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M A G N U S
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Erlangen


Warum nur wollen immer alle frei sein!

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:04.03.22 21:46 IP: gespeichert Moderator melden


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Das Regierungskabinett trat zu seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause zusammen. Das Schwerpunktthema war Condoma. Aus dem Ausland hörte man sowohl von beängstigenden als auch zu vorsichtiger Zuversicht berechtigenden Entwicklungen. Bundeskanzlerein Prank-Barrenkauer lenkte ihre Blicke auf Umweltministerin Graumaus, als diese den Sitzungssaal betrat. Prank musterte deren Kleidung genau in Erwartung einer neuerlichen Provokation, doch dieses Mal konnte sie zumindest nicht auf Anhieb eine solche entdecken.

Staatssekretär Doktor Unwohl referierte über die Erfahrungsberichte, die aus Taiwan und Großbritannien vorlagen:
- „Die Taiwanesen haben herausgefunden, daß die Inkubationszeit bei diesem neuen Virus enorm lang ist, etwa vier Wochen. Das Schlimme daran ist, neben der langen Ungewißheit, ob man infiziert ist oder nicht, daß jeder, auch ohne erkennbare Symptome, potentiell ansteckend bleibt. Erst nach sehr langer Quarantäne kann beurteilt werden, ob eine Infektion vorliegt.

Die gute Nachricht lautet, daß es der körpereigenen Immunabwehr nach anfänglichen gegenteiligen Informationen anscheinend doch gelingt, das Virus zu bekämpfen. Allerdings ist der Selbstheilungsprozeß außerordentlich langwierig, so daß man bisher davon ausging, es käme überhaupt nicht zu einer Selbstheilung. In England sperrte man die Infizierten in die Krankenzimmer ein, während man in Taiwan die Leute unter Hausarrest stellte und das gesamte Stadtviertel abriegelte. Die Bevölkerung wird dort nur über Spezialkräfte versorgt, die in extrem schwerer Schutzausrüstung die Nahrungsmittel verteilt.“

- „Und wie sieht die Situation jetzt in England aus?“, wollte ein Anwesender wissen.
- „Soviel ich weiß, wurden die ersten infizierten Patienten nun entlassen, nach Wochen und Monaten. Jetzt fragen Sie mich aber bitte nicht, wie die Ärzte das dort beurteilen, ob jemand gesundet ist.“

Umweltministerin Graumaus hob die Hand und setzte sofort ein, damit ihr niemand zuvor käme:
- „Ist doch einfach, wenn sich der Typ nicht mehr die Eier kratzt!“

Entsetzte Blicke hagelten auf Graumaus ein, allein ein junger Staatssekretär entwand sich der allgemeine Schockstarre:
- „Und wenn diiie Person gar keine Eier hat?“

Als sich der Tumult im Saal wieder gelegt hatte und die Wogen zwischen Gelächter und Empörung sich geglättet hatten, meldete sich wieder Graumaus zu Wort, diesmal wartete sie indes ab, bis ihr Prank das Wort erteilte:
- „Gibt es denn andere Auswirkungen des Virus’ außer den soeben angedeuteten?“

Unwohl räusperte sich und sagte: „Soviel ich weiß nicht, aber bleiben wir doch bei einer gediegeneren Sprache, sprechen wir von krankhafter Schwellungen der Genitalien und übermäßigem Juckreiz derselben.“
- „Immerhin braucht’s da wohl dann keinen Test, das bemerkt dann ein jeder, wenn er befallen ist“, legte Graumaus nach.
- „Wenn es zum Ausbruch gekommen ist, ja, aber die Schwierigkeit ist die Zeit davor, die Inkubationszeit ist ja so furchtbar lang und zugleich ist man dabei bereits ansteckend, eine schlimme Sache.“

Nachdem eine kurze Diskussionspause eingetreten war, meldete sich Staatssekretär Gscheid vom Auswärtigen Amt zu Wort:
- „Was ist d’ran an dem Gerücht, daß das Virus nun auch schon in Südeuropa ausgebrochen sei?“
Niemand schien darauf eine Antwort zu wissen, Kanzlerin Prank ließ ihren Blick durch die Runde schweifen und ergriff schließlich selber das Wort:
- „Also wenn daran was wahr ist, dann müßten Sie das im Außenministerium als Erstes wissen, woher stammt denn dieses Gerücht?“
Gscheid antwortete: „Ich hörte eben so etwas irgendwo und wollte wissen, ob da was dran sei.“
- „Fragen Sie doch bei der Blöd-Zeitung nach, die wissen doch immer alles“, spottete Graumaus. Prank warf ihr einen bösen Blick zu und ermahnte sie:
- „Mäßigen Sie sich, unqualifizierte Äußerungen bringen uns überhaupt nicht weiter, auch ist die Zeit viel zu schad dafür.“

Nun meldete sich Professor Siebenklug, der Kulturstaatsminister, zu Wort:
„So sehr ich Ihre Wortwahl verabscheue, verehrte Frau Kollegin Graumaus, muß ich Ihnen insofern recht geben, daß die Presse sich nicht scheut, irgendwelche Meldungen herauszubringen, die im Grunde genommen nicht überprüft werden können. Gerade bei den sensiblen Themen Gesundheit und Sicherheit können damit leicht Irritationen in der Bevölkerung geschürt werden, gerade weil der Glaube an den hohen Wahrheitsgehalt von den Inhalten gedruckter Zeitungen in weiten Kreisen absolut ist. Wenn Sie also, Herr Gscheid, ihre angeblichen Informationen aus irgend welchen fragwürdigen Quellen haben, sollten Sie diese erst einmal selber kritisch hinterfragen.“

Gscheid konterte gereizt: „Ich dachte, dieses Gremium hier ist zusammengekommen, um eben über alle das Thema betreffende Informationen zu diskutieren und so wollte ich eben in Erfahrung bringen, ob jemand in der erlauchten Runde zu dem Gerücht etwas sagen kann, ob es vollkommen absurd ist oder ob doch ein Fünkchen Wahrheit daran sein könnte. Aber wenn das so ist, daß man hier nicht einmal mehr Fragen stellen darf, dann halte ich fürder meinen Mund und denk’ mir meinen Teil dazu.“

Jetzt mischte sich Prank ein: „Also ich darf doch bitten, natürlich dürfen Sie jede Frage stellen zu dem Thema hier in der Runde, dazu sind wir zusammengekommen, jetzt verschließen Sie sich nicht, Herr Gscheid, wir sind froh über ihr breites Allgemeinwissen, so wie ich Professor Siebenklug verstand, wollte er nur andeuten, daß man ganz allgemein vorsichtig mit fragwürdigen Quellen umgehen muß. Was mich jetzt wirklich interessiert, ist, ob es sonst wo in der Welt Berichte gibt vom Ausbruch dieses seltsamen Virus’, oder ob die offiziellen Berichte bislang weiterhin auf Großbritannien und Taiwan beschränkt bleiben.“

Außenminister Schmolz antwortete: „Nein, in unserem Bereich ist nichts darüber bekannt.“
- „Wenn man auch immer nur im Büro sitzt, kriegt man freilich nichts mit, was in der Welt los ist“, ereiferte sich Graumaus, „fragen Sie doch `mal ihren Amtsvorgänger, der jonglierte immerhin ständig von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt.“
- „Frau Graumaus, mäßigen Sie sich sofort“, empörte sich Prank, „gerade Sie müssen aufpassen, daß sich niemand über ihren Namen lustig macht.“

- „Würde mir zur Ehre gereichen, wenn ich demjenigen dann kontern werde“, entgegnete Graumaus, „und dann ist es so, daß ich ja ganz im Gegenteil Herrn Maas bewunderte, wie er sich den Problemen in Europa und in der Welt annahm und sich nicht in seinem Bunker verschanzte.“
Schmolz schmollte, seine dicken Backen liefen rot an, denn er fühlte sich zurecht kritisiert, daß er längst nicht so reisefreudig war wie sein Vorgänger.

Gesundheits-Staatssekretär Unwohl rettete die ungute Stimmung mit seiner Wortmeldung:
- „Darf ich nochmals auf das Ansteckungsrisiko zurückkommen. Sollte das Virus tatsächlich nach Deutschland kommen, müßten wir also alle Infizierten für lange Zeit beobachten, bis sie keine Symptome mehr zeigen. Einreisende aus Taiwan und Großbritannien müßten für einige Wochen in Quarantäne kommen. Einen Grund für eine Reisewarnung besteht also nicht, ausgenommen natürlich in die beiden Länder, die Urlaubssaison kann also anfangen wie immer.“

Graumaus juckte es in den Fingern, sie hob kurz die Hand, schüttelte dann aber den Kopf, als Prank ihr das Wort erteilen wollte. Anstelle das Wort an alle zu richten, tuschelte Graumaus mit ihrem Sitznachbarn. Dieser stellte dann die Frage in das Plenum:
- „Wie dürfen wir das verstehen, Herr Unwohl, Sie sagten, alle Infizierten müßten für lange Zeit >beobachtet< werden.“
- „Ja, hm“, räusperte sich der Angesprochene, „das wird wohl wie jetzt schon in England in den Krankenhäusern geschehen.“
- „Will also heißen, daß die Betroffenen dort isoliert gehalten werden und wohl auch fixiert zum Selbstschutz.“

- „Das ist freilich ein schlimmes Szenario, das möchte ich mir gar nicht im Detail jetzt schon ausmalen, vermutlich wird man das sehr individuell festlegen müssen je nach Schwere und Ausmaß der Entzündungen und der Reize. Aber Sie haben schon recht, vermutlich wird nichts anderes übrig bleiben, als daß die Ärzte hilflos zusehen müssen, wie sich die Patienten qualvoll in den Betten winden, bis die körpereigenen Abwehrmechanismen schließlich das Virus besiegt haben.“

- „Oder der Mensch bis dahin in seinen Fesseln krepiert ist“, maulte nun doch wieder Graumaus halblaut in die Runde.
- „Wie, was war das?“ empörte sich Prank, „vermutlich nichts Geistreiches, wenn das nur so genuschelt wurde.“
Graumausens Sitznachbar antwortete: „Frau Ministerin Graumaus meinte in dem Sinne, daß vielleicht auch viele während der wie auch immer erfolgenden Behandlung sterben würden.“

‚Habe ich also doch recht gehört’, dachte sich die Kanzlerin, ging aber nicht weiter darauf ein. Sie wandte sich nun mit einem anderen Aspekt an das Plenum:
- „Verstehe ich das richtig, daß die Infizierten nun doch solange in geschlossenen Abteilungen bleiben, bis sie die Infektion überwunden haben, also nicht vorzeitig entlassen würden?“
Unwohl blickte kurz zu seinem Chef, Gesundheitsminister Scham, doch als dieser auch hier wieder keinerlei Reaktion zeigte und dementsprechend auch keine Anzeichen gab, dazu etwas sagen zu wollen, antwortete er knapp:
- „Ja, das sehe ich so.“

Kanzlerin Prank fuhr fort: „Dann wäre das Szenario mit den beiden verschiedenartigen Maskenfiltern erledigt. Wie sieht es aus, Herr Schießmann, kann mit der Austeilung der Gasmasken wie geplant im Ernstfall unverzüglich begonnen werden?“
- „Selbstverständlich“, entgegnete der Verteidigungsminister, „die Bundeswehr steht zu ihrem Wort.“

Mit einem Seufzer bemerkte Prank, wie sich Graumaus erneut zu Wort meldete, ‚sie kann es einfach nicht lassen, `mal sehen, was sie jetzt schon wieder bringt’. Sie erteilte ihr das Wort:
- „Was hört man eigentlich von Therapiemaßnahmen, gibt es schon einen Impfstoff, wie laufen die Forschungen?“

Unwohl wandte sich wieder kurz seinem schweigenden Chef zu, übernahm aber dann sofort das Wort:
-„Leider nein, alle Versuche in unseren Laboren in Deutschland, aber auch im Ausland, brachten bislang keinen Erfolg. Die größte Gefahr sehe ich darin, daß die Gefahr des Virus' unterschätzt wird, weil es bisher nur in Taiwan und England ausgebrochen ist, zumindest offiziell bekannt, und daß vielleicht viele Spezialisten ihre Forschungen auf die Bekämpfung auf andere Viren vorrangig richten, zum Beispiel auf das sich wieder weiter ausbreitende HIV.“

Graumaus entgegnete: „Also bezüglich HIV kenne ich einen Bericht aus Österreich, aber ich weiß nicht, ob das hier jetzt interessant ist und ich will ja nicht schon wieder für Empörung sorgen.“
- „Reden Sie schon“, forderte Prank sie auf.
- „Die österreichische Gesundheitsministerin Rosmarie Hinterwald berichtete mir persönlich von einer unpopulären Methode, den Körper von Infizierten durchzuspülen, einer innerlichen Reinigung zu unterziehen, wobei leider auch die gesunden Zellen angegriffen würden, daß man in Versuchen bei jungen Menschen festgestellt hat, daß bei ihnen die befallenen Zellen dabei jedoch tatsächlich in kürzester Zeit isoliert würden und sich damit die Viren nicht im Körper verbreiten können. Für Ältere sei das Verfahren aber zu gefährlich, eigentlich schade, denn wer weiß, ob nicht gerade diese Bevölkerungsgruppe erst recht HIV-gefährdet ist.“
‚Na du bist ja wohl nicht gefährdet’, dachte sich Prank, ‚du trägst ja deinen geilen Keuschheitsgürtel.’

Niemand wollte Graumausens Statement kommentieren, somit ergriff die Kanzlerin das Wort:
- „Es freut mich zu hören, daß die Bundeswehr bereit ist, im Ernstfall die bereitstehenden, bereitliegenden Masken schnell zu verteilen an die Bevölkerung und daß keine Alarmmeldungen aus den Urlaubsregionen der Welt vorliegen außer den beiden genannten Ländern, so können wir also unbesorgt in den Urlaub fahren; doch kommen wir nun, wenn es zum Virus nichts mehr zu sagen gibt, zu den anderen Themen der Tagesordnung.“

‚Der Mensch denkt, aber Gott lenkt’, kam es Graumaus beim Hören dieser gesundbetenden Botschaft in den Sinn; nur sie und Gscheid hegten Zweifel an Pranks Einschätzung, doch sie ahnten nicht, in welch kurzer Zeit bereits ihre berechtigten Zweifel zur bitteren Wahrheit würden.





































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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:11.03.22 22:17 IP: gespeichert Moderator melden


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Je näher sie zur Stadt kamen, umso nervöser wurde Magda auf dem Beifahrersitz neben Gangolf.
- „Jetzt entspann’ dich, Magda, atme tief durch, die werden dich bei der Polizei nicht gleich fressen, du kennst doch den dicken Brause, der ist doch immer recht gemütlich d’rauf“, versuchte Gangolf Magda zu beruhigen. Magda entgegnete knapp:
- „Ja der schon.“
- „Warum sollte der Dienststellenleiter so viel anders sein, warten wir es doch erst einmal ab, bis wir gehört haben, was er uns zu sagen hat.“

Magdas Nervosität griff allmählich auch auf Gangolf über, so sehr er sich dagegen sträubte. Als sie zu dem Polizeigebäude kamen, stand bereits Bettina wartend davor. Auch diese bemerkte sofort Magdas Nervosität.
- „Was hast du denn, Magda?“ richtete sich Bettina an Magda, „wahrscheinlich ist es nur ein formaler Akt, den der Chef da drinnen durchführen muß, den Wachtmeister Brause nicht ausführen durfte. Du weißt doch, wie das bei Behörden so ist.“

Vom Verstand her verstand das Magda sehr wohl, doch half alles Zureden nichts, die Aufregung ließ sie leicht erzittern. Bettina und Gangolf nahmen sie in ihre Mitte, griffen ihr unter die Schultern und schleppten sie auf diese Weise in das Polizeigebäude. Gangolfs Herz begann prompt höher zu schlagen, als sie in das Stiegenhaus kamen; sofort kam ihn in Erinnerung, wie er am Tag zuvor hier unten eingesperrt worden war.

Nisselpriem empfing die drei Hereintretenden zwar nicht ausgesprochen herzlich, aber nicht unfreundlich und wies ihnen die Besucherstühle vor seinem breiten Schreibtisch zu.
- „So schnell sieht man sich wieder, entschuldigen Sie bitte, Herr Stumpf, den Vorfall gestern, aber Sie hätten zur Aufklärung ein bißchen besser mitwirken können, dann wäre uns und Ihnen viel erspart geblieben. Aber reden wir nicht mehr darüber, sondern sind froh, daß jetzt alles in Ordnung ist und daß ich Ihnen, Frau -“
Ungeduldig nestelte Nisselpriem in den auf seinem Schreibtisch ausgebreiteten Papieren herum, bis er Magdas Namen zu lesen bekam, „Frau Armdran, heute folgenden Beschluß verkünden kann:
Beschluß des Landgerichts ... also lautend: ... Frau Armdran ist berechtigt, die Stadt Lüggen zu verlassen und sich im gesamten Landkreis Damisch-Schleewald aufzuhalten. Es obliegt ihr, ständig ein betriebsbereites Mobiltelephon mitzuführen und einen Anruf der Kontrollbehörden sofort entgegenzunehmen und den ihr fernmündlich mitgeteilten Anweisungen unverzüglich nachzukommen. Die Erlaubnis des erweiterten Aufenthalts würde ihr widrigenfalls vorübergehend, in schweren Fällen von Übertretungen dauerhaft entzogen werden bis hin zur Wiederverwahrung in einer Justizvollzugsanstalt.“

Gangolf fiel ein Stein von Herzen, auch Bettina fühlte sich erleichtert, als sie diese Botschaft vernahmen. Nur Magda blickte nach links und nach rechts, als ob sie bei ihren Begleitern Rat suchte. Nisselpriem schien ihre Ungewißheit zu erkennen und erklärte ihr:
- „Also Frau Armdran, die Sache steht hier klar beschrieben: Sie dürfen sich ab sofort überall im gesamten Landkreis aufhalten. Sie müssen uns das nicht mitteilen. Aber bitte beachten Sie die Grenzen, der Kollege unten an der Pforte soll Ihnen eine Landkarte mitgeben, wo Sie genau sehen, wo die Grenzen liegen. Es wird nichts ausmachen, wenn Sie kurz `mal zum Beispiel nach Lügenhau hinüberfahren, da wird die GÜL nicht gleich Alarm schlagen, aber Berlin ist tabu, in Schönefeld ist absolut Schluß. Haben Sie das verstanden?“

Während Nisselpriem auf Magdas Bestätigung wartete, telephonierte er schnell mit dem diensthabenden Beamten an der Pforte und teilte diesem mit, den Dreien dann eine Landkarte mit dem Landkreis auszuhändigen. Als er auflegte, blickte er Magda durchdringend an, doch sie wagte kein Wort zu sagen.
- „Ja jetzt freuen Sie sich doch `mal, ich habe mich mit Brause beim Gericht stark gemacht, ihren Aufenthaltsradius auszudehnen, daß Sie auch `mal an die Seen hinausfahren können oder in den Schleewald und so.“
Erst jetzt flötete Magda ein leises „Danke“. Sie schien ihr Glück noch gar nicht richtig fassen zu können. Freilich konnte sie ihm nicht sagen, daß sie sich schon eine geraume Zeit außerhalb der Stadt aufhielt und auch schon in Berlin gewesen war.

Nisselpriem fuhr fort: „Jetzt aber zu der Erreichbarkeit, wie Sie gehört haben, steht in den Auflagen eindeutig, daß Sie jetzt immer erreichbar sein müssen; es ist ja kein Luxus mehr, es genügt ja ein einfaches Mobiltelephon, das Sie immer mitnehmen müssen, ihr altes Festnetztelephon genügt jetzt nicht mehr, denn Sie sind ja jetzt vielleicht länger unterwegs, von zuhause fort.“

Gangolf mischte sich ein: „Ja, Herr Nisselpriem, ich werde mich darum kümmern, sie hat ja schon längst eines, aber ich werde aufpassen, daß es auch funktioniert, eine neue Karte einstecken und aufladen.“
- „Ich verlaß’ mich auf Sie, Herr Stumpf. Gut, das wär’s dann von meiner Seite. Ach so, beinahe hätte ich das vergessen, wir haben einen Schlosser beauftragt, ihr Wohnungstürschloß zu erneuern, bitte entschuldigen Sie, meine Kollegen waren etwas zu voreilig mit dem Aufbrechen, andererseits haben die in der Überwachungsstelle gesagt, Sie wären im Bereich ihrer Wohnung und es war zu befürchten, daß etwas mit Ihnen geschehen ist, weil Sie die ganze Zeit nicht aufmachten.“

Gangolf verstand nicht, wovon Nisselpriem redete. Er hatte nicht bemerkt, daß Magdas Wohnungstür aufgebrochen war und jetzt erst kam ihm die Erinnerung, daß Magda tatsächlich die Tür nicht abgesperrt hatte, als sie ihre Wohnung gestern Abend verlassen hatten.
Nisselpriem überreichte Magda das Schriftstück, sie hielt es mit beiden Händen vor sich wie ein Priester das schwere Evangelienbuch. In gewisser Weise war es für sie tatsächlich eine frohe Botschaft. Gangolf erkannte indes sofort auch den Nachteil: Magda mußte sich sofort melden, wenn sie einen Anruf erhalten würde:
‚Hoffentlich bimmelt das dann nicht ausgerechnet während unseres Italienurlaubs’, überlegte er sich. In der Tat sollte seine Befürchtung nicht grundlos gewesen sein.

Wie abgesprochen drückte der Beamte an der Pforte den Dreien die Landkarte in die Hand. Gangolf nahm sie entgegen, er hielt bereits den Gerichtsbeschluß in seinen Händen, denn Magda hätte das Papier in ihren schwitzigen Fingern am Ende noch ganz zerruschelt.
- „Jetzt wollen wir aber das gehörig feiern bei einem Kaffee und einem Frühstück auf dem Markt“, schlug Bettina vor, „darf ich bei euch einsteigen, ich hab’ mein Auto beim Pfarrhaus geparkt.“
- „Wir haben zwar schon gefrühstückt, die Magda hat mich so richtig verwöhnt heut’ früh“, meinte Gangolf, „aber ein weiterer Kaffee ist immer recht.“

Wie immer, wenn sie nicht ausdrücklich gefragt wurde, äußerte sich Magda nicht dazu; sie schloß sich wie gewöhnlich stets den Handlungen an, den ihre Begleiter vorgaben oder vorschlugen. Erst auf dem großen Marktplatz sitzend im Schatten des gewaltigen Kirchturms der Paul Gerhard-Kirche löste sich allmählich Magdas Anspannung. Anscheinend hatte sie bis zu letzt, als sie sich bereits aus Nisselpriems Dienstzimmer heraustraten, die Befürchtung gehabt, es käme doch noch etwas Schlimmes auf sie zu.

Martina freute sich gleichfalls, als sie davon erfuhr, wie der Termin bei dem Polizeichef abgelaufen war, doch sie freute sich weniger für Magda, sondern für sich selbst, eine diebische Freude. Als Bettina ihr am Telephon mitteilte, daß sie jetzt zu Gangolfs Hof hinausführen, um erstmals eine Bootstour zu wagen, grinste Martina schelmisch in sich hinein und faßte einen Plan.

Als erstes bugsierten die Drei mit vereinten Kräften das Ruderboot auf das Gestell, das Gangolf sich aus zwei Fahrrad-Vorderrädern gebastelt hatte. Mit dieser Hilfe konnten sie das Boot zu dem Steg rollen, es ging zwar in dem unebenen Boden sehr mühsam voran, aber immer noch viel leichter, als wenn sie das Boot hätten tragen müssen. Dann kamen die beiden Kajaks an die Reihe. Gangolf wollte beide Boote aufnehmen, jedes an einer Hand, doch die beiden Damen protestierten.
Schließlich wechselte sich Magda und Bettina bei dem Tragen des einen Bootes ab. Gangolf wäre es lieber gewesen, er hätte beide Kajaks getragen, dann wäre das Gehen aufgrund der gleichmäßigen Gewichtsverteilung leichter gefallen und die beiden hätten sich um die Paddel gekümmert. Andererseits wollte er nicht den Macho spielen, den Kraftmeier, und auf diese Weise das >schwache Geschlecht< bloßstellen.

Als erstes ließ Gangolf sein Schnell-Kajak in’s Wasser gleiten; er beugte sich vom Steg aus über das hintere Teil des Bootes, umgriff den Süllrand mit beiden Händen und winkte Bettina heran. Magda erschien ihm zu unruhig für das kippelige Boot, er schätze diese so ein, daß sie sich in dem breiteren Kajak wohler fühlen würde.
„Setz’ dich auf den Steg, dreh’ deine Beine durch die Luke in das Boot hinein, komm’ schon, nur Mut, ich halt’ das Kajak, es kann nicht umkippen!“

Gangolf bemerkte sofort die Nervosität, die in Bettina aufkeimte. Als sich diese endlich auf den Sitz geschwungen hatte, mußte er den Lukenrand, das >Süll<, mit großer Kraftanstrengung festhalten, sonst hätte sich das Kajak um seine Achse gedreht und Bettina wäre unweigerlich auf der anderen Seite hinausgekippt.
- „Jetzt schau’ auf deine Füße, merk’ dir, in welches Rasterloch die Stützen eingedreht werden müssen.“

Bettina wußte zunächst nicht, was Gangolf meinte, doch dann erkannte sie weit vor ihren Füßen die beiden schwarzen querliegenden Fußstützen.
- „Versuch’ jetzt mit einer Hand vorzulangen und die Stützen hinauszuziehen und sie weiter zurück einzudrücken an die Seitenwandführung, damit du dich darauf mit den Füßen abstützen kannst.“

Bettina steckte die Teile an die Stelle unterhalb ihrer Füße ein, doch als sie sich wieder auf dem Sitz zurückstreckte, bemerkte sie, daß sie immer noch zu weit entfernt waren.
- „Sie sitzen richtig, wenn du mit leicht angewinkelten Beinen sitzt.“

Bettina langte mit der Hand wieder nach vorne und setzte die Stützen um zwei Rasterlöcher weiter zurück.
- „So, und jetzt einfach schon `mal los“, rief Gangolf ihr wohlgemut zu. Er stemmte das Kajak vorsichtig vom Steg ab, Bettina trieb von dem Impuls eine Weile in Richtung der Mitte des Kanals zu. Sie genoß die stille Bewegung und konzentrierte sich auf ihre Körperhaltung, denn sie bemerkte sofort, wie empfindlich das Boot auf unruhige Bewegungen reagierte.

- „Jetzt kommt die Magda daran“, verkündete Gangolf und setzte das breitere Kajak entlang des Stegs in das Wasser.
- „Wo bist du denn, Magda!“, rief er und blickte sich nach der schüchtern dastehenden Frau um.
- „Nun mach’ schon, mach’ es genauso wie Bettina gerade. Wart’, ich zieh’, dir gleich die Fußstützen weiter zurück.“

Nachdem er grob geschätzt hatte, wo die Rasten in etwa zu liegen kommen müßten, forderte er Magda auf, sich auf den Steg zu setzen und sich dann auf den Sitz plumpsen zu lassen. Dieses Kajak war wesentlich stabiler, es kippelte längst nicht so sehr, auf diese Weise gelang der Einstieg einfacher.

Im Gegensatz zu Bettinas Nervosität beim Einsteigen bemerkte Gangolf sofort Magdas Angst. Sie wirkte sehr verspannt. Gangolf hoffte, daß sich das nach einer Weile legen würde, sobald sie sich mit dem Boot vertraut gemacht hätte. Nun gab Gangolf auch Magda in ihrem Schiffsgehäuse einen beherzten Stoß von dem Steg weg, so daß auch sie mit dem Schwung in den Kanal hinaustrieb.
- „Versucht jetzt erst einmal am Anfang, mit den Händen einzutauchen und ein bißchen damit zu paddeln, damit ihr ein Gefühl für das Boot bekommt, an das leichte Schaukeln und so. Ich komm’ dann mit dem Ruderkahn und bringe euch die Paddel.“

Tatsächlich tauchte Bettina fleißig ihre Hände in’s Wasser, zog sie kraftvoll nach hinten, das schmale Kajak nahm Fahrt auf. Magda hingegen hielt sich krampfhaft am Lukenrand fest, sie wagte es nicht einmal, sich etwas umzuschauen, sondern saß starr in ihrem Sitz.
- „Nun mach’ schon, Magda, schau’, wie das die Bettina macht, das kannst du auch.“
Vorsichtig wagte Magda nun einen Blick auf die Seite, durch die Schulterdrehung kam das Kajak in eine ganz leichte seitliche Bewegung, welche Magda indes sofort zusammenzucken ließ.

‚Ich merk’ schon, die hat keine Freude damit’, dachte sich Gangolf, und als er sich mit dem Kahn ihr näherte, kam das Kajak wieder leicht in eine seitliche Bewegung. Er bemerkte, wie sich Bettina bereits merklich in die Richtung zum See fortbewegte, er rief ihr nach:
- „Bettina, versuch’ umzudrehen, indem du nur mit der einen Hand paddelst, bis sich dein Schiff in unsere Richtung gedreht hat. Wir wollen zuerst einmal den Kanal entlang fahren, noch nicht gleich auf den See hinaus!“

Mühelos gelang Bettina das Wendemaneuver und nach kurzer Zeit war sie wieder bis in den Bereich des Stegs zurückgekehrt. Sie ließ sich an die Längsseite von Magdas Kajak gleiten und umgriff schließlich dessen linken Süllrand. Kaum hatte Magda erste Ruderbewegungen mit den Händen unternommen, krallte sie sich jetzt wieder an das Boot fest. Ihre verspannten Gesichtsausdrücke gaben Gangolf wenig Hoffnung, daß ihr das Paddeln Freude bereiten würde. Er wollte nun erst einmal Bettina ein Paddel reichen, damit sie schon ein bißchen den Kanal entlang rudern konnte, während er sich dann allein um Magda kümmern konnte. Doch es kam anders.

Bettina bemerkte natürlich auch Magdas verängstigtes Sitzen in der schaukelnden Schale. Sie verspürte den Drang, sie trostspendend zu umarmen, und es geschah, was geschehen mußte: Bettina lehnte sich dabei zu weit aus ihrem Boot, es rollte zur Seite, und ehe Bettina reagieren konnte, kippte sie um. Ihr Oberkörper schlug auf der Luke von Magdas Kajak auf, auch ihr Boot kam nun stärker in’s Schlingern, ohne daß es jedoch gefährlich zu Kippen drohte.
Für Bettina ging die Sache indes naß aus: Der rechte Süllrand ihres Kajaks kam unter die Wasserlinie und es drang ein erheblicher Wasserschwall ein. Es gelang ihr zwar, sich wieder aufrecht auf dem Sitz niederzulassen und sie konnte schnell das Boot stabilisieren, doch saß sie jetzt in einer Wasserpfütze. Mit einem leichten Aufschrei quittierte sie das kühle Naß an ihrem Sitzfleisch.

Nach diesem Erlebnis in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft erstarrte Magda in ihrem Boot, an ein Paddeln war nicht mehr zu denken. Gangolf versuchte die Stimmung durch aufmunternde Worte zu retten, doch wirkten seine gut gemeinten Sprüche gekünstelt. Schließlich stieß er Magdas Kajak an, daß es wieder die wenigen Meter zu dem Steg zurück glitt. Er ruderte seinen Kahn an das Ufer, sprang heraus und band ihn an einem Baumstumpf fest. Dann eilte er auf den Steg, zog Magdas Kajak heran, bis es längs des Stegs lag, und hielt es mit beiden Händen fest.

Mit größter Vorsicht, als ob sie einen Stoß Porzellanteller vor sich hertragen müßte, entwand sich Magda der Plastikschale. Gangolf zog das Boot aus dem Wasser und trug es an das Ufer. Als er zurückkam, hatte Bettina bereits ihren vollgelaufenen Nachen längs an den Steg gelegt; Gangolf half ihr heraus und zu zweit gelang es ihnen unter Aufbringung aller Kräfte, das etwa zu einem Drittel vollgelaufene Boot aus dem Wasser zu ziehen.

Aus Bettinas Hose tropfe das Wasser auf ihre Füße, diese waren beim Aussteigen natürlich gleichfalls vollkommen durchnäßt worden. Aber auf ihrem Gesicht zeigte sich die wahre Abenteuerlust, sie war kein bißchen erschrocken, gar verängstigt. Sie bedauerte ihr Mißgeschick und entschuldigte sich mehrmals bei Gangolf und Magda, daß der erste Bootsausflug wegen ihr nun schon zu Ende war, bevor er losging. Eigentlich wäre sie zu gern gleich wieder eingestiegen, doch bemerkte sie Magdas Verstörtheit und somit redete sie sich ein, daß dieses Vorkommnis auch sein Gutes hatte, nämlich das Kajakfahren für Magda auf diese Weise zu beenden, ohne daß es für diese eine Peinlichkeit geworden wäre.

An Gangolfs Haus angekommen entledigte sich Bettina ihrer durchnäßten Hose; ungeniert zog sie diese mitsamt dem Slip vom Leib und ließ das Wäschebündel einfach vor der Haustür auf einem Haufen liegen. Magda und Gangolf staunten nicht schlecht, als in dem milden Licht der Nachmittagssonne das Edelstahl des Keuschheitsgürtels schimmerte. Gangolf brachte ihr ein Frottetuch, mit welchem sie sich gründlich abrubbelte.

- „Willst du vielleicht eine kurze Hose von mir haben?“ bot Gangolf Bettina an, doch diese lehnte ab:
- „Hast du Angst wegen deinem Sofa, oder was?“
- „Aber nein, ich meinte ja bloß, sozusagen rein höflichkeitshalber“, entgegnete Gangolf.

Die Drei verbrachten einen vergnüglichen Nachmittag und Abend miteinander, ohne zu ahnen, was sich derweil in Magdas Wohnung zugetragen hatte.


















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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:13.03.22 23:10 IP: gespeichert Moderator melden


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Die Drei verbrachten einen vergnüglichen Nachmittag und Abend miteinander, ohne zu ahnen, was sich derweil in Magdas Wohnung zugetragen hatte.


Upps, da wird wohl Martina tätig geworden sein...oder?
Sarah
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Die Zeit rast dahin, beinahe hätte ich vergessen, daß schon wieder Freitag ist und somit die nächste Episode fällig wird, gerade jetzt in dieser Zeit, wo ich hier anscheinend als alleinunterhaltender Geschichtenerzähler auftrete!

Vielen Dank, liebe Sarah, für deine Anmerkung, zeigt diese mir eindrücklich, daß Du und mit dir hoffentlich viele Leser dabei seid im Fortgang der Ereignisse um den von drei jungen Frauen umgebenen "Helden" der Geschichte.



45

Als Martina zu Magdas Haus kam, sah sie zwei Männer vor der Tür stehen, die gerade im Begriff waren, sich umzuwenden und fortzugehen. Einer der beiden sprach sie an:
- „Hallo, sind Sie Frau Armdran?“
- „Äh – nein, aber ich kann Sie `reinlassen“, entgegnete Martina.
Sie sperrte die Haustür auf.
- „Wir sind von der Polizei beauftragt, einen Schließzylinder bei Frau Armdran auszuwechseln und die Tür zu reparieren.“

‚Das trifft sich ja bestens’, dachte sich Martina und forderte die beiden auf:
- „Denn kommen S’e `mal hoch!“
Die beiden Handwerker setzten polternd ihre Werkzeugkoffer auf den Boden vor Magdas beschädigter Wohnungstür ab und begannen mit der Arbeit. Martina warf in Magdas Küche die Kaffeemaschine an und stellte den Handwerkern Tassen auf den Tisch. Sie wollte ursprünglich nur sich selbst eine Tasse zubereiten, doch besann sie sich und bot auch den beiden Kaffee an als ‚vertrauensbildende Maßnahme’, wie sie sich im Geheimen dachte.

Nach kurzer Zeit war der Schließzylinder ausgetauscht und alle Aufbruchspuren beseitigt. Der Wortführer unter den beiden Arbeitern sagte:
- „Hier ham’ S’e die Schlüssel und quittieren S’e mir hier!“
- „Ja klar, mach’ ich, vielen Dank!“
Die beiden tranken schnell den Kaffee aus, bedankten sich, und Martina quittierte den Erhalt der drei Schlüssel und die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten.

Kaum waren die Handwerker entschwunden, wollte Martina zur Tat schreiten. Sie trat zu dem von Gangolf geschreinerten Senderschränckchen und suchte nach dem Kabel, das zur nächsten Steckdose führte. Gerade noch rechtzeitig bevor sie den Stecker zog, kam es ihr in den Sinn, daß es zu diesem Zeitpunkt doch recht ungünstig wäre, den Sender auszuschalten, denn zuvor müßte Magda den Akku ihrer elektronischen Fußfessel aufladen, damit das Funksignal dann wieder davon ausgehen konnte. Freilich zog sie in Erwägung, Magda auflaufen zu lassen, sie könnte ja den Beamten angeben, sie habe vergessen, den Akku aufzuladen und deshalb wäre das Signal nicht mehr bei der Überwachungsstelle angekommen, andererseits wollte sie die Aufregung so kurz vor der geplanten gemeinsamen Urlaubsreise nach Italien vermeiden.

‚Aber danach ist damit Schluß, dann soll Magda wieder ihre schöne Fußfessel aktivieren, sie darf sich damit jetzt im gesamten Landkreis aufhalten, also auch zu mir nach Laukuv kommen, dann gehört sie ganz mir’, feixte Martina.
Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit spülte Martina die Kaffeetassen ab, entfernte das Filterpapier mit dem Kaffeesatz und verwischte alle Spuren, die auf ihre Anwesenheit Rückschlüsse gäben. Schließlich sperrte sie ab und versteckte zwei der drei Schlüsselein unter der Fußmatte.

Nachdem Bettina, Magda und Gangolf einen angenehmen erholsamen Nachmittag in Gangolfs Wohnzimmer in Wesserbarg verbracht hatten, nahm Bettina Magda in ihrem schnuckeligen roten Wägelchen nach Lüggen mit. Sie registrierte überhaupt nicht mehr, daß sie ziemlich unangezogen daherkam, sie fühlte sich in der warmen Abendluft ohne Beinkleid so angenehm wohl, das Schrittband gab ihr das Gefühl der Geborgenheit, unbewußt meinte sie, durchaus mit einer Hose bekleidet zu sein.

Gangolf verabschiedete sich von den Damen, und nachdem diese eingestiegen und vom Hof gefahren waren, schlappte er in den Stadel zu seinen Booten. Er nahm sich sein mittlerweile vollständig getrocknetes Rennkajak von den Gabeln, um eine Runde um die Insel zu drehen.
‚Wie kann man nur so ängstlich sein’, dachte sich Gangolf und hatte Magdas angsterfülltes Gesicht vor Augen.

‚Aber auch die Tini, turnt da einfach halb aus der Luke und wundert sich dann, daß sie umkippt.’
Freudevoll schwang Gangolf sich in die Schale und nach ein paar kräftigen Paddelstichen öffnete sich vor ihm der im milden Abendlicht schimmernde See. Er hätte nicht gedacht, daß hinter dem friedlichen Firmament ein ganz unerwartetes Erlebnis auf ihn wartete.

- „Sieh’ doch mal hier!“, rief die Vogelkundlerin Inge Langohr zu ihrer Kollegin Barbara Bär, „auf der Insel gibt’s doch richtig große Tiere, schau mal, wie hier das Gras auf der Lichtung zusammengetreten ist. Die Spur führt bis in die Ecke da von der Lichtung!“
Barbara Bär war einige Schritte hinter Inge Langohr und war noch damit beschäftigt, sich mit ihrer sperrigen Ausrüstung durch den Bruchwald zu kämpfen. Als sie neben Inge aus dem Buschwerk auf die Lichtung trat, betrachtete sie Inges Entdeckung, pflichtete ihr bei und ergänzte:

- „Erstaunlich, daß das Tier, was es auch immer ist, dort hinten umgedreht ist und anscheinend den Weg hier genau wieder zurück genommen hat, nach hier, wo wir jetzt stehen!“
- „Nun ja, bauen wir hier unser Zelt auf, es wird schon kein Bär gewesen sein“, meinte Inge, „und eine Bärin hab’ ich ja schon.“

Die beiden jungen Naturforscherinnen luden das schwere Gepäck von ihren Schultern ab und bauten das kleine Zelt auf der Lichtung auf.
- „Ein toller Platz hier,“ träumte Barbara, „so mitten auf einer einsamen Insel, mitten in der ungestörten Natur, hier können sich Pflanzen und Tiere noch vollkommen unbeeinflußt von den Menschen entwickeln.“
- „Machen wir gleich noch einen Streifzug über die Insel, bevor es dunkel wird“, schlug Inge vor, nachdem sie das Zelt aufgestellt hatten.
Beide hatten die Ausmaße der Insel unterschätzt, vielleicht auch die Beschwernis der Fortbewegung durch das dicht stehende Unterholz, das Ergriffenwerden von der unberührten Natur.

--

Magda und Bettina standen vor einem Problem, jede vor dem ihrigen. Immerhin gelang es, Bettinas’ verhältnismäßig einfach zu lösen.
Beim Aussteigen wurde es Bettina nun doch bewußt, wie sie fast im Adamskleid am Steuerknüppel ihrer Raumkapsel saß, und es wurde ihr etwas unwohl bei dem Gedanken, daß jemand sie, die Frau Pfarrerin, hier begegnete, sobald sie ihre zarten Füßchen auf die Oberfläche des städtischen Bodens gestellt haben würde.
Magda fand die Lösung: „Zieh’ dir doch meine Motorradhose an, die du mitgebracht hast aus Laukuv.“

Bettina atmete erleichtert tief durch, im Schutz der geöffneten Fahrertür stieg sie erstmals in eine Lederhose, noch dazu in eine speziell für das Motorradfahren geschnittene. Der Geruch des Leders stieg ihr in die Nase, sie konnte sich des Zustands der Erregung nicht erwehren. Da die beiden Mädels die gleiche Statur hatten, paßte Bettina die Hose perfekt; sie betastete die dicken Kniepolsterungen und führte ihre Hände weiter nach oben über die Innenseiten der Oberschenkel bis in den Schritt, wo sie die Härte des Chasti durch das Leder hindurch spüren konnte.
‚Das auch noch, Herr, laß’ es Abend werden’, sandte die Frau Pfarrer ein Stoßgebet gen Himmel, ‚reicht es nicht, daß mich Gangis Kajak ganz aufgegeilt hat, trotz oder gerade wegen der Panne, die Feuchtigkeit unten herum, o Herr, dein sechstes Gebot, vergib’ mir, und jetzt auch noch der Duft des Leders!’
Bettina ahnte natürlich nicht, daß sie ihr Stoßgebet zu früh versprüht hatte, denn sie würde gleich noch ganz andere Gebeterhörungen benötigen, um Magdas Problem zu lösen.

Nachdem nun Bettina auch unten herum eingekleidet war, nahm Magda die Motorradjacke von der Rückbank und zog diese an. Auf diese Weise hatte sie die Hände für die Mitnahme ihres Helms, der Handschuhe und Stiefel frei. Wie die Raumfahrer nach beendeter Mission entfernten sie sich von Bettinas einer Raumkapsel gleichendem Fahrzeug und schritten in ihrem seltsamen Kostüm zu der Haustür.


Magda entsann sich sofort wieder an ihren Englisch-Unterricht, an die dramatischen Worte der amerikanischen Mondfahrer im Apollo 13-Raumschiff:
‚ Houston, we’ve had a problem.’
Sie konnte zwar problemlos die Haustür wie gewöhnlich aufsperren, an ihrer Wohnungstür oben scheiterte sie jedoch. Erstaunt stellten die beiden Emporkömmlinge, die Astronautinnen der Stadt Lüggen fest, daß das Schloß ausgetauscht worden war.

- „Da schau’, Nisselpriem hat bereits den Schlosser geschickt, so `was Blödes, jetzt wie sollen wir da `rein kommen?“ funkte Raumfahrerin Tina an ihre Kollegin Magda.
Magdas Gedanken umkreisten weiterhin das Apollo 13-Raumschiff. Sie meinte scharfsinnig:
- „Die Apollo 13-Besatzung >hatte< ein Problem, dagegen >haben< wir eines.“

Nach dieser nicht zielführenden Bemerkung zog Bettina ihr i-Pad heraus und funkte zur hiesigen Polizeistation:
- „Hier Litte, wir haben ein Problem. Ihr Chef Nisselpriem schickte anscheinend einen Schlosser vorbei, unser Wohnungsschloß auszuwechseln, ohne uns Bescheid zu geben und nun stehen wir vor verschlossener Tür.“
- „Haben Sie denn keine Schlüssel erhalten?“, kam postwendend die geistreiche Frage.
- „Nein, sagte ich doch, dann hätten wir kein Problem und wir hätten nicht ihre geschätzte Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Jetzt sehen Sie zu, daß Sie zu einer Lösung kommen, rufen Sie ihren Chef an, Frau Armdran möchte jetzt endlich in ihre Wohnung, die ihre Kollegen haben stürmen lassen.“
- „Was quatschen Sie da daher?“ raunzte das Gegenüber.
- "Werden Sie nicht unverschämt, ihre Kollegen haben gestern die Wohnungstür aufbrechen lassen, Frau Armdran mußte auswärts nächtigen, und jetzt kann sie überhaupt nicht mehr in ihre Wohnung!“
- „Gut, ich werde mich darum kümmern“, gelobte der Beamte, „ich ruf’ zurück, sobald ich `was in Erfahrung bringe.“

Entgegen ihres sonstigen Wesens wurde Magda etwas ungeduldig: „Ruf’ doch nochmals Gangi an, ob wir nochmal zu ihm kommen dürfen.“
Bettinas Ärger wuchs: ‚Jetzt nochmals zu Gangi hinauszuckeln, um Magda bei ihm abzuliefern, dann wieder zurück und nach Laukuv, am Ende geht mir noch der Strom aus.’
Sie warteten eine ganze Weile, ohne daß der Polizist zurückgerufen hätte.

‚Sollte sie den Volltrottel nochmals anrufen und ihm die Hölle heiß machen?’, überlegte sich Bettina, ‚doch was würde es nützen, er konnte ja auch nichts dafür, daß der Schlosser anscheinend abzog und niemand weiß, wem er die Schlüssel gegeben hatte. Nachdem die Polizei diesen beauftragt hatte, müßten eigentlich die Schlüssel bei der Polizei sein.’

Gangolf nahm nicht ab. Er hatte sein Smartphone nicht eingesteckt. Überhaupt hatte er im Augenblick ganz andere Probleme.

Kaum hatte Bettina ihr Funkgerät wieder eingesteckt, erschrak sie förmlich über den scharfen Klingelton:
- „Hier nochmal Müller, Polizeirevier Lüggen. Ich habe in Erfahrung gebracht, daß die Handwerker die Schlüssel an die Mitbewohnerin von Frau Armdran aushändigte, leider kann man die gekritzelte Unterschrift nicht gut lesen, aber es könnte Weiß heißen.“
- „Aha, danke, Sie haben uns sehr geholfen.“

- „Wie kommt denn die dazu, die Schlüssel zu nehmen“, sprach Bettina ihre Gedanken laut aus.
- „Was ist denn passiert?“, wollte Magda wissen, „wer hat denn die Schlüssel genommen?“
- „Na, Martina natürlich, offenbar war sie da, wahrscheinlich haben sie sie angerufen zu kommen, du bist ja nicht erreichbar, Gangi muß dir unbedingt dein altes Handy in Gang setzen, sonst kriegst du Ärger, hast ja den Nisselpriem gehört, aber zu blöd auch, daß Martina dann nicht mich verständigt hatte. Also komm’, fahren wir zu uns nach Hause.“
Magda war betrübt. Sie hatte sich so auf ihre vertrauten eigenen vier Wände gefreut.
Sie wagte den Widerspruch: „Ich warte hier lieber, bis du wieder kommst.“

- „Nein,“ entgegnete Bettina in einem schärferen Tonfall, als sie es gewollt hatte, „ich will dann nicht wieder hin- und herfahren, ich habe morgen früh einen Termin, da kann ich dich dann nach Lüggen zurückbringen. Martina wird dich schon nicht umbringen.“
Je näher sie nach Laukuv kamen, desto nervöser wurde Magda. Früher wog ihre Begierde nach Unterwerfung ihre Angst wegen der Schmerzen auf. In letzter Zeit überwog indes die Angst und die Waagschale schien sich immer weiter auf deren Seite zu neigen. Vor allem vermißte Magda die tröstenden Worte und Handlungen nach einer schmerzhaften Unterwerfung. Sie würde Gangolf vermissen, das wußte sie jetzt schon.
‚Wie würde die Herrin reagieren, wenn sie heute erstmals nach ihrer Flucht wieder zusammentreffen?’, grämte sie sich.

Die Ladeanzeige von Bettinas Elektroauto wanderte bedrohlich in den roten Bereich, eine Display-Schrift loderte auf mit den mahnenden Worten, langsam zu fahren und Beschleunigungen zu vermeiden. Bettina drosselte das Tempo und zeigte mit dem Finger auf das Display: -
- „Da, lies’ `mal, da wären wir zu Gangi gar nicht mehr hinausgekommen.“
Im Fahrradfahrer-Tempo schlich Bettina zu dem Platz vor der Ladesäule; als Magda ausstieg und damit das schützende Blech des Fahrzeugs verließ, lief sie kreidebleich an. Bettina hantierte mit dem Ladekabel herum, als sie fertig war, watschelte Bettina wieder in der zu ihrem T-Shirt verhältnismäßig dicken Motorradhose zur Haustür, während Magda an ihrer Seite die Motorradjacke und den Helm im Auto zurückließ. Magda wurde es mulmig, mit Schrecken dachte sie an Wilhelm Buschs brutale Verse:

‚Max und Moritz wird es schwüle, denn nun geht es nach der Mühle.’
In ihrer Not preßte Magda heraus: „Ich will nach Afrika Brunnen graben!“
‚Dreht sie jetzt ganz durch?’ überlegte sich Bettina, ‚die hat ja wirklich tierische Angst, was ist nur passiert da unten in dem verdammten Keller.’
Als die beiden jungen Frauen auf dem Weg zu dem Haus entlanggingen, machte sich Bettinas i-Pad bemerkbar; es war indes kein Klingelton und auch kein gewöhnlicher Ton einer Benachrichtigung. Bettina zog das Gerät aus ihrer Tasche und studierte die Inschrift, die auf dem Display auftrauchte:
>Verbinden Sie ihr i-Pad sofort mit dem Ladegerät, um den Akku aufzuladen!<

- „Ja so was“, murmelte Bettina vor sich hin, „geht denn heute überall der Strom aus.“ Und wieder dachte sie daran, daß es nun bald Abend werden möge. Doch der Tag hielt noch eine Neuerung für sie bereit.












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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:25.03.22 05:41 IP: gespeichert Moderator melden


Da ich heute verreisen muß, kommt die wöchentliche Fortsetzung bereits jetzt am frühen Morgen!

46

Entgegen seiner ursprünglichen Absicht, die Insel zu umrunden, überlegte es sich Gangolf und wollte nun direkt zur Insel paddeln, denn es wurde schon bedrohlich dunkel; die Sonne ging im September deutlich früher unter als im Frühsommer. Als er in die schmale schilffreie Einfahrt zu dem Steg einbog, gewahrte er einen Ruderkahn, der dort ange­macht lag.
'Was ist denn das', empörte sich Gangolf innerlich, 'das hab' ich ja noch nie erlebt'.

Mit Mühen dirigierte er sein schmales Kajak an die andere Stegseite, hier reichte das Schilf fast bis ganz an den Steg heran, so daß er in dem kippeligen Boot große Navigationsprobleme bekam.
Als Gangolf die Lichtung erreichte, traute er seinen Augen nicht: Hier stand eindeutig ein Zelt! Er blieb stehen und lauschte. Er vernahm kein anderes Geräusch als jenes der Vögel, welches immer in den Abendstunden in dem Bruchwald herrschte. Langsam schritt er näher, als er immer noch nichts hörte, trat er vor das Zelt, bückte sich und zog den Reißverschluß an der Stirnseite auf. Er erkannte darinnen zwei schmale Luftmatratzen und zwei große Rucksäcke. Auf der Seite lag ein Photo-Stativ und eine große Umhängetasche. Die Rucksäcke schienen noch nicht ausgepackt worden zu sein, sie standen auf­recht prall gefüllt.

'Sehr seltsam,' dachte sich Gangolf, 'denen werd' ich was sagen, hier mitten im Naturschutzgebiet zu campieren'. Daß er selber vorhatte, sich dort ein kleines Zelt aufzustellen, war ihm zwar durchaus bewußt, als Eigentümer der Insel hatte er indes kein Problem damit, sich dieses Recht herauszunehmen. An einen der beiden Rucksäcke baumelte ein Ausweistäschlein; hinter dem durchsichtigen Plastik erkannte er in dem düstern Abend­licht einen behördlichen Ausweis:
>Barbara Bär, untere Naturschutzbehörde, Umweltamt Lüggen<.
- "Verdammt", stieß Gangolf einen leisen Fluch aus, "das hat mir g'rad noch g'fehlt."

Gangolf verschloß das Zelt wieder und ging weiter zu der Stelle, wo er seine Schatzkiste vergraben hatte. Da er bereits ahnte, daß es diesbezüglich zu Komplikationen kommen wür­de, nahm er gleich mehr Scheine heraus als sonst. Diesmal verteilte er bedeutend mehr Laub und Geäst auf den Kistendeckel, denn es bestand die reelle Gefahr, daß die Natur­schutzfrau auf die Idee kam, auf der Lichtung herumzuschnüffeln.
- "Barbara Bär", murmelte Gangolf vor sich hin, als er den Rückweg zum Steg antrat und er reflektierte: 'Wie kann man seiner Tochter den Namen Barbara geben, wenn man schon Bär heißt.'
Mit diesen Gedanken bestieg Gangolf sein Kajak, stieß sich vorsichtig von dem Steg ab, drückte sich mit dem Paddel ab, so daß er vom Schwung rückwärts fuhr. Einmal mußte er dann noch nachdrücken, bis er aus der schmalen Einfahrt heraußen war und auf der offenen Seefläche wenden konnte, um in Vorwärtsfahrt sein heimatliches Ziel entgegenzustreben.


Erstaunt stellten Bettina und Magda fest, daß Martina noch nicht zu hause war.
- "Vergnüge dich mit irgend etwas, du kennst dich ja aus hier, Zeitschriften oder Bücher, oder schalte den Fernseher ein, was du halt willst", forderte Bettina Magda auf, "ich muß noch `was vorbereiten für morgen."

Magda blickte Bettina mit großen fragenden Augen an.
- "Hast du `was auf dem Herzen?", fragte Bettina.
- "Ja, bringst du mich bitte in den Keller und sperrst mich da ein, daß ich geschützt bin von der Herrin, und sagst ihr gar nichts von mir, ich hab' so Angst vor ihr, weil ich doch geflüchtet bin."
- "Ach, du Ärmste, aber gut, wenn du meinst."
- "Du bist so gut zu mir, ich hätte dich gern zur Herrin."

Schweigend stiegen sie in den Keller, kaum waren sie in dem Abteil, zog Magda schnell ein paar Seile aus einem Regalfach und setzte sich in die Kartoffelkiste. Sie plazierte die Unterschenkel auf den Kistenrand, so daß ihre Füße nach vorn aus der Kiste herausbaumelten, und winkte der verblüfften Bettina mit den Seilen.

- "Ach bitte, fessel mich, du kannst das ganz sicher ganz gut."
- "Ähm, wie soll ich das machen, so `was habe ich noch nie getan", versuchte sich Bettina herauszuwinden. Andererseits war sie immer noch in einer besonderen Weise leicht erregt, die lederne Motorradhose, das Kajak-Erlebnis, alles erstmalige Erfahrungen für sie, da paßte zum krönenden Abschluß des Tages ein erstmaliger Fesselversuch an der devoten Magda.

- "Zuerst die Hände zusammen", forderte Magda Bettina auf und streckte ihr die mit den Innenflächen aneinanderliegenden Hände hin, "und immer kräftig die Knoten zubinden."
Bettina wickelte das Seil mehrmals um die Handgelenke und verknotete dann die Enden.
- "Führe jetzt das Seil zwischen den Händen hindurch, zwischen den Zwischenraum."

Für Bettina war diese Art von Handarbeit vollkommen ungewohnt, ein Erstversuch. Magda beugte sich weit nach vorn, so daß ihre gefesselten Hände auf den Fußknöcheln zu liegen kamen.
- "Und nun die Hände an die Füße binden."

Bettina mußte sich eingestehen, daß ihr das Fesseln Spaß bereitete, sie begann zu verstehen, warum Martina das so gerne tat. Allerdings würde sie Magda niemals quälen wol­len, ihr Schmerzen bereiten. Sie verknotete, wie von Magda gewünscht, deren Hände an die Füße.

- "Und was jetzt?", wollte Bettina wissen. Magda zog die Beine an und bewegte die aneinandergefesselten Hände und Füße in die Kiste.
- "Jetzt zieh' das Seil unter meinen Hintern durch nach hinten und verknote es am Hüftband vom Chasti."

Das war nun nicht mehr so einfach, denn Magda füllte die Kiste ihrer gesamten Breite mit ihrem Körper aus. Irgendwie gelang es Bettina, das Seil durch Magdas Schritt nach hinten zu ziehen und entlang des hinteren Teils des Schrittbands hinauf zu dem Hüftband zu führen. Sie verknotete es, doch Magda meinte:
- "Das ist zu locker, bitte zieh' das Seil straffer, damit ich mit den Füßen nicht mehr aus kann."
- "Wenn du meinst, aber bedenke, daß die Nacht lang wird, hältst du das denn wirklich aus?"
- "Ja, solange ich nicht den blöden Würgeknebel `reingewürgt kriege, ich freue mich schon so, die ganze Nacht in der Kiste, und die Herrin weiß gar nichts davon!"

'Mein Gott, wie kann man nur so sein', dachte sich Bettina, öffnete nochmals den Knoten, zog an dem Seil, bis Magda rief:
- "So ist es gut, danke."
Magda prüfte, ob sie sich bewegen konnte und auch, ob das Seil nicht einschnitt. Bettina hatte gute Arbeit geleistet.

- "Und jetzt verschließ' bitte noch die Kiste und spanne mehrmals die dicken Seile außen herum, weil das Schloß, also die oberste Leiste, herausgebrochen ist."
Sie preßte den Kopf ganz weit hinunter, so daß ihre Wangen zwischen den Knien zu liegen kamen. Bettina klappte den Deckel auf die Kiste; jetzt verstand sie, was Magda meinte mit der herausgebrochenen Leiste. Sie nahm ein dickeres Seil, führte es zwischen Kisten- und Fußboden hindurch, dann wieder nach oben, das mehrmals, und verknotete schließlich die Enden. Probehalber drückte Magda ihren Kopf nach oben, der Kistendeckel gab nicht nach, Magda war nun tatsächlich fest in der Kiste eingeschlossen.

Bettina war nicht recht wohl bei der Sache, daß ihr erster Bondage-Versuch gleich eine Langzeit-Fesselung sein würde:
- "Ist das wirklich in Ordnung so?"
- "Ja, prima, danke, danke für alles, so ist das wunderbar für mich, danke, Herrin Bettina."
- "Lasse das mit der Herrin, ich bin nach wie vor deine Freundin und nichts mehr oder weniger. Nun gut, wenn dir das so gefällt, dann hab' eine Gute Nacht!"
- "Danke, du auch, und sag' nichts der Herrin Martina."


Bettina beschloß, noch eine Weile in dem Kellerabteil zu bleiben, falls Magda es sich doch noch anders überlegen sollte. Doch aus der Kiste war zu hören:
- "Nun geh' schon hoch, die Herrin wird bald kommen."

Bettina öffnete den Abteilverschlag und ging hinaus. Für Magda war es der höchste Genuß, als sie hörte, wie die Angeln leicht quietschten, bis das Holz an der Anschlagkante aufschlug. Ihre Erregung steigerte sich zum Höhepunkt, als sie hörte, wie der Bügel des Vorhängeschlosses einrastete.

Bettina blieb noch einige Minuten in dem Kellergang vor dem Abteil stehen und lauschte, ob Magda nicht doch noch einen Verzweiflungsschrei ausstieße. Ihr kam das düstere Lied vom Brunnen vor dem Tore in den Sinn, mit der makaberen Aufforderung des davor stehenden Lindenbaums, sich darein zu stürzen. Doch sie vernahm weder das Rauschen eines Baumes, noch das Plätschern des Wassers, auch nicht Magdas verzweifeltes Flehen aus der Kartoffelkiste. Leisen Schrittes stieg sie in die Wohnung hinauf.

Martina wählte Bettinas Nummer, die Computer-Stimme quakte aus dem winzigen Hörer: >The number you have called is temporarily not available<.
‚Typisch Pfarrer,’ schimpfte Martina, als sie diesen Spruch aus ihrem Kästchen in der Hand hörte, ‚wenn man sie einmal braucht, sind sie nicht erreichbar.’
Dann rief sie Gangolf an. Im Gegensatz zu Bettina nahm dieser sofort ab und berichtete, daß Bettina und Magda vor kurzem aufgebrochen waren und jene zu Magdas Woh­nung bringen wollte. Wie üblich beendete Martina grußlos das Gespräch.
‚Na, wenigstens ist die Sklavin wieder in ihrem Stall’, erfreute sich Martina und schickte sich an, nach Hause zu fahren.

Als Martina in ihre Wohnung kam, bemerkte sie, daß es in allen Zimmern bereits dunkel war, nur aus dem Schlafzimmer fiel ein schwaches orangefarbenes Licht auf den Flur. Wenn Bettina vor Martina zu Bett ging, ließ jene das Licht brennen, damit diese leichter zum Bett fand. Umgekehrt vollbrachte Martina diese kleine Gefälligkeit nicht.

Das Entkleiden ging nicht geräuschlos vonstatten, Martina gab sich kaum Mühe, dabei leise vorzugehen. Prompt erwachte Bettina aus ihrem ersten Schlaf, die beiden Frauen kuschelten sich aneinander. Doch Martina war nicht nach Kuschelsex, es wurmte ihr, daß sie immer noch nicht Magdas Flucht an dieser gerächt hatte. Als sie Bettinas Brustnippel zu fassen bekam, drückte und zog sie an ihnen, bis diese rief:
- „Au, du tust mir weh, zieh’ doch nicht so fest.“

Martina raunzte nicht ganz ärgerfrei zurück: „Ach, du hältst ja wirklich gar nichts aus!“
Bettina konterte: „Damit verdirbst du mir die ganze Lust.“
Martina ließ los und drehte sich um, mit den Rücken zu Bettina.
- „Jetzt sei doch nicht gleich beleidigt“, sagte Bettina und streichelte Martinas Rücken. Doch diese entgegnete barsch:
- „Laß’ mich doch in Ruhe.“
Daraufhin drehte sich auch Bettina zur Seite, so daß die beiden Lesben nun Rücken an Rücken in dem breiten Doppelbett zu liegen kamen.

Nach kurzer Zeit fiel Bettina in einen leichten Schlaf, während es Martina nicht gelang, einzuschlafen. Sie verließ das Bett und kleidete sich im Schein des Nachtlichtes an. Sie versuchte zwar, dabei möglichst leise vorzugehen, denn sie wollte ihr Verschwinden geheim halten. Bettina erwachte dennoch und bemerkte mit blinzelnden Augen, wie Martina das Schlafzimmer verließ. Sie dachte sich nichts weiter dabei und drehte sich auf die an­dere Seite, um wieder einzuschlafen. Als die Wohnungstür mit ihrem charakteristischen Geräusch in’s Schloß fiel, wurde Bettina hellwach.
‚Wo will die denn hin, jetzt mitten in der Nacht?’, überlegte sie sich und setzte sich auf.

‚Ich werd’ `mal lieber in den Keller sehen’, beschloß Bettina, schwang die Beine aus dem Bett und zog sich an. Beruhigt stellte sie fest, daß der Schlüsselbund für den Keller noch am Haken hing. Sie nahm diesen an sich und stieg die Treppe hinab. Ohne das ohnehin nur sehr kurze Zeit brennende Kellerlicht anzuschalten tastete sie sich durch den dunklen Gang; vor dem Abteil, in welchem Magda in der Kiste eingesperrt lag, hielt sie inne und lauschte. Es war vollkommen still, Bettina stocherte mit den Schlüsseln in dem Vorhängeschloß herum, bis den richtigen gefunden hatte. Diese Zeremonie war schon beim Lichtstrahl der Kellerfunsel nicht einfach, im Stockdunkeln ein mehrfaches schwieriger.

Nachdem das Schloß aufsprang, schob Bettina millimeterweise den Verschlag nach innen, um den Angeln kein Quietschen zu entlocken. Sie nahm sich vor, Gangolf zu bitten, die Angeln zu ölen und auch die Brenndauer des Lichtes an dem Treppenlichtautomaten länger zu stellen. Als sie endlich den Verschlag soweit geöffnet hatte, daß sie in das Ab­teil eintreten konnte, lauschte sie nochmals, und als sie weiterhin mit tiefster Stille um­geben war, drückte sie sich hinein und verharrte vor der Kiste, die sie vor wenigen Stun­den verschnürt hatte, mit der gefesselten Magda darinnen. Als sich Bettina zu der Kiste hinunterbeugte, vernahm sie leichte Atemgeräusche aus dem Inneren. Sie lauschte eine Weile und stellte erleichtert fest, daß mit Magda anscheinend alles in Ordnung war.
Genauso leise, wie Bettina gekommen war, schlich sie wieder hinaus und hinauf in die Wohnung.

Je näher Martina mit ihrem Lada sich Lüggen näherte, desto mehr wuchs ihre Lust, Magda einer ordentlichen Strafaktion zu unterziehen. Vor Magdas Wohnungstür mußte Martina erst eine Weile nach dem einzelnen Schlüssel herumkramen, bis sie diesen in einer Tasche fand. Diszipliniert fädelte sie den Schlüssel an den Ring, bevor sie aufsperrte. Ohne darauf zu achten, leise zu sein, stapfte sie in die Stube und entflammte die De­ckenlampe. Zu ihrer Verwunderung war Magdas Sofa leer, auch in der Küche und im Bad konnte Bettina Magda nicht finden. Ihre Verwunderung mutierte zum unbändigen Zorn, mit ihren 10-Loch-Doc Martens trat sie gegen den Tisch, daß dieser fast einen halben Me­ter weit zur Seite rutschte, ein Stuhl flog polternd auf den Boden.

Martina ließ in ihrer grenzenlosen Wut den Stuhl liegen, schaltete auch das Licht nicht aus, sondern schlug mit einem lauten Knall die Wohnungstür zu. Sie beschloß, stracks zu Gangolf hinauszufahren, um diesem den Marsch zu blasen:
- „Was lügst du mich an“, schimpfte sie auf dem Weg zu ihrem Jeep, „Scheißkerl, mit dir habe ich ein Hühnchen zu rupfen, du meinst wohl, daß du den Scheiß-Sender mit deinen Scheiß-Freunden da hingestellt hast, jetzt dir meine Magda zu schnappen, die gehört immer noch mir; warum hast du ihr überhaupt eine nigelnagelneue Lederkombi gekauft, mir hast du keine geschenkt, Scheißkerl-Magnus!“

Am Fahrzeug angekommen beendete Martina ihr Selbstgespräch, schwang sich auf den Fahrersitz und schlug die Tür vernehmlich zu. Während des Anlassens des Motors, das dieser wie üblich mit knallenden Geräuschen und einer gewaltigen Abgasfahne quittierte, beruhigte sich Martina wieder und fuhr dann doch wieder nach Laukuv zurück.
‚Den nehm’ ich mir irgendwann später vor’, schwor sich Martina und trat hemmungslos auf’s Gaspedal.

- „Bleib’ `mal stehen“, zischte Inge ihrer Kollegin in’s Ohr und zeigte durch das Unterholz auf die Lichtung, der sie sich nach langem Umherirren näherten. Auch Barbara gewahrte jetzt die Person, die sich da auf der Lichtung vom Boden erhob und an ihrem Zelt vorbeiging, um am entgegengesetzten Ende in dem Wald einzutauchen. Die beiden Vogel-Beobachterinnen blickten sich stumm an, nach einer Weile gingen sie weiter. Auf der Lichtung angekommen konnten sie aufgrund der hereinbrechenden Dunkelheit keine Einzelheiten mehr erkennen und sie beschlossen, am nächsten Tag nachzusehen, ob sie von dem Fremden irgendwelche Spuren vorfänden.

Gangolf genoß derweil seine Fahrt über den See, dessen Oberfläche spiegelglatt sich vor ihm ausbreitete. Wieder konnte er das faszinierende Farbenspiel beobachten, wie sich im Westen der Tag mit einem schmalen hellen Streifen verabschiedete, während sich im Osten bereits ein sternenklarer tiefdunkler Nachthimmel ausbreitete. Ihm kam das alte Gute-Nacht-Lied in den Sinn, von den Vögelein, die Schlafen gehen, und schließlich auch das Menschenherz, das gleichfalls einmal Schlafengehen würde.

‚Sentimentaler Unsinn’, schalt er sich selber und dachte im Geiste an die Naturkundler, an Barbara Bär, wer die oder der zweite war, wußte er nicht. ‚Ob die auch an die Vögelein denken, die Schlafengehen?’
Tatsächlich verstummte das sirrende Geräusch, von welchem Gangolf auf der Insel umgeben war, einerseits, weil es nun wirklich dunkel wurde, andererseits natürlich auch, weil er sich jetzt weit entfernt zwischen Insel und Festlandufer befand.

Während er sich ein Bier aufmachte und sich auf sein Sofa fläzte, dachte Gangolf kurz an Magda, daß diese nun wieder in ihrer Wohnung nächtigen würde; er ahnte natürlich nicht, wie falsch er mit seiner Vermutung lag. Und er ahnte natürlich auch nicht, daß er auf der Insel beobachtet worden war.

Und Magda litt in ihrer engen Behausung unter dem Alptraum, in einem Brunnenschacht ausharren zu müssen, in welchem das Wasser unaufhörlich anstieg.

Und Martina gönnte sich mehrere Schnäpse, bevor sie sich zu Bett begab.

Und Bettina schlief wieder ein mit dem Vorsatz, am nächsten Morgen Martina nach den Schlüsseln für Magdas Wohnung zu fragen.

- „Seid bloß froh, daß ich zufällig zu Magdas Wohnung kam, als die Schlosser da waren und das Schloß austauschten,“ zischte Martina am nächsten Morgen, „ihr wart ja wohl nicht erreichbar! Die Schlüssel hab’ ich unter die Fußmatte gelegt vor der Tür, ihr seid ja so bescheuert, da sieht man doch als erstes nach.“
‚Wer ist von uns bescheuert’, ärgerte sich Bettina im Stillen, doch sie wollte keinen Streit vom Zaun brechen und schwieg. Sie mußte sich eingestehen, daß ihre Beziehung zu Martina immer belastender wurde und es würde ihr schwer fallen, weiterhin echte Liebesgefühle ihr gegenüber zu entwickeln, sollte diese weiterhin sich so gehässig verhalten.


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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:01.04.22 21:47 IP: gespeichert Moderator melden


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Gangolf führte mehrere Telephongespräche. Bei dem Umweltamt in Lüggen erkundigte er sich nach einer Barbara Bär, die Angestellte der "Unteren Naturschutzbehörde" sei. Tatsächlich wurde ihm bestätigt, daß diese eine Praktikantin sei und sich zusammen mit ei­ner Kollegin auf der Insel des Röthener Sees befände, um das Verhalten der Natur, insbesondere der Vögel, in Bezug auf die Klimaveränderung zu studieren. Ihre Anwesenheit in dem Naturschutzgebiet wäre legal, während er, wenn auch Eigentümer, die Insel nicht betreten dürfe.

Nach dieser ernüchternden Antwort rief Gangolf im Krankenhaus auf der Station an, in welcher er gelegen hatte. Er fragte nach der Schwester Ramona, erhielt jedoch keine befriedigende Antwort. Sie wäre damals aushilfsweise auf der Station gewesen und sei nun seit längeres Zeit wieder zurück, doch man wollte oder konnte ihm nicht sagen, wo Ra­mona jetzt sei.

Schließlich rief Gangolf in der Krankenhausverwaltung an. Dort wollte man von ihm erst einmal Ramonas Zunamen wissen; da er diesen nicht kannte, bedauerte die Dame am Telephon, daß sie ihm nicht weiterhelfen konnte.
- „Aber Sie werden doch nicht gleich mehrere Krankenschwestern mit dem Vornamen Ramona haben“, echauffierte sich Gangolf.
Die Antwort kam unverblümt: „Das nicht, aber auch mit vollständigem Namen dürfte ich Ihnen da keine Auskunft erteilen, aus Datenschutzgründen.“

Gangolf bedankte sich kurz und legte frustriert auf. Er mußte diese Frau wieder sehen. Freilich war ihm klar, daß er sie erst einmal wiederfinden müsse. ‚Sollte er sich vor dem Krankenhaus auf die Lauer legen?’, überlegte er sich kurzzeitig, doch kam ihm das doch zu blöd vor. Er beschloß vielmehr, an den beiden verbleibenden Sonntagen vor der Urlaubsreise in die katholische Kirche zu gehen; er gab vor, weiterhin durch seinen Beinbruch am Orgelspielen gehindert zu sein, um auf diese Weise die Sonntagvormittage frei zu haben.

Als Gangolf am folgenden Sonntag die katholische Kirche in Lüggen betrat, sah er Ramona nicht. Er setzte sich ganz hinten in die letzte Kirchenbankreihe, um alle Kirchenbesucher im Auge zu haben; Ranoma kam auch nicht später im Laufe der Messe herein. Nach der Messe standen einzelne Gottesdienstbesucher in kleinen Gruppen vor der Kirche zusammen; Gangolf nahm seinen ganzen Mut zusammen, trat hinzu und erkundigte sich nach einer Krankenschwester Ramona. Doch niemand wußte von ihr. Bodenlos ent­täuscht wandte er sich um und lenkte seine Schritte zu Magdas nahe gelegenem Haus.

Am Tag darauf rief Gangolf sogar im katholischen Pfarrbüro an und erkundigte sich nach einer Krankenschwester Ramona; er habe sie einmal vor ein paar Wochen in der Messe erlebt, als ein sehr alter Geistlicher gepredigt habe. Die Pfarrsekretärin gab ihm den gutgemeinten Hinweis, sich bei den Krankenhäusern zu erkundigen, sie kenne kaum einen Namen von den Gottesdienstbesuchern.

Noch einmal versuchte Gangolf sein Glück in der katholischen Kirche; an dem darauffolgenden Sonntag stand er sehr früh auf, um sein Reisegepäck zusammenzurichten. Glück­licherweise mußte er erstmals für eine Motorradreise nicht am Gepäck knausern, denn das würde im Begleitfahrzeug mitgenommen werden. Gangolf gestand sich ein, daß dies der eigentliche Grund war, daß er sich auf die Vielweiberei eingelassen hatte. Ihn nervte schon immer, daß er sich für eine mehrtägige Motorradfahrt bei der Gepäckmitnahme sehr einschränken mußte.

In der Kirche erlebte Gangolf die gleiche Enttäuschung wie am Sonntag zuvor. Von seiner angebeteten Ramona gab es keine Spur. Er ertappte sich dabei, daß seine Gedanken zu den vielen Frauen abschweiften, die er in den vergangenen Wochen kennengelernt hatte. Sein ganzes Leben hatte er noch nie so viele kennengelernt, zumindest nicht in dem kurzen Zeitraum, und auch noch nie so intensiv:

Da war zunächst Martina, die >wilde Fegerin<, wie sich diese in der Annonce der Motorradzeitschrift selbst nannte. Dann ihre lesbische Freundin Bettina, die Pfarrerin, die Gan­golf unabhängig von Martina bereits aufgrund seines Orgelspielens kennengelernt hatte. Dann kam die Magda hinzu, die Bekannte der beiden Frauen, die devote Sklavin der Her­rin Martina. ‚Ein ganz absonderliches Dreigestirn, diese drei Weiber’, dachte sich Gangolf, ‚und mit denen soll ich jetzt nach Italien fahren, ein Wahnsinn.’

Dann kam Gangolf wieder Ramona in den Sinn, die junge Frau mit den langen blonden Haaren, die ihn unvermittelt in der Kirchenbank, während der Predigt, einen Kuß gab, als der alte Prediger dazu aufforderte, ein Zeichen der Liebe zu setzen. Und diese Ramona konnte er nicht mehr treffen; Gangolf war ganz untröstlich.

Gleich darauf erinnerte sich Gangolf an die Verkäuferin Birgit in Berlin, die ihm, beziehungsweise Magda, die gesamte Ausrüstung für das Motorradfahren verkaufte. Den alten Drachen, den er vor dem evangelischen Pfarrhaus in Lüggen nötigen mußte, nochmals aufzusperren und Bettina anzurufen, verdrängte er sofort wieder aus dem Gedächtnis, ebenso die kesse Polizistin, die bei seiner Festnahme in Laukuv beteiligt gewesen war und die ihn dann wieder aus der Zelle holte, um ihn freizulassen. In diesem Zusammen­hang dachte er auch an Brauses Tochter, ihm fiel ihr Name nicht mehr ein, von deren Hausdach er abgestürzt war.

Und jetzt waren da noch zwei Naturkundlerinnen auf seiner Insel; Gangolf hatte sie noch nicht kennengelernt und er wußte nur von der einen den Namen, Barbara Bär. Er war ganz im Gedanken versunken, daß er nicht mitbekam, als das Gebet nach dem Vater-Unser beendet wurde und der Ersatz-Priester zum Friedensgruß aufrief. Der Banknachbar wandte sich an ihn, um ihm die Hand zu reichen, doch Gangolf saß regungslos da, was den Nachbarn zu einem vernehmlichen Brummen veranlaßte. Dadurch aufge­schreckt erhob sich Gangolf und holte die Handlung des Friedenzeichens nach.

‚Es ist schon verrückt’, sinnierte Gangolf weiter, ‚die, die man möchte, kriegt man nicht.’ In seinem Fall waren das Ramona und Bettina; dagegen hatte er das Gefühl, Magda zu bekommen, wenn er es wirklich wollte, vielleicht sogar Martina, wenn er sich auf deren herrische Art einließe.

Nach der Messe beeilte sich Gangolf, nach Hause zu fahren, die drei Damen würden bald bei ihm aufschlagen. Zunächst brummte Martina, daß nicht ihr geliebter Lada als Urlaubskutsche genommen würde, doch sie sah schnell ein, daß Gangolfs Golf-Kombi doch wesentlich praktischer sei; Bettinas Elektrowägelchen kam von vorneherein nicht in Be­tracht.

Als sie alles in Gangolfs Auto verstaut hatten, ernannte sich Martina als erste der drei Frauen, die als Sozia auf dem Motorrad mitfahren würde. Ihre textile Motorradkleidung unterschied sich deutlich von Gangolfs neuer Lederkombi, Gangolf freute sich insgeheim auf Magda, wenn diese mit ihrer neuen Lederkombi, jener Gangolfs gleich, hinten aufsteigen würde. Als erstes Ziel einigte sich die Vierergruppe auf Dresden; dort wollten sie im Elbterrassen-Restaurant ein spätes Mittagessen einnehmen.
Sie genossen beim schönsten nachmittäglichen Sonnenschein die Aussicht auf die Elbe und bestaunten dabei einige Kajakfahrer, die in der Strömung des Flusses schnell vorangetrieben wurden. Bettina erinnerte sich daran, daß Gangolf in Dresden seine Kajaks ge­kauft habe.
- „Ja, in der Prager Straße, da gibt es ein großes Outdoor-Sportgeschäft, die sind super ausgestattet mit allem“, bestätigte Gangolf.
- „Laßt uns da hingehen, wir haben doch noch Zeit“, schlug Bettina vor. Martina nörgelte etwas vor sich hin in Richtung Zeitverschwendung, Magda sagte dazu natürlich gar nichts, so daß Gangolf entschied:
- „Ja, das ist gar nicht so weit weg.“

Auf dem weitschweifigen Zwinger-Gelände bestaunte Magda die Wasserspiele, sie träumte davon, als Nixe in den Becken unterzutauchen. Als sie auf dem heißen Pflaster der Dresdener Innenstadt weiterschritten, bemerkte sie rasch ihr Durstgefühl, denn sie hatte nur ein kleines Glas Wasser zum Essen getrunken. Wieder kamen ihr die armen Kinder in Afrika in den Sinn, für welche sie Brunnen graben wollte.

In dem großen Sportgeschäft bestaunten die drei Frauen das riesige Wasserbecken im Obergeschoß des Geschäftes, in welchem Boote ausprobiert werden konnten. Gangolf kannte die Einrichtung bereits, doch auch ihn faszinierten bei jedem Besuch die Vielfalt an dem Angebot, das er hier vorfand. Bettina hegte bereits bei der Abfahrt aus Wesserbarg den Wunsch, sich hier einen Neoprenanzug zu beschaffen, denn sie wollte trotz ihres Mißgeschicks wieder einmal mit Gangolf Kajakfahren. Da die Witterung nach Rück­kehr von ihrem Urlaub deutlich kühler würde, wollte sie, so sehr sie das Feuchte untenherum durchaus erregend empfand, nun doch wärme- und wassergeschützt in der Schale sitzen.
Ein eifriger Verkäufer reichte ihr verschiedene Anzüge; als sie jeweils mit einem bekleidet aus der Umkleide heraustrat, präsentierte sie sich den Wartenden mit einem strah­lenden Lächeln und streifte dabei kleine Falten auf der glänzenden Oberfläche glatt. Sie sah bezaubernd in dem enganliegenden Neoprenstoff aus, Gangolf mußte an sich halten, sie nicht zu umarmen und kräftig an sich zu drücken.

Martina nörgelte wieder herum, daß man nun auch noch dieses in ihren Augen unnütze Kleidungsstück spazierenfahren müsse, doch ließ man ihre Nörglerei unkommentiert und ignorierte sie auf diese Weise.
Auf dem Rückweg zum Auto erkannte Gangolf schon von Weitem den Strafzettel, der unter dem Scheibenwischer seines Golfs hing. Schuldbewußt näselte Bettina, daß kein anderer Parkplatz frei gewesen sei und sie sich deshalb in das Parkverbot stellen mußten. Martina setzte ein hämisches Grinsen auf und dachte sich dabei: ‚Wie gut, daß ich nicht am Steuer saß und jetzt Bettina schuld ist.’

Reichlich dem Alkohol zugesprochen beschloß Martina, daß nun Magda sich als Sozia bewähren sollte. Diese schlüpfte widerspruchslos in ihre Motorradkombi und stapfte neben Gangolf zu dessen Motorrad. Zunächst hatte sie wieder Mühe, den hohen Soziussitz zu erglimmen, doch gelang es ihr, im Vergleich zur ersten Ausfahrt ziemlich unver­krampft hinten aufzusitzen.

Gangolf wollte nicht auf der Autobahn zu dem Vorort nördlich von Prag fahren, sondern im Elbetal die Sächsische Schweiz durchqueren. Bettina und Martina fuhren dagegen wieder auf die Autobahn und steuerten auf kurzem Weg das von Bettina auserkorene Nacht­lager in einem kleinen Hotel an.

Als Gangolf mit Magda die tschechische Grenze passiert hatten, mußte er sich auf den Straßenverlauf konzentrieren; wie beim Autofahren lehnte er erst recht beim Motorradfahren die elektronischen Navigationshilfen ab; „ich bin hier doch nicht mit einem Schiff unterwegs, das man navigieren muß“, pflegte er sich zu entrüsten, wenn ihn jemand diesbezüglich ansprach.

Gangolf verspürte mit jedem Kilometer, wie Magda hinter ihm entspannter wurde; diese genoß das schwingende Fahren durch die weiten Kurven in dem Elbetal. Als sie gegenüber des berühmten Basteifelsens angekommen waren, blieben sie am Straßenrand ste­hen und bewunderten aus der Ferne dieses Naturmonument. Wäre es nach Gangolf ge­gangen, hätten sie hier irgendwo übernachtet und hätten den Nachmittag und Abend da­mit verbracht, mit der rein von der Strömung ohne Motor angetriebenen Fähre auf das andere Elbufer zu gelangen und von dort aus zu der Felsengruppe hinaufzusteigen. Er kannte von früheren Besuchen das gigantische Naturschauspiel, wenn zwischen den Fel­sensäulen die Sonne untergeht; die Felsenformationen wurden dabei in ein bezauberndes Licht gesetzt, das nur wenige Minuten währte.

Bettina und Martina lagen sich bereits stundenlang in den Armen, als Magda und Gangolf endlich an der Herberge angekommen waren. Martina zürnte Bettina, daß diese ein ihrer Meinung nach viel zu kleines Doppelzimmer auserwählt hatte, doch Bettina wies die Anschuldigung zurück, daß man die Größe der Zimmer im Internet nicht ersehen konnte und daß das Zimmer für eine Nacht wohl immer geräumig genug wäre. Martina meinte natürlich, daß sich Magda in Ermangelung eines Sofas auf den Boden legen müßte, doch Bettina und Gangolf widersprachen ihr.
- „Laß’ doch wenigstens am ersten Urlaubstag `mal Magda in Ruhe“, forderte Bettina, „die ist jetzt sicher müde von der anstrengenden Motorradfahrt!“

Nachdem sich alle vier frisch gemacht hatten, setzte sich Gangolf an das Steuer und fuhr mit seinen drei Damen in die Prager Innenstadt. Sie überlegten kurz, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, doch lag ihre Unterkunft außerhalb des Straßenbahnnetzes. In Prag lenkten sie ihre Schritte zur Karlsbrücke, über welcher sie gemächlich schlenderten. Von der Burg ließen sie ihre Blicke auf die Stadt hinunterschweifen, im Abendlicht strahlte die vielhunderttürmige Stadt ihnen entgegen.

Gangolf mußte sich schwer konzentrieren, wieder zum Auto zu finden, nachdem sie auf verschlungenen Wegen durch die Altstadt gekreutzt und dabei mehrfach eingekehrt waren. Martina war bereits ziemlich abgefüllt, auch Bettina war nicht mehr ganz nüchtern, während Gangolf es bei einem Glas Bier beließ. Magda trank, wie gewöhnlich, gar kein alkoholhaltiges Getränk. In dem Hotel zurückgekehrt ließ Martina es widerstandslos gewähren, daß Magda mit auf das Zimmer von Gangolf ging. Dieser betrachtete Magdas schlanken Kör­per, bemerkte auf ihm nicht nur die bereits ziemlich verblaßten Striemen auf ihrem Rü­cken, sondern auch sondern auch Rötungen entlang des Keuschheitsgürtels, insbesondere im Taillenbe­reich.

Am nächsten Morgen sprach Gangolf das Thema Keuschheitsgürtel an und bestand darauf, daß diese entfernt werden müßten, da sie zumindest bei Magda zu deutlichem Wundreiben führten bei einer längeren Fahrt auf dem Motorrad. Martina widersprach natürlich, doch sie konnte der Argumentation nicht viel entgegensetzten, als sie selber bis­lang nur relativ kurz mitgefahren war. Gangolf sprach auch das Verletzungsrisiko an, das bei einem ohnehin schon ausreichend gefährlichen Sturz hinzukäme. Um der Debatte ein Ende zu bereiten, entschied er kurzerhand, daß er niemanden mehr mit Gürtel mitnähme, gleich wen, gleich wie lange, und daß die vom Manne ausgehende Gefahr während des Motorradfahrens wohl sehr gering sei.

Als Martina hinter Gangolf aufsitzte, konnte Gangolf durch ihre dicke Textilkleidung nicht spüren, ob sie ihren Keuschheitsgürtel trug oder nicht, es war ihm bei ihr auch gleichgültig, er wollte mit seiner Anordnung nur erreichen, daß Magda von dem Gürtel befreit würde. Das nächste Etappenziel war Wien, auch hier hatte Bettina ein kleines Hotel als Unterkunft gebucht.

Bettina fragte Magda, wie es für sie war, die lange Strecke von Dresden bis Prag auf dem Motorrad mitzufahren. Magda fiel es zunächst schwer, darüber zu sprechen. Das Thema Motorradfahren als Sozia ist im Allgemeinen eine gefühlsbetonte Angelegenheit und in ihrem Fall eine ganz besondere, da ihre ausgesprochen devote Grundhaltung die Zusammenhänge von sinnlicher Wahrnehmung, körperlicher Anstrengung, verminderte bis gar nicht gegebener Kommunikationsmöglichkeit und grenzenlosem Vertrauen in einem extrem gefühlsbetonten Licht erscheinen läßt.

Bettina faßte es in einem Wort zusammen: „Es war also einfach geil?!“
Nach dieser abschließenden Bemerkung, Frage und Antwort zugleich, schwiegen die beiden jungen Frauen eine Weile. Magda betrachtete die vorbeiziehende Natur, Bettina konzentrierte sich auf den Verkehr.
Irgendwann brach Bettina das Schweigen: „Meinst du, Gangi würde mich auch einmal mitnehmen?“
Von dieser Frage überrascht drehte sich Magda zu Bettina, diese konnte ihren Blick aufgrund des Verkehrsgeschehens nicht erwidern.
- „Ja freilich, wieso denn nicht“, gab Magda zur Antwort, „mich hatte er ja auch mitgenommen und auch Martina.“
- „Die vor allem, die hatte damit angefangen, sie sprach schon immer davon, daß sie gern wieder `mal Motorradfahren wollte. Aber ehrlich gesagt, hab’ ich schon ein bissel Schiß“, bekannte Bettina.
- „Wovor jetzt?“, fragte Magda nach.
- „Na ja, wenn das so schnell durch die Kurven geht und man kann nichts machen, als sich irgendwie festhalten.“

Bettina mußte sich eingestehen, daß sie bei dem Gedanken daran, auch einmal mitzufahren, und vor allem dabei, wie sie diese Gedanken zur Sprache brachte, eine Erregung empfand, die sich mehr und mehr zu einer Begierde steigerte, zu dem unbedingten Wunsch, wenigstens einmal dieses für sie bislang gänzlich unbekannte Gefühl der Stimu­lation durch vertrauensvolle Hingabe, körperliche Anstrengung und Gefahrbewußtseins zu erleben.
- „Nimm’ doch einfach meine Lederkombi, die wird dir schon passen, darin wirst du dich ganz wohl fühlen, da spürt man nicht den Wind so und es fühlt sich ganz gut an, das ist echt ganz toll damit“, entgegnete Magda.

- „Kannst du Gedanken lesen?“
- „Äh – nein, aber du kannst Gangi voll vertrauen, der fährt am Anfang erst einmal so ganz vorsichtig, ich hab’ mich dann erst daran gewöhnt, wenn man dann so weit oben auf dem Sitz hinten sitzt, ein irres Gefühl!“

Was Bettina nicht dachte: Auch Gangolf konnte Gedanken lesen; dieser träumte schon seit langer Zeit davon, mit ihr Motorrad zu fahren, mit ihr, der intellektuellen Pfarrerin, die sich am Tag zuvor einen Neoprenanzug gekauft hatte.

Doch zu einer gemeinsamen Bootstour sollte es nicht mehr kommen.

Der Besuch in der Wiener Innenstadt lief ähnlich ab wie jener von Prag allein mit dem Unterschied, daß sie mit einem Vorortzug bis zum Franz-Josef-Bahnhof fuhren. Wieder war Martina dermaßen abgefüllt, daß sie nicht mehr nach Magda begehrte, unfähig, eine sie erregende sadistische Handlung an dieser auszuführen.

Gangolf räkelte sich genüßlich im Bett, Magda schlief bereits neben ihm. Seine Gedanken kreisten um seine Insel, ob die beiden Naturforscherinnen wohl immer noch in ihrem kleinen Zelt sich aneinanderkuschelten. Ihm kam indes nicht im Entferntesten in den Sinn, daß die beiden jungen Frauen bei ihrer Naturerkundung eine ganz und gar unnatürliche Entdeckung machten könnten.


Liebe Leser,
erlaubt mir hier noch eine kleine Anmerkung: Die Moderatoren teilten mir mit, daß ab dem heutigen 1. April die Forum-Regeln dahingehend geändert worden sind, daß jeder Beitrag in Form einer "Story" mit Kommentaren beantwortet werden müßte, seien diese positiv oder auch negativ, denn nur so könnte der Charakter eines "Forums" gewahrt bleiben! Also gebt auch meiner "Story" ab und zu ein paar Zeilen eines Kommentars, nicht daß am Ende diese Geschichte mangels Resonanz gesperrt würde; nun je, die Coroana-Regeln verflachen ab morgen, auf der anderen Seite werden die Forum-Regeln ab dem 1. April verschärft...

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:02.04.22 00:24 IP: gespeichert Moderator melden



Zitat

Liebe Leser, erlaubt mir hier noch eine kleine Anmerkung: Die Moderatoren teilten mir mit, daß ab dem heutigen 1. April die Forum-Regeln dahingehend geändert worden sind, daß jeder Beitrag in Form einer \"Story\" mit Kommentaren beantwortet werden müßte, seien diese positiv oder auch negativ, denn nur so könnte der Charakter eines \"Forums\" gewahrt bleiben! Also gebt auch meiner \"Story\" ab und zu ein paar Zeilen eines Kommentars, nicht daß am Ende diese Geschichte mangels Resonanz gesperrt würde; nun je, die Coroana-Regeln verflachen ab morgen, auf der anderen Seite werden die Forum-Regeln ab dem 1. April verschärft...


Schade, dass der 1. schon vorbei ist, allerdings wusste ich nicht, dass die verflachten Corona Regeln ein Aprilscherz sind.
Na ja, das hätte man ersten können. Der neue Kanzler scheint ja doch Humor zu haben.

Oder stimmt am Ende doch alles? Ein Gesundheitsminister, der Maske predigt und dann so einem Beschluss zustimmt? Zu, nichts als Satire…

Wie klar sind da die Verhältnisse in und um Lüggen, dem echten Leben. Oder verwechsle ich da was?

Ihr_joe
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:02.04.22 10:36 IP: gespeichert Moderator melden


Kommentar, begeisterter.
Etwas off-topic:
Wenn es um die Einhaltung von sinnlosen bis sinnbefreiten Regeln geht, leben wir im richtigen Land.
Ich stelle mir gerade vor, wie 80+ Mio. Menschen an einem Novembertag um 02:37 morgens an einer einsamen Straße vor der roten Fußgängerampel im Nieselregen bei 4,7 Grad stehen und warten.
Welche Sprache sprechen diese Leute?
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Maurice80
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:02.04.22 13:38 IP: gespeichert Moderator melden


Ist man jetzt nichtmal mehr hier vor sinnlosen Coronadiskussionen sicher?

Wie immer, ein schönes Kapitel. Ich warte jeden Freitag auf die Fortsetzung. Geht zwar recht langsam vorwärts, aber ist ja auch ein Roman, keine Kurzgeschichte. Bin schon gespannt wie es an den vielen Schauplätzen weitergeht.
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:03.04.22 12:46 IP: gespeichert Moderator melden



In der Tat verfolgt uns das Coronas bis hierher, und es ist sogar die Ursache für diesen Roman: Geschüttelt von Depressionswellen gelang es mir im "Home office" nicht, mich auf eine "vernünftige" Arbeit zu konzentrieren, indes beflügelte mich der Masken-Masochismus zu der Phantasie, wie sich das Virus bis in zehn Jahren, dem Jahr 2030, mutieren könnte; zugegebenermaßen ist der Fortgang der Geschichte "recht langsam", immerhin scheint mir die wöchentliche Fortsetzung schier einzigartig, und so dürfen wir gespannt bleiben, wie es Woche für Woche, Monat für Monat, - Jahr für Jahr? weitergehen wird, den Anfang kennen wir jetzt, das Geschehen verläßt die "klaren Verhältnisse in und um Lüggen" !
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:08.04.22 22:46 IP: gespeichert Moderator melden


Liebe Lesefreunde,
in dieser Folge kommt erstmals ein Dialekt in's Spiel: Die Urlauber haben ihr mitteldeutsches Städtchen verlassen, wo man einigermaßen verständliches Hochdeutsch spricht. Für Euch wird es jetzt schwieriger, dem Wortlaut der beteiligten Österreicher zu lesen und zu verstehen, denn es gibt kaum die Möglichkeit, die Lautfärbung des hellen a und des dunklen a in der Schrift wiederzugeben, indes ist diese Unterscheidung äußerst wichtig, um die Bedeutung des Gesprochenen zu verinnerlichen.

Gebt mir Euere Rückmeldung, wie Ihr damit zurechtgekommen seid, ob ich das so weiter schreiben kann, oder ob ich mir eine Art Übersetzung einfallen lassen muß, um den Lesefluß nicht zu sehr zu stören!



48

Am nächsten Morgen schliefen sich die Vier alle lange aus, erst kurz vor halb zehn Uhr trafen sie sich zum Frühstück. Die Küchenhilfen waren nicht begeistert, als jene erst so spät zum Essen herunterkamen, kurz vor Torschluß, denn um 10 Uhr wollten sie abräumen, doch war ihnen bereits jetzt klar, daß sie den Gästen kaum die Teller während des Abbeißens wegziehen konnten. Die vier späten Hotelgäste ließen sich bewußt Zeit, denn ihr nächstes Reiseziel war das verhältnismäßig nahe gelegene Graz. Gangolf wollte dort übernachten, er liebte die kleine Pension im Grazer Vorort Sankt Peter. Als er dort anrief, waren die Wirtsleute erfreut, ihn wieder einmal ihn zu beherbergen.

Martina war immer noch etwas geschwächt und verzichtete deshalb gerne auf den Sozia-Platz zugunsten Bettina. Sie brummte zwar etwas in der Richtung, daß doch alle drei im Auto fahren könnten und daß Gangolf sicherlich auch einmal wieder allein auf dem Motorrad säße, der Hintergrund lag indes darin, daß sie nun selbst fahren müsse. Bettina kam mit auf Gangolfs und Magdas Zimmer und borgte sich Magdas Lederkombi aus. Bei­de halfen ihr in das Leder, Gangolf bemerkte wohlwollend, daß sie nicht begürtelt war.

‚Wenigstens hier respektieren sie meine Forderung’, dachte sich Gangolf, ‚und lassen den blöden Gürtel weg, ist denn das wirklich so geil, ständig mit dem Eisen zwischen den Beinen herumzulaufen?’

Bettina und Gangolf verstauten ihr Gepäck in dem Auto und verabschiedeten sich von Martina und Magda. Wie beim ersten Mal, als Magda erstmals versuchte, auf das Motorrad zu steigen, hatte nun Bettina ähnliche Probleme. Wieder ließ sich Gangolf alle Zeit der Welt, um bloß die ohnehin bestehende Aufregung nicht durch Drängen zu erhöhen.
Langsam setzte sich die Yamaha in Bewegung, der träge Innenstadtverkehr nötigte zu ständigem Anfahren und Anhalten. Nach wenigen Minuten ließ sich Bettina hingebungsvoll auf Gangolf rutschen, sie genoß die Berührung ihrer Brüste mit Gangolfs Rücken, und sie stellte sich vor, wie es wäre, wenn sich ihre beiden Körperteile ohne das umhüllende Leder berührten.

Schweigend lenkte Martina den Wagen auf die Autobahn, auch Magda schwieg, wie sie es von Natur aus tat. Bereits nach etwa einer Viertel Stunde steuerte Martina einen Autobahnparkplatz an. Beim Einbiegen erblickte sie ein dunkelblaues Polizeifahrzeug, das in einer Parkbucht neben einigen anderen Autos stand. Martina dachte sich dabei nichts weiter, hielt an und forderte Magda auf, auszusteigen. Es ging ihr gewaltig gegen die Hutschnur, daß diese neben ihr auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Beim Wegfahren an diesem Vormittag vor dem Hotel in Wien wollte sie bei der Anwesenheit der anderen beiden keine Szene machen, doch jetzt reichte es ihr.

‚Es kann nicht sein, daß die frech sich ungefragt neben mich gesetzt hat’, empörte sich Martina innerlich, ‚sonst sitzt sie auch immer hinten.’
Sie überlegte, ob sie den Kofferraum ausräumen sollte, um ihrer Sklavin einen adäquaten Transportraum zukommen zu lassen, doch schien ihr der Aufwand der Umladerei der vielen Gepäckstücke auf die Rückbank zu umständlich. In ihr erwachte eine unerklärliche Ungeduld, sie wollte jetzt so schnell als möglich Magda dominieren. Als sie die Heckklap­pe zuschlug, kam ihr die Idee, den Beifahrersitz ganz nach hinten zu verschieben, um davor einen großen Bereich in dem Fußraum zu gewinnen. Magda begriff den Sinn der Anweisung nicht, gehorchte indes, sprang auf den Sitz, zog an den Verstellhebel und drückte sich mit dem Sitz zurück.
- "Wieder ausgestiegen", befahl Bettina, "unten hinzusetzen"; auch diesen Be­fehl verstand Magda nicht und so setzte sich diese einfach wieder auf den Beifahrersitz und ließ ihre Beine in die Weite des Fußraums baumeln.
- „Doch nicht auf den Sitz“, herrschte Martina sie an, „hock’ dich davor auf den Boden!“

Jetzt begriff Magda und rutschte hurtig von dem Sitz in den Fußraum hinunter. Sie winkelte ihre Beine an, so daß die Knie zwischen Oberkörper und Handschuhfach eingeklemmt wurden, ihre Hände hielt sie vor die Unterschenkel. Als ihre linke Hand die elektro­nische Fußfessel berührte, lief ihr ein Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, daß sie immer noch als Überwachte galt, die sich zwar nun im gesamten Landkreis Damisch-Schleewald aufhalten durfte, indes längst nicht darüber hinaus, gar in das Ausland fah­ren.

Wie berechtigt ihre plötzlich auftretenden Bedenken waren, sollte sie und ihre Begleiter in wenigen Tagen erfahren.

Als Magda in dem Fußraum verstaut war, schlug Martina die Beifahrertür zu und lief um das Auto herum, um am Steuer Platz zu nehmen. Währenddessen kam das Polizeiauto herangefahren und die beiden Beamten schauten ungläubig aus dem Fenster.
- „Host du die zwoa junga Frau’n g’seng, die da g’rad vor dem Karr’n g’standen san, wo is’n die oane hi, die is doch niat fuat, ejtz siach is nimma!“
- „Jo, host recht, komisch, und ejtz fohrt die davoh wia a Henker!“, pflichtete der andere seinem Kollegen bei.

Tatsächlich trat Martina auf’s Gaspedal und donnerte mit aufheulendem Motor aus dem Parkplatz.
- „Do stimmt was net, kumm, dene foah ma nachah.“
- „Jo, wannst moanst, die andan do hom eh oj ihr Picherl, ajso, foah los!“

Martina hielt sich einigermaßen genau an die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Österreichs Autobahnen, denn sie fürchtete die drakonischen Strafen, die bei Übertretung drohten und welche ohne weiteres an Ort und Stelle abkassiert wurden. Als es leicht bergab ging, legte sie den Leerlauf ein, hob den rechten Fuß, zog ihn in die Höhe, drückte sich im Sitz ganz nach links, so daß linke Schulter und Ellenbogen an der Tür zu liegen kamen, und drückte ihren Stiefel auf Magdas Schulter. Diese war von dem Tritt vollkommen überrascht, sie war fast blind, da sie außer dem wenige Zentimeter entfernten Armatu­renbrett nichts weiter vor Augen hatte. Mit einem kurzen Aufschrei rollte sie zur rechten Seite, ihr Kopf schlug auf die Beifahrertür, bevor sie mit der rechten Schulter den Stoß abfangen konnte.

Der kleine Aufschrei erfreute Martina sehr und sie bedauerte, daß die Bergabfahrt schon wieder vorbei war und die Fahrt immer langsamer wurde. Rasch hob sie das Bein zurück und gab wieder Gas. Die in diesem Augenblick an ihr vorbeifahrenden Polizisten betrachteten erstaunt dieses Spektakel, das sie bislang noch nie gesehen hatten.

- „Host des g’seng, die spinnt doch total“, erregte sich der fahrende Beamte und der beifahrende pflichtete ihm bei:
- „Die ander hockt unt’ vor’m Sietz, foah virah, na hojt i d’Kei­jn assa, dej halt’ ma ah!“

- „Jo sats dez total deppert, wiaso hockers Eahna am Bohn hi, wou da Sietz lahr is!“, schimpften die Beamten in dieser Weise abwechselnd, als sie Martina zum Anhalten auf den Seitenstreifen nötigten. Martina und Magda steckten in größten Erklärungsnöten: Als die Gendarmen dann auch noch das Metall von Bettinas Keuschheitsgürtel aufblitzen sahen, den Martina zu oberst in den Rucksack gelegt hatte, ohne diesen fest verschloßen zu haben, brach das Weltbild der beiden österreichischen Ordnungshüter vollends zusammen.

- „Wos hom’s denn do,“ wunderte sich der eine und zog den Chasti hervor, „schau’ amol, host des scho g’seng?“
- „Naa, wos is `n des“, entgegnete der andere und betrachtete kopfschüttelnd das Teil, das ihm sein Kollege vor die Nase hielt.

Martina kam mit einer saftigen Geldstrafe davon, sie mußte sich zu dem Fundstück nicht äußern, man gab ihr und Magda zur strengen Auflage, daß sich diese von nun ab anständig auf einen der Sitze setzen müßte, und gab die Mahnung mit, sich anzuschnallen. Die beiden Damen beteuerten, der Aufforderung nachzukommen; Martinas Übermut war empfindlich gedämpft, Magda setzte sich brav auf die Rückbank, und schweigend verbrachten sie die gesamte Fahrt bis zu ihrer Ankunft in Graz.

Die Herberge lag auf einem kleinen Hügel, über eine längere Stiege erreichten Martina und Magda das Haus. Nachdem sie von der Wirtin den Schlüssel ausgehändigt bekamen, stieg Martina voran, öffnete die Tür und ließ sich gleich der Länge nach auf das Bett fallen. Sie mußte Magda nicht lange anweisen, die restlichen Gepäckstücke aus dem Auto heraufzuholen; dreimal mußte Magda gehen, bis alles heraufgeschleppt war. Auch Bettinas und Gangolfs Sachen hatte sie geholt und in dem breiten, fast quadratischen Vor­raum abgestellt.

Martina war geladen. Die schmähliche Behandlung durch die Staatsmacht wollte sie nun wettmachen. Sie befahl Magda auf den Boden und fesselte diese in einen strikten Hogtie. Dann trat sie unbarmherzig mit ihren Stiefeln auf ihr wehrloses Opfer ein. Als Magda die Schmerzenslaute nicht länger unterdrücken konnte, bekam sie den verhaßten Knebel in den Mund. Martina trat hemmungslos vor Wut weiter auf Magda ein, sie reagierte sich auf diese Weise ab. Endlich konnte sie sich wieder einmal an ihrem Opfer auslassen, die nun schon seit einigen Tagen anhaltende Abstinenz ließ sie ganz unruhig werden.

Magda stöhnte in den Knebel, undefinierbare Laute lallten durch das Zimmer. Von den vorangegangenen Schmerzensrufen aufgeschreckt sprang die Hotelchefin die Stiege herauf und hielt in dem Vorraum inne. Hier vernahm sie die knebelunterdrückten Laute, trat zu der Tür heran, die zu Martinas und Magdas Zimmer führte. Nachdem sie nochmals kurz gelauscht hatte, nahm sie ihren Mut zusammen und rief:

- „Gibt’s da a Problem, brauchen’S Hilfe?“
Martina wollte soeben wieder zu einem kräftigen Tritt ausholen, setzte aber den Stiefel wieder auf den Boden zurück und rief:
- „Alles in Ordnung, danke!“

‚Verdammt, das war knapp’, überlegte sich Martina, vergewisserte sich, ob sie die Tür wirklich zugesperrt hatte, und fläzte sich auf das Bett. Erfreut stellte sie fest, daß das Oberteil und das Unterteil aus Sprossen bestand, an denen sich in idealer Weise Seile anbringen ließen. Sie faßte den Beschluß, die Nacht mit Magda zu verbringen; Bettina sei schließlich selbst schuld daran gewesen, indem sie mit Gangolf Motorrad fahren wollte, jetzt müsse sie sehen, wie sie mit ihm in der Nacht zurecht kommen würde.

Gangolf genoß die Fahrt mit Bettina und umgekehrt. Sie blieben immer wieder stehen, sei es, um in einer Ortschaft einen Kaffee zu trinken, sei es, sich in einer gemähten Wiese zu räkeln. Eines wurde Gangolf indes sofort klar: Bei Bettina gab es eine Grenze, Bettina konnte sich beherrschen, sie zeigte ihre Freude verbal, maximal durch kurze Umarmungen. Die Lippen der beiden fanden sich nicht.

Einmal überwand sich Gangolf, schlich sich an die im Gras liegende Bettina heran und ergriff ihre Fußknöchel. Bettina ließ ihn gewähren und hielt ihre Beine steif durchgespannt. Gangolf drückte ihre Fußsohlen auf seinen Brustbereich und stützte sich auf diese ab. Er streckte seine Arme weit seitlich von sich, Bettina sah sich gezwungen, das Gewicht seines Oberkörpers, welcher über ihr schwebte, abzustemmen. Nach etwa einer Minute wurde es ihr zu anstrengend, sie winkelte die Knie an, Gangolf schwebte daraufhin nach unten, auf ihren Körper zu. Sie hob ihre Arme als Abwehrreaktion, im gleichen Augenblick setze Gangolf seine Beine nach vorn und fing damit den drohenden Niederfall ab. Beide lächelten sich an und be­stiegen schließlich das Motorrad.

Am Nachmittag erreichte Gangolf und Bettina das Ziel. Gangolf empfand es ungewohnt angenehm, einfach abzusteigen, ohne anschließend das Gepäck zu entzurren, sondern vielmehr ganz entspannt mit dem Helm in der Hand die Stufen zu der Herberge hinaufzusteigen, ganz >cool< und lässig, mit einer jungen Frau im Schlepptau.
- „Aha, Sie sind die Eheleute Stumpf“, wurden sie von der Herbergs-Chefin begrüßt, „Herzlich willkommen, Sie waren ja schon öfter bei uns, Herr Stumpf, und jetzt freu’ ich mich, ihre Frau Gemahlin kennenzulernen.“
Sie reichte den beiden die Hand und Bettina spürte, wie ihr schon wieder das Blut in das Gesicht schoß.

- „Ich hoffe, Sie hatten eine gute Reise“, fuhr die Wirtin fort, „das Wetter ist ja ideal für das Motorradfahren, kann ich mir vorstellen. Ihre Urlaubsbegleitung, die beiden Damen sind schon auf ihrem Zimmer oben, schauen’S, hier hab’S an Schlüssel füas 22er, as Zimmer is gleich danehm, die ham as 21er. Sie kennen Eahna ja aus!“

Nachdem sich Gangolf in dem Meldezettel eingetragen hatte und das Kreuzchen >mit Ehegatte/Ehegattin< gesetzt hatte, erhielt er den Schlüssel für das Zimmer. Um das Schauspiel zu perfektionieren, gab sich Bettina einen Ruck und hakte sich Gangolf unter. Gemächlich stiegen sie die Treppe hinauf, darauf bedacht, ihre Helme nicht an die Wand beziehungsweise an das Stiegengeländer anschlagen zu lassen.

- „Wir sind da!“, rief Bettina frohgemut in Richtung Zimmer 21, während Gangolf die Tür zum 22er aufsperrte. Martina fluchte innerlich:
‚Was machen die denn schon da, ich dachte, die würden erst gegen Abend hier auftauchen, verdammt, wohin so schnell mit ihr.’
Martina beschloß, erst einmal mucksmäuschenstill zu verharren, auch Magda gab keinen Laut von sich.

Bettina sagte zu Gangolf: „Die beiden sind wahrscheinlich ein bißchen `rausgegangen, vielleicht sitzen sie unten auf der breiten Terrasse.“
Gangolf hielt das zwar für unwahrscheinlich, daß Martina Magda friedlich neben sich auf einer Terrasse sitzen ließe, doch er sagte erst einmal nichts darauf.
- „Ein wenig leichtsinnig ist das schon von den beiden, einfach unser Gepäck hier vor den Zimmern im Flur stehen zu lassen“, meinte Gan-golf, Bettina entgegnete:
- „Aber wir sind hier doch im gut-katholischen Land, da wird nichts gestohlen.“
- „Du meinst Sankt Peter, das hat was mit der Peterskirche in Rom zu tun.“
- „In Nürnberg gibt’s auch eine Peterskirche, die wurde vor 130 Jahr als rein evangelische Kirche gebaut.“

Die beiden schossen sich die Bälle noch eine Weile hin und her, während Martina in ihrem benachbarten Zimmer eilig Magda von den Fesseln befreite und diese anwies, sich etwas anzuziehen, damit man nicht die Abdrücke von Martinas Stiefelsohlen auf der Haut sähe. Martina verließ schließlich das Zimmer und begab sich in jenes von Bettina und Gangolf.
- „Ah, da seid ihr ja“, begrüßte Martina dieselbigen, „ich dachte, ihr kämt erst gegen Abend.“
- „Aber nein, wir wollen noch zu dem Uhrturm hoch“, entgegnete Bettina, „Gangolf weiß schon, wie man da hinkommt.“
‚Zu was für einen Uhrturm?’, dachte sich Martina abfällig und sagte: „Also mir wär’ jetzt `was zu Trinken lieber, da brauch’ ich nicht auf die Uhr zu gucken.“
‚Kulturbanause’, dachte sich Bettina und entgegnete: „Na schön, dann fahr’ ich mit Gangi allein dorthin.“
- „Ja, macht das“, entgegnete Martina, ich vergnüg’ mich ein bissel mit Magda, wir streifen ein bissel in der Gegend herum, werden schon was zu Trinken finden.“
- „Besauf’ dich nicht wieder so“, mahnte Bettina.
- „Nee, heute nich’, Magda is auch ganz k.o., wir gehen zeitig in’s Bett, vergnüg’ dich mit Gangolf, ich bleib heut’ Nacht bei Magda.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte sich Martina um und verließ das Zimmer.
- „Nun, wenn das so ist“, äußerte sich Gangolf, „dann machen wir uns erst einmal etwas frisch und dann ziehen wir los. Geh’ schon einmal vor in’s Bad, ich braus’ mich dann nach dir ab.“

Gangolf schien sich seinem Ziel näher zu kommen, Bettina auf seine Seite zu ziehen; freilich dachte er auch an die Magda, die arme Magda, der es möglicherweise nicht so gut gehen würde in dieser Nacht.

Wie recht Gangolf mit seiner Einschätzung bezüglich Magda haben sollte, so unnahbar würde sich indes Bettina ihm weiterhin zeigen.




Der nächste Freitag ist ein ganz besonderer SM-Tag geradezu biblischen Ausmaßes und somit werde ich die nächste Fortsetzung erst am Samstag bringen ...
und schreibt mir bitte, wie Ihr mit dem "Österreicher-Slang" zurechtgekommen seid!



































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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:10.04.22 00:21 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo M A G N U S,

schöne Fortsetzung; da hat Magda wohl eine eher unschöne Nacht zu erwarten.

Ich hab keine Probleme mit dem Austria-Dialekt, mit einem italienischen täte mich aber schwer.
Sarah
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M A G N U S
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:16.04.22 18:14 IP: gespeichert Moderator melden


Nachdem die überwältigende Mehrheit der Leserzuschriften keine Einwendungen erkennen ließ, weiterhin mundartliche Phrasen in den Text einzuschieben, werde ich das entsprechend pflegen; zunächst geht es nochmals kurz zurück auf die einsame Insel irgendwo in Mitteldeutschland, der aufmerksame Leser wird längst herausgefunden haben, wo die Geschichte spielt, bevor wir uns wieder der Reisegruppe zuwenden:


49

- „Was machst du denn da?“, wollte Inge wissen, als sie aus dem Zwei-Frau-Zelt hinausspähte und am anderen Ende der Lichtung ihre Kollegin Barbara erblickte, wie diese auf dem mit hohen Gräsern bewachsenen Boden herumscharrte.
- „Da war doch neulich am Abend, als wir auf die Insel gekommen waren, so ein Typ da, in der Dämmerung, als wir beinahe unser Zelt nicht mehr fanden“, rief Barbara zurück, „und der hat doch da irgend `was herumgemacht!“
- „Ach, ja, stimmt, hab’ ich schon wieder vergessen, der hat wohl bloß dort an einen Baum gemacht.“
- „So sah mir das aber nicht aus, egal, ich seh’ mich weiter um!“
- „Tu das, ich geh’ schon `mal vor!“
- „Ja, gut, ich komm’ dann nach!“

Inge zog mit ihrer Ausrüstung von dannen, während Barbara weiter in dem hohen Gras nach Spuren von dem Unbekannten suchte. Nach kurzer Zeit wurde sie fündig. Sie empfand die große Ansammlung von Laub und Geäst ungewöhnlich bis verdächtig, sie nahm ihre gummistiefelbewehrten Füße zu Hilfe und stieß auf das silbrig glänzende Aluminium. Vom Jagdfieber ergriffen fegte sie fleißig mit der Zehenkappe die Ablagerungen beiseite, bis der Deckel der Aluminiumkiste in seiner gesamten Fläche vor ihr sichtbar wurde.

‚Ein Schatz!’, durchfuhr Barbara jäh ein erster Gedanke, und sie sollte recht behalten: Sie bückte sich, tastete an dem Deckelrand herum und bald darauf erkannte sie, daß die Kiste nicht abgesperrt war. Als sie vorsichtig den Deckel öffnete, erblickte sie eine Kunststoffolie, die über den Kisteninhalt gespannt war. Neugierig zog sie die Folie beiseite und glaubte, ihren Augen nicht trauen zu können: Massenweise lagen Geldbündel säuberlich aneinandergereiht, sie füllten die Kiste zu drei Vierteln aus. Sekundenlang blickte Barbara auf den entdeckten Schatz, unfähig, einen Gedanken zu fassen. Sie setze sich in das Gras und blickte in den Himmel. Allmählich gelang es ihr, die Situation zu begreifen:

‚Aha, der Mann hat da etwas in die Kiste gelegt oder `was daraus herausgenommen, wahrscheinlich hat er irgend ein Schwarzgeld da versteckt, viel konnte er auf jeden Fall nicht weggenommen haben, sonst wäre die Kiste nicht so voll.’
Barbara bemerkte, wie ihr Herzschlag schneller ging: ‚So viel Geld auf einen Haufen hatte ich ja noch nie gesehen’, kam es ihr in den Sinn, und sie beugte sich wieder über den Kistenrand. Die Verlockung war groß.
‚Nein, das darf ich nicht machen, das gehört mir nicht’, sagte sie sich, doch dann überlegte sie sich: ‚Wenn der so blöd ist, so ein’ Haufen Geld unverschlossen in die Kiste zu legen, braucht er sich nicht wundern, wenn einmal davon `was wegkommt. Wahrscheinlich weiß der Typ gar nicht, wieviel er da genau gehortet hat, es trifft jedenfalls keinen Armen.’

Als Praktikantin verdiente sie für den Job beim Umweltamt so gut wie nichts, Barbara grübelte noch eine Weile, war hin- und hergerissen und entschloß sich schließlich zum Griff in die Schatzkiste.
‚Ein Bündel von den vielen, das merkt der doch gar nicht’, redete sie sich ein, lief mit dem Geld zum Zelt und versteckte es in den Tiefen ihres gewaltigen Trek­king-Rucksacks. Als sie die Beute gut verstaut hatte, kehrte sie zu der Kiste zurück, klappte den Deckel zu und verteilte das beiseite geräumte Laub und Geäst. Das Herumruscheln verlief nicht ganz geräuschlos, so daß Barbara Inges Kommen nicht bemerkte. Aufgeschreckt wandte sich Barbara herum, als sie wenige Schritte hinter ihr Inge durch das Gras stapfen hörte.

- „Bist du immer noch auf Schatzsuche?“, lachte Inge. Barbara blickte sie verdutzt an, jäh stach ein Gedanke durch ihren Kopf: ‚Hast du am Ende auch schon die Kiste entdeckt, aber nichts gesagt, wolltest du deine Entdeckung vor mir geheimhalten?’
Eigentlich wollte Barbara ihrer Kollegin von ihrem soeben entdeckten Fund erzählen, deren Anspielung auf die >Schatzsuche< hielt sie ab, in diesem Augenblick davon zu berichten.

Barbara ließ Inge im Unklaren: „Ach, du hattest recht, bloß so ein altes Eisenzeug, keine Ahnung, wie das da herkommt.“
Ihre Aussage war insofern nicht ganz richtig, da es sich nicht um Eisen handelte, und das Metall auch nicht alt war. Sie ahnte nicht, daß Inge neugierig geworden war. Diese überlegte sich: ‚Wie sollte ein >altes Eisenzeug< auf die einsame, fast unzugängliche Insel gelangen, und dann war da noch der Mann, den sie in der Dämmerung kaum erkennen konnten.’ Inge beschloß, vorerst ihre Gedanken für sich zu behalten.

Barbara fragte sie: „Warum bist du zurückgekommen?“
- „Was man nicht im Kopf hat, muß man in den Beinen haben“, scherzte Inge; beide holten Sachen für ihre vogelkundliche Untersuchungen aus dem Zelt und tauchten in den Dschungel ein. Auf dem beschwerlichen Pfad ging ein jeder der beiden ihren eigenen Gedanken nach:
‚Ob der Typ bald wieder einmal käme, um Geld zu holen oder zu bringen, in den Dämmerungszeiten war er jedenfalls nicht mehr da, da hätten wir ihn gesehen’, und ‚wieso hat Barbara da solange herumgemacht, ähnlich wie der Mann damals, wenn da gar nichts weiter war als irgend ein altes Eisen’.

---

Unweit ihrer schönen Herberge befand sich die Endhaltestelle der Straßenbahn. Gangolf schlug Bettina vor, mit der Bahn in die Stadt zu fahren, um dann mit der Standseilbahn auf den Schloßberg hinauf zu gelangen. Die Fahrt begann mit einer Parterre-Akrobatik: Obwohl Gangolf bereits von seinen früheren Fahren mit der Bahn wußte, wie geradezu gefährlich es sein konnte, eine >Bilettl'< aus dem in der Mitte des Wagens befindlichen Fahrkartenautomaten zu lösen, konnte er sich nur wieder wundern, was den Fahrgästen da abverlangt wurde:

Das schmalspurige Geleise brachte es mitsich, daß die Bahn durch enge Kurven fahren konnte. Wenn man vor dem Fahrkartenautomaten stand, war das eine sportliche Herausforderung. Wollte man nämlich genau in dem Moment, in welchem die Bahn durch eine der zahlreichen engen Kurven bog, mit der einen Hand den Geldbeutel halten und mit der anderen Hand Geld oder IC-Karte herausholen, konnte das zu halsbrecherischen Aktionen führen. Tatsächlich sah sich Gangolf gezwungen, seinen Beutel rasch auf den Automaten abzulegen, um sich mit der linken Hand an einer Stange festzuhalten, während er mit der rechten Hand den PIN-Code einzugeben versuchte.
Bei der Eingabe mußte sich Gangolf ziemlich weit nach unten beugen, um das schmale schwach beleuchtete LCD-Display zu betrachten; laut knirschend rieben sich die Räder in der Kurve, der Wagen knarzte, das Vibrieren und Ruckeln führte dazu, daß er sich prompt vertippte.

- "Wie sollen das alte Leute machen", fluchte Gangolf vernehmlich, während er sich breitbeinig vor dem Kasten abstemmte und sein gebeugter Oberkörper unkontrolliert im Rhythmus der seitlichen Wagenbewegungen hin- und herschwang. Kaum war die Kurvenfahrt beendet, hielt der Wagen mit einem kräftigen Ruck an. Doch Gangolf freute sich zu früh, daß jetzt die Gelegenheit gekommen wäre, den Bezahlvorgang durchzuführen: Heerscharen von Passagieren stürmten das Straßenbahnwägelchen, es herrschte ein wildes Gedränge in dem schmalen Gang. Gangolf bemerkte, daß einige direkt hinter ihm standen, welche offenbar gleichfalls einen Fahrschein lösen wollten.

-"Jo san'S denn no net bojd fiati", drängte ihn jemand, was indes nicht dazu beitrug, Gangolfs Handlung zu beschleunigen, im Gegenteil.
Ein anderer mischte sich ein: "Kannst net woat'n, siagst doch, machst'n blouß ganz nervös!"

Endlich meldete das schwer lesbare Display den erfolgreich abgeschlossenen Bezahlvorgang, der Kasten knarzte vernehmlich. Gerade als Gangolf in die Hocke gehen wollte, um die tief angebrachte Klappe zu öffnen, hinter welcher die erhoffte Beute in Form eines schmalen Papierstreifens auf die Entnahme wartete, gab es wieder einen starken Ruck, welcher die Weiterfahrt der Bahn ankündigte. Erneut sah sich Gangolf genötigt, sich hur­tig an der nächstbesten Stange anzuklammern, immerhin gelang es ihm auf Anhieb, die Biletteln herauszufischen. Erleichtert hob sich Gangolf zu seiner vollen Körpergröße em­por und stellte dabei fest, daß er über die meisten anderen Fahrgäste hinwegblicken konnte. Eigentlich empfand er sich selber gar nicht so groß, erst bei solchem Nebenein­anderstehen wurde ihm der Unterschied bewußt.

Nun galt es, sich einen Pfad durch die dichtstehenden Fahrgästen zu bahnen, um an den Entwerter zu gelangen.
'Eigentlich blöd', dachte sich Gangolf, 'zuerst muß man bezahlen, dann entwerten, alles sozusagen freiwillig, die machen es sich alle so leicht, jeder macht mit in der freiwilligen Unterwerfung.'

- "Vagessn'S niart eahna Göjdbeitl", rief jemand hinter Gangolfs Rücken, dieser wendete sich nochmals um, dankte dem Informanten und grapschte nach dem Beutel. Erst jetzt bemerkte er, daß er noch seine IC-Karte krampfhaft in den Fingern zusammen mit den Fahrscheinen hielt. Der Drängler hinter ihm reichte ihm den Geldbeutel mit seiner einen Hand, während auch er sich mit der anderen geflissentlich an einer Stange anklammerte.
- "Danke", entgegnete Gangolf, ließ für einen kurzen Augenblick die Haltestange los, um hurtig die IC-Karte in ein Kartenfach in dem Beutel zu verstauen. Schnell steckte er diesen in die Hosentasche, bevor ein neuerlicher Stoß ihn wieder einhändig machte.

Als er sich schließlich von dem Fahrscheinautomaten entfernte, gewahrte er einen älteren Mann, er war keineswegs ein Greis und schien auch nicht gebrechlich, doch dieser ging das Risiko des Fahrscheinkaufs gar nicht erst ein: Nachdem nämlich der Drängler, der immerhin so aufmerksam war, daß er Gangolfs Geldbeutel diesem zurückgab, seinen Fahrschein gelöst hatte, bat der Alte:
- "Ach san'S so guat und löjsen'S ma a oan", und händigte seine IC-Karte aus. Der Angesprochene schaute im ersten Augenblick etwas verdutzt, nahm sie aber dann wortlos und steckte sie in den Schlitz. Gangolf glaubte nicht richtig zu hören: Der Alte diktierte ihm anstandslos die PIN-Nummer, der Helfer tippte sie ein, immer darauf bedacht, die Haltestange dabei nicht loszulassen, gab die Karte zurück, fischte den Fahrschein heraus und reichte diesen dem alten Mann.

- "I dank eahna", verabschiedete sich der neugebackene Bilettl-Besitzer und entfernte sich, um sich zu einen Sitzplatz durchzuhangeln.
Gedankenverloren lächelte Gangolf Bettina an, als er nach dem Kampf um die Biletteln ihr gegenüberstand. Eine Tonfolge aus drei Tönen kündigte die Meldung der nächsten Haltestelle an, dabei wurde der letzte Ton wiederholt. Gangolf hatte sofort das Lied parat, das mit dieser Tonfolge begann: >Weißt du, wieviel Sternlein stehen<.
'Wenn das noch lange so weitergeht, werde ich tatsächlich bald Sternlein sehen', kam es ihm in den Sinn. Dann fiel ihm Wolfgang Ambros' Schlager vom Straßenbahnschaffner ein:
»Straßenbahnschaffner säi, des woa amal wos, die Zäht ist voarbäh, heint' foaht ma schaffnerlos.«

Endlich erreichten sie den Jakominiplatz, an dieser zentralen Umsteigehaltestelle stiegen viele Fahrgäste aus. Bevor die draußen Wartenden hereinkamen, setzten sich Bettina und Gangolf, um wenigstens die sich anschießende kurze Fahrt durch die Fußgängerzone im Sitzen genießen zu können. Am Hauptplatz stiegen sie aus, denn die Linie zweigte hier westwärts ab. Sie wollten nicht auf die nächste Bahn warten, die sie weiter nordwärts bringen würde, sondern gingen zu Fuß durch die Gasse, in welcher sich Straßenbahn und Fußgänger in lebensbedrohlicher Nähe gleichermaßen hindurchzwängen mußten.

Nach kurzem Fußmarsch erreichten Bettina und Gangolf die Talstation der Standseilbahn. Einer der beiden im Wechsel auf und ab verkehrenden Wagen stand zum Einstieg bereit, die beiden betraten das oberste Abteil. Gangolf dachte an die Story in dem KG-Fo­rum, die er als Fortsetzungsroman gern gelesen hatte, mit dem fantasiereichen Inhalt ei­nes Galeerenschiffs, das von Sklavinnen gerudert wurde, die in nicht zu öffnenden Keuschheitsgürteln gefangen gehalten wurden. Der Autor schien ein Sanitätsoffizier aus Graz zu sein, schlußfolgerte Gangolf. Die Schloßbergbahn, auf deren Abfahrt sie nun war­teten, kam in der Phantasiegeschichte ebenfalls vor.

Gangolf wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Italiener das ihrem Abteil nächstliegende darunter betraten, ein Mann und zwei Frauen, drei junge Leute. Die Glastrennwände und die allgemeine Geräuschkulisse verhinderten, daß Gangolf verstehen konnte, was sie sagten. Irgendwie schien der Mann, der als erstes das Abteil betrat, ärgerlich zu sein. Auch die zweite Frau, die als letzte hereintrat, blickte böse auf die Nachbarin in der Mitte der Dreiergruppe. Erstaunt gewahrten Bettina und Gangolf, wie die in der Mitte stehende Frau sich ständig in ihren Schritt griff und abwechselnd mit den Händen daran fest her­umdrückte.

- "Zum Glück stehen wir nicht unterhalb in dem darunterliegenden Abteil", raunte Gangolf seiner Begleiterin zu, "sonst hätten wir der ihr Gegrapsche dauernd direkt vor Augen."
- "Du mußt ja nicht hinschauen", entgegnete Bettina, doch auch sie wunderte sich, daß die junge Frau in nächster Nähe unter ihr nicht abließ, sich an der empfindlichen Stelle zwischen den Beinen zu reiben.

Nach einer Weile ergriff der Mann den linken Arm seiner Nachbarin, die Frau deren rechten, um dem peinlichen Gegrapsche ein Ende zu bereiten. Doch anstelle der erhofften Ruhigstellung begann die arme Frau, sich mit dem Oberkörper hin- und her zu win­den, vor und zurück, nach links und nach rechts, beinahe wäre sie mit dem Kopf an die rückwärtige Scheibe geknallt. Bettina und Gangolf konnten ihr Gesicht nicht beobachten, doch ihnen wurde schnell bewußt, daß die Frau unter schweren nervösen Zuckungen litt; unerklärlich blieben ihnen indes, warum sie zuvor absolut ruhig zwischen den sie flankie­renden Begleitern stand, als sie sich schamlos an ihrer Scham zu schaffen gemacht hatte.

Auf dem Berg angekommen steuerte Gangolf zielstrebig den Gastgarten an, von welchem man eine grandiose Aussicht auf die Bergkulisse hatte. Während er mit Bettina an dem Ausschank wartete, bis man ihnen das frisch gezapfte Bier überreichen würde, ge­wahrten sie die drei Italiener, die mit ihnen in der Seilbahn fuhren. Die auffällige Italienerin ging hinter den beiden anderen her, verhältnismäßig unauffällig, abgesehen von ihrem o-beinigen Gang. Als die kleine Gruppe näher kam, bemerkten Bettina und Gan­golf, daß sich die besagte Frau wieder unaufhörlich zwischen den Schritt griff und dort ihre Scham massierte.

Bevor Bettina und Gangolf das Gesehene kommentieren konnten, begann pünktlich um sieben Uhr die große Glocke des nahegelegenen Glockenturms zu läuten; ihr gewaltiges Getöne ließ jede Unterhaltung auf ein unabdingbares Mindestmaß zurückfahren. Nachdem die beiden Bier und Brezen im Gegenzug zu Gangolfs Geldschein erhalten hatten, wobei er wie immer, wenn es in diesem Gastgarten um das Bezahlen ging, die Preise zu hoch fand, setzten sie sich an einen Tisch an den Rand der Terrasse. Sie genossen die herrliche Abendstimmung an der sich weit hinziehenden Bergkette der Alpen, die sich ständig verändernde Färbung vor und nach dem Sonnenuntergang. Schweigend genossen sie das Naturschauspiel, ein jeder hing seinen Gedanken nach. Unabhängig voneinander dachten beide an das seltsame Verhalten der jungen Frau, die ungeniert in der Öffentlichkeit dem Zwang unterlag, Befriedigung zu erheischen.

Weder Bettina noch Gangolf hätten sich vorstellen können, daß dieses merkwürdige Verhalten bereits am nächsten Tag eine weit verbreitete Erscheinung sein würde.

Doch für die heutige Nacht hatten Bettina und Gangolf noch eine Aufgabe zu lösen: Erstmals würde es sich ergeben, daß beide in einem gemeinsamen Zimmer nächtigten, sogar in einem gemeinsamen Bett. Probehalber hielt Gangolf seinen Bierkrug mit beiden Händen umklammert, lediglich den kleinen Finger der rechten Hand spreizte er provozierend in Bettinas Richtung, wie die Antenne eines Peilsenders, um die Lage auszukundschaften. Natürlich bemerkte Bettina Gangolfs Signale, sie schaffte es, diese geflissentlich zu ignorieren. Sie hoffte, daß es ihr gelänge, diese Immunität auch im Bett zu bewahren, während Gangolf bei dem Gedanken in’s Schwitzen kam, wie er seine Erregung im Zaum würde halten können.


Gestern gelang es mir, meine SM-Phantasien außerhalb von diesbezüglichen Internet-Foren und spezieller Literatur zu beflügeln; im Grunde genommen schon ein Wahnsinn, der in biblischen Zeiten geschah:
Obwohl der höchste Richter des Landes nicht einmal von der Schuld des Angeklagten überzeugt war, wurde dieser zum Tod verurteilt. Doch das genügte dem lüsternen Volk des Altertums nicht, sie gierten nach Geißelung, Auspeitschen und Aufsetzen einer Dornenkrone - vor der Kreuzigung.
Da war die nächtliche Geburt in einem Stall bei winterlichen Temperaturen und die anschließende Flucht vor einem Kindermörder geradezu harmlos...

Frohe Ostern!

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M A G N U S
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:22.04.22 21:12 IP: gespeichert Moderator melden


50

Martina genoß den Abend, den sie ohne Bettina und Gangolf verbrachte. Sie befahl Magda, sich auf den Bauch auf die linke Hälfte des Doppelbetts zu legen. Martina spreizte Magdas Beine und führte deren Füße durch die Holzstäbe am Bettende. Dort fixierte sie diese mit den mitgebrachten Schnüren. Anschließend fesselte sie Magdas Hände auf den Rücken. Sie entkleidete sich vollständig und setzte sich mit gespreizten angewinkelten Beinen vor Magdas Kopf, so daß dieser zwischen ihre Schenkel zu liegen kam. In Ermangelung ihrer Intimfreundin Bettina mußte nun Magda herhalten.

- „Los, verwöhn’ mich“, forderte Martina Magda auf. Für jene war das nicht einfach; auf der weichen Matratze bereitete es Schwierigkeiten, den Kopf anzuheben, immer wieder plumpste er kraftlos nach vorn und dann seitlich auf das Bett. Martina ärgerte sich, sprang auf und löste den Knoten zwischen Magdas Hände. Sie verknotete jetzt die Handgelenke einzeln mit jeweils einem eigenen Seil und führte die Seilenden nach unten zu den Gitterstäben des Bettendes. Sie straffte die Seile, bis Magdas Schultern von der Bettoberfläche etwas emporgehoben wurden und knotete die Enden zusammen. Dann faßte sie Magdas Haare auf dem Hinterkopf zu einem Pferdeschwants zusammen, wobei sie bedauerte, daß diese so kurz waren. Schließlich gelang es ihr, die Haare mit einer Schnur zusammenzubinden; das Schnurende führte sie ebenfalls wieder durch einen Gitterstab in der Mitte zwischen Magdas gespreizten Beinen, verknotete ihn jedoch dort nicht, sondern führte das Schnurende wieder nach oben und legte es auf Magdas rechter Schulter ab.

Nachdem Martina ihr neuerliches Bondage-Werk vollendet hatte, schwang sie sich wieder genüßlich in Vorfreude auf das Bett, stopfte sich ein Kissen zwischen ihren Rücken und das Oberteil des Bettes, rutschte etwas tiefer, bis ihr Venushügel vor Magdas Mund zu liegen kam. Durch die nach hinten straff gefesselten Arme wurden die Schultern und damit der Kopf angehoben, die Kopfneigung konnte Martina nun mit der um die Haare ge­bundene Schnur bestimmen.

Magda verrichtete den Liebesdienst vorzüglich. Unentwegt saugte und leckte sie die intimste Stelle ihrer Herrin. Diese drückte ihre Füße in Magdas Seite und stellte später die Fersen auf Magdas Po ab.

‚Gott sei Dank hat sie diesmal nicht ihre schweren Stiefel an’, freute sich Magda im Stillen, den leichten Druck von Martinas weichen Füßen empfand sie durchaus angenehm. Als Martina kurz vor dem Höhepunkt anlangte, griff sie mit beiden Händen in Magdas Haar und drückte damit deren Kopf nach ihrem Rhythmus vor und zurück. Magda schluckte und würgte vernehmlich, diese Geräusche spornten Martina zu einer letzten Anstrengung an, bis sie sich mit einem Seufzer der Erleichterung seitlich fallen ließ. Mit letzter Kraft hob sie ihre Beine von Magdas Körper weg und wand sich auf die danebenliegende Bett­hälfte.

Martina fiel augenblicklich in einen sanften Halbschlaf, sie murmelte noch etwas in der Richtung, daß Magda das wirklich sehr gut gemacht hatte, und döste dann weg. Sie wußte nicht, wie lang sie bereits in diesem Zustand neben Magda gelegen hatte, als sie diese leise flötend wahrnahm:
- „Bitte, Herrin, meine Schultern schmerzen, und ich weiß auch nicht, wie ich mei­nen Kopf ablegen kann.“

Jäh erwachte Martinas Sadismus, sie ärgerte sich unverhohlen:
- „Ach, blöde Kuh, du liegst so faul herum.“

Mißmutig raffte sich Martina auf und löste den Knoten, mit welchem Magdas Handgelenke nach unten gespannt wurden. Prompt plumpste Magdas Kinn auf die Matratze, sie drehte ihren Kopf seitlich, bis sie eine angenehme Ruheposition fand. Sie hauchte ein „Danke“ und versuchte, gleichfalls etwas zu dösen. Auch Martina bestieg wieder die Ma­tratze, fiel aber nicht mehr in einen Schlaf. Wieder fluchte sie: „Blöde Kuh“, stieg wütend aus dem Bett und schlüpfte in ihre 10-Loch-Docs. Mit einem vernehmlichen Ratsch zog sie die jeweiligen seitlichen Reißverschlüsse zu, so daß ihre Stiefel fest die Füße um­schlossen. Sie gab Magda einen Tritt auf deren nach oben liegenden Hintern, was dazu führte, daß Magda aus ihrem wohlverdienten Ruhezustand herausgerissen wurde.

Nackt bis auf die Stiefel räkelte sich Martina vor dem länglichen Spiegel an der Wand zu der Zimmertür. Sie betrachtete sich genießerisch, griff mit zwei Fingern an ihre Schamlippen, führte die Finger an ihre Nase und roch daran. Dann ging sie in’s Zimmer zurück und holte ihren Keuschheitsgürtel. Ohne sich zu waschen zwängte sie ihren Unterleib in das geliebte Metall und ergötzte sich an dem Klang des einrastenden Schlosses. Dann schritt sie wieder in Richtung Tür und posierte sich erneut vor dem Spiegel. Nur mit Keusch­heitsgürtel und Stiefel bekleidet betrachtete sie sich minutenlang vor dem reflektierenden Glas. Als sie endlich von ihrer Augenorgie genug hatte, schritt sie wieder in das Zimmer; bei Magdas gefesselten Füßen vorbeikommend verabreichte sie diesen jeweils einen kräf­tigen Tritt, so daß Magda weniger des Schmerzes wegen, als vielmehr aus der Überraschung heraus, einen kurzen Schrei ausstieß.

- „Scht“, zischte Martina Magda an, „sonst kriegst du gleich wieder den Knebel.“
‚O Gott, bloß den nicht wieder’, fürchtete sich Magda, ‚es war doch so schön bis eben, warum mußt du das immer zerstören mit deiner Gewalt’, doch Magda wagte natürlich nicht, diese Gedanken in Worte zu fassen. Allein der Hinweis auf ihre schmerzenden Schultern hatte ausgereicht, daß ihre Herrin wieder in den Sadismus zurückkehrte.

---

Endlich ergab sich für Inge die Gelegenheit, allein, unbeobachtet von ihrer Partnerin Barbara, die seltsame Stelle am Ende der Lichtung zu erkunden, von welcher jene zurückhaltend berichtete, es sei nur ein altes Eisen, was dort läge. Genauso wie Barbara ei­nige Tage zuvor schritt nun Inge in ihren Gummistiefeln zu der Stelle und fand schnell das besagte Metall. Rasch schob sie das Laub beiseite, das Barbara nur notdürftig über den Deckel der Kiste gebreitet hatte.

- „Von wegen altes Eisen“, brummelte Inge vor sich hin, „hat die keine Augen im Kopf, und so was will Naturbeobachterin werden.“
Hurtig hob Inge den Aluminiumdeckel von der Kiste und zog die Folie im Inneren derselben weg.
- „Da schau `mal an“, führte Inge ihr Selbstgespräch fort, „eine wahre Schatzkiste.“
Natürlich brachte sie den Mann mit der Kiste in Verbindung, wunderte sich aber, daß dieser seit damals, ihrer ersten Nacht auf der Insel, nicht mehr gekommen war, zumindest nicht zu den Zeiten, an welchen sie auf der Lichtung waren.
‚Vielleicht war er während des Tages da, als wir auf Erkundung waren, wahrscheinlich sogar, denn man läßt doch so viel Geld nicht einfach ungenutzt versteckt zurück.’

Ohne Skrupel raffte Inge sogleich mehrere Geldbündel aus der Kiste und verstaute jene in ihrem Rucksack. Sie ging zur Kiste zurück, breitete die Plastikfolie über die verbliebenen Scheine, stülpte den Deckel wieder genau über die Kiste und verteilte das Laub darüber, so daß von dem geheimen Schatz nichts mehr zu sehen war. Sie ahnte natürlich nicht, daß Barbara vor ihr bereits diesen Schatz entdeckt hatte.

---

Bettina und Gangolf hatten es schwer. Trotz des Biers auf der Aussichtsterrasse auf dem Schloßberg und des reichlich konsumierten Weißweins in dem Restaurant vor dem Uhrturm, bei welchem sie an ihrem Abstieg in die Altstadt vorbeikamen, war ihre Müdigkeit nicht ausreichend, um sofort in einen Schlaf zu fallen. Beide hatte zu kämpfen, nicht doch noch ihrer Begierde freien Lauf zu lassen. Bettina war sich im Klaren, daß eine klei­ne Andeutung genügte, um Gangolfs Gemächt anschwellen zu lassen. Was sie indes nicht wußte, daß dieses bereits zum Platzen gespannt wenige Zentimeter von ihr entfernt auf Erlösung hoffte.

Gangolf biß sich auf die Lippen, um der Versuchung zu widerstehen. Er konnte sich vorstellen, daß Bettina ihn gewähren ließe, wenn er sich über ihr positionierte. Doch er woll­te nicht die Initiative ergreifen, er wollte nicht Bittsteller sein, sondern Gebetener. Immer wieder lauschten beide in die finstere Stille. Sie vernahmen keinen Laut. Dankbar kam es ihnen in den Sinn, daß wohl auch Magda im benachbarten Zimmer Ruhe fände.

Tatsächlich verbrachte Magda die Nacht weiterhin mit gespreizten Füßen auf dem Bauch liegend gefesselt auf dem Bett. Es gelang ihr, immer wieder einzuschlafen, doch kaum war ihr das geglückt, wachte anscheinend ihr Herrin neben ihr auf, hob sich, wie am Abend, mit gespreizten Schenkeln vor Magdas Kopf und wieder mußte sie Dienste im Intimbereich der Herrin leisten. Martina kam nicht mehr zu Höhepunkten, aber es gefiel ihr, Magdas warme Lippen auf den ihrigen zu spüren, welche senkrecht verliefen, während jene von Magda sich waagrecht öffneten.

Martina beschloß, von nun ab jede Nacht mit Magda zu verbringen; sie mußte anerkennen, daß diese die geforderten Dienste sehr gut leistete, besser als ihre Freundin Bettina, vor allem konnte sie Magda quälen, was ihre Lust bis in’s Unermeßliche steigerte. Martina kam es in den Sinn, daß Magdas Befreiung von der elektronischen Fußfessel eigentlich nur dazu dienen sollte, daß diese zu ihr kommen konnte und daß sie damals sich bereits überlegte, sich von Bettina zu trennen, da sie diese nicht mehr brauchen würde.

In beiden Zimmern schlummerten die schläfrigen Personen schließlich ein, nicht im Entferntesten wäre es ihnen hier tief im Süden der Steiermark in den Sinn gekommen, daß im weit entfernten Germanien schwerwiegende Regierungsbeschlüsse gefaßt worden sind; stets mit sich selbst beschäftigt hatte die kleine Reisegruppe es versäumt, sich die Nachrichten aus Deutschland und speziell aus Bayern anzusehen und anzuhören, diese hätten dazu geführt, auf die Einreise nach Italien zu verzichten, um schleunigst nach Hause zurückzukehren.


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Die Welt ist eine Bühne. Nur... das Stück ist schlecht besetzt. Oscar Wilde

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:24.04.22 13:53 IP: gespeichert Moderator melden


50

Ein kleines Jubiläum, Danke für Deine Mühe.

Ich mag auch keine Sternchen, deshalb habe ich einen Pferdeschweif aus der entsprechenden Frisur gemacht.

Nach wie vor eine schöne Geschichte, die Du uns erzählst. Ich freu mich auf die nächsten Teile

Ihr_joe
Toleranz beginnt dort, wo das eigene Weltbild aufhört. (Amandra Kamandara)

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  RE: 50, ein kleines Jubiläum Datum:27.04.22 15:12 IP: gespeichert Moderator melden


Danke für deine kleine Aufmerksamkeit, Joe, und daß Du ein ganz aufmerksamer Leser bist, zeigt mir dein Hinweis auf meinen absichtlich eingeauten Rechtschreibfehler, wobei "Schweif" anstelle von "Schwants" eine gute Alternative darstellt.

Auch Sarahs gelegentliche Anmerkungen beflügeln mich, an meiner zweiten Geschichte weiter zu schreiben; ich wünsche weiterhin viel Freude beim Lesen,
Magnus.

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:29.04.22 21:23 IP: gespeichert Moderator melden


51

Umweltministerin Graumaus feixte: "Jetzt ist es in Italien soweit, nicht zu glauben, ausgerechnet dort, wo angeblich alles so ungesetzlich zugeht."
Graumaus kam von der Kabinettsitzung nach Hause, streifte ihre Gummistiefel ab, die sie provozierend zu einem kurzen Rock angezogen hatte. Sie öffnete das Internet, nach kurzem Herumklicken traf sie auf die Meldungen, wonach ab dem Wochenende alle Menschen in Italien Masken tragen müssen, nicht nur einfache Stoffmasken, wie sie bei der Corona-Pandemie üblich waren, sondern richtig feste Gasmasken, welche das gesamte Gesichtsfeld, also auch die Augen mit einschlossen.

Erregt lief Graumaus zu der Kommode in ihrem Schlafzimmer, zog die unterste Schublade heraus und fischte die dort deponierte Gasmaske hervor, welche sie von der Kanzle­rin geschenkt bekommen hatte.
'Es wird nicht mehr lange dauern', dachte sie sich, 'daß auch bei uns die Masken ausgeteilt werden.'
Genüßlich betastete sie das Gummi der Maske, besonders die Kinnauflage hatte es ihr angetan. Aber auch der dünne Gummi, der die Nase umschlang, um deren Atem von den Gläsern abzuhalten, übte eine starke Anziehungskraft auf ihre sensiblen Fingerspitzen aus. Schließlich legte sie die Maske auf die Kommode, griff in ihr Haar, um es hinter die Ohren zu streichen, und setzte sich die Maske auf. Sie betrachtete sich im Spiegel wie ein Teenager, der zum ersten Mal ein selbst ausgesuchtes T-Shirt angezogen hatte.
- "Unglaublich", blökte sie in die Maske, "so müssen die Italiener ab übermorgen überall herumlaufen, und auch unser Schießmann kann es gar nicht mehr erwarten, daß er sein Maskenarsenal an die Bevölkerung austeilt."

Vor dem Spiegel übte Graumaus einige Variationen, wie ihr das Maskentragen am besten gefiele. Sie blieb schließlich bei der Weise, daß sie ihr langes glattes Haar aus den Gummibändern herauszog und über diese herunterhängen ließ. Ihr Kopf wirkte dadurch zwar etwas breiter, doch war ihrer Meinung nach die Gesamterscheinung natürlicher: Lediglich das Gesicht wurde durch die Maske bedeckt, während sich an ihren Seiten die Haare anschlossen, ohne daß die waagrecht verlaufenden Maskenbänder sichtbar wurden. Es hatte dadurch den Anschein, als wäre das Gummi am Rand der Maske mit der darunterliegenden Haut verwachsen.

Nun hielt es Graumaus nicht länger aus, sie riß sich Bluse, Hose und Slip vom Leib, griff nochmals in den offen stehenden Kommodenschub und holte ihren Keuschheitsgürtel heraus. Genießerisch strich sie sich über die Schamlippen, ehe sie diese in das glänzende Metall einschloß. Das Klicken des einrastenden Schlosses versetzte sie in Ekstase, sie ließ sich ungebremst der Länge nach auf das Bett fallen und betastete abwechselnd das Schrittband und das Gummi der Gasmaske.

Graumaus hätte nicht gedacht, daß zur gleichen Stunde auch Kanzlerin Prank-Barrenkauer durch die Gasmaske inhalierte und sich dabei zum Höhepunkt brach­te, allerdings ohne Keuschheitsgürtel.

---

Nach einem ausgiebigen Frühstück brach die kleine Reisegruppe von der gemütlichen Pension Richtung Italien auf. Martina wirkte sehr ausgeglichen, Magdas Liebesdienste taten ihr merklich gut. Sie gab Magda frei, das heißt, sie durfte mit Gangolf auf dem Motorrad mitfahren, während sich Bettina mit Martina das Auto teilten. So reizvoll die Fahrt auf der österreichischen Bundesstraße 70 nach Klagenfurt gewesen wäre, bog Gangolf doch lieber auf die Südautobahn ein, denn die Bundesstraße schlängelte sich durch unzählige Ortschaften und er wollte lieber mit den anderen am Nachmittag in Caorle ankommen, um noch am selben Tag ein Bad in der Adria zu nehmen.

Während Magda sich eng an Gangolf schmiegte und das Hin- und Herschaukeln auf der kurvenreichen Autobahnfahrt genoß, gerieten Martina und Bettina im Auto in eine heftige Diskussion, welche zu einem Streit eskalierte: Martina forderte Bettina unverblümt auf, sadistische Handlungen zuzulassen und lobte dabei Magda, die als Paradebeispiel für gelebten Masochismus galt. Bettina schloß das kategorisch aus und betonte ihre Sichtweise, daß Magda nicht masochistisch veranlagt sei, sondern lediglich devot und daß Martina diese Ergebenheit schamlos ausnutze.

Martina verlangsamte das Fahrtempo und nach kurzer Zeit erkannte sie Gangolf und Magda im Rückspiegel. Sie bog in den nächsten Parkplatz ein, Gangolf folgte ihr gleichfalls dorthin. Verärgert stieg Bettina aus dem Auto und ging zu den Motorradfahrern. Magda war soeben von ihrem hohen Sitz heruntergerutscht und nestelte an dem Kinnver­schluß herum, um den Helm abzunehmen.

Als Magda Bettina herankommen sah, rief sie ihr begeistert zu: "Eine tolle Strecke ist das, die vielen Kurven, Bremsen und Gasgeben, so richtig zum Genießen. Habt ihr das im Auto auch so empfunden?"
- "Nein, gar nicht", entgegnete Bettina.
- "Ach, dann tauschen wir doch, Gangi wird nichts dagegen haben!"
In diesem Moment nahm auch Gangolf seinen Helm ab und betrachtete, noch auf dem Motorrad sitzend, die beiden jungen Frauen. Martina saß noch im Auto.
- "Natürlich hab’ ich nichts dagegen", mischte er sich ein, "also zieht euch um."

Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, daß andere Leute auf dem Rastplatz vorbeikommen könnten, schälte sich Magda aus dem Leder, während sich Bettina ihrer Hose entledigte. Ausgerechnet in diesem Augenblick kam ein Streifenwagen vorbeigerollt und hielt neben dem Golf an, in welchem Martina weiterhin am dem Steuer saß. Die Polizisten stiegen aus, ein kurzer Blick auf die Windschutzscheibe genügte, um sich über die Gültigkeit der Vignette zu überzeugen. Sie schritten weiter zu Gangolfs Motorrad, ob auch an diesem die Vignette angebracht sei. Als sie auch dort das >Picherl< erkannten, erblickten sie im Umdrehen die beiden jungen Frauen, die etwas weiter entfernt am Parkplatzrand im Adamskleid standen.

- "Äha, schau die an", raunte der eine zu seinem Kollegen.
- "Wos, wen?", fragte der andere.
- "No da hint', die zwoa Moadln do."
- "Laß de doch in Ruah, de ziang si halt um. Hast ewa no nia a Nackerte gseng."

Bettina und Magda erkannten sofort die peinliche Situation, als die Polizisten zum Motorrad gingen. Bettina war schnell in die Lederkombi geschlüpft, während Magda unschlüssig, nur mit T-Shirt und Slip bekleidet, daneben stand.
- "Da, nimm meine Hose", raunte Bettina ihr zu, "sonst kriegen die dort noch Stielaugen".

Dank ihrer gleichen Statur gelang es Magda mühelos, in Bettinas schöne Hose mit Blumenmuster zu steigen. Anschließend forderte Bettina sie auf, auch ihre neuen roten Schuhe anzuziehen, um nicht länger in den Socken dazustehen. Magda bückte sich und löste die Knoten der Schnürsenkel, denn Bettina entledigte sich des Schuhwerks in ihrer ungeduldigen Art, einfach mit den Zehen des jeweiligen anderen Fußes an die Fersen zu treten. Auf diese Weise nutzte sich die Fersenstütze natürlich schnell ab, ein Grund dafür, daß Bettina und auch Martina immer wieder neue Schuhe brauchten, obwohl diese nicht im Geringsten abgetreten waren. Magda in ihrer sparsamen Art hatte überhaupt nur ein Paar Schuhe, ihre bereits vollkommen heruntergelatschten Chucks, deren Fersenbereiche indes immer noch intakt waren.

Bevor sich Magda wieder erhob, streichelte sie liebevoll über das rote Leder, in welchem jetzt ihre Füße staken, und sie hob ihren Blick dankbar zu Bettina empor.

Als die beiden Frauen zu den Fahrzeugen zurückgingen und die Polizisten sie als ausreichend ordentlich gekleidet einschätzen, zogen sich diese in ihren Streifenwagen zurück. Gangolf wunderte sich, daß Martina die ganze Zeit über nicht ausgestiegen war.
- "Ach, die schmollt wieder `mal", war Bettinas ganzer Kommentar dazu. Sie schwang sich hinter Gangolf auf das Sitzplätzlein und rief:
- "Wir können, fahr' los!"

Martina knurrte Magda an, wo diese so lang geblieben war. Die Ungeduld war natürlich nur ihrer sadistischen Natur geschuldet, denn sie beobachtete vom Auto aus genau den Vorgang des Kleidertausches am Parkplatzrand.
- "Bleib' steh'n, bis die Bullen weg sind", herrschte Martina Magda an. Diese witterte Gefahr, sie merkte es genau, wenn ihre Herrin schlechte Laune hatte. Kaum entfernte sich das Polizeiauto in Richtung Autobahn, befahl sie Magda, sich wieder vor dem Beifahrersitz niederzukauern. Damit ihnen diesmal ein Debakel erspart bliebe, breitete Martina eine Decke über Magda aus, so daß diese nicht nur zur Unbeweglichkeit verdammt vor dem Sitz eingezwängt war, sondern dazu noch im Finstern in der unbequemen Position verharren mußte.

Magda hatte größte Mühe, sich auf der kurvenreichen Fahrt nicht zu übergeben, sie wagte es indes nicht, Martina zum Anhalten zu bitten. Immer wieder erhielt sie Tritte, ihre Herrin mußte wirklich in sehr schlechter Laune sein. Magda bekam nichts davon mit, als sie die Grenze passiert hatten und sich nun auf der italienischen Autobahn befanden. Immerhin fand sie es angenehm, daß die vielen Kurven ein Ende nahmen. Und sie bekam natürlich auch nichts davon mit, als Martina schließlich die Autobahn verließ und durch die Ortschaft Latisana fuhr. Martina traute ihren Augen nicht: Überall liefen hier Leute herum mit seltsam verschleierten Gesicht - Gasmasken!

'Bereiten die sich auf einen venezianischen Maskenball vor', überlegte sie sich, 'aber die Masken in Venedig sind doch anders, bunt und vielfältig, nicht so richtig gefährlich aussehende Gummimasken.'
Martina konnte sich keinen Reim darauf machen, doch schon bald sollte sie erfahren, was es damit auf sich haben würde. Und sie konnte sich natürlich nicht ausmalen, daß sie selber und auch ihrer Reisebegleiter solche Masken tragen würden. Immerhin erregte sie der Anblick der Maskenträger, ein bizarres Bild, leicht beängstigend.

Bettina und Gangolf empfanden es genauso. Bettina stieß Gangolf an und zeigte auf das Trottoir, auf welchem sich Leute mit Gasmasken bewegten. Sogar entgegenkommende Vespafahrer trugen Gasmasken unter ihren Jethelmen, ein furchteinflößender Anblick.
- "Spinnen die alle?", kommentierte Gangolf das Gesehene. Sie fuhren weiter. Auch in den darauf folgenden Dörfern liefen die Bewohner mit den Masken herum. Kopfschüttelnd gab Gangolf Gas, um endlich nach Caorle zu kommen.

---

Barbara bekam Skrupel. Sie wollte nun doch ihren Schatzfund Inge mitteilen. Als sie wieder einmal allein auf der Lichtung war, suchte sie die Stelle auf, doch sie fand die Kiste nicht auf Anhieb.
'Das kann doch nicht sein, die war doch hier', sagte sie sich. Endlich bemerkte sie das ungewöhnlich viele Laub, mit welchem Inge den Kistendeckel überhäuft hatte.
'Seltsam', dachte sich Barbara, 'so viel Laub hab' ich aber nicht darüber getan, sollte ich mich so täuschen?'
Barbara dachte nicht länger darüber nach, legte den Kistendeckel frei und wunderte sich, daß die Folie, unter welchem sie die Geldscheinbündel erwartete, so unordentlich in die Kiste hineingestopft war. Sie könnte schwören, die Folie ordentlich glattgestrichen über die Bündel gebreitet zu haben.

'Sollte der Eigentümer wieder dagewesen sein?', fragte sich Barbara und war geradezu froh, zu dieser Erkenntnis gelangt zu sein. Sie hob die zerknüllte Folie heraus, legte das Geldbündel, das sie vor einigen Tagen entnommen hatte, in die Kiste zurück, breitete die Folie wieder darüber und legte den Deckel auf die Kiste. Am Abend, als Inge zum Zelt zurückgekommen war, berichtete Barbara:

- "Inge, ich muß dir `was sagen: Ich ging heute Nachmittag nochmals an die Stelle dort drüben, wo ich vor ein paar Tagen das Eisenzeug gesehen hatte. Es ließ mir keine Ruhe, ich bin neugierig geworden und denk' `mal was ich da gefunden habe: Eine Kiste voller Geld liegt da!"
Inge war von dieser Nachricht alles andere als begeistert. Sie wollte den Schatz als ihr Geheimnis wahren, um später einmal alleine mit einem Klappspaten bewaffnet zu der Insel rudern, wenn die naturkundlichen Beobachtungen abgeschlossen sein würden.

'Mist', grollte Inge im Stillen, umgekehrt konnte sie es Barbara nicht verübeln, im Gegenteil, ohne deren erste Erkundung hätte sie ganz auf den seltsamen Fremden vergessen, der da in der Dämmerung auf der Lichtung herumgescharrt hatte.
Verwunderung mimend antwortete Inge:
- "Ach, was, wirklich, eine Kiste mit Geld drin?"
- "Ja, komm', ich hab' den Deckel der Kiste freigelegt."

Wenige Sekunden später standen sie vor dem Schatz. Barbara griff bedächtig an den Deckelrand und hob ihn vorsichtig ab, als ob in der Kiste scharfe Granaten lägen, die bei kleinster Erschütterung explodierten. Einem Zeremonienmeister gleich entfernte sie die Abdeckfolie und enthüllte damit den Schatz in Form der gestapelten Geldscheinbündel.

--

Kurz vor Caorle hielt Martina an, zog die über Magda ausgebreitete Decke zurück und forderte jene auf, aus ihrem Loch heraus und sich auf die Rückbank zu setzen. Vollkommen steif fiel es Magda schwer, diesen Befehl auszuführen; sie blinzelte in dem hellen Licht der Nachmittagssonne und zog sich unendlich mühsam in die Höhe.
- "Mach schon", herrschte Martina sie an, "oder willst du, daß dich die Leute mit ihren Masken da angaffen, als ob du es wärst, die vom Mond kommt!"

Magda erblickte nun erstmals Menschen mit Gasmasken.
- "Was ist denn das?", wagte sie eine Frage, Martina konterte scharf:
- "Frag' nicht blöd, sondern beweg' endlich deinen Arsch auf die Rückbank."
Ohne nochmals irgend etwas zu äußern schickte sich Magda an, diagonal hinter ihrer Herrin auf der Rückbank Platz zu nehmen.

Schweigend, wie schon die gesamte Fahrt, erreichten Martina und Magda Caorle. Sie fanden erstaunlicherweise in der Nähe des Hotels eine freie Parklücke. Martina befahl Magda, den großen vollgepackten Rucksack zu schultern und zwei weitere Gepäckstücke zu tragen. Sie selber nahm nur ihre Handtasche, mit welcher sie voranschritt, während Magda geduldig als Packesel hinterher trottete. Martina fühlte sich vom Gammastrahl getroffen, als sie durch die kleine Eingangshalle schritt und hinter dem Empfangstresen zwei Menschen mit Gasmasken gewahrte, und sie mußte genau hinsehen, um zu erkennen, daß die eine Person ein Mann war, die andere eine Frau.

Letztere begrüßte sie auf deutsch:
- "Herzlich willkommen, bitte erschrecken Sie nicht, aber seit vorgestern müssen wir diese blöden Masken tragen, das wird streng kontrolliert. Sind Sie die Reisegruppe aus Brannenburg von Herrn Gangolf?"
- "Ja", antwortete Martina, "aus Brandenburg, Gangolf kommt noch nach mit dem Motorrad."
- "Sehr schön, hat er mir schon gesagt am Telephon, kommt mit seiner Frau, und Sie sind Bekannte?"
- "Ja, ich heiße Martina, also Martina Weiß, und das ist Magda Armdran."

Die Frau von der Rezeption antwortete:
- "Sehr schön, aber bevor ich Ihnen die Schlüssel gebe, muß ich Ihnen die Masken austeilen, das ist Vorschrift so, die haben uns viele gebracht für alle Hotelgäste und also hier bitte, ich muß Sie bitten, diese jetzt aufzusetzen. Nur bei Abstand über fünf Meter dürfen Sie die wegnehmen, wenn sicher ist, daß nie­mand sonst kommen kann näher als fünf Meter."

Martina und Magda schauten die Rezeptionistin verblüfft an, als sich diese bückte und unter dem Tresen zwei Gasmasken hervorholte.
- "Ich heiße Maria, entschuldigen Sie bitte, ich hab' mich noch gar nicht vorgestellt, ich komme aus Bozen, also aber ich arbeite schon lange jetzt hier in dem Hotel.

Maria half den beiden soeben eingetroffenen Gästen, die Masken aufzusetzen und erklärte ihnen, wie sie die Bänder zuziehen mußten, damit diese richtig auf dem Gesicht zu liegen kamen. Martina empfand den Geruch des Gummis erregend, während Magda emo­tionslos durch die gummiumrahmten Gläser glotzte.
- "Und hier Ihre Schlüssel für die Zimmer im zweiten Obergeschoß, 21 und 22, dann haben Sie die Zimmer gleich nebeneinander", fuhr Maria fort.

- "Eigentlich wollten wir ein Doppelzimmer", entgegnete Martina mit leichter Entrüstung in der Stimme.
- "Ah, das dürfen wir nicht mehr, also nur für Ehepaare. Oder haben Sie, wie sagt man auf deutsch, also so etwas wie Ehepaare, wenn Sie sind."

- "Eingetragene Partnerschaft, nein, das haben wir nicht", gestand Martina ein und fluchte im Stillen: 'Verfluchter Mist, das hat uns gerade noch gefehlt.'
Nachdem sie die Anmeldezettel ausgefüllt hatte, nahm Martina die Schlüssel in Empfang, Magda schickte sich an, die abgestellten Koffer aufzunehmen.

- "Der Aufzug ist da hinten in der Ecke", rief Maria den beiden durch die Maske nach, es klang sehr eigenartig, wenn sie mit lauterer Stimme durch das Gummi sprach. Magda war froh, das schwere Gepäck mit der atemberaubenden Maske nicht über die Stiege hinaufschleppen zu müssen. In dem kleinen Aufzug wurde es sehr eng, als Magda die Koffer abstellte. Sie selber konnte sich nicht an eine der Wände lehnen, der dicke Rucksack hin­derte sie daran. Am liebsten hätte Martina Magda mit dem Gepäck wieder hinausge­schickt, es fiel ihr als Herrin schwer, sich in eine Ecke zu drücken, damit ihre bepackte Sklavin Platz fände in der engen Zelle.

Während der kurzen Aufzugfahrt reifte in Martina der Plan, doch noch an ein Doppelzimmer zu kommen:
'Sollen doch Gangolf und Bettina in den Einzelzellen schmachten', kam es ihr in den Sinn, 'die brauchen ja ohnehin kein Doppelbett, wie ich doch sehr hoffe!'

Bettina errötete, als Gangolf wie selbstverständlich den Meldeschein ausfüllte und ihren Namen angab mit Bettina Litte-Stumpf.
- "Die Welt will betrogen sein", raunte Gangolf Bettina zu, als sie gasbemaskt zum Aufzug schlenderten, ihre Helme lässig in den Händen haltend. Sie betrachteten sich in dem großen Spiegel in der Aufzugkabine, welcher an der der Tür gegenüberliegenden Seite ange­bracht war. Es war ein skurriler Anblick, so als ob die Marsmenschen ihre Helme abge­nommen hätten, um auf der Erde die hier für sie gefährliche Atemluft mit den Gasmas­ken zu filtern.

Beide machten aus ihrer Erregung keinen Hehl. Zu Gangolfs größter Über­raschung bückte sich Bettina, legte ihren Helm auf den Boden, streckte sich wieder em­por und umarmte Gangolf mit ihrer ganzen Kraft. Erstmals verspürte Bettina das drin­gende Bedürfnis, Gangolf zu küssen, doch ausgerechnet jetzt wurde das mit den Masken vereitelt. Sie streckte sich so weit wie möglich zu Gangolf empor, wippte auf die Zehen­spitzen und schnorchelte mit dem Filter auf Gangolfs Hals herum. Dieser reagierte und beantwortete Bettinas Schnorcheln, indem er seinen Kopf senkte und auf diese Weise seinen Filter auf Bettinas Kopf setzte. Auch Gangolf verspürte den unbändigen Drang, endlich seine Partnerin zu küssen; auf der langen Motorradfahrt sind sie sich körperlich so nahe gewesen, was sollte sie hindern, nun ohne umhüllendes Leder, Helm oder Maske sich zu berühren.

Doch Gangolfs Liebesträume sollten überraschend schnell ein Ende finden.

Das Doppelzimmer Nummer 25, zu welchem Gangolf den Schlüssel in der Hand hielt, war etwas versetzt zu den Einzelzimmern um die Ecke gelegen. Gangolf sperrte auf, warf seinen Helm auf das Bett, zog sich die Maske vom Gesicht und schleuderte diese jenem hinterher. Doch als er sich umwandt, um Bettina in seine Arme zu nehmen, sah er, wie diese, kaum daß sie nach ihm in das Zimmer kam, durch die Badtür entschwand.

'Die muß wohl dringend', erklärte sich Gangolf Bettinas Verhalten, ohne daß dadurch seiner Geilheit ein Schaden entstanden wäre. Er zog sich die Stiefel aus und flackte sich neben Helm und Gasmaske auf das Bett. Erwartungsvoll heftete er seinen Blick auf die Badtür, daß sich diese endlich öffnete. Er hatte in seiner Vorstellung Bettinas schmales Gesicht vor Augen, ihren entblößten Oberkörper, ihre schmale Taille, die sie, Verschämtheit vortäuschend, mit dem Badetuch umschlungen hielt.

Als sich die Tür öffnete, stockte Gangolf der Atem.




















































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carpegenk
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Und es hat 'Klick' gemacht

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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:30.04.22 05:52 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Magnus,
nun kommen die beiden Hauptzweige der Geschichte langsam zusammen, und auf der kleinen Vogelinsel scheint sich ein kleiner, wichtiger Zweig zu öffnen.
Eine Klasse Geschichte, vielen Dank!
Carpegenk
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:02.05.22 20:48 IP: gespeichert Moderator melden


In der Tat fällt es nicht immer leicht, den Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge zu behalten, vor allem, was den zeitlichen Ablauf der Verzweigungen anbetrifft; vielen Dank für die Rückmeldung!
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  RE: DER SCHREI AUS DEM BRUNNEN Ein erotischer Kriminalroman zu Zeiten des Condomaviruses Datum:06.05.22 20:43 IP: gespeichert Moderator melden


52

Inge und Barbara lagen in ihrem Zelt auf den schmalen Luftmatratzen. Sie diskutierten endlos über die Geldkiste und wie sie mit dieser umgehen sollten. Das grundehrliche Mädchen Barbara wollte den Fund der Polizei melden, da sie sich sicher war, daß mit der Kiste etwas nicht stimmte, deren Inhalt einer illegalen Handlung zugrunde lag. Inge indes wollte sie in der Erde vergraben lassen, natürlich mit dem Hintergedanken, später ihrer habhaft zu werden. Diesen Gedanken sprach sie freilich nicht aus.
- “Schlafen wir erst einmal darüber”, schlug Barbara vor.

Am nächsten Morgen einigten sich die beiden Naturkundlerinnen darauf, die Polizei zu verständigen. Doch zuvor wollte Inge nochmals einen Blick in die Schatzkiste werfen.
- “Die werden sicher wissen wollen, wieviel da drin ist”, sagte Inge. Dieses Argument leuchtete Barbara ein, und so besuchten sie gemeinsam den Schatz.
- “Das ist wirklich richtig viel”, äußerte sich Barbara, “sicher mehrere tausend Euro.”
- “Ja, viel mehr”, entgegnete Inge, “ich schätze `mal mindestens zehntausend. Da, nimm’ `mal ein Bündel, auf eines mehr oder weniger kommt es nicht darauf an!”

Barbara errötete, sie fühlte sich ertappt, hatte sie doch vor einigen Tagen genau den selben Gedanken.
- “Mußt dir nichts dabei denken”, versuchte Inge sie zu beruhigen, “was läßt der Typ auch so viel Geld da mitten im Wald auf der einsamen Insel liegen, und dabei hat er nicht `mal die Kiste abgesperrt.”
- “Das ist nicht so einfach”, entgegnete Barbara, “mein Bruder hatte `mal ein Vorhängeschloß im Gras liegen lassen, wo es richtig naß geworden war, und da hat es dann nicht mehr gesperrt, also umgekehrt, er hat das nicht mehr aufgekriegt.”
- “Ja, aha, kann schon sein, ist auch egal jetzt, da, nimm’ nochmal ein Bündel”, forderte Inge Barbara auf, hielt ihr ein weiteres Bündel hin und raffte sich selber zwei heraus.
- “Nein, eines ist schon genug, das Geld gehört uns doch gar nicht”, zauderte Barbara und schickte sich an, das zweite Bündel zurückzulegen.
- “Dann tu es her”, forderte Inge sie auf und nahm auf diese Weise drei Geldscheinbündel an sich.

- “So, jetzt kannst du die Kiste zumachen und deine Polizei anrufen”, gab Inge die Anweisung und lief zum Zelt, um ihre neuerliche Beute in ihrem großen Rucksack zu der früher eingelagerten hinzuzustecken, ehe Barbara zum Zelt kam.

- “Weißt du die Nummer von der Polizei?”, fragte Barbara.
- “Nö, wie sollte ich, ruf einfach 110”
Barbara tippte nervös die drei Ziffern und gleich darauf meldete sich die Einsatzzentrale.
- “Guten Tag, hier spricht Barbara Bär, wir haben eine Kiste voller Geld gefunden ... Ja, mitten im Wald ... also keine Ahnung, viel, glaub’ ich ... Ach so, ja, gut, vielen Dank.”

Inge blickte Barbara fragend an: “Ja also was, was haben die gesagt?”
- “Nichts, wir sollen die Kiste beim Fundamt abgeben.”

---

Gangolf zählte sich zu den Glückspilzen, die nur selten, in seinem Fall praktisch noch nie enttäuscht wurden, doch was er soeben erlebte, traf ihn schwer. Freilich hatte auch er bereits schwere Schicksalsschläge hinter sich bringen müssen, beispielsweise den frühen Tod seiner Eltern.
‘Das kommt davon, wenn man sich Illusionen hingibt’, schalt er sich selber, ‘Frauen sind eben unberechenbar.’

Solange Gangolf das Wasser in der Duschkabine rauschen hörte, spornte ihn das Geräusch in seiner Geilheit sogar noch an und er sah im Geiste Bettina unter dem Strahl der Brause stehen, wie sie ihren schlanken Körper einseifte, den Brausekopf von der Wand­halterung nahm und den Strahl an die verschiedenen Körperstellen aufschlagen ließ. End­lich verstummte das Gebrause, Gangolf richtete sich in den Kissen auf. Gespannt vor Vorfreude starrte er auf die Tür. Er vernahm ein schwaches Geräusch, er bildete sich ein, daß es das Platschen der Füße war, als sie die schwellenlose Kabine verließ, um in die Mitte des geräumigen Badezimmers zu gelangen. Auch bildete sich Gangolf ein, das Rub­beln des Handtuchs zu vernehmen. Dann vernahm er ein Ratschen, das er sich nicht er­klären konnte. Doch die Aufklärung kam postwendend:

Bettina öffnete die Badtür und streckte ihren Kopf hinaus, ohne das Bad dabei zu verlasen. Gangolf sah sich einer Gasmaske gegenüber, aus welcher eine seltsam quakende Stimme quoll:
- “Ach Gangi, würdest du bitte schon `mal Martina verständigen, daß die beiden kommen, damit wir unser Gepäck erhalten, ich hab’ ja hier nichts weiter zum Anziehen außer Magdas Lederkombi.”

Für Gangolf brach ein Weltbild zusammen. Noch wenige Minuten zuvor wähnte er in der engen Aufzugkabine Bettinas Geilheit zu spüren – und jetzt glotzte ihn die Gummifotze aus dem kaum zwei handbreit geöffneten Türspalt des Badezimmers entgegen, mit der eines Frosches ähnlicher Stimme, ich hab’ ja hier nichts weiter zum Anziehen.

Die Badzimmertür wurde wieder verschlossen, Gangolf vernahm ein schmatzendes Geräusch, kurz darauf das Getöse des Haarföns, der in einer Wandhalterung stak. Fassungslos starrte Gangolf auf die Badtür; als das monotone Gebläsegeräusch schließlich verstummte, raffte er sich auf, griff zu seinem Smartphone und rief Martina an. Mit zu­ckersüßer Stimme schlug diese ihm vor, die Zimmer zu tauschen. Gangolf war nach seiner herben Enttäuschung zu keinem Gedanken fähig; ohne auf Bettinas Meinung zu warten, stimmte er sofort Martinas Vorschlag zu und faßte es als göttliche Fügung auf, genau in diesem Moment die nächtliche Trennung von Bettina zu besiegeln. Auf diese Weise war er erlöst von dem ständigen Zwang, des Nachts neben ihr ruhend seine Begierde im Zaum zu halten.

Kurz darauf trat Bettina aus dem Badezimmer, ihre Brüste unter dem T-Shirt, das sie schon den ganzen Tag auf der Fahrt anhatte, die Taille mit dem Badetuch verhüllt, den Kopf mit der Gasmaske.
‘Spinnst du denn gar’, ärgerte sich Gangolf, ‘wir haben als Paar das Doppelzimmer erhalten, was willst du da mit der Gummifotze?’ Doch er sagte nichts, schüttelte bei dem skurrilen Anblick den Kopf und sagte:

- “Die Martina und die Magda haben Einzelzimmer und sie wollen, daß wir tauschen sollen, dann können diese das große Zimmer hier haben und wir haben dann jeder unsere eigenen Zimmer.”
Bettina glotzte ihn durch die Augengläser verwundert an und quakte: “Ja, nun gut, wenn das so sein soll. Den Helm und den Motorradanzug können wir dann ja gleich da lassen für Magda.”

Wenn auch Gangolf das Gequake nicht bezüglich der sich dahinter verbergenden Tonlage genau entziffern vermochte, meinte er indes doch, eine leichte Verärgerung in Betti­nas Stimme zu vernehmen. Als Bettina in ihrem sonderbaren Aufzug in Richtung Zimmer­tür schritt, erhob sich Gangolf, stieg in die Motorradstiefel, legte mit einem leichten Seuf­zer den Motorradanzug über seinen Arm, stopfte die Handschuhe in den Helm, ergriff die­sen und schlenderte gleichfalls in den Flur hinaus.
- “Wo müssen wir denn hin?”, quakte es aus Bettinas Maske.
- “Zimmer 21 und 22”, gab Gangolf knapp zur Antwort.

Bettina klopfte an die Tür mit der Nummer 22, Gangolf schritt mit seiner Beladung eine Tür weiter bis zur Nummer 21. Ihm öffnete Martina, sie umarmte ihn innig und führte ihn in das kleine Zimmer. Auf dem Boden lag Magda, mit dem Gesicht nach unten. Auf ihrem nackten Rücken erkannte Gangolf sofort Martinas Stiefelabdrücke.
‘Geht das schon wieder los’, dachte er sich, ‘die arme Magda, das wird die Hölle für sie in dem Doppelzimmer, eine blöde Idee, daß ich dem gleich zugestimmt habe.’ Doch Gangolf behielt seine Gedanken für sich. Es kam ihm nicht in den Sinn, daß auf dem Flur draußen Bettina immer noch wartete vor der verschlossenen Tür Nummer 22.

Martina gab Magda einen Tritt in die Seite und herrschte sie an: “Steh’ auf und pack’ unser Zeug zusammen.”
Und zu Gangolf gerichtet fragte sie: “Wo ist das Doppelzimmer?”
- “Vorne am Aufzug vorbei, Nummer 25.”

Bettina stand immer noch wartend auf dem Flur vor der verschlossenen Tür. Sie fröstelte leicht. Martina blickte erstaunt auf, als sie Bettina mit Gasmaske und Badetuch um­hüllt einsam auf dem Flur stehen sah.
- “Ah, wart’, ich hol’ den Schlüssel für dein Zimmer”, wandte sie sich an ihre Freundin und ging in das Zimmer zurück, um den Schlüssel zu holen.
‘Warum lädtst du mich eigentlich nicht ein, mit dir das Doppelzimmer zu beziehen’, kam es Bettina in den Sinn, ‘sind wir jetzt noch ein Paar oder sind wir es nicht mehr.’
Sie schluckte ihren Ärger herunter, was dem Gummi ein seltsam gurgelndes Geräusch entlockte.

- “Treffen wir uns so in einer halben Stunde unten”, kommandierte Martina und reichte Bettina den Schlüssel zu dem Einzelzimmer, vor dem diese wartete.
- “Ja gut”, stimmte Gangolf zu, Bettina sagte nichts, sondern sperrte verärgert die Tür auf. Dann ging sie eine Tür weiter zu Gangolfs neuer Behausung und rief durch die geschlossene Tür:
- “Hast du meine Sachen bei dir drin’?”
Gangolf konnte das Gequake hinter der verschlossenen Zimmertür nicht verstehen, er kam heraus und sah Bettina immer noch in ihrem futuristischen Aufzug dastehen.
- “Ach ja, deine Sachen”, antwortete er, als er sie so dastehen sah. Er beeilte sich, Bettinas Habseligkeiten zusammenzuraffen, die Magda in dem Zimmer zurück gelassen hatte. Er hätte größte Lust gehabt, das Geraffel einfach vor ihre Füße zu werfen, so tief stak im­mer noch seine Enttäuschung in ihm, doch er konnte sich im letzten Moment beherrschen und trug die Sachen in ihr Zimmer.

- “Also bis später dann”, verabschiedete er sich, Bettina quakte ein kurzes “Danke” durch das Gummi.

---

- “Stell’ die vor, Olaf, soeben haben die von der Zentrale in Wuselhausen angerufen, da hat angeblich jemand eine Geldkassette irgendwo im Schleewald gefunden. Die haben ihr geraten, das Ding beim Fundamt abzugeben.”
- “Wie kann man nur eine Geldkassette verlieren”, wunderte sich Hauptwachtmeister Brause, runzelte die Stirn und fuhr fort:
- “Da sieht man wieder `mal, daß es doch noch ehrliche Menschen jibt”.

Immer wenn er davon hörte, daß irgendwo Geld gefunden worden war, dachte Brause unwillkürlich an die verschollene Beute des Überfalls auf die Commerzbank in Lüggen. Freilich sagte er sich selber, daß nach der langen Zeit das Geld nicht mehr auftauchen würde, doch kam ihn dieser seltsame Kriminalfall immer wieder in den Sinn. Daß dieser sich eines gar nicht mehr so fernen Tages doch noch auflösen würde, konnte er natürlich nicht ahnen.

- “Sie müssen die Kassette schon vorbeibringen”, raunzte der Mann von dem Fundbüro in Lüggen in den Telephonhörer, “was heißt da zu schwer und ausgraben, also ich kann da nich’ kommen ... ja, wenn sich der Besitzer nich’ meldet, dann jehört Ihnen der Fund, Sie müssen nach ‘m Jahr nur die Bewahrjebühr zahlen.”

- “Und was spricht er?” wollte Inge von Barbara wissen.
- “Wir müßten die Kiste hinbringen und nach einem Jahr gehört uns die, wenn sich der Besitzer nicht meldet.”
- “Das glaub’ ich kaum, der wird sich ganz schnell melden, wenn er bemerkt hat, daß sie weg ist”, ereiferte sich Inge.
- “Immerhin haben wir schon den Finderlohn vorweg genommen.”
- “Ach was, das ist doch nichts dagegen, was alles in der Kiste liegt. Aber `mal was anderes, was mich wundert ist nur, daß sich da die Polizei nicht dafür interessiert, bei dem hohen Geldbetrag da drin.”

- “Der von der Polizeizentrale hatte gar nicht richtig zugehört, hatte ich das Gefühl”, entgegnete Barbara, “der hat gleich auf das Fundamt verwiesen.”
- “Und auf dem Fundamt, da könnte ja ein jeder kommen und behaupten, eine Geldkiste verloren zu haben mit zehntausend Euro drin, die er im Wald auf einer einsamen Insel dort verloren hat und die dann im Lauf der Zeit so tief in die Erde eingesunken ist, daß man die Kiste gar nicht mehr gesehen hat von oben.”

Die beiden schwiegen eine Weile, bis Inge wieder das Wort ergriff:
- “Was sollen wir denn deinem Mensch da im Fundamt sagen? Wir haben da eine schwere Kiste voller Geld gefunden, vergraben auf der Insel im Röthener See, die haben wir ausgegraben und auf diese Weise gefunden?”
Barbara pflichtete ihr bei, daß sie wohl in Erklärungsnöte kämen und daß ihnen der Herr im Amt die Geschichte nicht so leicht abnehmen würde. Am Ende kämen noch peinliche Befragungen bei der Polizei hinzu und sie ließ sich mehr und mehr von dem Gedanken treiben, die Sache erst einmal auf sich beruhen zu lassen.

Inge brachte es schließlich auf den Punkt:
- “Wie willst du eigentlich das Ding ohne Schaufel ausgraben und dann an’s Land bringen, der Kahn geht ja schon so fast unter mit unserem ganzen Zeug.“
Das leuchtete Barbara ein, die Diskussion über die Kiste war beendet. Was die beiden Forscherinnen indes nicht bedachten war die unglaubliche kombinatorische Auffassungsgabe eines langjährigen Polizeibeamten, gepaart mit einem gewaltigen Langzeitgedächtnis.



















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