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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1
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BlackCoon
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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 15:36 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1

Hedwig Kottenbrinkmann lehnte sich entspannt auf ihrem gepolsterten Stuhl in der Universitätsbibliothek zurück und ließ ihren Blick über die vergilbten Seiten eines alten englischen Journals wandern. Mit ihren langen blonden Haaren, die in einem lockeren Zopf über ihre Schulter fielen, und ihrer anmutigen Erscheinung zog sie oft ungewollt die Blicke anderer Studierender auf sich. Doch an diesem Nachmittag war sie ganz in ihre Recherchen vertieft. Geschichte und Kunstgeschichte waren nicht nur ihr Studienfach, sondern ihre Leidenschaft. Und als sie zufällig auf den Begriff „Ladies of Leisure“ gestoßen war, hatte ihr Interesse sofort Feuer gefangen.

Der Artikel beschrieb eine faszinierende gesellschaftliche Erscheinung: Frauen aus der englischen Oberschicht, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein Leben führten, das ausschließlich dem Nichtstun gewidmet war. Sie hatten keine Pflichten, keine Aufgaben und keine Verpflichtungen – zumindest keine offensichtlichen. Diese Frauen, so hieß es, waren von Geburt an dazu bestimmt, ein Leben in Ruhe und Abgeschiedenheit zu führen. Ihre Rolle war es, Schönheit und Eleganz zu verkörpern, Gäste zu empfangen und als Symbol des Wohlstands ihrer Familie zu dienen. In einem Abschnitt des Artikels wurde sogar angedeutet, dass es in einigen konservativen Kreisen Englands noch heute Frauen gab, die bewusst dieses Lebensmodell wählten.

„Wie spannend!“, murmelte Hedwig und notierte sich einige Quellen, die sie später überprüfen wollte. Der Gedanke, dass Frauen freiwillig ein Leben ohne jegliche Produktivität oder Eigenständigkeit wählten, faszinierte sie ebenso wie er sie irritierte. Warum verzichteten sie auf die Möglichkeit, ihre eigenen Interessen oder Talente zu verfolgen? Und was bedeutete das für die Rolle der Frau in der Gesellschaft damals – und heute?

Am Abend saß Hedwig mit ihrer besten Freundin Vanessa Landschulte in einem kleinen Burger-Restaurant in der Altstadt von Münster. Das Lokal war rustikal eingerichtet, mit Holztischen und alten Landkarten an den Wänden, die Hedwig an das Gestüt ihrer Eltern in Westfalen erinnerten. Vanessa, eine lebhafte Brünette mit wachem Verstand und einer Schwäche für deftiges Essen, schob sich gerade eine Pommes in den Mund, als Hedwig mit leuchtenden Augen von ihrer Entdeckung zu erzählen begann.

„Du wirst nicht glauben, worauf ich heute gestoßen bin, Vanessa!“ Hedwig lehnte sich vor, ihre Stimme klang voller Enthusiasmus. „Hast du jemals von den ‚Ladies of Leisure‘ gehört? Es waren Frauen aus der englischen Oberschicht, die sich freiwillig einem Leben des Nichtstuns hingegeben haben. Stell dir das vor! Keine Arbeit, keine Pflichten, nur hübsch aussehen und repräsentieren.“

Vanessa zog die Augenbrauen hoch. „Das klingt ja wie das Gegenteil von uns. Wenn ich an meinen Praktikumsstress denke, könnte ich mir so ein Leben vielleicht mal für eine Woche vorstellen – aber auf Dauer? Warum sollte man so etwas wollen?“

Hedwig lachte und nahm einen Bissen von ihrem Burger. „Genau das frage ich mich auch! Es ist so absurd und gleichzeitig faszinierend. Stell dir vor, wie viele Aspekte der Gesellschaft und des Frauenbildes damit zusammenhängen. Es scheint fast wie eine ins Extreme getriebene Inszenierung von Wohlstand und Status. Ich habe das Gefühl, dass da noch viel mehr dahintersteckt.“

„Und was willst du jetzt damit machen?“ Vanessa musterte Hedwig skeptisch, doch in ihren Augen blitzte Interesse auf.

„Ich werde weiter recherchieren. Vielleicht finde ich sogar noch Beispiele aus der heutigen Zeit. Es könnte eine interessante Seminararbeit werden. Stell dir vor, ich vergleiche die Ladies of Leisure damals und heute!“

Vanessa grinste. „Na, dann kannst du vielleicht irgendwann selbst eine Lady of Leisure werden – mit all dem Geld deiner Eltern.“

Hedwig schüttelte den Kopf, lachte und hob ihr Glas. „Darauf ein Prost, aber ganz bestimmt nicht! Ich werde lieber Professorin oder Kuratorin. Das klingt deutlich spannender.“

Die beiden Freundinnen lachten und stießen mit ihren Gläsern an, während die Themen des Abends weiterflossen – von alten Gesellschaftsstrukturen bis hin zu den Herausforderungen ihres eigenen Alltags. Doch in Hedwigs Gedanken blieb die Faszination für die geheimnisvollen Ladies of Leisure noch lange präsent.

Hedwig war in den folgenden Tagen nicht mehr von der Universitätsbibliothek wegzudenken. Berge von Büchern, Kopien alter Zeitschriften und Artikel aus wissenschaftlichen Datenbanken stapelten sich auf ihrem Tisch. Mit jedem Fund wuchs ihre Begeisterung – und ihr Erstaunen. Die „Ladies of Leisure“ waren mehr als nur ein Kuriosum der Gesellschaftsgeschichte. Sie waren eine schillernde, aber auch bedrückende Erscheinung, in der sich die strengen Regeln und Erwartungen an Frauen aus der englischen Oberschicht widerspiegelten.

Am nächsten Freitagabend traf sie sich wieder mit Vanessa im gleichen Burger-Restaurant. Diesmal hatte Hedwig ihre Notizen dabei, ein kleines Notizbuch mit blassblauem Einband, dessen Seiten sie nun voller Eifer durchblätterte. Vanessa kaute nachdenklich an einer Süßkartoffelpommes, während Hedwig mit leuchtenden Augen ihre Entdeckungen präsentierte.

„Vanessa, du glaubst nicht, wie viele Details ich zu den Ladies of Leisure gefunden habe. Es ist unglaublich! Hör dir das an: Die Kleidung dieser Frauen war oft mehr als nur Mode – sie war eine Art Gefängnis. Sie trugen enge Korsetts, die nicht nur ihre Taille unnatürlich schmal machten, sondern sie auch daran hinderten, sich frei zu bewegen oder gar tief einzuatmen.“

Vanessa schnaubte. „Ich hab’s ja gesagt, das klingt nach Folter. Aber erzähl weiter!“

Hedwig nickte. „Es geht noch weiter. Viele Ladies of Leisure trugen zusätzlich Hauben, die ihr Gesicht teilweise oder ganz verhüllten, wenn sie in der Öffentlichkeit waren. Die Schleier und Hauben waren Zeichen von Anstand und Eleganz, aber sie isolierten die Frauen auch von ihrer Umwelt. Es war fast so, als sollten sie unsichtbar sein – schön und elegant, aber ohne wirkliches Leben.“

„Und das haben sie freiwillig gemacht?“ Vanessa zog ungläubig die Augenbrauen hoch.

„Ja, zumindest in den meisten Fällen“, sagte Hedwig und blätterte weiter. „Es gab sogar spezielle Armbinder, Vanessa. Sie wurden den Frauen angelegt, um ihre Bewegungen weiter einzuschränken. Es war ein Symbol dafür, dass sie nichts tun mussten – oder durften. Ihre einzige Aufgabe war es, präsent zu sein. Und einige von ihnen lebten bewusst keusch, oft aus Überzeugung oder weil es von ihnen erwartet wurde.“

Vanessa starrte sie an. „Das klingt nach einer Mischung aus Luxus und Albtraum. Aber warum? Warum haben sie das ertragen?“

Hedwig zuckte die Schultern. „Es war ein Statussymbol, Vanessa. Je weniger eine Frau arbeiten musste – oder auch nur konnte –, desto mehr bewies das den Reichtum ihrer Familie oder ihres Mannes. Eine Lady of Leisure war wie ein Kunstwerk oder ein Schmuckstück. Ihre Existenz war ein Statement: ‚Seht her, wir können es uns leisten, dass sie nichts tut.‘ Aber es war auch ein Käfig. Diese Frauen hatten keinen Zugang zu echter Bildung, keine Möglichkeit, ein eigenes Leben zu führen. Einige von ihnen akzeptierten es, andere rebellierten leise.“

„Und heute? Gibt es das immer noch?“ Vanessa wirkte fasziniert, wenn auch skeptisch.

„In gewisser Weise ja“, sagte Hedwig nachdenklich. „In konservativen Kreisen gibt es noch Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden, keine Arbeit aufzunehmen und nur ‚repräsentativ‘ zu sein. Sie nennen es ‚traditional femininity‘ oder so ähnlich. Aber es ist natürlich nicht mehr so extrem wie damals.“

Vanessa lehnte sich zurück und musterte ihre Freundin. „Du solltest wirklich eine Arbeit darüber schreiben, Hedwig. Das klingt nach einem Thema, das Leute fasziniert – und vielleicht auch aufrüttelt. Stell dir vor, du kannst den Kontrast zwischen damals und heute aufzeigen.“

Hedwig lächelte. „Ich glaube, das werde ich. Und weißt du, Vanessa? Je mehr ich darüber lese, desto klarer wird mir, wie privilegiert wir sind. Stell dir vor, wir müssten den ganzen Tag in einem Korsett und mit Schleier herumlaufen.“

Vanessa grinste. „Ich käme nicht mal mit einem Korsett klar. Aber gut, ich wäre auch keine Lady of Leisure – dafür esse ich zu viele Burger.“

Die beiden lachten, und für einen Moment war die schwere Geschichte der Ladies of Leisure vergessen. Doch in Hedwigs Gedanken formten sich bereits die ersten Ideen für ihre Arbeit – und für eine Reise nach England, um noch mehr über diese faszinierenden Frauen zu erfahren.

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von BlackCoon am 16.01.25 um 21:56 geändert
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 15:37 IP: gespeichert Moderator melden


So, ich habe alles rausgenommen und die ersten beiden Kapitel der Geschichte zusammengefasst und wieder reingestellt. Ich hoffe, dass ist so ok.

LG
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 16:20 IP: gespeichert Moderator melden


Jetzt bin ich verwirrt:
Wo ist die Geschichte hin, war diese zuvor nicht viel länger?

Lieber blackcoon,
Vielen Dank für das Posten Deiner Geschichte. Ist schon richtig, dass man die Kapitel hätte zusammenfassen können.
Aber das ist noch lange kein Grund, die Geschichte madig zu machen. Die Startseite leert sich von alleine wieder.
Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du auch die gelöschten Kapitel nochmals posten könntest. Wie Du ja gelesen hast, haben sich viele über die Geschichte gefreut!
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 16:58 IP: gespeichert Moderator melden


Hi, ich habe die ersten beiden Kapitel ja zusammengefasst und wieder eingestellt. Aber (die fertige) Geschichte ist nun 65 Kapitel lang. Ich hatte Zeit und ich dachte, ich lade alles hoch, weil ein Zeitfenster da war. Hatte garnicht daran gedacht, dass das natürlich etliche ärgert.

LG
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Neuschreiber63
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 17:39 IP: gespeichert Moderator melden


Das Ärgernis war ja nicht die Geschichte, sondern dass Du diese in sehr vielen einzelnen kurzen Kapiteln hochgeladen hast.
Allerdings glaube ich auch, dass diejenigen, die sich geärgert haben,deutlich weniger waren als diejenigen, welche sich über die Geschichte gefreut haben...

Und wenn Du die Geschichte nochmals gesammelt hochlädst, freuen sich vermutlich alle

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Neuschreiber63 am 16.01.25 um 17:40 geändert
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 18:49 IP: gespeichert Moderator melden


Hi, ja, ich lade es gelegentlich wieder nach und nach hoch. Ich hab mich etwas erschrocken, dass ich damit so angeeckt habe. Dann sagte ich mir ok, es ist wirklich viel. LG
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 20:52 IP: gespeichert Moderator melden


Also wenn ich richtig gezählt habe, gab es bisher 11 positive und 1 negativen Kommentar.
Viel mehr muss ich vermutlich nicht sagen...
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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 2 Datum:16.01.25 21:18 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 2 -Ein Fenster in eine andere Welt

In der stillen Ecke der Universitätsbibliothek starrte Hedwig auf den Bildschirm ihres Laptops. Vor ihr leuchtete ein Artikel auf, der ihr Interesse sofort geweckt hatte: ein Interview mit einer gewissen Lavinia Beaumont, einer modernen Lady of Leisure, die aus der englischen Oberschicht stammte. Lavinia lebte in einem prächtigen Anwesen außerhalb Londons und hatte sich bewusst für ein Leben entschieden, das an die Traditionen der historischen Ladies of Leisure anknüpfte.

Der Artikel beschrieb Lavinia als faszinierende und geheimnisvolle Persönlichkeit. Sie trug stets Schleier, um ihr Gesicht zu verbergen, und bewegte sich niemals ohne die traditionellen Armbinder, die ihre Arme fest auf ihrem Rücken fixierten. Ihr Tagesablauf bestand aus stundenlangen Zeremonien, in denen sie lediglich anwesend war, während Zofen ihre Bedürfnisse erfüllten. Lavinia sprach offen über ihre Entscheidung, diesen Lebensstil zu führen, und erklärte, dass sie darin eine Form von Eleganz und Freiheit innerhalb der Grenzen ihrer Klasse fand.

Hedwig war elektrisiert. „Das ist unglaublich! Sie ist wie eine lebende Verbindung zur Vergangenheit,“ dachte sie. „Ich muss mehr über sie herausfinden.“ Der Gedanke, Lavinia zu treffen und aus erster Hand über ihre Beweggründe und ihr Leben zu erfahren, ließ sie nicht los.
Doch wie sollte sie Kontakt zu dieser Frau aufnehmen? Im Artikel war nur vage von Lavinias abgelegenen Anwesen die Rede, und es gab keine direkten Kontaktdaten. Nach intensiver Recherche in verschiedenen Online-Foren und Archivseiten stieß Hedwig schließlich auf eine Postadresse, die mit dem Anwesen der Familie Beaumont in Verbindung gebracht wurde. Sie verfasste einen höflichen, ausführlichen Brief, in dem sie Lavinia ihr Interesse schilderte und um ein persönliches Treffen bat.

Einige Wochen später hielt Hedwig eine Antwort in der Hand. Der elegante, handgeschriebene Brief kam jedoch nicht von Lavinia selbst, sondern von ihrer Zofe, Miss Catherine. Der Ton war formell, die Botschaft klar: Lavinia sei bereit, Hedwig zu empfangen – jedoch unter strengen Bedingungen.
Hedwig las die Zeilen mehrfach und spürte ein Kribbeln aus Faszination und Nervosität. Die Regeln waren außergewöhnlich:

1. Lavinia wird ihr Gesicht nicht enthüllen. Hedwig müsse akzeptieren, dass sie Lavinia nur verschleiert sehen werde.

2. Hedwig muss sich den Traditionen des Hauses anpassen. Während ihres Besuches sei es erforderlich, Handschellen zu tragen – ein Symbol, das Respekt und Unterordnung gegenüber Lavinias Lebensstil ausdrücken solle.

3. Kein körperlicher Kontakt. Lavinia wähle bewusst eine strikte Distanz zu ihren Gästen.

4. Hedwig dürfe keine Fotos oder Audioaufnahmen machen. Nur Notizen seien erlaubt.

„Das ist … verrückt,“ murmelte Hedwig, während sie den Brief anstarrte. Aber gleichzeitig war sie auch fasziniert. Wie oft bekam man die Chance, jemanden wie Lavinia Beaumont zu treffen? Jemanden, der nicht nur über historische Traditionen sprach, sondern sie lebte?
Noch am selben Abend rief Hedwig Vanessa an, um ihr von dem Brief zu berichten. Vanessa war, wenig überraschend, skeptisch.
„Hedwig, denkst du wirklich, das ist eine gute Idee? Sich Handschellen anlegen zu lassen, nur um mit einer Frau zu reden, die ihr Gesicht nicht mal zeigt? Klingt nach einer Szene aus einem skurrilen Theaterstück.“

Hedwig lachte. „Ich weiß, es klingt seltsam, aber ich muss das tun, Vanessa. Lavinia ist wie ein Fenster in eine andere Welt. Stell dir vor, was ich über sie herausfinden könnte!“

„Na schön,“ sagte Vanessa widerwillig. „Aber wehe, du kommst aus England zurück und redest davon, selbst eine Lady of Leisure zu werden.“
Hedwig schrieb Miss Catherine zurück und akzeptierte die Bedingungen. Sie schilderte ihre Absichten, Fragen und Recherchen und betonte, dass sie Lavinias Regeln respektieren würde. Die Antwort kam prompt, mit einer detaillierten Anweisung, wie sie das Anwesen erreichen konnte.

In den darauffolgenden Tagen bereitete sich Hedwig intensiv vor. Sie sammelte Fragen, studierte die Traditionen der Ladies of Leisure weiter und stellte sich vor, wie es sein würde, Lavinia zu begegnen. Die Vorstellung, ihre eigenen Hände gefesselt zu wissen, erfüllte sie mit einer Mischung aus Unbehagen und Neugier. Aber wenn das der Preis war, um ein solches Stück Geschichte zu erleben, war sie bereit, ihn zu zahlen.

Ihre Reise nach England würde bald beginnen – und mit ihr der nächste Schritt in ihrer außergewöhnlichen Recherche.
Hedwig stand vor dem beeindruckenden Anwesen der Familie Beaumont. Die hohen schmiedeeisernen Tore öffneten sich langsam, während sie das Taxi bezahlte und ihre Tasche griff. Ihre Nervosität wuchs mit jedem Schritt, den sie auf die breite Kiesauffahrt setzte. Das Anwesen war genau so, wie sie es sich vorgestellt hatte: prachtvoll, aber zugleich altmodisch und traditionsbewusst.
Die schweren Fensterläden, die perfekt gepflegten Gärten und die ruhige, fast ehrfürchtige Atmosphäre schienen aus einer anderen Zeit zu stammen.

Am Eingang erwartete sie eine junge Frau mit einem warmen, freundlichen Lächeln. Die Zofe, Miss Catherine, war genau wie in ihrem Brief angekündigt. Sie war hübsch, mit pausbäckigen Wangen und einem blonden Zopf, der über ihre Schulter fiel. Ihr schlichtes, aber makelloses Kleid unterstrich ihre Rolle im Haushalt der Beaumonts.
„Miss Kottenbrinkmann?“ fragte Catherine in akzentfreiem Englisch.
„Ja, das bin ich,“ antwortete Hedwig und reichte ihr die Hand. Catherine nickte höflich, schüttelte sie aber nicht. Stattdessen deutete sie auf die Tür.
„Es freut mich, Sie willkommen zu heißen. Miss Beaumont erwartet Sie. Ich muss Sie allerdings daran erinnern, dass die vereinbarten Regeln ab sofort gelten.“

Hedwig nickte und folgte Catherine ins Haus. Der Eingangsbereich war atemberaubend: hohe Decken, goldene Kronleuchter, dunkle Holzvertäfelungen und schwere Teppiche, die jeden Schritt dämpften. Catherine führte sie in ein kleines Zimmer, das anscheinend für Besucher vorbereitet war. Dort warteten ein einfacher Stuhl und ein kleiner Tisch mit einem Glas Wasser. Daneben lag ein Paar schlichte Handschellen.

„Miss Beaumont legt großen Wert auf Tradition,“ sagte Catherine mit einem entschuldigenden Lächeln. „Es ist ein Zeichen des Respekts, die Handschellen während Ihres Besuchs zu tragen. Wenn Sie bereit sind, helfe ich Ihnen.“
Hedwig schluckte schwer, nickte aber entschlossen. Catherine trat hinter sie und legte ihr die Handschellen an. Ihre Arme wurden sanft, aber fest auf ihrem Rücken verschlossen. Hedwig spürte, wie ihre Bewegungsfreiheit sofort eingeschränkt wurde. Es war ungewohnt und ein wenig beunruhigend, aber sie erinnerte sich an ihr Ziel.
„Vielen Dank,“ sagte sie leise, während Catherine die Handschellen prüfte und sich dann vor sie stellte.

„Es wird alles gut. Miss Beaumont ist eine sehr freundliche Gastgeberin. Ich werde Sie nun zu ihr bringen.“
Catherine führte Hedwig durch die langen, stillen Flure des Hauses. Schließlich erreichten sie ein großes, lichtdurchflutetes Wohnzimmer. Lavinia Beaumont saß auf einem eleganten Chaiselongue, umgeben von schweren Vorhängen, die das Licht weich filterten. Sie war von Kopf bis Fuß in blickdichtem Stoff gehüllt. Ihr Gesicht war vollständig von einem schwarzen Schleier bedeckt, der selbst die kleinsten Konturen verbarg. Ihre Arme waren hinter ihrem Rücken in einem Armbinder fixiert, der aus glänzendem Leder gefertigt war und perfekt zu ihrer Kleidung passte.

„Miss Kottenbrinkmann,“ sagte Lavinia mit sanfter, klarer Stimme. „Ich danke Ihnen, dass Sie meine Regeln respektieren. Es ist mir eine Freude, Sie zu empfangen.“
Hedwig spürte einen Kloß in ihrem Hals, doch sie zwang sich zu einem Lächeln. „Vielen Dank, Miss Beaumont. Es ist mir eine Ehre, hier zu sein.“
Catherine führte Hedwig zu einem Stuhl in der Nähe und half ihr, sich mit den gefesselten Händen hinzusetzen. Sie setzte sich daneben, während Lavinia in einer ruhigen, aufrechten Haltung sitzen blieb.

„Sie sind an meinem Lebensstil interessiert,“ begann Lavinia. „Das ist ungewöhnlich, aber auch erfreulich. Die meisten Menschen verstehen nicht, was es bedeutet, eine Lady of Leisure zu sein.“
„Ich… ich möchte es wirklich verstehen,“ sagte Hedwig. „Wie haben Sie sich entschieden, dieses Leben zu führen? Und was bedeutet es für Sie?“
Lavinia neigte ihren Kopf leicht, ein Zeichen, dass sie nachdachte. „Es bedeutet Eleganz, Disziplin und Kontrolle – und die Freiheit, mich vollständig von der modernen Welt zu lösen. Mein Leben ist eine Kunstform, ein Statement. Es ist nicht leicht, aber es ist lohnend.“
Hedwig stellte ihre Fragen vorsichtig, respektierte Lavinias Distanz und die seltsame Zeremonie des Gesprächs.

Catherine blieb die ganze Zeit freundlich an ihrer Seite, bot ihr Wasser an und half ihr, das Glas zu halten. Nach und nach begann Hedwig zu verstehen, dass Lavinias Lebensstil zwar exzentrisch war, aber auch eine Art Selbstbestimmung darstellte, die in ihrer eigenen Logik Sinn ergab.

Als das Gespräch endete, war Hedwig gleichzeitig fasziniert und verwirrt. Sie hatte das Gefühl, einen Blick in eine Welt geworfen zu haben, die so fern und fremd war, dass sie sie nur schwer in Worte fassen konnte. Doch eines war klar: Lavinia Beaumont war mehr als eine skurrile Reliktfigur – sie war eine Frau, die ihre eigenen Regeln schrieb, so ungewöhnlich sie auch sein mochten.


[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von BlackCoon am 16.01.25 um 21:19 geändert
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 21:20 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo zusammen, die ersten Kapitel sind wieder da. Ich lade sie jetzt langsam nach und nach hoch.

LG
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 21:25 IP: gespeichert Moderator melden


Top.
Und/oder mach wenn es geht aus den 66 Kapiteln 6 Kapitel (oder von mir aus auch 16), das dient der Übersichtlichkeit...
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:16.01.25 21:33 IP: gespeichert Moderator melden


Ja, sie sind jetzt größer!
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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 3 Datum:16.01.25 21:55 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 3 - Zwischen Eleganz und Fesseln

Hedwig lehnte sich im Flugzeugsitz zurück und starrte gedankenverloren aus dem Fenster. Unter ihr erstreckten sich die Wolken wie ein weiches, weißes Meer, doch ihre Gedanken waren nicht bei der Landschaft. Das Gespräch mit Lavinia Beaumont hallte in ihrem Kopf wider, jeder Satz, jede Bewegung, selbst das Rascheln ihres blickdichten Schleiers.
Sie hatte nicht erwartet, so tief beeindruckt zu sein. Lavinia war nicht nur eine Frau, die in einer bizarren Tradition lebte, sondern eine, die diese Tradition bewusst gewählt und zu ihrer eigenen Kunstform gemacht hatte. Ihr Leben, das so vollständig von den gesellschaftlichen Erwartungen der modernen Welt gelöst war, schien Hedwig sowohl faszinierend als auch verstörend.

Hedwig rieb ihre Handgelenke, die immer noch eine leichte Spannung von den Handschellen spürten. Die Einschränkung hatte sie während des Gesprächs mehr beschäftigt, als sie sich anmerken ließ. Es war, als ob diese Geste – die Fesseln, die Lavinias strengen Regeln entsprachen – sie dazu zwang, sich auf eine tiefere Ebene der Empathie einzulassen.
„Disziplin, Eleganz und Kontrolle,“ murmelte Hedwig leise vor sich hin, als sie Lavinias Worte erneut durchdachte. Es war eine Lebensphilosophie, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkte. Wie konnte jemand in völliger Einschränkung Freiheit finden? Doch Lavinia hatte es mit solcher Überzeugung erklärt, dass Hedwig sich dem nicht verschließen konnte.

Was sie besonders fasziniert hatte, war Lavinias Art, sich selbst als „Kunstwerk“ zu sehen. Jede ihrer Bewegungen, jede Geste war durchdacht und präzise, als sei ihr Leben eine ununterbrochene Inszenierung. Und vielleicht war es genau das: eine Performance, die nicht für andere, sondern für Lavinia selbst geschaffen war.

„Vielleicht sind wir alle auf irgendeine Weise inszeniert,“ dachte Hedwig und betrachtete ihr eigenes Spiegelbild im Fenster. Ihre eigenen Haare, offen und locker, wirkten fast ungeordnet im Vergleich zu Lavinias perfekter Erscheinung. Hedwig fragte sich, ob sie selbst zu solch einem Lebensstil fähig wäre. Die Antwort kam schnell:

Nein, definitiv nicht. Sie war zu freiheitsliebend, zu rastlos. Aber genau das machte Lavinia so faszinierend – sie war das Gegenteil von allem, was Hedwig gewohnt war.
Dann dachte Hedwig an Catherine, die pausbäckige, freundliche Zofe, die trotz ihrer Rolle voller Wärme und Offenheit gewesen war. Catherine hatte ihr gegenüber einen Satz geäußert, der ihr nicht aus dem Kopf ging: „Miss Beaumont hat ihre Regeln gewählt, aber sie hat nie erwartet, dass andere sie verstehen.“
Vielleicht war das der Schlüssel. Lavinia lebte nicht für Verständnis, sondern für Authentizität – zumindest nach ihren eigenen Maßstäben. Das war etwas, das Hedwig bewunderte, auch wenn sie es nicht vollständig nachvollziehen konnte.

Als die Durchsage des Piloten sie aus ihren Gedanken riss, wurde Hedwig klar, dass sie eine Entscheidung getroffen hatte. Sie würde das, was sie erlebt hatte, nicht nur in ihre Recherchen einfließen lassen, sondern es weiter untersuchen. Vielleicht würde sie eine wissenschaftliche Arbeit darüber schreiben, vielleicht ein Buch – wer wusste das schon? Aber eines war sicher: Diese Reise hatte sie verändert.

Hedwig griff nach ihrem Notizbuch, das sie in der Tasche verstaut hatte, und schrieb den Titel, der ihr spontan in den Sinn kam: „Eleganz und Fesseln: Die moderne Lady of Leisure“. Darunter begann sie, ihre Gedanken zu ordnen. Der Flug zurück nach Münster würde ihr genug Zeit geben, die ersten Ideen zu Papier zu bringen.
Und während sie schrieb, fühlte sie sich – zum ersten Mal seit Tagen – vollkommen frei.
Wieder in Münster angekommen, konnte Hedwig nicht aufhören, über das Gespräch mit Lavinia Beaumont nachzudenken. Die Eindrücke hatten sich tief in ihr festgesetzt, und immer wieder erwischte sie sich dabei, in den Alltagshandlungen zu grübeln: Wie fühlte es sich an, völlig isoliert von der Welt zu leben, wie Lavinia? Wie konnte eine Frau aus freien Stücken ein Leben voller Regeln und Einschränkungen wählen – und dennoch zufrieden sein?

Eines Abends, während sie in ihrer kleinen Studentenwohnung saß, beschloss sie, einen Blog einzurichten. Der Titel war schnell gefunden: „Eleganz und Fesseln: Die Ladies of Leisure gestern und heute“.
Der Blog begann zunächst harmlos: Hedwig schrieb über ihre Recherchen, die historischen Hintergründe und die gesellschaftliche Rolle der Ladies of Leisure im viktorianischen England. Sie fügte Beobachtungen aus dem Gespräch mit Lavinia hinzu und beschrieb, wie diese Tradition in der modernen Zeit überlebt hatte. Die ersten Beiträge fanden schnell Leser, vor allem unter Geschichts- und Gesellschaftsinteressierten.

Doch mit jedem Artikel, den sie schrieb, merkte Hedwig, dass sie sich immer tiefer in das Thema hineinziehen ließ. Sie recherchierte stundenlang, las historische Dokumente und persönliche Berichte von Frauen, die ähnliche Lebensstile gewählt hatten. Ihre Faszination wuchs, und sie begann sich zu fragen, was sie selbst an diesem Lebensstil so anziehend fand.

Ein paar Wochen später saß sie an einem verregneten Nachmittag in der Bibliothek und blickte auf ihr Notebook. Während sie eine Passage über die symbolische Bedeutung von Schleiern schrieb, ertappte sie sich dabei, zu träumen. In ihrer Vorstellung sah sie sich selbst: Hedwig, in einen blickdichten schwarzen Schleier gehüllt, die Arme in einem festen Armbinder auf den Rücken gefesselt. Sie stellte sich vor, wie sie in einem großen, stillen Anwesen lebte, abgeschieden von der Welt, mit nichts als Ruhe und Schönheit um sie herum.

Die Vorstellung war so lebendig, dass sie erschrak, als eine Kommilitonin sie ansprach. „Alles okay, Hedwig?“ fragte die junge Frau, aber Hedwig winkte hastig ab. Sie fühlte sich ertappt, auch wenn niemand ihre Gedanken kennen konnte.
Die Träumerei ließ sie den ganzen Tag nicht los. Warum hatte sie sich selbst in dieser Rolle gesehen? War es nur Neugier, oder wuchs da etwas in ihr, das sie nicht verstand?
Ein paar Abende später saß sie mit Vanessa in ihrem Stamm-Burger-Restaurant. Hedwig spielte nervös mit einer Pommes, bevor sie sich endlich traute, das Thema anzusprechen.
„Vanessa, ich muss dir was erzählen,“ begann sie zögerlich.

Vanessa, die sich gerade einen großen Bissen von ihrem Burger gönnte, sah sie neugierig an. „Das klingt ernst. Was ist los?“
Hedwig nahm einen tiefen Atemzug. „Es geht um die Ladies of Leisure. Seit ich aus England zurück bin, beschäftigt mich das Thema immer mehr. Ich habe einen Blog gestartet, weißt du, und ich bekomme viele positive Rückmeldungen. Aber… ich merke, dass ich mich nicht nur mit dem Thema beschäftige. Es… es fasziniert mich auf eine Weise, die ich mir selbst nicht erklären kann.“
Vanessa runzelte die Stirn. „Okay, das ist ja erstmal nichts Schlechtes. Aber was genau meinst du?“

Hedwig errötete leicht. „Ich habe angefangen, mir vorzustellen, wie es wäre, selbst eine Lady of Leisure zu sein. Komplett. Verschleiert, mit Armbinder, vielleicht sogar unter Hausarrest, wie Lavinia. Es klingt verrückt, ich weiß, aber diese Vorstellung lässt mich nicht los.“
Vanessa legte die Pommes zur Seite und musterte Hedwig. „Hedwig… ich weiß, dass dich das Thema fasziniert, aber das klingt echt heftig. Willst du wirklich in so einem Käfig leben? Du bist die unabhängige, selbstbewusste Frau, die alles liebt, was sie tut.“
„Ich weiß,“ sagte Hedwig leise. „Ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich wollen würde. Aber die Idee davon hat etwas… beruhigendes. Ein Leben, das so klar geregelt ist, so kontrolliert. Ohne all den Stress, die Entscheidungen, die Erwartungen. Es ist fast, als würde ich darin eine Art Ruhe finden.“

Vanessa seufzte und nahm einen Schluck von ihrem Getränk. „Du solltest vorsichtig sein, Hedwig. Es ist gut, dass du das reflektierst, aber vergiss nicht, dass du ein Leben hast, das dich erfüllt. Vielleicht solltest du diesen Gedanken als das sehen, was er ist – eine Faszination, nicht mehr.“
Hedwig nickte, aber sie wusste, dass die Träumerei nicht so einfach verschwinden würde. Lavinias Worte und ihr Leben hatten etwas in ihr berührt, das sie selbst noch nicht ganz verstand. Und während sie Vanessa zuhörte, formte sich in ihrem Kopf bereits der nächste Blogeintrag: „Gefangen und frei: Warum die Idee der Lady of Leisure fasziniert“.

Hedwig saß an ihrem Schreibtisch, der sich mittlerweile in eine Art Forschungszentrum verwandelt hatte. Ihr Blog war unerwartet erfolgreich, und täglich erhielt sie Nachrichten – nicht nur von Leserinnen und Lesern, sondern auch von Zofen und sogar Ladies of Leisure selbst. Diese Frauen, die sich von der Außenwelt abgeschottet hatten, konnten natürlich nicht selbst schreiben, aber ihre Zofen übermittelten ihre Gedanken und Antworten auf Hedwigs Artikel.
Die Briefe waren faszinierend und erschreckend zugleich. Eine Zofe namens Clara schrieb ausführlich über ihre Herrin, Lady Eleanor, die sich nach einer gescheiterten Ehe und dem Verlust ihres gesellschaftlichen Status bewusst für ein zurückgezogenes Leben entschieden hatte. Lady Eleanor habe gesagt, dass der Schleier und die Isolation sie vor der Härte der Welt schützten. „Sie empfindet es als eine Art Wiedergeburt,“ hatte Clara geschrieben. „Ihr altes Gesicht ist für sie nicht mehr wichtig – der Schleier ist ihre neue Identität.“

Andere Briefe berichteten von ähnlichen Motiven: der Wunsch nach Ruhe, nach einem Leben ohne äußere Erwartungen, nach einer Kontrolle, die paradoxerweise in völliger Unterordnung gefunden wurde. Eine Zofe namens Harriet erwähnte, dass ihre Herrin, Lady Margaret, es als „Erhebung über die Welt“ betrachtete, sich selbst die Regeln aufzuerlegen, denen andere nicht folgen könnten.
Hedwig las diese Briefe immer und immer wieder, während sie tief in Gedanken versank. In manchen Berichten fand sie Trost, in anderen einen beunruhigenden Widerhall ihrer eigenen Gefühle.
Eines Abends stand sie vor ihrem Spiegel und hielt ein schlichtes schwarzes Tuch in den Händen. Es war nichts Besonderes – ein Stück Stoff, das sie aus ihrem Schrank genommen hatte. Doch in diesem Moment fühlte es sich an wie ein Schlüsselsymbol. Sie zögerte, drehte das Tuch in den Händen und fragte sich, warum sie es überhaupt tun wollte.
„Das ist verrückt,“ murmelte sie zu sich selbst. „Du bist Hedwig Kottenbrinkmann. Du studierst Geschichte und Kunstgeschichte. Du bist kein… kein Symbol.“

Und doch konnte sie nicht anders. Zaghaft legte sie das Tuch über ihren Kopf und band es so, dass es ihr Gesicht vollständig bedeckte. Die Welt hinter dem Schleier war dunkel und verschwommen, aber es war, als hätte sie eine Grenze überschritten. Sie starrte ihr verschleiertes Spiegelbild an und fühlte ein seltsames Kribbeln. War das wirklich sie? Oder war das jemand anderes?
In den folgenden Tagen wiederholte sie das Experiment. Zunächst nur kurz, dann immer länger. Nach und nach begann sie, den Schleier als Teil ihrer abendlichen Routine zu betrachten. Es war fast wie eine Meditation, ein Ritual, das sie zur Ruhe brachte. Doch je öfter sie es tat, desto mehr wuchs in ihr der Wunsch, dass der Schleier nicht nur ein Symbol, sondern tatsächlich ein Teil von ihr werden könnte.

„Eine schwarze Fläche, anonym und konturlos,“ dachte sie eines Abends, während sie vor dem Spiegel saß. „Kein Gesicht mehr, nur eine leere Oberfläche. Das wäre befreiend.“
Doch in ihr tobte ein innerer Kampf. Ein Teil von ihr schrie auf: „Was tust du da? Du bist eine freie Frau, eine Studentin! Du hast dein ganzes Leben vor dir!“ Aber ein anderer Teil – ein leiser, beharrlicher Teil – flüsterte: „Genau deshalb. Du hast die Wahl. Und vielleicht ist das hier genau das, wonach du suchst.“
Ein paar Tage später traf sie sich erneut mit Vanessa. Diesmal war es kein Burger-Restaurant, sondern ein kleines Café, wo sie sich in einer ruhigen Ecke niederließen.

Hedwig hatte beschlossen, offen mit Vanessa zu sprechen, auch wenn sie befürchtete, dass ihre Freundin sie für verrückt halten könnte.
„Vanessa, ich muss dir etwas gestehen,“ begann sie zögerlich, während sie an ihrem Tee nippte.
Vanessa hob eine Augenbraue. „Das klingt schon wieder nach einer deiner Enthüllungen. Was ist es diesmal?“
„Ich habe angefangen, zu Hause Schleier zu tragen,“ sagte Hedwig schnell, bevor sie es sich anders überlegen konnte. „Es klingt verrückt, ich weiß, aber es… es fühlt sich richtig an. Es beruhigt mich. Es ist, als könnte ich für einen Moment alles loslassen – mich selbst, meine Sorgen, meine Identität.“
Vanessa starrte sie an. „Du… trägst zu Hause Schleier? Hedwig, das ist… ich meine, warum?“
Hedwig versuchte, ihre Gefühle zu erklären. Sie sprach von den Briefen der Zofen, von Lavinia Beaumont, von der Idee, dass der Schleier eine neue Identität schaffen könnte. „Es ist nicht so, dass ich mein Leben aufgeben will,“ fügte sie hastig hinzu. „Es ist mehr wie ein Experiment. Ein Versuch, zu verstehen.“

Vanessa schwieg lange, bevor sie schließlich seufzte. „Hör zu, Hedwig. Ich mache mir Sorgen um dich. Ich verstehe, dass dich das Thema fasziniert, aber ich will nicht, dass du dich darin verlierst. Du bist meine Freundin, und ich will, dass du glücklich bist – aber nicht auf Kosten deines echten Selbst.“
Hedwig nickte, obwohl sie nicht sicher war, ob sie Vanessa wirklich beruhigen konnte. Der innere Kampf in ihr tobte weiter. Doch eines wusste sie sicher: Sie war noch lange nicht am Ende ihrer Reise.

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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 4 Datum:17.01.25 18:10 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 4 - Zwischen Selbstfindung und Versuchung

Die Tage nach ihrem Gespräch mit Vanessa fühlten sich für Hedwig seltsam an. Einerseits wusste sie, dass ihre Freundin recht hatte: Sie durfte sich nicht in einer Fantasie verlieren, die vielleicht nicht einmal ihre eigene war. Andererseits spürte sie eine innere Unruhe, ein Verlangen, das sie nicht ignorieren konnte. Der Schleier, der zunächst nur ein Symbol für ihre Recherchen gewesen war, hatte eine tiefere Bedeutung für sie gewonnen. Er war nicht mehr nur eine Idee – er war ein Teil von ihr geworden.

Hedwig begann, immer mehr Zeit in ihrem kleinen Zimmer zu verbringen, wo sie in der Sicherheit ihrer vier Wände experimentieren konnte. Ihr Blog lief weiterhin gut, und die Post von Zofen und Leserinnen häufte sich. Eine Zofe, die sich als „Margaret“ vorstellte, schickte ihr einen besonders berührenden Brief:

„Meine Herrin, Lady Cecily, sagt, dass der Schleier und die Isolation sie von den Erwartungen der Welt befreien. Sie fühlt sich anonym, ja, aber auch unsichtbar für die Urteile anderer. ‚Ich bin endlich nur ich selbst, ohne dass jemand mich sieht,‘ hat sie mir einmal gesagt. Ich glaube, sie meint damit, dass sie durch den Verzicht auf Sichtbarkeit eine Art inneren Frieden gefunden hat. Vielleicht ist das auch das, was Sie fasziniert.“

Hedwig legte den Brief zur Seite und starrte lange auf die Wand. War das der Schlüssel? War der Schleier nicht nur eine Barriere, sondern auch ein Schutzschild? Ein Mittel, um sich selbst neu zu definieren, frei von äußeren Einflüssen?
An einem verregneten Samstag wagte Hedwig einen Schritt weiter. Sie hatte sich ein schlichtes schwarzes Kleid gekauft, das an die traditionelle Kleidung der Ladies of Leisure erinnerte. Es war nicht auffällig, aber lang genug, um ihren Körper vollständig zu bedecken. Dazu band sie sich erneut das schwarze Tuch um, diesmal sorgfältiger, damit es nicht verrutschte. Ihre Hände ließ sie absichtlich lose auf ihrem Rücken ruhen, als wolle sie sich selbst an die Haltung erinnern, die Lavinia in ihrem Armbinder zeigte.

Sie saß eine Weile still vor dem Spiegel und betrachtete ihr neues Spiegelbild. Die schwarze Fläche des Schleiers war ihr neues Gesicht. Konturlos, anonym – und seltsam befreiend.
Doch plötzlich fühlte sie einen Stich der Panik. Was tat sie hier? Warum trieb sie dieses Experiment so weit? Hedwig riss sich den Schleier vom Kopf und schnappte nach Luft, als hätte sie ihn viel zu lange getragen. Tränen stiegen ihr in die Augen, und sie warf das Tuch auf den Boden.
„Das bin nicht ich!“ rief sie in den leeren Raum. Doch die Worte klangen hohl. Ein Teil von ihr wollte diese Aussage nicht akzeptieren.
Am nächsten Tag traf sie sich erneut mit Vanessa. Diesmal war es Hedwig, die das Gespräch eröffnete, ohne lange zu zögern.

„Vanessa, ich glaube, ich brauche deine Hilfe,“ sagte sie leise, während sie nervös an ihrem Tee nippte. „Ich… ich verliere mich in diesen Gedanken. Der Schleier, das Zurückgezogensein – es fühlt sich an, als würde ich darin etwas finden, das ich in meinem normalen Leben nicht habe.“
Vanessa schaute sie lange an, ohne etwas zu sagen. Schließlich atmete sie tief durch. „Hedwig, du weißt, dass ich für dich da bin. Aber ich glaube, du musst dich fragen, warum du das brauchst. Was fehlt dir in deinem Leben, dass du dich von dieser Idee so angezogen fühlst?“

Hedwig nickte langsam. Vanessa hatte recht, aber die Antwort war nicht einfach. Sie hatte immer das Gefühl gehabt, frei und unabhängig zu sein, doch vielleicht war sie es nicht wirklich. Vielleicht suchte sie in dem Schleier und der Isolation etwas, das ihr bisher gefehlt hatte: eine klare Identität, die sie selbst wählen konnte.
„Ich werde weiter recherchieren,“ sagte Hedwig schließlich. „Aber ich verspreche dir, dass ich nicht zulassen werde, dass es mich auffrisst. Ich muss verstehen, warum mich das so fasziniert – und dann entscheiden, was ich wirklich will.“
Vanessa lächelte leicht. „Das klingt vernünftig. Aber wenn du irgendwann in einem Anwesen sitzt und dich verschleierst, ruf mich an. Ich komme und hole dich da raus.“
Die beiden lachten, und für einen Moment fühlte sich alles wieder normal an. Doch in Hedwigs Innerem wusste sie, dass ihre Reise noch lange nicht zu Ende war. Der Schleier war mehr als ein Stück Stoff – er war eine Tür zu einer anderen Welt. Und Hedwig war noch nicht bereit, diese Tür zu schließen.

Die Tage vergingen, doch Hedwig konnte ihre wachsende Faszination nicht abschütteln. Der Schleier, den sie zunächst nur aus Neugier getragen hatte, wurde zunehmend zu einem Symbol für eine innere Sehnsucht. Jedes Mal, wenn sie ihn anlegte, fühlte sie eine seltsame Mischung aus Ruhe und Aufregung, als würde sie sich selbst ein Stück näherkommen und gleichzeitig von der Welt entfernen.

Hedwig begann, ihre Gedanken in einem privaten Tagebuch festzuhalten. Die Einträge wurden immer persönlicher, tiefgründiger, und sie offenbarte darin Gefühle, die sie noch niemandem anvertraut hatte.
„Der Schleier ist wie eine Grenze zwischen mir und der Welt. Wenn ich ihn trage, fühle ich mich geschützt – aber auch definiert. Es ist, als würde ich alle Erwartungen und Urteile hinter mir lassen. Und doch frage ich mich: Bin ich auf der Suche nach Freiheit oder nach einer Flucht?“
In der Zwischenzeit nahm auch die Resonanz auf ihren Blog zu. Immer mehr Leserinnen und Leser meldeten sich, einige mit Geschichten von Frauen, die ähnliche Sehnsüchte verspürten. Eine Frau schrieb, dass sie seit Jahren davon träumte, ein zurückgezogenes Leben zu führen, ohne den Druck der Gesellschaft. Andere Leserinnen lobten Hedwig dafür, ein so ungewöhnliches Thema anzusprechen. Doch nicht alle Reaktionen waren positiv – einige warfen ihr vor, eine rückständige Lebensweise zu romantisieren.

Eines Abends, während sie wieder einmal Briefe von Zofen las, fiel ihr ein neuer Bericht ins Auge. Eine Zofe namens Emily beschrieb das Leben ihrer Herrin, Lady Abigail, die in völliger Isolation auf einem Anwesen in Cornwall lebte.

„Meine Herrin hat sich entschieden, die Welt hinter sich zu lassen. Sie sagt, dass die Gesellschaft zu laut, zu hektisch ist. Der Schleier und der Armbinder geben ihr eine Struktur, die sie im Chaos verloren hatte. Sie hat sich selbst Regeln auferlegt, die ihr Halt geben. Manchmal weint sie, aber sie sagt, dass diese Tränen Teil ihrer Reinigung sind. Sie ist jetzt das, was sie immer sein wollte.“

Hedwig legte den Brief weg und starrte lange auf ihre Hände. Die Worte hatten etwas in ihr ausgelöst, das sie nicht leugnen konnte. Der Gedanke, sich selbst Regeln aufzuerlegen, um eine innere Ordnung zu schaffen, fühlte sich gleichzeitig erschreckend und verlockend an. Sie stellte sich erneut vor, wie es wäre, ein Leben zu führen wie Lady Abigail – verschleiert, zurückgezogen, mit klar definierten Grenzen.
Diese Gedanken wurden zunehmend konkreter. Hedwig begann, mehr Zeit in ihrer Wohnung zu verbringen. Sie kaufte einen feineren, blickdichten Schleier und experimentierte damit, ihn den ganzen Tag zu tragen. Anfangs war es ungewohnt, doch bald empfand sie es als beruhigend. Es war, als würde der Schleier eine Art Barriere zwischen ihr und der Welt schaffen, die ihr half, ihren inneren Frieden zu finden.
Doch gleichzeitig wuchs auch der innere Konflikt. War das wirklich das, was sie wollte? Oder war es nur eine Phase, ausgelöst durch ihre intensive Auseinandersetzung mit den Ladies of Leisure?
Eines Nachmittags saß sie wieder mit Vanessa in einem Café. Diesmal war sie entschlossen, ihr alles zu erzählen.
„Vanessa, ich glaube, ich muss dir etwas erklären,“ begann sie, während sie nervös an ihrem Tee nippte.
Vanessa schaute sie aufmerksam an. „Du hast wieder etwas Verrücktes getan, oder?“
Hedwig lachte nervös. „Vielleicht. Ich… ich habe angefangen, den Schleier regelmäßig zu tragen. Zu Hause, versteht sich. Es hilft mir, mich zu konzentrieren, meine Gedanken zu sortieren. Aber manchmal frage ich mich, ob ich mich darin verliere.“

Vanessa lehnte sich zurück und musterte Hedwig mit einer Mischung aus Sorge und Neugier. „Hedwig, du bist meine beste Freundin, und ich will nicht, dass du dich in etwas verrennst. Aber ich verstehe, dass dich das fasziniert. Ich meine, das ist nicht gerade normal, aber es ist auch nicht gefährlich, oder?“
„Nein,“ sagte Hedwig schnell. „Es ist nicht gefährlich. Es ist… anders. Ich fühle mich frei, wenn ich den Schleier trage. Frei von der Welt, frei von Erwartungen. Aber manchmal frage ich mich, ob das wirklich Freiheit ist – oder nur eine Illusion.“
Vanessa nickte langsam. „Vielleicht musst du herausfinden, was dir wirklich fehlt. Der Schleier ist vielleicht nur ein Symbol für etwas Größeres. Aber ich mache mir Sorgen, Hedwig. Versprich mir, dass du nicht aufhörst, mit mir darüber zu reden.“
Hedwig lächelte dankbar. „Ich verspreche es.“
Doch in ihrem Inneren wusste sie, dass sie die Antwort auf diese Fragen nur selbst finden konnte. Der Schleier war nicht nur ein Stück Stoff – er war eine Reise in ihr eigenes Inneres, und sie war noch längst nicht am Ziel angekommen.

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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:17.01.25 18:14 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo zusammen, hier wieder ein längeres Kapitel.
Es wird die Story hier wohl exklusiv geben. Bei dem Nischenthema lohnt es leider nicht, dass auf Englisch zu übersetzen. Da es aber auch einige kommentierten und daher auch einige lesen, lohnt es auf jeden Fall, es nochmal umzuformatieren.
Ich mache das nun so, dass es alle 1,2 Tage ein längeres Kapitel gibt.

LG

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von BlackCoon am 17.01.25 um 18:17 geändert
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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 5 Datum:17.01.25 18:46 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 5 - Hinter dem Schleier

Hedwig verbrachte immer mehr Zeit damit, ihre Wohnung in einen Rückzugsort zu verwandeln. Sie kaufte lange, fließende Kleider, die an die historische Kleidung der Ladies of Leisure erinnerten, und ergänzte sie durch langärmlige Hauben, die ihr Gesicht vollständig verhüllten. Doch das allein genügte ihr nicht. Mit Nadel und Faden nähte sie blickdichte Tücher vor die Hauben, sodass ihr Gesicht zu einer vollkommenen, undurchsichtigen Fläche wurde.

Jedes Mal, wenn sie sich in diese Kleidung hüllte, spürte sie, wie eine tiefe Ruhe über sie kam. Der Schleier trennte sie von der Außenwelt, und in ihrer Isolation fand sie etwas, das sie nie erwartet hätte: Frieden.
Hedwig beschloss, feste Zeiten für diese Rituale einzuführen. Jeden Abend ab 18 Uhr legte sie ihr Handy und alle Ablenkungen beiseite, kleidete sich in ihre langen Kleider und Hauben und verbrachte den Rest des Abends in ihrer Wohnung, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt.
Manchmal las sie, manchmal schrieb sie in ihr Tagebuch, und manchmal saß sie einfach still da, lauschte der Stille und spürte die sanfte Umarmung ihrer Kleidung.

Diese Veränderungen spiegelten sich auch in ihrem Wesen wider. Vanessa bemerkte es zuerst. „Du wirkst… irgendwie anders,“ sagte sie eines Tages, als sie gemeinsam durch Münster spazierten. „Ruhiger. Zufriedener.“
Hedwig lächelte unter ihrem Schal, den sie sich umgelegt hatte, um sich vor dem kalten Wind zu schützen. „Das bin ich auch. Ich habe eine Routine gefunden, die mir guttut. Es ist, als hätte ich endlich einen Weg gefunden, die Hektik der Welt auszublenden.“
Vanessa runzelte die Stirn, aber ihre Skepsis war weniger spürbar als zuvor. „Und das mit den langen Kleidern und den Hauben? Das ist immer noch… na ja, ungewöhnlich.“
„Ich weiß,“ gab Hedwig zu. „Aber es fühlt sich richtig an. Es ist nicht nur die Kleidung. Es ist das, was sie symbolisiert: Ruhe, Ordnung, und die Freiheit, einfach ich selbst zu sein. Ohne den Druck, irgendetwas darzustellen.“
Vanessa nickte langsam. „Solange es dir wirklich guttut… Ich habe mir Sorgen gemacht, dass du dich isolierst. Aber du scheinst glücklicher zu sein, als ich dich je erlebt habe.“

Auf ihrem Blog begann Hedwig, über ihre Erfahrungen zu schreiben. Sie berichtete offen darüber, wie sie den Schleier und die Isolation in ihrer Wohnung als eine Form der Selbstfindung erlebte.

„Es mag seltsam erscheinen, aber in dieser Kleidung, hinter diesem Schleier, fühle ich mich frei. Die Welt wird leiser, klarer, und ich habe endlich die Zeit und den Raum, mich mit meinen eigenen Gedanken zu beschäftigen. Es ist nicht nur eine Flucht, sondern eine Rückkehr zu mir selbst.“


Die Resonanz war überwältigend. Leserinnen und Leser teilten ihre eigenen Geschichten über den Wunsch nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Einige berichteten, dass sie inspiriert wurden, selbst Momente der Isolation in ihren Alltag einzubauen – sei es durch Meditation, lange Spaziergänge oder einfach das Ausschalten ihres Handys.

Doch nicht alle Reaktionen waren positiv. Einige warfen Hedwig vor, ein rückwärtsgewandtes Frauenbild zu fördern, und kritisierten, dass sie eine ungesunde Fantasie idealisiere. Hedwig nahm die Kritik ernst, erklärte aber in einem weiteren Beitrag, dass es für sie keine Einschränkung sei, sondern eine bewusste Entscheidung, die ihr Frieden bringe.

Vanessa, die regelmäßig Hedwigs Blog las, begann langsam, ihre Bedenken abzubauen. Sie sah, wie glücklich ihre Freundin war, und war beeindruckt von der Resonanz, die Hedwig erhielt. Eines Abends, während eines weiteren Treffens, sprach Vanessa das Thema erneut an. Wie immer war sie verständnisvoll, aber auch besorgt.

„Ich hab deinen letzten Blogbeitrag gelesen,“ sagte sie und nippte an ihrem Kaffee. „Über die festen Zeiten und wie du dich durch den Schleier besser konzentrieren kannst. Es klingt… irgendwie sinnvoll, wenn man es so erklärt.“
Hedwig lächelte. „Es freut mich, dass du es verstehst. Ich weiß, dass es seltsam klingt, aber für mich ist es ein Weg, das Leben zu entschleunigen. Es geht nicht darum, mich zu verstecken – es geht darum, mich zu finden.“
Vanessa nickte langsam. „Vielleicht hast du recht. Vielleicht können wir alle ein bisschen mehr Ruhe in unserem Leben gebrauchen. Aber versprich mir eins: Lass mich wissen, wenn es dir irgendwann zu viel wird.“

„Das verspreche ich,“ sagte Hedwig. „Aber ich glaube, ich habe endlich einen Weg gefunden, der für mich funktioniert.“
Und tatsächlich fühlte sie sich das erste Mal seit Jahren, als hätte sie ihren Platz in der Welt gefunden – auch wenn dieser Platz hinter einem Schleier lag.

Etwas später saß Hedwig in ihrer Wohnung und überlegte, wie sie die Alltagsroutinen der Ladies of Leisure weiter erkunden könnte. Die Briefe der Zofen und ihre Recherchen hatten ihr ein detailliertes Bild davon vermittelt, wie strukturiert und zugleich minimalistisch das Leben dieser Frauen war. Alles war darauf ausgelegt, Ruhe und Harmonie zu schaffen, ohne den Druck der Selbstbestätigung oder des äußeren Erfolgs.
Ein typischer Tag begann mit einem stillen Frühstück, gefolgt von einer Phase der Kontemplation. Dabei standen oder saßen die Ladies in aufrechter Haltung, achteten bewusst auf ihre Körperhaltung und ließen ihre Gedanken schweifen, ohne zu sprechen. Der Müßiggang bestand aus simplen Aktivitäten: ausgedehnte Spaziergänge im Garten oder durch die Natur, Musikhören, Tagträumen auf einem bequemen Sessel oder das Genießen von Tee und Kuchen während der Teezeit.

Für Hedwig war es faszinierend, wie diese Frauen ein Leben führten, das so vollkommen auf die Reduktion von Reizen und äußeren Anforderungen ausgerichtet war. Es war ein bewusster Verzicht auf Bestätigung und Ablenkung – kein Schreiben, kein Lesen, kein Handwerk. Nur Sein.
Eines Tages beschloss Hedwig, den Alltag der Ladies of Leisure möglichst vollständig nachzuempfinden. Sie begann mit einem leisen Frühstück, bei dem sie nur das sanfte Klirren von Porzellan und das Geräusch des Teewassers wahrnahm. Anschließend zog sie eines ihrer langen Kleider an, setzte sich aufrecht auf ihren Stuhl und konzentrierte sich auf ihre Haltung.
Zuerst kam ihr die Kontemplation seltsam vor. Einfach nur zu sitzen, ohne ein Buch oder Handy, ohne Musik, fühlte sich ungewohnt an.

Doch nach einer Weile spürte sie, wie ihre Gedanken langsamer wurden und eine tiefe Ruhe einkehrte. Es war, als würde sie die Welt aus einem neuen Blickwinkel betrachten – klarer, geordneter.
Nach der Kontemplation machte sie einen Spaziergang durch den nahegelegenen Park. Sie achtete bewusst auf die Geräusche um sich herum, die kühle Luft, das sanfte Rascheln der Bäume. Danach bereitete sie sich eine kleine Teezeit vor, mit einem Stück Kuchen, das sie in aller Ruhe genoss. Zum Abschluss des Tages setzte sie sich in ihren Sessel, schloss die Augen und ließ ihren Gedanken freien Lauf.

Am Ende dieses ersten „vollständigen Tages“ fühlte sie sich erfrischt, wie nach einem Kurzurlaub. Es war erstaunlich, wie sehr dieser geregelte Müßiggang ihr half, sich geerdet und ausgeglichen zu fühlen.
Einige Tage später traf sich Hedwig erneut mit Vanessa, diesmal in einem schicken Restaurant in der Innenstadt. Zum ersten Mal hatte sie eines ihrer langen Kleider angezogen. Es war schlicht, in einem tiefen Blau, mit langen Ärmeln und einer eleganten, fließenden Silhouette. Hedwig fühlte sich wohl darin, auch wenn sie wusste, dass es ein ungewöhnlicher Anblick war.
Vanessa hob überrascht die Augenbrauen, als sie Hedwig sah. „Wow, du siehst ja ganz anders aus! Das Kleid steht dir, aber ich hätte nie gedacht, dass du mal so etwas trägst.“
Hedwig lächelte und setzte sich. „Es gehört zu meinen Experimenten. Ich habe den Alltag der Ladies of Leisure ausprobiert – komplett. Und Vanessa, ich muss dir sagen: Es ist unglaublich!“
Vanessa schüttelte den Kopf und lachte. „Erzähl mir mehr. Ich bin gespannt, wie ‚unglaublich‘ ein Tag voller… nichts sein kann.“
Hedwig begann begeistert zu berichten. Sie erzählte von den stillen Momenten der Kontemplation, den Spaziergängen, dem Musikhören und der Freude an der Einfachheit. Sie beschrieb, wie sie sich nach solchen Tagen ruhiger und klarer fühlte, als hätte sie die Hektik des modernen Lebens vollständig hinter sich gelassen.
„Es ist, als würde ich eine andere Seite von mir entdecken,“ sagte Hedwig schließlich. „Eine Seite, die keine Bestätigung braucht. Es geht nicht darum, etwas zu leisten oder zu erreichen, sondern einfach nur da zu sein.“
Vanessa nickte langsam, ihre Skepsis wich einem nachdenklichen Ausdruck. „Es klingt… faszinierend. Aber ich weiß nicht, ob ich das könnte. Ich meine, ich brauche immer irgendwas zu tun, sonst werde ich nervös.“
„Das dachte ich auch,“ erwiderte Hedwig. „Aber wenn du es einmal ausprobierst, merkst du, wie viel Frieden in diesen einfachen Dingen liegt. Es ist, als würdest du all den Lärm der Welt ausschalten.“

Vanessa nahm einen Schluck von ihrem Wein und lächelte. „Vielleicht hast du recht. Vielleicht sollte ich mir ein Beispiel an dir nehmen und es ausprobieren. Aber ich glaube, ich fange lieber mit dem Tee und Kuchen an.“
Die beiden lachten, und Hedwig spürte, dass Vanessa ihre Begeisterung langsam verstand. Während des Essens fühlte sie sich so zufrieden und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr – als hätte sie endlich einen Weg gefunden, der zu ihr passte.
Hedwig merkte kaum, wie sich ihr Alltag zunehmend veränderte. Die Tage in ihrer Wohnung, in denen sie ihre langen Kleider und blickdichten Hauben trug, wurden länger und erfüllender. Das Studium rückte immer mehr in den Hintergrund. Sie nahm sich vor, es später fortzusetzen, wenn sie sich stabilisiert hätte – doch in Wahrheit dachte sie kaum noch daran. Ihre Einkäufe erledigte sie nicht mehr selbst; stattdessen ließ sie sich Lebensmittel liefern, sodass sie die Außenwelt nur noch bei ihren ausgedehnten Spaziergängen erlebte.
Vanessa begleitete sie weiterhin auf diesen Spaziergängen, und trotz ihrer anfänglichen Skepsis genoss sie die Gespräche mit Hedwig, die in letzter Zeit so viel ruhiger und ausgeglichener wirkte.

Hedwig erzählte ihr begeistert von ihrem Blog, der immer mehr Leser anzog. Ihre Erfahrungsberichte über den Alltag der Ladies of Leisure und die Transformation, die sie selbst durchlebte, fanden großen Zuspruch.
Doch Hedwig ging noch einen Schritt weiter. Eines Nachmittags entschied sie, alle persönlichen Fotos auf ihrem Blog zu löschen und durch neue zu ersetzen – Bilder, auf denen sie selbst zu sehen war, allerdings nur mit Haube und Schleier. Ihre Identität wurde vollständig anonymisiert, und genau das wollte sie erreichen. „Ich bin nicht wichtig,“ schrieb sie in einem Beitrag. „Es geht nicht um mich, sondern um die Idee, um die Ruhe und die Schönheit eines Lebens, das sich selbst genügt.“

Die Reaktionen waren oft positiv. Viele Leserinnen und Leser lobten ihre Konsequenz und bezeichneten sie als inspirierend. Einige schrieben, dass sie selbst begonnen hätten, ähnliche Praktiken in ihr Leben zu integrieren, wenn auch in kleinerem Rahmen.
Doch trotz all ihres Fortschritts spürte Hedwig, dass sie noch eine Grenze nicht überschritten hatte: das Tragen von Haube und Schleier außerhalb ihrer Wohnung. In ihrem Zuhause fühlte sie sich sicher und frei, aber draußen? Das schien ein gewaltiger Schritt zu sein.

Die Idee kam ihr eines Morgens, als sie sich auf einen Spaziergang mit Vanessa vorbereitete. Sie hielt ihre Haube in der Hand und betrachtete den blickdichten Schleier, der daran befestigt war. Der Gedanke, diesen Schutz auch draußen zu tragen, reizte sie – aber er machte ihr auch Angst. Wie würden die Leute reagieren? Würde sie angestarrt werden? Würde Vanessa sie verstehen?

An diesem Abend wandte sie sich an ihre Community. Sie schrieb einen langen Beitrag auf ihrem Blog, in dem sie ihre Gedanken und Zweifel schilderte.

„Ich denke darüber nach, Haube und Schleier auch draußen zu tragen – zumindest probeweise, bei einem Spaziergang mit einer guten Freundin. Es fühlt sich an, als wäre das der nächste Schritt in meinem Weg, aber ich bin unsicher. Wird es die gleiche Ruhe bringen wie in meiner Wohnung? Oder wird es zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Ich wüsste gerne, was ihr darüber denkt.“

Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Viele Leserinnen und Leser ermutigten sie, es auszuprobieren. Einige wiesen darauf hin, dass sie es langsam angehen sollte – vielleicht an einem Ort, wo sie weniger Menschen begegnen würde. Andere rieten ihr, sich nicht von der Meinung anderer beeinflussen zu lassen. „Es ist dein Weg,“ schrieb eine Leserin. „Wenn es sich für dich richtig anfühlt, solltest du es tun.“

Ein paar Tage später sprach Hedwig mit Vanessa darüber. Sie waren gerade in einem kleinen Café, und Hedwig hatte vorsichtig das Thema angeschnitten.
„Vanessa, ich überlege… ob ich beim nächsten Spaziergang die Haube und den Schleier tragen sollte,“ sagte sie leise, während sie an ihrem Tee nippte. „Nur um zu sehen, wie es sich anfühlt.“
Vanessa legte ihre Gabel zur Seite und schaute Hedwig ernst an. „Du willst das wirklich machen? Draußen?“
Hedwig nickte. „Ja. Es fühlt sich an, als wäre es der nächste Schritt. Aber ich bin mir nicht sicher, wie die Leute reagieren werden. Und ich weiß nicht, ob du dich damit wohlfühlst.“
Vanessa dachte einen Moment nach, bevor sie antwortete. „Hedwig, ich verstehe, dass dir das wichtig ist. Und ehrlich gesagt, wenn es dich glücklich macht, unterstütze ich dich. Aber ich will sicherstellen, dass du dich damit wohlfühlst. Vielleicht gehen wir an einen ruhigeren Ort, wo nicht so viele Leute sind? Und wenn es dir unangenehm wird, nehmen wir den Schleier wieder ab. Okay?“
Hedwig lächelte dankbar. „Danke, Vanessa. Das bedeutet mir viel. Ich weiß, dass das für dich auch eine große Veränderung ist.“
Hedwig verbrachte die nächsten Tage damit, sich mental auf diesen ersten Schritt vorzubereiten. Sie wählte eine ihrer liebsten Hauben aus, mit einem Schleier, der leicht schimmerte, wenn das Licht darauf fiel. Außerdem plante sie mit Vanessa eine Route durch einen nahegelegenen Park, der weniger besucht war.

Am Morgen des Spaziergangs stand sie vor ihrem Spiegel, atmete tief durch und setzte die Haube auf. Der Schleier fiel sanft über ihr Gesicht und nahm ihr die Sicht auf die Details der Welt – genau wie sie es mochte. Mit klopfendem Herzen verließ sie ihre Wohnung, bereit, den nächsten Schritt auf ihrem Weg zu wagen.

Der Park war still an diesem Morgen, nur das Zwitschern der Vögel und das gelegentliche Rascheln des Windes in den Bäumen durchbrachen die Ruhe. Hedwig stand am Eingang, in ihr langes Kleid gehüllt, die Haube mit dem blickdichten Schleier fest auf ihrem Kopf. Ihre Hände zitterten leicht, als sie auf Vanessa wartete. Sie wusste, dass dies ein großer Schritt war – nicht nur für ihr Experiment, sondern für ihren gesamten Weg.

Vanessa kam wenige Minuten später, wie immer gut gelaunt und lässig gekleidet. Doch als sie Hedwig sah, hielt sie für einen Moment inne.
„Wow,“ sagte sie schließlich und musterte ihre Freundin von Kopf bis Fuß. „Das sieht… beeindruckend aus. Aber auch irgendwie einschüchternd. Wie fühlst du dich?“
Hedwig atmete tief durch, und ihre Worte klangen gedämpft hinter dem Schleier. „Ich bin nervös. Sehr nervös. Aber auch irgendwie aufgeregt. Es fühlt sich… richtig an, weißt du? Als wäre ich genau da, wo ich sein sollte.“
Vanessa nickte langsam und lächelte beruhigend. „Okay, dann gehen wir. Und keine Sorge, ich bin bei dir.“

Sie betraten den Park, und Hedwig spürte sofort die Blicke. Obwohl der Park an diesem Morgen fast leer war, schienen die wenigen Passanten ihre ungewöhnliche Erscheinung sofort zu bemerken. Einige schauten verstohlen, andere direkt, und manche drehten sich sogar um. Hedwig fühlte, wie ihr Herz schneller schlug, doch sie hielt den Kopf hoch und ging langsam weiter.

„Was denkst du?“ fragte sie schließlich und blickte durch den Schleier zu Vanessa.
Vanessa zögerte einen Moment, bevor sie antwortete. „Ehrlich gesagt? Es ist seltsam. Nicht schlecht, aber… ungewohnt. Du wirkst so… unnahbar. Wie jemand aus einer anderen Zeit.“
Hedwig lachte leise. „Genau das will ich. Der Schleier soll meine Identität auslöschen. Es geht nicht um mich, sondern um die Idee. Ich will eine Lady of Leisure werden, Vanessa. Richtig, mit allem, was dazugehört.“

Vanessa blieb kurz stehen und drehte sich zu ihr. „Das meinst du wirklich ernst, oder? Kein Experiment mehr, kein Blog, sondern… ein Lebensstil?“
„Ja,“ sagte Hedwig entschlossen. „Aber ich weiß, dass es noch ein langer Weg ist. Es gibt so viele Dinge, die ich ändern muss. Meine Wohnung ist nicht ideal, ich brauche eine Umgebung, die mich komplett abschirmt. Und dann ist da noch die finanzielle Seite. Ich kann das nicht machen, ohne mich abzusichern.“

Vanessa seufzte und schob die Hände in die Taschen. „Also planst du, alles aufzugeben? Studium, Freunde, dein Leben hier?“
„Nicht sofort,“ erklärte Hedwig. „Aber irgendwann, ja. Ich möchte eine Umgebung schaffen, die mir das ermöglicht. Eine Welt, in der ich mich nur auf das Wesentliche konzentrieren kann – Ruhe, Kontemplation, und die Freiheit, einfach zu sein.“
Vanessa schüttelte den Kopf, aber nicht aus Ablehnung. Es war ein Ausdruck von Faszination und ein wenig Sorge. „Weißt du, Hedwig, ich bewundere deinen Mut. Aber ich hoffe, dass du nicht vergisst, wer du bist. Dass du dich nicht in all dem verlierst.“

Hedwig legte ihre Hand auf Vanessas Arm. „Deshalb habe ich dich, Vanessa. Du erinnerst mich daran, wo ich herkomme. Und du wirst mich daran erinnern, wenn ich zu weit gehe.“
Vanessa lachte und nickte. „Das verspreche ich dir. Aber weißt du was? Wenn ich dich so sehe, kann ich nicht leugnen, dass du dafür gemacht bist. Du hast diese… Haltung, diese Ruhe. Vielleicht bist du wirklich dazu bestimmt.“
Die beiden gingen weiter, und Hedwig fühlte sich, als hätte sie einen wichtigen Schritt gemacht. Der Schleier, der sie anfangs eingeschüchtert hatte, war nun ein Teil von ihr. Er schützte sie, gab ihr Raum und Ruhe. Und während sie durch den Park gingen, sprach sie mit Vanessa über ihre Pläne, über die kleinen und großen Veränderungen, die sie in den nächsten Monaten angehen wollte.

Als sie den Park verließen, wusste Hedwig, dass sie auf dem richtigen Weg war – und dass sie nicht allein war. Vanessa würde an ihrer Seite bleiben, egal wie ungewöhnlich ihr Weg auch werden mochte.

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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 6 Datum:18.01.25 08:23 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 6 - Träume und Herausforderungen

Hedwig und Vanessa saßen in einem kleinen Café in Münster, beide über eine Tasse Tee gebeugt. Es war ein ungewöhnlich stiller Moment für die beiden, doch die Unterhaltung, die sie führten, war von großer Bedeutung. Sie sprachen über Hedwigs Zukunft – eine Zukunft, die sich immer klarer abzeichnete, aber auch mit großen Herausforderungen verbunden war.

„Also,“ begann Vanessa, während sie einen Schluck Tee nahm. „Wenn du das wirklich durchziehen willst – und ich meine richtig, mit allem drum und dran – dann müssen wir über deine Eltern reden. Sie werden davon erfahren müssen.“
Hedwig nickte langsam. „Ich weiß. Das wird der schwierigste Teil. Sie haben immer so große Erwartungen an mich gehabt. Dass ich mein Studium abschließe, Karriere mache… Aber ich hoffe, dass ich sie überzeugen kann. Vielleicht sehen sie es als eine Art… Investition in meinen Lebensstil.“
Vanessa zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Das klingt mutig. Du möchtest sie also nicht nur einweihen, sondern sie auch bitten, deinen Lebensstil zu finanzieren?“

„Ja,“ antwortete Hedwig zögerlich. „Ich meine, sie haben genug Geld, um es zu ermöglichen. Und ich würde es nicht als reines Nichtstun verkaufen. Es ist eine bewusste Entscheidung, ein ruhiges, strukturiertes Leben zu führen. Vielleicht sehen sie es als etwas Edles, fast Künstlerisches.“

Vanessa schnaubte leise. „Das klingt vielleicht in deinem Kopf überzeugend, aber du kennst deine Eltern besser als ich. Was, wenn sie nein sagen? Was ist dein Plan B?“
Hedwig sah aus dem Fenster und dachte nach. „Dann… müsste ich einen anderen Weg finden. Vielleicht einen Sponsor, jemand, der an mein Konzept glaubt. Oder ich müsste versuchen, genug zu sparen, um mir zumindest den Anfang selbst zu finanzieren.“
Vanessa nickte. „Okay, das ist zumindest realistisch. Aber nehmen wir mal an, sie sagen ja. Wie würdest du das Ganze dann umsetzen?“
„Ich stelle mir ein Landhaus vor,“ begann Hedwig, und ihre Augen leuchteten. „Nicht zu groß, aber mit einem weitläufigen Garten, der genug Platz für Spaziergänge bietet. Es sollte abgeschieden sein, damit ich wirklich Ruhe finde.“

Vanessa grinste. „Und dann? Würdest du das Grundstück überhaupt noch verlassen? Oder denkst du darüber nach, Hausarrest zu halten?“
Hedwig lachte leise, aber die Frage brachte sie ins Grübeln. „Ich weiß es nicht genau. Der Gedanke, das Grundstück nicht zu verlassen, ist verlockend. Es würde mir helfen, die Welt draußen wirklich loszulassen. Aber vielleicht wäre es klüger, damit zu warten, bis ich mich vollkommen eingerichtet habe.“
„Klingt vernünftig,“ meinte Vanessa. „Aber dann gibt es da noch die Frage nach deiner Garderobe. Die Kleider, die du jetzt hast, sind ja nur eine Übergangslösung, oder? Und deine Haube…“
„Die ist von Etsy,“ unterbrach Hedwig mit einem schiefen Lächeln. „Ich weiß, sie ist nicht perfekt. Ich werde jemanden finden müssen, der mir maßgeschneiderte Kleider und Hauben anfertigt. Es muss alles zusammenpassen – schlicht, elegant und funktional.“
Vanessa nickte. „Und was ist mit dem Armbinder? Denkst du darüber nach, wann du damit anfangen willst?“

Hedwig zögerte, bevor sie antwortete. „Ja, aber ich will nichts überstürzen. Das wäre der nächste Schritt, wenn ich mich in meinem neuen Leben eingerichtet habe. Ich denke, es ist eine Frage der Vorbereitung, mental und körperlich.“
„Und Hausangestellte?“ fragte Vanessa. „Ich meine, wenn du dich wirklich auf das Leben als Lady of Leisure konzentrieren willst, wirst du Leute brauchen, die dir den Alltag erleichtern.“
„Absolut,“ stimmte Hedwig zu. „Eine Haushälterin, vielleicht auch eine Zofe, die sich um meine Garderobe und die täglichen Rituale kümmert. Aber das größte Problem bleibt die Finanzierung. Selbst wenn meine Eltern zustimmen, wird das eine langfristige Verpflichtung sein.“

Vanessa lehnte sich zurück und sah Hedwig ernst an. „Okay, lass uns realistisch bleiben. Deine Eltern sind vermutlich nicht begeistert davon, dass du dein Studium schleifen lässt, und jetzt willst du sie bitten, ein Landhaus, Kleidung, Angestellte und einen komplett neuen Lebensstil zu finanzieren. Wie planst du, das zu verkaufen?“
Hedwig nahm einen tiefen Atemzug. „Ich werde es ihnen als eine Form von Selbstverwirklichung erklären. Dass ich nicht den traditionellen Weg gehen möchte, den sie für mich vorgesehen haben, sondern einen anderen – einen, der genauso viel Disziplin und Hingabe erfordert. Vielleicht… vielleicht kann ich es mit etwas verbinden, das ihnen wichtig ist. Zum Beispiel ein öffentliches Projekt oder ein Blog, der diesen Lebensstil dokumentiert.“
Vanessa schüttelte den Kopf. „Das könnte klappen, aber es wird hart. Deine Eltern sind nicht dumm. Sie werden wissen wollen, warum du dich von allem anderen abwenden willst.“
Hedwig nickte. „Ich weiß. Aber ich muss es versuchen. Wenn ich sie überzeugen kann, ist das der erste Schritt zu meinem neuen Leben. Und wenn nicht… dann werde ich einen anderen Weg finden.“
Vanessa lächelte und legte eine Hand auf Hedwigs Arm. „Egal, was passiert, ich bin für dich da. Und wenn du wirklich dieses Landhaus bekommst, werde ich die Erste sein, die dich besuchen kommt – auch wenn ich dann den Schleier tragen muss, um reinzukommen.“

Hedwig lachte, und für einen Moment fühlte sie sich weniger allein in ihrem Vorhaben. Es war ein großer Traum, voller Unsicherheiten, aber sie war entschlossen, ihn zu verfolgen – mit oder ohne die Unterstützung ihrer Eltern. Am Abend saß sie da und dachte nach. Sie beschloss Wege zu finden, welche sie unabhängig von deren Zustimmung machten.
Hedwig saß vor ihrem Laptop und überlegte, wie sie ihre Gedanken und Pläne in Worte fassen sollte. Sie hatte sich entschlossen, auf ihrem Blog offiziell bekanntzugeben, dass sie den Schritt wagen wollte: Sie würde Lady of Leisure werden und ein zurückgezogenes Leben führen. Es fühlte sich an wie ein Sprung ins Ungewisse, doch sie wusste, dass sie ihrer Community vertrauen konnte.
Mit zitternden Fingern schrieb sie:

„Liebe Leserinnen und Leser,
seit Monaten teile ich hier meine Reise und meine Gedanken zu einem Lebensstil, der mich zutiefst fasziniert hat: das Leben als Lady of Leisure. Heute möchte ich mit euch teilen, dass ich entschlossen bin, diesen Weg vollständig zu gehen. Ich möchte mich aus der Hektik des modernen Lebens zurückziehen, um ein ruhiges, kontemplatives Dasein zu führen. Es ist eine große Entscheidung, die viel Planung und Unterstützung erfordert, aber ich weiß, dass dies der richtige Schritt für mich ist.
Danke, dass ihr mich auf dieser Reise begleitet – eure Unterstützung bedeutet mir alles.“


Sie klickte auf „Veröffentlichen“ und atmete tief durch. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.
Zu Hedwigs Überraschung war die Resonanz überwältigend positiv. Innerhalb weniger Stunden wurde der Beitrag hunderte Male kommentiert, geteilt und geliked. Doch das war erst der Anfang. Über die nächsten Tage erhielt sie zahlreiche private Nachrichten und Briefe – viele davon waren großzügige Angebote und Unterstützungszusagen. Zu den Zuschriften gehörten auch Berichte von Zofen, die ihre Herrinnen über Hedwigs Pläne informierten.

Ein Brief von einer Zofe namens Emma berichtete von ihrer Herrin, Lady Charlotte:

„Meine Herrin, Lady Charlotte, lebt seit über zehn Jahren zurückgezogen auf ihrem Anwesen in Sussex. Sie sagte, es sei die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen, sich für diese Lebensweise zu entscheiden. Sie lebt in völliger Stille und widmet sich ausschließlich Kontemplation und Spaziergängen. Lady Charlotte wünscht Ihnen von Herzen Erfolg und hat eine großzügige Spende überweisen lassen, um Ihnen den Einstieg in dieses Leben zu erleichtern.“

Eine andere Nachricht kam von einer Zofe namens Helen, die für Lady Rosalind arbeitete:

„Lady Rosalind hat seit zwanzig Jahren keinen Fuß mehr außerhalb ihres Grundstücks gesetzt. Sie findet die Idee, dass junge Frauen wie Sie diesen Lebensstil wiederentdecken, inspirierend. Sie hat mir aufgetragen, Ihnen zu schreiben, dass sie Sie ermutigen möchte, Ihren Weg zu gehen. Außerdem wird sie Ihnen eine Sofortrente zukommen lassen, damit Sie sich vollständig auf Ihre Transformation konzentrieren können.“

Eine dritte Nachricht stammte von einer Zofe namens Margaret, die für eine Lady Eleanor arbeitete:

„Lady Eleanor war begeistert, von Ihren Plänen zu hören. Sie sagte, dass das Leben als Lady of Leisure nicht nur eine persönliche Entscheidung ist, sondern ein Statement gegen die Hektik und Oberflächlichkeit der modernen Welt. Sie möchte Ihnen ihre Unterstützung zusichern und hat angeboten, Ihnen ihre Schneiderin und Beraterin zur Verfügung zu stellen, wenn Sie möchten.“

Hedwig war überwältigt. Nicht nur, dass sie so viel Zuspruch erhielt – die finanziellen Zuwendungen und das Angebot einer Sofortrente machten ihre Pläne über Nacht realistisch. Sie war plötzlich in der Lage, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: ein passendes Haus zu finden und die nächsten Schritte zu planen.
Hedwig konnte es kaum erwarten, Vanessa zu treffen und ihr die Neuigkeiten zu erzählen. Sie trafen sich in einem ruhigen Café, und Hedwig sprudelte vor Aufregung.
„Vanessa, du wirst es nicht glauben!“ begann sie, bevor ihre Freundin überhaupt etwas sagen konnte. „Die Community hat so positiv reagiert. Ich habe Spenden erhalten, ein Angebot für eine Sofortrente – und sogar Unterstützung von Zofen, die mir die Geschichten ihrer Ladies geschickt haben. Es ist alles so… real geworden.“

Vanessa war sichtlich beeindruckt. „Wow, Hedwig. Das ist unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell geht. Aber… bist du bereit dafür? Das ist kein kleines Experiment mehr. Das wird dein Leben.“
Hedwig nickte entschlossen. „Ich weiß. Aber ich fühle mich bereit. Und das Beste ist: Ich kann mir jetzt ein Haus im Münsterland suchen – ein richtiges Anwesen, das zu diesem Lebensstil passt. Und ich möchte, dass du mich dabei begleitest.“
Vanessa lächelte. „Natürlich helfe ich dir. Du weißt, ich habe ein gutes Auge für Immobilien. Aber du musst mir versprechen, dass wir auch praktisch bleiben. Keine Schlösser mit 50 Zimmern, okay?“

Die beiden lachten, und für einen Moment fühlte sich alles wie früher an – bevor Hedwig diesen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen hatte. Doch diesmal war Vanessa voll und ganz an ihrer Seite.
In den kommenden Wochen machten sich Hedwig und Vanessa auf die Suche nach einem passenden Haus. Hedwig stellte klare Anforderungen: Es musste ruhig und abgelegen liegen, mit einem großen Garten für Spaziergänge und genug Platz für ihre zukünftigen Hausangestellten. Die ersten Besichtigungen waren vielversprechend, aber Hedwig wusste, dass sie den richtigen Ort finden würde, wenn sie ihn sah.

„Ich will nicht nur ein Haus,“ sagte sie eines Tages zu Vanessa, während sie durch eine lange Allee fuhren. „Ich will einen Ort, der sich wie ein Refugium anfühlt. Ein Ort, der zu meinem neuen Leben passt.“
Vanessa nickte. „Und ich will sicherstellen, dass er auch praktisch ist. Du wirst schließlich lange dort leben.“
Hedwig lächelte. Mit Vanessa an ihrer Seite fühlte sie sich bereit, den nächsten Schritt zu machen – und ihr neues Leben als Lady of Leisure zu beginnen.

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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 7 Datum:18.01.25 14:24 IP: gespeichert Moderator melden


Und hier wieder ein größeres Kapitel

LG

Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 7 - Ein Schritt in ein neues Leben

Nach Wochen intensiver Suche hatten Hedwig und Vanessa endlich das perfekte Haus gefunden. Es lag etwas außerhalb von Münster, eingebettet in eine ruhige, ländliche Umgebung. Das Anwesen war nicht übermäßig groß, aber genau richtig für Hedwigs Pläne: ein charmantes Landhaus mit einer klassischen Fassade, hohen Fenstern, einem weitläufigen Garten und einem kleinen Waldstück für Spaziergänge.
„Das ist es,“ sagte Hedwig mit leuchtenden Augen, als sie durch den Garten ging. „Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Privat, ruhig, aber nicht zu abgehoben.“
Vanessa, die sie begleitete, nickte zustimmend. „Es hat wirklich alles, was du brauchst. Und der Garten ist wunderschön. Ich sehe dich schon hier entlang spazieren – natürlich mit Schleier und Haube.“

Die beiden lachten, aber für Hedwig fühlte sich der Moment bedeutend an. Dies war der Ort, an dem sie ihr neues Leben beginnen würde.
Zurück in ihrer Wohnung wandte sich Hedwig erneut an ihre treue Community. Sie teilte die Neuigkeiten über das Haus und schrieb in einem ausführlichen Blogbeitrag über ihre nächsten Schritte.

[/i]„Liebe Leserinnen und Leser,
das Haus ist gefunden! Es erfüllt all meine Vorstellungen und wird der perfekte Ort sein, um mein neues Leben als Lady of Leisure zu beginnen. Nun stehe ich vor der nächsten Herausforderung: Wie organisiere ich meinen Haushalt? Ich habe aus euren Zuschriften und den Berichten der Zofen gelernt, dass die Ladies of Leisure oft von einem Team unterstützt werden – Zofen, Hausangestellte und manchmal sogar Gouvernanten. Aber wie viele brauche ich wirklich, und wo finde ich die richtigen Personen? Eure Ratschläge und Erfahrungen wären mir jetzt eine große Hilfe!“[/i]

Die Antworten kamen schnell. Vor allem die Zofen der Ladies meldeten sich mit wertvollen Hinweisen. Eine Nachricht von Emma, der Zofe von Lady Charlotte, fasste die Anforderungen zusammen:

„Liebe Miss Kottenbrinkmann,
meine Herrin hat zwei Zofen: eine, die sich um ihre Garderobe und ihre tägliche Betreuung kümmert, und eine andere, die den Haushalt organisiert. Zusätzlich gibt es eine Gouvernante, die eine besondere Rolle spielt. Sie achtet nicht nur auf die Einhaltung der Regeln, sondern ist auch eine Art Lehrerin und Vertraute. Eine Gouvernante sollte streng, aber gerecht sein – jemand, der Ihre Disziplin fördert und Ihnen gleichzeitig Gesellschaft leistet.“


Eine ähnliche Nachricht kam von Margaret, der Zofe von Lady Eleanor:

„Eine Gouvernante ist unerlässlich, wenn Sie sich wirklich auf die Lebensweise einer Lady of Leisure einlassen möchten. Sie ist nicht nur dafür da, die Regeln zu überwachen, sondern hilft auch, Ihre Haltung und Ihr Auftreten zu perfektionieren. Meine Herrin hat ihre Gouvernante vor vielen Jahren über Empfehlungen gefunden. Vielleicht kann Ihre Community jemanden vorschlagen.“

Diese Nachrichten bestärkten Hedwig in ihrem Plan. Sie schrieb zurück und bat ihre Community um Hilfe bei der Suche nach geeigneten Personen. Besonders die Suche nach einer Gouvernante machte ihr Sorgen. Sie wusste, dass diese Position von entscheidender Bedeutung war, und wollte sicherstellen, dass sie jemanden fand, der sie wirklich verstand.

Hedwig begann, eine Liste der Anforderungen zu erstellen, basierend auf den Zuschriften und ihren eigenen Vorstellungen:

1. Zofen
Eine Zofe für die Garderobe: Sie sollte sich um Hedwigs Kleidung kümmern, bei der täglichen Ankleide helfen und die Hauben und Schleier pflegen.
Eine Zofe für den Haushalt: Sie sollte für die Sauberkeit des Hauses sorgen, Mahlzeiten vorbereiten und sich um die allgemeinen Aufgaben kümmern.

2. Gouvernante
Die Gouvernante sollte streng, aber wohlwollend sein. Sie musste ein Gefühl für Struktur und Disziplin haben und bereit sein, Hedwig auf ihrem Weg zur Perfektion als Lady of Leisure zu unterstützen. Außerdem sollte sie kulturell gebildet sein, um auch als Gesprächspartnerin zu dienen.

Die Reaktionen aus ihrer Community waren überwältigend. Viele Leserinnen und Leser boten ihre Hilfe an, einige von ihnen hörten sich in ihren Netzwerken um. Besonders die Zofen der anderen Ladies waren engagiert. Sie berichteten, dass einige Gouvernanten nach neuen Aufgaben suchten oder zumindest bereit wären, Empfehlungen auszusprechen.

Eine Nachricht von Helen, der Zofe von Lady Rosalind, stach besonders hervor:

„Lady Rosalind hat mir gesagt, dass ihre Gouvernante, Miss Hartley, vor einiger Zeit eine ihrer Schülerinnen ausgebildet hat, die nun selbst Gouvernante ist. Sie könnte perfekt für Sie sein, da sie mit den Regeln und Anforderungen vertraut ist. Ich werde versuchen, sie zu kontaktieren und sie über Ihre Pläne zu informieren.“

Hedwig war überwältigt von der Unterstützung und spürte, dass sich ihr Traum Stück für Stück verwirklichte. Doch sie wusste, dass noch viel Arbeit vor ihr lag.

Ein paar Tage später saßen Hedwig und Vanessa erneut zusammen, diesmal in Hedwigs Wohnung. Hedwig berichtete von den Fortschritten und legte ihre Pläne offen.
„Vanessa, es fühlt sich an, als würde alles plötzlich in Bewegung kommen. Das Haus, die Unterstützung aus der Community – sogar die Suche nach einer Gouvernante läuft. Ich kann es kaum glauben.“

Vanessa lächelte. „Ich bin beeindruckt, wie schnell sich das alles entwickelt. Aber was ist, wenn die Gouvernante zu streng ist? Oder wenn du mit den Angestellten nicht zurechtkommst?“
„Dann werde ich es anpassen,“ sagte Hedwig entschlossen. „Ich weiß, dass das ein Prozess ist. Aber ich habe die Unterstützung meiner Community und von dir. Und ich weiß, dass ich das schaffen kann.“

Vanessa legte eine Hand auf Hedwigs Arm. „Du weißt, dass ich immer hinter dir stehe. Und wenn du jemanden brauchst, der bei der Auswahl der Gouvernante hilft, sag Bescheid. Ich werde sicherstellen, dass sie dich nicht zu sehr tyrannisiert.“
Hedwig lachte, aber sie fühlte sich tief dankbar. Mit Vanessa an ihrer Seite und der Unterstützung ihrer Community war sie bereit, den nächsten Schritt zu machen – und ihrem neuen Leben als Lady of Leisure einen entscheidenden Schritt näher zu kommen.

Hedwig saß mit Vanessa in ihrem Wohnzimmer und schob nervös eine Tasse Tee hin und her. Sie hatte die Unterstützung ihrer Community, eine klare Vision für ihre Zukunft und sogar die Mittel, sie zu finanzieren. Doch ein großes Hindernis war immer noch ungelöst: ihre Eltern. Bis jetzt hatte sie sie noch nicht eingeweiht.
„Ich weiß, dass ich es ihnen sagen muss,“ begann sie zögernd, während Vanessa sie aufmerksam musterte. „Aber… ich glaube, es ist besser, wenn ich es nach dem Umzug mache. Wenn alles bereit ist und sie sehen, dass es keine Phase ist.“
Vanessa zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Du willst sie also vor vollendete Tatsachen stellen? Denkst du wirklich, das funktioniert? Sie könnten komplett ausrasten.“
„Vielleicht,“ gab Hedwig zu. „Aber wenn ich es jetzt erzähle, werden sie versuchen, mich davon abzubringen. Sie werden argumentieren, diskutieren, und am Ende werde ich nie dazu kommen, es durchzuziehen. Wenn sie sehen, dass alles organisiert ist – das Haus, die Angestellten, die Garderobe – dann werden sie es vielleicht akzeptieren.“

Vanessa seufzte und schüttelte den Kopf. „Hedwig, du gehst ein Risiko ein. Aber ich weiß, wie stur du bist. Also… mach es auf deine Weise. Aber ich bin dabei, wenn sie dich in die Mangel nehmen.“
Hedwig lachte nervös. „Danke, Vanessa. Das werde ich brauchen.“

Ein paar Tage später war es soweit: Die Schneiderin von Lady Eleanor, eine ältere Dame namens Miss Abbott, kam zu Hedwigs Wohnung. Miss Abbott war elegant gekleidet und trug eine altehrwürdige Aura mit sich, die perfekt zu ihrer Arbeit passte.
„Miss Kottenbrinkmann,“ sagte sie mit einem höflichen Nicken, als sie ihre Ausrüstung in Hedwigs Wohnzimmer aufbaute. „Ich habe von Ihrer Vision gehört. Es ist eine Ehre, Ihnen dabei zu helfen, Ihre Garderobe zu gestalten.“
„Vielen Dank, Miss Abbott,“ antwortete Hedwig, etwas nervös. „Ich habe so viele Ideen, aber ich vertraue auf Ihr Wissen.“
Miss Abbott musterte sie mit prüfendem Blick. „Nun, wir werden mit einer Grundgarderobe beginnen – hochgeschlossene Kleider im Stil der 1850er und 1860er Jahre, mit ausladenden Röcken, Wespentaillen und Knopfleisten, die vollständig geschlossen werden. Dazu werden wir passende Hauben, Schleier und Handschuhe anfertigen. Und natürlich darf die viktorianische Unterwäsche nicht fehlen – Korsetts, Seidenstrümpfe, Reifröcke, Krinolinen. Sind Sie bereit?“
Hedwig nickte, spürte aber, wie ihr Herz schneller schlug. „Ja, ich bin bereit.“

Die nächsten Wochen waren intensiv. Miss Abbott arbeitete unermüdlich, nahm Maß, fertigte Entwürfe an und nähte die Kleidungsstücke direkt bei Hedwig vor Ort. Die ersten Anproben waren ungewohnt für Hedwig. Die engen Korsetts, die schweren Röcke und die hochgeschlossenen Kleider fühlten sich zunächst einschränkend an. Doch mit der Zeit gewöhnte sie sich daran – und begann, die Eleganz dieser Kleidung zu schätzen.

„Sie stehen Ihnen hervorragend,“ sagte Miss Abbott eines Nachmittags, als Hedwig ein Kleid mit einem tiefblauen, ausladenden Rock und einer eng anliegenden Taille anprobierte. Die Knopfleiste am Rücken war vollständig geschlossen, und eine passende Haube bedeckte ihr Haar. „Ich bin beeindruckt von Ihrer Haltung. Sie haben eine natürliche Grazie.“
„Danke,“ antwortete Hedwig, während sie sich im Spiegel betrachtete. „Es fühlt sich… richtig an. Als wäre ich endlich in der Rolle, die zu mir passt.“
Miss Abbott lächelte. „Das ist das Ziel. Und ich habe auch Ihre ersten Armbinder fertiggestellt. Sie können sie ausprobieren, wann immer Sie bereit sind.“
Hedwig nahm die Armbinder in die Hand und betrachtete sie nachdenklich. „Noch nicht. Aber bald.“

Kurz nach der Abreise von Miss Abbott begann der nächste große Schritt: Die ersten Bewerberinnen für die Stellen als Zofen und Gouvernanten trafen ein. Die Vorstellungsgespräche fanden in Hedwigs Wohnung statt, wobei Vanessa ihr half, die Kandidatinnen zu bewerten.
„Also,“ begann Vanessa, als sie die erste Zofe verabschiedet hatten. „Was denkst du?“
Hedwig zögerte. „Sie war nett, aber ich glaube, ich brauche jemanden mit mehr Erfahrung. Jemanden, der wirklich versteht, worauf es ankommt.“

Die nächste Bewerberin, eine junge Frau namens Clara, beeindruckte Hedwig mehr. Sie hatte bereits für eine ältere Dame gearbeitet und verstand die Anforderungen einer Lady of Leisure. „Ich bin daran gewöhnt, Kleidung zu pflegen, Hauben und Schleier zu arrangieren und bei der täglichen Ankleide zu helfen,“ erklärte sie. „Ich glaube, ich könnte gut zu Ihnen passen.“

Hedwig nickte zufrieden. „Ich denke, Sie sind genau die Richtige.“
Auch bei der Suche nach einer Gouvernante gab es Fortschritte. Eine Bewerberin namens Miss Rutherford, eine Frau mittleren Alters mit strenger, aber wohlwollender Ausstrahlung, schien perfekt zu sein. „Ich habe Erfahrung in der Betreuung und Erziehung junger Damen,“ erklärte sie. „Meine Aufgabe ist es, Sie in Ihrem Lebensstil zu unterstützen, Disziplin zu fördern und Ihnen als Vertraute zur Seite zu stehen.“
Vanessa war beeindruckt. „Die ist genau das, was du brauchst. Streng, aber nicht einschüchternd.“
Hedwig nickte. „Ich denke, sie ist die Richtige.“

Mit der Garderobe fertiggestellt und den ersten Angestellten ausgewählt, stand der nächste große Schritt bevor: der Umzug in das neue Haus. Die Zofen und die Gouvernante würden helfen, alles vorzubereiten, doch Hedwig wusste, dass die größte Herausforderung noch vor ihr lag – das Gespräch mit ihren Eltern.
„Vanessa,“ sagte sie eines Abends, als sie ihre neuen Kleider sortierte. „Ich weiß, dass ich bald mit ihnen reden muss. Aber… ich habe Angst.“
Vanessa legte eine Hand auf ihre Schulter. „Das wird nicht einfach, aber du schaffst das. Sie werden vielleicht schockiert sein, aber wenn sie sehen, wie glücklich du bist, werden sie es irgendwann verstehen.“

Hedwig nickte, auch wenn sie sich nicht ganz sicher war. Doch sie wusste, dass sie bereit war, alles zu tun, um ihren Traum zu verwirklichen.
Hedwigs neues Zuhause wirkte noch leer und unbelebt, als der Umzugswagen vor dem Eingang hielt. Die weitläufige Auffahrt, das charmante Landhaus und die stille, idyllische Umgebung ließen jedoch keinen Zweifel daran, dass dies der perfekte Ort für ihr neues Leben war. Vanessa, Mrs. Rutherford, die Gouvernante, und die Zofen Clara und Sophia hatten sich eingefunden, um Hedwig beim Umzug zu helfen.
„Das ist wirklich wunderschön, Hedwig,“ sagte Vanessa, während sie eine Kiste mit Büchern ins Haus trug. „Ich kann mir keinen besseren Ort für dich vorstellen.“
„Es ist genau das, was ich wollte,“ antwortete Hedwig lächelnd. „Ein Ort, der Ruhe und Rückzug ermöglicht.“

Clara und Sophia waren bereits dabei, die ersten Kisten auszupacken, während Mrs. Rutherford den Überblick über die Organisation behielt. „Meine Damen,“ sagte sie in ihrem gewohnt strengen, aber höflichen Ton. „Lassen Sie uns effizient arbeiten. Es gibt noch viel zu tun.“

Die Arbeit verlief reibungslos, und innerhalb eines Tages waren die wichtigsten Dinge ausgepackt. Hedwigs Garderobe wurde in einem eigens dafür vorgesehenen Ankleidezimmer sorgfältig verstaut, und die Gemeinschaftsräume erhielten ihre erste persönliche Note. Hedwig beobachtete das geschäftige Treiben und fühlte eine tiefe Zufriedenheit. Dies war der Anfang ihres neuen Lebens.

Am Abend, als alle bei einer Tasse Tee zusammensaßen, brachte Mrs. Rutherford die nächsten Schritte zur Sprache. „Miss Kottenbrinkmann, nun, da der Umzug abgeschlossen ist, sollten wir darüber sprechen, wann Sie mit dem Tragen des Armbinders beginnen möchten.“
Hedwig zögerte. „Ich dachte, das könnte noch etwas warten. Es ist ein großer Schritt.“
Mrs. Rutherford nickte. „Das ist verständlich. Aber bedenken Sie, dass der Armbinder ein wichtiger Bestandteil Ihres Lebensstils ist. Je früher Sie beginnen, desto leichter wird es Ihnen fallen, sich daran zu gewöhnen.“
Vanessa, die neben Hedwig saß, legte eine Hand auf ihren Arm. „Sie hat recht. Es wird am Anfang schwer sein, aber ich weiß, dass du das schaffen kannst.“
Hedwig atmete tief durch. „Vielleicht… vielleicht sollte ich wirklich bald damit anfangen.“

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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 8 Datum:18.01.25 22:17 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 8 – Abschied und Hingabe

In den darauffolgenden Tagen beschäftigte sich Hedwig mit einer weiteren wichtigen Frage: Sollte sie keusch leben? Es war ein Thema, das ihr in ihrer Community immer wieder begegnet war, und sie wollte es nicht länger ignorieren.
„Was denkst du, Vanessa?“ fragte Hedwig, während sie zusammen im Garten saßen.
Vanessa dachte kurz nach. „Ehrlich gesagt? Ich glaube, es würde zu deinem Lebensstil passen. Es wäre konsequent. Aber das ist eine Entscheidung, die nur du treffen kannst.“

Hedwig nickte und wandte sich an Mrs. Rutherford. „Und Sie? Was denken Sie darüber?“
Die Gouvernante legte ihre Tasse ab und sah Hedwig ernst an. „Miss Kottenbrinkmann, ich bin hier, um Sie zu unterstützen, nicht, um Ihnen Vorschriften zu machen. Aber ich denke, dass Keuschheit eine noble Entscheidung wäre, die Ihre Hingabe an diesen Lebensstil unterstreicht. Es ist jedoch Ihre Wahl.“

Um eine breitere Perspektive zu bekommen, fragte Hedwig auch ihre Community. Die Antworten waren ermutigend, wenn auch zurückhaltend:

„Liebe Miss Kottenbrinkmann,
ich denke, Keuschheit würde Ihre Transformation vervollständigen. Es ist ein Zeichen von Disziplin und Selbstkontrolle. Natürlich liegt diese Entscheidung ganz bei Ihnen, aber ich würde es begrüßen.“


„Miss Kottenbrinkmann,
ich bewundere Ihren Mut und Ihre Hingabe. Ein keusches Leben würde Ihren Lebensstil perfekt abrunden, aber ich möchte Sie wissen lassen, dass ich Sie in jedem Fall unterstütze.“


„Meine Herrin, Lady Rosalind, lebt seit ihrer Jugend keusch. Sie sagte einmal, dass es ihr geholfen hat, ihren Geist zu klären und ihre Ziele zu fokussieren. Ich denke, das könnte auch für Sie ein Weg sein.“

Hedwig fühlte sich durch die Zuschriften bestärkt. Es war eine große Entscheidung, aber sie begann, sich mit dem Gedanken anzufreunden.

Eine weitere Frage stand noch aus: Was würde aus ihrem Blog werden? Da sie sich nun vollständig zurückziehen wollte, war klar, dass sie nicht mehr online aktiv sein konnte. Gemeinsam mit Mrs. Rutherford und ihren Zofen entschied Hedwig, dass sie die Kommunikation in Zukunft über postalische Briefe abwickeln würde. Clara und Sophia würden die Briefe für sie schreiben und verschicken, basierend auf Hedwigs Anweisungen.

In ihrem letzten Blogeintrag schrieb sie:

„Liebe Leserinnen und Leser,
dies wird mein letzter Beitrag sein. Ich trete nun vollständig in meinen neuen Lebensstil ein und werde mich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Ich danke Ihnen allen für Ihre Unterstützung und Ermutigung. Es ist eine Reise, die ich ohne Sie nicht hätte antreten können. In Zukunft werde ich meine Gedanken und Erfahrungen in Form von Briefen teilen, die von meinen Zofen verfasst und verschickt werden. Danke, dass Sie mich auf diesem Weg begleitet haben.“


Der Blogeintrag erhielt Tausende von Kommentaren, viele davon voller Dankbarkeit und guter Wünsche. Hedwig fühlte sich bereit, dieses Kapitel hinter sich zu lassen.

Mit dem Blog eingestellt und der neuen Kommunikationsmethode vorbereitet, war klar, dass der Armbinder der nächste logische Schritt war. Hedwig wandte sich erneut an Mrs. Rutherford.
„Ich denke, es ist Zeit, mit dem Armbinder zu beginnen,“ sagte sie. „Ich möchte es schrittweise angehen, aber ich weiß, dass es ein wichtiger Teil meines Lebensstils ist.“

Mrs. Rutherford lächelte leicht. „Sehr gut, Miss Kottenbrinkmann. Wir werden behutsam vorgehen. Clara und Sophia werden Ihnen dabei helfen.“
Hedwig nickte, spürte jedoch ein leichtes Kribbeln der Aufregung. Sie wusste, dass sie auf dem Weg war, den sie sich immer erträumt hatte – und dass es kein Zurück mehr gab.

Hedwig saß in ihrem Ankleidezimmer, während Clara und Sophia ihr halfen, den Armbinder anzulegen. Die ersten Tage mit dem neuen Zubehör waren ungewohnt gewesen – die Einschränkung ihrer Bewegungen, das Gefühl der völligen Abhängigkeit von ihren Zofen. Doch allmählich fand sie Gefallen daran. Es war, als ob der Armbinder sie auf eine tiefergehende Weise mit ihrem neuen Lebensstil verband.

„Wie fühlt es sich heute an, Miss Kottenbrinkmann?“ fragte Clara sanft, während sie die Lederriemen festzog.

„Es wird… natürlicher,“ antwortete Hedwig leise. Sie betrachtete sich im Spiegel: das hochgeschlossene Kleid, die perfekt arrangierte Haube, der blickdichte Schleier und nun der Armbinder, der ihre Arme elegant auf ihrem Rücken fixierte. „Es fühlt sich an, als würde ich endlich vollständig in meiner Rolle ankommen.“
Sophia lächelte. „Sie wirken auch viel ruhiger, Miss. Es steht Ihnen.“

Die Entscheidung, keusch zu leben, hatte Hedwig nach langen Überlegungen getroffen.
Die Zuschriften aus ihrer Community, die Gespräche mit Vanessa und Mrs. Rutherford, all das hatte sie bestärkt.

Als sie schließlich die ersten Kleidungsstücke erhielt, die ihren neuen Lebensstil unterstützen sollten, war sie beeindruckt. Der keusche Gürtel war aus hochwertigem Material gefertigt, mit feinen Details, die ihn fast wie ein Kunstwerk erscheinen ließen. Er wurde so gestaltet, dass er sich nahtlos mit ihren Korsetts kombinieren ließ.
Clara half ihr vorsichtig, den Gürtel anzulegen, und erklärte, wie er getragen und gepflegt werden sollte. Die Schenkelbänder, die leise klirrten und raschelten, erzeugten bei jeder ihrer Bewegungen ein sanftes Geräusch.

„Es ist ein weiterer Schritt,“ sagte Hedwig, während sie sich an das neue Gefühl gewöhnte. „Ein weiterer Schritt in die Richtung, die ich gewählt habe.“
Mrs. Rutherford, die im Hintergrund stand, nickte anerkennend. „Es ist eine noble Entscheidung, Miss Kottenbrinkmann. Keuschheit erfordert Disziplin und Hingabe, aber ich glaube, Sie werden darin Erfüllung finden.“

Mit ihrer Transformation fast vollständig abgeschlossen, wusste Hedwig, dass es an der Zeit war, ihre Eltern einzubeziehen. Sie schrieb ihnen einen langen Brief, in dem sie ihre Entscheidung erklärte und sie einlud, sie in ihrem neuen Zuhause zu besuchen. Sie betonte, dass sie glücklich war und dass dies der Lebensstil war, der sie erfüllte.

Ein paar Tage später kam die Antwort: Ihre Eltern waren neugierig, aber nicht ablehnend. Tatsächlich klang ihre Mutter fast fasziniert von Hedwigs Beschreibung ihres neuen Lebens. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Clarissa, die 22 Jahre alt war und gerade ihr Studium abgeschlossen hatte, kündigten sie an, Hedwig bald zu besuchen.
Der Tag des Besuchs war gekommen. Hedwig trug eines ihrer elegantesten Kleider, kombiniert mit Haube, Schleier, Korsett und dem keuschen Gürtel. Clara und Sophia halfen ihr, sich vorzubereiten, während Mrs. Rutherford den Ablauf des Treffens koordinierte.

Als ihre Eltern und Clarissa ankamen, wurden sie von Vanessa begrüßt und ins Wohnzimmer geführt. Hedwig betrat den Raum mit langsamen, anmutigen Schritten, begleitet vom leisen Klirren der Schenkelbänder. Sie war nervös, doch die neugierigen und respektvollen Blicke ihrer Familie beruhigten sie.
„Hedwig,“ sagte ihre Mutter, während sie aufstand. „Du siehst… wunderschön aus. So anmutig.“
„Danke, Mutter,“ antwortete Hedwig leise. „Ich freue mich, dass ihr gekommen seid.“
Während des Nachmittags erklärte Hedwig ihnen ausführlich ihren Lebensstil. Sie sprach über die Ruhe, die sie gefunden hatte, über die Unterstützung ihrer Community und über ihre Pläne für die Zukunft. Ihre Eltern hörten aufmerksam zu, und zu ihrer Überraschung stieß sie auf keinerlei Ablehnung.

„Ich muss zugeben,“ sagte ihr Vater schließlich. „Ich war skeptisch, als ich deinen Brief gelesen habe. Aber jetzt, wo ich sehe, wie glücklich und ausgeglichen du bist, verstehe ich, warum du diesen Weg gewählt hast.“
Clarissa, die während des Gesprächs still gewesen war, sprach plötzlich. „Es klingt… faszinierend. Ich hätte nie gedacht, dass ein solcher Lebensstil so erfüllend sein kann.“
Hedwig sah ihre Schwester überrascht an. „Du interessierst dich dafür?“
Clarissa zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber ich habe mein Studium abgeschlossen und fühle mich irgendwie verloren. Vielleicht ist das ein Weg, um Ruhe zu finden.“

Ihre Mutter lächelte. „Vielleicht solltest du ein paar Tage hier bei Hedwig verbringen und es dir ansehen.“
Am Ende des Tages war Hedwig überglücklich. Nicht nur hatten ihre Eltern ihre Entscheidung akzeptiert, sondern es gab auch die Möglichkeit, dass ihre Schwester Clarissa ebenfalls diesen Weg einschlagen könnte. Das war ein Gedanke, der sie mit Stolz erfüllte.

Am nächsten Tag saß Hedwig in ihrem Ankleidezimmer und betrachtete sich im Spiegel.
Ihr Kleid, ein meisterhaftes Werk von Miss Abbott, betonte ihre schmale Taille und fiel in eleganten Wellen bis zum Boden. Darunter trug sie die vollständige viktorianische Unterwäsche: Seidenstrümpfe, eine Krinoline und mehrere Reifröcke. Doch der Armbinder war das, was ihre Aufmerksamkeit fesselte. Er zog ihre Arme sanft, aber bestimmt hinter ihren Rücken und hielt sie in einer Position, die für Hedwig noch ungewohnt war.
„Miss Kottenbrinkmann,“ sagte Mrs. Rutherford, die mit Clara und Sophia anwesend war, „es ist beeindruckend, wie schnell Sie sich daran gewöhnen. Ihre Haltung hat sich bereits verbessert.“
„Danke,“ sagte Hedwig leise. „Es fühlt sich… seltsam beruhigend an. Ich hatte Angst, dass es zu einschränkend sein würde, aber es ist fast befreiend.“

Hedwigs Tage hatten sich in eine klare, geordnete Routine verwandelt. Jeden Morgen halfen ihr Clara und Sophia beim Ankleiden. Das Anlegen des Korsetts war zu einem festen Ritual geworden, bei dem sie bewusst tief atmete und die Enge als unterstützenden Halt empfand. Danach folgte das Anlegen des Armbinders, ein Moment, der sie immer wieder mit einer Mischung aus Ruhe und Unterwerfung erfüllte.

Das Gefühl der Bewegungseinschränkung, das sie zu Beginn als ungewohnt empfunden hatte, war inzwischen zu einem beruhigenden Bestandteil ihres Alltags geworden. Ihre Zofen schlossen die Lederriemen sorgfältig, und Hedwig spürte, wie ihre Arme fest, aber nicht unangenehm hinter ihrem Rücken fixiert wurden.
„Fühlen Sie sich wohl, Miss Kottenbrinkmann?“ fragte Clara, während sie die letzten Schnallen überprüfte.
„Ja, Clara,“ antwortete Hedwig leise. „Es gibt mir ein Gefühl von Ordnung und Fokus. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch wirklich zur Ruhe komme.“
Der Armbinder bedeutete für Hedwig nicht nur eine körperliche Einschränkung, sondern auch eine symbolische Loslösung von der Hektik der Welt. Er zwang sie, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und ihre Zofen um Hilfe zu bitten – eine Abhängigkeit, die sie paradoxerweise als befreiend empfand.

Vanessa kam fast jeden Tag vorbei, um Zeit mit Hedwig zu verbringen. Seit kurzem hatte sie beschlossen, Hedwig zu unterstützen, indem sie selbst Handschellen trug, während sie das Grundstück besuchte.
„Ich will verstehen, wie du dich fühlst,“ erklärte Vanessa eines Nachmittags, als sie mit den Händen auf dem Rücken durch den Garten spazierten. „Natürlich ist es nicht dasselbe wie dein Armbinder, aber es hilft mir, deine Perspektive besser zu begreifen.“
Hedwig lächelte unter ihrem Schleier. „Das bedeutet mir viel, Vanessa. Es zeigt, wie sehr du mich unterstützt.“
„Aber sag mal,“ begann Vanessa zögerlich, „du hast jetzt alles: dein Haus, deine Zofen, Mrs. Rutherford. Wäre es nicht der nächste logische Schritt, dich vollständig zurückzuziehen? Ich meine, Hausarrest – das Grundstück gar nicht mehr zu verlassen. Es würde zu deinem Lebensstil passen.“

Hedwig blieb stehen und dachte nach. „Ich habe darüber nachgedacht,“ gab sie zu. „Aber es ist eine große Entscheidung. Ich glaube, ich sollte meine Community um Rat fragen.“
Vanessa nickte. „Das klingt vernünftig. Sie haben dich bis jetzt unterstützt, und ich bin sicher, sie werden dir helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.“

Hedwig setzte sich mit Clara zusammen und diktierte einen Rundbrief an ihre Community, in dem sie die Frage des Hausarrests zur Diskussion stellte:

„Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
ich stehe vor einer weiteren wichtigen Entscheidung in meiner Transformation. Bisher habe ich das Grundstück meines Hauses gelegentlich verlassen, doch ich frage mich, ob es an der Zeit ist, dies vollständig einzustellen. Ein vollständiger Rückzug würde bedeuten, das Grundstück nur noch in medizinischen Notfällen zu verlassen.
Ich würde mich über eure Meinungen und Ratschläge freuen, da ihr mich auf diesem Weg so weit begleitet habt.
Mit Dankbarkeit,
Hedwig“


Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten.
Eine Zuschrift von Lady Rosalinds Zofe Helen lautete:

„Meine Herrin hat das Grundstück seit über zwanzig Jahren nicht verlassen. Sie sagt, dass dieser Schritt ihr geholfen hat, völlige Ruhe und Klarheit zu finden. Es ist eine schwierige Entscheidung, aber sie glaubt, dass es den Lebensstil einer Lady of Leisure vollständig abrundet.“

Eine weitere Zuschrift von Margaret, der Zofe von Lady Eleanor, war ähnlich:

„Lady Eleanor hat diesen Schritt vor vielen Jahren gemacht und betrachtet ihn als die endgültige Abkehr von der modernen Welt. Es erfordert Disziplin, aber sie sagt, dass es die ultimative Freiheit ist.“

Ein Leser schrieb:

„Liebe Miss Kottenbrinkmann,
ich bewundere Ihre Hingabe und denke, dass Hausarrest die natürliche Konsequenz Ihrer bisherigen Entscheidungen ist. Es wäre ein Zeichen Ihrer völligen Hingabe an diesen Lebensstil. Ich bin sicher, Sie werden den richtigen Weg finden.“
Hedwig besprach die Antworten mit Vanessa und Mrs. Rutherford. Sie saßen in Hedwigs Salon, und Hedwig trug wie immer ihren Armbinder, während Vanessa ihre Handschellen trug.


„Es scheint, als wäre die Meinung eindeutig,“ sagte Vanessa. „Deine Community sieht es als den nächsten logischen Schritt.“
Mrs. Rutherford nickte zustimmend. „Ich stimme zu. Es wird Ihre Hingabe an diesen Lebensstil unterstreichen. Natürlich bedeutet es eine Einschränkung, aber es ist eine, die Ihrem Ziel entspricht.“
Hedwig atmete tief durch. „Dann ist es beschlossen. Ab jetzt werde ich das Grundstück nur noch im medizinischen Notfall verlassen.“
Vanessa lächelte und legte eine Hand auf Hedwigs Arm. „Ich bin stolz auf dich. Es ist ein großer Schritt, aber ich weiß, dass du ihn meistern wirst.“

Die Entscheidung fiel Hedwig leichter, als sie gedacht hatte. Mit dem weitläufigen Garten, den gepflegten Räumen und der Unterstützung ihrer Zofen fühlte sie sich nicht eingesperrt, sondern befreit von äußeren Verpflichtungen. Der Hausarrest war nicht nur eine physische Einschränkung, sondern ein Symbol für ihre völlige Hingabe an ihren Lebensstil – ein Leben, das sie mit jeder Entscheidung weiter perfektionierte.

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von BlackCoon am 19.01.25 um 22:09 geändert
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  Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 9 Datum:19.01.25 16:03 IP: gespeichert Moderator melden


Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 9 -Tage in Harmonie

Hedwigs Tage folgten einer klaren und ruhigen Routine, die ihr Halt und Frieden gab. Jeder Moment war durchdacht, jeder Schritt ein Teil ihres neuen Lebens als Lady of Leisure. Der Hausarrest hatte ihr Leben noch strukturierter gemacht, und sie fand eine tiefe Zufriedenheit in der Einfachheit ihres Tagesablaufs.

Der Tag begann früh. Clara und Sophia halfen Hedwig nach dem Frühstück beim Ankleiden. Das Korsett wurde festgezogen, der keusche Gürtel sorgfältig überprüft, und der Armbinder fixierte ihre Arme elegant hinter ihrem Rücken. Schließlich wurde ihr Schleier über die Haube gelegt, wodurch ihr Gesicht vollständig verdeckt wurde.

„Miss Kottenbrinkmann, Sie wirken heute besonders ruhig,“ sagte Clara, während sie die letzten Schnallen des Armbinders überprüfte.
„Danke, Clara,“ antwortete Hedwig. „Ich fühle mich… geerdet.“

Der Vormittag war der Kontemplation gewidmet. Hedwig verbrachte eine Stunde im Salon, wo sie aufrecht in einem Stuhl saß, den Blick durch den Schleier nach vorn gerichtet. Ihre Haltung war makellos, die Schultern zurückgezogen, der Rücken gerade. Sie sprach nicht, sondern ließ ihre Gedanken schweifen und achtete auf die Empfindungen ihres Körpers. Das Gewicht des Armbinders, die Enge des Korsetts – alles wurde Teil ihrer Meditation.

Nach der Sitzkontemplation stand sie auf und verbrachte eine weitere halbe Stunde stehend. Mrs. Rutherford beobachtete sie dabei diskret, um sicherzustellen, dass ihre Haltung korrekt war.
„Ihre Haltung ist ausgezeichnet, Miss Kottenbrinkmann,“ kommentierte Mrs. Rutherford. „Ich bin beeindruckt von Ihrer Disziplin.“
Nach der Kontemplation war Zeit für den Müßiggang. Hedwig setzte sich in ihren Lieblingssessel im Salon, wo sie entweder Musik hörte oder einfach nur vor sich hin träumte. Ihre Zofen legten sanfte klassische Musik auf, während Hedwig die Klänge durch ihren Schleier auf sich wirken ließ.
„Die Musik ist wunderschön,“ sagte sie leise. „Es ist, als würde sie die Zeit stillstehen lassen.“
Clara, die neben ihr stand, nickte. „Es ist die perfekte Wahl, Miss.“

Manchmal verbrachte Hedwig die Zeit im Garten, wo sie von ihren Zofen begleitet wurde. Sie ging langsam entlang der geschwungenen Wege, das sanfte Klirren ihrer Schenkelbänder begleitete jeden Schritt. Die frische Luft und die Stille des Gartens trugen zu ihrer inneren Ruhe bei.
Am Nachmittag war es Zeit für Vorlesestunden. Clara oder Sophia lasen ihr aus einem Buch vor, während Hedwig in ihrem Sessel saß und aufmerksam lauschte. Heute war es ein Gedichtband von Rainer Maria Rilke.

„‚Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.‘“ Clara las mit sanfter Stimme, und Hedwig nickte.
„Rilke versteht es, die Essenz des Lebens einzufangen,“ sagte Hedwig. „Seine Worte bringen eine Ruhe, die perfekt zu diesem Lebensstil passt.“
Die Teezeit war einer der Höhepunkte des Tages. Clara und Sophia richteten das Teeservice im Wintergarten an, wo das Licht durch die hohen Fenster fiel und eine sanfte, warme Atmosphäre schuf. Es gab feinen Schwarztee und kleine Kuchen, die liebevoll angerichtet wurden.

„Miss Kottenbrinkmann, Ihr Tee ist bereit,“ sagte Clara, während sie den ersten Schluck einschenkte. Sophia hielt den Teller mit den Kuchen bereit.
„Danke, Clara, Sophia. Ihr macht das immer so perfekt,“ sagte Hedwig, während sie den Duft des Tees durch ihren Schleier wahrnahm.

Einige Tage in der Woche besuchten Hedwigs Eltern oder ihre Schwester Clarissa sie. Heute jedoch war Vanessa zu Gast. Sie trug ihre Handschellen, um Hedwig in ihrem Lebensstil zu unterstützen.
„Es ist immer so ruhig hier,“ sagte Vanessa, während sie neben Hedwig im Salon saß. „Ich verstehe, warum du diesen Lebensstil gewählt hast.“

„Es gibt mir so viel,“ antwortete Hedwig. „Die Routine, die Ruhe, die Einfachheit. Es fühlt sich an, als hätte ich endlich meinen Platz gefunden.“
Vanessa nickte. „Ich sehe das. Und ich bewundere dich dafür, dass du das so konsequent durchziehst.“

Manchmal sprachen sie über triviale Dinge, manchmal über tiefere Themen. Vanessa war für Hedwig ein wichtiger Kontakt zur Außenwelt, und ihre Gespräche halfen ihr, ihre Gedanken zu sortieren.
Die Abende waren erneut der Kontemplation und der Musik gewidmet. Hedwig verbrachte Zeit in ihrem Ankleidezimmer, wo ihre Zofen ihr halfen, sich auf die Nacht vorzubereiten. Der Armbinder wurde entfernt, aber das Korsett blieb, da es ihre Haltung auch im Schlaf unterstützte.
„Es war ein schöner Tag,“ sagte Hedwig, als sie sich ins Bett legte. „Danke, dass ihr mir so gut geholfen habt.“
„Es ist uns eine Ehre, Miss Kottenbrinkmann,“ antwortete Clara.

Als Hedwig die Augen schloss, spürte sie die Ruhe und die Ordnung, die ihr Lebensstil ihr brachte. Jeder Tag war eine Bestätigung dafür, dass sie den richtigen Weg gewählt hatte.

Hedwig schlenderte langsam durch die weiten Gärten ihres Anwesens. Die Sonne schien sanft durch die Bäume, und der Duft von blühenden Rosen lag in der Luft. Begleitet wurde sie von Clara, die stets darauf bedacht war, dass ihre Herrin sich wohlfühlte. Hedwig schätzte diese Spaziergänge besonders, denn sie gaben ihr die Gelegenheit, die Ruhe der Natur auf sich wirken zu lassen.

Das leise Klirren der Ketten an ihren Schenkelbändern begleitete jeden ihrer Schritte, ein sanftes Geräusch, das Hedwig inzwischen beruhigend fand. Es erinnerte sie an ihre Hingabe an diesen Lebensstil – an die Disziplin und Ordnung, die sie gewählt hatte. Durch die Verbindung der Schenkelbänder konnte sie ihre Beine nicht spreizen, was ihren Gang anmutig und bedacht machte.

„Clara,“ sagte Hedwig schließlich, während sie stehen blieb und den Blick über die Blumenbeete schweifen ließ. „Ich habe in letzter Zeit oft über die anderen Ladies of Leisure nachgedacht. Wie sie leben, was sie bewegt hat, diesen Weg einzuschlagen. Ich würde gerne mehr darüber erfahren.“

Clara lächelte. „Das ist eine wunderbare Idee, Miss Kottenbrinkmann. Möchten Sie Briefe verfassen, um sie zu befragen?“
Hedwig nickte. „Ja, ich möchte wissen, wie lange sie schon zurückgezogen leben, warum sie sich dafür entschieden haben und wie sie diesen Lebensstil empfinden. Es wäre faszinierend, ihre Perspektiven zu hören.“
„Ich werde alles notieren,“ sagte Clara, während sie ein kleines Notizbuch zückte.
Zurück im Salon diktierte Hedwig mehrere Briefe an die Zofen anderer Ladies of Leisure. Sie sprach in jedem Brief ihre Bewunderung für die Hingabe der Ladies aus und stellte gezielt Fragen:

„Liebe Zofe,
es ist mir eine Freude, mich mit Ihnen auszutauschen. Meine Bewunderung gilt Ihrer Herrin, die sich diesem edlen Lebensstil mit solcher Hingabe verschrieben hat. Ich würde mich freuen, mehr über sie zu erfahren:
Wie lange lebt sie schon zurückgezogen?
Was waren ihre Beweggründe, Lady of Leisure zu werden?
Wie empfindet sie diesen Lebensstil heute?
Mit freundlichen Grüßen,
Miss Hedwig Kottenbrinkmann“


Clara verschickte die Briefe und wenige Wochen später trafen die Antworten ein. Hedwig ließ sich jeden Brief vorlesen, während sie im Salon saß und lauschte.
Der erste Brief stammte von Helen, der Zofe von Lady Rosalind:

„Liebe Miss Kottenbrinkmann,
meine Herrin, Lady Rosalind, lebt seit über zwanzig Jahren als Lady of Leisure. Ihre Entscheidung fiel nach einer tiefen persönlichen Krise – sie fühlte sich von den Erwartungen der Gesellschaft überwältigt. Heute sagt sie, dass dieser Lebensstil ihr inneren Frieden und Klarheit gebracht hat. Sie ist überzeugt, dass die völlige Isolation sie zu ihrem wahren Selbst geführt hat.
Mit besten Grüßen,
Helen“


Hedwig schloss die Augen, als sie diese Worte hörte. „Zwanzig Jahre,“ murmelte sie. „Das ist unglaublich. So eine Hingabe.“
Der nächste Brief kam von Margaret, der Zofe von Lady Eleanor:

„Sehr geehrte Miss Kottenbrinkmann,
Lady Eleanor lebt seit fünfzehn Jahren zurückgezogen. Sie traf diese Entscheidung aus Überzeugung, da sie den Lärm und die Hektik der modernen Welt hinter sich lassen wollte. Sie sagt, dass sie durch diesen Lebensstil eine Verbindung zu einer tieferen, spirituellen Ebene gefunden hat. Jeder Tag ist eine Meditation, eine Feier der Einfachheit.
Mit freundlichen Grüßen,
Margaret“


Hedwig nickte langsam. „Es ist faszinierend, wie unterschiedlich die Beweggründe sein können. Eine Krise, eine spirituelle Suche… Und doch führt es immer zu Frieden.“
Der letzte Brief, der an diesem Tag vorgelesen wurde, stammte von Emma, der Zofe von Lady Charlotte:

„Liebe Miss Kottenbrinkmann,
meine Herrin hat sich vor zehn Jahren dazu entschlossen, Lady of Leisure zu werden. Ihr Beweggrund war die Sehnsucht nach Kontrolle über ihr Leben. Sie wollte eine Welt schaffen, in der sie die Regeln bestimmt. Heute beschreibt sie ihren Lebensstil als erfüllend und befreiend. Es war die beste Entscheidung, die sie je getroffen hat.
Mit besten Grüßen,
Emma“


Hedwig lächelte unter ihrem Schleier. „So unterschiedlich die Geschichten auch sind, eines ist klar: Jede von ihnen hat ihren Frieden gefunden.“

Nach dem Vorlesen der Briefe verbrachte Hedwig den Nachmittag damit, über das Gehörte nachzudenken. Beim Abendessen sprach sie mit Clara und Sophia darüber.
„Es ist beruhigend zu wissen, dass ich nicht allein bin,“ sagte Hedwig. „Diese Frauen haben ähnliche Entscheidungen getroffen und leben ein Leben, das mich inspiriert.“
„Das zeigt, dass Sie auf dem richtigen Weg sind, Miss,“ antwortete Clara. „Sie sind Teil einer besonderen Gemeinschaft.“

Später am Abend kam Vanessa zu Besuch, wie so oft. Auch sie war neugierig auf die Briefe und hörte aufmerksam zu, als Hedwig sie zusammenfasste.
„Es ist wirklich beeindruckend,“ sagte Vanessa. „Es zeigt, wie individuell dieser Lebensstil ist und wie viel er bedeuten kann. Ich sehe, wie sehr dich das inspiriert.“
Hedwig nickte. „Es bestärkt mich in meiner Entscheidung. Und es gibt mir das Gefühl, dass ich wirklich angekommen bin.“
Vanessa lächelte. „Ich bin stolz auf dich, Hedwig. Du lebst dein Leben auf eine Weise, die die meisten nicht einmal verstehen würden – aber du findest darin Erfüllung. Das ist alles, was zählt.“

Hedwig fühlte sich in diesem Moment vollkommen. Sie wusste, dass sie ihren Platz gefunden hatte – und das sie auf einer spannenden Reise war.

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von BlackCoon am 19.01.25 um 22:10 geändert
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  RE: Hedwig und die Ladies of Leisure - Kapitel 1 Datum:19.01.25 16:06 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo, hier wieder ein längeres Kapitel. Ihr müsst mir sagen, wenn das immer noch zu viel auf einmal ist, dann warte ich ein bisschen. Grundsätzlich ist die Geschichte fertig, aber sie ist sehr lang. Arbeite aber auch noch daran. Man kann sicher auch noch sprachlich was machen.

LG
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