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  Die Schwesternschaft
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Matze23
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  Die Schwesternschaft Datum:02.01.26 08:34 IP: gespeichert Moderator melden


„Die Schwesternschaft“ ist eine ruhige Geschichte; ohne Gewalt und (fast) ohne Sex. Und sie braucht etwas, bis sie richtig in Fahrt kommt. Also ein wenig Geduld und viel Spaß beim Lesen!

Grüße, Matze

-----



Sisterhood of Holy Abstinence
Die Schwesternschaft der Heiligen Abstinenz


1.
Ich war ganz unten angekommen.

Vor ein paar Monaten hatte mich meine Firma rausgeworfen. Um Personalkosten zu sparen, hieß es. Doch was wollten sie bei meinem mickrigen Gehalt schon sparen? Hätten sie einen dieser überbezahlten Vorstände entlassen, hätten sie von dem Geld zwanzig Leute wie mich beschäftigen können. Aber eine fette Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus.

Und damit nicht genug; wenig später warf mich auch noch meine Freundin aus der gemeinsamen Wohnung. Mit einem arbeits- und mittellosen Loser wie mir wollte sie nicht länger zusammen sein. Später sah ich sie mal mit einem dieser schmierigen Typen: Sportwagen, das Gehirn gleichmäßig auf die beiden Oberarme verteilt, und eine dicke Beule im Schritt. Vermutlich verdiente der sein üppiges Geld mit irgendwelchen zwielichtigen Geschäften, aber das konnte mir jetzt auch egal sein. Was jedoch viel mehr weh tat: sie schien inzwischen wieder auf ‚echte‘ Kerle zu stehen. Dabei war sie es doch gerade, die mich darin bestärkt hatte, zu mir zu stehen, mich zu outen und mit der Hormontherapie anzufangen.

Um nicht auf der Straße zu sitzen, hatte ich ein Zimmer in einem dieser billigen Monteurhotels gemietet. Für den gebotenen Standard war das total überteuert, aber wie sollte ich, ohne Job, ohne Adresse, eine bezahlbare Wohnung finden? Noch dazu in der heutigen Zeit, wo selbst winzige Wohnklos mit Gold aufgewogen wurden? Dabei war ich in dem Hotel ständig auf der Hut, da es gerade für Menschen wie mich dort nicht ganz ungefährlich war. Frauen waren in solchen Etablissements eher selten und wurden häufig bedrängt. Und Frauen, die noch nicht mal ‚richtige‘ Frauen waren, mussten auch noch Spott und Verachtung über sich ergehen lassen. Zum Glück hatte ich mich inzwischen zu einer optisch durchaus attraktiven Frau entwickelt, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich ‚entdeckt‘ würde, relativ gering war, solange mir keiner an die Wäsche ging.

Meine finanzielle Lage war nicht gerade rosig, auch wenn ich noch Arbeitslosengeld bekam, das mir einigermaßen über die Runden half. Es deckte gerade meine Zimmermiete und ein bescheidenes Mittagessen. Aus der Zeit vor dem Rauswurf hatte ich noch genügend ordentliche Kleidung, so dass ich wenigstens nicht wie eine Obdachlose herumlaufen musste, auch wenn ich mir in diesem Umfeld ein wenig zu sexy vorkam. Ich schminkte mich sicherheitshalber nicht und band meine langen Haare meist zu einem Knoten zusammen, um nicht zu attraktiv zu wirken; doch alle meine Röcke waren recht kurz und die mir in den letzten Jahren durch die Hormone gewachsene Oberweite konnte ich nur schwer verbergen. Doch für andere Klamotten fehlte mir das Geld.

Wenigstens sponsorte mir das Amt eine Monatskarte. Fast täglich schickte mich die Jobagentur zu irgendwelchen Bewerbungsgesprächen. Aber wer brauchte eine wie mich? Gut, ich hatte sogar studiert; hatte eine Bachelor, aber in Biologie. Hand aufs Herz, wer braucht eine Biologin B.Sc.? Hätte ich einen Doktor, gäbe es zumindest eine winzige Chance auf einen Job. Aber nur mit einem Bachelor? Und dann die herablassenden Blicke und bohrenden Fragen, warum in meiner Bewerbung ‚Simone‘ stand und ich im eleganten Rock und Bluse vor ihnen saß, wo doch in meinen Zeugnissen ‚Simon‘ stand? So tourte ich durch die Firmen der Region. Für die einen Jobs war ich überqualifiziert, für den Bau mit meiner schmächtigen Statur und natürlich als Frau zu schwächlich, für Bürojobs zu unerfahren, und so weiter. Es fand sich immer eine gute Ausrede, um mich wieder wegzuschicken.

Ich hatte es so satt… Ständig holte mich meine Vergangenheit ein. Für die einen war ich kein Mann mehr und für die anderen keine richtige Frau; je nach dem, aus welcher Sichtweise man für sich die größeren Vorteile schlagen konnte. Dabei war ich so glücklich, als Sandra, meine damalige Freundin, meine seelischen Nöte erkannte, meine Schmerzen und Dysphorie richtig deutete und mich ermutigte, endlich zu mir zu stehen. Ach wenn es damals hart war, mein Umfeld mit meinem neuen Äußeren vor den Kopf zu stoßen, war es dennoch eine der glücklichsten Phasen in meinem Leben.

Sandra stand an meiner Seite und beriet mich, als ich mir eine neue, durchgehend weibliche Garderobe zulegte. Ebenso, als ich die ersten Hormone nahm, meine Brüste langsam wuchsen und meine Stimmung Achterbahn fuhr. Als ich die schmerzhaften Prozeduren der dauerhaften Haarentfernung am Körper über mich ergehen ließ. Stets war sie bei mir. Bis nach meiner Kündigung, da war auf einmal alles vorbei. War alles nur Fassade und sie stand nur auf mein bisschen Geld? Oder wurde es ihr langsam peinlich mit mir und sie suchte nur einen Vorwand? Wollte sie ihren Freundinnen gegenüber nicht wie eine Lesbe dastehen? Letztendlich spielte es keine Rolle mehr. Ich stand jetzt hier. Alleine, ohne Freunde, ohne Job, ohne Partnerin, ohne vernünftiges Geld.

Das mit dem ALG wäre in ein paar Monaten auch Geschichte, und dann könnte ich noch hartzen und auf eine heruntergekommene Sozialwohnung vom Amt oder auf einem Platz im Obdachlosenheim hoffen. Was für eine Perspektive!

Das Highlight meiner traurigen Tage war immer das Mittagessen. Ein paar Straßen weiter gab es eine Suppenküche für Bedürftige. Das Essen war einfach, aber fast immer gut, und das Personal war sehr freundlich. Es schien ein Orden oder so etwas zu sein; an der Türe hatte ich ein kleines Schild mit ‚Sisterhood of Holy Abstinence‘ gesehen. Schwesternschaft der heiligen Abstinenz? War das eine Gemeinschaft von Alkoholgegnerinnen? Oder ehemaligen Trinkerinnen? Dazu würde passen, dass ich noch nie irgendwelchen Alkohol in diesen Räumlichkeiten gesehen hatte und es den meist alkoholkranken Gästen strikt verboten war, welchen mitzubringen.

Mittlerweile kannte ich einige der Frauen vom Sehen; die meisten waren etwas jünger, vielleicht in ihren mittleren Zwanzigern bis frühen Dreißigern, also etwa in meinem Alter. Sie trugen keine einheitliche Tracht, aber einfache, etwas altbackene Blusen, selbstgestrickte Pullunder oder Jacken sowie bodenlange, schlichte Faltenröcke in dunklen Farben. Vermutlich war diese Schwesternschaft Stammkunde in einem Second-Hand-Laden.

Jeden Tag warf ich fünf Euro in die Spendenbox, schließlich wollte ich nicht schmarotzen. Und noch konnte ich es mir leisten. Es war schließlich, neben dem bescheiden Frühstück im Hotel, meine einzige Mahlzeit des Tages. Und ebenfalls jeden Tag gönnte ich mir den Luxus einer Tasse Filterkaffee für 50 Cent als Nachtisch. Dazu blätterte ich in der Tageszeitung, die dort auslag, überflog die Nachrichten und studierte ausgiebig die Stellenanzeigen. Und erneut wurde keine Biologin gesucht…

* * *

Ich war so in mein Studium der Anzeigen vertieft, dass ich gar nicht bemerkt hatte, dass sich jemand an meinen Tisch gesetzt hatte.
„Hallo, ich bin Schwester Petra.“
Ich blickte auf. Mir gegenüber saß eine dieser jungen Schwestern, die ich vom Sehen her kannte.
„Und wer bist du?“ fragte sie mit einem freundlichen Lächeln.
„Ich… ich bin Simone.“
„Hallo Simone. Das ist ein schöner Name.“
„Äh… hallo, ja, finde ich auch.“ Ich war etwas verwirrt. Noch nie hatte ich gesehen, dass sich eine der Schwestern zu jemandem setzte. Sie waren immer freundlich und höflich, hielten aber stets eine professionelle Distanz.
„Du… ich darf doch ‚du‘ sagen?… du kommst jetzt schon seit Wochen hierher zum Essen.“
„Ja… ich habe nicht viel Geld. Und hier ist das Essen gut, es ist warm und ihr seid immer nett zu den Gästen.“

Sie lächelte mich an. „Das freut mich zu hören.“ Ihr Blick wurde wieder etwas ernster. „Du siehst nicht wie eine Obdachlose aus. Was ist dir passiert?“
Sie war der erste Mensch, der sich bislang überhaupt nach meinen Lebensumständen erkundigt hatte. Sollte ich ihr mein Herz ausschütten? Oder lieber etwas knapper bleiben? Ich entschied mich für letzteres.

„Nun, ich habe meinen Job verloren und finde keinen neuen. Und dazu hat mich meine Lebensgefährtin rausgeworfen. Jetzt lebe ich von Arbeitslosengeld und wohne in einem schäbigen Hotel.“
„Oh, da klingt nicht gut. Aber immerhin musst du nicht unter der Brücke schlafen.“
„Ja, bis jetzt. Aber in ein paar Monaten läuft die Stütze aus. Und dann muss ich sehen, wie es weitergeht.“

Schwester Petra machte Anstalten aufzustehen. „Ich muss in der Küche weitermachen. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Stellensuche. Wir sehen uns sicher noch.“
Ich bedankte mich für ihre Wünsche und las in der Zeitung weiter. Es fiel mir allerdings schwer, mich zu konzentrieren. Es war das erste Mal seit langem, dass ich ein persönliches Gespräch hatte, auch wenn es nur kurz und oberflächlich war. Schließlich trank ich den letzten Schluck des mittlerweile kalt gewordenen Kaffees aus, legte die Zeitung zurück und ging.

* * *

Am nächsten Tag freute ich mich noch mehr als sonst auf das Mittagessen. Schon beim Schlangestehen bemerkte ich, dass Schwester Petra heute nicht da war; stattdessen hatten zwei andere Schwestern Dienst. Irgendwie war ich ein wenig enttäuscht, aber was hatte ich erwartet? Nun, in meiner Situation ist man über jedes Bisschen an persönlicher Zuwendung dankbar, aber ich musste es nehmen, wie es kam. So aß ich wieder in Stille, gönnte mir den Kaffee und las dabei die Zeitung.

Erst am dritten Tag sah ich Schwester Petra wieder an der Essensausgabe. Sie begrüßte mich sogar persönlich.
„Hallo Simone, geht es dir gut?“
„Hallo, Schwester Petra. Na ja, es geht. Halt so wie immer.“
„Na, das klingt ja zumindest nicht ganz katastrophal. Ich wünsche dir einen guten Appetit. Und noch einen erfolgreichen Tag!“
„Danke!“
Damit war das Gespräch leider auch schon beendet. Aber immerhin besser als nichts.

So ging das über die Wochen. Etwa alle drei bis vier Tage war Schwester Petra da. Jedes Mal begrüßte sie mich freundlich und mit Namen, fragte mich nach meinem Befinden oder ob ich schon Erfolg bei der Stellensuche hatte. Und so auch heute wieder. Und doch war es anders.

Als ich bei meinem Kaffee saß, kam Schwester Petra mit einer Tasse Kaffee in der Hand zu mir.
„Hallo Simone.“
„Hallo Schwester Petra.“
„Sag einfach ‚Petra‘ zu mir. Das ‚Schwester‘ klingt so förmlich.“
„Gerne, wie du möchtest.“

„Sag mal, Simone, was hast du eigentlich gemacht, bevor du arbeitslos wurdest?“
„Ich habe Biologie studiert, aber in meinem Fachgebiet nichts gefunden. Und so habe ich genommen, was ich gerade fand. Mein letzter Job war so ein schlecht bezahlter Bürojob. Eigentlich eher das Mädchen für alles. Akten sortieren, Kaffee für die hohen Herren kochen, der offiziellen Sekretärin den lästigen Kleinkram abnehmen, und so.“
„Klingt nicht sehr spannend.“
„War es auch nicht. Aber ich hatte wenigstens ein festes Einkommen, wenn auch wenig. Und ich musste nicht Taxi fahren.“

Petra musste grinsen. „Ich kann deinen Frust verstehen. Weißt du was? Ich halte mal die Ohren offen, vielleicht erfahre ich ja was. Kennst du dich mit Buchhaltung aus? Oder Schreibmaschine? Das würde deine Chancen erhöhen.“
„Tippen kann ich. Und Buchhaltung… Na ja, Biologen brauchen so etwas eher nicht. Aber das kann man sicher lernen.“
„Prima! Dann wünsche ich dir noch viel Erfolg und einen schönen Tag.“
„Danke, ich dir auch, Petra.“
Beim Aufstehen legte sie noch ihre Hand auf meine Schulter, drückte sie kurz, und schon war sie wieder verschwunden.

Das Gespräch hatte mich nachdenklich gemacht. Vielleicht müsste ich mehr an mir arbeiten, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Nun, mit Zahlen jonglieren war jetzt nicht meine Leidenschaft, aber immerhin hatte ich Mathe bis zum Abi. Und mal sehen, ob es irgendwelche Selbststudien im Internet gab. Wenigstens hatte ich WLAN im Hotel und konnte somit ins Internet.

Ein paar Tage später kam Petra nach dem Essen wieder zu mir an den Tisch.
„Na, wie sieht’s aus?“, wollte Petra von mir wissen.
„Ich habe angefangen, mir selbst Buchhaltung beizubringen“, berichtete ich ihr stolz. „Danke für deinen Tipp!“
„Gerne.“ Petra strahlte. „Aber ich bin aus einem anderen Grund hier. Hast du heute Abend schon was vor?“
„Heute Abend? Willst du mit mir ausgehen?“

Petra lachte laut auf. „Nein! So etwas wie Ausgehen machen wir Schwestern nicht. Aber ich habe meinen Mitschwestern von dir erzählt. Sie würden gerne mit dir reden.“
„Mit mir?“
„Klar. Und, kannst du?“
„Natürlich!“
„Prima, dann komme heute Abend um 18 Uhr zu dieser Adresse.“ Petra schob mir eine Visitenkarte zu. „Sei pünktlich!“





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MrSteel69
Story-Writer

überall dort wo es eine Internetverbindung gibt




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  RE: Die Schwesternschaft Datum:02.01.26 09:59 IP: gespeichert Moderator melden


Moin Matze und noch ein gutes neues Jahr,

schöner Schreibstil. Liest sich gut. Bin gespannt, wie es weitergeht.

VG
MrSteel

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Die Sklavenfabrik - Band 1
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Glatzkopf
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Backnang




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  RE: Die Schwesternschaft Datum:02.01.26 12:57 IP: gespeichert Moderator melden


Auch ich bin gespannt,wie es weiter geht.
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goya
Stamm-Gast





Beiträge: 272

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  RE: Die Schwesternschaft Datum:02.01.26 18:11 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Matze23,

vielen Dank.

Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen...

Liebe Grüße

goya
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Matze23
Story-Writer





Beiträge: 455

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  RE: Die Schwesternschaft Datum:03.01.26 07:07 IP: gespeichert Moderator melden


Vielen Dank für eure Kommentare!

Dann will ich euch nicht zu lange auf die Folter spannen.

Grüße, Matze


-----

2.
Punkt sechs Uhr stand ich vor der genannten Adresse. Eine Schwester öffnete mir, die ich vom Sehen her aus der Suppenküche kannte. Sie war mir aufgefallen, da sie deutlich älter war als die anderen mir dort bekannten Frauen.
„Ich bin Mutter Renate“, stellte sie sich vor. „Kommen sie herein.“
„Danke! Schwester Petra hat mich immer geduzt.“
Mutter Renate lächelte mich an. „Gut, wenn sie es wünschen, dann mache ich das auch. Also, Simone, bitte hier lang.“

Sie führte mich in einen Raum, in dem sich eine Tischreihe und ein Einzeltisch gegenüber standen.
An der Tischreihe saß Petra und lächelte mich an. Neben ihr saßen drei weitere Schwestern, die ich alle vom Sehen her kannte.

„Setz dich bitte“, forderte mich Mutter Renate auf und wies auf den Einzeltisch. „Das hier sind die Schwestern Michaela, Claudia und Beate. Schwester Petra kennst du ja schon.“ Sie setzte sich auf den freien Platz in der Mitte. „Ich bin die Priorin, also die Leiterin unseres kleinen Konvents, und meine Mitschwestern hier sind der Schwesternrat.“

Alle fünf schauten mich interessiert an und ich fühlte mich ein wenig unwohl.
„Du brauchst keine Angst haben, das ist kein Verhör.“ Mutter Renate lächelte mich an. „Es ist nur so: du bist uns als ungewöhnlicher Mittagsgast in unserer Suppenküche aufgefallen. Du bist gepflegt, nicht obdachlos, und bezahlst jeden Tag dein Essen. Das ist hier absolut selten. Wir würden gerne mehr über dich erfahren.“ Sie sah mich sehr direkt an. „Kannst du ein bisschen über dein Leben erzählen? Und wie es dazu kam, dass du bei uns essen musst?“

Erst fiel es mir schwer, mich zu öffnen, aber alle fünf strahlten eine unglaubliche Wärme aus, die meine innere Mauer schmelzen ließ. So begann ich zu erzählen. Von meinen Studium, das ich aus reinem Interesse, ohne berufliche Ambitionen, absolvierte, der schwierigen Jobsuche, dem Hilfsjob, um überhaupt etwas zu haben, der Kündigung und meiner treulosen Ex. Und natürlich von meinen sehr knappen finanziellen Möglichkeiten, die mich zur Suppenküche der Schwesternschaft gebracht hatten.

„Und da gibt es noch etwas, über das ich nicht gerne rede.“
Mutter Renate lächelte nur und sah mich freundlich an. „Sprich es aus, das befreit.“
„Ich sehe aus wie eine Frau, ich fühle mich und lebe auch so, aber biologisch gesehen bin ich ein Mann“, meinte ich mit leiser Stimme, und ich war mir sicher, dass ich im Gesicht puterrot war. „Ich nehme schon seit einigen Jahren Hormone, aber für die abschließenden Operationen hat bislang nie das Geld gereicht.“
„Oh.“ Diesmal verschlug es sogar Mutter Renate die Sprache.

Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefasst hatte. „Danke, dass du so offen bist. Ich denke, es erleichtert auch, wenn man darüber spricht.“ Sie machte eine längere Pause. „Wir wollten dir ursprünglich eine neue Chance in unserer kleinen Gemeinschaft anbieten. Aber wir sind eine reine Frauengemeinschaft, und viele unserer Mitschwestern sind hier, gerade weil sie traumatische Erlebnisse mit Männern hatten.“

Erneut sah sie mich nachdenklich an. Sämtlicher Mut wich aus mir. Selbst hier, in dieser Gemeinschaft freundlicher, offener Frauen holte mich meine verdammte Vergangenheit ein. Mein Leben war jetzt wirklich am Ende.

Doch Mutter Renate stand nicht auf, um das Gespräch zu beenden. Stattdessen sah sie mich nachdenklich an. „Wir möchten dir auf jeden Fall helfen, allerdings haben wir keine Erfahrung mit Frauen, die früher mal Männer waren. Deshalb müssen wir uns nochmal untereinander beraten, wie wir dir helfen können, ohne Unruhe in unsere Gemeinschaft zu tragen. Daher möchte ich das Gespräch jetzt beenden. Aber könntest du morgen Abend um die gleiche Zeit wieder zu uns kommen? Ich denke, dass wir bis dahin eine Idee haben.“

Mein Herz pochte wie wild. Gab es doch noch eine Chance für mich? „Natürlich komme ich!“, platzte es förmlich aus mir heraus. „Gerne!“
„Gut, dann sehen wir uns morgen“, lächelte mich Mutter Renate an.

* * *

Der nächste Tag war die Hölle für mich. Beim Mittagessen war ich irgendwie froh, dass weder Petra noch sonst eine Schwester aus der gestrigen Runde Dienst hatte, sonst hätte ich sie vermutlich mit Fragen überhäuft. Und das vollkommen sinnlose Gespräch bei der Arbeitsagentur am Vormittag hatte mich nur genervt. Klar, die gute Frau dort machte auch nur ihren Job, aber eigentlich tat sie schlicht nichts für mich als nur mir Konsequenzen anzudrohen, wenn ich mich nicht fleißig genug bewerben würde.

Schließlich stand ich mit zitternden Knien vor der Türe und drückte die Klingel. Eine mir unbekannte Schwester öffnete, wusste aber gleich, wer ich war, bat mich hinein und führte mich wieder in diesen mir bereits bekannten Raum.

Wie am Tage zuvor saßen Mutter Renate sowie die vier Schwestern des Schwesternrates an dem langen Tisch und lächelten mir zu, als ich mich an den einzelnen Tisch gegenüber setzte. Zittrig zupfte ich den in ihren Augen vermutlich viel zu kurzen Rock zurecht und sah sie nervös an.

„Willkommen, Simone“, fing Mutter Renate an. „Hoffentlich hattest du einen schönen Tag?“
„Nicht wirklich“, gab ich offen zu. „Ich bin ziemlich angespannt. Schließlich geht es hier um meine Zukunft.“
Mutter Renate lächelte freundlich. „Nun, wir sind hier keine Jury oder Gericht, die über dein Schicksal urteilt, sondern nur eine Schwesternschaft, die Frauen in Not und Bedrängnis eine neue Chance anbieten möchte. Und da du ebenfalls in Not bist und dich selbst als Frau siehst, möchten wir dich nicht abweisen.“

Die Worte klangen beruhigend, doch ich wartete auf das große ‚Aber‘.
„Doch zuvor möchte ich dir noch ein paar Fragen stellen.“
„Okay?“
„Hast du Erfahrung mit Pflanzen und Garten?“
„Eher akademischer Art, vom Studium her.“
„Und mit sozialen Tätigkeiten?“
„Ich war früher mal Leiter bei den Pfadfindern. Aber seither nicht mehr.“
„Könntest du dir auch Aufgaben vorstellen, die nicht deinem Spezialgebiet entsprächen?“
„Wenn es nicht gerade Akten nach Alphabet sortieren ist, warum nicht? Neue Herausforderungen halten jung.“

Mutter Renate sah zu ihren Mitschwestern und alle nickten leicht. Dann sah sie zu mir und lächelte mich an.
„Simone, wir haben lange und ausführlich zusammen diskutiert, auch mit den anderen Schwestern, die nicht im Rat sind. Und wir waren uns weitgehend einig. Daher möchten dir ein Angebot machen.“
Ich sah sie etwas verwirrt und ungläubig an. „Ein Angebot?“

„Ja. Wir möchten dich fragen, ob du für uns arbeiten möchtest. Wir suchen ständig nach Verstärkung, nach Frauen, die uns bei allen Aufgaben helfen. In der Verwaltung und Buchhaltung, in der Suppenküche und eventuell auch in unserem kleinen Wirtschaftsgarten. Wir sind einfach viel zu wenige für die zahlreichen Aufgaben, da könnten wir weitere helfende Hände wie dich gut gebrauchen. Allerdings können wir nicht viel bezahlen, aber wir würden dir freie Kost und Logis bieten. Was hältst du davon?“

„Das klingt nach einem besseren Leben als meinem bisherigen. Ganz spontan sage ich ‚ja‘.“
„Allerdings muss ich doch auch eine Einschränkung benennen. Da du keine biologische Frau bist, können wir dich nicht in unseren Konvent aufnehmen und du wirst getrennt von den anderen Frauen wohnen. Ebenso werden einige Bereiche für dich unzugänglich bleiben. Könntest du das akzeptieren?“
„Ich bin nicht davon ausgegangen, eine Schwester zu werden. Das klingt alles in Ordnung für mich.“

Mutter Renate stand auf und ging auf mich zu und schüttelte mir die Hand. „Herzlich willkommen in unserer kleinen Familie.“
„Danke, Mutter Renate.“
„Hast du schon was gegessen?“
„Nein.“ Wann hatte ich das letzte Mal überhaupt etwas zu Abend gegessen? Es musste schon Monate her sein.
„Dann komm!“

Wir verließen diesen kleinen Saal und gingen einen Gang entlang, von dem vereinzelte Flure abgingen, alle durch Holztüren mit Milchglasfenstern abgetrennt.
„Hier rechts ist der Gästeflügel, dort wirst du dein Zimmer haben. Links ist der Hauswirtschaftsbereich mit Wäscherei, Näherei und ein paar kleinen Werkstätten. Und wir befinden uns gerade im Gemeinschaftsbereich, in dem du dich auch aufhalten darfst. Hier sind die Küche, der Essbereich und unser Gemeinschaftszimmer, auch Wohnzimmer genannt.“
Vor einer Türe blieben wir stehen. „Hier ist unser Esszimmer, wo wir gleich essen werden. Und dahinten, am Ende des Flures, die Eichentüre, siehst du sie? Dort beginnt der Schlafbereich der Schwestern. Dieser Bereich ist für dich tabu, unter allen Umständen. Verstanden?“ Mutter Renate sah mich mit durchdringendem Blick an.
„Ja, verstanden. Ich werde diese Schwelle niemals überschreiten.“
„Sehr schön! Dann lass uns jetzt was essen.“

Im Esszimmer warteten bereits eine Reihe weitere Schwestern, die mir Mutter Renate kurz vorstellte. Alle waren irgendwie ähnlich angezogen, mit ihren altmodischen Blusen und den langen Röcken aus schwerem Stoff. Ich war die Einzige mit etwas modischeren Klamotten und fühlte mich in diesem Moment ein wenig wie ein Fremdkörper.

Das Essen selbst lief in Stille ab. Jeder Handgriff schien tausendfach eingeübt. Plötzlich war der Tisch gedeckt, alle saßen auf ihren wohl angestammten Plätzen und Mutter Renate wies mir mit einer Geste einen Platz zu. Ich hatte tausend Fragen, aber diese Stille ließ auch mich verstummen. So aß ich das bescheidene, aber doch schmackhafte und sättigende Mahl. Als alle Teller geleert waren, wandte sich Mutter Renate an mich.
„Hat es dir geschmeckt, Simone?“
„Danke, Mutter Renate, das war mein bestes Abendessen seit Monaten.“ Es war nicht mal gelogen, denn es war ja auch das erste überhaupt.

„Das freut mich, Simone“, meinte Mutter Renate. „Ich möchte dich jetzt zu einem Vier-Augen-Gespräch in mein Büro einladen. Ich denke, du hast eine Menge Fragen an uns.“
„Natürlich.“
„Dann komm.“

Kurz darauf saß ich auf einem Stuhl an einem übervollen Schreibtisch, dahinter Mutter Renate. Schwester Petra war ebenfalls mitgekommen und saß mit etwas Abstand neben mir. Sie blickte mich fast unentwegt an und lächelte dabei.
„Das hier ist alles neu für dich“, fing Mutter Renate an, „ebenso für uns Schwestern. Damit es nicht wie ein Verhör aussehen soll, habe ich Petra mit dazu gebeten, da du sie bereits am besten von uns allen kennst. Und jetzt möchte ich dir ermöglichen, deine Fragen loszuwerden. Trau dich.“


Ich dachte einen Moment nach, welche für mich die wichtigste Frage wäre. „Seid ihr ein katholischer Orden?“
„Nein“, antwortete Mutter Renate, „wir sind eine freie Schwesternschaft, aber sicher einem kirchlichen Orden ähnlich. Wir bieten Frauen eine neue Lebensperspektive. Unser Ziel ist es dabei, sich um andere, besonders um Bedürftige zu kümmern. Aber im Gegensatz zu kirchlichen Orden haben wir humanistische Ideale, keinen Gott im Mittelpunkt.“
„Und warum habt ihr einen englischen Namen?“
„Wir sind der Ableger einer amerikanischen Schwesternschaft.“
„Wie war das? ‚Sisterhood of Holy Abstinence‘? Schwesternschaft ist klar, ihr seid nur Frauen. Aber was hat es mit der ‚heiligen Abstinenz‘ auf sich?“

„Nun, das ist schon eine sehr direkte Frage. Ich will es mal so beantworten: unsere Lebensaufgabe ist der Dienst am Anderen. Dem ordnen wir alles andere unter und unterwerfen uns bestimmten Regeln; ähnlich den Gelübden, die man in einem Kloster ablegen muss. Und ‚Abstinence‘ würde ich eher mit ‚Enthaltsamkeit‘ übersetzen.“
„Und deshalb habt ihr keine Dates?“ Es platzte so aus mir heraus, obwohl ich es eigentlich nicht sagen wollte. Petra wurde sichtbar rot, doch Mutter Renate klärte die Situation mit einem Lächeln.
„Genau. Deshalb leben wir als schwesterliche Gemeinschaft, ohne Partnerschaften oder gar Männern.“

Ich lief selbst rot an. „Entschuldigt. Ich wollte euch nicht zu nahe treten.“
„Kein Problem.“ Mutter Renate lächelte immer noch. „Hast du noch mehr Fragen?“

„Warum sind all die Frauen hier? Sie sprachen von einer neuen Lebensperspektive.“
„Das hast du gut beobachtet. Nun, die Gründe sind verschieden. Aber allen ist gemeinsam, dass sie mit dem Leben ‚da draußen‘, nicht mehr zurecht kamen. Das konnte häusliche Gewalt, Missbrauch, Perspektivlosigkeit, Angst und so weiter sein. Häufig hat es mit sehr schlimmen Erfahrungen mit Männern zu tun. Wir bieten hier einen geschützten Rahmen, in dem sie wieder ein normales Leben in unserer kleinen Gemeinschaft führen können. Deshalb war ich auch so vorsichtig mit deiner Vergangenheit als Mann.“

„Ich möchte kein Mann mehr sein. Ich bin Simone, aber alle Welt reduziert mich auf meinen Status als ‚Transfrau‘. Ich möchte einfach nur in Frieden als Frau leben.“
„Deshalb haben wir dich nicht abgewiesen. Und ich bin überzeugt, dass du deinen Weg finden wirst. Wir begleiten dich dabei, wenn du es möchtest. Hast du noch mehr Fragen?“

„Nein, ich bin im Moment von Eindrücken überflutet.“
„Gut, das wird sich alles richten. Wenn du Fragen hast, kannst du jede Schwester fragen. Aber jetzt zeige ich dir erstmal die restlichen Räume und wenn du möchtest, kannst du gleich morgen anfangen. Kläre ab, wann du das Hotel verlassen kannst, und dann treffen wir uns morgen früh um neun in der Suppenküche zum Vorbereiten.“

* * *

Währenddessen, einige hundert Kilometer entfernt.

Sie wachte auf. Wo war sie? Der Raum war weiß, und ein ständiges Piepen irritierte sie. Sie versuchte sich zu bewegen, aber irgend etwas schien sie daran zu hindern.
„Sie ist aufgewacht“, hörte sie eine entfernte Stimme, und schon kamen zwei Frauen in weißer Kleidung zu ihr und beugten sich über sie.
„Wo… wo bin ich?“ Ihre Stimme klang schwach.

„Sie sind in Sicherheit“, antwortete eine der Frauen. „Sie sind im Kreiskrankenhaus.“
„Was ist passiert?“
„Sie wissen es nicht mehr?“
„Nein… ich…“
„Sie dürfen sich jetzt nicht aufregen. Ich gebe Ihnen ein Schlafmittel, dann können Sie sich weiter erholen.“
„Erholen? Wovon?“

Eine der Frauen in Weiß hantierte irgend etwas an einem der Schläuche, die über ihr hingen, und sie versank wieder in der Dunkelheit.






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goya
Stamm-Gast





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  RE: Die Schwesternschaft Datum:03.01.26 09:01 IP: gespeichert Moderator melden


Gutem Morgen Matze23,

vielen Dank für die tolle Fortsetzung...

Ich bin sehr gespannt, wie es mit unserer Protagonistin weitergeht...

Du entwickelt dich noch zum Meister der Cliffhanger...

Liebe Grüße

goya
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Glatzkopf
Stamm-Gast

Backnang




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  RE: Die Schwesternschaft Datum:03.01.26 10:07 IP: gespeichert Moderator melden


Nach dieser Folge bin ich noch gespannter , wie es weiter geht.
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