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*Gozar*
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  RE: Maria Datum:13.03.17 20:59 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll

Ich bin Romantiker und daher hoffe FÜR Sophie und Michael.
Genau so wie ich hoffe das Anna und Florian NICHT von ihrer Vergangenheit eingeholt werden.
Aber wie das im Leben so ist (und bei Dir erst recht), kommt es erstens anders, als man zweitens denkt.
Ich hab mal so vor mich hin gesponnen und könnte mir, die drei Pärchen durchaus auf der Berghütte vorstellen.
"Wunschdenken"
Lass uns bis zum nächsten Teil/Kapitel/Abschnitt, wie auch immer, nicht so lange schmoren.
Je feiner die Kleinigkeiten desto feiner das Kopfkino!!!
Und das läuft bei Dir auf Großbildleinwand!

Gruß Gozar

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Machtdom
Stamm-Gast

Baden-Württemberg


wahre Freiheit ensteht in uns

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  RE: Maria Datum:13.03.17 21:12 IP: gespeichert Moderator melden


nochmal Hallo gag_coll,

ich hatte ja schon vorher mal etwas zu Sophie kommentiert, dass ich schon da gesehen habe, wie Du sie sich verändern lässt.

Aber natürlich ist es jetzt mehr sichtbar, in welche Richtung Du sie führen willst - auch wenn dies eigentlich schon vorher spürbar war. Dabei finde ich die Art, wie Michael auf sie reagiert, sehr gut.

Es ist doch immer wieder schön, wenn man Personen im Lauf der Geschichte so ändern lassen kann, dass aus Ablehnung Sympathie für sie wird.

Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel!!!

Gruß
Machtdom
Meine Geschichte:
Schule für Sklavinnen
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der suchende Volljährigkeit geprüft
Freak





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  RE: Maria Datum:14.03.17 06:34 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,
einfach Klasse, wie du beschreibst, das sich Sophie, bedingt durch ihre erzwungene Einsamkeit, tatsächlich Gedanken über ihr bisheriges Verhalten macht und auch Michael sein eigentliches Vorhaben nicht ausführt. Passenderweise könnten sie ja den Neffen überwältigen und den mal eine Zeitlang dort einsperren und ihm für sein Verhalten auch noch Strom und Heißwasser sperren. Aber du wirst deine Leserschaft, so wie wir dich kennen, bestimmt nicht darüber im unklaren lassen. Nur bitte nicht zu lange.
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Zwerglein Volljährigkeit geprüft
Sklavenhalter

Baden - Württemberg


alles kann - nichts muss

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  RE: Maria Datum:14.03.17 20:05 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,
habe hier auch mal wieder weiter gelesen, und war über Sophies Wandlung erstaunt.
Aber was geht einem nicht alles durch den Kopf, wenn man bewegungsunfähig lange Zeit im Bett liegt.

Michael hat es verstanden sie aufzuheitern, und hat sich dadurch Ihre Sympathie erworben.

Das er Ihr das Bett frisch bezog, und sie (wenn auch mit Hilfe) Duschen konnte, brachten neben dem Essen, zusätzliche Bonuspunkte.

Aber allein schon, das er seine Stärke nicht ausgenutzt hat, hat ihm schon mehr als nur Sympathie eingebracht.

Zitat

Passenderweise könnten sie ja den Neffen überwältigen und den mal eine Zeitlang dort einsperren und ihm für sein Verhalten auch noch Strom und Heißwasser sperren.


---ggg---
gute Idee, und da der Baron aus dem Verkehr gezogen wurde, würde es nicht mal auffallen.


Zitat

„War da nicht noch etwas mit 25 und Heirat?“

„Das Geld wird auf jeden Fall ausgezahlt, aber nur, wenn die Darstellerin verheiratet ist, darf sie sofort darüber verfügen. Bis dahin verwaltet es der Vorsitzende des Festvorstandes.“ Er machte eine deutliche Pause. „Formal ist das immer noch ihr Onkel, auch wenn die Baroness die Rolle nicht spielt.“


Da der Baron ja im Moment ausfällt, wir vermutlich Robert Greinert, auf der -außerordentlichen Versammlung- zum Vorsitzenden des Festvorstandes gewählt werden.

Somit würde das Kalkül des Barons nicht aufgehen.
Denn dann würde Robert Greinert das Preisgeld von 2 Millionen verwalten.

Aber ich lasse mich gerne überraschen.

Danke gag_coll

-----

Gruß vom Zwerglein
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kaes
Fachmann



Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.

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  RE: Maria Datum:14.03.17 20:52 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

auch von mir ein dickes Lob für die Gschichte.

Wenn ich die Situation bei Sophie betrachte frage ich mich, kann Michael überhaupt wieder aus dem Gefängnis frei kommen? Er könnte doch alles weiter erzählen und den Baron und seinen Neffen belasten.

Zu einer anderen Figur, der Leonie, was passiert mit ihn noch alles oder wandelt sich ihre Situation und kann sie bleiben auch wenn es weniger steng zugeht.

Auf jeden Fall freue ich mich auf den Rest der Geschichte.

Gruß Klaus
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Stamm-Gast

N R W


Alles was im Einvernehmen passiert , ist Normal

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  RE: Maria Datum:14.03.17 21:58 IP: gespeichert Moderator melden


Wundersame Wendung von Sophie aber bitte lasse sie nicht zu einem
" Gutmenschen " werden der sagt " ich will meinen Onkel und den
Doktor nicht anzeigen , denn das war eine gewollte therapeutische
Massnahme um meinen fehl geleitetes Leben zu ändern .

An sonsten schreibe bitte so weiter denn es ist gut so !

MfG
.
95 % der Literatur sind Kopfkino selbst die Bibel denn keiner der Schreiber war dabei

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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Achtzehn Datum:15.03.17 05:51 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Achtzehn
Autor: Karl Kollar

Dienstag, 21. September 1984

Sophie wurde wach, weil sie ungewohnte Geräusche hörte. Sie passten so gar nicht zu der Klinik, in der sie schon so viel Zeit verbringen musste. Doch schon bald erkannte sie, dass sie gar nicht mehr in ihrem Krankenzimmer war, sondern im Keller des väterlichen Schlosses. Das war auch der Grund, warum sie die Mücke an der Decke nicht mehr sah. Dieses Motiv hatte sie in den letzten Monaten fast ständig vor den Augen.

Sie verzichtete darauf, sich zu räkeln, denn dabei hätte sie Teile der ekelhaften Bettwäsche berühren müssen. Sophie hielt innerlich die Luft an, um den Geruch nicht einatmen zu müssen. Doch dann stutzte sie. Der Geruch war weg. Vorsichtig begann sie sich zu bewegen.

Sie hatte wunderbar geträumt. Ein Prinz war zu ihr gekommen und hatte für sie gekocht und ihr auch die Bettwäsche gewechselt. Wieder hielt sie inne. Die Bettwäsche war gewechselt und es roch nach leckerem Frühstück, nach Rührei und Speck.

»Ah, die Prinzessin ist wach.« Michael stand auf einmal vor ihr. »Einen wunderschönen Guten Morgen wünsche ich dir, liebe Sophie.«

Schlagartig war Sophie wach, und sofort war auch die Erinnerung an den gestrigen Abend wieder da. Sie erwiderte den Gruß vorsichtig.

»Ich wollte gern mit dir frühstücken, darum habe ich mir erlaubt, dafür einiges mitzubringen.« Er zeigte auf den kleinen liebevoll gedeckten Tisch.

Sophie hielt ihren Blick noch ein wenig gesenkt. Sie vermied es, ihn nach den Ereignissen des vergangenen Abends zu fragen. Sie erinnerte sich eigentlich nur noch an den so schönen Höhepunkt, den sie gestern in seinen Armen gehabt hatte. »Das sieht lecker aus.« Sie gab sich trotzdem Mühe, etwas Nettes zu sagen.

»Dann komm.« Er reichte ihr die Hand. »Es ist alles fertig.«

Doch auf einmal entzog sie ihm ihre Hand und begann zu weinen. »Warum tust du das?« Sie schluchzte. »Warum bist du so nett zu mir?« Sie wischte sich durch das Gesicht. »Ich habe dich doch so schlecht behandelt.«

»Das warst nicht du.« Michael wurde auf einmal ebenfalls sehr nachdenklich. »Ich habe dich schon bewundert, als deine Mutter noch lebte. Es war mir klar, dass es dich aus der Bahn geworfen hat.« Er spürte, dass sie jetzt etwas Halt gebrauchen konnte. Er setzte sich neben sie und legte den Arm um sie. »Lass die Vergangenheit hinter dir.« Er hoffte, dass es die richtigen Worte waren.

Sophie wischte sich die Tränen weg. »Du hast recht.« Irgendwie gaben ihr seine Worte Mut. »Was hast du denn Leckeres vorbereitet? Seit drei Tagen esse ich nur Ravioli.«

»Genau so etwas habe ich mir gedacht.« Michael versuchte sie erneut, sie zum Aufstehen zu bewegen. »Ich habe einiges mitgebracht.«

Sophie blickte auf den Tisch und war verzaubert. »Ein Sektfrühstück?«

»Ich hoffe, es wird dir schmecken.« Michael reichte ihr wieder die Hand.

Sophie ergriff die Hand und ließ sie auch nicht los, als sie schon sicher auf ihren noch etwas wackeligen Beinen stand.

* * *

Leonie sah ein wenig unglücklich an sich herunter. Es gab jetzt nur noch einen etwas unförmigen Kittel, den sie sich allein anziehen konnte. Für jedes andere Kleidungsstück hätte sie Hilfe gebraucht, und noch sie war zu stolz, um darum zu bitten.

Sie hatte sich auch gar nicht für die Nacht umgezogen. Sie hatte es gestern Abend probiert, musste aber bald einsehen, dass es mit den neuen Restriktionen viel zu anstrengend werden würde.

Um ihre Unterwäsche aus Stahl musste sie sich zum Glück auch keine Sorgen machen. Denn die war pflegeleicht und ließ sich problemlos mit der Dusche reinigen, selbst wenn sie sie am Körper trug.

Sie stöhnte ein wenig, denn es lag ein Alltag vor ihr, der anstrengender war als alles, was sie sich bisher zu träumen gewagt hatte. Dennoch sie war in die Restriktionen, die Pauls Oma ihr auferlegt hatte, geradezu verliebt. Deutlich spürte sie den Muskelkater in den Armen und sie nahm sich für heute vor, nur noch die notwendigsten Bewegungen auszuführen.

Sie war jetzt schon zwei Mal der Meinung gewesen, dass es nicht mehr strenger oder gemeiner werden konnte, doch stets hatte Frau Mohr eine diesbezügliche Überraschung für sie bereit gehabt.

Und ihre Gastgeberin war unerbittlich, denn sie bestand darauf, dass Leonie sie stets weiter bedienen und vor allem im Haushalt helfen sollte. Immerhin zeigte sie aber Verständnis dafür, dass jetzt alles etwas länger dauerte. Sie gab so Leonie keinen wirklichen Anlass zur Klage.

Leonie wollte sich auch deswegen nicht beschweren, weil sie Angst hatte, sich wieder so einen Knebel einzuhandeln. Es war ihr sehr unangenehm, wenn sie damit sabbern musste, und vor allem, weil man diese Spuren noch lange danach auf ihrer Kleidung sehen konnte.

An sich gefielen ihr die Knebel, vor allem die mit dem strengen Kopfgeschirr. Es war schön, überall am Kopf die Riemen zu spüren, doch für den Alltag war es nicht brauchbar. Sie fragte sich, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, sie sprachlos zu machen.

Sie musste streng genommen nur wenig machen im Haushalt, aber bedingt durch ihre Fesseln war es genau soviel, wie sie auch schaffen konnte.

Doch einmal hörte sie Selma sich beklagen. »Du bist zu langsam, Leonie. Was würde dein Mann sagen, wenn du ihn so langsam bedienst.«

Der Satz war beiläufig geäußert, doch er bewirkte einen wahren Sturm in Leonies Gedanken. Sie hatte sich schon immer eine Beziehung erträumt, in der sie eine Gefangene war. Und Selma zeigte ihr, wie schön es werden könnte.

Gestern hatte Frau Mohr ihr angekündigt, dass sie heute eine besondere Art von Handschuhen tragen müsse. Leonie fragte sich immer wieder, was wohl die besonderen Eigenschaften dieser Handschuhe sein würde. Dabei war sie sich sicher, dass sie es lieber nicht wissen wollte.

* * *

Maria hatte schon lange auf diesen Tag hingefiebert. Heute würde sie zum ersten Mal das Katerinenkleid anprobieren. Entgegen ihrer Gewohnheiten stieg sie heute sehr früh aus dem Bett und war sogar noch vor ihrer Erzieherin wach, was sonst nur äußerst selten passierte.

»Ich habe schon Kaffee gekocht.« Maria saß etwas verlegen am Küchentisch, als sie Mrs. Potter noch etwas verschlafen in der Küchentür stehen sah. Dann schob sie noch ein »Guten Morgen« hinterher.

Mrs. Potter erwiderte den Gruß, dann wurde ihre Stimme ungewöhnlich ernst. »Du hast schon mitbekommen, dass gestern der Baron verhaftet wurde.«

»Ja, Karin hat gestern nach der Probe schon berichtet.« Maria hatte dieses Mal einen Wissensvorsprung. »Ihr Mann wird wieder den Vorsitz übernehmen wie beim letzten Fest.«

Mrs. Potter stutzte für einen Moment, doch dann lächelte sie. »Ihr wart gestern nach der Probe noch zusammen und habt Informationen ausgetauscht?«

»Stellen sie sich vor, Robert hatte schon darüber nachgedacht, dass Fest abzusagen.« Marias Stimme zeigte, wie entsetzt sie über die Idee war.

»Ich entnehme deinem Tonfall, dass das Fest also trotzdem stattfinden wird.« Die Erzieherin begann den Tisch zu decken.

»Sie wollen es heute auf einer Sitzung offiziell machen.« Maria stand auf und half beim Tisch decken. Trotzdem war ihre Nervosität deutlich zu spüren.

* * *

Selma musste nicht lange warten, bis Marias Erzieherin am Telefon war. »Ich hätte da ein kleines, aber wichtiges Anliegen«, erklärte sie gleich nach der Begrüßung.

»Kein Problem.« Mrs. Potter blickte auf die Uhr. »Um was geht es denn?«

»Doro, kannst du Maria auf etwas vorbereiten?« Selma hatte sich lange überlegt, wie sie es zu formulieren hatte, damit ihre Freundin es richtig aufgenommen würde.

»Mache ich.« Ihre Stimme wurde etwas leiser, fast verschwörerisch. »Um was geht es denn?

»Sie hat das letzte Mal ein wenig unpassend reagiert, als sie Leonie gesehen hat.« Selma erzählte kurz, was sich zugetragen hatte.

»Was ist denn mit Leonie?« Mrs. Potter wusste natürlich, dass ihre Freundin früher einmal eine strenge Erzieherin gewesen war.

Doch Selma war zunächst mal etwas verlegen. Sie blieb die Antwort zunächst schuldig.

»Mit mir kannst du frei sprechen.« Dorothea ahnte, was ihre Freundin bewegte.

Trotzdem dauerte es noch einen Moment, bis Pauls Oma sprechen konnte. »Leonie hat alte Sehnsüchte in mir geweckt.«

»Du magst es, wenn die Mädchen so hilflos sind.« Mrs. Potter sprach ihre Vermutung aus.

»Du verstehst mich.« Das Grinsen war durch das Telefon zu hören. »Leonie ist so leidensfähig, und ich glaube, sie hat sogar Spaß daran. Auch wenn sie das gar nicht wahrhaben möchte.«

»Was hast du denn mit ihr vor?« Mrs. Potter konnte ihre Neugier nicht verbergen.

»Ich will ihr heute nach und nach die Finger und dann die Handgelenke fixieren.« Sie berichtete von ihrer Idee. »Es wäre gut, wenn Maria davon wüsste und Leonie nicht danach fragt.«

»Wie viel darf ich ihr denn erzählen?« Dorothea hatte die Idee verstanden und war durchaus bereit, das Spiel mitzuspielen.

»Was du willst.« Selma hatte diesbezüglich keine Vorbehalte. »Vielleicht kommt sie selbst ja auch auf den Geschmack.« Sie lachte kurz. »Nach der Hütte halte ich das sogar für wahrscheinlich. Ich werde auch Paul mit einbeziehen. Ich hoffe, ihm wird es auch gefallen.«

»Aber Maria macht das erst nach dem Fest.« Die Erzieherin wusste, dass sie ihren Schützling vor allzuviel Stress bewahren musste, selbst wenn er von so vertrauter Seite kam. »Ich hoffe nur, dass Paul damit Maria keinen Grund zur Eifersucht geben wird.«

»Darüber musst du dir keine Gedanken machen. Ich passe schon auf.« Sie lachte wieder. »Außerdem möchte ich Leonie verkuppeln.« Sie berichtete kurz von ihren Plänen.

Doch Mrs. Potter musste sie unterbrechen »Ich glaube, Maria kommt.« Sie verabschiedeten sich.

* * *

»So, das ist für Leonie.« Selma legte ein Lederbündel und einige glänzende Stangen auf Leonies Platz am Frühstückstisch, nachdem sie deren Teller beiseite gestellt hatte.

Paul stellte den Kaffee auf den Tisch und setzte sich neben seine Oma. Leonies Platz war noch leer.

Paul hob das Lederbündel hoch und betrachtete es. »Was ist das?« fragte er, obwohl er die Form eines Handschuhs erkannte.

»Das sind spezielle Handschuhe. Die habe ich früher einmal in verschiedenen Größen anfertigen lassen.« Selma klang dabei etwas wehmütig. »Leonie soll sie heute kennenlernen und tragen.«

»Und was ist das Besondere daran?« Paul hielt einen der oberarmlangen Handschuhe hoch, so dass er ihn in voller Länge betrachten konnte.

»Damit lassen sich Leonies Finger einzeln versteifen.« Selma zeigte auf die glänzenden Stangen, die noch auf dem Tisch lagen.

Paul betrachtete sich den Handschuh genauer. Auf einmal glitt ein Lächeln über sein Gesicht. »Man schiebt die Stangen hier in diese kleinen aufgenähten Hüllen?« Er blickte seine Oma neugierig an.

»So ist es.« Selma grinste. »Und bis sie merkt, was es mit den Handschuhen genau auf sich hat, ist es schon zu spät für sie.«

»Kann sie sie nicht mehr selbst ausziehen?« Paul war etwas verwundert.

»Um das Handgelenk können sie verschlossen werden.« Seine Oma zeigte die Stelle an ihrem Arm. »Aber das ist gar nicht nötig. Sie wird es nicht schaffen, die Schnürung am Oberarm zu öffnen.«

Paul wollte gerade fragen, welche Schnürung gemeint war, als wieder ein Lächeln über sein Gesicht glitt. »Der Handschuh ist über den ganzen Arm zu schnüren.«

»Genau« Selma bestätigte seine Vermutung. »Ansonsten müssten wir ihr die Ketten abnehmen, um ihr den Handschuh anzulegen.«

Paul legte den Handschuh wieder auf Leonies Platz auf dem Tisch. »Warum quälst du Leonie so sehr?«, fragte er etwas nachdenklich. Die Frage wollte er schon lange stellen.

Die Antwort seiner Oma war kurz. »Weil sie es so will.« Doch dann lächelte sie. »Und außerdem erinnert es mich an alte Zeiten.«

»Aber sie kann sich doch jetzt schon kaum noch bewegen.« Paul warf noch einmal einen Blick auf den Handschuh. »Damit kann sie ihre Gelenke nicht mehr selbst öffnen«, sagte er mehr zu sich selbst.

»Ich freue mich schon auf den Moment, wenn sie es realisiert.« Selma grinste wieder.

»Maria ist da anders.« Paul blickte auf. »Ob ich es bei Leonie auch mal probieren dürfte?«

»Vor allem darfst du kein Mitleid zeigen, auch wenn sie dir noch so leid tut.« Die Stimme seine Oma war auf einmal recht ernst. »Sie mag es, wenn sie deutlich, aber ganz sanft gedemütigt wird, sozusagen mit Niveau. Es ist eine Gratwanderung.«

Paul blickte seine Oma verwundert an.

»Mache es bitte nicht zu offensichtlich. Sie ist nicht deine Dienerin.« Das Wort ´deine´ hatte sie besonders betont.

Paul verzichtete auf eine Antwort, denn Leonies langsam näherkommende Schritte waren zu hören.

* * *

»Ich wusste gar nicht mehr, wie gut so ein einfaches Brötchen mit Butter und Marmelade schmecken kann.« Sophie wischte sich mit der Servierte den Mund ab und blickte auf den immer noch sehr liebevoll aussehenden Frühstückstisch.

Michael streichelte ihr nur einmal kurz über die Hand. Eine Antwort gab er nicht.

»Ich war eine furchtbar verzogene Göre, der nichts heilig war.« Sophie seufzte.

»Möchtest du, dass ich widerspreche?« Michael blickte ihr ins Gesicht.

»Nein.« Sophie lachte. Doch dann wurde sie nachdenklich. »Ich habe so viel wieder gut zu machen.« Sie blickte auf die Liste, die sie gestern beiseite gelegt hatte. »Ich hatte dich nicht einmal auf die Liste gesetzt. Ich habe deine Fürsorge einfach nicht verdient.« Ihre Stimme wurde bei dem letzten Satz etwas traurig.

»Ich denke, du hast jetzt genug gebüßt.« Michael lehnte sich zurück. »Jetzt wird es Zeit, nach vorne zu blicken.«

»Du und Maria, ihr wart die einzigen, die sich um mich gekümmert haben.« Sophie erinnerte sich an die traurige Zeit im Krankenhaus.

Michael verzichtete darauf zu fragen, wer Maria war. Außerdem hatte er eine Ahnung, wer damit gemeint sein könnte. »Franz-Ferdinand wird mich um neun Uhr abholen, so hatten wir das ausgemacht.«

Sophie begriff sofort, dass er sie im Keller zurücklassen würde. »Ich weiß nicht, ob ich es mir wirklich schon verdient habe, doch ich hätte einen Wunsch.«

»Und der wäre?« Michael stand auf und begann, das Geschirr zusammenzustellen.

»Könntest du mir wohl eine Bibel kaufen? Ich zahl dir das Geld auch später einmal zurück.« Es war Sophie wichtig, nicht mehr so auf Pump zu leben und ihre angeblichen Freunde immer nur auszunutzen.

»Aber natürlich mache ich das.« Er strich ihr einmal über den Kopf. »Ich hebe auch die Quittung auf.« Er hatte erkannt, wie wichtig ihr das war.

Sophie lächelte verlegen. »Ich möchte darin lesen.«

Das Geräusch eines Autos auf dem Kiesweg war zu hören. Michael erkannte sofort, dass er abgeholt werden würde.

Sophie hatte das Geräusch auch gehört. Sie war auf einmal traurig. »Könntest du mir noch einen Gefallen tun?« Das Sprechen fiel ihr schwer.

»Und der wäre?« Michael hielt in seiner Bewegung inne.

»Was für Gymnastikübungen müsste ich denn machen?« Sie hatte ein gewisses Leuchten in den Augen, als sie dies fragte.

»Ich führe sie dir einfach vor. Pass gut auf.« Er sprach hastig, denn die Schritte von Franz-Ferdinand waren schon zu hören.

* * *

Leonie betrat das Esszimmer und wünschte Selma und Paul einen guten Morgen, dann ging sie langsam auf ihren Platz. Sie musste sich erst zu ihren Knien herunterbeugen und die Gelenke öffnen, bevor sie sich setzen konnte. Sie hatte Mühe, ihre Verlegenheit zu verbergen, denn sie zeigte nicht gern, wie sehr sie durch die Schienen schon in ihren Bewegungen gehemmt war. »Ist das für mich?«

»Das sind die Handschuhe, die du ab heute tragen wirst.« Selma hatte ein leichtes Leuchten in den Augen.

Leonie war viel zu neugierig, um an das Kräfteschonen zu denken, was sie sich selbst auferlegt hatte. Sie bog ihren Arm mit einiger Kraft nach oben, griff sich einen der Handschuhe und hielt ihn in die Höhe. »Oh, ein Opernhandschuh zum Schnüren.« Sie lächelte verlegen. »Spannend.«

»Dürfen wir sie dir gleich anlegen?« Selma hatte Mühe, ihr Grinsen zu verbergen.

Leonie war viel zu neugierig, um hier eine Falle zu vermuten. »Gern.«

»Paul, hilfst du mir?« Selma gab ihrem Neffen einen Wink, dann stand sie auf. »Jeder schnürt einen Arm.«

Leonie wollte wegen Paul erst protestieren, doch dann ließ sie es geschehen. Warum sollte Selmas Enkel sie nicht auch berühren dürfen. Außerdem hatte sie Hunger und hoffte, dass es so schneller gehen würde.

»Strecke bitte deine Arme aus, dann können wir dir die Handschuhe am besten anziehen.« Selma hatte große Mühe, sachlich zu bleiben.

»Die Armschienen nehmen sie mir nicht ab?« Leonie war etwas verwundert.

»Nein, warum denn?« Selma zeigte eine Öffnung der Handschuhe in der Höhe des Ellenbogengelenks. »Die Schienen sollten auch so bedienbar sein.«

Für einen kurzen Moment hatte Leonie gehofft, diese mehr als lästigen Armschienen loszuwerden, doch jetzt musste sie einsehen, dass Selma und Paul ihr die Handschuhe einfach darüber ziehen würden.

»Wir machen nur die Schlösser ab, weil die etwas auftragen würde.« Selma nahm ihren Schlüsselbund zur Hand und nahm Leonie die Schlösser ab. Dann nahm sie sich die Handschuhe vom Tisch und reichte Paul den für den einen Arm, den anderen nahm sie selbst zur Hand und erklärte kurz, wie er anzulegen war.

Paul hatte keine große Mühe, die Handschuhe um Leonies Arm zu schnüren.

»Es muss vor allem gleichmäßig fest angezogen werden, da sich sonst Druckstellen bilden könnten«, sagte sie mehr zu sich selbst.

Leonie sah fasziniert zu, wie ihre Arme zuerst in der schwarzen Lederhülle verschwanden. Dabei fühlte dann, wie sie das Material immer enger um ihre Arme legte.



»In die Schleife bringen wir ein kleines Schloss an, dann kommt Leonie nicht in Versuchung.« Es machte Selma deutlich sichtbar Spaß, das arme Mädchen so hinzuhalten und ihr so etwas wie Hoffnung auf eine Befreiung zu machen, obwohl sie doch wusste, wie sicher diese Handschuhe waren. Sie zeigte Paul, wie das Schloss anzubringen war, so dass die Schleife nicht mehr aufziehbar war.

Nachdem Paul sein Schloss auch angebracht hatte, wurde gefrühstückt und obwohl es Leonie sehr schwer fiel, langte sie doch auch kräftig zu. Allerdings verzichtete sie auf die Butter und bestrich sich das Brötchen nur mit der Marmelade. Das war etwas, was sie bisher so nicht gemacht hatte.

Selma sprach sie darauf an.

»Butter ist zu fett.« Leonie gab sich ein wenig bockig.

»Gut, dass es nicht an den Armschienen liegt.« Paul hatte Mühe, ein Lachen zu unterdrücken.

Leonie wurde rot und senkte den Kopf. Natürlich lag es an den Restriktionen, die sie an den Ellenbogen trug und die ihr jede Bewegung ihrer Arme erschwerte, doch das wollte sie nicht zugeben.

* * *

Mrs. Potter lehnte sich zurück und ließ den Blick noch einmal über die leeren Frühstücksteller gleiten. Sie spürte, dass der Moment gut war. »Selma hat mir aufgetragen, dich um etwas zu bitten.«

»Und was wäre das?« Maria blickte auf.

»Es geht um Leonie.« Die Erzieherin hoffte, die richtige Wortwahl zu finden. »Selma hält sie ja mehr oder weniger gefangen, weil sie sich das so wünscht.«

»Und was habe ich damit zu tun?« Maria fragte sich, was Pauls Oma von ihr erwarten würde.

»Sie bittet dich, Leonies Fesseln und ihren Zustand nicht zu bemerken oder so zu tun, als wäre es ganz selbstverständlich, solche Fesseln zu tragen.« Die Erzieherin hoffte, die richtigen Worte gefunden zu haben.

»Hinterhältig.« Maria musste grinsen. »Darf ich erfahren, um was es geht? Ihre Ketten kenne ich doch schon.«

»Sie wird ihr heute ein paar besondere Handschuhe anziehen, und damit kann Selma ihre Finger einzeln versteifen.« Dorothea war sich nicht sicher, ob sie es schon richtig beschreiben hatte. »Genaueres hat sie mir aber nicht gesagt.«

»Ich würde ja schon gern wissen, wie es genau funktioniert.« Marias Augen leuchteten.

»Sie bittet uns ausdrücklich, dass wir uns nichts anmerken lassen sollen.« Mrs. Potters Stimme klang ernst, doch ihre Miene zeigte ein Grinsen.

»Schade, ich hätte gern die Details gewusst.« Maria lächelte etwas verlegen.

»Du kannst dich mit Paul beraten. Er hat die Handschuhe auch gesehen.« Sie hielt einen Moment inne. »Und vielleicht hat Selma ja auch ein paar Handschuhe in deiner Größe.«

»Aber bitte erst nach dem Fest.« Maria verdrehte die Augen, doch dann wurde sie nachdenklich. »Neugierig wäre ich schon.« Sie hatte auf einmal einen fast verträumten Blick. »Ich habe mich schon immer mal gefragt, wie das wohl sein würde, wenn man gefesselt ist und es sieht keiner.«

»Ihr macht das schon. Und es ist auch richtig, dass erst nach dem Fest angehen zu wollen.« Mrs. Potter stand auf. »Was stand denn in dem Artikel?«

»Haben sie ihn noch nicht gelesen?« Maria war erstaunt. Doch dann fiel ihr ein, dass ihre Erzieherin dafür morgens meistens keine Ruhe fand. »Der Baron wurde verhaftet und man hat seine Tochter noch nicht gefunden.«

»Er hat sie bestimmt ins Schloss gebracht.« Mrs. Potter dachte an das Naheliegende.

»Das wurde durchsucht und sie haben keine Spur von ihr gefunden.« Maria blickte noch einmal auf die Zeitung. »Nur das angebliche Unfallauto wurde in der Garage vorgefunden.«

»War es repariert?« Ihr Tonfall zeigte, dass sie davon auch überrascht war.

»Das hat die Reporterin Andrea auch gefragt.« Maria gab wieder, was sie aus dem Artikel erfahren hatte. »Doch bei der Schwere der Verletzungen von Sophie hätte das Auto einen Totalschaden haben müssen. Es ist komisch.«

»Ich lese mir den Artikel später durch.« Mrs. Potter blickte kurz auf den Kalender. »Was liegt heute an?«

»Ich bin heute Vormittag auf die Vorstandssitzung eingeladen.« Marias Seufzer zeigte, dass sie davon wenig begeistert war, doch dann hellte sich ihre Stimme auf. »Und heute Nachmittag darf ich das erste Mal das Kleid anprobieren.«

»Das echte?« Mrs. Potter wusste auch, dass zwei Kleider angefertigt wurden. Es war bisher nur nicht klar, warum der Baron das so in Auftrag gegeben hatte.

»Das echte.« Maria lächelte. »Darauf freue ich mich.«

»Das glaube ich dir.« Mrs. Potter strich ihr über den Arm.

Maria war erneut verwundert, wie schnell Mrs. Potter von der strengen Erzieherin zu ihrer vertrauten Freundin wechseln konnte. Sie empfand ein dankbares warmes Gefühl und realisierte, dass Mrs. Potter bei aller Strenge eigentlich immer ihre Freundin gewesen war. »Und heute Abend wollte ich Anna auf die Probe begleiten.«

Die Erzieherin runzelte ihre Stirn. »Nimmst du dir nicht etwas zu viel vor?«

»Ja schon.« Maria seufzte. »Aber das bringt die Rolle wohl so mit sich.«

»Dass du das Gebet tragen kannst, wird sich schnell herumsprechen.« Es lag etwas Bewunderung in ihrer Stimme.

»Es war eine blöde Idee, es bei der Landung tragen zu wollen.« Maria hatte es bisher nicht geschafft, die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis zu verdrängen.

»Das denke ich nicht.« Mrs. Potter musste ihr widersprechen. »Du konntest das nicht wissen und außerdem ist Rudolf sehr verschwiegen.«

Maria seufzte. »Andrea hat angerufen, sie fragt, ob sie bei der Anprobe heute dabei sein kann. Sie möchte vielleicht ein paar Fotos machen lassen.« Sie verdrehte die Augen.

»Das soll sie ruhig machen. Du wirst berühmt, und das hast du dir mehr als verdient.« Wieder streichelte die Erzieherin Maria über den Kopf.

»Meinen sie?« Maria war noch etwas skeptisch.

* * *

»Leonie, möchtest du erst den Tisch abräumen oder soll ich dir erst wieder die Ellenbogen-Kette anbringen?« Selma wischte sich den Mund ab und legte ihre Serviette weg, dann nahm sie noch einen Schluck Kaffee. Gestern Abend hatte Selma ihr die Kette abgenommen, weil es sich ohne leichter schlafen ließ. Doch jetzt sollte sie wieder angebracht werden.

»Ich könnte dir helfen.« Paul war fasziniert von dem Mädchen, welches sich von seiner Oma immer strenger fesseln ließ, sich darüber trotzdem nicht beklagte und außerdem noch versuchte, sich nützlich zu machen.

Leonie war dies gar nicht recht. Es reichte eigentlich schon, dass sie sich für solche banalen Tätigkeiten so abmühen musste, auf Zuschauer wollte sie gern verzichten.

»Lass dir ruhig von Paul helfen.« Selma wusste natürlich, was ihren Schützling bewegte. »Es wäre falscher Stolz, solche Angebote nicht anzunehmen.«

Paul stand auf und reichte ihr das Tablett.

Leonie lehnte es ab. »Danke, aber mit der Ellenbogenkette kann ich das nicht tragen.« Es kostete sie sehr viel Kraft, es auszusprechen.

Selma trat hinter sie und brachte die Kette an einem der Ellenbogen an. »Leonie?« fragte sie nur.

Leise seufzend drückte Leonie ihre Arme nach hinten und wartete, bis Selma die so gemeine Kette angebracht hatte.

Doch Paul wollte dabei bleiben. »Wenn du es voll stellst, dann trage ich es für dich.«

Leonie suchte bei Selma eine Antwort, doch diese hatte ihren Blick abgewandt. »Meinetwegen.« Ihr wäre es lieber gewesen, Paul wäre verschwunden und sie hätte sich allein abmühen müssen.

»Wenn ihr in der Küche fertig seid, kommt bitte noch einmal zu mir.« Selma ging zu Leonies Platz und sortierte die unterschiedlich langen dünnen Stangen, die noch auf dem Tisch lagen.



Paul hatte nicht nur bei Tragen des Tabletts geholfen, sondern auch beim Beladen und beim Wegräumen in der Küche geholfen. Er war sehr neugierig darauf, wie Leonie auf die Versteifung ihrer Finger reagieren würde. Jetzt ging er voran ins Wohnzimmer, schaute jedoch ab und zu nach hinten, um sich zu vergewissern, dass Leonie ihm auch wirklich folgte.

»Oh, ihr seid schon fertig?« Selma war ehrlich erstaunt.

»Paul hat mir etwas geholfen.« Sie war sichtlich verlegen, denn es war ausgemacht, dass sie sich um die Küchenarbeiten kümmern sollte.

Selma übersah es bewusst. Auch sie war viel zu gespannt auf Leonies Reaktionen. »Leonie, komm bitte zu mir und reiche mir deine Hand.« In ihrer Hand hielt sie einige der kleinen Stangen.

Leonie kam der Aufforderung nach und streckte ihre Arme aus.

»Hast du dir die Handschuhe schon etwas genauer angesehen?« Selma hatte Mühe, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten. Es war schon so ewig lange her, dass sie zuletzt einem Mädchen diese Handschuhe anlegen durfte.

Leonie verneinte. »Wäre das wichtig?« Sie hätte dazu ihre Arme beugen müssen und das kostete Kraft, doch das wollte sie nicht zugeben.

»Dir wäre sonst vielleicht aufgefallen, dass die Handschuhe teilweise doppellagig gearbeitet sind.« Selma zeigte auf die vielen Nähte, die auf dem Handschuh aufgenäht waren. »Dies ist nicht nur zur Zierde.«

Leonie hielt den Atem an. Den Gedanken wollte sie nicht weiter denken.

»Wir beginnen jetzt mal mit den kleinen Fingern.« Sie nahm die kürzeste der Stangen und schob sie in die schmale Hülle auf Leonies Handschuh. Die Stange bewirkte, dass Leonie ihren kleinen Finger jetzt nicht mehr beugen konnte. Gleich darauf behandelte Selma die andere Hand auf die gleiche Weise. »In einer Stunde kommt die nächsten beiden Finger dran. Du kannst dir schon mal überlegen, welche das sein sollen.«

Leonie war fassungslos. Ihre schlimmsten Befürchtungen in Bezug auf die Handschuhe waren wahr geworden. Und sie hatte deutlich erkannt, dass noch genügend Stangen zur Verfügung standen, um alle ihre Finger zu fixieren. Eine Träne lief ihr die Wange herunter, doch sie verzichtete darauf, sie wegzuwischen.

»Du möchtest dich vielleicht für die neuen Handschuhe bedanken?« Selma liebte diesen Moment, wenn die Mädchen die wahre Strenge ihrer Fesselung erkannten.

Leonie schluckte heftig, doch dann regte sich wieder dieses Gefühl tief in ihrem Inneren. »Danke für diese schönen Handschuhe.«

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Machtdom
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  RE: Maria Datum:15.03.17 18:27 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

schon wieder - wie gewohnt - eine tolle Fortsetzung.

Ich finde es wirklich interessant, wie Du es schaffst, die verschiedenen Erzählstränge neben- und miteinander laufen zu lassen:
- Maria in ihrer Vorbereitung auf das Fest
- Leonie in der immer stärkeren, aber geliebten Fesselung (wann wird sie total unbeweglich sein? und mit wem soll sie verkuppelt werden?)
- Anna, die endlich so leben kann, wie sie will
- Sophie, die durch dieses negative Erfahren von Nicht-Liebe zur Liebe und Verständnis für die anderen findet

Jede für sich wäre eine tolle Geschichte, aber alle in einer macht diese Story zu meiner Lieblingsgeschichte.

Ich warte auf das nächste Kapitel!

Gruß
Machtdom
Meine Geschichte:
Schule für Sklavinnen
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Rainman
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Das Leben ist sch...., aber die Graphik ist geil!

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  RE: Maria Datum:19.03.17 00:43 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo cag_coll!

Ich weis ja, das man es nie richtig macht, aber.

Ich will jetzt malwas an Kritik los werden.

Im vorherigen Teil hast meistens die angefangen Sachen nicht fertig erzählt, sondern mittendrin aufgehört. Was ich sehr schade fand. Und wenn du es nur kurz in 1 Satz als Unterhaltung gebracht hättest.

Jetzt hast du den Spies umgedreht. Jetzt verrennst du dich in in deiner Geschcihte in vielen kleinen Teilen, wo zwischen viel zu vielen Personen hin und herspringst. Hier wäre jetzt etwas weniger mehr gewesen.

Du erzählst zwar viel uns sehr ausfürhlich, aber irgendwie kommen Maria und Paul zu kurz. Das mit Leonie geht ja noch in Ordnung und das mit Anna und Florian in den meisten Fällen auch. Aber die Baroness hat in meinen Augen hier eher weniger zu tun und hätte daher eigentlich nur in 2 -3 Nebensätzen erwähnt werden können. Den Sinneswandel von ihr finde ich ja in Ordnung.

Aber mehr von Maria und Paul wäre in meinen Augen besser gewesen.


MfG Rainman
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Neunzehn Datum:19.03.17 07:12 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Neunzehn
Autor: Karl Kollar

(noch Dienstag, 21. September 1984)

Franz-Ferdinand wartete, bis Michael sich angeschnallt hatte, dann fuhr er los. Er war über die Stimmung, die im Keller geherrscht hatte, etwas verwundert. Er hatte bei Michael eher so etwas wie Triumph erwartet und bei Sophie eher Niedergeschlagenheit, doch es war zu seiner Überraschung ganz anders gewesen. Er wagte nicht, eine Frage zu stellen, doch ihm fiel auf, dass der Beutel, den Michael gestern dabei gehabt hatte, jetzt leer war.

»Wann kannst du mich wieder zu ihr bringen?« Michael war der Erste, der wieder zu Reden begann.

»Warum?« Der Neffe des Barons war über den Tonfall verwundert. Jetzt hatte er fast etwas Verliebtes. »Hattest du nicht deinen Spaß?«

»Sie tut mir so leid.« Er ignorierte seine Frage. »Sie hat mich gebeten, ihr eine Bibel zu besorgen.«

Franz-Ferdinand hatte sich schon lange abgewöhnt, sich über die Eskapaden seiner Cousine zu wundern. »Also heute Abend wieder?«

»Heute Abend geht es nicht, weil ich mich in der Burschenschaft sehen lassen muss.« Michael winkte ab. »Aber morgen.«

»Gleicher Ort, gleiche Zeit?« Franz-Ferdinand hoffte, dass Michael sich damit begnügen würde.

»Gern.« Michael hatte sich schon überlegt, was er Sophie kochen konnte in dem kleinen Verließ. Er überlegte lange, ob er die Frage stellen durfte. Schließlich rang er sich durch. »Wie lange muss sie denn in dem Keller bleiben?«

Franz-Ferdinand begriff sofort, dass er Michael bei Laune halten musste, wenn er nicht riskieren wollte, dass sie auffliegen würden. »Bis nach dem Fest. So hatte es mein Onkel wohl geplant.« Er seufzte etwas. »Ich kann ihn jetzt ja nicht mehr fragen.«

»Verständlich.« Michael grinste. Natürlich hätte er auch auf die sofortige Befreiung von Sophie bestehen können. Doch dann riskierte er, dass sie eventuell in ihr altes Verhaltensmuster zurückfallen würde. Doch so lange er sie in dem kleinen Kellerraum wusste, konnte er sie ganz sicher für sich allein haben.

* * *

Leonie stand vor dem Spiegel in ihrem Zimmer und blickte mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Faszination auf ihre Arme. Jetzt war ihr erst aufgefallen, dass es neben den Nähten auf ihren Fingern noch mehr dieser Nähte gab und alle hatten ungefähr den gleichen Abstand zueinander. Mit den Augen fuhr Leonie die Nähte entlang. Drei davon verliefen vom Handteller bis zur Mitte ihres Unterarms und ebenso gab es drei Doppel-Nähte von der Mitte ihres Unterarms zu ihrem Oberarm.

Obwohl sie sich dagegen zu wehren versuchte, malte sie sich doch aus, was es mit diesen Nähten auf sich haben könnte. Es war deutlich, dass auch hier diese Stangen hinein gesteckt werden könnten, und dann wäre ihr gesamter Arm unbeweglich. Sie seufzte, denn sie wusste, dass ihre Hausherrin weiterhin auf die Erledigung ihrer Arbeiten bestehen würde. Doch wie sollte das gehen, wenn sie ihre Hände nicht mehr benutzen konnte.

»Leonie, die Stunde ist um.« Selma stand im Treppenhaus und rief nach oben.

Leonie setzte sich seufzend in Bewegung. Natürlich war ihr klar, dass ein einziges Wort genügend würde und sie würde ihr alle Fesseln abnehmen. Doch der Preis dafür war zu hoch. Sie nahm sich vor, es durchzustehen. Sie hatte mittlerweile ein wenig Übung darin, auch mit fixierten Kniegelenken Treppe zu steigen. Denn für jede Stufe die Gelenke öffnen, war ihr zu anstrengend, weil sie dafür ihre Arme ein wenig strecken musste.



Selma wartete schon im Wohnzimmer und hatte auf dem Wohnzimmertisch die Stangen der Länge nach sortiert. »Nun, welche Finger sollen es sein?«

»Bitte die Ringfinger.« Leonie fiel das Sprechen schwer.

»Links und Rechts?« Selma blickte Leonie ins Gesicht. »Wir können aber auch erst eine Hand fertig machen.«

In Leonie arbeitete es heftig. »Dann bitte erst die linke Hand. Ring- und Mittelfinger bitte.« Sie versuchte, ruhig zu bleiben, doch innerlich tobte es in ihr. Langsam hob sie ihren linken Arm, dann sah sie zu, wie Selma die nächsten beiden Stangen an ihre Plätze schon und ihr so zwei weitere Finger wegnahm.

»Frau Mohr, darf ich eine Frage stellen?« Das Sprechen fiel ihr sehr schwer in dieser Situation.

»Gern, Leonie.« Selma genoss die Situation sehr. »Was möchtest du wissen?«

»Da sind ja noch mehr dieser Nähte auf dem Handschuh. Damit könnten sie mir beide Arme komplett fixieren, wenn ich das richtig sehe.« Sie schaffte es allerdings nicht, am Schluss des Satzes die Stimme zu heben.

»Das hast du richtig erkannt.« Selma lächelte. »Das ist mit diesen Handschuhen möglich.«

»Und werden sie das auch tun?« Leonie war sich nicht sicher, ob ihr so eine Frage überhaupt zustand, doch sie war von dem Gedanken, so streng fixiert zu werden, sehr fasziniert.

Doch zu ihrer Überraschung antwortete Selma mit einer Gegenfrage. »Möchtest du es denn?« Insgeheim ahnte sie schon, wie Leonie antworten würde.

»Ich würde schon gern wissen, wie es sich anfühlt, sich gar nicht mehr bewegen zu können.« Leonie seufzte. »Aber werde ich die Fesseln auch wieder loswerden?«

»Du weißt, dass du jederzeit um deine Freilassung bitten kannst, und ich werde ich sofort von allem Fesseln befreien.« Selma liebte es, auf diesem Register zu spielen.

Leonie seufzte, doch eine Antwort gab sie nicht. Immer wenn sie glaubte, dass es nicht mehr strenger gehen könnte, kam die nächste Überraschung in Form von noch strengeren Fesseln.

»Wenn du dich an die Handschuhe gewöhnt hast, dann könntest du mir beim Hausputz helfen.« Selma hatte sich schon überlegt, wie sie Leonie besonders subtil quälen konnte.

* * *

Erleichterung, Wehmut und Dankbarkeit, das waren die Gefühle, die Sophie jetzt empfand. Der Besuch von Michael war ganz anders verlaufen, als sie es für sich sich erwartet hatte. Sie mochte gar nicht mehr an die Sachen denken, die sie ihm zugetraut hatte, denn er war ganz anders gewesen.

Natürlich war er immer noch der Sohn eines Maurers, doch er studierte Medizin und hatte sich immer um sie gekümmert, als sie in der Klinik war.

Sophie schämte sie sehr dafür, wie sie ihn in der Vergangenheit behandelt hatte. Obwohl sie ihn nach allen Regeln der Kunst gedemütigt und ignoriert hatte, hielt er trotzdem zu ihr.

Was hatte er gesagt? Sie wäre nicht sie selbst gewesen, sondern durch den Tod der Mutter aus der Bahn geworfen worden. Sie wollte es nur zu gern glauben, dennoch hatte sie ein Leben gelebt, dessen sie sich jetzt schämte. Und die Liste mit ihren Entschuldigungsvorhaben war sehr lang.

Sie hatte sich auf das Bett gesetzt und blickte sich im Raum um. Es sah alles so verändert aus, seit er da gewesen war. Er hatte ausgefegt und Staub gewischt. Er hatte für sie gekocht und sie hatten gemeinsam gefrühstückt.

Und ... er hatte ihr einen Orgasmus beschert, fast ohne sie berühren. Und es hatte so gut getan, sich danach in seine Arme zu kuscheln.

Ob er ihr den Wunsch nach einer Bibel erfüllen würde? Sophie war schon lange klar, dass sie ein besseres Leben führen wollte, sobald sie die Gelegenheit dazu hatte. Und Lesen in der Bibel war ein guter Anfang, wie sie fand.

Ganz spontan falteten sich ihre Hände und ohne dass sie es geplant hatte, begann sie ein kleines improvisiertes Dankgebet zu sprechen. Sie wusste, dass er sie hören würde.

* * *

»Ah, sehr schön, dass ihr gekommen seid, Maria.« Robert Greinert sah etwas bedrückt aus, als er Paul und Maria im Rathaus begrüßte. »Nehmt bitte Platz.«

Maria blickte sich um. Fast alle der Gesichter erkannte sie, wenn sie auch bei einigen der anwesenden Herren die Namen nicht parat hatte. Auch Herr Wetzler war anwesend.

Eigentlich war Werktag und fast jeder hätte an seinem Arbeitsplatz sein müssen. Doch das Fest war für Landsbach so wichtig, dass diese außerordentliche Vorstandsitzung hohe Priorität hatte. Es standen neben dem Prestige auch diverse finanzielle Gründe dafür, dass Fest nicht abzusagen. Ein Stuhl war demonstrativ leer gelassen. Es war der, auf dem die letzten Male immer der Baron gesessen hatte.

Robert erhob sich und bat um Gehör. Er gab noch einmal einen kurzen Überblick über die bisherigen Ereignisse, betonte dabei die Verhaftung des Barons und machte auch darauf aufmerksam, dass dessen Tochter noch nicht wieder gefunden war. Er hatte es nicht ausgesprochen, doch es war im Saal zu spüren, dass bisher keiner die Baroness vermisst hatte.

»Ich habe mich daher entschlossen, kommissarisch den Vorsitz zu übernehmen und wollte hier fragen, ob alle mit meinen Vorschlag einverstanden sind.« Er nahm wieder Platz.

Es gab die eine oder andere Wortmeldung, doch sie drehten sich meist nur um irgendwelche unwichtigen Details. Nur ein Notar bat Herrn Greinert um einen Termin, nachdem die Versammlung beendet sein würde.

Herr Greinert hatte alle Wortmeldungen abgewartet, dann erhob er sich noch einmal. »Ich würde über mein Vorhaben gern abstimmen lassen.« Er blickte in die Runde. »Ist jemand gegen meinen Vorschlag?«

Ein etwas nervöser Blick in den Saal erfolgte, doch kein Arm erhob sich. Es gab nur eine Enthaltung.

»Gut, nachdem dies geklärt ist, möchte ich den Festvorstand zu einer Besprechung einladen.« Er blickte zu Renate und auf das Prinzenpaar. »Wir möchten den Ablauf noch einmal im Detail durchgehen und prüfen, ob wir etwas ändern müssen.«

Einige Herren erhoben sich und verließen den Raum.



»Und wir müssen uns überlegen, was wir der Presse erzählen.« Herr Greinert hatte es mehr zu sich selbst gesagt.

»Wie wäre es mit der Wahrheit?« Andrea war aufgestanden und trat nach vorn an den Tisch.

»Wer hat denn die Presse eingeladen?« Im ersten Moment war der neue Vorstand etwas konsterniert.

»Ich möchte auch, dass es ein schönes Fest wird.« Die Reporterin machte sich ein paar Notizen. »Warum sollten wir das Fest mit einer Lüge beginnen?«

Robert wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Was wollen sie also schreiben?«

»Heute habe ich berichtet, dass er verhaftet wurde, morgen werden sie lesen können, warum.« Andrea hatte sich auf die Ereignisse gut vorbereitet. »Und auch, was mit seiner Tochter passiert ist.«

»Sie werden nicht dazu aufrufen, dass Fest abzusagen oder zu boykottieren?« Aus Sicht des Vorstandes war es das Naheliegende.

»Warum sollte ich?« Andrea war verblüfft, wie genau sie die Reaktionen vorhergesehen hatte. »Ich möchte Maria den Triumph nicht verderben.«

»Darf ich sie zu unserer Sitzung einladen?« Robert Greinert spürte, dass die Flucht nach vorn wohl die beste Taktik war. »Dann können sie ihre Leser auch gleich über die anstehenden Änderungen informieren.«

»Sehr gern.« Andrea grinste innerlich. Das war mehr, als sie sich erhofft hatte. »Ich danke sehr für die Einladung.«

* * *

Immer nervöser blickte Leonie auf die Uhr, während sie im Wohnzimmer Staub wischte. Eigentlich hatte sie großen Spaß daran, in ihren Fesseln zu arbeiten, und sie mochte es, wenn bei jeder Bewegung, die sie machte, die Ketten und Lederriemen sie darauf aufmerksam machten, dass ihr Freiraum sehr begrenzt war.

Und jetzt trug sie auch noch diese so seltsam faszinierenden Handschuhe. Sie waren über die gesamte Länge bis zur Achselhöhle geschnürt und selbst, wenn sie ihre Arme und Hände noch hätte frei bewegen können, war doch die Schnürung auch noch mit einem Schloss abgeschlossen. Und wo der Schlüssel dazu war, wusste Leonie nicht.

Natürlich wusste sie, dass ein Wort von ihr sie sofort befreien würde, doch sie war von ihrer Hilflosigkeit viel zu fasziniert, um sie aufzugeben. Außerdem hielt Frau Mohr immer wieder eine Überraschung für sie bereit. Immer wenn Leonie glaubte, es könne nicht mehr strenger werden, wurde sie von ihr vom Gegenteil überzeugt.

»Nun Leonie, hast du dich schon entschieden, welche Finger ich dir jetzt nehmen darf?« Selma genoss den Umgang mit der immer hilfloser werdenden Leonie sehr. »Denke daran, dass heute der Hausputz ansteht.« Sie hatte gerade erst geputzt, doch das wollte sie ihrem Schützling nicht anvertrauen. Es sah einfach so süß aus, wenn sie sich so sehr mit den Fesseln abmühte und bei fast jeder Bewegung leise stöhnte.

»Ist die Stunde schon um?« Leonie tat, als würde sie erschrocken auf die Uhr sehen. Tatsächlich hatte sie die Zeit die ganze Zeit im Blick gehabt und teilweise sogar die Minuten mitgezählt.

Das Schlagen der alten Pendeluhr beantwortete die Frage.

Seufzend hielt Leonie Frau Mohr ihre linke Hand entgegen. »Bitte Zeigefinger und Daumen.« Bisher hatten die fixierten Finger nicht wirklich gestört, weil sie mit den verbliebenen Finger die abzustaubenden Gegenstände meistens noch gut bewegen konnte.

Selma griff sich die nötigen Stangen und schon sie langsam in die kleinen Hüllen auf Leonies Hand.

Leonie betrachtete es mit einem Gemisch aus Furcht und Faszination. Doch erst als Frau Mohr ihre Hand wieder los ließ, wagte Leonie es, ihre Finger zu bewegen. Und wie schon bei den bisherigen Fingern war ein Beugen der Finger nicht mehr möglich. Selbst der Daumen wurde durch den Handschuh etwas abgespreizt festgehalten. Ihre linke Hand war jetzt vollkommen nutzlos.

Ein seltsames Gefühl durchfuhr ihren Körper. Nur mühsam fand sie die Worte, um sie bei Selma zu bedanken. »Vielen Dank für die strengen Fesseln.« Leonie wusste schon gar nicht mehr, was sie sagen sollte. Sie hatte sich bestimmt schon das eine oder andere Mal wiederholt. Und doch war es die schönste Zeit ihres bisherigen Lebens, weil sie in einer sehr vertrauenswürdigen Umgebung immer strenger gefesselt wurde und dabei trotzdem noch zu arbeiten hatte.

Leonie war dabei aber viel zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, sonst hätte sie sicher gemerkt, dass Selma sie oft beobachtete und sich an ihren Mühen sehr ergötzte. Genauso liebte Frau Mohr es, die nächsten Fesseln schon mal bereitzulegen und dann zu sehen, wie sehr ihr Schützling sich davon beeinflussen ließ.



Bisher hatte Leonie mit einem Staubtuch gearbeitet, doch dann sah sie, was Selma schon bereitgelegt hatte. Es war ein Staubwedel an einer kurzen Stange. Und am anderen Ende sah Leonie zwei Lederriemen. Einer davon hatte am Ende eine Schnalle. Sie stöhnte sofort, denn sie hatte erkannt, was dieser Gegenstand bedeutete. Sie hatte es oft genug auf Fotos gesehen. Sie würde das Ende der Stange in den Mund nehmen und die Riemen würden die Stange wie ein Knebel an ihrem Kopf festhalten.

Es würde sehr demütigend werden. Doch dann hielt sie in ihren Gedanken inne. Es war ja nur konsequent. Wenn sie zu Putzen hatte und dabei ihre Hände nicht mehr benutzen konnte, dann musste der Staubwedel anders festgehalten werden. Und ihr Mund war dazu sehr gut geeignet.

»Was ist los, Leonie?« fragte Selma fast etwas scheinheilig. »Ich an deiner Stelle würde mich jetzt beeilen, bevor es so richtig mühsam und anstrengend wird.« Sie liebte es, die Mädchen auf so eine ganz gemeine Weise weich zu kochen.

Leonie seufzte noch einmal. Sie verzichtete auf Widerspruch, obwohl sie gern gesagt hätte, wie gemein sie das alles fand. Doch sie hielt ihren Mund, denn zum einen bestand immer die Gefahr, weggeschickt zu werden, und zum anderen fühlte sich Leonie immer mehr in einem Paradies, welches sie zuvor nie gekannt hatte. Es hatte auch nichts mit Erregung zu tun, es war einfach nur schön.

* * *

Sophie war überrascht. Ihr Cousin hatte ihr ein tatsächlich ein neues Radio mitgebracht, inklusive Verpackung und Anleitung. So hatte sie keine Problem, es auszupacken und auch gleich in Betrieb zu nehmen. Irgendwie war sie gespannt, wieder etwas Kontakt zur Außenwelt zu bekommen. Sie wollte erfahren, was sich mittlerweile alles in der Welt zugetragen hatte.

Doch in dem Zimmer hatte sie nur Empfang von einem kleinen Privatsender. Sie erinnerte sich daran, dass ihr Vater den Schlossturm für eine Sendeanlage zur Verfügung gestellt hatte. Es kam vor allem Werbung und für die volle Stunde waren Nachrichten angekündigt. Sophie war von der Werbung genervt, doch sie wollte die Nachrichten nicht verpassen, so zwang sie sich dazu, die Spots zu ertragen.

Es war gleich die erste Meldung, die sie elektrisierte. Ihr Vater war verhaftet worden, weil er seine Tochter entführt haben soll. Sophie seufzte. Von ihr gäbe es keine Spur, obwohl das Schloss durchsucht worden war.



Sophie war die Lust auf weitere Neuigkeiten vergangen. Sie schaltete das Radio wieder aus und legte sich auf das Bett, um zu Grübeln.

Sie fragte sich, ob sie wirklich befreit werden wollte. Vor ihr auf dem Tisch lag die lange Namensliste der Personen, die sie verletzt zu haben glaubte. Und obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, sich bei jedem einzelnen ernst- und glaubhaft zu entschuldigen, war sie doch froh, wenn sie dies noch etwas hinauszögern konnte.

Außerdem, dass wurde ihr nach einiger Zeit immer deutlicher klar, hatte sie Angst vor der Welt da draußen. Es würde nicht mehr die Welt sein, in der sie bisher gelebt hatte, und sie wollte diese alte Welt auch nicht mehr zurück bekommen. Sie wusste, dass sie sich ihr Leben neu aufzubauen hatte.

Hier war sie im Moment glücklich. Sie hatte ein Bett, zu Essen und jetzt sogar noch ein Radio für die Unterhaltung. Eigentlich hatte sie alles, was sie brauchte. Sie machte jetzt auch fleißig die Gymnastikübungen, die Michael ihr empfohlen hatte. Und sie freute sich sehr auf die Rückkehr von ihm. Er würde ihr eine Bibel besorgen und vorbei bringen. Vielleicht würde er wieder über Nacht bleiben.

* * *

Immer wieder hatte Leonie auf den Staubwedel geschaut, den Selma so demonstrativ auf die Kommode gelegt hatte. Sie war sich über ihre Gefühle völlig im Unklaren. Sie hatte einerseits Angst vor dieser offensichtlichen Demütigung, andererseits hatte sie schon oft davon geträumt, so ein Ding im Mund führen zu müssen.

»Ich nehme an, jetzt machen wir mit Ring- und Mittelfinger der rechten Hand weiter.« Selma hatte die entsprechenden Stangen schon in der Hand.

Leonie wusste, dass sie es nicht weiter hinauszögern konnte. Sie seufzte und streckte ihre Hand aus. Bisher war das Arbeiten mit dem Staubtuch gerade noch möglich, auch wenn sie es immer mal wieder ablegen musste, um Gegenstände beiseite zu stellen. Doch wenn das mit ihren Fingern so weiterging, wäre auch diese Freiheit bald weg.

»Als nächstes könntest du den Tisch decken.« Selma war noch dabei, die Stangen in die Hüllen der Handschuhe einzufädeln.

Leonie blickte ein wenig verzweifelt auf die Stangen, die noch übrig waren und schielte ein wenig auf die Nähte auf ihren Handschuhen. Wenn alle Finger fixiert waren, würden die mittellangen Stangen zum Einsatz kommen und ihr die Handgelenke fixieren. Und die ganz langen Stangen würde ihre Ellenbogen versteifen. Sie seufzte ganz leise. Es war ja nicht so, dass sie nicht schon öfters die Arme in irgendeiner Weise gefesselt hatte, doch so subtil wie jetzt war es noch nie gewesen. Sie trug nur ein paar Handschuhe und doch war sie hilfloser, als in jeder anderen Fesselung.

Doch dann erkannte sie, was den Aufenthalt bei Frau Mohr so außergewöhnlich machte. Sie trug die Fesseln in ihrem Alltag und Selma zwang sie mehr oder weniger dazu, trotz ihren Restriktionen zu arbeiten. Und das machte sie sehr an.

»So, das war es schon.« Selma ließ Leonies Hand wieder los.

»Danke, Frau Mohr, dass ich für sie so arbeiten darf.« Leonie wusste nicht, wer ihr den Satz auf die Zunge gelegt hatte, doch im Moment waren es die Gedanken, die sie gerade beschäftigten. Sie blickte auf die verbliebenen Stangen, aber sie sagte nichts dazu.

Selma war diesem Blick gefolgt. Natürlich ahnte sie, was Leonie bewegte. »Die kurzen Stangen sind für die Handgelenke und die langen für die Ellenbogen.« Sie blickte Leonie ins Gesicht. »Ich sehe, dass du dich schon darauf freust.«

Leonie verzichtete auf eine Antwort. Leicht grimmig griff sie sich das Staubtuch und machte dort weiter, wo sie aufgehört hatte.

* * *

Michael gingen immer wieder die traurigen Augen von Sophie durch den Kopf, während er sich in dem kleinen Büchergeschäft umsah. Er hatte bewusst die ´evangelische Buchhandlung´ aufgesucht, weil er hoffte, dass sie hier ein gewisse Auswahl an Bibeln haben würden.

»Kann ich ihnen helfen?« Eine junge etwas pummelige Frau kam auf ihn zu.

Michael trug seinen Wunsch vor.

»Haben sie bestimmte Vorstellungen?« Die Verkäuferin führte ihn zu einem Regel.

»Eine schöne Bibel. Es soll ein Geschenk sein.« Natürlich wusste er, dass er versprochen hatte, die Quittung aufzuheben, doch er hatte sich auch vorgenommen, ihr die Bibel zu schenken.

»Was machst du denn hier?« Franz-Ferdinand war überrascht, Michael in der evangelischen Buchhandlung anzutreffen.

»Sie wünscht sich eine Bibel.« Michaels Stimme zeigte seine Verlegenheit.

»Lässt sie sich schon wieder von vorn bis hinten bedienen?« Er war verärgert.

»Wie soll sie es denn anders machen?« Michael merkte, dass er Sophie verteidigen musste.

»Und du springst sofort, wenn sie pfeift?« Franz-Ferdinand hatte die Zusammenhänge noch nicht erkannt.

»Sie tut mir leid.« Es war Michael nicht recht, dass er sich an dieser Stelle rechtfertigen musste. Er wandte sich wieder der Verkäuferin zu und wählte das Exemplar aus, welches etwas edler aussah, ohne das es übertrieben wirkte. »Die hier nehme ich.«

»Soll ich sie als Geschenk einpacken?« Die Verkäuferin versuchte zu verbergen, dass sie das Gespräch mitangehört hatte.

»Oh ja, bitte.« Michael gefiel die Idee.

Franz-Ferdinand schüttelte den Kopf. »Sie hat dich ganz schön um den Finger gewickelt.«

Michael wollte erst widersprechen, doch dann begriff er, dass er die Vorurteile von Sophies Cousin nicht so einfach ausräumen konnte. Außerdem war er sich sicher, dass Sophie sich ehrlich geändert hatte und ihre neue Linie weiter durchziehen wollte. »Bis Morgen Abend.« Er hatte keine Lust, weiter mit Franz-Ferdinand zu diskutieren.

* * *

»Ist die Stunde wirklich schon um?« Leonie sah verblüfft zur Uhr. Sie war gerade erst mit dem Tischabräumen fertig geworden. Es war aber auch sehr mühsam, jeden Teller einzeln tragen zu müssen und dabei auch nur noch Trippelschritte machen zu können.

»Du kommst mit den Handschuhen ja gut zurecht, wie ich sehe.« Selma hielt die letzten der kurzen Stangen in der Hand.

»Bitte hören sie auf, mich zu quälen.« Leonie blickte erschreckt auf, als sie realisierte, was sie gerade gesagt hatte. Denn erst nachdem sie es ausgesprochen hatte, fiel ihr auf, dass es auch als eine Bitte um Befreiung interpretiert werden konnte. Doch zu ihrer Erleichterung ging Selma nicht darauf ein.

»Aber ich quäle dich doch nicht.« Sie begann, die Stangen in die Hüllen zu schieben. »Ich erwarte lediglich, dass du mir etwas bei der Hausarbeit hilfst.«

»Aber ich kann doch nichts mehr anfassen.« Obwohl sie die Antwort kannte, versuchte sie so etwas wie leichten Widerstand. »Wie soll ich denn so abstauben?«

»Fragst du das wirklich ernsthaft.« Selma blickte auf die Kommode.

»Ich will das Ding nicht in meinem Mund haben.« Obwohl Leonie wusste, dass sie einen aussichtslosen Kampf kämpfte, versuchte sie sich zu sträuben.

»Aber wie willst du es denn sonst festhalten?« Selma genoss den Moment sehr. Es war schöner als sie es sich erträumt hatte. »Mach mir einen Vorschlag, wie du sonst arbeiten möchtest.«

Es war ein Kampf, den Leonie mit sich selbst ausfochte. Schließlich begriff sie, dass sie nachgeben musste. »Ich möchte den Staubwedel benutzen.«

»Eine gute Entscheidung.« Selma lächelte. »Eine sehr gute Wahl.«

Leonie seufzte tief, dann schloss sie die Augen und öffnete sie ihren Mund.



»Jetzt kannst du den Mund langsam zumachen.« Selma hatte die Riemen hinter Leonies Kopf verschlossen.

Als Leonie langsam der Aufforderung nachkam, war sie überrascht. Ihre Zähne füllten so etwas wie Gummi.

Auf diesen Moment hatte Selma gewartet. »Das ist eine Spezialanfertigung. Durch das Gummi kannst du den Staubwedel einfach festhalten und sicher führen.« Sie streichelte Leonie über den Kopf. »Ich möchte doch nicht, dass du mir etwas kaputt machst.«

Leonie blickte Selma an und hatte dabei Tränen in den Augen.

»Du darfst dich auch gern bei mir bedanken.« Selma setzte sich in den Sessel, der hinter Leonie stand.

Leonie versuchte einen Knicks, doch ihre Beinschienen erlaubte ihr die nötige Bewegung nicht.

»Du kannst mit dem Regal weiter machen.« Selma nahm sie die Zeitung zur Hand und tat, als würde sie lesen. In Wirklichkeit freute sie sich sehr auf den Moment, wenn Leonie erkennen würde, dass sie mit ihren Finger nun nicht mehr in der Lage sein würde, die Beinschienen zu öffnen. Denn dazu müsste sie ihre Zeigefinger anwinkeln und das war nun nicht mehr möglich.

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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zwanzig Datum:20.03.17 05:42 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zwanzig
Autor: Karl Kollar

(noch Dienstag, 21. September 1984)

Die Schneiderin Roswita Bartels schaute auf die Uhr, als es klingelte. Es hatten sich einige Leute angesagt, die bei Marias Kostümprobe dabei sein wollten. Sie war gespannt, wer als erstes eintreffen würde.

Roswita wusste ungefähr, was Maria Beller vorhatte und wie sie auf dem Fest auftreten wollte, doch so richtig glauben konnte sie es noch nicht. Gut, das Kleid war so gut wie fertig, obwohl sie mit dieser außergewöhnlichen Armhaltung überhaupt keine Erfahrung hatte. Sie warf noch einmal einen Blick auf die Schneiderpuppe, auf der ihre Arbeit für die Anprobe bereit stand.

Es sah schon sehr seltsam aus, eine schmale Taille und keine Öffnungen für die Arme. Wenn man nur von vorn schaute, sah es wirklich aus, als hätte die Trägerin keine Arme. Erst wenn sie von hinten betrachtet, war zu sehen, wo die Arme versteckt waren. Aber das so ein junges Mädchen zu so einer Haltung in der Lage war, das erstaunte sie doch sehr.

Sie ging zur Haustür und öffnete sie. Eine junge Frau stellte sich vor. »Guten Tag, ich bin Sonja Schrumm, mein Vater hatte einen Termin für mich ausgemacht.«

Roswita erwiderte den Gruß und bat ihren Gast herein. »Ich erinnere mich. Sie sollen sich das Kleid und die Armhaltung darunter genau ansehen. So hatte er es gesagt.«

»Ja«, Sonja bestätigte es. »Das hat er mir auch gesagt.«

»Wissen sie warum?« Die Schneiderin fand das Kleid zwar auch faszinierend, ihr kam es aber komisch vor, dass sich ein Notar dafür interessierte.

»Das habe ich ihn auch gefragt, doch er hat mir keine Antwort gegeben.« Dass sie heimlich die Unterlagen zum Fall ´Katerinenfest´ gelesen hatte, behielt sie lieber für sich.

»Maria müsste gleich kommen, nehmen sie doch bitte solange Platz« Roswita zeigte auf die bereitgestellten Stühle. »Darf ich ihnen in der Zwischenzeit etwas anbieten? Vielleicht einen Kaffee?«

»Ja gern«, Sonja folgte der Bitte und setzte sich auf einen der Stühle. Sie trug noch ihre Bürokleidung, den etwas zu kurzen knielanger Rock und eine weiße Bluse. Ihre langen blonden Haare trug sie offen.

Frau Bartels steckte kurz den Kopf aus der Tür. »Judith?« Dann wandte sie sich wieder ihrer Besucherin zu. »Arbeiten sie für ihren Vater?«

»Im Moment mache ich eine Urlaubsvertretung.« Sonja lächelte etwas verlegen. »Ich bin Jura-Studentin und stehe kurz vor dem zweiten Staatsexamen.«

»Dann werden sie sicher einmal die Kanzlei ihres Vaters übernehmen?« Roswita blieb an der Tür stehen.

»Er hat es mir schon angeboten.« Sonja lächelte. »Aber ich weiß es noch nicht. Und jetzt muss ich mich auch noch nicht entscheiden.«



»Du hast gerufen, Mama?« Judith, die Tochter der Schneiderin kam in den Raum. Sonja schätzte sie 13 oder 14.

»Machst du bitte Kaffee für meine Gäste?« Es wurde deutlich, dass die Schneiderin nicht oft solchen Besuch hatte.

Judith bestätigte es etwas missmutig.

»Bitte mache gleich die große Kanne, Maria wird auch gleich kommen.« Roswita sah ihre Tochter ermutigend an. »Ich habe das Geschirr schon bereitgestellt.«

»Wegen dieses blöden Festes wird so ein Aufwand getrieben.« Judith verzog das Gesicht. »Extra deswegen ein neues Kleid.«

»Sie kann halt etwas, was du nicht kannst.« Roswita Bartels wurde etwas ungeduldig. »Jetzt mach, um was ich dich gebeten hatte.«

»In den Ferien arbeiten.« Judith schmollte etwas, doch dann verließ sie das Schneiderzimmer.

* * *

Paul und Maria waren auf dem Weg zur Schneiderin, wo sie das Kleid probieren sollten. »Ich bin schon sehr auf ihre Arbeit gespannt.« Marias Stimme zeigte ihre große Nervosität.

»Du hast es noch gar nicht gesehen?« Paul war erstaunt.

»Nein«, bestätigte Maria. »Sie hat nur einmal bei mir maßgenommen.«

»Ein maßgeschneidertes Kleid für meine Prinzessin.« Paul grinste. Ein wenig Stolz schimmerte in seinen Worten durch.

»Naja, von der Stange wird es das ja wohl kaum geben.« Maria lächelte. »Wie wird es wohl aussehen?«

»Naja, bestimmt so ähnlich wie das bei Grünbergs.« Paul erinnerte sich gern an den damaligen Moment, als seine Freundin das kostbare Kleid anprobieren durfte.

»Das hatte den Reißverschluss aber auf dem Rücken.« Maria hatte ein Schmunzeln in der Stimme. »Da hätte ich vielleicht mit den Fingern dran kommen können.«

Paul war über seine Freundin erstaunt, eine Antwort gab er nicht.

»Ich hatte mir gewünscht, dass das Kleid hochgeschlossen ist und keinen Ausschnitt hat.« Maria gab wieder, was sie damals mit der Schneiderin und Frau Bayer ausgemacht hatte.

»Dann könnte sie den Reißverschluss ja vorn anbringen.« Paul legte den Arm um seine Freundin. »Dann wäre er vor deinen Fingern geschützt.«

Maria stupste Paul in die Seite. »Du Schuft.« Doch dann blieb sie kurz stehen und blickte ihn verlangend an.

Paul nahm sie in die Arme und gab ihr einen Kuss. »Lass uns weiter gehen, sie wartet bestimmt schon auf uns.«

»Gefällt dir so etwas?« Marias Stimme klang etwas verträumt. »Das mit dem Reißverschluss meine ich.«

Jetzt war es an Paul, stehen zu bleiben. »Du bist mir auch nicht böse?«

Maria verneinte. Irgendwie spürte sie die Wichtigkeit dieses Moments.

»Ich finde es sehr faszinierend, wenn du so in dem Kleid eingesperrt bist.« Seine Stimme zitterte leicht. Es fiel ihm nicht leicht, seine innersten Gedanken auszusprechen. »Aber natürlich würde ich dich sofort wieder herauslassen.«

»Schade.« Maria sagte nur diese eine Wort und das auch nur sehr leise.

»Was sagtest du?« Paul war sicher, sich verhört zu haben.

»Ich träume schon lange davon, dass ich gefangen bin.« Marias Stimme hatte etwas sehr schwärmerisches. »Und der Prinz, der kommt, umsorgt mich, aber er lässt mich weiter die Fesseln tragen. Er würde mich nur befreien, wenn mir echte Gefahr droht.«

»Wie meinst du das?« Nur in seinem Unterbewusstsein begriff er, welche Wünsche mit Maria in Erfüllung gehen könnten. Wünsche von denen er nicht einmal selbst wusste, dass er sie hatte.

»Ich möchte mich auch gegen die Fesseln wehren dürfen und dagegen kämpfen, ohne dass es etwas nutzt.« Maria blickte zu Boden.

»Wie wäre es, wenn ich dich nach den Anprobe nicht aus dem Gebet heraus lassen?« Paul wusste nicht, woher die Worte kamen.

»Du darfst es mir aber nicht vorher ankündigen.« Maria war amüsiert.

»Natürlich, du hast ja recht.« Paul grinste. »Und außerdem: Was hatten wir auf der Hütte gelernt? ´Topping from the Bottom´ ist böse.«

Maria lachte. »Es erfordert sehr viel Vertrauen.«

»Natürlich.« Paul hatte auf einmal einen Kloß im Hals. »Jetzt lass uns weiter gehen.«

Maria seufzte.

* * *

Judith hatte sich mit dem Kaffeekochen extra etwas Zeit gelassen. Sie wollte ihn servieren, wenn diese Maria da war. Es gab diverse Gerüchte in der Stadt, dass Maria für das Fest etwas Außergewöhnliches vorführen wollte, und die Schülerin hatte erkannt, dass sie zumindest in diesem Moment dicht an der Quelle saß. Wenn sie es nur geschickt genug anstellte, dann würde sie das Geheimnis jetzt schon sehen können.

Es klingelte.

»Ich gehe hin.« Judith sah eine gute Gelegenheit, Maria schon einmal zu Gesicht zu bekommen.

Frau Bartels war zwar erleichtert, dass Judith ihr ab und zu Haushaltsarbeiten abnahm, weil sie sich dann besser ihrer Arbeit widmen konnte, doch jetzt hatte ihre Tochter ganz offenbar andere Motive. Sie ging ebenfalls zur Haustür und schickte ihre Tochter zurück in die Küche. »Was macht der Kaffee?«

»Och menno!« Judith schmollte ein wenig, doch dann ging sie zurück zur Küche.

Frau Bartels öffnete die Haustür und bat das Paar herein. Sie hatte gehofft, Maria würde vielleicht schon dieses ominöse Gebet tragen, doch die beiden sahen aus wie ein ganz normales Paar.

»Ich bin schon sehr gespannt.« Maria wollte etwas Nettes sagen, auch um ihre Nerven etwas zu beruhigen.

»Ich auch.« Die Schneiderin sagte, dass sie etwas Ungewöhnliches wirklich zum ersten Mal machen musste. »Ich bin sehr gespannt, ob es passen wird. Kommt bitte herein.«

Auf dem Weg ins Schneiderzimmer begegneten sie Judith, die das Kaffeetablett vor sich trug.

Judith stellte das Tablett auf den Tisch und wollte sich schon wieder etwas missmutig zurück ziehen, als sie von ihrer Mutter aufgehalten wurde. »Bleib hier, Judith, du musst mir bei der Anprobe helfen.« Sie sagte es in einem Ton, der vermuten ließ, dass Judith dies wohl nur sehr ungern tat. Doch dann zwinkerte sie ihrer Tochter dabei kurz und heimlich zu.

»Ja Mama«, antwortete Judith etwas betrübt, doch dann realisierte sie erst, was ihre Mutter gerade gesagt hatte. Es war sonst nämlich nicht üblich, dass Judith bei den Schneiderarbeiten helfen musste. Sie blickte ihre Mutter erstaunt an. »Danke Mama.« Langsam erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht.

* * *

»Das ist Sonja Schrumm.« Die Schneiderin stellte die Tochter des Notars vor. »Ihr Vater hat darum gebeten, dass sie bei der Anprobe dabei sein darf. Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen.«

»Nein, natürlich nicht.« Maria seufzte ein wenig. »Es werden noch mehr Leute kommen.« Sie hatte Andrea versprochen, dass sie bei der Anprobe dabei sein durfte. Sie hatten der Reporterin viel zu verdanken.

»Wollen wir gleich anfangen?« Frau Bartels zeigte auf die bereitgestellten Stühle. »Habt ihr das Korsett dabei? Wie war doch gleich der Name? Irgendetwas mit Aphrodite?«

»Es nennt sich ´Venus-Korsett´.« Paul versuchte, seiner Stimme einen nüchternen Klang zu geben. Er wollte verheimlichen, dass er sehr aufgeregt war.

»Dann war meine Eselsbrücke mit den Griechen doch nicht passend.« Roswita lachte.

Maria war Pauls Nervosität natürlich nicht entgangen. Dafür kannten sie sich schon zu gut. »Was ist denn los?« fragte sie ihn leise, als er mit den Riemen näherkam.

»Ach nichts.« Paul schwieg. Er wollte nicht zugeben, dass Marias Wunsch nach echter Fesselung ihn etwas aus der Bahn geworfen hatte. Bisher hatte er es immer mit dem Programm für ihre Mutter in Verbindung gebracht. Doch jetzt begriff er, dass es auch Marias eigener Wunsch war. Und noch viel wichtiger, Maria setzte großes Vertrauen in ihn. Er versuchte, sich ein wenig zu beruhigen.

Sonja war näher getreten. »Das ist also das berühmte Venuskorsett?« Sie bat Paul, es ihr einmal zu zeigen.

Paul blickte etwas irritiert zu Frau Bartels. Er war über die Störung etwas verwundert.

»Das geht schon in Ordnung.« Die Schneiderin nickte ihm freundlich zu. »Frau Schrumm soll sich im Auftrag ihres Vaters das Kleid und das Anlegen ganz genau ansehen.«

»Hier ist das Korsett.« Paul reichte es Sonja. »Ich muss ihr ohnehin erst das Gebet anlegen.«

Sonja nahm das Korsett entgegen und betrachtete es ausführlich.

»Judith, schau dir genau an, was Paul macht. Vielleicht musst du mir später mal dabei helfen.« Sie sagte es im gleichen Ton wie vorhin schon.

Judith hatte Mühe, ihre Freude nicht zu zeigen. Das »Ja, Mama« kam deswegen etwas gequält, doch es bewirkte das Richtige.

Paul fühlte sich durch die Schneiderstochter ermutigt, zu erklären was er gerade im Begriff war zu tun. »Zuerst muss Maria die Arme auf den Rücken legen, dann kann ich mit den Handgelenken beginnen.«

Maria kam der indirekten Aufforderung nach. Ihr war im Gegensatz zu ihrem Freund das Spiel zwischen Mutter und Tochter nicht entgangen, doch sie hatte kein Problem, ihr Können zur Schau zu stellen. Sie ahnte, dass es in Zukunft diese Situation noch öfters geben würde.

* * *

»Jetzt komm endlich.« Andrea war aufgebracht. Wie fast jedes Mal trödelte ihr Freund und deswegen musste sie schon oft auf Bilder zu ihren Reportagen verzichten. Diesmal hatte sie ihn gerade aus dem Haus und ins Auto prügeln müssen.

Etwas missmutig stieg Hans aus und nahm sich die kleine Kamera aus dem Handschuhfach.

»Wo ist deine Ausrüstung.« Andrea war empört.

»Eine Kleideranprobe.« Hans Stimme zeigte, was er von Andreas Vorhaben hielt.

»Ich hatte dir doch gesagt, dass es etwas Großartiges zu Knipsen gibt.« Andrea wurde wütend. »Warum glaubst du mir nicht?«

»Ich habe sie doch dabei.« Hans hielt die kleine Pocketkamera hoch.

Direkt vor dem Haus der Schneiderei gab es keinen Parkplatz, so dass sie ein paar Schritte gehen mussten. Andrea stand schon an der Haustür, während Hans ihr langsam hinterher kam. Es war deutlich zusehen, wie wenig Lust er hatte, seine Freundin zu begleiten. Als er endlich neben ihr stand, drückte Andrea auf den Klingelknopf.



Judith ging zur Tür und öffnete. »Kommen sie herein. Sie sind in der Schneiderei.« Sie bemerkte, dass Andrea etwas zögerte. »Die erste Tür links. Folgen sie mir einfach.«

Das Paar kam der Aufforderung nach und zusammen betraten sie die Schneiderwerkstatt.

Andrea blickte sich sofort mit berufsmäßigen Instinkt um, während Hans noch etwas missmutig auf den Boden schaute. Er hatte zunächst nur gesehen, dass Maria in Unterwäsche da stand und deswegen hatte er höflich weggesehen. Doch es arbeitete in ihm, denn etwas war seltsam. Er riskierte einen zweiten vorsichtigen Blick und erkannte, was Maria gerade machte oder besser, er bemerkte die außergewöhnliche Armhaltung, die der junge Mann ihr anscheinend gerade anlegte.

Auf einmal ergriff ihn Hektik. »Andrea, ich muss noch mal kurz weg.« Er streckte die Hand aus. »Bitte gib mir den Wagenschlüssel.«

Andrea griff in ihre Handtasche und reichte ihm die Schlüssel. Sie sagte nichts, doch ihr Blick zu ihm brachte deutlich zum Ausdruck, was sie gerade dachte. ´Ich hatte es dir doch gesagt, du Trottel.´

Kaum hatte er sich den Schlüssel gegriffen, als er schon aus dem Raum stürmte.

Andrea blickte sich etwas verlegen um. »Er holt die große Ausrüstung.« Sie seufzte laut und sprach dann mehr zu sich selbst. »Ich hatte ihm gleich gesagt, dass es hier eine Sensation zu knipsen gibt, doch er wollte es mir nicht glauben.«

Frau Bartels räusperte sich. »Judith, wenn Herr Mohr mit dem Gebet fertig ist, kannst du noch etwas Kaffee kochen gehen.«

»Ja, Mama.« Die Stimme der Schneiderstochter zeigte, wie sehr angespannt sie war.

Nur ganz nebenbei erkannte Maria, dass Andrea bisher wirklich dicht gehalten und das kleine Geheimnis noch nicht verraten hatte. Sie fühlte sich genötigt, kurz ´Danke´ zu sagen.

Andrea verstand natürlich sofort, was Maria bewegte. »Ich möchte es ganz spannend machen.«

* * *

Selma hatte genüsslich zugesehen, wie sehr sich Leonie mit dem Staubwedel an ihrem Mund abgemüht hatte. Jetzt war es Zeit, einzugreifen und ihren eigentlichen Plan weiter zu verfolgen. »Leonie, ich denke, jetzt hast du genug gearbeitet.« Sie trat auf ihren Schützling zu und nahm ihr den Staubwedel ab.

Leonie bedankte sich wieder. »Danke, dass ich einmal so arbeiten durfte.«

»Oh, nicht der Rede wert.« Selma sog die Gefühle des Mädchens geradezu auf. »Das können wir gern noch öfters machen. Ich habe noch mehr Zimmer, die geputzt werden müssen.«

Leonie sah Frau Mohr ein wenig erschrocken an. Sie hatte eigentlich mit einer anderen Antwort gerechnet.

Selma legte den Staubwedel wieder auf die Kommode und trat an Leonie heran.

Wieder liefen ein paar Tränen über Leonies Wangen, denn sie sah, dass Frau Mohr jetzt vier der etwas längeren Stangen in der Hand hatte.

»Für jede Hand zwei.« Selma versuchte sachlich zu bleiben, doch innerlich war sie auch wild aufgewühlt.

»Jetzt werden sie mir die Handgelenke nehmen?« Irgendetwas in Leonie zwang sie dazu, dies zu fragen.

»So ist es, mein Liebes.« Selma hatte große Mühe, ein neutrales Gesicht zu zeigen. »Darf ich dann bitten?«

Seufzend strecke Leonie ihren Arm nach vorn und schloss die Augen. Trotzdem fühlte sie, wie sich nacheinander die zwei Stangen ihren Weg in den Hand bahnten und ihre Hand völlig unbeweglich machte. Sie begann zu keuchen, denn obwohl ihr die Nähe von Frau Mohr bewusst war, fühlte sie doch eine immer stärker werdende Erregung.

»Ist es denn so schlimm?« Selma hatte das Keuchen natürlich bemerkt, und sie glaubte, auch die wahre Ursache zu kennen. Trotzdem wollte sie ihre Vermutung von Leonie bestätigen lassen.

Leonie war sich nicht sicher ob es richtig war, das Thema anzusprechen, doch sie wusste sich sonst keinen Rat. »Ach Frau Mohr, ich kann mich sonst erleichtern, in dem ich mich berühre. Doch das geht jetzt nicht.« Sie seufzte ein wenig erleichtert, weil sie ihre Sorgen ausgesprochen hatte und Frau Mohr dabei ruhig geblieben war. »Die ganzen Fesseln törnen mich so sehr an.« Sie blickte bei dem Satz zu Boden, denn sie schämte sich und versuchte, ihre Röte ein wenig zu verstecken.

»Ich verstehe dich sehr gut, Leonie.« Selma war fasziniert von dem Mädchen. Sie schien wirklich gerade zu platzen. Pauls Oma war erstaunt, dass sie den Mut aufgebracht hatte, ihre intimsten Gedanken mit ihr zu teilen. »Ich werde darüber nachdenken und ich glaube, ich kenne ein Mittel, mit dem ich dir deine Situation etwas erleichtern kann.«

Leonie blickte langsam auf. Ein wenig Hoffnung keimte in ihr auf. Doch sie traute sich nicht zu fragen, wann oder was dies sein würde.

»Morgen früh wirst du sehen, was ich für dich gefunden habe.« Selma ahnte, dass Leonie genau das hätte fragen wollten.

»Danke, Frau Mohr.« Leonie senkte wieder ihren Kopf und blickte sich um.

»Lass uns ein wenig fernsehen.« Selma schaltete den Apparat an. »Magst du dich nicht setzen?« Sie verfolgte damit aber eigentlich einen ganz anderen Plan.

Leonie hatte es sich angewöhnt, ihre Kniegelenke nur noch dann zu öffnen, wenn es gar nicht anders ging, denn es kostete sie viel Kraft in den Oberarmen. »Danke, ich bleibe lieber stehen.«

»Ich finde es ungemütlich, wenn du die ganze Zeit stehst.« Sie gab ihrer Stimme einen etwas eindringlicheren Klang. »Setze dich bitte.«

Leonie seufzte, dann streckte sie ihren Arm und versuchte, an ihr Kniegelenk zu fassen. Auf einmal entfuhr ihr ein Fluch.

»Leonie, was ist los?« Selma hatte Mühe, ihr Grinsen zu verbergen.

»Ich kann die Gelenke nicht mehr bedienen.« Auf einmal hob sie ihren Kopf. »Sie haben das gewusst und wollen mich jetzt demütigen.«

»Wo denkst du hin.« Selma genoss die Situation in vollen Zügen. Natürlich hatte Leonie Recht, doch dass musste das Mädchen nicht erfahren. »Wenn du mich fragst, mache ich dir die Gelenke mal kurz auf.« Ohne eine Antwort abzuwarten, griff sie an Leonies Knieschienen und öffnete die Riegel. Leonie konnte sich in den Sessel setzen.

Selma nahm dann ebenfalls Platz, nachdem sie die Knie in der sitzenden Stellung wieder fixiert hatte. »Jetzt lass uns mal sehen, was das Fernsehen bringt.« Das Ganze war natürlich nur ein Vorwand, denn es warteten noch zwei weitere einschneidende Erlebnisse auf Leonie. Und Selma wollte sie im Moment erst einmal ein wenig ablenken.

Leonie war viel zu aufgewühlt, um dem Geschehen auf dem Bildschirm zu folgen. Sie dachte immer wieder über ihre Lage nach und blickte sehr fasziniert auf die vielen Einschränkungen, die sie mittlerweile an ihrem Körper trug. Alle waren genauso unauffällig wie effektiv. Leonie fühlte fast so etwas wie Geborgenheit.

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Rainman
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Das Leben ist sch...., aber die Graphik ist geil!

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  RE: Maria Datum:21.03.17 23:43 IP: gespeichert Moderator melden


Hi!

Hat mir gut gefallen, der letzte Teil.

Aber gibt es eigentlich noch einen Teil, wo die Reporterin nicht irgendwie die Hände im spiel hat?

Das dauert ja wohl nicht mehr lange, bis die auch den Vorstand zum Fest übernimmt.


LG Rainman
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Einundzwanzig Datum:22.03.17 06:05 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Einundzwanzig
Autor: Karl Kollar

(noch Dienstag, 21. September 1984)

Es klingelte wieder. Judith legte die Kaffeedose beiseite und ging zur Haustür. Auf Höhe des Arbeitszimmers rief sie ein ´Ich gehe schon´.

Als sie die Haustür geöffnet hatte, wurde sie von Hans fast umgerannt, so eilig hatte er es. Er trug zwei große Umhängetaschen und rollte eine große Kiste vor sich her. Er stürmte gleich in die Werkstatt und scheuchte seine Freundin auf. »Los, helfe mir, die Scheinwerfer aufzubauen.«

Andrea verdrehte die Augen, dann griff sie zu. Es wurde deutlich, dass sie ihrem Freund schon öfters geholfen hatte, denn sie musste nichts fragen und die kannte alle Handgriffe.

»Jetzt kann es losgehen.« Hans fummelte noch etwas an der Kamera herum, dann blickte er auf und suchte das Motiv, welches ihn so erregt hatte.

Paul war gerade dabei, die Schnürung vom Venus-Korsett noch einmal nachzuziehen. Es war eine Maßanfertigung und war so gearbeitet, dass es über Marias Armen in der Gebetshaltung gezogen vollständig geschlossen werden konnte, ohne das es auf ihre Arme Druck ausübte.



»Moment mal bitte, was wird das hier?« Roswita Bartels war sehr erbost über das, was die Presse in Person von Andrea und Hans gerade in ihrer Werkstatt veranstaltete. »Packen sie das sofort wieder ein.«

Andrea und Hans hielten in ihren Bewegungen inne und blickten sich verunsichert an. »Aber sie hatten doch gesagt, dass ich bei der Anprobe dabei sein darf.«

»Ja, sie dürfen dabei sein, aber nicht ein ganzes Photostudio.« Frau Bartels war sehr aufgebracht. »Sie ruinieren mir meine ganze Werkstatt.«

Maria erkannte, dass sie vermitteln musste. Sie war der Reporterin immer noch sehr dankbar, auch dafür, dass sie bisher das kleine Geheimnis bewahrt hatte. »Frau Bartels, darf ich sie mal kurz allein sprechen?« Sie wandte sich an Paul. »Bist du fertig?«

Paul nickte, er war gerade mit dem Anlegen des Vernuskorsetts fertig geworden.

»Kommen sie mit in meine Küche.« Frau Bartels ging voraus, nicht ohne noch einmal darauf zu bestehen, dass Andrea und Hans ihre Sachen sofort wieder einzupacken hatten.



Maria wartete, bis die Küchentür geschlossen war. »Frau Bartels, wir haben Frau Baseling sehr viel zu verdanken. Wir wollten ihr so etwas Dankbarkeit zeigen.«

»Aber deswegen dürfen sie mir doch nicht die ganze Werkstatt durcheinander bringen.« Die Schneiderin war noch sehr aufgebracht.

»Bitte erlauben sie ihnen ein paar Fotos.« Maria gab wieder, wie sehr sich die Reporterin auf diesen Moment gefreut hatte.

»Ich habe ja nichts dagegen, wenn sie das eine oder andere Fotos macht, meinetwegen auch mit Blitzlicht.« Frau Bartels Stimme zeigte, dass sie sich schon ein wenig beruhigt hatte. »Aber bitte ohne diese monströsen Scheinwerfer.«

»Ich werde es ihr erklären.« Maria ging wieder in Richtung der Tür. »Könnten sie mir bitte die Tür aufmachen. Mir fehlen da gerade ein wenig die Möglichkeiten.«

Jetzt war es an der Schneiderin, etwas verlegen zu sein. »Ach Kind, ihre Arme.« Erst jetzt hatte sie wirklich realisiert, in welchem Zustand Maria sich im Moment befand. »Natürlich, warten sie bitte.«

Als Maria vor der Werkstatttür wieder warten musste, streichelte ihr die Schneiderin kurz über den Kopf. »Sie sind ein tapferes Mädchen.« Dann öffnete sie die Tür.

Maria ging auf die Reporterin zu. »Andrea, darf ich dich mal kurz sprechen?«

Die Reporterin war gerade dabei, einen Ständer für den Scheinwerfer einzupacken. »Was ist denn, Maria?« Ihre Stimme zeigte, dass sie ein wenig eingeschnappt war.

»Frau Bartels hat ja nichts dagegen, dass ihr ganz normale Fotos macht.« Sie blickte auf die Kiste mit den beiden Scheinwerfern, die noch offen stand. »Einfach mit der Kamera und einem Blitzlicht. Würde das gehen?«

Ein Lächeln glitt über das Gesicht der Reporterin. Natürlich wusste sie, dass ihr Freund seine Bilder, wenn er sich dann mal dazu entschlossen, stets gut ausgeleuchtet machen wollte, doch sie spürte auch, dass Maria ihnen hier eine Brücke bauen wollte. Sie drehte sich zu ihrem Freund. »Bitte nur mit der Kamera und dem Blitzlicht.« Dabei setzte sie eine Miene auf, von der sie wusste, dass Hans sie respektieren würde.

Doch der war in Gedanken schon ganz woanders. Er war langsam auf Maria zugekommen und stand jetzt hinter ihr. Es war deutlich, wie sehr er von dem Venuskorsett fasziniert war. »Ich dachte immer, das wäre eine Legende.«

»Hans, hast du mich verstanden?« Andrea war verwundert darüber, dass er gar nicht auf ihren so energischen Blick eingegangen war.

»Was hast du gesagt, Liebes?« Er blickte erschrocken auf.

»Nenne mich in der Öffentlichkeit nicht ´Liebes´«, zischte sie ihm leise zu. »Nur die Kamera mit Blitzlicht. Mach was daraus.« Sie wusste durchaus, dass er auch in einer dunklen Umgebung noch brauchbare Bilder zaubern konnte.

Hans klappte die Kiste zu und murmelte sich etwas in den nicht vorhandenen Bart. Dann griff er zu seiner Kamera, nicht ohne immer wieder auf das Venuskorsett zu schauen. Er nahm die Kamera hoch und wollte schon das erste Bild machen, als Andrea sich vor die Kamera stellte.

»Was soll das, Liebes?« Er war verärgert.

»Wir sind hier, um uns das Kleid anzuschauen. Davon brauche ich Bilder für meinen morgigen Artikel.« Ihre Stimme war auf einmal sehr energisch. »Maria in Unterwäsche will keiner sehen.«

»Aber das ist doch die eigentliche Sensation.« Hans ließ die Kamera sinken. Er wusste, dass seine Freundin entsprechende Fotos wirklich verhindern würde. Wenn er sich gegen sie stellen würde, riskierte er es, dass sie den ganzen Film aus der Kamera riss. »Ein Venuskorsett und ich darf keine Bilder davon machen.« Er war sichtlich betrübt.

»Können wir dann mit der Anprobe beginnen?« Frau Bartels hatte die Schneiderpuppe herangeholt und nahm das Kleid vorsichtig herunter. »Maria, kommen sie bitte?« Sie sah den verzweifelten Blick von Hans. »Ich sage, wenn sie knipsen dürfen.

* * *

Wieder klingelte es, und Judith machte sich seufzend auf den Weg. Kurz darauf kam sie mit dem Neffen des Barons zurück. »Ein Herr Franz-Ferdinand Freiherr von Schleihtal.« Sie lass es von einer kleinen Karte ab.

Maria verdrehte die Augen. »Was will der denn hier?«, flüsterte sie leise, so dass es nur die direkt um sich herumstehenden Personen hören konnten.

»Keine Ahnung.« Paul flüsterte ebenfalls.

»Können wir ihn irgendwie ablenken?« Maria war seine Gegenwart unangenehm.

Franz-Ferdinand räusperte sich. »Guten meine Damen, meine Herren.« Er deutete etwas übertrieben eine kleine Verbeugung an. »Mein Onkel schickt mich.«

»Ihr Onkel sitzt im Gefängnis«, fuhr Andrea dazwischen. »Falls sie das noch nicht mitbekommen haben.«

Doch den Einwand übersah er. »Ich soll hier die Kleideranprobe beaufsichtigen.«

»Was machen sie denn hier?« Sonja hatte den Mann wiedererkannt, der gestern erst bei ihr im Büro war.

»Das könnte ich sie auch fragen.« Franz-Ferdinand war erfreut, die Vorzimmerdame des Notars hier wieder zu treffen. Und er sah auch sofort, dass sie immer noch ihre so unschuldig erotischen Sachen trug.

Frau Bartels sah den beiden einen Moment zu, dann ging sie kurz zu Sonja und flüsterte ihr etwas ins Ohr.

Sonja lächelte. »Mache ich«, antwortete sie, dann ging sie langsam zum Fenster.

Maria sah erstaunt, dass der Neffe ihr hinterher ging. »Was haben sie ihr gesagt?« fragte Maria leise, als die Schneiderin sich wieder mit ihrem Kleid befasste.

»Ich glaube gesehen zu haben, dass es zwischen den beiden gefunkt hat, zumindest von Seiten des Herrn. Und Ich habe Frau Schrumm gebeten, ihn ein wenig abzulenken.«

Maria entglitt ein erleichtertes ´Danke´.



»Jetzt wäre ein guter Moment für ein Foto.« Frau Bartels war ein paar Schritte zurückgetreten.

Maria sah atemberaubend aus. Über einem weit schwingenden Reifrock kam ihre schmale Taille sehr gut zur Geltung, die durch ihr Korsett und den breiten Rock noch schmaler wirkte. Oben war das Kleid wie von Maria gewünscht hochgeschlossen und von vorn sah es wirklich aus, als hätte sie keine Arme. Erst von hinten erkannte man, wo ihre Arme versteckt waren. Venuskorsett und Kleid ergänzten sich hier hervorragend und gaben Maria eine Gestalt, die wirklich als außerordentlich schön zu bezeichnen war.

Hans zückte sofort den Photoapparat und knipste ein paar Bilder. Man merkte es ihm deutlich an, dass er viel lieber das Venuskorsett abgelichtet hätte, doch da waren ihm das Kleid und vor allem seine Freundin im Weg.



»Das war es?« Maria war immer noch sehr nervös. Immerhin bestand jetzt die Möglichkeit, dass Paul sie nicht aus dem Gebet befreien würde. Sie hatte sich schon öfters so etwas gewünscht, hatte sie aber nie getraut, den Wunsch zu äußern. Vor allem war ihr wichtig, dass er es einmal gegen ihren Willen machen würde. Sie hatte mittlerweile so viel Vertrauen zu ihm, dass sie bereit war, sich ihm so weit auszuliefern, denn sie wusste, dass er trotz allem auf sie aufpassen würde und sie vor jedem wirklichem Schaden bewahren würde.

»Nein, bei weitem nicht.« Frau Bartels war verwundert. »Für sie sind zehn Kleider bestellt, die müssen wir alle noch anprobieren.«

»Zehn Kleider?« Maria war verwundert.

»Bestellt wurden sie von Rudulf Steinhagen.« Roswita schmunzelte. »Sie haben einen offensichtlich einen Verehrer.«

»Das heißt, mit dem Kleid für das Fest sind sie fertig?« Andrea sah ihre Chance. »Dann hätten wir es.« Sie ging zu Hans und nahm ihm die Kamera weg. »Wir gehen jetzt.«

Jetzt fiel es Maria auch wieder ein. Der Chef der Sparkasse hatte die Kleider in Auftrag gegeben mit dem Wunsch, dass Maria sie bei den diversen Auftritten im Katerinenjahr tragen sollte. Das war aber schon vor ihrem Aufenthalt in den Staaten gewesen. Jetzt musste sie sich erst einmal setzen.

Andrea ging zu Frau Bartels und flüsterte ihr kurz etwas zu.

Die Schneiderin lächelte. »Machen wir.« Dann wandte sie sich an Paul und Maria. »Ihr könnt euch kurz etwas ausruhen.«

Paul wollte erst widersprechen, doch dann sah er, wie die Schneiderin ihm kurz zu zwinkerte und dabei kurz in Richtung des Fotografen blickte.

Paul begriff sofort. »Maria, wir machen noch eine Pause.« Er legte den Arm um sie.

Maria zuckte ein wenig zusammen, denn er hatte sie noch nicht in den Arm genommen, wenn sie das Gebet trug.

Paul spürte sofort, dass etwas anders war als sonst. »Entschuldige bitte, ich hatte nicht daran gedacht.«

Doch Maria schüttelte kurz den Kopf. »Das kannst du ruhig öfters machen. Es fühlt sich gut an, deine Arme zu spüren.« Sie gab ihm einen Kuss.

Andrea musste ihren Freund fast aus dem Raum schieben. Sie wollte verhindern, dass er das sogenannte Venuskorsett noch einmal zu Gesicht und vor allem vor die Kamera bekam.

Erst als sie das Auto weg fahren hörten, meldete sich Frau Bartels wieder. »Jetzt können wir weiter machen.« Sie trat an den Vorhang an der Wand und öffnete ihn.

Maria verschlug es den Atem, als sie sah, was dort an den Kleiderbügel und teilweise auch auf Schneiderpuppen auf sie wartete. »Die sind alle für mich?«

»Es wäre gut, wenn sie ihrer Freundin jetzt das Venuskorsett wieder ausziehen und die Arme frei machen.« Die Schneiderin blickte sie beide aufmunternd an.

»Natürlich.« Paul fragte sich, ob er sein Vorhaben wirklich durchgezogen hätte. Es war einfach eine unpassende Gelegenheit gewesen. Aber er fühlte sich durch ihre Reaktion ermutigt und in seinen Gefühlen bestätigt.

* * *

Das Konsortium hatte ihr als Teil der Anerkennung einen erste Klasse-Flug spendiert. Eigentlich legte Frederike darauf überhaupt keinen Wert, doch jetzt genoss sie es, dass sie viel Platz hatte und vor allem, dass es ruhig war. Kurz nachdem der Flieger die Reiseflughöhe erreicht hatte, kippte sie die Rückenlehne nach hinten und lehnte sich zurück. Sie freute sich darauf, nach viel zu langer Zeit endlich wieder einmal in ihre alte Heimat zu kommen.

Zumal es einen wunderschönen Anlass gab. Ihre Tochter würde auf dem Katerinenfest die Hauptdarstellerin sein. Ihren Freund hatte sie schon kennengelernt und war sehr von ihm angetan.

Sie war schon lange nicht mehr in Landsbach gewesen. Sie war gespannt, was sich so alles verändert hatte. Und sie war auch sehr neugierig, ob Anna und Florian wirklich sicher angekommen waren. Um sie nicht versehentlich verraten zu können, hatte sie jeglichen Kontakt zu ihnen vermieden, und auch Frau Mohr hatte sie entsprechende Anweisungen gegeben.

Immer wieder musste sie an die turbulenten Wochen denken, als Maria wieder einmal in der Klinik war. Kurz zuvor hatte ein Investor die Klinik übernommen und sie durfte das Krankenhaus nur noch unter ihm leiten, und das auch nur, weil sie durch ihre Kompetenz beeindruckt hatte.

Es war ein Glücksfall, dass sich gerade zu dem Zeitpunkt der Herzog Breganza aus Brasilien in der Klinik einquartiert hatte. Die Klinik hatte häufig prominenten Besuch, doch so gravierende Folgen hatte so ein Prominenten-Besuch nur selten.

Er war so mächtig und reich gewesen, dass er dem Investor einfach die Anteile an ihrer Klinik abkaufen konnte und ihr geschenkt hatte. Als Geschenk. Frederike war darüber immer noch sprachlos. Natürlich wusste sie, dass sie sich dies mit ihrer Arbeit auch verdient hatte. Denn sie hatte der zukünftigen Schwiegertochter vom Herzog zusammen mit ihrer Tochter beigebracht, wie man das berühmte Gebet auf dem Rücken trainieren und damit erlernen konnte.

Maria würde dieses Gebet auch auf dem Katerinenfest tragen und damit die erste Darstellerin überhaupt sein, die dieses Kunststück zustande brachte. Natürlich war dies nur möglich, weil Marias Körper seit Jahren an Korsetts und Monohandschuhe gewöhnt war.

»Was wünschen sie zu Trinken?« Die Stimme der Stewardess riss sie aus ihren Gedanken.

»Bitte ein Glas Sekt.« Frederike wollte noch auf ihren Erfolg beim Konsortium anstoßen, doch sie hatte dazu bisher einfach keine Zeit gefunden. Die ehrwürdigen Herren hatten ihren vorläufigen Bericht anerkannt und warteten jetzt nur noch auf einen guten Verlauf des Festes.

Sie dachte noch einmal an den Moment, als sie wirklich leibhaftig vor ihnen stand.

Ein Mitglied hat ihr heimlich signalisiert, dass sie schon mal den Sekt kaltstellen könne. Natürlich nur, wenn Maria dieses Fest wirklich so spielen würde, wie es geplant war.

Und sie solle in ihrer Klinik schon mal ein paar Zimmer frei machen für die ersten Probantinnen. Ein paar Mädchen kämen für eine erste echte Anwendung ihres Programms durchaus in Frage.

Frederike seufzte innerlich. Sie wollte die Fälle der ihr vorgeschlagenen Mädchen auf jeden Fall noch prüfen und sich mit den Mädchen persönlich auch unterhalten, um sich selbst ein Bild zu machen. Diese Klausel hat sie noch in ihr Programm aufgenommen, bevor sich es dem Konsortium vorgelegt hatte. Sie wollte solche Fälle wie Anna Kennedy unbedingt vermeiden.

Es war richtig, die Mädchen auf der richtigen Bahn zu halten, notfalls sogar unter Zwang, aber es war nicht Aufgabe des Programms, ihr Herz zu brechen und sie mit Gewalt zu einer Hochzeit zu zwingen, die sie nicht wollten.



Die Stewardess brachte den Sekt.

Frederike hielt das Glas hoch und stieß in Gedanken mit ihrer Tochter an. Letztendlich hatte sie ihr es zu verdanken, dass sie jetzt wirklich eine eigene Klinik besaß.

Doch dann musste sie schmunzeln. Ihrer Tochter hatte sie auch ein ganz anderes Erlebnis zu verdanken. Immer wieder musste sie an das Kleid denken, dass sie auf der Geburtstagsfeier des Herzogs getragen hatte. Sie hatte sich dem Dresscode des brasilianischen Hochadels anpassen wollen und hatte ein Kleid gewählt, dass das Verstecken der Arme ermöglichte.

Sie hatte Maria gebeten, ihr das Kleid zu schließen, und diese hatte es sehr wörtlich genommen. Sie hatte nicht nur den Reißverschluss im Rücken zugemacht, sondern sie hatte auch die Armfixierung geschlossen, so dass sie in dem Kleid tatsächlich gefangen war.



Es waren neue Erfahrungen für sie. Und sie stellte fest, dass sie diese Art von Gefühlen gar nicht mochte.

Die Leute auf der Feier waren alle sehr freundlich zu ihr, und ein hübscher und sehr zuvorkommender junger Mann in einer Livre hatte sich um ihr persönliches Wohl gekümmert. Er war unaufdringlich und doch sehr aufmerksam. Letztendlich reichte es, ihn kurz anzusehen oder die Augenbrauen anzuheben, schon war er an ihrer Seite.

Und er schien auch immer gleich zu wissen, was sie bedurfte.

Sie hatte erst Skrupel, sich von ihm füttern zu lassen, doch er machte es mit einer solchen Ruhe und Würde, dass sie glaube, sie wäre schon immer eine brasilianische Prinzessin gewesen.

Am Abend hatte er sie sogar auf ihr Zimmer gebracht und ihr die Fesseln gelöst, dann hatte er sich sehr unauffällig entfernt.

Wenn sie ehrlich zu sich war, dann hatte sie es schon genossen, dass er sich so aufmerksam um sie gekümmert hatte und sie wirklich wie eine Prinzessin von vorn bis hinten bedient hatte. Es gab keinen einzigen Moment, in dem sie ihre Arme wirklich vermisst hatte.

Und doch konnte sie jetzt auch etwas besser nachempfinden, was sie ihrer Tochter über all die Jahre abverlangt hatte und ihr Respekt vor ihren Leistungen stieg noch einmal.

Es war Weihnachten vor fünf oder sechs Jahren und sie saßen zusammen vor dem Fernseher, um die jährliche Ausstrahlung der Sissi-Filme zu genießen.



»Ach Mama, ist Sissi nicht wunderschön in ihren Kleidern? Und was für eine tolle Figur sie hat!« Maria schwärmte deutlich für das, was sie auf dem Bildschirm zu sehen bekamen. »So schön möchte ich auch sein. Heute sieht ja niemand mehr so toll aus. Was würde ich darum geben, auch so ein Kleid tragen zu dürfen!«

»Das ist kein Wunder, Kind. Sie trug ein ganz enges Korsett, ließ sich jeden Tag so eng schnüren, dass sie kaum noch atmen konnte. Und sie ließ sich sogar in ihre Kleider einnähen, damit sie gut saßen!« Auch ihre Mutter war von den Leben der berühmten Prinzessin fasziniert. »Alleine kam sie da nicht mehr heraus, sie war auf Hilfe angewiesen.« Sie seufzte. »Solche Einschränkungen nimmt heute natürlich keiner mehr auf sich. Und außerdem verformt sich dadurch ihr Brustkorb dauerhaft.« Sie blickte ihre Tochter warnend an.

»Was bedeutet das?« Maria ließ sich von den vorsichtigen Warnungen nicht beeindrucken.

»Sie bleib zwar so schön, bekam aber zeitlebens nicht so viel Luft wie die Leute ohne Korsett.« Frederike erklärte die Zusammenhänge.

»Und du meinst, sie war wirklich eingeschlossen in ihren schönen Kleidern?« Die Faszination war Maria deutlich anzusehen. »Warum hat sie das nur auf sich genommen?«

»Naja, sie war eine Kaiserin. Und die Kaiserin opferte sich für ihr Volk auf.« Ihre Mutter gab wieder, was sie aus der Historie wusste.

»Sie hat Ungarn erobert und die Italiener besänftigt.« Maria gab den Inhalt der Filme kurz wieder. »Und sie wurde vom Volk bewundert, weil sie so viel auf sich nahm.«

»Naja, der Film übertreibt aber auch an der einen oder anderen Stelle.« Sie musste etwas Wasser in den Wein genießen.

»Mama, ich möchte auch so schön wie Sissi werden.« Maria hatte auf einmal dieses Leuchten in den Augen, welches ihre Mutter fürchtete. »Du machst doch in der Klinik immer Korsetts für deine Patienten mit krummem Rücken! Kannst du nicht ein Sissi-Korsett für mich zu Weihnachten machen lassen?«

»Ich weiß nicht, mein Schatz.« Frederike hatte den Gedanken bisher noch nicht erwogen. »Das wäre zwar schon möglich, wenn ich darüber nachdenke... aber das sind alles Maßanfertigungen, die einen Haufen Geld kosten, und sehr viel Arbeit machen.« Sie machte eine Pause, um ihre Worte zu betonen. »Du wirst das ausprobieren, es wird Dir zu eng und unbequem sein, und dann ist das teure Ding umsonst gemacht worden und liegt in der Ecke, nur für eine Laune.«

»Nein Mama, das will ich wirklich!« Maria wusste schon immer, wann es sich zu kämpfen lohnt. »Es ist mein Herzenswunsch. Und damit ich es mir nicht anders überlegen kann, musst du das Korsett abschließbar machen, damit ich darin eingeschlossen bin wie Sissi, und nur mit deiner Hilfe wieder herauskomme!« Sie holte tief Luft. »Wenn ich bald mit dem Tragen anfange, solange ich noch wachse, dann kann ich auch noch so eine wunderschöne Figur bekommen!« ihre Augen leuchteten.

»Na, ich weiß nicht... und was willst du in der Schule machen?« Frederike suchte fast verzweifelt nach Argumenten, um ihrer Tochter die Idee noch ausreden zu können. »Du könntest keinen Sport mehr machen, und du müsstest das Korsett unter normaler weiter Kleidung verstecken.« Sie holte tief Luft. »Und wenn es dir wirklich ernst ist mit dauerhaftem Figurtraining, dann müsstest du auch nachts ein Korsett im Bett tragen.«

»O ja Mama, das will ich alles tun!« Maria war nicht zu bremsen. »Du musst mir eben ein Attest schreiben, dass ich wegen meines Kreislaufes nicht am Sport teilnehmen kann, wenn ich weniger Luft bekomme! Machst du mir bitte mein Korsett? Bitte bitte bitte!«



Frederike nahm wieder einen Schluck Sekt und lächelte. So hatte es angefangen, mit Sissi, der berühmten österreichischen Kaiserin. Und wenn sie heute den Film schaute, musste sie immer wieder an die Ereignisse von damals denken.



Zwei Monate waren vergangen. Maria kam von der Schule nach Hause, ihre weite Bluse verdeckte das Korsett ganz gut. Sie lief zu schnell die Treppe hinaus, und aus Sauerstoffmangel wurde ihr schwarz vor Augen. Frederike konnte sie gerade noch auffangen, als sie zusammen sackte. Sie legte sie auf das Sofa, öffnete ihr die Bluse und wollte ihr das Korsett öffnen.

»Nein Mama, nicht das Korsett öffnen!« Maria war wieder zu sich gekommen und wehrte sich. »Es geht schon wieder!«

»Ich war von Anfang an dagegen. Sieh nur, was passiert ist!« Frederike wusste, dass sie einschreiten musste. »Du bekommst einfach keine Luft in diesem engen Korsett, das kann ich nicht verantworten!«

Doch Maria widersprach. »Aber ich will es so! Bitte lass mich weitermachen!«

»Aber Kind, so geht es einfach nicht weiter!« Frederike kämpfte um ihre Tochter. »Was ist, wenn du auf der Straße ohnmächtig wirst?«

»Dann müssen wir eine andere Lösung finden.« Maria wurde auf einmal etwas nachdenklich. »Mir ist aufgefallen - wenn ich die Arme ganz zurücknehme, dann weitet sich mein Brustkorb, und ich bekomme mehr Luft. Aber das ist zu anstrengend, ich kann meine Arme nicht so halten. Kann man nicht was an dem Korsett machen?«

»Naja, man könnte natürlich Schulterriemen anbringen, einen Geradehalter, der dir die Schultern zurückzieht, dann weitet sich der Brustkorb, wie Du sagst.« Frederike fühlte, dass die Diskussion eine Richtung nahm, die ihr überhaupt nicht gefiel. »Du müsstest auch täglich Übungen machen, bei denen du die Ellbogen zusammenbringst. Dabei müsste dir jemand helfen, und sie zusammendrücken.« Sie seufzte. »Aber das schaffe ich mit der Arbeit nicht! Und außerdem wird das ganze noch unbequemer für Dich, das kann ich Dir nicht zumuten!«

»Aber ich will es unbedingt!« Maria war in ihrer Begeisterung nicht zu bremsen. Bitte mach mir solche Schulterriemen. Und wenn ich diese Übungen nicht alleine machen kann - kannst Du mir nicht einfach täglich für zwei Stunden die Arme hinter dem Rücken zusammenbinden? Dann dehne ich meinen Brustkorb die ganze Zeit!«

»Maria, willst Du das wirklich?« Als Mutter war sie entsetzt über so einen Vorschlag. »Ich soll dich fesseln? Das darf aber nie jemand erfahren!«

»Ja bitte, Mama« Maria blickte sie mit großen Augen an. »Ich will das wirklich!«

»Nun, erzähle es bitte niemandem, aber ich werde dir einen großen weichen Handschuh machen, der beide Arme umschließt und der eng geschnürt werden kann.« Wieder holte sie tief Luft. »Den musst Du dann aber wirklich täglich tragen, wenn er etwas nützen soll!«

Maria fiel ihrer Mutter um den Hals »Mama, Du bist die beste Mama der Welt!«



Etwas wehmütig blickte Frederike aus dem Flugzeugfenster und nahm wieder einen Schluck Sekt. Der Pilot hatte gerade durchgegeben, dass sie jetzt den Atlantik erreicht hatten.

Die Stewardess hatte ein neues Glas Sekt gebracht, wieder nahm Frederike einen Schluck. Das neue Glas hatte eine angenehmere Temperatur, weil er kalt war. Das bisherige Glas war warm geworden. Deutlich erinnerte sie sich an das nächste so einschneidende Ereignis.



Frederike kam sichtlich bewegt nach Hause. Natürlich hatte Maria sofort gefragt, was passiert wäre, doch ihre Mutter hatte sie auf das Abendessen vertröstet.

Maria wusste, dass es nicht bringen würde, wenn sie vorher drängelt, so bezwang sie ihre Neugier und wartete geduldig auf das Abendessen.

Schließlich begann Frederike zu erzählen. »Maria, erinnerst Du Dich - ich hatte Dir erzählt, dass ich ein paar Patienten habe, die incognito ins Krankenhaus kommen, weil sie zu alten Fürstenhäusern gehören und nicht von der Klatschpresse verfolgt werden wollen. Einer davon, ein älterer Herr, ist sehr nett, wir verstehen uns sehr gut und sprechen auch privat über unsere Familien.«

Maria lehnte sich zurück und lauschte gespannt.

»Ich habe ihm vor einem Monat von Dir erzählt. Dass Du so leben möchtest wie Kaiserin Sissi, und was Du alles auf Dich nimmst - das Korsett, die Geradehalter, den Monohandschuh, das Nachtkorsett, und die Bettfesseln, damit Du Dich im Korsett nicht herum wälzt - und das alles ganz freiwillig, ja eigentlich gegen meinen Willen!« Sie machte eine kurze Pause. »Erst wollte er mir das alles überhaupt nicht glauben, aber nun bewundert er Dich sehr!«

Maria lächelte ein wenig.

»Er sagte, dass die jungen Damen in seiner Familie überhaupt nicht prinzessinnenhaft leben, und er macht sich große Sorgen um ihre Zukunft.« Frederike zögerte ein wenig. »Heute habe ich ihn wieder getroffen, und er machte mir ein Angebot, das ich sofort abgelehnt habe. Er insistierte aber, und ich musste ihm versprechen, Dir zumindest davon zu erzählen!«

Frederike zögerte ein wenig. Nicht alles, was ihr der Herr erzählt hatte, wollte sie ihrer Tochter weiter geben. Viele von seinen Freunden hatten ähnliche Probleme mit ihren Töchtern, und alle hatten Angst, dass sie sich zu vulgären Flittchen wie Paris Holton oder ähnlich entwickeln könnten, und damit die Familien zugrunde richten würden.

»Und was war das Angebot?« Noch war Maria neugierig.

Frederike blickte etwas unglücklich auf ihre Tochter. »Eine echte Prinzessin, so sagt er, muss für das Volk beziehungsweise für ihre Familie leben und dafür täglich Opfer bringen und Verzicht üben, ja sich vielfältigen Einschränkungen unterwerfen und Selbstbeherrschung üben.« Sie holte tief Luft. »Er möchte seine Töchter gerne wieder zu Prinzessinnen erziehen, wusste aber nicht, wie das in der heutigen Zeit gehen soll, bis ich ihm von Dir erzählte.«

»Aber was hat er dir angeboten?« Maria hatte bemerkt, dass ihre Mutter auf die eigentliche Frage noch nicht geantwortet hatte.

»Es ist nicht so einfach zu erklären.« Frederike begriff, dass ihre Tochter nicht locker ließ.

Maria zwang sich, den Ausführungen ihrer Mutter zuzuhören.

»Ganz eindeutig müssen potentielle Erbinnen streng und konservativ erzogen werden, dabei ihre Charakter zu Verzicht und Selbstaufopferung geformt werden. Sie sollten natürlich gesellschaftlich gut aussehen und sich von innen heraus entsprechend benehmen, nicht nur angelernte Verhaltensmuster vorschieben und bei der ersten Gelegenheit wieder abwerfen.« Frederike nahm einen Schluck Tee. »Körperlich sollen sie natürlich auch einigen Idealen entsprechen, und hierbei sollten viktorianische Erziehungsmethoden eine große Rolle spielen.«

»Komm zum Punkt.« Maria wurde ungeduldig.

»Er möchte, dass Du und ich helfen, ein Erziehungsprogramm für Prinzessinnen zu entwickeln. Du bist dabei die erste Prinzessin, die alles ausprobieren soll.« Frederike blickte auf den Tisch, während sie weiter sprach. »Die Einzelheiten sind allerdings sehr hart, dafür ist auch die Belohnung großzügig. Er und seine Freunde bezahlen jegliche Kleidung, Einrichtung, Korsetts und Apparaturen, die Du dafür benötigst, dazu Deine Ausbildung inklusive einem erstklassigem Studium, wenn du lange genug durchhältst.«

Maria hielt die Luft an.

»Aber wie gesagt, die Bedingungen sind sehr hart. Du müsstest weiterhin dein Korsett und dazu täglich für einige Zeit den Monohandschuh tragen.« Frederike hatte vor innerer Anspannung Mühe zu sprechen. »Du musst weiterhin ganz normal in die Schule gehen und alle besondere Kleidung verbergen. Ein wesentlicher Teil der Prinzessinnenausbildung soll sein, dass du ständig Verzicht und Selbstbeherrschung üben sollst. Du wirst daher in Deiner Kleidung eingeschlossen, und du musst dir wann immer möglich zusätzliche Fesseln und Einschränkungen selbst anlegen, von denen du nur mit fremder Hilfe wieder befreit werden kannst, um deine Hingabe zu beweisen.«

Maria schloss die Augen.

»Den ganzen Tag über wirst du restriktive Kleidung tragen und leichte Fesseln. Freie Zeit kannst du dir nur verdienen über Extra-Zeit in strengen Fesseln, damit du dich für alles anstrengen musst und nichts als selbstverständlich bekommst.« Frederike vermied es, ihrer Tochter ins Gesicht zu blicken. »Das schlimmste dabei ist aber, dass sie, um eine objektive Forschung durchführen zu können, nicht wollen, dass wir nach einer Eingewöhnungszeit noch ständig zusammen sind, damit ich nicht weich werde.«

Frederike kam zu dem Punkt, der ihr am meisten Sorgen bereitete. »Du würdest in einem halben Jahr dann von einer Gouvernante betreut werden, und ich - na ja, sie bieten mir die Leitung einer kompletten Klinik in den USA an. Dort könnte ich meine normale Arbeit tun, soll aber gleichzeitig weitere Korsetts, figurbildende Apparate, restriktive Kleidung und versteckte Fesseln entwickeln, die du dann in den Ferien, wenn du mich besuchst, ausprobieren sollst.« Jetzt hatte sie es ausgesprochen und war damit erleichtert, dass sie das Versprechen, dass sie dem alten Herrn gegeben hatte, auch eingehalten hatte.

»Ich habe natürlich gleich gesagt, dass das überhaupt nicht in Frage kommt, aber er wollte nicht hören...« Erste jetzt bemerkte sie, dass Marias Wangen gerötet waren und das sie heftig zu atmen begann. »Was hast du, Kind? Ist dir nicht gut?«

Maria zitterte, bis sie bei den letzten Worten ihrer Mutter ins Keuchen kam, und ein Schauer ihren Körper durchlief....



Frederike war auch jetzt noch beeindruckt davon, welchen Eindruck ihre Worte auf ihre Tochter hatten. Es war ihr erst später klar geworden, dass sie allein wegen ihrer Worte einen Orgasmus gehabt hatte. Als Wissenschaftlerin war sie natürlich begeistert, doch als Mutter brach es ihr fast das Herz, wenn sie daran dachte, was sie damals ihrer Tochter zumuten wollte.

Das Forschungsprojekt und die Klinik reizte sie gewaltig, und Maria war ebenfalls fasziniert von dem Projekt der Prinzessinenausbildung. Warum auch nicht - welches Mädchen sieht sich nicht im Turm eingesperrt, vom Drachen bewacht und auf den Prinz wartend, wobei der für sie anfangs in weiter Ferne liegt.

Natürlich verlangte sie von ihrer Tochter die Zustimmung zu ihrem Vorschlag, und sie hätte auch ein ´Nein´ sofort akzeptiert, doch sie wusste auch, welcher Druck allein durch die Frage auf Maria lastete. Einerseits wusste sie, dass die Existenz und Klinik ihrer Mutter daran hing, andererseits wurde ihr die Finanzierung einer Spitzen-Ausbildung oder eines Studiums versprochen, wenn sie nur lange genug an dem Programm teilnehmen würde.

Vor ihr lag auch der Brief eines Konsortiumsmitglied, der alles ins Rollen gebracht hatte. Sie nahm ihn zur Hand und lass ihn noch einmal.

Zitat
[...] Ihre Planung, ihre Zöglinge werden für das Mittagsschläfchen irgendwie festgeschnallt, hat bei mir einige Gedanken ausgelöst, die ich mit ihnen teilen möchte.

Nach meinem Verständnis ist das Ziel der Prinzessinnen-Ausbildung für das Mädchen eine tadellose perfekte Figur, stets tadellose Haltung sowie eine gewisse Eigeninitiative, ihr Leben auf diese Weise zu führen, sich selbst stets tadellos zu halten und sich selbst ständig Einschränkungen aufzuerlegen, um selbst perfekt zu sein. Daraus folgt dann auch die notwendige Geisteshaltung und Charakterformung.

Das Ziel soll NICHT sein, die Mädchen ständig in Bondage zu halten, um sie zu kontrollieren und zu brechen. Damit werden sie nur rebellisch. Nein, sie brauchen diese vordergründige Begründung, um sich (ggf. widerwillig) dem Programm zu fügen...

Ich denke, unsere Vorbilder sollten hier Tara sowie die Geschichte \"And so to Bed\" sein. Bei beiden kommen jede Menge Fesseln und Fesselgeräte vor, die aber vordergründig als Schönheits- und Haltungstraining dienen und zumindest in der zweiten Geschichte \"ausschließlich\" so gerechtfertigt werden. Alle Fesselungen und Fesselgeräte sollten also so begründet werden. Wichtig ist, daß ihre Zöglinge sich viele kleine Dinge selbst anlegen können (siehe Handschuhe, Cape) und dies auch tut, von denen sie sich selbst aber nicht befreien können.

Weiterhin können sie ja auch noch an größeren Geräten arbeiten, bei denen genau kontrollierbare Versuchsbedingungen wichtig sind, daher werden die Damen überall exakt und reproduzierbar fixiert. Vieles können sie sich selbst anlegen (oder einsteigen), können sich selbst aber nicht mehr befreien.

Ein wichtiger Effekt dieser Richtung ist, daß vordergründig jeder Aspekt von \"Bondage\", und Gefangenschaft, damit Unfreiwilligkeit in diesem Sinne wegfällt. Das viktorianische Haltungs- und Korsettraining ist ja ab frühem Mädchenalter verbürgt und hat vordergründig keinen sexuellen Aspekt im Training selbst, soll heißen, obwohl es natürlich jede Menge Effekte bei den Mädchen hatte, wurden diese offiziell totgeschwiegen und unterdrückt.

Alle Fesseln, die sie tragen werden, sollen also einen angeblichen \"therapeutischen Nutzen\" haben. Wir hatten das Cape, Hut und Handschuhe zum Sonnenschutz, enger Unterrock und Kniefesseln dienen der damenhaften Schrittlänge. Das Korsett ist eh klar, Schulterriemen dienen der korrekten Haltung, das Training im Monohandschuh der Weitung des Brustkorbes und Figurbildung.

Das Halskorsett soll sie nicht einfach immobilisieren, sondern ihre Hals strecken und die Muskeln dehnen, einmal in die Länge, ein anderes streckt ihr den Kopf nach hinten, sodaß sie nur direkt nach oben schauen kann - auch diese viktorianische Methode taucht auf, um an eine aufrechte Haltung zu gewöhnen. Idee hinter all den viktorianischen Erfindungen war, den Körper in eine übertriebene Version der gewünschten Haltung zu zwingen, damit er sich nach Abnehmen der Geräte etwa in die gewünschte Haltung \"entspannt\", ohne in die ursprüngliche schlampige Haltung zurückzukehren - sozusagen wird damit die \"Ruhelage\" verschoben.

Das Mittgasschläfchen dient tatsächlich der Entspannung, sie sollen es daher gemütlich haben. Nur sollen sie wirklich schlafen und ruhig sein, daher dürfen sie eine gepolsterte gemütliche schwarzlederne Zwangsjacke tragen und in einen Beinsack schlüpfen. Dazu bekommen sie eine einfache gepolsterte lederne Schlafhaube aufgesetzt mit dicken Ohrpolstern, die die Augen bedeckt, Mund und Nase aber frei lässt.

Strenger sieht es dann nachts aus - sie bekommen wie in \"and so to bed\" eng geschnürte Arm- und Beinkorsetts angelegt, dazu die Bettstiefel, die den Fuß strecken. Darüber dann das Nachtkorsett, welches bis zu den Knien geht. Damit können sie die Beine in den Beinkorsetts noch ein Bißchen bewegen - wie schon besprochen ist ein bisschen Restbeweglichkeit viel reizvoller als völlige Immobilisierung!

Eine Stoffmaske mit Nachtcreme auf dem Gesicht, bekommen sie dann eine gepolsterte Lederhaube, die den ganzen Kopf umschließt, eng auf den Kopf geschnürt. Ob sie dazu ein Halskorsett tragen möchte, entscheideen sie täglich selbst.

(Man beachte: hier kommt nirgends ein Knebel als eindeutiges Bondage-Instrument vor - in der Mittagsschlaf-Haube kann sie noch küssen und sprechen (aber nicht hören), nur die Nachthaube umschließt den ganzen Kopf und macht auch das Sprechen unmöglich.)

In manchen Nächten sollten sie vielleicht noch gestreckt werden - dazu wird sie an Armen und Beinen wie auf einer Steckbank gezogen (sonst liegen die Arme parallel zum Körper, werden vielleicht mit einfachen Hüftriemen noch gesichert). Dann liegt auch der Kopf in einer Glisson-Schlinge und wird gestreckt. Alle Streckfesseln haben dann eine Federwaage und einen kleinen Flaschenzug eingearbeitet, und die jeweilige Betreuerin stellt jede Spannung genau nach Vorschrift des Trainingsplans ein.

Tagsüber mag es weitere Geräte zum Haltungs- und Figurtraining geben, die alle mal drankommen müssen, aber nicht täglich. Besonders gut gefällt mir das Foto des Haltungstrainingsgestells, das ich ihnen geschickt hatte. Es ist eine erweiterte Version des Monohandschuhs, da die Arme noch weiter nach hinten gestreckt werden. Das mögen sie auch öfters benutzen. Übrigens kommen hier aus ganz praktischen Gründe doch HighHeels ins Spiel, seien sie gemäßigt, denn sie erleichtern das Geschnürtsein sowie den Monohandschuh oder das Gestell erheblich, denn der Körper streckt sich in eine Haltung, in der die Schultern und Arme besser zusammengenommern werden können, und auch die Taille wird duch die gestreckte Haltung schmaler, das Korsett darurch besser zu tragen. Ohne darauf groß herumzureiten, sollte sie ganz selbstverständlich ein unauffälliges Paar Trainings-HHs haben .

Aus Tara können wir die Badewanne mit dem Deckel und Kopfbrett übernehmen, eine Sitzsaune (diese schönen Schwitzkästen mit Kopfbrett) ist sicher auch vorhanden. Bei beiden können sie die Zeit und Temperatur selbst einstellen, können sie dann vor Ablauf der Zeit aber nicht mehr öffnen. Im Falle der Sitz-Sauna stellen sie beim Hinsetzen ihre Füße in Fußringe und führt die Arme wie bei dem o.g. Gestell in zwei Ringe ein, ggf. hinter dem Rücken. Sobald die Sauna geschlossen ist, gibt es keinen Platz mehr, sich herauszuwinden, obwohl die Ringe als solche nicht gespannt/abgeschlossen sind. [...]


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  RE: Maria Datum:22.03.17 18:09 IP: gespeichert Moderator melden


Und wieder ein großen Dank und Lob,für deine Geschichte.MAl schaun wie es weiter geht.Und was MAria sagt das ihre Mutter dabei ist.Außerdem bin ich gespannt,wie sich das Projekt der Klinik und des Konsortiums entwickelt und ob Frederike,den Mißbrauch jetz und in Zukunft verhindern kann.

Freu mich schon.

mfg Wölchen
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Rainman
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  RE: Maria Datum:22.03.17 23:37 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo cag_coll!

Jetzt mal auf die schnelle ganz unverblümt:

Das war seit langem der beste Teil, den du zu dem letzten Teil veröffentlicht hast.

Der Anfang war gut gemacht, dann kam eine ganze Weile viel "gelaber".

Aber der letzte teil ist endlich mal wieder eine toll Geschriebene Fortsetzung.

Vieln Dank.

LG Rainman
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zweiundzwanzig Datum:24.03.17 07:06 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zweiundzwanzig
Autor: Karl Kollar

(noch Dienstag, 21. September 1984)

»Ich bin fassungslos.« Hans war aufgebracht. »Da trägt das Mädchen die Sensation schlechthin und ich darf es nicht fotografieren, weil meine Freundin es mir verbietet. Was ist dir los?«

Andrea blieb ihm Gegensatz zu ihrem Freund ganz ruhig. »Maria ist etwas Besonderes und darüber wache ich.«

»Nur ein Foto hätte ich gebraucht.« Er stöhnte. »Ein Venuskorsett! Das wäre die Sensation!«

»Für wen?« Andrea ahnte, dass sie gerade eine neue Seite ihres Freundes kennenlernte.

Auf einmal war Hans etwas ruhiger und murmelte etwas vor sich hin, was Andrea nicht verstand. Erst nach einiger Zeit rang er sich zu einer Antwort durch. »Du hast die Zusammenhänge nicht verstanden.«

»Dann erkläre es mir.« Andrea ahnte, in welche Richtung das Gespräch gehen würde. »Was ist so wichtig an der Unterwäsche einer 18-Jährigen.« Natürlich wusste sie schon, was ihn wirklich bewegte, doch das wollte sie zunächst nicht zugeben. »Zumal man kaum etwas von ihrer Haut gesehen hat.«

»Du hast gar keine Ahnung.« Hans setzte ein Schmollgesicht auf.

»Hängt es vielleicht mit den speziellen Fotos zusammen, die du von der kleinen Amerikanerin machen willst?« Andrea hatte Probleme, ihre latente Eifersucht unter Kontrolle zu halten. Sie wusste, dass Hans Spaß an Fesselungen hatte, doch sie selbst war nicht bereit, sich ihm auf diese Weise auszuliefern.

Wenn er sich dann andere Modelle suchte, gab es ihr natürlich Grund, eifersüchtig zu sein. Es war eine Gradwanderung. Sie würde sich ja vielleicht sogar einmal in Fesseln präsentieren, aber sie hatte Angst vor dem, was passierte, wenn er die Kamera weglegen würde. Dann war sie nicht bereit, die Kontrolle abzugeben.

»Das ist rein beruflich.« Hans wollte sich und seine Pläne verteidigen. »Wenn ich die Fotos verkaufen kann, dann bekommt sie ihren Anteil.«

»Und das hast du ihr auch schon gesagt.« Andrea schien einen Haken gefunden zu haben.

»Nicht direkt.« Hans war etwas verlegen. »Ich habe ihr nur angedeutet, dass sie damit Geld verdienen kann.«

»Ich werde bei eurem ersten Fotoshooting dabei sein.« Andrea hatte spontan einen Plan ausgearbeitet. »Und ich stelle mich solange zwischen sie und die Kamera, bis du ihr die volle Wahrheit gesagt hast. An wen willst du die Fotos überhaupt verkaufen?«

»Verrätst du deine Informanten?« Hans glaubte, ein Mittel zur Gegenwehr gefunden zu haben.

»Natürlich nicht.« Andrea verdrängte den Gedanken daran, dass sie es schon mehrmals aus Versehen fast getan hätte.

»Siehst du«, Hans fühlte Oberwasser, »ich kann meine Auftraggeber auch nicht verraten.«

»Du wirst es Anna sagen und ich bin bei dem Gespräch dabei.« Andrea wollte sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. »Und ich gehe erst, wenn Anna mit der Wahrheit einverstanden ist.« Sie nahm sich vor, mit Anna vorher noch ein Gespräch zu führen.

Hans seufzte nur.

»Und was Maria betrifft, du kannst sie sicher nach dem Fest fragen, ob sie dir einmal dieses besondere Korsett vorführt. Und wenn du Glück hast, ist sie vielleicht sogar zu Fotos bereit.« Andrea wollte ihm eine Brücke bauen, denn sie brauchte ihn natürlich für ihre Reportagen.

Wieder seufzte Hans als Antwort.

»Das sind nur fünf Tage«, rechnete Andrea ihm vor. »Das ist nicht mal eine Woche.«

»Na gut.« Hans schien besänftigt. »Frieden?« Er reichte ihr die Hand.

Andrea nahm kurz die Hand vom Lenkrad und schlug ein. »Frieden!«

* * *

»Leonie, kommst du bitte?« Selma stand in der Wohnzimmer und hielt die letzten vier Stangen für die Handschuhe in der Hand. »Drehe dich bitte mit dem Rücken zu mir und strecke deine Arme aus.«

Leonie wirkte ein wenig traurig, als sie der Bitte nachkam. Jetzt würde sie das letzte Gelenk an ihren Armen fixiert bekommen. Doch innerlich tobten wilde Gefühle, die sie so bisher nicht kannte.

Sie schloss die Augen, denn sie wollte nicht sehen, wie jetzt auch ihren Ellenbogen fixiert wurde. Dennoch spürte sie deutlich, wie die Stange durch den langen Handschuh geschoben wurde.

Nur einmal machte sie kurz die Augen auf, als sie fühlte, wie Selma die Verriegelung ihrer Armschienen löste. »Die brauchen wir ja nun nicht mehr.«

Leonie seufzte leise und wartete, bis Selma mit den Armen fertig war.

»Das war es schon.« Selma war froh, dass Leonie sie in diesem Moment nicht angesehen hatte, denn sonst hätte sie gesehen, wie aufgewühlt sie in diesem Moment war. Es war schon sehr lange her, dass sie einem Mädchen zum letzten Mal diese Handschuh vollständig angelegt hatte. »Du möchtest dich sicher wieder bedanken.«

Tief seufzend drehte Leonie sich um und sagte den Satz, den sie zu hassen begann. »Danke, Frau Mohr für die neuen Fesseln.« Es liefen ein paar Tränen über ihr Gesicht, die sie laufen lassen musste.

»Wenn du möchtest, kannst du dich auf den Zimmer zurückziehen und dich etwas ausruhen.« Selma hatte große Mühe, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten, denn sie wusste, was gleich passieren würde.

Sie tat so, als wolle sie zurück ins Wohnzimmer, doch sie blieb gleich nach der Tür so stehen. Leonie konnte sie nicht mehr sehen.

Gleich darauf hörte sie einen heftigen Fluch und noch bevor sie auf den Flur treten konnte, hörte sie Anna Stimme von oben.

»Leonie, was ist denn?« Anna sah nur, dass Leonie vor der ersten Treppenstufe stand und sich mit einem seltsam ausgestreckten Arm an der Wand abstützte.

»Ich komme die Treppe nicht mehr hoch.« Sie sagte es aber mehr zu sich selbst. Es war genügend demütigend. Annas Mitleid wollte sie nicht sehen.

»Warum denn das?« Florian kam hinter Anna her.

»Leonie braucht keine Hilfe.« Selma blickte zu dem Paar, dass langsam die Treppe herunter kam. »Noch mal etwas ausgehen?« Sie versuchte, die Situation als ganz normal erscheinen zu lassen.

»Wir haben heute unseren ersten Deutschkurs.« Annas Stimme zeigte, dass sie sich darauf freute.

»Na dann viel Spaß dabei.« Selma wartete, bis die Haustür hinter dem Paar wieder geschlossen war. »Leonie, beeile dich. In einer Stunde gibt es Abendessen.«

»Frau Mohr, das ist so gemein?« Leonie hielt es für den Moment nicht mehr aus.

»Was meinst du?« Selma war neugierig, über was sich das Mädchen wohl als erstes beklagen würde.

»Ich kann doch meine Beinschienen nicht mehr öffnen.« Wieder lief eine Träne über ihre Wange.

»Ach ja?« Selma versuchte ganz belanglos zu klingen. »Nun, vielleicht kommst du ja auch so die Treppe hoch?«



Leonie nahm sich der Aufgabe mit dem Mut der Verzweiflung an, doch nach zehn Minuten gab sie erschöpft auf. »Es geht nicht.« Auf einmal erkannte sie ihre wahre Lage. Sie war jetzt wirklich im Haus gefangen, denn sowohl an der Haustür als auch an der Terrassentür waren ein oder zwei Stufen. Die beiden Treppen nach oben und nach unten in den Keller waren jetzt ein unüberwindbares Hindernis.

»Ja, du hast recht.« Selma kam wieder aus dem Wohnzimmer zurück. »Treppensteigen geht jetzt nicht mehr.«

»Wo soll ich denn jetzt schlafen?« Leonie blickte Selma unsicher an.

»Ich glaube...« Selma musste sich räuspern, weil sie in diesem Moment so angespannt war. »Ich glaube, Schlafen ist jetzt noch dein geringstes Problem.«

»Wie meinen sie das?« Leonie ahnte noch nicht, welcher Tiefschlag gleich kommen würde.

»Wie willst du denn jetzt essen?« Selma genoss es sehr, das arme Mädchen so subtil zu quälen.

Leonie versuchte ihre Hand zum Mund zu führen, doch sie musste erkennen, dass die Benutzung ihrer Hände nicht mehr möglich war. »Frau Mohr, ich kann so nicht essen.« Sie blickte auf ihre Arme, die sie beide demonstrativ nach vorn streckte.

»Ja und?« Selma zuckte demonstrativ mit den Schultern.

»Wollen sie mich verhungern lassen?« Aus Leonie begann leichte Verzweiflung zu sprechen.

»Du hast doch noch deinen Mund?« Selma legte ihren Köder aus.

»Wie soll ich denn so essen?« Leonie erkannte noch nicht, was kommen würde.

»Wie essen denn die Tiere?« Selma musste kurz den Kopf wegdrehen, sonst hätte ihr Grinsen sie verraten.

Leonie brauchte einen Moment, dann erstarrte sie. »Nein, Nein. Das können sie nicht von mir verlangen.«

»Das mache ich ja auch gar nicht« Selma sog den Moment mit voller Lust auf. »Aber wenn du etwas essen möchtest, dann weißt du jetzt, wie es noch möglich ist.«

»Das mache ich nicht. Nie!« Leonie war empört. »Lieber gehe ich hungrig ins Bett.«

»Das ist deine Entscheidung.« Selma lächelte insgeheim. Ihr Schützling reagierte genauso, wie sie es für ihre nächsten Schritte brauchte.

* * *

Es gab nur eine Stelle im Raum, wo das Radio schwachen Empfang hatte. Sophie bekam auch nur einen Sender herein, den des neu gegründeten Lokalradios wegen der Antenne auf dem Schlossturm. Die Verhaftung war natürlich Tagesgespräch.

Sie war zunächst erleichtert, doch dann kam sie ins Grübeln. Sie war immer noch hier gefangen und sie wusste nicht, wann sie befreit wurde. Sie hoffte nur, dass es nach dem Fest sein würde. Denn dessen war sie sich sicher, sie war wegen des Festes aus dem Verkehr gezogen.

Anfangs hatte sie Angst, dass sie gar nicht mehr befreit wurde, doch dann wurde ihr bewusst, dass mindestens noch zwei Personen wussten, wo sie war. Und da sie wusste, wie anhänglich Michael war, war sie sich sicher, dass er bestimmt keine Ruhe geben würde, bis sie gefunden beziehungsweise befreit war.

Sie begriff so langsam, dass im Moment ihr Leben von fremden Personen abhängig war. Und sie war sich nicht sicher, ob sie jemals das Tageslicht wieder sehen würde. Doch sie war zuversichtlich. Irgendwann würde er der Meinung sein, dass sie genug gelitten hatte und dann würde er für ihre Befreiung sorgen. Doch dann seufzte sie. Bei dem Blick auf ihr Sündenregister würde es sicher noch lange dauern.

Gestern um diese Zeit war Michael gekommen. Ihr Engel, der so viel für sie getan hatte, und zum ersten Mal seit langen Jahren fragte sie sich, ob sie sich auch genügend für seine Hilfe bedankt hatte. Sie wusste, dass sie in der Vergangenheit solche Hilfe immer als eine Selbstverständlichkeit angesehen hatte, die sie oft genug sogar eingefordert hatte. Was war sie doch für ein arrogantes Biest gewesen.

Ihr Blick fiel auf den Schreibblock. Sie riss sich ein neues Blatt ab und schrieb langsam eine Überschrift darauf. »Meine schlechten Eigenschaften« war auf dem Zettel zu lesen und gleich darunter schrieb sie zwei Worte: ´Arrogant´ und ´Undankbar´.

* * *

»Jetzt weißt Du, was ich mit Leonie vorhabe.« Selma lehnte sich zurück. »Aber dazu brauche ich eure Hilfe.«

»Das ist aber sehr gemein. Sie kann sich ja überhaupt nicht mehr dagegen wehren.« Paul grinste hinterhältig. »Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Mit Fernsteuerung.«

Selma lächelte nur. »Ich habe eben meine Kontakte.«

Paul war erstaunt. Eigentlich dachte er, dass er seine Oma kennen würde, doch seit Leonie im Haus war, entdeckte er immer neue Seiten an ihr.

»Und warum soll Maria dabei sein?« Er hatte angenommen, das wäre nur eine Sache zwischen Leonie und seiner Oma.

»Nun, ich dachte, dass sie vielleicht auch auf den Geschmack kommen könnte.« Selma hatte auf einmal ein seltsames Lächeln im Gesicht.

Natürlich hatte Paul seiner Oma erzählt, was sich in der Klinik ungefähr abgespielt hatte, auch wenn er bei gewissen Details doch oberflächlich geblieben war. »Und du meinst, Maria könnte das gefallen?«

»Deswegen soll sie ja dabei sein.« Selma strich ihrem Enkel über den Kopf. »Es wäre mal ein Test, um zu sehen, auf welcher Seite sie wirklich steht.«

»Wie meinst du das?« Paul wusste nicht, an was seine Oma dachte.

»Nun, es wäre interessant zu erfahren, wie sie reagieren wird.« Selma lächelte. »Wird sie mit Leonie leiden oder sich eher an ihrem Leid ergötzen?« Sie machte eine Pause. »Du hast sie auf der Hütte erlebt. Was meinst du?«

Paul zuckte mit den Schultern. Maria hatte ihn schon so oft überrascht, dass er wirklich nicht sagen konnte.

»Ich werde dann Leonies Schlaftrunk zubereiten.« Selma stand auf. »Ich bin mir sicher, dass sie darauf eingehen wird, wenn ich ihr einen Strohhalm hinein steckte.«

»Und du bist sicher, das sie es trinken wird?« Paul war etwas skeptisch.

»Wenn nicht, dann kannst du sie etwas zum Trinken animieren.« Selma dachte laut. »Sie wird zumindest ein wenig hungrig sein. Darauf können wir aufbauen.«

Paul gefiel der Gedanke, an dieser Gemeinheit aktiv mitzuarbeiten. »Wo ist sie denn im Moment?«

»Sie ist im anderen Gästezimmer.« Selma grinste. »Ich habe ihr beim Hinlegen auf das Bett geholfen. Sie weiß, dass sie rufen soll, wenn sie etwas braucht.«

»Nanu?« Paul wunderte sich.

»Sie wird sicher bald merken, dass sie nicht mehr allein aufstehen kann.« Selma spitzte kurz die Ohren. »Ich habe die Tür nur angelehnt, damit wir sie rufen hören können.«

Paul grinste. »Soll ich ihr den Schlaftrunk nicht sofort bringen?«

»Nein, das wäre nicht gut.« Selma blickte auf die Uhr. »Der Trank wirkt nur eine knappe halbe Stunde. Wir müssen warten, bis Maria hier ist, bevor wir anfangen.«

»Könnte Maria ihr nicht den Trunk geben?« Paul dachte laut.

Doch Selma wiegelte ab. »Ich möchte Maria da nicht mit hinein ziehen. Leonie soll ihr weiter vertrauen dürfen.« Sie blickte kurz aus dem Fenster. »Wann wollte sie kommen?«

»Sie wollte Anna auf die Probe begleiten und wollte sie hier abholen.« Paul gab wieder, was er wusste.

»Ich rufe Doro an und sage ihr, dass sie sie ein wenig früher vorbei schicken soll.« Selma grinste.

* * *

Sophie zählte die Glockenschläge, und je weiter die Zeit fortschritt, desto klarer wurde es ihr, dass Michael heute wohl nicht mehr kommen würde. Trotzdem nahm sie sich vor, wach zu bleiben, um für ihn auf alle Fälle bereit zu sein.

Sie blickte wieder auf ihre mittlerweile zwei Listen, die sie pflegte. Die Personenliste war mittlerweile ziemlich vollgeschrieben und Leonie ahnte, dass es lange dauern würde, bis sie diese abgearbeitet hatte.

Auf der zweiten Liste standen bisher ihre schlechten Eigenschaften. Doch dann hörte sie in sich hinein. Gab es auch gute Eigenschaften, die sie schon notieren durfte? Geduld gehörte mittlerweile dazu. Die Wochen im Gipspanzer hatten ihr ein ganz anderes Zeitgefühl vermittelt. Sie nahm sich den Zettel zur Hand und schrieb im unteren Sechstel mit etwas kleinerer Schrift ´Meine guten Eigenschaften´, darunter setzte sie das Wort Geduld.

Im Krankenhaus hatte immer wieder gewartet, ob nicht doch einer ihre angeblichen Freunde sie besuchen würde, doch keiner von ihnen hatte sich blicken lassen. Mittlerweile wusste sie, dass sich neben den Schwestern und Ärzten nur zwei Personen sich um sie gekümmert hatten. Maria hatte sie einmal besucht und Michael war bedingt durch sein Praktikum ständig in ihrer Nähe gewesen. Und er hatte sogar jeden Tag für frische Blumen gesorgt.

Auf einmal wurde Sophie bewusst, dass sie sich noch gar nicht bei ihm für all das bedankt hatte. Sie ärgerte sich, dass sie schon wieder dabei war, in ihr altes Leben zurück zu kehren. Dabei hatte sie sich vorgenommen, alles bisherige hinter sich zu lassen und von jetzt ab ein besseres Leben anzufangen.

Sie würde ihm einen Brief schreiben. Und es gab viel, was sie ihm sagen wollte und für das sich sich bedanken wollte. Sie riss sich den nächsten Zettel vom Block herunter und begann zu schreiben. »Lieber Michael...«

* * *

Paul hatte sich einen Plan überlegt, wie er es anstellen konnte, dass er Leonie den Schlaftrunk geben konnte, ohne dass sie Verdacht schöpfen würde. Er wusste, dass sie jetzt im alten Gästezimmer lag, doch sie wusste nicht, dass er es wusste. Es würde also möglich sein, aus irgendeinem Vorwand in das Zimmer zu platzen und sie dann zu ´entdecken´. Dann würde er mit ihr ins Gespräch kommen und alles weitere würde sich ergeben.

Also stolperte er in das Zimmer und tat ein wenig erschrocken, als er Leonie auf dem Bett liegen sah. »Was machst du denn hier?« Er trat an das Bett heran. »Warum bist du denn nicht in deinem Zimmer?« Es fiel ihm auf, dass sie ein total verweintes Gesicht hatte. »Du hast geweint?«

»Ach Paul.« Sie seufzte tief. »Ich habe immer davon geträumt, einmal überall gefesselt zu sein und mich gar nicht mehr bewegen zu können.«

»Ja und?« Paul tat ein wenig ahnungslos, doch er war über Leonies aktuellen Zustand informiert.

»Es ist nicht nur schön.« Leonies Stimme wurde leiser. »Anfangs war ich begeistert von deiner Oma, doch jetzt habe ich Angst.«

»Angst wovor?« Paul war neugierig, was jetzt kommen würde.

»Angst, dass sie mich verhungern lässt« Leonie schluchzte wieder. »Ich müsste mit dem Mund essen, weil ich meine Arme nicht mehr benutzen kann.«

Auf einmal hatte Paul eine Eingebung. »Maria und ich haben in der Klinik etwas Tolles kennengelernt.« Er hoffte, so das Thema in die Richtung auf den Schlummertrunk lenken zu können. »Man tut das Essen in den Mixer, tut noch etwas Flüssigkeit hinzu und mixt alles durch. Das lässt sich dann mit einem breiten Strohhalm trinken.«

Leonies Augen begannen zu leuchten. »So etwas geht?« Sie schien wieder Hoffnung zu fassen. »Ich wollte nicht wie ein Schwein essen müssen, aber mit dem Strohhalm könnte das wirklich gehen.«

Paul fühlte, dass er sie so gut wie am Haken hatte. »Hattest du schon Abendbrot?«

Leonie schüttelte den Kopf und hob ihre Arme hoch. »Hier, fühlte mal.«

Paul war insgeheim von den Handschuhen sehr fasziniert gewesen. Er nahm Leonies Angebot gern an. »Das ist ja alles total steif.«

»Am Anfang hatte ich mich noch gefreut, weil es etwas dickeres Leder war.« Leonie schluchzte wieder. »Aber jetzt merkte ich, wie gemein es ist.«

Auch Paul wollte noch einmal sicher gehen. »Du weißt aber, dass nur ein Wort von dir reicht und sie lässt dich gehen.« Immerhin hatte ihm seine Oma dazu geraten, es zu erwähnen.

»Ich weiß« Leonie gab sich trotzig. »Ich hatte auch schon darüber nachgedacht, aber noch möchte ich es durchhalten.«

»Soll ich dir etwas zu essen machen?« Paul grinste. »Ich meine etwas zu trinken.«

»Das wäre sehr nett.« Leonie blickte ihn bittend an. »Und vielleicht kannst du mir hoch helfen. Ich kann nicht mehr alleine aufstehen.«

Paul ergriff den Arm, den Leonie ihm entgegen streckte und zog daran, bis Leonie aufrecht saß und sich abstützen konnte. »Danke. Ich will mal sehen, ob ich den Rest allein schaffe.«

»Ich suche mal den Mixer.« Paul blickte noch einmal auf Leonie, dann verließ er das Zimmer.



Einen Moment später hörte Leonie ein leise Surren aus Richtung der Küche und fast zufrieden rutschte sie langsam zur Bettkante vor. Es war für sie sehr ungewohnt, so gut wie alle Gelenke versteift zu haben, doch jetzt, wo ihre Ernährungsprobleme gelöst waren und sie nicht aus einem Napf essen musste wie ein Schwein, da fand sie auch wieder Gefallen an ihrer Situation.

Zwei Mal ertönte der Mixer noch, dann nach einer kurzen Pause hörte sie seine Schritte und gleich darauf öffnete sich die Zimmertür.

»Ihr Abendessen, Madame.« Paul versuchte einen Scherz, allerdings nur um seine Nervosität zu überspielen. Er trug ein kleines Tablett vor sich, auf dem ein großes Glas mit einer milchigen Flüssigkeit stand, und darin steckte ein Strohhalm.

»Wir haben so große Strohhalme noch nicht, ich muss morgen mal zum Einkaufen.« Er hielt ihr das Glas so vor den Körper, dass sie den Strohhalm leicht mit dem Mund erreichen konnte.

Eine Falle vermutete Leonie nicht. Sie ergriff sich den Strohhalm mit den Lippen und trank es in einem Rutsch aus. »Danke, das war gut«, antwortete sie, als sie den Halm wieder losgelassen hatte.

»Was hast du heute noch vor?« Paul versuchte ein wenig Smalltalk, denn er wollte erreichen, dass Leonie sich wieder auf das Bett legen wollte.

»Oh ich wollte noch eine kleine Wanderung machen und an meinem Pullover weiter stricken.« Sie blickte ihn energisch an.

Paul war sich nicht sicher, ob er sie richtig verstanden hatte. »Du machst was?« In diesem Moment hatte sie ihn wirklich verblüfft.

Doch dann grinste sie. »Das war Sarkasmus.« Sie wackelte mit den Armen. »Meinst du, ich kann so irgendwas machen?«

»Soll ich dir beim Hinlegen helfen?« Paul hoffte, mit dieser Suggestivfrage Erfolg zu haben.

Es wirkte wie gewünscht. »Ich glaube, ich werde müde.« Leonie blickte ihn dankbar an, als er sie wieder auf dem Bett zurecht rückte.

»Einen schönen Abend noch.« Paul lächelte, als er mit dem Glas und dem Tablett zur Tür ging.

»Vielen Dank für alles.« Leonie war hörbar erleichtert.

»Jederzeit wieder.« Paul schloss die Tür und grinste. Wenn Leonie wüsste, für was sie sich gerade bedankt hatte.

* * *

»Na, hat sie getrunken?« Selma war sehr gespannt, ob ihr Enkel mit der kleinen List Erfolg gehabt hatte. Doch dann fiel ihr Blick auf das leere Glas und sie grinste nur noch.

Paul stellte das Tablett auf die Spüle. »Und jetzt?«

»Wir müssen noch ein wenig warten, dann kann es losgehen.« Sie blickte zu Maria, die sich etwas unsicher umsah.

»Was habt ihr denn vor?« Pauls Freundin ahnte, das Paul und seine Oma irgend etwas im Schilde führten.

»Ich habe schon alles, was wir brauchen bereitgelegt.« Selma zeigte auf den Küchentisch. Marias Frage überging sie.

Maria sah einen seltsamen flachen Kasten, einen Plastik-Schmetterling und zwei seltsame schwarze stachlige aussehende Gummiteile. »Und was ist das?«

»Ich habe euch hergeben, weil ich ein paar helfende Hände gut gebrauchen kann.« Selma übersah Marias Frage zunächst, doch dann stutzte sie. »Willst du es erklären?« Sie blickte ihren Enkel an und zwinkerte ihm dabei zu.

Paul keuchte zunächst ein wenig, dann trat er an den Tisch heran. »Diese schwarzen Igel kommen von innen in den Metall-BH.« Er vermied es, Maria dabei anzusehen.

Maria nahm einen davon in die Hand und ließ ihn zwischen ihren Fingern wandern. Sie spielte etwas mit den kleinen Gumminoppen, dann nahm sie ihre zweite Hand zu Hilfe und strich mit den Noppen über die Handinnenfläche. »Hinterhältig« war ihr Kommentar.

Dann blickte sie auf den Schmetterling. »Leonie trägt doch auch einen Gürtel.« Sie nahm ihn in die Hand. »Was soll sie denn dann damit?« Es schimmerte durch, dass Maria im Gegensatz zu den Gumminoppen wusste, was es mit dem Schmetterling auf sich hatte.

»Ich denke, jetzt können wir anfangen.« Selma kam zum Tisch, nahm die Gegenstände in die Hand und reichte sie Paul. »Kommt ihr?«

Maria verzichtete auf die Frage, was sie denn vor hatten. Zum einen würde sie es gleich sehen, und zum anderen waren die Gegenstände mehr als eindeutig. Sie bedauerte Leonie ein wenig, denn diese Sachen waren durchaus geeignet, eine junge Frau in den Wahnsinn zu treiben.



Leonie lag mit geschlossenen Augen auf dem Bett und lächelte friedlich.

»Was hast du ihr denn gegeben.« Paul hatte einen Anflug von schlechtem Gewissen.

»Ein altes Hausmittel, diesmal nur ein wenig in der Dosis verstärkt.« Selma versuchte belanglos zu klingen, dann griff sie ihr Schlüsselbund und öffnete zunächst den Metall-BH. Nebenbei achtete sie darauf, dass Maria alles gut verfolgen konnte. Sie war einfach gespannt, wie das Mädchen wohl reagieren würde. »Gib mir bitte mal die Gumminoppen.« Sie streckte ihre Hand aus.

Pauls Hand zitterte leicht, als er erst den einen und dann den anderen Gegenstand an seine Oma weiter reichte.

»Hier innen sind kleine Halterungen, man muss die Dinger nur hinein schieben und sichern.« Selma zeigte kurz das Innere der Halbkugel.

Maria begann kurz zu husten.

»Was ist denn?« Selma hatte mit so einer Reaktion gerechnet.

»In meinem BH sind auch solche Halterungen.« Maria sprach leise. »Ich habe mich immer gefragt, wofür die wohl sind.«

»Willst es mal ausprobieren?« Selma versuchte, ganz belanglos zu klingen. »Ich habe noch mehr von den Gummidingern.« Sie klappte den BH von Leonie zu und brachte das Schloss wieder an. »Auch in verschiedenen Größen.«

»Nach dem Fest.« Paul strich Maria über das Gesicht.

»Die hätte ich gern bei Wetzlers getragen oder auf der langweiligen Sitzung.« Maria lächelte verträumt. »Dann hätte ich etwas Abwechslung gehabt.«

Selma blickte Paul kurz, aber eindringlich an, dann machte sie sich daran, Leonies Keuschheitsgürtel zu öffnen.

Maria ergriff Pauls freie Hand und drückte sie. Was gerade mit Leonie passierte, schien sie doch sehr zu bewegen.

»Hier wird der Schmetterling einfach eingeklipst.« Selma drückte den Vibrator auf das Schrittblech. »Und frau merkt ihn beim Tragen kaum.« Gleich darauf schloss Selma den Gürtel wieder.

Maria drückte Pauls Hand etwas fester. Nur ein dünnes Kabel verriet jetzt, dass Leonie jetzt noch ein Spielzeug mehr am Körper trug.

»Man sollte ihn aber zwei Mal am Tag reinigen, sonst wird es schnell ungemütlich.« Selma bemühte sich, sachlich zu bleiben. »Aber das erkläre ich ihr morgen.«

»Zwei Mal pro Tag.« Maria wiederholte es fast mechanisch. In ihr schien es heftig zu arbeiten.

»Jetzt brauche ich eure Hilfe.« Selma sah zu ihrer Zufriedenheit, dass Maria Pauls Hand fest hielt. »ihr müsst sie auf die Seite drehen, damit ich den Batteriekasten und den Empfänger für die Fernbedienung anbringen kann.«

Von Maria war wieder ein Keuchen zu hören, doch dann ließ sie Pauls Hand los und half ihm dabei, Leonies Körper in die gewünschte Position zu bringen.

Selma hatte die beiden Kästen hinten auf dem Gürtel befestigt und steckte das Kabel vom Schmetterling in die entsprechende Buchse an dem Empfänger. Auch zwischen ihm und dem Batteriekasten wurde noch ein Kabel gelegt. »Das ist die Schwachstelle an dem System. Wenn man genug hat, braucht man sich nur die Kabel abziehen und es ist Ruhe.«

»Du musst mir dazu den Handschuh anlegen.« Maria war auf einmal sehr verträumt. »Oder noch besser das Gebet.« Sie gab Paul einen Kuss.

Paul war ehrlich erstaunt. »Du magst so etwas?«

»Wenn es von dir kommt, schon.« Maria wurde auf einmal etwas rot. »Und natürlich darfst nur du die Fernbedienung benutzen.«

Selma tat, als hätte sie den kleinen Dialog überhört. »Die Kombination kann einen fertig machen.« Sie lächelte ein wenig nachdenklich. »Ich wette, dass Leonie spätestens morgen Mittag nach einem Knebel fragt.«

Aus dem Treppenhaus waren Geräusche zu hören.

»Ach, ich muss Anna auf die Probe begleiten, das hatte ich ihr versprochen.« Es tat Maria etwas weh, aus dieser schönen Stimmung gerissen zu werden. »Kommst du mit?« Sie blickte Paul verlangend an.

»Gern.« Paul hatte einiges Interesse daran, mit Maria ein Gespräch zu führen, ohne das seine Oma dabei war. Marias Reaktionen hatten ihn sehr ermutigt. Doch dann erkannte er, dass Anna immer in Marias Nähe sein würde und das war ihm auch nicht recht.

* * *

Anna hatte Paul und Maria gefragt, ob sie sie wieder zur Probe begleiten könnten. »Florian hat zu tun.«

Paul blickte etwas verlegen auf. Er konnte mit dieser Art von Musik wenig anfangen.

Maria stand auf. »Das mache ich gern.« Nach einem kurzen Blick erlöste sie ihn. »Du kannst hier bleiben.«

Paul lächelte sie mit einem Gemisch aus Dankbarkeit und Verlegenheit an.



»Nanu?« Karin war erstaunt. »Wo habt ihr denn eure Männer gelassen?« Sie begrüßte die beiden Mädchen herzlich.

»Florian studiert die Pläne des Krankenhauses.« Anna erklärte, dass er dort jetzt im Hausmeisterteam mitarbeitete.

»Und Paul?« Fritz kam eben zur Begrüßung.

»Der hatte keine Lust, mit zu kommen.« Maria lächelte. »Ich glaube, ihm bedeutet diese Musik nicht so viel.«

»Naja, dann können wir ja anfangen.« Fritz deutete auf die bereitgestellten Stühle. »Nehmt Platz.«



Heute gab es in der Probe zwei Zuhörer: Maria und Karin, die es sich hatte nicht nehmen lassen, mit ihrer verletzten Hand in die Probe zu kommen. Wie üblich hielt Fritz seine übliche Motivationsrede, doch diesmal begrüßte er noch einmal ausdrücklich Anna, die so kurzfristig eingesprungen war.

Anna war glücklich. Sie hatte mit den zu probenden Stücken überhaupt keine Probleme. Sie verstand sich auch musikalisch sofort mit den anderen und man konnte meinen, sie hätten schon immer so zusammen gespielt. Selbst als sie an einigen Stellen den Einsatz für die anderen Musiker geben musste, tat sie das mit einer Selbstverständlichkeit, die atemberaubend war. Und nebenbei konnte sie einen Teil ihrer so empfundenen Schuld abarbeiten.

Maria war begeistert. Sie war richtig stolz darauf, dass sie und ihre Mutter sich so für Anna eingesetzt hatten.

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kaes
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Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.

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  RE: Maria Datum:24.03.17 07:40 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll

Ich bin mit dem lesen etwas im Verzug, aber ich will mich ganz herzlich bedanken, dass du uns mit Lesestoff versorgst.
Ich bin gespannt wie sich die Sache entwickelt und freue mich auf die nächsten Folgen.

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  RE: Maria Datum:24.03.17 19:30 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll

konnte bis jetzt noch nicht alles lesen, aber von dem bereits gelesen bin ich restlos begeistert.

Bin jetzt gespannt wie lange Sophies Läuterung anhält.

Danke gag_coll

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Gruß vom Zwerglein
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Dreiundzwanzig Datum:27.03.17 07:01 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Dreiundzwanzig
Autor: Karl Kollar

Mittwoch, 22. September 1984

»Leonie, bist du schon wach?« Selma äußerte die Frage, nachdem sie auf ihr Klopfen an der Zimmertür ihrer ´Gefangenen´ ein leises Brummen gehört hatte.

»Guten Morgen, Frau Mohr.« Leonie blinzelte noch etwas verschlafen und versuchte sich etwas zu räkeln, doch sofort bemerkte sie, wie wenig sie sich nur noch bewegen konnte. »Ich dachte, es wäre ein Traum gewesen.« Sie war etwas verlegen.

»Ich dachte mir, dass du vielleicht Hilfe beim Aufstehen gebrauchen könntest?« Selma hatte Mühe, ihr Grinsen zu unterdrücken, denn in Wirklichkeit wollte sie natürlich dabei sein, wenn Leonie ihre neuen Quälgeister entdeckte. Sie ergriff Leonies Arm und zog sie hoch.

»Danke Frau Mohr.« Leonie war ehrlich dankbar. Doch dann stutzte sie und blickte erstaunt an sich herunter. Sie trug noch die Kleidung vom Vortag, die nur aus dem hässlichen Kittel bestand. Als sie versuchte, ihren Arm nach vorn zu bringen, bemerkte sie sofort die Wirkung der Handschuhe, die sie auch noch trug.

»Was ist denn, Leonie?« Selma hatte die Verwunderung in ihrem Blick durchaus bemerkt.

»Da hat mich eben etwas am Busen berührt.« Sie blickte verwundert an sich herunter. »Ich trage doch diese Metalldinger. Wie geht das?«

Selma fand, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. »Du hast gestern einen Schlaftrunk bekommen.« Sie machte eine deutliche Pause. »Und dann haben wir deine Rüstung geöffnet und etwas hinein getan.« Sie griff in ihre Tasche und holte ein weiteres dieser schwarzen Gummiteile heraus, um es Leonie kurz zu tragen. »Dies sind ab sofort deine neuen Begleiter.«

Leonie keuchte, als sie realisierte, was die Worte ihrer Gastgeberin für sie und ihren bisher schon so mühevollen Alltag bedeuteten. Eine Antwort gab sie nicht.

»Und einen Schmetterling hast du auch bekommen.« Selma schaffte es nicht mehr, ihr Grinsen zu verbergen. »Er wird mit einer Fernbedienung gesteuert.« Sie holte den zweiten Gegenstand aus ihrer Tasche und drückte auf einen Knopf.

Sofort stöhnte Leonie auf und gleichzeitig flossen ein paar Tränen über ihr Gesicht. »Danke Frau Mohr.« Ihre Stimme wurde leiser. »So etwas habe ich mir immer schon gewünscht.«

Selma glaubte sich verhört zu haben. »Was sagtest du?«

Leonie fand jetzt etwas mehr Mut zum Reden. »Das war mein innigster Wunsch, aber ich habe mich nie getraut, es zu äußern.«

Selma war in diesem Moment ehrlich sprachlos. Erst nach einiger Zeit schaltete sie den Schmetterling wieder aus und zog Leonie vom Bett hoch. »Soll ich dir im Bad helfen?«

Für Leonie war es der nächste Tiefschlag. Sie wollte zunächst widersprechen, doch dann realisierte sie ihren Zustand. Dadurch, dass ihre Arme und Hände fixiert waren, war sie vollkommen hilflos. Sie seufzte leise ein ´Ja´.

* * *

Sophie erwachte und warf sofort einen sehnsüchtigen Blick auf die Tür. Seit Michael da gewesen war, erwachte langsam in ihr der Wunsch, die Welt draußen wieder betreten zu dürfen. Auch wenn ihr klar war, dass es nicht mehr die Welt sein würde, die sie gewohnt war. Und sie hatte Angst, den Leuten wieder zu begegnen, denen sie in der Vergangenheit so oft weh getan hatte.

Den weißen Umschlag, der vor der Tür lag entdeckte sie erst, als sie sich im Bett aufsetzte. Sofort stand sie auf, und als sie näher kam, erkannte sie ihren Namen auf dem Umschlag. Sie hob den Umschlag auf und öffnete ihn mit zitternden Händen.

Liebe Sophie,

ich schreibe dir heute Abend noch einen Brief, denn heute konnte ich dich nicht besuchen. Während ich ihn schreibe, weiß ich noch gar nicht, wie ich ihn dir überhaupt überreichen soll. Franz-Ferdinand hatte mir gestern die Augen verbunden, bevor er mich zu dir brachte. Ich hoffe, dass er ihn dir bringen kann.

Die Bibel für dich habe ich gekauft, aber ich möchte sie dir persönlich überreichen.

Ich hoffe, du konntest mit meinen etwas hastigen Gymnastik-Tipps etwas anfangen, zur Sicherheit lege ich noch eine Broschüre bei, auf der gute Übungen abgebildet sind.

Sophie hatte sich erst über den großen Umschlag gewundert, jetzt sah sie die in Hochglanz gedruckten Seiten und seinen mit der Hand geschriebenen Brief. Er hatte eine angenehme und leicht lesbare Schrift, die gar nicht vermuten ließ, dass sie zu einem angehenden Mediziner gehörte. Sophie las weiter.

Ich möchte mich noch einmal für die schöne Zeit mit dir bedanken, auch wenn die Nacht etwas anders verlaufen ist, als ich es mir erträumt hatte.

Sophie lies den Brief wieder sinken. Die Nacht war wirklich ganz anders verlaufen, als sie es erwartet oder besser befürchtet hatte. Immer wieder musste sie an das sehr leckere Essen denken, mit dem er sie verwöhnt hatte. Und dann hatte er sie auf dem Bett in den Arm genommen und einfach nur gestreichelt. Es hatte so gut getan, endlich wieder einmal Berührungen auf ihrem Körper zu spüren. Und sie fühlte auch keinerlei Scham, als sie in seinen Armen gekommen war, sondern nur Glück, welches aber bald danach von der aufsteigenden Müdigkeit verdrängt wurde.

Als sie die weiteren Zeilen des Briefes las, fiel ihr ein, dass sie ihm auch noch für so Vieles danken wollte. Und dabei spielten die beiden gemeinsamen Mahlzeiten überhaupt keine Rolle. Es hatte so gut getan, endlich wieder mit einem Menschen reden zu können und vor allem verstanden zu werden.

Er schrieb von der baldigen Prüfung, die er machen musste, und dass für ihn dann ein Jahr im Ausland an stand. Sophie fühlte etwas, dass sie seit dem Tod ihrer Mutter nicht mehr erlebt hatte, dass Gefühl von echter Freundschaft. Sie war sich sicher, dass sie mit ihm in Kontakt bleiben würde, falls sie jemals wieder aus diesem Keller befreit werden würde.

Am Ende des Briefes kündigte er wieder einen Besuch für den heutigen Abend an. Sophie war sofort elektrisiert, als sie die Zeilen las. Sie suchte den kleinen Spiegel und seit langer Zeit blickte sie wieder hinein.

Sie erschrak fast, denn es blickte sie ein Gesicht an, das sie fast nicht mehr als ihr eigenes erkannt hätte. Es war nicht in Schminke ertränkt, sondern zeigte eine natürliche Schönheit, derer sie sich lange Zeit geschämt hatte. Auch ihre Haare lagen wild durcheinander. Sie griff zu der Bürste, die als einziges auf der winzigen Konsole unterhalb des Spiegels lag. Wenigstens die Haare wollte sie schön tragen, auch wenn sie ab jetzt auf Haarspray und dergleichen verzichten wollte.

Sie blickte an sich herunter und wieder realisierte sie, dass sie nur die Wahl hatte zwischen einem altem Arbeitskittel oder dem Nachthemd aus der Klinik. Und beides war selbst für ihre aktuellen Verhältnisse hässlich und unansehnlich. »Ich habe es noch nicht besser verdient.« Und dabei verdrängte sie den Gedanken an die vollen Kleiderschränke, die lediglich zwei Stockwerke über ihr standen.

Ihr Blick fiel auf ihren jetzigen Luxus in Form des Radios, doch sie hatte wenig Lust auf den einzig erreichbaren Sender, bei dem die Werbung nur ab und zu einmal durch etwas Musik unterbrochen wurde. Während sie sich langsam die Haare bürstete, dachte sie darüber nach, wie sie Michael heute Abend empfangen sollte. Sie hatte mittlerweile keine Scheu mehr zu zeigen, dass sie sich auf seinen Besuch freute und wie gut ihr seine Nähe tat. Sie war ihm unendlich dankbar, dass er sich so viel Zeit für sie nahm.

* * *

»Ich habe Paul bewusst ausschlafen lassen, das habe ich gestern noch mit Doro so ausgemacht.« Selma erklärte Leonie ihre Beweggründe. »Maria und er sollen sich noch einmal ausschlafen dürfen, bevor morgen der ganze Trubel losgeht.«

Leonie blickte etwas sehnsüchtig durch die Küchentür auf den so liebevoll gedeckten Frühstückstisch, doch sie schwieg.

»Ich denke, wir warten, bis Paul so weit ist, oder?« Selma blickte ihren Schützling fragend an.

Leonie zuckte mit den Achseln, eine der wenigen Bewegungen, die sie noch zustande brachte. »Von mir aus.«

Es war ihr ganz recht, wenn das Thema Nahrungsaufnahme noch etwas hinausgezögert wurde. Es hatte ihr schon mehr als gereicht, dass sie ihm Bad von Frau Mohr wortwörtlich von vorn bis hinten bedient werden musste.

Sie musste alles mit sich geschehen lassen, sowohl das Reinigen nach dem großen Geschäft als auch das Putzen der Zähne. Jede einzelne Handlung machten Leonie immer wieder schmerzlich bewusst, dass sie über ihre Arme und Hände selbst nicht mehr verfügen konnte. Und das Gefühl der Demütigung war groß.

Doch noch war sie zu stolz, um um ihre Befreiung zu bitten. Denn immerhin lebte sie im Moment ihren Traum, von dem sie lange nicht geglaubt hatte, dass man ihn je verwirklichen konnte.

* * *

Paul saß schon am Frühstückstisch und hatte große Mühe, sich ein Grinsen zu verkneifen, als er sah, wie sehr Leonie sich bemühte, trotz der vielen Restriktionen, die sie überall an ihrem Körper trug, einigermaßen würdevoll von der Küche zum Frühstückstisch zu gehen.

Als sie Paul am Tisch bemerkte, war sie etwas verlegen. »Wehe, wenn du lachst«, fauchte sie ihn an.

Selma betrat hinter ihr das Esszimmer. »Leonie, in deinem Zustand wirken solche Drohungen äußerst lächerlich.« Sie genoss es sehr, das Mädchen auch mit Worten zu quälen.

Noch bevor Leonie an ihrem Platz angekommen war, blieb sie stehen und begann auf einmal zu stöhnen.

Paul war schon sehr gespannt, wie sich der ständige Kontakt mit dem Vibrator an so prominenter Stelle auswirken würde, und jetzt konnte er es live erleben. Und er war mehr als fasziniert davon.

Doch viel zu schnell war von Leonie ein enttäuschter Seufzer zu hören, der anzeigte, dass die Vibrationen an so prominenter Stelle schon wieder aufgehört hatten.

Selma trat auf Leonie zu, um ihr die Kniegelenke kurz zu öffnen, damit sie sich an den Tisch setzen konnte.

»Danke.« Leonie sprach leise, denn sie fürchtete sich sehr vor dem, was als nächstes kommen würde, die Nahrungsaufnahme. Würden sie einfach zusehen, wie Leonie wie ein Tier würdelos mit dem Mund essen würde oder würden sie etwas Mitleid haben und ihr beim Essen helfen?

Zu ihrer Erleichterung stand auf ihrem Platz schon ein Glas mit weißem Inhalt und einem Strohhalm.

»Diesmal ist es kein Schlaftrunk.« Paul grinste etwas, als er sah, wie Leonie das Glas ein wenig argwöhnisch beäugte.

»Wir besorgen noch größere Strohhalme, dann kannst du auch dein Mittagessen auf diese Weise zu dir nehmen.« Selma sah interessiert zu, wie Leonie vorsichtig den ersten Schluck aus dem Glas sog.

»Das schmeckt gut.« Sie blickte ihre Gastgeber etwas verlegen an. »Vielen Dank.«



Selma war der Meinung, dass es Zeit war für den nächsten Tiefschlag. »Hier ist die Verschärfung für den heutigen Tag.« Sie stellte ein breites Halskorsett auf die Kommode. »Schaue es dir an, solange du deinen Hals noch drehen kannst.« Selma liebte es, so mit den Gefühlen der Mädchen zu spielen.

Leonie blickte zur Konsole und erkannte auf den ersten Blick, dass es ein sehr strenges Halskorsett war. Es würde von ihrer Kinnspitze bis hinunter auf ihre Brust reichen und sie erkannte jetzt schon, dass sie dann ihren Kopf auch nicht mehr bewegen konnte. Wieder stöhnte sie, denn auch der Vibrator war kurz angegangen.

»Sobald das Glas leer ist, werde ich es dir anlegen.« Selma wusste, was ihre Worte bewirkten.

Leonie stutzte erst ein wenig, dann beugte sie sich zu ihrem Strohhalm und begann wieder zu saugen. Diesmal hörte sie erst auf, als das Glas leer war. Dann blickte sie wieder zur Kommode.



»Paul, hilft du mir?« Selma ging zur Kommode und nahm sich das Halskorsett, um es dann Paul zu reichen. »Du kennst dich ja auch damit aus.« Sie zwinkerte ihm zu.

Paul nahm das Halskorsett und legte es um Leonies Hals, während das Mädchen das eine oder andere Mal leicht aufstöhnte.

»Sie freut sich über die nächste Verschärfung.« Selma wunderte sich etwas über das viele Stöhnen, denn sie hatte den Vibrator abgeschaltet.

Es war Leonie doch wichtig, es richtig zu stellen. »Nein, dieser kleine Eindringling quält mich.«

Selma nahm die Fernbedienung zur Hand und zeigte sie Leonie, wie sie ein und aus schaltete.

»Sind sie sicher, dass es funktioniert?« Leonie hatte sich überzeugt, dass der Vibrator eigentlich abgeschaltet sein müsste. »Jetzt geht es schon wieder los.« Sie stöhnte jetzt etwas heftiger. »Schade, es hat schon wieder aufgehört.« Sie sank ein wenig in sich zusammen.

»Ich werde mir noch einmal die Bedienungsanleitung durchsehen.« Selma gab zu, dass sie das Gerät neu gekauft hatte und es bisher noch nicht ausprobiert hatte. »Jetzt machen wir erst mal das Halskorsett fertig.« Sie griff sich die Schnur und begann, sie in die Löcher am Korsettrand einzufädeln.

Leonie stöhnte wieder, als sie die zunehmende Enge um ihren Hals spürte. Immer wieder versuchte sie auf die Fernbedienung zu sehen, wenn sie wieder einen Impuls an ihrer so empfindlichen Stelle spürte.

»Es wäre etwas leichter für uns, wenn du nicht ständig wackeln würdest.« Selma versuchte es mit neutraler Stimme zu sagen.

»Entschuldigung, aber dieses Ding spinnt immer zu.« Leonie stöhnte noch einmal, doch dann versuchte sie ihren Kopf still zu halten.



»Okay, das war es.« Selma setzte sich an den Frühstückstisch und griff sich ein Brötchen, um es aufzuschneiden.

Auch Paul hatte wieder Platz genommen und tat es seiner Oma gleich.

Das weitere Frühstück verlief in Schweigen, nur gelegentlich unterbrochen von Leonies entweder lustvollem oder enttäuschten Stöhnen, wenn der Vibrator wieder nur für ein paar Sekunden lief.

Paul nahm sich noch einmal die Anleitung zur Hand und kontrollierte auch die Einstellungen auf dem Steuergerät. »Wenn ich das richtig sehe, dann hast du das Zufallsprogramm aktiviert.« Er blickte von seiner Oma kurz zu Leonie, die gerade dabei war, etwas bleich zu werden.

»Oh, das war keine Absicht.« Selmas Stimme zeigte ehrliches Bedauern. »So sehr wollte ich dich am Anfang noch nicht quälen.«

Wieder stöhnte Leonie.

»Das Programm hat eine Laufzeit von acht Stunden und kann vorher nicht unterbrochen werden.« Dass ein Herausnehmen der Batterien noch eine Option war, behielt Paul allerdings für sich.

Leonie war erregt und entsetzt zugleich. Insgeheim hatte sie sich so etwas immer schon gewünscht, doch zum einen hatte sie nie den Mut gehabt, danach zu fragen, und zum anderen war sie sich auch nicht sicher, ob sie es wirklich so lange durchhalten würde.

Wieder stöhnte sie leicht. »Das werde ich ...« Sie konnte nicht weiter sprechen, stattdessen musste sie kurz aufstöhnen. »Das werde ich aushalten.« Sie gab sich sehr zuversichtlich. »Ich habe schon Schlimmeres ertragen.«

Paul blickte sie etwas verwundert an.

»Allerdings war ich dabei nicht so völlig hilflos.« Wieder stöhnte sie auf, dieses Mal etwas lauter.

* * *

Schon beim Anflug auf München hatte Frederike wehmütig aus dem kleinen Fenster des Fliegers geschaut und verträumt über ihre Zeit in der Landeshauptstadt nachgedacht. Später hatte sie die Liebe in das beschauliche Landsbach geführt, und dort besaß sie immer noch das Haus, in dem jetzt ihre Tochter zusammen mit der Erzieherin wohnte. Sie freute sich schon sehr darauf, die Gefilde ihrer Jugend und ihrer Studentenzeit wieder zu sehen.

Gleich nach der Landung durfte sie aussteigen und musste dabei etwas vergnügt an Ereignis ihrer Tochter denken, die direkt aus dem Flieger heraus von der Polizei nach Landsbach gebracht wurde. Frederike hatte arge Bedenken wegen des Gebets während der Landung gehabt, doch sie hatte es nicht gewagt, ihrer Tochter davon abzuraten. Dazu verdankte sie ihrer Tochter zu viel. Doch diesmal wartete kein Polizeiwagen und Frederike konnte nach den üblichen Formalitäten sofort ihre Koffer abholen.

Das Konsortium hatte ihr den Flug erster Klasse bezahlt, und sie hatte auch eine unterschriebene Kostenübernahmeerklärung für sämtliche Fahrtkosten bekommen. Sie war kurz in Versuchung, zunächst einen Abstecher nach München in die Innenstadt zu machen, doch ihre Liebe zu der alten Kleinstadt war doch größer. München konnte sie sich auch noch später ansehen.

So schob sie ihren Kofferwagen zum Taxistand und nahm das erste Taxi, das sich bereit erklärte, sie bis Landsbach zu fahren.



Der Fahrer war nett und begann sofort ein Gespräch, als er den leichten amerikanischen Einschlag bemerkte. »Mal wieder in der alten Heimat?«

»Sie haben recht.« Frederike war verblüfft über die Menschenkenntnis. »Es ist schon lange her, dass ich weggegangen bin.«

»Dem Gepäck nach ist es aber nur ein kurzer Urlaub.« Der Fahrer startete den Motor und fuhr los.

»In Landsbach findet das Katerinenfest statt.« Frederike machte es sich in dem Sitz bequem.

»Und deswegen kommen sie extra aus den Staaten?« Der Fahrer war etwas verblüfft.

»Hört man das?« Frederike lächelte. »Meine Tochter spielt die Hauptrolle.«

»Das ist natürlich ein Grund.« Der Fahrer lächelte zurück. »Da sind sie bestimmt sehr stolz.«

»Oh ja.« Frederike lehnte sich zurück.



In Landsbach ließ sie das Taxi kurz am Friedhof warten, denn als erstes wollte sie das Grab ihres Mannes besuchen, der schon so früh verstorben war. Es war damals ein Schock für sie gewesen, dass sie und die anderen Ärzte ihm bei dieser tückischen Krankheit nicht helfen konnten. Maria war noch sehr jung, als es passierte, und deswegen wuchs sie fast ganz ohne Vater auf.

Dann brachte das Taxi sie zu ihrer alten Freundin, die sie besuchen wollte, weil sie zusammen mit ihr und Marias Erzieherin einen kleinen Streich ausgeheckt hatten.

* * *

Sophie wusste noch ungefähr, wohin Michael gezeigt hatte, als er den Kühlschrank erwähnt hatte. Sie machte sie auf die Suche. Er war tatsächlich etwas versteckt unter dem Waschbecken gleich neben dem Boiler für das warme Wasser.

Seufzend erinnerte sie sich an die Worte von Michael, als er sagte, dass die Tür nur schwer zu öffnen war. Sophie hoffte sehr, dass ihre Kraft dafür schon ausreichend sein würde. Auf noch einmal Ravioli zu Frühstück hatte sie nun wirklich keine Lust.

Sie kniete sich vor das Gerät, holte tief Luft und zog mit aller Kraft an dem Türgriff. Zu ihrer großen Erleichterung ging Tür nach wenigen Augenblicken tatsächlich auf, und Sophie konnte das Innere des Kühlschranks bestaunen.

Ihr Cousin hatte sie doch besser versorgt, als es ursprünglich den Anschein hatte. Allerdings, dass musste Sophie sich schmerzlich eingestehen, wusste sie nicht, was in den jeweiligen Verpackungen drin war. Sie verfluchte ihre Arroganz, mit der sie sich immer von vorn bis hinten bedienen ließ und selten Lebensmittel in ihren Verpackungen gesehen hatte. Doch Butter und Marmelade hatte sie nach einigem Nachdenken identifiziert.

Von Michaels Frühstück war noch ein Brötchen übrig, das jetzt allerdings etwas hart war. Es schmerzte Sophie, dass sie so wenig Haushaltserfahrung hatte beziehungsweise sich immer nur an den gedeckten Tisch gesetzt hatte. Sie erinnerte sich dunkel an Zeiten, wo es auch Brötchen vom Vortag gab, und die waren trotzdem weicher als das Exemplar, welches jetzt vor ihr lag.

Sie suchte sich das Messer und schnitt sich das Brötchen auf. Währenddessen versuchte sie sich daran zu erinnern, was ihre Mutter damals, als sie noch lebte und sich um den Haushalt gekümmert hatte, mit den Brötchen gemacht hatte, doch im Moment wollte ihr nichts dazu einfallen.

Auch die Butter war steinhart, als sie sie auf das Brötchen streichen wollte und so langsam kam die Erinnerung wieder. Früher mussten die Sachen immer ein wenig früher aus dem Kühlschrank genommen werden.

Doch Sophie hatte Hunger und beschloss, auf die Butter zu verzichten. Sie strich sich etwas Marmelade auf die beiden Hälften, goss sich etwas Milch ein und begann mit ihrem Frühstück.

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  RE: Maria Datum:27.03.17 08:28 IP: gespeichert Moderator melden


Und wieder ein recht interessanter und toller Teil.

Die arme Leonie.So langsam übertreibt es Selma.Und das Paul da noch mitmacht.Bzw das mit den Batterien verschweigt.Also wirklick.TsTs er had doch schon Maria.Aber egal was Selma mit der Leonie noch vor had.Sie sollte folgenden Spruch nicht vergessen.Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er zerbricht.

Sie sollte aufpassen,das sie Leonie nicht zerbricht oder sie dazu bringt doch lieber zu gehen.
MAl schaun was für eine Überraschung Frederike had und wie es mit Sophia weiter geht.Achja weis Michael nicht das er sich der Mittäterschaft schuldig macht?Und er dan auch in den Knast gehen wird?

mfg Wölchen
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