“ – Bei jedem einzelnen Wort ließ der zugehörige Stromimpuls an meinem Hals meinen Kopf leicht nach vorne zucken. Dieser eine Satz hatte mir insgesamt sieben Strafpunkte eingebracht.
Die Stewardess nickte freundlich. “Sehr gerne.“
Kurz darauf reichte sie mir ein gefülltes Sektglas.
Als etwa eine Stunde später unter uns einige Berggipfel auftauchten, verstummte die leise Stimme in meinem Unterbewusstsein und ich entspannte mich. Südlich des Alpenkamms gab es erheblich weniger Wolken. Nach dem faszinierenden Bergpanorama kam schon recht bald das Mittelmeer in Sicht.
Bis zu unserer Landung in Cagliari verlief der restliche Flug ohne nennenswerte Ereignisse. Um weitere Strafen zu vermeiden, verzichtete ich darauf, die Stewardess nach etwas zu trinken zu fragen.
Sowie die blonde Frau die Tür des Flugzeugs entriegelt und aufgestoßen hatte, strömte warme Luft ins Innere. Jan und ich öffneten unsere Sicherheitsgurte und stiegen aus. Draußen wartete bereits die Stewardess mit Ihrem aufgesetzten Lächeln, um sich von uns zu verabschieden.
„Herzlich willkommen auf Sardinien. Ich hoffe, der Flug hat Ihnen gefallen. Dieses Shuttle bringt Sie zum General Aviation Terminal“, sagte sie und deutete auf einen silbernen Kleinbus, wenige Meter vor uns. „Sie können gerne schon einmal darin Platz nehmen. Sobald der Herr dort Ihr Gepäck eingeladen hat, geht es los. Wir sehen uns dann in zwei Wochen wieder. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt. Noch einen schönen Tag und auf Wiedersehen.“
Die Fahrt mit dem Flughafen-Shuttle dauerte nur wenige Minuten. Am Eingang zum Terminal erwartete uns bereits ein Herr in einer dunkelblauen Stoffhose und einem hellblauen Hemd. In seinen dunkelbrauen Haaren steckte eine Sonnenbrille.
„Herr und Frau Sommer? Herzlich willkommen“, begrüßte er uns lächelnd und mit deutlich hörbarem italienischem Akzent. „Mein Name ist Matteo. Ich fahre Sie zu Ihrem Ferienhaus. Wenn Sie mir bitte folgen wollen?“
Ich blickte mich um, sah einen Mann, der unsere Reisetaschen auf einem kleinen Wägelchen vor sich herschob und staunte, wie gut unser Urlaub organisiert war. Jan und ich mussten uns um nichts kümmern.
Wir liefen hinter Matteo her zum Ausgang des GAT. Von dort aus ging es weiter zu einem kleinen Parkplatz. Matteo steuerte auf einen schwarzen VW-Bus zu. Auf der Seite des Fahrzeugs stand ‚VIP Shuttle Service‘ in hellblauen Buchstaben.
Matteo öffnete die Heckklappe des Fahrzeugs und half dem Herrn, der unser Gepäck bis dahin geschoben hatte, beim Einladen. Anschließend ging er zu der Schiebetür auf der rechten Seite und betätigte deren Griff. Die Tür glitt langsam zur Seite und gab den Blick in den Innenraum frei, der von schwarzem Leder dominiert wurde.
„Bitte, steigen Sie ein.“
Leider gab es während der knapp eineinviertel Stunden dauernden Fahrt nicht besonders viel zu sehen, zumal die Route durch mehrere Tunnels führte. Aber ich war schon sehr gespannt, was uns nach der Ankunft erwarten würde. Der Fahrer hatte uns lediglich mitgeteilt, dass sich unser Ziel am östlichen Rand des Ortes Costa Rei befand.
Schließlich hielten wir vor einem großen grauen Eisentor.
„Wir sind am Ziel“, verkündete Matteo. Er betätigte einen Schalter und die Seitentür öffnete sich. Jan und ich stiegen aus. Matteo reichte uns unser Gepäck. Dann wünschte er uns einen angenehmen Urlaub, verabschiedete sich und fuhr davon.
„Und jetzt?“, fragte ich mich, da klingelte mein Handy. Ich, musste nicht auf das Display schauen, um zu wissen, wer der Anrufer war, und nahm das Gespräch an.
„Hallo Herr Evildevil“, flüsterte ich.
„Guten Tag Frau Sommer! Soeben wurde ich darüber informiert, dass Sie bei meinem Ferienhaus angekommen sind. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise?“
„Ja, vielen Dank. Es verlief alles reibungslos.“
Auch wenn ich diesen Mistkerl nach wie vor nicht ausstehen konnte, so musste ich ihm dennoch zugutehalten, dass er unsere Anreise perfekt organisiert hatte.
„Das freut mich. Um das Tor und die Eingangstür zu öffnen, benötigen Sie einen sechsstelligen Code. Den habe ich soeben an Ihren Gatten geschickt. Bevor Sie jedoch in das Haus gehen, sollten Sie noch etwas wissen.“
„Pass auf! Jetzt kommt’s“, dachte ich mir.
„Immer, wenn Sie das Haus betreten, haben Sie fünf Minuten Zeit, um sich Ihrer Kleidung zu entledigen und sich mit den Accessoires, die Sie während Ihres Aufenthalts für mich testen sollen, auszustatten, beziehungsweise sich von Ihrem Mann damit ausstatten zu lassen. Diese finden Sie in dem Garderobenschrank, gleich rechts neben der Tür.
Sollten Sie dies nicht tun, oder dabei zu langsam sein, werden Sie betraft. Genauer gesagt, erhalten Sie nach jeweils fünf Sekunden einen Strafpunkt zusätzlich. Also erst einen, dann zwei, danach drei. Und so weiter.
Sie sind dazu verpflichtet, besagte Accessoires stets zu tragen, während Sie im Haus sind, zudem täglich zwischen Mitternacht und zwölf Uhr mittags.
Wenn Sie noch Fragen haben, können Sie mich gerne anrufen. Ich wünsche Ihnen beiden einen schönen Urlaub. Auf Wiederhören.“
Noch bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er bereits aufgelegt.
Ich setzte Jan kurz darüber in Kenntnis, was Evildevil mir gesagt hatte.
„Okay“, sagte er. „Nachdem wir noch nicht wissen, um was es sich bei diesen Accessoires handelt, ist es wohl das Beste, wenn ich zuerst unser Gepäck ins Haus trage, und du solange vor der Tür wartest. Anschließend helfe ich dir dabei, die Sachen anzulegen.“
Das erschien mir sinnvoll und ich nickte.
Mein Gemahl ging zu dem Tastenfeld neben dem Eisentor und gab die Zahlen ein, die ihm auf seinem Telefon angezeigt wurden.
Daraufhin schwang das Tor surrend nach innen auf und gab den Blick frei auf einen gepflasterten Hof, sowie ein einstöckiges Haus, dessen Außenwände aus groben, grauen Steinen gemauert waren. Die Fenster hatten weiße Ramen, die Haustür war ebenfalls weiß. Die Rasenfläche links vom Haus, wie auch alles andere, sah gut gepflegt aus. Rechts neben dem Haus gab es einen überdachten Carport, in dem ein weißes SUV stand. Das gesamte Grundstück schien von einer etwa zwei Meter hohen Steinmauer umgeben zu sein.
Während Jan damit beschäftigt war, unsere Reisetaschen und Rucksäcke reinzutragen, sah ich mich draußen um. Ein Weg aus unregelmäßigen Steinfliesen führte durch den Rasen am Haus vorbei zu einer großen Terrasse, die teilweise überdacht war. In deren Mitte befand sich ein rechteckiger Swimmingpool. Auf der gegenüberliegenden Seite des Pools standen zwei hölzerne Liegen und neben der Terrassentür ein runder Holztisch mit vier Stühlen darum. Hinter der Terrasse führte der Weg weiter durch den Rasen, bis zu einer dunkelgrauen Gittertür. Von dort aus schien ein schmaler Pfad hinunter zum Meer zu führen. Am Rand des Gartens wuchsen mehrere Bäume. Außerdem stand in einer Ecke ein kleines Häuschen.
„Schatz? Ich wäre soweit. Du kannst kommen!“, hörte ich meinen Mann rufen.
Also begab ich mich zurück zur Vorderseite des Hauses. Sowie ich um die Ecke gebogen war und Jans Gesichtsausdruck bemerkte, bekam ich umgehend ein flaues Gefühl im Magen.
Ich blieb vor ihm stehen. „Warum schaust du so, Liebster“, flüsterte ich.
„Weil ich mir diese Accessoires angesehen habe, die du tragen sollst.“
Die Art, wie er das Wort ‚Accessoires‘ ausgesprochen hatte, gefiel mir überhaupt nicht.
--Fortsetzung folgt--
DarkO
[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von DarkO am 10.06.26 um 13:00 geändert
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