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  DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten de
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M A G N U S
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Erlangen


Warum nur wollen immer alle frei sein!

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  DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:09.05.21 04:44 IP: gespeichert Moderator melden


Im Jahr 2030 lernt ein junger Mann über das Motorradfahren eine
sadistisch veranlagte Frau kennen; zusammen mit deren Lebenspartnerin und einer
weiteren Bekannten mit ausgeprägter devoter Neigung fahren sie in einen gemeinsamen
Urlaub nach Italien, wo sie erstmals die Auswirkungen des sogenannten »Condoma-
Virus'« bemerken, der die Geschlechtsorgane befällt. Gegen den jungen Mann laufen
polizeiliche Ermittlungen, er gerät immer tiefer in Verwicklungen, sein Schicksal
wird durch einen Brunnen besiegelt, den die devote Frau gegraben hat.

Der 1959 geborene, seit 1986 verheiratete Autor lebt in Erlangen; er möchte in
seinem ersten hier vorliegenden schriftstellerischen Versuch die Vorstellungskraft
der Leser anregen und diese teilhaben lassen an den Erfahrungen von Liebe und
Schmerz, Sehnsucht und Begierde, Lust und Tragik, indem er sich selber als Prota-
gonist in die Handlung einbringt. Seine lange Lebenserfahrung geben dem Roman eine
realistische Grundlage, auf welcher sich die einzelnen Episoden in ihren phantasie-
anregend gestalteten Überhöhungen aufbauen.
Soweit es die beruflichen und ehrenamtlichen Verpflichtungen zulassen, werden
die jeweiligen kurzen Abschnitte wöchentlich zum Wochenende hier eingetragen; wer
längere Geschichten im Zusammenhang lesen möchte, möge entsprechend warten und im
zweiwöchigen oder monatlichen, gar vierteljährlichen Turnus nachsehen.
Gute Unterhaltung wünscht M A G N U S.



ANFANG und ENDE berühren sich – Nach dem Sterben kommt neues Leben:
PROLOG = EPILOG

An diesem Morgen kommt es ihm vor, daß seine Herrin irgendwie in einer besonderen
Eile war, geradezu in wilder Hast: Kaum daß sie ihm, wie auch sonst üblich, die
Trinkflasche und eine trockene Semmel auf den Boden geworfen hat, stürzt sie wortlos
hinaus und knallt die Haustür hinter sich zu. Doch schon wenige Augenblicke später
schwingt die Tür wieder auf, die Herrin stürmt schnaubend herein, rafft von dem Tisch
ihre Handtasche, die sie liegengelassen hat, und eilt in gleicher Weise wieder davon,
ohne ihn nur eines Blickes zu würdigen.

Nachdem es für einige Minuten still geblieben ist, wagt er seinen Kopf zu heben
und seinen Blick durch das von der Morgensonne schwach erleuchtete Zimmer schweifen
zu lassen. Und da gewahrt er es, er muß zweimal hinsehen, um es zu begreifen: Seine
Herrin hat ihr Smartphone liegen lassen!

Wie ein Blitz durchzuckt ihn nur der eine Gedanke: Jetzt ist der Fall eingetreten,
den er sich schon lange aus dem Kopf geschlagen hat, die große einmalige Chance, tele-
phonieren zu können, um dem elendigen Sklavendasein ein Ende zu bereiten. Kurz hadert
er mit sich, ob er es wirklich tun sollte, doch dann streckt er die Beine aus, soweit
es die Ketten erlauben, und tatsächlich gelingt es ihm, mit den Zehen ein Tischbein zu
berühren.

Plötzlich überkommen ihn Skrupel, ob er sich trauen sollte, das Handy zu erheischen,
denn die Konsequenzen wären fürchterlich, wenn die Herrin ein weiteres Mal zurückkehrte,
um nach der vergessenen Handtasche nun auch das Gerät zu holen. Er malt sich im Geiste
die Strafen aus: Dunkelhaft, Hunger, Dauerbeschallung mit schmerzhaften Sirenentönen,
dann natürlich das übliche Auspeitschen und all die anderen schrecklichen Foltermetho-
den zur Bestrafung des Versuchs, an ihr Telephon heranzukommen, für dieses Kapitalver-
brechen, das einem Fluchtversuch gleichzusetzen wäre.

Es kommt ihm in den Sinn, sich rasch entschließen zu müssen, es gibt nur zwei extreme
Alternativen: Entweder wartet er noch einige Minuten, gar eine Viertel Stunde, um sicher-
zugehen, daß die Herrin nicht nochmals zurückkehrt, um ihr Smartphone zu holen, auf diese
Weise würde er sodann in aller Ruhe telephonieren können, allerdings mit der Möglichkeit,
daß sie während der Wartezeit doch zurückkäme, ihn zwar in Ruhe ließe, indes wäre die
Chance dann vergeben. Oder er handelt sofort auf die Gefahr hin, bei dem Versuch, das
Handy zu erlangen, auf frischer Tat erwischt zu werden mit allen Konsequenzen...

Er beschließt, sofort zu handeln: Das Handy im Blick, die wohl einmalige Chance zu
ergreifen, jetzt oder nie, das Sklavendasein gegen das Gefängnis einzutauschen. Mit
aller Kraft streckt er die Füße, die schweren Schellen schneiden in das Fleisch der
Unterschenkel, doch er ignoriert den Schmerz, mit äußerstem Willen drücken sich die
großen Zehen Millimeter um Millimeter um das quadratische Tischbein herum. Als die
Zehen jeweils eine Seite des Tischbeins berühren, versucht er, die Zehen so fest es
geht an das Holz zu drücken und seine Knie sodann anzuwinkeln, um das Tischbein auf
diese Weise zu sich herzuziehen, indes gelingt es nicht: Der Tisch ist zu schwer, die
Zehen rutschen ab, ohne daß sich der Tisch auch nur einen Millimeter bewegt hätte.

Frustriert starrt er auf seine Füße, schier fassungslos sitzt er da, für einige Sekun-
den wie gelähmt. Dann faßt er den Entschluß, die Schellen um seine Füße mit den Händen
so weit wie möglich nach oben über das Schienbein zu schieben, um wertvolle Millimeter
an Bewegungsradius zu gewinnen. Tatsächlich gelingt es ihm, trotz seiner gefesselten
Hände, die mit Handschellen nahe an seinen Bauch befestigt sind, die Eisenringe einige
Zentimeter weiter in die Waden zu drücken. Mit pochendem Herzen streckt er wieder die
Beine durch, erreicht mit den Füßen das Tischbein und jetzt gelingt es ihm, mit den gro-
ßen Zehen das Holz wie mit einer Zange zu umklammern, so daß sich die Zehen vorne berüh-
ren. Mit größter Anstrengung schafft er es, den Tisch ein bißchen in seine Richtung
zu bewegen, doch nach wenigen Sekunden muß er den rechten Fuß zurückziehen, ein wahn-
sinniger Schmerz durchzuckt den gesamten Unterschenkel, der Fuß verkrampft, er muß die
mühsam hinaufgeschobene Schelle von der Wade auf die Knöchel zurückstreifen und den Fuß
anwinkeln, um den Krampf abklingen zu lassen. Schnell zieht er auch das linke Bein zu
sich heran, denn sollte in dem Moment die Herrin hereinstürzen, darf nichts darauf hin-
deuten, daß er den Versuch unternommen habe, ihr Smartphone zu erangeln.

Glücklicherweise bleibt es an der Haustür still, der Schmerz läßt nach und er drückt
wieder die rechte Fußschelle so weit wie möglich auf die Wade, um einen neuen Versuch
einzuleiten, den Tisch zu sich herzuziehen. Tatsächlich gelingt es ihm nun, mit einem
beherzten Ruck das Tischbein um mehrere Zentimeter zu bewegen. Nach diesem kleinen Erfolg
zieht er seine Füße wieder an sich heran, um die Fußeisen von den Waden herunterzuziehen,
denn nun muß er nicht mehr um jeden Zentimeter Bewegungsfreiheit geizen, den die Fußket-
ten hergeben. Beim dritten Anlauf gelingt es ihm, das Tischbein soweit zu sich zu
ziehen, daß er nun mit den beiden Fersen das Holz umklammern kann und auf diese Weise
bewegt er kraftvoll den Tisch. Er zieht ihn bis auf etwa einem halben Meter heran, zieht
seinen rechten Fuß ganz zu sich zurück, hebt das Bein, bis der Fuß auf der Tischplatte
zu liegen kommt. Vorsichtig ertastet er mit den Zehen das Smartphone, schiebt es bis
zur Tischkante, gibt ihm einen festen Stoß, es fällt in einem leichten Bogen herab,
fliegt auf seine Brust, so daß er es schließlich mit den Händen auffängt.

Mit zitternden Fingern umfaßt er das Gerät, nach mehrfachen Herumdrücken erreicht er
schließlich das Notfall-Menü. Er atmet schwer ein und aus, rekapituliert nochmals das
Geschehen, wie alles ganz harmlos begonnen hat, wie das Spiel aus Lust und Leidenschaft
eine Eigendynamik entwickelt hat, wie es aus dem Ruder gelaufen ist. Mit pochendem Herzen
drückt er sodann wild entschlossen die drei Nummern auf die Mattscheibe, die er bis dahin
noch nie in seinem Leben gewählt hat – 1 1 0.

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:14.05.21 15:32 IP: gespeichert Moderator melden


1

♪ Dinng-Donng – ding,ding,ding,Doonnng ♪

„Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau! Heute ist
Dienstag, der 19. Februar 2030.
In Berlin sind die Landwirtschaftsminister der Länder zu einer Sonder-
sitzung zusammengekommen, um über die unterschiedlichen Auswirkungen der
Klimaerwärmung in den Bundesländern zu beraten. Es wurde eingehend über
einen Erfahrungsbericht aus Italien diskutiert, wo in einigen Regionen
nach der Getreideernte ein zweites Mal ausgesät wird, um im Spätherbst
eine weitere Ernte einzufahren. Auch in Deutschland erfolgt die Getreide-
ernte von Jahr zu Jahr früher, je nach Region bereits Anfang Juni, in Aus-
nahmefällen sogar schon Ende Mai. In diesem Zusammenhang fordern die Inte-
ressensverbände einen finanziellen Ausgleich für all jene Landwirte, deren
Äcker auf höher gelegenen Gebieten liegen, wo das Getreide erst später
reift und somit eine zweite Aussaat und Ernte nicht möglich ist. Die Mini-
ster kamen überein, daß die Subventionierung der Landwirtschaft aus EU-
Mitteln entsprechend umstrukturiert werden müsse, Details werden in Arbeits-
gruppen erarbeitet.

Bundeslandwirtschaftsminister Knoll betonte in einem Interview, daß die Folgen
der Klimaerwärmung im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern in Deutschland
für die Landwirtschaft bisher nicht nachteilig gewesen seien. Dank der starken
Regenfälle bleibt der Boden trotz der hohen Temperaturen feucht, das Pflanzen-
wachstum wird dadurch nicht beeinträchtigt. Dennoch sieht er die Forderung nach
Begrenzung der globalen Erwärmung weiterhin für ein erstrebenswertes Ziel, wenn
auch die 2-Grad-Grenze bereits jetzt, im Jahr 2030, gegenüber der Durchschnitts-
temperatur der vorindustriellen Epoche, deutlich überschritten ist.

Nach einer repräsentativen Umfrage des renommierten Konsumforschungsinstituts
Fragdum sehen 73 Prozent der Deutschen den Anstieg der Erwärmung in Deutschland
positiv, vor allem hinsichtlich der ausgeweiteten Freizeitmöglichkeiten beim
Baden und Wassersport. Allerdings stellt Fragdum fest, daß 45 Prozent der Befrag
ten kältere Winter in den Bergen wünschten, um während des Winterurlaubs natürli
chen Schnee vorzufinden.

Klimaforscher verschiedener Institute räumten ein, daß die Konsequenzen des Tem-
peraturanstiegs in Mittel- und Nordeuropa deutlich milder ausfallen als befürch-
tet, der CO-2-Ausstoß sei dank wesentlich verringerten Heizungsbedarfs in Wohnun-
gen, Schulen, Verwaltungen und Gewer-bebetrieben spürbar zurückgegangen. Auch der
Reiseverkehr ging zurück,da viele Menschen im Land ihren Urlaub verbrächten, vor
allem fällt der Tourismus in den Süden Europas deutlich geringer aus. Drastisch
verschlimmert hat sich dagegen die Situation in den südeuropäischen Ländern, dort
sei der CO-2-Ausstoß gestiegen aufgrund des vermehrten Einsatzes von Klimaanlagen
und Wasserpumpstationen.

Nun noch eine Meldung aus Asien: Wie erst heute bekannt wurde, ist vergangene
Woche in Taipeh, der Hauptstadt von Taiwan, ein neuartiges Virus entdeckt worden.
Einige Dutzend Patienten sind in Klinken eingewiesen worden, als bei ihnen starke
Rötungen der Geschlechtsorgane aufgetreten waren, einhergehend mit hohem Fieber.
Zudem klagten viele Betroffene über Atemprobleme und allgemeine Schwächeanfälle.
Virologen vermuten eine Mutation des sogenannten Corona-Virus', das vor zehn Jah-
ren in der Volksrepublik China ausgebrochen war und sich dann schnell auf alle
Regionen der Erde zu einer bedrohlichen Pandemie ausbreitete.
...

Die weiteren Aussichten: Auch in den kommenden Tagen erreichen die Temperatu-
ren Tageshöchstwerte bis 25 Grad, die Niederschlagsneigung bleibt gering, ledig-
lich in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen können örtlich lei-
chte Regenschauer niedergehen.
Wir melden uns wieder mit der Spätausgabe der Tagesschau um 23 Uhr und wünschen
Ihnen einen schönen Abend!“

Gangolf beugte sich leicht von seinem Sofa nach vorne, um die Fernbe-
dienung von dem Wohnzimmertischlein zu ergreifen und den Fernseher
damit auszuschalten. Herzhaft gähnend legte er die Fernbedienung zurück
und nahm statt ihrer die Motorradzeitschrift „Zweirad“ in die Hand, um
darin ein bißchen herumzublättern. Im Gedanken war er noch bei dem eben
gehörten Wetterbericht, daß in den kommenden Tagen weiterhin optimale
Wetterverhältnisse für das Motorradfahren herrschen würden: Temperatu-
ren bis 25 Grad, kaum Regenwahrscheinlichkeit, mit Vorfreude fieberte
er den März entgegen, denn ab diesen Monat durfte er dank des Saisonkenn-
zeichens nach der Winterpause wieder sein Motorrad fahren. Er wollte
bereits letztes Jahr auf die Zulassungsstelle gehen, um den Anmeldungs-
zeitraum verlängern zu lassen statt bisher von März bis Oktober auf Feb-
ruar bis November; zwei Monate Winterpause genügten bei den milden Win-
tern der letzten Jahre.

Nachdenklich blickte Gangolf zurück auf die Zeit, als es diese Saison-
kennzeichen noch nicht gab: Brav montierten damals die meisten Motor-
radfahrer Ende Oktober das Kennzeichenschild ab, marschierten damit zur
Kraftfahrzeugzulassungsstelle, um dort den Stempel auf dem Kennzeichen-
schild herauskratzen zu lassen und in dem Fahrzeugschein den Vermerk
„abgemeldet“ eingestempelt zu kriegen. Die gleiche Zeremonie erfolgte
dann am Ende des Winters in umgekehrter Weise: Wieder zum Amt, Wieder-
zulassung beantragen, endlich nach Hause, das Kuchenblech wieder an-
schrauben und die Saison konnte beginnen.

Doch wie oft war es, daß Gangolf einfach nicht dazu kam, auf das Amt zu
rennen, dort teilweise stundenlang zu warten, so daß er häufig erst wie-
der im späteren Frühjahr fahren durfte, einmal schaffte er es gar erst
im Juni. Und im Winter war es manchmal ähnlich, daß er das Abmelden erst
kurz vor Weihnachten erledigte, als er längst wegen den damaligen Witter-
ungsverhältnissen nicht mehr Motorradfahren mochte.

Ohne nach etwas Besonderem Ausschau zu halten, blätterte Gangolf gedan-
kenverloren das Heft durch, bis er schließlich auf der vorletzten Seite
bei der kleingedruckten Rubrik „Kontakte“ hängen blieb; eine Kontaktan-
zeige stach ihm förmlich in’s Auge:



Hey, wo bist du mit deiner Rennmaschine,
wilde Fegerin sucht dringend Soziaplätz-
chen für geile Ausritte, Lüggen-Schlee-
wald und Umgebung, Bild wäre schön,
[email protected]


‚Wilde Fegerin, wie ist die denn drauf’, kam es Gangolf sofort in den
Sinn, so etwas liest man nicht alle Tage. Unverzüglich schwang er sich
aus den Tiefen des Sofas empor, schlappte zu seinem Computer, öffnete
seinen E-Mail-Account und antwortete, ohne groß darüber nachzudenken,
was er da so zusammenschrieb:
„Hey wilde Fegerin, super, wenn Du dich traust, auf meiner R1 ist noch
ein Platz frei, ruf mich einfach an, dann können wir alles besprechen,
wie und was: 0172 8141377 Magnus.“

Dann suchte er ein nettes Bildchen heraus, das er als Dateianhang zufügte.
Es zeigte seine Yamaha R1 mit ihm, wie er lässig darauf saß, den Helm unter
den linken Arm geklemmt.
Eigentlich erwartete Gangolf keine ernstgemeinte Antwort; es klang zu auf-
regend, um wahr zu sein: Da suchte eine Sozia, die sich selber als ‚wilde
Fegerin’ bezeichnete, eine Mitfahrgelegenheit, die sie als ‚geilen Ausritt’
bezeichnete, das wäre ja alles viel zu schön, um Wirklichkeit zu werden,
doch er sollte sich täuschen. Mit dem Klick auf den Senden-Button leitete
er einen Prozeß ein, dessen Verlauf und dessen schicksal-haftes Ende er
sich selbstverständlich nicht in den kühnsten Träumen hätte ausmalen kön-
nen. Jäh fiel ihm ein, was er in Kindertagen lernen mußte:
‚et ne nos inducas in tentationem’ – oder mit den Worten Eugen Roths zu
sprechen:
‚Den Teufel wird man nie erwischen, er steckt von Anfang an dazwischen’.

Der Anfang war gemacht.

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:21.05.21 21:46 IP: gespeichert Moderator melden


2
In Gedanken vertieft schlurfte Gangolf in die Küche, um sich aus dem
Kühlschrank die angebrochene Bierflasche herauszuholen und eine neue
hineinzustellen. Er fand es bei den bereits Ende Februar herrschenden
Temperaturen wichtig, stets gekühlte Getränke im Schrank vorzufinden.
Nicht daß er übermäßig viel tränke, neben dem Bier ab und zu ein Gläs-
chen Weißwein, aber niemals einen Schnaps, er hatte gar keinen zuhause.

»Gangolf,« sein Name kam ihm in den Sinn, welch ein blöder Name, wie seine
Eltern wohl darauf gekommen waren, oder wer auch immer bei der Namensgebung
beteiligt gewesen war. »Hätten sie mich doch lieber Wolfgang genannt,
ein Name, der nicht so häufig vorkommt, aber doch allgemein bekannt war,
Mozart hieß so, Goethe, aber Gangolf, wer heißt denn Gangolf, irgendwo in
Bamberg gab es wohl im Mittelalter einmal ein Kloster mit diesem komischen
Heiligen, aber ich wüßte nicht, daß unsere Familie in irgend einer Weise
einmal mit Bamberg etwas zu tun gehabt hätte.«

In den E-Mails bezeichnete er sich als ‚Magnus’, Magnus, dieser Name
strahlt Stärke aus, wahre Männlichkeit, Karl der Große, lateinisch Caro-
lus Magnus, in Köln gibt es eine Magnus-Straße, ja, so wollte er heißen,
so wollte er genannt werden.

Mit seinem Bier stieg er die Kellertreppe hinab in seine kleine Elektro-
nikwerkstatt. Als Elektrotechniker hat er zwar bereits tagsüber mehr als
genug Aufgaben, besonders im Bereich Photovoltaikanlagen, dennoch mochte
er die allabendlichen Bastlereien nicht missen. Es bereitete ihm geradezu
erotische Freuden, an seinem augenblicklichen Projekt zu arbeiten: Fernge-
steuerte Handschellen. Im Internet kursierten zwar bereits etliche Konstruk-
tionen mit einem Zeitmechanismus, aber richtig einfach per Smartphone zu öff-
nende Schellen fand Gangolf noch nicht, einmal von einfachen Plastikteilen
abgesehen. Es sollten schon richtige stählerne Fesseln sein, wobei Sicherheit,
einfache Funktion und platzsparende Bauweise eine große Herausforderung dar-
stellten.
Freilich gab es immer wieder Rückschläge bei der Konstruktion, doch als gedul-
diger Mensch steckte er diese meist mit einem kurzen Seufzer weg, schaltete
in solchen Fällen den Lötkolben aus, schlappte die Kellertreppe hinauf, um
sich im Wohnzimmer auf das Sofa zu fläzen mit der Fernbedienung für den Fern-
seher in der Hand. Beim Durchzappen war er in solchen Situationen nicht wäh-
lerisch, was die Programmqualität anbetraf, indes sehr, was die Hauptdarstel-
ler anging: Sie mußten natürlich Frauen sein, schöne junge Frauen, schlank,
verführerisch gekleidet, mit modischen Sneakers an den Füßen, oder alternativ
mit Stiefeln oder Schuhen mit ordentlichen Absätzen, was leider selten zu sehen
war.
Meist gelang es ihm auf diese Weise, sich von dem Mißerfolg bei seinem Hand-
schellenprojekt abzulenken. Um dann nicht nachts vor dem Einschlafen in’s
Grübeln zu kommen, las er im Bett noch ein paar Seiten eines Kriminalromans,
bis er schließlich so müde geworden war, daß er den Inhalt nicht mehr klar
aufnehmen konnte. Mit letzter Kraft fügte er das Einmerkkärtlein in den Falz,
schloß das Buch und löschte das Licht.


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piercedcock
Fachmann





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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:21.05.21 23:08 IP: gespeichert Moderator melden


Ich finde, die Geschichte fängt spannend an und ich danke dir, dass du sie mit uns teilst.

Hast du deine Story-Line schon im Kopf?
Warte gespannt auf die nächsten Teile ...
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:22.05.21 03:55 IP: gespeichert Moderator melden



Hab' Dank für dein Lob; tatsächlich ist die Geschichte vollkommen fertig,
im Gegensatz zu vielen anderen hier, die sich nur mühsam einem Ende
entgegenwinden. Das Ende habt Ihr ja bereits gelesen, aber ich verrate
nicht, wie viele Kapitel dazwischen liegen; gute Unterhaltung!

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:28.05.21 23:07 IP: gespeichert Moderator melden


3
Bundeskanzlerin Prank-Barrenkauer eilte zu der dringlichen Kabinettsitzung, die sie aufgrund besorgnis-
erregender Nachrichten aus Taiwan kurzfristig einberufen hatte. Alle Minister samt ihrer Staatssekretäre
waren bereits anwesend, ausgerechnet Gesundheitsminister Scham mit seiner Mannschaft fehlte noch. Somit
bat Prank-Barrenkauer zwischenzeitlich Wirtschaftsminister Fettmeier, seine Einschätzung der Gesetzes-
novelle zum Regenerative Energien-Gesetz kurz darzulegen.
Nach diesem Gesetz mußten nun nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei bestehenden Gebäuden auf den Dächern
oder an den Fassaden Photovoltaikplatten angebracht werden, gepaart mit einer Akkumulatorenanlage zur Spei-
cherung des gewonnenen Sonnenstroms. Zumindest für die ersten Abendstunden sollte dann der gespeicherte Strom
in den jeweiligen Gebäuden verwendet werden, bevor in den späteren Abend- und Nachtstunden Strom aus dem Netz
bezogen wurde.


Kurz vor dem Ende von Fettmeiers Vortrag kam sein Kabinettskollege Scham mit seiner Delegation herein, er
entschuldigte sich für die Verspätung mit der sich in die Länge gezogenen ressortinternen Besprechung der
alarmierenden Vorfälle in China. Scham bat einen seiner Staatssekretäre, Herrn Doktor Unwohl, die Ereignisse
zu schildern. Bereits nach wenigen Sätzen wurde er von der Umweltministerin Graumaus etwas gereizt unterbro-
chen, ob es sich nun um China handelte, wo der neue Virus ausgebrochen sei, oder um Taiwan. Staatssekretär
Gscheid vom Auswärtigen Amt gab ungefragt geschichtspolitischen Nachhilfeunterricht:

„Also Taiwan ist auch China, genau genommen Nationalchina, im Gegensatz zum Festland-China, das früher als
Volksrepublik China oder auch Rot-China bezeichnet worden war wegen der kommunistischen Diktatur, die dort
seit Jahrzehnten, seit Mao-Tse-Tungs Revolution diktatorisch herrscht. Der gewählte Staatschef Tschian-Kai-Schek
mußte mit seiner Regierung auf die Insel fliehen, wo bis heute eine Demokratie etabliert ist. Allerdings betrachten
die kommunistischen Machthaber Taiwan als abtrünnige Provinz, sie versuchen seit Jahren, die Insel von der Weltge-
meinschaft abzuschirmen und zu isolieren, um auf diese Weise Taiwan in die Knie zu zwingen. Und tatsächlich machen
wir doch fast ausschließlich mit Rotchina unsern Handel, dorthin exportieren wir unsere Autos, von dort holen wir
die billigen Massenartikel, während das demokratische China fallengelassen wird wie eine heiße Kartoffel!“
Staatssekretär Gscheid redete sich in Rage, bis die Kanzlerin Einhalt gebot. Die kurze Lücke nützte nun Fettmeier,
der sich als Wirtschaftsminister auf den Schlips getreten fühlte:
„Herr Doktor Gscheid, Sie brauchen uns nicht Nachhilfeunterricht in Demokratie und Diktatur erteilen und“
Ehe Fettmeier seinen Satz zu Ende bringen konnte, fiel Gscheid ihm in das Wort und geiferte zurück:
„Anscheinend doch, denn gerade Sie waren doch erst kürzlich mit hochrangigen Vertretern der Wirtschaft in Peking,
aber nicht in Taipeh!“
„Meine Herrn, mäßigen Sie sich“, mischte sich wieder Kanzlerin Prank ein, „Ende dieser Diskussion jetzt. Wir sind
hier zusammengekommen, um über die Virusepedemie zu sprechen, nicht über Wirtschaftsbeziehungen zu China.“
Ein neben Prank sitzender Staatssekretär beugte sich schnell zu der Kanzlerin und flüsterte ihr zu:
„Frau Kanzlerin, das heißt Epiiidemie“.
Prank erregte sich daraufhin, sie versuchte gar nicht, ihren Versprecher oder ihr sprachliches Unwissen zu verheh-
len:
„Ja bin ich denn heute nur noch von Gescheit-Männern umgeben, also Epidemie, hoffen wir bloß, daß sie nicht auch
wieder, wie vor zehn Jahren, sich zur Pandemie entwickelt. Kollege Scham, jetzt sagen Sie uns doch endlich, wo der
neue Virus herkommt, vom Festland-China oder von der Insel?“
Beinahe wäre ihr Sitznachbar, der Besserwisser-Mann, schon wieder hörbar geworden, doch er verkniff sich die Anmer-
kung, daß das Virus im Gegensatz zu vielen anderen Substantiven lateinischen Ursprungs auf –us endend sächlich sei.
Nun ergriff Scham das Wort und klärte auf: „Nach unseren Informationen wurde der Virus, ähm, oder ist richtiger das
Virus?“
Sein Blick richtete sich kurz zu dem Kulturstaatsminister Professor Siebenklug, der seine Frage mit einem lächelndem
Nicken zu beantworten schien. Scham fuhr fort:
„Also, ähm, der Virus, also die Informationen stammen aus Taipeh, also aus Taiwan, wo in einem staatlichen Institut
der oder das Virus festgestellt worden ist.“
Er tat sich hörbar schwer mit seiner Redekunst, so daß er die weiteren Ausführungen seinem Staatssekretär Unwohl über-
ließ, der bereits ein-gangs das Wort ergriff, bevor Ministerin Graumaus die Debatte über die beiden China-Länder vom
Zaun brach. Er berichtete von einigen Dut-zend Patienten, bei denen dort dieses neuartige Virus festgestellt worden
war. Prank fragte dazwischen, was man unter einigen Dutzend zu versehen habe, ob es genauere Infizierten-Zahlen gäbe,
gar Todesfälle. Der Staatssekretär warf einen kurzen Blick auf seine vor ihm liegenden Papiere:
„Nach unseren Informationen Stand 25. Februar waren es 335 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde.“
„335?“ ereiferte sich Graumaus, „das sind ja dann nicht bloß ein paar Dutzend, sondern schon mehrere Hundert!“
„Wir sollten die Zahlen immer in Relation mit der Gesamteinwohnerzahl sehen, Herr Doktor Gscheid, wieviel Einwohner
hat denn Taipeh und wieviele die ganze Insel?“
Gscheid mußte indes einräumen, daß er das nicht wüßte, er meinte lediglich, daß es wohl schon mehrere Millionen seien.
Auch sein Chef, Außenminister Schmollz, wußte es nicht, doch bereits nach wenigen Sekunden meldete sich ein weiterer
Staatssekretär zu Wort, der hurtig per Smartphone das Internet konsulierte:
„Die Hauptstadt Taipeh hat fast 3 Millionen Einwohner, die gesamte Insel 25,3 Millionen.“
„Danke, da sind 335 Infizierte noch nicht so sehr viele im Verhältnis.“
Nun konterte Scham: „So fing das vor zehn Jahren auch an, erst waren es ein paar Wenige irgendwo in einer chinesischen
Provinz, die Behörden sagten, sie hätten alles im Griff, und dann war der Virus plötzlich überall.“
„Ja, das stimmt schon, ich will das ja nicht herunterspielen. Was sollten wir ihrer Meinung nach tun, Herr Scham,
wie verhalten sich andere Staaten, weiß man da schon was?“
Nachdem Scham nicht gleich antwortete, meldete sich Schmollz zu Wort:
„Nach unseren Erkenntnissen liegen die Dinge heute etwas anders: Taiwan ist ein Inselstaat, so daß die Verbreitung
des Virus’ nicht so einfach erfolgt wie vom Festland aus.“
Sein Staatssekretär Gscheid hakte sofort ein: „Aber ich bitte Sie, meinen Sie etwa, daß damals das Coronavirus mit
Karawanen über die Seidenstraße nach Europa gelangte?“
Ein allgemeines Schmunzeln wurde auf den Gesichtern in der Runde sichtbar, das zu leisem Gelächter mutierte. Prank
rief zur Ordnung:
„Meine Damen und Herren, ich darf doch bitten, das Thema ist zu ernst, bleiben wir sachlich. Besteht also die Gefahr,
ähnlich wie damals, daß sich der Virus schnell über die Insel hinaus ausbreiten wird?“
Wieder war es Gscheid, der sofort zum Besten gab:
„Selbstverständlich wird sich daaas Virus genauso ausbreiten, wie vor zehn Jahren das Coronavirus, denn die Verkehrs-
anbindung nach Taiwan ist die gleiche wie nach Festland-China: Personen per Flugzeug, Waren per Schiff. Nur den einen
Unterschied gibt es, aber das darf ich ja nicht mehr sagen.“
„Ja welchen denn?“, wollte Prank wissen, „und wer hätte Ihnen verbo-ten, diesen Unterschied uns zu sagen?“
„Wie ich schon ausführte, es sind die deutlich niedrigeren Wirtschafts-beziehungen zu Taiwan, so daß einfach die Wahr-
scheinlichkeit viel geringer ist, daß der Virus nach außen getragen wird.“
Wirtschaftsminister Fettmeier warf gereizt ein, daß prozentual zur Einwohnerzahl gesehen die Wirtschaftsbeziehungen
zu Taiwan vermutlich wesentlich höher lägen als zu Festland-China. Außenminister Schmollz meinte dazu, daß neben Festland-
China bereits viele andere Länder, darunter die meisten europäischen, Flugverbote in Erwägung zögen. Gscheid konterte
daraufhin, daß das wohl leicht in Kauf genommen werden könnte:
„... denn die Handvoll Mercedes’, die nach Taiwan jährlich verkauft werden, die könnten wir auch in Deutschland behalten,
ohne daß unsere Autoindustrie kollabiert, aber zu den Rotchinesen, da ist es ja wichtig, daß unsere Edelkarossen dorthin
verfrachtet werden, hunderttausendfach!“
Kanzlerin Prank-Barrenkauer unterbrach erneut Gscheids Redeschwall und verkündete eine viertelstündige Pause. Die mei-
sten Anwesenden verließen daraufhin den Saal, um sich die Beine zu vertreten. Auf dem Flur wurde in kleinen Gruppen weiter
eifrig über das Thema diskutiert. Nur Kulturstaatsminister Siebenklug blieb einsam in dem großen Raum sitzen, spannte
seinen Rücken über die Sessellehne weit nach hinten und blickte nachdenklich-konzentriert auf die Decke.

Nach der Pause forderte Prank die Vertreter des Gesundheitsministeriums auf, nun etwas über den Krankheitsverlauf und die
Symptome des neuartigen Virus zu berichten. Staatsekretär Unwohl ergriff wieder das Wort:
„Nach den Meldungen aus China, pardon, aus Taiwan, löst das Virus immer wieder kräftige Fieberschübe aus, im Abstand von
einigen Tagen. Nach Abklingen des Fiebers scheint die Krankheit überwunden zu sein, doch nach wenigen Tagen kommt es wieder
zu starkem Fieber. Das Fieber geht einher mit Atemproblemen, aber auch mit Verdauungsstörungen. Todesfälle sind noch nicht
gemeldet worden. Genauere Angaben liegen uns nicht vor, jedoch versprachen die taiwanesischen Behörden um sofortige Benach-
richtigung an alle Länder der Welt, sobald sie nähere Erkenntnisse erlangt haben werden.“
Umweltministerin Graumaus hakte nach: „Wie sieht es mit den Sym-ptomen aus, wenn ich mich recht erinnere, waren die damals
beim Corona vor allem Geschmacksverlust. Kann man da schon was sagen?“
Unwohl blickte bei dieser Frage etwas betreten in die Runde, fast alle Anwesenden hafteten ihre Blicke auf ihn, er fuhr
leicht irritiert fort:
„In der Tat berichtete das Institut in Taipeh von seltsamen Begleiterscheinungen, die mit den Fieberschüben einhergehen.“
Wieder machte er eine Pause und ließ seinen Blick in die Runde schweifen.
„Nun machen Sie es nicht so spannend“, kritisierte ihn die Kanzlerin.
„Also“, fuhr Unwohl fort, und es war ihm anzusehen, daß er sich dabei unwohl fühlte, er nestelte mit den Papieren herum,
die bislang unberührt vor ihm auf dem Tisch lagen. Er holte nochmals Luft und sprach dann beherrscht:
„Der Bericht berichtet von Juckreiz und Schwellungen der Geschlechts-organe.“
Es entstand eine kurze Stille, erstaunte Blicke waren auf allen Gesichtern zu erkennen.
„Und das können Sie uns nicht gleich frei heraus sagen?“, ereiferte sich Graumaus.
„Bitte lassen Sie mich ausreden“, entgegnete Unwohl etwas ungehalten, in dem Bericht stehen weitere Details dazu. Da wir uns
nicht sicher waren, ob es sich möglicherweise um Übersetzungsprobleme handelt, holten wir auch den englischen Text heran,
aber die Übersetzungen aus dem Chinesischen besagen das gleiche: Dieser Juckreiz geht bei einigen Patienten soweit, daß sie
sich die Brustwarzen und teilweise auch die Genitalien mit den Fingernägeln dermaßen aufreißen, daß sie blutig werden. Die
meisten Patienten mußten deshalb gefesselt werden zum Selbstschutz, sie bäumten sich dann in den Betten auf, der Juckreiz
muß schier unerträglich sein, er trieb einige in den ausgesprochenen Wahnsinn. Leider sind herkömmliche medizinische Mittel
nur kurzzeitig wirkungsvoll, sowohl Salben, als auch Tabletten.
Für die Behörden ist dieses Symptom, das den Patienten überaus peinlich ist, das eindeutige Erkennungsmerkmal für die Infek-
tion mit diesem neuartigen Virus. Die Insider gaben dem Virus einen entsprechend vul-gären Namen: Das Corona-Virus benannte
man damals nach seiner kronenhaften Erscheinungsform, die Leute in dem Institut in Taiwan sprechen vom ‚Condoma-Virus’.“
Wieder gab es lange Gesichter, bei einigen breitete sich das schiere Entsetzen aus. Nachdem das Raunen in der Runde nach-
gelassen hat, war es Minister Fettmeier, der sich zu einer Frage aufraffte:
„Weiß man schon was über das Ansteckungsrisiko?“
„Darüber steht in dem Bericht nichts konkretes, nur, daß sich alle bis-her festgestellten Infizierten in der Stadt Longtan
befinden, das ist mit über Hunderttausend Einwohnern ein Stadtviertel der Millionenstadt Ta-o-yuan, wenn ich das jetzt richtig
entziffere, die Polizei riegelte Longtan ab, bei uns würde man sagen, es handelt sich um eine Großstadt, dort ist es indes
nur ein Stadtviertel. Von Infektionen außerhalb ist nichts bekannt. Ich könnte mir gut vorstellen, daß es eine hohe Dunkel-
ziffer gibt, denn wer möchte mit diesen Symtomen zum Arzt gehen, das glaubt dem Kranken doch niemand, daß das ein krankhafter
Juckreiz ist, den man nicht mit Willenskraft unterlassen kann.“
Nach einer kurzen Atempause fuhr Unwohl fort:
„Ich erzähle Ihnen eine persönliche Geschichte: In meiner Jugendzeit hatte ich einmal die Krätze, ich sag Ihnen, dieser
Juckreiz war schlim-mer als jeder Schmerz, es war zum wahnsinnig werden. Was müssen da erst jetzt diese Patienten erleiden
mit dem – Condoma-Virus“.
Unwohl blickte wieder in verstörte Gesichter, jetzt war es Kultur-staatsminister Siebenklug, der eine Frage stellte:
„Könnte bitte jemand gleich einmal feststellen, wo dieses Longtan liegt, gibt es da irgendwelche Besonderheiten, etwa auch
ein Viren-Forschungslabor, wie damals in Wuhan in China, in dessen Nähe das Corona-Virus ausgetreten ist?“
Noch bevor Siebenklug seine Frage zuende formuliert hatte, sah man in der Runde bereits eifrige Staatssekretäre, die hurtig
ihre Smartphones in die Hand nahmen. Prompt meldete sich jemand und las vor:
„In Wikepedia steht: Longtan ist bis heute ein ländlich geprägter Bezirk mit einer relativ niedrigen Bevölkerungsdichte in der
Millionenstadt Taoyuan. Nach dem Ende der japanischen Kolonialzeit erlangte Longtan durch die Errichtung der Shimen-Talsperre 
(1964) und des Haupt-quartiers der taiwanischen Armee eine größere nationale Bedeutung. Auch das mit dem Militär zusammenarbei-
tende National Chung-Shan Institute of Science and Technology (gegründet 1969) ist hier angesiedelt. Das 1968 errichtete 
Institute of Nuclear Energy Research zählt zu den ältesten Forschungseinrichtungen für Kernphysik in Taiwan.“
Wieder breitete sich ratloses Schweigen in dem Saal aus. Minister Siebenklug ergriff erneut das Wort:
„Mir ist ein düsterer Verdacht gekommen, Verdacht ist vielleicht ein zu starker Begriff, lassen Sie mich es als eine Möglich-
keit formulieren. Stellen wir die Ereignisse Corona-Virus vor zehn Jahren und dem jetzigen gegenüber, wie sagten die Chinesen
dazu, Condoma-Virus?“
„Ähm, ja, Herr Siebenklug, völlig richtig“, pflichtete Unwohl bei.
„Also ich sehe jetzt zwei Szenarien:
Damals haben die Rotchinesen, wie Kollege Gscheid sich auszudrücken pflegt, den Virus-Ausbruch erstmals in Wuhan gehabt, ausge-
rechnet dort, wo auch ein Virus-Forschungsinstitut angesiedelt ist. Es könnte natürlich damals reiner Zufall gewesen sein, daß
dieses Corona-Virus plötzlich dort aufgetreten ist und rasch die ganze Welt besiedelte. In gleicher Weise könnte es sich jetzt
in Taiwan um einen reinen Zufall handeln, daß ausgerechnet in der Nähe dieses Forschungsinstituts, das mit dem Militär zusammen-
arbeitet, dieses abscheuliche Condoma auftritt.
Oder aber, und jetzt kommt mein böser Verdacht, das Condoma-Virus wurde von den Rotchinesen heimlich auf die Insel gebracht,
um es dort in Longtan auszusetzen, wo, wie wir gehört haben, das taiwanesische Militär-Hauptquartier liegt. Es würde sich also
um einen gezielten biologischen Angriff handeln, sauber-leise-unsichtbar, vor zehn Jahren ist ihnen das Corona-Virus wahrschein-
lich unabsichtlich ausgekommen, aber in Taiwan, das könnte doch wirklich eine kriegerische Absicht sein. Herr Gscheid berichtete
uns eingangs, daß Rotchina die Insel als abtrün-nige Provinz betrachtet, auszuschließen ist diese Theorie des biologischen
Angriffs nicht. Und sehen Sie, meine Damen und Herren, wann war das, wohl auch so vor etwa zehn bis fünfzehn Jahren, da kam Hong-
kong als britische Kronkolonie an China, und obwohl den Menschen in Hongkong Autonomiestatus und freie Wirtschaft vertraglich
zugesichert wurden, vereinnahmten die Kommunisten in den letzten Jahren diese Stadt vollkommen, alle Proteste wurden niederge-
schlagen. Und jetzt ist eben Taiwan dran, eine schauderhafte Vorstellung.“
Außenminister Schmollz überkam eine schlimme Ahnung: Vor zehn Jahren hat er es als Finanzminister geschafft, erstmals einen
ausgeglichenen Bundeshaushalt vorzulegen; dank niedrigstem Zinsniveau aller Zeiten ist ihm das gelungen, doch wenige Wochen dar-
nach wurden alle Sparziele zunichte gemacht mit den Milliardenhilfen für die Wirtschafts-hilfen, um die vielfach drohenden
Geschäfts- und Industrieinsolvenzen aufzufangen. Er malte sich aus, was geschieht, käme das neue Virus nun auch nach Europa
geschwappt; seinem Amtsnachfolger Pleitgei hin-terließ er seinerzeit einen riesigen Staatsschuldenberg, ein erneuter Niedergang
der Wirtschaft käme dem Staatsbankrott gleich.
Professor Siebenklug forderte Verteidigungsminister Schießmann auf, zu seiner These des chinesischen Konflikts Festland – Insel
Stellung zu nehmen. In militärischer Kürze äußerte sich Schießmann:
„Dem Verteidigungsministerium liegen keine Anzeichen einer besonderen Bedrohungslage für Taiwan vor. Die militärische Lage in
Fernost erscheint stabil.“
Nun fühlte sich Kanzlerin Prank-Barrenkauer bemüßigt, zum Thema der militärischen Situation in China ein Wort zu verlieren:
„Als damalige Verteidigungsministerin, als die Ausschreitungen in Hongkong stattfanden und auch als der Corona-Virus in Wuhan aus-
brach, gab es die von Professor Siebenklug und Doktor Gscheid beschriebenen Spannungen zwischen China und Taiwan, in der Tat geben
mir ihre Äußerungen sehr zu denken. Vielleicht sollten wir Frau von der Leyen konsultieren, was sie zu dieser prekären Situation
dort zu sagen hat, als meine Amtsvorgängerin und nunmehr bereits seit zehn Jahren Präsidentin der Europäischen Kommission dürfte
sie die tiefsten Einblicke in die politischen und militärischen Gegebenheiten dort haben.
Schließlich bat Regierungssprecher Schmarr um das Wort, wie er sich der Presse gegenüber verhalten sollte. Der Bericht in China
sei ja bereits vor einigen Tagen durch die Medien gegangen, wie er die Dinge einschätzt, bleibt ihm wohl nichts anderes übrig als
zu bestätigen, daß die Bundesregierung den Bericht aus Taiwan sehr ernst nimmt, daß aber vorerst noch abzuwarten sei, wie das Infek-
tionsgeschehen dort verläuft.
Kanzlerin Prank entgegnete: „Sie brauchen ja nicht gleich in’s Detail gehen, das mit den Symptomen nennen oder gar diesen obszönen
Namen für diesen Virus, den sich da die Taiwaner ausgedacht haben.“
„Das wurde aber alles schon veröffentlicht, sogar die Tagesschau brachte das alles bereits in der letzten Woche.“
„Tja, dann teilen Sie einfach mit, daß von Seite der Regierung noch keine konkreten Maßnahmen geplant sind.“
Nachdem auf diese nüchternen Worte keine weiteren Wortmeldungen mehr eingingen, beendete Prank die Sondersitzung mit der Bitte,
daß in den Ausschüssen und Arbeitskreisen der einzelnen Ressorts das Thema Virus weiter im Augen behalten werde.
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:30.05.21 08:06 IP: gespeichert Moderator melden


Ich find die Namen in der Story ECHT GEIL. Endlich kann man hier mal die Wahrheit lesen. Bitte weiter so. und DANKE
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  RE: "Ich find die Namen in der Story ECHT GEIL... " Datum:31.05.21 15:08 IP: gespeichert Moderator melden


Freut mich, wenn allein schon die Namen "geil" machen;
die in den nächsten Fortsetzungen genannten Ortsnamen
lassen Rückschlüsse zu, wo sich die Geschichte abspie-
len wird!

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:04.06.21 21:23 IP: gespeichert Moderator melden


4

Bewaffnet mit einer Erdnuß-Flips-Tüte und einer Flasche Bier schlen-
derte Gangolf den mit dichten Pflanzen des Erlenbruchwalds besäum-
ten Pfad zum Kanal hinunter, der nach wenigen Metern in den See mündet.
An der Mündungsstelle setzte er sich auf die niedrige Uferböschung;
nur an dieser Stelle kann man auf den See blicken, frei von dem sonst
rings um das gesamte Seeufer dicht stehenden Schilfrohrgürtel.
Von diesem Platz aus genoß er, wie er es an vielen Abenden tat, die
aufziehende Abendstimmung über dem leicht gewellten Wasserspiegel. An
diesem Abend hatte er wieder einmal das besondere Glück, die Sonne
kurz über dem Horizont über dem See untergehen zu sehen, das Abbild
des glutroten Feuerballs spiegelte sich auf der weiten Oberfläche und
tauchte das Ambiente in einen tiefen Frieden.
Im Gedanken versunken beobachtete Gangolf das Naturschauspiel, von
ganzem Herzen war er überzeugt, das Richtige getan zu haben, als er
vor knapp zwei Jahren seine bayrische Heimat verließ und die Erbschaft
verwendete, um hier in der Niederlausitz, fünfzig Kilometer südöstlich
von Berlin, einen alten Bauernhof zu erwerben. Er empfand es als aus-
gesprochenen Glücksfall, diesen einsamen Hof, weit entfernt von der
nächsten Ansiedlung, am Rande des Erlenbruchwalds am Röthener See zu
erstehen. Freilich verspürte er immer wieder Sehnsucht nach den Bergen,
die seine alte Heimatstadt umgaben, auf der anderen Seite genoß er diese
schier unendliche Stille am Nordufer dieses einsam gelegenen Sees.

Das Besondere an dem Gehöft war indes ein ganz seltenes Bewandtnis: Zu
dem Anwesen gehörte die große Insel, die sich gegenüber von seinem Ufer-
platz in 300 Meter Entfernung in dem See erstreckt. Auf der abgewandten
Seite der Insel beträgt der Abstand zum Festlandufer nur etwa 30 Meter,
allerdings ist diese Seite durchgängig mit einem sehr breiten undurch-
dringlichen Schilfgürtel umgeben. Nur an der Nordseite der Insel gab
es eine schmale Stelle, an welcher man mit einem kleinen Boot zum Insel-
ufer gelangen konnte, dort gab es einen einfachen Bootssteg, der nur aus
einer Holzbohle bestand.
Zwar war die gesamte Insel Naturschutzgebiet und niemand durfte sie ohne
behördliche Genehmigung betreten, doch war Gangolf sehr stolz auf seine
Errungenschaft: Immerhin war die Insel 400 Meter lang und 200 Meter breit.
Er war schon viele Male hinübergerudert, die Schneise in dem hohen Schilf-
gürtel, die zu dem Steg führte, war so versteckt gelegen, daß er sich sehr
sicherfühlte, nicht gesehen zu werden, wenn er dort hineinpaddelte.

Gangolfs Körper durchströmte jedes Mal ein unbeschreibliches Glücksgefühl,
wenn er seine Insel durchstreifte; fast überall war sie mit dichtem Gebüsch
und hohen Erlen bewachsen, die Vegetation hatte etwas Urwaldhaftes an sich,
so wie der gesamte sich im Süden anschließende Schleewald. Ständig peitschten
ihm Zweige entgegen, wann immer er sich einen Pfad durch das Gesträuch bahnte.
Lediglich in der Mitte der Insel befanden sich kleine Stellen ohne Baumbewuchs;
er nahm sich vor, in diesem Frühjahr, spätestens aber im Sommer ein Zelt auf-
zustellen, um dort zu übernachten und ein bißchen das Gefühl eines Robinson
Crusoe zu erleben. Was er so besonders an dieser Insel liebt, war ihre Größe
und gleichzeitig die Einsamkeit, denn dank des dichten Erlenbruchwalds und
des breiten Schilfgürtels war man vor Eindringlingen und neugierigen Blicken
ziemlich geschützt.
Die Erdnuß-Flips waren fast gänzlich aufgezehrt, die Bierflasche zur Hälfte
geleert, als gegen sechs Uhr die Sonne untergegangen war und der See in einen
kurzen Dämmerungszustand versetzt wurde. Gangolf blieb noch solange sitzen,
bis der Abendhimmel in seinen romantischen Farben blau, gelb, rot, glutrot
in den immer dunkler werdenden Nachthimmel überging. Im Osten und Süden glit-
zerten die ersten Sterne von dem Firmament hernieder, während im Nordwesten
immer noch ein tiefroter Streifen am Horizont stand. Nach wenigen Minuten
verschwand auch dieser letzte Zeuge des Tageslichts und ein tiefschwarzer Nacht-
himmel umspannte den See, aufgehellt durch das Funkeln zahlloser Sterne, unge-
trübt jedweden künstlichen Lichts aus Häusern oder Straßenlaternen.

Allmählich begann Gangolf zu frösteln, es war trotz aller Klimaerwärmung erst
Anfang März, und sobald die wärmenden Strahlen der Sonne versiegten, breitete
sich die nächtliche Kühle über den ruhenden See. In sentimentaler Stimmung kam
ihm das alte Abendlied aus Kindertagen in den Sinn:

1. Still ruht der See, die Vöglein schlafen, ein Flüstern nur, du hörst es kaum.
Der Abend naht, nun senkt sich nieder auf die Natur ein süßer Traum.

2. Still ruht der See, durch das Gezweige der heil’ge Odem Gottes weht.
Die Blümlein an dem Seegestade, sie sprechen fromm ihr Nachtgebet.

3. Still ruht der See, vom Himmelsdome die Sterne friedsam niederseh’n.
O Menschenherz, gib dich zufrieden, auch du, auch du wirst schlafen geh’n.

Nicht im Entferntesten hätte sich Gangolf ausmalen können, daß die letzte
Liedzeile bald auch in seinem Leben bittere Wirklichkeit werden würde,
indes wird es nicht er gewesen sein, der schlafen ging, sondern eine ihm
bislang unbekannte Person, vollkommen hilflos und einsam...

Gangolf entwand sich seiner Gefühlsduselei, daß die deutschen Volkslieder
auch fast immer so wehmütig mit dem Hinweis auf den Tod endeten, raffte
sich auf und setzte vorsichtig Fuß vor Fuß in dem in vollkommener Dunkel-
heit gehüllten Pfad zu seinem Gehöft.
Dort angekommen schaltete er den Fernseher ein, seit Jungendzeiten war er
es gewöhnt, die allabendlichen Nachrichten zu verfolgen. Er fand es gegen
allen Zeitgeist einfach angenehmer, sich bequem zurücklehnen zu können und
sich die Nachrichten vorlesen zu lassen, als auf dem winzigen Smartphone-
Bildschirm herumzutippen, um mühsam die Neuigkeiten selber ablesen zu müssen.







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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:12.06.21 12:16 IP: gespeichert Moderator melden


5

Gangolf kam anscheinend etwas zu spät, die charakteristische Erken-
nungsmelodie zu Beginn der Tagesschau war schon vorbei.
‚Im Grund genommen eine sehr simple Tonfolge,’ kam es ihm in den Sinn,
‚eine Quinte abwärts und dann die fünf Töne wieder aufwärts zum Anfangs-
ton zurück, dermaßen simpel, daß es schon wieder genial ist.’
In Hersbruck hat ein Organist diese einfache Melodie einmal zur großen
Verwunderung der Anwesenden auf einer Kirchenorgel gespielt. Doch dann
konzentrierte sich Gangolf auf die Meldungen:
„... weltministerin Graumaus empörte sich über die verharmlosenden
Verlautbarungen einiger Kabinettskollegen, welche die schädlichen Aus-
wirkungen des Klimawandels herunterspielten. Nach ihren Worten müsse
man von der Klimakatastrophe sprechen.“
Es folgte ein kurzer Filmbericht über den Zustand der weitgehend kah-
len Wälder im Erzgebirge und in Oberfranken. Bayerns Ministerpräsident
Schnöder bezifferte den Rückgang der Fichtenbestände auf ein Zehntel
des Bestandes von 2020, die Tanne sei in Bayern fast vollkommen ver-
schwunden. Die Aufforstung mit der norditalienischen Pinie kann die
enormen Verluste des Nadelholzes noch lange nicht ausgleichen, ein
Lichtblick sei es, daß das Wachstum der Pinienpflanzungen zufrieden-
stellend verliefe.
Der Nachrichtensprecher fuhr fort: „Der Präsident des Hamburger Schiff-
fahrsamts Stowasser mahnte in einem Interview rasche Maßnahmen gegen
das weitere Fortschreiten der Polkappenabschmelzung mit dem einher-
gehenden Anstieg des Meeresspiegels an, insbesondere schmelze das Pack-
eis auf der Westseite Grönlands in einem weit schnellerem Maße, als es
bisher angenommen wurde. Es wird immense finanzielle und technische
Anstrengungen kosten, die Hafenanlagen auszubauen, damit sie den immer
öfter auftretenden Hochwasserschüben standhielten. Schon heute kommt es
zu erheblichen Behinderungen des Hafenbetriebs, da häufig Hafenstraßen
und Kaimauern unter Wasser stünden.
Stowasser räumte ein, daß der Anstieg des Meeresspiegels für die Schiff-
fahrt bis zu einem gewissen Maße förderlich sei; so können seit einigen
Jahren bei auflaufendem Wasser höchste Tonnagen in den Hamburger Hafen-
anlagen gelöscht werden. Der auf der Sohle quer über dem Flußbett errich-
tete alte Elbetunnel behindere jetzt nicht mehr die Frachter. Auch die
Werft in Papenburg profitiert von der höheren Wasserführung, so gelingt
es heute wesentlich leichter, Kreuzfahrtschiffe und andere Ozeanriesen
über die Ems zu der Werft zu ziehen.

Berlin. Regierungssprecher Schmarr bestätigte auf Anfrage unseres Haupt-
stadtstudios, daß die Bundesregierung den jüngst von einem Forschungsla-
bor in Taiwan veröffentlichten Bericht sehr ernst nähme, man verfolge
in Arbeitsgruppen den Verlauf des von den taiwanesischen Behörden als
Condoma-Virus bezeichneten Erregers. Die Tagesschau berichtete bereits
vergangene Woche; Schmarr bestätigte auch die erstaunlichen Symptome in
Form starker Schwellungen und Juckreize der Geschlechtsorgane...“

Geradezu elektrisiert sprang Gangolf von seinem Sitzplatz auf, plötzlich
erinnerte er sich daran, bereits letzte Woche die Schlagzeile gehört zu
haben, doch hat er offenbar den Inhalt nicht weiter verinnerlicht. Mit
Schaudern kam es ihm in den Sinn, wie er vor zehn Jahren die Corona-Epi-
demie erlebt hatte. Vor allem die stumpfsinnige Maskentragerei nervte ihn
sehr, geradezu depressive Niedergeschlagenheit ereilte ihn an den Tagen
um Ostern herum, als damals außer Lebensmittelgeschäften und Tankstellen
alles geschlossen hatte. Sogar die Kirchen mußten geschlossen bleiben, in
2000 Jahren Kirchengeschichte eine einzigartige Situation: Der Papst las
die Ostermesse ganz allein in der riesigen Peterskirche in Rom, ein skur-
riler Anblick. Schlimm waren die Besuchsverbote quer durch die Familien,
die eigenen Eltern durfte man nicht mehr besuchen, die Altenheime waren
geradezu hermetisch abgeschlossen, Kinder nicht mehr auf Spielplätze,
keine Freunde besuchen, selbst in kleinsten Gruppen durfte man nicht auf
dem Gehweg zusammenstehen.
Gangolf hat noch gut den damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württem-
berg im Ohr, der in der Tagesschau sagte:
„So schöh' des isch, mit de Nachbarn ei Schwätzle zu halte, des geht halt
ez nimmer.“
Gangolf überlegte, ob wohl mehr Menschen an Depression gestorben seien als
am Virus; er fürchtete, daß sich die Verhältnisse wiederholen könnten, auch
damals wurde zunächst abgewiegelt, man habe alles im Griff, ausreichend
Intensivbetten und so weiter, doch dann währte die Bedrohungslage über Jahre.
Erst mit den überraschend schnell entwickelten Impfstoffen legte sich die
Aufregung, zwar ließen sich nur 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland imp-
fen, weltweit gesehen noch viel weniger, aber das genügte, daß die Behörden
die Zwangsmaßnahmen aufhoben und die Epidemie damit faktisch für beendet
erklärten.

Beglommen ergriff Gangolf die Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus;
er hätte nicht gedacht, daß seine Befürchtungen bezüglich des neuen Virus’
mehr als berechtigt waren, daß dessen Auswirkungen auf das Leben alles bislang
Dagewesene weit übertreffen werden.


























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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:19.06.21 08:00 IP: gespeichert Moderator melden


6
Wie fast jeden Abend, wollte auch heute Gangolf nach der Tagesschau mit seinen
Handschellen-Bastlereien weitermachen; nach einigen Rückschlägen ist er in den
vergangenen Tagen gut vorangekommen. Es wird nicht mehr lange dauern, daß er
den fernsteuerbaren Öffnungsmechanismus eingehenden Tests unterziehen würde.
Doch bevor er in seine Elektronikwerkstatt hinabstieg, schlenderte er zum Com-
puter, seine E-Mails abzurufen. Während des Tages machte er das normalerweise
nicht, da er sich bei seiner Arbeit nicht davon ablenken wollte, darüber hinaus
war ihm das Tippen und Ablesen auf dem Smartphone-Bildschirm zu mühsam.

Die erste Mail kam vom DARC, das ist der Deutsche Amateur-Radio-Club, eine Ver-
einigung der Amateurfunker. Bereits in jungen Jahren beschäftigte sich Gangolf
mit dem Radiobasteln, sein Vater unterstützte ihn dabei. 16-jährig legte er die
Amateurfunk-Prüfung ab; er durfte dadurch kleine Sendeanlagen bauen und mit Funk-
sprüchen, sei es Sprechfunk oder mit Morsezeichen, mit anderen Amateurfunkern in
Kontakt treten. In seiner neuen brandenburgischen Heimat hat er indes noch nicht
die umfangreichen Antennen gespannt, obwohl er hier viel mehr Platz gehabt hätte
als an seinem elterlichen Wohnhaus.
Dann stach ihm die E-Mail der 'wilden Fegerin" in's Auge: Gangolf hatte gar nicht
mehr daran gedacht, schließlich war es schon einige Zeit her, daß er sie ange-
schrieben hatte. Er hielt es von Anfang an für eher unwahrscheinlich, daß eine
Antwort käme, deshalb hat er die ganze Geschichte in Vergessenheit geraten lassen.
Was er dann zu lesen bekam, ließ ihn stutzen: "Komm am Sonntag vormittag zur Eis-
diele in Grausneg um 10 Uhr und sei pünktlich, M."
'Wie ist denn die drauf', dachte sich Gangolf und wollte schon mit der nächsten
Mail weitermachen, als er doch nochmals zurückkehrte und eine Antwort formulierte:
"Hallo M., 10 Uhr geht nicht bei mir, aber 11 Uhr, das paßt mir gut, da ich um die
Zeit dann ohnehin in Grausneg sein werde. Liebe Grüße, in Vorfreude,
MAGNUS - 0172 8141377."

Gangolf gab nochmals seine Handy-Nummer an in der Hoffnung, daß sie anriefe; er
fand, daß gerade bei Terminplanung ein Telephongespräch viel einfacher zum Ziel
führte als das ewige Hin- und Hergeschreibe. Ohne sich weitere Gedanken zu machen,
stieg er in den Keller hinab. Mit großer Freude tippte er auf seinem Smartphone
einen Code ein und wie durch Geisterhand öffneten sich die mit von ihm entwickelte
Elektronik präparierten Handschellen. Es ging jetzt darum, Zuverlässigkeitstests
durchzuführen; sein Ziel war die absolute Sicherheit, das heißt, daß die Schellen
sich nicht nur bei Empfang des GPS-Signals hundertprozentig sicher öffneten, son-
dern auch bei Stromausfall oder nach einem längeren Ausfall des GPS-Signals.
Die Größe des Elektronikkästchens an der Seite der Schellen bereitete ihm ein Pro-
blem: Einerseits wünschte Gangolf sich ein kleines Gehäuse, das nicht so klobig an
den Schellen daran hängt, andererseits wollte er eine möglichst lange Betriebsdauer
gewährleistet haben, was nur mit großen Batterien verwirklicht werden konnte. Zwi-
schenzeitlich gingen ihm Gedanken durch den Kopf, einen rein passiven Sender zu ver-
wenden, wie er in Chip-Karten verwendet wird, ohne eigene Stromversorgung. Mit die-
sen als Zugangsberechtigung programmierten Chips konnte man problemlos Türen öffnen
oder Alarmanlagen ein- und ausschalten. Diese Schaltvorgänge verlangten dem Chip
indes keinen nennenswerten Strom ab, denn es erfolgte nur ein Datenaustausch. Der
Strom zum Öffnen der Tür kam von einem fest im Türrahmen eingebauten Netzteil.
Bei den Handschellen schaut die Sache anders aus: Zwar benötigte man zur für den win-
zigen Entriegelungshebel nur einen sehr kleinen Elektromagneten mit entsprechend ge-
ringem Stromverbrauch, doch mußte im geschlossenen Zustand der Schellen dieser Magnet
ständig unter Strom sein, um im Falle einer leeren Batterie oder einer sonstigen ei-
nen Stromausfall verursachenden Störung den Hebel zurückschnalzen zu lassen und die
Schellen damit zu öffnen. Die Technik könnte man als 'Ruhestrom-Prinzip' bezeichnen:
Waren die Handschellen im Ruhezustand, also geschlossen, floß immer ein Strom durch
den Auslöse-Magneten, andernfalls fiel die Magnetkraft ab und die Rückholfeder beweg-
te den Entriegelungshebel. Die 'Tragzeit' der Schellen war dadurch begrenzt, Langzeit-
fesselungen waren damit nicht möglich.
Lustvoll spielte Gangolf mit dem Gedanken, sich von der Ausfallsicherheit zu verab-
schieden und zum 'Arbeitsstrom-Prinzip' zu wechseln: Mit dieser Technik wäre der Strom-
verbrauch hundertfach geringer, es würde wohl eine Knopfzelle reichen, denn nur für den
Bruchteil einer Sekunde würde von der GPS-Elektronik das Signal zu dem Auslöse-Magneten
gelangen, der Magnet würde kurz anziehen und dadurch dem Entriegelungshebel einen Impuls
geben. Stromausfall wäre jedoch fatal, die Schellen blieben dann geschlossen, bis jemand
kommt, der mit einem dünnen Stift den Entriegelungshebel betätigte.
Immerhin könnte man argumentieren, daß ein Störungsfall unwahrscheinlich sei und der Ge-
fesselte eben dann zwar möglicherweise recht lange ausharren müßte, aber lebensbedrohlich
wäre das wohl nicht. Andererseits bleibt ein ungutes Gefühl auf beiden Seiten, wenn die
Spielpartner vielleicht Hunderte von Kilometern entfernt sind. Hinzu kommt das Schlupf-
loch für die Notentriegelung: Was hindert den Gefesselten, sich eine Büroklammer zu an-
geln, sie aufzubiegen und mit dem Draht in das Loch hineinzustochern, um den befreienden
Hebel damit zu betätigen.

Unschlüssig darüber, welches grundsätzliche Prinzip er weiter favorisieren sollte, beschloß
Gangolf, für diesen Abend Schluß zu machen; sein per Smartphone gesendetes GPS-Signal wurde
störungsfrei von seiner Elektronikschaltung an den Handschellen empfangen und es führte zu
einer zuverlässigen Betätigung des Entriegelungshebels.

Bevor es ins Schlafzimmer ging, warf er nochmals einen Blick auf seine E-Mail; die 'wilde
Fegerein' hat, wie er vermutet hatte, nicht geantwortet und angerufen hat sie erst recht
nicht. Jedenfalls wollte Gangolf seine Terminplanung nicht abändern: Er war für viele Dinge
meist kurzfristig verfügbar, sei es für eine Nachbarschaftshilfe, sei es für eine spontane
Zusammenkunft mit Freunden und Bekannten. Doch am Sonntag, das war ja bereits übermorgen,
wollte er an seinem kleinen Ehrenamt festhalten: Als nebenberuflicher Organist spielte er
als Vertretung des bereits 87 Jahre alten Hauptorganisten die Orgel in einigen Dörfern im
Gebiet des Schleewalds. Er freute sich darauf, am Sonntag in Grausneg den Gottesdienst in
dieser besonderen Kirche auf dem Hügel über dem Dorf zu spielen; wie üblich war auch hier
der Gottesdienst um 9.30, so daß ihm ein Teffen mit der Motorrad-Lady gegen 11 Uhr in Graus-
neg sehr gelegen kam, aber halt nicht schon um 10 Uhr.

Nachdem sich Gangolf für die Nacht bereitet hatte, schnappte er sich seinen Roman und las
darin, wie jede Nacht vor dem Einschlafen, einige Seiten. Manchmal ärgerte er sich über
die völlig unrealistischen Vorstellungen der Romanschreiber: Nur um dem Leser ein Gruseln
zu bereiten, wird da minutiös beschrieben, wie muskulöse Männer brutal niedergeschlagen
oder angeschossen werden und diese sich dennoch mit letzter Kraft in Sicherheit bringen
können, wie sich andere in letzter Sekunde aus brennenden Autowracks stürzen, bevor diese
explodieren, oder gar wie Frauen in dunklen Kellerverliesen gefangen gehalten werden.
Andererseits mußte sich Gangolf eingestehen, daß ferngesteuerte Handschellen sicherlich auch
nicht zu den gewöhnlichen Dingen des Alltags gehörten; er wußte selbst nicht mehr, wie es
überhaupt dazu kam, sich mit Handschellen zu beschäftigen, jedenfalls konnte er sich erinnern,
daß er früher immer von dem Anblick fasziniert gewesen war, wenn die Eisen am Gürtel der Poli-
zisten aufblinkten. Später wurden die Schellen meistens in spezielle Gürteltaschen gesteckt,
so daß sie nicht mehr so schön sichtbar waren, und Gangolf vermutete zudem, daß die Polizi-
sten anstelle der Schellen vermehrt Platikbinder dabeihatten.

Den folgenden Tag verbrachte Gangolf mit den unterschiedlichsten Arbeiten in seinem Hof,
vom Saubermachen bis zu kleineren Reparaturen, dann Einkaufen und Motorradpflege, alles,
was während der Woche liegenblieb und üblicherweise am Samstag erledigt wird. Am Abend er-
hielt er dann doch noch überraschend eine Nachricht, daß er sich morgen pünktlich um 10 bei
der Eisdiele einzufinden habe, sonst striche sie ihn von der Liste.
'Was für eine Liste', überlegte sich Gangolf, 'die ist ja völlig durchgeknallt, vergiß es,
hätte sie wenigstens angerufen, könnte ich ihr das plausibel erklären, aber so, dann halt
nicht.'
Mit diesen Gedanken beendete Gangolf den Samstag, er schlängelte sich den Pfad zum See hin-
durch und betrachtete am Ufer die friedlich vom Himmel blinkenden Sterne.

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:19.06.21 23:10 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Magnus,

ich lese deine sehr gut geschriebene Geschichte gern und bin gespannt, wie es zum Treffen mit der "wilden Fegerin" kommen wird.

Freundl. Gruß
Sarah
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:21.06.21 13:46 IP: gespeichert Moderator melden



Hallo Sarah,
es freut mich, daß Du meine Geschichte gern liest; ich fürchtete schon, sie sei
langatmig-langweilig, in anderen Stories hier erfolgt viel mehr "Action".
- Eigentlich hat Gangolf die "wilde Fegerin M." bereits aufgegeben, nachdem diese
stur auf ihren Termin um 10 Uhr besteht. Oder meinst Du, Gangolfs männliche Be-
gierde würde siegen und er sagt seine Termine ab?

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:25.06.21 18:17 IP: gespeichert Moderator melden


7

- Obwohl er eigentlich das Thema Motorrad-Sozia gedanklich streichen
wollte, schlich Gangolf am Sonntagmorgen gleich nach dem Aufstehen
zum Computer, um nachzusehen, ob in der Nacht doch noch eine Antwort
bezüglich des an diesem Vormittag geplanten Treffens eingegangen wäre.
Wie er schon vermutet hatte, war das nicht der Fall, dennoch beschloß
Gangolf, so wie er es immer machte, wenn das Wetter paßte, mit dem
Motorrad zur Kirche nach Grausneg zu fahren. Er verstaute Noten und
flache Schuhe in den Tankrucksack, auf dessen Unterseite starke Mag-
nete eingenäht waren. Dieser Tankrucksack war eigentlich gar kein Ruck-
sack, sondern eine spezielle Tasche, die man einfach auf den Tank des
Motorrads auflegte und die dank der Magnete darauf erstaunlich guten
Halt fand ohne lästige Schnürerei mit Bändeln und Schnallen.

- Als er die Hauptstraße in Grausneg entlangfuhr, sah er schon von wei-
tem Giuseppe mit der Kurbel die Markise über die Sitzplätze vor seiner
Eisdiele ausbreiten. Obwohl er die Motorrad-Sozia vergessen wollte, kam
ihm wieder diese ominöse Frau in den Sinn. Spontan beschloß er, kurz
anzuhalten, um Giuseppe zu begrüßen. Es war erst kurz nach neun, doch
saßen schon ein paar Gäste an den kleinen Tischen und genossen den italie-
nischen Kaffee.
- Giuseppe begrüßte Gangolf freundschaftlich und bat ihn mit einer ein-
ladenden Handbewegung Platz zu nehmen. Gangolf wiegelte ab, er müsse erst
zur Kirche, käme dann aber zurück. Jäh fiel ihm ein, daß er Giuseppe das
vermeintliche Treffen mit der Unbekannten mitteilen könnte. Er sprach mit
ihm italienisch, denn er wollte nicht, daß die Gäste ihre Ohren spitzten.
Seine häufigen beruflichen und touristischen Aufenthalte in Italien mach-
ten sich bezahlt, daß er zumindest einfache Konversation durchführen konnte:
- "Ascolta, aspetto una ragazza, non la conosco ancora, voleva essere lì
alle dieci, ma io verrò verso le undici. Ti prego di dicere la aspettarmi."
- Giuseppe schaute etwas verwundert, Gangolf wußte nicht, ob es an seiner
holprigen Grammatik lag oder an der Bitte selbst. Schließlich antwortete
Giuseppe:
- "Ah, dirò alla donna di aspettarti, è questo che vuoi?"
- "Si, grazie, a dopo, ciao!"
<-"Ciao!"

- Neun Jahre hatte Gangolf an einem neusprachlichen Gymnasium täg-
lich Englisch-Unterricht, absolvierte leidlich das Abitur in diesem
Fach, dennoch blieb ihm diese Fremdsprache fremd, geschmeidig-elegant
fand er dagegen Französisch und Italienisch und er war der Ansicht,
daß man spätestens mit dem Ausscheren Großbritanniens aus der Europä-
ischen Union kein Englisch mehr auf dem Festland bräuchte. Mit diesen
Gedanken ging er wieder zu seinem Motorrad, noch im Gehen faßte er
den Entschluß, es gleich hier stehen zu lassen und das kurze Stück
zur Kirche zu Fuß zurückzulegen. Er befestigte seinen Helm an einem
Haken unter dem Soziussitz und zog die Motorradtasche von dem Tank,
was dieser mit einem Pflopp-Geräusch quittierte.

- Um Viertel nach neun erreichte Gangolf die Kirche; bevor er in die
Sakristei ging, um den alten Prädikanten Schönred zu begrüßen, stieg
er auf die Orgelempore, um sich die Motorradstiefel und die Lederjacke
auszuziehen. Er holte die Schuhe aus der Tasche, die er immer zum Orgel-
spielen benutzte, lockerte die Bändel aus der seitlichen Schnürung,
schlüpfte hinein und zog die Bändel wieder fest, gekrönt mit einem schö-
nen Knoten. Er achtete stets darauf, die beiden Schleifen gleichmäßig
lang aus dem Knoten zu ziehen, damit weder die Schleifen, noch die losen
Enden der Bändel zu weit herabhingen und dadurch beim Treten der Pedale
hinderlich werden könnten.
- Als Gangolf die Sakristei betrat, fand er diese leer vor, weder der Prä-
dikant, noch der Mesner, der hier Küster genannt wurde, noch sonst wer war
anwesend. Das war ungewöhnlich, da der alte Herr Schönred sehr gewissenhaft
war und immer zeitig seine Vorbereitungen für den Gottesdienst traf. Nur
einen kurzen Augenblick nach Gangolfs Eintreten kam eine junge Frau herein,
Gangolf ging davon aus, daß es sich um eine Lektorin handelte. Erstaunlich-
erweise hatte sie einen großen Sack unter dem Arm geklemmt, den sie mit
einem leichten Seufzer abstellte. Gleich darauf wandte sie sich Gangolf zu,
reichte ihm die Hand und noch während ihres Händeschüttelns ließ sie sich
auf einen Stuhl plumpsen.

- "Bettina", stellte sie sich vor, "ich vertrete Herrn Schönred."
- Gangolf blickte sie etwas verwundert an und stellte sich vor: "Gangolf Stumpf."
- Seine Verwunderung steigerte sich, als die junge Frau den Sack öffnete, ein
schwarzes Knäuel herauszog, es schwungvoll auf den Tisch legte und schließlich
ein paar Schuhe herausholte. Noch während sie damit beschäftigt war, diese neben
sich abzustellen, streifte sie sich mit den Füßen ihre anscheinend sehr lose
gebundenen Chucks ab, die in einiger Entfernung im Raum zu liegen kamen.
- Sprachlos beobachtete Gangolf das weitere Geschehen: Erst jetzt gewahrte er,
um welche Schuhe es sich handelte, die von der Frau mitgebracht worden waren.
Es waren schwarze Plateau-Stiefeletten mit gewaltig hohen Absätzen, sie waren
deutlich höher als handbreit. Während das Mädel geschickt mit ihren Füßchen in
die Ungetüme schlüpfte, fragte sie ihn ohne aufzuschauen:
- "Und Sie lesen?"
- Gangolf starrte gebannt auf ihre Füße, die jetzt deutlich von dem Fußboden
erhöht waren. Erst als Bettina zu ihm aufschaute, begriff er, daß er mit der
Frage gemeint war, und leicht irritiert stotterte er:
- "Äh, nein, ich versuche, die Orgel zu spielen."
- Nun traf ihn ein breites Lächeln, das die gesamte Breite ihrer schmalen läng-
lichen Gesichtsfront einnahm. Sie antwortete, während sie sich von dem
Stuhl erhob:
- "Das trifft sich gut, daß du da bist, dann muß ich nicht mehr auf die Empore
hinaufsteigen."
- Bettina drehte sich um, dem abgelegten Knäuel zugewandt, entfaltete dieses,
ergriff den schwarzen Stoff und zog ihn zu sich heran.
- "Sei so gut und hilf mir, den Talar überzuziehen!"
- "Äh, ja, gern", stammelte Gangolf, immer noch perplex über die so unerwartet
eingetretenen Gegebenheiten. In dem Moment kam der Mesner aus der Kirche herein,
er stolperte leicht über Bettinas abgestreiften, mitten im Weg liegenden Leinen-
schuhe, erfaßte mit Kennerblick die Situation und den schweren schwarzen Pfaffen-
rock und schon stand das Mädel ganz in schwarz gehüllt vor ihnen. Dank der enorm
hohen Absätze, die von dem fast bis zum Boden reichenden Saum des Talars verdeckt
wurden, stand sie jetzt auf Augenhöhe mit den beiden Männern. Sie wandte sich an
den Mesner:
- "Ich hörte, daß in der Gemeinde schon lang kein Abendmahl gehalten worden ist,
weil ja meistens Prädikanten hier den Gottesdienst halten, und da hab' ich mir
gedacht, daß wir heute das Abendmahl feiern. Bitte bereite doch schon mal alles
vor!"

- Wie selbstverständlich ist sie zum Du übergegangen, der Mesner blickte kurz
erstaunt auf, nickte aber gleich darauf und wandte sich ab, entsprechend alles
vorzubereiten.
- Gangolf begriff zwischenzeitlich, daß es sich bei Bettina um eine hauptamtliche
Pfarrerin handelte; er fragte sie nach dem liturgischen Ablauf, ob irgendwelche
Besonderheiten zu beachten wären, wie sie es mit dem Psalmsingen hielte. Als alles
geklärt war, stieg er zur Orgel hinauf, bereits kurz darauf läuteten nochmals die
Glocken und der Gottesdienst begann.
- Gangolf fiel es schwer, sich auf das Orgelspielen zu konzentrieren, das Erlebnis
mit der Pfarrerin mit ihren wahnsinnig hohen Stiefelchen erregte ihn immer noch.
Nach dem einleitenden Orgelspiel stellte sich Bettina der Gemeinde vor:
- "Ich bin Bettina Litte und habe die Ehre, heute Prädikant Schönred zu vertreten,
der kurzfristig verhindert ist. Wir werden heute das Abendmahl
feiern, ich danke dem Küster und dem Organist für ihren Dienst und allen,
die sonst noch dazu beigetragen haben, daß wir hier zusammen den Gottes-
dienst feiern können..."

- Plötzlich kam Gangolf wieder die Motorrad-Lady in den Sinn und er verspürte
eine teuflische Lust, während der Predigt hinauszugehen und schnell zur Eis-
diele hinunterzulaufen. Seine Erregung steigerte sich immer mehr, prompt ver-
spielte er sich auch einmal. Nach dem Glaubensbekenntnis wurde, wie üblich,
noch ein Choral gesungen, bevor die Predigt begann. Es war vier Minuten vor
zehn Uhr, entschlossen schaltete Gangolf das Orgelgebläse aus, schwang sich
von der Orgelbank und stieg leise die Stufen zum Ausgang hinunter.
- Schwerfällig bestieg derweil die junge Pfarrerin die Kanzel, Gangolf konnte
ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen, da er wußte, warum sie sich so lang-
sam die Kanzeltreppe hinauf bewegte. Er hatte bereits den Griff der Kirchentür
in der Hand, als er ihre Stimme von der Kanzel hörte:
- "Da ich keine Zeit fand, mich eingehend auf eine Predigt vorzubereiten und
heute auch das Abendmahl gefeiert wird, möchte ich mich kurz halten und nur
ein paar spontane Gedanken zu dem Text aus dem Alten Testament wiedergeben..."
- Gangolf stockte der Atem: Während Prädikant Schönred stets langatmige Pre-
digten zu halten pflegte, die schier kein Ende nahmen, scheint es die Pfarrerin
flott zu machen; sollte er doch hierbleiben und ganz unauffällig wieder zur
Orgel hinaufschleichen? In seiner Wallung war er jetzt zu angeregt, um noch-
mals umzukehren und seinen spontanen Plan aufzugeben. Lautlos öffnete er die
Kirchentür, schnell lief er den Kirchenhügel hinunter zu der Hauptstraße. Dort
angelangt ging er dann bedeutend langsamer, um bei der Wärme des strahlenden
Sonnenschein nicht außer Atem zu kommen.

- Am Sonntag Vormittag war gewöhnlich wenig Verkehr auf der Hauptstraße des
Dorfes. Als Gangolf auf dem Gehweg Richtung Eisdiele dahintrabte, fuhr mit
hohem Tempo ein Lada Niva in seiner Richtung vorbei. Das Erstaunliche an dem
Fahrzeug war weniger seine grundsätzliche Eigenschaft, daß die würfelförmige
Karosserie seit Jahrzehnten unverändert gebaut wird, als vielmehr seine unde-
finierbare matte Farbgebung, die je nach Lichtverhältnissen zwischen dunkel-
grün über grau-blau bis braun zu schwanken schien.
- Noch im Gedanken daran, daß es sich um das Auto seiner seltsamen Motorrad-
Bekanntschaft handeln könnte, erkannte Gangolf, daß der Lada weiter vorne am
Straßenrand anhielt. Die Fahrerin stieg aus, beugte sich von der Straße aus
nochmals in den Wagen und zog eine Jacke heraus.
- 'Das könnte sie sein', folgerte Gangolf blitzschnell und beschleunigte seine
Schritte. Tatsächlich konnte er von der Ferne erkennen, wie sie in den Bereich
der Eisdiele eintrat. In diesem Moment begann die Kirchturmuhr mit den Schlägen
für zehn Uhr. Erschrocken hielt Gangolf inne, er hätte nicht gedacht, daß er
bereits vier Minuten unterwegs gewesen war, er mußte jetzt unbedingt umdrehen,
um rechtzeitig vor dem Ende der Predigt in der Kirche zurück zu sein. Giuseppe
wird ihr schon ausrichten, daß sie auf ihn warten soll, außerdem hat er ihr ja
geschrieben, daß er erst gegen elf da sein konnte.

- Leicht außer Atem keuchte Gangolf den Kirchenhügel hinauf, auf halber Anhöhe
hörte er aus der Kirche den Gesang anstimmen: Er war zu spät, die Gemeinde sang
das Predigtlied notgedrungen ohne Orgelbegleitung. Es war ein schauderhafter
Gesang, ihm wurde auf diese Weise bewußt, wie wichtig doch die Orgel war. Mit
hochrotem Kopf eilte er zur Empore hinauf, prompt knarrten einige ausgetretene
Treppenstufen, Pfarrerin Bettina blickte kurz von ihrem Gesangbuch auf.
- 'Auh, wie peinlich,' schalt sich Gangolf selbst, 'und das bloß wegen der blö-
den Kuh da unten an der Eisdiele, wär ich doch dageblieben'.
- Gangolf mußte sich eingestehen, daß es ihn mit einer gewissen Lust erfüllte,
jetzt zumindest schon einmal das Auto dieser seltsamen Motorrad-Begeisterten zu
kennen; sobald dieses Fahrzeug irgendwo ihm begegnete, würde er es selbstver-
ständlich sofort wiedererkennen wie den sprichwörtlichen Bunten Hund.

- Wie üblich endete der Gottesdienst mit dem Orgelnachspiel. Als Gangolf fertig-
gespielt hat und die Faltbretter über die Tasten klappte, richtete er unwillkürlich
seinen Blick über die Emporenbrüstung nach unten in das Kirchen-schiff. Erstaunt
stellte er fest, daß die Pfarrerin anscheinend seinem Schlußspiel gelauscht hatte,
sie saß auf der ersten Reihe der Kirchenbänke, erhob sich nun, wandte sich dabei
um, hob den Blick zur Orgel empor, bedachte Gangolf mit einem anerkennenden Lächeln
und hob zum Gruß die Hand, ehe sie würdigen Schrittes entschwand.
- Gangolf fiel ein Stein vom Herzen, anscheinend hat sie ihm seinen Austritt wie
selbstverständlich verziehen. Nachdem er die Schuhe mit den Motorradstiefeln
getauscht und seine Lederjacke über eine Schulter gehängt hatte, machte er sich
wieder auf den Weg zur Eisdiele. Eigentlich hatte er gar keine große Lust mehr,
die seltsame Lady kennenzulernen, es war vielmehr die kesse Pfarrerin, die ihn
vollkommen in den Bann zog.

- Auf der Straße zur Eisdiele stellte er fest, daß der Lada nicht mehr da stand,
tatsächlich erzählte ihm Giuseppe, daß die Ragazza gleich wieder weggefahren sei,
obwohl er ihr sagte, auf Gangolf zu warten.
- „Ist keine für dich“, raunte ihm Giuseppe zu, „voll verrückt alles schwarz ange-
zogen, mit Lederjacke mit Nieten überall und Piercing und so.“

- Von dieser Nachricht: >ist keine für dich< erleichtert, trank Gangolf seinen
Cappuccino aus und schwang sich auf seine Yamaha R1, um ein paar Dörfer weiter
zu fahren und dort ein Mittagessen einzunehmen. Es war schon gegen drei Uhr,
als er wieder zuhause war. Es drängte ihn jetzt, mit seinem neuen Kajak eine
Paddeltour zur Insel zu unternehmen. Hurtig entledigte er sich seiner Kleidung
und holte sein ärmelloses Neopren-Shorty heraus, ein ‚Sailfish Pacific’. Wäh-
rend die meisten Shortys Ärmelchen aufwiesen, war sein Teil vollkommen ärmel-
los, er hatte sich vor einiger Zeit dieses Modell bestellt, da er beim Rudern
die Achseln frei haben wollte, zumindest bei den nachmittäglichen Temperaturen.

- Jedesmal überkam Gangolf eine gewisse Erregung, wenn er in die Neoprenröhren
stieg und dieser besondere Stoff über seine Knie strich, um schließlich mit den
Oberschenkeln zu verschmelzen. Mit nicht unerheblichen Verrenkungen gelang es ihm,
das Reißverschlußplättchen an seinem Rücken in die Höhe zu ziehen; das in seinen
Augen alberne Zugband hatte er abgeschnitten, denn es baumelte beim Rudern bei
jeder Drehung des Oberkörpers, mithin bei jedem Ruderschlag, auf seinem Rücken
hin und her. Als das Neopren seinen Oberkörper fest umschlungen hatte, wurde es
Gangolf richtig warm, und ein wohliges Gefühl der Geborgenheit durchzog seinen
eingepackten Leib.
- Seine Erregung steigerte sich noch, als Gangolf schließlich in seine gummier-
ten Wassersportschuhe schlüpfte, und obwohl er es schon unzählig oft getan hat,
betrachtete er sich anschließend in dem großen länglichen Spiegel des Hausflurs,
um sich selbst zu gefallen, wie er so da stand in dem leicht glänzenden schwar-
zen Neoprenanzug mit den grauen Seitenteilen; der typische Geruch zog durch
seine Nase und ließ seine Erregung nochmals anwachsen.

- Langsamen Schrittes wandelte Gangolf zu dem Schuppen hinüber, in welchem er
seine Boote aufbewahrte; jede Unebenheit des Bodens übertrug sich über die dün-
ne Gummisohle auf die empfindsamen Nerven seiner Fußsohlen. Das Kajak war ein
Prijon-Falcon GFK, ein ausgesprochenes Schnellboot mit nur 55 Zentimeter Breite
und 17 Kilo Leergewicht. Letztes Jahr hatte er sich seinen Wunsch erfüllt und
sich dieses edle Stück zu einem Wahnsinnspreis geleistet. Es hätte auch eine
Ausführung in Carbon-Aramid gegeben, das war nochmals drei Kilo leichter, aber
der Preis dafür astronomisch höher.

- Das Kajak in der Rechten, die Paddel in der Linken watschelte Gangolf den
Weg zu dem Kanal hinunter, der an seinem Grundstück entlang führte. Nachdem
er das Paddel entlang auf den Steg gelegt hatte, nahm er nun auch die freige-
wordene linke Hand zu Hilfe, um das Kajak längs des Stegs in das Wasser zu las-
sen. Dann setzte er sich an den Rand des Stegs, griff mit der linken Hand an
den Wulst der Luke hinter dem Sitz, hob das linke Bein in die Luke, während er
sich mit der rechten Hand am Steg abstützte. Anschließend zog er auch noch das
rechte Bein nach, das Schifflein begann stark zu schwanken, doch als er schließ-
lich zu sitzen kam, beruhigten sich die Schaukelbewegungen, und Gangolf ergriff
das Paddel vom Steg. Obwohl er es bereits unzählig oft vollzogen hatte, verlangte
der Einstieg in das extrem schmale Boot stets höchste Konzentration.
- Nach wenigen Metern öffnete sich vor ihm die Weite des Sees, für ihn immer
wieder ein faszinierender Anblick. Während auf dem Kanal das schmale Kajak
problemlos-ruhig dahinglitt, zeigte sich auf dem offenen See schnell der Nach-
teil des schmalen Bootes, es neigte in den leichten Wellen hin- und herzukip-
peln. Doch Gangolf kam gut damit zu recht, er freute sich immer wieder, wie
schnell er mit diesem schwimmenden Pfeil vorankam.

- Man mußte den Schilfgürtel genau kennen, um die schmale Lücke nicht zu ver-
fehlen, welche die Einfahrt zu der Insel gestattete. Von dem meterhohen
Schilf links und rechts umgeben war das Paddeln hier sehr schwierig, da man
die Paddelblätter kaum seitlich in das Wasser stechen konnte. Meist genügte
der Schwung, um bis an das schmale Stegbrett der Insel zu kommen, das Paddel
benützte Gangolf nur zum Lenken.

- Berauscht von der Fülle der Natur, umgeben von der vollkommenen Einsamkeit
des Erlenbruchwaldes, setzte Gangolf vorsichtig Fuß vor Fuß; nach einer Weile
kam er in der östlichen Hälfte der Insel auf eine Lichtung, auf der er sich
niedersetzte. Die Baumkronen gaben in einem schmalen Oval den Blick frei auf
den blauen Himmel; Gangolf blickte gedankenverloren in die unendliche Ferne,
er ertappte sich, wie er im Gedanken zu philosophieren begann, doch er gestat-
tete es sich und träumte:
- Es war der richtige Entschluß, seine alte Heimat aufzugeben und hierhin zu
ziehen, wo ihm alles die vollkommene Freude bereitete, ja noch mehr, sein
ganzer Lebenswandel war die reinste Lustbarkeit: In dem engen Kajak einge-
zwängt die baumkronenumschlossenen Kanäle entlang zu gleiten, die große
Fläche des Sees zu überqueren, dann natürlich das Motorradfahren, diese
Lust, die schier unendliche Kraft des Motors so zu dosieren, daß man mit gekonn-
ter Schräglage durch die Kurven pfeilt, dazu die stimulierenden Anzüglichkeiten,
hier das Neopren, dort das Leder, selbst die Arbeit auf den Dächern mit den
Photovoltaikplatten war ihm meistens eine lustvolle Herausforderung:
- Die knöchelhohen Chucks, an den Füßen fest verschnürt, erlaubten dank der
sagenhaft rutschfesten Gummisohlen, auch auf steilen Dächern herumzuturnen;
im Verein mit seinen Kräften und seinem drahtig-schlanken Körper schwang Gan-
golf sich problemlos zwischen den Modulen hin und her, um die Anschlüsse her-
zustellen. Freilich war er nicht ganz schwindelfrei, die ersten Minuten vermied
er es, nach unten zu sehen, sondern richtete seinen Blick zunächst stets auf das
Dach. Nach wenigen Minuten legte sich das ungute Gefühl in der Magengegend, es
steigerte sich zu einem Glücksgefühl, wenn er dann weithin über das Land umher-
schaute.

- Gangolfs Gedanken schweiften zum Orgelspielen, auch das war für ihn die rein-
ste Lust, zum einen eine prickelnde Konzentrationsübung, stets die Gemeinde als
Ohrenzeuge seines Spiels zu wissen, aber auch das Bewußtsein einer dominanten
Komponente, den Gemeindegesang zu führen. Besonders gern spielte er auf der
150 Jahre alten sehr kleinen Orgel in Grausneg, zwar nur mit einem Manual aus-
gestattet, aber mit einem Pedal vollen Umfangs und vor allem sehr schöne helle
Register erlaubten ein kunstvolles Spiel mit ansprechenden Klangfarben. Im
Gegensatz zu seiner bayrischen Heimat, wo viele Orgeln aus dieser Zeit mit
sehr unzuverlässigen Spielsystemen ausgestattet wurden und zudem häufig nur
über dunkel-dumpfe Säuselpfeifen verfügten, die allenfalls romantische Schnul-
zen zu spielen zuließen, genoß Gangolf die barocke Orgelmusik, die er hier zu
Gehör brachte.

- Dann war da noch das Radiobasteln, Sender und Empfänger bauen, überhaupt
die vielen Bastlereien in seiner Hobby-Werkstatt, bei diesen Gedanken kamen
ihm seine ferngesteuerten Handschellen in den Sinn, auch das war natürlich
die reinste Lustsache, obschon er sich überhaupt nicht vorstellen konnte, wie
und wo er diese jemals zur Anwendung bringen würde.
- Gangolf vergaß, vorsichtig mit seinen Wünschen zu sein, bekanntlich könnten
sie in Erfüllung gehen...

- Bevor er die Insel verließ, begab sich Gangolf an das hintere Ende der Lich-
tung, scharrte an einer bestimmten, ihm wohlvertrauten Stelle das Laub mit sei-
nen Füßen weg, bis der silbrig glänzende Deckel einer eingegrabenen Aluminium-
kiste zum Vorschein kam.


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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:02.07.21 20:32 IP: gespeichert Moderator melden


8


Verkehrsministerin Umleid-Tung fing gerade an, in der wöchentlich ein-
berufenen Sitzung des Regierungskabinetts über den Eurotunnel zwischen
Frankreich und England zu referieren, als Staatssekretär Gscheid unge-
stüm in den Saal hereinstürmte. Fast alle Anwesenden warfen ihm einen
abfälligen Blick zu, Umleid-Tung unterbrach ihren Vortrag. Während sich
Gscheid auf einen freien Platz niederließ, rief er grinsend in die Runde:
- „Es ist da!“
- „Ja, Sie sind endlich da“, konterte Bundeskanzlerin Prank-Barrenkau-
er ungehalten, „bitte Frau Umleid, fahren Sie mit ihrem Bericht über den
Eurotunnel fort.“
Umleid murmelte, daß dieses Verlustloch nach ihren neuesten Informatio-
nen jetzt wohl endgültig zugeschüttet werden müsse, doch verkniff sie
sich, das laut zu äußern.

Zehn Jahre sind vergangen, daß Großbritannien aus der Europäischen Union
ausgetreten war; es kam kein Vertrag zustande über die Beziehungen zwi-
schen Großbritannien und der EU, schließlich kam es zu dem befürchteten
harten Brexit’, dem Ausscheiden ohne vertragliche Vereinbarungen. Das Ei-
senbahntunell war in den ersten Betriebsjahren defizitär, da zum einen
die geplanten Baukosten um das Doppelte überschritten worden waren, zum
anderen, weil das Fahrgastaufkommen viel geringer gewesen war als geplant.
Durch Umschuldungen und Gläubigerverzicht gelang es, das Tunell gewinnbrin-
gend zu führen. Mit dem ‚Brexit’ ging der Fracht- und Personenverkehr stark
zurück, so daß seitdem der Betrieb wieder Verluste einbrachte. Die Fahrzeit
für die Personenbeförderung hat sich mehr als verdoppelt, da nun wieder
strenge Zollkontrollen durchgeführt wurden.
Ministerin Umleid-Tung berichtete ausführlich, wie diese Kontrollen vonstat-
ten gingen:
Das früher geltende Verfahren der ‚juxtaposed controls’ wurde abgeschafft,
damals wurden die Grenz- und Zollkontrollen vor Antritt der Überfahrt in dem
jeweiligen Ausgangsland durchgeführt; Großbritannien erlaubte seit dem Bre-
xit den Franzosen nicht mehr, auf der Insel die Kontrollen für Reisende und
Fracht zum Festland vorzunehmen.
Seit einigen Jahren wurden die Kontrollen mitten im Tunell durchgeführt: Der
Zug hält an, alle Reisende müssen aussteigen und mit ihrem Gepäck durch einen
kurzen Querschacht zu der ‚Serviceröhre’ gehen, dort wurden lange Tische auf-
gebaut, auf denen die Gepäckstücke aufgelegt und zur Inspektion geöffnet wer-
den müssen. Derweil rangiert der Zug zur Rückfahrt über die Umführung zu der
anderen Gleisröhre, während ein neuer Zug aus dem Zielland heranrangiert wird,
in dem die Reisenden nach Beendigung der Kontrollen einsteigen und die Reise
fortsetzen.

Außenminister Schmollz ergänzte die Ausführungen der Verkehrministerin bezüg-
lich der allgemeinen Zollproblematik mit England. Er vermied dabei den Begriff
Großbritannien, da dieser Staat seit einigen Jahren nur noch aus England,
Wales und Nordirland bestand; den Schotten gelang es nach langem Hin- und Her,
sich von Großbritannien abzuspalten und als unabhängiger Staat wieder in die
Europäische Union einzutreten. Ein von verschiedenen Seiten vorgeschlagener
Zusammenschluß mit der Republik Irland konnte nicht vollzogen werden, das
Nationalbewußtsein ist in beiden Ländern bis heute zu stark ausgeprägt und
man wollte unbedingt verhindern, vom Regen in die Traufe zu kommen.
Als warnendes Beispiel wurde damals die Tschechoslowakei genannt: Die Slowaken
versuchten mehrfach, aus dem Staatenbund mit den Tschechen auszutreten, zuletzt
erfolglos während des Aufstandes gegen die stalinistische Diktatur 1968, bis
es endlich 1992 zu der endgültigen Losspaltung kam.
Während die Loslösung der Slowakei friedlich vollzogen wurde und der damalige
tschechische Präsident Havel sofort sich um beste nachbarschaftliche Beziehun-
gen bemühte, obwohl er die Trennung als Fehler ansah, war die Abspaltung der
Länder aus dem jugoslawischen Staatenbundes ganz und gar unfriedlich verlaufen,
es kam zu den blutigen Balkankriegen, die sich von 1991 bis 2001 dahinzogen und
zu einer völligen Auflösung von Jugoslawien führte.

Schmollzens Staatssekretär Doktor Gscheid grinste vor sich hin, als er den Aus-
führungen über die Situation in Großbritannien lauschte. Sein rüpelhaftes Herein-
platzen in den Saal war anscheinend längst vergessen worden. Kanzlerein Prank
schickte sich bereits an, die Sitzung für beendet zu erklären, als es schließ-
lich doch noch zu einer Wortmeldung kam. Eine Staatssekretärin hat sich an
Gscheids Worte erinnert, als er hereingestürmt war:
- „Herr Gscheid, Sie kamen herein mit den Worten, es sei da. Was hat es damit
auf sich, was ist da?“
Gscheid wendete sich zu der Kollegin und setzte dabei eine bedeutsame Miene auf:
- „In der Tat, es, das Virus, ist da, und zwar in England! Es freut mich, daß
wenigstens Sie, verehrte Kollegin, sich für diese meiner Meinung nach höchst
brisanten Nachricht interessieren, vielen Dank, daß Sie mir die Möglichkeit
einräumen, Ihnen das mitteilen zu dürfen.“

Sprachlos wendeten sich nun alle Blicke zu Staatssekretär Doktor Gscheid in Er-
wartung, daß dieser weiter spräche. Doch Scheid lächelte weiter in die Runde,
ohne dem etwas hinzuzufügen. Schließlich forderte Prank ihn auf, nicht so geheim-
nisvoll einfach eine Meldung in den Raum zu werfen, sondern endlich dazu Erläute-
rungen zu geben. Geschmeichelt fuhr nun Gscheid fort:
- „Ja, meine Damen und Herren, das ist ganz brandneu, wie Sie viel-leicht wissen,
verfüge ich über die amtlichen Kontakte unseres Ministeriums hinaus noch persön-
liche Kontakte nach England; ein Informant rief mich heute morgen an und steckte
mir diesen Hinweis mit der Bitte, diesen vertraulich zu behandeln, nicht daß die-
se Information gleich wie-der zur DPA gelangt und damit in die Medien, wo wie der
Bericht aus Taiwan vor zwei oder drei Wochen, das war ja ganz Formosa.“
Wieder legte er eine bedächtige Pause ein und wartete sichtbar darauf, daß jemand
nachfragte. Nun war es Gesundheitsminister Scham, der es genauer wissen wollte:
- „Und da handelte es sich eindeutig um das gleiche Virus?“
- „Ja, der Betroffene, also der, besser gesagt, die Infizierten leiden unter den
gleichen Symptomen wie die in Taiwan.“
- „Was war das nochmals, Reizung der Geschlechtsorgane?“
- „Ja genau und die Engländer, also die Ärzte dort, sprechen auch vom Condoma-Vi-
rus.“
- „Und das gelangte dort noch nicht in die Presse?“, wollte Regierungssprecher
Schmarr wissen.
- „Anscheinend noch nicht, und auch wir sollten meiner Meinung nach stillhalten.“
Kanzlerin Prank mischte sich ein: „Auf jeden fall sollten wir das noch nicht in
die Öffentlichkeit geben, denn zu schnell könnten falsche Schlüsse daraus gezogen
werden. Die Bevölkerung ist ja hochsensibilisiert, wenn sie das Wort Virus hört.
Ich erinnere mich gut daran, wie Sie, Kollege Schmollz, damals vor zehn Jahren
sinngemäß davon sprachen, daß wir nach der Corona-Krise auf jeden Fall andere Men-
schen sein werden.“
Schmollz setzte sein charakteristisches Lächeln auf, strich sich mit beiden Händen
über seinen nicht zu übersehenden Bauch und bejahte das Gehörte mit einem Nicken.

„Stop“, rief die Kanzlerin darauf hin, „bevor es jetzt zu einer wilden Diskussion
kommt, möchte ich Sie bitten, in den einzelnen Ressorts Arbeitsgruppen einzurich-
ten, was es alles für Möglichkeiten gibt, mit dieser neuartigen Ausgangslage umzu-
gehen und wie wir verfahren müssen, damit sich das Fiasko von damals nicht wieder-
holt! Ich schlage vor, daß wir bereits Anfang nächster Woche wieder zusammenkommen,
um in einer Sondersitzung nur über dieses Thema zu sprechen. Also sammeln Sie Vor-
schläge, denken Sie mit ihren Mitarbeitern in alle möglichen Richtungen, aber bitte
lassen Sie nichts nach draußen dringen, erst wenn wir uns einig sind, war wir ma-
chen wollen, also mit konkreten Schritten aufweisen können, dann werden wir frei-
lich unverzüglich diese der Bevölkerung mitteilen.“


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Gangolf holte sich gerade eine Bierflasche, um sich auf dem Wohn-
zimmersofa niederzulassen als vorbereitende Maßnahme für das Kon-
sumieren der Tagesschau, als unvermutet das Telephon schrillte. Er
gehörte zu den wenigen jungen Menschen, die noch einen Festnetz-
Telephonanschluß im Haus hatten, denn er fand das ständige Herum-
schleppen des Smartphone gar nicht smart.
Im Winter war das erträglicher im wahrsten Sinne des Wortes, weil
man das Gerät dann doch recht einfach in eine Jackentasche stecken
konnte. Jetzt aber, im beginnenden Frühjahr, wo er kaum mehr Jacken
trug, bestenfalls Westen ohne tiefe Taschen, fand er das Mitsichführen
dieser Intelligenz-Geräte ziemlich lästig. Im Unterbewußtsein wider-
sprach das ständig für andere Erreichbarsein seiner ausgeprägten domi-
nanten Gefühlswelt, nichts haßte er mehr, als fremdbestimmt zu sein, er
wollte immer so unendlich frei sein.
Da noch einige Zeit bis zu den Nachrichten gewesen war, erhob er sich
nochmals und holte den Hörer von der Ladeschale. Zu seiner Über-
raschung meldete sich eine helle Stimme:
- „Guten Abend, hier spricht Bettina, die Pfarrerin vom Sonntag in
Grausneg, ich wollte mich bei Ihnen bedanken für ihr wunderschönes
Orgelspielen und vor allem für das Psalmsingen, das traue ich mir nicht
so zu.“
- ‚Erstaunlich’, dachte sich Gangolf, ‚wie schnell doch manche Leute beim
Du sind, wenn sie einem gegenüber stehen, und wie sie dann wieder
zum Sie zurückkehren, wenn man telephoniert oder schreibt.’
- „Danke“, entgegnete Gangolf, „es freut mich auch, daß Sie mir das
verziehen haben, daß ich während der Predigt hinausgegangen bin und
nicht rechtzeitig für das Lied danach zurück war“.
- „Aber bitte, Sie werden ihre Gründe gehabt haben, das war sicherlich
keine Absicht, Herr ... , ah, waren wir nicht schon beim Du?“
- „Ja gern, Gangolf heiß’ ich.“
- „Schön, Gangolf, ich möchte Dich einladen, daß wir uns bald einmal
treffen, ich finde es angenehmer, wenn man sich beim Sprechen
ansehen kann.“
Eine Einladung eines Geistlichen zu einem Gespräch ist Gangolf bislang
nur sehr selten vorgekommen, um so mehr freute ihn, daß ausgerech-
net dieses liebe Pfarrersmädel sich mit ihm unterhalten wollte. Sie ver-
einbarten, sich zwei Tage später im Pfarrhaus von Lüggen am frühen
Abend zu treffen. Bettina gab ihm eine Ortsbeschreibung:
- „Das Pfarrhaus liegt etwas außerhalb vom Zentrum, Paul Gerhard-
Straße 2, das ist eine Seitenstraße von der Logenstraße, Richtung Bahn-
hof, wirst schon finden mit Navi.“
Gangolf hörte gar nicht richtig hin, wird halt neben der Paul Gerhard-
Kirche, der altehrwürdigen Stadtkirche am Marktplatz, sein. Seine
Gedanken schweiften zu Paul Gerhard, dieser berühmte evangelische
Theologe, der die Texte zu vielen Chorälen geschrieben hat, lebte und
wirkte vor 400 Jahren hier an dieser Kirche.

Kurz zögerte Gangolf, ob er lieber mit dem Auto nach Lüggen fahren
sollte, doch das schöne Wetter ließ ihn dann doch das Motorrad aus dem
Schuppen holen. Er dachte sich, wenn Frau Pfarrerin im Gottesdienst 15
Zentimeter Absatz unter den Fersen hat, wird sie sich nicht stören, wenn
sie ihn in Motorradstiefel erblickt.
Die Kirche in Lüggen war nicht zu verfehlen, vor dem großen Markt-
platz mitten in der Stadt baut sich der gewaltige, fast 600 Jahre alte
weiße Kirchturm auf. Gangolf stellte seine Yamaha ab und umrundete
guten Mutes die Kirche. Er betrat die Kirchgasse und die Kirchstraße,
dann die Hauptstraße. Als er an der Sparkasse vorbeiging, lief ihm ein
kalter Schauder über den Rücken. Schließlich ging er über die Poststraße
zurück, doch eine Paul Gerhard-Straße konnte er nicht entdecken.
- ‚Verdammt’, schalt sich Gangolf, ‚hat sie nicht was gesagt von etwas
außerhalb?’
Das ausgedehnte Herumstiefeln bereitete ihn ebensowenig Gefallen wie
die Vorstellung, nach den Weg fragen zu müssen; es rächte sich seine
Arroganz, das Smartphone nicht mitgenommen zu haben. Die Lüggener
Paul Gerhard-Kirche war ja selbst für Blinde nicht zu übersehen, dann
mußte logischerweise die Paul Gerhard-Straße gleich da in der Nähe sein
und überhaupt pflegen Pfarrhäuser neben der Kirche zu stehen, damit
die Hochwürdige Geistlichkeit nicht weit zu gehen hat.
Gangolf spielte mit dem Gedanken, nochmals nach Hause zu fahren,
doch dann faßte er sich ein Herz, überquerte die Poststraße und sprach
zwei Jugendliche vor der Eisdiele an. Natürlich wußten diese nichts von
einer Paul Gerhard-Straße und vermutlich auch nichts von der in Sicht-
weite stehende Paul Gerhard-Kirche, doch waren beide anscheinend
geradezu angetan, gefragt worden zu sein, sie schienen unaufgefordert
einen Wettstreit einzugehen, wer von ihnen als erstes auf dem Smart-
phone den gefragten Straßennamen entdecken würde.
Fast gleichzeitig hielten beide ihre Bildschirmchen mit dem Stadtplan-
ausschnitt Gangolf entgegen, dieser erinnerte sich wieder an die Logen-
straße, davon hat die Bettina was erzählt, verdammt, hätte er doch ihr
zugehört und gleich zuhause auf dem großen Bildschirm den Stadtplan
konsultiert. Immerhin hatte er großes Glück, daß die Jugendlichen ihm
alle Zeit der Welt ließen, auf dem Display zu >scrollen< und zu
>zoomen<, bis er sich die Route eingeprägt hatte.

Verwundert stellte Gangolf fest, wie viele Autos in der Sackstraße
geparkt standen; unschwer fand er Dank eines großen Schildes das Paul
Gerhard-Gemeindezentrum. Auf der anderen Straßenseite gab es eine
Lücke zwischen einem Cabriolet und einem kastenförmigen Lieferwagen,
die gerade groß genug war, um seine Yamaha dort abzustellen.
Gangolf befestigte seinen Helm an einem Haken unter dem Soziussitz,
denn er haßte es, auch nur für kurze Strecken den Helm herumzutra-
gen, in ähnlicher Weise, wie er sein Smartphone nicht herumschleifen
wollte. Nach wenigen Sekunden baumelte die blau-weiße Kugel an der
Seite über dem Auspuff, er öffnete das Visier, stopfte die Handschuhe in
das Innere des Helms und klappte das Visier wieder zu.
Gerade wie er das schmale Vorgärtlein durchschritt, um zu der
Tür des großen Hauses zu gelangen, öffnete sich die Tür und eine große
Frau mit schwarzen Haaren schritt an ihm vorbei, ohne ihn nur eines
Blickes zu würdigen. Etwas verdutzt blickte Gangolf der Diva nach,
blinkte da nicht ein Ringlein aus der Unterlippe in dem schwachen
Abendlicht?
Die Tür war bereits wieder in das Schloß gefallen, so daß Gangolf sich
nach dem Klingelknopf umschaute. Bei den modernen Sprechanlagen
war das oftmals gar nicht so einfach, herauszufinden, an welcher Stelle
man drücken mußte, wenn man Klingeln wollte. Während er noch etwas
unsicher die Symbolik Licht und Klingel betrachtete, gewahrte er im
äußersten Rand seinen Blickfeldes, wie die Diva die Straße überquerte
und zu seinem Motorrad schritt. Während sie es einmal umrundete,
versuchte sie sich anscheinend irgend ein Detail einzuprägen.
Gangolf drückte beherzt den Klingelknopf, besser gesagt, die kaum
auszumachende rechteckige Fläche, hinter der er den Klingelkontakt
vermutete. Während er auf das Gequäke des Lautsprechers hinter dem
kleinen Aluminiumgitter wartete, ‚ja bitte’, schaute er nochmals auf die
Straße. Die Lady hat sich mittlerweile von dem Motorrad abgewandt und
öffnete die Tür zu dem Wagen davor – erst jetzt erkannte er den
Wagen, es war kein Lieferwagen, wie er zunächst flüchtig vermeinte, es
war ein Lada Niva!
Perplex starrte er auf die Schwarzhaarige, wie ihr Haarschopf
herumwirbelte, als sie sich in den Russen-Jeep schwang. Beinahe wäre
er gestürzt, als unvermittelt die Haustür aufging; er vernahm weder
Lautsprecher-Gequäke, noch Türöffnermagnet-Gesumme, vielmehr
dröhnte der startende Lada-Motor herüber, begleitet von einer kernigen
Qualmwolke.
Leicht irritiert stolperte Gangolf Bettina entgegen, die ihm lachend die
Hand reichte und ihn gleich aufklärte:
- „Das ist Martina, eine gute Bekannte von mir, eine Freundin, wenn du
so willst, ich glaube, die braucht eigentlich gar keinen solchen gelände-
gängigen Jeep, aber so ist sie eben, immer irgendwie extrem drauf.
Aber jetzt komm erst mal herein!“

- ‚Aha, das ist also der >wilde Feger<, so einfach ist das, wenn der
Zufall mithilft.’ Gedankenverloren folgte Gangolf Bettina in ein großes
Zimmer, wo sie ihm andeutete, sich zu setzen. Er hatte tatsächlich die
wilde Sozia längst aus dem Gedächtnis gestrichen, aber jetzt war sie
wieder ganz präsent, Giuseppe hatte recht mit den Piercings, und
schlagartig wurde ihm die Ausstrahlung ihrer unfaßbaren Dominanz
bewußt: Sie wartete damals nicht das halbe Stündchen auf ihn, sie
würdigte ihn keines Blickes, als sie beim Vorbeigehen sich fast berühr-
ten, nur sein Motorrad, das fand sie anscheinend begehrenswert.

Bettina und Gangolf unterhielten sich angeregt über die verschieden-
sten Themen, es war ein Geben und Nehmen, das heißt, ein gegensei-
tiges Sprechen und Zuhören, eine ungemein anregende, offene Unter-
haltung. Dabei kam natürlich auch Gangolfs berufliche Tätigkeit zu spre-
chen; als Bettina erfuhr, daß er nicht nur Elektrotechniker für Photovol-
taikanlagen sei, sondern sich darüber hinaus gut mit elektronischen
Anlagen und Funkgeräten auskannte, starrte sie ihn einen Augenblick
lang mit geöffnetem Mund an, ihre Augen zwinkerten ein paarmal, dann
schüttelte sie kurz den Kopf und ergriff ihr Glas, um einen Schluck zu
trinken.
- „Habe ich dich jetzt damit irritiert, darf das in deiner Erfahrungswelt
nicht sein, daß ein Organist beruflich ein Techniker ist?“
- „Ähm- nein, also durchaus kann ich mir vorstellen, daß das möglich ist,
sieht man ja an dir, ich bewundere dich, wie du Musik und Technik
betreibst.“
Gangolf bemerkte, daß sie dennoch irgendwie verdutzt war, aber er
ging nicht weiter darauf ein. Sie schien mit sich selbst zu ringen, ob sie
etwas zu seinem Elektro-Beruf sagen sollte. Doch sie wechselte darauf
hin das Gesprächsthema, Bettina erzählte etwas von ihrem Werdegang,
wo sie lebte und als Vikarin tätig war, bevor sie nach Lüggen kam.
Als scheinbar alle Themengebiete für’s Erste abgehandelt worden
waren, kam Bettina nochmals auf Gangsolfs elektrotechnischen Tätig-
keiten zu sprechen. Offenbar traute sie sich jetzt, ihn diesbezüglich
anzusprechen und ihm war klar, daß Handwerker im kirchlichen Bereich
immer gefragt waren. Bettina druckste etwas herum, ehe sie mit der
Sprache herausrückte:
- „Also die Martina, die du vorhin gesehen hast, die mit dem Jeep da
weggefahren war, die hat eine Freundin, also eine wirklich ganz Liebe,
unheimlich schüchtern, und die hat ein ganz schweres Los zu tragen. Sie
bräuchte einen ganz guten Elektrofachmann, der sich mit Elektronik und
so Sachen sehr gut auskennt, seit Jahren versuche ich schon, genauso
wie Martina, für sie jemanden zu finden, dem sie vollkommen in ihr Ver-
trauen einschließen kann.“
- „Was hat sie denn für ein Problem?“, fragte Gangolf arglos.
Bettina druckste wieder herum, wurde sogar leicht rot. Gangolf kam ihr
zuvor:
- „Wenn es dir schwerfällt, darüber zu reden, will ich gar nicht weiter
fragen, aber ich kann dann natürlich nicht helfen.“
- „Danke für dein Verständnis, das ist wirklich eine heikle Sache, auf der
einen Seite benötigt sie wirklich handwerkliche Hilfe, auf der anderen
Seite darf sie nur wirklich zutiefst vertrauenswürdige Menschen an sich
heranlassen. Dich würde ich nach unserem ausführlichen Kennenlernen
heute Abend dazu zählen, aber ich meine, die Entscheidung sollte ich
natürlich der Magda überlassen. Ich werde mit Martina darüber spre-
chen, das wäre eine Erlösung für das arme Mädel, aber bitte frag nicht
weiter, sondern sag nur, ob ich Martina von dir erzählen darf und ob du
dir gegebenenfalls natürlich ganz unverbindlich einmal Magdas Problem
ansehen willst.“
- „Ja schon, klar, kann ich machen, klingt ja sehr geheimnisvoll, ich
werde schweigen wie ein Grab!“
- ‚Wenn Bettina wüßte, daß ich mit Martina bereits im E-Mail-Kontakt
stand, daß sie der Grund war, daß ich während des Gottesdienstes
hinausging und somit das Predigtlied versäumte’, dachte sich Gangolf im
gleichen Atemzug, aber er konnte Schweigen und erzählte nichts von
dem zufälligen Kontakt zu der >wilden Fegerin< Martina.
























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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:11.07.21 12:07 IP: gespeichert Moderator melden


Tolle Geschichte mit stetig steigender Spannung. Ich warte gespannt auf den nächsten Teil.
Ehesklave
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:17.07.21 09:02 IP: gespeichert Moderator melden



Es freut mich, wenn die Geschichte "mit stetig steigender Spannung"
empfunden wird; als Autor kann ich das kaum beurteilen, denn ich
weiß, wie es weitergeht, und so fehlt mir die
Spannung. Viel Spaß beim Lesen, Magnus.


10
Bundeskanzlerin Prank-Barrenkauer eröffnete die Kabinett-Sonder-
sitzung zum Thema Condoma-Virus.
- „Um es gleich vorneweg zu sagen, wir müssen heute zu Beschlüssen
gelangen, die Zeit rennt uns davon, wir wissen nicht, wie lange noch die
Briten den Virus geheim halten werden.“
Innenminister Schneehoffer meldete sich zu Wort: „Wir müssen ver-
meiden, zögerlich vorzugehen, nicht den Fehler von vor zehn Jahren
wiederholen, als scheibchenweise Verbote und Gebote eingeführt und
wieder zurückgenommen wurden. Wir brauchen jetzt gleich zu Beginn
klare Regelungen, die in Gesetzesform verankert werden müssen.“
Justizministerin Juxa konterte: „So einfach geht das nicht, Herr Kol-
lege, wie Sie wissen, braucht es für Gesetzesänderungen, erst recht für
neue Gesetze, Vorlagen, die im Parlament besprochen und nach den
Lesungen verabschiedet werden, also im jetzigen Krisenfall ein viel zu
zeitraubender Prozeß.“
- „Haben wir denn schon den >Krisenfall<, wie Sie es nennen?“
- „Das ist Ansichtssache, aber dafür sind wir heute ja zusammenge-
kommen, um darüber zu beraten“, entgegnete die Kanzlerin. Darauf hin
sagte Juxa:
- „Wenn es sehr schnell gehen muß, bleiben noch die Notstandsgesetze“.
- „Die sind aber noch nie seit ihrer Einführung 1968 zur Anwendung
gekommen“, konterte Schneehoffer.
- „Für alles gibt es ein erstes Mal“, so Juxa wieder.
- „Also jetzt mal langsam“, mischte sich Prank ein, „die Notstandgesetze
wären wohl das letzte Mittel. Klären wir doch erst einmal die Frage, ob
wir mit dem neuartigen Virus eine akute Bedrohungslage haben. Was
meinen Sie dazu, Herr Doktor Unwohl, wie weit reichen die Erkenntnisse
im Gesundheitsministerium?“
Staatssekretär Unwohl räusperte sich und blickte kurz seinem Chef,
den Gesundheitsminister Scham, dieser nickte ihm freundlich zu und die
Kanzlerin wußte wohl, warum sie ihm das Wort erteilte und nicht dem
Minister selbst.
- „In England spricht man von mysteriösen Nervenleiden, die von einem
bisher unbekannten Virus ausgelöst wird. Die Symptome sind die glei-
chen wie in dem Bericht aus Taiwan vermerkt, es ist also zu befürchten,
daß es sich tatsächlich um diesen, wie sagen die Asiaten dazu, diesen
Condoma-Virus handelt.“
Jemand stellte die Zwischenfrage: „Weiß man denn jetzt was über die
Ausbreitung und die Ansteckungsgefahr?“
Unwohl fuhr fort: „Es ist zu befürchten, sehr hoch, also der Anstek-
kungsgrad; in Taiwan riegelten die Behörden gleich die gesamte Region
um Longtan ab, so richtig hermetisch, während in England das Virus
streute und dort wohl schon überall im Land Infektionen auftreten. Die
Patienten werden dort in den örtlichen Krankenhäusern versorgt, wobei
unklar ist, wie die Versorgung, also die Behandlung der infizierten
Patienten wirklich aussieht.“
Wieder wollte jemand wissen: „Gibt es Heilungschancen, wie lange
dauern die Erkrankungen, sind die Geheilten immun gegen erneute
Ansteckung?“
- „Darüber liegen uns leider keine Angaben vor, wir wissen nur aus Eng-
land und auch aus Taiwan, daß bislang wohl noch keine Patienten ent-
lassen worden sind. In den Berichten steht nur, daß nach Tagen des
scheinbaren Abklingens die Symptome plötzlich erneut auftreten.
Immerhin hat man nachgewiesen, daß die Ansteckung nicht so hinter-
hältig ist wie damals von zehn Jahren bei dem Corona-Virus, das ja
schon ansteckend war, bevor der Träger selbst von seiner Infizierung
wußte, also bevor er bemerkte, daß er überhaupt krank geworden ist.“
- „Eine tröstliche Erkenntnis ist das aber noch lange nicht’, warf Umwelt-
ministerin Graumaus ein, „vor allem, wenn kein Ende der Infektion
durch die natürliche körpereigene Immunabwehr zu erkennen ist.“
- „In der Tat eine sehr bedenkliche Erscheinung“, pflichtete Unwohl bei.
- „Den Engländern wird nichts anderes übrig bleiben, als die Infizierten
aus den Klinken zu entlassen, täglich werden es mehr, noch reichen die
Kapazitäten, aber ohne Heilungsaussichten, sei es durch körpereigene
Abwehrkräfte oder durch medizinische Stoffe, wird man die Patienten
ungeheilt gehen lassen.“
- „Und wie sieht es mit Quarantänemaßnahmen aus?“, wollte Schneehof-
fer wissen.
- „Quarantäne ist wohl sinnlos, wenn es keine Heilung gibt. Man müßte
die Patienten dann für immer darin einbehalten.“
- „Einsperren“, warf Juxa ein.
- „So deutlich wollte ich das nicht sagen, aber es geht in die Richtung.“
Nun ergriff Kanzlerin Prank das Wort: „Hab ich das jetzt richtig verstan-
den: Der Virus, Verzeihung, das Virus ist ansteckend, aber erst, wenn
die Krankheit ausgebrochen ist; sobald jemand damit infiziert ist, bleibt
er es, da es bislang keine Heilung gibt, er bleibt damit auch weiterhin
ansteckend.“
- „Ja genau“, antwortete Unwohl, „das sehe ich auch so, das ist der
Stand unserer Erkenntnisse im Ministerium“.
Gesundheitsminister Scham nickte wiederum sozusagen als Bestäti-
gung dessen, was sein Staatssekretär berichtet hatte. Graumaus dachte
sich, ob Scham wohl zu verschämt sei, das alles selber zu berichten; sie
jedenfalls würde es nicht zulassen, daß ein Sekretär ausführlich über
eine Sache berichtet, während sie als Chefin dabei nur zuhört.
Nach einer kurzen Pause fuhr Unwohl fort: „Das Eigenartige an dem
Virus ist seine Beständigkeit, seine Hartnäckigkeit, so etwas hatten wir
nach meiner Erkenntnis noch nie. Freilich gab es schon immer schlimme
Epidemien, denken wir an Ebula oder Pest und Cholera, so makaber das
klingen mag, aber an der Pest sind die Menschen im Mittelalter letzt-
endlich gestorben und nur auf diese Weise konnte zusammen mit
Hygiene- und Abstandsvorkehrungen die Pest besiegt werden. Aber hier jetzt
ist die Krankheit nicht tödlich, an kann das als Glücksfall ansehen,
aber sie gilt bis jetzt als nicht beherrschbar.“
- „Und wie sieht es mit Impfstoffen aus, wird daran gearbeitet?“, wollte
jemand wissen.
- „Angeblich arbeiten die Institute sowohl in England, wie in Taiwan, fie-
berhaft an einem Impfstoff. Doch solche Forschungen brauchen ihre
Zeit, auf die Schnelle geht da sicher nichts, erinnern wir uns an die
Seuche vor zehn Jahren, wie lange es gedauert hat, bis ein wirksamer
Stoff gefunden wurde. Die schnell auf den Markt geworfenen Arzneien
aus Rußland und Amerika haben nicht gewirkt. Erst die chinesischen
waren erfolgreich.“
Nun meldete sich Staatssekretär Doktor Gscheid vom Auswärtigen Amt
zu Wort: „Vor zehn Jahren, ich kann es nicht mehr hören, was jetzt los
ist, das ist wichtig, nicht, was damals war, vor zehn Jahren, ja damals
war Corona, damals begann die Klimaerwärmung, damals wurden wir
die Engländer los, was ist denn mit den Chinesen, also mit den Festland-
Chinesen, forschen die vielleicht schon an einem Impfstoff, sozusagen
als Gegenmittel zu den von ihnen nach Taiwan verschleppten Virus?“
- „Mäßigen Sie sich in ihrer Wortwahl“, rügte ihn Prank, "wären wir die
Engländer los, bräuchten wir uns hier und heute keine Gedanken
machen, daß das Virus auf Festland übergreifen könnte. Und das Virus
wird kommen, denn selbst wenn die Weltgemeinschaft die britische Insel
hermetisch ausgrenzen würde, wie das offensichtlich zur Zeit mehr und
mehr mit Taiwan geschieht, wird der Virus Richtung Schottland wan-
dern, Schottland wird sich nicht abschotten können, und darüber
wird der Virus auf’s Festland kommen.“
Juxa meinte daraufhin: „Also steht wohl zweifelsfrei fest, daß das
Virus, wie auch immer, nach Deutschland kommen wird und daß wir uns
über Gegenmaßnahmen Gedanken machen müssen“.
- „Vollkommen richtig“, stimmte Prank zu, „und zwar sehr schnell, des-
halb sind wir heute zusammengekommen und ich möchte nochmals
betonen, daß wir nicht auseinandergehen, bis wir konkrete Beschlüsse
gefaßt haben werden. Und die Zeit drängt, ist das Virus erst einmal da,
könnte es zu spät sein, wir müssen sofort handeln können, sozusagen
den Plan griffbereit in der Schublade haben.“

Es folgten weitere Fragen, beispielsweise nach dem Alter der Erkrank-
ten. Den Berichten zufolge sei bislang der Jüngste 15, der Älteste 65
gewesen. Anscheinend steht die Infektion mit der Ausbildung der
Geschlechtsorgane im engen Zusammenhang.
Nachdem eine Weile Stille eingetreten ist, fuhr Prank fort: „Fassen wir
zusammen: Das Virus wird kommen, Gegenmittel gibt es nicht, auch
keine Selbstheilung, das Ansteckungsrisiko ist hoch, aber vorhersehbar,
die Erkrankten werden weiter in der Gesellschaft leben, es werden
zwangsläufig immer mehr werden, eine düstere Ausgangslage. Ich
möchte jetzt die Sprecher der Arbeitsgruppen der einzelnen Ministerien
bitten, eine Zusammenfassung ihrer jeweiligen Erkenntnisse und Vor-
schläge vorzutragen, bitte das Gesundheitsministerium zuerst.“
Wieder war es Unwohl, der sich weiterhin als Sprecher seines Ressorts
ausgab: „Als einzige Abwehrmaßnahme bleibt der Schutz vor Ansteckung,
um die Verbreitung des Virus herauszuzögern, bis hoffentlich dann in
einigen Jahren ein wirksamer Impfstoff gefunden sein wird. Die
Ansteckung geschieht wohl ähnlich wie bei anderen Viren durch die
Tröpfcheninfektion. Die einfachen Masken, wie sie vor zehn Jahren
getragen wurden, haben damals nicht den gewünschten Effekt gezeigt,
sie waren eher ein psychologisches Beruhigungsmittel, aber auch zum
Teil ein gefährliches Mittel, denn viele Menschen dachten, wenn sie eine
Maske trügen, könnte ihnen nichts passieren. Neben dem Gebot des
Abstandhaltens sehen wir einzig hilfreich das Tragen von wirklich dich-
ten Masken, also von Gasmasken mit speziellen Filtern. Diese Filter
müßten natürlich regelmäßig ersetzt werden.“
Ein merkliches Raunen wabberte durch den Saal. Kanzlerin Prank bat
um Ruhe und nahm Stellung:
- „Das Tragen von schweren Gasmasken mit Filtern würde aber eine
erhebliche Belastung für die Betroffenen darstellen, aus meiner Zeit als
Verteidigungsministerin weiß ich, ich hab so eine Maske mehrfach auf-
gehabt bei meinen Truppenbesuchen, das wird wohl schwer, die Not-
wendigkeit eines solchen Vorhabens der Bevölkerung zu vermitteln.
Doch hören wir erst einmal, was die Arbeitgruppen der anderen Ressorts
zu berichten haben.“
Der Sprecher des Innenministeriums gab zu bedenken, daß Gesetze
nur so gut sind, wie ihre Einhaltung überwacht werden könne. Das sei
bei dem jetzt schon herrschenden Personalmangel bei der Polizei
schwierig, damals bei der Corona-Krise konnte die Polizei nur punktuell
die Einhaltung der behördlichen Anordnungen kontrollieren. Auch der
Sprecher des Verteidigungsministeriums wiegelte aus dem gleichen
Grund ab. Verteidigungsminister Schießmann ergänzte belehrend, daß
die Bundeswehr im übrigen nur zur militärischen Verteidigung bereit
stehe und nicht für Polizeiaufgaben.
Die Arbeitsgruppe des Justizministeriums gab bekannt, daß mit dem
Infektionsschutzgesetz allein nicht argumentiert werden kann, wenn es
darum gehen sollte, beispielsweise bundesweit Ausgangsverbote zu
erlassen. Die Gesundheitsgesetzgebung sei in erster Linie Länderange-
legenheit, die Länder würden zudem viele Regelungen auf Bezirks- und
kommunaler Ebene abwälzen. Bei der damaligen Corona-Krise hat sich
das zwar teilweise bewährt, daß nicht überall die gleichen Maßnahmen
ergriffen worden sind, die unterschiedlichen Beschränkungen stießen
indes auf Unverständnis in der Bevölkerung.
Ein Sprecher des Außenministeriums gab zu bedenken, daß nicht län-
ger auf Ergebnisse der Nachbarländer oder von der Europäischen Zen-
trale gewartet werden sollte. Dort blickt man mit gelähmten Entsetzen
nach Großbritannien und Taiwan, ohne selbst etwas zu unternehmen.
Staatssekretär Gscheid fiel seinem Ressort-Kollegen in’s Wort mit der
Bemerkung, daß man in Deutschland bislang auch noch nichts unter-
nommen habe. Kanzlerin Prank bedachte ihn mit einem bösen Blick,
worauf Gscheid den Sprecher fortfahren ließ. Viel gab es von ihm nicht
mehr zu berichten, einzig, daß wohl in den italienischen Gremien hitzig
über das Thema debattiert werde, ohne daß es bislang zu konkreten
geplanten Maßnahmen gekommen sei.
Als alle Ressortsprecher die Berichte vorgetragen hatten, unterbrach
die Kanzlerein für eine halbe Stunde die Sitzung, damit die Anwesenden
in kleinen Gruppen das bisher Gehörte besprechen konnten.

Die Beratungen zogen sich zäh dahin, jeder hatte zu dem Thema etwas
zu sagen, Bedenken, Vorschläge, Erinnerungen an >damals<, nach
mehreren kleinen Unterbrechungen läutete die Kanzlerin die Schluß-
runde ein:
- „So wie ich das sehe, möchte ich Folgendes zusammenfassen: Die
Bedrohungslage ist akut, niemand kann voraussehen, wann das Virus
kommen wird, aber das Übergreifen auf Deutschland kann nicht ver-
hindert werden. Wir werden wahrscheinlich keine punktförmige Aus-
gangslage vorfinden, sondern vielmehr die Situation wie in Großbri-
tannien erleben, wo der Virus plötzlich überall im Land fast gleichmäßig
und gleichzeitig aufgetreten ist. Vermutlich werden sich viele Infizierte
aufgrund der peinlichen Symptome gar nicht melden, nur in schweren
Fällen, die mit starken Atembeschwerden und sonstigen Komplikationen
einhergehen, werden sich die Infizierten zu den Klinken begeben. Somit
werden wir die Situation haben, daß plötzlich überall im Land mit der
Krankheit gerechnet werden muß. In dieser Hinsicht unterscheidet sich
die Verbreitung des Virus mit bisherigen Viren, die einigermaßen zurück-
verfolgt werden konnten.
Wegen der bundesweit zu erwartenden Verbreitung muß eine bundes-
weit einheitliche Regelung geschaffen werden, das heißt, es müssen
neue Bundesgesetze verkündet werden oder bestehende entsprechend
erweitert werden. Das übliche parlamentarische Gesetzgebungsverfah-
ren ist oft sehr langwierig, gerade wenn sich die Fraktionen uneins sind.
Ich sehe jetzt schon, wie sich die NfD gegen alles sträuben wird, was die
Freiheit des deutschen Bürgers einschränkt. Wir müssen jetzt alles Demo-
kraten darin vereinen, von der Wichtigkeit der Umsetzung unse-
rer Beschlüsse überzeugen. Parteitypische Eitelkeiten müssen hintan
bleiben, so sehr sie die politische Vielfalt unserer parlamentarischen
Demokratie bereichern, hier geht es um eine ganz existentielle Sache.
Im Gegensatz zu Corona und anderen schweren Epidemien ist das neue
Virus zwar nicht tödlich, wird aber die Leistungskraft der gesamten
Bevölkerung immer weiter schwächen. Ziel muß es bleiben, die Anzahl
der Infektionen so gering wie irgend möglich zu halten, bis hoffentlich
bald ein wirksames Gegenmittel gefunden sein wird.
Als probates Schutzmittel wird einzig das Tragen schwerer Gasmasken
angesehen, die auch die Augen mit einbeziehen, denn die Atemorgane
stehen auch mit den Augen in Verbindung, das Absondern von Augen-
flüssigkeiten in Form der Tränen, seien sie durch kalte Luft oder Trauer
ausgelöst, muß unbedingt vermieden werden. Dieser Umstand wurde bei
der Bekämpfung des Corona-Virus vor zehn Jahren vernachlässigt bezie-
hungsweise gar nicht erkannt. Um die millionenfache Aushändigung der
Masken in kurzer Zeit zu ermöglichen, wird die Bundeswehr ihre
Bestände zur Verfügung stellen, die für den militärischen Ernstfall gela-
gert sind, darüber hinaus Altbestände, die zur Ausmusterung anstehen,
aber für den nichtmilitärischen Einsatz noch einige Zeit tauglich sind.
Sobald ein eindeutiger Nachweis für die Infektion mit dem neuen Virus
vorliegt, werden verpflichtende Reihenuntersuchungen für alle Bürger
flächendeckend durchgeführt. Das Tragen der Masken wird von speziel-
len Polizeikräften überwacht. Diese Spezialeinheiten werden aus den
bislang abgewiesenen Polizeianwärtern rekrutiert, sie durchlaufen eine
verkürzte Ausbildung ohne Waffen.
Die Bevölkerung wird aufgerufen, schon jetzt verdächtiges Verhalten
der Mitmenschen sofort zu melden und einen großen Abstand zu diesen
Menschen einzuhalten. Alle Behörden und behördenähnliche Institu-
tionen werden verpflichtet, die Bevölkerung von der Wichtigkeit der
einschneidenden Maßnahmen nach Kräften zu erläutern. Kanzlerin
Prank-Barrenkauer schloß nach vielen Stunden der Aussprache und
Beratung die Sitzung mit den pathetischen Worten:
- „Noch nie haben wir eine derart dramatische Situation vor uns gehabt,
wir fürchteten uns bisher vor Naturkatastrophen und Kriegen, die
Befürchtung, ja noch mehr, die Gewißheit, daß bald ein lähmender Virus
einsickern wird, der die Menschen unaufhörlich geiseln wird, raubt mir
den Verstand und ich möchte hier schon fraktionsübergreifend an die
Einheit aller Demokraten appellieren, an einem politischen Strang zu
ziehen, daß wir zumindest eine Chance haben, diese mit Sicherheit kom-
mende Krise bestmöglich zu meistern!“
















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Ihr_joe Volljährigkeit geprüft
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Die Welt ist eine Bühne. Nur... das Stück ist schlecht besetzt. Oscar Wilde

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:17.07.21 20:42 IP: gespeichert Moderator melden


Hm, versteh es bitte nicht als Meckern,

Aber mit was, grummel, grummel, schreibst Du Deine Geschichte?

Du gibst Dir viel Mühe mit der Formatierung um anderen ein schönes Schriftbild zu liefern.

Zwar ist das hier nicht die optimale Plattform für Geschichten, aber eines haben alle gemeinsam, sie geben den Text wieder und brechen selbstständig um. Je nachdem, wie hoch die Auflösung ist oder ob Quer- oder Hochformat, wird die Schrift eigenständig umgebrochen.

Modernere Seiten als diese können, auch innerhalb von Wörtern selbsttätig umbrechen, nur als Info, da könnte Dein Trennen noch problematischer sein.

Aber auch so, auf dem Smartphone ergibt sich folgendes Schriftbild:

Bundeskanzlerin Prank-Barrenkauer eröffnete
die Kabinett-Sonder-
sitzung zum Thema Condoma-Virus.
- „Um es gleich vorneweg zu sagen, wir müssen
heute zu Beschlüssen
gelangen, die Zeit rennt uns davon, wir wissen
nicht, wie lange noch die
Briten den Virus geheim halten werden.“
Innenminister Schneehoffer meldete sich zu
Wort: „Wir müssen ver-
meiden, zögerlich vorzugehen, nicht den Fehler
von vor zehn Jahren


Ich hoffe, Du verstehst was ich meine. Ich könnte jetzt ein Tablet oder irgend ein anderes Ausgabegerät auch benutzen, immer ergeben sich irgendwelche Probleme.

Ansonsten lese ich Deine Geschichte sehr gerne, vielen Dank,
dass ich sie lesen darf

Ihr_joe




Toleranz beginnt dort, wo das eigene Weltbild aufhört. (Amandra Kamandara)

Storys:
Vergewaltigt! beendet
Der Brief bendet
Die 3 Schlüsselhalterinnen und die Vanilla beendet
Mein Schatz ... eine Fm Geschichte ohne KG beendet/gekürzt
BDSM Kurzgeschichten beendet




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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:17.07.21 23:25 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Magnus,

mich stört deine Formatierung nicht.

Ich lese gerne deine Darstellung der Politik in den 2030er Jahren, freue mich aber schon auf ein erstes Treffen mit Martina.

mfg
Sarah
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