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DieFledermaus
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Bayern


Freunde findet man wie Sand am Meer, gute und wahre Freunde so selten wie Muscheln mit einer großen Perle darin

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  RE: Endstation Datum:02.11.19 22:51 IP: gespeichert Moderator melden


Juhuuu
Endlich eine Fortsetzung. Vielen Tausend dank dafür. :* Ich hoffe es werden noch viele Kapitel Folgen.

Auf das dich die Muse weiter küsst.
mit lieben Grüßen von der Fledermaus
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agent anal
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  RE: Endstation Datum:03.11.19 22:38 IP: gespeichert Moderator melden


eine Tolle Geschichte, das hast du dir wirklich viel Gedanken gemacht und viel Mühe gegeben beim schreiben. LG
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Toree
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  RE: Endstation Datum:04.11.19 00:21 IP: gespeichert Moderator melden


So, nach dem ich die Geschichte aus dem 'Giftschrank' wieder zurück geholt habe, und noch einmal alles gelesen habe, tolle neue Teile gimahani!
Ich hoffe, du lässt Frau Wegener nicht wieder drei Jahre leiden!


[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Toree am 04.11.19 um 00:22 geändert
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gimahani
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  RE: Endstation Datum:07.11.19 21:54 IP: gespeichert Moderator melden


Och, sooo giftig ist die Geschichte doch nun auch nicht, Toree

Danke für eure Kommentare und hört ja nicht damit auf, mich zu loben. Viel Vergnügen beim Lesen


Teil XXII
Was für eine Farce! Kennt nicht mal meinen Namen und freut sich sooo sehr darüber, mich kennenzulernen. Unsympathischer konnte ein erster Eindruck auf mich kaum sein. Gleichzeitig liefen mir wieder ein paar Tränen die Wange hinunter, weil ich daran denken musste, welch jämmerlichen Anblick ich in meinem Aufzug doch bieten musste. Schwester Corinna war umsichtig genug, mir einigermaßen unauffällig den Schnuller aus dem Mund zu nehmen, damit ich antworten konnte. „Danke und guten Tag. Ähm … ganz gut, denke ich. Nur über etwas mehr Bewegungsfreiheit würde ich mich sehr freuen und alleine essen würde ich auch gern wieder.“ Chefarzt Dr. Steinfeldt schien an meiner Antwort kaum interessiert zu sein, denn er reagierte nur mit „Mhm, ich verstehe.“ und blätterte in meiner Kurve. Wirklich ein unangenehmer Typ, aber ich war auf sein Wohlwollen angewiesen.
Dann wandte er sich an Schwester Corinna und wollte wissen, wie sie mein Verhalten einschätzt. „Mir gegenüber hat Frau Wegener auch geäußert, dass sie gern weniger fixiert wäre. Nachdem ich ihr erklärt habe, dass das in der Visite angesprochen werden kann, kooperierte sie sehr gut. Am Morgen war sie also weitgehend ruhig, sodass ich die Körperpflege ohne Probleme durchführen konnte. Im Anschluss war sie emotional etwas aufgebracht, dann habe ich ihr jedoch einen Beruhigungssauger angeboten, den die Patientin auch angenommen hat. Pflegerisch würde also nichts dagegensprechen, die Fixierung zu entfernen und Frau Wegener in ein reguläres Zimmer zu verlegen.“
„Das halte ich für etwas voreilig“, warf Frau Dr. Meißel nun in die Waagschale. „Ich sehe kein Problem darin, einige Lockerungen vorzunehmen, aber das muss langsam geschehen. Frau Wegener hat unter Beweis gestellt, dass sie jede ihr zur Verfügung stehende Möglichkeit nutzt, um sich der Behandlung zu entziehen und dass sie auf Veränderungen hochemotional reagiert. Die Patientin weint mehrfach täglich, weshalb ich nicht ausschließen kann, dass sie sich erneut selbst schädigen könnte. Aber es muss natürlich darauf geachtet werden, dass Frau Wegener mobil bleibt und sich die Sicherungsmaßnahmen nicht negativ auf die Bewegungsfähigkeit auswirken. Außerdem muss sie wieder Gelegenheit bekommen, mit anderen Menschen zu interagieren, die nicht dem Personal angehören oder verschiedene Medien zu nutzen. Wenn Sie erlauben, Herr Dr. Steinfeldt, …“
„Aber gern“, erwiderte der Anführer der Irrenwärter, „wie würden Sie mit Frau … äh … der Patientin fortfahren?“ Unbewusst rollte ich mit den Augen und hoffte dann, dass nicht gerade jemand zu mir gesehen hatte. Ich hatte Glück. Man sprach zwar über mein Wohl, aber nicht mit mir. Auch schien es, dass meine Akte von höchster Bedeutsamkeit war, weil alle so daran klebten. So lange sich für mich etwas Gutes daraus ergab, konnten sie das ruhig machen. Ich wollte nur endlich aus dem Bett raus, selbst etwas essen, auf Toilette gehen und eine rauchen. Nun setzte die Stationsärztin an, dem Publikum ihren Plan vorzustellen: „Zuerst würde ich gern die Magensonde entfernen lassen, da sie nicht mehr nötig ist. Die restlichen Maßnahmen könnte man stufenweise entfernen. Bis zur nächsten Visite am Freitag schlage ich daher vor, Frau Wegener tagsüber aus dem Bett zu holen und in einen Pflegerollstuhl zu setzen. Damit sie die Möglichkeit hat, fernzusehen oder sich zu unterhalten, kann sie sich zum Beispiel in den Aufenthaltsraum bringen lassen. Fluchttendenzen sowie Eigen- und Fremdgefährdung werden wir in den kommenden Tagen vorbeugen, indem Frau Wegener eine Fixierweste angelegt wird. Das Anlegen von Arm- oder Beinmanschetten ist nicht geplant, wird sich aber vorbehalten. Vorerst wird die Patientin außerhalb des Bettes wieder Schutzkleidung tragen, damit sich mit potenziell gefährlichen Gegenständen außerhalb des Zimmers nicht verletzen kann. Der Kurve kann man entnehmen, dass es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Einnässen kam. Aus diesem Grund wird Frau Wegener tagsüber mit IKM versorgt, hat aber morgens und abends die Möglichkeit, die Toilette aufzusuchen. Nachts würde ich die intensive Überwachung gern noch ein wenig fortsetzen und dazu die Fixierung aufrechterhalten, bis wir uns sicher sein können, dass ihr Zustand auch da eine Lockerung zulässt. Auf die Medikamente spricht die Patientin gut an, weswegen ich da vorerst keine Änderung vornehmen möchte.“ Frau Dr. Meißel sah nun in die Runde, natürlich nur in die stehende, und wartete auf Ergänzungen, Einwände oder Bestätigung.

„Was ist mit der Teilnahme an therapeutischen Angeboten?“, wollte Schwester Corinna wissen. „Ach richtig,“ sagte Frau Dr. Meißel, „diesen Punkt habe ich noch nicht bedacht. Ich schätze, dass es dafür noch ein wenig zu früh ist. Frau Wegener wird den Rest der Woche Gelegenheit haben, den normalen Stationsalltag kennenzulernen und sich über Angebote zu informieren. Wenn sich ihr psychischer Zustand als stabil genug erweist, wird sie entsprechenden Therapiegruppen zugeteilt. Damit haben wir alles, oder?“ Erneut blickte die Stationsärztin in die Gesichter aller stehenden Personen. Reihum nickten Köpfe und der Chefarzt wandte sich an mich. „Gut, Frau Redinger …“ „Wegener“, warf ich ein. „Wegener, entschuldigen Sie. Sie haben nun gehört, wie sich die folgenden Tage gestalten werden. Sie sind hier, weil Sie krank sind und Ihr Verhalten nicht immer steuern oder einschätzen können. Deswegen werden wir so vorgehen, wie Frau Dr. Meißel es vorgeschlagen hat. Wenn wir uns entscheiden, Ihnen mehr Freiheiten zuzugestehen, müssen wir behutsam vorgehen, denn schließlich tragen wir die Verantwortung für Sie. Bis zur nächsten Visite am Freitag haben Sie Gelegenheit, sich zu bewähren. Ist das Kollegium zufrieden, können Sie ab dem kommenden Montag in den Therapiealltag eingegliedert werden. Alles Gute und bis Freitag.“
Eilig stürzten die Weißkittel nach draußen und Schwester Corinna warf mir im Gehen noch zu, dass sie später wegen der Sonde vorbeikommen würde.
Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder heulen oder schreien sollte. Waren die noch ganz dicht, mich weiter wie eine komplett Irre zu behandeln? Ich wollte aus dem Bett raus, um mich frei bewegen zu können und nicht, um dann direkt wieder woanders gefesselt zu werden! Oder war das vielleicht wenigstens ein Schritt näher in Richtung Freiheit? Irgendwie wusste ich gar nichts mehr. Gedanklich zählte ich, wie oft ich mich noch der erniedrigenden Prozedur des Wickelns und Fixierens würde unterziehen müssen – falls alles glatt ging. Da war ja immer noch mein toller Bezugspfleger Frank, der sicherlich auch den Rest der Woche für die Spätschicht eingeteilt war. Und es hatte sich gezeigt, dass er eine sadistische Ader hatte und es genoss, jemanden zu quälen. Ob es vor mir auch schon andere Patienten gab, die er so behandelte? Warum war noch nie aufgefallen, was für ein Aas er war? Es wurde Zeit, dass ich endlich in Ruhe und somit außerhalb dieses Raumes mit jemandem über ihn sprechen konnte. Vielleicht war ja auch Peter noch auf Station, mit dem ich mir bei meinem letzten Mittagessen im Gruppenraum einen Tisch geteilt hatte. Insgeheim hoffte ich darauf, denn er schien eine angenehme Gesellschaft zu sein und ich wollte wissen, warum er hier war und wie lange schon und und und … Überhaupt sehnte ich mich danach, ungezwungen mit jemandem zu plaudern. Insofern war es gar nicht schlecht, aus dem Zimmer zu kommen, wenngleich ich mir von der Visite einen anderen Ausgang versprochen hatte.
Mit einiger Anstrengung gelang es mir, einen Blick auf meinen Fressbeutel zu werfen, der inzwischen fast leer war. Wonach diese Pampe wohl schmecken mochte? Mich schauderte es bei dem Gedanken, so etwas auf einem Teller serviert zu bekommen. Hoffentlich kam Schwester Corinna bald zurück, um mir den Schlauch aus der Nase zu ziehen.
Einige Zeit musste noch vergangen sein, bevor sich die Tür wieder öffnete und Schwester Corinna ihren Kopf in mein Zimmer steckte. Mit allerlei Utensilien kam sie an das Bett und stellte alles auf den rollbaren Tisch. „Na, Frau Wegener, haben Sie fein aufgegessen?“, fragte sie. „Ja, habe ich. Allerdings hat etwas Salz gefehlt. Doofer Krankenhausfraß!“, erwiderte ich. Wir mussten beide ein wenig kichern, weil die Unterhaltung so absurd war und das tat zur Abwechslung mal ganz gut. „Dann wollen wir mal loslegen. Es könnte sein, dass Sie würgen oder sich übergeben müssen, deshalb muss ich Sie erstmal etwas aufrichten. Dann mache ich Ihnen die linke Hand frei und Sie können sich eine Schale vor den Mund halten, falls etwas kommt. Eine angenehme Prozedur ist das nicht gerade, aber meistens passiert nichts. Und hinterher könne Sie wieder normal essen, da lohnt sich das.“ Nach ihrer Erklärung setzte Schwester Corinna ihr Vorhaben in die Tat um und das war wirklich ein ekliges Gefühl. Zum Glück musste ich nicht kotzen und hatte es ganz schnell hinter mir.
„Super, das hat doch gut geklappt!“, sagte die Schwester. „Dann bringe ich mal den Abfall weg und anschließend hole ich Sie aus dem Bett. Den Rollstuhl habe ich schon draußen stehen.“
F.U.C.K.! Da war ja noch was, was ich ganz verdrängt hatte. Plötzlich wäre ich doch lieber im Bett geblieben.

Viele sagen, ich sei eingebildet - dabei gibt es mich wirklich!
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Toree
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  RE: Endstation Datum:07.11.19 23:19 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat

Och, sooo giftig ist die Geschichte doch nun auch nicht, Toree


Nee,mit Giftschrank bezeichne ich mein Archiv 'für unvollendete Geschichten'.
Das heißt, ich muss noch einmal mindestens vierzig Seiten erneut lesen, um den neuen Teil zuversten.

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Toree am 07.11.19 um 23:19 geändert
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Manni241
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  RE: Endstation Datum:09.11.19 08:35 IP: gespeichert Moderator melden


Wieder eine gelungene Fortsetzung. Danke.
Bin schon jetzt gespannt wie es weiter geht.

Gruß Manni
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terraner_333
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Tirol




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  RE: Endstation Datum:13.11.19 16:51 IP: gespeichert Moderator melden


Da hast du wieder eine gelungene Fortsetzung geschrieben. Das Gefühlsleben von Susanne ist wie immer sehr detailliert beschrieben. Es ist schön zu lesen, dass Fr. Wegener nun endlich auch eine positive Bezugsperson in Schwester Corinna gefunden zu haben scheint.
Der Rollstuhl wird in Susanne wahrscheinlich ein paar negative Erinnerungen hervorholen.
Ps.: Wird man diese Geschichte irgendwann mal als Buch kaufen können?
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DieFledermaus
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Bayern


Freunde findet man wie Sand am Meer, gute und wahre Freunde so selten wie Muscheln mit einer großen Perle darin

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  RE: Endstation Datum:13.11.19 16:58 IP: gespeichert Moderator melden


Eine wubdervolle Fortsetzung

Ich hoffe es folgen noch sehr viele mehr.
Bin ja gestpannt was frau Wegener mit ihrer neu gewonnenen "Freiheit" anstellt und was Frank sich einfallen lässt um seine sadistischen Triebe zu befriedigen.

Jedenfalls freu ich mich auf den nächsten Teil =)

mit lieben Grüßen von der Fledermaus
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PVCBOY
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Leb dein Tag als wäre es dein letzter

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  RE: Endstation Datum:13.11.19 18:46 IP: gespeichert Moderator melden


Ich muss sagen das die Geschichte sehr gut geschrieben ist und sich gut liest.

Bin DL und Mochte zum Sissy Baby erzogen werden
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gimahani
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  RE: Endstation Datum:26.11.19 21:10 IP: gespeichert Moderator melden


Und weiter geht die wilde Fahrt von Frau Wegener. Viel Spaß beim Lesen und lobt mich recht fleißig!

Teil XXIII
Natürlich wollte ich aus dem Bett raus, aber musste das denn sein? Einen Rollstuhl hatte ich stets als Hilfsmittel für diejenigen betrachtet, die aufgrund von Alter, Behinderung oder Krankheit nicht in der Lage waren, zu laufen. Die Krankheit, wegen derer ich hier war, bestand in meiner Empfindung ohnehin nur auf dem Papier, weswegen ich es als absolut ungerechtfertigt ansah, mich in dieses Ding zu setzen. Andererseits würde ich dann wenigstens wieder in der Lage sein, mich fortzubewegen – dachte ich jedenfalls. Von einer Bekannten, die seit einem Unfall querschnittgelähmt war, wusste ich, wie beschwerlich die Fortbewegung im Rollstuhl mitunter war. Jede Schwelle konnte zum Hindernis werden und eine Treppe war schlicht nicht passierbar. Doch dann dachte ich, dass Krankenhäuser ja möglichst barrierearm sind und mich wohl nur meine unterentwickelte Armmuskulatur aufhalten würde.
Schwester Corinna schob den Rollstuhl durch die Tür und ich bekam große Angst und ein großes Schamgefühl stellte sich ein, als sie damit näher zum Bett kam. Auf der Sitzfläche lagen diverse Sachen, die ich nicht gleich zuordnen konnte. „So, Frau Wegener, ich habe alles mitgebracht. Zuerst ziehen wir Ihnen den Overall an und dann können Sie aus dem Bett raus. Muss ich dazu Unterstützung holen oder schaffen wir das allein?“ „Benehmen kann ich mich schon, aber ich finde das mit dem Rollstuhl echt albern. Und auf diesen blöden Overall habe ich auch keine Lust“, antwortete ich. „Das dachte ich mir schon“, sagte sie darauf, „aber wollen Sie denn nicht aus dem Bett raus und mal was Anderes sehen, als immer nur dieses Zimmer?“ Schwester Corinna verstand es echt, auf mich einzuwirken. „Und wenn das bis zur nächsten Visite gut klappt mit Ihnen, bekommen Sie bestimmt mehr Freiheiten. Die drei Tage werden ganz schnell um sein, glauben Sie mir.“ Ich dachte einen Moment darüber nach und sagte, dass ich das so noch gar nicht gesehen hätte. Außerdem freute ich mich tierisch auf meine erste Zigarette seit gefühlten sechs Wochen und signalisierte meine Bereitschaft. Angezogen war ich recht schnell und wollte mich gerade in den bereitgestellten Rollstuhl setzen, als ich sah, dass da noch etwas lag. Ich wollte es wegnehmen und Schwester Corinna sagte dann, dass das dortbleiben müsse. „Frau Dr. Meißel hat doch von der Fixierweste gesprochen und die muss ich Ihnen gleich anlegen. Den Schrittgurt habe ich unter der Rückenlehne nach hinten gezogen. Sie setzen sich jetzt einfach hin, ich befestige den Therapietisch und schließe dann die anderen Gurte. Dann wird sicher nichts passieren.“

Ich atmete tief durch und versuchte, meinen Unmut beiseitezuschieben. Also stand ich aus dem Bett auf, streckte mich noch kurz in alle Richtungen und tat dann, wie mir geheißen wurde. Bequem war der Rolli schon, da konnte ich mich nicht beschweren, aber dennoch war mir das alles total unangenehm. Während ich noch ein bisschen nach hinten rutschte, schnappte sich Schwester Corinna den Therapietisch, um ihn zu montieren. Dabei handelte es sich um eine Platte aus Plexiglas, die rechteckig war und eine Aussparung für den Rumpf hatte. Damit man keine Druckstellen bekommen konnte, war an der Kante noch eine Polsterung angebracht. An zwei Ecken des Tischs konnte ich eine Art Bolzen erkennen, die wohl zur Befestigung gedacht waren. Mir wurde erklärt, dass die Platte mit Magnetverschlüssen fixiert wird, damit sie abgesehen vom Personal niemand entfernen kann. Ich hörte es zweimal kurz klacken, wodurch der Tisch fixiert zu sein schien. Nun hockte sich Schwester Corinna vor mir hin und brachte die Gurte so in Position, dass sie sie verschließen konnte. Ganz automatisch wollte ich einen davon unter meinem Oberschenkel hervorziehen und realisierte dabei, dass ich keine Chance hatte, meine Hände unter diesen verdammten Tisch zu bekommen. Egal, ob ich es an der Seite oder davor oder an meinem Bauch probierte, es ging einfach nicht. „Muss ich doch noch jemanden holen?“, fragte die Krankenschwester. „Nein, eher dieses Teil wieder entfernen. Was ist das für ein verschissener Mist? Das ist doch alles zum kotzen! Kann man gegen diese dämliche Unterbringung nicht Widerspruch einlegen? Ich will hier raus und nach Hause und in mein normales Leben zurück.“ Mir wären noch mehr Sachen eingefallen, die mir absolut nicht passten, aber Schwester Corinna schien alle Gurte fertig positioniert zu haben und richtete sich wieder auf. „Es reicht, Frau Wegener. Dieses Theater wird Ihnen absolut nicht helfen. Ein Einspruch ist rechtlich möglich und Sie können darüber mit unserer Sozialarbeiterin sprechen.“

Damit hatte sie mich wirklich zum Schweigen gebracht. Während ich alles um mich herum hasste und mich selbst bemitleidete, wurde sich um die restlichen Gurte gekümmert. Am Bauch führte jeweils einer nach links und rechts, an den Seiten der Rückenlehne wurden sie durch eine Schlaufe gezogen. Mit den Gurten, die über die Schultern führten, wurde ähnlich verfahren. Ich merkte, wie Schwester Corinna hinter mir schließlich alle fünf Enden zusammenführte und das vertraute Klacken verriet mir, dass auch dort ein Magnetverschluss zum Einsatz gekommen war. Wenn nicht jemand so nett wäre, mir eine Schere zu geben, würde ich mich nicht befreien können. Noch einmal beugte sich die Schwester vor mir herunter und klappte eine Art Keil unter dem Sitz hervor, der nun einerseits dafür sorgte, dass ich meine Beine nicht mehr schließen konnte und andererseits in dem Tisch einrastete, der dadurch bombenfest saß.

„Prima“, setzte Schwester Corinna an, „wir sind fertig. War doch gar nicht so schlimm, oder?“ Wirklich ernst meinen konnte sie die Frage nicht, nachdem ich bereits meinem Ärger Luft gemacht hatte. „Kann ich endlich in den Gruppenraum?“, fragte ich etwas ungehalten. Schwester Corinna nickte. Ich führte meine Hände nach unten, um mich mithilfe der Handläufe aus dem Zimmer zu bewegen, doch ich konnte nichts ertasten. Zur Seite lehnen und schauen konnte ich durch die Weste auch nicht, die mich zuverlässig in meiner Sitzposition hielt. „Ähm, Schwester Corinna? Wie soll ich mich denn damit fortbewegen?“, fragte ich. „Sie selbst sollen das natürlich überhaupt nicht. So viel Freiheit müssen Sie sich erstmal verdienen. Ich bringe Sie in den Gruppenraum und dann können Sie etwas fernsehen oder lesen oder sich unterhalten.“ Freiheit? Sehr lustig! Ich war immer noch eingesperrt in diesem Irrenhaus, in dem man absolut nichts selbst machen konnte. Denken konnte ich all das, aber ich hielt mich zurück.

Schließlich löste Schwester Corinna die Feststellbremsen und steuerte auf die Tür zu. Ich hatte echt Schiss, was die anderen wohl denken würden, wenn sie mich so sahen. Ob es oft vorkam, dass Patienten sehr „geschützt“ wurden? Mir war wahnsinnig peinlich, wie ich im Rollstuhl durch den Korridor der Station geschoben und schließlich im Gruppenraum abgestellt wurde. Die Bremsen wurden wieder arretiert, als ich einen guten Blick auf den Fernseher hatte, der wundersamerweise nicht eingeschaltet war. „Moment,“ sagte Schwester Corinna, „ich gebe Ihnen noch die Fernbedienung. Haben Sie es bequem?“ „Danke, das müsste schon passen. Wo sind denn die anderen Patienten?“, fragte ich noch. „Die meisten werden gerade Therapie haben und die restlichen vielleicht die Zeit in ihren Zimmern verbringen. Aber Sie werden hier bestimmt nicht lange allein bleiben, Fernsehen ist schließlich sehr beliebt.“

Ich bedankte mich abermals und schaltete mich dann durch die Programme. Die Zerstreuung tat mir gut und ich war froh, etwas Normalität zu erleben, obwohl im Grunde gar nichts normal war. Immerhin lief im Fernsehen derselbe Mist, wie früher. Früher – wie das klang! Als wäre ich schon eine Ewigkeit hier. Ich klickte mich ungefähr durch siebzig Kanäle, bis ich endlich etwas Akzeptables fand. Zwar kannte ich schon die meisten Dokus über das Dritte Reich, aber sie konnten immer wieder mein Interesse erwecken. Nach einer Weile war ich so vertieft, dass ich zwar die Schritte hinter mir hörte, aber schnell wieder ausblendete. Es war noch einige Augenblicke ruhig, bis eine Männerstimme mich ansprach. „Na ja, Frau Wegener, das ist nicht unbedingt ein für Sie geeignetes Programm.“ War das Frank? Nein, er hatte eine andere Stimme. Ich wollte mich umdrehen, aber Fixierweste und Kopfstütze ließen das nicht zu. Die Schritte näherten sich mir und ich konnte endlich erkennen, dass es sich um Peter handelte, der mich ärgern wollte. „Hey“, sagte er, „haben sie dich auch mal wieder aus dem Bett rausgelassen?“, fragte er. „Du bist vielleicht ein Arsch, ich hab eben echt Angst gekriegt,“ antwortete ich. Er drückte mir einen kleinen Kuss auf die Stirn und setzte sich dann zu mir. Mir war der ganze Mist mit dem Rollstuhl immer noch unheimlich peinlich, aber Peter tat so, als wäre alles wie immer.

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pauli2004 Volljährigkeit geprüft
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  RE: Endstation Datum:27.11.19 15:32 IP: gespeichert Moderator melden


Schöne Geschichte, sehr gut geschrieben, ich freue mich auf weitere Teile.
Gruß
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DieFledermaus
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  RE: Endstation Datum:09.12.19 05:18 IP: gespeichert Moderator melden


Schöne Fortsetzumg.

Ich bin gespannt wies weiter geht mit Frau Wegener. Nutzt sie ihre neue freiheit? Macht sie einen Rückschritt durch ihre Auflehnung? Oder verhilft ihr Frank zu einem Rückschritt?

Auf alle fälle bin ich gespannt wie es weiter geht =)
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michellle
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  RE: Endstation Datum:19.12.19 12:18 IP: gespeichert Moderator melden


sehr, sehr schön
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Baby_Moritz
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  RE: Endstation Datum:23.12.19 23:22 IP: gespeichert Moderator melden


Klasse Geschichte, bitte mehr davon
Wenn Du ein Tier verschenkst, achte darauf das man es im Notfall noch zubereiten kann.
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gimahani
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  RE: Endstation Datum:27.04.20 16:13 IP: gespeichert Moderator melden


Bei Frau Wegener kehren die ersten Boten von Normalität ein. Doch wird das lange so sein? Es bleibt spannend. Jetzt hat sie erstmal Gelegenheit, sich ein wenig zu unterhalten. Viel Spaß beim Lesen!

Teil XXIV
„Ich wusste gar nicht, dass man das Fernsehen nach so kurzer Zeit so sehr vermissen kann“, sagte ich, um die Stille mit irgendwas zu füllen. Stille war etwas, was ich schlecht ertragen konnte, weil man dann mit seinen Gedanken allein war. So kam es, dass ich meistens irgendwas plapperte. Peter jedoch saß da und sah der Doku zu. Nur halbwegs aufmerksam schaute ich auch in den Fernseher und erschrak trotzdem ein wenig, als Peter ganz plötzlich die Fernbedienung von meinem persönlichen Tisch wegnahm und ausschaltete. „Sowas solltest du dir wirklich nicht anschauen, Sanne. Wenn ich mir dich angucke, denke ich, dass du auch ohne solche Grausamkeiten fertig genug sein wirst.“ Das war der schreckliche Zeitpunkt, auf den ich gewartet hatte und an dem sogar ich schwieg. Wahrscheinlich sah ich auch ziemlich geknickt aus, weil Peter so etwas gesagt hatte. „Ich weiß etwas, das du mit Sicherheit noch viel mehr vermisst hast!“ Er lief davon und die Fernbedienung blieb auf dem Sofa liegen und war somit natürlich außerhalb meiner Reichweite. Mein Gehirn überlegte noch, ob ich rumschreien soll, da kam Peter schon zurück und brachte ein Päckchen Zigaretten und ein Feuerzeug mit. Wie krass! Er durfte mich mitnehmen und ganz ohne lästiges Pflegepersonal konnte ich eine rauchen und mich aufregen. Ich überlegte kurz, wie das plötzlich möglich war, als Peter die Bremsen des Rollstuhls löste und mir klar wurde, dass ich ganz gewiss keine Gefahr darstellen könnte.

Da das Wetter schön war, durften wir sogar in Garten gehen. Dort war die Atmosphäre nicht so bedrückend wie in dem Raucherraum. Noch immer war alles total surreal mit dem Rollstuhl und den Gurten, aber als ich im Schatten abgestellt wurde und wir beieinandersaßen und ich eine meiner geliebten Zigaretten anzündete, fühlte ich mich nahezu glücklich. Das Feuerzeug war sicher nicht dafür bestimmt, in meine Hände zu gelangen, doch die Wut in mir war zu diesem Zeitpunkt so gering, dass ich nicht mal daran dachte, irgendwelchen Mist zu machen. Drinnen hatte ich gesehen, dass es gerade gegen 11 Uhr war. Die vormittäglichen Therapien waren also bestimmt vorüber und wir konnten einfach ein bisschen hier draußen sitzen und quatschen. Ich nahm einen tiefen Zug, atmete aus und ließ mich dabei etwas entspannter in den Sitz gleiten. „Oh, ich danke dir so unendlich!“, sagte ich zu Peter. Er war in meinem winzig gewordenen Universum echt der Held des Tages. Ein paar Augenblicke seufzte ich genussvoll und dann war es mit der Herrlichkeit schon wieder vorbei. Ich war nicht sicher, ob da gerade das passiert war, was ich befürchtete, oder ob ich mich irrte. Hatte ich gerade …? Nein, ausgeschlossen! Oder? Möglichst unauffällig versuchte ich, herauszufinden, ob ich gerade Urin gelassen hatte. Zuerst wollte ich in meinen Schritt fassen, aber dieser völlig sinnlose Therapietisch ließ das absolut nicht zu. Es brachte auch nichts, hin- und herzurutschen oder die Oberschenkel aneinanderzudrücken. Der zwischen meinen Beinen verlaufende Schrittgurt verhinderte, dass ich die sie richtig schließen konnte. Mein Held sah, dass etwas nicht stimmte und fragte sofort, was los sei und ob es mir gut gehe. Es kommt durchaus vor, dass der Kreislauf ein wenig spinnt, wenn man nach Tagen des Liegens und Nichtrauchens plötzlich wieder raucht. Ich senkte den Blick und versuchte, ihm das zu erklären. Welche Ironie, dass ich dabei direkt auf den Ort des möglichen Geschehens schauen musste. Ich konnte förmlich spüren, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Mein Kopf begann bereits, Ausreden zu erfinden, denn selbst mit dem Wissen, ob ich eingemacht hatte oder nicht, hätte ich nicht viel anfangen können. Nach dem Entfernen des Tisches und der Gurte hätte ich immer noch diesen Overall an, durch dessen blöde Sicherungen ich mich nicht allein ausziehen konnte. „Hey!“, wurden meine Gedanken unterbrochen, „mach dir keinen Kopf. Vielleicht ist ja gar nichts passiert. Und für den Fall, dass du deine Pampers doch benutzt hast, lassen wir uns einfach eine Ausrede einfallen.“ Er wollte mich sicherlich etwas beruhigen, doch das stachelte mich nur an. „Pampers sind für Babys, also nenn das gefälligst nicht so!“ „Schon gut, beruhig dich mal wieder. Ich kann mir eh nicht vorstellen, dass die dich jetzt komplett aus- und wieder eingepackt hätten, nur um dich mal zur Toilette zu bringen. Am besten gehen wir gleich mal rein und du sagst, dass du mal musst. Wenn Schwester Corinna dir sagt, dass du deine ‚Nenn-die-gefälligst-nicht-so‘ tagsüber nutzen sollst, brauchst du dir wegen später keinen Kopf mehr zu machen.“ Bei der Vorstellung, dass mir das tatsächlich so gesagt wurde, musste ich kichern und wurde wieder ruhiger. „Mal schauen, ob ich meine ‚Wehe-jemand-sagt-das-böse-P-Wort‘ nehmen darf“, schmunzelte ich ihn an und wir machten uns auf den Weg nach drinnen.

Peter schob mich also wieder auf Station, wo wir bereits erwartet wurden, weil es in Kürze Mittagessen geben sollte. „Na, alles gut?“, fragte Schwester Corinna, als wir uns am Dienstzimmer meldeten. „Ja, total! Es tat richtig gut, mal wieder draußen zu sitzen, zu quatschen und ein bisschen Grün zu sehen. Obwohl rumlaufen natürlich noch viel schöner wäre. Und ja – ich weiß, dass das bald wieder gehen wird, wenn ich brav bin. Ein kleines Stück müsste ich aber sehr dringend laufen, und zwar zur Toilette.“ Schwester Corinna sah auf ihre Uhr, dann auf mich, machte ein nachdenkliches Gesicht und sagte schließlich, worauf Peter und ich gehofft hatten: „Das werden wir vor dem Essen nicht mehr schaffen. Vielleicht ist es besser, wenn Sie dafür Ihr IKM verwenden. Ich mache einen Vermerk in die Akte, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.“ Es hat mich wirklich Kraft gekostet, zerknirscht auszusehen, obwohl ich mich insgeheim freute, denn so würde ich mein Malheur vertuschen können. „Oder müssen Sie groß?“, fragte Schwester Corinna halb flüsternd, „Dann würde ich jemanden von einer anderen Station holen, der Sie zur Toilette bringt.“ „Äh … danke, im Moment nur klein. Ich nutze dafür die Windel, aber schreiben Sie das bitte wirklich in die Akte. Ich hab keine Lust darauf, dass alle denken, dass ich unbewusst in die Hose mache und deswegen die ganze Zeit Windeln anziehen muss.“ „Klar“, sagte die Schwester, „das kann ich absolut verstehen. Es gibt gleich Mittagessen. Vielleicht nimmt Herr Schönberg Sie mit zum Händewaschen.“ Peter hatte die ganze Zeit hinter mir gestanden und schien nun genickt zu haben, denn nun brachte er mich in Richtung Stationsbad.

„Und, Herr Schönberg? Was führt Sie denn zu uns?“, begann ich Peter zu necken. „Ich war unvorsichtig, hab mich nicht um meine Medikamente gekümmert und dann einen psychotischen Schub bekommen. Als ich dann als Schamane an der Straße stand und die Leute heilen wollte, haben sie mich abgeholt.“ Für einen Augenblick war ich sprachlos, was bei mir eher selten vorkommt. Dann sagte ich „wow“ und „krass“, weil mir irgendwie nicht mehr dazu einfiel. Akute Psychosen sind ja weit weg von der Realität und für mich nicht greifbar. „Mach dir keinen Kopf, Sanne. Es ist nicht das erste Mal gewesen. Ich wohne in einem Dorf in der Nähe und einige Leute dort wissen ebenfalls von meiner Erkrankung. So lange ich meine Tabletten nehmen kann, ist alles okay, aber ich habe nicht rechtzeitig Nachschub geholt und dann passieren eben solche Sachen.“ Mir war immer noch nichts Sagenswertes eingefallen, deswegen sagte ich gar nichts.

Inzwischen waren wir im Stationsbad angekommen. Es war behindertengerecht eingerichtet und so konnte Peter meinen Rollstuhl direkt bis ans Waschbecken fahren. Ich genoss das geringe Maß an Normalität und wusch mir gründlich und vor allem alleine meine Hände. Peter tat das auch und dann begaben wir uns in den Gemeinschaftsraum, in dem die Mahlzeiten eingenommen wurden. Das Essen roch immer noch nicht sehr verführerisch, aber nach all den Tagen mit der Nahrungssonde hätte ich sogar Rosenkohl gegessen, so lange ich es nur selbstständig hätte tun können. Auf dem Plan standen Kartoffelbrei, Fischstäbchen und Rotkraut, da konnte man wenigstens beim Kochen nicht viel verkehrt machen. Der Platz, an dem bereits ein Tablett, aber kein Stuhl stand, war offenbar für mich gedacht. Peter parkte mich ein und arretierte die Bremsen. Offenbar war es immer noch zu gefährlich, mir normales Besteck zu geben und so nahm ich meinen Plastiklöffel aß. Die Fischstäbchen konnte ich zum Glück damit zerteilen, sodass ich nicht schon wieder um Hilfe bitten musste. Nachdem Peter sich sein Tablett geholt hatte, setzte er sich neben mich und ich war froh, keine anderen komischen Leute kennenlernen zu müssen. Schwester Corinna teilte die Medikamente aus, die ich nun auch wieder selbst nehmen konnte. Es kam mir vor, als wären das mehr gewesen, als ich sonst hatte, aber mir stand der Sinn nicht nach Diskussionen. Ich schluckte die Pillen und musste anschließend sogar meinen Mund kontrollieren lassen. Wäre ich nicht so sicher angeschnallt gewesen, wäre ich bestimmt vor Scham nach unten gerutscht.

„Was hast du eigentlich angestellt, dass man dich so behandelt und nicht aus den Augen lässt?“, fragte Peter. „Ach, gar nichts. Die spinnen einfach alle!“ Ich achtete darauf, nicht zu laut zu sprechen. Niemand konnte wissen, was sonst wieder in der Akte landen würde. „Weißt du, ich hab das jetzt echt schon einige Jahre an der Backe. Am Anfang dachte ich ähnlich wie du, aber das nützt dir nichts. Durch den richterlichen Beschluss hast du vorübergehend nicht das Recht, selbst zu bestimmen und das wird man dir erst wieder zugestehen, wenn man den Eindruck hat, dass du dich um dich kümmern kannst und dich oder andere nicht gefährdest. So lange du hier nicht richtig ankommst, wirst du nicht wieder rauskommen. Manche Patienten begreifen das schnell, andere erst nach Monaten oder überhaupt nicht. Wäre doch schade, wenn du ewig hier bleiben müsstest, während das Leben draußen alleine weitergeht, oder?“

Viele sagen, ich sei eingebildet - dabei gibt es mich wirklich!
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